Ulisses und Sensitivity Reading

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WeZwanzig
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Ulisses und Sensitivity Reading

Ungelesener Beitrag von WeZwanzig » 06.08.2020 14:58

(Vorneweg gleich die Bitte an die Moderation, das Thema in den Debattierclub zu verschieben)

Hallöchen an alle!

Ulisses hatte ja neulich ihre Online-Con und aktuell trudeln die ganzen Panels auch als Youtube-Videos ein. Heute erschien das Video zum Thema Diversity und Sensitivity Reading:



Darin stellt Jasmin Neizel vor, wie in Zukunft mit problematischen Themen wie Rassismus oder Sexismus in DSA, bzw. Rollenspiel im Allgemeinen bei Ulisses umgegangen werden soll.
Ich finde es gut, dass darauf geachtet wird, das Rollenspiel-Produkte möglichst viele Menschen ansprechen, und finde einige der Beispiele in in dem Vortrag angebracht werden auch sehr sinnvoll: Ein Warn-Kasten in der Aranien-Spielhilfe, der darauf aufmerksam macht, dass Oron etwa ein Setting ist, dass stark mit sexueller Gewalt verknüpft ist, und dass das Bespielen von eben dem Setting vorher mit der Gruppe abzusprechen sei, ist in meinen Augen ein durchaus verantwortungsbewusstes und sinnvoles Vorgehen.

Was ich aber sehr schade finde ist, dass man derartige Konflikte wohl bald ganz aus Aventurien streichen will. Es wird zwar mehrmals im Video betont, dass man nicht einen Retcon will, sondern die Themen nur anders angehen will, aber an zwei Stellen klingt dann doch einiges an bald geplanter Zensur und Beschneidung des aventurischen Hintergrundes an:
- (Ab etwa 28:50) Das DSA5-Grundregelwerk soll in der nächsten Auflage "überarbeitet"/zensiert werden. So werden etwa die Professionen Sklavenhändler und Sklavenjäger rausgestrichen, "weil man sie nicht als Protagonisten wünscht". (Später im Video genannt)
- (Bei 37:34) "Sexismus werden wir versuchen zu vermeiden, so wie wir allgemein versuchen wollen -ismen nicht zu reproduzieren"

Hier ist meine Sorge, wo fängt es an und wo hört das ganze auf. Wird bald die ganze Al'Anfanische und Tulamidische Kultur aus dem Regelwerk verschwinden, weil sie Sklaven halten? Werden Orks und Andergaster jetzt plötzlich liebende Ehemänner und Frauen kommen dort an die Macht, weil man keinen Sexismus mehr will? Wird es bald im Regelwerk keine Kultur Andergast und Nostria geben, weil man keine Rassisten als Protagonisten will?

Ich fürchte hier, dass man hier mit guten Vorsätzen sehr leicht über das Ziel hinausschießen kann: Ich habe nichts dagegen, wenn die Leser und Professionen nicht durchgängig mit männlichen Begriffen versehen werden. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Waldmenschen outgame als gleichwertige Kultur betrachtet werden. Doch wenn das dazu führt, dass solche modernen Vorstellungen auch Ingame Einzug halten, dann sehe ich darin Probleme. Bei sowas sind Warnhinweise/Trigger-Warnungen in meinen Augen das Mittel der Wahl.

Ich hoffe dass meine Ängste unbegründet sind, und dass diese durchaus gute Idee auch vernünftig umgesetzt wird. Aber wie gesagt, ein paar Stellen in dem Video klingen für mich zu sehr nach Zensur und "Aventurien wird ein Heile-Welt-Utopia".
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Fenia_Winterkalt
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Ungelesener Beitrag von Fenia_Winterkalt » 06.08.2020 17:25

Traut sich keiner? :D
Wir diskutieren noch ob das in den Debattierclub gehört, aber gerade sieht es ja nicht so wild aus, und verloren geht ja auch nichts falls erstmal hier geschrieben wird. Da können wir ja noch etwas drüber sinnieren.

Zum Thema: Ich finde das prinzipiell gut das Thema angegangen wird. Weniger gut finde ich eine Neuauflage des DSA5 GRW, mir wäre lieber man fängt einfach an das bei allen kommenden Publikationen umzusetzen und dann gerne im DSA6 GRW.

Abschaffung von Sklaven und Sklaverrei im Spiel generell finde ich auch blöd, das hat für mich was von "Wir spielen Friede, Freude, Eierkuchen, Hier war nie was nicht schöhööön, Hier gabs es niemals Völkermord tralala". Besser fände ich die schon angesprochene Thematisch Auseinandersetzung als Anmerkung in den Büchern. Ein nicht beschreiben wird niemanden aufhalten Menschenfänger oder Sklavenhändler zu spielen, der das möchte. Aber ein kritischer Text dazu der sensibilisiert, bewirkt vielleicht langfristig eine Änderung im Kopf.

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Seidoss-Anima von Seelenheil
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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 06.08.2020 17:52

Also Professionen zu streichen, die nicht moralisch absut rein sind, wie Sklavenjäger, Levthangeweihte, Schwarzmagier, Korgeweihte, Kopfgeldjäger, Namenlose Geweihte, Orks... Halte ich für die absolut falsche Herangehensweise.

1. ist ein FANTASY-rollenspiel, dass zumal in einem überwiegend medivalen Setting spielt.

Was wir heute 2020 in Deutschland durch unsere Prägungen durch das Christentum, die Aufklärung, die Schrecken der Weltkriege und dem aus all diesen Dingen hervorgegangenen Grundgesetz als "gut/richtig" und "böse/falsch" emfinden, entspricht nicht immer dem, was ein Weidener Ritter, ein Praiosgeweihter aus Gteifenfurth oder ein Magier aus Bethana als gut empfinden.

2. DSA ist ein Fantasy-ROLLENsppiel.

Es ist doch gerade das Tolle an DSA, dass mit den Editionen immer mehr RKPs hinzugekommen sind, sodass sich jeder Spieler und jede Gruppe Setting und Rolle aussuchen kann.
Ich finde es ganz wichtig, dass jede Gruppe für sich entscheiden kann, ob ihre Gruppe aus weißen, grauen oder schwarzen Charakteren besteht und auch, was sie eigentlich als solche definieren.

Für manche sind Levthangeweihte nur wunderwirkende Vergewaltiger, andere sehen darin einen religiösen Ritus, der den Vorwurf von Sexismus abwenden will, usw, usw.

Wenn die Redaktion klarstellen will, dass das Erlauben von Namenlosengeweihten seit DSA 5 keineswegs bedeutet, dass sie Menschenopfer auch in der Realität OK finden, ist es schon traurig genug, dass sie das expplizit erwähnen müssen.

Aber (vermeintlich zu) 'schwarze' Rollen aus Aventurien oder zumindest den Spielerhänden zu streichen, hat nichts mit Verantwortung zutun, sondern ist schlicht Zensur!
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Timonidas
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Ungelesener Beitrag von Timonidas » 06.08.2020 18:06

Seidoss-Anima von Seelenheil hat geschrieben:
06.08.2020 17:52
Also Professionen zu streichen, die nicht moralisch absut rein sind, wie Sklavenjäger, Levthangeweihte, Schwarzmagier, Korgeweihte, Kopfgeldjäger, Namenlose Geweihte, Orks... Halte ich für die absolut falsche Herangehensweise.

1. ist ein FANTASY-rollenspiel, dass zumal in einem überwiegend medivalen Setting spielt.

Was wir heute 2020 in Deutschland durch unsere Prägungen durch das Christentum, die Aufklärung, die Schrecken der Weltkriege und dem aus all diesen Dingen hervorgegangenen Grundgesetz als "gut/richtig" und "böse/falsch" emfinden, entspricht nicht immer dem, was ein Weidener Ritter, ein Praiosgeweihter aus Gteifenfurth oder ein Magier aus Bethana als gut empfinden.

2. DSA ist ein Fantasy-ROLLENsppiel.

Es ist doch gerade das Tolle an DSA, dass mit den Editionen immer mehr RKPs hinzugekommen sind, sodass sich jeder Spieler und jede Gruppe Setting und Rolle aussuchen kann.
Ich finde es ganz wichtig, dass jede Gruppe für sich entscheiden kann, ob ihre Gruppe aus weißen, grauen oder schwarzen Charakteren besteht und auch, was sie eigentlich als solche definieren.

Für manche sind Levthangeweihte nur wunderwirkende Vergewaltiger, andere sehen darin einen religiösen Ritus, der den Vorwurf von Sexismus abwenden will, usw, usw.

Wenn die Redaktion klarstellen will, dass das Erlauben von Namenlosengeweihten seit DSA 5 keineswegs bedeutet, dass sie Menschenopfer auch in der Realität OK finden, ist es schon traurig genug, dass sie das expplizit erwähnen müssen.

Aber (vermeintlich zu) 'schwarze' Rollen aus Aventurien oder zumindest den Spielerhänden zu streichen, hat nichts mit Verantwortung zutun, sondern ist schlicht Zensur!
Eben dies, es ist es völlig inkonsequent Sklavenhändler zu streichen weil sie nicht wollen dass jemand das spielt, aber Meuchelmörder, Zuhälter, und Zauberer/Geweihte die andere mit übernatürlichen Mitteln zum Sex zwingen können lassen sie drin? Kann ich dass jetzt so verstehen dass Ulisses will dass wir Mörder und Vergewaltiger spielen?

Ich finde es ehrlich gesagt schlicht peinlich dass Ulisses ihr eigenes Regelwerk in einer zensierten und kommentierten Auflage veröffentlichen will, das kannte ich bisher nur von "mein Kampf"...

Ich bin mir eigentlich fast sicher dass jeder der schon in der Lage ist ein 300 Seiten Regelwerk zu lesen auch ohne betreutes Lesen zu dem Schluss kommen würde das Sklaverei schlecht ist.

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Ungelesener Beitrag von Borbarad-Moskito » 06.08.2020 18:10

Puh, das klingt ein bisschen nach Trigger-Thema, mal sehen, was da zusammenkommt.

Ich halte es für wichtig und richtig, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und in besonders problematischen Fällen, wie dem stark von sexueller Gewalt geprägten Setting Orons, entsprechende Hinweise in die Publikationen zu packen. Nur stellt sich bei mir dann immer die Frage nach der Grenzziehung: Welche Sachverhalte brauchen einen "Warnhinweis" und welche nicht? Wie sich in beiden Fäden im Debattierclub wunderbar nachvollziehen lässt, fühlen sich Individuen vielfach von Dingen getriggert, die bei einer großen Mehrzahl von Leuten nur ein Achselzucken hervorbringen. Da gilt es dann, die Balance zu finden. Das muss Ulisses sehr geschickt anstellen, weil man sich ansonsten meiner Ansicht nach in massive Widersprüche verstrickt.
Zum Beispiel:
Sklavenhalter sind nicht mehr spielbar, aber wieso dann Zuhälter (korrigiert mich bitte, ich kenne mich in DSA5 nicht sonderlich gut aus)? Darf es "böse" Professionen nur noch geben, wenn diese fantastisch sind und nicht im entferntesten etwas mit irdischer Historie zu tun haben (Schwarzmagier/Paktierer)?
Was ist mit Gewalt generell? Muss man jede kämpferische Profession mit einem Warnhinweis versehen, dass diese Heldin ihr täglich Brot mit körperlicher Gewalt gegen andere verdient? Darf man noch Orks spielen, in deren Kultur das Recht des Stärkeren zählt?
Was ist mit Religionen, Glaubenskonflikten, Schismen? Können sich da nicht auch Leute auf den Schlips getreten fühlen (z. B. Muslime hinsichtlich der klischeehaften und antifortschrittlichen Darstellung der sittenstrengen Novadis, die auf alte Traditionen pochen)? Muss man dann bei Geweihten auch so einen Warnhinweis anbringen?

Versteht mich nicht falsch, ich will das Vorgehen von Ulisses nicht anprangern, ich stelle mir diese Fragen wirklich und ich weiß keine korrekte Antwort darauf. Ich persönlich mag Settings mit solchen Konflikten und bin persönlich dafür, sie auch in DSA zu belassen. Ich frage mich, ob Leute NICHT DSA spielen, weil Ihnen Aventurien zu sexistisch etc. ist. Das Argument ist ja auch in diesem Fall, dass man ein möglichst breites Publikum ansprechen will. Da frage ich immer, warum man dann bespielbare Teilaspekte aus dem Setting streicht. Aus meiner Sicht schmälert man das Angebot für potenzielle Spieler enorm, gerade wenn man erfolgreiche Medienprodukte aus dem Fantasy- und (Pseudo-)Historiengenre betrachtet (Witcher, GoT, Vikings seien nur mal exemplarisch an dieser Stelle genannt. Mit heiler Welt haben diese Geschichten wahrlich wenig gemein). Meines Erachtens wäre es daher sinnvoller, das Spektrum an offiziell bespielbarem Material möglichst offen zu halten und ganz klar zu kommunizieren: Hier könnt ihr machen, was ihr wollt!

Tante Edith sagt: Da war jemand schneller :wink:

Jadoran
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Ungelesener Beitrag von Jadoran » 06.08.2020 18:26

Eigentlich bleibt DSA sich da sehr treu. Schon die frühesten Werke kamen mit dem erhobenen Zeigefinder daher, wie Richtiges Rollenspiel auszusehen habe, was Helden tun sollten etc. Ich sage nur: "Krokodiltext". Es wurde immer für sich in Anspruch genommen, die einzig richtige Art, Tischrollenspiel zu betreiben, zu kennen, und dem Meister stets nahegelegt, wie er mit seinen Spielern umzugehen habe, damit die das Abenteuer nicht verderben. Nur hat sich mit den maßgeblichen Personen auch die Weltanschaung etwas verschoben. Links progressiv ist halt heute was anderes als in den späten Achtzigern. Die Methode ist hingegen gleich geblieben, von daher wundert es mich auch nicht. Alte Abenteuertexte triefen nur so von Selbstgerechtigkeit, und irgendwo im Netz sind sicher noch die Stellungnahmen zu finden, die sie damals bezüglich "Blutrosen und Marasken" aus Borbarads-Erben Box rausgehauen haben. Von daher würde ich das einfach unkommentiert durchrauschen lassen, sie machen einfach dasselbe wie immer.
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Seidoss-Anima von Seelenheil
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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 06.08.2020 18:37

@Jadoran Grundsätzlich stimme ich dir zu.
Und dass Neuauflagen von Regelwerken (teilweise gravierende) Änderungen mit sich brachten (bspw. Das Streichen von Auto-Vorteilen bei Professionen in WdH), ist an sich auch nichzt neues.

Aber Professionen gänzlich zu streichen, um sie aus dem Kollektiven Gedächtnis zu streichen oder das Arument "steht so im Regelwerk, also ist es erlaubt" zu entfernen, halte ich für das Gegenteil eines verantwortungsvollen Umgang.
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WeZwanzig
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Ungelesener Beitrag von WeZwanzig » 06.08.2020 18:52

@gestrichene Professionen:
Da habe ich mich etwas unvollständig ausgedrückt fürchte ich. Die "Bösen" werden "nur aus dem Grundregelwerk" gestrichen, damit sie nicht die typischen Helden/Protagonisten mehr sind. Sie werden an anderer Stelle (ich vermute mal Al'Anfa-regionalband) wohl eingeführt. Jasmin brachte im Video den Vergleich mit den NL-Geweihten, für die es zwar Regeln in weiterführenden Regelwerken gibt, die aber nicht derart zentral als Spielercharaktere aufgeführt werden sollen, dass sie schon im GRW sind.

@topic
Das Video hat inzwischen auch schon eine Menge Kommentare, die meine Befürchtungen teilen. Auf die höfflich formulierten antwortet Jasmin und die Antworten klingen da deutlich beruhigender als das Video. ("Es geht uns nicht darum solche Themen intime zu verbannen, sondern darum sie bewusst zu verwenden. Eben mit Hinweisen wie dem Oron-Kasten [...] und einfach der Entscheidung das Thema anzugehen und mit dem nötigen Respekt und Problembewusstsein zu begegnen.") Wenn es wirklich nur dabei bleibt, finde ich das ganze durchaus sinnvoll, fürchte aber immer noch, dass wie im Video angedeutet man über das Ziel hinausschießt.
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Seidoss-Anima von Seelenheil
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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 06.08.2020 19:33

WeZwanzig hat geschrieben:
06.08.2020 18:52
@gestrichene Professionen:
Da habe ich mich etwas unvollständig ausgedrückt fürchte ich. Die "Bösen" werden "nur aus dem Grundregelwerk" gestrichen, damit sie nicht die typischen Helden/Protagonisten mehr sind. Sie werden an anderer Stelle (ich vermute mal Al'Anfa-regionalband) wohl eingeführt. Jasmin brachte im Video den Vergleich mit den NL-Geweihten, für die es zwar Regeln in weiterführenden Regelwerken gibt, die aber nicht derart zentral als Spielercharaktere aufgeführt werden sollen, dass sie schon im GRW sind.

@topic
Das Video hat inzwischen auch schon eine Menge Kommentare, die meine Befürchtungen teilen. Auf die höfflich formulierten antwortet Jasmin und die Antworten klingen da deutlich beruhigender als das Video. ("Es geht uns nicht darum solche Themen intime zu verbannen, sondern darum sie bewusst zu verwenden. Eben mit Hinweisen wie dem Oron-Kasten [...] und einfach der Entscheidung das Thema anzugehen und mit dem nötigen Respekt und Problembewusstsein zu begegnen.") Wenn es wirklich nur dabei bleibt, finde ich das ganze durchaus sinnvoll, fürchte aber immer noch, dass wie im Video angedeutet man über das Ziel hinausschießt.
Also, wenn die bereits bestehenden Professionen nicht gestrichen, sondern 'nur' in (vermeintlich) passende Bände ausgelagert werden - so wie der*die rostituierte ja in WdV auch wieder aufgegriffen wurde und der Levthangeweihte dort erst eingeführt wurde, und man des öfteren irgendwelche Infokästen sieht, will ich nichts gesagt haben.

Blöd fänd ichs nur, wenn man in Zukunft die Innovation neuer Professionen oder Professionsvarianten dieses Sektors abblasen würde.
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Ungelesener Beitrag von Baradaeg » 06.08.2020 20:37

Persönlich finde ich es gut, wenn sie sich mit dem Thema beschäftigen und dann eben mit Triggerwarnungen herangehen, als mit Zensur.

Ich hoffe doch, dass ein Fantasy-Setting, selbst wenn wir von Fantelalter sprechen, mehr erwarten können, als perfekte political correctness.
Ein Setting ohne Sexismus, Rassismus oder anderer, heute teilweise grenzwertiger Themenkomplexe würde mir doch zu flach, glatt und langweilig vorkommen. Woher sollen denn Konflikte herkommen, wenn die Welt perfekt ist?

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Aryador
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Ungelesener Beitrag von Aryador » 06.08.2020 21:02

Baradaeg hat geschrieben:
06.08.2020 20:37
Woher sollen denn Konflikte herkommen, wenn die Welt perfekt ist?
Ich bin sicher, du hast in deiner Beziehung oder in deiner Familie Konflikte, ohne dass ihr euch untereinander rassistisch oder sexistisch verhaltet. Genauso gibt es auf politischer und staatlicher Ebene haufenweise Konflikte, die nicht rassistisch oder sexistisch sind.

Wenn ich das richtig verstehe, will die Redaktion aber auch nicht, dass diese Themen komplett ausgeblendet werden, sondern vor allem, dass Spieler nicht mehr per Definition oder unterbewusst in die Rolle gedrängt werden, solche Verhaltensmuster auszuspielen.

Wer das an seinem privaten Spieltisch tun will, kann das ja weiterhin tun. Ich bin überzeugt, Spieler schaffen es, wenn sie da unbedingt Bock darauf haben, Sklaven zu halten, ohne dass sie dafür extra Regeln brauchen.

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Ungelesener Beitrag von Jadoran » 06.08.2020 21:20

Dann würden also aus dem GRW auch die Professionen Dieb, Einbrecher, Hochstapler, Schmuggler etc. rausfliegen? Dann bin ich ja mal gespannt was übrig bleibt.
Das Grundthema, Probleme mit selbstlegitimierter Gewalt zu lösen bleibt aber, nehme ich mal an, denn das ist die #1 Lösung in allen offiziellen Abenteuern, die ich bisher gelesen habe. Oder wird man im Starter-Pack nur noch gesellschaftlich legtimierte Gewaltausüber angeboten bekommen, also Soldaten, Gardisten... HALT! Geht ja auch nicht... BLM.. Mist! *MitZuKurzenArmenWedel* Da wären wir dann beim Zuckerbäcker, altbewährte DSA-Profession :lol:
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Ungelesener Beitrag von Firuna Tannhaus » 06.08.2020 21:39

Aryador hat geschrieben:
06.08.2020 21:02
dass Spieler nicht mehr per Definition oder unterbewusst in die Rolle gedrängt werden, solche Verhaltensmuster auszuspielen.
Ich kann Dir da gerade irgendwie nicht folgen.

Ich kann mir meine Rolle doch völlig frei aussuchen. Das Regelwerk drängt mich auch nicht zu irgendwas, es ist meine eigene Sache, wie ich es ausspiele und welche Profession ich wähle.
Um mal beim Beispiel der Sklavenhaltung zu bleiben: das Regelwerk hindert mich nicht daran, eine Al'Anfanerin zu spielen, die nichts von Sklavenhaltung hält, obwohl diese in der Kultur üblich ist.

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Ungelesener Beitrag von Seidoss-Anima von Seelenheil » 06.08.2020 21:46

Jadoran hat geschrieben:
06.08.2020 21:20
Dann würden also aus dem GRW auch die Professionen Dieb, Einbrecher, Hochstapler, Schmuggler etc. rausfliegen? Dann bin ich ja mal gespannt was übrig bleibt.
Das Grundthema, Probleme mit selbstlegitimierter Gewalt zu lösen bleibt aber, nehme ich mal an, denn das ist die #1 Lösung in allen offiziellen Abenteuern, die ich bisher gelesen habe. Oder wird man im Starter-Pack nur noch gesellschaftlich legtimierte Gewaltausüber angeboten bekommen, also Soldaten, Gardisten... HALT! Geht ja auch nicht... BLM.. Mist! *MitZuKurzenArmenWedel* Da wären wir dann beim Zuckerbäcker, altbewährte DSA-Profession :lol:
Du hast Die Korgeweihten (Gewaltverherrlichung) und die Geweihten von Travia, Rondra und Praios sowie Ritter, Krieger und den Vorteil Adel und den Nachteil Unfrei (alle samt Verherrlichung eoner Mehrklassengesellschaft) vergessen.
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Ungelesener Beitrag von Jadoran » 06.08.2020 22:10

Stimmt. Sowas aber auch. Und wie machen die das dann in den Abenteuern? Wird da das Faustrecht abgeschafft? ("Der da ist Böse, und deswegen hauen wir ihn jetzt tot!") Da bin ich ja mal gespannt. Oder gibt es einfach Erweiterungsboxen: "Wenn sie auch mal sadistische Mistscheine spielen wollen, dann ist das Ergänzungswerk Räuber, Mörder, Namenlosgeweihte (selbstverständlich mit Triggerwarnung!) genau das richtige für sie!" / "Haben sie von der Gleichberechtigung die Nase voll? Hier ist ihr Bundle: Patriarchalische Gesellschaften I, komplett mit der reich illustierten Spielhilfe: Der Novadische Harem. Sicherheitshalber von dem Redaktionsmitglied geschrieben, der garatiert nichts mit Vielweiberei am Hut hat, weil er immer schon Single war! Und mit Triggerwarnung." Genau wie beim guten schlechten alten Krokodiltext mutet mich die Redaktionspolitik oft unfreiwillig bis tragisch komisch an. Aber immerhin machen sie es nicht mit unseren Steuergeldern, und wir sind nicht gezwungen, es zu kaufen. Also von daher sehe ich es eigentlich ganz entspannt.
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Ungelesener Beitrag von Gorilla94 » 06.08.2020 23:15

Es wird ja keiner gezwungen, einen Sklavenhändler zu spielen (oder überhaupt dsa)... Gedrängt wird also niemand zu irgendetwas.

Das "wie" ist auch so eine Sache. Nehmen wir Proximo aus "Gladiator". Er ist kein guter Mensch, aber er hat durchaus Überzeugungen und Werte. Ein Gespann aus Lanister und Gladiator, der sich zum Star hocharbeitet, hat beispielsweise tolles Potential für mehrere Abenteuer, in denen sich auch das Verhältnis bis hin zu Respekt und Freundschaft verändern kann.

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Ungelesener Beitrag von Chephren » 06.08.2020 23:37

Ich bin bei dem Thema auch ein wenig gespalten. Rollenspiele leben in meinen Augen auch davon, dass es diese rassistischen und sexistischen Konflikte gibt. (Oder gelten Orks z.B. jetzt als nette "Wilde" von nebenan, die nach der Eingebung Brazoraghs dann auch ihre Frauen voll integriert haben?)
Aber ich halte solche Hinweise, dass es z.B. um sexualisierte Gewalt geht für angebracht. (Die WOD hatte da meine ich damals sogar einen eigenen Unterverlag mit Black Dog?) Auch die kritische Frage, ob man wirklich jedes Klischee bedienen muss und ob die Kriegerin im Kettenbikini Sinn macht. Und ob der -ismus hier spielfördernd ist oder einfach nur nutzlos.

Aber die "ungewünschten Professionen" in andere Bände zu packen mutet mir dann doch seltsam an, v.a. da die Begründung doch sehr... seltsam ist. Bornische Adlige: raus; Überhaupt Adlige, die nicht für die Abschaffung dieser sind: raus. Söldner: raus (brandschatzen, plündern)
Soldaten: raus (aktuelle politische Situation) Novadikultur: gestrichen. Dämonologen: raus...
--> Ich polemisiere das ein wenig. Nur was bleibt dann übrig? Und warum sind die gerade besonders schlimm?!
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Aryador
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Ungelesener Beitrag von Aryador » 07.08.2020 01:15

Firuna Tannhaus hat geschrieben:
06.08.2020 21:39
Ich kann Dir da gerade irgendwie nicht folgen.

Ich kann mir meine Rolle doch völlig frei aussuchen. Das Regelwerk drängt mich auch nicht zu irgendwas, es ist meine eigene Sache, wie ich es ausspiele und welche Profession ich wähle.
Wenn dir das Regelwerk eine Profession "Sklavenhalter" anbietet, dann ist es offenbar laut Regeln gewünscht und wird nahegelegt, einen Sklavenhalter zu spielen. Oder einen Zuhälter.
Firuna Tannhaus hat geschrieben:
06.08.2020 21:39
Um mal beim Beispiel der Sklavenhaltung zu bleiben: das Regelwerk hindert mich nicht daran, eine Al'Anfanerin zu spielen, die nichts von Sklavenhaltung hält, obwohl diese in der Kultur üblich ist.
Dann ist ihre Profession aber nicht "Sklavenhalter".

Davon, dass die Kultur der Al'Anfaner gestrichen werden soll, war nie die Rede.

So ganz allgemein:
Ich finde es ja super, wie sich hier alle sarkastisch kichernd amüsieren, aber ihr habt das Video schon auch gesehen und euch damit auseinander gesetzt? Oder findet hier gerade eine Diskussion auf Schlagwort-Ebene und "Ich fürchte, wenn sie A sagen, werden sie auch bald Z machen!"-Ebene statt?

edit:

Um genau zu sein sagt Jasmin, dass nach wie vor jeder natürlich Sklavenhändler oder Sklavenjäger spielen kann, aber ähnlich wie Namenlose Geweihte sollten sie bevorzugt eher auf Gegnerseite auftauchen.

Viel mehr sagt sie nicht.

Es ist auch nirgendwo die Rede, dass Sklaverei als Konzept aus der Welt verschwinden soll, oder die Völker demnächst alle Kumbaya-singend durch Aventurien ziehen. Der Fokus des Vortrags liegt auf komplett anderen Dingen. Und primär stellt sie halt vor, was es bedeutet, beim Schreiben und Produzieren von Texten und Büchern aufmerksam gegenüber bestimmten Dingen wie Sexismus zu sein.
Jadoran hat geschrieben:
06.08.2020 21:20
Dann würden also aus dem GRW auch die Professionen Dieb, Einbrecher, Hochstapler, Schmuggler etc. rausfliegen? Dann bin ich ja mal gespannt was übrig bleibt.
Das Grundthema, Probleme mit selbstlegitimierter Gewalt zu lösen bleibt aber, nehme ich mal an, denn das ist die #1 Lösung in allen offiziellen Abenteuern, die ich bisher gelesen habe. Oder wird man im Starter-Pack nur noch gesellschaftlich legtimierte Gewaltausüber angeboten bekommen, also Soldaten, Gardisten... HALT! Geht ja auch nicht... BLM.. Mist! *MitZuKurzenArmenWedel* Da wären wir dann beim Zuckerbäcker, altbewährte DSA-Profession :lol:
Haha, lol. Hihi. Huhu. Lustig. Lustig.

Wie wäre es, wenn du als Moderator wenigstens beim Thema bleibst?
Seidoss-Anima von Seelenheil hat geschrieben:
06.08.2020 21:46
Du hast Die Korgeweihten (Gewaltverherrlichung) und die Geweihten von Travia, Rondra und Praios sowie Ritter, Krieger und den Vorteil Adel und den Nachteil Unfrei (alle samt Verherrlichung eoner Mehrklassengesellschaft) vergessen.
Es geht aber nicht um Gewaltverherrlichung.

Es geht um Sexismus und Rassismus. Beides sind Probleme, die speziell bestimmte Gruppen in unserer Gesellschaft betreffen, und bei denen in den vergangenen Jahrzehnten ein Umdenken stattgefunden hat, was man tolerieren will, und was nicht. Über beide Phänomene kann man diskutieren. Man kann sie selbstverständlich, wenn ihr das möchtet, auch als unwichtig abtun.

Aber zu sagen: „Wenn sie gegen Rassismus vorgehen, dann müssen sie aber auch gegen Gewaltverherrlichung vorgehen, SONST SIND SIE HEUCHLER! HAHA!!“ ist halt kindisches Diskussionsverhalten und astreiner Whataboutism. Bloß nicht beim Thema bleiben, stattdessen Luftschlösser aufbauen und dann die Luftschlösser stürmen.

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Ulisses und Sensitivity Reading

Ungelesener Beitrag von Grakhvaloth » 07.08.2020 02:03

Inhaltlich bin ich dicht bei euch: ein Aventurien ohne -ismen wäre langweilig, ich will gerne Konflikte anspielen können. Aber ich finde den Begriff der "Zensur" hier völlig unpassend. Zensur wäre es, wenn irgendeine Behörde das vorgeben würde. Wenn wie in diesem Fall Ulisses von allein auf die Idee kommt, diese Aspekte in künftigen Werken mit zu bedenken, dann empfinde ich das eher als wünschenswert, als als Zensur.

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Ungelesener Beitrag von Janko » 07.08.2020 04:14

Ich habe mir das Video gestern Abend auch noch angeschaut und gebe Aryador in diesem Punkt recht. Ich habe es auch so verstanden, dass in erster Linie an der Formulierung gearbeitet wird und Warnhinweise gegeben werden (wie bei der RSH Das Dornenreich auf die Vergangenheit Orons etc.).

Diese Diskussion verstehe ich eher als die Befürchtung, dass man es übertreibt, auf alles und jeden Rücksicht zu nehmen und dadurch ein Friede, Freude, Eierkuchen-Aventurien entsteht.

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Ungelesener Beitrag von Gerwulf_Treublatt » 07.08.2020 04:35

Yeah, nach langer Abstinenz melde ich mich auch wieder zurück.

Schwieriges Thema. Ich habe mir das Video jetzt zum zweiten Mal vollständig angeschaut und versuche hier meine Schlussfolgerungen zu ziehen und meine Ansichten zu erklären.
Beim ersten Mal war ich spätestens ab Minute ~28 erst einmal mal reflexhaft am triggern. Sklaverei und -ismen aus DSA verbannen?! Zensuuur!!11!

Bei genauerer Betrachtung ergibt sich aber ein deutlich differenzierteres Bild. Wie eingangs von Frau Neizel erklärt, wird in erster Linie versucht mit einer Klappe zwei Fliegen zu schlagen. Zum einen steht natürlich die simple Erhöhung des Profits im Raum, der auf jeden Fall berechtigt ist. Zum anderen möchte man als Anbieter von Gemeinschaftsspielen natürlich auch zeitgemäß bleiben und mit dem derzeitig erfolgten Wandel innerhalb der Gesellschaft Schritt halten.

Positiv fasse ich auf jeden Fall den Warn-Kasten zu Aranien/Oron auf. Sexuelle Gewalt ist nicht nur Fiktion, dass darauf hingewiesen wird finde ich angemessen. Ich wünsche mir zu solchen schwierigen Themenbereichen weitere Kästen.

In der Tat ist DSA ein Helden-Rollenspiel, Sklavenhalter und Raubmörder sind mögliche Figuren, aber nicht vom Herausgeber vorgesehen.

Befremdlich finde ich jedoch die Ankündigung, Sklaverei und Sexismus zu entschärfen. Zum Thema Sexismus später mehr.
Bisher wurden die Ingame-Beschreibungen mMn so verfasst, dass man als Leser mit der Sklaverei in DSA ohne Beschönigungen konfrontiert worden ist. Weder das Leben der Sklaven wurde großartig als erstrebenswert dargestellt ("Azif lebt ein hartes Leben als Sklave, genießt jedoch den Schutz des Plantagenherren" habe ich nie gelesen), noch die Sklavenhalter an sich glorifiziert. Im Gegenteil, da gibt es mit Beorn einen astreinen Extremisten, der die Sklavenhalter blendet und grundsätzlich waren Sklavenhalter immer die Bösen.
Und auch ganz ohne Umschweife ist immer wieder beschrieben worden, dass das Halten von Sklaven über den ganzen Kontinent betrieben wird.

Meine Befürchtung ist, dass die Sklaverei innerhalb der Spielwelt soweit entschärft wird, dass sie praktisch im Hintergrund mangels Retcon weiterrattert, aber nicht mehr ein primäres Thema ist, auf das eingegangen wird. Hoffentlich passiert das so nicht, das ist unglaublich gefährlich! Damit bringt man Spieler und Meister dazu, sich nicht mehr aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen - mehr noch, über kurz oder lang wird bei einer Entschärfung die Grundlage für eine passive Akzeptanz am Spieltisch gelegt.
Ja, die Welt in DSA ist nicht unsere Realität, trotzdem werden wir die Fiktion instinktiv dahingehend beeinflussen, so dass es uns möglich ist, die entstehenden Bilder in unserem Kopf einordnen zu können. Und dafür bedienen wir uns aus unserer Welt und ihren Ansichten.
Umgekehrt kann dies jedoch in gewissem Maße ebenso geschehen. Ich behaupte, wer über Jahre hinweg eine fiktive Welt mit einer latent im Hintergrund plätschernden Sklaverei bespielt, die in irgend einer Weise doch real sein möchte, der verliert das sensibilisierte Bewusstsein dafür, was Sklaverei ist - schlecht, böse, verwerflich. Die durchschnittliche Spielerschaft ist in der Realität nie in den Genuss der Sklaverei gekommen, woher nimmt der Verstand dann das Bewusstsein dafür?
Selbige Ansichten werde ich auch auf den Rassismus übertragen. Entschärfung führt langfristig zum Verlust der Sensibilisierung.

Abschließend betrachtet sehe ich die angekündigten Veränderungen zwiespältig. Wenn -ismen einfach nur entschärft werden, ohne großartig dafür zu sensibilisieren, dann verharmlost man eben diese Dinge auf ungewollte Weise.
In meiner Spielwelt gibt es ungeschönten Rassismus, Kastengesellschaften, Ungleichbehandlungen von Mann und Frau, Sklaventum, religiösen Fanatismus, Sexismus, usw.
Nicht weil wir sowas cool finden, sondern weil es uns bei jeder einzelnen Konfrontation damit am Spieltisch aufzeigt, wie wir in unserer Realität dagegen kämpfen, innerhalb der Spielwelt aber damit zwangsläufig umgehen müssen. Ein von unserer SL dargestellter Ork-Krieger SOLL gegenüber dem Spieler oder der Spielerin eines weiblichen Charakters innerhalb der fiktiven Welt als frauenverachtendes Wesen auftreten, ohne Beschönigung. Genauso wird ein bornländischer Adliger seine Untergebenen "arrogant" und "ungerecht" behandeln. Nicht weil er arrogant ist, sondern weil er eben der Adlige ist - und auch er ist in gewisser Weise ein Sklavenhalter.
Man muss aber dazu sagen, dass wir bereits über ein Jahrzehnt zusammen spielen und bei uns Einstimmigkeit bezüglich unserer Spielwelt herrscht.

Sonderthema Sexismus
Nur ein Begriff: Sex sells. Barbusige, attraktive Frauen und Männer ziehen an. Was nackt ist, erweckt Neugierde bei allen Geschlechtern.
Ich höre da einen Widerspruch bei Frau Neizels Ausführungen. Erst sagt sie, dass man den Anteil an offen sexistischen Abbildungen reduzieren möchte und dann aber wieder ganz platt darlegt, dass man Nackheit nicht vollends abschaffen wolle. Ja was denn jetzt? Hier hinken ihre Versuche, das Thema zu belichten, das ist aber nur meine persönliche Meinung.
Ich kann dazu nur sagen, dass ich kein einziges nacktes Wesen in irgendeinem DSA-Band benötige, um mir etwas vorzustellen.

Vasall
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Ungelesener Beitrag von Vasall » 07.08.2020 07:19

Mich stimmt das einmal mehr nachdenklich.

Seine Texte kritisch zu reflektieren und gegenlesen zu lassen um zu schauen "ob man das so schreiben kann" ist ja nun nichts Neues und ungefähr so alt wie das Texte schreiben selbst.

Jede Publikation wird nach den moralischen Aspekten ihrer Gesellschaft bewertet und jeder Autor und Textredakteur folgt einem auf den Werten seiner Zielgruppe aufbauenden Verhaltenskodex, der eben darauf ausgelegt ist sensible Themen behutsam, ohne die Gefühle betroffener zu verletzen und ohne Unwahrheiten zu verbreiten, auszuarbeiten. Auch dieses Forum hat einen Verhaltenskodex der genau dieses kritische Gegenlesen von seinen Nutzern einfordert bevor diese ihre Texte einstellen.

Das kennen wir also alle bereits zur Genüge.

Was ist das Neue, was ist der Hintergrund der Ankündigung von Ulisses?

Da kann ich nur spekulieren:
1. Offenbar reichen diese üblichen Selbstreflexionen im Rahmen der eigenen Textredaktion in unserer Gesellschaft nicht mehr aus um Texte zu publizieren, die nicht Anstoß einer entsprechenden Kritik werden könnten.
und/oder
2. Evtl. auftretende Kritiken entfalten durch die unmittelbare Kommunikation und durch den selbstverstärkenden Effekt in Onlinemedien eine derartige Wucht, dass Unternehmen und andere in der Öffentlichkeit stehende Personen und Gruppierungen sich davor schützen müssen.


Beiden Phänomenen kann man begegnen, indem die kritische Reflexion, das Prüfen der eigenen Texte darauf "ob man das so schreiben kann", in die Hände von Spezialisten gegeben wird.

Man schafft es nicht mehr seinem eigenen Verhaltenskodex in der Art und Weise gerecht zu werden, dass man sich das selbst zutraut.
Kommunikation ist in unserer Gesellschaft derart kompliziert geworden, oder Kritik derart brisant, dass wir öffentliche Texte lieber von teuren Spezialisten verfassen lassen, um frühzeitig Schaden abzuwenden.

ABER das alles schützt die Werte und Gefühle von Menschen!

Ist der Weg, dass wir uns sprachlich derart kontrollieren und einschränken, dass nur noch moralisch einwandfreie, von Spezialisten überprüfte Texte publiziert werden, der Weg für mehr Gemeinschaft in einer besseren Gesellschaft?

Oder schafft es Sprachbarrieren und Restriktionen die unsere Gesellschaft nur noch weiter auseinander bringen?

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Ungelesener Beitrag von Asleifswasserträger » 07.08.2020 09:51

WeZwanzig hat geschrieben:
06.08.2020 18:52
@gestrichene Professionen:
Da habe ich mich etwas unvollständig ausgedrückt fürchte ich. Die "Bösen" werden "nur aus dem Grundregelwerk" gestrichen, damit sie nicht die typischen Helden/Protagonisten mehr sind. Sie werden an anderer Stelle (ich vermute mal Al'Anfa-regionalband) wohl eingeführt. Jasmin brachte im Video den Vergleich mit den NL-Geweihten, für die es zwar Regeln in weiterführenden Regelwerken gibt, die aber nicht derart zentral als Spielercharaktere aufgeführt werden sollen, dass sie schon im GRW sind.

@topic
Das Video hat inzwischen auch schon eine Menge Kommentare, die meine Befürchtungen teilen. Auf die höfflich formulierten antwortet Jasmin und die Antworten klingen da deutlich beruhigender als das Video. ("Es geht uns nicht darum solche Themen intime zu verbannen, sondern darum sie bewusst zu verwenden. Eben mit Hinweisen wie dem Oron-Kasten [...] und einfach der Entscheidung das Thema anzugehen und mit dem nötigen Respekt und Problembewusstsein zu begegnen.") Wenn es wirklich nur dabei bleibt, finde ich das ganze durchaus sinnvoll, fürchte aber immer noch, dass wie im Video angedeutet man über das Ziel hinausschießt.
Von welchen Kommentaren redest du?
Die Kommentare wurden für das Video deaktiviert, oder gab es noch woanders Kommentare?

Ansonsten ein sehr schwieriges Thema, ich finde Sie schießen über das Ziel hinaus, wenn Sie Professionen teilweise aus dem GRW verbannen.
Wie schon von anderen angemerkt, wo soll es anfangen und wo soll es aufhören.

Ich sehe das aber eher so wie Jadoran.

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Ungelesener Beitrag von Borbarad-Moskito » 07.08.2020 10:45

Aryador hat geschrieben:
07.08.2020 01:15
Wenn dir das Regelwerk eine Profession "Sklavenhalter" anbietet, dann ist es offenbar laut Regeln gewünscht und wird nahegelegt, einen Sklavenhalter zu spielen. Oder einen Zuhälter.
Das sehe ich anders, die 4.1-Redaktion übrigens auch.
WdH S. 300 hat geschrieben: Etliche Professionen mag es zwar geben, aber ob sie gruppentauglich sind, ist eine andere Frage. Eremiten, die ohne Störung den Kontakt mit ihrer Gottheit suchen, werden sich sicherlich ebenso wenig einer Gruppe anschließen wie die walwütigen Swafnirkinder, die von sich wissen, dass sie eine Gefahr für ihre Umwelt darstellen. Auch die weiter unten thematisierten Meuchler sind eher wenig gruppentauglich, wenn sie auf Auftrag unterwegs sind (und ein Risiko für die Gruppe, wenn sie Ex-Meuchler sind). Andere Professionen eignen sich nur für spezielle 'Themengruppen', namentlich schwarzmagische Professionen aus den Schwarzen Landen, aber auch viele 'gute' religiöse oder nationale Fanatiker.
Also die Redaktion sagt hier deutlich, dass es einfach eine Vielzahl an Professionen gibt, die möglicherweise einer funktionierenden Gruppenkonstellation im Wege stehen. So eine Passage sollte man meiner Meinung nach an den Anfang des Professionenteils im Grundregelwerk klatschen und schreiben, dass es eben durchaus auch Professionen gibt, die auf strukturellem Rassismus bzw. Sexismus basieren/nicht mit unserer modernen Wertevorstellung korrelieren/möglicherweise verabscheuungswürdig sind/Triggerpotential bieten etc., bei der entsprechenden Profession ließe sich auch noch kurz hierauf verweisen. Zusätzlich ergänzt man, dass offizielle Abenteuer Mehraufwand für den Meister bedeuten, wenn solche Professionen in der Gruppe sind, weil die Autoren grundsätzlich von gewissen Moralvorstellungen der Heldengruppe ausgehen. Ein Verweis, wie extrem wichtig diesbezüglich Kommunikation und Einigkeit innerhalb einer Spielrunde sind, darf auch nicht fehlen.
So ließe sich doch das Problem in DSA5 befriedigend handhaben, oder nicht?
Aryador hat geschrieben:
06.08.2020 21:02
Wer das an seinem privaten Spieltisch tun will, kann das ja weiterhin tun. Ich bin überzeugt, Spieler schaffen es, wenn sie da unbedingt Bock darauf haben, Sklaven zu halten, ohne dass sie dafür extra Regeln brauchen.
Das ist eine Medaille mit zwei Seiten. Genauso ließe sich ja argumentieren, dass man problemlos ohne Sklaverei/Sexismus/Rassismus innerhalb Aventuriens spielen kann, wenn man das in der privaten Runde möchte.

Aber nochmal: Sicherlich sind die Beiträge hier teilweise Whataboutisms. Ich habe aber oben versucht, das Argument der breiteren Zielgruppenorientierung aufzugreifen und auf populäre Medienprodukte aus dem Fäntelalter-Genre verwiesen, bei denen häufig die Konflikte sexistisch/rassistisch/religiös aufgeladen sind und es sehr "gritty" zugeht. Wenn man sowas in Aventurien nun verdrängt, verliert man auch das Potential, diese Spielerschaft anzusprechen.

Vasall
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Ungelesener Beitrag von Vasall » 07.08.2020 11:19

Borbarad-Moskito hat geschrieben:
07.08.2020 10:45
So ließe sich doch das Problem in DSA5 befriedigend handhaben, oder nicht?
Für mich und Dich sicherlich.
Den allermeisten hier traue ich blind das Maß an Vernunft zu, im Sinne @Jadorans Beitrag mit sensiblen Themen vernünftig umzugehen. Die meisten Menschen hier sind gewiss aufgeklärt genug, und haben sich in zahlreichen Spielabenden, bei der Recherche von Hintergründen mit Thematiken wie Sklaverei, Gleichberechtigung, Feudalismus und Kriegerehre und diversen mehr oder weniger archaisch strukturierten Gesellschaften auseinandergesetzt. Rollenspiel ist ein geniales Mittel der Reflektion sensibler zwischenmenschlicher Beziehungen, gerade weil man sich etwa in Sklavenhalter hineinversetzen kann, durchspielen kann wie so ein Mensch oder Kult agiert und unterdrückt und welche Auswege es in Kulturen mit geringerem Wohlstand und Zivilisationsgrad geben mag.
Man kann ein Stück weit erleben wie und warum aus einem unterdrückenden, aber Schutz gebenden Feudalismus zunächst Ablehnung, aber auch mehr und mehr demokratische Strukturen erwuchsen. Gerade dieser spielerische Umgang mit mir fremden Gesellschaften und Wertvorstellungen macht mir zumindest Spaß und einen großen Teil des Reizes den Rollenspiel auf mich ausübt aus.

Nein, ich schätzt wir ticken da alle ähnlich, wir sind reflektiert genug für erwachsenes Rollenspiel.

Das Video, bzw. die Ankündigung ist daher wohl nicht an uns adressiert, aber an wen dann?
Ich schätze Ulisses stellt mit der Maßnahme halt einfach die notwendigen Leitplanken auf, die man heute braucht wenn man einflussreicher Teil der schnellen Daten und Informationsautobahn der Internetgemeinschaft sein möchte.

Die Ankündigung ist nicht an jemand spezielles Gerichtet, nicht an Dich und Mich, sondern an ein virtuelles Etwas. An ein Phänomen das sich regelmäßig einstellt wenn viele Menschen zusammen kommen, und das sich vielleicht Herr und Frau Lynchmob nennen mag.

Der Mob rast hin und wieder rücksichtslos mit 250 Sachen über die Datenautobahn und drängt auf der Jagd nach dem nächsten "Grolmgate" jeden weg, der ihm in den Weg kommt. Nur nichts verpassen und lieber nachher nachdenken. Ab dem Moment ist berechtigte Kritik, sachlicher Austausch und Stellungnahme nicht mehr möglich und man braucht eben solche Leitplanken auf die man dann Verweisen kann um sich und die Leute unterwegs zu schützen.
So manch einer setzt im Alltag ja gedankenlos den "Gefällt mir"-Blinker links und hängt sich dem Raser auf der Überholspur an und verleiht so eher unbedacht dem Mob noch mehr Gewicht.
Da ist es wichtig schon im Vorfeld Leitplanken, bestehend aus möglichst einfachen unverfänglichen Botschaften, zu setzen, auf die man später Verweisen kann um die Spur wieder zu kriegen.

Da sind wir aber längst abseits jeglicher vernunftgesteuerten, differenziert geführten Auseinandersetzung mit sensiblen Themen, die Rollenspiel eigentlich ausmacht.
Da ist eine Autobahn auch nicht der rechte Platz für.

Das dumme ist nur, dass die Leitplanken den Blick auf die spannenden Landschaften verhindern, weshalb ich lieber Landstraße fahre und selber lenke und denke.

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Ungelesener Beitrag von Firuna Tannhaus » 07.08.2020 11:38

Zunächst mal Danke für Deine Erklärung, Aryador.
Ich sehe das hier
Aryador hat geschrieben:
07.08.2020 01:15
Wenn dir das Regelwerk eine Profession "Sklavenhalter" anbietet, dann ist es offenbar laut Regeln gewünscht und wird nahegelegt, einen Sklavenhalter zu spielen. Oder einen Zuhälter.
anders. Das Regelwerk (ich kenne nur DSA4.1, möchte ich hier anmerken) hat eine riesige Fülle an Professionen. Ich lese da nicht rein, dass es tatsächlich gewünscht ist oder einem nahegelegt wird, sondern es ist für mich ein Konsequenz aus der Spielwelt. Es wurden verschiedene Dinge in die Spielwelt eingebracht, da ist es nur folgerichtig, Professionen auszuarbeiten, die das wiedergeben.
Aryador hat geschrieben:
07.08.2020 01:15
Dann ist ihre Profession aber nicht "Sklavenhalter".

Davon, dass die Kultur der Al'Anfaner gestrichen werden soll, war nie die Rede.
Beides richtig. Für mich ist es aber eine logische Konsequenz, dass man das spielen kann, wenn man das möchte, weil es die Kultur der Al'Anfaner eben gibt, sie für den Hintergrund wählbar ist und es dort normal ist, vgl. oben.
(Ich habe auch gar nicht so weit gedacht, dass diese Kultur gestrichen werden könnte; geschrieben habe ich es auch nicht. Das kommt von Dir.)

Es bleibt mir aber selbst überlassen, ob ich sowas spiele oder nicht. Ich scheue zum Beispiel vor diesen Professionen zurück, andere tun das nicht, weil sie vielleicht über das Rollenspiel mal ein Gefühl für die Gedankenwelt solcher Professionen entwickeln wollen und sich einfach mal daran ausprobieren, ob sie das glaubhaft darstellen können. Deswegen teilen sie diese Gedanken aber nicht oder laufen Gefahr sie zu übernehmen. Meiner bisherigen Erfahrung nach können Rollenspieler sich selbst gut von ihrer Figur abgrenzen und abstrahieren; weswegen ich eigentlich von allen erwarte, die Rollenspiel als Hobby haben, dass sie das können. Ich übernehme mal hier ein Zitat von Jasmin, dass sie im Bezug auf Vampire gebracht hat: "Ziel ist es, ein Monster zu spielen, und nicht, ein Monster zu sein."
Mag sein, dass ich hier zu viel voraussetze.


Ich hätte noch eine Bitte an Dich: lass bitte solche Verallgemeinerungen wie die hier
Aryador hat geschrieben:
07.08.2020 01:15
Ich finde es ja super, wie sich hier alle sarkastisch kichernd amüsieren
Hervorhebung durch mich.
Ich glaube zwar zu wissen, welche Kommentare Dir den Eindruck vermitteln, aber es sind eben nicht alle. Meiner war auf jeden Fall nicht so gemeint und ich hoffe, dass er auch nicht so rüberkam.

@Topic:
Ich habe mir den Vortrag jetzt nebenbei beim werkeln nochmal angehört. Ich finde ihn ganz gut, ich bin auch sehr dafür bei solchen Settings wie Oron entsprechende Hinweise zu geben, weil sexuelle Gewalt ein Feld ist, das psychische Traumata berührt.

Zu Rassismus und Sexismus in der Spielwelt: ich würde auch hier eher mit Triggerwarnungen arbeiten. Mir persönlich macht es zum Beispiel auch Spaß im Abenteuer mit der Gruppe gegen solche Dinge vorzugehen.
Es stimmt schon, wie Aryador sagt, dass es auch genug andere Konflikte ohne diese -ismen gibt. Allerdings erwächst auch aus staatlichen und politischen Konflikten gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (inneraventurisches Beispiel: Andergast und Nostria; oder auch der Konflikt zwischen dem Horasreich und Thorwal).

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Ungelesener Beitrag von Fenia_Winterkalt » 07.08.2020 11:41

Nachricht der Moderation

Ich möchte doch sehr bitten kritische Stimmen nicht als 'Mob' oder ähnliches zu bezeichnen, auch wenn das Beispiel hier Abstrakt gewählt wurde.

Es schadet niemandem zu versuchen sich in andere reinzuversetzen und selbst wenn man es nicht nachvollziehen kann, konstruktiv und am Thema zu bleiben, und sich nicht an den Menschen abzuarbeiten die darüber diskutieren.

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Ungelesener Beitrag von Vasall » 07.08.2020 11:46

Sehr gerne. Ich habe versucht es als "virtuelles Etwas" anzusprechen und explizit nichts was eine Einzelperson die Kritik übt jemals sein könnte.

Wie wollen wir das Phänomen hier im Forum nennen? "Kritik-Hype"?
Ich weiß es wirklich nicht besser und hab keine Lust auf Anglizismen.

Und ich will es ganz gewiss im obigen Beitrag NICHT personenbezogen verstanden wissen.
Nicht, dass das jetzt durch Deinen Hinweis, Fenia, doch noch in die Richtung aufgenommen wird.

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Ungelesener Beitrag von Hvitarelgur » 07.08.2020 11:57

Zum Kernthema will ich schon quasi gar nichts sagen, auch wenn DSA meiner Meinung nach an dieser Ecke kein Problem hat.

Was ich viel schlimmer finde ist, dass das Video für mich suggeriert, dass man für zukünftige DSA-Publikationen Autoren bevorzugt auswählen will, weil sie sich als "own voices" für Texte eignen und nicht weil sie Leidenschaft und Können fürs Schreiben und für die Welt zeigen. Das hinterlässt bei mir einen schalen Beigeschmack, vor allem bei neuen Autoren. Hat hier jemand eine Heldenwerk-Zusage bekommen, weil er einen xyz-Charakter schreibt und sich selbst als xyz auch darstellt?

Auch dass man seitens Ulisses nach kürzester Zeit die Kommentare unter dem Video deaktiviert hat, finde ich unglücklich. Die Diskussion war ja doch durchaus sachlich und mit ehrlichen Fragen gespickt. Dass auf YouTube auch der eine oder andere unseriöse Kommentar kommt hätte glaube ich jeder vorher sehen können.
Vor allem im Hinblick auf die Online Con, wo man sich so sehr für die Community Arbeit gefeiert hat, ist das meiner Meinung nach schwach. Community nur so lange sie klatscht?

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Ungelesener Beitrag von WeZwanzig » 07.08.2020 12:02

Asleifswasserträger hat geschrieben:
07.08.2020 09:51
Von welchen Kommentaren redest du?
Die Kommentare wurden für das Video deaktiviert, oder gab es noch woanders Kommentare?
Gestern waren die Kommentare noch an. Da gab es gefühlt etwa ein Drittel Zuspruch, 2/3 sachliche Kritik, auf die auch von Jasmin geantwortet wurde und dazwischen einzelne Spinner, die sich darüber beschwert haben, dass Jasmin "mit ihren Psychosen ihr geliebtes Spiel kaputt macht" (Nicht meine Worte!). Wenn im Schutze der Nacht noch ein Haufen solcher Idioten über das Video hergefallen ist wundert es mich nicht, wenn die Kommentare erstmal aus sind.
DSA, trotz der Regeln, nicht wegen der Regeln

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