Forenaktion: Preiset Tsas bunte Vielfalt!

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Fenia_Winterkalt
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Forenaktion: Preiset Tsas bunte Vielfalt!

Ungelesener Beitrag von Fenia_Winterkalt » 15.06.2020 09:28

Liebe Foris,

Aventurien ist bunt, es könnte aber noch bunter sein. Gleichgeschlechtliche Liebe, Wechselnde oder undefinierte Geschlechter, Menschen, Elfen und Zwerge mit unterschiedlichen Hautfarben. All das und mehr gibt es in Aventurien und gehört dort weitestgehend zur Normalität.

Bei dieser Forenaktion wollen wir die bunte Vielfalt Tsas in den Vordergrund stellen. Dazu haben wir Ideen von euch gesammelt. Dabei hat sich kein Schwerpunkt besonders herauskristallisiert, also habe ich mal ein großes Paket der Dinge geschnürt die diese Aktion umfasst.

- Schreibt queere Abenteuer, Abenteuerideen, Kurzszenarien
- Verfasst Charakterbeschreibungen und Bilder von vielfältigen NSCs (Queer und/oder Randkulturen und/oder andere Spezies)
- Erzählt Geschichten über diverse Personen egal ob Märchen, Legenden, Göttersagen, Theaterstücke, Vignetten usw.
- Setzt euch mit kanonischen queeren NSC kreativ auseinander zum Beispiel in Form von Kurzgeschichten oder Bildern
- Erstellt Ingame Spielberichte über Queere Erlebnisse
- Schreibt über Liebe außerhalb der Kulturellen und gesellschaftlichen Norm oder über Rollenwechsel

Die Aktion läuft bis zum 31.08.2020

Jeder der einen Beitrag dazu einreicht erhält den Pride Dragon als Badge
Bild

Ergebnisse können hier im Thread gepostet werden.
(Je nach Einreichungen können wir auch überlegen noch einen Downloadbereich dafür anzulegen, das entscheiden wir wenn der Bedarf entsteht).

Bitte denkt daran, dass dieses Thema Menschen außerhalb von Aventurien betrifft und berührt und geht entsprechend sensibel damit um. Das gleiche gilt auch für Kommentare zu den Werken. Denk daran, dass es kein richtig und falsch gibt, sondern wir die Vielfalt preisen wollen!
Lob und Konstruktive Kritik ist sehr willkommen!

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Madalena
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Forenaktion: Preiset Tsas bunte Vielfalt!

Ungelesener Beitrag von Madalena » 15.06.2020 16:10

Hier hatte ich schon mal über ein Konzept für eine lesbische Zwergin sinniert. Darf von mir aus gerne in welcher Form auch immer aufgegriffen werden.

Ansonsten mache ich mal den Anfang mit einer kleinen Geschichte.
SpoilerShow

Gorwins Wiedergeburt

Irgendwo an der Grenze zu den Schwarzen Landen

"Wie... wie schlimm ist die Verletzung?" fragte der Soldat. Beim Sprechen hustete er Blut. Ein Blick auf seine Wunden sagte: Wenigstens würde es schnell gehen. "Es könnte schlimmer sein", behauptete der blonde Streiter, der neben ihm kniete, selbst ebenfalls verletzt. "Wie ist dein Name?" - "Gorwin." brachte der Sterbende heraus. "Hör mir zu, Gorwin. Bald kommen die Weidener Rundhelme. Sie haben Feldscher dabei. Und dann bist du in ein paar Tagen wieder auf den Beinen." Gorwin nickte, schien sich mit der Antwort zufrieden zu geben.

Die Rundhelme kamen auch. Allerdings zu spät für Gorwin. Und zu spät für alle anderen, die bei diesem Gemetzel auf der falschen Seite gewesen waren. Nur der Blondschopf lebte noch. Schwach, kraftlos. Eigentlich wartete er auch nur noch auf sein Ende. Dumpf hörte er die Stimmen wie aus weiter Ferne: "Verdammte Schweine. Das ist echt böse ausgegangen. Dass die Amazonen dazugekommen sind, hat es wohl auch nicht mehr herumgerissen. Bei euch irgendwelche Überlebenden?" - "Nein, und bei dir?" - "Nix, die sind alle bei Boron." Hier, ich lebe noch! wollte der Blonde rufen. Aber seine Stimme versagte ihm den Dienst. Er müsste alle seine Kraft zusammen nehmen. Aber eigentlich war es auch nicht so wichtig. Der Tod war ihm ganz willkommen. Er schloss seine Augen, und wartete auf sein Ende. Der Kampf war vorüber.

---

Zwei Jahre später, ein Städtchen in der Wildermark


Gorwin musterte den Herausforderer. Ein schwarzhaariger Kerl, vielleicht Mitte 20. Kräftig, ungepflegt. Den Bewegungen zufolge ein erfolgreicher Schläger, aber kein echter Kämpfer. Vielleicht zwei Dutzend Leute sahen dem Kampf in der provisorisch ausgehobenen Grube zu. Drei Leute hatte er heute schon verdroschen, aber es fand sich noch jemand, der dem Ausrufer einen Beutel in die Hand drückte, um sein Glück zu versuchen. "Wie heißt Du?" wollte dieser wissen. "Alrik!" rief der Herausforderer zurück. Alrik, wie kreativ. Gleich werden deine Zähne den Boden verzieren. "Nun denn!" antwortete der Ausrufer laut und schwungvoll. "Alrik fordert also den Jüngling heraus." Der Jüngling. Gorwin hasste diesen Kampfnamen - aber Hass war in Ordnung. Hass hielt ihn aufrecht. "Wollen wir mal sehen, wie-" weiter kam der Ausrufer nicht, denn Alrik sprang bereits vor, und versuchte einen hohen Tritt zu landen. Viel zu viel Vorlauf, viel zu absehbar, viel zu unbeholfen. Mit Leichtigkeit konnte Gorwin ihm ausweichen, und ihm dabei noch die Faust ins Gesicht rammen. Der Schwarzhaarige ging zu Boden. Erhob sich langsam wieder - und pfefferte Gorwin eine Ladung Dreck ins Gesicht. Du willst also schmutzig kämpfen - gut so. War Gorwin nur recht, obwohl seine Augen brannten und er kaum etwas sah. Das hieß zum einen, dass sein Gegner ihn ernst nahm, und nicht wie die meisten einen Halbstarken in ihm sah. Naja, da er vorher schon mehrere Leute vermöbelt hatte, war das jetzt nicht überraschend. Zum anderen hoffte er bei jedem schmutzigen Kampf inständig, Rondra möge zusehen. Sieh dir ruhig an, wie wenig mir die Ehre des Kampfes inzwischen bedeutet!

---

Quendan schaute dem Spektakel mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination zu. So ähnlich musste es wohl auch im wilden Al'Anfa zugehen, doch hier immerhin ohne Waffen. Er konnte schnell sehen, dass dieser Alrik seinem Gegner nicht gewachsen war. Der Jüngling machte seinem Namen alle Ehre, sein Gesicht wirkte eher wie das eines Vierzehnjährigen. Und trotzdem hatte er nicht wenige Narben an Armen und Wangen, und er bewegte sich wie ein erfahrener Kämpfer. Dieser Alrik kam dagegen nicht an, obwohl er jeden schmutzigen Trick versuchte. Doch weder der ins Gesicht geschleuderte Dreck, noch ein zwischen die Beine gerammtes Knie schienen den blonden "Jüngling" aus der Bahn zu werfen. Als Alrik schließlich einen Dolch zog, ging ein Raunen durchs Publikum. Das war klar gegen die Regeln, aber es schien niemand eingreifen zu wollen. Das war offenbar auch nicht nötig. Der Jüngling gab ihm zwei Gelegenheiten, zuzustoßen, kriegte dann seinen Arm zu packen, und im Nu lag Alrik auf dem Bauch, den Arm verdreht bis er den Dolch fallen ließ. Und weiter verdreht, bis es ein hässliches Knacken gab...

---

"Darf ich Euch ein Bier ausgeben auf Euren Sieg?" Gorwin bereute bereits, sich in die Kneipe gesetzt zu haben. "Ich trinke nicht." antwortete er. Gerne würde er trinken. Vielleicht sogar eine Menge. Aber er hatte schlechte Erfahrungen damit gemacht, betrunken seine Tarnung aufrecht zu halten. Er schaute, wer ihn da ansprach. Ein braunhaariger Mann, er sah gar nicht so schlecht aus. Seine Kleidung ein bisschen zu gepflegt für die Wildermark - der Typ war ihm vorher schon kurz unter den Zuschauern aufgefallen. - "Ihr trinkt nicht?" fragte der Kerl - er wirkte etwas überrascht. "Wie dem auch sei, ihr habt gut gekämpft." Ja, natürlich habe ich das. Gorwin wartete, auf das 'gut für jemanden Eures Alters'. Er wusste, warum man ihn den Jüngling nannte, und er hasste es. Um ehrlich zu sein hasste er eine Menge, aber das ganz besonders. Es kam aber nichts dergleichen. Vielleicht würde er doch zuhören. "Mein Name ist Quendan. Ich bin hierher gekommen mit einem Söldner, der aber nun verletzt ist. Ich brauche neuen Geleitschutz. Und Ihr seht mir aus wie jemand, der für mehr bestimmt ist als schmutzige Grubenkämpfe."

---

"Und Ihr meint, wenn Ihr das Lösegeld aushändigt, lassen diese Halsabschneider Euch und Eure Mutter einfach ziehen?" fragte der Jüngling. Gorwin. Quendan sollte unter seinem richtigen Namen von ihm denken. Je mehr er von diesem merkwürdigen Kämpfer sah, desto weniger Zweifel hatte er, es mit einem gestandenen Mann zu tun zu haben. Egal wie kindlich sein Äußeres und seine Stimme wirken mochten. Er schien ganz in Ordnung, solange man ihm keine persönlichen Fragen stellte. Quendan konnte eine gewisse Faszination nicht verhehlen. Nachdenklich ritten die beiden nebeneinander her. "Nun, ich hoffe es doch sehr. Ehrlich gesagt ist es meine einzige Option. Ich hatte meiner Mutter oft genug gesagt, dass sie sich von der Wildermark fernhalten soll. Nun ist sie an die falschen Leute geraten, aber ich werde mein bestes geben, sie wieder heraus zu holen." - "Und sollte Eure Mutter sterben, werdet Ihr ihr Geschäft erben? So wie einst Eure Kinder von Euch?" hakte Gorwin nach. - "Ja, ich werde das Geschäft übernehmen. Dass meine Kinder es aber einst von mir übernehmen werden, bezweifle ich ein wenig." Er musste etwas schief grinsen. Zum Glück hatte er Geschwister. Selbst Kinder zu machen... die Vorstellung einer Frau so nahe zu kommen war ihm doch sehr unangenehm.

---

Gorwin sah kopfschüttelnd zu, wie Quendan versuchte, sich das Kettenhemd überzustreifen. Er gehörte nicht hierher. Die Wildermark war etwas für Verlorene und Verzweifelte und Verdorbene, so wie ihn, nicht für diesen Händlersprössling. Gorwin war von Kindesbeinen an im Umgang mit Waffen und Rüstungen geschult - Quendan nicht. Und trotzdem setzte er sein Leben aufs Spiel, um seine Mutter aus den Händen zwielichtiger Schurken zu befreien. Das respektierte er. Wieder glitt das Kettenhemd klirrend zu Boden. Gorwin seufzte einmal, und erhob sich. "Lasst mich euch helfen. Gebt mir das Kettenhemd, und hebt Eure Arme." Er zog Quendan das Kettenhemd über den Kopf, half ihm, die Schnallen zu befestigen. Als er ihn berührte, lief eine Gänsehaut über seine Arme, und dann ein Kribbeln über seinen ganzen Körper. Wieder fiel ihm auf, dass Quendan echt nicht schlecht aussah. Kurz berührten sich ihre Hände, zufällig. Und hielten den Kontakt. Gorwin wurde heiß, seine Kehle trocken.

Und dann traten sie beide auseinander. "Das Kettenhemd sitzt jetzt." meinte der Söldner mit belegter Stimme. "Ähm, ja. Danke." Auch der Kaufmann wirkte etwas befangen. Gorwin beeilte sich, zu seinem Pferd zu kommen.

---

Als er nach Einzelzimmern fragte, hatte der Wirt nur gelacht. Immerhin gab es ein Doppelzimmer. Das wäre vermutlich auch sicherer, hier sollte man niemandem über den Weg trauen. Aber in einem Zimmer mit Gorwin... Quendan wurde etwas nervös. Er war schon mit anderen Männern zusammen gewesen, aber irgendwas war an Gorwin ungewöhnlich. Nicht bloß, weil sein Äußeres so ungewöhnlich war für einen Mann seines Alters. Es war noch was anderes... Doch nun hieß es erstmal warten, bis sich die Entführer bei ihnen melden, zur Gefangenenübergabe.

"Ich hänge ziemlich an ihr, weißt du?" meinte er, als sie ihr Gepäck absetzen. "Mein Vater ist gestorben, als ich noch jung war." Gorwin nickte. Sagte nichts. Er war wohl gerade nicht in der Stimmung für Gespräche. Also hing auch Quendan still seinen eigenen Gedanken nach.

"Ich habe meinen Vater überhaupt nicht kennen gelernt." klang plötzlich die helle Stimme. Quendan blicke überrascht auf. Das erste mal, dass Gorwin etwas von sich selbst erzählte. "Vielleicht wäre es besser gewesen, ich wäre mit ihm aufgewachsen, als mit seiner Mutter." Der Söldner saß auf seinem Bett. Quendan setzte sich neben ihn, nahm ihn in den Arm. Seine Haut an der seinen zu spüren ließ seinen Atem gleich wieder unruhig werden. Die Nähe des anderen Mannes ließ sein Herz schneller schlagen. Wieder berührten sich ihre Hände. Quendan drehte den Oberkörper leicht, so dass er dem anderen Mann nun zugewandt war. Langsam beugte er den Kopf nach vorne, sie konnten den Atem des anderen auf der Haut spüren - als Gorwin ihn plötzlich zurück stieß. Er blickte erschrocken, fast verängstigt. "Lass das!"

Quendan ließ sofort von ihm ab, er wollte ihn ja zu nichts drängen. "Was ist los? Ist es für dich nicht in Ordnung, wenn ein Mann einen anderen Mann liebt?" - "Was sollte daran nicht in Ordnung sein?!" Gorwin schaute ihn ehrlich irritiert an. Was wiederum Quendan irritierte. "Ja, äh. Nichts. Aber was dann?" Gorwin wandte sich ab. Leise, fast tonlos meinte er: "Ein Mann kann einen Mann lieben. Aber mich sollte man besser nicht lieben."

---

"Und Ihr seit Quendan Gerbaras?" - "Ja, das bin ich." antwortete Gorwin. Was sollte es schon. Er hatte schon verschiedene Namen geführt. Alwine, Gorwin - nun halt Quendan. Hauptsache der echte Quendan begibt sich nicht in Gefahr. "Und Ihr seid allein gekommen?" - "Ja, wie ihr es verlangt habt." log er weiter. "Ich habe das Gold dabei. Einhundert Dukaten." Er hielt den Beutel in die Höhe. Vier der Schurken nahmen um ihn herum Aufstellung. Instinktiv wäre Gorwin der Umzingelung am liebsten entgangen, aber er durfte keinen Verdacht erwecken. Die gefesselte und geknebelte Frau war wohl Quendans Mutter. Sie schaute ihn mit großen Augen an. Zum Glück konnte sie nicht sprechen, sonst würde die Scharade womöglich auffallen. "Der Sohnemann ist ja wirklich ein Hänfling" spottete einer der Banditen. "Kein bisschen Flaum an der Wange, und eine Stimme wie ein Eunuch." Gorwin spürte die Wut in sich aufsteigen. Kurz schloss er die Augen. Ruhig bleiben, er durfte nicht jetzt den Kopf verlieren. "Lasst meine Mutter gehen. Sobald sie die Bäume dort hinten erreicht hat, werde ich euch das Gold geben. Tatsächlich taten die Ganoven, wie vereinbart. Immer von einer Bogenschützin in Schach gehalten, ging Frau Gerbaras in langsamen Schritten weiter, nicht ohne nochmals irritiert zu Gorwin zu schauen. Dieser spürte das Blut in seinen Ohren pochen. 'Eine Stimme wie ein Eunuch'. Seine Hand zitterte, er durfte sie bloß nicht zu schnell zum Schwertknauf führen.

---

Mit angehaltenem Atem saß Quendan in seinem Versteck. Gorwin machte seine Sache gut. Er sah, wie seine Mutter näher kam. Schritt für Schritt. Und schließlich die Sicherheit der Bäume erreichte. "Mutter!" Er drückte sie an sich, nahm ihr den Knebel ab. "Ich werde es dir alles erklären. Das dort ist Gorwin, er hilft uns. Er wird ihnen das Gold überreichen, und dann - " Verdammt. Gorwin überreichte kein Gold. Kaum war Quendans Mutter aus dem Schussfeld des Bogens verschwunden, zückte Gorwin die Klinge. Wiedermal sah man, dass er ein hervorragender Kämpfer war. Behände sprang er beiseite, als ein Pfeil nach ihm flog, und schon ging der erste der Gegner zu Boden. Doch es stand vier gegen einen. Quendan durchtrennte die Fesseln seiner Mutter, und mit dem Kurzschwert in der Hand stürmte er los, aus dem Versteck heraus.

Als er ankam, war der Kampf bereits vorbei. Es stand keiner von den Kämpfern mehr. Mit Schrecken sah er, wie Gorwins Gewand sich immer mehr rot einfärbte. Nein, bei allen Göttern, nein. Rondra und Rahja, lasst ihn nicht hier und jetzt vor meiner Nase verbluten! Er hätte doch darauf bestehen sollen, dass Gorwin das Kettenhemd trägt! Schnell die Wunden verbinden. Mit einem raschen Schnitt war die blutgetränkte Kleidung aufgeschnitten. Die Wunden sahen böse aus. Und... Quendan erstarrte. Schaute fassungslos auf den reglosen Körper unter sich. Was zum Namenlosen?!

---

Schmerz. Rasender Schmerz. Er war also noch am Leben. Verflucht seien die Götter! Nicht mal den Tod wollten sie ihm gönnen - wieder einmal. Gorwin wollte sich aufsetzen, doch eine Hand drückte ihn nieder. "Bleib liegen, du bist verletzt." hörte er Quendans Stimme. Sie klang merkwürdig. Gorwin realisierte langsam die Situation. Offenbar hatte er einiges eingesteckt, und man hatte seine Wunden - plötzlich riss er die Augen auf, und konnte nicht anders als sich aufzusetzen. Er blickte an sich herab. Schaute dann zu Quendan. Und dieser schaute ihn an. Ein Blick, den er nicht deuten konnte. Eine ganze Weile blickten sie sich an.

"Du bist eine Frau." brach Quendan schließlich das Schweigen. Ja. Nein. Woher bei allen Götter soll ich das wissen?! schoss es Gorwin durch den Kopf. Er wusste selbst nicht, was er war. Doch er schüttelte den Kopf. Was auch immer, eine Frau ganz bestimmt nicht. So sehr ihn auch alle dazu hatten machen wollen. "Ich bin Gorwin." meinte er trotzig. Quendan blickte nun traurig. Ratlos? Enttäuscht? "Trink etwas Wasser. Und schone dich. Deine Wunden sind zum Glück nicht sehr tief." Die Stimme klang kalt. Der junge Kaufmann machte sich daran, aufzustehen, das Zimmer in der Gaststätte zu verlassen in dem sie sich offenbar jetzt wieder befanden. "Bitte warte!" rief Gorwin. "Ich weiß, was du jetzt vermutlich denkst. Ich... vielleicht kann ich es erklären. Wenn du mir zuhören willst." - "Ich weiß es nicht!" stieß Quendan bitter hervor. Er bließ tatsächlich in der Tür stehen, und sah Gorwin mit zusammengekniffenen Lippen an. "Ich weiß es nicht." wiederholte er schließlich. "Ich kann nicht reden. Nicht jetzt." Und damit ging er. Gorwin blieb allein zurück. Allein hatte er sich schon sehr sehr oft gefühlt, aber es hatte noch nie so sehr weh getan wie jetzt. Er hatte gelernt, die Leere mit Hass zu füllen. Hass auf Rondra, Hass auf seine Mutter, auf die Welt, auf den eigenen Körper. Aber den Hass mochte er gerade nicht aufbringen.

---

Schweigend hatte Quendan sich angehört, was Gorwin zu sagen hatte. Wie er bei den Amazonen aufgewachsen war. Er? Sie? Bei allen Göttern, Quendan wusste nicht mehr was er denken sollte. "Und warum bist du nicht schon viel früher weggelaufen?" Gorwin schwieg ein wenig, bevor er antwortete. Dann sagte er, mit seiner hellen Stimme: "Ich hatte eine Pflicht. Die Pflicht steht über der Einzelnen. Ich hätte niemals meinen Posten verlassen für so etwas wie mein persönliches Befinden." Verständlich. Die Welt fragt nicht, welchen Platz man zugewiesen bekommen will. "Aber warum bist du dann doch gegangen?" - "Ich habe jeden Tag gehört, dass nur Frauen für den Dienst an der Göttin geschaffen seien. Dass Männer minderwertig seien. Und ich habe jeden Tag versucht, diese Frau zu sein. Doch das Gefühl, alle um mich herum, und Rondra selbst, anzulügen, es wurde irgendwann übermächtig. Was für eine großartige Göttin, nicht wahr?! Laufe ich davon, erfülle ich meine Pflicht nicht. Bleibe ich, erfülle ich meine Pflicht ebenso wenig. Welche Wahl lässt sie einem?!"

Quendan sollte ihm... ihr?, vermutlich ein paar Takte dazu sagen. Egal wie das eigene Schicksal ist, so sollte man nicht über die Götter reden. Aber er hatte gerade keine Worte. Was er hörte, war zu viel. Gorwin war eine Frau, jedenfalls sagte das sein, ihr Körper ganz eindeutig. Die Vorstellung, dass er beinahe einer Frau auf rahjaische Weise so nahe gekommen wäre, befremdete ihn. Doch zugleich blickte er in Gorwins grüne Augen, in die er sich verliebt hatte. Die rauen, schwieligen Hände die er auf seinen gespürt hatte. Er wusste ja selbst nicht, was er denken sollte!

---

Ein Jahr später, in einer Stadt im Mittelreich

Die Frau im regenbogenfarbenen Gewand lächelte ihn an. "Ja, ein Jahr. Ich weiß, du bist ein Kämpfer, und ich verlange nicht dass du das Kämpfen für immer aufgibst. Doch du hast geschworen, ein Jahr keine Waffe anzurühren. Damit du lernst, dass es noch etwas anderes im Leben gibt. Damit du neue Seiten an dir entdeckst. Vielleicht wirst du ein Dichter. Vielleicht auch ein Kaufmann - dein Verlobter könnte sicher deine Hilfe gebrauchen. Es liegt an dir, was du jetzt aus deinem neuen Leben machst." Ja, die Tsa-Geweihte hatte recht. Gorwin hatte es geschworen, und es war ja nur angemessen. Tsa hatte etwas Großes für ihn getan. Da konnte er diese Gegenleistung auch für sie erbringen. Noch einmal schaute er in die Wasserschale. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er wirklich das Gefühl, sein eigenes Spiegelbild zu sehen. Er hätte es eher machen sollen. Aber er hatte auch lange Zeit nicht gewusst, dass die Wandelbare und ihre Diener solche Liturgien kannten. Es ist ja nicht so, als hätte er der Jungen Göttin jemals vorher in seinem Leben Bedeutung beigemessen.

Als er aus dem Tempel heraustrat, fühlte er sich ungewohnt. Vieles an seinem Körper hatte sich verändert. Quendan erwartete ihn bereits, schloss ihn in die Arme und gab ihm einen Kuss. "Und, wie fühlst du dich?" - "Wie ein Neugeborenes, dass erstmal laufen lernen muss." Moment, seine Stimme war quietschig wie bei einem kleinen Kind. Was zum Henker?! "Ähm..." jetzt klang sie dunkel. "Was geschieht hier?" - nun klang seine Stimme wieder hell, wie er es gewohnt war. Quendan lachte herzlich, und grinste ihn an: "Stimmbruch..." Und dann nahm er seine Hand. "Du bist wiedergeboren. Dein neues Leben erwartet dich." Gorwin lächelte ihn an. Du bist mein neues Leben.

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Fenia_Winterkalt
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Ungelesener Beitrag von Fenia_Winterkalt » 15.06.2020 16:23

Aww eine tolle Geschichte! :heart: Mhm nmm ich glaub mir ist was ins Auge geflogen...

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Sarafin
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Ungelesener Beitrag von Sarafin » 15.06.2020 16:23

Klasse Aktion!
Und mega tolle Geschichte. Danke, Madalena! :)
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Ungelesener Beitrag von Grakhvaloth » 15.06.2020 16:25

Wirklich eine tolle Geschichte! Danke dafür.

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Feuer!
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Ungelesener Beitrag von Feuer! » 15.06.2020 17:00

Ich glaube, meine Augen sind undicht ...

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Farmelon
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Ungelesener Beitrag von Farmelon » 15.06.2020 17:01

Das war wirklich sehr schön. :)

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affinno
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Ungelesener Beitrag von affinno » 15.06.2020 17:45

Ich fand die Geschichte auch sehr schön, danke dafür! :gardianum:
Liebe jeder Art für alle Aventurier - für ein gesundes Kuschelaventurien!

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Horasischer Vagant
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Ungelesener Beitrag von Horasischer Vagant » 15.06.2020 17:56

Tolle Geschichte @Madalena! :) :6F:
Besuche mit Deinem Helden das Shaya´al´Laila in Zorgan (offenes RP)

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Vanni Fucci
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Ungelesener Beitrag von Vanni Fucci » 15.06.2020 19:52

Madalenas Messlatte ist jetzt verflucht hoch. Ich bezweifle, das meine simple Erzählung aus meiner Spielrunde da auch nur irgendwie dran kommt. Ich denke aber, das sie es wert ist, geteilt zu werden.

An dieser Stelle leichte Spoiler für den Verlauf der Drachenchronik! Wer diese noch spielen möchte, sollte die eingängliche Erklärung NICHT lesen.
Drachenchronik Band 1 - DrachenschattenShow
Nach den Geschehnissen der ersten drei Abenteuer, gerade nach denen von '24 Stunden in Khunchom', treibt es die Gruppe nach Vallusa. Dort sollen die Helden mit der Leiterin des dortigen ODL, Llezean von Vallusa, Kontakt aufnehmen. Sie soll ihnen, mittels Empfehlungsschreiben von Khadil Okarim, bei der Entschlüsselung der Birscharolle helfen.
Zu Gast in freundlich gesinnten MauernShow
Nach der Ankunft von Albin Wolpjes, einem bornischen Jäger und Allef, einem novadischen Peitschenkämpfer, trieb es die Helden durch die Stadt zu ihrem Bestimmungsort. Sie hatten am Stadttor keine Probleme, da sie ein Empfehlungsschreiben einer weit und gut bekannten Akademie bei sich trugen.
Auch an den Toren des Hauses, das sie aufsuchen sollten, gab es keine Probleme. Die Torwächter baten um einen Moment, die Herrschaften anzukündigen. In der Zwischenzeit konnten diese 'aber gerne schon einmal eure Pferde und Wagen unterbringen, man wird euch holen'. So übergaben Allef und Albin den Wagen, Allef kümmerte sich um die Pferde und dann wurden die Beiden auch schon geholt.
Nach einer kurzen Vorstellung und Erklärung ihres 'Problems' bei der Leiterin des Hauses, lud diese Allef und Albin ein, ihrer Wartezeit gerne innerhalb der Mauern verbringen zu dürfen. Kost und Logie mussten nicht gezahlt werden. Sie durften sich frei bewegen und auch gerne die Stadt weiter erkunden. Diese Gelegenheit wurde auch genutzt. Nicht jedoch, ohne Frühstück und Abendbrot bei hrem Gastgeber zu nehmen.
Dort war es, wo die beiden Helden die Aufmerksamkeit zweier Gardisten des Hauses auf sich zogen. Die junge Frau und der junge Mann (ich kann die Namen in meinen notizen nicht finden, daher einfach Alrik und Alrike), beide miteinander befreundet, warfen den beiden immer mal wieder Blicke zu. Waren sie es, im vorbeigehen, oder aber durch den Speisesaal.
Ein oder zwei Tage später geschah es dann, das beide beim Frühstück sich zu Albin und Allef gesellten. Es wurde sich freundlich unterhalten, man lernte sich kennen und es lagen sogar. Alrike und Alrik stellten sich vor, erzählten von ihren Funktionen und ihrer Ausbildung und erfuhren, ob der Natur ihrer Aufgabe, 'nur' das Albin und Allef 'Gäste der Hausherrin sind, sie hilft uns aus'. So bekamen beide das Angebot, das man ihnen in der Zwischenzeit das Haus genauer zeigen könnte. Jeder kannte da so seine Ecken.
Albin wurde daher kurzerhand auf einen Spaziergang auf der Mauer eingeladen, da Alrik seinen Dienst zu verrichten hatte, während Allef eine Führung bekomme sollte, Abends, nach Dienstschluss. Der 'Spaziergang' fand im Lichte des Mondes statt, die Mauer war schon fast merkwürdig leer, aber angenehm ruhig. Doch so sehr sich Alrik mühe gab, behutsam und einfühlsam Albin näher zu kommen, so musste er feststellen, das dieser Mann sich nichts aus der Gesellschaft machte.
Indes wurde Allef von Alrike abgeholt. Diese hatte eine Lampe und einen Schlüssel zur Hand. Nach etwas 'herumirren in den Gängen' gelangten sie zu einem Vorratsraum. Für diesen schien der Schlüssel zu sein, den Alrike mit sich trug. Kurzerhand öffnete sie den Vorratsraum und beide schlichen hinein. "Niemand weiss das ich den Schlüssel habe, aber dieser Raum wird sowieso selten benutzt." Und in der Tat waren die Regale verstaubt, sowie die Decken und Fässer die dort lagerten. Es gab jedoch eine Ecke, die sauberer schien, in der auch Kleinigkeiten bereitgelegt waren. Alrike hatte offensichtlich etwas zu Essen zu trinken und Decken zum sitzen ausgebreitet. Bei Wasser und Brot kamen sich Allef und Alrike näher. Wobei es Allef schnell dämmerte, was vor sich gehen sollte.
Dies war der Zeitpunkt, an dem Allef ihre wahre Identität, Harani, Tochter der Wüste, mit Alrike teilte. Sie erklärte ihr auch, warum sie diese Maske des Jünglings trug: als Mädchen sollte Harani verheiratet werden, was ihr nicht passte. Sie floh vor ihrer Sippe und tarnte sich als Waisenjunge, um bei einer anderen Sippe aufgenommen zu werden. Dort lebte und arbeitete Allef dann, bis er und die Sippe in die Geschehnisse der Drachenchronik hineingezogen wurden.
Dies war der Moment der Erkenntnis für Alrike, zweierlei. Sie erfuhr vom waren Ich des Jungen, in den sie sich verguckt hatte. Und sie erfuhr von einer weiteren Neigung ihrer selbst. Es verwirrte sie zwar, aber Alrike merkte, das die Anziehung nicht dahin war. Ganz im Gegenteil, eine gewisse Neugier flutete ihren Körper. Eine Neugier, die Harani ihr nicht verwerte.
Hart wie Stein, scharf wie Stahl.
Angrabal Steinbrand in der Spielsteinkampange
Mercutio Mervollo Micheangello da Kuslik bei den Theaterrittern

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Feuer!
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Ungelesener Beitrag von Feuer! » 15.06.2020 20:35

Auch von mir eine kleine Geschichte ...Show
Zorgan, in neuerer Zeit

Rahjanas Schritte führten sie wie automatisch auf ihrem morgendlichen Weg durch den Rosengarten. Ihre Hände berührten die zarten Rosenblätter ehrfürchtig, und hin und wieder blieb sie stehen, um den Duft einzuatmen. Dem zufälligen Beobachter mochte es scheinen wie jeder andere Morgen. Doch Rahjanas Gedanken waren alles andere als ruhig und besonnen. Was ist los mit mir? Bestraft meine Göttin mich? Habe ich ihr nicht immer mit Freude gedient?

---

Im Schatten der Tempeltür stehend beobachtete Andare ihre junge Geweihte. Schon seit einer Weile machte sie sich Sorgen, denn die junge Frau vermied in letzter Zeit den Dienst an der Göttin, wo es nur ging. Irgendetwas bedrückt sie. Sie war sonst immer so enthusiastisch bei der Sache, doch neuerdings scheint sie regelrecht Angst davor zu haben ... Sie löste sich aus dem Schatten und ging zielstrebig zu Rahjana, die nun einen etwas abgeschiedeneren Ort des Rosengartens erreicht hatte.
"Rahjana, kann ich einen Augenblick mit dir reden?" fragte sie sanft.
Rahjana zuckte zusammen, fing sich aber schnell. "Oh, Mutter Andare, na...natürlich, worum geht's?"
Andare seufzte. So viel Angst ... Sie legte mütterlich einen Arm um die Schulter der jungen Geweihten. "Du wirkst in letzter Zeit sehr bedrückt. Ist etwas passiert? Hat ..." Sie zögerte einen Moment, doch dann fuhr sie leise fort: "Hat jemand der Göttin gefrevelt und dir wehgetan?"
Rahjanas Kopf schnellte hoch und sie schaute die Hochgeweihte mit großen Augen an. "Was? Nein, nein, ganz sicher nicht! Nein, das ist es nicht ..."
Andare fiel ein Stein vom Herzen, da sich ihre größte Sorge nicht bestätigte. "Was ist es dann?", hakte sie vorsichtig nach.
"Ich ..." Rahjana wandte sich beschämt ab und flüsterte den Rest mit tränenerstickter Stimme: "Ich fürchte, ich habe die Göttin erzürnt. Ich finde keinen Spaß mehr am Dienst an der Göttin und wünschte, ich müsste es einfach nie wieder tun."
Andare blieb stehen und zwang Rahjana so, ebenfalls stehenzubleiben, wenn sie der Hochgeweihten nicht davonlaufen wollte. Sie fasste Rahjana sanft am Kinn und drehte ihr Gesicht so, dass die beiden sich in die Augen sehen konnten. Rahjana senkte den Blick zu Boden, doch Andare sagte: "Nein, sieh mich an, Kind." Sie wartete geduldig, bis Rahjana sich traute, ihr in die Augen zu schauen. Tränen verschleierten den Blick der jungen Geweihten. "Du hast Rahja nicht erzürnt. Aber du leistest ihr auch keinen Dienst, wenn du es nicht freiwillig und gerne tust. Ich werde dich nicht mehr für den Tempeldienst einteilen."
Kaum hatte sie das letzte Wort gesprochen, da fing Rahjana an zu schluchzen.

---

Sie will mich aus dem Tempel schmeißen, weil ich Rahja nicht mehr dienen kann! Ihre ganze Welt brach zusammen. Rahjageweihte zu sein war schon von klein auf ihr Traum gewesen, und als die Göttin sie dann für würdig empfunden hatte, war ihr Herz fast explodiert vor Freude. Sollte es das nun gewesen sein? Sie entschuldigte sich unter Tränen und flüchtete sich in ihre Kammer.

Drei Wochen später

Andare begrüßte die neu angekommene Schwester überschwänglich. "Toll, dass du so schnell herreisen konntest! Ihr Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag, sie weigert sich zu essen oder ihre Kammer zu verlassen."
Tanigunde raffte ihre deutlich praktischer anmutende Robe auf und nickte. "Führ mich zu ihr, das arme Ding muss völlig verzweifelt sein."

---

Es klopfte, doch Rahjane starrte weiter mit leerem Blick auf die Wand vor ihr. Was hatte es denn für einen Sinn? Sie konnte ihrer Göttin nicht mehr dienen.
Die Tür öffnete sich, doch statt Andare, die mal wieder versuchen wollte, sie zum essen zu überreden, stand eine schon etwas ältere, blonde Frau in einer roten Wollrobe vor ihr und lächelte sie an.
"Hallo, Rahjane. Ich bin Tanigunde, aus Baliho. Darf ich mich setzen?"
Rahjane nickte kaum merklich. Was wollte eine Geweihte aus Baliho hier?
Tanigunde setzte sich ihr gegenüber auf einen Schemel und blickte sie an. "Andare hat mir geschrieben, dass du Angst hast, unserer Göttin nicht mehr dienen zu können. Stimmt das?"
Rahjane schluckte die aufsteigenden Tränen wieder runter und nickte.
"Weißt du, bei uns im Norden dienen wir Rahja auf andere Art und Weise. Wir züchten Pferde."
Jetzt hatte sie Rahjanes Aufmerksamkeit. "Ihr ... ihr züchtet Pferde? Aber was ist mit dem Tempeldienst?"
"Wir haben eine Geweihte, die ihn anbietet, aber es ist nicht die Hauptaufgabe unseres Tempels. Rahja kann man auf unterschiedlichste Art und Weise dienen. Du bist nicht kaputt, und du bist auch keine schlechte Geweihte, nur weil du einen der Dienste nicht mehr anbieten kannst."
"Aber ... warum kann ich es nicht mehr? Was ist mit mir passiert?"
"Vielleicht hat Rahja erkannt, dass du ihr auf andere Art und Weise viel besser dienen kannst. Du bist nicht die erste, von der ich so eine Geschichte höre. Manchmal passiert es einfach, dass die Götter uns nach einigen Jahren anderen Aufgaben zuführen, wo sie uns dringender brauchen."
"Es gibt noch andere wie mich?" In Rahjanes Stimme schwang nun Hoffnung mit. Hoffnung, dass es für sie tatsächlich eine Zukunft in Rahjas Schoß gab, wenn sie doch nicht die Einzige war, der so etwas passierte. Hoffnung, dass es tatsächlich Rahjas Wille und nicht eine Bestrafung war.
Tanigunde lächelte sie an. "Eine von ihnen sitzt vor dir."
"Du?"
Tanigunde nickte bloß.

Fünf Monate später, Baliho

Rahjane hatte ihre Scheu vor den großen Tieren inzwischen verloren, aber die Kälte hier oben im Norden war immer noch ungewohnt. Dennoch war sie glücklich. Die weiße Stute an ihrer Seite graste gemächlich, während Rahjane in die Ferne schaute, gen Süden. Ach Zorgan, du wirst auf immer meine erste Heimat bleiben, aber ich danke Rahja, dass sie mir eine zweite Heimat gezeigt hat.

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Ungelesener Beitrag von Farmelon » 16.06.2020 02:53

Mir war auch nach einer Geschichte. Es soll ja auch je nach Schwerpunkt mal um sonst eher selten beleuchtete Kulturen gehen. Und da geht die Ansicht von Gut und Richtig ja auch schon einmal auseinander. Sorry das es deswegen kein klassisches Happy End gibt, aber nach jedem Winter kommt auch wieder ein Frühling.
@Sumaro, ich hoffe dir gefällt die kleine Anleihe.^^


Asthor und Swafnan - Eine fjarningsche Sippengeschichte
SpoilerShow
Der Winter ist lang und kalt. Länger und kälter als viele davor. Seid die böse Eishexe ihre Klauen ausstreckte wurden die Winter länger, das Frühjahr kam immer später. Doch diesmal ist es besonders schlimm. Schon der letzte Sommer war kurz und das Essen wird schon länger knapp. Die Alten wissen was zu tun ist, ebenso die Jungen. Noch ein letztes warmes Feuer, eine letzte warme Mahlzeit. Noch einmal beisammen sitzen. Der Geruch des Feuers liegt in der Luft, knisternd und knackend als die letzten Brocken Fleisch verzehrt werden und der starke Alkohol herum gereicht wird. Stark genug das selbst Frunus Grimm ihm weder Feuer noch flüssige Form nehmen könnten.

Die alte Grabna, Mutter vieler starker Söhne und Töchter trinkt als letztes, streckt dann ihre schmerzenden Finger dem Feuer entgegen. Schwielen, von einem harten Leben, das dunkle Haar mit Grau und Weiß durchzogen. Sie ist alt, sie weiß es. Sicher würden Außenstehende ihr widersprechen, wo anders hätte sie sicherlich noch viele gute Jahre vor sich. Aber sie ist eine Tochter Frunus. Fast zu alt um bei ihrem Leben noch einen Beitrag leisten zu können. Ihr Blick schweift über die anderen Menschen, so jung das sie noch gesäugt werden müssen bis hin zu ihrem Alter. Bedauern in ihrem Blick, Trauer. Das Leben eines Eiskindes war noch nie leicht. Doch seit die Eishexe Angaras Segen immer weiter verbannt ist es mehr als das. Härte ist gut, es braucht ein hartes Leben um die Kinder Frunus und Angaras abzuhärten. Aber es wird immer schwerer zu überleben. Und sie werden immer weniger. Sie klagt nicht, beschwert sich nicht. Frunus erhört keine Gebete. Nur die Harten überleben. Aber wenn die Jungen, welche die Eistaufe und auch die Drachenprüfung überlebt haben sterben, ihnen verwehrt wird in diesem Leben Stärke und Härte zu sammeln, dann ist es nicht mehr Frunugefällig. Und sie werden sich der Eishexe niemals ergeben und den wahren Göttern abschwören. Aber es gibt noch Hoffnung, die Jungen und Starken. Und andere Sippen sollen sich mit sogar mit Orks verbündet haben. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Zumindest kennen sie Stärke, respektieren sie. Ein Kriegshäuptling der Orks, ein Schamane Frunus Volkes mit Wolfsmutter und dieser andere. Ja, sie hat davon gehört. Vielleicht ist das Hoffnung, wenn sich ihre Sippe ihnen im nächsten Frühjahr anschließt. Wer weiß. Zumindest bedeutet es nicht aufzugeben. Keine Schwäche. Sie hört den Zweifel der anderen, das Raunen, sie sieht die Unsicherheit, schon länger. Nicht erst seid heute. Vielleicht kann sie ihrem Volk ja doch noch einen letzten Dienst erweisen, wer weiß.

Sie trinkt noch einen Schluck, ehe sie die Schale weiter reicht, greift nach einem Fladen getrockneten Dung und wirft ihn ins Feuer, der knackend aufbricht und eine hellere Stichflamme zur Folge hat. Sie erhebt ihre rauere, heisere Stimme und wartet bis alle verstummt sind. Immerhin ist das hier ihre Nacht, niemand würde es wagen die alten Sitten und Gebräuche zu ignorieren. Wenn sie etwas zu sagen hat, dann hört man ihr zu. Ihre Stimme ist nicht laut, der eisige Sturmwind wird von dem Zelt geschluckt, aber bald hängen alle an den Lippen Grabnas um auch ja keines ihrer Worte zu verpassen. Eine unglaubliche Wärme ergreift ihr Herz dabei, Zuneigung, Liebe. Das hier ist ihre Sippe, ihre Familie. Und dann beginnt sie zu erzählen.

„Wir alle sind Kinder Frunus und Angaras, jedes einzelne Eiskind. Aber ihr, meine Kinder, ihr seid auch Kinder von Asthor und Swafnan. Ihr habt alle schon von Asthor gehört, nicht wahr? Einer der größten Jäger und Kämpfer die diese Sippe jemals gesehen hat. Ihr kennt seine Geschichten, wie er den großen Drachen erschlug, die dunklen Alfar erschlug, wie er sich alleine dem gewaltigen Frunusbären entgegen stellte und gewann, die Sippe mit dessen Fleisch über den Winter brachte. Immer einer der ersten für die Jagt, einer der letzten der zurückkehrte. Und so gut wie nie mit leeren Händen. Viele der kräftigen Frauen buhlten um seine Gunst, aber nur zu unseren Frühjahrsriten der Fruchtbarkeit kam er seinen Pflichten als Mann wirklich nach. Er war ein gut aussehender Mann, gezeichnet von all seinen ruhmreichen Kämpfen am ganzen Körper. Nicht dass es ihm jemand übel nahm, er war immerhin oft und viel unterwegs. Und nicht jeder schafft es die Pflichten der Herzen mit denen der Sippe gegenüber in Einklang zu bringen. Aber von Swafnan habt ihr noch nichts gehört. Dabei war er ein ebenso großer Mann wie Asthor selber. Ja, Swafnan, wie der dreifach verfluchte Zwafnir. Möge Frunus ihn auf ewig aus seinem Meer jagen und an Land verdorren lassen.

Es ist lange her, sehr lange. Ich selber war noch jung und unberührt als ich die Geschichte gehört habe. Und sie wurde nicht oft erzählt. Asthor war wie so oft alleine unterwegs, auf einer seiner großen Jagten. Nur das er nicht zurückkam. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, aber als er immer länger fehlte suchte man nach ihm. Vielleicht, so dachte man, hat er ja seinen Meister gefunden. Und man wollte seinen Körper den Skuldrun übergeben, dass er in den Eishöhlen zur Ruhe gebettet werden könnte und bis zur letzten Schlacht ruhen. Doch sie fanden ihn nicht. Seine Spuren führten zu einem großen Schlachtfeld, wo viele Leichen fort waren. Egal ob Mensch, Tier oder etwas anderes. Und so brach große Trauer aus, einen solch großen Mann verloren zu haben für den letzten Kampf.
Nur einige Tage nachdem die traurige Kunde alle erreicht hat geschah das womit keiner mehr gerechnet hat. Asthor kehrte zu seiner Sippe zurück. Auf ein merkwürdiges, vierbeiniges Tier gebunden, keines dieser Pferde. Kleiner, aber stark. Ein Esel. Er war darauf gebunden, der Körper mit schweren Wunden übersäht. Und der Mann der bei ihm war, der das Tier führte, der war ein Thorwaler. Groß, kräftig, das man ihn fast für einen von uns hätte halten können. Das flammend kupferne Haar zurück gebunden und in der Sonne leuchtend wie Angras Feuer, wo das von Asthor so hell war das es beinahe durchsichtig wirkte. Und gekleidet in die Tracht der verdammten Meerdämonanbeter. Sie schlugen ihn nieder ehe er sich gegen uns wenden konnte, von einem Speer durchbohrt ging er zu Boden ehe er selber etwas tun konnte. Hätte Asthor sie nicht abgehalten, dann hätten sie den Meermann an Ort und Stelle getötet.

Doch Asthor hielt sie ab, selber kaum bei Bewusstsein. Und so brachte man sie zum Zelt der Heilerin, dass diese sich den Wunden der beiden annehmen sollte. Es dauerte mehrere Tage bis der Rothaarige wieder zu Bewusstsein kam, Zeit in der auch Asthor dank dem Wissen der Vorfahren wieder zu Kräften kam und die anderen aufklären konnte. Ein junger Drache, der die Jagd unterbrach, verfolgt von einigen anderen Jägern. Der Rothaarige einer davon. Und er rettete Asthor das Leben, kümmerte sich um ihn wo andere aufgegeben hätten. Und eigentlich hätten Asthors Wunden viel schlimmer sein müssen. Eine Lebensschuld, etwas das man niemals auf die leichte Schulter nehmen sollte. Und beinahe hätte man den Mann, der den großen Jäger gerettet hat ins Totenreich befördert. Oh, die Wut des Jägers war beinahe grenzenlos und brannte hell und heiß wie Angaras Leidenschaft für Frunus. So dass ihnen bald schon beinahe jeder aus dem Weg ging. Außer der Heilerin, welche versuchte den Roten wieder daran zu hindern das sein Meeresdämon ihn zu sich holte.

Eine Lebensschuld geht tief. Als der Rote wieder zu sich kam stellte sich heraus dass er eine Art Schamane war. Und so konnte er auch einen Teil seiner eigenen Wunden weiter heilen und so früher als gedacht das Krankenlager wieder verlassen. Nicht das er sehr willkommen war. Und das ließen ihn viele spüren. Aber eine Lebensschuld geht tief. Und so wurde er geduldet. Als er wieder bei Kräften war nahm Asthor ihn mit auf die Jagt, zeigte ihm unsere Art zu leben. Swafnan zeigte sich entsetzt, schimpfte uns Barbaren, dabei tun wir das wir tun müssen um zu überleben schon seit wir erschaffen wurden. Einmal holte er ein Kind herein, das für die Eisprüfung ausgesetzt wurde, damals wurde er trotz der Lebensschuld beinahe wieder hinaus gejagt. Er hatte dem Kind die Möglichkeit genommen stark zu werden. Nachdem Asthor mit ihm sprach gingen sie beide raus. Der Rote verfluchte unsere Art zu leben aber er ging gemeinsam mit dem Kind hinaus und sie überstanden die Nacht. Und auch wenn er unsere Art zu leben verfluchte, gewann er so doch auch ein wenig Respekt indem auch er die Kälte überstand.
So vergingen die Tage und wurden zu Wochen. Swafnan verließ uns um zu seinem Volk zurück zu kehren, alles wurde wieder so wie es sein sollte. Asthor war wieder oft unterwegs, jagte und kämpfte für die Sippe. Und irgendwann kam der Winter. Oh die Winter, so wunderschön und hart. Frunus Winter waren anders als die heute welche von der Eishexe verdorben sind. Sie waren hart, aber gerecht. Und der Frühling, wenn Angaras Haus Frunus Kälte milder werden ließ waren wunderschön. Und so feierten sie die Frühlingsrituale so wie jedes Jahr. Nur das Asthor diesen das erste Mal fern blieb, als alle anderen daran teilnahmen. Nun, er hatte seine Pflichten viele male erfüllt, doch es fiel auf, denn er war ein begehrter Jäger. Und so erzählte man sich bald, das Swafnan ihn sicher irgendwie verhext haben müsste. Die typische Trickserei die man von den Anhängern des Waldämons erwarten konnte. Immer mehr zog der große Jäger sich zurück, immer länger wurden seine Jagten. Und immer seltener brachte er große Beute, so dass man sich Sorgen machte. Vor allem als Asthor den Frühlingsfeiern auch das Jahr danach fern blieb, ebenso das Jahr darauf.

Bis, eines Tages, andere Jäger ihn auf einer seiner Jagten fanden. Zusammen mit Swafnan, so wie Frunus und Angara die Welt erschufen. Feuer und Eis vereint. Das war der Beweis, es konnte nicht anders sein! Der Thorwaler hatte ihn verhext. Und so lauerte man ihm später auf, Asthor abgelenkt um ihn zu schützen, und ein paar der Jäger versuchten den bösen Zauberer zu töten um Asthor zu befreien. Oh, was für ein Kampf. Aber mit seinen Zaubertricks schaffte es der Rote doch noch zu fliehen. Asthor, als er es herausfand, war beinahe außer sich und kurz davor das Blut seiner eigenen Sippe zu vergießen. Und dann floh er, ließ alles und jeden hinter sich. Verließ seine Sippe um dem Thorwaler zu folgen.

Damit könnte die Geschichte zu Ende sein, aber das ist sie nicht. Einige Jahre später, als unsere Sippe einem gewaltigen Feind gegenüber stand fanden die beiden gemeinsam ihren Weg zurück. Gerade noch rechtzeitig, denn unsere Jäger und Kämpfer drohten zu unterliegen und ausgelöscht zu werden. Und danach alle anderen. Es war eine denkwürdige Schlacht, die viele Opfer kostete. Aber unsere Sippe trug den Sieg davon. Nicht zuletzt dank Asthors Kraft und auch Swafnans Magie welche Eis und Schnee selber gegen unsere Feinde hetze. Aber auch hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn gerade als alles gerettet schien stürzte sich ein vernarbter, wütender Drache auf die welche überlebt haben. Angezogen von der Schlacht erscheinen böse Geister, welche die Seelen der Gefallen an sich reißen wollten, aber auch dem stellen sich Asthor und Swafnan entgegen, bewahrten die Gefallenen davor für Frunus letzten Kampf verloren zu sein. Und sie bewahrten die Lebenden davor zu früh in den Eishöhlen zur Ruhe gebettet zu werden. Doch es war auch ihr letzter gemeinsamer Kampf. Jeder Körper, jede Magie kennt Grenzen. Niemand weiß wie genau ihr letzter Kampf abgelaufen ist, aber aus beiden war das Leben gewichen als man sie fand. Seite an Seite, eng umschlungen. Ausgezehrt als hätten sie ihre Lebenskraft, ihre Stärke selber geopfert um die bösen Geister zu bannen.“


Die alte Grabna erhebt sich ächzend, nachdem die Schale mit dem Alkohol noch einmal bei ihr war und sie einen weiteren Schluck nahm um ihre schmerzenden Knochen und Gelenke zu beruhigen. „Die Skuldrun betteten die beiden genauso in den Eiskavernen. Eng umschlungen, bis Angaras Feuer die beiden ebenso wie alle anderen am Ende aller Zeiten zum letzten Kampf zurückholt. Manchmal muss man neue Bündnisse wagen, sich auf etwas Unbekanntes einlassen. Vielleicht müssen wir auch ungewöhnliche Wege gehen, aber wenn Frunus Volk überleben will, dann muss die Eishexe fallen. Denkt darüber nach. Der Frühling naht, früher wäre er schon hier gewesen. Ich spüre es in meinen Knochen. Und vergesst Asthor ebenso wenig wie Swafnan, wenn ihr den Mut sucht etwas Neues zu wagen, anstatt das unser Volk mit jedem Winter schwächer wird.“

Nach diesen Worten geht sie noch einmal zu jedem, verabschiedet sich von der Kleinsten bis zum Größten, wie es auch noch eine Handvoll weiteren Ältesten tun. Um dann zu dem Skuldar zu gehen, der sich schon erhoben hat und geduldig wartet. Noch ein letzter Blick, voller Liebe als die alte Grabna an all die guten Zeiten denkt. Der Frühling ist nahe. Die Vorräte müssen nur noch etwas länger reichen. Und ihr Platz in den Eiskavernen wartet schon, als sie gemeinsam mit den anderen in die Kälte hinaus tritt.

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Ungelesener Beitrag von Djembo » 16.06.2020 14:40

Von mir kommt ein etwas deprimierenderer Text, ein Rechtsgutachten eines Garether Richters für einen bornischen Fürsten

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Salponius Severus, Iudex zu Gareth, grüßt untertänigst Fürst Travian von Firunstein zu Neersand,

seiner Durchlaucht, dem höchstedlen Fürsten, Held der Grünfahnenlanze, Orkentod, Sieger aller Winterturneien der sechs Wälder, Gnädiger wider die Armen, Gesegneter des höchsten Richters in Alveran sei die stete Dienstbarkeit meiner selbst sowie meiner Kanzlei in perpetuum angetragen.
Ihro Durchlaucht trug mir in seinem Schreiben vom 17.Peraine 1033BF an, ein Gutachten über die Zweifel der schändlichen Widersacher seiner Hoheit an der Rechtmäßigkeit der Ehe seines Sohnes Travian von Firunstein der Jüngere im Volke bekannt unter dem Ehrennamen Rondrian, anzufertigen.
Zunächst werde ich den Fall darlegen, so wie seine Hoheit ihn mir in seinem Schreiben beschrieben hat:
Am 30. Efferd 1032 wurde der Bund zur Ehe im Namen der edlen Herrin Rondra sowie des grimmigen Herren Firun zwischen Travian von Firunstein dem Jüngeren Rondrian und der edlen Dame Ifirnania Alatzen im Beisein der Geweihten der Herren Rondra Ardare von Finstertal, des Geweihten des Herren Firun, der unter dem Namen Grimmpfeil bekannt ist, des Fürsten Travian von Firunstein zu Neersand und seiner Gemahlin Hildegard Mersen, dessen Kindern und und weiterer Familie, der Brauteltern Fürst Haldan Alatzen zu Schneefeste und Fürstin Sumaida Alatzen zu Schneefeste, deren Kindern sowie viel des Volkes in facie templi et castrum sowie unter Beachtung der Muntsitte geschlossen. Travian von Firunstein der Jüngere Rondrian und die edle Dame Ifirnania Alatzen versprachen einander in ihren Gelübden, zu allen Zeiten auf Deren in Geist und Herz einer Gesinnung zu sein, einander die Treue zu halten und ihrem Land Reichtum und Sicherheit zu geben. Die Ehe wurde formell korrekt nach den Gesetzen der Menschen und der Götter unter Durchführung des alten Brauches von Handergreifung, Kniesetzung und Fußtritt geschlossen und in der folgenden Nacht in Anwesenheit der Zeugen Fritjoff von Firunen, Ilmen Bornski, Xebbert Drulgosch des Rotpelzschänders [hier sei die Anmerkung gestattet, dass dieser Beiname so tatsächlich korrekt ist] sowie Olja von Firunen, Veroska Sewerski von Waid und Jadwine Ulmensen vollzogen, das blutige Laken wurde vorgebracht und anerkannt. Bereits die Nacht der Eheschließung wurde von der Herrin Tsa gesegnet und erbrachte am 1. Praios des Jahres 1032 die Geburt einer gesunden Tochter, der der Name Traviane von Firunstein verliehen und von der Priesterin der Herrin Rondra Ardare von Finstertag bestätigt wurde. Sorgen der Mutter, die Hinauszögerung der Geburt durch Kräuter könne dem Kind schaden, haben sich nicht gestätigt, das Kind ist gesund und bei klarem Verstand, es hat den Geburtssegen erhalten.
Am 4. Travia des Jahres 1033 BF brachte der Burgdiener Tannjew Hollerow dem Fürsten Travian zu Firunstein zu Neersand seine Beobachtung zur Kenntnis, er habe Travian zu Firunstein Rondrian in den Ställen der Burg gesehen, wie er mit Fritjoff von Firunen Küsse ausgetauscht habe, doch "nicht in der Art der frommen Rittersleut sondern so wie Eheleute es miteinander zu tun pflegen". Als seine Durchlaucht die Gemächer seines Sohnes aufsuchte, um von diesem höchstselbst unter Beisein der Geweihten der Herrin Rondra Ardare von Finstertal Rede und Antwort zu fordern, sah er Travian zu Firunstein Rondrian gemeinsam mit Fritjoff von Firunen auf der Herrin Tsa nicht gefällige Art der Herrin Rahja opfern. Vom Lärm des entstehenden Streitgesprächs aufgeschreckt trafen auch bald Ifirnanja Alatzen und Ulja von Firunen gemeinsam ein, die nach Art der Burgherrinen und ihrer nahen Freundinnen genächtigt hatten. Ifirnanja Alatzen setzte sich für Travian von Firunen Rondrian ein und erwirkte, dass Fürst Travian von Firunen zu Neersand von einer sofortigen Bestrafung seines Sohnes und von Fritjoff von Firunen absah. Nach einem Gespräch aller Beteiligten in der großen Halle der Burg begaben sich alle wieder zu Bett, die Eheleute dabei in ihr gemeinsames Schlafgemach. Dies sind also Zeugen und Taten des 4.Travia 1033BF.
Schändliche Widersacher ihrer Durchlaucht Fürst Travian von Firunstein zu Neersand nahmen nun die Geschehnisse zum Anlass, die Rechtmäßigkeit der Ehe zwischen Travian von Firunstein Rondrian und Ifirnanja Alatzen als nichtig anzusehen und Travian von Firunstein Rondrian als nicht der Erbfolge und Herrschaft fähig anzusehen und sie fordern, Traviane von Firunstein von der Erbfolge auszuschließen, da sie keinesfalls das leibliche Kind Travians von Firunstein Rondrians sein könne, dessen Neigungen ihn angeblich unfähig machen, ein Kind zu zeugen. Zudem ziehen sie die geistige Gesundheit Travians von Firunstein Rondrians in Zweifel, da er bereits seit mehreren Wochen sich weder zu Tisch noch bei der Jagd noch bei ritterlichen Übungen gezeigt habe.
Ich stelle in diesem Sachverhalt fest:
Die Ehe der Eheleute Travian von Firunstein Rondrian und Ifirnanja Alatzen wurde im Angesicht der Götter und der Menschen von Geweihten der Zwölfe geschlossen. Tradition und Gesetz wurden befolgt, die Ehe wurde vor Zeugen vollzogen. Diese Ehe ist nach Recht, Gesetz und Glauben nicht anfechtbar.
In ihren Eheversprechen haben sich die Eheleute nicht ausdrücklich die körperliche Treue gelobt, die Ehe wurde nicht im Namen der Herrin Travia geschlossen. Das Treueversprechen kann daher als eines der Zuneigung und des Eintretens für den Ehepartner bei Gefahr verstanden werden. Körperlicher Verkehr mit anderen als dem Ehepartner ist daher nach Aussage des Donator Lumini Ludovig Praiodan von Greifenfurt nicht zwangsweise ein Grund, das Eheversprechen als gebrochen anzusehen.
Beide Eheleute sehen ihre Ehe dem Brief, den ihro Durchlauch mir gesandt hat gemäß, nicht als beschädigt an und schwören, einander weiterhin in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen. Ifirnanja Alatzen verteidigt seither ihren Ehemann mit Wort und Stahl gegen jede Beleidigung und ging bereits aus zwei Duellen um die Ehre ihrer Ehe als Siegerin hervor. Laut der beigefügten Einschätzung von Schwertschwester Heleon von Dargel von Gareth ist dieser Umstand als Beweis zu werten, dass die Herrin Rondra das Fortbestehen der Ehe gutheißt und dass niemand die Legitimität der Ehe in den Augen der alveranischen Löwin anzweifeln könne. Auch die Tapferkeit, mit der Travian von Firunstein Rondrian im Heerzug Fjadirs von Bjaldorn 1030BF als Knappe kämpfte, womit er sich auch seinen Beinamen verdiente, könne als Hinweis gesehen werden, dass die Herrin Rondra ihm selbst und so auch dieser Ehe wohlwollend gegenüber stehe.
Der inzwischen zu bedauernde Tod Fritjoffs von Firunen in der Schlacht von Al'Shur gegen die Ferkinas, an der er unter dem Banner seiner kaiserlichen Hoheit Selindian Hals von Gareth teilnahm, macht jedwede Mutmaßung über weitere Zwischenfälle und Untreue obsolet. Das Objekt der untravianischen Neigungen Travians von Firunstein Rondrians ist nicht mehr, ein weiterer Übertritt ist also nicht zu befürchten.
Um die körperliche und seelische Verfassung Travians von Firunstein Rondrians zu beurteilen bedarf es eines Arztes. Sollte ein solcher Travian von Firunstein Rondrian als gesund beurteilen, wäre auch dieses Argument gegen sein Verbleiben in der Erbfolge zurückzuweisen.
Insgesamt ist meine Einschätzung der Sachlage diese, dass die schändlichen Widersacher ihrer Hoheit kein überzeugendes Argument vorbringen können, um die Erb- und Besitzverhältnisse des Fürstentums in Zweifel zu ziehen.
Gegeben zu Gareth am 16. Ingerimm des Jahres 1033BF,
Salponius Severus, Iudex zu Gareth


Ein weiteres Blatt ist dem Schreiben beigefügt, nur Papier, kein Pergament und viel weniger gründlich und sauber geschrieben

Travian,
wer hätte gedacht, dass dein Sohn dir so ähnlich ist? Mein tiefstes Beileid, wegen dem jungen Fritjoff. Ich hoffe, seine Familie kann den Verlust verschmerzen und es entsteht keine Fehde daraus. Im Frühling des nächstes Jahres werde ich gen Norden reisen. Werde ich in Firunstein noch immer willkommen sein? Bitte richte der Frau meine herzlichsten Grüße und auch die von Gwynna aus. Steht die alte Hütte im Wald bei der Brombeerlichtung noch? Ich würde gerne wieder dort mit dir einen Wein trinken und über alte Zeiten plaudern.
Auf ewig dein,
Salpo
“I sound my barbaric yawp over the roofs of the world.”

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Ungelesener Beitrag von Madalena » 16.06.2020 16:56

Ha, Ifirnania ist meine Heldin. :Maske:

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Ungelesener Beitrag von Horasischer Vagant » 16.06.2020 17:31

Mein Beitrag ist bewusst kurz geschrieben und mit einem offenen Ende…er soll dazu anregen über fremde aber vor allem seine eigenen Toleranzgrenzen nachzudenken…
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Verbotene Liebe?

Tschaka Shirr´yssr ist eine weibliche Achaz auf Altoum. Sie misst etwas über 2 Schritt und verfügt über einen schlanken und feingliedrigen Körperbau. Ihre Schuppen hat sie gefärbt und erstrahlen in den Farben des Regenbogens je nachdem wie sie von der Sonne angestrahlt werden. Ihren Hals ziert eine schöne Jadekette mit einem Anhänger von schillernden Federn. Auffällig ist ihr gezackter und leuchtend roter Kamm, der von ihrem Kopf bis zur Mitte ihres Schwanzes ragt. Tschaka Shirr´yssr ist die Priesterin der Zsahh ihres Stammes.

In letzter Zeit wird sie des Öfteren von Iago Beratez aufgesucht, der mit einem Schiff aus Brabak in Port Peleiston angekommen ist. Dieser beherrscht bruchstückhaft einige Worte der Sprache der Achaz, die er auf seinen Reisen in Selem aufgeschnappt hatte, weshalb er von seinen Kameraden auserkoren wurde mit den Echsen in Kontakt zu treten um an die begehrten Waren der Achaz zu kommen – allen voran Jade.

Über die Gespräche mit Tschaka Shirr´yssr eignete sich Iago immer besser die Sprache der Achaz an, die diese selbst Rssahh nennen – dass er diese nie in Perfektion beherrschen wird ist ihm mittlerweile bewusst, was er etwas bedauert. Neben der Lebensweise und Kultur der Echsen lernte er auch seine Gesprächspartnerin immer besser kennen. Seine anfängliche Angst, Skepsis und Unsicherheit wandelte sich allmählich in Sympathie und mittlerweile in Zuneigung. Und auch die Achaz dürfte ähnlich für ihn empfinden – immerhin interpretiert Iago das in ihren Schuppenkamm, wenn sie ihm ansichtig wird. Von der anfänglichen Idee die Achaz über den Tisch zu ziehen und wenn möglich auszubeuten ist in ihm nicht mehr viel übrig geblieben…vielmehr beschäftigt ihn jetzt wie seine Kameraden auf diese Veränderung in ihm reagieren und wie es mit ihm und Tschak Shirr´yssr weitergehen wird…ob auch sie tatsächlich ähnlich für ihn empfindet…ob er bei den Achaz leben könnte oder ob er sein Leben mit Tschaka Shirr´yssr in der Welt der Menschen verbringen könnte…wie würde die menschliche Gesellschaft auf diese verbotene Liebe reagieren…würde man sie ausgrenzen oder schlimmer noch gar mit dem Tod bedrohen?
Besuche mit Deinem Helden das Shaya´al´Laila in Zorgan (offenes RP)

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Ungelesener Beitrag von Andras Marwolaeth » 16.06.2020 18:12

Madalena hat geschrieben:
15.06.2020 16:10
Hier hatte ich schon mal über ein Konzept für eine lesbische Zwergin sinniert. Darf von mir aus gerne in welcher Form auch immer aufgegriffen werden.
An eine lesbische Zwergin habe ich noch nicht gedacht, aber an schwule Zwerge, die in schwarzes Lack und Leder gekleidet sind und sich in der Bar "Zur blauen Auster" treffen... Eine Reminiszenz an die Police Academy-Filme.

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Ungelesener Beitrag von ledaeth » 17.06.2020 22:20

Ich bin nicht sicher, ob das Folgende zur Thematik passt, aber es war das erste, was mir dazu einfiel. Ich dachte, in einem Fantasy-Kontext kann man das Ganze auch abstrakter angehen ...


NPC-Skizze: Sandren Drag

"Es ist bereits Abend und ihr seid nach all den Nächten im Freien recht froh, dass dieser Ort über ein Gasthaus verfügt. Auf dem Dorfplatz spielt eine Handvoll Kinder Fangen, drei ältere Frauen mit Körben in den Händen unterhalten sich, und am Brunnen stehen mehrere Jugendliche in Paaren. Einer – oder eine? – dieser jungen Erwachsenen fällt euch auf, weil sie etwas abseits steht, deutlich hübscher ist als ihre Altersgenossen und in ihrer Erscheinung auf eine derart unbestimmbare Weise zwischen den Geschlechtern steht, dass man unwillkürlich ein zweites Mal hinschaut, um sich der eigenen Wahrnehmung zu vergewissern."

Hintergrund:
Sandren ist das gut aussehende, androgyne Kind einfacher, bodenständiger Eltern und lebt mit diesen und den Geschwistern in einem mittelgroßen Dorf. Sandren wurde ohne Geschlechtsmerkmale geboren, war ansonsten aber gesund und entwickelte sich abgesehen davon völlig normal.

Die Nachbarskinder bekamen es irgendwann spitz, vielleicht beim Baden im nahen See, und Hänseleien blieben nicht aus. Manche behaupteten, Sandrens Großmutter, Boron habe sie selig, habe es mit einer Echse getrieben. Andere stänkerten, ein Elf habe sich nächtens zu Mutter und Vater gelegt, und Sandren sei der verkorkste Spross zweier Väter. Und dann gab es noch diejenigen, die Schwarze Magie wittern wollten, die Mutter war schließlich so eine Zugezogene, wer wusste schon, was die vorher getrieben hatte ... aber das äußerten sie nur hinter vorgehaltener Hand.

Dem Familienzusammenhalt tat das keinen Abbruch, eher im Gegenteil, doch Sandren blieb stets Außenseiter im Dorf.

Wirklich schlimm wurde es erst, als die Pubertät die Karten neu mischte.
Sandren fühlte sich zunehmend einsam zwischen den erwachenden Körpern der anderen Jugendlichen, die anfingen, neue Aktivitäten zu entdecken, während der eigene Körper sich kaum veränderte.
Erst spät verliebte sich Sandren. Zunächst in Hjaldar, der auch interessiert schien, aber letztlich mit dem physischen und vor allem sozialen Stigma überfordert war.
Dann spendete Hilda heimlich Trost und Sandren durfte zum zweiten Mal aufwallende Gefühle und Begehren erleben, allein, es blieb bei Händchenhalten und Streicheleinheiten, Erlösung schien unmöglich ...


Offene Fragen und Abenteuer-Aufhänger:
- Haben die Helden ein Händchen für verzweifelte Teenager? Können sie die seelischen Wunden lindern und Perspektiven eröffnen oder wird Sandrens Existenz tragisch verlaufen und möglicherweise verfrüht enden?
- Muss ein Grund gefunden und beseitigt werden? Kann man einen Fluch beenden oder der Natur unter die Arme greifen?
- Braucht dieses Schicksal eine körperliche oder eher eine geistig-seelische Lösung?
- Würde Sandren ein Ortswechsel guttun oder sollten lieber am Heimatort Änderungen angestoßen werden?
- Wenn Sandren sich einen Körper wünschen könnte, wäre der männlich oder weiblich?
- Was können die Helden Sandren anhand ihres Erfahrungsschatzes erzählen und raten?
- Ist "eine Lösung finden" vielleicht der völlig falsche Ansatz und das Stigma eigentlich als Zeichen einer Gottheit zu werten? Ist Sandren in Wirklichkeit gesegnet und übermenschlich, wenn nicht gar auserwählt?
...
Denn wie ein sehr weiser Mann einmal sagte: „Da, wo du hingehst, da bist du dann.“

Aussprachehilfe zu "ledaeth": [​liːdai:θ]

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Madalena
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Ungelesener Beitrag von Madalena » 18.06.2020 08:56

Ich finde die verschiedenen Ideen ganz großartig. Danke für den Thread, die Aktion und die kreativen Leistungen die hier kommen, ich freue mich über jede neue Antwort! Bitte mehr davon. :gardianum:

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Djembo
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Ungelesener Beitrag von Djembo » 18.06.2020 16:28

Irgendwie habe ich es momentan scheinbar mit den bittersüßen Geschichten.
SpoilerShow
Das Licht. Endloser Gleichklang, Einheit, Freiheit. Die Gedanken aller, verschmolzen zu einem einzigen, reinen Klang. Es gibt kein "ich" mehr, keine Unterschiede, alles ist eines. Zwei Dutzend Stimmen summen, singen, murmeln und verbinden sich, umtanzen einander, fließen zueinander und erschaffen eines, das alle ist. Und doch, in dem vielstimmigen, vielleibigen Licht liegt ein Missklang, ein Ich an einem Ort, an dem es nur ein Wir geben sollte. Die gemeinsame Wesenheit erzittert, beginnt zu zerfasern und sich zu teilen. Die Störung wächst und breitet sich aus.
"Ich kann nicht Teil von uns sein, ich... kann... nicht.... "
"Wir helfen."
"Ihr kennt mich nicht! Ich kenne mich nicht!"
"Komm, finde dein Ich im Wir."
"NEIN!"
Ein Schreck fährt durch die Gruppe Rehe, die unweit der Lichtung geäst hat, als der harmonische Gleichklang, der der Gruppe gezeigt hatte, das die Jäger gerade keine Gefahr sind, in zwei Dutzend einzelne Stimmen zerspringt. Doch die Sippe bemerkt die Flucht der Rehe nicht einmal, alle Augen sind auf Iliria-Die-die-Liebe-nicht-versteht gerichtet. Kein Wort wird gesprochen, es ist einfach nicht notwendig. Das Salasandra wurde gebrochen, aber alle wissen dennoch, was jetzt geschehen wird. Unter den Blicken der Sippenmitglieder erhebt sich Iliria Wandert-Fern-Der-Heimat langsam aus dem Kreis der Elfen. Schweigen erfüllt den Wald, eine unnatürliche Ruhe. Die Harmonie der Welt hat eine Störung erfahren und vom großen Bären zum kleinen Borkenkäfer wissen es alle. Das leise Rascheln als eine der hochgewachsenen Gestalten sich aus dem Kreis löst, ihren Bogen aufnimmt und ohne ein weiteres Wort die Lichtung verlässt, ist das einzige Geräusch. Selbst das leise Rascheln der Blätter ist verstummt, als habe der Wind selber den Atem angehalten. Noch einige Augenblicke hält die Stille, dann erhebt sich eine leise Stimme zu einem Lied von Trauer und Verlust. Andere stimmen ein und bald ist das gemeinsame Licht wieder vollständig, rein, ungestört, geprägt von Sorge und Hoffnung um die verlorene Schwester.

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Ein Pfeifen hallte durch stickige, wabernde Luft des Tales, dann ein dumpfer Aufschlag. Ein kehliger Schrei wurde zu einem Gurgeln und verstummte noch während drei weitere Pfeile in die ganze Horde Goblins einschlugen.
"KAR GARASCHMOX, EINE LÜCKE! GORTOSCHA MORTOMOX, VORWÄRTS!"
Der Kampf währte nicht mehr lang. In dem Moment, in dem der schwer gepanzerte Zwerg und seine beiden menschlichen Gefährten zum Angriff übergingen, war der Mut der Rotpelze schon gebrochen. Sie hatten sich so sicher gefühlt, 8 Hände gegen 3 Gegner. Hätten diese Narren einfach ihr Eisen aufgegeben, hätten sie leben können, aber der kleine, der nicht so nackt ist wie die anderen, der wollte seines behalten. Und es hatte gut ausgesehen. Ein paar Jünglinge weniger, weniger Mäuler zu füttern, das wäre ein guter Preis gewesen für das ganze Eisen. Aber dann kamen die Pfeile, plötzlich starben Goblins ohne eine Chance zu haben. Und niemand konnte sehen woher und plötzlich waren die Unbehaarten da und schnitten und schlugen. Nur zwei oder drei Atemzüge, nachdem der erste Pfeil geflogen kam, befanden sich die Goblins in wilder Flucht und Ramgrim, Elida und Pia standen keuchend und aus vielen kleineren Wunden blutend an der steil aufragenden Felswand. Ramgrim hatte als einziger weiterhin Schild und Axt erhoben, die Frau in der eng anliegenden Kleidung schaute sich suchend nach ihrem Retter um. Die andere Frau in der grauen Robe indess kniete sich neben einem Goblin hin, der noch leicht gluckernd atmete, und warf einen nachdenklichen Blick auf den Pfeil in der Brust des Rotpelzes. Geistesabwesend erwies sie dem Goblin mit seinem Dolch die letzte Gnade und erhob sich, die gebrummelten Flüche ihres zwergischen Freundes ignorierend. Elida warf ihr einen fragenden Blick zu
"Elfisch."
Das Wort alleine genügte schon, dass Ramgrim seinen Schild noch ein klein wenig höher hob. Pia kramte in seinem Gedächtnis und suchte die letzten Brocken zusammen, an die sie sich aus ihrem Studium noch erinnern konnte.
"Sanjasalla Fäi-jama. Talla-dah Pia von Kuslik."
Selbst in ihren eigenen Ohren klang das ungelenk, den Elfenkundekurs hatte sie eigentlich nur wegen dem hübschen Jaquinto belegt und nie wirklich aufgepasst. Aber es schien funktioniert zu haben. Zwischen den Felsen hervor trat eine Elfe. Hochgewachsen wie alle ihres Volkes, mit blondem Haar und lila Augen, gekleidet in grauen Bausch und braunes Leder, den Bogen gesenkt aber dennoch einen Pfeil auf der Sehne.
"Sanya bha, tala. A'dao Iliria Heyyron Mini Ia. Ni miena dhar kien."
Alle Augen waren jetzt auf Pia gerichtet
"Äääh... sie will..."

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Das kleine Feuer in der Grube knisterte leise vor sich hin. Das wenige Licht, dass es verbreitete, brachte nur schwachen Trost gegen die Schrecken des Landes, gegen diesen steten leichten Hauch von Verwesung, die Dunkelheit auch am Tag, die Angst, die einem ohne jeden Grund in die Glieder kroch. Iliria war übel, schon seit Tagen. Seit dieses... dieses... zertaubra, das hier überall war, begonnen hatte. Schon im Gebirge war es ihr aufgefallen, die Luft hatte einen Geruch von Tod. Aber nicht wie von echtem Tod, von einem Rehkadaver, der den Aasfressern Nahrung bietet und zwischen dessen Knochen hindurch bald das Gras grün und kräftig sprießen würde. Das hier roch anders, schlecht. Und das Lied der Gegend wurde... falsch. Iliria fiel einfach kein besseres Wort ein, weder im Garethi, das sie inzwischen recht gut sprach, noch im Rogolan, von dem ihr Ramgrim einige Worte beigebracht hatte (zum Beispiel "nicht schießen" und "ich gehe ja schon") noch in ihrer eigenen Sprache. Nur eben "falsch", aber das traf es auch nicht. Am schlimmsten aber war das ständige Weinen von Elida-die-Türen-öffnet. Iliara fühlte sich gleich schlecht, so über ihre Gefährtin und Freundin zu denken, aber trotzdem, die ständigen Schluchzer, das immer wieder kehrende Wimmern, ein solches Lied der Trauer und der Angst hatte sie noch nie gehört und sie wünschte aus ganzem Herzen, dass es endlich enden würde. Ganz sicher würde es das bald. Entweder die wandelnden Toten würden die kleine Gruppe finden, Pia-von-Kuslik würde sterben oder es würde ihnen endlich gelingen, dieses Land zu verlassen. Die Wunde an der Schulter von Pia-von-Kuslik war nicht entzündet, dagegen hätte Iliaras Lied geholfen, der Missklang in ihrer Wunde war derselbe, der auch dieses Land trocknen und sterben ließ. Totes Fleisch, das sich von der Wunde her ausbreitete. Iliara schauderte es, zu wissen, dass das zertaubra sich auch in Pias Wunde festgesetzt hatte. Sicher lag es an... dieser... Sache zwischen Pia und Elida. Gewiss war Pias Lied dadurch schon vorher geschwächt. Schon oft hatten Ramgrim und Iliara versucht, den beiden zu erklären, warum das nicht gut war. Ramgrims Argumente waren immer seltsam gewesen. Nur mit Mann und Frau könne es Kinder geben, das war immer sein Hauptargument. Und ohne Kinder wären die Menschen zum Untergang verdammt. Als ob es nicht schon genug Menschen gebe. Iliara hatte immer wieder versucht, den beiden zu erklären, dass zwei Frauen miteinander... dass das einfach nicht richtig, gegen das Lied der Welt ist. Wie kann Liebe zwischen zwei Frauen sein? Zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, die Liebe einer Sippengemeinschaft, aber zwischen zwei Frauen, das kann keine Liebe sein. Und trotzdem, die Dinge, die Pia und Elida miteinander gemacht haben, nachts am Lagerfeuer, das war einfach nicht richtig.
Aber das hier war etwas anderes, das hier war nichts... körperliches. Elidas Lied von Trauer und Angst war so echt, so überwältigend und erdrückend, es zerriss Iliara regelrecht. Vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn sie in Elidas Lied hätte einstimmen können, wenn sie ihre Melodien hätte zu einer verflechten und sie damit hätte verstehen können, aber das würde die Verfolger auf die kleine Gruppe aufmerksam machen. Und ob sie das überhaupt schaffen könnte mit Ramgrim in der Nähe, dessen Lied voller Angst aber auch so unglaublich voller Zorn war, ein Zorn auf sich selbst, den Iliara selber auch fühlte. Sie hätte den Bogen schneller heben können, hätte ein besseres Lied singen können, das mandra stärker fließen lassen können, SIE hätte es verhindern können! Iliara verstand nicht, warum Elida nicht wütend auf sie beide war. Aber von Wut war in ihrem Lied keine Spur, da war nichts als unendliche Angst und Trauer. Fast als... aber...
"DRAKKA!"
Iliara war fast erleichtert, als die Geräusche von klirrendem Stahl und brechenden Knochen durch den toten Wald drangen. In einem Kampf war alles einfach und man musste nicht über so seltsame Dinge nachdenken, einfach nur überleben, das reichte schon.

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"Sanyasala Feyiama. Talandha Pia von Kuslik vi Elida Serida Vasquez."
"Sanyasala Feyiama. Talandha Pia von Kuslik vi Elida Serida Vasquez."
"Sanjasalla Feee...fä...fäiama. Tallatta Ramgrim Sohn von Borox!"
Während Armalion-der-die-Sippe-schützt beinahe schmerzhaft das Gesicht verzieht, kann sich Iliara-die-Wissen-bringt sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Sie konnte Ramgrim einfach nicht böse sein. Stundenlang hatte sie mit dem kleinen Bartmurmler im Lager gesessen und versucht, ihm die Worte beizubringen. Schon bei Pia und Elida klingt das Isdira etwas seltsam, nicht schlecht, aber komisch weil Menschen nur eine Stimme haben, aber Ramgrims Zunge scheint ohne krachende Knacklaute und Gezische wie bei den Echsen einfach nicht zu funktionieren. Die Idee der beiden Frauen, einfach gleichzeitig im Chor zu sprechen, war einfach großartig. In ihren Jahren bei diesem seltsamen, kurzlebigen Volk, waren ihr noch nie Menschen begegnet, die das Isdira (und auch das Asdharia) so gut zu lernen imstande waren. Wenn Pia und Elida gemeinsam sangen, gelang es ihnen fast, wie ein Elf zu klingen. Kein Wunder, so wie ihr Lied auch sonst im Einklang war. Nur bei Elfen hatte Iliara bisher gesehen, dass zwei Herzen so sehr gemeinsam schlagen, dass zwei Harmonien sich so sehr zu einer fügen konnten. Sie hatte die Menschen an sich nie zu dieser Art von Zuneigung fähig gehalten, aber dann auch noch zwei weibliche Menschen. Die Jahre hatten die beiden ergrauen lassen, die Reise in die Salamandersteine war eine große Mühe für sie gewesen. Dabei hatte Iliara sie doch gerade erst wirklich kennen gelernt und schon würde ihr Leben bald enden. Aber auch wenn ihrer beider Körper bald das Gras und die Aasfresser nähren würden, so waren ihre Gedanken immer noch so scharf wie als Iliara sie kennen gelernt hatte. Ihr Plan war waghalsig, viele Elfen würden ihn ablehnen, aber sie war sich sicher, dass alle daran wachsen konnten.

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Das Licht. Endloser Gleichklang, Einheit, Freiheit. Die Gedanken aller, verschmolzen zu einem einzigen, reinen Klang. Es gibt kein "ich" mehr, keine Unterschiede, alles ist eines. Zwei Dutzend und zwei Stimmen summen, singen, murmeln und verbinden sich, umtanzen einander, fließen zueinander und erschaffen eines, das alle ist. Ein Neues, ein ungewohntes aber nicht falsches. Zwei neue Harmonien sind in das Licht hinein gekommen, zwei, die vielen die jetzt eins sind Angst gemacht haben. Die Angst schwingt noch immer im Salasandra mit, etwas Fremdes ist darin, etwas, das nicht fey ist. Aber zugleich ist es richtig, ist es gut. Nach und nach verschwindet das Gefühl von Angst, Neugier wächst, die Wesenheit die aus vielen besteht, so wie ein Bienenschwarm aus vielen besteht und doch eins ist, öffnet sich einer neuen Erfahrung und einer neuen Melodie. Wo eins Iliria-Die-die-Liebe-nicht-versteht war und für kurze Zeit Iliara-die-Wissen-bringt war, da ist nun der reine Gesang von Iliara-die-gelernt-hat. Nach und nach versteht die Wesenheit, warum das Fremde Einzug halten musste. Ohne das Fremde hätte Iliria-Die-die-Liebe-nicht-versteht niemals verstehen können, hätte sie niemals zu Iliara-die-gelernt-hat werden können. Das Fremde war in ihr aufgegangen und hatte sie zu etwas Neuem gemacht, einer Elfe, die endlich Teil des ganzen werden kann. Bald wird ihr Licht verlöschen, ihre Aufgabe ist erfüllt. So wie jetzt die Melodien der zwei Menschen in der Sippe aufgehen und Teil der Wesenheit des Salasandra werden während ihre Körper ihre letzten Atemzüge tun, so wird bald auch Iliara im Salasandra aufgehen und so ins Licht zurückkehren. Bald.
“I sound my barbaric yawp over the roofs of the world.”

Andras Marwolaeth
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Ungelesener Beitrag von Andras Marwolaeth » 18.06.2020 20:05

Dann wäre da noch Bärfried, der Halbork aus Uhdenberg, der sein Glück als Abenteurer im Süden (von Uhdenberg aus gesehen) sucht und auf misstrauische Fragen, was er denn wäre, steif und fest behauptet, er wäre ein Fjarninger. Damit geht er Vorurteilen aus dem Weg und wer hat auch schon mal einen Fjarninger gesehen?

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Avariel
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Ungelesener Beitrag von Avariel » 18.06.2020 21:33

Von mir gibt es einen Ingame-Text eines/r Rahjageweihten, der einen asexuellen Charakter der aventurischen Historie vorstellt sowie eine Position dieses/r Geweihten zu Asexualität. Das eher tragische, offene Ende der Lebensgeschichte des Charakters mag zugleich als Aufhänger für ein Abenteuer dienen, in dem das ungelöste Rätsel aufgeklärt wird. Selbstredend beansprucht weder der hier vorgestellte Charakter noch die dargelegte Position, asexuelle Menschen, gleich ob aventurisch oder irdisch, oder die diesbezüglichen Ansichten der Rahjakirche auf einer allgemeinen Ebene zu repräsentieren.
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Einst, zu jener Zeit, als in Gareth die Klugen Kaiser regierten, da lebte auf den Inseln der Zyklopen ein Mann, der wurde Bladonis geheißen und war mit einer besonderen, der Göttin Rahja wohlgefälligen Gabe gesegnet. Kaum einen gab es in den Jahrhunderten vor ihm, und kaum einen gab es in den Jahrhunderten nach ihm, dem es so wie ihm gelang, in gereimten Worten von jenem Wunder zu künden, das geschieht, wenn dank Rahjas Gunst zwei Seelen sich verbinden. Und so bedachte man ihn schon zu Lebzeiten mit dem Beinamen „Poet der Liebe“.
Doch manch ein Leser, der den Bladonis bewunderte, wunderte sich zugleich über einen von vielen als bemerkenswerte Leerstelle empfundene Eigenschaft seines Werkes. Denn zwischen all den Versen, die er der Liebe der Seelen widmete, findet sich nicht einer, der von der Vereinigung der Körper handelt. Hier spiegelt sich im Werk der Dichter: So sehr dem Bladonis auch das Herz vor Liebe überquellen konnte, war ihm das körperliche Verlangen geradezu wesensfremd, weder die holdeste Frau noch der wohlgestaltetste Mann vermochten sein Begehren, mit jemandem der Rahja zu opfern, zu wecken. Und wenn er es doch einmal tat, was so weit wir wissen gar selten geschah, so erschien es ihm wohl als eine recht angenehme Tätigkeit, doch lediglich als eine unter derer vielen, zu denen der menschliche Leib imstande ist.
Nicht einen anderen Menschen kannte er, dem es so erging wie ihm, ja, er, der Virtuose der Worte, kannte nicht einmal ein Wort, um sein Sein zu beschreiben. Ein erhaltener Brief an einen Freund kündet von all den Fragen, auf welche der Dichter keine Antwort fand: War er der einzige Mensch, dem die Liebe seelisch so nah und doch körperlich so fern war? Und wieso verwehrte Rahja gerade ihm jene ihrer Gaben, die nach dem Bekunden so vieler anderer die beglückendste von allen ist? Hatte er die Göttin erzürnt, und wenn ja, auf welche Weise?
Des ewigen Grübelns überdrüssig, begab er sich schließlich auf eine Pilgerfahrt, die vom Palast Rahjas auf Deren zu Belhanka über die Roseninsel im Sylbrigen See bis zu den geheiligten Weinstöcken zu Tiefhusen führen sollte. Rahja, so hoffte er, möge ihm auf seiner Pilgerreise Antworten auf seine Fragen schenken oder, sollte er ihren Zorn auf sich gezogen haben, die Reise als Zeichen seiner Gunst anerkennen. Doch erreichte Bladonis wohl nie sein Ziel. Noch sein Erscheinen in Honingen ist verbürgt. Danach aber verliert sich seine Spur im Dunkel der Geschichte, und bis heute konnte niemand aufklären, was mit ihm hernach geschehen war.
Ihm also war, soweit bekannt, bis an sein Lebensende keine Antwort auf seine Fragen vergönnt. Zumindest der eine oder andere unter uns Heutigen aber weiß, was Bladonis nicht wusste – dass es Menschen wie ihn gab und gibt, und dass mitnichten der Zorn Rahjas sich gegen sie richtet. Im großen Weinberg der Göttin wachsen vielerlei süße Trauben unterschiedlichster Sorte. Ein jeder Mensch wird von der Göttin mit seiner ganz eigenen Auswahl dieser Früchte bedacht, einem jeden lässt sie gewisse Früchte mehr munden und andere weniger oder gar nicht, sodass manche die Männer begehren, manche die Frauen, manche alle Menschen, welchen Geschlechts sie auch sein mögen. Und manchen schenkt Rahja nicht die körperliche Begierde, so, wie sie wiederum anderen den Genuss des Weines oder die Hingabe zu den Pferden oder die Empfindung inneren Glückes beim Lustwandeln durch einen Blumengarten vorenthält. Keinem Menschen werden alle Gaben Rahjas, alle Formen ihrer Gunst zuteil. Und keiner möge sich anmaßen, das Bündel der Gaben, mit dem die Göttin ihn bedacht hat, für höherwertig zu erachten und das, welches die Göttin einem Mitmenschen angedeihen ließ, als fehlerhaft oder unvollständig geringzuschätzen. Wie klein ist doch der Geist, der sich für groß genug hält, ein Urteil über den Wert der Gaben Rahjas und die Weise, wie die Göttin sie unter den Menschen verteilt, zu fällen!
Darum tun auch wir, die wir ihre Kirche bilden, gut daran, alle Gaben Rahjas zu preisen und gleichermaßen in Ehren zu halten, ohne eine darunter zur höchsten und schönsten zu erklären, und darum ist es wahrlich ein beklagenswerter Umstand, dass gar so viele aus dem Volk in der schönen Göttin zuallererst, oder gar lediglich, die Göttin der Leibeslust erblicken. Indes hat die Nachwelt dem Bladonis schon ein Denkmal gesetzt, ein Denkmal, wie es für ihn nicht passender sein könnte, in sprachlicher Form. Denn die Liebe, die die Seelen, doch nicht die Körper vereint, nennt man noch heute die bladonische, oder, wie man es nach den Jahrhunderten mittlerweile ausspricht, die platonische Liebe.

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Ungelesener Beitrag von Sarafin » 18.06.2020 22:40

Wow, danke @Avariel. Das Weinberg-Gleichnis ist wundervoll. Das wird ganz bestimmt bei uns am Spieltisch mal Einsatz finden. :heart:
„Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.“
~ Hanlon’s Razor

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Ungelesener Beitrag von Mikal Isleifson » 18.06.2020 22:58

@Avariel: Ja, das hat sich sehr gut gelesen. Chapeau! :)

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Ungelesener Beitrag von hexe » 19.06.2020 08:07

.oO(In Franken heißt das immer noch bladonisch... liegt sicher an den Weinbergen.)
"Zulhamid ist aber gerade auch wieder Zucker!" - Lanzelind

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RvB
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Ungelesener Beitrag von RvB » 19.06.2020 23:12

Oh, was für eine schöne Aktion! :)
Da reiche ich doch direkt mal mein Bild "Regenbogenfamilie" ein. Ich finde, das passt hervorragend. ;) :gardianum:
Regenbogenfamilie_RvB.jpg
Die Galerie meiner hesindegefälligen Malerei findet ihr >>hier<< und meine Wiki-Seite >>hier<<.

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 21.06.2020 18:46

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Caya blickte besorgt auf seinen Unterarm, der Verband war wieder blutgetränkt, doch er murrte nicht. Sie senkte den Blick, kurze Hoffnungslosigkeit durchströmte sie und machte ihr Herz schwer. Die schrecklichen Bilder der nahen Vergangenheit tauchten wie dunkle Schemen vor ihrem geistigen Auge auf. Shardur hatte wie ein tollwütiger Stier die orkischen Angreifer erschlagen, genauso wie jene menschlichen Plünderer, die sich an Mensch und Eigentum ihrer Familie vergreifen wollten. Doch die schiere Überzahl hatte auch von ihm Tribut gefordert. Wäre er nicht gewesen, dann wären sie und ihre Familie jetzt tot. Sie blickte in seine honiggelben Augen, sie war froh dass er hier war, als der Schmerz sie wieder übermannte und sie ihm Stimme verlieh und ihr Gesicht sich verkrampfte.

Shadur hatte Caya noch nie so hilflos und verzweifelt gesehen. Sie war sehr selbstbewusst, manchmal zu selbstbewusst, gerade am Anfang, als sie ihn betrügen wollte. Shadur erinnerte sich gut, als Okwach war es seine Aufgabe gewesen von ihrer Familie die Tribute einzufordern und im Gegenzug sorgte er, dass so mancher übereifriger Ork oder Blankhaut sich nicht an ihnen bereicherte. Als sie ihm, als er das erste Mal die Tribute einfordern wollte, nur einen Bruchteil vorlegte, war sie erstaunt, als er nach den Büchern fragte, ja dass er lesen und rechnen konnte. Wie viele aus seinem Stamm hatte er das nützliche Wissen über die Blankhäute erlernt und lebte unter ihnen. Blankhäute. Noch immer hatte er das Bild einer winselnden, schwachen Kreatur vor Augen, ob er dieses Bild jemals aus seinem Kopf vertreiben konnte? Gerade jetzt, wo er sie so sah, fiel es ihm schwer. Er rückte etwas näher.

Da war er sein Duft. Anfangs hatte sie Angst vor ihm. Immer wieder kamen die Khurkachs und Okwachs zu spät, immer wieder wurden Frauen brutal von den Orks vergewaltigt. Sein Geruch war anfangs abartig und tierisch als er ihr nahe kam. Sie zog sich immer zurück, da sie diesen Gestank nicht ertragen konnte. Doch dann stellte sich heraus, dass er wissenshungrig war, seine Aufgabe ernstnahm, Mensch und Ork gleichermaßen zurechtwies, ja man konnte sagen, dass er sowas wie einen Sinn für Gerechtigkeit empfand. Manchmal gab er ihr mit seiner pragmatischen Art Tipps und auch er holte sich Rat von ihr ein, wenn er mit seiner brachialen Kraft nicht weiter kam. Eines Tages da hatte sich was verändert. Sein Gestank war gewichen und auch wenn der Duft, so wie seine ganze Art ihr fremd war, so war er ihr angenehm gewesen. Sie verbrachten viel Zeit miteinander, mehr als notwendig war und irgendwann kamen sie sich näher als nur „geschäftlich“. Es war ihr Wille gewesen, dass sie bei ihm lag. Seit jener Zeit war es immer sein einzigartiger Duft, der ihn ankündigte und nun, so fremd er auch in dieser Situation war, so gab er ihr jetzt Kraft und Sicherheit und sie benötigte jetzt in diesem Augenblick Beides.

Er war etwas gelangweilt. Das dauerte wirklich lange und nach der Hitze des Kampfes war er nun erschöpft. Sie hatte um seine Anwesenheit gebeten und aus reiner Neugier war er mitgekommen. Bisher hatte er dem keine Bedeutung geschenkt, irgendwie war es auch befremdlich. Die „Tiere die Orks gebären“ verschwanden in die Zelte und irgendwann brachten sie dem Harordark „sein“ Kind. Tiere die Orks gebären, Shardur, überlegte, einen Begriff wie „Frau“ gab es in seinem Stamm nicht. Wenn seine „Mutter“ ein Tier war, machte ihn das nicht auch zu einem? Er wusste dass die Blankhäute so über ihn dachten, aber auch seine eigenen Leute über sich selbst? Was war das?

Seine Anwesenheit hatte ihm Kraft gegeben oder besser dem Zeugnis ihrer Zuneigung. Eine Welle an Kraft durchzog ihren Körper und mit einem gewaltigen Brüllen übernahm sie diese Welle die Herrschaft über ihren Körper. Shadur zuerst erschrocken, wollte die Tsapriesterin angehen, die er für die Verursacherin hielt, doch diese winkte nur ab und kommentierte kurz mit: Presswehe, es ist gleich so weit. Auch wenn Cayas Geist entrückt war, so war die Verachtung in ihrer Stimme selbst für sie unverkennbar. Die Tsapriesterin war nur widerwillig gekommen, viele Mischlinge galten als Missgeburten in beiden Völkern. Caya sorgte sich um ihr Kind über seine Zukunft, über die Welt die in Hass und Blut unterzugehen ging. Sie waren heimatlos, Tiefhusen war gefallen. Sie blickte erneut in Shadurs Augen, sie brauchte ihn jetzt mehr als sonst.

Er war überrascht, als seine Hand schier zu bersten schien, war er aufmerksam geworden. Diese Kraft, dieses Gebrüll, die Gewalt ihrer Stimme. Shadur war stolz auf Caya, seine Partnerin. Er griff ihre Hand erneut, fester, fixierte ihren suchenden Blick, so wie es der Harurdark machte, um seine Kraft vor einer Schlacht auf seine Krieger zu übertragen. Er presste seine Hand an seine dichtbehaarte Brust, damit sie die Kraft seiner Herzschläge, die nun ihr galten, spüren konnte. Er war jetzt da, für sie, die Langenweile, die er gerade noch empfand, schien ihm wie ein Verrat an ihr vorzukommen, als die nächste Welle folgte.

Sie atmete hektisch, diese überbordende Energie die ihren Körper durchflossen hatte, wollte sie Tribut zollen, doch sie spürte, dass die nächste Welle wie ein unheilvoller Vulkanausbruch über sie fegen würde. Sie wollte Kraft sammeln, auch wenn sie nicht wusste, wie sie dem Herr werden sollte. Dieses Gefühl, diese tiefe Energie aus dem Innersten selbst hatte sie nie zuvor gespürt. Er war da und sein Blick galt ihr und doch war er anders. War das Respekt? Doch der Gedanke wurde von der nächsten Welle zerfetzt.

Dieses Mal blickte er ins Innerste ihres Herzens. Da war sie wieder, diese rohe, animalische Kraft in ihrer Stimme. Wie ein wilder Stier fegte sie über dieses Ritual aus Blut und Schmerz. Animalisch, Stier, das Tier das Ork gebärt. Shadurs Hauer bleckten kurz hämisch auf. Caya nickte, der Trotz dieses Ritual zu durchführen blitzte in ihren frechen, grünblauen Augen auf. Niemals mehr würde er an der Kraft und den Willen dieser Frau zweifeln. Seine Mannbarkeitsprüfung war nichts im Vergleich dazu was Brazoragh als Prüfung für diese Frau vorgesehen hat. Die Götter. Unweigerlich musste er an Tairach denken, der das Herz seine Vaters verzehrte und durch sein Blut stärker wurde. Nun sah er wie sie ihr Herzblut im Ringen dieser Geburt hergab, um diesem Kind den Zutritt in diese Welt zu ermöglichen.

Da war er sein Sohn, trotzig und ruhig blickte er die Priesterin an, die ihn an den Beinen hielt und gegen seinen Rücken klopfte. Dann schien er sie anzuschnauzen, was ihr wohl zusagte, denn im Anschluss durchtrennte sie etwas, was wie ein Darm aussah und gab ihn unsicher Shadur. Sein kräftig schwarzer Pelz war dicht und von Blut und einer anderen Masse durchtränkt. Seine Augen waren grün. Shadur hob ihn in die Luft und fordernd reckte auch sein Sohn seine Hände zu Fäusten geballt den Göttern entgegen. Sein Sohn? Er gab ihrer beider Sohn, Caya. Wie das feurige Gemüt seines Vaters, so konnte sie auch das Feuer ihres Sohnes bändigen. Nach all diesen Schmerzen war ihr Gesicht sanft und voller Stolz. Shadur nickte zustimmend. Er wusste dass sein Sohn vielen Widerständen entgegentreten müsste, doch er es war stärker als sie alle, denn er hatte die Stärke der Völker seiner Mutter und seines Vaters in sich.

Oben anbei mein Beitrag. Ich wollte nun nach einigen Diskussionen hier im Forum, etwas über Orks hinzusteuern und eine Geburt schien mir in diesem Kontext sehr tsagefällig zu sein :). Ich hoffe ihr seht es mir nach, wenn ich als menschlicher Mann die Gedankenwelt/Sicht eines Orks und einer gebärenden Frau nur sehr bruchstückhaft wiedergegeben kann. Ich hoffe es sagt euch dennoch zu.
Einen Tulamiden spielen - Eine Spielhilfe zum Spiel in Tulamidistan mit persischen Bezügen

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Farmelon
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Ungelesener Beitrag von Farmelon » 23.06.2020 09:47

Wirklich toll was sich hier schon alles sammelt. :)
Von mir gibt es auch noch eine Geschichte. Diesmal eine von zwei bespielten Charakteren. Einige hier kennen den einen oder auch beide. Die Idee dahinter ist schon vor der Pride-Aktion aufgekommen. Aber das ist die ideale Gelegenheit um es auch wirklich einmal anzugehen. In der Realität der beiden Charaktere ist Tiefhusen nicht zerstört, auch hier geht es darum wie Orks und Menschen zusmamen leben. Unter anderem, denn die Geschichte beinhaltet mehrere Ebenen weil es Fragen gibt die sich nicht so einfach nur mit Worten beantworten lassen. Diesmal endet die Geschichte auch schöner als vorher bei Asthor und Swafnan.

Wie zuvor ist Gesprochenes fett geschrieben und unterstrichen, um es besser vom Rest abzugrenzen.

Mit freundlicher Genehmigung von @Nicolo Bosvani, ihm gehört der andere SC der Geschichte.

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Was ist Familie?
- Irgendwo zwischen dem Dominium Donnerbach und dem Herzogrum Weiden, später Tiefhusen -
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Zufrieden verstaute er seine Ausbeute im Rucksack. Die Reise zum Neunaugensee lohnt sich meistens. Nicht nur wegen dem Kairanrohr, auch was Wasser des Sees selber findet Verwendung. Und im Nebelmoor gibt es noch so einiges mehr das diesen Ausflug doppelt lohnend macht. So lange er sich nicht mit dem erwischt lässt was er im Rucksack hat. Und sich von den Elfenwäldern fern hält, als wenn alle Elfen tasfreundliche Idioten wären die sich weder wehren könnten oder wollen. Sein Interesse daran, Bekanntschaft mit einem Waldelfenpfeil zu machen, weil die denken er würde ihr Revier plündern, hält sich ziemlich in Grenzen. Aber ein kleiner Umweg schadet nicht. Außerdem gibt es hier einen alten verlassenen Hinrichtungsplatz, bei einigen steinernen Resten von Gebäuden die schon lange vom Moor verschluckt wurden. Dort wuchsen oft kräftige Alraunen und anderes das oft nur da wuchs wo der Boden einmal mit Blut und Tot getränkt war. Ganz unabhängig von der sympathetischen Wirkung die dort Geerntetes auch noch haben konnte. Der Aberglaube der Einheimischen stört ihn nicht wirklich. Hier gibt es keine Geister, egal was es für Gerüchte gibt.

Aber noch ehe er den Platz wirklich erreicht hält er inne, lauscht. Gekleidet für diesen Ausflug, ein langer Wanderstab dabei wirkt der kleine Mann sicher nicht sonderlich bedrohlich. Nicht einmal volle 160 Langfinger groß, mit Kurzschwert und Dolch bewaffnet und wie es wirkt eher schmal bis athletisch. Dennoch hält er inne, als sich unter seinem Mantel eine große, grüne Schlange hervor bewegt und deren Zunge durch das weißblonde, kurz geschnittene Haar fährt und dann an einem der leicht angespitzen Ohren. „Ich habe etwas gehört Esme…..“ Raunt der kleine Mann mit einer Stimme, um die ihn jeder Barde beneiden würde leise. Der Kopf der Schlange zuckt leicht, als der Weißblonde sie herunter lässt, ihr geschmeidiger Leib ihren eigenen Weg sucht und er blickt dem Tier einen Moment nach, betrachtet das lila Mal auf ihrem Kopf, den Fleck noch einmal.

Von wegen verlassen. Am alten, knorrigen Baum des Hinrichtungsplatz hängen zwei Gestalten an knarzenden Seilen. Ein Schwarzpelz und eine Frau. Es braucht nicht viel mehr als einen Blick der kundigen, grünen Augen des Weißblonden um zu erkennen das die beiden keinen friedlichen Tot hatten. Er wurde ganz offensichtlich gefoltert ehe man ihn hinauf gezogen hat. Wenn auch offenkundlich ziemlich dilettantisch, doch dafür mit umso mehr Lust und Ausdauer. Und sie…….nun……viel besser ist es ihr auch nicht ergangen. Und das Symbol was man ihr in die Stirn geschnitten hat, als sie noch lebte, das ist ihm auch bekannt. Man hat sie verunstaltet und als Orkhure kenntlich gemacht. Ob sie das war, ob gezwungenermaßen oder freiwillig, wer weiß das schon. Und eigentlich ist es ja auch egal. Ist nicht seine Angelegenheit, aber die Reste des Feuers die er riechen kann, das er sieht wie frisch die Toten noch sind, das geht ihn etwas an. Und wenn nur weil das bedeutet dass die Mörder wahrscheinlich noch hier sind, oder in der Nähe. Hier ist man ebenso nahe an Donnerbach wie an Weiden, schwer zu sagen aus welcher Richtung die Mörder kamen oder wohin sie sind. Nicht das den Weißblonden die Anwesenheit von zwei Toten irgendwie beunruhigen würde, aber er hat kein Interesse denen die das getan haben selber in die Hände zu fallen, auch wenn die Gefahr dafür doch recht gering ist.

Das Knurren, das vorher kaum zu hören war, ist hier deutlicher zu vernehmen. Es kommt von einigen der steinernen Mauerreste, da wo der Boden trockener ist. Dort ist auch eine abgebrannte Feuerstelle und Reste eines Nachtlagers. Etwas abseits davon schleppen ein paar verwilderte Hunde gerade etwas fort dass wie ein Teil eines weiteren Körpers wirkt. Sollen sie, so lange sie sich nicht mit ihm einlassen wollen. Ja, etwas abseits wurde jemand begraben und die Hunde haben ihn oder sie wieder ausgegraben da das Grab ziemlich oberflächlich war.
Eigentlich hat er genug gesehen. Und auf das was er hier abernten und ausgraben wollte sollte er auch lieber verzichten. Aber irgendetwas treibt die kräftig grüne, ausgewachsene Palmviper weiter als der Weißblonde sich schon abwenden will. Er hält sie nicht auf, er folgt ihr, was hat sie? Dann hört er es, das leise Wimmern. Hell und nur ein Hauch im Wind. Vorher haben die wilden Hunde es übertönt. Die Schlange bewegt sich mit der Zunge schnellend zu einer der anderen Ruinen, da wo die Mauern sogar noch was höher sind ohne umgekippt zu sein. Magie, diese bewegung der Schlange kennt er, so wie sie zuckt. Aber offenbar keine direkte Gefahr, dann würde sie anders darauf reagieren. Und beinahe hätte er es übersehen. Sie übersehen. Nur ein Schemen im Schatten der Mauer, mehr durchsichtig als stofflich und flimmernd wie eine Luftspiegelung.

Aber ja, nach einem längeren Blick erkennt der Weißlonde die Ähnlichkeit, aber da ist auch das Wimmern wieder, irgendwo hinter ihr. Da liegt ein Haufen Geröll, die Spuren der wilden Hunde führen ebenfalls hierher. Aber nicht weiter. Es gibt hier doch noch einen Geist, wenn auch noch nicht lange. Und sie hält Wache, auch wenn ihr Körper am Baum hängt. Aber der Weißblonde ergreift doch nicht die Flucht, auch wenn er spürt was für eine Aura von dem Geist gerade ausgeht und wie nervös es die Schlange nun doch macht. „Hör mal, ich kenn dich nicht. Du kennst mich nicht. Aber wenn du trotz des Schocks gut genug beieinander bist um die Hunde fern zu halten wirst du erkennen können, dass ich keiner von denen bin die euch das angetan haben. Und ich werde jetzt keinen Streit anfangen. Entweder lässt du mich sehen wen oder was du da schützt, oder ich gehe. Aber außer mir wird hier kaum noch einer vorbei kommen, oder?“
Schwer zu sagen, welche Augenfarbe sie hatte, aber nach einigen Atemzügen tritt sie zur Seite, weiter in den Schatten so das ihre Konturen etwas schärfer werden und er nickt ihr sachte zu. Folgt dem Wimmern zum Geröllhaufen, unter dem wachsamen Blick des Geistes. Der Geröllhaufen wurde erst vor Kurzem verändert und als der kleine Mann einen Teil davon zur Seite räumt stößt er auf ein Brett, unter dem ein fest gewickeltes Kind liegt. Vielleicht ein Jahr alt, neben ihm ein Beutel der Milch enthalten hat. Und Spuren eines Beruhigungsmittels. Das leise Wimmern ist schwach, es hat kaum noch Kraft die Augen zu öffnen. Behutsam greift der kleine Mann danach, hebt es aus der Kuhle. Nein, jünger als ein Jahr, aber kräftiger gebaut als ein rein menschliches Kind, weswegen es erst getrogen hat. Das Kind ist noch einige Monate jünger, aber das dunkle Kopfhaar ist schon kräftig ausgeprägt als der Mann es behutsam aus den Stoffwickeln befreit und begutachtet, während die Schlange ihre geschlitzen Pupillen dabei auf den Geist der Mutter gerichtet hält.
Ein kräftiger, kleiner Bursche. Wenn auch ziemlich verdreckt. Und mit mehr Haar als nur dem auf dem Kopf. Vorsichtig holt der Weißblonde seine Wasserflasche hervor, gießt davon etwas in einen Becher und mischt etwas Zucker darunter. Zumindest das kann er tun. Er vermengt es, nimmt ein Tuch zur Hilfe und benetzt damit die Lippen des Babys bis dieses seinen kleinen zahnlosen Mund öffnet so dass es nach und nach mit Tropfen aus dem Tuch gefüttert werden kann bis es aus eigener Kraft daran saugen kann. Wobei……..Zahnlos stimmt nicht ganz. Die kleinen Hauer lassen sich nicht leugnen. Nach dem Zuckerwasser kommt pures Wasser nach, der Weißblonde nimmt sich alle Zeit die nötig ist bis Hunger und Durst zumindest für den Moment gestillt zu sein scheint. Erst danach nimmt er sich die Zeit das Baby mit einem anderen Tuch zu reinigen. Als der Kleine dabei zu quengeln beginnt schaut der Weißblonde zum Geist der Mutter. „Keine Sorge, das ist ein gutes Zeichen. Sobald er mehr als nur Zuckerwasser bekommt wird er wieder kräftiger. Ich hab mich früher auch um meine jüngere Schwester und andere gekümmert.“ Verspricht er ihr, widmet sich dann wieder dem quengelnden Baby zu und säubert es behutsam weiter, ehe es ihm eine frische Windel wickelt und ihn auf den Arm nimmt, ihm zumindest ein wenig zuredet. Die kleinen Fäuste öffnen sich, schließen sich auch wieder und als der Kleine kräftiger wird öffnet er das erste Mal wirklich die Augen. Die Augen sind rot, ungewöhnlich für einen Mischling. Kein richtiges Blutrot sondern heller, die Iris haben etwas von Flammen in einer gewisser Tönung und sie erinnern den Weißblonden an jemand ganz bestimmten, zusätzlich zu dem schwarzen Haar des Kleinen.

Andeutungen oder trockenen Kommentare zu Kindern oder dem Thema Kinder gab es zwischen beiden schon mal. Mehr als einmal, sowohl vom Weißblonden ausgehend als auch von dem woran ihn diese Augen gerade erinnern. Bisher lief es immer auf den Status Quo heraus. Ihr Leben ist einfach nicht bereit für so etwas, Aber gerade kommen viele dieser Gespräche wieder hoch. Der Weißblonde hat schon mehrere Kinder auf die Welt gebracht, aber das war immer rein professionell oder aus purem Eigennutz. Den hier kann er in ein Waisenheim geben, oder in einen Traviatempel. Dementsprechend schaut er auch wieder auf. „Er kann nicht hier bleiben, ich nehme ihn mit und such etwas wo er bleiben kann, ja?“ Der Geist bleibt regungslos, länger, aber irgendwann nickt er stumm und löst sich dann auf. Kaum verblasst dessen Existenz fängt das Baby wieder an zu quengeln und zu weinen, so dass der Weißblonde es erst einmal beruhigen muss ehe er es wieder ordentlich einpackt. Und noch einmal die Kuhle durchsucht was er dort noch findet. Eine Decke, liebevoll gestickt, ein Stofftier und eine Rassel aus Metall.

Spätestens jetzt hat es sich eh erledigt seine Ernte weiter zu führen. Er muss so schon etwas von seinem Proviant zurück lassen als er den Rucksack gürtet und auch die zusätzlichen Schlaufen feste zurrt. Die Schlange wieder irgendwo unter seiner Kleidung am Körper, das Baby dick eingewickelt und in den Armen lauscht er auf die Umgebung und als es sicher genug wirkt hebt er ab und fliegt höher, hin zum Rand des Nebelmoors wo er jemanden kennt, eine Schwester bei der er etwas Milch bekommen kann, auch wenn sie nicht begeistert wirkt bei dem was der Weißblonde da anschleppt. Weiden eben, oder Donnerbach, der Übergang ist fließend. Aber sie ist eine Schwester, er ein Bruder, sie haben schon auf Festen miteinander getanzt und Pläne der Rache geschmiedet für diejenigen die es verdient hatten. Auch wenn das Geschlecht sie trennt, so sind sie beide Kinder Satuarias und Levthans. Für einen kleinen Teil seiner Ausbeute bekommt er noch einen Schlauch voll Milch, zu Essen und Unterkunft bis es dunkel wird. Zwischendurch, als das Kind müde wird plätschern leise Lieder von seinen Lippen, wie er sie von seiner Sippe kennt, wie man sie den Kleinsten singt wenn sie schlafen sollen. Die Schlange ruht ebenfalls etwas, am Körper des Weißblonden. Die Stimme ist ihr egal, der leise Gesang, aber sie kann es durch den Körper ihres Seelengefährten spüren. Und es ist angenehm, beruhigt sie ebenfalls. So wie die angenehme Wärme des Körpers.
Nein, in Donnerbach kann er ihn nicht lassen, auch nicht in Trallop. Geschweige denn Lowangen. Und wie die meisten Orks mit solchen Mischlingen umgehen weiß er auch. Meist Missgeburten beider Völker, für die jeweils andere Seite verachtet. Und Verachtung ist noch harmlos. Warum kümmert es ihn überhaupt? Uhdenberg könnte passen, Gashok, oder einer der anderen Orte wo Schwarzpelze und Menschen mehr oder weniger friedlich zusammen leben. Aber auch da wird er es nicht leicht haben. Was kümmert es ihn überhaupt? Er hat es auch nicht einfach gehabt, nicht wegen den spitzeren Ohren die man verbergen kann sondern wegen seiner Herkunft. Nein, er hat es dem Geist der Mutter versprochen. Und wenn er eins nicht macht, dann ist es die Versprechen brechen welche er den Geistern der Toten gegeben hat. Genau, es ist das Versprechen. Darum kümmert es ihn, nur darum.

Als es dunkel ist fliegt er weiter, nachdem er den kleinen noch einmal ordentlich gefüttert hat, die Windeln gewechselt. Dabei schweifen seine Gedanken doch wieder ab und dann lässt er seinen Emotionen freien Lauf, trennt die welche er gerade benötigt und wirkt auf die Decke des Babys einen Manifesto welcher diese bis zum Morgengrauen wärmen wird. Dann schlägt er ihn auch dort wieder gut ein, verpackt ihn und fliegt wirklich weiter. Was ist das? Der Kleine gluckst? Lacht er etwa gerade? Ja, wirklich, jetzt wo er gerade nicht schläft jammert, quengelt oder wimmert er das erste mal nicht mehr. Der Kleine gluckst und je schneller der Weißblonde fliegt desto fröhlicher scheint das Baby zu werden. Das kommt überraschend, aber die Tränen des Weißblonden kommen sicher nur von dem peitschenden Wind. Immerhin kann es nicht sein das der Kleine ihm gerade nahe geht, oder? Er hat schon ganz andere, schlimmere Schicksale erlebt. Und noch ganz anderes für seinen eigenen Vorteil ausgenutzt, was kümmern ihn andere Leute? Gut, außer diesem einen. Und dass er sich um seine Angestellten, Gesellen, Aushilfen und andere gut kümmert macht er damit sie gerne für ihn arbeiten, deswegen hält er auch seine Hand über sie. Zufriedene Angestellte sind gute Angestellte.

Egal, darüber will er gerade nicht nachdenken, er drückt den Kleinen noch etwas fester an sich und lässt das Land tief unter ihnen vorbei jagen, reisen, mit der Deckung der Dunkelheit. Zwischendurch ist eine Pause nötig, wo er den Kleinen füttert, sich etwas mit der Schlange beschäftigt und selber etwas isst, sich aufwärmt. Doch dann geht es weiter, denn es sind schon ein paar Stunden bis Tiefhusen. Erst als er die Lichter der Stadt entdeckt wird er langsamer, landet etwas abseits und zieht seine alchemistisch angehauchte Kappe wieder an, steckt die Brosche des Roten Salamanders in die Weste welche durch ihren Schnitt seinen Stand als Meister der Brennereigilde anzeigt und zieht diese Weste an. Meister Farafan ist wieder daheim, die Blicke der wach habenden Orks und Menschen bei dem was er da anschleppt ignoriert er nicht sondern nimmt sie auf, hier und da sogar bis es sich zu einem Blickduell auswächst. Ihm soll jetzt bloß keiner blöd kommen. Der Elfenblüter mag klein sein, aber wenn er wirklich wütend wird sollte man Abstand halten. Früher hat er sogar Khurkach fremder Stämme aus seinen Läden gejagt, wenn sie die Abmachungen der Orks mit den Menschen ignorierten, oder den Schutz den diese Abmachungen mit sich bringen. Denn auch wenn es nicht immer leicht ist, irgendwie hat man sich in den letzten Generationen miteinander arrangiert. Man schlachtet ja auch nicht die Kuh die einem Milch gibt, oder das Schaf das Wolle liefert. Nicht alle sind immer damit einverstanden, nicht immer ist es friedlich, aber Meister Farafan bemüht sich darum keine Seite gegen sich aufzubringen und seine Geschäfte laufen, er zahlt die nötigen Abgaben an beide Seiten. Und er respektiert die Grenzen welche die Rikai-Priester gesetzt haben. Schnaps ja, aber kein Bier. Und auch bei seinem Kräuterladen, ein paar Dinge sind den Rikaidienern vorbehalten und das hat er klaglos akzeptiert.
Wahrscheinlich wären die Orks nicht glücklich, wenn sie von dem geheimen Phextempel erfahren würden, aber davon weiß Mordred nichts. Das hat er dem Vogtvikar selber gesagt. Er weiß weder was vom Tempel, noch vom Vogtivkaren. Manchmal ist Nichtwissen deutlich einfacher und sicherer. Und wenn sich jemand seine heilkundlichen Behandlungen oder die Kräutermittel nicht leisten kann, so gibt es noch andere Möglichkeiten der Gegenleistungen. Der Gedanke an all das lässt ihn lächeln. Diese Stadt ist wirklich seine Heimat geworden. Auch wenn er seinen Besitz und das geschaffene vermögen definitiv nicht nur auf ein Pferd setzt. Inzwischen hat er auch eine Zweigstelle in Brabak, dazu der Antiquitätenhandel und anderes von dem er einen Teil geerbt hat. Das Schloss im Bornland, sein Privatvermögen das aus mehr als eine Bank, ein Handelshaus aufgeteilt ist. Nur auf ein Pferd zu setzen wäre dumm, nicht einmal sein Mann weiß wirklich von allem.

Bei den Gedanken muss er sogar grinsen. Ja, das hier ist seine Stadt. Seine Heimat. Auch wenn das viele seiner Familie, seiner Sippe nie verstehen werden, das er sich hat fesseln lassen. Die freiheit der Wagen und Straßen aufgegeben und sesshaft wurde. Im Laufe der Jahre hat er sich bei vielem unentbehrlich gemacht, auch wenn es zeitweise harte Arbeit war nicht zwischen den Seiten und Interessen zerrieben zu werden. Und das alles wegen ihm, ein Gedanke der ihn noch immer amüsiert wenn er darüber nachdenkt. Sein Mann. Derjenige der ihn eingefangen hat und Ketten um sein Herz geworfen hat. Unsichtbare Ketten, welche der stärksten Art. Geschmiedet aus den Feuern des Herzens. Und er ist geblieben, selbst wenn er reist kehrt er immer wieder zu ihm zurück. Egal was er auch auf seinen Reisen oder anderswo unternimmt, hier lebt sein Mann.
Als er ihr gemeinsames Haus betritt kann er ihn hören. Das hämmern von Metall, kochendes Wasser das explosionsartig verdampft. Gefühle trügen nicht, sie sind das Geschenk Satuarias und Levthans. Der Innenhof ist hell erleuchtet, die große Schmiede ist im Laufe der Jahre ebenso gewachsen wie Mordreds Brennerei oder das Alchemistenlabor. Der Geruch von glühendem Stahl und anderen Metallen, der Geruch der Öle und allem anderen ist ihm so vertraut geworden inzwischen. Viel Stein, alles brandsicher, Einer mit Sand und Wasser. Eine Schmiede auf die manch ein Ingerimmgeweihter neidisch werden könnte. Mehrere Ambosse in verschiedenen Härten, aus verschiedenen Legierungen und alles was man braucht um bis in die höchsten Höhen der Handwerkskunst der Schmiede vorzustoßen. Einige von Mordreds eigenen Werkzeugen oder Laborzubehör wurde hier gefertigt. Der heilige Ort des Hauses, anders als andere Schmieden nicht von außen zugänglich, so das nicht jeder der vorbei kommt hinein blicken kann. Denn vieles was hier geschieht ist nicht für alle bestimmt, oder auch nur für wenige.

Der kleine Elfenblüter betrachtet die muskulöse, kräftige Gestalt, welche in ein flammengelbes Gewand gehüllt ist, darüber eine dicke feuerfeste Lederschürze. Trotzdem sind die Ärmel weit zurück gerollt, so dass der Schweiß in dem tiefschwarzen Fell schimmert. Wallendes tiefschwarzes Haupthaar ist zurück gebunden und von der Hitze der glühenden Kohlen ebenfalls schweißgetränkt. Der rituelle orkische Schmiedehammer fällt wieder herab und ein kunstvoll gefertigter Arbach ist an einen der unbenutzen Ambosse gelehnt. Nach einem weiteren Schlag des Hammers landet der glühende Stahl schwungvoll in einem Wassereimer, erneut explodiert der Dampf regelrecht und entweicht zischend. Mordred hat das Schauspiel lächelnd beobachtet, das ist sein Mann, der Mann den er liebt. Sein Khurdagh. Erst jetzt wo das Baby zu einem ziemlich kraftvollen Schrei ansetzt dreht der orkische Gravesh-Geweihte sich um. Denn das ist er. Kein menschlicher Schmied, kein Ingerimmgeweihter sondern ein Priester des orkischen Handwerksgott. Wallendes tiefschwarzes Haupthaar bewegt sich und mit knackendem Nacken gibt es den Anblick von einem dunklen Gesicht mit roten Augen preis, welche den Kopf wie einen Haufen Kohle wirken lässt, in dem einzig zwei Stücke glühen. Das Glühen der wirklichen Kohlen reflektiert zusätzlich und für jemand anderen wäre es wohl schwer in der Miene des Orks zu lesen, dessen Blick auf dem kleinen zappelnden Bündel Halbork ruht, dann hinauf zum grünen Blick des Elfenblüters wandert.

Ja, sie haben schon über so was gesprochen. Irgendwelche Andeutungen oder trockenen Kommentare zu Kindern oder dem Thema Kinder gab es zwischen beiden schon mal. Mal von dem einem, dann von dem anderen. Aber es ist nie mehr geworden, es gab keine Pläne. Und nun kommt Mordred einfach auf ihn zu, mit dem schreienden Bündel im Arm das mit kräftigen, kleinen Lungen heraus brüllt wie unfair alles ist und was es, was er vermisst. Ork und Elfenblüter wechseln noch einen wortlosen Blick, die Blicke kreuzen sich und blitzen auf, als ungesprochene Worte von einem zum anderen geschossen werden als wären es Pfeile. Glühende Brandpfeile aus den Augen des einen, während die kleinen goldenen Splitter im Grün seinerseits nicht mit Angriffen und Gegenschlägen sparen.

Dann beugt der Ork sich doch einmal näher heran und der schreiende Junge versetzt ihm mit der kleinen, geschlossenen Faust einen Schlag auf die Wange. Natürlich nicht wirklich feste, geschweige denn schmerzhaft. Aber nicht mit weniger Nachdruck als der Schrei der kräftigen Lungen und Stimmbänder. Etwas das dem Gravesh-Priester dann doch fast so etwas wie ein Lächeln entlockt. Und als der Kleine das Fell auf der Wange spürt öffnet er doch die roten Augen, welche klar hinauf blicken, in das glühende Rot des Orks, die kleine Faust öffnet sich und greift nach einem der Orkhauer, hält sich fest und der Kleine hört auf zu schreien, mit einem mal viel ruhiger als eben noch.

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Ungelesener Beitrag von Nicolo Bosvani » 23.06.2020 16:07

Farmelon hat geschrieben:
23.06.2020 09:47
Diesmal endet die Geschichte auch schöner als vorher bei Asthor und Swafnan.
Dafür beginnt sie aber sehr traurig. Das gleicht sich also wieder aus. :wink:

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Ungelesener Beitrag von Farmelon » 23.06.2020 19:47

Schön. :)
Wär aber schön wenn du die Geschichte noch in einen Spoiler packst @KarloKatermann , das macht es übersichtlicher.
Nicolo Bosvani hat geschrieben:
23.06.2020 16:07
Dafür beginnt sie aber sehr traurig. Das gleicht sich also wieder aus. :wink:

Stimmt schon, ist auch sehr traurig das Mordred seine Ernte nicht wie geplant zu Ende bringen kann.Danke für dein Mitgefühl. :wobble:

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Jyivindar
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Ungelesener Beitrag von Jyivindar » 25.06.2020 10:18

Seit dem Beginn der Forenaktion und dem entsprechenden Aufruf überlegte ich, wie und ob ich mich hier überhaupt einbringen soll. Ich habe mit dem Thema nichts am Hut, auch wenn es entsprechende Personen in meinem Bekanntenkreis gibt. Mich selbst betrifft es nicht sonderlich und eigentlich halte ich mich aus solchen Diskussionen und Themen sonst raus. Bei den “Diskussionen” kann man irgendwie nur verlieren.
Ich bin der Meinung, dass jeder das tun und lassen sollte, was er für richtig hält. Punkt. Oh halt noch ein Zusatz: wenn er die andere Person dadurch nicht beeinträchtigt…

Aber geht es denn nicht genau darum? Vielfalt. Zeigen was man für richtig hält und stolz darauf sein?
Gut.. vielleicht reiche ich ja doch was ein. Aber es scheiden Abenteuer und Geschichten zu dem Themenbereich aus, einfach weil ich so herrlich unkreativ bin in Sachen, die für mich in meinem Leben nicht präsent genug sind.
Aber in einer Sache kenne ich mich dann doch etwas besser aus, weil es einer herrlich skurillen Logik folgt und die Schönheit der Welt tatsächlich preist.


Mittagszeit ist Hartwurst-Zeit
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“Mittagszeit ist Hartwurst-Zeit.” stellt Joost für sich selbst fest. „Das einzig wahre Essen nach der Arbeit und heut hab ichs mir auch echt ma verdient”.
Erst vor 2 Tagen ist das Schiff aus Kannemünde hier in Tuzak vor Anker gegangen und er war ununterbrochen mit dem Verladen und organisieren der An- und Abtransporte beschäftigt. Genüsslich riecht er an der glänzenden, rötlichen Wurst. Dann beißt er hungrig hinein. Hier am Pier hat er sich eine der noch nicht aufgeladenen Kisten ausgesucht und sich darauf niedergelassen. Zufrieden kauen begutachtet er die Bewegungen der bornländischen Karavelle “Wellentänzer”. „War ne gute Wahl auf dem Kahn anzuheuern“, sinniert er vor sich hin. Joosts zerschlissene und ausgeblichene Kleidung zeugen von seinem langjährigen Dienst an Bord zahlreicher Schiffe und den vielen Häfen, die er schon gesehen hat.
„Die Praiosscheibe hat im Monat Peraine bei weitem noch nicht die Kraft, wie in den heißen Monaten im Hochsommer“, wurde ihm von einem Arbeiter hier erzählt. Aber es ist jetzt schon fast zu warm für seinen Geschmack. Er ist bisher nie auf Maraskan gewesen und irgendwie fühlt es sich auch nicht so an, wie sich ein normaler Hafen eben so anfühlt. Die Architektur der Häuser ist mehr als merkwürdig und gefühlt ist das Geschrei der Leute hier lauter als sonst irgendwo. Auch der Geruch, der vom Landesinneren herüberzieht und sich mit den Ausdünstungen des Hafens vermischt, erscheint ihm befremdlich.
Eine Gestalt in einer grauen Robe schlendert indes zielstrebig auf eben jenen Seemann zu, der immernoch in aller Seelenruhe auf seinem Stück Hartwurst herum kaut. Sie bleibt in der Sonne vor ihm stehen, so dass der Schatten in Joosts Gesicht fällt.
„Höh! Was willsn du? Geh mal weg hier un stör mich nich beim essn“, schmatzt der Matrose vor sich hin und deutet mit der Wurst in die entgegengesetzte Richtung. Zufrieden und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen beißt er erneut in eben jene halbe Wurst, die er in seiner Rechten hält.
Doch der Besucher lässt sich anscheinend nicht beirren oder gar vertreiben. „Preist die Schönheit der Welt in all ihren Farben, Bruderschwester!“ spricht der Fremde mit weit ausladenden Armen.
Verdutzt blickt der Seemann auf und schluckt den Bissen herunter. „Was?“
„Ich sagte: Preist die Schönheit der Welt, Bruderschwester!“ erwiedert der grau gekleidete mit einer leichten Verbeugung.
„Jaja, ich hab dat schon verstanden, aba ich bin weder dein Bruder, noch deine Schwester! Bei den Zwölfen! Dat wüsst ich aber!“ prustet er heraus.
Die Gestalt hält inne, lehnt sich dann untersuchend nach vorne. „Bist du dir da sicher?“
„Sach mal.. hast du kene Augen im Kopf? Siehst du nicht, dass ich allet andere als dene Schwester bin?“ tönt es gereizt.
„Nein, nein. Das meine ich nicht. Offensichtlich bist du ja sehr davon überzeugt, dass du ein Mann bist.” Er lehnt sich zurück, so als ob er genug gesehen hat. „Somit wollen wir es dabei belassen.“
„Wie dabei belassn? Das ist doch mehr als offensichtlich!“ Zur Bestätigung klopft sich Joost mit der freien Hand dumpf auf die Brust.
„Wenn du das sagst, hat es wohl seine Richtigkeit für dich. Dann ist es das, was du in diesem Leben bist. Nur schließt das eine Möglichkeit nicht ganz aus: So könnte es doch gut sein, dass du Mal eine Frau warst! Vielleicht sogar die verstorbene Base meines Vaters aus Jergan. Sag mal, wie alt bist du?“ Nachdenklich tippt sich der fremde Mann ans Kinn.
„Ich bin mir wirklich nich sicher, was dich dat angeht und überhaupt, wat willsu eigentlich?“ Der Seemann legt die Wurst zur Seite und krämpelt provozierend die Ärmel nach oben.
„Sachte, sachte. Ich habe dir eben einzig nahebringen wollen, das es sein kann, dass du einmal ... na, vielleicht warst Du einmal mit mir verwand? Mein Onkel oder meine Tante - wer weiß das schon! Boron nahm dich mit zu Schwester Tsa und diese hauchte dir neues Leben ein. Aber wer sind wir, um den unergründlichen Willen der Götter nachvollziehen zu können?“ Beschwichtigend hebt der in eine Robe gehüllte beide Hände.
Der Matrose blickt jetzt recht verwirrt drein. „Warte. Du behauptet, das ich ma deine ..“ er stockt kurz nachdenklich „..Tante war?“
„Unter anderem.“
„Wie wat.. wasn noch?“ Die Augenbrau nach oben ziehen, stellt der Seemann langsam die geistige Gesundheit des Gegenübers in Frage.
„Na, auch wenn du ein Mann bist - wie man sieht und du anscheinend auch fest davon überzeugt bist - so heißt das noch lange nicht, das du auch wirklich das bist!“
„Na aber hör Mal.. das schlägt dem Fass den Boden aus, ich.. habe Frau und 4 Kinder.”
Der Fremde reißt die Arme nach oben und schreit laut, “Vierfach gesegnet! Meine besten Empfehlungen und Glückwünsche!” Einige umstehende Mannschaftsmitglieder halten in ihrer Bewegung inne und blicken zu den Beiden herüber.
“Sach mal..“ unangenehm blickt sich Joost um und mit leichtem Kopfschütteln sagt er in einem zweifelnden Ton, „ist dir nen Sack Reis aufn Kopf gefallen? Was brüllst denn hier so rum? Ich habs dir gerade schon gesagt: Ich hab Kinder. Würde das denn gehen wenn ich kein Mann wäre?“
Der Besucher nimmt seine Arme wieder herunter, die er während der gesamten Zeit lobend nach oben gestreckt hatte. „Warte, das ist es nicht, was ich damit gemeint habe. Schau her. Ich erkläre es dir noch einmal, und du hast offensichtlich die Zeit dafür.“ Mit diesen Worten beginnt er vor ihm auf und ab zu laufen.
Seufzend, ob der Gewissheit, dass der Fremde wohl nicht so bald Land gewinnen wird, schnappt sich Joost seine Hartwurst und fuchtelt gebieterisch vor dessen Nase herum. “Na dann lass ma hören! Und ich warne dich! Nochmal so nen freches Ding und ich polier dir die Fresse.”
Der Mann schüttelt seinen Kopf und schmunzelt: “..diese Fremdijis! Also. In dem richtigen Glauben, den wir auf Maraskan haben, ist es so, dass Seelen immer wieder geboren werden. Wann und wo und in welchem Körper ist allein Tsas Wille. Folglich war jeder von uns schon einmal auf dem Weltendiskus.”
“Wasn das? Diskus?” stutzt Joost.
“Psst.. tut aktuell auch nichts zur Sache. Lass mich weitererzählen. Wenn also jeder von uns schonmal auf der Welt war, kann es doch sein, dass man einmal eine Frau war. Oder ein Mann”, wägt er ab.
“Ich warn Mann.” meint der Seeman mit leicht tieferer Stimme, womit er wohl diese Behauptung zu untermalen beabsichtigt.
“Jaja. Das meinst du jedenfalls. Aber was war in dem Leben davor? Oder vor eben jenem Leben? Welche Person warst du, als du zum ersten Mal von Rur erdacht wurdest?”
“Ich glaube auch ein Mann..”
“Siehst du, du gibst mir Recht!” triumphiert der grau Gekleidete.
“Was? Nein! Wie denn?”
“Na indem du es nicht genau weisst! Wir auf Maraskan sind da wohl etwas anders gestrickt. Niemand kann genau sagen wer er ist und was ihm genau gefällt. Dafür sind Tsa’s Schöpfungen deutlich zu vielfältig. Schon früh beginnen deshalb unsere Kinder mit dem erkunden ihrer Vorlieben.”
“Ich hab als Kind gerne gefischt”, unterbricht Joost.
“Das meine ich nicht. Warte.. lass es mich so ausdrücken. Wieso..“ er blickt sich um „..wieso magst du dieses Ding hier.. diese Wurst?”
“Ah, die Hartwurst hier? Die iss so richtig genau meins.”
“Und woher weißt du das denn?” frägt der Besucher leicht lauernd.
“Na. Schmeckt halt.” mit einem süffisanten Lächeln beißt Josst ein Stück ab und kaut zufrieden.
Der Mann reisst zu Joosts Überraschen freudig die Armen nach oben. „Bei Hesinde, das war die richtige Antwort. Weil sie schmeckt. Aber das weisst du erst, nachdem du sie probiert hast, oder?”
“Und was hat jetzt die Wurst mit diesen Schwestern da zu tun?”
“Also. Zuerst nichts so ungeduldig. Zweitens, wenn du noch nie Tuzaka probiert hast, woher weisst du dann, obs dir schmeckt oder nicht?”
“Wasn das schon wieder?” stöhnt Joost.
“Ein besonderer Eintopf. Du musst wenigstens einmal einen Bissen genommen haben oder zumindest den Geruch eingeatmet haben, um zu wissen ob dir das Gericht schmeckt oder nicht. Erst dann kannst du es mit Bestimmtheit sagen.
Der Seemann schiebt sich das letzte Stück der Wurst in den Mund und kaut angestrengt zuhörend darauf herum.
„Ähnlich ist es mit den Vorlieben eines Menschen wenn es um die Partner geht. Du kannst dein Leben lang behaupten, du wärst ein Mann, der sich nach Frauen sehnt, aber wenn du noch nie…”
“..an einen Mann gerochen habe..” die mögliche Antwort kennend unterbricht er die Erklärung.
“Wie? Mach dich nicht lächerlich. Nein. Wir sind von der Vielfalt der Welt überzeugt. Alles ist so, wie es von Rur geschaffen wurde und schön weil es ein Geschenk an seinen Bruder Gror ist, der gleichzeitig auch seine Schwester ist. Womöglich warst du also einmal eine Frau und bist irre geleitet durch die ganzen Anderen oder meinst der sein zu müssen, den diese in dir sehen. Den Seemann mit 4 Kindern. Was aber, wenn du eigentlich in deinem innersten eine Frau wärst? Tsa hat dich unzählige Male neu geschaffen und jedesmal so, wie sie es am schönsten hielt. Diesesmal gab sie dir den Körper eines Mannes. Vielleicht ist es aber auch so, dass du dich zu einem Mann hingezogen fühlst, weil dein Innerstes sich nach diesem seit deinem letzten Leben sehnt. Womöglich bist du und dein noch fehlender Partner in einem euer früheren Leben bereits den Kreis abgeschritten. Meine Cousine behauptet jedenfalls schon einmal mit ihrer Partnerin zusammen gewesen zu sein.”
“Aber du sagtest doch vorher irgendwas von einer Schwester? Und jetzt Kusine und Kreise?”
“Nein, ich meinte damit das du womöglich in irgend einem Leben mit mir verwandt warst. Meine einstige Schwester oder mein Bruder. So etwas darf man nie ganz ausschließen. Finde dein Innerstes Wesen und besinnen dich darauf, dass das, egal was du dort antreffen magst und wie befremdlich es auch sein mag, der Wille Tsas war. Sie hat die Geschöpfe so bunt und vielfältig geschaffen um die Welt schöner zu machen wenn du dich auf ihr befindest. Ganz wie es der Auftrag Rurs war. Gräme dich nicht, wenn du jetzt die Weisheit in den Worten nicht erkennen magst, aber im nächsten.. vielleicht auch im übernächsten Leben wirst du mir Recht geben müssen. Womöglich sind dann wir sogar ein Liebespaar!”
“Jetzt mach aber Mal halblang!”, Joost bäumt sich vor dem Mann auf.
“Ruhig ruhig. Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes. Aber das viele anregende Geplapper macht mich wahrhaft durstig. Und müde. Sag mal.. sind eigentlich alle auf dem Schiff immer so schlecht gelaunt, nur weil man sie grüßt?“
Joost schwirrte der Kopf. „Das war die längste Begrüßung die ich überhaupt jemals gehört hab. Und nu sag, was willst denn alles?“
„Mir würde schon ein Gespräch mit eurem Kapitän wegen einer möglichen Überfahrt genügen. Ist er oder sie eigentlich an Bord?”.
“Ja iss da. Von mir aus bring ich dich hin. Aber nur, wenn du versprichst auf der Fahrt nicht son Stuss zu palavern, dann kann ich was für dich organisieren. Und bevor du weiterredest, ich bin nen Mann! Ein für alle mal.”
“Oh, welch einzigartige Überzeugung!”
“Na also, du hasts wohl endlich verstanden. Gut, dann bring ich dich ma zum Kapitän...“
Gemeinsam schreiten beide an Bord der „Wellentänzer“. Ein Einheimischer, dessen graue Robe bunt in der Mittagssonne schimmert wenn man sich nur Zeit nimmt und genauerer hinsieht und ein Matrose, der sich fest vorgenommen hat, seine morgige Mittags-Hartwurst im Ausguck zu sich zu nehmen.

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