Mal wieder eine Rechtsfrage: Mord oder Kriegslist?

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Na'rat
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Mal wieder eine Rechtsfrage: Mord oder Kriegslist?

Ungelesener Beitrag von Na'rat » 12.05.2019 21:49

Thargunitoth hat geschrieben:
12.05.2019 20:59
Der Grund warum unterlegene Adligen nicht wegen Verrat hingerichtet werden, ist normalerweise damit sie die Ordnung im Sinne des neuen Herrschers aufrechterhalten.
Und weil man sonst alle Nachbarn umbringen müsste. Womit der Krieg wieder von vorne losgeht...

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Overator
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Mal wieder eine Rechtsfrage: Mord oder Kriegslist?

Ungelesener Beitrag von Overator » 15.05.2019 12:21

Ich halte es für Konsequent, dass dem Mord nachgegangen wird. Wieso sollte der Baron wegen hochverats angeklagt werden, nur weil er eine ehrlose Tat von irgendwelchem Gesindel zur Anklage bringt?
In einer Standesgesellschaft ist es dem Pöbel dennoch nicht gestattet einfach eine Frau von Stand hinterrücks zu ermorden, zudem die Arglosigkeit ein schärfender Aspekt sein dürfte und der Umstand dass sie scheinbar nicht direkt beteiligt war.
Ob es Augezeugen oder dergleichen gab, kann offen bleiben. Schließlich wurden die beteiligten des Mordes bezichtigt und der Auftraggeber kann auch sicher bestätigen, dass sie den Auftrag hatten die Frau festzusetzen, da hat dann der Adlige seine blutrünstigen Diener auf eine Mordmission geschickt... solche Verfehlungen sind natürlich abzustrafen. Dabei ist es irrelevant, dass der Baron zuvor ein Gegner wahr, es gibt ja schließlich noch Ehre im Adel.
Da mag sehr viel mehr Schein als Sein dahinterstecken aber ich finde es tatsächlich recht konsequent. Die Gruppe hatte ja zudem auch als Spielerschaft tatsächlich den "leichten" Weg gewählt, die vermeintliche Hexe einfach niederzuschießen.

Jadorans Vorschlag, dass das politische geschachere losgeht und das den Witwer bremst oder ggf. ein Druckmittel an die Hand gibt, wäre auch durchaus denkbar gewesen. Ein Schauprozess hätte das aber mEn dennoch nicht vermieden, sobald die Klage vorgebracht war. Es hätte nur einen Unterschied gegebn, ob der Auftraggeber auf dem Hoftag als Auftraggeber, eines Attentats wieder einer Frau von Stand, bezichtigt worden wäre.

Was zu bedenken ist, ist dass grds. auch ein Bürgerkrieg keinen rechtsfreien Raum schafft, auch wenn der Sieger im Zweifel diktieren kann, was (Un)gerecht ist. Aber gerade im Verhältnis zwischen dem Adel wäre es ein Risiko irgendwelche Lümmel davonkommen zu lassen.
Aus welchem Grund auch? Wenn es nicht gerade die Idole waren sind sie ersetzbar.
Zudem ist es irrig anzunehmen, dass ein Prozess in einer (Standes-)Gesellschaft gerecht ist. Sprich dass Zeugen gesucht werden etc.
Und auch wenn es in dem einen oder anderen Film gerne so dargestellt wird, ein Tyrann wird nicht auf Dauer regieren können, wenn der Adel sich nicht darauf verlassen kann, dass ihm gegenüber gewissen Grundregeln eingehalten werden. Denn schließlich hat Graf xy nur dann die Macht, wenn die ihm unterstellten Barone etc. da mitziehen. Denn auch um Baron xy zu sanktionieren, wird er regelmäßig die Hilfe von Baron a und b benötigen...
Wenn sich ein Vasall nicht darauf verlassen kann, dass der Mord an seiner Familie zumindest untersucht und verhandelt wird, hat er irgendwann auch keinen Grund mehr seinen Lehnsherr zu (Unter)stützen.

EDIT:

Noch zur Frage des Threadtitels - ganz klar Mord. Er mag vllt. gerechtfertigt gewesen sein, aber eine Kriegslist war das definitiv nicht. Eine List schließt zwar Tötungen nicht per se aus, impliziert aber eine Täuschun(sabsicht). Die wäre gegeben gewesen, wenn man dem Mord einer dritten Partei in die Schuhe geschoben hätte, um den zukünftigen Witwer zu schwächen. So hat man aber im Prinzip nur jemanden abgeknallt, um einen Aufstand zu begünstigen. Vllt. sinnvoll aber nicht die klassische Kriegslist.
Für einen Mord spricht zudem die Heimtücke, da sie nicht in einem Duell oder Kampf getötet wurde, sondern aus dem Hinterhalt niedergeschossen wurde, um ihr dann den Gnadenstoß zu versetzen.
"Ich glaub ich hau dir mal ein paar aufs Maul."
- Der Namenlose

Andwari
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Ungelesener Beitrag von Andwari » 15.05.2019 13:09

Klassischerweise lässt man als Sieger eines Krieges/Fehde den Unterlegenen schwören, sich nicht für währenddessen erlittenes Unrecht zu rächen, bei nicht völligem Sieg gesteht ggf. auch der Sieger zu, nicht kleinlich noch dies oder das an Forderungen nachzuschieben.

Wenn der siegreiche Herrscher jetzt erst mal alle Untaten seiner offiziellen Gefolgsleute aburteilen müsste um dann zu übereifrigen inoffiziellen Handlangern weiterzugehen - er hätte vmtl. länger nichts anderes zu tun als seine Leute abzuurteilen, weil sie ihm in einen dreckigen Krieg gefolgt sind. Und es bleibt immer was am Anführer hängen - der hatte die schließlich geschickt, so eine Art Volksaufstand anzuzetteln (welch an sich verwerfliche Tat, wenn man adelig ist).

Wie viel an Regeln in welchem "Kriegszustand" formal und real gelten soll, ist Gestaltungsraum - inter arma enim silent leges. Natürlich können da auch "hinterhältige" Angriffe auf Freunde der Gegner ("Nicht-Kombattanten" ist eine sehr moderne Idee) erlaubt sein - oder je nach gewählten Mitteln völlig verpönt. Wenn die Boss-Idee eines Aufstands in der Stadt "ehrenhaft" war, kann es das Beseitigen wesentlicher Hindernisse auch sein. Und natürlich kann der Maßstab der Gesellschaft da objektiv unfair sein - aber dann müsste der vllt. den Abenteurern bekannt sein, wenn man Abenteurer generell hinterher aufhängt.

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BenjaminK
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Ungelesener Beitrag von BenjaminK » 15.05.2019 15:19

Wenn ich besiegter Burgherr wäre und gegen im Kriegszustand erlittenes Unrecht klagen dürfte... ich würde erstmal den Sieger anklagen, dass er mir meine Burg weggenommen hat, ist ja auch nicht rechtens gewesen. Das klingt jetzt zotig, aber worauf ich hinaus will ist, dass der besiegte erstmal keine Forderungen zu haben hat.

Und die Frau des Barons ist sicherlich ein lohnendes Ziel für ein Attentat. Klar, Attentat = Mord, Schwert in Bauch = Mord. Alles, wo einer den anderen umbringt, ist Mord. Nur wird im Krieg irgendwann mal Mord legitimiert. Die Frage ist nur, ob sich die Kriegsparteien auf zu schonende Ziele geeinigt haben. Wenn da vorher nicht (am besten vom Rondrageweihten) ausgemacht wurde, dass Frauen und Kinder zu schonen sind - Kriegslist.
Leitet gerade;
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Ungelesener Beitrag von Jadoran » 15.05.2019 15:57

So ein Bürgerkrieg hat nicht immer klare Seiten, und er endete nicht mit der bedingungslosen Kapitulation einer Seite, deren Kampfkraft vollkommen vernichtet wurde, die daher alles schlucken muss, was die Sieger abziehen.

Dieser Bürgerkrieg im Horasreich war - der TE möge mir widersprechen - wahrscheinlich eher ein Koalitionskrieg von Adelshäsuers und freien Städten gegen andere Adelshäuser und Städte, der nicht von allen voll mitgetragen wurde. Manche haben sich "erklärt", aber nur Geld und Vorräte geschickt, manche nur (ggf. eine Seite etwas begünstigende) Neutralität erklärt, manche waren vielleicht nur verbündet in dem Sinne, dass sie denselben Feind hatten, aber sich bereits für die Nachkriegsphase aufstellten, in der dann die Macht unter den ehemaligen Verbündeten neu aufgeteilt wird... und man die Unterlegenen des letzten Konfliktes vielleicht als Verbündete braucht. Ausländische Mächte gibt es auch noch. Einige Teilnehmer auf Siegerseite sind vielleicht so geschwächt, dass sie eine Wiederaufnahme des Konfliktes scheuen müssen.
Die ermordete Adlige war nicht nur die Frau des unterlegenen Burgherren, sondern auch die Tochter und Enkelin von anderen Adligen, hatte vielleicht Geschwister und Kinder. Vielleicht ist ihre Tochter mit einem einflussreichen Adligen der eigenen oder einer bislang neutralen Fraktion verheiratet. Vielleicht ist ihre Schwester eine Magierin? So ein Konflikt ist niemals nur ein Wir-gegen-die.

Es macht durchaus Sinn, gewisse Regeln einzuhalten..
Dreck vorbeischwimmen lassen

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