5 Fragen an Anton Weste

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Hans
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Errungenschaften

5 Fragen an Anton Weste

Ungelesener Beitrag von Hans » 01.05.2014 23:03

5 Fragen an Anton Weste...
Kaum ein anderer DSA Autor hat so viele Beiträge für Das Schwarze Auge verfasst wie Anton Weste, deshalb versuchen wir auch gar nicht erst, sie hier aufzuzählen sondern verweisen auf den entsprechenden Eintrag in der Wiki-Aventurica: Anton Weste. Unter anderem war er von 2000 bis 2011 ein Mitglied der DSA Redaktion und er ist ein erklärter Erbe von Hadmar von Wieser.
Unter seinen wohl am meisten diskutierten Beiträgen finden sich Titel wie Die Herren von Chorhop, Blutige See, Das Jahr des Feuers und die Settingbox Gareth - Kaiserstadt des Mittelreiches. Er hat ausserdem an der Entwicklung von Drakensang und Herokon mitgewirkt. In letzter Zeit stand wohl hauptsächlich die Gareth Box sowie das neue Gareth-Abenteuer Namenlose Nacht im Fokus der DSA Community.


Hallo Anton, schön, dass du dir ein wenig Zeit für uns nimmst!

1. Deine Beiträge für Das Schwarze Auge sind, wie eingangs schon erwähnt, sehr zahlreich, was sind deine persönlichen Top 3 unter deinen eigenen Beiträgen für DSA und warum?
Anton Weste hat geschrieben:Schwer auszuwählen, ich verbinde mit allen Werken gute Momente und habe viele tolle Kollaborationen erlebt. Spontan kommen mir aber in den Sinn:
—Das Schwarze-Lande-Abenteuer Blutige See, in dem ich mich mit viel Fabulierlust in einem Dark-Fantasy-Setting austoben konnte. Und mit dem ich das Konzept eines über weite Teile offenen Abenteuer umsetzen konnte – damals eine Seltenheit.
—Der Regionalband Herz des Reiches, weil er aufwendig war, enorme Recherche benötigte, zahllose Erwartungen erfüllen musste und im Fokus etlicher Interessengruppen von Spielern, halboffiziellen und offiziellen DSA-Mitarbeitern stand. Das war für mich als Bandredakteur ein spannender Balanceakt.
—Die Stadtbox Gareth – Kaiserstadt des Mittelreichs, mit der ich zeigen konnte, dass ausführlich beschriebene Stadtsettings auch bei DSA gut ankommen. Es hat viel Spaß gemacht, Spielhilfen und Details auszuarbeiten, von mehreren Seiten zu beleuchten und zu verknüpfen.

2. Gemeinsam mit Tom Finn hast du das Abenteuer Namenlose Nacht - Orgien in den Thermen verfasst, welches in letzter Zeit großzügig mit News von Seiten des Ulisses-Blogs versorgt wurde. Erzähl uns doch ein bisschen über den Entstehungsprozess des Abenteuers, die Zusammenarbeit mit Tom Finn und der 'FSK 18-Marketingstrategie'.
Anton Weste hat geschrieben:Das Abenteuer gärt seit 2008 in verschiedenen Stadien. Zunächst gedacht als 16seitiges Kurzabenteuer und immer wieder neu durchgesprochen, ist es mittlerweile zum trockenen Rotwein in Form eines umfangreichen Vollabenteuers gereift. Tom und ich haben das Exposé zusammen entworfen und die Schreibarbeit aufgeteilt. Wir hatten viel Spaß bei der Recherche, dem Austausch von Ideen und der Gestaltung von Szenen. Das Finish zur Veröffentlichungsreife in diesem Jahr habe dann zum größten Teil ich besorgt.
Unsere Leitlinie war es immer, einen spannenden Plot in ungewöhnlicher Umgebung zu präsentieren und gleichzeitig eine Hommage an 25 Jahre (2009) beziehungsweise 30 Jahre (2014) Das Schwarze Auge zu schaffen. Mit der Kombination aus schlüpfrigem Thermenschauplatz, Bedrohungen während der Namenlosen Tage und dem Aufgreifen einer Handvoll altbekannter Personen, Anekdoten und Mysterien Aventuriens schien uns die richtige Mischung gefunden.
Das Abenteuer als „empfohlen ab 18 Jahren“ zu bewerben, ist ein willkommener Marketing-Gag mit Augenzwinkern. Deutschland kennt keine Auszeichnung von Printmedien in der Art des „nicht freigegeben unter 18 Jahren“ der FSK. Das Abenteuer behandelt Gewalt und Sexualität im etwas forcierteren Modus als der Durchschnitt der DSA-Publikationen. Dass der Band das schon auf dem Cover verdeutlicht, finde ich gut, denn nicht jeder Spieler möchte auf diese Inhalte unvermittelt am Rollenspieltisch stoßen. „Namenlose Nacht“ geht dabei aber auch nicht weiter als beispielsweise das Abenteuer „Schleiertanz“, welches sich mit Oron-Vermächtnissen befasst. Einem Zwölfjährigen würde ich es ohne Kontext trotzdem nicht unbedingt in die Hand drücken.


3. Was wäre deiner Meinung nach die optimale Gruppenzusammensetzung für das Abenteuer und wie stark ist es an den Schauplatz Gareth gebunden?
Anton Weste hat geschrieben:„Namenlose Nacht“ lässt sich recht gut in jede andere aventurische Großstadt verlegen, in der eine gewisse Bigotterie herrscht: Hier öffentlich proklamierter Anstand, da heimliche Orgien. In Al’Anfa würde etwa ein Teil des Gegensatzes verpuffen, weil dort auch öffentlich kaum jemand Anstoß an freizügiger Sexualität, Rauschkrautkonsum und Unterdrückung Schwächerer nimmt.
In der Gruppe sollten die meisten Helden soziale Interaktionen einigermaßen beherrschen, daneben ist mittelmäßige Kampfkraft hilfreich. Keiner sollte so prüde oder abergläubisch sein, dass er partout nicht auf eine Orgie während der Namenlosen Tage gehen möchte. Eine Testspielrunde, in der das Abenteuer gut lief, bestand aus einem Zwergensöldner, einem nivesischen Jäger, einem Streuner und einer Phex-Geweihten. In anderen Runden ließen sich auch schon Rahja-Geweihte, Hellsichtmagier und weltfremde Mohas durch die Therme treiben.
4. Das DSA4 Regelwerk beinhaltet zahlreiche Fallstricke für Autoren, die häufig zu regeltechnischen Fehlern in offiziellen Abenteuern führen. Die Notwendigkeit Eigenschafts- und SF-Voraussetzungen für weiterführende Sonderfertigkeiten für fast jeden NSC zu überprüfen und umständlich zu berechnende abgeleitete Werte sollen hier nur beispielhaft für Schwierigkeiten stehen, die das DSA4 Regelwerk Autoren bereitet. Wie siehst du dieses Problem als Autor und was erhoffst du dir diesbezüglich von DSA5?
Anton Weste hat geschrieben:Die Formel ist ja einfach: Je komplizierter ein Regelwerk, desto aufwendiger der Erstellungsprozess für einen Band und desto mehr potenzielle Fehlerquellen gibt es. Nichts, was ich mir als Autor wünschen würde. Für DSA 5 wünsche ich mir ein hinreichend komplexes, aber nicht kompliziertes System, das sich von Spielleiter- und Autorenseite in seinen Auswirkungen gut berechnen oder abschätzen lässt. Frei werdende Ressourcen, die bislang für Regelnachschlagen und Auslegungen benötigt wurden, kommen dem Spielfluss zugute.

5. Was liegt momentan an DSA- oder anderen Rollenspiel-Projekten auf
deinem Schreibtisch?
Anton Weste hat geschrieben:Derzeit nichts, da ich in Projekten abseits des Rollenspiels eingebunden bin. Aufpumpbare Zeitblasen, anyone? ☺ Ich wünsche allen Spielern und Meistern viel Vergnügen mit “Namenlose Nacht“.
Wir bedanken uns für das Interview!

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