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Bergbewohner
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Ungelesener Beitrag von Bergbewohner » 07.04.2021 23:58

Hallöchen,

falls es so einen Thread in der Art schon gibt bitte ich um Entschuldigung.

Zum Thema: Ich wollte den Bücherwürmern unter euch mal eine Frage stellen. Und zwar muss ich zugeben, das ich Schwierigkeiten habe, an Fantasyliteratur ranzukommen die mir gefällt. Ich bin jemand der gerne einfach blind in einen Buchladen geht und sich da umsieht. Wenn ich mich durch SciFi wühle finde ich öfters etwas, was mir gefällt, aber bei Fantasy leidet es für mich daran, das die Präsentation der Bücher mehr oder weniger identisch aussehen und oft sehr seicht wirken. Darum wollte ich mal nach Tipps fragen, was man in dem Genre so an "nicht-seichter"-Literatur finden kann?

Ich mag im SciFi-Bereich z.B. Phillip K Dick (Scanner Darkly ist super) oder William Gibson, auch Frank Herberts Dune hat mir gefallen, Myra Cakan fand ich ganz nett aufgrund der dichten Atmosphäre ihrer beiden Bücher die ich gelesen habe, Dimitri Glukhovskys Futu.re fand ich super (und extrem bedrückend) oder Asimovs Ende der Ewigkeit, Fahrenheit von Bradbury etc. etc. Ansonsten gibts noch mehr, aber ich denke ihr versteht was für Literatur ich mag. ;) Bei Fantasyliteratur bin ich aber etwas überfragt, ich kenne Sapkowski und natürlich G.R.R.-Martin, auch die Wächterreihe fand ich (zumindest die ersten zwei, drei Bücher) gut. Das letzte DSA-Buch das ich in die Hand genommen habe (Rabenblut oder so?) war mir etwas zu seicht. Kennt jemand etwas im Fantasybereich was mir gefallen könnte und weniger Richtung Jugendliteratur / Tropes geht (oder wenn Tropes, dann gut gemacht und nicht "der Junge findet heraus das er auserwählt wurde vom Schicksal und jetzt den bösen Zauberer besiegt und das Mädchen erobert"?) ?

PS: Bitte nicht falsch verstehen, ich will niemanden angehen der Bücher mag die ich jetzt ein wenig flapsig als seicht bezeichnet habe. Ich denke nur das z.B. SciFi eine sehr große Spannbreite an Thematiken und Zielpublikum hat von Mit-dem-Raumschiff-fliegen-Pulp zu P.K. Dick zu Solaris hat und frage mich wo die gesellschaftskritischen high-concept Fantasybücher sind?

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Azazyel
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Ungelesener Beitrag von Azazyel » 08.04.2021 00:06

Schau dir mal von Stephen R. Donaldsson die Reihe "Die Chroniken von Thomas Covenant" an. Dark Fantasy, häufig düster-verzweifelt, man steckt im Kopf des Protagonisten regelrecht fest und hat an dessen (Selbst-)Zweifeln teil. Über lange Zeiten hinweg glaubt er nicht mal an die fantasische Welt, in die er da geworfen wurde, sondern meint, wahnsinnig zu werden. Der Autor ist auch sehr konsequent darin, ihn die Konsequenzen seiner Handlungen spüren zu lassen. Manchmal bedrückend, aber du scheinst nach deiner Beschreibung mit sowas ja kein Problem zu haben.
Meistert: Die Seelen der Magier (A10); Der Zorn des Satuul (AvJb 1036)

Spielt: Schloss Strobanoff (A207); Al'Anfa-Runde (inoff., ca. 1027 BF)

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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 08.04.2021 00:14

DSA Romane behandeln doch sicher solche Themen, oder?
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"Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet" - Jesus Christus.

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Alle Generierungsstile sind gleichwertig.

BgG FasarGladiator ist absolut in Ordnung.

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Ungelesener Beitrag von Hina » 08.04.2021 00:28

Ich nehme an, Umberto Eco ist schon bekannt (Baudolino z.B. wuerde ich durchaus als Fantasy zaehlen); ebenso Salman Rushdie (Enchantress of Florence)? Alles von Neil Gaiman und Neal Stephenson ist erstklassig, aber tendiert auf dem Spektrum SF-Fantasy wohl eher zu ersterem.

Aus den SF-Buechern zu schliessen, die Du auflistest, sollte Dir Gene Wolfs Book of the New Sun gefallen. Hoch geruehmt wird auch Malazan Book of the Fallen, aber das habe ich selbst noch nicht gelesen. Auch die Klassiker von Michael Moorcock (Elric Melnibone) behandeln hinter der pulpigen Facade tiefere Themen. Wenn es weniger philosophisch und mehr aventurisch-pseudohistorisch sein darf, empfehle ich Guy Gavriel Kays historisierende Phantastik (z.B. Lions of al-Rassan, Tigana) - die lassen sich im Uebrigen quasi alle in DSA als Abenteuer umsetzen. ;)

Anspruchsvollere DSA-Romane gibt es durchaus auch: Auf die schnelle fallen mir die Galotta-, Hjaldinger- und Answin-Serien sowie Der Kreis der Sechs und das hinreissend experimentelle Faedhari ein. Ich will das auch fuer Hennens Drei Naechte in Fasar und Kiesows Zerbrochenes Rad behaupten, aber es ist um ehrlich zu sein zu lange her, dass ich die gelesen habe, und es mag jugendliche Verklaerung mitschwingen.
Zuletzt geändert von Hina am 08.04.2021 00:46, insgesamt 4-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 08.04.2021 00:35

Ah, ich kann Schwert in der Stille und die Fokgebände nur empfehlen!

Entführen einen in ein medival-japanisch angehauchtes Setting, das Politik, Assasinengilden, Liebe und Gesellschaftskririk beinhaltet.

Mega geil!
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Ungelesener Beitrag von Aryador » 08.04.2021 00:55

Bergbewohner hat geschrieben:
07.04.2021 23:58
PS: Bitte nicht falsch verstehen, ich will niemanden angehen der Bücher mag die ich jetzt ein wenig flapsig als seicht bezeichnet habe. Ich denke nur das z.B. SciFi eine sehr große Spannbreite an Thematiken und Zielpublikum hat von Mit-dem-Raumschiff-fliegen-Pulp zu P.K. Dick zu Solaris hat und frage mich wo die gesellschaftskritischen high-concept Fantasybücher sind?
K.M. McKinley: The Iron Ship (Gates of the World) (2015 ff.)
Dreiteilige Reihe in einem Fantasy-Setting mit Steampunk-Anleihen über eine Gruppe von Geschwistern, die alle auf unterschiedliche Weise von ihrem Vater geprägt worden sind. Das Buch behandelt im Subtext zum Beispiel auch Depressionen, und besticht durch atemberaubendes Worldbuilding in einer Welt mit extremen Gezeiten und untergegangenen Zivilisationen. Dreiteilige Reihe.

Aliette de Bodard: The House of Shattered Wings (Dominion of the Fallen) (2015)
Dystopische Fantasy in einem fiktionalen Paris, das von gefallenen Engeln bevölkert und regiert wird, mit Machtkämpfen zwischen den jeweiligen Häusern. Starker asiatischer Einschlag unter anderem durch eine Hauptfigur, die aus Vietnam stammt und asiatischen Drachen, die in der Seine hausen. Behandelt unter anderem auch Homosexualität und hat ebenfalls beeindruckendes Worldbuilding.

Aliette de Bodard: In the Vanisher's Palace (2018)
"Beauty and the Beast" in einem fiktionalen, leicht dystopischen Fantasy-Vietnam, nur dass das Biest ein asiatischer Drache ist, und weiblich.

Tasha Suri: Empire of Sand (2018)
Spielt in einem Fantasy-Indien und behandelt Themen wie arrangierte Ehe, Kolonialismus und wie Bevölkerungsminderheiten in einem durch eine religiös fanatische Mehrheit regierten Land ihre Identität erhalten. Wirkt von außen ein bisschen wie Romance, aber ist ebenfalls Fantasy im besten Sinn. Mit Magie und Alptraumwesen, die durch Magie aus der Welt gehalten werden müssen.

NK Jemisin: The Fifth Season (Broken Earth) (2015 ff.)
Vielleicht das aktuell nerdigste Hochliteratur-Fantasywerk. Eine Fantasy-Welt wird von einer Apokalypse bedroht, die unausweichlich ist. Eine Kaste magisch begabter Menschen muss unter Kontrolle gehalten werden, weil sie ansonsten gefährlich für sich und ihre Mitmenschen sind. Verschiedene Personen versuchen aus diesem Setting zu entkommen oder es zu beschleunigen. Eine der Personen erzählt die gesamte Zeit in der zweiten Person Singular ("du"), was anfangs komplett bizarr wirkt, aber extrem gut funktioniert.

Mary Robinette Kowal: Ghost Talkers (2016)
Kann man jetzt etwas darüber streiten, ob es "Fantasy" ist, aber ich wüsste nicht, wo ich es sonst einordnen sollte, also nennen wir es Contemporary Fantasy: Alternative Realität im Ersten Weltkrieg, in der Menschen existieren, die mit den Toten sprechen können, was die Briten dazu nutzen, um sich auf dem Schlachtfeld Vorteile zu verschaffen. Indem sie mit den Geistern der Gefallenen sprechen. Die Deutschen versuchen einen Anschlag auf diese Mediums und damit die Briten ihrer Waffe zu berauben.

Naomi Novik: Uprooted (2015)
Fantasy-Variante auf Märchen-Klischees: Eine junge Frau wird einem "Drachen" geopfert, der das Dorf vor einem bösen, dunklen Wald beschützen soll. In Wahrheit ist aber alles ganz anders. Düsteres Märchen-Setting mit deutlichen Anklängen an osteuropäische Sagenwelt.

Patrick Rothfuss: The Name of the Wind (Kingkiller Chronicle) (2007 ff.)
Pat ist pure Poesie. Der Mann hat möglicherweise die gewaltigste, kreativste und schönste Sprache in der aktuellen Fantasy-Szene. Seine Story klingt erstmal nach Trope (junger Mann wird auf eine Magier-Akademie geschickt), aber entpuppt sich als deutlich tiefer als das, und präsentiert nicht nur starke Charaktere und eine ziemlich schlau entwickelte Welt, sondern eben auch schlicht hochwertige Literatur. Pat ist ein Autor, der mit seiner Lektorin darüber streitet, dass für ihn "gray" und "grey" nicht dieselbe Bedeutung haben. Leider merkt man das auch an der Geschwindigkeit seines Outputs. Das dritte Buch der Serie ist nämlich immer noch nicht erschienen.

Brandon Sanderson: Mistborn (2006-2008)
Brandon ist ein bisschen das Gegenteil zu Pat, er haut mit atemberaubender Konstanz jedes Jahr Bücher auf den Markt. Seine Stärken sind Worldbuildung und innovative Magiesysteme, kein einziges seiner Magiesysteme ist gleich. Er ist außerdem auch Schreibdozent und macht einen ziemlich guten Autoren-Podcast. Seine Mistborn-Reihe basiert grob gesagt auf der Idee, die alte Trope weiterzudenken: Was passiert eigentlich, wenn der böse Overlord besiegt worden ist? Wie geht es dann weiter? Jede seiner Welten ist einzigartig. In punkto Sprache kann er Rothfuss nicht das Wasser reichen, aber sehr wohl im Ideenreichtum.

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 08.04.2021 01:33

Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora / The Lies of Locke Lamora
Hat eine ziemlich faszininierende Welt und der Protagonist ist - auch interessant.

Allerdings wurde mir das Buch irgendwo ab der Mitte entschieden zu blutrünstig und ich habe es bis heute nicht fertig gelesen. :dunkelheit:
Auch die Folgebände habe ich mir entsprechend nicht mehr angetan.
Aber: Es ist an sich ein wirklich gut geschriebenes Buch, und tatsächlich eins von ganz wenigen, die ich von mir aus abgebrochen habe und es sehr bedauert habe, weil ich eigentlich schon gern gewusst hätte, wie es weitergeht.

Ob es nach "objektiven Kriterien" besonders blutig ist, könnte ich nichtmal sagen. Ich war da früher ziemlich schmerzfrei und kann mittlerweile sowas kaum noch lesen oder anschauen. Mir war's halt etwas zu viel.
... und auf ihrem Grabstein wird stehen: "Ich hab's dir ja gesagt!"

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Ungelesener Beitrag von Janko » 08.04.2021 03:50

Rhonda Eilwind hat geschrieben:
08.04.2021 01:33
Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora / The Lies of Locke Lamora
Hat eine ziemlich faszininierende Welt und der Protagonist ist - auch interessant.

Allerdings wurde mir das Buch irgendwo ab der Mitte entschieden zu blutrünstig und ich habe es bis heute nicht fertig gelesen. :dunkelheit:
Auch die Folgebände habe ich mir entsprechend nicht mehr angetan.
Ich habe die Trilogie komplett verschlungen. :6F:
Empfehlen kann ich auch eine Trilogie von Torsten Fink (Die Diebin, Die Gefährtin, Die Erwählte).

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 08.04.2021 09:37

Janko hat geschrieben:
08.04.2021 03:50
Ich habe die Trilogie komplett verschlungen.
Angeblich erscheint ja Band 4 dieses Jahr... :ijw:
... und auf ihrem Grabstein wird stehen: "Ich hab's dir ja gesagt!"

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Ungelesener Beitrag von Alrik Normalpaktierer » 08.04.2021 10:07

Weil du bei der Science Fiction einige Klassiker genannt hast, die nicht alle gut altern, würde ich für die Fantasy noch die Chroniken der Erdsee von Ursula K. LeGuin vorstellen. Die ersten Bände sind noch stark tropengeleitet, aber spätestens mit dem vierten dekonstruiert die Autorin diese selbst. Die Bücher sind ja im Laufe einiger Jahrzehnte entstanden und ich kenne kein anderes Beispiel, wo jemand die eigenen Lernprozesse so radikal genutzt hat, um mit dem späteren das eigene frühere Schreiben in Frage zu stellen. Für mich war das von aller im Erwachsenenalter gelesenen Fantasyliteratur - zugegebenermaßen nicht viel - wohl das aufregendste Leseerlebnis. Von daher würde ich sagen, das Gegenteil von seicht.

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Ungelesener Beitrag von Fessy » 08.04.2021 12:27

Ich würde @Aryador s Empfehlungen noch um VE Schwab und Becky Chambers ergänzen wollen

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Ungelesener Beitrag von Na'rat » 08.04.2021 21:49

Aryador hat geschrieben:
08.04.2021 00:55
Patrick Rothfuss: The Name of the Wind (Kingkiller Chronicle) (2007 ff.)
Pat ist pure Poesie. Der Mann hat möglicherweise die gewaltigste, kreativste und schönste Sprache in der aktuellen Fantasy-Szene. Seine Story klingt erstmal nach Trope (junger Mann wird auf eine Magier-Akademie geschickt), aber entpuppt sich als deutlich tiefer als das, und präsentiert nicht nur starke Charaktere und eine ziemlich schlau entwickelte Welt, sondern eben auch schlicht hochwertige Literatur. Pat ist ein Autor, der mit seiner Lektorin darüber streitet, dass für ihn "gray" und "grey" nicht dieselbe Bedeutung haben. Leider merkt man das auch an der Geschwindigkeit seines Outputs. Das dritte Buch der Serie ist nämlich immer noch nicht erschienen.

Brandon Sanderson: Mistborn (2006-2008)
Brandon ist ein bisschen das Gegenteil zu Pat, er haut mit atemberaubender Konstanz jedes Jahr Bücher auf den Markt. Seine Stärken sind Worldbuildung und innovative Magiesysteme, kein einziges seiner Magiesysteme ist gleich. Er ist außerdem auch Schreibdozent und macht einen ziemlich guten Autoren-Podcast. Seine Mistborn-Reihe basiert grob gesagt auf der Idee, die alte Trope weiterzudenken: Was passiert eigentlich, wenn der böse Overlord besiegt worden ist? Wie geht es dann weiter? Jede seiner Welten ist einzigartig. In punkto Sprache kann er Rothfuss nicht das Wasser reichen, aber sehr wohl im Ideenreichtum.
Hier will ich mal einwerfen, dass ich von keinem wirklich begeistert war und mittendrin aufgehört habe.

The Name of the Wind ist stark in Handlung und Wordbuilding auch sprachlich ist es toll. Nur war mir der Protagonist zutiefst unsympathisch, nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten kann und darf er alles. Ich habe nach dem zweiten Band oder so Schluss gemacht, wurde einfach langweilig. Kvothe gewinnt immer.

Mistborn, war nicht ganz so schlimm. Hier kommt aber hinzu, dass mir die Welt immer schrecklich klein vorkam.

Ich fand sehr nett:
Throne of the Crescent Moon, Fantasy Naher Osten.

The Red Knight. Die beinahe ideale Mischung aus Bernard Cornwell und Patrick Rothfuss. Man muss das pseudo historische allerdings mögen.

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Ungelesener Beitrag von natas666 » 08.04.2021 22:25

Frank Herberts Dune ist ein Klassiker, der aber mehr der Science-Fiction zugerechnet werden muss. (Obwohl mir ehrlicherweise das PC-Spiel besser als die Romane gefallen).Solaris wurde hier auch schon genannt.

Hier noch nicht erwähnt wurde der Roman die Elfen von Bernhard Hennen, der trotz vieler Fantasy-Klischees und verwaschener Sprache eine moderne Synthese aus verschiedenen Rollenbildern der Elfen erschafft. Die Werbung (Aufmachung) für das Buch ist unter jeder Kritik (Der Star der Deutschen Fantasy, unentbehrlich für jeden HDR-Fan, Elfen seien für Trolle eine schmackhafte Beute, die es zu erjagen gelte, etc.), aber das Buch ist nicht so schlecht, wie vom Verlag beworben.

Ich persönlich mag auch die kitschige Jugendliteratur, insbesondere Ronja Räubertochter, DHDR, Otfried Preußlers Krabat (der Film ist vorzüglich), Momo und die unendliche Geschichte von Michael Ende (aber nur die Bücher!), die Wächter von Astaria und die Chroniken der Nebelkriege von Thomas Finn, aber das sind wirklich Jugendbücher, keine schwere Kost!

Ein Klassiker der Fantasy ist auch Die Nebel von Avalon, das nicht nur mystisch und geheimnisvoll erzählt wird, sondern auch eine gnadenlose Abrechnung mit dem patriarchalischen, lebensfeindlichen, ja beinahe nekrophilen Christentum ist. Ich will hier keine Debatte über das Christentum anzetteln, also wer mehr wissen will, einfach das Buch lesen.

Eines meiner persönlichen Lieblinge ist Hagen von Tronje von Wolfgang Hohlbein, das Buch ist eine Neuinterpretation der Nibelungensage, nämlich aus der Sicht von Hagen erzählt. Das Buch ist eine echte Perle, glänzend geschrieben und für Hohlbein-Verhältnisse hervorragend recherchiert. Der finstere Hagen präsentiert als harter, aber gerechter Gutmensch, der strahlende Siegfried als Bösewicht, hier wird Früh-Mittelalter zum Anfassen für Jugendliche erzählt, eine Kombination aus Geschichte(n) und Fantasy. Ich weiß, Hohlbein hat einen schlechten Ruf, aber dieses Buch verdient es einfach, gelesen zu werden.
Zuletzt geändert von natas666 am 09.04.2021 10:37, insgesamt 3-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 08.04.2021 22:48

natas666 hat geschrieben:
08.04.2021 22:25
DHDR
Das ist definitiv kein Kinder- oder Jugendbuch, im Gegensatz zum Hobbit.

Ich habe es so mit 12, 13 das erste Mal gelesen, und fand es toll - mein Ältester (der aber auch zugegebenermaßen mit dem akustischen Verständnis einige Probleme hat) hat im selben Alter immer noch Alpträume von Bandwurmsätzen vom Vorlesen. :P (Selbst gelesen fand er es besser. Die Filme fand er toll.)

Im Moment lese ich es für den Jüngsten (der wird 8) - der hält nur aus reiner Sturheit durch. Die Filme darf er noch nicht sehen, will aber auch mitreden und den Hobbit mochte er gerne - also quälen wir uns jeden Tag durch 10-20 Seiten. :ijw: Also, er sich. Ich lese sie ja nur vor.

Der fand selber lesen allerdings noch langweiliger als es vorgelesen zu kriegen.
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Ungelesener Beitrag von natas666 » 08.04.2021 22:58

natas666 hat geschrieben:
08.04.2021 22:25
DHDR
Das ist definitiv kein Kinder- oder Jugendbuch, im Gegensatz zum Hobbit.
Einigen wir uns darauf: Der Hobbit ist ein Kinderbuch, DHDR ist ein Buch für Jugendliche oder junge Erwachsene. Die USK-Empfehlung für die HDR-Trilogie habe ich nicht im Kopf, aber DHDR wurde/wird oft als Jugendbuch vermarktet.
Zuletzt geändert von natas666 am 08.04.2021 22:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Herr der Welt » 08.04.2021 22:58

Die "First Law"-Reihe ist auch empfehlenswert. Nicht weil Joe Abercrombie besonders geschliffene Texte liefern würde, sprachlich handelt es sich um Standardkost, aber er weiß, wie man eine Welt zusammen mit einem Figuren-Ensemble aufbaut, in dem jeder einzelne Eigenheiten aufweist, die ihm Ambivalenz verleihen. Weder werden reine Sympathen geschildert noch reine Antihelden typisiert. Die meisten Figuren reagieren schlicht auf ihre (soziale) Umwelt und treffen mal gute und mal schlechte Entscheidungen, soweit es ihr Handlungsspielraum erlaubt. Die Romanwelt fängt dabei auch Machtverhältnisse durchaus realistisch ein und verzichtet weitgehend auf eine Fantasy-Romantisierung. Die schlichte Sprache fügt sich in die erzeugte Stimmung, die klar düster und blutig daherkommen will. Insbesondere bei Kampf- und Schlachtschilderungen fällt dies auf. Wo ein Brandon Sanderson mit abgefahrenen Fähigkeiten seiner Figuren eine hohe Dynamik in einem wilden Setting erzeugt, geht es bei Abercrombie vergleichsweise bodenständig zu, auch wenn der Autor sich etwas sehr in der Darstellung bestimmter Gräuel gefällt. Insbesondere die ersten drei Bände (The Blade Itself, Before They Are Hanged, Last Argument of Kings; die deutschen Titel sind leider von grässlicher Einfallslosigkeit entstellt, auch wenn der übersetzte Text gut ist; die Übersetzerin weiß durchweg, was sie tut) zeichnen nicht nur die Grundlagen der Welt - nie mehr als nötig, sondern umfassen eine Geschichte von klassisch-epischen Fantasy-Ausmaßen (was man ebenso darunter versteht), ohne den Leser mit überbordenden Plots und überkomplizierten Figurenbeziehungen zu belästigen.
Die Folgebände erzählen die übergreifende Welthandlung (in DSA würde man von Metaplot sprechen) anhand abgeschlossener Romanhandlungen fort, bekannte Figuren können wieder auftauchen, vormalige Nebenfiguren zu Hauptfiguren werden, neue hinzutreten. Bis einschließlich Band 6 wirkt das durchweg rund und auch die einzelnen Handlungen sind jeweils solide. Über die weiteren Bände kann ich nichts sagen, die habe ich noch nicht gelesen (nur über den Kurzgeschichtenband einiges Schlechtes gehört).

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 08.04.2021 23:00

natas666 hat geschrieben:
08.04.2021 22:58
DHDR ist ein Buch für Jugendliche oder junge Erwachsene. Die USK-Empfehlung für die HDR-Trilogie habe ich nicht im Kopf, aber DHDR wurde/wird oft als Jugendbuch vermarktet.
Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich das höre. Ist das wirklich so?

Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es zumindest nicht gezielt für "Jugendliche oder junge Erwachsene" geschrieben wurde.
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Ungelesener Beitrag von Herr der Welt » 08.04.2021 23:04

Rhonda Eilwind hat geschrieben:
08.04.2021 23:00
Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich das höre. Ist das wirklich so?
Mit seiner Heldenreise, den klaren Strukturen von Gut und Böse, den ebenso klaren Zwischenräumen für hadernde Figuren, die aber allesamt nicht sonderlich vielseitig erscheinen, mit dem initialen Auszug des Helden aus der wohlbehüteten Heimat (bzw. der Inkarnation einer solchen) - all das spricht durchaus für ein (nicht als solches intendiertes, aber faktisches) Jugend-, aber nicht für ein Kinderbuch.

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 08.04.2021 23:09

Herr der Welt hat geschrieben:
08.04.2021 23:04
all das spricht durchaus für ein (nicht als solches intendiertes, aber faktisches) Jugend-, aber nicht für ein Kinderbuch.
Ah, okay, jetzt verstehe ich: Es war tatsächlich nicht so geplant, aber durch die Form erklärt sich, wie man darauf kommen - und es also solches bewerten kann.

Vielen Dank für die Aufklärung. :)
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Ungelesener Beitrag von Bergbewohner » 09.04.2021 00:11

Wow, da ist ja einiges zusammen gekommen O_O Vielen Dank dafür an alle Schreibenden, total Klasse. ich mache mir mal eine Liste und fang an die abzuarbeiten über die Tage. Ich melde mich dann was ich dann erstmal bestelle. :ijw: Quasi ein Experiment.

Bei HdR habe ich nach dem ersten Buch aufgehört. Ich hatte den Eindruck das es sprachlich zwischen Kinderliteratur und Epos ein wenig arg hin- und her schwankt, allerdings habe ich es auch auf Deutsch gelesen. Ist das im Original anders?

Bzgl. DSA-Bücher: das letzte das ich gelesen (und abgebrochen) habe war Rabenblut. Da es sich dabei mWn um einen der Top-DSA-Romane angeblich handelt weiß ich nicht, ob es da viel gibt was mir gefallen könnte. Oder habt ihr da auch eine Empfehlung (abseits vom Jahr des Greifen, das habe ich als Tee-Nager irgendwann gelesen).

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 09.04.2021 00:30

Bergbewohner hat geschrieben:
09.04.2021 00:11
Ist das im Original anders?
Ich glaube, es ist im Original sprachlich etwas runder. "Auf Deutsch" hängt evtl. auch von der Übersetzung ab. Die erste von Carroux ist altmodisch im besten Sinne - allerdings ist mir jetzt beim Wiederlesen einiges aufgefallen, das ich anders gelöst hätte. Die folgende von Krege fand ich phasenweise zu klamaukig. Es soll ja davon noch eine überarbeitete und revidierte Fassung geben (2012?), die ganz gelungen sein soll, aber die kenne ich gar nicht.
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Ungelesener Beitrag von Alrik Normalpaktierer » 09.04.2021 07:54

Bergbewohner hat geschrieben:
09.04.2021 00:11
Bzgl. DSA-Bücher: das letzte das ich gelesen (und abgebrochen) habe war Rabenblut. Da es sich dabei mWn um einen der Top-DSA-Romane angeblich handelt weiß ich nicht, ob es da viel gibt was mir gefallen könnte. Oder habt ihr da auch eine Empfehlung (abseits vom Jahr des Greifen, das habe ich als Tee-Nager irgendwann gelesen).
Naja, also hohe Literatur ist auf jeden Fall selten... Ich würde auch sagen, das Heike Wolf eigentlich der literarische Höhepunkt war. Insofern bin ich skeptisch. Du könntest in die
Dajin-Trilogie reinschauen, die etwas abgefahrener ist, oder drei Bücher ausprobieren, die formal alles anders gemacht haben und sich dadurch dem Massengeschmack verweigert haben: Steppenwind, Sieben Winde und Aldarin. Ich finde die alle auf ihre Art liebenswert, wenn auch keine hohe Literatur. Also eine sehr vorsichtige Empfehlung.

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Ungelesener Beitrag von Aryador » 09.04.2021 21:37

Na'rat hat geschrieben:
08.04.2021 21:49
Hier will ich mal einwerfen, dass ich von keinem wirklich begeistert war und mittendrin aufgehört habe.

The Name of the Wind ist stark in Handlung und Wordbuilding auch sprachlich ist es toll. Nur war mir der Protagonist zutiefst unsympathisch, nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten kann und darf er alles. Ich habe nach dem zweiten Band oder so Schluss gemacht, wurde einfach langweilig. Kvothe gewinnt immer.
Das ist ja in Ordnung. :)

Der Threadstarter hat ja nach möglichst viel Variabilität gefragt, also habe ich mal wild alles zusammengeworfen, was ich im letzten Jahr gelesen habe - oder wo ich dachte, dass es generell mal sinnvoll wäre, es zu kennen, wenn wir von "Fantasy" sprechen. Ich gebe dir übrigens recht, dass Kvothe als Charakter schwierig ist, aber für mich kommt es darauf gar nicht an. Es gibt ja auch Werke der Weltliteratur, wo die Handlung eher so meh ist, aber irgendwelche Themen, die verhandelt werden, umso eindrücklicher.
Na'rat hat geschrieben:
08.04.2021 21:49
Mistborn, war nicht ganz so schlimm. Hier kommt aber hinzu, dass mir die Welt immer schrecklich klein vorkam.
Für mich ist es vor allem ein herausragendes Beispiel für eine wirklich gelungene Trilogie. Bei vielen dreiteiligen Werken ist vor allem das zweite Buch ein Spannungsabfall oder ein verkapptes "erster Teil des dritten Buchs". Ich fand "Well of Ascenion" großartig, und vor allem hat es für mich als Leser vielleicht den am nachhaltig in Erinnerung gebliebenen "Mindfuck" geliefert.
Bergbewohner hat geschrieben:
09.04.2021 00:11
Bei HdR habe ich nach dem ersten Buch aufgehört. Ich hatte den Eindruck das es sprachlich zwischen Kinderliteratur und Epos ein wenig arg hin- und her schwankt, allerdings habe ich es auch auf Deutsch gelesen. Ist das im Original anders?
Der Eindruck kann zwischen Hobbit-Gesprächen und Elfen-Sagen vermutlich entstehen, ja. Für mich ist HdR eben einfach ein Klassiker, den man gelesen haben muss, so wie es bestimmte SciFi-Klassiker gibt, denen man auch anmerkt, dass sie vor langer Zeit geschrieben sind, und deren Stil verstaubt wirkt, aber die einen so immensen Einfluss hatten, dass man sie kennen sollte. Der Herr der Ringe ist ja in vielerlei Hinsicht die Wiedergeburt der modernen Fantasy (ja, es war nicht das einzige Werk seiner Zeit).

Und einige der zentralen Botschaften, wie zum Beispiel die Frage, inwieweit Macht korrumpiert, oder wie man einen scheinbar unbesiegbaren Herrscher zu Fall bringt, indem man eine scheinbar unwichtige Person gegen ihn sendet - einige dieser Botschaften und Thematiken finde ich nach wie vor sehr eindrücklich. Anderes ist sicherlich veraltet und wirkt antiquiert. Du hast ein klares Gut/Böse-Schema, das im Grunde eher einen Märchencharakter hat, und natürlich ist die zugrundeliegende Weltsicht auch eher konservativ. Wissenschaft und Fortschritt sind eher etwas böses. ;)

Aber gerade so etwas wie die Gedichte und Sagen wirken im englischen Original natürlich viel besser. Tolkien hatte schon durchaus Sprachgefühl.
Bergbewohner hat geschrieben:
09.04.2021 00:11
Bzgl. DSA-Bücher: das letzte das ich gelesen (und abgebrochen) habe war Rabenblut. Da es sich dabei mWn um einen der Top-DSA-Romane angeblich handelt weiß ich nicht, ob es da viel gibt was mir gefallen könnte. Oder habt ihr da auch eine Empfehlung (abseits vom Jahr des Greifen, das habe ich als Tee-Nager irgendwann gelesen).
Ich würde mal sagen, man sollte von den DSA-Romanen nicht allzu viel erwarten, weil sie für den Autor die Herausforderung haben, dass er ja vergleichsweise gefangen in den Ideen ist, und sich auf die Welt stützen muss, die vorgegeben ist. Dann soll ein DSA-Roman meistens auch noch in irgend einer Weise eine Region oder ein historisches Ereignis oder einen NSC porträtieren - und dann auch noch konform mit den Regeln des Rollenspiels sein, sodass nicht die Spieler rufen "Das geht doch so gar nicht, ein Magier aus der Akademie in Lowangen kann diesen Spruch gar nicht kennen!", etc. (Was die Spieler häufig doch machen, weil es oft enorm schwer ist, die jeweiligen Rollenspielregeln sinnvoll in Roman-Form umzusetzen).

Dann hast du am Ende entweder Autoren gehabt, die Aventurien gar nicht so gut kannten, oder du hast Autoren gehabt, die Aventurien besonders gut kennen, aber deswegen ausgewählt wurden, und vielleicht gar nicht unbedingt exzellente Roman-Autoren sind. Insofern ist es alles nicht verwunderlich, dass viele Romane "in Ordnung" sind, aber man jetzt eben einfach keine Hochliteratur erwarten darf. Genauso wenig wie man bei den vielen Regionalkrimi-Serien Hochliteratur erwartet. Manchmal ist dann doch eine Perle darunter, aber es ist eben nicht die Regel.

Mir persönlich hat übrigens "Im Schatten der Esse" von Judith Vogt sehr gut gefallen, ich fand, das hatte einige nette Überraschungen und Einfälle. Ich weiß aber auch, dass es vielen anderen Leuten gar nicht gut gefallen hat, unter anderem übrigens auch wegen des einen oder anderen "Spielwelt"-Fehlers.

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Ungelesener Beitrag von Alles und Nichts » 10.04.2021 10:04

Also, mir persönlich gefallen Markus Heitz Bestseller "Die Zwerge", bzw. "Die Legenden der Albae" ganz gut. Allerdings gibt es in diesen, insbesondere in der Albae-Reihe, recht viele Schlachten und blutrünstige Szenen. Ich empfehle "Die Zwerge" Band 1-3 zuerst zu lesen und danach "Die Legenden der Albae" Band 1-3 und danach wieder "Die Zwerge" 4 und 5. Allerdings sind die Albae sind in "Die Zwerge" "die Bösen", wodurch es einen Perspektivenwechsel gibt, allerdings sind sie wirklich "böse" und haben einen ziemlich grausamen Sinn für Kunst (Blutmalereien, Knochenschnitzerreien, usw.)
Das "L" in Meister steht für "Lustig"...

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Ungelesener Beitrag von Bergbewohner » 14.04.2021 21:25

Merci auch für die weiteren Antworten, ich hatte leider noch keine Zeit für Research für eure ganzen Buchtipps. :dunkelheit: Ich dachte aber ich melde mich nochmal, nicht das ihr alle denkt ich hätte das hier vergessen. :P Blutrünstigkeit stört mich nicht wenn es Sinn macht / zum Buch passt und nicht nur für Kopfkino da ist.

Im Schatten der Esse nehme ich auch mal auf, neben den Zwergen.

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