5 Fragen an Dominic Hladek

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Fystanithil
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5 Fragen an Dominic Hladek

Ungelesener Beitrag von Fystanithil » 25.09.2013 13:50

5 Fragen an Dominic Hladek...
Dominic hat seit 2006 regelmäßig an Abenteuer- und Schreibwettbewerben wie z.B. dem Fanpro-Abenteuerwettbewerb, Gänsekiel & Tastenschlag und und Auf Aves Spuren teilgenommen. Unter seinen Wettberwerbsbeiträgen finden sich Abenteuer, Kurzgeschichten und Spielhilfen und vereinzelt finden sich auch Beiträge zu Shadowrun und Engel. Seit 2011 schreibt Dominic auch für offizielle DSA Publikationen und in der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner Mitarbeit hat er mit Spielhilfen, Abenteuern und Botenartikeln - nicht nur für Aventurien - einen erstaunlichen Output als Autor oder Co-Autor abgeliefert. Unter seinen Publikationen finden sich so hochgelobte Titel wie Gareth - Kaiserstadt des Mittelreichs, Die Nacht der geifernden Mäuler und Von Toten und Untoten aber auch der Geheimband zur RatCon 2012: Elementare Gewalten. Er ist einer der Autoren der ersten Uthuria Regionalkampagne Grüne Hölle und auch für Myranor, hat er schon zur Feder gegriffen (Ross und Reiter). Doch nun wollen wir ihn selbst zu Wort kommen lassen...


1. Dominic, wie bereits erwähnt bist Du für die relativ kurze Zeit Deiner Mitarbeit an offiziellen DSA Produkten an erstaunlich vielen Publikationen beteiligt, wie kommt das und wie schaffst Du das?
Dominic Hladek hat geschrieben:Die Frage muss ich von zwei Seiten beleuchten. Zum einen ist da der Aspekt, wie es kam, dass ich an so vielen Projekten die Ehre haben durfte mitzuarbeiten. Hier hatte ich wohl einfach zunächst mal das große Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein: Nach dem Autorenwettbewerb von Ulisses Ende 2010 wurde ich direkt zu einem Autorentreffen Anfang 2011 eingeladen, was ja keine Selbstverständlichkeit für mich als Neuling war: Überall um mich herum auf einmal die großen Namen wie Tom Finn, Chris Gosse, Thomas Römer, Michael Masberg, die ich vorher nur als Namen in den Abenteuercovern kannte. Nicht nur kam mein Beitrag zum Wettbewerb gleich in die
Anthologie "Grabräuber am Mhanadi", ich habe auf dem Treffen auch Kontakte zu anderen Autoren knüpfen können und habe von dort mehrere weitere Projekte mitgenommen: Die Fertigstellung des "Fluch des Flussvaters" zusammen mit Matthias Freund, die Mitarbeit am Untotenband unter Bandredakteur Chris Gosse und bald dann auch "Sturmgeboren" unter Katja Reinwald. Die Mitarbeit am Untotenband hat Martin John dazu veranlasst, mich auf ein Abenteuer für "Dämmerstunden" anzusprechen, und Anton Weste dazu, mich für die Gareth-Box einzuladen. Und so ergibt seitdem ein Projekt das nächste und tatsächlich gab es seit 2011 keinen Zeitpunkt, zu dem ich nicht an irgendeinem Rollenspielprojekt gewerkelt habe. Und damit kommen wir zur zweiten Seite der Frage: Wie schaffe ich das zeitlich. Zum einen ist es bei mir teilweise so, dass ich im Hauptberuf als Consultant an anderen Standorten als meinem Wohnort
Frankfurt eingesetzt bin, was mitunter heißen kann, dass ich über Monate hinweg meine Abende unter der Woche im Hotelzimmer verbringe und auch einige Zeit in Zügen oder Flugzeugen. Gerade meine Texte zu "Sturmgeboren", "Grüne Hölle I", "Im Lande des Thearchen" und "Elementare Gewalten" sind z.B. in Züricher Hotelzimmern entstanden (kleiner Nerd-Kalauer am Rande: Die Elementaren Gewalten übrigens nicht in Efreetikon ;) ). Auch mein erster Ausflug als offizieller Autor in ein Nicht-DSA-System - ein Anthologieabenteuer für Space: 1889, das demnächst erscheinen sollte - spielt unter anderem auch deswegen in Breslau, weil ich beruflich in dieser heute Wroclaw genannten Stadt war.
Auch zuhause hat sich das Schreiben mittlerweile zum zeitintensivsten (und eigentlich einzigen :) ) Hobby neben dem Zeitverbringen mit der Familie gemausert. Schon aus den Schreibwettbewerben vor meiner Zeit als offizieller Autor habe ich mir eine möglichst ergebnisorientierte und strukturierte Arbeitsweise angelernt, d.h. ich teile meine Texte in handliche Happen ein, plane vorher genau, wie viele Zeichen ich für welche Abschnitte benötige und überlege mir, was reinkommt, so dass ich bestenfalls am Ende den Text "nur noch" runterzuschreiben brauche. Meistens klappt das ganz gut, aber Ausnahmen bestätigen die Regel; gerade letztlich habe ich einen Text viel zu lang geschrieben und muss nun wohl zeitaufwendig kürzen. Ich tippe außerdem glaube ich auch recht schnell und die Ideen gehen eigentlich *toi to toi* bisher nicht aus. Vom besagten Ulisses-Abenteuerwettbewerb habe ich beispielsweise eigentlich viel zu spät gehört und dann ab Mittwoch vor Abgabeschluss am Sonntag den gesamten Beitrag verfasst (waren aber auch "nur" 60.000 Zeichen und damit eine eher niedrige Zeichenbegrenzung für einen Wettbewerb). Das alles zusammen führt zu dem hohen Output an Texten, den ich in den letzten zwei Jahren hatte (eigentlich eher drei, denn vor Erscheinen der ersten Abenteuer habe ich ja schon ein Weilchen daran gearbeitet). Ich denke, er wird demnächst aber etwas niedriger werden, denn im Moment stehen zum Glück weniger berufliche Reisen auf dem Programm und ich habe seit Ende Mai eine kleine Tochter mit meiner Frau, die zwar erstaunlich brav durchschläft und mir Zeit zum Schreiben lässt, aber letztlich doch auch ab und zu etwas von mir haben möchte :)
Anbei übrigens mal ein Foto aller bisher veröffentlichter Bände, an denen ich mitgearbeitet habe.
Bände_Dominic_Hladek_kl.jpg
2. Wie geht es für Dich mit Uthuria weiter?
Dominic Hladek hat geschrieben:Die dreiteitilige "Grüne Hölle"-Kampagne ist jetzt für mich von Autorenseite her beendet und im November wird der abschließende Band erscheinen. Auch die beiden umfangreichen Botenartikel, das Landungsszenario und die Insel-Spielhilfe, die "An fremden Gestaden" erweitern, sind in den letzten beiden Boten erschienen. Das alles war eine schöne Arbeit gemeinsam mit tollen anderen Autoren. Im Moment liegt zwar konkret nichts Uthurisches mehr auf meinem Tisch, aber ich denke, bei zukünftigen Publikationen wird Marie Mönkemeyer, die Uthuria-Redakteurin, an mich denken und auf mich zukommen, wenn es da neue Projekte gibt. Wie schon auf der RatCon angekündigt, sollen die Waldinseln und die Küste Norduthurias sowie das Gebiet dazwischen wohl als räumlich sehr großes Piratensetting aufgebaut werden, außerdem ist prinzipiell ja auch eine weitere Regionalkampagne auf Uthuria angedacht, um nach den Xo'Artal das nächste Volk kennenzulernen. Beide Projekte würden mich reizen, aber ich lasse mich da einfach mal überraschen, was - gerade vor dem DSA 5 Hintergrund - in Uthuria so auf mich zukommen wird und bin für alles offen. Ich fühle mich ja auch in Aventurien sehr wohl.

3. Was zeichnet für Dich ein gutes Regelsystem aus und was erhoffst Du Dir diesbezüglich von DSA5?
Dominic Hladek hat geschrieben:Für mich selbst waren meine allerschönsten Spielabende immer die, bei denen ich in eingespielten Gruppen praktisch ohne zu würfeln reines Rollenspiel betrieben habe. Ich habe eine Weile am Bodensee gelebt und dort Gruppen gehabt, die meiner Wunschvorstellung vom perfekten Rollenspiel ziemlich nah kamen; wir haben da u.a. Cthulhu, Vampire (oWod und nWoD), Engel und Trinity gespielt. Für mich muss ein Regelsystem also nicht komplexer sein als das der World of Darkness. Eigentlich genügt mir sogar schon das Arkana-System von Engel vollends, bei dem man lediglich zur Inspiration beim Erzählen Karten mit Begriffen zieht, die dann Ansätze zum Weitererzählen bieten. Ich habe immer mal privat an einem System gewerkelt, das für DSA den Inrah-Kartensatz für genau diesen Zweck verwendet und war sehr enttäuscht, als "Kartenglück und Schicksalszeichen" von Pokerregeln über Propehezeien-Spielhilfen so ziemlich alles bot außer solch ein Spielsystem; das wäre nämlich für mich persönlich eine echte Alternative gewesen.
Aber mir ist natürlich klar, dass DSA 5 weiterhin ein komplexes System bleiben wird und viele Spieler das auch so wollen. Ich erhoffe mir deshalb v.a., dass es strukturierter, einheitlicher, eleganter, weniger kompliziert und auch etwas einfacher wird. Ganz besonders hoffe ich, dass man als Autor nicht mehr seine Zeit damit verschwenden muss, mühsam und stundenlang Artefakte, Meisterpersonen und derlei mehr regeltechnisch korrekt auszuarbeiten, um dann am Ende doch irgendwo eine Regel übersehen zu haben - und das dann in Rezensionen um die Ohren gehauen bekommt, weil auch die Testleser es übersehen, die Spieler aber nicht ;) . Ich wünsche mir auch, dass DSA 5 anfängerfreundlicher wird. Ich kann fast jedes aktuell auf dem Markt erhältliche Rollenspiel mit einem Neuling spielen, mit ihm recht flott einen Charakter bauen und ihm die grundlegenden Regeln erklären, so dass ich losspielen kann. Nur das Rollenspiel, bei dem ich mich am meisten zuhause fühle und das eine der erzählerisch wunderschönsten
Hintergründe hat, kann ich dem Neuling leider kaum zumuten. Das ist sehr schade und sollte sich unbedingt ändern. Nach allem was ich von der Redaktion gehört habe, scheint sie einen ähnlichen Ansatz wohl auch zu verfolgen, weshalb ich mich sehr auf das Ergebnis freue. Ich bin nur etwas skeptisch darüber, wie früh und wie detailliert die Spielerschaft in die Regelfindung bereits jetzt eingebunden wird. Stand heute wird über 29(!) Seiten hinweg in einem Ulisses-Redaktions-Thread diskutiert, ob Eigenschaften nun einen Maximalwert von 18, 20 oder gar keinen haben sollten. Das ist aus Sicht eines eher rollenspielerisch und weniger in Regeln denkenden Spielers wie ich es bin, relativ unverständlich. Besser würde ich es finden, erstmal ein fertiges Konzept in einer Alpha-Version vorzustellen und dann die Spieler in Form von Feedback und Verbesserungsvorschlägen einzubinden, statt schon jetzt jedes Regeldetail im Vorfeld tot zu diskutieren. Aber wir werden sehen, ich denke, das Redaktionsteam kriegt ein sehr gutes Ergebnis hin.

4. Die Box Gareth - Kaiserstadt des Mittelreiches steht z.Zt. in unserem Bewertungsforum an der Spitze der Spielhilfen, Elementare Gewalten hingegen landet auf einem der unteren Plätze. Wenn Du aus der Retrospektive heraus noch etwas an Deinen Beiträgen zu den Spielhilfen ändern könntest, was wäre das und warum?
Dominic Hladek hat geschrieben:Ja, Zeit für "Lessons learned", wie man neudeutsch sagt. Also bei der der Gareth-Box war ich neben vielen anderen Gebäuden und Personen vor allem für praktisch ganz Unter-Gareth verantwortlich. Im Nachhinein denke ich zwar, ich hätte etwas mehr phantastische Elemente ähnlich wie bei der "Basiliskenkrone" (einem der Schauplätze Unter-Gareths) reinbringen können, bin aber alles in allem doch zufrieden mit dem Ergebnis. Und mein aktuelles Projekt (siehe Frage 5) bietet in der Hinsicht auch Raum, einiges davon nachzuholen.
Bei "Elementare Gewalten" gibt es natürlich weitaus mehr Spielerkritik und die nehme ich mir auch da, wo ich sie ehrlicherweise als berechtigt ansehen muss, sehr zu Herzen. Fangen wir mal mit dem Positiven an: Ich denke, die Flairtexte und neuen Wesenheiten der Elemente, für die ich hauptsächlich verantwortlich war, nämlich Feuer und Erz sowie Kapitel wie Golemiden, Mindergeister und pervertierte Elementare, kamen insgesamt ganz gut an. Da würde ich nicht viel ändern, lediglich die Lektion mitnehmen, dass man an schon irgendwo bei DSA gesetzten Eigenschaften und Werten bloß nichts ändern sollte, sondern stets alles so belassen sollte wie es ist. Seitdem greife ich sowas auch nicht mehr mit der Kneifzange an. Kritischer sieht es da mit dem Kapitel zur stofflichen Magie und den neuen Zaubern aus. Auch wenn man finde ich sagen darf, dass vieles an Regeln, die sich aus diesen Kapiteln ergeben haben, eigentlich nicht
weiter kritisiert, sondern neutral oder positiv aufgefasst wurde, gab es da leider einige Patzer, die ich natürlich im Nachhinein am liebsten rückgängig machen würde. Wohl kein Autor freut sich, wenn sein Produkt von den Spielern so schlecht bewertet wird. Manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, wir hätten bloß einfach einen fast reinen Kreaturenband wie den Untotenband daraus gemacht und es sein lassen, auch andere Themengebiete wie Zauberzeichen, Zauber oder
diverse magische Sonderfertigkeiten bedienen zu wollen; dann wäre der Band in eurer DSA4-Bewertung wahrscheinlich ungefähr dort, wo sich der Untotenband auch befindet :) . Zumindest hätten wir einige Regeln besser auf Balancing prüfen
müssen. Ich denke seitdem jedenfalls dreimal drüber nach, ob und welche neuen Regeln man einführt, muss aber auch sagen, dass das DSA 4 System es einem mit all seinen Fallstricken auch wirklich manchmal schwer macht. Ich denke, bei Grüne Hölle 2 haben wir viele Fehler vermieden, die wir bei EG gemacht haben und einiges besser gemacht, und darüber bin ich froh.

5. Was liegt gerade auf Deinem Schreibtisch?
Dominic Hladek hat geschrieben:Zahlreiche Tempotaschentücher wegen meinem alljährlichen Herbstschnupfen, eine Nuckelflasche meiner Tochter Johanna, die Unendliche Geschichte (gerade mal wieder fertig gelesen) und Mozartkugeln von einem befreundeten Paar aus Wien, das letztes Wochenende zu Besuch war und seinerseits wiederum Asbach Uralt und Fernet Branca ("Man sagt, er habe magische Kräfte"; kennt ihr die tolle Werbung mit dem Adler von damals noch? :) ) vom Ausflug nach Rüdesheim auf dem Schreibtisch haben dürfte. Aber im Ernst: Von meinem Schreibtisch runter ist erstmal die Grüne Hölle Uthurias, ebenso das schon erwähnte Abenteuer "Der Ätherkalkulator" für Space: 1889, das bald in einer Anthologie erscheinen sollte. Auf meinem Schreibtisch drauf ist hingegen einerseits ein noch geheimes Projekt, zu dem es zu gegebener Zeit weitere Infos geben wird, das aber vom zeitlichen Horizont auch noch nicht so bald erscheinen wird. Sehr viel konkreter ist da das von Eevie Demirtel auf der RatCon schon angekündigte Gargylenabenteuer in Gareth (vorraussichtlich Hardcover ohne Übergröße ähnlich Fluch des Flussvaters). Es ist eine Premiere für mich, denn es wird mein allererster DSA-Band sein, den ich gänzlich allein verfasse. Er fußt aber auf Ideen, die mehrere Autoren im Zuge der Gareth-Box hatten und die wir so gut fanden, dass ein vollwertiges Abenteuer daraus entstehen sollte, was es nun auch tut. Es geht um Gargyle, um die schon in der Gareth-Box erwähnten Nirgendgassen, Schattenpfade und die Feenglobule. Man wird es auch ohne die Gareth-Box spielen können, weil alle Hauptschauplätze entsprechend ausgearbeitet sein werden, aber natürlich bietet es sich an, die Gareth-Box zu besitzen und links und rechts des Plots darauf zurückzugreifen.
Auch noch auf meinem Tisch liegt ein zweites Space: 1889-Projekt. Wer die von Uhrwerk mit einem britischen Partnerverlag initiierte Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung einer englischen Version von Space: 1889 mitverfolgt hat, weiß, dass unter anderem der Merkur-Quellenband *erneut toi toi toi* ins Englische übersetzt werden wird. Für diesen Band habe ich zusammen mit Uli Lindner die Bandredaktion und kann deshalb hoffentlich demnächst behaupten, dass meine Rollenspieltexte nun auch auf den englischsprachigen Markt gelangen. Wir werden sehen.

Ich bedanke mich bei Niko Hoch, dem DSA4Forum-Team (habt ihr eigentlich schon die Domäne DSA5Forum gesichert? :) ) und allen Lesern!

Wer mir Kritik und Lob schreiben möchte oder weitere Fragen hat, kann mir gerne eine Email an Dominic dot Hladek at googlemail dot com schreiben. Die Onlinehome-Adresse, die man in einigen älteren Wettbewerbsbeiträgen wie dem "Panhumoricum" findet, ist leider wegen Providerwechsel schon seit Jahren nicht mehr aktuell und Mails dorthin landen im Limbus oder bestenfalls bei der NSA :)
P.S.: Mord- und Entlassungsdrohungen wegen EG landen aber ungelesen im Papierkorb ;) .

Liebe Grüße,
Dominic Hladek
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen gute Besserung.

Nächste Woche geht es mit einem weiteren Interview, aber 2 Interview-Gästen weiter.

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