Einen Tulamiden spielen

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Shirwan
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Glanzlicht Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Shirwan » 13.05.2019 22:59

Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer. Versöhnlicherweise versuchte ich dann aber irgendwann doch einen Tulamiden mit einem Perser zu vermischen, naja und das Nachfolgende kam raus. Es ist jetzt keine wirklich Spielhilfe, aber soll zumindest ein besseres Gefühl vermitteln.
Vielleicht hilft es euch ja weiter, wenn ja, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung freuen.
Viel Spaß damit und Gruß Shirwan
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Essenskultur

Speisen werden, wenn möglich, in großer Runde zu sich genommen. Meistens isst man abends groß (und warm). Am Tag ist es meistens zu warm zum Essen. Das Abendessen besteht in der Regel aus 3 „Gängen“ (Tulamiden würden diese aber niemals als solche bezeichnen). In der Regel beginnt man mit einer Art Vorspeise. Diese besteht aus Kräutern, roh genießbarem Gemüse der Region (bspw. Zwiebeln und Minze), Schafskäse, Joghurt und Brot. Je nach Region kommen auch einige warme, vegetarische Speisen hinzu (siehe Miseh Ghazemi und Nargezi). Dann kommt die Hauptspeise und danach eine Nachspeise (siehe jeweils unten)

Da spontan große Personengruppen beim Essen zusammen kommen, geht man in diesem Fall dazu über eine Decke auf den Boden auszubreiten und auf dem Boden zu essen (die seltensten Tulamiden haben Tische mit über 12 Plätzen). Menschen die das nicht gewohnt sind, haben durchaus Problem im Schneidersitz zu Essen, Tulamiden bieten aber in diesem Fall einem Gast an, separat am Tisch zu Essen (was in Ordnung aber nicht so richtig höflich ist). Da die Speisen dann häufig auf der Decke verteilt sind, werden mehrere Gerichte der gleichen Art auf der Decke verteilt. Gäste tun zusätzlich gut daran, sich beim Verteilen der Speisen am Tisch zu beteiligen, da der Gastgeber erst einmal dafür verantwortlich ist das Essen aus der Küche zur Decke zu bringen (was schnell erfolgen muss, denn Speisen lauwarm zu essen, ist Tulamiden ein Graus). Das führt dazu, dass es recht schnell zu einem geselligen Treiben kommt und die Speisen hin und hergereicht werden.
Hat der Gastgeber die Speisen zum Essen hergeholt, achtet er darauf, dass alle seine Gäste ausreichend zu essen haben. Hat ein Gast sich bei der Essensverteilung beteiligt, geht diese Aufgabe auch auf ihn über (außer er serviert anderen Familienmitgliedern aus seinem Haushalt, hier sollte man eher vorsichtig servieren). Der Gast hat nun die Aufgabe Bescheidenheit auszudrücken und möglichst wenig Speisen sich servieren zu lassen. Am besten lässt man sich zu diesem Zweck etwas mehr als die Hälfte (bis zwei Drittel) dessen servieren was man eigentlich essen möchte und fängt dann an mit dem Servierer zu „verhandeln“. Durch geschicktes Handeln kommt man dann ungefähr auf die Menge die man eigentlich essen möchte. Es ist zulässig die Hand über seinen Teller zu halten oder das Servierinstrument (bspw. eine Kelle) festzuhalten und zu verhindern, dass weiter serviert wird, in diesem Fall ist es dann üblich diese Handlung mittels einer witzigen Aussage zu würzen. Der Gastgeber darf dann (wenn er möchte) diese Aussage gegenkommentieren, ist sein Witz gelungener, lässt man als Gast diese letzte Menge zu, nicht ohne den Gastgeber scherzhaft „zu verfluchen“. Ausländische Gäste begehen häufig den Fehler sich aus Gewohnheit die volle Menge servieren zu lassen und beginnen erst dann an zu protestieren, was im schlimmsten Fall zum Doppelten der gewünschten Portion führt. Essen stehen zu lassen gilt als nicht höflich, außer man entschuldigt sich vielmals beim Gastgeber und preist seine Kochkunst bzw. Gastfreundschaft. Im besten Fall sollte man sich in dieser Situation auf seine Herkunft beruhen und den Gastgeber darauf hinweisen, dass man nicht auf das Essen verzichtet weil man höflich sein möchte. Das wird dann mehr oder weniger kommentarlos akzeptiert. Es ist üblich, dass hart Arbeitende und junge Menschen mehr Essen. Menschen in besonderen Lebenssituationen (bspw. Schwangeren) werden spezielle Lebensmittel oder Gewürze gereicht, um sie für ihre jeweiligen Aufgaben zu stärken. Hier vermischt sich profundes medizinisches Wissen mit Aberglaube und sehr individuellen Traditionen. Jede Familie kennt da so ihre eigenen Hilfsmittelchen. Steht ein Essen zu lange rum, wird es noch einmal aufgewärmt und dann schnell an diejenigen verteilt, die nach Ansicht des Gastgebers zu wenig gegessen haben. Da kommt man als Gast nicht raus, darf es aber im Zweifel auch (teilweise) stehen lassen, der „Handel“ war ja ursprünglich ein anderer…
Man sollte aber unbedingt noch etwas Platz lassen, denn häufig werden als Nachspeise noch einmal Früchte und vor allem Tee serviert. In der Regel isst man die „verdauungsfördernde“ Honigmelone (ob dies wirklich so ist mag jeder selbst entscheiden). Tee wird immer durch etwas anderes gesüßt. Entweder ist das Zucker in kristalliner Form in der Größe eines kleinen Fingers (gerade wenn man krank ist) oder eine Süßspeise wie Baghlava oder eine Dattel.
Es ist übrigens im strengsten Maße verboten Hauptspeisen mit der Hand zu essen (Brot und Kräuter sind also bspw. erlaubt)! Wer dies macht, entlarvt sich als Mitglied der untersten Schichten oder gar als Barbar. Die Person hat dann zukünftig ungefähr das Ansehen eines Ferkinas (bzw. Orks in mittelreichischen Maßstäben). Im privaten, sprich ohne Gäste, ist das in Ordnung, aber selbst da versucht man das eher zu vermeiden.

Lebensmittel
Lebensmittel werden fast ausschließlich aus der eigenen Region bezogen. Hier gilt aber, dass bestimmte Regionen deutlich bekannter sind für bestimmte Produkte als andere Regionen (bspw. aranische Arangen). Bei Lebensmitteln sind allerdings besonders die Frische und ein intensiver Geschmack wichtig, was auch für die Zubereitung der Speisen gilt (siehe auch Essenskultur). Honig- und Wassermelonen sind durchweg beliebt, da sie frisch und saftig auch den Durst stillen können. Außerdem können sie auch zwischendurch erworben werden (sie werden in Flüssen gekühlt). Honigmelonen sollen zudem die Verdauung fördern und sind deswegen als Nachspeise/Nachtisch beliebt. Weitere omnipräsente Lebensmittel sind Fleisch, Reis, Schwarzer Tee und Milchprodukte jeglicher Art. Alle anderen Arten Tee außer Schwarzer Tee werden schlichtweg nicht als Tee betrachtet. Einem Tulamiden Früchtetee anzubieten, sollte bei diesem auf schieres Unverständnis treffen. Milchprodukte sind ebenfalls sehr beliebt auch als Getränke (Dugh (salziges Joghurtgetränk) ist ein ähnliches Getränk wie Ayran, wird allerdings mit Kräutern durchmischt). Tulamiden essen gerne Fleisch, wenn sie es sich leisten können, ansonsten stellt das Grundnahrungsmittel Reis dar. Zuweilen wird als Fleischersatz Butter oder Schmalz dem Reis beigefügt, manche Tulamiden essen aber auch Butter zusätzlich zum Fleisch, weil es ihnen schmeckt. Ansonsten fügen reichere Menschen ihrem Reis Safran hinzu, wodurch dieser eine Goldgelbe Farbe erhält. Reis wird in Töpfen zubereitet (vorher ist Reis mehrere Stunden separat in Wasser einzulegen) und deswegen in Kuchenform serviert. Pappiger Reis (wie in der realen Welt beim Chinesen), ist den Tulamiden ein Graus und wird als Makel der Kochkunst betrachtet. Safran gilt im Übrigen als Allheilsmittel und (natürlicher) Geschmacksverstärker.
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Höflichkeit, der feine Unterschied

Tulamiden leben seit Jahrtausenden in großen Städten und sind es gewohnt häufig miteinander zu agieren. Während am Anfang grundlegende Handlungsanweisungen entwickelt wurden, die das notdürftigste (Über-)Leben sicherstellten, weiteten sich diese Verhaltensregeln immer weiter aus und nehmen nun eine wichtige Stellung innerhalb der tulamidischen Gesellschaft ein. Fehlende Manieren stehen bei den Tulamiden für Unkultiviertheit und Armut. Beherrscht ein Tulamide dagegen die gesellschaftlichen Bräuche in seiner Perfektion wird er unabhängig von seiner tatsächlichen Herkunft im höchsten Maße geschätzt und geachtet und ihm zumindest Gehör geschenkt. Tulamidische Höflichkeit wird von Mittelreichern teilweise als verlogen oder mit völligem Unverständnis wahrgenommen. Die direkte Art des Mittelreichers dagegen ist für einen Tulamiden ein Zeichen, dass Konflikte bei den Mittelreichern schnell in (barbarischer) Gewalt enden.
Tulamidische Höflichkeit zu beschreiben gestaltet sich recht schwierig. Es ist zwar möglich sehr konkrete Anweisungen für bestimmte Situationen zu vermitteln, aber diese können natürlich nicht jede Lebenssituation abdecken. Menschen die sich an diesen starren Verhaltensregeln orientieren und diese auswendig lernen, fallen irgendwann auf, dennoch rechnet man ihnen ihre Bemühungen in diesem Fall hoch an, zeigen sie doch die Bereitschaft sich mit der tulamidischen Kultur auseinanderzusetzen.
Wenn man es kurz fassen möchte, will man seinen Gegenüber respektvoll und zuvorkommend behandeln, damit er das Gleiche tut und so das zivilisierte Volk an sich liebe- würde- und respektvoll miteinander umgeht, statt das Zusammenleben durch Gewalt und Aggressivität bestimmen zu lassen.
Höflichkeit geht Hand in Hand einher mit dem Elternhaus, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung! Ein unhöfliches Verhalten fällt somit häufig auf die Eltern, wenn nicht sogar auf die gesamte Region/Kultur zurück. Das liegt daran, dass man davon ausgeht, dass man Höflichkeit nur schwer erlernen kann, sondern von seinem eigenen Elternhaus / Familie vorgelebt bekommt und auch nur so verinnerlichen kann (auch wenn man natürlich einen Teil später noch lernen kann).

Grundsätzlich ist bei der Höflichkeit zwischen Adab und Tāroff zu unterscheiden.
Adab entspricht weitgehend dem mittelreichischen Verständnis von Höflichkeit.

Tāroff

Das Prinzip des Tāroffs ist schwer zu vermitteln. Am ehesten könnte man es als proaktives, bestimmendes Anbieten und bescheidenen Verzicht bezeichnen.

Das anbietende Tāroff
Beim Anbieten geht es darum, den Anderen es an nichts mangeln zu lassen und seine selbst unausgesprochenen Wünsche zu erfüllen. Wichtig ist dabei, dass die Initiative von einem selbst ausgeht, was wiederrum eine gewisse Menschenkenntnis / Empathie bedingt, um die unausgesprochenen Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen. Das geht sogar bis zu einem (extremen) Ausmaß, dass man den Anderen höher als sich selbst stellt.
Ein Gastwirt wird also bspw. genau beobachten, wo sein Lieblingsgast sitzt und wann er für gewöhnlich kommt um ihm genau diesen Platz rechtzeitig frei zu halten. Wenn eine ältere oder gebrechliche Person augenscheinlich nach einer Sitzmöglichkeit sucht, dann steht man aktiv auf, bietet der Person an sie bis zum Sitzplatz zu begleiten und fragt höflich nach, ob man ihr einen Teil der Last abnehmen kann. Idealerweise wird der Platz sogar nicht angeboten, denn es ist selbstverständlich, dass er der älteren Person zusteht (dennoch bedankt sich diese natürlich), sondern man bittet darum, dass die Person doch mit dem eigenen Platz vorliebnimmt und betont nach der Danksagung, dass der Anstand dieses Verhalten gebietet („Es ist mir süße Pflicht“). Das kann sogar soweit gehen, dass mehrere Personen aufstehen und diese dann darum abstruserweise streiten, wer denn stehen darf!
Viele werden sich wahrscheinlich fragen, worin liegt der Unterschied zwischen:
Ich biete einen Platz an und ich bitte darum mit meinem Platz vorlieb zu nehmen.
Im ersten Fall ist es das Ziel das Leid des Anderen zu mindern.
Im zweiten Fall geht es zusätzlich darum derjenige sein zu dürfen, der der Person seinen Respekt zeigen darf und gleichzeitig bedauernsvoll nur diesen einen Platz anbieten zu können. Der Person diesen Dienst erweisen zu können wird hierbei quasi als Geschenk oder besonderes Privileg angesehen. Der Lohn ist zum ersten die Freude einem anderen Menschen geholfen zu haben. Vielleicht ist man in der Zukunft selbst einmal Ziel einer solchen Höflichkeit. Zum Zweiten mehrt man hierdurch sein eigenes Ansehen und beweist die Güte seiner Erziehung und Manieren.

Sehr häufig wird beim Essen Tāroff betrieben (siehe auch Essenskultur). Kennt man die Person, dann werden schon im Vorfeld die Lebensmittel zubereitet und angeboten, die dieser Person schmecken, wobei natürlich das nur gilt, wenn die Person nicht täglich da ist. Monotonie beim Essen gilt nämlich als Makel der Kochkunst. Wenn man die Person nicht kennt, versucht man Vergleiche zu ziehen. So kann es also vorkommen, dass wenn einem Mittelreicher Gast mal ein Essen geschmeckt hat, man vermutet, dass es allen Mittelreichern schmeckt. Ansonsten nimmt man einfach das Beste was zur Verfügung steht. Erkennt man während des Essens, dass die Person in bestimmte Lebensmittel sich regelrecht verliebt hat, dann ist es guter Brauch / Tāroff der Person einen Vorrat an diesen Lebensmitteln (für die weitere Reise) mitzugeben.

Natürlich ist nicht jeder Tulamide der absolute Menschenkenner oder aufmerksam genug oder die andere Partei ist zu verschlossen oder auch einfach wunschlos glücklich. Als höflicher Tulamide ist es des Weiteren üblich das verzichtende Tāroff zu vollführen, was natürlich dem anbietenden Tāroff entgegensteht. In all diesen Fällen wird eine freundliche Ablehnung die Antwort auf das anbietende Tāroff sein. Aber damit ist dem anbietenden Tāroff noch nicht Genüge getan. Es ist wichtig noch min. einmal nachzufragen, wenn auch dies abgelehnt wird und es sich nicht augenscheinlich, um verzichtendes Tāroff handelt, dann verzichtet man auf weitere Anfragen zu dieser Sache. Ein drittes Mal nachzufragen ist schon grenzwertig und sollte nur bei einem verzichtenden Tāroff angewandt werden. Ein viertes Mal oder noch häufiger nachzufragen gilt (mit einigen aufgeführten Ausnahmen) als lästig, nervig und zeigt eigentlich, dass der Anbietende nicht mit den Bräuchen vertraut ist, im schlimmsten Fall also wiederrum unhöflich ist. Zur Beruhigung: Ausländische Gäste genießen beim Tāroff einen gewissen „Welpenschutz“.

Weitere Anwendungen/Erläuterungen des anbietenden Tāroffs:
Man lässt anderen immer erst den Vortritt (siehe aber unten)
Wenn es darum geht jemanden zu privilegieren gilt: Kind vor Alter vor Frau. Dies gilt aber nur, wenn man zwischen diesen Optionen wählen muss. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Greis einer jungen Frau seinen Platz anbietet. Diese darf (und sollte) aber auf diese Gunst natürlich verzichten. Die Vorrangkette wird aber teilweise durch eine hohe soziale Stellung (alias Reichtum) teilweise aufgeweicht
Ist etwas übertragbar was der anderen Person nützen könnte (außer Wertgegenstände und Geld) wird es immer anderen angeboten
Zeige keinen Geiz, aber protze auch nicht
Man muss dem anderen regelrecht sein eigenes Glück aufdrängen
Wenn man zu Gast bei jemand anderem ist, steht in der Regel immer eine riesige Schüssel mit Obst vor den Gästen. Der Gastgeber oder (wenn er bspw. mit Kochen beschäftigt ist), dessen Kinder, tragen dafür Sorge, dass die Gäste sich am Obst bedienen. Wenn sie komplett darauf verzichten, dann wird ihnen ein kleiner Teller mit einer Auswahl an Früchten vom Gastgeber zusammengestellt. Das soll dem Gast die Scheu (das verzichtende Tāroff) nehmen, denn das Obst ist ja in diesem Fall schon fertig serviert.

Das verzichtende Tāroff
Das verzichtende Tāroff ist in anderen Ländern so ungewohnt, dass es häufig zu ganz anderen Interpretationen führt: Der Tulamide wird teilweise als unsicher oder nicht entschlussfreudig angesehen, möchte in Wirklichkeit aber nur das verzichtendes Tāroff praktizieren. Wenn man es mit etwas Bekanntem vergleichen will: Am ehesten kennt man es noch aus seiner Kindheit, als es den Eltern peinlich war, dass wenn man zu Gast war, wie einen Scheunendrescher alles Mögliche in sich reingestopft hat. Meistens wurde dies dann von den Eltern mit einem ironischen: Unser Kind kriegt nichts zu Hause, kommentiert.

Das verzichtende Tāroff äußert sich durch Bescheidenheit, Zurückhaltung, Mäßigung bis hin zum Verzicht (was aber eher die Ausnahme darstellt). Es geht darum seinem Gönner nicht allzu viel Mühen zu bereiten und seine Freigiebigkeit oder Höflichkeit nichts auszunutzen. Wichtig ist dabei, dass man möglichst dem Gegenüber dabei nicht vor den Kopf stößt.

Zum einen geschieht dass in dem man die positiven Eigenschaften des Gegenübers lobt und wertschätzt und zum anderen, in dem man versucht ein direktes Nein zu vermeiden (es ist dennoch erlaubt nein zu sagen, nur sollte dies nicht das einzige sein was man sagt). Wird jemandem was angeboten, meistens als Folge des anbietenden Tāroffs ist es also üblich, immer das erste Mal dies abzulehnen. Dabei gibt es zwei Fälle zu unterscheiden.

Der häufigere Fall ist der, dass man eigentlich zusagen möchte. Hier kann man schon vor dem Angebot des Anbieters, den Gegenstand oder die Handlung loben (das Essen duftet ja herrlich, sieht hervorragend aus / zu seinem Tischnachbarn (etwas lauter): Die Fähigkeiten der Meisterin sind in allen Herren Ländern bekannt etc.). Dadurch signalisiert man Interesse. Wenn man dann das erste Mal gefragt wird, antwortet man mit einem offenen Lob: Habt vielen Dank für eure Höflichkeit / eure Manieren ehren euch / ich hoffe ihr seid nicht erschöpft, ob all der Mühen, die wir euch bereitet haben. Dann gebietet es das anbietende Tāroff sich zuerst zu bedanken und dann noch einmal nachzufragen. Nach dieser zweiten Anfrage sagt man dann zu, meistens durch eine bejahende Mimik und Gestik und min. ergänzt durch ein „vielen Dank“. Wenn es sich um etwas Besonderes handelt oder es einem besonders zusagt bzw. schmeckt, sollte man dies mit einem ausführenden Lob unterstreichen. Der Empfänger eines solchen Lobes sollte dieses dann runterspielen in dem er die eigenen Leistungen bzw. Güter als gewöhnlich und nicht besonders darstellt: Das strengt mich nicht an / Das ist eurer nicht wert / Das ist doch nichts Besonderes. Der Annehmende sollte dann in diesem Fall entweder noch eine Schippe drauf legen oder betonen, dass Bescheidenheit hier nicht angebracht bzw. nötig ist. Solch ein Lob sollte im Übrigen einen ehrlichen Kern enthalten. Den Geschmack des Essens zu loben, bevor man es bspw. gegessen hat wird nicht als höflich empfunden.
Wenn man sich vertrauter ist oder sich im eigenen Haushalt ohne Gäste befindet, ist es üblich die erste Ablehnung zu überspringen oder direkt mit der Zusage zusammen zu fassen.
Möchte man sich mit einer Gegenleistung bedanken (Einladung zum Gegenbesuch, wertvolle Gegenstände etc.) ist auch das Teil des Tāroffs wird aber unter Gegenleistung näher erläutert.

Der zweite Fall ist, dass man das Gut oder die Leistung gar nicht erlangen möchte. Dies ist in der Tat schwieriger, denn häufig fehlt ein höflicher Grund. Hier sollte man Vorsicht walten lassen. Auf die erste Anfrage antwortet man wieder mit einem höflichen Lob (s.o.) fügt aber einen Grund für die Ablehnung hinzu. Ist dieser Grund nach tulamidischen Maßstäben nicht höflich (bspw. „sowas schmeckt mir nicht“, „wir haben vorher gegessen“ (ein Unding wenn man zum Essen eingeladen wurde)), muss er umformuliert werden: ich bin mit solch Essen in unserer Kultur/Gegend nicht vertraut / mein Appetit hält sich heute in Grenzen. Alternativ betont man, dass man dem anderen keine Mühen bereiten will, oder versucht die Anfrage mittels zeitlicher Verschiebung (später oder langsam, langsam, eins nach dem anderen…) totzuschweigen. Auf die zweite Anfrage wird dann üblicherweise folgendermaßen geantwortet: Habt vielen Dank, dass was ich von euch schon empfangen habe ist mir Genuss genug. Evtl. wird hier noch eine Tāroff Schleife gedreht, in diesem Fall sollte man noch einmal betonen, dass man weiß, dass das Gut oder die Leistung des Anderen von besonderer Güte ist und seinen Verzicht bekräftigen in dem man den Grund wiederholt.
Mit dieser Form der Ablehnung sollte man aber immer vorsichtig umgehen. Beim Essen mag dies noch in Ordnung sein, aber in manchen Fällen, z.B. bei persönlichen Geschenken, ist eine solche Ablehnung eher beleidigend. Falls man unsicher ist, wie ernst es dem Gegenüber ist, kann man selbst noch 1-2 weitere Tāroff-Runden drehen, um absolut sicher zu gehen, bzw. die Ernsthaftigkeit des Angebots zu ergründen (ich bin dessen nicht wert / ihr würdet mich mit diesem Geschenk beschämen). Wenn der Gegenüber hierbei aber eindringlich bleibt und einem daraus kein Nachteil entsteht, dann sollte man das annehmen und im weiteren Verlauf des Tages die Großzügigkeit oder die Güte des Geschenks immer wieder erwähnen (beachte in diesem Kontext aber die Ausführungen unter Gegenleistung).

Bietet eine anzubietende Handlung mehrere Optionen an, ist es üblich die für den Anbietenden am wenigsten aufwändige zu wählen. Wenn man also bspw. zu einem Ort hingebracht werden soll und der Ochsenkarren schon fertig gespannt ist oder man die edlen noch nicht gesattelten Pferde wählen könnte, dann sollte man den Ochsenkarren wählen. Falls der Ochsenkarren aber nicht standesgemäß ist, wird es knifflig. Hierbei gebietet das Tāroff, dass man es so darstellt, dass der Anbietende die Weisheit besaß, dass dies der angemessenere Weg war. Falls man direkt gefragt wird, ohne dass der Anbieter nicht auf das Standesgemäße eingeht, bleibt man beim Tāroff, stellt aber den Sinn in Frage, in dem man dem Gegenüber die Problematik in Form einer Gegenfrage darstellt: Wir können gerne den Wagen nehmen, aber meint ihr, dass wäre (eurer Erhabenheit) angemessen? Wenn er dann die Pferde anbietet (Meint ihr wie sollen die Pferde nehmen?), ist es wichtig diese Entscheidung (als Annehmender) nicht als seine eigene darzustellen. Falsch wäre also: Ja ich denke, das ist besser so. Sondern eher eine Formulierung: Eure Pferde sind wirklich prächtig, das macht direkt einen anderen Eindruck.
Wenn die Optionen nicht bekannt sind oder der Tulamide mit den Gütern oder den Sitten des Gegenübers nicht vertraut ist, dann überlässt er dem Anbieter die Wahl, in dem er genau diesen Sachverhalt betont und darum bittet dass der Anbieter die Option wählt, die für diesen am wenigsten Aufwand bedeutet. Mittelländer interpretieren dies teilweise als Unsicherheit, Unentschlossenheit oder besondere Autoritätsgläubigkeit, für den Tulamiden ist das dagegen eine sehr große Höflichkeit. Er erläutert in diesem Fall als Anbieter die verschiedenen Optionen. Er muss dabei seinerseits nicht zwangsläufig die aufwendigere Option anbieten, sondern sollte im Gespräch die Vorlieben des Anderen eruieren und dann ihn zur ihm wohlgefälligeren Option „überreden“. Das kann einige Tāroff-Schleifen dauern, wenn es sich dabei (was häufig der Fall ist), um die aufwändigere Option handelt (anbietendes Tāroff).


Sozialer Stand und Höflichkeit

Die hier beschriebenen Regeln der Höflichkeit gelten in der Regel vor allem für den Mittelstand, der ungefähr dem Mittelstand aus DSA5 entspricht. Allgemein wird die Unterschicht als weniger bis gar nicht höflich empfunden, was im Umkehrschluss wiederrum erklärt, warum Unhöflichkeit mit Armut assoziiert wird. Für die Oberschicht gelten untereinander teilweise noch strengere Vorschriften. Hier zählen Eloquenz sowie eine gute Allgemeinbildung zur Höflichkeit hinzu, um Gespräche, Bitten, Komplimente und Höflichkeiten angemessen austauschen und die perfekten Formulierungen für jede Situation wählen zu können. Auf der anderen Seite bedingt die hohe Verantwortung der Oberschicht, an der einen oder anderen Stelle ein in der Wahrnehmung der Mittelschicht „unhöfliches“ Verhalten. Des Weiteren agiert ein Mitglied einer höheren Schicht mit einem Mitglied der niedrigeren Schicht zumeist direkter, fordernder, aber immer noch höflich. Andersrum, also von einer niederen zu einer höheren Schicht, weicht die auf Nächstenliebe beruhende Höflichkeit einem eher formellen, auf Respekt beruhenden Verhalten. Beide Effekte verstärken sich, wenn tatsächlich ein „vertragliches“ Verhältnis zwischen beiden besteht. Höflichkeit wird übrigens auch auf dem Land praktiziert, ist dort aber weniger „verschnörkelt“, sondern wird zumeist einfacher gelebt, was Mittelreicher teilweise als herzlicher empfinden.


Gegenleistung
WdG S.113 hat geschrieben: Gegenleistung: Erbringe niemals eine Leistung, ohne dafür eine ebenbürtige zu erhalten.
So lautet die Definition des Moralkodexes des Phexgläubigen.
Bei den Tulamiden dehnt sich der Begriff der Gegenleistung aber in beide Richtungen aus. Das bedeutet, erhalte ich eine Leistung ist es üblich mich durch eine Gegenleistung zu revanchieren. Eine Gegenleistung muss aber nicht immer materiell sein. Ein schöne formuliertes Kompliment, eine Aufmerksamkeit, eine schöne gemeinsame Zeit oder auch neues Wissen mag durchaus als Gegenleistung genügen.
Wurde man eingeladen ist es üblich sich durch eine Gegeneinladung zu revanchieren. Ist dies abwegig (weil man bspw. auf der Durchreise ist), hinterlässt man einen materiellen Gegenstand, nicht unbedingt Geld, viel eher eine Süßigkeit oder Gegenstand aus der eigenen Heimat oder auch einfach einen nett formulierten Brief. Wenn man etwas zur Einladung mitbringen möchte ist das in aller Regel süßes Gebäck. Das hat vor allem einen symbolischen Charakter (das Treffen wird wortwörtlich „versüßt“).
Wird einen Gegenleistung erbracht, verlangt das Tāroff vom Erbringer der Gegenleistung eine Art „Anti-Feilschen“. Sprich hier wird die eigene Gegenleistung bzw. das eigene Gut runtergespielt und als unbedeutend zum erlangten Gut/Dienstleistung dargestellt. Das erlangte Gut wird dagegen so gepriesen und dargestellt, als wolle man es dem anderen fast schon verkaufen wollen, obwohl man es ja selbst erlangt.
Mit dem Anbieten der Gegenleistung tauscht man des Weiteren plötzlich die Rollen und muss als Anbieter vom anbietenden Tāroff zum verzichtenden Tāroff (bezogen auf die Gegenleistung) wechseln. Ob man versuchen sollte die Gegenleistung abzulehnen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Tendenziell sollte man sich bemühen umso eher die Gegenleistung nicht zu erlangen, umso kostbarer sie im Vergleich zur erbrachten Leistung ist. Dennoch gibt es hier diverse Ausnahmen. Eine Gegeneinladung bspw. abzulehnen gilt bei den geselligen Tulamiden häufig als schlimme Beleidigung (außer es gibt zwingende Gründe)


Sonstiges

Weiterhin sind folgende Punkte zu beachten:
  • Tulamidische Adjektive fangen schon im Komparativ an. Wirklich Steigerungen im höflichen Sinne erreicht man also nur im Elativ oder Superlativ
  • Ältere und vor allem durchs Alter gebrechliche Personen werden mit Respekt behandelt, bei hohen sozialen Unterschieden, darf diese Regel aber aufgeweicht werden
  • Spezialthema Alter: Ältere Menschen (ab einem gewissen Altersunterschied) werden wie gesagt bevorzugt behandelt. Des Weiteren ist es üblich auf ältere Personen zu hören (sofern es im Vernünftigen bleibt). Dies kann dann zu der etwas vertrackten Situation führen, dass eine ältere Person eine Höflichkeit erweist, die man aber eigentlich ablehnen müsste (bspw. Sitzplatz). In diesem Fall sollte man auf das Angebot zwar verzichten, aber dabei immer als Bittsteller auftreten und ab einem gewissen Zeitpunkt (2-3. Tāroffschleife) dem Wunsch tatsächlich (beschämt) nachgeben.
  • Es gilt stets die Mühen und Fähigkeiten des anderen wertzuschätzen
  • Es ist nicht zulässig einer (freundschaftlich) bekannten Person in unmittelbarer Nähe den Rücken zuzuwenden. Ist das nötig, dann entschuldigt man sich im Vorfeld oder fragt im besten Fall vorher nach, ob dies erlaubt ist. Begegnet man sich auf der Straße, dreht man solange der Person das Gesicht zu bis man wieder eine ausreichende Distanz eingenommen hat
  • Möchte man etwas von einer anderen Person, fragt man nicht direkt danach, sondern bittet im ausreichenden Maße darum und bietet dem anderen an, im Bedarfsfall darauf selbst zu verzichten. Grundsätzlich wird aber diesbezüglich Zurückhaltung erwartet
  • Ist man in der Gruppe unterwegs, versucht man immer Konsens bei einer Entscheidung zu erreichen. Dies bedeutet, aber nicht, dass man die Gruppe nicht zu einer Entscheidung hinbewegen kann
  • Körperliche Nähe ist bei Tulamiden nicht ungewöhnlich, gerade bei Personen gleichen Geschlechts. Das geht weit über die höfliche Distanz eines Mittelreichers hinaus (bzw. heran ) Bei verheirateten Personen unterschiedlichen Geschlechts, sollte man sich dagegen in Zurückhaltung üben oder ein sehr gutes Verhältnis zum Ehepartner der Person aufweisen
Weitere konkrete Handlungsanweisungen
  • Männer grüßen häufig, in dem sie ihre rechte Hand auf die Brust, über ihr Herz halten und sich leicht bis tief verbeugen (je nach Respekt für die andere Person). Man sollte sich allerdings nicht unnötigerweise zu tief verbeugen, sonst gilt man als Bückling. Frauen senken höchstens ihren Blick, ansonsten dürfen sie aufrecht grüßen. Bei intensiveren Begrüßungen werden Wangenküsse gegeben (auch geschlechtsübergreifend)
  • Die übliche Verabschiedung ist in der Realität Khoda hafez (Du seist in Gottes Gedanken / Möge Gotte über dich wachen. Wortwörtlich: Gott erinnere sich an dich). Das soll den Schutz höherer Mächte herbeibeschwören, da man ja nicht selbst über die Person wachen kann. Wenn man dies nach DSA adaptieren möchte, muss man Khoda durch den Gottesnamen ersetzen. Also bspw. Rondra Hafez!
  • Manchmal wird bei der Verabschiedung noch ein beh omide didar (Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen, wortwörtlich: In Hoffnung des Wiedersehens)
  • Bei einer Verabschiedung steht man immer auf und begleitet als Gastgeber den Gast bis zum Hauseingang (eigentlich selbstverständlich, aber…)
  • Sitzt man auf dem Boden ist es unhöflich (ungefragt) seine Beine auszustrecken (man nimmt somit anderen Personen evtl. die Möglichkeit sich in der Nähe hinzusetzen)
  • Man dankt vor dem Essen seinem Gastgeber für seine Mühen und entschuldigt sich, dass man ihm diese bereitet hat. Nach dem Essen lobt man noch einmal die Kochkunst des Gastgebers
  • Beim Betreten eines Hauses zieht man die Schuhe immer aus, auch wenn der Gastgeber sagt, dass dies nicht nötig ist (Tāroff)! Einzige Ausnahme sind überdachte Terrassen, da sollte man prüfen wo die Schuhe abgestellt wurden und natürlich Empfangssäle in Palästen etc.

Gesten & symbolische Handlungen

Tulamiden wählen gerne starke, symbolische Gesten. Problematisch wird es, wenn diese Gesten im mittelreichischen Kulturkreis ein gänzlich andere Bedeutung haben (und natürlich umgekehrt). Wenn bspw. eine aranische Frau ihrer zukünftigen Schwiegertochter oben erwähntes Obst schält und auf ihrem Teller serviert, dann will sie nicht ausdrücken, dass sie ihre Schwiegertochter als Kind oder gar unfähig ansieht, sondern als Teil ihrer Familie, wenn man so möchte als ihr eigenes Kind. Wenn man als Höhergestellter nach einem Streit extra aufsteht und der Gegenpartei, Wein in einen Kelch schüttet und serviert, also den Schankdienst erweist, dann gilt dies als Geste der Versöhnung. Man hat, obwohl man höher steht einen einfachen Dienst für den Niederen erfüllt und ihn somit wertgeschätzt. Die Hand auf die Schulter zu legen, gilt nicht als Geste, um jemand zu beruhigen (dafür wählt man Arm oder Bauch), sondern signalisiert, dass man der Person vertraut, im Konfliktfall ihr zugehörig ist, sie unter dem eigenen Schutz steht oder, dass man den Konflikt an seiner statt weiter vollführen möchte (hierbei stellt man sich allerdings im Anschluss dann häufig vor die Person).


Beispiele

Tāroffbeispiele
Beispiele & Erläuterungen folgen noch

Typische Einleitung einer Kaufszene
Jeder der Texte in eine andere Sprache übersetzt, weiß dass viel vom Charme der Sprache verloren geht. Falls das Nachfolgende vielleicht etwas zu trocken herüber kommt, dann mag dies (auch) der Übersetzung geschuldet sein.

Käufer: Friede mit euch, ehrenwerter Herr! Ich hoffe ihr seid nicht erschöpft von den Mühen des Tages.
Verkäufer: Habt vielen Dankt für eure Sorge.
Käufer: Sagt edler Herr, wie viele Silbertaler sind euch genehm um diesen Pokal von euch zu erwerben?
Verkäufer: Dieser Pokal ist eurer nicht wert. Bitte nehmt ihn als mein bescheidenes Geschenk an euch.
Käufer: Eure Manieren ehren euch.
Verkäufer: Nein, wirklich dieser Pokal sei der eure.
Käufer: Habt Dank für eure Großzügigkeit und Freundlichkeit. Verzeiht mir bitte, aber ihr würdet mir eine Freude machen, wenn ich diesen Pokal von euch erwerben dürfte.
Ab hier beginnt dann das Feilschen.


Abschließende Worte

Die hier dargestellten Verhaltensregeln und Szenarien stellen natürlich nur einen Ausschnitt der Realität dar und dienen lediglich der Veranschaulichung und als Richtungsweiser. Sie sind und können nicht alle Situationen abdecken. Wichtig ist auch, dass Sprache nur einen Bruchteil der Kommunikation darstellt und Mimik, sowie Gestik ebenfalls wesentlicher Bestandteil der Kommunikation sind.

Götter (Inoffiziell)Anzeigen
Götterglaube
In der mittlerweile 15 Jahren alten Spielhilfe im Land der ersten Sonne, wird berichtet, dass die meisten Tulamiden in der Regel nur eine Teilmenge der Zwölfe anbeten, häufig ergänzt durch lokale oder historisch verehrte Gottheiten. In der gleichen Spielhilfe werden auch einige Beispiel genannt (gerade Thalusien), ich würde diese gerne um die urtulamidischen Götter aus den neueren Publikationen ergänzen.
Des Weiteren fand ich es ziemlich seltsam, dass bei den Tulamiden der Sonnengott, der die Quelle ihres Reichtums darstellt als Gott der Dürre angesehen und fast schon verachtet wird, da in der Realität das genau Gegenteil der Fall war (Sonne und Licht wurden hoch verehrt).
Auch das Bild Rondras, Kors und den (anderen) "Echsengottheiten" fand ich zum Rest der Beschreibungen unpassend. Ich habe mir deswegen eine eigene Göttergeschichte und Abwandlungen des Pantheons ausgedacht. Vielleicht mag auch das helfen:

Götterwelt
Allgemeine Lehre

Zurvan al’Mahmoud und Zumu al‘terech schufen gemeinsam die Welt und die ersten Götter. Ihnen wurden zuerst zwei Zwillinge geboren, die das Feuer des Vaters in sich trugen und dann noch viele weitere Götter. Die Zwillinge, Ormazd und Feqz, ehrten das Werk ihrer Eltern und bewahrten und vervollständigten dieses. So geschah es, dass Zurvan bestimmte, dass die beiden gleichermaßen über die Welt herrschen sollten, jeder für jeweils die Hälfte des Tages. Als Zeichen ihrer Macht wachten ihre Augen über die Welt: Sonne und Mond! Doch der jüngste Bruder, später Ahriman genannt, neidete den anderen ihre Macht und ihre Stellung. So groß war seine Wut, dass er seine eigene Mutter tödlich verletzte und dadurch die Welt zerstören wollte. Wenn er nicht herrschen sollte, dann sollte keiner herrschen. Zurvan jedoch verband seine Kraft mit der Zumus und erlitt gleichermaßen die Wunde, dadurch war es ihm zwar nicht mehr möglich in die Welt einzugreifen, doch konnte er so Zumus endgültigen Tod verhindern. Die beiden Zwillinge waren wütend auf ihren Bruder und rüsteten sich und die von ihnen geschaffenen Völker, die Menschen und Zwerge, zum Krieg, doch Ahriman verhöhnte sie. Er erschuf seinerseits Völker, die durch die Macht des Feuers und der Wärme nur stärker wurden, die Echsen und Drachen. Wann immer sich die Götter näherten, da wuchs die Macht der Völker Ahrimans und führte zum Hundertfachen der Menschen und Zwerge! Doch Phex hatte einen Plan, er gab seine gesamte Macht über das Feuer seinem Bruder Angrosh, der das Feuer unter der Erde verbarg. Und so geschah es, dass das Licht des Mondes stark abnahm und keine Hitze mehr in dieser war! Gleichzeitig verlangte er die Dienste des mächtigsten Kriegers: Khor. Khor der strahlende Sohn Ormazds, erfüllt vom Feuer des Vaters wurde von Phex mit der Farbe der Nacht getarnt und ward dunkel wie diese. Und so sind die Farben Khors, rot wie sein tief in ihm brennendes Blut und schwarz wie die Nacht. Doch Phex ging noch weiter, er zeugte ein liebreizendes Mädchen mit einer Sterblichen, benannte sie nach seinem eigenen Auge und gab ihr einen Teil seiner Macht über die Magie: Mahda! Mahda und Khor zeugten wiederrum einen sterblichen Menschen, einen Krieger, der die Kraft seines Vaters und die Magie seiner Mutter besaß und bestimmten ihn zum Anführer aller Menschen: Rashdul. Gemeinsam zerschmetterten sie die Dienerschaft des Dritten Bruders und beraubten ihn seiner Macht. Ormazd und Feqz und alle anderen Götter urteilten hart über ihren verräterischen Bruder und ketteten ihn mit von Angrosh geschmiedeten Fesseln an die klaffende Wunde, die er selbst seinen eigenen Eltern zugefügt hatte und durch die nun Chaos und Dämonen in die Welt gelangten. Ormazd brennender Zorn verbrannte das zerschlagene Reich der Echsen und führte dazu, dass heute nur noch die Wüste Khom da steht, wo sich einst das blühende Land der Echsen befand.

Götter
Zurvan (Los, Kha, teilweise Satinav): Vater der Götter, der seinen beiden Söhnen Ormazd und Feqz die Herrschaft über die Welt verlieh. Gebietet über die Zeit, über die Ormazd (am Tag) und Feqz (in der Nacht) wachen. Kann aufgrund seiner Verwundung nicht mehr aktiv in die Welt eingreifen. Er schenkte seine brennenden Augen (Sonne und Mond) seinen zwei Söhnen und gilt seitdem als blind.
Zumu (Sumu): Göttin auf deren Leib die Menschen (Zwerge etc.) wandeln. Erschafferin allen Lebens. Mutter aller Götter. Kann aufgrund ihrer Verwundung nicht mehr aktiv in die Welt eingreifen.
Feqz (Phex): Herr der Nacht. Der angesehenste Gott. Kampf gegen Echsen, listiger Schattenkämpfer, List, Eigenverantwortung, Freiheit, Humor. Die Lüge ist, entgegen des Klischees, ein Werk Ahrimans und nicht Feqzens. Es ist jedoch erlaubt listig die Wahrheit so zu formulieren, dass der Hörer, das so versteht wie man selbst es möchte. Sein erloschenes Auge ist der Mond.
Ormazd (Praios): Neben Feqz, Herr der Welt. Herrschaft, Ordnung, Eide und Verträge, Wahrheit, Weisheit, Feuer, Licht und Reinheit, Herrscher über den Tag. Sein Auge ist die Sonne. Seine Strafe die Dürre. Viele Tulamiden setzen Ormazd nicht mit Praios gleich, da ihnen Praios zu „mittelländisch“ ist.
Ahriman (Der Namenlose): Der verräterische Bruder, der gegen seine großen Brüder rebellierte, seine Eltern tödlich verwundete und Chaos und Verderben in die Welt brachte. Sein einst göttliches Antlitz, verwandelte sich auf Grund seiner Taten in die Fratze eines drachischen Scheusals und seine Haut in Schuppen. Allein die goldene Farbe ist ihm von seiner einstigen Pracht geblieben. Pyrdacor soll sein erstgeborener Sohn gewesen sein. Er wurde von den Göttern besiegt, an die Wunde seiner Eltern gekettet, die er selbst geschlagen hatte und seiner Macht und seines Namens beraubt. Ahriman bedeutet einfach das (unendlich) Böse und soll der der Ursprung des Wortes Ahrdeha (Drache) sein.
Radscha (Rahja): Lust, Hingabe, Liebe, Fruchtbarkeit, Rausch, Künste, selten auch ästhetischer Kampf und Säbeltänze. Wird vor allem von jungen Frauen, von Säbeltänzern, aber auch von Romantikern (beiden Geschlechts) verehrt. Mutter vieler Gotteskinder und Halbgötter.
Rondra: Ehrenhafter Zweikampf, Duell, Jagd (Kräftemessen), Regenbringerin, Herrin des Sturms und der Winde. Göttin der Amazonen und Kriegerinnen (Betonung auf –innen). Der Aspekt des Regens macht Rondra in einem Land, das vom Wasser abhängig ist, zu einer bedeutenden Gottheit.
Angrosh (Ingerimm): Erschaffer der Zwerge und Riesen. Gebietet über den Felsen und das Handwerk. Da er und seine Völker die Zwerge und Riesen im Kampf gegen die Diener Ahrimans geholfen haben und um die Echsen nicht mit seinem Feuer zu stärken (s.o.), gab ihm Feqz seine Macht übers Feuer.
Efferd: Gott der Meere und des Wassers. In der Regel wird eher sein Sohn mit Atvarya, der mächtige Meister des Flusses Bal Mhanad verehrt.

Götterkinder & Halbgötter
Khor (Kor): Sohn von Ormazd und Rondra. Loyalität, Kameradschaft, Vertragstreue, Disziplin, Schlachtenordnung, gnadenloser Kampf gegen das Chaos und das Böse. Fährt der Sage nach in tapfere Männer ein und zeugt mit deren Frauen kräftige Krieger, die man dann Khorasani (Sonnenaufgang) nennt. Wird als schwarzer Panther verehrt. Benannt nach dem Auge Ormazds (Khor = Sonne).
Mahda: Tochter des Phex mit einer Sterblichen. Bringerin der Magie, die über den Nachthimmel tanzt. Ihre Schleier die niederfallen, sollen im Norden den Menschen von der Macht ihres Vaters künden (Polarlichter), dies wurde aber bisher nur in den seltensten Fällen überprüft… Benannt nach dem Auge ihres Vaters (Mah = Mond, da(d) = Gabe, Geschenk). Einige Poeten behaupten Khor und Mahda würden sich innig lieben und Radscha hätte von Feqz und Ormazd einen Teil des Tages von ihnen erbeten. Ihre Kinder wurden nach dieser Zeit benannt in denen sie zusammen sein dürfen: Pegah (Morgenröte) und Shabdiz (Abenddämmerung). Beide dienen als (geflügelte) Stute und Hengst Radscha.
Mahar Bor auch Aharmorda (Marbo): Tochter Feqzens und Atvaryas. So wie ihre Mutter das Leben ist, so gebietet sie über den Tod ohne den kein Leben sein kann. Erscheint entweder als junges Mädchen, als erwachsene Frau in den besten Jahren oder als Greisin mit einem Stundenglas. Einige behaupten sie hätte den Drachen und Diener Ahrimans Chol’iadrim (Golgari), dessen Sohn wiederrum Kurungur sein soll, niedergerungen und benutze ihn nun als Reittier. Namensherkunft: ahar oder a = Anti, Gegenteil und Mord(an) = Sterben. Nicht zu verwechseln mit Namordad = Untod
Alef Aytan (Levthan): Sohn Radschas mit einem Sterblichen. Männlichkeit, Potenz, fleischliche Lust, manchmal auch Hirtentum. Einige behaupten er hätte sich an seiner (Halb-)Schwester Atvarya vergangen und wurde deswegen von Ormazd bestraft.
Atvarya (Satuaria): Tochter Ormazds und Radschas, Fruchtbarkeit, Leben, Heilung, Saat, Familie. Zusammen mit dem Licht ihres Vaters lässt sie Felder gedeihen. Gerade bei den einfachen Bauern eine der bedeutendsten Gottheiten.
Aveschan (Aves): Reise, Handel, Abenteuer, Gastfreundschaft (auf die auch der Reisende angewiesen ist), Vater vieler tulamidischer Abenteurer, etwas lüstern, Feqzens und Rahjas Sohn

Restlichen Zwölfgötter
Im Allgemeinen erkennt man die restlichen Zwölfgötter als Götter an auch wenn man im Falle von Tsa und Hesinde sich nicht sicher ist, ob es sich auch um gute Götter oder Diener Ahrimans handelt. Unten aufgeführte Götter genießen allerdings nur in Ausnahmefällen Verehrung. Ihre Aspekte werden von anderen Göttern (jeweils aufgeführt) abgedeckt:
  • Travia: Atvarya (Mutter, Familie) und Aveschan (Gastfreundschaft), sehr selten Radscha (frisch verheiratete Frauen oder Liebende die um die Gunst ihres Ehepartners/-partnerin fürchten), Treue und Höflichkeit (Ormazd)
  • Boron: Mahar Bor. Die Aspekte Rethons nehmen Ormazd und Feqz wahr
  • Hesinde: Ormazd und Feqz (Weisheit), bei der Magie Feqz/Mahda, die Kunst wird von Radscha und im Falle handwerklicher Kunst auch von Angrosh beansprucht
  • Firun: Rondra, sehr selten Feqz (wenn die Beute eine Echse oder ein Drachen ist)
  • Tsa: Atvarya, selten Mahar Bor (Unsterblichkeit)
  • Peraine: Atvarya, Fruchtbarkeit auch Radscha und Alef‘Aytan
Bräuche, Riten und AberglaubeAnzeigen
Ideen für Bräuche, kultische Handlungen und Aberglauben

Die Namenlosen Tage: Während der Namenlosen Tage ist es Brauch, nach Möglichkeit das Haus des ältesten bekannten Verwandten aufzusuchen (immerhin hat dieser am häufigsten der Macht Ahrimans widerstanden) und die Tage gemeinsam zu verbringen. Mittels Licht versucht man die Macht Ahrimans zu schwächen und so ist es Brauch in dieser Zeit alle Räume auszuleuchten. Nach den Namenlosen Tagen ist es Brauch, dass man sich innerhalb von 12 Tagen gegenseitig besucht. Jeder Besuch muss von der anderen Partei erwidert werden und man dankt und lobpreist Ormazd, dass er erneut die Macht seines verräterischen Bruders zerschlagen hat.

Erster Praios: In einigen Dörfern ist es Brauch am ersten Praios leuchtend rote Gewänder zu tragen, laut singend und musizierend durch das Dorf zu ziehen und dabei Fröhlichkeit und Heiterkeit zu verbreiten. In anderen Dörfern findet dagegen zur Mittagszeit in der gleichen Tracht ein Schwerttanz statt. In beiden Fällen bezeichnet man die Rotgewandteten als Hadji Piruz, was so viel wie der „ehrenwerte Meister des Sieges“ bedeutet.
Am späten Abend werden mehrere Lagerfeuer entfacht. Gerade von den jungen (sündigen) Menschen wird erwartet, dass diese über das Feuer springen und die bösen Divs und Shaitans (mindere und gehörnte Dämonen), die sich an sie geheftet haben, in der reinigenden Flamme und Hitze des Feuers zu Grunde gehen. Umso größer das Feuer, umso größer vermutet man ist seine Macht, was bei übermütigen Jugendlichen schon das ein oder andere Mal zu leichten Verbrennungen geführt hat.

Zisdah be dar (zum Dreizehnten aus der Tür): Am dreizehnten Praios (Ormazd) wird das Haus verlassen und der Tag draußen verbracht. An diesem Tag befinden sich die letzten bösen Geister im Haus und man will nicht als Ziel dieser Geister fungieren. Es ist Brauch an diesem Tag den Bal Mhanad oder zumindest einen Fluß aufzusuchen und ihm einige Pflanzen zu opfern, in dem man diese in ihn wirft.

Abschied: Begibt sich ein Familienmitglied auf eine längere Reise ist es üblich unter das Wagenrad, den Huf des Pferdes oder im Zweifelsfall dem Stiefel des Reisenden ein Echsenei zu zerquetschen und somit ein (ungeborenes) Echsenleben zu opfern. Dieser Brauch stammte wohl noch aus den frühen Anfängen der tulamidischen Geschichte und sollte so die Macht der Echsen schwächen. An dem Gerücht, dass von einem Sultan der sich auf Reisen begab, erwartet wurde ein Drachenei zu opfern, darf jedoch getrost gezweifelt werden.

Rückkehr: Kommt ein Reisender nach einer langen Reise zurück nach Hause wird ein Tier geopfert/geschlachtet und mit seinem Blut Schutzzeichen vor der Haustür (auf dem Boden) gezeichnet. Dieser Brauch ist in der Rondra- und Korkirche in abgewandelter Form immer noch bekannt. In einigen vor allem städtisch geprägten Gegenden wird dieser Brauch als primitiv angesehen und nicht mehr praktiziert. Die Opferung hat aber auch recht pragmatische Gründe: Das frische Fleisch kann von dem (evtl. von der Reise geschwächten) Heimkehrer direkt genossen werden. Außerdem stehen Leder oder Fell für neue Kleidung zur Verfügung (die alte Kleidung oder auch Schuhe mögen durch die Reise verschlissen sein)

Basiliskentag (18.Phex): An diesem Tag kleiden sich junge Krieger (meistens Männer) in schwarze Gewänder und schwärzen auch ihre Gesichter und Waffen, um Jagd auf alles Echsische zu machen. Streng tulamidische Khorgläubige ziehen über roten Gewändern Schwarze an und folgen diesem Beispiel.

Weihrauch / Böser Blick: Dem Glauben der Tulamiden nach sollte man nicht zu sehr das Glück, die Gaben oder den Wohlstand einer anderen Person preisen. Das zieht nämlich den Blick böser Geister an. Hat man dies zu häufig getan, oder vermeint man den Neid und den bösen Blick anderer zu verspüren, so muss man das Ziel dieses Neides mit Weihrauch einsegnen. Der spezielle Weihrauch enthält einiger Körner, die mit etwas Phantasie an (geschlitzte, sprich „echsische“) Augen erinnern. Dieser Weihrauch wird entzündet und über dem Kopf des Ziels geschwungen. Währenddessen werden Bannflüche gegen den bösen Blick ausgesprochen und Feqzens Segen (der Verschleierung) erbeten. Dabei bildet der Weihrauch natürlich Rauchschwaden, die min. das Gesicht des Ziels verhüllen. Außerdem verbrennen die „Augen“ (sprich Körner) explosionsartig was von einem knackenden Geräusch begleitet wird. Dies wird, recht martialisch, als Platzen der Augen der Feinde interpretiert.
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Grundsätzlich bin ich kein Freund davon Fremdworte (wie Zul, Alef etc.) am Rollenspieltisch zu benutzen, da in den meisten Fällen, dies eh keiner versteht. Wenn ich das selbst mache, dann sehr gezielt und dann nach Möglichkeit immer wieder die gleichen Begrifflichkeiten. Alternativ liefere ich die Übersetzung etwas leiser direkt oder im unmittelbaren Anschluss mit. Hiervon gibt es einige Ausnahmen. Einige Begriffe, gerade aus dem Arabischen und Türkischen, sind so verbreitet, dass man sie mittlerweile auch in Deutschland und speziell in DSA kennt (Sahib, Effendi, Salam etc.). Diese kann man bei Bedarf einsetzen.

Aussprache & Akzent
Wer das mag, kann auch versuchen mit Akzent zu sprechen, meines Erachtens führt das aber eher dazu, dass es lächerlich klingt und nicht exotisch (vielleicht mag aber gerade das ja auch ein Ziel sein). Auf Wunsch kann ich da ein paar Beispiele nennen. Wenn man jemanden spielt, der die Sprache noch nicht lange spricht, würde ich eher damit arbeiten, dass er bspw. Sprichwörter 1:1 ins Deutsche (Garethi) übersetzt oder mit der Syntax oder Grammatik Probleme hat.

Ein Wort vorab: Ich ging immer davon aus, das Tulamidiya ein Gemisch aus Arabisch, Türkisch, Persisch und natürlich vielen Eigenentwicklungen ist. Tatsächlich konnte ich bisher höchstens eine Handvoll persischer Begriffe im Tulamidya erkennen. Im Ur-Tulamidya sieht es dagegen deutlich besser aus. Wenn ich hier also Übersetzungen mitgebe, dann können sie der "offiziellen" Tulamidya Übersetzung widersprechen.

Metaphern & Assoziationen
Ich würde statt der Verwendung von Fremdworten und Akzenten empfehlen, eingedeutschte Begrifflichkeiten, exotische Vokabeln, orientalische Formulierungen und Metaphern zu verwenden. Auch hier muss man natürlich aufpassen, dass es nicht allzu lächerlich klingt (wie einige der nachfolgenden Beispiele). In der tulamidischen Literatur sind Metaphern von essentieller Bedeutung, häufig kombiniert mit "Wissenschaften" wie der Astronomie oder Geschichte. Dies darf und soll auch ungewöhnlich sein: Ein Elefantenleibiger ist kein dicker Mensch, sondern ein Hüne mit der Kraft eines Elefanten (allerdings kommt es hier auch auf den Kontext an). Die fleckige Haut (Sommersprossen) einer Rothaarigen könnte von 1000 Küssen einer Pari (Fee/Blütenjungfer) bedeckt worden sein*. Ein Gesicht wie der Mond zu haben, bedeutet, dass dieses eine (edle) Bläße aufweist und eine vollkommene, unerreichte Schönheit repräsentiert, nicht etwa dass man ein Mondgesicht hätte. Insgesamt versucht man, gerade wenn man von Schönheit spricht, immer neue Metaphern zu verwenden (siehe unten).

Vergleiche und Steigerungen
Ein häufig schon bekanntes Mittel in der tulamidischen Sprache sind Vergleiche und Steigerungen.
Im Tulamidischen reicht es häufig nicht aus nur die stärkste oder schönste zu sein, man muss auch gleichzeitig besser als die anderen sein. Das klingt natürlich erst mal unlogisch (ist es auch), aber es reicht einem meistens nicht nur der Einäugige unter den Blinden zu sein, sondern man soll unter ernstzunehmenden Konkurrenten, die schon die Besten darstellen, herausragen. Dadurch entstehen dann Formulierungen wie Schönste der Schönen, Weisester der Weisen etc. Dieses Mittel wird gerne auch im anderen Kontexten verwendet: König der Könige: Der Herrscher über schon machtvolle Herrscher. Blitz der Blitze: Das ist „der“ imposanteste Blitz den die Person je gesehen hatte. Allgemein wird gerne der Genitiv verwendet (Licht der Rechtsgläubigen, Schwert der Schutzbefohlenen, Wahnsinniger der Liebenden)

Steigerungen werden von den Tulamiden gerne auch mit Zahlen vollführt (meistens durch Potenzierung). So opferte der Held 10 Elefanten, 100 Pferde und 1000 Lämmer, bevor er zu seiner gefährlichen Reise aufbrach. In Kombination mit der tulamidischen Zahlenmystik können da glaube ich schöne Formulierungen entstehen.

Farben
Wenn man etwas literarischer von Farben spricht, dann verwendet man auch hier gerne Vergleiche. Anbei ein paar Beispiele und deren Verwendung in Klammern:
  • Ocker: Honig (für Augen)
  • Gelb: Safran (als Färbemittel für edle Kleidung)
  • Rot: Granatapfel, Granatapfelblüte, Rubin, Safran (ungemahlen rot), Blut, Koralle (auch für Rosa) (für Lippen und Wangen)
  • Weiß / hell: Schnee, Silber, Mond (für Haut)), Perlen (für Zähne)
  • Schwarz: Rabe, Ambra (da weißes Ambra unbekannt ist), Moschus (auch für dunkelbraun) (für Haare, Augenbrauen, Wimpern)
Radscha zu Ehren - Worte das Schöne zu beschreiben
Viele Tulamiden haben Freude daran durch die Kunst der Sprache die Schönheit der von ihnen Verehrten zu beschreiben. Ich selbst bin leider kein Poet, kann hier also nur die Worte und Formulierungen der großen Meister übersetzen oder auf bestehende Übersetzungen dieser Künstler zugreifen. Anbei einige Beispiele:

Heiligtum der Schönheit: Ist ein Mensch zu schön, dann glaubt man, dass Wesen außerhalb der Menschenwelt daran Einfluss nahmen
Ihr Leib ist schön wie eine reine Seele, so als nähme sie keinen Anteil am Derischen (Irdischen)

Feen / Pari: Es sollen einst Meteoriten/Sterne vom Himmel gefallen sein und die Form schöner Frauen annehmen können. In der frühen Glaubenswelt waren diese Pari Dämonen, die den Charakter der Menschen verdarben und von fast göttlicher Schönheit waren. Wenn man den Namen der Götter aussprach, da verloren sie ihr Aussehen und man erblickte ihre wahre Gestalt. Zwischenzeitlich setzte man sie mit Hexen gleich. Mittlerweile haben sie einen eher positiven Charakter, ähnlich einer Fee.
  • Sündigen in dem man mit rauher Hand die Feenhafte (Parihafte) berührt
  • Du Pari (Fee) meiner Sehnsüchte belächle nicht meines Herzens bittere Tränen
Weitere:
  • Ihre Haare griffen Fangseilen gleich nach dem Herzen des Helden
  • Ihre Haare, ein Diadem aus Moschus und Ambra, legten sich sanft über ihre silbernglänzenden Kuppeln (gemeint ist hier ihr Gesäß)
  • Ihr lockiges Haar, lag Ring, auf Ring, einem Kettengeflecht gleich auf ihren Granatäpfeln
  • Nie berührte sie der Sonne Antlitz: Umschreibung für edle, unberührte Frauen
  • Schlank und vom hohen Wuchs einer Zypresse: Die Form der Zypresse gilt als Symbol für einen schönen Leib
  • Ein Mann mit einer Taille wie eine Zypresse und der Brust eines Löwen
  • jemandes Namen aus dem Herzen stehlen: Die Erinnerung an eine (einst geliebte) Person auslöschen
  • Deine Augen süß und von der Farbe des Honigs folgen nun eines anderen Mannes Schritt
Gesamtbeispiel
Noch nie berührte sie der Sonne erhabenes Antlitz. Von hohem Wuchs ist sie, zart und zierlich wie eine Zypresse. Über dieser Zypresse lächelt das Licht der Sonne ihrer kirchblütigen Wangen. Ihrer feiner Linien Rabenflug, ziert ihre Augen, die schwarzen Narzissen gleichen. Ihr Mund, sinnlich wie ein Gebet in der Farbe roter Korallen, ist klein, wie ein Herz das sich voller Sehnsucht zusammenzieht. Gekrönt wird sie von einem Diadem aus Moschus und Ambra, das wie Fangseile der Sonne Glanz raubt. Die Flut ihrer Locken legt sich über ihre Granatäpfel und silberglänzenden Kuppeln, nur getrennt von safranfarbener Seide. Ihr Leib ist schön wie eine reine Seele, so als nähme sie keinen Anteil am Derischen und so mag auch nur ein Gemahl aus dem fünften Himmel ihrer würdig sein.

Übertreibungen
Bei den obigen Ausführungen waren ja schon einige Übertreibungen dabei, allerdings kann man da auch noch weiter bis hin ins Legendenhafte gehen:
Tulamiden bemühen gerne irreale Vergleiche. So müssen (starke) Helden nach Ansicht der Tulamiden auch immer groß gewachsen sein. „So stark und groß gewachsen war er, dass sein Haupt über den Wolken ragte / … seine Stirn den Mond berührte.“. „So imposant war seine Erscheinung, dass es einem Elefanten/Drachen das Herz zerfetzte“ (=der Drache bekam Angst). So weinte die Luft unter den mächtigen Angriffen seines Khunchomers und die Wolken regnen Rondras blutige Tränen, wenn ein großer Held verstirbt. Große Männer haben auch großen Appetit und so wird dann berichtet, wie sie sich Zebras braten und verspeisen.

Assoziation zu Tieren
Bezüge zu Schlangen, Hunden, Wölfen und Bären sind im Tulamidischen ungewöhnlich. Ein zäher Hund würde im Tulamidischen eher als Beleidigung wahrgenommen werden, da Hunde als dreckige, fast schon mindere Tiere gelten. Ein Bezug zu einem Bären wird eher als Metapher für Fettleibigkeit verstanden und nicht als Kraftmetapher.
Helden und Heldinnen werden in Epen gerne mit Tieren verglichen:
  • Stärke und Mut: Löwe (Schir), Panther (Bang), Tiger (Babr bzw. Babur)
  • Gier (nach Blut), Entfesselte Kraft: Krokodil (Temzah), Drache
  • Kraft: Elefanten (Fiel) und Drachen
  • Ungezügeltheit, Wildheit, Unüberlegtheit: meistens durch Attribute wie „brünstig“ (har), ein brünstiger Elefant ist das beliebteste Beispiel. Dies muss nicht immer vollständig negativ gemeint sein. Der brünstige Esel dagegen betont die Dummheit der unüberlegte Handlung
  • Schnelligkeit: Pferde (Asp), Vögel
  • Schönheit: Pfau (Tavuhs) (Pfaue gelten hier eher nicht als eitel)
  • Ungeschick: Kamel (Tschotohr)
Redewendungen
  • Die Katze beruft ihren Schwanz als Zeugen: Redewendung, wenn man jemandem Befangenheit vorwirft oder jemandem vorwirft, dass er sich auf eine ihm wohlwollende und damit nicht objektive Meinung beruft
  • As Mahi ta mah(da): Vom Fisch bis zum Mond, bedeutet allumfassend, über die ganze Welt. Könnte bei DSA auch vom Niedersten bis zum Höchsten bedeuten. Wird wegen der sprachlichen Nähe von mahi und mah(da) gerne in der Literatur verwendet.
  • Du hast einen vollendeten Stein geschliffen: Du hast alles perfekt ausgeführt. Du hast eine Meisterleistung erbracht.
Weitere Formulierungen
  • Feuerspringer (atischpareh): Metapher für eine freche, leicht sündige Person, allerdings eher freundlich wie "Lebemann/-frau" gemeint. Durch den Sprung über/durch das reinigende Feuer, kann man seine Sünden verbrennen, was wahrscheinlich den Ursprung des Begriffs darstellt
  • Mein Vater kam raus / jemandes Vater herauslocken: Dies bedeutet, dass man jemanden an die Grenze seiner (meist körperlichen) Fähigkeiten gebracht hat
  • Jemand wie einem Schaf den Kopf abschneiden (sehr veraltete Ausdrucksweise): Jemand Wehrlosen oder Unbedachten ermorden
  • Der Bezug zu Planeten und Sternen ist in DSA schwierig, da die Planeten im eigenen Pantheon verankert sind und über das "Verhalten" der Sterne und deren Namen in DSA wenig bekannt ist (zumindest mir). Vielleicht weiß da jemand mehr und kann was beisteuern. Ein Beispiel wäre z.B. ein Name für das Auge der Stute als Methaper für Radschas Gunst/Blick
  • Vergleich zu Helden der Vergangenheit sind auch zulässig und häufig. Bspw.: Weise wie Rohal und kühn wie Dschadir
Unmut, Beleidigungen & Kraftausdrücke

Nur Feinde oder (in seltenen Fällen) Personen in Abwesenheit werden beleidigt. Möchte man seinen Unmut über eine Person ausdrücken negiert man positive Aussagen (nicht gut, nicht besonders aufregend, nicht gerade schnell) oder wählt möglichst ungeschmückte, direkte Aussagen. Auch bewusstes und deutlich „wahrnehmbares“ Schweigen kann Kritik ausdrücken. Jemanden direkt ins Gesicht zu beleidigen gilt in den meisten Fällen demnach als stumpf, barbarisch und geistlos.

Anbei einige Beispiele seinen Unmut auszudrücken:
  • Das ist in Ordnung/ Das ist nicht schlecht (als Antwort auf eine direkte Anfrage/Meinung): Das ist schlecht / furchtbar.
  • Das ist Quatsch: Ganz schlimme Beleidigung!!! Bedeutet so viel wie du bist ein dummer Idiot und hast hier nichts zu sagen
    (Ironie): Tulamiden verstehen quasi keine Ironie, sondern nehmen diese sehr Ernst, auch wenn sie wissen, dass es eigentlich scherzhaft gemeint ist. Tulamiden selbst nutzen Ironie daher eher zum Beleidigen.
  • Das ist nicht schlecht (bezogen auf Leistung eines Dritten): Es ist so lala
  • Das ist sicher Brauch in eurer Kultur: Je nach Kontext: Ihr benehmt euch wie ein Schwein Oder: Mir ist das etwas suspekt.
    Die positive Darstellung wäre: Das ist ja interessant, ist das Teil eurer Kultur?
    -->Wenn die Antwort aber dann tatsächlich „ja“ lautet, wird das wiederrum akzeptiert. Bräuche und Sitten zu ehren gilt bei den Tulamiden einfach als Tugend. Allerding wird der Sinn des Brauchs dann (vor allem aus Interesse) auch hinterfragt werden…
  • Bei uns macht man das anders: Dein Verhalten ist nicht in Ordnung. Die positive Formulierung würde auch mit einem „interessant“ etc. beginnen.
  • Ihr erscheint müde (wenn das abwegig ist): Ihr geizt ganz schön an Höflichkeiten.
  • Ihr scheint in Gedanken: Rede doch was mehr, komm was aus dir raus du Langweiler! Hier spielt die Musik.
Tulamiden sind allerdings auch Meister der Mimik und Gestik und nutzen sehr häufig diese subtilere Art der Kommunikation um ihren Missmut auszudrücken.

Auch bei Beleidigungen und Kraftausdrücken ist man eher kreativ. So heißt etwa Halt‘s Maul, Sareh Mahr ("Möge das Gift der Schlange dich treffen", wörtlich Gift der Schlange). Möglich sind auch Beleidigungen wie Bihamokas (Einsamer, Verlorener, wörtlich "ohne alle und jeden"), sprich jemand der nicht in der Geborgenheit einer Familie aufgewachsen ist und somit keine Erziehung genossen hat. Beliebt ist auch bifarhang (kulturslos, Barbar, wörtlich: ohne Herkunft, Wurzel, Kultur) oder biadab (unhöflich, wörtlich ohne Höflichkeit). "Härtere" Kraftausdrücke entsprechen weitesgehend ihren mittelreichischen Äquivalenten. Ist ein Familienbezug vorhanden bspw. ...-sohn, dann wird der Bezug im persischen in der Regel über die Eltern gezogen, also bspw. Pedarzag (Hundevater) (das ist übrigens eher im Persischen so, im Arabischen ist es meines Wissens wie im Deutschen). Wie gesagt gelten Beleidigungen als Zeichen schlechter Erziehung und werden eher von den unteren Gesellschaftsschichten oder für wahre Feinde verwendet.
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Einige Worte vorab:
  • Das kh wird kehlig wie das ch in Dach ausgesprochen.
  • Die Sur-Khaneh ist auch in der realen Welt existent und wurde hier lediglich angepasst

Sur-Khaneh- Haus der Kraft

Das Sur-Khaneh (Haus der Kraft) ist eine uralte tulamidische Tradition. Es bezeichnet einen Ort, an dem Übungen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung ausgeführt werden. Da an diesen Orten die Geschichten, die Sprache und der Glaube an die alten Götter bewahrt wurden, empfanden dies die bosperanischen Eroberer unter der Herrschaft Hela Horas als Ketzerei und Widerstand gegen die göttliche Ordnung, sowie als Keimzelle militärischen Widerstands. Als Folge dessen wurden diese Orte zerstört und die Mitglieder dieser Institutionen (unter denen sich auch Geweihte der Rondra, Kors und Phexens befanden), systematisch verfolgt. Zwar gelang es gerade Anhängern des Phex diese Tradition im Untergrund fortzuführen, doch führten diese Verfolgungen dazu, dass diese Tradition weitgehend vergessen wurde. Erst in jüngster Zeit, durch die Rückbesinnung auf die tulamidische Geschichte, lebt diese Tradition wieder auf. Je nach Glaubensrichtung stehen unterschiedliche Inhalte zur Verfügung, doch haben alle Varianten dieser Tradition gemein, dass die geistige und körperliche Ertüchtigung im Vordergrund steht.

Varianten je nach Glaubensrichtung
Das Sur-Khaneh war schon immer stark mit dem Glauben an eine Gottheit und "dessen" Pantheon verknüpft. Historische Quellen erwähnen, dass die ersten Gottheiten die diese Tradition aufführten die urtulamidischen Gottheiten Feqz, Randara und Khor waren. Angeblich gab es gerade im thalusischen Raum aber auch Institutionen die Ras'Ragh verehrten. Das auch Rashtul zu diesen "Gottheiten" gehörte, kann nicht schriftlich nachgewiesen werden, doch sollen einige Hadjinim die sich auf Rashdul berufen, eine ähnliche Tradition aufweisen. Heutzutage wird diese Tradition hauptsächlich von der Rondra und Korkirche, sowie neuerdings von den Novadis wieder aufgegriffen. Es gibt angeblich noch weiterhin einige im Schatten agierende feqzgefällige Sur-Khanehs, angeblich soll Marwan Sahib einem dieser Häuser vorstehen, doch könnte es sich hierbei auch nur um Gerüchte die von der Feqzkirche gefördert werden, handeln.
Natürlich unterscheiden sich die Inhalte der körperlichen und geistigen Ertüchtigung je nach Gottheit enorm, doch existieren aufgrund des gemeinsamen Ursprungs auch Gemeinsamkeiten (siehe weiter unten).
In ländlichen Räumen ohne militärischen Schutz und in früheren Zeiten nahmen die Mitglieder eines Sur Khanehs häufig die Aufgabe einer Miliz ein, die die Gemeinschaft vor feindlichen Angriffen schützte. Auf der anderen Seite wurden so auch schon früh moralisch gefestigte Krieger und Söldner für die Heere geschult.

Körperliche & geistige Ertüchtigung
Körperliche Ertüchtigung: Rondra und Korkirche, mit einigen Abstrichen auch die Novadis legen neben einem soliden Training der Beweglichkeit, ihren Fokus auf körperliche Stärke. Bei der Feqzkirche ist dies genau andersherum.
Geistige Ertüchtigung: Alle Traditionen haben gemein, dass die regionale Geschichte, Sagen und Glaubensgrundsätze allen Teilnehmern vorgetragen und von diesen verinnerlicht wird. Dies stellt einen wichtigen Teil der Übungen dar, denn mit den kämpferischen Fähigkeiten die vermittelt werden, soll auch das Bewusstsein für den moralisch korrekten Einsatz dieser verinnerlicht und so auch die Seele der Teilnehmer gestärkt werden. Dies gilt für alle Traditionen und Glaubensgrundsätze, auch wenn man dies als Mittelreicher vielleicht bei Khor und Feqz nicht erwarten würde. Gemäß der tulamidischen Tradition wird Geschichte nicht als nüchterne Aufzählung von Fakten angesehen, sondern muss entsprechend ausgeschmückt werden. Hierbei werden natürlich bewusst Geschichten ausgewählt, die den Idealen der Gottheit genehm sind und Eigenschaften und Entscheidungen der Protagonisten immer in diesen Kontext gebracht. Auch wenn die Fähigkeiten der Protagonisten immer sehr übertrieben dargestellt werden, ist es üblich, dass Helden Fehler aufweisen und Fehlentscheidungen treffen. Denn die absolute Vollkommenheit eines göttlichen Ideals ist nur den Göttern und ihren Kindern vorbehalten, der Mensch muss zwar nach diesen Idealen streben aber schlussendlich daran scheitern. Dieses Scheitern wird aber auch kritisch hinterfragt und ausführlich diskutiert.

Aufbau eines Sur-Khanehs
Der Aufbau eines Sur-Khanehs ist bewusst recht einfach gehalten. Der Eintritt des Gebäudes ist sehr niedrig gehalten (unter 1,5 Schritt) und gegenüber vom Eingang ist zumeist ein Bild oder Zeichen der Gottheit (bei den Novadis eher die Ausnahme) aufgestellt. Der (fremde) Eintretende ist durch den niedrigen Eingang gezwungen, gebückt den Raum zu betreten und somit den Traditionen des Hauses und der Gottheit den nötigen Respekt zu zollen. In unmittelbarer Nähe der Götterstatue befindet sich ein Podest (Sardam) mit einer Trommel (bei Feqz wird auf die Trommel verzichtet). Auf diesem Podest steht oder sitzt der Morsched, der die restlichen 8 Teilnehmer durch die Übung begleitet. Der Morsched ist entweder ein Geweihter (bei den Novadis handelt es sich hierbei manchmal um einen Derwisch) oder um den ältesten Teilnehmer (bei Orten bei denen kein "geeigneter" Geweihter vorsteht).
Den meisten Raum nimmt eine ca. 1 Schritt tiefe Grube ein. Erstaunlicherweise ist diese bei allen Traditionen achteckig. Jede der Seiten wird von einem Teilnehmer eingenommen. So kommt man auf insgesamt 9 Personen (8 Teilnehmer + 1 Morsched). Dass dies gemäß zwölfgöttlicher Tradition genau die heiligen Zahlen von Phex und Khor sind und selbst die Novadis 9 als Glückszahl betrachten, kann Zufall sein oder an der langen Tradition der Zahlenmystik liegen. Im Sinne der Zahlenmystik wird folgende eher unübliche Interpretation vorgenommen: Einheit und Macht (1) ordnet die Schönheit und schöpferische Vielfalt der Welt (8) (1+8=9).

Üblicher Ablauf
Üblicherweise sind die Teilnehmer größtenteils unbekleidet und tragen nur einfache Hosen. Dies soll die grundsätzliche Gleichheit vor den Göttern und Bescheidenheit ausdrücken. Bevor sie den Raum betreten ist es üblich sich im Vorfeld ausgiebig zu reinigen und häufig auch Finger- und Zehennägel zu schneiden. Zweiteres ist gerade für die Ringübungen relevant. Das unerfahrenste Mitglied stellt sich gegenüber des Morscheds (Anführer) auf und kann so von diesem am besten unterwiesen werden. Je erfahrener er wird, desto näher rückt er an ihn ran. Üblicherweise muss man einen Monat warten und bei den Übungen zuschauen, bevor man Mitglied werden darf. Insgesamt dürfen Zuschauer den Übungen folgen. In sehr konservativen Regionen und bei den Novadis wird Frauen der Zugang jedoch verwehrt oder die Männer müssen sich vollständig bekleiden. Einzelne Übungen können von Teilnehmern vorgeführt oder Fragen während der Unterweisung gestellt werden. Jedes Mal, wenn ein Teilnehmer das Wort ergreifen oder etwas selbstständig ausführen will, muss er dafür die Erlaubnis vom Morsched einholen. Hierfür erhebt er den Arm und ruft „Rokhsat“ (Erlaubnis!). Wenn der Morsched dies erlaubt, dann antwortet er mit „Rokhsat bar [Name des Gottes]“ (Erlaubnis im Namen des Gottes erteilt). Falls er die Erlaubnis verweigert antwortet er mit „Forsat“ (Verweigerung). Dies wird kommentarlos akzeptiert und gilt nicht als Beleidigung oder ehrenrührig. Während einer philosophischen Erörterung ist dieses Verhalten nicht notwendig, außer die Diskussion sollte allzu hitzig werden, in diesem Fall verlangt der Morsched das Erheben der Hand und definiert durch sein Nicken die Reihenfolge. Manche Sur-Khaneh die Rohal hoch verehren, erlauben nur bilateral geführte Gespräche, wie in den Gesprächen mit Rohal, zwischen Teilnehmern und dem Morsched, wobei natürlich jeder Teilnehmer den Morsched fragen darf.
Die Übungen beginnen häufig mit der geistigen Ertüchtigung (siehe oben). Diese Ertüchtigungen werden während der Übungen fortgesetzt und können auch zwischen den einzelnen Übungen ausführlicher ausfallen. Während der Übungen werden die geistigen Unterweisungen auch teilweise in Versform oder sogar im Sprachgesang dargebracht. Nach der Begrüßung beginnt man mit Aufwärmübungen, um die Muskeln zu lockern und den Körper für die eigentlichen Übungen aufzuwärmen, meistens begleitet von leichten Trommelschlägen und mit Drehungen, um den eigenen Körper (Tscharkh Sadan). Das Tscharkh Sadan (drehen) soll die Beweglichkeit und Ausweichübungen trainieren.
Die eigentlichen Übungen variieren je nach Gottheit und regional üblichen Waffen. Anbei die üblichsten Übungen:

Mil: Dies sind (üblicherweise zwei) bis zu 40 Stein schwere Holzkegel (es gibt aber auch deutlich leichtere Varianten). Die geschwungen und jongliert werden. Sie sollen den (beidhändigen) Kampf mit Nahkampfwaffen fördern, insbesondere mit kraftbasierten Hiebwaffen, wie Streitkolben oder Äxten. Üblicherweise geht dafür einer der Teilnehmer in die Mitte und setzt den Takt der Trommel in Übungen um, während der Morsched weiter die geistige Festigung vornimmt. Der Mann in der Mitte wird als Myander (Beherrscher der Mitte) bezeichnet.
Kabadeh: Das Kabadeh ist ein zwischen 12 bis 60 Stein schwerer Stahlbogen. Statt der Sehne ist eine enganliegende Kette an dieser befestigt, die zusätzlich mittels metallischer Scheiben an den Kettengliedern beschwert wird. Die Anzahl der Kettenglieder und Scheiben ist abhängig von der Kultur und dem Glauben des Sur-Khanehs. Der Bogen wird mit zwei Händen gegriffen, beim ersten Hochheben geküsst (meistens ist in der Mitte ein Zeichen der Gottheit eingraviert) und dann erst einmal über dem Kopf gekreist. Hierbei muss man den Bogen ausreichend hochhalten, damit die Scheiben nicht ins Gesicht schlagen. Danach werden die beim Bogenschießen üblichen Bewegungen mit dem Bogen ausgeführt, wozu auch das Pfeil ziehen simuliert wird (allerdings mit dem 60 Stein schweren Bogen!). Auch hier ist auf die Scheiben zu achten. Um auch die Beinarbeit und Koordination zu schulen, wird sich hierbei häufig um die eigene Achse gedreht.
Sang: Das Sang (Stein, Fels) soll den Kampf mit dem Schild trainieren. In früheren Zeiten wurde dies mittels Felsen simuliert, mittlerweile gibt es hierfür spezielle, schwere Holzschilde (eigentlich Zepar. Sie werden dennoch häufig weiterhin als Sang bezeichnet) mit denen die Übung ausgeführt wird. Diese Übung wird häufig mit dem Rücken auf dem Boden und mit zwei Schilden ausgeführt. Durch das anschließende Heben der Schilde sollte bspw. das Drücken im Nahkampf simuliert werden. Es gibt aber auch deutlich agilere Übungseinheiten, die dennoch fast immer auf dem Boden ausgeführt werden.
Schwertübungen: Es gibt einige Schwertübungen, die manchmal auch ausgeführt werden. Dabei geht man vor allem auf Schnelligkeit, sowie den kreativen Einsatz des Schwertes/Säbels ein. Häufig wird auch der stumpfe Rücken des Säbels mit in die Übung bezogen, den man dann mit der zweiten Hand stabilisiert und zur besseren Kraftübertragung nutzt (um bspw. den Gegner zurückzustoßen oder starke Angriffe abzuwehren). Unter anderem werden dann mit säbelähnlichen Stützen auch Liegestütze gemacht.
Koshti (Ringen): Die Übungen enden immer mit Ringübungen (Freistilringen). Der Mosched legt die Kampfpaarungen fest. Üblicherweise kämpfen immer nur zwei Teilnehmer gegeneinander gleichzeitig.


Disi Tsarah - دیزی سرا
In der Stadt leben viele hart arbeitende Menschen. Gerade mittags ist man meistens fern des Heims und will eine kräftigende Nahrung einnehmen. In den Städten kommen hierdurch innerhalb kurzer Zeit große hungrige Menschenmassen im sogenannten Disi Tsarah zusammen. Hier wird ein Eintopf serviert, der sich je nach Region unterscheidet, aber fast immer „Ab-Gusht“ (Wasserfleisch) oder Disi genannt wird. Die häufigsten Zutaten dieses Eintopfs sind Kichererbsen, Tomaten, Zwiebel, Knoblauch und natürlich Wasser und Fleisch, wobei gerade letzteres nur einen Bruchteil des Eintopfs darstellt, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Dazu gesellen sich in aller Regeln Kartoffeln und weitere regionale, sättigende Zutaten. Häufig kommen auch diverse Kräuter dazu (meistens gemäß jahrhundertealter Familienrezepte). Diese Zutaten werden über Stunden hinweg in einem gewaltigen Bottich gekocht.
Das Disi Tsarah (mit Ausnahme der Küche) ist in den allermeisten Fällen halb untererdig gebaut (min. 1 Schritt tief) und ähnelt, wenn noch tiefer gebaut irdischen Römerkellern. Sinn und Zweck dahinter ist, dass diese Räume dadurch ungemein kühler sind, was bei der Mittagshitze und dem kräftigen Essen ein Segen ist. Es hat allerdings den gewaltigen Nachteil, dass hierdurch auch wenig Platz zur Verfügung steht. In Deutschland wurden einige historische Keller zu Restaurants oder Brauhäusern umfunktioniert, diese kann man (wenn voll belegt) mit der Enge eines Disi Tsarah vergleichen. Da es nur ein Gericht gibt, sind einige Disi Disi Tsarahs dazu übergegangen direkt beim Eingang Eintritt zu verlangen, um nicht während des laufenden Betriebs umständlich Geld einzusammeln.
Kommen nun die Heerscharen der einfachen Leute, wird der Eintopf in irdene (meist blaue) Krüge umgefüllt. Diese haben einen Durchmesser von ca. 5 bis 8 Fingern (der Krug verjüngt sich von oben nach unten) und eine Höhe von ca. 10 bis 13 Fingern. Je nachdem wie groß die Stadt oder der Andrang des Disi Tsarahs ist, haben sich verschiedene Serviertechniken etabliert. Häufig werden gleich mehrere Portionen mitgenommen, was aufgrund des Gewichts der Krüge leichter gesagt als getan ist. Am häufigsten hat der Servierer eine Holztafel die an seinem Rücken mit Hilfe von Lederbändern befestigt ist. Sein Bauch wird von einer Lederschürze oder sogar einem Fell bedeckt. Die Holztafel hat Einsparungen, so dass die entsprechend geformten Krüge in diese eingelassen werden und zu ca. zwei Drittel nach unten rausragen. Sie sind ungemein heiß (deswegen die Schürze). Um sie rauszuholen, werden in der Regel Handschuhe verwendet. Dem Gast wird ein dünnes Fladenbrot gegeben (Zangak), dass er selber mehrlagig falten und dann verwenden kann, um den Krug zu halten. Außerdem erhält er einen hölzernen Stößel mit dem er den Eintopf zu einem Brei stampft und dann mittels eines langstieligen Löffels verzehrt.

Weiteres zum Disi Tsarah und Ab-Gusht
Eine andere Serviertechnik ist die, dass Fellbeutel am Gürtel herum befestigt werden und in diese der Eintopf reingesteckt wird.
Auf dem Land wird der Eintopf, gerade von Tagelöhnern, eher abends gegessen, nachdem man das Feuer mittags entfacht hat. In Regionen in denen es weichen Stein (ich weiß leider nicht um welches Gestein es sich handelt) gibt, wird dieser ausgehöhlt und als Kessel für diesen Eintopf verwendet, da er die Hitze fast einen halben Tag speichern kann und den Eintopf nahezu mit nur einer konstanten Temperatur erhitzt.
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Sport & Spiele

Sport - Allgemein
Entgegen des Klischees legen die meisten Tulamiden mehr Wert auf Kraft und Konstitution, statt auf die Beweglichkeit. Des Weiteren steht häufig weniger der Spaß beim Sport im Fokus, als die körperliche Ertüchtigung. Der beliebteste (körperliche) Sport ist und bleibt deswegen das Ringen (das bspw. im Sur Khaneh, siehe Gebäude, praktiziert wird). Es mag für einen Mittelreicher verwunderlich sein, dass viele tulamidische Parks des Weiteren einen Ringplatz beinhalten, der regelmäßig genutzt wird.

Tasmeh-Tasmeh
Tasmeh Tasmeh ist ein sehr altes "Spiel" aus den frühen Zeiten der Tulamiden, in denen der Kampf gegen die Echsen und andere Mächte noch an der Tagesordnung war. Es ist recht brutal und wurde deswegen im Lauf der Zeit immer "weicher" gestaltet. In kämpferischen oder traditionellen Regionen ist das Spiel jedoch noch weit verbreitet.
Tasmeh-Tasmeh soll das gemeinsame Vorgehen als Gruppe, aber auch körperliches Geschick, Kraft, List, Geduld sowie Schmerzresistenz trainieren. In der Regel spielen mindestens 3 Verteidiger gegen 3 Angreifer. Es können aber auch mehr Spieler daran teilnehmen. Sind es weniger, wird einer der Gürtel häufig entfernt.
Spielaufbau & Regeln: Es wird ein ca. im Durchmesser 3m großer Kreis gezeichnet (je nach Gruppengröße modifiziert). Auf zwei gegenüberliegenden Seiten wird ein "Tazmeh" ausgelegt. Tazmeh heißt übersetzt Gürtel. Häufig handelt es sich heutzutage wirklich um einen solchen. Früher wurde auch verdrillte Echsenhaut dafür genutzt. Zur Not verwendet man biegsame, aber stabile Zweige/Ruten. Die Verteidiger gehen in den Kreis, die Angreifer dürfen weitgehend nur außerhalb des Kreises agieren.
Ziel des Spiels ist es alle Gegner in den Kreis (Verteidiger) oder aus dem Kreis (Angreifer) zu zerren. Hierfür muss man seinen Gegner heranlocken und mit Kraft und Geschick, meistens unter Einsatz von Ringtechniken in oder aus den Kreis ziehen. Sind beide Beine außerhalb bzw. innerhalb des Kreises wurde diese Person „besiegt“. Je nach Variante ist sie nun Mitglied der anderen Partei oder komplett aus dem Spiel raus (häufig eher Zweiteres, da man ungern den Verräter spielt). Es ist zulässig, wenn auch halsbrecherisch, als Angreifer über den Kreis zu springen. Das kostet die Verteidiger schon einiges an Aufmerksamkeit, kann aber auch zu schweren Verletzungen führen, wenn die Person nicht sauber landet. Wenn nur noch ein Verteidiger im Spiel ist, kann es sein, dass man sich von der Seite (oder bei kleineren Kreisen von hinten) anschleicht, sich flach auf den Boden legt und dann das Tazmeh hinter den Füßen des Verteidigers wegzieht. Solange die Füße außerhalb des Kreises sind, ist auch das zulässig. Manche Verteidiger tun aber bewusst unaufmerksam um solch ein Handeln zu animieren, denn es ist ein leichtes einen solchen Angreifer zu besiegen. Es dürfen beliebig viele Personen an einem zerren, auch Menschenketten oder Mehrfachpaarungen kommen gelegentlich vor.
Die Tazmeh stellen Köder, Werkzeug und Bonus gleichermaßen dar. Die Verteidiger dürfen die Gürtel nicht berühren, weder mit Hand, Fuß noch sonst einem Körperteil. Wurden sie verrückt und nicht erobert, dann darf man sie manchmal wieder auf die Ausgangsposition bringen (Gruppenentscheid der vorher festgelegt wird). Die Angreifer dürfen versuchen die Tazmeh zu erobern, sprich aus dem Kreis zu ziehen und aufzunehmen. Ist ihnen das gelungen dürfen sie diese nach Belieben einsetzen (in manchen Regionen ist der Einsatz jedoch nur gegen die Beine beschränkt). Häufig, um die Verteidiger auszupeitschen oder, damit sie diesen Peitschenhieben entgehen, die Verteidiger an den Rand des Kreises zu drängen. Die Verteidiger dürfen das Tazmeh auch zurückerobern, bspw. in dem sie den Angreifer mit samt Tazmeh in den Kreis ziehen, oder das Tazmeh seiner Hand entreißen. Wurde das Tazmeh vom Angreifer erobert, dann darf man im Übrigen auch als Verteidiger das Tazmeh berühren. Aufopferungsvolle Verteidiger lassen bewusst ihren Arm oder ihr Bein so treffen, dass sich das Tazmeh um diese Gliedmaße windet, um dann mit einem kräftigen Ruck das Tazmeh zurückzuerobern. Wurde es zurückerobert wird es wieder auf seine Ausgangsposition gestellt und darf dann wieder nicht vom Verteidiger benutzt werden. Sich auspeitschen zu lassen, um nicht zurückzuweichen, gilt im Übrigen als Zeichen von Dummheit, fehlender Kraft und Geschick und nicht etwa als Zeichen von Mut oder Beständigkeit. Wurde man aber getroffen, erträgt man den Schmerz grimmig und kommentarlos, während der Angreifer das genaue Gegenteil tut, ausgiebig kommentiert und den Gegner verspottet um diesen zu provozieren und zu unbedachtem Handeln zu bewegen.
Die Verteidiger lassen häufig die Tazmeh anfangs nur schwach verteidigt, um übermütige Angreifer näher an den Kreis zu locken. Jeder versucht seinen Beitrag zu leisten, jüngere Kinder sind häufig unauffälliger und genießen einen gewissen Welpenschutz. Ältere koordinieren oder nutzen ihre Kraft. Nach einem Durchlauf als Verteidiger wechselt man häufig und die Verteidiger werden zu Angreifern und umgekehrt. Ausgeschiedene werden häufig zu Richtern. Da die Lüge als Makel gilt, ist man hier eher objektiv. Junge Mitspieler werden immer etwas privilegiert, da der Schutz von Jüngeren als Tugend zählt.
Weitere Regeln: Ist das Tazmeh ein Gürtel, darf nie mit der harten Schnalle geschlagen werden, diese muss in oder vor der Hand gehalten werden. Beim Ringen und Greifen, darf nicht gerauft werden. Boxhiebe, hohe Tritte, Ellbogeneinsatz etc. sind also explizit verboten. Einzige seltene Ausnahme ist bei der Verteidigung des Tazmehs. Da darf getreten werden, um eine Eroberung des Tazmehs zu verhindern. In den meisten Regionen ist aber auch das nicht zulässig. Zu kleine Kinder dürfen nicht gepeitscht werden, wobei das zu jung je nach Region unterschiedlich, meistens aber großzügig, interpretiert wird. Peitschenhiebe ins Gesicht sind immer verboten. Es ist unzulässig mit dem Tazmeh jemanden zu würgen, ihn mittels einer Schlinge zu fesseln ist jedoch erlaubt, wenn auch schwierig.

Garadan
Leider kenne ich die DSA-Schach Regel und Figuren nicht, aber im Irdischen gibt es auch einige Unterschiede bzgl. der Figuren, vielleicht mögen diese euch als Inspiration dienen.
Garadan wird schon recht früh mit den Kindern geübt, teilweise ab 5 Jahren, häufig in etwas vereinfachter Form.
Die Irdischen Figuren werden im Persischen (und damit ursächlich wahrscheinlich im Indischen) folgendermaßen bezeichnet bzw. dargestellt
Bauer = Soldat (Zarbas, extrem selten Piadeh = Fußgänger), Läufer = Elefant (Fil), Springer = Pferd (Asp), Turm = Streitwagen (Roch, daher auch Rochade), Dame = Wesir (Wasir), König = Shah (Shah)
Kriegsführung (in Bearbeitung)Anzeigen
Mobilität
Massiver Einsatz von Kavallerie
Leichte Kavallerie: Hauptsächlich Bogenschützen.
Schlacht bei Carrhae
Schwere Kavallerie: Zawar Sereh Push / Kataphrakt. Gepanzert: früher Schuppenpanzer, später Spiegelpanzer (4 Spiegel Panzer) massive Eisenplatten um den Körper
Felsrelief Taq-e-Bostan
Elefanten: 20 Jahre Ausbildung. Wird im Notfall getötet in dem mittels einer Keule ein Dorn hinters Ohr in den Schädel getrieben wird

Formationen sprengen
Elefanten
Schwere Kavallerie

Einsatz von Feuer:
Gut gegen Tiere
Brennender Streitwagen
Brennende Kamele: Fettreserven im Höcker
Schlacht von Karnal - Einsatz gegen Elefanten
ChangelogAnzeigen
15.05.2019: Bräuche und kultische Handlungen
17.05.2019: Sprache ergänzt
27.05.2019: Gebäude - Disi Tsarah
03.06.2019: Neugliederung mittels Aufklappen, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen
17.06.2019: Riten und Götterwelt getrennt. Sport&Spiele ergänzt
18.06.2019: Sur-Khaneh ergänzt
Zuletzt geändert von Shirwan am 16.08.2019 12:06, insgesamt 11-mal geändert.

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Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Baal Zephon » 14.05.2019 09:35

Vielen Dank für den Beitrag! Ich werde sehen ob ich davon einiges für meine Darstellung von Tulamiden verwenden kann, auf jeden Fall eine wundervolle Inspiration!
Ich finde auch die Göttersicht interessant, wenngleich ich die wohl nicht 100% übernehmen werde, aber vor allem die Stellung von Praios finde ich interessant. Auch die Idee von Maha Bor mit Chol’iadrim einen Diener des Namenlosen besiegt und sich zu willen gezwungen hat, finde ich sehr gut da sie für Götterfürchtige Tulamidische Dämonenbeschwörer einen wichtigen Präzendenzfall schafft dass es durchaus vertretbar ist die Diener des Bösen zu Unterwerfen und für seine (guten) zwecke einzusetzen.
Ein Herz für Dämonen!

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Ungelesener Beitrag von Horasischer Vagant » 14.05.2019 10:06

Auch von meiner Seite ein Danke für die Inspiration!
Für mich war vor allem die Essenskultur interessant!
Bei der Göttersicht bleibe ich bei der offiziellen Satzung!
Besuche mit Deinem Helden das Shaya´al´Laila in Zorgan (offenes RP)

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.05.2019 19:30

Hallo liebe Community,
ich freue mich sehr über die positive Resonanz eurerseits, vielen Dank dafür. Diese hat mich nun motiviert doch noch ein paar weitere Texte zu verfassen.
Als erstes "Addon" dachte ich mir etwas über die Bräuche zu schreiben. Viele dieser Bräuche finden in der Realität ihren Ursprung im Mittelalter oder sogar aus der Antike und sind damit recht schnell in die DSA Welt zu adaptieren. Die Texte habe ich oben im ersten Beitrag ergänzt.
Falls ich euch dann nicht auf die Nerven gehe, wollte ich noch was über die Sprache schreiben, wobei ich sagen muss, dass ich kein Freund des extensiven Gebrauchs von Fremdworten im Rollenspiel bin (die auch keiner versteht). Meine Lösung sieht da etwas anders aus...

@Baal Zephon und @Horasischer Vagant ,
ich freue mich dass es euch gefallen hat. Das mit den Göttern kann ich total nachvollziehen. Mein Ansatz war auch einfach darüber zu schreiben, ob und wie weit man sich dessen bedient ist natürlich jedem selbst überlassen.
Mich persönlich stört halt die fast feindliche Einstellung gegenüber Praios (die wie gesagt in der Realität genau gegenteilig war, siehe Mithras und Ahura Mazda), der Umgang mit Drachen und Drachenkinder (wie Kor) in einer tulamidischen Glaubenswelt und die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.

Viele Grüße
Shirwan

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Ungelesener Beitrag von hexe » 15.05.2019 21:09

Shirwan hat geschrieben:
15.05.2019 19:30
die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.
Liegt wohl vor allem daran, dass die Hintergründe dazu vergriffen sind. Warum Feqz der Hauptgott ist wird geschichtlich sehr breit erklärt: kurz: nächtlicher Kampf gegen die Echsen. Die Sonne macht Echsen halt schneller. Auf der Erde musste niemand im persischen Raum eine hochmagiebegabte Echsenrasse vertreiben um Land zum Siedeln zu haben. Und 1000 Jahre später kamen die Eroberer aus dem Westen und brauchten diesen Sonnengott wieder mit. Natürlich verehrt man den nicht... Es lohnt auch ein Blick in die Dunkle Zeiten Box. Die Verehrung der Götter ist in Tulamidistan von Zorgan bis Selem eben sehr verschwinden, fast schon von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Und dann findet man in einer Stadt Borontempel der beiden Riten, die sich gemeinsam um die über 3000 Jahre Grabanlagen in den Felsen kümmern. Deine Götterwelt könnte in einem Dorf so sein, aber woanders definitiv nicht. Auch weil die Götter in weiten Teilen Tulamidistans sehr unterschiedlich verehrt werden. Daneben gibt es eben 'den Tulamiden' genauso wenig wie 'den Europäer'. Ein Sami und ein Grieche haben nicht so viel gemeinsam...

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Ungelesener Beitrag von Grakhvaloth » 15.05.2019 21:26

Wundervoller Beitrag! Dankeschön.

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Sarafin
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Ungelesener Beitrag von Sarafin » 15.05.2019 21:31

Ich habe noch nicht alles gelesen, aber was ich gesehen habe gefällt mir super klasse! Dankeschön. :)
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 15.05.2019 23:40

Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)

Zurück zum Essen:
Darüber ist schon ziemlich viel publiziert worden, und da DSA langsam und unter Einwirkung vieler Autoren gewachsen ist, und die tulamidische Kultur Anleihen aus mehreren verschiedenen irdischen hat, ist es ziemlich vielfälig.

Entweder von Hadmar oder von Bernhard Hennen aus der Frühzeit von DSA kommt wahrscheinlich, dass Tulamiden, Novadis und Al'anfaner allesamt Hund essen. Vermutlich eine Anleihe aus der phönizisch-karthagischen Kultur. Und immer gut geeignet, um Mittelreicher, Thorwaler und deren Spieler zu schockieren. :ijw:

Ja, das was du beschreibst mit dem Essen am Boden im Schneidersitz, ungewohnt und unbequem für Mittelreicher, das eignet sich auch sehr schön für den kulturellen Kontrast. Wir haben dazu, glaube ich, auch zwei aventurische Zitate in LdES, wo der Mittelreicher sich ekelt, dass die Tulamiden mit den Fingern essen, und der Tulamide verächtlich meint, die Mittelreicher müssen eben mit Löffeln essen, weil sie sich nie die Finger waschen. Die Füße waschen sie sich ja auch nicht, sie ziehen ja nichtmal die Schuhe aus wenn sie ins Haus gehen. :) Zumindest für reichere Haushalte sind aber auch niedrige Tische mit Sitzkissen drumherum beschrieben; das Tischtuch auf dem Boden würde ich eher Novadis oder Bauern zuordnen.

Ein häufiges Missverständnis unter Spielern ist, zumindest die Novadis, oder alle Tulamiden, würden Alkohol ablehnen. Das ist nicht so. Kann man natürlich machen, dass der eigene Held überzeugter Antialkoholiker ist. Aber sowohl Novadis als auch zwölfgöttergläubige Tulamiden trinken Wein und Palmwein. Schnaps dagegen ist nicht üblich, obwohl es einen Raki-entsprechenden Anisschnaps gibt, und Bier auch eher nicht. Tee ist aber klar sehr beliebt, das Charaktergetränk der Gegend, und zudem ein wichtiger Exportartikel.
Abweichend von dem, was der Durchschnittsdeutsche sich unter orientalischem Essen vorstellen mag, gibt es auch kein Schweinefleisch-Verbot, sondern im Gegenteil gerne Selemferkel.

Was Reis angeht: Da schlägt wieder das Zusammengewurstel verschiedener Hintergründe zu. Reis wächst am unteren Mhanadi und in Thalusien. In Aranien und Mhanadistan ist es entweder kühler oder trockener, und dort haben sie hauptsächlich Weizen und essen mehr Brot als Grundnahrungsmittel. Safran muss früher mal sehr beliebt gewesen sein, ist aber seit Borbarad kaum mehr zu bekommen und furchtbar teuer (kommt aus dem Amazonengebiet bei Beilunk), und wird von findigen Fälschern durch Färberdistel ersetzt.

Sonstige kulinarische Kuriositäten:
Die Tomate stammt ursprünglich aus Thalusien und soll Silem-Horas' kostbarste Kriegsbeute gewesen sein. :) Würde heute wohl kein Pasta-begeisterter Horasier glauben.
Die aventurische Gewürznelke kommt aus der Gegend von Unau und aus Thalusien ("Shadifnägelchen") und wird demnach wohl ein Charaktergewürz der tulamidischen Küche sein.
Die Merach-Frucht, für die ich keine irdische Entsprechung kenne, ist irgendwie total lecker, aber giftig wenn zusammen mit Alkohol genossen.
Die Menchalblüte (dito) soll als Gewürz irgendwie umwerfend köstlich sein, und ihr Duft lockt Dschinne an.

Es stellt sich natürlich noch die Frage, ob die Familie mit Gästen gemeinsam isst, oder nur der Hausherr, während die Frau(en) von den Männern getrennt essen. Für Novadis ist das - glaube ich - als getrennt gesetzt; für Stadtstaatentulamiden schlage ich es jetzt nicht nach.

Was die Götterwelt angeht: Dazu hat Hexe ja schon das Wesentliche gesagt. Man muss auch da bedenken, dass DSA im Lauf der Zeit gewachsen ist. Als die Tulamiden eingeführt wurden, war zu Echsen, Bosparanern und Frühzeit noch wenig gesagt, und die Vorstellung, dass die Zwölfgötter vielleicht nicht immer so gesetzt und unumstößllich waren, war wohl noch nicht aufgekommen. Dass die einwandernden Bosparaner gar nicht alle Zwölfgötter kannten und zB Phex erst von den Tulamiden übernahmen, die umgekehrt Peraine oder Travia überhaupt nicht kannten, oder die inwzischen vergessenen Stadtgottheiten (wie bei den alten Sumerern), das ist alles im Lauf der Jahre und Editionen erst dazugekommen.
Ebenfalls zu bedenken: Hela-Horas hat einen blutigen und zutiefst rassistischen Vernichtungskrieg gegen die tulamidische Kultur geführt, allerdings ohne die - damals noch ganz neue - Zwölfgötterreligion durchzudrücken, weil sie sich selber als Göttin sah.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der Namenlose den frühen Tulamiden unbekannt war, bevor sie auf die Bosparaner trafen, oder dass er zumindest in ihrer Götterwelt keine nenneswerte Rolle spielte. Denn weder Novadis noch Ferkinas heute kennen ihn oder beachten ihn groß, und auch für die früh von den Urtulamiden abgespaltenen Trollzacker spielt er mW keine zentrale Rolle. Aber ich weiß nicht, ob in der Dunkle-Zeiten-Box dazu was gesagt ist.

Eine mythisch-religiöse Eigenheit, die ich gerne mag, ist übrigens noch die Legende von Zulhamid&Zulhamin als Stammeltern oder Tierkönigen der Menschen. Sollten die Menschen einen Tierkönig haben wie andere aventurische Tierarten auch, könnte der im Raschtulswall immer noch irgendwo rumlaufen. :)

Mahlzeit!
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Ungelesener Beitrag von Heldi » 16.05.2019 01:44

Herausragend! :6F:

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 17.05.2019 15:24

Hallo @Heldi auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Ich habe nun, wie schon angedroht, etwas über die Sprache geschrieben. Da liegt aber glaube ich noch was vor mir :lol: Ich hoffe es gefällt euch.
Der neue Text ist am Ende des ersten Beitrags.

@chizuranjida Wow, vielen Dank für die Zusammenstellung aus LdeS! Ich versuche bei Zeiten, dir mal darauf zu antworten. Allerdings vorab: Mein Ziel war es etwas mehr als nur das bisher Bekannte zur Kultur der Tulamiden beizusteuern und auch mal ein paar Sachen kritisch zu hinterfragen. Das war in Regionen wie dem Horasreich und Thorwal ja in der Vergangenheit auch möglich. LdeS und Raschtuls Atem sind, würde ich vermuten, ca. 15 Jahre alt und außerhalb von Aranien, ist nach meinem Empfinden nicht gerade viel dort passiert und auch kein neues Material geliefert worden...

Viele Grüße
Shirwan

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 22.05.2019 23:56

chizuranjida hat geschrieben:
15.05.2019 23:40
Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet). Neben Nohrus wird auch die Yaldanacht noch gefeiert, die meisten anderen "heidnischen" Feste (Mehrgan etc.) werden nur noch von sehr wenigen zelebriert. Das Nohrus Fest wird über mehrere Temperaturzonen, im Kaukasus, am Schwarzen Meer und vereinzelt überall im Nahen Osten gefeiert (hauptsächlich natürlich von iranischen Völkern). Deswegen kann ich den Bezug zur Schneeschmelze nicht nachvollziehen, zumal dies auch nicht der Grund des Festes ist. Die von mir oben genannten Traditionen beziehen sich auch auf Nohrus und die Yalda-Nacht. Mindestens die Traditionen der Yalda-Nacht sollten uns bekannt vorkommen Während es draußen dunkel und kalt ist, sitzt man mit seiner Familie im wärmenden Licht.
Ich habe die Yalda Nacht auf die namenlosen Tage gelegt, weil ich das vom mythologischen Kontext noch sehr passend finde (Finsternis wird durchs Licht besiegt). Eigentlich läge das Fest auf dem 1. Firun (Wiedergeburt der Sonne, scheint in Aventurien aber auch so zu heißen). Da Nohrus den Anfang des Jahres darstellt, wurde dies nun auch kurzerhand auf den 1.Praios verlegt (eigentlich wäre es Ende Phex). Ich betrachte das nicht als Fest das "primitive" Kulturen angehen, wenn dem so wäre, müssten wir wahrscheinlich die Hälfte unserer Feiertage (darunter Weihnachten und Ostern) streichen, da sie dort ebenso ihren Ursprung haben. Der 1. Praios (Sommersonnenwende) wird des Weiteren definitiv in Aventurien gefeiert.
Falls dich die iranische Mythologie/Religion interessiert (wobei ich mich nur bei Satinav, Praios, Kor und Marbo an dieser orientiert habe) gucke ich gerne mal, ob ich was im Internet für dich zusammen suchen kann.

Bezüglich des Essens: Vielen Dank nochmals für deine Mühen. Ich muss mir immer an den Kopf fassen, wenn Kurkuma mit Safran gleichgesetzt wird (Banausen!) und dass diese die Trockenheit liebende Krokuspflanze ausgerechnet bei den Amazonen wachsen soll und das nur weil der Name der Burg Kurkum so gut passt... Nun ja es ist und bleibt eine Fantasywelt. Insgeheim hoffe ich nun, dass findige tulamidische Händler es geschafft haben in den 10 Jahren der Besetzung Kurkums die Pflanze bei sich zu kultivieren, meinetwegen auch mit chimärologischen Experimenten, die dazu führen dass man diese Pflanze nur in 2 Wochen im Herbst ernten kann...wenn es da nicht regnet...Aber die bisherige offizielle Setzung ist tatsächlich so, dass diese Pflanze nur bei den Amazonen wächst, danke für den Hinweis (ich hatte es tatsächlich vergessen).
Das mit den dreckigen Füßen, sehe ich kritisch. Das mag bei einer nomadischen Lebensweise 100% der Realität entsprechen, aber bei sesshaften Tulamiden, ist es schwer den Dreck aus den Teppichen zu bekommen (und das mein ich Ernst :wink: )
Bzgl. des Namenlosen: Ich glaube die mhanadastanischen Tulamiden oder sagen wir mal die Nicht Novadi Tulamiden sollten nach meinem Verständnis schon den Namenlosen (als Bösen) kennen. Zumindest wurde er schon seit ich mich erinnern kann in den Publikationen immer Iblis* genannt, was mich zumindest vermuten lässt, dass das Prinzip bekannt ist. Im dunklen Zeiten Teil konnte ich nach einer schnellen Durchsicht auch nicht erkennen, dass das "Prinzip" des Namenlosen unbekannt wäre.
*Ich persönlich fand die Philosophie des Iblis im Islam immer schon interessant.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 27.05.2019 23:46

So, ich habe noch das Disi Tsarah aus meiner Kindheit ergänzt :D Ich glaube, das kann man als Meister gerade in den Großstädten gut verwenden.
Ich überlege noch das Haus der Stärke nach DSA zu übertragen, reizen würde ich es mich schon, ich glaube nur, dass es zu wenig Interessenten gibt :/

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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 23.06.2019 02:17

Vielen Dank für die detailierten Einblicke!!

Und für mich, der gerade erst seine Liebe zu den Tulamiden entdeckt hat, äußerst interessant und lehrreich. Gerne mehr davon!!
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 26.06.2019 22:44

@Thorgrimm_Faenwulfson Sehr gerne! Spielst du denn auch einen Tulamiden und wenn ja von wo?
Mir gehen aber langsam die Ideen aus, was man noch so brauchen könnte :lol: Gibt es Vorschläge? Bei der Sprache wollte ich noch was nachliefern, muss mir dafür aber mal Zeit nehmen...

Update:
Sur Khaneh (unter Gebäude)

Ich habe das in leicht abgewandelter Form, mal als Korgottesdienst verwendet (da kann man auch mal schön martialische Trommelklänge abspielen...). Unser Korgeweihter war nach dem zwanzigsten Blutritual echt genervt und fand das dann erfrischend neu. Da hat er sogar mal einen Sinn im Gottesdienst gesehen. Die Mils musste ich allerdings zu Zweihandhiebwaffen vergrößern :)

Tasmeh-Tasmeh (Sport & Spiele)
War ganz gut, um mal den Kontrast zwischen Stadt und Land zu zeigen und warum Tulamiden gute Ringer sind :).

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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 27.06.2019 22:42

@Shirwan Nachdem wir mit der Erstgruppe Staub und Sterne gespielt haben, war ich von Khunchom dermaßen begeistert, dass der Funke, den unser Meister versprüht hat, bei mir dir Flamme ausgelöst hat. Unsere Zweitgruppe hat nun einen Tulamiden aus Khunchom, weil ich da einfach schon mal einen Anhaltspunkt hatte. Dank deiner ausführlichen Beschreibungen sind nun noch etliche Punkte (wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen) dazugekommen sind und mein Tulamide nicht nur aus "Ja Sahib" besteht...
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 28.06.2019 10:55

Shirwan hat geschrieben:
13.05.2019 22:59
Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer.
Das ist eigentlich ein interessantes Thema, weil ich mich gerade bei den (neuzeitlichen) Tulamiden etwas schwer damit tue, sie genauer einzugrenzen und auf eine irdische vormoderne Kultur zu übertragen.

Bei den Rastullahgläubigen/Novadis ist es das noch ziemlich einfach - da kann man einfach sagen "orientier dich an mittelalterlichen Arabern", und dann hast sie schon getroffen - wobei die Religion eine große Rolle spielt. Bei Tulamiden ist das nicht mehr so einfach, wobei auch eine Rolle spielt, dass es abgesehen von Aranien (das sich aufgrund seiner Sozialstruktur dem Vergleich mit einem irdischen Gegenstück stärker entzieht als andere Kulturen) kein größeres tulamidisches Reich gibt und damit so etwas wie eine einigermaßen feste Ordnung, sondern eigentlich nur Stadtstaaten.

Irgendwie konnte ich sie außer "irgendwie orientalisch" kaum festnageln; aber letztlich habe mich für die Interpretation "Libanon/Phönizier" entschieden (dass dort die stärkste christliche, d.h. nicht-muslimische Präsenz war, hat auch dazu beigetragen). So wie die Güldenländer quasi Europäer (Deutsche/Franzosen/Italiener/Polen/Spanier/Engländer/Schotten/Iren etc.)
sind, die halt nur auf dem Weg ins Mittelalter irgendwie ihre alte polytheistische Religion behalten haben; sind die Tulamiden Levantiner, auf die das gleiche zutrifft.
Shirwan hat geschrieben:
22.05.2019 23:56
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet).
Ich vermute mal, weil letzteres wohl die englische Transkription ist, was immer wieder Spielraum für Unklarheiten gibt.
Eine Bekannte afghanischer Herkunft hat sich beispielsweise mal darüber aufgeregt, dass in Deutschland nicht Qunduz, sondern Kundus geschrieben wird, wobei ihr in dem Moment wohl entgangen ist, dass ja auch Qunduz nur eine Enlehnung sein kann :ijw:

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Ungelesener Beitrag von hexe » 28.06.2019 11:08

Aranien hat auch wieder Einflüsse aus dem Indischen. Also zwischen Zorgan und Selem gibt es eine ganze Menge verschiedene Tulamiden, die man 'Orientalen' zwischen Südspanien, Nordafrika und Sri Lanka nennen könnte. 'Die Perser' würde ich eher in den Raum um den Mhanadi einordnen. Große uralte Städte, fruchtbares Land am Fluss und so weiter.
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 00:12

@Thorgrimm_Faenwulfson Sowas zu lesen freut mich sehr. Ich finde es auch schön, dass du dich gerne mit anderen Kulturen auseinandersetzt. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass manche Sachen obskur erscheinen müssen. In diesen Fällen aber neutral und offen darauf zuzugehen, finde ich eine sehr schöne Eigenschaft.

@DnD-Flüchtling ,
Ja ich finde das Thema auch sehr spannend! Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Bei einigen Kulturen wurde schon von der Redaktion vorgegeben, welchen irdischen Anleihen sie entsprungen sind. Bei manchen kann man es sich herleiten.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.

Bzgl. der tulamidischen Kulturen:
  • Aranien: Aranien ist recht eindeutig mit Indien gleichzusetzen, wurde auch im Rahmen von DSA5 so bestätigt. Genauer ist es das Indien unter der frühen Herrschaft der Mogule, deren Ursprung ja bei den Persern/Khorasani lag (das frühere Khorasan war wiederrum das Kerngebiet der Parther). Persisch war dort Hofsprache. Staatsverwaltung, Architektur, Militärwesen etc. waren lange Zeit persisch/khorasanisch geprägt. Weitere Parallelen sind bspw. der Pfauenthron (Takht-e Tavooz) oder die aus dem persischen stammenden Städtesuffixe (-abad, -khand) und auch Babur (persisch = Tiger), der allerdings in der realen Welt der erste Mogul war und viele weitere.
  • Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
  • Novadis: Das sehe ich so wie du.
  • Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
  • Mhanadastani: Ganz klar persisch (bzw. eher iranisch) orientiert. Hier kann man sich über viele verschiedene Epochen und Dynastien hinweg orientieren (Parther, Sassaniden, Abbasiden und Safawiden, allerdings ohne den Islam). Es gibt aber auch viele Elemente der Turkvölker (die auch bei den Abbasiden viel Einfluss hatten, vor allem später). Bitte beachte, dass selbst im heutigen Iran dutzende von Kulturen existent sind. Wenn du einen Gilani mit einem Khorasani vergleichst, wirst du dich im Iran sehr unbeliebt machen :lol:
  • Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
  • Thalusa: Leider keine Ahnung.
Ja, das mit Nouruz stimmt schon, das macht die an sich schon schwere Überführung in lateinische Buchstaben noch schwieriger. Haha, das mit dem Ghain was du meinst, ist aber auch echt doof, da gibt es wirklich nichts Vergleichbares im Deutschen. Ich bin da auch die abstrusesten Klänge gewohnt :lol: Aber selbst Araber und Perser sprechen das gefühlt unterschiedlich aus.

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 02:12

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Was letztlich auch eine Folge der Aufmerksamkeit ist, die der jeweiligen Gegend gewidmet wurde; bei sehr vielen Völkern kam es ja auch erst im Laufe der Zeit zu einer Identifikation: Wenn ich mir die Spielhilfe von 1985 mit rudimentärsten Informationen anschaue, dann waren Neu- und Altreicher generische Europäer - wobei Albernia allerdings schon sehr früh einen irischen Einschlag hatte, zumindest wenn man den irisch klingenden Namen des Fürstenhauses als Indikator heranzieht.
Die Bornländer hatten ein vages polnisches Element (die Adelsrepublik), die Thorwal-Piraten (nicht. Thorwaler!) waren schon ganz gut als Wikinger zu erkennen, die Khom-Nomaden (nicht: Novadis!) wurden als Wüstenbewohner beschrieben und bekamen den Rastullahglauben aufs Auge gedrückt, die Tulamiden gab es de facto noch gar nicht als eigenes Volk - die wurden kurzerhand mit Meridiana unter "Fasar, Rashdul und die südlichen Stadtstaaten" zusammengefasst und wie folgt beschrieben: "Die Bevölkerung Fasars und Rashduls (Anmerkung: die anderne Städte fallen alle unter den Tisch) stellt eine Mischung aus Wüstennomaden und Auswanderern aus dem Mittelreich bzw. den südlichen Stadtstaaten dar".

In der Anfangsphase gaben auch die Abenteuer auch kaum etwas her, wenn es um die kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gegenden geht - einzig bei Nedime (wo Ulrich Kiesow ziemlich offensichtlich so in Richtung Wilhelm Hauff/1001 Nacht gehen wollte) bist du das ganze Abenteuer über ziemlich eindeutig in einem orienatlischen Setting; aber bis zum nächsten Abenteuer in der Gegend (Wie Sand in Rastullahs Hand) durfte man bis 1989 warten ("Der Streuner soll sterben" war im Grunde genommen sehr generisch und hätte auch sonstwo in Aventurien stattfinden können). Faktisch gab es also bis zur Khom-Box bis auf zwei Abenteuer und ein paar Zeilen zum Novadi als Heldentyp (Tulamiden gab es wie gesagt damals noch nicht) kaum Material; ich vermute mal, dass man sich erst in den Nuller Jahren - also 20 Jahre nach dem Entstehen von DSA! - so richtig dran gemacht hatte, die Gegend zu beschreiben.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Also, die iranische (und indische) Antike würde ich am ehesten im Diamantenen Sultanat verorten. Wobei hier natürlich eingewendet werden muss, dass man da außer DDZ keine beschreibenden Quellen hat und deswegen die eigentlich Identifikation immer irgendwie nebulös bleiben muss.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.
Das mit dem Polytheismus als identifizierendes Element ist so eine Sache; schließlich gibt es in DSA eher selten eine Übereinstimmung zwischen kulturellem Vorbild und religiösem Vorbild. Die Novadis hätten es (kulturell Araber, religiös monotheistischer Islamverschnitt); die Thorwaler haben es (kulturell Dänen, religiös polytheistisch, nordische Einflüsse), die Zyklopäer haben es (kulturell griechische Klassik, religiös polytheistisch, Pantheon); aber so ziemlich alle anderen Güldenländer haben es nicht (kulturell mittelalterliche bis neuzeitliche Europäer, religiös aber trotzdem polytheistisch - römisch/griechische Einflüsse, aber auch Elemente, die an den mittelalterlichen Katholizismus in polytheistischem Kleid erinnern) und für die allermeisten Tulamiden (die man wohl mit allen möglichen Völkern des mittelalterlichen Nahen und Mittleren Ostens identifizieren kann) gälte es dann ebenfalls nicht.
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
Echt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ferkinas afghanische Stämme sein sollten.
Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
Bei Gorien und Hasrabal würde es mich fast wundern, wenn der was anderes sein soll als de böse magiebegabte Sultan/Großwesir aus 1001 Nacht, aber andererseits habe ich die DSA 4-Regionalspielhilfen zu der Region noch nie so richtig gelesen.
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
Fasar wurde in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 als bunte (und extrem chaotische) Metropole beschrieben, die eigentlich keine Zentralautorität hat und in der alle möglichen Völker nebeneinanderher leben. Fast so eine Mischung aus Al'Anfa und einem tulamidischen Stadtstaat. Wenn du das nicht zuordnen kannst, dürfte das wohl auch daran liegen, dass es (ursprünglich zumindest) auch nie so gedacht war.
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wenn ich eine Vermutung in den Raum werfen müsste: Samarkand. Aber, Hand aufs Herz - diese Vermutung hängt einzig daran, dass Fürst Ras Kasan und Prinzessin Shenny in "Der Streuner soll sterben" eindeutig ostasiatische Züge haben. Interessanterweise aber auch nur die, denn der thalusische Haushofmeister sieht - übrigens ebenso wie der Khunchomer Prinz - sehr europäisch aus.
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 29.06.2019 10:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 06:58

Morgen,

cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)

Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.

Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)

Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt. Was ich mit meinem Beitrag sagen wollte, ist schlussendlich also, dass es durchaus polytheistische Ansätze gibt (z.B. bei den Ägyptern, aber auch bei anderen orientalischen Völkern), die man als Vorlage nutzen könnte. Bei Feqz, Rondra und Radscha haben sie eine gewisse tulamidische Prägung versucht, aber so wirklich angenommen und differenziert ist diese nicht (zumindest mein Empfinden, bei Radscha noch am ehesten). Gut bei DSA kommt dazu, dass die Götter tatsächlich real sind und die wichtigsten in Alveran hausen. Aber das hat ja Brazorak, Ögnir (Loki) und Co ja auch nicht abgehalten ;)

Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.

Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat. Mittlerweile, gerade mit seiner eigenen Rechtsschule, seiner offenen Religionspolitik, seinen zahlreichen Söhnen in Herrschaftsämtern, der Heirat in den Altadel durch Eshila oder durch seine Umtriebe in Chalukistan bzw. allgemein im Konflikt mit Aranien, sehe, zumindest ich, das differenzierter. Kann mir das aber auch einbilden :lol: Freuen würde es mich. Gorien hat viel Potential, auch wenn die Aktion mit Anchopal schon ziemlich fies war :lol:

Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 11:59

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)
Danke, aber gerade DSA lädt dazu aber auch extrem ein, sich hier in Spekulationen zu ergehen :ijw:
Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.
Das ist aber auch ein Problem im System: Der Kontinent ist klein, und viele Kulturkreise sind extrem randständig gehalten (vor allem nichteuropäische - der tulamidische Raum versucht ja offensichtlich, sehr viele und teilweise auch sehr disparate Kulturen abzudecken, und ist dafür im Grunde einfach nicht weitläufig genug).
Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)
Das war wahrscheinlich auch deswegen der Fall, weil es da noch keinerlei genauere Beschreibungen gab, und sich hier Spezialisten nach Lust und Laune austoben konnten. Tulamiden/Novadis dagegen? Da musste 1990 nun mal eine Box raus, und man hatte für diese Aufgabe halt nur Hobbyautoren, die vom Nahen und Mittleren Osten noch weniger Ahnung hatten als vom europäischen Mittelalter (und das Internet gabs auch nicht...) - und darüber hinaus vermutlich nicht einmal eine konkrete Vorstellung, was der Landstrich darstellen sollte, siehe unten.
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das ist mit ziemlicher Sicherheit so.
Wobei ich allerdings unterstelle, dass das auch daran liegt, dass (a) der Zwölfgötterglaube damals quasi "default" war (von den Menschen bekamen in der Frühzeit nur die Mohas, die Novadis und die Nivesen eine eigene Religion verpasst; und die wurden ja auch mehr oder weniger eindeutig als "falsch" beschrieben) - und dass sie gerade mit den Tulamiden damals nicht wirklich etwas anfangen konnten: Die wurden ja erst in der Khom-Box überhaupt als spielbares Volk eingeführt; und als eigener separater Heldentyp nie (du konntest in DSA 2 und DSA 3 einen tulamidischen Händler, Krieger, Gaukler etc. spielen... aber keinen Tulamiden, wie du einen Novadi/Thorwaler/Moha/Nivesen/Norbarden spielen konntest).

Ich vermute, dass sie sich überhaupt erst so richtig Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Tulamiden ausgestalten sollten, als sie die Khombox rausbrachten. Wenn man sich zB die frühesten Beschreibungen der tulamidischen Stadtstaaten (Khunchom, Rashdul, Fasar, Thalusa) in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 durchliest, werden nirgendwo die Tulamiden als Volk erwähnt (sehr wohl aber Novadis, wenn es welche in der jeweiligen Stadt gibt), und die Tempel sind fast durchgehend Präsenzen der Zwölfgötter (gelegentlich auch Rastullah und sogar Rur & Gror) - was zwar zur früheren Identität der tulamidischen Stadtstaaten als multikulturelle Schmelztiegel passte, sich aber nicht dazu anbot, ihnen nachträglich eine eigene Identität auch in religiöser Hinsicht zu verpassen. Die ist dann eher im Laufe der Zeit gewachsen.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt.
Was ich persönlich auch als eine der gelungensten Entwicklungen des Thorwaler Raums empfinde (einen Loki-Phex hätte ich mir allerdings auch gewünscht statt einem neuen Gott; zumal der Phex der Historia Aventuria ja deutlich mehr lokihafte Züge hat - aber das dürfte wohl der ursprünglichen Beschreibung des Thorwaler Phexkultes als "Schelm der Götter und Gott der Schelme" geschuldet sein). Allerdings sehe ich ansonsten ehrlich gesagt aber keine großen personellen Überschneidungen zwischen dem nordischen Pantheon und dem der Thorwaler: Swafnir hat zwar die Rolle von Thor als Volksgott, aber ansonsten mit ihm von seinem Machtbereich her wenig gemeinsam. Die anderen Götter (Odin, Freyr, Baldr, Frigg, Hel etc.) haben zumeist entweder tatsächlich kein Gegenstück in der aventurischen Mythologie oder die Thorwaler achten sie nicht besonders (Efferd beispielsweise ähnelt Njörd, und Rondra hat die Attribute Thors, und Freyja ist wohl Rahja am ähnlichsten, aber keinen der drei verehren man im Norden) - es ist mehr das Flair des Thorwaler Pantheons, dass ihre Identität ausmacht.

Bei den Tulamiden stellt es sich - für mich zumindest - so dar, dass man es bei ihnen rückwirkend so festgelegt hat, dass sie eh nie wirklich Zwölfgöttergläubige im strengen Sinn waren, sondern halt diese und einen Haufen anderer Götter verehren; und viele (Phex, Rahja etc.) auch in durchaus kulturspezifischer Form: Insofern sehe ich die tulamidische Götterverehrung als der mittelländischen ähnlich fern wie die thorwalsche.
Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.
Ich muss zugeben, dass ich auf die Kurden nie gekommen bin (trotz Kara ben Yngerymms Reise durchs wilde Ferkinaland); aber die Tendenz der Ferkinas, noch möglichst altertümlich zu leben, erinnert mich tatsächlich in allererster Linie an die Afghanen.
Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat.
In 1001 Nacht hat der Zauberer glaube ich gar keinen Namen und ist auch nicht der Großwesir *gruebel* Damn you Disney!
Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?
Wie gesagt, meine Interpretation hängt ziemlich ausschließlich am Aussehen von Kasan und Shenny; und die islamische Welt des Mittelalters ging ja bis an die Grenze von China, auch wenn Thalusa abgesehen vom Reisbau ansonsten möglicherweise nicht groß mit ostasiatischen Elementen glänzt. Aber: Es ist halt auch blöd, wenn man eine ganze irdische Region in eine einzelne Stadt hineinquetscht.
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 29.06.2019 18:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 12:17

Du sprichst mir in vielen Dingen aus dem Herzen und rennst bei mir offene Türen ein :)
Ich muss dir aber eine längere Antwort schuldig bleiben. Die "harten" Verpflichtungen des Wochenendes rufen :lol:
Dir ein schönes Wochenende!

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 02.07.2019 14:06

Aventurische Fläche: Ja, da ist schon eine riesige Diskrepanz. Aber gab es ja schon ewig lange Diskussionen über die Größe und Bevölkerungszahl Aventuriens, das Fass mache ich hier nicht auf :D Aber ich sehe das genauso wie du! Auch was die Reduktion ganzer Länder auf eine Stadt betrifft.

Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!

Religionen: Da bin ich teilweise anderer Meinung als du. Bei den Thorwalern fand ich es gut, dass man da Nägel mit Köpfen gemacht hat. Es wurden neue Götter, götterähnliche Wesen etc. ergänzt/hervorgehoben (siehe Thorwalsches Pantheon im Wiki) und es gab auch tatsächlich eine öffentliche Proklamation (im aventurischen Boten meine ich). Da hat man unstimmige Elemente abgeschnitten (Echsengötter raus, Rondra als Swafnirs Mutter weg, den güldenländer Praios raus etc.). Man hat auch bestehende Elemente recycelt, so sie denn stimmig waren (Ifirn Stellung im thorwalschen Pantheon). Klar deckt sich das nicht mit der nordischen Mythologie, aber ich fand das Ausmaß ausreichend und die Diffusion dieses neuen thorwalschen Weltbilds sehr gelungen. Da gab es wie gesagt den aventurischen Boten, Online Ergänzungen, aber auch diverse Abenteuer, die sukzessive die Glaubensinhalte vertieft und somit ein stimmiges und höchst individuelles Pantheon geschaffen haben.

In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).

Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.

Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.

Wenn du das Gespräch fortführen willst, sollten wir es vielleicht verlagern. Bin mir nicht ganz sicher, ob es noch ganz den eigentlichen Inhalt des Threads trifft.

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DnD-Flüchtling
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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 08.07.2019 21:45

Sorry, gar nicht registriert, dass es hier weitergegangen ist ;)
Shirwan hat geschrieben:
02.07.2019 14:06
Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!
Hatte ich vorher auch nicht, es ist mir nur verstärkt aufgefallen, als ich die alten Abenteuer durchgegangen bin und parallel dazu die entsprechenden Spielhilfen :ijw: Man muss aber auch berücksichtigen, dass so gut wie keine Beschreibung der ersten Jahre heute noch was taugt: Weder der hohe Norden noch das Orkland noch Meridiana etc. hatten in den Anfangsjahren das Look & Feel, das sie später bekommen hatten. Nedime ist da sogar noch ganz gut weggekommen...

Wobei ich nochmal über die Identität der Tulamiden nachgedacht habe: Tatsächlich machen Iraner, insbesondere Perser, hier wohl am meisten Sinn: Sie haben bezogen auf den Orient eine ähnlich dominierende Rolle gespielt wie die Römer im Hinblick auf den Okzident; und dürften dementsprechend auch ein gutes Vorbild für die gegenwärtigen Tulamiden abgeben.
Als Verhältnis zwischen Tulamiden und Novadis würde sich hier als Vorbild dann auch das zwischen Persern und Arabern im (Früh-)Mittelalter anbieten (nur ohne dass letztere die Vorherrschaft an sich gerissen haben): Auf der einen Seite eine alte Hochkultur, die sich den Wüstenbewohnern überlegen sieht; und umgekehrt eine stark religiöse Gesellschaft, die die anderen als Heiden und Ungläubige betrachtet.
Das ethnische Element des Konflikts fällt zwar raus, aber da verhält es sich bei den verschiedenen güldenländischen Völkern ja auch nicht anders.
In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).
Das ist natürlich korrekt, aber die Frage ist letztlich: Was tun? Die Tulamiden sind kulturell und vor allem politisch ja noch disparater als die Thorwaler, weswegen ein ähnlicher Kunstgriff hier auch eher unglücklich wäre. Aber bevor ich nicht nochmal einen Blick in die aktuelle Spielhilfe und die Handhabung der Religion im tulamidischen Raum gelesen habe, halte ich mich hier erstmal bedeckt ;)
Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.
Jup, ich erinnere mich daran, dass im Shahnameh Kabul häufiger erwähnt wurde als die Städte des heutigen Iran ;)
Hier setzt du allerdings Spezialistenwissen voraus, noch dazu aus der Perspektive Afghanistans selbst. Aus einer europäischen Perspektive sind die Afghanen vor allem als quasibarbarisches Bergvolk in Erscheinung getreten, das sich traditionell jeglichen Unterwerfungs- und Zivilisierungsversuchen hartnäckig verweigert hat. Aber: Die Afghanen als Vorbild war vor allem die Interpretation, die sich mir aufgedrängt hat, aufgrund einiger Elemente in der Präsentation der Ferkinas. Die Ferkinas selbst sind mit ihrem Blutkult und ihrer extremen Gewalttätigkeit und Grausamkeit schon extrem speziell und haben sich von eventuellen irdischen Vorbildern ziemlich weit entfernt.
Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.
Ich habe gerade nochmal die Knaur-Version rausgekramt; der Bösewicht wird hier als maurischer Zauberer beschrieben, der sich als Aladins Onkel ausgibt. Ein Name wird dort ebensowenig erwähnt wie die Region, in der die Geschichte spielt.

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 08.07.2019 22:32

@DnD-Flüchtling Kein Problem hatte vergessen dich zu "mention" oder zu zitieren.

Ich würde das Gespräch gerne fortführen, aber ich befürchte unsere Meinungen sind zu nah einander, als dass da wirklich was Neues dazu käme :lol: Bzw. ich kann deiner Argumentation folgen.

Vielleicht bzgl. Kabul: Ja, definitiv. Rostam wurde dort geboren! Und Zal Dastans Liebe zu Rudabeh ist einer der schönsten Liebesgeschichten des Shahnamehs (nach meinem Empfinden) und spielt auch dort. Da darf der Name gerne öfters fallen :)

Tulamidische Götter: Ja, das "was tun" habe ich mich auch schon gefragt :( Mehr Abenteuer die zumindest einige (Flächen-)Gebiete abdecken und sich mit dem Thema beschäftigen wären gar nicht so schlecht für den Anfang.

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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 12.07.2019 01:48

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
(Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
DDZ? Das kenne ich nicht, und gibt es leider nicht als Download. Die Box ist vergriffen und gebraucht sauteuer.
Hat da wirklich jemand Sumerer oder Babylonier oder sowas 1:1 sauber kopiert, ganz ohne Anpassung ans sonstige Aventurien und was schon über Urtulamiden publiziert war? Ich hoffe nicht.

Ich glaube nicht, dass es irgendeine aventurische Kultur oder Gegend gibt, die nur nach einem einzigen Vorbild aufgebaut ist, oder auch nur eine, die je diesen Anspruch hatte. Es geht ja auch gar nicht, denn Aventurien hat nunmal eine andere Gesamt-Geschichte, hat real existierende Götter und damit wahre, mögliche und falsche Religionen, Magie, große Drachen und sowas, Nichtmenschenvölker, etc pp
Ich fände es auch gar nicht sinnvoll, sowas zu versuchen.
Es geht doch um inspirierende Vorlagen für Fantasy-Rollenspiel-Abenteuer. Wenn's nebenbei inneraventurisch stimmig ist, umso besser. Da auch noch eine akkurate Kopie einer irdischen Kultur reinzuwursteln wird eher nicht klappen.

Es hat zB anscheinend mal jemand versucht, einzuführen, die Güldenländer hätten Pferde mitgebracht, und damit die damals pferdelosen Tulamiden überrollt wie die Conquistadores in Mexiko. Dem standen aber die Elfenpferde aus der Phileasson-Kampagne entgegen, und die Orkponys. Also ging das nicht. Sowas muss man immer beachten. (Kamele jetzt mal völlig außen vor.)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen.
Abgesehen von dem Buchtitel "Durchs wilde Mhanadistan" wüsste ich keinen Bezug zu Kurden. Das Reiterspiel Buskurdh beruht auf einem, das in Afghanistan, aber auch weiter in Zentralasien verbreitet ist. Die Namen sind teils aus den bereits vorher bekannten tulamidischen abgeleitet, teils afghanisch oder allgemein indo-iranisch.
Die Technik ist steinzeitlich, HerrIngerimmNochmal. Das als Bezug auf konservative Afghanen zu nehmen ist schon mittelschwer weit hergeholt. Die irdische Bronzezeit begann übrigens mW in einer Mine in Tadjikistan.
Die Magie ist schamanistisch, da mag man auch an zentralasiatische Traditionen (Mongolen, Turkvölker) denken, aber vor allem ist es halt der aventurische Schamanismus, so wie er regeltechnisch und vom magischen Hintergrund gesetzt wurde.
Einiges ist aus den Kulturen der Tulamiden und Novadis rückgeschlossen, die ja alle irgendwie von so einer Art Ferkinas abstammen. ZB haben die Ferkinas die gleichen Bestattungssitten wie die Novadis.
Beim gehämmerten Flussgold und der Teppichkunst mag man an Skythen denken.
Die wilden Horden von Rascha-Anbeterinnen sind griechischen Mänaden nachempfunden.
Die dunklen Filzzelte kommen von tibetischen Nomaden, genauso wie die Grunzochsen/Yaks. Und die Schädelhaufen mit den wehenden Kopftüchern der Erschlagenen auf Passhöhen dürfen auch gerne an diese Steinhaufen mit Gebetsfahnen erinnern, die sie in Tibet, Nepal und da so haben. :)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen.
Zu den Vorlagen zählt mW die Kurzgeschichtenserie Freistatt. Ansonsten natürlich alles, was sich aus Setzungen über Tulamiden allgemein und die aventurische Geschichte ergibt.
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wieder: Die allgemeine tulamidische Kultur ist immer als Grundstock zu beachten, und Anleihen woandersher sind immer nur möglich, wo sie der nicht widersprechen. Samarkand als Wüstenstadt an der Seidenstraße: definitiv nein, Thalusa ist ja eine Küstenstadt. Kleidung und Schiffbau haben möglicherweise einige leichte Anklänge an Bengalen und Indochina. Der permanente Zustand der Hungersnot bei den Tagelöhnern, während zugleich Großgrundbesitzer Reis-Überschüsse für gutes Geld exportieren, folgt mW historischen Vorlagen zB aus Bangladesh.

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu".
Die Thorwaler hatten schon in der DSA2 Spielhilfe Thorwal&Seefahrt einen vom mittelreichischen Zwölfgötterglauben stark abweichenden Glauben vor allem an Swafnir und Ifirn, während Rondra und Efferd nicht als Personen sondern Naturgewalten betrachtet wurden, und einige Götter eher unbekannt waren.

Bei den Tulamiden muss man berücksichtigen, dass Hela-Horas versucht hat, die Kultur auszulöschen, und die Priesterkaiser später haben nochmal ihr Bestes getan, vorherige religiöse Strömungen abzustellen.
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- Alrik der Ältere

Denderajida_von_Tuzak
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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 10:51

zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... also dem Ort, wo im Hochmittelalter Perser, Araber, Türken/Osmanen, Mongolen, Armenier, oströmisches Reich und westeuropäische Kreuzfahrer (fast alle eher in Kleinstaaten organisiert) aufeinandertrafen, und davor die alten Siedlungen (Stadtstaaten) von Sumerern, Babyloniern, Hethitern, Phöniziern u.s.w. lagen.

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.


Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.


Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 15.07.2019 17:30

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...
Mittelalterliche Araber aus den kulturellen Zentren; die ursprünglichen Araber von der Arabischen Halbinsel sind ja bis ins 20. Jahrhundert hinein Beduinen geblieben; insofern passt es schon (es gibt zwar auch bei den Novadis kulturelle Zentren, aber Unau und Mherwed sind halt beim besten Willen kein Gegenstück zu den von den dir genannten Städten - nicht mal im aventurischen Maßstab).
Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.
Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht.
Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Ich bin ja immer noch für Ostasien.

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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 20:27

Ostasien (Phillipinen/Indonesien) hätte ich eher für Maraskan reserviert.

Auch auf der arabischen Halbinsel gab es kulturelle Zentren (Mekka/Medina, Aden, Taizz, Muscat, ...


@Shirwan: Die Licht-Dunkelheit-Geschichte aus dem Zoroastrismus könnte in den Lowanger Dualismus (vor allem in Nostria und im Svellt'schen beheimatet) eingeflossen sein.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.07.2019 21:39

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... .

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Die Fläche des heutigen Irans ist 5 mal so groß wie Deutschland. die des alten Persiens noch deutlich größer. Du hast viele verschiedene Vegetationszonen von fast tropischen Zonen, über Steppe, Gebirge, ausgedehnte Wälder und (Salz-)Wüste. Kulturell und selbst sprachlich liegen bspw. zwischen einem Gilani, Azari und einem Khorasani Welten. Prinzipiell könntest du die meisten Gebiete der Tulamiden im Iran einordnen (bei den Küstenregionen gäbe es tatsächlich nur die Bandari). Aber dennoch gebe ich dir recht, ich würde regional sowas um den fruchtbaren Halbmond herum sehen. Bitte bedenke, dass dort historisch gesehen lange Zeit die kulturellen Zentren der Perser lagen (Bagdad ist eine abbasidische Gründung und von der Etymologie her iranisch und vorher war auch Ktesiphon die Hauptstadt der Sassaniden dort).

Den Raschtulswall als Kaukasus zu sehen find ich charmant, sozusagen als Wiege der Menschheit, ich könnte mir sogar vorstellen, dass das so gedacht war. Dann würden die Ferkina-Kaukasen auch gut dorthin passen. Gefällt mir!
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.
Ja, konsequenterweise hast du recht! Ich wehre mich aber innerlich stark dagegen, weil das so konträr zur Realität ist. Praios kannst du fast 1:1 mit Mithras mit Abstrichen mit Ormazd gleichsetzen. Auch dieser Individualismusgedanke des Phex passt nicht so wirklich zur orientalischen Kultur. Nach meinem Empfinden hat familiärer Zusammenhalt und das Wohl der Gemeinschaft im Orient einen höheren Stellenwert (mit allen Vor- und Nachteilen). Man sieht sich mehr als Teil einer Gemeinschaft, fast wie bei den Norbarden (auch wenn dass dann wieder das Extrem darstellt). Viele kulturelle Traditionen (Nohrus, Sofrehe aghd etc.), Sprichwörter, Aberglauben, ja selbst die Verwendung von Metaphern und Worten an sich beruhen auf der starken Symbolik von Licht und Feuer. Man verbaut sich dadurch mehr als das man passendes gibt. Selbst im heutigen Iran, beginnt das Jahr mit dem heidnischen Nohrus, die Monatsnamen tragen die Namen der Erzheiligen der Parsen etc. Mein Versuch war es Praios zumindest auf einen annehmbaren, verehrbaren Stand zu heben. Klar entspricht das nicht einmal annähernd der offiziellen Satzung, aber für mir erleichtert das Anleihen aus der Realität nach DSA zu adaptieren und bereichert so mein Rollenspiel (und ich würde sagen auch das derjenigen die mit mir spielen). Phex als Hauptgottheit suggeriert bei mir andere, nach meinem Empfinden größtenteils falsche, Assoziationen.
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).
Es gibt mehrere "Schöpfungsgeschichten". Die der Avesta und die aus dem Shahnameh (sehr kurz) kenn ich jetzt recht gut. Da wird das Motiv des Gefallenen eigentlich gerne verwendet. Auch dass sich Aspekte höherer Wesenheiten in Kindern vereinigen ist jetzt nicht unüblich.
Ja, Efferd ist schwierig. DSA gibt Bal Mhanad vor (der ist ja auch bei mir als Sohn drin). Im alten Persien, war das Wasser mit Heilwirkung verbunden und wurde mit Frauen assoziert (Anahita ist die bekannteste Göttin in diesem Kontext). Deswegen habe ich aus Bal Mhanads Mutter Satuaria gemacht, die meines Erachtens gut dahin passt. Inneraventurisch hast du natürlich recht.
Ich wüsste gar nicht ob das Meer von den Persern verehrt wurde. Die Perser selbst waren ja auch nie große Seefahrer. Da aber bei DSA die Tulamiden eine lange Küste haben und trotz Bastrabuns angeblichen Verbot ja Seefahrt betreiben, braucht es wohl einen Meeresgott. Erzdämonen in der "heutigen" Zeit direkt zu verehren finde ich schwierig, wenn auch nicht unmöglich.
Zum Bösewicht hatte ich oben schon was geschrieben, das bleibt bei mir drin :). Der Namenlose und Pyrdacor sind bei mir übrigens schon stark zusammen gewachsen und als Vater und Sohn bereits drin (entspricht ja sogar ein wenig der inneraventurischen Realität). Drachen und Echsenhafte (siehe Zahak) wurden (wie vielerorts) tatsächlich in Persien mit dem Urbösen verbunden.

Wegen Prrsss (oder wie immer man das auch schreibt :lol:!) bin ich mir gar nicht sicher, ob die Urtulamiden das mit den Echsen verbinden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine die Prrsss Priester wurden von den anderen Echsen-Geweihten/Priestern schon vor dem intensiven "Kontakt" mit den Urtulamiden verdrängt.

Wegen Lowanger Dualismus: Das ist mir ehrlich gesagt zu weit weg.

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