Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Hier finden allgemeine DSA-Themen ihren Platz, zu denen es kein explizites Unterforum gibt.
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natas666
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von natas666 » 07.06.2020 00:16

Hallo meine Brüder und Schwestern im Geiste,

ich möchte heute hier ein Thema eröffnen, das mich schon länger beschäftigt. Ich bin mit DSA groß geworden und habe es mit Inbrunst und Leidenschaft gespielt. Einer meiner Spiel-Kameraden durfte mich plötzlich nicht mehr besuchen, weil er - so war das Argument seiner Mutter - den Bezug zur Realität verloren haben soll. Meine Eltern hatten dann ein schlechtes Gewissen und waren froh, als ich im Zuge der Pubertät für gewisse Zeit das Interesse am Rollenspiel verlor.
Meine Ma hat mich aber immer zu fördern versucht, so las ich beim Bundesheer "Der Herr der Ringe", das war vor dem Hype im Kino. Zum Geburtstag bekam ich dann Bücher wie "Die unendliche Geschichte", "Momo", "Die Nebel von Avalon", Harry Potter, später auch Hermann Hesse "Glasperlenspiel", "Der Steppenwolf", "Siddhartha", etc.
Ich weiß es nicht mehr genau, wie ich wieder mit DSA in Kontakt gekommen bin, auf jeden Fall habe ich begonnen, DSA-Romane von Autoren wie "Ulrich Kiesow", "Bernhard Hennen", "Karl Heinz Witzko" und Hadmar Wieser und Thomas Finn zu lesen. Ich hatte eine ganz ordentliche Sammlung von (DSA)Romanen.
Bei einem Umzug hat meine Ma alle Romane entsorgt, weil sie argumentierte, dass Rollenspiel (DSA)eine gefährliche Realitätsflucht sei. Ich habe versucht zu argumentieren, dass DSA ein Gelehrtenspiel ist, das Fantasie- und soziale Kompetenz fördert.
Hier fällt mir immer ein Zitat von Michael Ende ein, der in der unendlichen Geschichte folgendes bemerkt:

Es gibt Menschen, die können nie nach Fantasien kommen, und es gibt Menschen, die können es, aber sie bleiben für immer dort. Dann gibt es welche, die gehen Nach Fantasien und kehren wieder zurück. Und sie machen beide Welten gesund. So wie du, Bastian.

Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass in der Prä-Rollenspiel-Ära, auch Menschen mit Büchern in die Welt der Fantasie geflüchtet sind. So ist das Glasperlenspiel von Hermann Hesse nicht nur ein brillantes Zeitdokument, sondern auch ein Versuch, aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte auszubrechen und eine Parallel-Welt zu schaffen, in der das Geistige und Gelehrte herrscht.
Was ich nicht verstehe, ist, warum meine Eltern ganz erfreut sind, wenn ich Latein pauke (wenn auch auf geringem Niveau) oder ein vergeistigtes Buch lese, aber Trivial-Literatur verteufelt wird. Besonders übel stößt es mir auf, wenn ich sehe, was alles als "geistige Nahrung" verkauft wird (Liebesromane, Krimis, Thriller, etc), aber ich für mein Hobby in die Narrenecke gestellt werde.

Ich gebe zu, dass Rollemspiel Realitätsflucht ist, aber ist stundenlanges Fernsehen, grölen im (Fuß)ballstadion und Saufen und Rauchen nicht auch eine (gesunheitsschädliche) Flucht in eine Scheinwelt? Wobei ich nicht verstehe, warum Rauchen gesellschaftlich akzeptiert ist, aber Rollenspiel von milde belächelt bis heftig verteufelt wird? Geht es Euch auch so, dass ihr als "Spinner" an den Pranger gestellt werdet?
Ich habe meiner Ma verziehen, dass sie meine Bücher entsorgt hat, aber bei einer Diskussion habe ich ihr klar gemacht, dass ich ein DSA-Geek bin und bleiben werde.

Wie seht ihr das?
Esst mehr Käsetoast....

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Cherrie
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Cherrie » 07.06.2020 00:31

Es ist wie immer und alles: Das Maß ist entscheidend.

Natürlich fördert Rollenspiel die Kreativität und viele andere positive Eigenschaften, vielleicht baut es sogar Rassismus und Vorurteile anderen gegenüber ab, hilft einem die eigenen Stärken und Werte zu erkennen, macht einen evtl. sozialer und geselliger.

Aber natürlich darf man darin nicht versinken und nicht mehr heraus wollen. Wenn ich mich in meine Chars so hineinsteigere wie in echte Menschen, wenn mir meine Charaktere wichtiger werden als andere Menschen, wenn ich vergesse, dass es alles nur ein SPIEL ist, dann fängt es in meinen Augen an krankhaft zu werden.
Das Level von "Nerd, Freak und Vollhorst" erreicht man für mich (!) schon dann, wenn man sich stundenlang bzw. im Forum seitenlang über Magietheorie und wie Zauber denn nun wirklich funktionieren unterhält. Nein, Zauber gibt es nicht. Es gibt auch keine physikalische Erklärung dazu. Alles dazu ist frei erfunden. Das sollte eigentlich jedem Menschen klar sein. Wie man so etwas trotzdem bis auf´s Blut ausfechten kann, ist mir ein Rätsel. Nur um ein Beispiel zu nennen.
Genauso natürlich, wenn man sich in seine Chars hinein flüchtet. Endlich mal wer ist. Endlich mal Eigenschaften verkörpert, die man im echten Leben nicht hat. Endlich mal stark oder berühmt oder schlau sein, endlich mal Sex haben, endlich mal was zu sagen haben.

Also nochmal: Wer sich dabei bewusst bleibt, dass es ein SPIEL ist, alles gut. Wer es anfängt ernst zu nehmen und es schon alternativ zur echten Welt sieht (und ausdiskutiert und am Ende sogar glaubt was er da redet), der hat definitiv ein Problem. Auch wenn er es selbst nicht zugeben wird. Aber das ist ja immer so.

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Tjorse » 07.06.2020 00:38

Kurz und knapp:
Ich halte jemanden, der glaubt, das Rollenspieler allesamt Realitätsflüchtlinge sind, für weniger in Verbindung mit der Realität als die Rollenspieler selbst.

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 07.06.2020 00:40

Ich sehe das so, dass Rollenspiel, wie vieles andere, gefährliche Realitätsflucht sein kann - und kenne tatsächlich auch solche Fälle aus meiner Schulzeit, so lang die auch schon her ist.

"Kann" heißt aber nicht "muss".

Also, ja, es ist in gewisser Weise Realitätsflucht, genau wie gute Bücher oder Filme es sein können, oder Hobbys, die man exzessiv betreibt, oder auch Computerspiele. Aber es ist darum nicht notwendigerweise gefährlich.

Ich hatte damals an der Uni einen Freund, mit dem ich die politische Entwicklung im Mittelreich zur Zeit des (3.?) Orkensturms und nachher mit Borbarad mindestens ebenso intensiv diskutieren konnte wie die der Bundesrepublik. aber wir diskutierten beides, und zwar dann, wenn wir Zeit dafür hatten, und dann war's auch gut.

Ich hatte aber auch einen Mitspieler, für den war das Vorbereiten der nächsten Spielesitzung (und er hatte viele) und der nächste Kampagne wichtiger als die Vorbereitung fürs Vordiplom und alles Weitere, und der bekam irgendwann ein Problem, bei dem seine Familie auch dem Spielen als solches die Schuld gab. Allerdings sage ich mir heute, dass da das Ausweichen auf's Spielen nur ein Symptom anderer Probleme war, die sich sicherlich sonst, ohne DSA als Hobby, anders geäußert hätten.

Meine Meinung also: DSA ist keine Realitätsflucht, aber es bietet die Möglichkeit dazu. Was man daraus macht - das hängt an einem selbst und nicht an DSA.
... und auf ihrem Grabstein wird stehen: "Ich hab's dir ja gesagt!"

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Assaltaro
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Assaltaro » 07.06.2020 00:45

Es gibt halt immer die Ausnahmen, wo es wirklich gefährliche Züge annimmt.
Vor Jahren wurde ich von einer Spielerin aus meiner Online Gruppe angemeckert und angebettelt, wenn ich erst Abends Zeit hatte und nachmittags noch für mein Studium lernen musste. Ein Nein hat sie da von mir kaum akzeptiert und dann wird es halt wirklich gefährlich, wenn man vergisst, dass anderes in der Realität auch mal wichtiger ist.

Es gab da auch so ein paar Kandidaten, die wegen WoW ihr Studium nicht geschafft haben. Wegen DSA oder PnP kenn ich jetzt persönlich keinen, aber gibt es mit Sicherheit. Sowie vermutlich bei den meisten Hobbys.

Ich finde es nur auch schräg von denen auf alle zu schließen.
Aber das ist das Gleiche wie mit der Killerspieldiskussion.
Amokläufer spielen Counter Strike - - > Counter Strike "erschafft" echte Killer.
Das ist nicht wie Aussagenlogik funktioniert
75% Method Actor, 71% Storyteller, ..., 17% Power Gamer

Ja ich betreibe "Blümchen"-Rollenspiel und ich steh dazu.

Bin ich froh DSA5 zu spielen. Nicht mehr alle Kämpfer waren in der Fasarer Arena!

Meine Helden

Aus Liebe zu Aventurien ertrage ich die Regeln.
... Sc*** Steigerungsregeln (4.1)
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Rosencrantz
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Rosencrantz » 07.06.2020 02:24

Die kurze Antwort: nein.

Die lange Antwort? Naja. Ich nehme dazu mal die Domäne der Psychologie zuhilfe: DSM und ICD werden als Manuals in ihrer aktuellen Edition für die fundierte Diagnose von psychischen Störungsbildern herangezogen. Ein wichtiges Kriterium bei vielen zu diagnostizierenden Erkrankungen sind häufig (nicht immer) die Langfristigkeit und der Leidenswert besagter Störung, bei letzterem nicht nur unbedingt auf die zu diagnostizierende Person beschränkt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn du zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten laufen würdest, nach etwa 30 Sekunden klar wäre, dass dein Verhalten - und das allgemeine Verhalten der Rollenspielerei - keinen Krankheitswert hat und daher auch eher schwierig als gefährliche Realitätsflucht eingestuft werden kann. Erst wenn erhebliche Einschränkungen deiner alltäglichen Funktionen vorliegen, die häufig gepaart sein müssen mit einem deutlich wahrnehmbaren abrutschen in psychotische bzw. wahnhafte Denkmuster, würde man das ganze etwas ernster betrachten.

Eine allgemeine Disziplinlosigkeit beim Hinarbeiten auf ein Ziel, das mit starkem Belohnungsaufschub verbunden ist (Studium, Karriere) würde niemals alleine diese Kriterien erfüllen, sodass ich die Sorge aus dem Elternhaus als Elternteil zwar nachvollziehen kann (der Junge rutscht ab und lernt ja gar nicht mehr!), aber sagen muss, dass 99.99% der Leute, die Rollenspiel betreiben, autarke, eigenständige Personen sind, die mit ihrer Zeit anfangen können, was sie wollen. Selbst das 'schnurren' einiger Leute hier im Forum, die genüsslich in 'akademischen' Diskussionen über das Wesen des Nihilogravo versinken können, ist aus meiner Sicht absolut bedenkenlos. Auch das ändert sich erst dann, wenn Personen anfangen, die Politik der BRD nicht mehr nachvollziehen zu können, weil eine Wirkung der Corona-Einschränkungen doch mühelos mit einem Schwarzen Auge hätte nachvollziehbar sein müssen, wovon das RKI ja wohl mindestens zwei besitzen muss.

Da ist es eben so, wie du es schreibst: wir alle haben in unserem Leben Hobbies und unterliegen völlig natürlichen und selbstverständlichen Ablenkungen, die dafür sorgen, dass unsere Pläne nicht immer zu 100% funktionieren, wie wir es wollen. Ob das nun Fußball, Rollenspiel, das Spiel eines Instrumentes, Billard, Slapbets oder Nymphomanie sind ist völlig wumpe.

Wenn du selber bemerkst, dass der Konsum von Rollenspiel dich übermäßig stört und daran hindert, Dinge zu tun, die du eigentlich lieber tun möchtest, kannst du immer noch unter Rückgriff auf Ressourcen aus der Psychologie dein Verhalten ändern, um zu einem zufriedeneren Leben zu gelangen. Rollenspiel aber als krankhaften Eskapismus hinzustellen, ist für mich nicht haltbar. Das wird ein Elternhaus oder Umfeld einfach so akzeptieren müssen - die Gestaltung deines Lebens obliegt schlicht dir selbst.

Witchblade
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Witchblade » 07.06.2020 07:07

Assaltaro hat geschrieben:
07.06.2020 00:45
Es gibt halt immer die Ausnahmen, wo es wirklich gefährliche Züge annimmt.
Die Universalantwort zu einem Thema, dass man einfach nicht behandeln kann.
Defakto bleibt: Du kannst in einen Menschen nicht hineinschauen.

Da sind wir dann wieder bei Egoshootermassenmördern und weiß der Geier was noch alles.

Das Einzige was ich zu diesem Thema sagen kann, ich persönlich komme gut damit zurecht.
Es ist sogar lehrreich. Weil wir versuchen relativ Realitätsnah zu spielen und so findet man allerhand Infos.

Steuerrecht, Muehlrechte usw.

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AngeliAter
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 07.06.2020 07:39

Ist Alkohol gefährliche Realitätsflucht?
Ist Fernsehschauen gefährliche Realitätsflucht?
Ist Videospielen....
....
Das kannst du für JEDE Freizeitbeschäftigung fragen und IMMER wird es heißen: Wenn man es übertreibt: Ja!
Wenn du es als Freizeitbeschäftigung betreibst: Nein. Das sagt aber auch das Wort "Freizeitbeschäftigung". Man beschäftigt sich nur in seiner Freizeit damit. Gefährlich wird JEDE Art von Beschäftigung wenn sie zum bestimmenden Lebensinhalt wird (hey, es sterben auch Menschen weil sie viel zu viel arbeiten).
Übrigens, unsere Vorfahren, die Leute mit den Steinen und Holzspeeren, für die war das gemeinsame Geschichtenerzählen ein Pflichtbestandteil am Lagerfeuer.
Das Stockholm-Syndrom ist eine anerkannte Methode um neue Freundschaften zu schließen.

An0n
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von An0n » 07.06.2020 08:38

AngeliAter hat geschrieben:
07.06.2020 07:39
Ist Alkohol gefährliche Realitätsflucht?
Ist Fernsehschauen gefährliche Realitätsflucht?
Ist Videospielen....
....
Das kannst du für JEDE Freizeitbeschäftigung fragen und IMMER wird es heißen: Wenn man es übertreibt: Ja!
Wenn du es als Freizeitbeschäftigung betreibst: Nein. Das sagt aber auch das Wort "Freizeitbeschäftigung". Man beschäftigt sich nur in seiner Freizeit damit. Gefährlich wird JEDE Art von Beschäftigung wenn sie zum bestimmenden Lebensinhalt wird (hey, es sterben auch Menschen weil sie viel zu viel arbeiten).
Übrigens, unsere Vorfahren, die Leute mit den Steinen und Holzspeeren, für die war das gemeinsame Geschichtenerzählen ein Pflichtbestandteil am Lagerfeuer.
Pretty much this ^
Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. In Maßen (nicht in Massen!) kann es manchmal echt befreiend/befriedigend/entspannend sein, vom stressigen Alltag (= unmittelbare Realität) Abstand zu nehmen und in eine "andere" Welt einzutauchen - nichts anderes ist auch Urlaub machen.

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Advocatus Diaboli
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Advocatus Diaboli » 07.06.2020 09:24

Krass, dass du sowas erlebt hast. Ich dachte, Rollenspiel wäre heutzutage raus aus dieser gedachten Schmuddelecke. Aber gut, ich hatte ähnliche Probleme mit meiner Mutter in meiner Jugend. Sie hielt mich für "computersüchtig", weil ich damals viel online Rollenspiel gespielt hatte. Sie hat mich zu ner Suchtberatung geschleift. Die hatten gleich festgestellt, dass ich nicht süchtig bin. :rolleyes: Aber Mama wollte mich dennoch immer raus scheuchen. Hab ihr mal erzählt, dass ich ja letztes Wochenende bei Freunden war und da Gras konsumiert hätte und ob sie das denn besser fände. Da hat sie ganz unbekümmert gemeint: "Man muss ja alles mal ausprobieren." Das war ihr echt lieber als wenn ich digital Leute treffen. :(


Ein paar Gedanken, die dir vielleicht im nächsten Gespräch mit deiner Mutter helfen.

Du und alle anderen hier haben völlig recht: Rollenspiel kann zur gefährlichen Realitätsflucht werden, wie jedes andere Hobby auch. Dabei finde ich es noch deutlich harmloser als viele andere typische Realitätsfluchhobbys! Denn..

1.) Aktives Rollenspiel verlangt Mitspieler. Man versinkt also nicht in Selbstisolation, wie das bei Fernsehen, Büchern, Modelleisenbahnen, Briefmarken u.a. Sammelleidenschaften passieren kann (natürlich nicht muss!).

2.) Ja, Rollenspiel ist nicht die physisch gesündeste Tätigkeit: Man sitzt lange, aber das tut man auch im Büro und beim Lesen und Fernsehen. Aber es ist doch bitte deutlich gesünder als ein Abend in der Kneipe mit Alkohol, evtl. auch Zigaretten u.a. Drogen! Klar, manche trinken vllt. auch beim Rollenspiel was, aber sicherlich weniger als bei Abenden, wo man nichts tut als Reden und Trinken. Beim Spielen ist man ja zu abgelenkt und will sich ja auch auf's Spiel konzentrieren können. (Also wir hatten sogar mal ne Regel "max 2 Bier am Rollenspielabend", was beinah nie ausgereizt wurde. Aber einmal hatte einer etwas mehr getrunken hatte und dann mit seinem SC unbedacht ins Kampfgetümmel schoß, was beinahe meinen SC getötet hätte. xD Der war jetzt nicht sturzbesoffen, nur eben zu sorglos geworden.)

3.) Rollenspiel ist ein vergleichsweise günstiges Hobby, mit dem man sich schwer in finanziellen Ruin bringen kann. An einem Abenteuerbuch spielt man länger als man einen Roman liest. Dass Alkohol u.a. Drogen sich schneller verbrauchen ist auch klar - im schlimmsten Fall führt das zu Beschaffungskriminalität. Ich hab noch nie gehört, dass jemand seine Eltern beklagt, um sich DSA-Regelwerke zu kaufen. Gibt's aber wahrscheinlich auch. :grübeln: Gibt ja auch Kids, die mit elterlichen Kontodaten in Pay to Win Games shoppen gehen. Und es gibt natürlich Rollenspielsammler, die jede neu erschienene Sonderedition haben wollen. Aber wir reden ja hier über das Spielen von Rollenspiel, oder? Sich eine DSA-Sammlung anzulegen kann natürlich auch zur (gefährlichen) Realitätsflucht werden. Aber solange man dafür nur Geld ausgibt, was man auch hat, wäre ja auch das völlig in Ordnung. Und wie gesagt: Zum Spielen braucht es fast kein Geld, wenn die Gruppe sich die Regelwerke teilt (DSA5 gibt's ja nun eh alle Regeln gratis online).

Noch zwei Argumente für die Diskussion mit deiner Mutter:
Rollenspiel, auch DSA, wird von Sozialarbeitern und Pädagogen gezielt eingesetzt, um Teamfähigkeit und Gruppenkommunikation zu trainieren!

Jedes Kind spielt Rollenspiele. Wir reden nicht von Realitätsflucht, wenn kleine Kinder Einkaufsladen, Mama-Kind, Batman oder Reiterhof spielen, reden wir auch nicht von Realitätsflucht. Ne. Da begreifen wird, dass die Kinder auf diese Weise lernen, die Welt zu begreifen. Warum sollte es krank sein, wenn Jugendliche oder Erwachsene das tun?
Und wäre es weniger krank, sich im Hobbyschauspielverein zu treffen? Warum?
Regeln sind dazu da, dass man nachdenkt, bevor man sie bricht. // 92% MA, 63% ST, 58% TT, 50% PG

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Borbarad-Moskito » 07.06.2020 11:19

Ich finde es auch erstaunlich, dass du so eine Diskussion führen musstest. Als ich während der Schulzeit in die pöhse Welt von DSA abgerutscht bin, hat meine Mutter das immer gefeiert, weil meine Freunde und ich weg vom PC waren und eine "Art Brettspiel" (so haben wir es immer erklärt) gespielt haben. Da gab es also nie Probleme.
Wann sowas problematisch wird, dazu wurde hier schon genug geschrieben. Ich persönlich habe noch keinen Spieler erlebt, der nur noch in Aventurien gelebt hat. Klar hat der Student vielleicht mehr Zeit als der Arbeitnehmer, aber die investierte DSA-Zeit (abseits vom Spielen!), war gefühlt bei den meisten Spielern gleich, abgesehen vom Meister. Ein Mitspieler hat mir aber tatsächlich mal von einem Meister einer anderen Runde erzählt, der von seiner Freundin vor die Wahl gestellt wurde: "DSA oder ich", was dann das Ende seiner Meisterkarriere bedeutet hat. Besagter Mitspieler hat aber auch zugegeben, dass der Meister wohl über alle Maßen Zeit in die Vorbereitung gesteckt hat, für fast jeden Kampf die passende Miniatur zur Hand hatte, und sämtliche Handlungsmöglichkeiten der Helden bis ins kleinste Detail durchgeplant hatte. Irgendwas meinte er auch mal von wegen: eine Stunde Spielzeit gleich zwei bis vier Stunden Vorbereitung, was dann bei einer wöchentlichen Runde von 5 bis 6 Stunden nicht wenig Zeit frisst. Dann kann es natürlich problematisch werden (und das trifft auch auf jedes Hobby zu, exzessiv betrieben).
Was ich allerdings auch teilweise in unserer Communitiy feststelle, ist der Rechtfertigungsdrang gegenüber anderen Hobbies, der dann schnell in Fingerzeigen ausartet und "aber du machst doch xyz in der Freizeit, das ist mega ungesund, unkreativ und außerdem kostet es 1337 Euro im Monat", was ich dann auch immer etwas unangebracht finde. Ich bin da mittlerweile emotionslos: Mir gefällt, was ich da tue, und wenn jemand meint, sich darüber lustig zu machen, dann werde ich diesen Jemand einfach ignorieren (ist vielleicht blöd, wenn dieser jemand die eigene Mutter ist und man selbst im jugendlichen Alter, zugegeben :censored:). Ich bin ja auch bekennender Nichtraucher, würde aber trotzdem fast niemanden dazu bekehren wollen.
Das würde mich mal interessieren, wie sind denn eure Erfahrungen mit so einem übertriebenen Rechtfertigungsdrang hinsichtlich DSA?

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Eloquent Erlenfold » 07.06.2020 13:43

Realitätsflucht? JA, natürlich wie jedes andere Hobby.
Für mich ist p&p Rollenspiel ein Interaktives Buch ohne lesen zu müssen und ein interaktiver Film ohne visuellen Input zu haben und ein PC Rollenspiel ohne PC.
Es ist deswegen für mich besser als alle die oben genannten Dinge.
Aber es ist nicht grundlegend anders: Es ist und bleibt Realitätsflucht.
Und wie bei allen anderen vorher genannten Punkten: solange man sein Leben gut bestreiten kann und frei entscheiden kann für was man seine Zeit einsetzt ist es unproblematisch.

Im übrigen wurden früher als es das alles noch nicht gab, Bücher verteufelt und zwar aus dem gleichen Grund. Bücher zu erlauben aber Rollenspiel nicht ist daher höchst unkonsequent und zeigt mir, dass sich deine Mutter nicht wirklich damit beschäftigt hat. Genauso wie sich Politiker die die Killerspieldebatte führen sich noch nie mit Shootern auseinander gesetzt haben.

Und ja: für mich zählen Drogen mit psychoaktiver Wirkung auch zu Realitätsflucht.
1. Auf Svellttal auf zum Streite
der Feind bedroht das Land
so tretet ihm entgegen
geschlossen Hand in Hand.

(...)

11. Nie werden wir uns beugen
stolz heben wir den Blick
auf Svellttal auf zum Siege
wir weichen nicht zurück.

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Aryador
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Aryador » 07.06.2020 15:00

Du hast die historischen Beispiele ja schon selbst genannt, man kann auch noch weiter zurückgehen: Als Goethes "Leiden des jungen Werther" erschien, gab es eine gesellschaftliche Diskussion darüber, dass man dieses Buch jungen Menschen nicht zumuten dürfe, weil es dazu führt, dass Menschen es sich zu sehr zu Herzen nehmen, und nach Vorbild des Charakters Selbstmord begehen.

Ich nehme an, man wird auch im Antiken Griechenland Philosophen finden, die sich darüber äußern, wie Menschen sich mit Hilfe von Sagen und Legenden aus der Realität flüchten.

Wie schon von mehreren Usern hier gesagt: Rollenspiel kann ein Weg zur Realitätsflucht sein, das können aber ganz viele andere Dinge auch. Und einige davon gelten in Maßen sogar als höchst bildungsbürgerlich positiv (wie zum Beispiel Bücher).

Ich denke, das Problem besteht unter anderem daran, dass viele Menschen, die nie etwas mit Rollenspiel zu tun hatten, sich wenig darunter vorstellen können, und worunter sich Menschen wenig vorstellen können, davor haben manche viel schneller Angst. Das gilt für fremdartige Menschen genauso wie für fremdartige Hobbys oder fremdartige Gedanken. Und Rollenspiel triggert natürlich ein paar Check-Punkte, die auf den ersten Blick seltsam klingen. Sich voll und ganz in eine andere Figur versetzen, in eine phantastische Welt von Magie (oder Zukunftstechnologie) abtauchen, in der dann auch noch gekämpft wird, und dann dauert das alles auch noch viel, viel länger, als ein Kinofilm, sondern das Kind kommt einen ganzen Nachmittag nicht aus dem Keller heraus, wo es mit Freunden sitzt... und so weiter.

Nachtrag:
natas666 hat geschrieben:
07.06.2020 00:16
Meine Ma hat mich aber immer zu fördern versucht, so las ich beim Bundesheer "Der Herr der Ringe", das war vor dem Hype im Kino. Zum Geburtstag bekam ich dann Bücher wie "Die unendliche Geschichte", "Momo", "Die Nebel von Avalon", Harry Potter, später auch Hermann Hesse "Glasperlenspiel", "Der Steppenwolf", "Siddhartha", etc.
Ich weiß es nicht mehr genau, wie ich wieder mit DSA in Kontakt gekommen bin, auf jeden Fall habe ich begonnen, DSA-Romane von Autoren wie "Ulrich Kiesow", "Bernhard Hennen", "Karl Heinz Witzko" und Hadmar Wieser und Thomas Finn zu lesen. Ich hatte eine ganz ordentliche Sammlung von (DSA)Romanen.
Bei einem Umzug hat meine Ma alle Romane entsorgt, weil sie argumentierte, dass Rollenspiel (DSA)eine gefährliche Realitätsflucht sei. Ich habe versucht zu argumentieren, dass DSA ein Gelehrtenspiel ist, das Fantasie- und soziale Kompetenz fördert.
Was mich an der Geschichte ein klein wenig irritiert, ist die Tatsache, dass du sagst, du hättest "beim Heer" wieder Fantasy entdeckt, anschließend eine DSA-Sammlung aufgebaut, und dann habe deine Mutter die Romane entsorgt. Das klingt für mich so, als habe dieses Ereignis stattgefunden zu einer Zeit, wo du schon 20+ Jahre alt bist. Das spielt jetzt hier keine Rolle für die Diskussion, und du musst darauf auch nicht antworten, aber:

Ich halte es generell für übergriffig, wenn Eltern Dinge von ihren Kindern ohne Rücksprache wegschmeißen, sobald Kinder ein Bewusstsein für Eigenbesitz entwickelt haben. Und erst recht, wenn sie Jugendliche sind.
natas666 hat geschrieben:
07.06.2020 00:16
Was ich nicht verstehe, ist, warum meine Eltern ganz erfreut sind, wenn ich Latein pauke (wenn auch auf geringem Niveau) oder ein vergeistigtes Buch lese, aber Trivial-Literatur verteufelt wird. Besonders übel stößt es mir auf, wenn ich sehe, was alles als "geistige Nahrung" verkauft wird (Liebesromane, Krimis, Thriller, etc), aber ich für mein Hobby in die Narrenecke gestellt werde.
Jede Gesellschaft legt für sich fest, was anerkannt ist, und was als "kindisch" oder als "pfuibäh" oder sogar als illegal gilt. Die Wahrheit ist: Das geschieht oft nach mehr oder weniger willkürlichen Parametern. Verschiedene Gesellschaften kommen da zu komplett unterschiedlichen Ergebnissen.

Das ist auch nicht weiter tragisch, das ärgerliche daran ist, dass viele sich nicht bewusst sind, dass ihre Festlegungen willkürlich sind. Das Deutsche Bildungsbürgertum (TM) hat da so seine ganz bestimmten Vorstellungen, und dazu zählt unter anderem, dass Bücher "gut" sind, und Computerspiele "schlecht", und dass man Bücher in "Unterhaltung" und "Bildung" unterteilt. Dabei müsste man sie eigentlich vermutlich sinnvoller in "gute Qualität" und "schlechte Qualität" unterteilen, denn natürlich gibt es auch Bildungsbücher, die Schrott sind.
natas666 hat geschrieben:
07.06.2020 00:16
Ich gebe zu, dass Rollemspiel Realitätsflucht ist, aber ist stundenlanges Fernsehen, grölen im (Fuß)ballstadion und Saufen und Rauchen nicht auch eine (gesunheitsschädliche) Flucht in eine Scheinwelt?
Ja. Und nein.

Wer stundenlang fernsieht, und dann später das nutzt, um ein anerkannter Filmkritiker zu werden, oder um selbst Karriere beim Fernsehen zu machen, oder als Filmwissenschaftler, der ist sicherlich nicht in eine Scheinwelt geflüchtet, sondern hat dabei was gelernt.

Wer ins Fußballstadion geht, und dabei soziale Kontakte pflegt, sich vielleicht sogar noch in politisch aktiven Fangruppen engagiert, und dabei eine Meinung bildet, ist nicht in eine Scheinwelt geflüchtet.

Und selbstverständlich gilt genau dasselbe auch für Rollenspiele. Oder Computerspiele. Oder sonstwas.

Und wie schon gesagt: Manchmal ist Flucht aus der Realität auch gar nichts Schlimmes. Solange man wieder zurückkommt. Zum Start der Corona-Einschränkung hieß es, es könne Menschen sogar helfen, den Sorgen und Ängsten der Realität mal eine Zeitlang zu entkommen. Das sorgt dann unter dem Strich für weniger Stress und Panik, als wenn man sich jede Sekunde mit "der Realität" auseinander setzt. Menschen können auch kreativ werden, wenn sie "der Realität" entfliehen (wobei selbst der Begriff der Realität schon wieder kulturell aufgeladen ist; warum genau sind Filme denn eigentlich keine Realität? Ist eine Mozart-Oper Realität? Eine Beethoven-Sinfonie? Ein Lexikon über Antike Geschichte?)

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von ledaeth » 07.06.2020 17:35

Aryador hat geschrieben:
07.06.2020 15:00
Wer stundenlang fernsieht, und dann später das nutzt, um ein anerkannter Filmkritiker zu werden, oder um selbst Karriere beim Fernsehen zu machen, oder als Filmwissenschaftler, der ist sicherlich nicht in eine Scheinwelt geflüchtet, sondern hat dabei was gelernt.
Kleine Korrektur im Sinne der Bedenkenträger: Der ist in eine Scheinwelt geflüchtet, aber hat immerhin was gelernt dabei und konnte es am Berührungspunkt von Realität und Scheinwelt gewinnbringend einsetzen. ;)
Was "Richtiges" gelernt hat er damit allerdings noch nicht.

Wie bereits gesagt wurde, ist die Definition von "Richtig" oder "Normal" eben sehr unterschiedlich in den Generationen und Individuen verankert.
Ich werde meiner Oma mit Sicherheit nicht mehr beibringen können, warum mich Rollenspiel begeistert. Aber da ich ansonsten ein halbwegs akzeptabler Mensch geworden bin, kommt sie inzwischen damit klar.

Aber ich bin auch etwas erstaunt, dass es diese Haltung zum Rollenspiel immer noch gibt.
In den 80ern war das gefährliches Teufelszeug und in den 90ern spielten es nur die verkommenen Randgruppensubjekte, aber inzwischen ... ich dachte, das sei seit den 2000ern oder so in der Gesellschaft angekommen.
Denn wie ein sehr weiser Mann einmal sagte: „Da, wo du hingehst, da bist du dann.“

Aussprachehilfe zu "ledaeth": [​liːdai:θ]

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Aryador » 07.06.2020 18:09

ledaeth hat geschrieben:
07.06.2020 17:35
Kleine Korrektur im Sinne der Bedenkenträger: Der ist in eine Scheinwelt geflüchtet, aber hat immerhin was gelernt dabei und konnte es am Berührungspunkt von Realität und Scheinwelt gewinnbringend einsetzen. ;)
Was "Richtiges" gelernt hat er damit allerdings noch nicht.
Das ist jetzt eine Definitionssache, aber ich würde argumentieren, dass jemand, der aus den vielen Stunden, die er scheinbar "versumpft" ist, am Ende so viel mitgenommen und offenbar gelernt hat, um sich einen Beruf darauf aufzubauen, bewiesen hat, dass er eben nicht "in die Scheinwelt geflüchtet" ist, sondern offenbar wach und aufmerksam genug war, sich daraus weiterzuentwickeln.

Ich kann ja die sprichwörtlichen "Soft Skills", die ich so allgemein für das Leben gut gebrauchen kann, über ganz viele verschiedene Wege bekommen. Aber wenn ich es schaffe, aus meiner Freizeitgestaltung später meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dann war und bin ich offensichtlich erfolgreich darin, aus dem, was ich sehe, etwas Sinnvolles für mich herauszuziehen, das ich in vielerlei Bereichen anwenden kann, weit über den stumpfen Faktor "Spaß & Berieseln lassen & Abtauchen & Fliehen" hinaus. Und wie viel mehr "Realität" soll es denn geben?

Dann könnte der Einwand höchstens lauten, dass da jemand stark einseitig ausgebildet ist, und abseits seines Berufs wenig Erfahrung in anderen Wissensfeldern hat. Das gilt aber im Zweifelsfall für den Fußball-Profi genauso und für den Investment-Banker oder sogar für den Professor sumerischer Archäologie.

Nachtrag:

Dieser "Berührungspunkt von Realität und Scheinwelt" steckt ja in jeder "Scheinwelt" mit drin. Film & Fernsehen erzählen letztlich auch sehr viel über die Gesellschaft, in der wir leben; mal abgesehen davon, dass das Medium Film und das Produkt Fernsehen handfeste Realität für einen Großteil der Gesellschaft sind. Bei Rollenspiel ist es ja ganz genauso. Wenn das einzige, was ich für mich mitnehme, ist, dass ich die kompletten Daten der aventurischen Geschichte auswendig kann, dann bin ich möglicherweise in einer Scheinwelt unterwegs gewesen (wobei man selbst dann noch argumentieren könnte, dass ich mir offenbar sehr elegant beigebracht habe, Daten und Zusammenhänge zu lernen). Aber wenn ich aus dem Rollenspiel eben auch soziale Interaktion mitnehme, Problemlösungsstrategien, dramaturgischen Aufbau, Charakterdarstellung, vielleicht noch Selbstbewusstsein, oder Kreativität, Interaktionskompetenz, logisches Denken und so weiter, dann war all das von Anfang an sehr wohl in der "Scheinwelt" mit angelegt und fester Bestandteil.

I3igAl
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von I3igAl » 07.06.2020 20:28

Ich denke, dass die Eskapismusfeindlichkeit gegenüber Kunst und Literatur in unserer Gesellschaft zwar abgenommen hat, aber noch immer zu Unrecht als Gütekriterium für Kunst und Literatur genutzt wird.
Alltagsnahe Genres sind bei Film- und Buchpreisen noch immer so überrepräsentiert, dass Fantasy- und Science Fiction-Autoren ihre eigenen Awards vergeben müssen.

Ich persönlich denke, dass Realitätsflucht nichts verwerfliches ist. Nicht jedes Werk, welches man konsumiert muss gesellschaftskritisch sein. Literatur aus dem Elfenbeinturm ist nicht zwangsläufig schlechter als alltagsnahe Werke.
Fantasy-Rollenspiel als Hobby ist nicht gefährlich, sondern ein sehr positives Hobby. Man lernt eine Menge über Geschichte und übt das eigenständige Verfassen von Texten und das Herausfiltern relevanter Informationen aus Texten. Man lernt weiterhin verschiedene Perspektiven einzunehmen und ist zu einem gewissen Grad selbst schriftstellerisch aktiv. Nebenbei kopfrechnet man sogar noch ein wenig und erlangt ein Gefühl für Stochastik, was nur wenige Nicht-Rollenspieler ereichen. Es ist also sicherlich ein Hobby, was viel Positives für einen Menschen liefern kann.

Klar kann man sich theoretisch darin verlieren, wenn man nichts mehr anderes tut, aber das Risiko halte ich auch im Vergleich zu Computerspielen und Fernsehen doch für sehr gering.

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Advocatus Diaboli
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Advocatus Diaboli » 07.06.2020 20:32

Ich würde die Scheinwelt nicht davon abhängig machen, ob man dabei was sinnvolles lernt. Ob etwas sinnvoll ist, ist viel zu situationsabhängig. Vielleicht sitze ich irgendwann mal bei Wer wird Millionär und werde gefragt, welche Pokémontypen effektiv sind gegen Drache. Dann waren all die investierten Stunden in Pokémonspiele plötzlich keine Realitätsflucht mehr? Würde ich nicht sagen. Selbst wenn mir das Wissen mal nutzen sollte irgendwann in der Zukunft - als ich gespielt habe, ging es mir darum nicht. Da wollte ich abschalten von der Realität und bin abgetaucht in eine Scheinwelt. Gleiches beim Rollenspiel oder Filmen oder was auch immer.

Ich denke, aus wohl jeder Tätigkeit lernt und/oder trainiert man nützliche Fähigkeiten. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das hängt nicht nur von den Tätigkeiten ab, sondern auch davon, welche Fähigkeiten in unserem Leben halt nützlich sind. Der Briefmarkensammler lernt Sorgfalt, der Rollenspieler Kreativität und soziale Skills, der Filmeschauer je nach Filmen viel Wissen über fremde Kulturen, menschliche Psyche o.a. Man sollte kein Hobby verurteilen. Man sollte das als Hobby machen, was man als erfüllend betrachtet und dann bestenfalls einen Job, wo man die beim Hobby erlernten Fähigkeiten gut umsetzen kann.
Regeln sind dazu da, dass man nachdenkt, bevor man sie bricht. // 92% MA, 63% ST, 58% TT, 50% PG

( o _
/ / \
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Ungelesener Beitrag von I3igAl » 07.06.2020 23:17

Aryador hat geschrieben:
07.06.2020 15:00
Ich nehme an, man wird auch im Antiken Griechenland Philosophen finden, die sich darüber äußern, wie Menschen sich mit Hilfe von Sagen und Legenden aus der Realität flüchten.
Platon hat sich dafür ausgesprochen, nur die Musik, welche zur Erziehung notwendig sei zu nutzen. Alles andere wurde als Ablenkung angesehen.
Auch Aristoteles hat sich schwer daran getan, Musik zur Entspannung zu nutzen, wenn ich mich recht entsinne.

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Sanaroth
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Sanaroth » 08.06.2020 09:46

Die sollten lieber mal daran arbeiten die Realität spannender und spassiger zu machen, dann müsste man nicht daraus flüchten.
Wäre auch schön einen Hilfreichen Leitfaden zu bekommen, wie denn das leben zu meistern sei und was der Sinn des ganzen ist.
Ist doch toll, wenn man RL AP nicht nur für Crunch Talente ausgeben muss, sondern auch für Fluff wie bspw. Brett-&Kartenspiel rauswerfen kann ;D.

Die Fragen sind doch, worin besteht die Gefahr, und ab wann besteht sie?
Wenn man aus der Freizeitaktivität keinen Profit schlagen kann?
Wenn man nicht das Leben eines Otto normalo führt?
Oder erst, wenn man eine Belastung für die Gesellschaft wird?
Gibt tausend andere, schnellere und leichtere Wege, an so einen Punkt zu kommen.

Welches Hobby ist denn akzeptabel und warum?
Wer diktiert, welche Zeit gut genutzt und welche verschwendet ist?
Muss doch jeder selber wissen, was er mit dem Leben anfangen will.
Eine gesunde Neugier hat noch keinem geschadet, aber dass Ich noch lebe, ist ein Wunder.

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Quintian
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Quintian » 16.06.2020 10:19

Videospiele machen dich zum Mörder, Alkohol zum Vergewaltiger, Fußball zum Rassisten.
All diese Dinge sind Teil der Realität - warum soll man ihr also nicht entfliehen?

Etwas weniger ham-fisted:
Ich verstehe nicht, was an ein wenig Träumerei so falsch sein soll. Natürlich ist es Realitätsflucht, wenn man sich in ein Fantasy-Universum begibt und darin richtig aufblüht, so sehr, dass man die Taverne, in der der eigene Held gerade sitzt, förmlich riechen kann. Aber warum kann unser Verstand das? Irgendeinen evolutionären Vorteil muss diese Vorstellungskraft ja geboten haben.
Man darf davon träumen, ein Techtelmechtel mit der schönen Nachbarin anzufangen. Man darf davon träumen, ein Eigenheim zu besitzen (mit genau diesen Träumen spielt man in der Bank sogar, wenn man dir einen Bausparer anbietet!). Man darf davon träumen, im Abi die 1.0 zu bekommen. Warum sollte man nicht davon träumen dürfen, ein Burgfräulein in Not zu retten?

Sehe ich gar nicht ein, mir diese Träume von irgendjemandem verbieten zu lassen.
Kinder dürfen auch Räuber und Gedarme spielen.
Oder Cowboy und Indianer.
Oder Mama und Papa.

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von ledaeth » 16.06.2020 11:00

Quintian hat geschrieben:
16.06.2020 10:19
Sehe ich gar nicht ein, mir diese Träume von irgendjemandem verbieten zu lassen.
Sehe ich genauso.

Der evolutionäre Vorteil ist klar: Man kann sich aus dem Jetzt-Sein lösen und das Soll-später-so-sein "vorhersehen", und dann kann man sich Schritte überlegen, wie man die Lücke füllt, wie man den Traum verwirklichen kann. Das Denken wird also ins Handeln übertragen.
Insofern finde ich die Frage "Und was hilft dir das in der Realität?" durchaus berechtigt.

Manche brauchen als Antwort auf diese Frage was Handfestes, ein Eigenheim, finanzielle Sicherheit usw. Für die ist Rollenspiel Zeitverschwendung, weil es nichts an ihrer handfesten Realität ändert.
Eine andere Antwort könnte sein: "Wenn ich Rollenspiel spiele, lerne ich, wie man sich an Regeln hält und wie man die verschiedenen Bedürfnisse in einer Gruppe aufeinander abstimmt und wie man Lösungen (zum Stürmen der Burg) erarbeitet ..." usw., also die weniger sichtbaren, inneren Änderungen, die gleichwohl in der Realität stattfinden, aber eben in einer anderen, ich würde sagen: größeren, vollständigeren.

Ich persönlich finde selbst die zweite Antwort unnötig rechtfertigend.
Ich würde sagen: "Wenn ich Rollenspiel spiele, kann ich der Realität entfliehen und fühle mich dabei gut. Das gibt mir Erholung und Freude. Realität dann gerne später wieder." Punkt.
Denn wie ein sehr weiser Mann einmal sagte: „Da, wo du hingehst, da bist du dann.“

Aussprachehilfe zu "ledaeth": [​liːdai:θ]

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 16.06.2020 11:01

Man darf davon träumen, ein Techtelmechtel mit der schönen Nachbarin anzufangen. Man darf davon träumen, ein Eigenheim zu besitzen (mit genau diesen Träumen spielt man in der Bank sogar, wenn man dir einen Bausparer anbietet
Da ist der Bausparer aber das falsche Mittel ;)

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myrkur
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Ungelesener Beitrag von myrkur » 17.06.2020 12:40

Denderan Marajain hat geschrieben:
16.06.2020 11:01
Da ist der Bausparer aber das falsche Mittel
Nur ein Argument mehr um zu untermauern, dass der Bankberater, der einem aufbauend auf dahingehenden Träumen so einen Bausparvertrag andreht, gefährliche Realitätsflucht befördert...

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 17.06.2020 14:45

myrkur hat geschrieben:
17.06.2020 12:40
Denderan Marajain hat geschrieben:
16.06.2020 11:01
Da ist der Bausparer aber das falsche Mittel
Nur ein Argument mehr um zu untermauern, dass der Bankberater, der einem aufbauend auf dahingehenden Träumen so einen Bausparvertrag andreht, gefährliche Realitätsflucht befördert...
Ein brauchbarer Bankberater dreht dir keinen Bausparer an wenn du ein Eigenheim kaufen willst

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von myrkur » 18.06.2020 13:02

Denderan Marajain hat geschrieben:
17.06.2020 14:45
myrkur hat geschrieben:
17.06.2020 12:40
Denderan Marajain hat geschrieben:
16.06.2020 11:01
Da ist der Bausparer aber das falsche Mittel
Nur ein Argument mehr um zu untermauern, dass der Bankberater, der einem aufbauend auf dahingehenden Träumen so einen Bausparvertrag andreht, gefährliche Realitätsflucht befördert...
Ein brauchbarer Bankberater dreht dir keinen Bausparer an wenn du ein Eigenheim kaufen willst
Darum geht's mir gar nicht. Ich hab ja auch nicht behauptet, dass es sich dabei um einen brauchbaren Bankberater handelt. Sondern ganz im Gegenteil, dass derjenige der es trotzdem tut (und die gibt es zuhauf) gefährliche Realitätsflucht unterstützt indem er Träume vom Eigenheim ausnutzt um sein Produkt an den Mann zu bringen.
Brauchbar ist der Bankberater dabei evtl. für die Bank, aber nicht für das Kundeninteresse. :wink:
Wenn wir das jetzt weiter diskutieren sollten, wirds aber arg OT, denke ich.

Koronus
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Koronus » 18.06.2020 22:24

Ich gebe hier eine ähnliche Antwort wie zu den Videospielen. Es kann das sein, allerdings muss da das RL auch mitspielen. Soll heißen es hat auch einen Grund warum einige der Realität entfliehen weil die Reale Welt für sie beschissen ist und ohne Eskapismus der Geist das nicht mitmacht. Also wenn es dazu führt, dass jemand vollkommen den Sinn für die Realität verliert dann hatte er vorher schon ein so dermaßen beschissenes Leben, dass er das genauso gut auch mit anderen Sachen gemacht hätte. Wie man diesen Mensch stattdessen helfen kann, kann ich diesbezüglich nicht sagen weil ich dann der Therapeut und nicht der Patient wäre.
Fragt mich nicht wieso!
Ich habe auch keine Ahnung.
.___.
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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von StipenTreublatt » 19.06.2020 10:08

Assaltaro hat geschrieben:
07.06.2020 00:45
Es gab da auch so ein paar Kandidaten, die wegen WoW ihr Studium nicht geschafft haben.
Möglicherweise war WoW aber auch nur das Symptom, nicht die Ursache.
Aufgeben ist was für Schwächlinge.--Melek ibn Cherek, Richter der neun Streiche

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Quintian » 19.06.2020 15:44

StipenTreublatt hat geschrieben:
19.06.2020 10:08
Assaltaro hat geschrieben:
07.06.2020 00:45
Es gab da auch so ein paar Kandidaten, die wegen WoW ihr Studium nicht geschafft haben.
Möglicherweise war WoW aber auch nur das Symptom, nicht die Ursache.
Würde ich auch ganz stark vermuten. Man liest - zumindest populärwissenschaftlich - immer vom Suchtgen.
Und auch psychologisch ist WoW statt Studium durchaus nachvollziehbar. Instant gratification vs. longtime rewards.

Wir hatten tatsächlich auch jemand in der Schule, der eigentlich ein prima funktionierendes Gehirn hatte, allerdings (siehe "eigentlich"! ;)) dann seine Zeit lieber in Azeroth verbracht hat. Ende vom Lied: horrende Fehlzeiten, entsprechend miese Noten in naturwissenschaftlichen Fächern, zweites mal in zwei Jahren nicht versetzt -> Schulausschluss.
Ich glaube, er ist bis heute - nach immerhin 14 Jahren - noch arbeitslos.

Gerade habe ich, weil mir der Begriff "Eskapismus" aufgefallen ist und ich wissen wollte, ob zwischen Eskapismus und Realitätsflucht unterschieden wird, mal recherchiert. Und Wikipedia (yay, erste Anlaufstelle!) nennt dazu ein Zitat von Tolkien:

“Why should a man be scorned if, finding himself in prison, he tries to get out and go home? Or if, when he cannot do so, he thinks and talks about other topics than jailers and prison-walls?”

Den Ansatz finde ich durchaus noch interessanter als meine oben geposteten Gedanken zum Thema Fantasieverbot. Wobei hier allerdings auch klar wird, warum zwischen den genannten Begriffen nicht unterschieden werden kann: weil positive und negative Empfindungen manchmal einfach nicht trennscharf identifiziert werden können.

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Ist Rollenspiel gefährliche Realitätsflucht?

Ungelesener Beitrag von Hina » 19.06.2020 15:50

Schaue gerade eine sehr schoene Diskussion dazu von Orkenspalter TV:

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Ungelesener Beitrag von StipenTreublatt » 19.06.2020 16:08

Quintian hat geschrieben:
19.06.2020 15:44
Gerade habe ich, weil mir der Begriff "Eskapismus" aufgefallen ist und ich wissen wollte, ob zwischen Eskapismus und Realitätsflucht unterschieden wird, mal recherchiert. Und Wikipedia (yay, erste Anlaufstelle!) nennt dazu ein Zitat von Tolkien:

“Why should a man be scorned if, finding himself in prison, he tries to get out and go home? Or if, when he cannot do so, he thinks and talks about other topics than jailers and prison-walls?”
Dazu fällt mir dieses hier ein:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_Park
Aufgeben ist was für Schwächlinge.--Melek ibn Cherek, Richter der neun Streiche

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