Landfrieden 1014

Allgemeines zu Aventurien, Myranor, Uthuria, Tharun, Den Dunklen Zeiten & Co.
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Sibylla
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Landfrieden 1014

Ungelesener Beitrag von Sibylla » 15.04.2019 17:56

Ihr Lieben,

Weiß jemand, wann der Landfrieden 1014 endete? Und wann ggf. ein neuer erlassen wurde?

Bin die Boten bis 1019 durchgegangen und habe nichts gesehen :(
LG,
Sibylla

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Nova
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Ungelesener Beitrag von Nova » 15.04.2019 18:01

Sibylla hat geschrieben:
15.04.2019 17:56
Ihr Lieben,

Weiß jemand, wann der Landfrieden 1014 endete? Und wann ggf. ein neuer erlassen wurde?

Bin die Boten bis 1019 durchgegangen und habe nichts gesehen :(
Ich denke, das war mit der Ochsenbluter Urkunde 1028/29. Die starken Konzessionen die Rohaja an den Adel gemacht hat, um als Kaiserin anerkannt zu werden, haben auch die Wiedereinführung des Fehderechts beinhaltet.

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Sibylla
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Ungelesener Beitrag von Sibylla » 15.04.2019 18:12

Uff, so spät? Das ist ja grässlich
LG,
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Cillb
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Ungelesener Beitrag von Cillb » 15.04.2019 18:15

Laut dem Aventurischen Archiv III dauerte der Landfrieden "bis zum Praios-Feste und danach auf vier Götterläufe [bis zum] 1. Pra. 26 Hal." :)

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Ungelesener Beitrag von Nova » 15.04.2019 18:25

Herz des Reiches, S. 40:

"Unter den Kaisern Reto und Hal wurden wiederholt Reichsfrieden verabschiedet, wobei der letzte 1028 endete."

Also, unklar ob das jetzt genau der von 1014 war, oder ob der zwischendurch durch einen anderen erneuert wurde - aber man kann davon ausgehen dass bis 1028 durchgehend Reichsfrieden geherrscht hat. Und eventuell auch schon davor! In HdR hört sich das schon stark an, dass das Wiederaufkommen des Fehdewesens erst nach dem Jahr des Feuers begonnen hat, und das es dass unter Kaiser Hal und Kaiser Reto nicht gegeben hat.

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Sibylla
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Ungelesener Beitrag von Sibylla » 15.04.2019 18:52

Zugegebenermaßen hatten die Adeligen des Reiches vor 1028 auch andere Probleme, als sich in Ehrenhändel zu bekriegen :grübeln:

Fällt euch eine Ausnahme oÄ ein, in welcher der Landfrieden legal umgangen werden konnte?
LG,
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Ungelesener Beitrag von Nova » 15.04.2019 19:12

Sibylla hat geschrieben:
15.04.2019 18:52
Zugegebenermaßen hatten die Adeligen des Reiches vor 1028 auch andere Probleme, als sich in Ehrenhändel zu bekriegen :grübeln:

Fällt euch eine Ausnahme oÄ ein, in welcher der Landfrieden legal umgangen werden konnte?
Naja, das Prinzip des Landfriedens ist dass alle Streitfälle vor die ordentlichen Gerichte kommen sollen, anstatt mit Waffengewalt ausgetragen werden. Alllerdings sprechen diese Gerichte nur Recht, sie setzen es nicht selbst durch. Will heißen, wenn man einen Gerichtsprozess gewinnt, aber der Gegner widersetzt sich einfach dem Urteil, dann agiert er illegal - aber man selbst hat dann einen Freibrief das Gerichtsurteil durchzusetzen.

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Sibylla
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Ungelesener Beitrag von Sibylla » 15.04.2019 20:33

Tausend Dank, Nova, deine Deutung ist genial, du hast mich gerade auf eine Idee gebracht :cookie:
LG,
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Vasall
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Ungelesener Beitrag von Vasall » 15.04.2019 20:42

Also eigentlich sitzt ein Landfriede auf dem Fehderecht auf, schränkt dieses ein und setzt es für bestimmte Zeiten und Räume aus.
Das Grundprinzip der rechtmäßigen Fehde bleibt erhalten, schließlich braucht man die Freien und Krieger und ihre Waffentreue um Recht überhaupt erst durchsetzen zu können; es gibt schließlich kein Gewaltmonopol.

Dazu werden einige dieser Waffentreuen zu einer pax militia, einem Friedensheer zusammen gefasst und die übrigen Menschen werden zwischen pauperes und potentes (seeeehr vereinfacht) quasi in Kombatanten und Nichtkombatanten unterschieden, was auch für die Heldengruppe interessant sein kann.
Ein Bauer bei der Arbeit gehört z.B. zu den pauperes. Der selbe Bauer in Waffen oder ein Ritter in Harnisch kann als Kombatant an- und aufgegriffen werden, das gilt dann auch für Helden in einem Landfriedens-, oder ähnlichem Friedensbereich.

Es gibt ja noch zahlreiche andere Friedensregeln, die das Fehdewesen reglementieren.
Geschützt werden z.B. Bauern und Kaufleute bei wirtschaftlichen Tätigkeiten im öffentlichen Raum und öffentliche Einrichtungen sowie eben andere pauperes. Das heißt nicht, dass automatisch materiell Arme geschützt werden sondern machtlose Menschen. Also meist Menschen arm an Standes, die sonst keine rechtlichen Mittel haben.

Es gibt als vor und nach 1014 Fehden.
Die muss es eben geben, weil es kein Gewaltmonopol gab und Retos Reichsreform dieses auch nie wirklich herstellen konnte. Mit Landfrieden werden Fehden zur rechtmäßigen Fehde, wo sie vorher willkürlich ausbrechen konnten und mehr Privatkriege als Rechtsdurchsetzung darstellten, die die soziale Ordnung gefährdeten
Aber es gab schon Garden und Milizen, die für bestimmte Räume und Zeiten polizeiliche Aufgaben unter Aussetzung der willkürlichen Fehde sichern konnten.

Eine gerechte Fehde, der gute Krieg und Ständesicherung gehört zum Landfrieden eine willkürliche Fehde wird durch diesen verhindert, oder der Konflikt wird auf ein noch höheres Niveau gehoben.

So in aller Kürze und Unschärfe. HdR beleuchtet das Verhältnis Landfriede-Fehdewesen nur sehr knapp. Für das Spiel im Abenteuer, mit bewaffneten Helden bieten die diversen Landfriedensregelungen aber zahlreiche nette Inspirationen. :)

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Nova
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Ungelesener Beitrag von Nova » 15.04.2019 21:06

Vasall hat geschrieben:
15.04.2019 20:42
Also eigentlich sitzt ein Landfriede auf dem Fehderecht auf, schränkt dieses ein und setzt es für bestimmte Zeiten und Räume aus.

[...]

So in aller Kürze und Unschärfe. HdR beleuchtet das Verhältnis Landfriede-Fehdewesen nur sehr knapp. Für das Spiel im Abenteuer, mit bewaffneten Helden bieten die diversen Landfriedensregelungen aber zahlreiche nette Inspirationen. :)
Naja, HdR stellt die Situation nach der Ochsenblut-Urkunda da. HdR gibt selbst mehrere Einschränkungen und Regeln an, aber das sind all die Regeln die existieren nachdem man das Fehderecht wieder eingeführt hat. Davor galt in der Tat der universelle Landfrieden; es gab schlichtweg unter Hal, Brin und Emer kein legales Fehderecht. Fehden wurden nicht eingeschränkt, sie waren schlichtweg nicht erlaubt. Und das gab es ja geschichtlich durchaus auch - siehe der Ewige Landfriede im HRR. Gut, wurde sich nicht immer dran gehalten, gelinde gesagt, aber rein legal galt auch geschichtlich seit dem 15. Jahrhundert (was ja so die Referenzzeit für das Mittelreich und Garetien wäre...) ein totales Fehdeverbot in Deutschland. Und ja, die Idee dabei war dass Kaiser Reto in der Tat die Macht des Adels gebrochen hatte, und alle Macht auf den Greifenthron vereinte (und Hal davon noch zehren konnte). Unter Reto befand sich das Mittelreich in der Tat auf den Weg zum Absolutismus. Diese Entwicklung wurde ausgehebelt durch Hals Gebahren, sein Verschwinden, den Orkensturm, Borbarad und das Jahr des Feuers, alles Sachen welche die Zentralmacht wieder schwächten - aber wirklich umgekehrt wurde das erst durch die Ochsenbluter Urkunde.

Die ursprüngliche Konzeption des Halschen Reichs war "Mittelalter vorbei, Frühe Neuzeit, Zentralmacht und Garderegimente haben Adel und Feudalaufgebot verdrängt". Und dann wollte man eine neue Konzeption und von der Frühen Neuzeit zurück ins Mittelalter. Und das umfasst auch das Fehderecht. In der Halszeit sollte es in der Tat kein Fehderecht geben. "Landfriede heißt Fehdeeinschränkungen" ist erst wieder seit Rohaja.

Vasall
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Ungelesener Beitrag von Vasall » 15.04.2019 21:20

Genau, so wie du es ausführst war das mal ganz grob angerissen, aber nie sauber ausformuliert.
Später wurde dann die Retosche Heeresreform dahingehend geretconnt, dass es nie wirklich funktioniert hat. Die stehenden Reichsregimenter nie auf Sollstärke kamen, nie wirklich zentral organisiert wurden und das Gewaltmonopol nie durchgesetzt werden konnte.
Auswuchernde Fehden und Privatkriege wären die Folge. Eine ähnliche Situation wie im 9.-10. Jhd. mit dem Übergang zum Feudalsystem und den Gottes- und Landfrieden die die Ständeordnung und rechtmäßiges Fehdewesen danach erst wieder herstellten.
Nova hat geschrieben:
15.04.2019 19:12
Will heißen, wenn man einen Gerichtsprozess gewinnt, aber der Gegner widersetzt sich einfach dem Urteil, dann agiert er illegal - aber man selbst hat dann einen Freibrief das Gerichtsurteil durchzusetzen.
Genau, dieses Durchsetzen wäre dann ebenfalls eine gerechte Fehde und unterliegt den Fehderegeln.
HdR beschreibt auch wie fest das Fehdewesen in der Gesellschaft verankert ist und immer war.

Andwari
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Ungelesener Beitrag von Andwari » 16.04.2019 18:37

Ältere irdische Ideen zu DSA hatten einen starken Zentralstaat mit Wehrheimer Strammstehen, KGIA und entwickelten Institutionen im Hinterkopf - und irgendwann hat man vermutet, das so eine Struktur das "Heldentum" behindere. Das war mit ein Grund, warum das MR in Orkensturm und Borbaradkrise derart gerupft wurde - man wollte nix retconnen und doch zu einem anderen Umfeld gelangen.

Aus heutiger Sicht ist Reto nicht mehr die Lichtgestalt von einst, sondern bestenfalls jemand, der dem sowieso bröckelnden Reich noch einige Jahre verschafft hat - auf Kosten der dann bald um so stärker hervorbrechenden Separationsbestrebungen (Aranien, Khunchom, Zyklopeninseln, formal HR, Albernia). Reto hat seine Innenpolitik mit einem äußerem, militärisch zu bekämpfenden Feind (Maraskan) saniert, seiner Fanboy-Gruppe (Answin, Dexter, usw. Grafen) per Reichsgrundreform Posten und Macht verschafft.
Schon früh nach seinem Tod mussten Hals Berater da anfangen, zu kitten (z.B. Brins Verlobung mit Emer, um Cuanu positiv zu stimmen) und die Provinzfürsten haben angefangen, das Reich zu zerlegen - ob durch Abspaltung wie Fürstin Sybia oder von innen heraus als Kaiser-Alternativen wie Answin oder Jast Gorsam.

Landfriede braucht eine starke Zentralmacht, die Entwicklung hin zu einem allgemeinen Landfrieden eine stärker werdende Zentralmacht.
Das "lebendig" bespielte Aventurien beginnt allerdings erst 1008 BF mit dem außerhalb des MR angesiedelten Khomkrieg und schwenkt den Blick bei Answinkrise und Orkensturm aufs MR: Das beginnt also mit der (unerhörten) "kaiserlosen" Zeit 1010-1029 BF (wenn wir die Vokabel nicht schon 902-933 BF gehabt hätten) - die Zentralmacht wird in dieser Generation massiv schwächer, nachdem sie schon in der Hal-Zeit massiv erodiert ist.

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Nova
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Ungelesener Beitrag von Nova » 16.04.2019 19:24

Vasall hat geschrieben:
15.04.2019 21:20
Später wurde dann die Retosche Heeresreform dahingehend geretconnt, dass es nie wirklich funktioniert hat. Die stehenden Reichsregimenter nie auf Sollstärke kamen, nie wirklich zentral organisiert wurden und das Gewaltmonopol nie durchgesetzt werden konnte.
Nein. Das ist so mehr den Weg den man mit dem Horasreich gemacht hat, wobei das da auch besser passt: Horasreich war immer schon "mehr Schein als Sein", also hat man da Unterstärke-Regimenter gesetzt die toll paradieren können. Dafür ging in deren Krieg auch nicht so viel kaputt. Fürs Mittelreich dagegen sieht die Entwicklung ganz anders aus. Da muss ich @Andwari komplett zustimmen: Die Retozeit ist immer noch die Zeit der starken, großen, erfolgreichen Zentralmacht gewesen. Da war kein Schein; Reto war wirklich dermaßen erfolgreich gewesen. Es ist halt nur, dass danach es angefangen hat zu brökeln. Selinde wurde in eine wirklich scheiß Rolle gedrängt, und als "Hal" hat sie auch schlichtweg keine gute Politik gemacht, und dann ist sie auch noch verschwunden. Irgendwie schon alles Retos Schuld, aber Selinde/Hal hat auch viele eigene Fehler gemacht - all die Heldenneubelehnungen z.B., welche den Adel gegen das Kaiserhaus aufgebracht hat, und die Selbstvergöttlichung halt wohl auch mehr Rufschaden gebracht als sie mit Selindes Geheimnis geholfen hat. Aber allein dass sich Hal zum minderen Gott erheben konnte ohne dass es einen Aufstand in Erinnerung an Hela-Horas gegeben hat zeigt doch wie stark Retos Institutionen und Strukturen waren. Hal konnte noch lange davon zehren - aber er hat es auch alles aufgezehrt. 16 Jahre, in denen das Ansehen des Kaiserhauses immer mehr gelitten hat. Und dann Orkensturm und Answinkrise und ein Reichsbehüter und Borbarad und Fliegende Festung - dann halt noch mal 18 Jahre an Krisen.

Also, insgesamt 34 Jahre graduelle Schwächung der Zentralmacht. Da braucht man keinen Retcon. Rein politisch gesehen ist das ein ausreichend langer Zeitraum um von einem proto-absolutistischen Zentralstaat zu einem Rückfall in düstersten Feudalismus zu kommen.

Das einzig merkwürdige ist nur, dass die Zeit des Zentralstaats nicht kulturell weiter gewirkt hat. Die Quellbücher sagen zwar alle, dass Heerbann usw. erst 1028 wieder aufgekommen ist, also kein Retcon - aber anderseits gab es keine Problem zum 60 Jahre lang toten Struktur von Heerfolge und Heerbann zurück zu kommen, als hätte es diese 60 Jahre Pause nie gegeben. Aber das ist etwas was du immer in DSA hast. Im Horasreich auch, nach dem Thronfolgekrieg: Da ist es auch er erst der Friedensvertrag danach gewesen, der die alte Feudalstruktur aufgerissen wurde, und den Italien-artigen Stadtstaaten den Weg geebnet hat - aber auch da stellt sich die ganze Region sofort von feudal-absolutistischen Frankreich zu Renaissance-Italien um.

Das ist nicht Retcon. Das ist schlichtweg dass die "lebende Gechichte" DSAs ein Problem mit graduellen kulturellen/gesellschaftlichen Entwicklungen hat, und das die Autoren manchmal ein Setting von heute auf morgen gänzlich umwandeln wollen, ohne diese Entwicklungen abzuwarten. Aber denoch ist dies kein Retcon; das Horasreich ist erst seit 1030 Renaissance-Italien und das Mittelreich ist erst seit 1028 wieder mittelalterlich-feudalistisch. Davor war Zentralstaat (wenn auch geschwächter Zentralstaat im MR), und das gilt auch immer noch.
Genau, dieses Durchsetzen wäre dann ebenfalls eine gerechte Fehde und unterliegt den Fehderegeln.
HdR beschreibt auch wie fest das Fehdewesen in der Gesellschaft verankert ist und immer war.
Nur dass dies nicht wirklich Fehde im Sinne des Fehdewesens ist. In HdR steht ja zum Fehdewesen, dass es Adeligen die sich durch irgendetwas in ihren Rechten oder Ehre beschnitten sehen zwei Wege offen stehen, den des Praios (Gerichte) oder den der Rondra (Fehde). Jetzt hat man sich aber für den Weg des Praios entschieden, der Gegner erkennt nur den Gerichtsspruch nicht an. Da erklärt man diesen dann nicht die Fehde, weil er den Gerichtsschluss nicht anerkannt - dann die Entscheidung steht ja schon. Jetzt muss sie halt nur noch durchgesetzt werden. Das ist keine Fehde, das ist schlichtweg Krieg zum Durchsetzen einer schon bestehenden Entscheidung.

Was, so bedacht, wohl auch heißt dass die normalen Fehderegeln hier nicht zwangsläufig gelten...

Andwari
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Landfrieden 1014

Ungelesener Beitrag von Andwari » 17.04.2019 10:26

@Nova
Ich sehe die Reto-Zeit nicht so positiv - Reto hat in seiner Regierungszeit zwar die Chance des Augenblicks genutzt und "erneuert", aber die Reformen sind dann seinen Nachfolgern ziemlich um die Ohren geflogen.

- die Verstärkung der Grafen, mehrere Markgrafschaften (auch als Instrument der Zentralmacht) ist spätestens mit Ochsenblut ziemlich umfassend gescheitert.

- Hal hatte von Anfang an übermächtige Berater, darunter viele ambitionierte Reto-Kumpels. Er war gerade mal 18 bei Regierungsantritt und U40 bei der Ogerschlacht - gerade bei Separationsbestrebungen usw. werden ihm vmtl. Haffax, Answin & Co. klipp und klar gesagt haben "kannst du nicht verhindern, kein Geld und keine Truppen dafür da".

- für Hal'schen Neuadel müssen ja Baronien usw. frei gewesen sein - da Hal selbst nicht als Despot bekannt ist, der dutzendweise Barone entlehnt, müssen das entweder "kaiserliche" Baronien gewesen sein, oder welche die schon Reto bei seiner Umstrukturierung "frei" gemacht hat - d.h. diejenigen vormaligen Inhaber, die nicht seine Unterstützer waren, wurden da schon zusammengestutzt. "Heldenadel" wäre eigentlich Retos Nummer (und die Reichsgrundreform liegt ja zeitlich kurz vor seinem Tod)

- die Entkoppelung der Garderegimenter von der eigentlichen Lehnspyramide hat mMn nie richtig funktioniert: "Reichsregimenter" mit gemischter Mannschaft waren nur die Elitegarderegimenter. Die restlichen Regimenter waren so "regional", dass die Rück-Überführung zu Provinztruppen 1028 BF gar keine Probleme bereitet hat - und die oft auf mehrere Standorte verteilten Regimenter sind ein Hinweis darauf, dass eigentlich die Regimentsstruktur nicht sinnvoll ist, insbesondere bei schwerer Reiterei und in Randprovinzen sind die z.T. eher als Banner/Schwadrone aufgestellt.

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Ungelesener Beitrag von Vasall » 17.04.2019 12:21

Ja, das sehe ich auch so und das meinte ich auch mit dem Retconn, @Andwari
Waren die Reichsregimenter immer schon so regional und dezentral aufgestellt? Ich dachte das wäre ein Retconn gewesen, sonst wären sie ja schon von der Konzeption her als Reichsregiment eher dysfunktional und trügen das Etikett 'stehendes Heer' zu unrecht.
Nur weil Soldaten, Krieger und Ritter etwa bei Hofe oder in der Stadtgarde Rund um die Uhr im Heeresdienst stehen, bilden sie ja noch kein stehendes Heer. Das eigentliche Merkmal ist ja dauerhafte Truppenmassierung und ständige zentrale Führung und Organisation.
Erst wenn man das hat kann man das Gewaltmonopol an sich ziehen.

@Nova
Sowohl in HdR als auch in der GA findest Du Beispiele bei denen zunächst der Weg Praios und wenn das Urteil nicht passt oder nicht durchgesetzt werden kann der Weg Rondras bestritten wird. Umgekehrt kann der Weg Praios auch wieder aus dem Weg Rondras heraus führen. :)
Das sind beides weitere Fehdegründe und diese Kriege müssen natürlich den Fehderegeln unterliegen, die jemand durchsetzen können muss. Keine Gesellschaft kann Privatkriege akzeptieren ohne diese zu bewerten und möglichst zu regulieren. Die Regeln zum Fehdewesen und die Landfriedensbemühungen versuchen stets gerechte wie ungerechte Kriege unter Kontrolle zu halten, eine andere Chance hat man ja nicht, da kein Gewaltmonopol herrscht.

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Ungelesener Beitrag von Andwari » 17.04.2019 12:58

@Vasall
In der Box "Das Land des Schwarzen Auges" (1990) = 1006 BF ist ein Heft mit einem Kapitel über Militär.

Das liest sich zwar recht blumig und ist auch z.T. in ein inneraventurisches Pamphlet eingebettet - sind aber doch einige Infos:
- 35 Garderegimenter auf die Provinzen verteilt
- rekrutieren sich meist aus der Bevölkerung der Region
- Offiziere oftmals Adelige aus der Region
- Treue gilt mehr der Provinz als dem Kaiser
- Elitegarde dem Kaiser bedingungslos ergeben
- Fürsten usw. unterhalten zusätzlich eigene Banner, Ritterscharen usw.
=> Stehendes Heer 25000 [= ca. 1/3 mehr als die 35 Regimenter, wenn diese voll wären]
- im Kriegsfall zusätzlich Landwehr durch Grafen auszuheben [mit Beschreibung, dass die von Werbern aufgelesenen "armen Wichte" miserabel ausgerüstet seien und meist davonlaufen: also der Unsinn, der sich auch durch Borbaradkampagne usw. zieht].

Nachfolgend sind die 35 Regimenter aufgeführt - siehe auch Wiki-Aventurica bei dem Datum. Schon das macht den Job der (zwölf) kaiserlichen Marschalle mehr als schwierig und riecht nach Wasserkopf - wenn drei eigentlich nicht volle Regimenter aus wenigen Bannern nicht nur ihre Obristen, sondern auch noch einen Marschall haben - der zwischen den Regimentskasernen (oder detaillierter eben dann später bannerweisen Standorten) pendeln darf und sich mit Grafen und deren Landwehr sowie den bestehenden Strukturen eines althergebrachten provinzherrlichen Heerbanns beschäftigen darf.

Wenn man in die ältesten Ortsbeschreibungen schaut, wird man vmtl. oft Infrastruktur beschrieben finden, die eben z.B. für ein bis vier Banner reicht, aber nicht für ein ganzes Regiment - während die anderen Banner des Regiments auch in Nachbarorten hocken.

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Ungelesener Beitrag von Vasall » 17.04.2019 17:26

@Andwari
Danke für die Details!
Dass das schon immer so dezentral angelegt war, war mir nicht bewusst, also kein Retconn an der Stelle.
Dann sind die Angaben zur Tradition des Fehdewesens und der Landfrieden in HdR wohl eher eine zusätzliche Vertiefung, u.a. auch dieser Verhältnisse.

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Ungelesener Beitrag von Andwari » 17.04.2019 19:32

Ich vermute, es war zunächst relativ "zentral" gedacht und ist mit jeder Stadtbeschreibung mehr dezentralisiert worden - weil man dann in jede Kleinstadt doch wieder ein paar Banner gelegt hat - und einzig Wehrheim als militärisch geprägte Garnisionsstadt übrig blieb.

Es fällt auf, wie überproportional stark die Randprovinzen schon damals zum "Reichsheer" beitragen mussten - zusammen 9 Regimenter aus Albernia, Windhag, Greifenfurt und Weiden mit ihren insgesamt ca. 370000 Einwohnern (spätere Angabe) im Vergleich zu nur 3 Regimentern aus Almada (300000) oder 5 aus Garetien (540000) = etwa das 2½-fache an Personen
=> Die armen Randprovinzen tragen den Aufwand zum Schutz der wohlhabenden Kernlande, die es sich dafür gut gehen lassen.

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Ungelesener Beitrag von Nova » 17.04.2019 19:51

Andwari hat geschrieben:
17.04.2019 19:32
=> Die armen Randprovinzen tragen den Aufwand zum Schutz der wohlhabenden Kernlande, die es sich dafür gut gehen lassen.
Kann man so interpretieren, aber ich bin mir relativ sicher dass das so zumindestens nicht gedacht war. Das ist wohl eher wieder so eine Ausprägung eines generellen DSA-Problems: Das jede Region so ihr eigenes Ding haben muss, egal wie klein sie ist. Da wird dann halt kein Unterschied zwischen Nostria oder Thorwal auf der einen und Garetien und Almada auf der anderen Seite gemacht, und alles wird gleichwertig gesetzt. Man denke nur mal an die Unmassen an Akademien in Nordaventurien. Nördlich des Mittelreichs, mit seinen ~300.000 Einwohner (all die Länder zusammen genommen weniger als nur Almada, und weniger als halb so viel als Aranien) gibt es nicht weniger als 13 Magierakademien, mithin ein Drittel aller Akademien in WdZ. Also, will heißen, solche Sachen haben in DSA noch nie viel Sinn gemacht. Entsprechend denke ich, man wollte halt jeder Provinz sein eigenes Regiment geben, oder auch zwei, auch wenn sie vielleicht nur ein Zehntel der Einwohner Garetiens oder Almadas haben...

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