Erläuterung zum Debattierclub

Dies ist ein Spezialforum für Themen, die aus dem Ruder geraten sind, oder bei denen die Gefahr droht, dass die übermäßigen Moderationsaufwand bedeuten könnten.
Hier können keine Themen erstellt werden. Alle Beiträge müssen von der Moderation freigeschaltet werden.
Benutzeravatar
Firuna Tannhaus
Moderation
Moderation
Posts in diesem Topic: 1
Beiträge: 2174
Registriert: 27.02.2014 23:57
Geschlecht:

Auszeichnungen

Errungenschaften

Erläuterung zum Debattierclub

Ungelesener Beitrag von Firuna Tannhaus » 01.07.2021 10:33

Liebe Foris,

Wie ihr wisst, wurde dieses Unterforum gegründet, um hitzige Streitigkeiten und schnelles Abdriften in eine unsachliche Richtung zu unterbinden, indem hier die Beiträge von der Moderation nach Prüfung freigeschaltet werden müssen und der Bedankomat nicht aktiv ist.

Diese Maßnahmen haben der Diskussionskultur schon geholfen.

Damit dieses spezielle Unterforum vielleicht noch etwas mehr seinem Namen gerecht wird, möchten wir euch an dieser Stelle noch ein paar Informationen zu Rhetorik und Argumentation auf den Weg geben.
Dies ist keine unmittelbare Vorschrift, sondern lediglich eine Erläuterung, wie man sauber und sachlich diskutiert. Und soll euch unseren Blick auf eure Beiträge vermitteln.
Vielleicht nimmt der/die ein/e oder andere davon etwas für sich mit und setzt es um :) Das macht es dem Team auch leichter, Beiträge unmittelbar freizugeben.

In aller Kürze (unten findet ihr die Langform):
  • Keine persönlichen Angriffe, weder direkt noch unterschwellig.
    Insbesondere: Keine Nazivergleiche.
  • Keine Unterstellungen von Dingen, die so nicht gesagt worden sind (aka Strohmann-Argumente). Passiert meistens, wenn Menschen wütend sind. Atmet lieber nochmal durch und bleibt sachlich.
  • Keine rhetorischen Fragen, die ein komplexes Thema einfacher erscheinen lassen, als es tatsächlich ist.
  • Keine Absprache des Rechtes, mitzureden oder eine andere Meinung zu haben.
  • Kein "Viele andere sehen das auch so". Das ist einfach kein valides Argument. Bringt bitte objektive Beweise.
  • Kein Themenwechsel: Der Debattierclub ist jeweils eine spezielle Ausnahme von dem Verbot, im Forum über Allgemeinpolitik zu diskutieren.
Langform für InteressierteShow
In einer Diskussion können verschiedentliche rhetorische Stilmittel angewandt werden. Listen mit solchen finden sich unter folgenden Beispiellinks für Interessierte:
https://uni-xxl.com/rhetorische-stilmit ... sch-liste/
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_rhe ... Stilmittel
https://rhetorische-mittel.net/wp-conte ... l.net_.pdf

Die Mehrheit dieser Mittel sind in einer wie auch immer geführten Diskussion (ob von Angesicht zu Angesicht, oder per Forenbeitrag, oder per PN etc.) vor allem ein Gestaltungsmittel, um dem Text / dem Gesagten mehr Tiefe zu verleihen und den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen.

Nun gibt es allerdings rhetorische Mittel, die zwar in einer Diskussion zulässig sind, aber (im besten Fall) zu keinem Erkenntnisgewinn führen und im schlimmsten Fall nur der Provokation des Gegenübers dienen, indem dessen Aussagen herabgesetzt oder ins Lächerliche gezogen werden, damit er oder sie sich vielleicht zu einer heftigen Reaktion hinreißen lässt, die seinen/ihren Standpunkt etwas untergräbt. Dies ist einer gesunden Debattenkultur abträglich.
Wir möchten euch hier die aus unserer Sicht wichtigsten Stilmittel und Argumente nahebringen, die einer ruhigen und sachlichen Diskussion entgegenstehen.

Totschlagargumente
Es wissen wohl alle, was gemeint ist: Man stellt eine Behauptung auf, die einen Widerspruch unmöglich macht, weil die Möglichkeit besteht, bei allen anderen einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Dadurch ist die Diskussion in vielen Fällen beendet (oder aus Sicht des Verwenders: „gewonnen“).
Zugehörig ist die Killerphrase als Steigerungsform. Hier wird offen die Absicht gezeigt, die Diskussion in die Knie zu zwingen.
Klassisches Beispiel: Nazi-Vergleiche.

Argumentum ad hominem
Heißt, man versucht Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Eigenschaften in Misskredit zu bringen, selbst wenn sie mit dem Thema nichts zu tun haben. Im Grunde auch ein Scheinargument. Auf jeden Fall aber ein persönlicher Angriff.
Die Diskreditierung ist nicht nur momentan, sondern kann durchaus nachhaltig sein. Die Person gerät in Verruf und wird daher von der Diskussion ausgeschlossen.

Autoritätsargumentes
Erklärt sich eigentlich auch von alleine: man beruft sich auf eine tatsächliche/vermeintliche Autorität und meint, dass allein das Erwähnen der Autorität das gebrachte Argument beweist. Es handelt sich hier um einen Fehlschluss, da Autorität =/= garantierte Wahrheit.
Sofern die Autorität, auf die man sich beruft Sachkompetenz im entsprechenden Gebiet hat, als Quelle vertrauenswürdig ist und man sie korrekt zitiert, und zudem Gegenargumente korrekt zitiert und schlüssig widerlegt werden, spricht eigentlich nichts gegen diesen Argumenttyp. So wird er aber gerade in Internetdiskussionen selten verwendet. Dort erfolgt dies alles nicht, und dadurch wird das Autoritätsargument in vielen Fällen leider ein Scheinargument.

Was hier im Forum schon öfter gemacht wurde, ist diese Art Argument in der Form eines Scheinarguments zu benutzen, indem etwas als wahr dargestellt wird, weil eine tatsächliche/vermeintliche Mehrheit, eine bestimmte Meinung vertritt. Der Punkt ist aber: Meinung ist nicht gleich Wahrheit. Daher auch kein Beweis für irgendwas.
Man sollte mit dieser Argumentationsform grundsätzlich vorsichtig sein, da man sich mit dem "Argumentum ad populum" durchaus schnell in Richtung Framing und Populismus begeben kann.

Rhetorische Frage
Auch selbsterklärend. Man will eigentlich gar keine Antwort, stellt aber eine Frage, die entweder Zustimmung oder Ablehnung erfordert. So einfach ist es aber bei komplexen Themen leider selten, dass man einfach mit Ja oder Nein antworten könnte.
Wie vermutlich alle wissen, verlangt eine rhetorische Frage nicht tatsächlich eine Antwort. Sie dient nicht dem Erkenntnisgewinn, sondern nur der Bestärkung der getroffenen Aussage. In diesem Kontext ist gegen dieses Stilmittel nichts einzuwenden. Diese Art Frage wird auch gerne wie ein Totschlagargument verwendet.


Strohmann-Argumente
Vielen bekannt. Man tut so, als würde man das Argument des Gegenübers widerlegen, aber tatsächlich wird ein Argument abgelehnt, das gar nicht eingebracht worden ist. Es wird also etwas unterstellt, was gar nicht gesagt worden ist.


Abseits der rhetorischen Figuren wären da noch die sogenannten unfairen (oder auch: unredlichen) Argumentationstechniken zu nennen, von denen ihr eine Liste hier findet: http://rhetorik.ch/Unredlich/Unredlich.html
Die Liste gibt freundlicherweise nicht nur die Erklärung der Taktiken, sondern auch die korrekten Gegenhaltungen, um diesen unfairen Techniken unmittelbar den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Darüber hinaus wären da noch die Kunstgriffe, um Recht zu behalten, welche auch einige der erwähnten unredlichen Taktiken beinhalten.
Wir hoffen, dass dieser Text ein bisschen dazu beiträgt, dass die Diskussionen in diesem Unterforum noch sachlicher ablaufen, auch wenn es durchaus um emotionale Themen geht.

Gesperrt