R162: Rabenbund

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Thallion
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Thallion » 06.12.2017 14:23

Dieser Thread dient zur Diskussion der Inhalte des im Dezember 2017 erschienenen Romans Rabenbund von Heike Wolf.

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Rabenbund

Vielleicht hast du Erfahrungen mit diesem Roman gemacht, die du mit anderen Usern teilen möchtest, hast Fragen oder Meinungen zum Buch. Dieser Thread ist zur Sammlung dieser Informationen und Themen gedacht.

Darüber hinaus kann man in diesem Thread den Roman auch bewerten, um so eine grobe Orientierungshilfe für andere Leser zu bieten.

Bitte nur dann abstimmen, wenn du den Roman kennst!

Teerschwäntzer
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Teerschwäntzer » 23.12.2017 09:24

Ich fand Al´Anfa schon immer faszinierend und empfinde die Situation zwischen faktischer Stärke der Stadt und seiner Garden, dem an Wahnsinn grenzenden Machtanspruch der Granden, sowie deren Coolness, gegenüber der Umsetzung im Setting immer als Zumutung. Was liegt nun näher als von einer kleinen Romanserie zu erwarten, dass nun endlich mal etwas Großes passiert. Zumal im Klappentext ja auch ausdrücklich der Schwarze General und sein Feldzug als erstes Element genannt werden. Vielleicht zeigt ein von Boron beseelter Patriarch ja mal mittels seines Generals allen Anrainern wo beim Raben der Hammer hängt. Vielleicht erfährt man auch was denn die Eroberung des nichtigen Kemireiches überhaupt brächte. Sitzen die auf älteren Geheimnissen? Vielleicht bringt so ein Al´Anfa Roman ja eine tolle Vorlage für ein durchdachtes Intrigenspiel. Eine Sache, die ich am Spieltisch immer kaum glaubwürdig darstellen kann.
Wer Ähnliches wie ich von dem Roman erwartet, sollte die Finger davon lassen!
Oderin wartet. Der Patriarch ist lange ratlos, am Ende will er wieder Machtmensch sein und schickt die Armee in See. Was hätte man schön den Leser ob einer kryptischen Vision Borons ins Grübeln bringen können, naja. Die Granden sind allesamt eher Intriganten im Praktikum. Bis auf die Emporkömmlinge –die auch genau so dargestellt werden- weiß da keiner zu gefallen. Die Rebellen sind halt irgendwie rebellisch, aber bleiben doch die ganze Zeit in Ihrem Unterschlupf außerhalb der Stadt. Es passiert also genau genommen gar nichts.
Was es allerdings reichlich gibt ist eine homophile Geschichte auf mittlerem Pilcherniveau. Die Liebe/Zerstreuung in diversen Spielarten ist ja eher ein spannender Aspekt von Al´Anfa. Aber ein Grande, der sich zu einer niedergestellten Person hingezogen fühlt und sich entscheidet zwischen seinen Pflichten und dem Ruf des Herzens? Das ist weder spannend noch in irgendeiner Form neu erfunden. Bin echt gespannt, ob so etwas mehrheitsfähig ist.
Sprachlich hat der Roman Licht und Schatten. Allerdings wird dem Leser die schiere Größe dieser Stadt beim Lesen gar nicht bewusst. Der Staatsstreich läuft dann auch eher wie die Übernahme einer Mittelstadt ab.
Meine Bewertung gebe ich irgendwann später ab, aber keiner sollte diese Bände lesen, weil er/sie Al´Anfa rocken sehen will. Wem seichte Unterhaltung vor dem Hintergrund Meridianas „ausreicht“ wird vermutlich glücklich werden.

Engor
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Engor » 23.12.2017 19:18

Ich glaube, der Eindruck hängt auch mit der jeweiligen Erwartungshaltung zusammen. Ich hatte die Ankündigungen schon im Vorfeld so verstanden, dass der Feldzug nur Hintergrundthema sein wird und eigentlich für die Rollenspielkampagne reserviert sein wird. Von daher habe ich tatsächlich eher das Intrigenspiel hinter den Kulissen erwartet, das dann hier auch stattfindet.
MeinEindruck von Rabenbund ist aber auch, dass hier das Tempo viel langsamer aufkommt, als ich es nach dem 1. Teil vermutet hätte, einfach weil zu viele Figuren zu zögerlich handeln (Amir, Amato) und Said weiterhin grenzenlos naiv agiert und die angedeutete Rebellion ebenfalls etwas merkwürdig organisiert ist mit einem großen Verschwörernest vor der Stadt, in dem zhnächst sehr wenig passiert. Mit der zweiten Romanhälfte war ich dafür sehr zufrieden, wenn die Fäden endlich zusammenlaufen. Ich habe das Ganze auch ein wenig so verstanden, dass die Figurenebene deshalb im Vordergrund steht, damit man ein vertieftes Verständnis für die Figuren entwickelt, mit denen man später in der Kampagne als NSCs interagieren wird.
Meine ausfühlicheren Eindrücke finden sich hier: https://engorsdereblick.wordpress.com/2 ... rabenbund/

Von Grundsatz her finde ich die Idee der Verbindung von Romanen als Vorspiel mit einer folgenden Abenteuerkampagne gut, ich bin z.B. wirklich sehr gespannt, was denn jetzt der Feldzug bringen wird.
Zuletzt geändert von Engor am 23.12.2017 21:36, insgesamt 1-mal geändert.

Heike Wolf
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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 23.12.2017 21:23

Engor hat geschrieben:
23.12.2017 19:18
Ich glaube, der Eindruck hängt auch mit der jeweiligen Erwartungshaltung zusammen. Ich hatte die Ankündigungen schon im Vorfeld so verstanden, dass der Feldzug nur Hintergrundthema sein wird und eigentlich für die Rollenspielkampagne reserviert sein wird. Von daher habe ich tatsächlich eher das Intrigenspiel hinter den Kulissen erwartet,dass dann hier auch stattfindet.
(...)
Ich habe das Ganze auch ein wenig so verstanden, dass die Figurenebene deshalb im Vordergrund steht, damit man ein vertieftes Verständnis für die Figuren entwickelt.
Genau so ist es. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es nach "Rabenblut" eine ganze Reihe neuer NSCs gibt, die bislang überhaupt nicht thematisiert wurden.

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Sumaro
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 01.01.2018 09:58

Also ich muss gestehen, dass ich nicht objektiv an die Sache herangehen kann. Ich freue mich z.B. daran, dass Amato endlich jemanden gefunden hat und dann auch noch den Sohn von Bonareth. Und es gefällt mir sehr, wie Rezzan Zornbrecht und Shantalla Karinor dargestellt werden. Ebenso wie Oderin und letztlich auch Amir. Hätte man Dinge besser machen können, ganz bestimmt, aber ich bin jetzt schon ein Fan von Paligan und Bonareth und habe alles geliefert bekommen, was ich mir für Al'Anfa nach dem Wegfall von Irschan und Aurelian erhofft hatte. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und bin inspiriert damit zu arbeiten.

Ich bin mir sicher, dass die eigentliche Kampagne nicht dazu aufleben wird, aber allein schon Said (geläutert und an seinem Scheitern gewachsen) und Amato (der begreif, dass er am stärksten ist wenn er seinem Herzen folgt) entschädigen für manche Holprigkeit die woanders auftritt. Zumindest für mich. Gute Geschichte. 4 Punkte.
Sumaros kleine Schreibstube: Eure Ideen in Worte gefasst. Schaut rein!

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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 01.01.2018 17:19

Ein frohes Neues Jahr erst einmal!
Und vielen Dank, dass ihr euch mit den Rabenromanen beschäftigt und etwas dazu schreibt. Ich lese Rückmeldungen mit Interesse - auch in Hinblick darauf, was man bei weiteren Publikationen anders/ besser machen könnte, wo es knirscht, oder was gut ankommt und gefällt.

Ich freue mich daher sehr, dass Said und Amato für dich funktionieren, @ Sumaro. Ich selbst bin gespannt, wie sie sich weiterentwickeln. Sie sind ja doch sehr unterschiedlich ;) Auch dass dir Shantalla und Rezzan gefallen, freut mich. Shantalla hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht, und sie ist für mich zur meinem persönlichen Liebling in dem Buch geworden. Du schreibst aber auch von Holprigkeiten. Wo treten die deiner Meinung nach auf? Mich interessiert das schon sehr, weil ich, wie gesagt, Kritik durchaus wahrnehme und mir durch den Kopf gehen lasse, um in ZUkunft mögliche Holprigkeiten zu vermeiden. Außerdem rede ich gerne über die Bücher und Al'Anfa sowieso. :censored:

Aus dem gleichen Grund würde ich mich sehr für Beispiele interessieren, woran du, @ Teerschwäntzer, die "Intriganten im Praktikum" festmachst. Für Emilia kann ich das sehr gut verstehen, für Said sowieso, aber für eine Shantalla oder einen Brotos fällt es mir schwer, es nachzuvollziehen. Der Rest ist sicher Geschmacksache. Gleichgeschlechtliche Liebesgeschichten gefallen halt nicht jedem Leser, und wenn man den Feldzug erwartet hat, und "nur" Intrigen bekommt, kann ich natürlich gut verstehen, dass man enttäuscht ist. Wahrscheinlich sind meine Romane, bzw. mein Al'Anfa-Bild auch einfach nichts für deinen Geschmack. Das tut mir dann leid. Wobei mir gerade wegen des Al'Anfa-Bilds Beispiele für deine Kritik interessieren würden. Ich will ja nicht vollkommen an dem vorbeischreiben, was erwartet wird (wenn ich denn weiter Al'Anfa-Sachen schreiben sollte :)).

Ich mag deine Rezensionen sehr, @ Engor, weil sie sich intensiv mit den Figuren auseinandersetzen (deren Ausgestaltung mir bei den beiden Romanen sehr wichtig war). Es tut mir ein wenig leid, dass du das Tempo der ersten Hälfte von Rabenbund als zu verhalten empfunden hast. Ich habe es so gemacht, weil ich der Meinung war, dass Said die Zeit braucht und die Entwicklungen aus "Rabenerbe" alleine nicht ausreichen, um ihn weiterzubringen (und überdies noch viele Stränge offen waren), und da meine Testleser nicht Protest geschrien haben, ist es dann auch so in die Druckfassung eingegangen.

Ich freue mich jedenfalls über die Rückmeldungen und Besprechungen. Und wie gesagt, über Al'Anfa rede ich eh immer gerne :)

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Sumaro
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 01.01.2018 20:11

Rabenbund und RabenerbeAnzeigen
Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 17:19
Ich freue mich daher sehr, dass Said und Amato für dich funktionieren, @ Sumaro. Ich selbst bin gespannt, wie sie sich weiterentwickeln. Sie sind ja doch sehr unterschiedlich ;) Auch dass dir Shantalla und Rezzan gefallen, freut mich. Shantalla hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht, und sie ist für mich zur meinem persönlichen Liebling in dem Buch geworden.
Also ich würde sagen, dass die beiden hervorragend funktionieren können und hoffe auch, dass sie es tun. Denn ich glaube zwar, dass Said ein Heldenauftraggeber oder -begleiter sein wird, in der Kampagne (hallo Special-Forces, das springt einem ja beinahe ins Gesicht), aber gerade weil sie unterschiedlich sind, aber eben keine typischen Granden, weil sie sich unter solchen Umständen kennengelernt haben und weil Amato einfach mal Glück haben sollte, wird das bestimmt funktionieren. Für mich jedenfalls funktionieren sie hervorragend zusammen und ich bin auch froh, dass sie so viel Zeit in deinen Romanen bekommen haben (auch wenn es gefühlt ewig dauert, bis es endlich funkt!!!!). ;)

Shantalla finde ich auch ziemlich großartig geworden. Endlich blickt man mal hinter die Fassade der hübschen, aber angeblich dummen Karinor und weil ich sie schon immer so ähnlich dargestellt habe wie du und es auch sehr cool fand ihre Sichtweise zu lesen (warum sie mit Freundlichkeit agiert und wieso sie für sich und ihr Haus diese Methode und diesen Weg wählt, aber auch wie sie sich aus den Schwierigkeiten wieder herauswindet), denke ich, dass dieser Part sehr gelungen ist.

Rezzan, obwohl und vielleicht gerade weil er keine eigene Sichtweise bekommen hat, wirkt auf mich endlich mal wie ein Zornbrecht, mit dem ich wirklich arbeiten kann. Ich war nach Narebs Abgang (den ich nicht sonderlich schick fand, zumindest in der Art und Weise) sehr skeptisch und Rezzan kam aus dem Nichts, aber er bringt das Zornbrecht-Flair mit rein und hat offenbar auch noch machtpolitisches Geschick. Gefällt mir sehr, gerade weil er sich von niemandem was bieten lässt, selbst nicht von Oderin. Er ist da wirklich ein Löwe.

Oderin selbst und auch Amir bleiben im Rahmen der Romane natürlich ein wenig blasser. Und Amir hat ehrlich gesagt viel zu viel Zeit mit Trauern, Nachdenken und Untätigkeit verbracht. Das ist mMn auch eines der größeren Probleme. Es fehlt Zeit und Seiten an allen Ecken und Enden. Manche Passagen müssen ganz gekürzt werden und bringen dann die Zeitleiste sprunghaft voran, was verständlich ist, nicht alles ist spannend, viele Dinge passieren eben im Off, aber man hätte vielleicht versuchen können die Entwicklung weniger in diesen Zeitraum von einem Monat zu packen und stattdessen für manche Figuren einfach mehr Zeit vergehen lassen können, in dem man weiter zurückgreift. Bis auf Esmeraldo scheinen nämlich alle irgendwie in den letzten Jahren irgendwie nichts erreicht zu haben und obwohl das natürlich genauso ist, outgame betrachtet, wäre hier die Möglichkeit gewesen es anders anzugehen.

Die Verschwörung von Brotos Paligan z.B. bleibt in der Tat sehr hinter ihrem Potential zurück, sie wird auch nicht erklärt sondern wirkt einfach die ganze Zeit über zu klein skaliert. Da verschwört sich jemand von seinem Kaliber, aber die einzigen Spieler die nachher wirklich was reißen sind Esmeraldo und Shantalla und das sind die beiden, die am wenigsten von der Verschwörung selbst erhofft hatten. Der Drahtzieher selbst bleibt schlicht und ergreifend blass und wird dann einfach entsorgt. Schön fand ich, dass dadurch Said und Amato überhaupt eine Chance hatten zusammen zu finden und auch ihre Stellung zu behaupten, aber es war eben doch schon mehr Kulisse als wirklich Aktion. Es wird niemals konkret was die Verschwörer für Mittel haben, wieso einzelne Leute ihnen folgen, was man sich verspricht und wer darin wie und wann verwickelt wurde. Dieser Part steht hinter der persönlichen Entwicklung der NSC eben deutlich zurück. Stört mich nicht so sehr, ist aber schon eine Schwäche des Buches. Also zu wenig Zeit vergeht, um all die Dinge anzustoßen, es ist nur eine weitere Momentaufnahme aus dem Leben von Figuren, die teilweise nach eigener Aussage seit 10 Jahren irgendwie das gleiche machen und das eigentliche große Topic, die Verschwörung die Al'Anfa bedroht, bleibt blass und auf einem Niveau, bei dem man sich wirklich fragen muss, wie hätte das Ding erst ohne Esmeraldo funktionieren sollen und wie kompetent sind die Leute eigentlich?
Zuletzt geändert von Sumaro am 01.01.2018 21:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Heike Wolf
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 01.01.2018 21:00

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Sumaro hat geschrieben:
01.01.2018 20:11
Also ich würde sagen, dass die beiden hervorragend funktionieren können und hoffe auch, dass sie es tun. Denn ich glaube zwar, dass Said ein Heldenauftraggeber oder -begleiter sein wird, in der Kampagne (hallo Special-Forces, das springt einem ja beinahe ins Gesicht), aber gerade weil sie unterschiedlich sind, aber eben keine typischen Granden, weil sie sich unter solchen Umständen kennengelernt haben und weil Amato einfach mal Glück haben sollte, wird das bestimmt funktionieren. Für mich jedenfalls funktionieren sie hervorragend zusammen und ich bin auch froh, dass sie so viel Zeit in deinen Romanen bekommen haben (auch wenn es gefühlt ewig dauert, bis es endlich funkt!!!!). ;)
Gerade bei Said musste es dauern. Der konnte nicht sofort Amato in die Arme fallen ;)
Rezzan, obwohl und vielleicht gerade weil er keine eigene Sichtweise bekommen hat, wirkt auf mich endlich mal wie ein Zornbrecht, mit dem ich wirklich arbeiten kann. Ich war nach Narebs Abgang (den ich nicht sonderlich schick fand, zumindest in der Art und Weise) sehr skeptisch und Rezzan kam aus dem Nichts, aber er bringt das Zornbrecht-Flair mit rein und hat offenbar auch noch machtpolitisches Geschick. Gefällt mir sehr, gerade weil er sich von niemandem was bieten lässt, selbst nicht von Oderin. Er ist da wirklich ein Löwe.
Wunderbar, genau das wollte ich für den Char :) Ich mag ihn auch - und ich bin froh, dass ich hier Zeit und Platz hatte, ihm ein wenig Profil zu geben.
Oderin selbst und auch Amir bleiben im Rahmen der Romane natürlich ein wenig blasser. Und Amir hat ehrlich gesagt viel zu viel Zeit mit Trauern, Nachdenken und Untätigkeit verbracht. Das ist mMn auch eines der größeren Probleme. Es fehlt Zeit und Seiten an allen Ecken und Enden. Manche Passagen müssen ganz gekürzt werden und bringen dann die Zeitleiste sprunghaft voran, was verständlich ist, nicht alles ist spannend, viele Dinge passieren eben im Off, aber man hätte vielleicht versuchen können die Entwicklung weniger in diesen Zeitraum von einem Monat zu packen und stattdessen für manche Figuren einfach mehr Zeit vergehen lassen können, in dem man weiter zurückgreift. Bis auf Esmeraldo scheinen nämlich alle irgendwie in den letzten Jahren irgendwie nichts erreicht zu haben und obwohl das natürlich genauso ist, outgame betrachtet, wäre hier die Möglichkeit gewesen es anders anzugehen.
Hm, das ist m.E. vor allem ein Problem, das mit der langen Zeit des Stillstands seit Rabenblut zu tun hat. Seitdem hat ja niemand Al'Anfa mehr angefasst, und daher sind viele Figuren auf dem Stand von damals stehengeblieben und festgefroren. Das fällt bei einem Charakter wie Amir, der zuletzt aus diversen Gründen eher passiv war, stärker auf als bei einer Shantalla, die ihr Ding in der Zwischenzeit einfach weiter durchgezogen hat. Mein Gedanke war, Amir hier aus dieser langen Phase der Sinn- und Rabensuche herauszureißen und wieder zu einer aktiven Person zu machen (warum er so lange untätig war, wird ja thematisiert - ein Hochgeweihter, der bei seinem Gott keine Antworten mehr findet, hat ja einen guten Grund, an sich zu zweifeln und sich in der Sinnsuche vorübergehend zu verlieren). Das hätte ich unschön gefunden, wenn das ausschließlich im Off nebenbei geschehen wäre. Der Gedanke, den Roman früher anzusetzen, klingt zwar an sich sinnvoll, um die Zeit, in der nichts geschehen ist, nachträglich mit Geschehen zu füllen, hätte der Geschichte dramaturgisch aber nicht gut getan, da so etwas einige größere Zeitsprünge erfordert hätte, was den Plot auseinandergerissen und am Ende unverhältnismäßig verdichtet hätte. Will sagen, damit wäre kein in sich stimmiger Spannungsbogen möglich gewesen. Wo ich dir ganz sicher recht gebe, das sind die Seiten - ich hätte gerne noch mehr gehabt. Für Hintergründe, für Amir (auch und vor allem im ersten Teil - da hatte ich erst mehr angedacht, habe es aber aus Platzgründen gestrichen), aber auch für Brotos und seine Leute. Letztendlich haben DSA-Romane das Limit (eigentlich) 360 Seiten. Ich habe bei beiden Romanen schon überzogen, hätte aber für beide noch gut 100 Seiten mehr Story parat gehabt, die aus Platzgründen weichen mussten. Die Szenen, die jetzt drin sind, empfand ich als wichtig für die Charakterentwicklung - und Amir hat ganz bewusst dann seinen Schwerpunkt in Band 2 bekommen. Der Fokus der Handlung liegt auf Said und Amato und deren Entwicklung (jeder für sich und auch miteinander).
Ich habe ja schon anderswo mal geschrieben, dass ich darüber nachgrübel, wie man so lange Phasen des Stillstands in Zukunft vermeiden kann, aber das liegt letztendlich bei Ulisses und dem dort möglichen Output (und der - recht flott - fortlaufenden Geschichtsschreibung in einem RP-System). Ob und wie weit ich das in Zukunft weiterschreiben werde, kann ich ja auch noch nicht sagen. Oder ob sich jemand anderes findet, der sich Al'Anfas annehmen will.
Die Verschwörung von Brotos Paligan z.B. bleibt in der Tat sehr hinter ihrem Potential zurück, sie wird auch nicht erklärt sondern wirkt einfach die ganze Zeit über zu klein skaliert. Da verschwört sich jemand von seinem Kaliber, aber die einzigen Spieler die nachher wirklich was reißen sind Esmeraldo und Shantalla und das sind die beiden, die am wenigsten von der Verschwörung selbst erhofft hatten. Der Drahtzieher selbst bleibt schlicht und ergreifend blass und wird dann einfach entsorgt. Schön fand ich, dass dadurch Said und Amato überhaupt eine Chance hatten zusammen zu finden und auch ihre Stellung zu behaupten, aber es war eben doch schon mehr Kulisse als wirklich Aktion. Es wird niemals konkret was die Verschwörer für Mittel haben, wieso einzelne Leute ihnen folgen, was man sich verspricht und wer darin wie und wann verwickelt wurde. Dieser Part steht hinter der persönlichen Entwicklung der NSC eben deutlich zurück. Stört mich nicht so sehr, ist aber schon eine Schwäche des Buches. Also zu wenig Zeit vergeht, um all die Dinge anzustoßen, es ist nur eine weitere Momentaufnahme aus dem Leben von Figuren, die teilweise nach eigener Aussage seit 10 Jahren irgendwie das gleiche machen und das eigentliche große Topic, die Verschwörung die Al'Anfa bedroht, bleibt blass und auf einem Niveau, bei dem man sich wirklich fragen muss, wie hätte das Ding erst ohne Esmeraldo funktionieren sollen und wie kompetent sind die Leute eigentlich?
Kompetent - teils, teils. Da sind eine Menge Pflaumen dabei, aber auch durchaus fähige. Du hast aber durchaus recht, dass mehr fähige Spieler hätten herausgestellt werden können. Brotos Paligan ist ja seit der erste Al'Anfa-Spielhilfe von 1994 Amirs Nemesis und der "ich will Patriarch werden anstelle des Patriarchen"-Char. Ich ging davon aus, dass sich die Motive der Leute, die da mitmachen, aus der Handlung ergeben - Granden, die von einem neuen, starken Rat der Zwölf ohne Oderin träumen, Boroni, die Amir für schwach und zaudernd halten, Militärs, deren Loyalität zu Oderin schwindet, je länger sie dort draußen vor der Stadt liegen und Oderin sich mit den Granden und Politik herumschlägt, anstatt seine Leute ins Feld zu führen. Ebenso die Mittel, schließlich stehen etliche Granden und Militärs dahinter. Aber die Verschwörung wäre etwas gewesen, was bei mehr Seiten sicher auch mehr Raum bekommen hätte.

Macht es eigentlich Sinn, Teile der Texte hier hinter Spoilermasken zu legen?
Zuletzt geändert von Heike Wolf am 02.01.2018 01:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Sumaro
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 01.01.2018 21:16

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Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 21:00
Gerade bei Said musste es dauern. Der konnte nicht sofort Amato in die Arme fallen ;)
Ja, das war auch nicht ganz ernst gemeint.^^ Ich fand die Entwicklung ziemlich gelungen. Zu Amato (schon wegen dem Namen) passte das natürlich hervorragend. Ich bin auch froh pber den Fokus der beiden. Ich hatte vorher mal geschrieben, dass ich mir für Al'Anfa sowas wie Irschan und Amir wünschen würde, nur mit mehr Spotlight. Tada, ich habe jetzt Aurelian und Amir in jung. Passt doch perfekt. *g*
Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 21:00
Das fällt bei einem Charakter wie Amir, der zuletzt aus diversen Gründen eher passiv war, stärker auf als bei einer Shantalla, die ihr Ding in der Zwischenzeit einfach weiter durchgezogen hat. Mein Gedanke war, Amir hier aus dieser langen Phase der Sinn- und Rabensuche herauszureißen und wieder zu einer aktiven Person zu machen (warum er so lange untätig war, wird ja thematisiert - ein Hochgeweihter, der bei seinem Gott keine Antworten mehr findet, hat ja einen guten Grund, an sich zu zweifeln und sich in der Sinnsuche vorübergehend zu verlieren). Das hätte ich unschön gefunden, wenn das ausschließlich im Off nebenbei geschehen wäre.
Damit hast du auch vollkommen recht, es sollte schon erfahrbar sein. Aber gerade darum hätte ich die Romane vielleicht anders gegliedert. Amirs Untätigkeit ist nämlich, mMn, ein überstrapaziertes Thema. Er ist nun mal ein Patriarch und hat jetzt effektiv seit 10 Jahren nichts mehr gerissen. Das mag für andere Kirchenoberhäupter auch durchaus in Ordnung sein, weil sie eben nicht drinstecken in politischen Umstürzen, aber hier ist es eben besonders greifbar. Und ich denke eben auch, dass selbst ein Patriarch eben nicht nur Antworten bei seinem Gott sucht. Sondern das die Antworten seines Gottes selten sein sollten. Bei einer Sache wie dem Boronszug auf jeden Fall, da passt das, aber eben nicht beim alltäglichen Geschehen. Wirklich aufgearbeitet wurde dann die Sache mit Irschan auch nicht. Was auch dem Platz geschuldet ist, das ist natürlich klar. Aber es sind eben so viele Lücken geblieben und ich hätte mir einfach gewünscht, dass da mehr Zeit gewesen wäre.
Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 21:00
Der Gedanke, den Roman früher anzusetzen, klingt zwar an sich sinnvoll, um die Zeit, in der nichts geschehen ist, nachträglich mit Geschehen zu füllen, hätte der Geschichte dramaturgisch aber nicht gut getan, da so etwas einige größere Zeitsprünge erfordert hätte, was den Plot auseinandergerissen und am Ende unverhältnismäßig verdichtet hätte.
Das ist ein absoluter valider Einwand. Vielleicht hätte man aus dem ersten Roman eher ein Jahr in Al'Anfa machen können und dann bei dem zweiten die Handlung zum Heereszug überleiten können, aber es gibt einfach zu viele Figuren, zu viele Baustellen und mit zwei Büchern schlicht zu wenig Zeit und Platz. Ich verstehe das, empfinde es aber als bedauerlichen Umstand, der eben auch ein wenig an der Geschichte zehrt.
Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 21:00
Ich habe ja schon anderswo mal geschrieben, dass ich darüber nachgrübel, wie man so lange Phasen des Stillstands in Zukunft vermeiden kann, aber das liegt letztendlich bei Ulisses und dem dort möglichen Output (und der - recht flott - fortlaufenden Geschichtsschreibung in einem RP-System). Ob und wie weit ich das in Zukunft weiterschreiben werde, kann ich ja auch noch nicht sagen. Oder ob sich jemand anderes findet, der sich Al'Anfas annehmen will.
Ich glaube, dass sie sich nicht vermeiden lassen. Dafür fehlen letztlich die Mitarbeiter und die Mittel, um Aventurien so lebendig zu gestalten, wie man es gerne machen würde. Aktuell kenne ich auch nicht die Handhabe mit der vorgegangen wird, aber ich würde z.B. einfach mal ein aventurisches Jahr zu zwei irdischen Jahren machen, dann verschafft man sich Luft. Oder man muss einfach Entwicklungen anzeichnen (und dann aber auch konsequent verfolgen). Im Reich des Horas ist sowas skizziert, die Entwicklung von 1036 BF bis 1040 BF ist quasi im Groben festgeschrieben. Gleiches könnte man auch für Al'Anfa machen.
Heike Wolf hat geschrieben:
01.01.2018 21:00
Brotos Paligan ist ja seit der erste Al'Anfa-Spielhilfe von 1994 Amirs Nemesis und der "ich will Patriarch werden anstelle des Patriarchen"-Char. Ich ging davon aus, dass sich die Motive der Leute, die da mitmachen, aus der Handlung ergeben - Granden, die von einem neuen, starken Rat der Zwölf ohne Oderin träumen, Boroni, die Amir für schwach und zaudernd halten, Militärs, deren Loyalität zu Oderin schwindet, je länger sie dort draußen vor der Stadt liegen und Oderin sich mit den Granden und Politik herumschlägt, anstatt seine Leute ins Feld zu führen. Ebenso die Mittel, schließlich stehen etliche Granden und Militärs dahinter. Aber die Verschwörung wäre etwas gewesen, was bei mehr Seiten sicher auch mehr Raum bekommen hätte.
Ja, ich selbst kann mir viele Zusammenhänge zusammenreimen oder auch ausdenken, nur eigentlich ist Brotos der "Schurke" der Geschichte und seine Motive sind klar, aber eben seine Mittel nicht. Die werden auch nur durch Worte, aber nicht durch Aktionen in Erscheinung gebracht. Auch die anderen Grandenhäuser werden nur per Namen erwähnt, aber eben nicht fühlbar gemacht. Es ist vielleicht auch unfair, das von diesen Büchern zu erwarten. Das Problem ist eben, bewege ich ganz Al'Anfa, dann muss ich auch ganz Al'Anfa berücksichtigen. Bewege ich nur zwei bis fünf Parteien, kann ich das viel besser filtern. Aber hier ist ja die gesamte Stadt betroffen und zwar sehr nachhaltig, was die NSC-Riege betrifft.

Ich bin persönlich schon sehr versöhnt, aber eben auch nicht wirklich objektiv, weil ich die Geschichte schon wegen Amato (meinem Lieblingsgranden) verschlungen habe. Und ich wünschte mir eigentlich mindestens noch zwei Romane mehr dazu, bzw. würde auch selbst daran schreiben, wenn auch vermutlich mit einem deutlich engeren Fokus und vermutlich erst wenn auch raus ist, wie jetzt der Krieg verlaufen wird (die Kampagne dazu wird ja vermutlich zeitnah folgen).
Und ja, ich lege jetzt mal alles hinter Spoiler xD
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Heike Wolf
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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 02.01.2018 00:51

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Damit hast du auch vollkommen recht, es sollte schon erfahrbar sein. Aber gerade darum hätte ich die Romane vielleicht anders gegliedert. Amirs Untätigkeit ist nämlich, mMn, ein überstrapaziertes Thema. Er ist nun mal ein Patriarch und hat jetzt effektiv seit 10 Jahren nichts mehr gerissen. Das mag für andere Kirchenoberhäupter auch durchaus in Ordnung sein, weil sie eben nicht drinstecken in politischen Umstürzen, aber hier ist es eben besonders greifbar. Und ich denke eben auch, dass selbst ein Patriarch eben nicht nur Antworten bei seinem Gott sucht. Sondern das die Antworten seines Gottes selten sein sollten. Bei einer Sache wie dem Boronszug auf jeden Fall, da passt das, aber eben nicht beim alltäglichen Geschehen.
Letztendlich hängt da die Vorahnung des Sternenfalls mit drin. Dass etwas geschieht, aber Amir es nicht fassen kann. Dass er seit Rabenblut aktiv nichts mehr gemacht hat, liegt ja, wie gesagt, auch an der OOC-Publikationsflaute. Eine ganz andere Sache ist für mich Amir Honak als Person, und das prägt vielleicht auch mein Bild des Patriarchen - Amir ist (fast) von Anfang an gemeinsam mit Irschan aufgetreten. Irschan war der Meisterintrigant des Tiefen Südens, und noch in der ersten Spielhilfe wird ihm "Ich weiß, was gut für Euch ist" in den Mund gelegt (ich hoffe, ich zitiere jetzt hier aus dem Kopf nicht falsch ;) ). Auch die Alleinherrschaft ist nichts, was Amir schließlich ganz alleine erreicht hat, sondern wobei Irschan kräftig mitgemischt hat. Amir ist ein kraftvoller Patriarch nach außen hin, ein starker, kräftiger Mann, jähzornig und jemand, der auch mal klare Worte findet. Aber zusammen mit Irschan, und selbst da gibt es als verbriefte Ereignisse nur die Erweiterung der Schwarzen Allianz und die Alleinherrschaft. Und im Vergleich zu seinen Vorfahren Bal und Tar Honak ist er bemerkenswert ... unerfolgreich. Unter seiner Herrschaft hat Al'Anfa nur aufs Maul bekommen (und (!) der Stab des Vergessenes ging verloren). Er hat die Granden längst nicht so im Griff wie ein Tar Honak oder gar ein Bal; es wird explizit gesagt, dass er die Ausstrahlung seiner Vorfahren nicht habe - im Gegensatz zu Amira, die ihrem Urgroßvater nachkomme ("düstere Aura"). Ich sehe in ihm bei Weitem nicht den starken, politisch stets aktiven Patriarchen - vor allem nicht alleine ohne Irschan. Deshalb finde ich auch die Inaktivität nach Rabenblut nicht für tragisch - da steckt er halt wirklich in einer Krise, und er ist eben bislang kein Bal Honak, der über all dem steht. Und dann kommt zur der persönlichen Tragödie auch noch Borons Schweigen. Wenn so etwas länger vorhält, sehe ich da schon einen guten Grund für einen Patriarchen wie Amir zu zweifeln und Borons Nähe zu suchen.Für mich wäre es unpassend gewesen, wenn er das alles gleich wieder abgeschüttelt und weitergemacht hätte, als sei nichts geschehen ("lief ja alles bestens bislang, keine Fehler und ... Moment, da lief ne Menge Mist? Ach, der Stab ist weg? Wir haben unter meiner Herrschaft so viel eingesteckt wie sonst über Jahrhunderte? Ja mei, kann schon mal passieren ... damit habe ich doch nichts zu schaffen!") Sicher sollte das ursprünglich nicht so lange sein, wie es aufgrund der langen Publikationspause nun geschehen, aber ich halte eine Katharsis für Amir wichtig, um ihn zu dem Patriarchen werden zu lassen, der auch ohne Irschan neben (oder besser über) Oderin Al'Anfa führen kann. Das kann er jetzt sein. Und wird er hoffentlich auch.

Wirklich aufgearbeitet wurde dann die Sache mit Irschan auch nicht.
Nein. Bewusst nicht. Ansonsten hätte Amir noch mehr Trauer- und Jammerszenen. Das muss m.E. auch nicht weiter aufgearbeitet werden. Er geht damit (zumindest in meiner Deutung im Roman) damit um, indem er es nicht bewusst versucht aufzuarbeiten. Abschließen kann er es ja letztendlich endlich, aber eben auch, weil er sich selbst und seinen Zugang zu Boron wiedergefunden hat.

Ich glaube, dass sie sich nicht vermeiden lassen. Dafür fehlen letztlich die Mitarbeiter und die Mittel, um Aventurien so lebendig zu gestalten, wie man es gerne machen würde. Aktuell kenne ich auch nicht die Handhabe mit der vorgegangen wird, aber ich würde z.B. einfach mal ein aventurisches Jahr zu zwei irdischen Jahren machen, dann verschafft man sich Luft. Oder man muss einfach Entwicklungen anzeichnen (und dann aber auch konsequent verfolgen). Im Reich des Horas ist sowas skizziert, die Entwicklung von 1036 BF bis 1040 BF ist quasi im Groben festgeschrieben. Gleiches könnte man auch für Al'Anfa machen.
Ich glaube nicht, dass man so etwas wie bei der Horasreich-RSH noch mal machen wird, weil es die Redaktion bindet, ohne dass sie wissen, was in drei+x Jahren sein wird. Was nicht heißen soll, dass ich das nicht sinnvoll fände. Inzwischen hat sich ja der AB von der Zeitrechnung gelöst und berichtet eher themengebunden (wie bei Nostria und Andergast), aber das löst das Problem letztendlich auch nicht, weil man bei Regionen wie Al'Anfa, bei denen lange nichts geschrieben wurde, dann sehr weit zurück müsste, um Geschehnisse rückzudatieren, während man anderswo zeitlich schon viel weiter ist. Ich glaube nicht, dass man an diesen Schrauben noch viel drehen kann.
Ja, ich selbst kann mir viele Zusammenhänge zusammenreimen oder auch ausdenken, nur eigentlich ist Brotos der "Schurke" der Geschichte und seine Motive sind klar, aber eben seine Mittel nicht. Die werden auch nur durch Worte, aber nicht durch Aktionen in Erscheinung gebracht. Auch die anderen Grandenhäuser werden nur per Namen erwähnt, aber eben nicht fühlbar gemacht. Es ist vielleicht auch unfair, das von diesen Büchern zu erwarten. Das Problem ist eben, bewege ich ganz Al'Anfa, dann muss ich auch ganz Al'Anfa berücksichtigen. Bewege ich nur zwei bis fünf Parteien, kann ich das viel besser filtern. Aber hier ist ja die gesamte Stadt betroffen und zwar sehr nachhaltig, was die NSC-Riege betrifft.
Jup, deshalb kann der Fokus nur bei einer begrenzten Zahl von Figuren liegen - oder man schafft ein Personengemenge, durch das nur noch eingefleischte Fans durchblicken. Das ist ohnehin ein Problem an DSA-Romanen allgemein - sie sollen (und darauf wird sehr geachtet) für den Nicht-DSAler gut lesbar und verständlich sein. Das bedeutet aber bei einem so komplexen Thema wie al'anfanische Intrigen, dass man klare Schwerpunkte setzen muss und anderes reduzieren oder weglassen. Das verengt das Bild sicher, und für den Hardcorefan, der sich bestens auskennt, fehlt dann natürlich dieser oder jener, der auch noch eine Rolle hätte spielen können oder soll. Oder Hintergründe, die für den Nicht_DSAler zu viel geworden wären, weil an der Stelle die Funktion der Figur ausreicht und der Fokus wo anders liegt. Das ist ein Balanceakt, und je mehr ich hier lese und mir auch Bewertungen ansehe, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass er in einer Stadt wie Al'Anfa kaum zu schaffen ist. Es sei denn, man verabschiedet sich wieder von dem Konzept, Bücher veröffentlichen zu wollen, die auch außerhalb des Fandoms funktionieren. Ich kann ja jeden verstehen, der sagt, ihm fehle dieses oder jenes. Vielleicht sollte man Romane in Städten wie Al'Anfa, Vinsalt oder Gareth doch lieber ausschließlich mit überschaubaren Plots ausstatten, die auch ohne Kenntnis der gesamten Machtelite und -struktur funktionieren. Das würde dann nur bedeuten, dass die ganz großen politischen Storys in Botenartikeln (im Fallen von Al'Anfa vermutlich -notizen) abgehandelt werden (müssen).
Hm. :grübeln:
Ich bin persönlich schon sehr versöhnt, aber eben auch nicht wirklich objektiv, weil ich die Geschichte schon wegen Amato (meinem Lieblingsgranden) verschlungen habe. Und ich wünschte mir eigentlich mindestens noch zwei Romane mehr dazu, bzw. würde auch selbst daran schreiben, wenn auch vermutlich mit einem deutlich engeren Fokus und vermutlich erst wenn auch raus ist, wie jetzt der Krieg verlaufen wird (die Kampagne dazu wird ja vermutlich zeitnah folgen).
Was heißt nicht objektiv. Keine Bewertung ist wirklich objektiv :) Es gibt für jeden Gründe, ein Buch zu mögen oder nicht zu mögen, und das halte ich für vollkommen legitim. Ich finde den Herrn der Ringe über Strecken furchtbar langatmig, und dennoch liebe ich ihn. Und mag Terry Pratchett überhaupt nicht, weil ich keine zwei Bücher von ihm lesen kann, ohne hochgradig genervt zu sein. Daher - freue ich mich sehr, dass ich dich mit Amato versöhnen konnte :) Ansonsten schreib doch einfach was zu den beiden! Als Roman oder als Kurzgeschichte fürs Skriptorium ... wobei mit Ulisses und dem neuen Label von Werner Fuchs ja auch zukünftig weiter DSA-Romane veröffentlicht werden. :)

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Ungelesener Beitrag von Sumaro » 02.01.2018 07:41

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Heike Wolf hat geschrieben:
02.01.2018 00:51
Sicher sollte das ursprünglich nicht so lange sein, wie es aufgrund der langen Publikationspause nun geschehen, aber ich halte eine Katharsis für Amir wichtig, um ihn zu dem Patriarchen werden zu lassen, der auch ohne Irschan neben (oder besser über) Oderin Al'Anfa führen kann. Das kann er jetzt sein. Und wird er hoffentlich auch.
Da sind wir uns einig. Dass der Schritt notwendig gewesen ist, ist vollkommen klar. Nur das Zeitfenster ist enorm und das Boron schweigt eben auch keine so große Neuigkeit. Ich selbst habe Amir zwar ebenfalls nicht als den Alleinherrscher gesehen, aber er ist eben doch ein Mann mit enormer Macht, der Nähe zu seinem Gott und Führungsverantwortung und eben mit einer anderen, aber nicht weniger intensiven Aura als seine Vorfahren. Ich war eigentlich auch immer froh, dass er eben nicht Bal Honak oder Tar Honak war, sondern seinen eigenen Weg hatte mit den Dingen umzugehen. Ich beschäftige mich aktuell sehr mit seiner Figur, weil ich in einem neu gestalteten Aventurien in unserer Runde die Drachenchronik und den Khomkrieg verbinde und Amir dabei eine große Rolle spielt als Ansprechpartner und Begleiter der SC (aber in seinen jungen Jahren), weswegen ich mir eben genau darüber Gedanken mache, wie die Figur ohne Irschan an seiner Seite agiert und welche Rolle er für sich einnehmen würde. Die Publikationsstarre hat natürlich in der Tat nicht gut getan und eigentlich hat Amir ja auch Erfolge vorzuweisen mit dem erfolgreichen Einzug nach Uthuria und der "Befreiung" von Sylla und Charypso.
Von daher, ich suche keinen Patriarchen der über allem steht und die Fehler ignoriert. Ich suche nach einem Patriarchen, der nicht durch Götternähe aufgibt der Mann zu sein, der er ist. Ist aber vermutlich auch zu viel Anspruch für ein paar Szenen im Buch und auch den Umständen geschuldet, dass seine Entwicklung sprunghaft vonstatten geht. Das Problem liegt ja bereits in Rabenblut wo er auch nicht agiert.
Heike Wolf hat geschrieben:
02.01.2018 00:51
Ich glaube nicht, dass man so etwas wie bei der Horasreich-RSH noch mal machen wird, weil es die Redaktion bindet, ohne dass sie wissen, was in drei+x Jahren sein wird. Was nicht heißen soll, dass ich das nicht sinnvoll fände.
Tja, irgendeinen Tod muss man sterben und Al'Anfa wird dann vermutlich immer den gleichen sterben. Den 10 Jahre im jeweiligen Status Quo festzusitzen. Das gilt ja auch für alle anderen Regionen in denen wirklich lange nichts passiert. MMn sollte man sich eben schon auf ein paar Jahre in zumindest groben Eckpunkten festlegen, was man mit einer Region machen will. Und im Zweifel dann das "nächste große Ding" da zünden, wo es nicht im Widerspruch steht.
Heike Wolf hat geschrieben:
02.01.2018 00:51
Das bedeutet aber bei einem so komplexen Thema wie al'anfanische Intrigen, dass man klare Schwerpunkte setzen muss und anderes reduzieren oder weglassen. Das verengt das Bild sicher, und für den Hardcorefan, der sich bestens auskennt, fehlt dann natürlich dieser oder jener, der auch noch eine Rolle hätte spielen können oder soll. Oder Hintergründe, die für den Nicht_DSAler zu viel geworden wären, weil an der Stelle die Funktion der Figur ausreicht und der Fokus wo anders liegt.
Deswegen meine ich ja, dass hier einfach der Antagonist mit seiner Perspektive fehlt. Denn wie du schon sagtest, man kann über Brotos und seine Motive und Vorgehensweisen nur etwas wissen, wenn man eingefleischter DSA-Fan ist. Und so gerne ich auch von Esmeraldo und Inion gelesen habe, ich denke ein Teil der Zeit wäre dann vielleicht gut bei ihm aufgehoben gewesen, denn eigentlich ist er ja der Urheber der Situation und der Strippenzieher. Und dafür bleibt er zu blass und die Intrige für einen Nicht-DSAler eben recht unzugänglich. Man muss schon viel über Al'Anfa wissen und verstehen, um überhaupt nachvollziehen zu können, wie der Mann an seine Ressourcen kommt, wie man die Unzufriedenen so sammeln konnte usw. usf..
Das ist mMn eine der Schwächen der Bücher, auch wenn ich es für nicht so relevant halte, wegen offensichtlicher Gründe.^^
Heike Wolf hat geschrieben:
02.01.2018 00:51
Daher - freue ich mich sehr, dass ich dich mit Amato versöhnen konnte Ansonsten schreib doch einfach was zu den beiden! Als Roman oder als Kurzgeschichte fürs Skriptorium ... wobei mit Ulisses und dem neuen Label von Werner Fuchs ja auch zukünftig weiter DSA-Romane veröffentlicht werden.
Ja, du hast mich mehr als mit ihm versöhnen können. Die Hälfte der Zeit war ich nämlich vonihm schon gelinde genervt, weil ich immer dachte "Junge, jetzt reiß dich am Riemen!" und dann legt er auch endlich mal los. Und auch mit Said als Figur hat mich die gesamte Entwicklung versöhnt. Ich bin also positiv gestimmt was den Flair angeht. Nur kann ich schlechterdings noch nichts zu den beiden schreiben, wenn ich nicht weiß, ob sie von offizieller Seite den Feldzug überleben werden. xD
Bei Said ist das ja zumindest noch auf der Kippe. Und was einen DSA-Roman betrifft, ich denke nicht, dass ich da einen Fuß in die Tür bekomme. Aber vielleicht mache ich ja wirklich mal was fürs Scriptorium. Oder eben hier übers Forum.
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Re: R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Teerschwäntzer » 02.01.2018 11:19

Liebe Heike Wolf, schön, dass Du Dich hier dem Forum stellst. Gerne antworte ich auf deine Frage die in meinen Augen eher mau geratenen Granden betreffend. Wenn ich Intrigant im Praktikum schreibe, dann ist das natürlich bewusst polemisch. Der Roman hat mir nicht gefallen und meine Erwartung an das Thema auch komplett verfehlt. Ich hoffe, mich insgesamt nicht im Ton vergriffen zu haben. Bin selber kein Literat und äußere meine Eindrücke einfach nur ehrlich.
Zu den Granden: es sollen ja neue Figuren für die aufziehenden Veränderungen in Stellung gebracht werden. Nun ist es aber so, dass ich bei Lektüre des Romans ich nicht ein einziges Mal gedacht habe, „was für eine Granate. Von dem/der will ich noch mehr lesen.“ Im Einzelnen mal, wie die Figuren bei mir angekommen sind:
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Amato – Verliebter Gockel, der gleich in mehreren seiner Kapitel Said hinterherschmachtet. Abgeschmackte Idee, mehrfach wiederholt, kein Gewinn. Er wird zum Gewinner der Geschichte. Hat er dies aber durch Einsatz seiner besonderen intellektuellen Fähigkeiten oder der Nähe zu Marbo erreicht? Nein, er stellt sich dem Widersacher mit der Waffe entgegen, scheitert damit kläglich und andere machen es dann für ihn. Kein Like dafür.

Said hat keinen Tiefgang durch die vielen Textzeilen seine Person betreffend bekommen. Ein praktisch Halbmaraskaner kann so viel verschrobener, tragischer und witziger sein. Welche Ziele hat sein Vater mit dieser Ausbildung gehabt? Seine naive Vorgehensweise haben ja andere auch schon angesprochen. Sein Ende mit Emilia betreffend, sehe ich auch nicht, inwiefern das für ihn selbst befriedigend sein soll. Seine Widersacherin kann eventuell noch über Jahre weitermachen. Wenn es sie dann trifft, geht es schnell und sie weiß nicht einmal, dass es seine Rache ist.

Emilia ist reichlich fies und sonst gar nichts. Boshaftigkeit ohne Intelligenz ist allerdings wenig interessant. Mit dieser Unzulänglichkeit bleibt sie im Praktikantenstatus.

Gilia soll ja eigentlich viel kompetenter sein. Nur warum hat sie dann nicht längst ihrer Tochter einen eigenen Protegé vor die Nase gesetzt? Und sei es nur als Ansporn.

Shantalla windet sich in der Tat elegant durch die Geschichte. Nur was hat sie überhaupt in eine Verschwörung einschließlich eines heiligen Eides getrieben? Um bei diesen Entwicklungen dabei zu sein, hätte doch ein Newcomer aus ihrem Hause gereicht. Ohne eigenes Risiko und die Fäden doch fest in der Hand. Stattdessen sollen die alten Machtverhältnisse wieder hergestellt werden. Shantalla hat aber jetzt schon Macht, wie die Posse mit den zurückgehaltenen Schiffen ja zeigt. Im letzten Moment dann setzt sie wiederum auf Verrat. Eigentlich musste man zu diesem Zeitpunkt mit einem Erfolg der Granden rechnen. Wüsste man um ihre Motivation, dann würden ihre Entscheidungen wohl auch Sinn ergeben. Sie wurde meines Wissens auch nie als Dummchen präsentiert. Den Fehler haben wohl nur Nareb und Goldo in der Vergangenheit gemacht. Hätte Shantalla durch ihre eigene Initiative das Haus Paligan deutlich zurechtgestutzt, dann könnte man echt sagen, Respekt.

Brotos ist wirklich komplett armselig. Sumaro hat ja auch schon geschrieben, dass Brotos das Handeln anderen überlässt, aber selbst aufsteigen will. Das ist nun wirklich kindisch. Er sichert sich auch null innerhalb seiner Verschwörung ab. Mit den Ressourcen des Tempels und seiner Kenntnisse als Priester könnte er doch viel mehr Kontrolle ausüben und Schrecken unter seinen Mitstreitern verbreiten.

Rezzan hat eine gewisse Coolness, hat hier aber keine Aktien drin.

Goldo ist natürlich eine einzige Enttäuschung. Die Ereignisse sind aus dem Ruder gelaufen und das ist für den Leser auch vollkommen klar. Er ist als Blender entmystifiziert, schade eigentlich.

Amir erhält gleich in mehreren Anläufen keine Weisung von oben. Soweit ok, aber das brauche ich doch nicht mehrfach zu lesen. Was dann die Weisung von Boron ist, erfährt man auch nicht. Dem Kriegszug dann doch seinen Segen zu geben ist am Ende nicht gerade ein Knaller. Hinzu kommt, dass die Vision erst erscheint nachdem Blut geopfert wird. Nicht unbedingt typisch für Boron, aber vielleicht wird ja der alanfaner Kult gerade auf Abwege geführt. Da liefert Deine Geschichte keine Ansätze zur Spekulation.

Esmeraldo gibt den Unsympathen, der sich selbst überschätzt und fertig. Das genügt als Schwungrad in einer interessanten Eingangssituation, macht aber für sich noch keine schöne Geschichte.

Keine der Figuren strebt ein interessantes Ziel an. „Mehr Macht“ ist fade und fühlt sich genauso an wie „weiter atmen können“.
Ich hatte gehofft, die große Soap wird hier ein Stück weitergeschrieben. Es passiert aber nüchtern betrachtet wenig bis gar nichts. Ich bin so ehrlich, zuzugeben, dass mir auch die eine oder andere Andeutung im Roman entgangen ist. Ändert aber nichts am Eindruck bei mir und die Lust bestimmte Kapitel noch einmal ganz genau zu lesen ist auch eher gering.
Nur der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass mir nicht die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe sauer aufstößt, sondern die Tatsache, dass es sich im Wesentlichen um eine Liebesgeschichte handelt. So etwas kaufe ich außerhalb von DSA nicht und will es auch nicht als Fantasyroman verpackt lesen.

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Re: R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 02.01.2018 12:39

@Teerschwäntzer
Ich glaube, wenn ich nicht viel Spaß an der Geschichte um Amato und Said gehabt hätte (die man natürlich auch anders hätte angehen können), dann wären mir auch viele deiner Kritikpunkte aufgestoßen, bzw. ich sehe sie eben auch als Schwäche, sie fallen aber für mich nicht so ins Gewicht, wie sie es sonst vielleicht würden.
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Amato könnte mit dem Marbo-Topic deutlich mehr machen, da stimme ich dir zu. Aber ich habe auch immer die Sorge, dass so ein Thema diese Figur dann komplett einnimmt und mir fehlte eigentlich das was er geworden war, nachdem er das erste Mal eingeführt wurde. Wie gesagt, er hatte da sehr starke Szenen in Sand und Blut aber auch später. Ich bin schon froh, dass er jetzt einen Attentäter hat, der auf sich selbst achten kann und Amato dadurch frei wird seine Gaben endlich einzusetzen. Denn das Thema des Mannes, der die Dinge mit dem Herzen erreicht finde ich für Al'Anfa als gar nicht abgenutzt. Aber es wird hier leider kaum bedient, da gebe ich dir Recht.

Said hätte man mehr draus machen können, aber gerade das maraskanische würde ich eben nicht noch weiter mit reinnehmen. Das finde ich ganz gut, auch wie er sich entwickelt und das ihm das Talent genau dafür fehlt und er eben ein ausgebildeter Attentäter ist. Ich finde dann eher den Aufbau der Rebellion um ihn herum ein wenig fraglich.

Aber diesen beiden verzeihe ich eben doch einiges, weil sie mir mit ihrer Romanze sympathisch sind.

Emilia ist in der Tat einfach nur böse, schließt aber damit echt gut an das verzogene Gör an, als das sie schon immer erzogen wurde. Sie ist dabei aber mMn nicht wirklich dumm, sie ist einfach ignorant. Denn sie durchschaut ja durchaus wie einige Dinge funktionieren, sie spielt nur nicht mit und hat zugleich nicht das Standing eines Zornbrecht.

Ihre Mutter hat leider irgendwie nicht mehr als Zickenterror in der Hinterhand gehabt. Da wäre eine solide Konkurrenz sogar eine sehr gute Idee gewesen. Das gefällt mir. Vielleicht bringe ich sowas mal ein, wenn ich Al'Anfa in der aktuellen Zeit bespiele.

Die Frage um Shantalla kann man mMn gut stellen, wenn man allerdings bedenkt wer Brotos Paligan ist (und das die Sache mit den Schiffen essentiell für die Verschwörer ist), dann würde ich eigentlich davon ausgehen, dass Brotos sie mit ins Boot genommen hat und auch entsprechend locken sollte. Aber da sich die Perspektive Schattenherrscherin von Al'Anfa zu werden in der Tat erst später mit Esmeraldo ergibt, ist die Frage nach dem "Wieso" jetzt wirklich berechtigt. Aus reiner Neugierde, wie sie selbst beschreibt, ist nicht die beste Motivation für jemanden in ihrer Position, die dadurch ebenso viel zu verlieren wie zu gewinnen hat.

Brotos gehe ich mit dir konform. Es fehlt einfach zu viel, um ihn in Szene zu setzen und seine Verschwörung ins rechte Licht zu rücken. Und rein regeltechnisch könnten die beiden Geweihten, Amir aber auch Brotos ganz anderen Kram reißen. Wobei nach DSA5 auch vielleicht nicht mehr, das habe ich nicht so auf dem Schirm.

Bei Rezzan gehen wir konform, ich finde der kommt gut an. Was bei einem neuen Zornbrecht eben nicht selbstverständlich ist.

Bei Goldo sehe ich nicht zwangsweise die Entzauberung, sondern Goldo kann sich zum einen Fehler erlauben, zum anderen hat er ja wirklich nur auf das falsche Pferd gesetzt wenn sich Amato distanziert, was jetzt nicht passiert ist (aber ich endlich mal angebracht fände).

Die Prophezeiung von Amir und seine Vision fehlt mir auch. Ich habe die Vision aber nicht auf das Blut bezogen sondern auf Rabenfeder (übrigens eigentlich eine Klinge, die nicht verheilende Wunden schlagen soll und boronheilig ist => gerade mit Visra und Wudu im Hintergrund ist das ja nicht so unüblich Blutopfer zu bringen) und damit seine neue Einstellung.

Esmeraldo finde ich gar nicht unsympathisch sondern sehe ihn eben als reinen Machtmenschen und dann eine Spielfigur, die von vielen anderen angespielt und versucht ausgenutzt zu werden und damit bricht er dann irgendwann auch und fällt über seine eigene Ambition. Ich finde diese Figur gelungen dargestellt und auch mit genug Zeit und Liebe.

Ich finde auch nicht, dass unbedingt die Ziele das interessante sein müssen, sondern die Herangehensweise ist hier wichtiger. Ich finde es schön von offizieller Seite mal Shantalla zu erleben, ihre Motive für diese Politik. Und es gibt ja auch Leute, die nicht für Macht kämpfen, sondern für ihre Selbstverwirklichung (Amato).
Von daher, ja, ganz nüchtern betrachtet fehlt es bei einigen Erzählsträngen an Zeit und Aufwand. Für mich fallen die in diesem Fall weniger ins Gewicht. Bei der eigentlichen Kampagne hingegen werde ich da vermutlich viel kritischer sein.
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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 02.01.2018 13:26

Huhu Teerschwäntzer! Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Und ich sehe nun, woran es hakt - und dass du in der Tat einige Andeutungen überlesen hast, die für das Verständnis der Figuren wichtig wären. Ich mag es nicht, mit der Bratpfanne Motivationen aufzutischen, daher steht das Eine oder Andere eher subtil zwischen den Zeilen. Aber vielleicht kann ich da für Aufklärung sorgen, ohne dass du noch einmal nachlesen musst :)
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Amato – Verliebter Gockel, der gleich in mehreren seiner Kapitel Said hinterherschmachtet. Abgeschmackte Idee, mehrfach wiederholt, kein Gewinn. Er wird zum Gewinner der Geschichte. Hat er dies aber durch Einsatz seiner besonderen intellektuellen Fähigkeiten oder der Nähe zu Marbo erreicht? Nein, er stellt sich dem Widersacher mit der Waffe entgegen, scheitert damit kläglich und andere machen es dann für ihn. Kein Like dafür.
Amato hat am Ende Erfolg, weil er nicht länger versucht, etwas zu sein, was er nicht ist. Und endlich aufhört, nach der Pfeife anderer zu tanzen, und stattdessen seinen eigenen Weg geht. Im Grunde emanzipiert er sich bis zu einem gewissen Grad - oder erkennt, dass er am stärksten ist, wenn er seinem Herzen folgt (wie Sumaro es passend formuliert hat). Amato ist eine recht alte Figur, die von Anfang an Potential für Großes hatte (und bereits in der Vergangenheit unverhofft Mut bewiesen hat), aber mit sich selbst nicht im Reinen war. Schon in Rabengeflüster springt er ja in die Arena, um Reto zu retten, bleibt aber auf Abstand, weil er Angst hat, dass eine emotionale Bindung ihn angreifbar macht - und bleibt damit alleine und unglücklich in einer Welt, die er eigentlich verabscheut. Das überwindet er jetzt endlich. Oder macht zumindest den ersten Schritt dahin.
Said hat keinen Tiefgang durch die vielen Textzeilen seine Person betreffend bekommen. Ein praktisch Halbmaraskaner kann so viel verschrobener, tragischer und witziger sein. Welche Ziele hat sein Vater mit dieser Ausbildung gehabt? Seine naive Vorgehensweise haben ja andere auch schon angesprochen. Sein Ende mit Emilia betreffend, sehe ich auch nicht, inwiefern das für ihn selbst befriedigend sein soll. Seine Widersacherin kann eventuell noch über Jahre weitermachen. Wenn es sie dann trifft, geht es schnell und sie weiß nicht einmal, dass es seine Rache ist.
Aurelians Ziele werden erwähnt - einen loyalen Assassinen, den er mit der Hoffnung auf ein Erbe bedingslos loyal halten kann. Naiv ist er natürlich - er ist kein Grande und hat keine Ahnung, wie es auf dem Silberberg läuft. Daher muss er erst scheitern und auf die Nase fallen, um daraus zu lernen - und auch zu lernen, dass er noch viel zu lernen hat ;) Ähnlich wie Aurelian ist er sehr rachsüchtig, und das Schlangengift ist so ziemlich das Mieseste, was man jemandem antun kann. Das ist kein schneller, plötzlicher Tod, sondern ein schmerzhaftes Vergehen über lange Zeit hinweg, ohne Hoffnung auf Heilung. Die Zeit bis zu Emilias endgültigem Tod ist für ihn nicht ungefährlich, aber das Risiko geht er ein, wenn er dafür mitansehen kann, wie sie unter Schmerzen dahinvegitiert.
Emilia ist reichlich fies und sonst gar nichts. Boshaftigkeit ohne Intelligenz ist allerdings wenig interessant. Mit dieser Unzulänglichkeit bleibt sie im Praktikantenstatus.
Jup. Vollkommen richtig. Aber es gibt halt nicht nur gewiefte Granden, sondern auch tumbe. Emilia wäre vielleicht mit anderen Voraussetzungen besser geworden. Da ihr in ihrem Leben nie jemand was beigebracht hat, bzw. ihr Subtilität nahegebracht hat, ist sie das geworden, was sie ist - grausam, verspielt, mit einigen Lichtblicken, aber zu plump, um mit einer Shantalla mitzuhalten.
Gilia soll ja eigentlich viel kompetenter sein. Nur warum hat sie dann nicht längst ihrer Tochter einen eigenen Protegé vor die Nase gesetzt? Und sei es nur als Ansporn.
Gilia hat Mann und Sohn verloren und unter den Ereignissen in Rabenblut daher massiv gelitten. Emilia ist ihre einzige Tochter, und Gilia verhält sich entsprechend wie eine Löwenmutter - sie beschützt Emilia mit allen Mitteln und verklärt sie bis ins Irrationale, anstatt ihr Einhalt zu gebieten oder wenigstens Grenzen aufzuzeigen. Das ist nicht klug, sicher nicht. Aber menschlich.
Shantalla windet sich in der Tat elegant durch die Geschichte. Nur was hat sie überhaupt in eine Verschwörung einschließlich eines heiligen Eides getrieben? Um bei diesen Entwicklungen dabei zu sein, hätte doch ein Newcomer aus ihrem Hause gereicht. Ohne eigenes Risiko und die Fäden doch fest in der Hand. Stattdessen sollen die alten Machtverhältnisse wieder hergestellt werden. Shantalla hat aber jetzt schon Macht, wie die Posse mit den zurückgehaltenen Schiffen ja zeigt. Im letzten Moment dann setzt sie wiederum auf Verrat. Eigentlich musste man zu diesem Zeitpunkt mit einem Erfolg der Granden rechnen. Wüsste man um ihre Motivation, dann würden ihre Entscheidungen wohl auch Sinn ergeben. Sie wurde meines Wissens auch nie als Dummchen präsentiert. Den Fehler haben wohl nur Nareb und Goldo in der Vergangenheit gemacht. Hätte Shantalla durch ihre eigene Initiative das Haus Paligan deutlich zurechtgestutzt, dann könnte man echt sagen, Respekt.
Shantalla wäre ziemlich blöd, wenn sie die Paligan zurechtstutzen wollte. Damit würde sie den Zornbrecht wieder Haus und Hof öffnen, und das lässt sie lieber mal bleiben. Shantalla setzt da auf ein Gleichgewicht der Kräfte, und da ihr Versuch, Esmeraldo für sich zu gewinnen, schiefgeht, sieht sie lieber zu, dass er scheitert, als dass das Duo Esmeraldo/ Brotos mit ihrem Putsch Erfolg haben. Ihre Motivation wird in ihren Überlegungen durchaus thematisiert - sie sieht, dass Esmeraldo sich ihrem Einfluss entzieht und mit Emilia anbandelt (weil Esmeraldo durchaus die Manipulation durch Shantalla mitbekommt und mit Emilia einen Gegenpol haben will). Dadurch, dass Emilia nun auch drin hängt, weiß sie, dass sie im Fall eines Erfolgs der Verschwörung nichts zu lachen hat, bzw. sich auf einen Machtkampf mit Emilia einlassen muss, die wahrscheinlich von Esmeraldo unterstützt wird (weil Esmeraldo ja vermutlich kein Interesse an einer geschickten Manipulatorin aka Shantalla neben sich hat). Also tut sie das, was sie exzellent kann - sie sorgt dafür, dass sie im richtigen Moment auf der Gewinnerseite steht, die nicht zuletzt durch ihre zeitige Warnung noch etwas unternehmen kann. Und zur Verschwörung - ein Newcomer bei einem so heiklen Thema ist immer ein Risiko. Andererseits will Shantalla alle Eisen im Feuer haben, um am Ende entscheiden zu können, welches geschmiedet werden soll. Das kann sie und das macht sie, um mit ihrem Haus am Ende gut oder sogar besser dazustehen als vorher. Und das ist ihr das Wichtigste - der Bestand des Hauses Karinor auf der Seite der Machthaber, mit entsprechendem Einfluss. Sie ist halt keine Zornbrecht oder Paligan, die die Vernichtung anderer Häuser als erstrebenswertes Ziel sieht.
Brotos ist wirklich komplett armselig. Sumaro hat ja auch schon geschrieben, dass Brotos das Handeln anderen überlässt, aber selbst aufsteigen will. Das ist nun wirklich kindisch. Er sichert sich auch null innerhalb seiner Verschwörung ab. Mit den Ressourcen des Tempels und seiner Kenntnisse als Priester könnte er doch viel mehr Kontrolle ausüben und Schrecken unter seinen Mitstreitern verbreiten.
Es gibt den Eidsegen. Zum Einen. Das ist nicht ohne. Eine plaudernde Grandessa wurde ja entsorgt, das reicht, um klar zu machen, dass die Verschwörung nichts ist, worüber man einfach so plaudert. Weiteren Schrecken unter den Mitstreitern zu verbreiten, halte ich für eine mäßig gute Idee, wenn man sie und ihre Ressourcen nutzen will (und die braucht er - das Gold der Granden). Auf der anderen Seite hintergeht er nahezu alle. Er verspricht den Granden einen neuen Rat der Zwölf und gewinnt sie damit für seine Sache (Ratssitzung in Rabenerbe). Esmeraldo macht er klar, dass er im Grunde kein Interesse daran hat, sich mit einem Haufen zankender Granden auseinanderzusetzen, sondern dass er eine Alleinherrschaft mit sich als Patriarch und Esmeraldo als Generalissimus anstrebt (Gespräch in den Tempelgärten in Rabenbund). Tatsächlich geht er noch einen Schritt weiter und bringt seine Nichte Boronita ins Spiel, die er Esmeraldo schmackhaft zu machen versucht - und um damit sein Erbe zu sichern (er ist ja auch nicht mehr der Jüngste). Damit nutzt er letztendlich auch Esmeraldo als Spielball und Erfüllungsgehilfen. Brotos ist kein "Harhar!"-schreiender Superschurke, sondern eine heimtückische Krähe, die andere für sich machen lässt. Seine Netze sind verzweigt - im Tempel und in der Stadt. Es hat schon seine Gründe, warum die Hand Borons nichts unternimmt und zu all dem schweigt (man stelle sich die Szene vor, dass ein Agent zu seinem Vorgesetzten kommt und ihm aufgeregt von Brotos' Plänen berichtet. Der Vorgesetzte bedankt sich, er werde es weiterleiten an den Patriarchen. Stattdessen sorgt er dafür, dass besagter Agent verschwindet und die Nachricht nie weitergeleitet wird - weil er längst Brotos' Mann ist (der hat ja auch hochrangiger und dienstalter Geweihter seine Verbindungen). Amir wiederrum hört von Amato von der Verschwörung und registriert, dass die Hand Borons ihn nicht gewarnt hat. Also weiß er, dass die Hand unterwandert wurde und dass er sich nicht mehr auf sie verlassen kann. Letzteres spricht er im Roman auch aus. Allerdings habe ich darauf verzichtet, Amir oder auch Brotos zum Erklärbären zu machen, weil es für den DSA-Kenner ersichtlich sein kann, was da im Hintergrund läuft, für die Haupthandlung aber irrelevant ist und für den Nicht-DSA-Kenner extrem verwirrend wäre. Daher die Entscheidung, ehe den offen agierenden Esmeraldo zum Antagonisten zu machen und ihn Amato gegenüberzustellen, während ich Brotos und Goldo eher als subtiler wirkende Kräfte in den Hintergrund gesetzt habe.
Goldo ist natürlich eine einzige Enttäuschung. Die Ereignisse sind aus dem Ruder gelaufen und das ist für den Leser auch vollkommen klar. Er ist als Blender entmystifiziert, schade eigentlich.
Goldo ist der großer Macher in dem Roman, auch wenn er kaum Handlung hat. Er will mehr direkten Einfluss auf die Machthaber Oderin und Amir, und er will langsam, aber sicher die Zukunft seines Hauses gesichert sehen. Amato ist dabei keine Bank, auf die er zuletzt vorbehaltlos setzen wollte. Deshalb bringt er Esmeraldo ins Spiel und spielt dabei ein Spiel mit doppeltem Boden (das er in der allerletzten Szene in Rabenbund dann auch erläutert): Für den Fall, dass Esmeraldo erfolgreich neben Oderin steht, hat Goldo einen Spielstein direkt an den Schaltstellen der Macht. Das ist der direkte Weg. Kann, muss aber nicht klappen. Und spätestens, als Brotos sich Esmeraldos annimmt, weiß Goldo auch, dass der direkte Weg keine Option mehr ist. Die zweite Option, die ebenso gut für ihn ausgeht, liegt darin, Amato über Esmeraldo zu reizen und ihn dazu zu zwingen, mehr Aktivität und Stärke zu zeigen, anstatt sich von Oderin herumschieben zu lassen. Das ist gelungen. Damit verbunden ist die von Goldo durchaus eingeplante Entwicklung, dass durch die Auseinandersetzung zwischen Amato und Esmeraldo und den Untergang Esmeraldos, der als Goldos Schützling galt, andere Granden nun das Gefühl haben, Amato unterstützen zu müssen, um Goldo zu schaden. Das kommt Goldo durchaus gelegen, da er seinerseits nicht in Personen, sondern an die Zukunft des Hauses Paligan denkt - und Amato ist ein Paligan. Er selbst wird sich also jetzt weiter um seine Orchideen kümmern und auf subtile Weise Amato weiterhin klar machen, dass er natürlich die Interessen seines Hauses vertreten wird, dessen Erbe er Amato in Aussicht stellt - für die Öffentlichkeit gegen Goldo, aber im Grunde in dessen Sinne. Bis Goldito alt genug ist, dass Goldo sehen kann, ob der Junge als Erbe taugt und man Amato irgendwann durch ihn ersetzen kann.
Amir erhält gleich in mehreren Anläufen keine Weisung von oben. Soweit ok, aber das brauche ich doch nicht mehrfach zu lesen. Was dann die Weisung von Boron ist, erfährt man auch nicht. Dem Kriegszug dann doch seinen Segen zu geben ist am Ende nicht gerade ein Knaller. Hinzu kommt, dass die Vision erst erscheint nachdem Blut geopfert wird. Nicht unbedingt typisch für Boron, aber vielleicht wird ja der alanfaner Kult gerade auf Abwege geführt. Da liefert Deine Geschichte keine Ansätze zur Spekulation.
Du spekulierst doch schon ;) Und ja, man muss nicht wissen, wie eine Weisung Borons im Detail aussieht. Das würde das m.E. sehr entmystifizieren.
Keine der Figuren strebt ein interessantes Ziel an. „Mehr Macht“ ist fade und fühlt sich genauso an wie „weiter atmen können“.
Dem wage ich zu widersprechen :) Aber deine Ausführungen haben mir zumindest deutlich gemacht, warum du das so empfindest. Ich denke tatsächlich, dass meine Romane und deine Erwartungen in Hinblick darauf, wie explizit Dinge ausgeführt werden, einfach auseinander gehen. Das ist schade, aber wie ich oben ja schon schrieb, muss nicht jedem alles gefallen. Ich hoffe trotzdem, dass ich einiges geraderücken und deutlich machen konnte :)
Ich hatte gehofft, die große Soap wird hier ein Stück weitergeschrieben. Es passiert aber nüchtern betrachtet wenig bis gar nichts. Ich bin so ehrlich, zuzugeben, dass mir auch die eine oder andere Andeutung im Roman entgangen ist. Ändert aber nichts am Eindruck bei mir und die Lust bestimmte Kapitel noch einmal ganz genau zu lesen ist auch eher gering.
Nur der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass mir nicht die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe sauer aufstößt, sondern die Tatsache, dass es sich im Wesentlichen um eine Liebesgeschichte handelt. So etwas kaufe ich außerhalb von DSA nicht und will es auch nicht als Fantasyroman verpackt lesen.
Eine Liebesgeschichte sehe ich hier als Nebenstrang, aber nicht als Hauptgeschichte. Im Grunde sogar zwei Liebesgeschichten, die Teil der Entwicklung der jeweiligen Figuren sind. Thema des Romans sind die Intrigen und die Stadt Al'Anfa :)

Ich bedauere es, dass der Roman an deinen Erwartungen vorbeiging. Und ich hoffe, dass meine Ausführungen hilfreich waren :)

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Ungelesener Beitrag von Teerschwäntzer » 02.01.2018 15:41

Hallo oder auch gerne Huhu liebe Heike Wolf,

danke dass Du Dir die Zeit für weitere Erklärungen nimmst. In der Tat fühlt sich Dein Al ´Anfa anders an als meines. Nicht zuletzt deswegen kriegst du mich mit Deinen Erläuterungen auch nicht wirklich mitgerissen. Die angesprochenen Andeutungen habe ich übrigens alle mitbekommen, aber ziehe daraus andere Schlüsse. Das ist auch gar nicht schlimm. Daher bitte nicht immer "bedauern" und "leid tun". Dazu sind Deine bisherigen literarischen Leistungen unbestritten zu gut vgl mit anonymen Postern im Forum.
Im Ergebnis bleibt dann das Grandenspiel nach deiner Lesart für mich irgendwie schon nachvollziehbar, aber gelungene ´intrigante´ Wendungen gehen mir dann doch ab.

Das Gift hatte ich in der Tat als ´verzögert und dann rasch wirkend´ abgespeichert. Klarer Punkt für Saeid bzw. H.W.!
Eine Liebesgeschichte sehe ich hier als Nebenstrang, aber nicht als Hauptgeschichte.
Ganz ehrlich, für diese Einschätzung sind dir dann aber doch die entsprechenden Seiten zu leicht aus der Feder geflossen und prägen den Roman. Mache ich jetzt ganz objektiv daran fest, dass Sumaro trotz ähnlicher Kritikpunkte dank dieser Zweierbeziehung ein positives Fazit zieht und diese bei mir das Gegenteil bewirkt.

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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 02.01.2018 16:34

Huhu Teerschwänzter,

ich habe mir irgendwie das "huhu" angewöhnt. Manchmal wird es auch "hiho", aber ... Macht der Gewohnheit :)
Teerschwäntzer hat geschrieben:
02.01.2018 15:41
Daher bitte nicht immer "bedauern" und "leid tun".
Ach, ich habe natürlich immer ein Interesse daran, dass meine Texte und Sachen gefallen :) Rational weiß ich natürlich, dass das nie bei allen und 100% der Fall sein kann, aber trotzdem ... bedauere ich es tatsächlich, wenn es nicht der Fall ist. Da kann ich nicht anders ;)

Ganz ehrlich, für diese Einschätzung sind dir dann aber doch die entsprechenden Seiten zu leicht aus der Feder geflossen und prägen den Roman. Mache ich jetzt ganz objektiv daran fest, dass Sumaro trotz ähnlicher Kritikpunkte dank dieser Zweierbeziehung ein positives Fazit zieht und diese bei mir das Gegenteil bewirkt.
Nun, dann sage ich es so, es war nicht meine Intention, die Liebesgeschichte in den Vordergrund zu schreiben. Dass eine vorkommen soll, war sehr früh geplant, und mir war dabei wichtig, dass sie sich mit den Chars entwickelt und sich die Leute nicht wie von Rahjas Brunst erfasst von einem Moment auf den anderen glücklich in den Armen liegen. Daher dauert es etwas und erfordert einige Szenen und eben Screentime, bis sich alle gefunden haben :)

*winkt zurück* :)

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Sumaro
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Ungelesener Beitrag von Sumaro » 02.01.2018 16:55

Also ich persönlich sehe auch nicht die Romanze im Vordergrund, sie bügelt für mich aber aufgrund ihrer durchaus gut platzierten Präsenz viele Dinge aus, die mir sonst mehr ins Gewicht fallen würden. Und es gibt ja auch viele schöne Darstellungen der Figuren.
Sumaros kleine Schreibstube: Eure Ideen in Worte gefasst. Schaut rein!

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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 30.03.2018 03:18

Hallo Heike!

Ich habe Rabenbund und Rabenerbe gerade durchgelesen, als überzeugte Al'anfanerin und weil ich mich nach langer Pause wieder ein wenig in die Gegend einlesen wollte.

Das ist mein erster Kritikpunkt: Man erfährt gar nicht so viel davon, was dort passiert oder passiert ist.

Wer die Meridiana-SH nicht kennt, oder DSA insgesamt nicht, wird sich schwer in das Setting einfühlen können, von den Beschreibungen her, vermute ich jetzt einfach mal.
Es kommt ständig durch, dass es da eine detailreiche Vorgeschichte geben muss, mit Figuren wie Aurelian Bonareth und Irschan Perval, und eine Hintergrundwelt mit mehreren Staaten und Kirchen etc. Aber man kann sich das ohne Vorkenntnisse schlecht vorstellen. Sylla muss irgendwann erobert worden sein, aber ich weiß nicht wann und wie.

Mir hätte je ein ganz, ganz kurzes Kapitel zum Hintergrund geholfen: Esmeraldo erklärt uns, was Port Corrad und Sylla sind und was er da gemacht hat. Amato oder Shantalla oder Rezzan erinnert sich an was auch immer Aurelian gemacht hat und wie sie sich selbst durch diese Zeit gewurstelt haben, ob sie das nun wieder müssten. Amir hat einen Alptraum darüber, wie Irschan ihn umgarnt und verraten hat und was der seiner Stadt angetan hat, plus Versagensängste. Shantalla fälscht noch einen Brief ins Horasreich und erklärt uns, was das Kemireich ist und was da politisch so läuft. Oder irgendwas in die Richtung. Kurz und konkret.
Aber das geht vielleicht nur mir so, weil ich zu lang raus war.

Wenn das ein Platzproblem ist: Ich muss gestehen, dass ich Said nicht ausstehen kann und im ersten Band seine Geschichte weitgehend überblättert habe. Er ist ein undankbarer Egoist mit völlig absurdem Anspruchsdenken und keiner Ahnung was durchsetzbar ist (womit sein Kung-Fu-Meister bei der Ausbildung eher versagt hat). Kann es auch geben, aber ich könnte mir genausogut
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ein Kapitel aus Brotos Paligans Sicht vorstellen, warum er der bessere Patriarch wäre, plus wie er die Hand Borons zum Wegschauen kriegt. Denn die bekleckern sich ja mal wieder nicht mit Ruhm.
Zu den anderen Handlungsträgern:

Esmeraldo und Shantalla kommen als glaubwüdige typische intrigante Granden rüber und sind völlig okay. Rezzan ist vielleicht etwas klischeehaft ("Ein Zornbrecht ist halt ungehobelt"), aber auch okay.

Emilia das Monster - irgendwer muss ja.

Amato finde ich rundum gelungen. Er ist halt etwas ungeschickt und zögerlich. Dass er in dem Moment, wo er die Stimme erkennt, nicht Amir vor die Füße fällt "Ich muss noch was beichten" - der Plot will es. :)

Saids Schwester und ihren Kevin finde ich völlig überzeichnet klischeehaft, wobei Kevin der Barbar wenigstens seine unterhaltsamen Momente hat mit den Wutanfällen und der Kampfkunst.

Ich persönlich hätte mehr Frauen in tragenden Rollen vertragen können, aber da gehe ich nicht mit der Mehrheitsmeinung der Leserschaft.

Amir hätte man durch eine Statue ersetzen können. Hätte der nicht irgendetwas machen können? Und wenn er sich nur ab der ersten Warnung vor der Verschwörung eine Rüstung unter die Robe gezogen hätte, und wieder mit den Schwertkampfübungen angefangen? Oder den Prokuristen des Imperiums mal energisch einbestellt, dass der mal öffentlich betet und opfert damit Boron was zum Feldzug sagt?
Er hat meditiert.
Haben die Al'anfaner nicht spezielle Meditationen unter Aufsicht und Drogen? Ich könnte mir das so gut vorstellen:
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Boron sagt nichts bei normaler Meditation, der Patriarch nimmt Marbos Odem und hat einen Beisitzer, der ihm Stichworte ins Ohr flüstern soll, wovon er träumen soll, und das ist der verdiente Hochgeweihte Brotos Paligan, und er sabotiert es, und Amir sieht nichts. Also, ich fände das total passend. Irgendwann hätte er's noch mit dem Novizen Borondrian probieren können ("Der Junge muss es auch lernen"), und, ja huch, da kommen auf einmal Visionen. ("Gib auf dich acht, mein Werkzeug, Frevler sind am Werk.")
Edit: Detailliertere Idee zur angeleiteten Meditation unter Drogen:
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Amir kriegt ganz konkret eine Vision, wie die Rabengarde ihn verrät und versucht festzunehmen. Er sagt sich: "Eher gehe ich kämpfend zu Boron, als dass ich mich Verrätern beuge", hat auf einmal sein Schwert in der Hand und kriegt wenigstens im Traum eine wilde Schwertkampfsequenz. Als er wieder aufwacht sitzt da Novize Boronian mit einem blauen Auge, gebrochener Nase und blutbeflecktem Notizpapier. Er hat im Traum natürlich um sich geschlagen. Boronian (der Junge hat Zukunft) war so schlau und hatte die Selbstbeherrschung, nicht die Gardisten von vor der Tür rein zu rufen, dass die den Patriarchen bändigen - der ja gerade irgendwas rief wie "Was, die Garde verrät mich? Ihr?".
Außerdem steckt man sein Kirchenoberhaupt nicht in die Zwangsjacke. Was womöglich auch zu ganz unerwünschten Träumen von Irschans Spielzimmer führen könnte, die den jungen unschuldigen Novizen überhaupt nichts angehen. :wink:
Das wäre wenigstens im Traum mal was zu tun für den ehemals jähzornigen meisterhaften Schwertkämpfer.

Positiv: Lohnmagie im Hintergrund. Ich mag das einfach, wenn es da, wo es um viel Geld geht, wie bei Gladiatorenkämpfen, magische Heilung gibt, und wenn die Reichen im heißen Süden sich gekühlte Getränke leisten.

Alena ist auch in Ordnung. Noch wenig Profil, wenig Fehler, aber von den Leuten in den Startlöchern vielversprechend.

Für die Zukunft hoffe ich darauf, dass Al'anfa sich mit den nächsten Feldzügen nicht wie üblich zum Gespött macht. (Ob sie bei den Zyklopeninseln eine Söldnerin Akriksandra die Dicke aufgegabelt haben könnten, die einen Unterschied macht? Man ist ja nicht nur Rom.) :lol:

Vielleicht sollten sie auch das ewige Getreideproblem angehen. (Tipp: Das Bornland lebt von der Iltokknolle.)

Ich bitte um Nachsicht, dass das so negativ klingt, aber meine Erwartungshaltung war wohl auch sehr anders.
Zuletzt geändert von chizuranjida am 05.04.2018 14:05, insgesamt 1-mal geändert.

Heike Wolf
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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 30.03.2018 03:58

Deine Meinung ist dir unbenommen, und dafür musst du auch nicht um Nachsicht bitten. Ich weiß, dass die Geschichte und vor allem die Figuren stark polarisieren. Für mich persönlich ist es etwas schade, dass überwiegend diejenigen, denen es nicht gefällt, ausführlich darüber schreiben, aber nun gut, das ist eben immer so ;)

Was die Hintergrundinfos angeht - es ist schade, dass es für dich nicht funktioniert hat. Ich habe den Roman bewusst mehreren Leuten zum Lesen gegeben, die "nicht drin sind". Teilweise sogar solchen, die DSA gar nicht kennen. Ein Problem reinzukommen gab es meist nur bei den Namen - Götter, Orte etc. Nicht aber beim Verständnis der Umstände und Hintergründe. Daher habe ich es so belassen und nicht die Geschichte der letzten 15 Jahre noch einmal wiederholt und im Detail ausgeführt. Vieles steht ja auch im Glossar.

Aber wie es mit Al'Anfa weitergeht - keine Ahnung. Das liegt in Zukunft in der Hand anderer Autoren und nicht mehr in meiner :)

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Nagamasa
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Ungelesener Beitrag von Nagamasa » 30.03.2018 21:10

Heike Wolf hat geschrieben:
30.03.2018 03:58
(...)
Aber wie es mit Al'Anfa weitergeht - keine Ahnung. Das liegt in Zukunft in der Hand anderer Autoren und nicht mehr in meiner :)
Das stimmt mich etwas wehmütig, ich dachte nach den gelungenen Romanen dürften wir jetzt auf eine Kampagne aus deiner Feder hoffen. Ein neuer Impuls für die Perle des Südens wie schon bei Rabenblut begonnen.

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chizuranjida
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 31.03.2018 02:32

Heike Wolf hat geschrieben:
30.03.2018 03:58
Deine Meinung ist dir unbenommen, und dafür musst du auch nicht um Nachsicht bitten.
Dafür, dass ich hier was Negatives schreibe, schon.

Das ist im Wesentlichen nicht meine Absicht. Ich wollte eher fragen, wie es mit Al'anfa weiter geht, da der Roman mir dazu nichts gesagt hat. Musstest du das Ende so offen lassen, weil das noch nicht entschieden war/ist?
Schade, wenn du das nicht weiterführst. Das muss ich schon sagen.
Magst du gar nicht mehr für DSA schreiben, oder nur in näherer Zukunft nichts zu Al'anfa?

Ich habe leider nie herausfinden können, wer wie festlegt, ob etwas Umwälzendes geschehen soll/darf. Ob zB Al'anfa Port Stoerrebrandt erobern dürfte, Amir eine uthurische Prinzessin heiraten dürfte, H'rabaal sich von Brabak unabhängig erklären könnte, der Prokurist an einem Kirschkern ersticken könnte, oder was davon nicht geht.
Ganz zu schweigen vom irgendwo angedeuteten Boron/NL-Metaplot.
Darf ich dich fragen: Wie findet man raus, was geht?

Es ist auch nicht so, dass ich deine Romane gar nicht mochte, sonst hätte ich sie nicht gelesen. Im zweiten Band wurde es mit der Frage, wer wann den Fehler macht und sich aus der Deckung wagt, doch spannend.

Auch Shantalla fand ich gelungen. Sie setzt auf jedes Pferd, ohne sie geht gar nichts (Thema Werft), nimmt am Ende die Zügel in die Hand, und hat noch ihren Spaß bei der ganzen Sache, ohne irgendwas ungewöhnlich Gemeines anzustellen. Die perfekte intrigante Grandessa.
Das mit dem Brief und der Cavalliera und der Brille, sowas finde ich schön. Das ist persönlich und gibt Charakter: Schwäche, Kompetenz, Brutalität und Fürsorge zugleich.

Vielleicht weiß ich einerseits etwas zu wenig (Vorgeschichte), andererseits etwas zu viel. Wer Scheijian von Tarschoggyn nicht kennt, kann deinem Said vielleicht mehr abgewinnen als ich das kann. Das ist dann mein Pech.

Apropos Maraskaner:
Da weiß ich wahrscheinlich auch gerade ein wenig zu viel. Gerade genug, dass dein Al'anfa und meine Idee davon sich so weit unterscheiden, dass ich etwas vermisse, was Leuten, die kein DSA spielen, egal sein wird, und das man natürlich auch keinesfalls so sehen muss.

Z.B. hätte ich mir gewünscht, dass nach all den Jahren nicht mehr alle maraskanischen Exilanten in den Brabaker Baracken wohnen, sondern dass einige wenige es geschafft haben, sich in der Mittelschicht zu etablieren.
"Saidjin, schau mal unauffällig vom Balkon hinunter! Die Schwester mit dem grün bedruckten Rock, das ist die Kauffrau Mechallabithjid, du weißt schon, die Cousine von Emmeranziber dem Stoffdrucker im Nebenhaus unten, die sich ein Stadthaus gekauft hat und bei der Rurescha beim Tapezieren geholfen hat für falls man mal den Grundriss braucht. Ein Geschäftspartner in Khunchom hat ihr zwei Ladungen eingemachte Rauschgurken vorenthalten. Sie wünscht, in diesem Leben nicht nochmal mit ihm Geschäfte zu machen. Dein erster Auftrag, Saidjin! Preise die Schönheit! Freust du dich?"

Das erste Mal, als ich mir gesagt habe: "Said, der ist mir unsympatisch", das war als er nach seinem Gesellenstück die Kneipe angezündet hat. Was ist das für ein Arschloch, in einer Stadt mit dicht an dicht gebauten Mietskasernen Feuer zu legen?, dachte ich mir.
Da hat mir gefehlt, dass das Konsequenzen hat.
Hat Al'anfa eine Feuerwehr? Ist die Stadtgarde mit zuständig? Ich weiß es nicht. Rom hatte irgendwann eine.
Bis der nächste Regen das Feuer gelöscht hätte, hätten 100 Familien verbrennen können. Es hätte einen ergreifenden Borondienst für die Helden von der Stadtgarde geben können, die einige noch rausgeholt hätten. Aedil Amato hätte über die Korruption bei der Stadtgarde brüten können, die die Brandschutzgesetze nicht durchsetzt.
Brotos hätte eine wunderbare Predigt halten können mit Sticheleien gegen Amir, der mal wieder nicht erschienen wäre (weil Marbos Odem).
Wie auch immer. Mir fehlte da was.

Dein Al'anfa erscheint mir geteiler und trostloser als meine Idee, wie es dort aussehen könnte. Ich sehe da Hoffnung, die Einwanderer aus ganz Aventurien anzieht: Die Aufstiegschance ist ja da, sie ist nur klein. Und man kann auch wieder fallen. Aber einige schaffen es. Ich verstehe Al'anfa als brodelnden Schmelztiegel mit Chancen auch und gerade für Freigelassene.

Ich stelle mir vor, wie Lanista Cortez von der Arbeit nach Hause geht. ("Kor ist mein Zeuge, ich werde nicht Tag und Nacht bei den Gladiatoren verbringen.") Sie wohnt im ersten Stock in einer mittelmäßigen Mietskaserne, die einem Verwandten von Amato gehört. Voteil: man muss nicht täglich nach dem Regen das Wasser raus kehren. Im Erdgeschoss ist eine Sattlerei, die Stiefel und Rüstungen flickt, geführt von einer Freigelassenen von Don Amato. Da steht gerade Reto. Im Mittelreich ist Krieg und die Schiffsreise ist teuer, er war mal Zeugmeister, vielleicht bleibt er doch und sucht sich nen anderen Job.
Auf der Straße spielen die Kinder aus dem Viertel Imman mit einer strohumwickelten Kokosnuss. Der kleine Rondraldo ist richtig gut. Vielleicht schafft er's mal zu den Al'anfa All-Blacks (das sind die mit dem waldinsulanischen Kriegstanz). Cortez verteilt Autogrammkarten von Kevin dem Wilden.
Vier Straßen weiter fällt Said durch 8 Wäscheleinen und landet auf dem Grillrost einer Achaz-geführten Shrimpgrillbude.

Wer nichts von Al'anfa weiß kann eine solche, offenbar falsche, Vorstellung davon nicht entwickeln und wird daher auch sowas in deinen Romanen nicht vermissen. Wiederum mein Pech. Falsche Erwartungshaltung.

Ich hatte auch auf mehr Amir gehofft, denn den mag ich. Und manchmal kommen mir einfach ganz verquere Ideen: ZB hatte ich am Ende das ganz dringende Bedürfnis, den Novizen Boronian oder Borondrian (den Kammerdiener) umzubenennen in "Quintus". Das aufgrund der Überlegung, dass in der Stadt des Schweigens vermutlich ziemlich viele Boronians oder Borondrians rumlaufen, und dann kann man sie genausogut durchnummerieren. Wobei Quintus vermutlich arg tief gestapelt ist. :)
Aber ich bin ja Tulamide, ich kann kein Bosparano.

Bitte um Nachsicht, Kotau, küss die Füße.
(Wir sind ja nicht nur Rom, wir sind ja auch ein bisschen Karthago. Zumal vom militärischen Erfolg her) :)
Zuletzt geändert von chizuranjida am 01.04.2018 00:44, insgesamt 2-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Rhonda Eilwind » 31.03.2018 09:45

Ich kenn mich ja in Al‘Anfa so gar nicht aus... (mit einem Thorwaler in Schlepp ist es irgendwie nie das bevorzugte Reiseziel *hust*) - aber die achazgeführte Shrimpsbude hat was... :6F:
... und auf ihrem Grabstein wird stehen: "Ich hab's dir ja gesagt!"

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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 31.03.2018 17:17

Rhonda Eilwind hat geschrieben:
31.03.2018 09:45
Ich kenn mich ja in Al‘Anfa so gar nicht aus... (mit einem Thorwaler in Schlepp ist es irgendwie nie das bevorzugte Reiseziel *hust*) - aber die achazgeführte Shrimpsbude hat was... :6F:
Vielen Dank, das geht runter wie Öl. Ich wollt's auch schonmal im Horasreich unterbringen, im Hinterland von Drôl gibts ja auch ein paar Achaz, die so Spezialitäten wie Schnecken und Froschschenkel essen. Ein achazisches Spezialitätenrestaurant in Kuslik? "Bei Chez". :wink:

Aber in Al'anfa würde sowas natürlich wirken, finde ich. Auch Achaz kann man versklaven und freilassen, oder sie können als Kaufleute mit Quinjaschnaps oder Iryanleder einreisen, oder eben in der näheren Umgebung Shrimps züchten, was mW Achaz tun.

@ Thorwalerreiseziele: Ich dachte, gerade? "Ein bisschen plündern, ein bisschen morden, wir sind die Wilden weit aus dem Norden." (*sing*)
Es den miesen Sklavenhaltern mal wieder richtig zeigen, paar Fässer Rum erbeuten ...

... und die Immanmannschaft, die mir vorschwebt, braucht noch einen Trainer. Besser als Galeere, Bergwerk oder Gladiator. :lol:

Ich meine, irgendwo steht, dass Al'anfa Barden in Aventurien ausschickt, die den Ruf der Stadt verbessern sollen.
Barden? Echt jetzt? Oooookaaaay.
Aber wenn die alanfanische Stadtauswahl den Kaiser-Reto-Pokal gewinnen täte, wär das nichts für das Ansehen?

Es könnte ganz zufällig und harmlos anfangen, als Pet-Projekt eines gelangweilten Granden.
Rezzan Zornbrecht liest ein Buch über seine thorwalschen Vorfahren. "Imman? Wasndas? SEKRETÄR! Was ist Imman?"
"Keine Ahnung Herr, das muss ich nachschlagen."
Leibwächterin: "Äh, Boss, neulich auf Eurer Plantage, da haben die Sklavenkinder das gespielt, Waldinsulaner gegen Mittelländer. Die haben einen netten Kriegstanz aufgeführt vorweg. Übrigens, die Kor-Kirche hat's letztens als Kampfsport anerkannt. Neulich war Dankgottesdienst für eine, die den Schläger ins Gesicht gekriegt hat und fast gestorben wäre. Ein paar Leute spielen das wohl auf dem Kor-Feld."
"SÄNFTE! Das schau ich mir an."
Zwei Vereine von Fanas aus der Nachbarschaft, Freigelassenen und nordaventurischen Einwanderern fetzen sich mit Schlägern, das Publikum johlt und prügelt sich auch, und der junge Cordano Rondraldo macht artistische Sachen mit dem Ball.
Es ist zwar nicht wie Arena, aber mal was anderes. Gefällt.
"Leute, herhören: Ihr habt einen Sponsor. Und wenn noch irgendein Grande auf die Idee kommen sollte, dass er auch eine Immanmannschaft braucht, dann seid ihr besser, verstanden?"
"Ja, Don Rezzan."
"WAS SEID IHR?"
"BESSER!"

Ein paar Jahre später hat jeder Grande eine Immanmannschaft. Irgendein fähiger Korgeweihter steckt den Söldnertrupps, dass man nicht nur in Tavernen anwerben kann. Sportliche Immanspieler und adrenalinberauschte Zuschauer sind auch erwägenswerte Kandidaten. Ab da wird es staatlich wohlwollend betrachtet. Und wenn der jährliche Tributzug der Praioskirche nach Gareth geht, mit Bewaffneten und Diplomaten dabei, redet man auch mal über Imman. "Ja, haben wir jetzt auch bei uns. Man könnte ..."

Übrigens, mohisch:
Ha = Mensch, Ka = Hand/fünf. Eine Handvoll Leute? Team, Kampftrupp, Mannschaft? :lol:
Und natürlich tragen sie schwarz, was denn sonst.

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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 31.03.2018 18:05

Nagamasa hat geschrieben:
30.03.2018 21:10
Heike Wolf hat geschrieben:
30.03.2018 03:58
(...)
Aber wie es mit Al'Anfa weitergeht - keine Ahnung. Das liegt in Zukunft in der Hand anderer Autoren und nicht mehr in meiner :)
Das stimmt mich etwas wehmütig, ich dachte nach den gelungenen Romanen dürften wir jetzt auf eine Kampagne aus deiner Feder hoffen. Ein neuer Impuls für die Perle des Südens wie schon bei Rabenblut begonnen.
Das hat bei mir eher persönliche Gründe. Ich muss mit meinen Ressourcen (v.a. den zeitlichen) leider etwas haushalten, und da momentan ja nicht absehbar scheint, wann es mit der Kampagne weitergeht, kann ich mir keine Zeitslots auf Verdacht dafür freihalten. Das müsste ich aber, wenn man nicht in die doofe Situation kommen wollte, dass Band 1 und 2 der Kampagne rauskommen, ich dann aber erstmal für längere Zeit durch andere Projekte geblockt bin und dann mittendrin alles ins Stocken gerät. Das fände ich selbst sehr unschön. Für 2017 hatte ich mir ausreichend Zeit freigehalten, aber da konnten wir leider noch nicht starten. Ob es 2018 oder 2019 losgeht - dazu kann ich nicht mehr sagen als das, was zuletzt von offizieller Seite zu dem Thema gesagt wurde - "in Zukunft". Aber ich habe halt einiges andere, was meiner Zeit und Aufmerksamkeit in einem Maße bedarf, dass ich voraussichtlich nicht nebenbei zu einem noch unklaren Zeitpunkt eine sechsbändige Kampagne ausarbeiten und schreiben kann.
Allerdings war ja nie geplant, dass ich das Ding alleine schreibe. Im Gegenteil, die Idee stammt ursprünglich von Armin Abele, wir wollten das gemeinsam mit Anja Jäcke machen, und Armin wird das Projekt auch weiter verfolgen. Wir stehen eng in Kontakt und tauschen uns eh ständig über Meridiana aus, sodass die Kontinuität mit den Romanen in jedem Fall gewahrt wird. Und Armin ist eh DER Kemi-Experte überhaupt, sodass ich keine Zweifel habe, dass es gut wird :)
Und dazu wurde mir kürzlich erst (mehr oder minder durch die Blume) gesagt, dass ich Al'Anfa ziemlich an mich gerissen habe. Daher ist es vielleicht auch an der Zeit, den Staffelstab dort weiterzugeben (nach der Kampagne; da ich, wie gesagt, mit Anja und Armin gut befreundet bin und wir zusammen spielen, ist unser Al'Anfa-Bild ein recht ähnliches).

Ich hänge sehr an Al'Anfa, seit der ersten Box von 1994. Mir hat es sehr viel bedeutet, damals bei IdDM mitschreiben zu dürfen und danach immer wieder etwas zu der Stadt beitragen zu können. Ein Fehler war es sicher, nach Rabenblut nicht gleich weiterzumachen und das dort geschaffene Szenario mit Leben und neuen Gesichtern zu füllen. Dadurch ist vieles erst einmal ins Stocken geraten, weil sich dort nichts mehr getan hat. Aber es war mir damals nach der Geburt meiner Tochter nicht möglich, viel Energie in DSA zu stecken. Als Armin dann vor einigen Jahren mit der Idee der Kemi-Kampagne kam, war ich sofort wieder Feuer und Flamme, auch um die NSCs weiterzuentwickeln, die nun lange Zeit untätig herumsaßen und vor sich hinalterten. So kam es dann zu den Rabenromanen.

Ganz loslassen kann ich natürlich nicht, und deshalb denke ich zu Zeit sehr intensiv darüber nach, für das Skriptorium eine Kurzgeschichtenreihe zu schreiben, bei der es um einen alanfanischen Char geht. Ca. 1000 BF bis zur Gegenwart, also mehr oder minder eine bewegte Biographie, jemand aus der alanfanischen (oberen) Mittelschicht (also ein Fana) und natürlich (weil Skriptorium) nicht kanonisch. Das könnte ich halt frei von allen Veröffentlichungszwängen (die ein Verlag immer hat) machen. Und nach den ersten zwei, drei Geschichten schauen, ob das auf Interesse stößt und ob es sich lohnt, das fortzusetzen. Das wäre halt nichts zur Zukunft, sondern eher zur Vergangenheit, aber eben Al'Anfa ;)
Zuletzt geändert von Heike Wolf am 31.03.2018 19:26, insgesamt 1-mal geändert.

Heike Wolf
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Ungelesener Beitrag von Heike Wolf » 31.03.2018 19:10

chizuranjida hat geschrieben:
31.03.2018 02:32
Ich wollte eher fragen, wie es mit Al'anfa weiter geht, da der Roman mir dazu nichts gesagt hat. Musstest du das Ende so offen lassen, weil das noch nicht entschieden war/ist?
Es geht mit dem Krieg gegen Kemi weiter, den der Roman ja vorbereitet.
Ich habe leider nie herausfinden können, wer wie festlegt, ob etwas Umwälzendes geschehen soll/darf. Ob zB Al'anfa Port Stoerrebrandt erobern dürfte, Amir eine uthurische Prinzessin heiraten dürfte, H'rabaal sich von Brabak unabhängig erklären könnte, der Prokurist an einem Kirschkern ersticken könnte, oder was davon nicht geht.
Ganz zu schweigen vom irgendwo angedeuteten Boron/NL-Metaplot.
Darf ich dich fragen: Wie findet man raus, was geht?
Das entscheidet die Redaktion. Wenn du da mehr wissen willst oder Ideen hast, schreib Niko oder Alex am besten mal an.
Vielleicht weiß ich einerseits etwas zu wenig (Vorgeschichte), andererseits etwas zu viel. Wer Scheijian von Tarschoggyn nicht kennt, kann deinem Said vielleicht mehr abgewinnen als ich das kann. Das ist dann mein Pech.
Said ist kein Scheijian. "Meister" Darjin ist im Grunde ein größenwahnsinniger Spinner, der in Al'Anfa unabhängig von allen anderen Ästen des Zweiten Fingers "sein Ding" aufgezogen hat, nachdem die Hand ja vor Jahren den dort ansessigen Ast kaltgestellt hat. Er folgt daher in vielen Dingen seinen eigenen Vorstellungen und Zielen und ist über die Jahre sicher auch von der Stadt korrumpiert worden ("alanfanisiert", wenn man so will). Said selbst hat von ihm einiges mitgenommen, vor allem war die "technische" Ausbildung angeht. Aber er ist kein Meuchler des Zweiten Fingers wie Scheijian. Dazu fehlt ihm u.a. auch der philosophische Unterbau, den er nie wirklich verinnerlicht hat.
Z.B. hätte ich mir gewünscht, dass nach all den Jahren nicht mehr alle maraskanischen Exilanten in den Brabaker Baracken wohnen, sondern dass einige wenige es geschafft haben, sich in der Mittelschicht zu etablieren.
Das habe ich bewusst nicht gemacht, bzw. nicht thematisiert. Die Exilanten bilden hier eine eingeschworene Gemeinschaft, wie man es immer wieder beobachten kann, wenn Angehörige einer bestimmten Ethnie in einer größeren Gruppe in der Fremde leben. Ich sehe diesen Teil der Baracken auch nicht mehr als Elendsviertel - die Maraskaner leben ja vor allem im nördlichen Bereich rund um den Rur- und Gror-Tempel. Die Mietskasernen sehe ich in den Straßen südlich davon. D.h. hier gibt es auch mehrstöckige Häuser mit Hinterhöfen, aber nicht diese gesichtslosen Insulae, in denen jemand über mehrere Tage krepiert, ohne dass sich jemand drum kümmert. Sicher mag es sein, dass es auch Maraskaner gibt, die sich in der Mittelschicht außerhalb der eigenen PeerGroup etabliert haben. Aber die sind nicht Thema des Romans.

Das erste Mal, als ich mir gesagt habe: "Said, der ist mir unsympatisch", das war als er nach seinem Gesellenstück die Kneipe angezündet hat. Was ist das für ein Arschloch, in einer Stadt mit dicht an dicht gebauten Mietskasernen Feuer zu legen?, dachte ich mir.
Da hat mir gefehlt, dass das Konsequenzen hat.
Hat Al'anfa eine Feuerwehr? Ist die Stadtgarde mit zuständig? Ich weiß es nicht. Rom hatte irgendwann eine.
Es gab zur Zeit des Hohen Rates ein Amt, das für die Stadt zuständig war. Da gab es natürlich auch Sklaven, die zur Eindämmung von Bränden verantwortlich waren. Brunnen, bzw. Zisternen gibt es ja an jeder Straßenecke. Und wir haben keine römischen Verhältnisse (=mediterranes Klima), sondern Tropen mit viel Feuchtigkeit. Deshalb ist die Übertragung von Rom auf Al'Anfa diesbezüglich etwas schwierig.
Brotos hätte eine wunderbare Predigt halten können mit Sticheleien gegen Amir, der mal wieder nicht erschienen wäre (weil Marbos Odem).
Wie auch immer. Mir fehlte da was.
Hätte man, wenn man die Handlung durch weitere Nebenschauplätze noch weiter hätte zerfasern wollen. Das gilt auch sonst für die vorgeschlagenen Szenen. Ein Roman hat nur begrenzt Platz. Einmal rein physikalisch und dann auch innerhalb der Erzählung. Sechs Perspektiven (+Amir in Teil 2) ist da wirklich die Schmerzgrenze. Wenn ich neue Perspektiven einführe, um nebenbei noch etwas über das Leben der Mittelschicht zu erzählen (die für die Handlung erst einmal nicht relevant ist), muss ich diese auch fortsetzen und den entsprechenden Personen einen Spannungsbogen und eine Entwicklung geben. Kann man machen, wenn man statt zwei vier Bände macht und die Geschehnisse noch breiter ausrollt. Ich halte es nicht für sinnvoll. Die Rabenromane sind Romane und keine Spielhilfe, die jeden Aspekt Al'Anfas beleuchten. Es geht nun einmal in erster Linie um die Intrigen auf dem Silberberg, und Said bringt eben noch die Seite der Unterschicht mit rein. Die Mittelschicht (die es natürlich gibt) ist für die Handlung an sich erst einmal nicht relevant. Und um eine Handlung am Laufen zu halten, Spannungsbögen zu bauen und sich nicht in vielen Einzelszenen zu verlieren, muss man eine Auswahl treffen, was man thematisiert und was nicht.
Dein Al'anfa erscheint mir geteiler und trostloser als meine Idee, wie es dort aussehen könnte. Ich sehe da Hoffnung, die Einwanderer aus ganz Aventurien anzieht: Die Aufstiegschance ist ja da, sie ist nur klein. Und man kann auch wieder fallen. Aber einige schaffen es. Ich verstehe Al'anfa als brodelnden Schmelztiegel mit Chancen auch und gerade für Freigelassene.
Trostlos ist hart, denn trostlos sehe ich mein Al'Anfa sicher nicht. Grausam schon. Erbarmungslos. Kein fluffiger Ponyhof. Aber beileibe nicht trostlos. Was du hier schreibst, klingt ein bisschen danach, als gäbe es gar keine kleinen, netten Details in meinem Al'Anfa, die das Bild der Stadt lebendig machen würden. Das sehe ich doch anders.
Abgesehen davon stellen die Romane genau das vor, was du zum Thema Aufstiegschancen forderst. Shantalla formuliert es sogar ganz explizit. Und an der Figur von Said wird das mehr als deutlich gezeigt. Der ist nun kein Einwanderer, sondern ein Sklave, aber das gilt für ihn wie für jeden anderen.
Ich stelle mir vor, wie Lanista Cortez von der Arbeit nach Hause geht. ("Kor ist mein Zeuge, ich werde nicht Tag und Nacht bei den Gladiatoren verbringen.") Sie wohnt im ersten Stock in einer mittelmäßigen Mietskaserne, die einem Verwandten von Amato gehört. Voteil: man muss nicht täglich nach dem Regen das Wasser raus kehren. Im Erdgeschoss ist eine Sattlerei, die Stiefel und Rüstungen flickt, geführt von einer Freigelassenen von Don Amato. Da steht gerade Reto. Im Mittelreich ist Krieg und die Schiffsreise ist teuer, er war mal Zeugmeister, vielleicht bleibt er doch und sucht sich nen anderen Job.
Auf der Straße spielen die Kinder aus dem Viertel Imman mit einer strohumwickelten Kokosnuss. Der kleine Rondraldo ist richtig gut. Vielleicht schafft er's mal zu den Al'anfa All-Blacks (das sind die mit dem waldinsulanischen Kriegstanz). Cortez verteilt Autogrammkarten von Kevin dem Wilden.
Vier Straßen weiter fällt Said durch 8 Wäscheleinen und landet auf dem Grillrost einer Achaz-geführten Shrimpgrillbude.
Wie gesagt, ein schönes Straßenbild. Aber ein solches Bild muss eine Berechtigung in einem Roman haben. Eine Perspektive "Cortez" wäre Wahnsinn gewesen, weil sie wirklich nur eine Nebenfigur ist. Was schöne Bilder angeht, war mir bei den Romanen sehr daran gelegen, Al'Anfa vielfältig zu zeigen. Deshalb habe ich, wo immer möglich, versucht, eine andere Kulisse zu bauen. Eine Taverne zu zeigen, die Baracken, den Schlund, die Thermen, den Silberberg, ein Bordell, ein Teehaus, das Ratsgebäude, Plantage, Travinaia ... Kulissen, die für die Szene und die Perspektive stimmig sind. Und die nicht vorrangig ein Bild malen, sondern in erster Linie eine Kulisse für die Handlung und Träger der Stimmung sind.
Wer nichts von Al'anfa weiß kann eine solche, offenbar falsche, Vorstellung davon nicht entwickeln und wird daher auch sowas in deinen Romanen nicht vermissen. Wiederum mein Pech. Falsche Erwartungshaltung.
Ich habe das Gefühl, dass du viel mehr Fluff als Handlung erwartet hast. Eher Infos oder ein umfassendes Bild zu Al'Anfa, wie man es bei einer Spielhilfe erwarten sollte. Oder einen anderen Fokus (mehr Mittelschicht), den die Romane nicht geben wollten, weil der Plot woanders lief. Das tut mir dann leid, dass die Bücher deine Erwartung nicht getroffen haben. Abgesehen davon, dass dein Bild nicht falsch ist. Es zeigt nur eine Straßenecke, die ich nicht eingeblendet habe. Deshalb verstehe ich nicht, warum du von "falscher" Vorstellung sprichst.
Ich hatte auch auf mehr Amir gehofft, denn den mag ich. Und manchmal kommen mir einfach ganz verquere Ideen: ZB hatte ich am Ende das ganz dringende Bedürfnis, den Novizen Boronian oder Borondrian (den Kammerdiener) umzubenennen in "Quintus". Das aufgrund der Überlegung, dass in der Stadt des Schweigens vermutlich ziemlich viele Boronians oder Borondrians rumlaufen, und dann kann man sie genausogut durchnummerieren. Wobei Quintus vermutlich arg tief gestapelt ist.
Aber ich bin ja Tulamide, ich kann kein Bosparano.
So nett die Idee auch ist, Boronian ist ein Tempelname, und da finde ich es unangebracht, ihn durch eine Aufzählung abzukürzen. Das wäre eine ziemliche Herabsetzung für den Novizen, der stolz darauf ist, seinen Dienst am Herrn Boron auch durch seinen Namen zu zeigen.
(Wir sind ja nicht nur Rom, wir sind ja auch ein bisschen Karthago. Zumal vom militärischen Erfolg her) :)
Al'Anfa ist weder Rom noch Karthago. Es hat von beidem etwas. Wichtiges Vorbild ist auch Byzanz. Außerdem Kolonialspanien. Daher ist es ohnehin schwierig, mit einem irdischem Vorbild zu arbeiten.

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R162: Rabenbund

Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 01.04.2018 01:53

Die Exilanten bilden hier eine eingeschworene Gemeinschaft, wie man es immer wieder beobachten kann, wenn Angehörige einer bestimmten Ethnie in einer größeren Gruppe in der Fremde leben. Ich sehe diesen Teil der Baracken auch nicht mehr als Elendsviertel - die Maraskaner leben ja vor allem im nördlichen Bereich rund um den Rur- und Gror-Tempel. Die Mietskasernen sehe ich in den Straßen südlich davon. D.h. hier gibt es auch mehrstöckige Häuser mit Hinterhöfen, aber nicht diese gesichtslosen Insulae, in denen jemand über mehrere Tage krepiert, ohne dass sich jemand drum kümmert. Sicher mag es sein, dass es auch Maraskaner gibt, die sich in der Mittelschicht außerhalb der eigenen PeerGroup etabliert haben. Aber die sind nicht Thema des Romans.
Okay. Das kam bei mir irgendwie nicht so rüber.
Thema hätte die Aufstiegschance für Maraskaner ja auch nicht sein sollen. Ein Beispiel, wie man's kurz einbringen könnte, anstelle eines einfachen Briefs nach Khunchom, habe ich geschrieben.
Ja, reiner Fluff, und muss nicht.
Ich liebe Fluff. :oops:
Hätte man, wenn man die Handlung durch weitere Nebenschauplätze noch weiter hätte zerfasern wollen. Das gilt auch sonst für die vorgeschlagenen Szenen. Ein Roman hat nur begrenzt Platz. Einmal rein physikalisch und dann auch innerhalb der Erzählung. Sechs Perspektiven (+Amir in Teil 2) ist da wirklich die Schmerzgrenze.
Da sag ich ja direkt nochmal: Von mir aus könnte man den Said rauskürzen. :wink:
Als Ersatz könnte Amato einen neuen Sklaven haben, der ein recht geschickter Einbrecher ist und ihm furchtbar auf die Nerven geht, den er sich aber nicht zu verkaufen traut weil Geschenk vom Großonkel (-> Decius Caecilius Metellus jr mit einem noch namensgerechteren Hermes).

Bei seiner Schwester und der kleinen Sadistin müsste man, falls es dann immer noch zu viele Perspektiven sind, Szene für Szene durchgehen, ob man das, was wirklich relevant ist, auch zB aus Esmerados oder Shantallas Sicht sagen könnte (bei Emilia zu Gast),

Dann wäre vielleicht etwas Platz übrig.
Wenn ich neue Perspektiven einführe, um nebenbei noch etwas über das Leben der Mittelschicht zu erzählen (die für die Handlung erst einmal nicht relevant ist), muss ich diese auch fortsetzen und den entsprechenden Personen einen Spannungsbogen und eine Entwicklung geben.
Sehe ich nicht so. Siehe oben, Auftrag von Kauffrau statt Brief. Zwei oder drei Sätze, nur um anzudeuten, dass es diese Mittelschicht gibt.

Irgendwer platzt bei Amato rein, der eben dabei war, einen Brief an den Aufseher (einen Freigelassenen seiner Eltern) der Plantage zu schreiben, wo er sich vielleicht ins Privatleben zurückziehen würde.

Esmeraldo platzt bei Shantalla rein, die dankbar ist, dass sie den Ausführungen des Schiffsgeschützbaumeisterzwergs aus ihrer Werft, dessen Projekt sie genehmigen sollte, jetzt nicht mehr zuhören muss.

Und wie gesagt, Said fällt auf den Grillrost des Achaz-Imbiss-Stands, dass es zischt. :devil:
Was du hier schreibst, klingt ein bisschen danach, als gäbe es gar keine kleinen, netten Details in meinem Al'Anfa, die das Bild der Stadt lebendig machen würden.
Doch, gibt es. Sie haben zB magisch gekühltes Limettenwasser. Alltagsmagie hatte ich ja schon lobend erwähnt.

Der Gesamteindruck für mich ist einfach eher negativ. Eine Stadt mit viel Schmutz und Elend, die selbst einige der Reichen und Mächtigen so deprimiert, dass sie es kaum aushalten. Aus der Freigelassene, die können, bald oder mittelfristig ausreisen.

Da sind sänftengetragene Granden und dekadente Orgien, und da sind Elendsviertel wo jemandem die Beinstümpfe mit Fliegen drauf abfaulen, und für mein Empfinden ist wenig dazwischen.
Ich habe das Gefühl, dass du viel mehr Fluff als Handlung erwartet hast. Eher Infos oder ein umfassendes Bild zu Al'Anfa, wie man es bei einer Spielhilfe erwarten sollte.
Das ist richtig. Mehr Infos zu früheren und aktuellen Ereignissen. Mehr Fluff, denn ich liebe Al'anfa und würde gern tiefer ins Leben dort reinschauen, mit einem anderen Fokus als dem üblichen "pfui, das sind pöhse Sklavenschinder" (der ja sogar im Scheijian-Roman da war).

Ich hätte sogar gern mehr Handlung genommen, wenn zB Amir eingefallen wäre, dass er noch was anderes tun kann als mit wehendem Haar gut aussehen. :lol:
So nett die Idee auch ist, Boronian ist ein Tempelname, und da finde ich es unangebracht, ihn durch eine Aufzählung abzukürzen. Das wäre eine ziemliche Herabsetzung für den Novizen, der stolz darauf ist, seinen Dienst am Herrn Boron auch durch seinen Namen zu zeigen.
Sicher. Deswegen "verquere Idee".
Offiziell vor Leuten: "Boron zum Gruß, Novize Boronian!"
Im Vorbeigehen mit Mit-Novizen, Amato und dem Patriarchen, wenn's sonst keiner hört: "Hey, Quintus!" :ijw:
Ich meine, die müssen doch unter sich irgendwas machen, wenn sie da 25 Boronians haben.
Oder im Glossar: Boronian, genannt Quintus.
Ich neige zu Albernheiten.
Al'Anfa ist weder Rom noch Karthago. Es hat von beidem etwas. Wichtiges Vorbild ist auch Byzanz. Außerdem Kolonialspanien. Daher ist es ohnehin schwierig, mit einem irdischem Vorbild zu arbeiten.
Vielleicht auch ein wenig Rio und New Orleans, hatte ich früher den Eindruck. Deins wirkt betont römisch auf mich, was sich mit Byzanz mischen mag, darüber weiß ich weniger. Das ist jetzt nicht schlecht, weil es dafür reichlich Material gibt.
Blöderweise können anders als in Rom die meisten Al'anfaner nicht schreiben, so dass die Gladiatoren-Fanpost an den Wänden flach fällt, zum Beispiel.
Und Karthago ist wie gesagt über das militärische Erfolgsniveau drin, das ist ja auch was. Konfetti. :P

Danke für die Antworten.

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Ungelesener Beitrag von crYshell » 08.04.2018 10:39

Fast traue ich mich nicht, überhaupt ein paar Worte zu den beiden Büchern anzubringen. Denn weder verfüge ich über eine so solide aventurische Wissensbasis (zu DSA 1 Zeiten den Rücken gekehrt und erst vor wenigen Jahren zurückgefunden, noch immer mit dem immensen Hintergrundmaterial kämpfend, das sich seither aufgetürmt hat), noch habe ich Germanistik studiert oder verfüge über anderweitige Kompetenzen, um mir wie manche Vorredner anmaßen zu können, die Romane vergleichbar im Detail auseinanderzunehmen. So bleibt mir nur, als schlichter Leser festzustellen, dass mich beide Romane sehr gut unterhalten haben: plastische Charaktere, eine fesselnde Story mit einem tollen Finale, das nun die Lust auf die anschließende Kampagne entfacht hat. Dass die Autorin noch nicht mit vollem Einsatz an selbiger arbeitet ist der einzige Vorwurf, den ich ihr machen möchte. 😉

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Ungelesener Beitrag von sagista » 12.06.2018 22:20

Nachdem ich den ersten Band mit ziemlicher Begeisterung gelesen hatte, war ich voller Vorfreude auf den zweiten Band. Jetzt bin ich mit dem auch durch, finde aber, dass er das Niveau des ersten Bandes nicht ganz gehalten halt. Ich fand ihn zum Ende irgendwie einfach etwas lahm und hätte mir gerade beim Finale irgendwie mehr gewünscht. Auch fand ich die Charaktere weniger scharf geschliffen als im ersten Band.

Ein Beispiel ist Emilia Bonareth. Die war schon auf dem Weg, zu einer Art Ramsay Bolton in weiblich und hübsch zu werden, aber nach meiner Einschätzung ist man hier dann bei 60-70 % stehen geblieben. Gut, wahrscheinlich kann man jetzt auch als Grande in Al'Anfa nicht so wüten wie als geistesgestörter Sadist im Norden Westeros', aber nach der Grausamkeit, die sie der armen Inion angetan hat, war eigentlich alles, was danach kam, ich sag mal, weniger schlimm, sprich, es gab keine Steigerung des Charakters.

Gleichwohl ist das jetzt Jammern auf hohem Niveau, für mich erhält dieser Roman trotz der genannten Kritik eine 2. Vor der Romanreihe hatte ich mit Al'Anfa wenig am Hut, weil das Setting auf mich jetzt nicht so wahnsinnigen Reiz ausgeübt hatte. Die Romane haben allerdings mein Interesse an Al'Anfa durchaus geweckt. Nicht nachvollziehen kann ich die Kritik, man käme nicht in das Setting hinein. Ich als Nicht-Al'Anfa-Experte kam mit dem Glossar tatsächlich ziemlich gut klar. Auch fand ich das Personengeflecht jetzt nicht so ausschweifend, als dass es irgendwann nicht mehr nachvollziehen wäre.

Insgesamt ein gutes Buch, aber leider etwas schwächer als sein Vorgänger.

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