Forenaktion - Grusel, Spuk und Halloween, vom 01.10.2020 bis zum 31.10.2020

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chizuranjida
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Forenaktion - Grusel, Spuk und Halloween, vom 01.10.2020 bis zum 31.10.2020

Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 13.10.2020 03:43

Farmelon hat geschrieben:
01.10.2020 12:38
Also schreibt eure Geschichten, oder verpackt den Grusel und Horror eurer Abenteuer in Geschichten, Poesie, Lyric und was es so alles gibt.
Sorry, nochmal eine Verständnisfrage: Es zählen also nur Kurzgeschichten und Gedichte? Keine Zeichnungen, Abenteuer, NPC-Beschreibungen oder anderen Formate? Hatte ich leider nicht gleich verstanden, wegen "was es so alles gibt".

Musik, damit das nicht so inhaltsleer ist:
https://www.youtube.com/watch?v=HhIOS_VL6PQ
https://www.youtube.com/watch?v=wu5eXdhFmpw
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Fenia_Winterkalt
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Ungelesener Beitrag von Fenia_Winterkalt » 13.10.2020 07:35

Genau, aber falls du sowas hast... der nächste Foren Adventskalender kommt bestimmt.. und schon sehr bald ;)

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Irike
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Forenaktion - Grusel, Spuk und Halloween, vom 01.10.2020 bis zum 31.10.2020

Ungelesener Beitrag von Irike » 13.10.2020 08:03

Azazyel hat geschrieben:
12.10.2020 22:45
@Irike Die Länge ist völlig okay, und ja, es gefällt! :6F:
Danke @Azazyel für das Feedback! Freue mich sehr, dass es dir gefällt. :)

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Draco Graustein
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Ungelesener Beitrag von Draco Graustein » 13.10.2020 11:53

Dies ist eine kleine Geschichte welche ich für meine Spielrunde geschrieben habe die in der Warunkei unterwegs war. Ich hoffe sie gefällt euch :ijw:

1. Namenloser Tag 1015 BF am Fluss Radrom. Am verregneten Abend liegen die Kinder einer Hirtenfamilie zusammen im Schlafraum während ihre Eltern die Tiere versorgen. Der Älteste fängt an, wie jeden Götterlauf, eine Schauergeschichte zu erzählen:

An einem reißenden Strom gibt es einen Wasserfall. Dort steht ein sehr alter Turm. So alt das keiner mehr weiß wer diesen erbaut hat. Manche erzählen, dass sich dort ein Schatz befinden soll. Andere sagen der Turm sei verflucht und keine Seele habe es geschafft den Turm wieder zu verlassen. Eines Tages wollte ein Diebespärchen herausfinden ob es dort wirklich etwas zu holen gab. Niemand weiß was im Turm passiert ist, jedoch gibt es Berichte, dass dieses Pärchen von der Spitze des Turms in den Wasserfall gesprungen sei. Eine Verzweiflungstat, um dem zu entkommen was im Turm hauste.

Niemand konnte diesen Sprung überleben. Jedoch sollen seitdem immer wieder Kinder in der Umgebung verschwunden sein. Es heißt das Diebespärchen habe ihre Seelen im Turm verloren. Sie seien deswegen Untote, die weder richtig Leben noch Sterben konnten. Nicht einmal der Sprung vom Turm in den Wasserfall konnte sie zu Boron befördern.

Um ihren Fluch zu entkommen versuchen sie eine andere Seele zu rauben. Dafür holen sie sich Kinder da ihre Seelen noch frisch und unschuldig sind. Mit diesen werfen sie sich dann wieder vom Turm in den Wasserfall, in der Hoffnung das sie endlich die Leere in sich mit einer neuen Seele füllen können.

Jedoch hat dies wohl noch nie funktioniert. Denn auch heute noch sind sie auf der Suche nach Kindern, um ihre Seelen zu rauben. Wenn man ganz leise ist, hört man sie kommen, denn ihre Schritte schmatzen, weil sie nie trocken werden vom Wasserfall!

Plötzlich wurde die Tür des Schlafraumes aufgestoßen und alle Kinder fingen an zu schreien. Den es waren nicht ihre Eltern...
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Nikodemus von Hohenstein
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Ungelesener Beitrag von Nikodemus von Hohenstein » 13.10.2020 17:53

Eigentlich sollte diese Geschichte sich mit einem Ort befassen, den unsere Gruppe erst kürzlich entdeckt hat.
Da die Feder aber wie so oft das gemacht hat, was sie wollte ist nun doch etwas anderes herausgekommen als ursprünglich angedacht.
Ich hoffe es passt dennoch ^^

Das Ganze ist eine zweiteilige Angelegenheit, deren Anhang als erstes gelesen werden sollte
AnhangShow
Als ich sie zum ersten Mal sah, schien sie absolut vertrauenswürdig.
Sogar einen Krieger Brief hatte sie dabei und von solchen hört man ja nur Gutes.
Da meine bisherigen Begleiter einen anderen Weg einschlugen, entschied ich mich jedenfalls dazu, meine Reise erst mal an ihrer Seite fortzusetzen.
Immerhin würden wir die nächsten Wochen ohnehin auf den gleichen Straßen reisen.

Wir waren fast durch den Wald vor eurem Dorf hindurch und hatten unser letztes Lager aufgeschlagen, da erwachte ich durch ein Geräusch.
Lusita war nicht mehr am Lager, obwohl sie eigentlich Wache halten sollte.
Bevor ich mir weitere Gedanken zu ihrem Verschwinden machen konnte, hörte ich ein Geräusch.
Es klang fast wie ein Schluchzen, doch ganz sicher war ich mir da nicht.
Um sicherzugehen, folgte ich dem Klang der fremden Stimme, nahm aber mein Kurzschwert mit - man weiß ja nie, was einem im Dunklen Wald begegnet.
Nach einiger Zeit kam ich an einen Steinkreis, in dessen Mitte sich die Umrisse einer knienden Frau abzeichneten.
Natürlich nahm ich an, dass es sich dabei um Lusita handelte, und ging zu ihr.
Sie schien meine Schritte nicht gehört zu haben, also sprach ich sie an, doch auch darauf reagierte sie nicht.
Eine unbestimmte Angst packte mich, doch ich verdrängte sie, hatte ich doch keinen Grund, mich vor meiner Reisebegleitung zu fürchten.
Noch während ich mich schalt, ein solcher Hahnenfuß zu sein, streckte ich den Arm und legte meine Hand auf ihre Schulter.

Ruckartig drehte sie sich um und sah mir mit kalten, leblosen Augen ins Gesicht.
Es war Lusita, doch war ihr Gesicht über und über mit Maden bedeckt.
Die Löcher in Stirn und Wangen zeugten davon, dass die Viecher bereits ganze Arbeit geleistet hatten.

Ich stieß einen erstickten Schrei aus und sprang zurück, doch hatten sich ihre eiskalten Finger schon um mein Handgelenk geschlossen.
Ich zerrte und riss, doch vermochte ich nicht den eisernen Schraubstock ihrer Finger zu lösen.
Erst jetzt fiel mir mein Schwert wieder ein, welches ich bislang ungenutzt in meiner Hand gehalten hatte.
Ohne viel Federlesen stach ich zu, riss mich los und rannte, so schnell ich konnte.
Den Rest kennt ihr.
Ich kam hier an und hämmerte an die Tür des ersten Hauses, das ich erblickte.
Weshalb fragt ihr mich all das noch mal?
Ihr sagtet doch, ihr hättet sie gefunden!
BriefShow
Euer Ehrwürden,
ich habe mich, wie ihr es angeordnet habt, auf den Weg nach Haderstein gemacht, um den fünf Morden nachzugehen, welche im nahen Wald verübt wurden.
Noch in der Stunde meiner Ankunft begann ich meine Ermittlungen.

Da die Täter ihre Taten je unabhängig von einander gestanden hatten, hat die örtliche Rechtsprechung es nicht für notwendig befunden, weitere Nachforschungen anzustellen.
Man ließ die Täter hinrichten, was meine Möglichkeiten stark begrenzt.
Ein Wink des Schicksals, den ich ob seines traurigen Beigeschmacks nur ungern dem Herrn des Lichts zuschreiben will, kam mir jedoch zugute.

Am Abend meiner Ankunft traf ein weiterer Verzweifelter aus dem Wald ein.
Seine Geschichte liegt meinem Brief bei, doch gleicht sie den anderen auf unheimliche Weise.
Tatsächlich fanden wir am nächsten Morgen den Körper der toten Kriegerin, die weit von jeder Art von Steinkreis an einer Stichwunde im Bauch verblutet war.
Der geständige Täter jedoch beharrte jedoch auch unter dem Einfluss der Alchimie der Sonne auf seinen Aussagen.
Auch sei ihm nichts von den anderen Morden zu Ohren gekommen.

All dies weist auf übernatürliches Wirken hin, welches die Wahrnehmung eines Menschen zu täuschen vermag.
Im Weiteren werde ich wohl damit beginnen zu ergründen, ob es sich um das Wirken eines menschlichen Magiers handelt, ob Geister im Spiel sind oder es gar dämonisches Wirken ist, dass die armen Seelen befällt.

Hochachtungsvoll,
donator lumini Vulcomar Haininger
Krieger retten Prinzessinnen,
Magier Retten Zeitalter 🐍

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Avariel
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Forenaktion - Grusel, Spuk und Halloween, vom 01.10.2020 bis zum 31.10.2020

Ungelesener Beitrag von Avariel » 17.10.2020 11:42

Monster

Inhaltswarnung: Ein Teil der folgenden Geschichte thematisiert sexualisierte Gewalt.
SpoilerShow
Ein kalter, böiger Wind fegte über das weite Land, riss braunes Herbstlaub von den Ästen der knorrigen Bäume, die hie und da über abgeerntete Felder wachten, und trieb dunkle Wolkenfetzen über den grauen Himmel. Mit dem Ärmel seines Linnengewandes wischte Berwin sich einige der unentwegt herniederfallenden Regentropfen aus der Stirn und ließ seinen Blick den Weg entlanggleiten. Der morastige, vom Regen aufgeweichte Pfad führte sie vorbei an einem kleinen Weiher, ehe er sich einen gedrungenen Hügel hinaufwand, wo er nach ein paar Dutzend Schritt im dichten, dunklen Wald verschwand. „Na, dann wollen wir mal hoffen, dass wir dort zwischen den Bäumen ein wenig vor diesem Sauwetter geschützt sind“, hörte er Rondriane mit ihrer rauen Stimme neben sich sagen. „Ja“, erwiderte er. Ein wenig Schutz vor Wind und Wetter mochte ihnen der Wald wohl bieten. Und doch wuchs mit jedem Schritt das Unbehagen in ihm. Rasch fuhr er sich mit einer Hand unter seinen Umhang und schloss die klammen Finger eng um die Hasenpfote, die ihm an einer dünnen Kordel um den Hals hing, während er an die Worte der Alten dachte.

Ein Silberling, mehr hatte es nicht gekostet. Kaum, dass die Münze in der tiefen Tasche des schwarzen, vielfach geflickten Mantels verschwunden war, hatte die Alte ihn gebeten, seine linke Hand auszustrecken. Dann war sie mit einem ihrer langen, gichtigen Finger jede Linie auf seiner Handfläche entlang gefahren, eine nach der anderen, mal schneller, mal langsamer. Dort, wo sich zwei Linien kreuzten, hatte sie kurz innegehalten, die Kuppe ihres Fingers tief ins Fleisch seiner Hand gedrückt, und einige leise, unverständliche Worte gemurmelt, ehe der Finger seinen Weg über Berwins Hand fortsetzte. Dann hatte sie dagesessen, die Augen geschlossen, und nichts gesagt. Doch gerade, als Berwin begonnen hatte, sich zu fragen, ob die Alte ihn vergessen hatte oder gar eingeschlafen war, war ein Ruck durch ihren Leib gegangen, und mit weit aufgerissenen Augen hatte sie Berwin angeblickt: „Fürchte dich, Berwin aus Ferdok! Fürchte dich, wenn du den Hundswald betrittst! Denn dort wird es dich erwarten, ein Monster, schlimmer als jedes andere, dem du bislang begegnet bist.“ Schaudernd war Berwin zurückgewichen. Er hatte der Alten nicht gesagt, dass er aus Ferdok stammte. Und auch nicht, dass sie auf dem Weg zum Hundswald waren.

Nun liefen sie seit knapp einer Stunde durch den dichten Forst. Der Weg hatte sich zu einem schmalen, unebenen Trampelpfad verengt und war an manchen Stellen halb von dornigem Gestrüpp überwuchert, sodass sie nur langsam und im Gänsemarsch vorankamen. Vorweg lief Liasanya, die sich mit ihren scharfen, amethystfarbenen Elfenaugen und ihrer langjährigen Erfahrung in der Wildnis als Führerin anbot. Ihr folgte Balphemor, dessen langer Stab gleich einer Fackel das dämmrige Zwielicht erhellte. Er selbst, Berwin, marschierte an dritter Stelle. Wachsam spähte er immer wieder in den Wald beiderseits des Weges hinein. Doch von einem Monster war durch das dichte Unterholz ebenso wenig zu sehen wie von einem Gewächs, das er seinem Sortiment heilsamer Kräuter und Tinkturen hinzufügen mochte. Bei dem Gedanken huschte ein zuversichtliches Lächeln über Berwins Lippen. Selbst wenn das Monster sie angreifen und verwunden sollte, würden sie zumindest nicht hilflos zugrunde gehen. Und damit es erst gar nicht so weit kommen mochte, hatten sie ja noch Rondriane. Schon so manchen Gegner hatte die braun gelockte Hünin mit wenigen Hieben ihres Zweihänders in die Flucht geschlagen. Vielleicht, dachte Berwin, sollte ich ihr einmal sagen, wie gut es mir tut, sie in meiner Nähe zu wissen. Er blickte sich zu der Kriegerin um – und wäre beinahe mit Balphemor zusammengestoßen. Unvermittelt hatte Liasanya angehalten. Mit ihrer erhobenen Rechten signalisierte sie den anderen, es ihr gleichzutun. Irgend etwas stimmte nicht.

„Riecht ihr das auch?“, hörte Berwin die Elfe fragen. „Ich glaube, mir wird schlecht...“ Berwin hielt die Nase in den Wind und zog zweimal tief die Luft ein. „Bei den Göttern!“, entfuhr es ihm. „Was für ein widerlicher, ranzi-“ Weiter kam er nicht. „Oger!“, rief Rondriane. „Zu den Waffen!“ Schon hatte die Kriegerin mit einem raschen, geübten Griff ihre Klinge hervorgezogen und sich breitbeinig aufgestellt, bereit zum Kampf. Derweil nestelte Berwin mit klopfendem Herzen an seinem Gürtel herum, wo zwischen der Sichel und dem Beutel mit den getrockneten Heilkräutern sein Kurzschwert hing. Ein Oger also. Berwin schluckte. Er hatte noch keine dieser Kreaturen gesehen, doch genügend Geschichten über die riesigen Menschenfresser gehört, um zu wissen, dass er mit seiner Waffe keine Chance hätte. So konnte er nur hoffen, dass Rondrianes Schwert und Balphemors Zauber etwas auszurichten vermochten. Und dass Liasanya durchhielt. Auch die Elfe stand in Kampfeshaltung da, bereit, ihren Speer auf den Oger zu schleudern, sobald er aus dem hohen Dickicht hervorbrach, durch das der Wind den Gestank zu ihnen hinüber trug. Doch schon sah Berwin, wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich. Wie sollte das erst werden, wenn der Oger bei ihnen war? Oder wenn sie es am Ende gar mit mehreren dieser Scheusale aufnehmen mussten?

Angespannt harrten sie aus, starrten in banger Erwartung dessen, was da kommen mochte, auf das ein paar Dutzend Schritt entfernte Dickicht. Nach wie vor wehte von dort der Gestank des Ogers zu ihnen herüber. Den Oger selbst aber konnten sie, so sehr sie sich auch bemühten, hinter den dicht an dicht wachsenden, hohen Pflanzen nicht erspähen. „Vielleicht schläft er?“, flüsterte Balphemor. „Ich votiere dafür, langsam und vorsichtig weiterzuziehen.“ Eilig nickte Liasanya. „Gute Idee“, brachte sie hinter der Hand, die sie sich inzwischen vor Mund und Nase hielt, hervor. „Nun dann“, ergriff erneut der Magus das Wort, „Berwin, Rondriane, was meint ihr?“ Berwin öffnete die Lippen, die er, wie im erst jetzt bewusst wurde, fest zusammengekniffen hatte, und antwortete. Doch sein leise gerauntes „Ja“ wurde von einem anderen Geräusch übertönt. Das Krachen eines Astes, der unter einem schweren Fußtritt zerbrach, erklang in ihrem Rücken. In Windeseile drehte sich Berwin gemeinsam mit seinen Gefährten um und streckte sein Kurzschwert dem Wesen entgegen, das sich dort, zwischen einigen Farnen hindurch, auf sie zubewegte.

„Na das ist ja mal ein Empfang!“ rief der glatzköpfige Mann, der aus dem Wald gekommen war, ihnen zu. „Seidʼs ihr Räuber? Dann tutʼs mir leid, ich hab nicht viel bei mir. Nur die Kleider an meinem Leib“ sagte er und blickte an sich hinab auf das braune Hemd, das bis zur Brust hinab von einem wallenden, schwarzen Bart verborgen war, den Umhang und die grüne Hose aus einfachem Stoff und die ledernen Handschuhe und Stiefel. „Und natürlich den Korb mit den Pilzen. Sehtʼs?“ Sachte setzte der Mann den Korb, den er bei sich trug, auf dem feuchten moosigen Waldboden ab, schlug das darüber geworfene Tuch zurück und gab den Blick frei auf einen Haufen gelblicher Pfifferlinge. „Die Zwölfe zum Gruße, guter Mann!“, erwiderte Rondriane und senkte ihr mächtiges Schwert. „Wir sind reisende Abenteurer, keine Räuber. Dennoch solltet ihr nicht so sorglos allein durch den Wald laufen. Ein Oger muss hier ganz in der Nähe sein!“ Der Mann runzelte die Stirn. „Ein Oger, hier? Na, das wüsstʼ ich aber.“ Dann entstieg seinem Mund ein kehliges Lachen, und geschwind ging er hinüber zu dem Dickicht.

Kurz darauf kehrte er mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen zurück. „Hier habtʼs ihr euren Oger“, sagte der Mann. Auf der ledernen Fläche des Handschuhs an seiner Linken lag eine weißliche, walnussgroße Frucht. „Wenn ich vorstellen darf, die Ogerbeere! Harmlos, nicht giftig, essbar aber auch nicht. Denn schmecken tut sie genau so, wie sie stinkt, weshalb man“ – ein Stöhnen unterbrach die Ausführungen des Mannes, auf welches einen Lidschlag später ein Würgen folgte. Eilends ließ Liasanya ihren Speer fallen und hielt mit beiden Händen die langen, silbrigen Haare zurück, ehe sie sich vorüber beugte und in einem breiten Schwall ihren Mageninhalt auf den Waldboden spie. Mit besorgtem Blick schaute der Mann zu der Elfe hinüber. „Oh! Seidʼs Ihr krank?“ Liasanya schüttelte den Kopf. „Nein, es ist...“ „... der Gestank und die feine Elfennase“, vollendete Berwin den Satz seiner Gefährtin, während diese mit einem weiteren, langgezogenen Würgen die letzten Reste ihres Frühstücks erbrach. Der Mann nickte und warf mit einer kraftvollen Bewegung die Ogerbeere in den Wald hinein, wo sie in einiger Entfernung am Stamm einer hohen Buche zerbarst. „Entschuldigtʼs, das hab ich nicht gewollt“, murmelte der Mann. „Sagtʼs, kann ich euch was Gutes tun, im Gegenzug?“

Stumm blickten die Kumpanen einander an, ehe Berwin ein Gedanke kam: „Ihr kennt euch in diesem Wald gut aus?“ Der Mann nickte ein weiteres Mal. „Ich willʼs meinen, leben hier ja schon ein Weilchen, meine Ehefrau und ich.“ Berwin lächelte. „So wisst Ihr doch sicherlich, ob uns nun, nachdem wir dem vermeintlichen Oger entgangen sind, noch andere Gefahren durch Monster in diesem Wald drohen?“ „Oh, ja...“ Eindringlich blickte der Mann Berwin an. „Hörtʼs mir gut zu, ihr dürftʼs auf keinen Fall in der Ruine des alten Klosters übernachten! Dort gehtʼs schaurig zu, ich sagʼs euch. In manchen Nächten ist von dort ein lautes Kreischen zu hören, dass einem durch Mark und Bein fährt und ganz sicher nicht von einem Tier aus diesem Wald stammt. Aber fragtʼs nicht, wovon es dann stammt, ich weiß es nicht. Vor ein paar Jahren, da hatʼs mal eine Schar wie euch hierher verschlagen, die hattenʼs sich in den Kopf gesetzt, rauszufinden, was da los ist. Den einen von denen habʼ ich später wieder gesehen, da lagen mitten im Wald seine Beine, und ein Dutzend Schritt weiter weg sein Oberleib. Glatt abgetrennt. Beide Hälften natürlich voller Maden. Da istʼs mir auch hochgekommen. Von den anderen weiß ich nichts. Aber das Kreischen, das hört man immer noch.“ „Habt Dank, werter Herr, Ihr habt uns sehr geholfen“ antwortete Berwin. Ein Zittern lag in seiner Stimme.

„Welch ein Glück, dass wir diesem freundlichen Mann begegnet sind“, meinte Balphemor, während er sich Butter aufs Graubrot schmierte. „Das kann man wohl sagen!“, erwiderte Berwin und blickte hinüber zu den Mauern des Klosters, die sich auf einem Hügel, in etwa einer Meile Entfernung, dunkel und drohend vor dem roten Abendhimmel abzeichneten. Dank Liasanya hatten sie anstelle des alten Gemäuers einen geeigneten Lagerplatz in der Wildnis gefunden. „Ich hoffe, hier sind wir weit genug weg und sicher.“ „Das hoffe ich auch.“ Rondriane hatte ihr Zelt fertig aufgeschlagen und setzte sich nun neben ihnen zum Abendessen auf den umgefallenen Baumstamm. „Nichtsdestotrotz sollten wir auf jeden Fall Nachtwachen einteilen. Nur zur Sicherheit.“ Rasch einigten sie sich, wer welche Schicht übernahm, dann gingen die Gläser herum – drei mit Bier, eines mit Saft. „Aufs Abenteuer, Freunde!“ „Und auf uns!“ „Und auf eine sichere Nacht!“ „Und auf den lieben Mann!“

Zur gleichen Zeit nahm auch der Mann aus dem Wald in seiner einsamen Holzhütte sein Abendessen zu sich, das er sich aus einigen der frisch gesammelten Pfifferlinge, Petersilie und etwas Hasenfleisch zubereitet hatte. Als er sich satt gegessen hatte, stand er mit einem zufriedenen Rülpsen auf. Der Abend hatte schön begonnen und würde noch schöner werden. Sein Lieblingslied pfeifend, öffnete er die Luke, die hinab in den Keller führte. Eigentlich war es nur ein Erdloch, aber „Keller“ hörte sich einfach besser an. Genau so, wie sich „Ehefrau“ besser anhörte als andere Begriffe. „Oha, was für ein Tag!“ Der Mann gähnte lauthals. „Heutʼ bin ich doch tatsächlich ein paar Wanderern begegnet, die sich hier in den Wald verirrt haben. Habʼ ihnen erst erklärt, was ʼne Ogerbeere ist, und dann habenʼs mich gefragt, obʼs hier ein Monster im Wald gibt. Habʼ sie vor dem alten Kloster gewarnt. Bin schon ʼn netter Kerl, gell?“ Die Frau vor ihm auf dem Boden blickte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und nickte stumm. Genüsslich fuhr der Mann sich mit seiner Zunge über die Lippen und ließ seinen Blick über den angeketteten, nackten Leib gleiten, an dem er sich auch nach all den Jahren nicht satt sehen konnte, an dem er sich nie würde satt sehen können. Sie war eben seine Ehefrau, nicht eine bloße Gespielin, mit der man sich eine Zeit lang vergnügte, bevor man sie entsorgte und vergaß. Hart drückte sein Glied gegen den Stoff der Hose.

Die Alte fuhr mit ihrem Finger die Linien der Handfläche entlang, die der Jüngling ihr entgegen streckte, drückte die Kuppe ihres Fingers tief ins Fleisch, wo immer sich zwei Linien kreuzten, und lächelte. Sie sah Wohlstand und Liebe in seiner Zukunft und freute sich für ihn. Denn sie irrte sich nicht, wenn sie in die Zukunft eines Menschen sah. Niemals.

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