Einen Tulamiden spielen

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Shirwan
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Glanzlicht Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Shirwan » 13.05.2019 22:59

Hallo ihr Lieben,
als Kind gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Mitspieler*innen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja Tulamiden und Perser sind nicht identisch, antwortete ich dann immer. Irgendwann jedoch gab ich nach und führte einen Tulamiden und einen Perser zusammen. Meine Ideen stellte ich in einer frühen Form zur Verfügung und konnte sie auf Basis vieler Rückmeldungen weiterentwickeln. Mittlerweile ist das Ergebnis im Scriptorium downloadbar. Leider bestehen noch einige Lücken und ein Lektorat hat meine Spielhilfe auch noch nicht genossen. Dennoch hoffe ich, dass sie euch gefällt und von euch sinnvoll verwendet werden kann. Über Rückmeldungen, Kritiken, Kommentare oder Ideen eurerseits würde ich mich sehr freuen.

Downloadlink - Aktuellste und vollständige Fassung
Das Erbe des Diamantenen

Was sind die groben Inhalte?
In der Spielhilfe werden die Besonderheiten der tulamidischen Kultur vorgestellt, wie das Tāroff, der ritualisierte höfliche Umgang mit- und untereinander. Daneben widmet sie sich den Besonderheiten der tulamidischen Glaubensvorstellung und berichtet auch von der altehrwürdigen Kunst der Astronomie & Astrologie.

Weiterhin sind enthalten:
  • Bildreiche Metaphern & regionale Redewendungen
  • Eine tulamidische Hochzeit
  • Ein Einblick in die Fauna Tulamidistans
  • Religiöse Bräuche & Feste
  • Essenskultur
  • Und vieles Weiteres
Viele Grüße
Shirwan

Im Rahmen des Community Days wurde auch ein Video diesbezüglich erstellt, dass die Entstehungsgeschichte und die groben Inhalt erläutert:



Ich habe den ursprünglichen Text als Ausschnitt nachfolgend eingefügt (den vollständigen Text könnt ihr euch kostenlos im Scriptorium runterladen (siehe oben):
AusschnittShow
Geselligkeit
Nach dem die Tulamidistani in einem Jahrhunderte währenden Kampf, ihren Erzfeinden, den Echsen ihre fruchtbaren Gebiete abgerungen hatten, da besiedelten sie diese, nutzten die Technologien der eroberten Völker und ihrer eigenen Verbündeten, reicherten sie mit ihrem eigenen Wissen und dem das die Götter ihnen gewährten an. Städte wurden gegründet und wuchsen, viele Menschen, die früher noch ein nomadisches Leben führten lebten nun auf engem Raum zusammen. Und so war es notwendig dass sich Verhaltensmuster und Gebräuche etablierten, die das friedliche Miteinander sicher-stellten und bewahrten. Aber auch die Geselligkeit, die anfänglich als Notwendigkeit erachtet wurde, wurde immer mehr Bestandteil, ja tiefes Bedürfnis der Tulamidistani. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg, entwickelten sich diese Gebräuche weiter, weiteten sich aus, vergingen wieder oder wurden an die neu eroberten Gebiete angepasst und fremde Gebräuche zu den eigenen gemacht. Immer feinere Nuancen zeichneten ein buntes und facettenreiches Bild der Kultur der Tulamidistani, die zu bewahren und fortzuent-wickeln vielen eine Tugend ist.
Viele tulamidische Sitten sind deswegen darauf ausgelegt, den Umgang vieler Menschen unter-einander zu erleichtern oder gar im besten Fall zu fördern, seine Mitmenschen zu respektieren und in Frieden und Harmonie mit ihnen zu leben.

Essen & Trinken
Gemeinsames Essen - Ablauf

Speisen werden, wenn möglich, gemeinsam in großer Runde zu sich genommen. Meistens isst man abends groß (und warm), denn das Mittagessen am meist heißem Tag wird eher als Notwendigkeit, denn als Genuss betrachtet. Es ist bei den nachtverehrenden Tulamidistani gar nicht so selten, sich, gerade im Sommer, auch zur sehr späten Stunde zum Essen zu treffen. Das Abendessen besteht in der Regel aus 2-3 „Gängen“ (Tulamidistani würden diese aber niemals als solche bezeichnen). Im selteneren Fall beginnt man mit einer Art Vorspeise. Diese besteht aus Kräutern, roh genießbarem Gemüse der Region (bspw. Zwiebeln und Minze), Schafskäse, Joghurt und Brot. Je nach Region kommen auch einige warme, vegetarische Speisen hinzu (wie Miseh Ghazemi und Nargezi). Dann folgen die Hauptspeise und danach eine Nachspeise. Es ist jedoch üblicher, dass Vor- und Hauptspeise zusammenfallen, so dass man während des Hauptmahls mehr variieren kann.
Da spontan große Personengruppen beim Essen zusammen kommen, geht man in diesem Fall dazu über eine Decke auf den Boden auszubreiten und auf dem Boden zu essen (die seltensten Tulamidistani haben Tische mit über 12 Plätzen). Menschen die das nicht gewohnt sind, haben durchaus Problem im Schneidersitz zu Essen. Tulamidistani bieten aber in diesem Fall einem Gast an, separat am Tisch zu Essen, was in Ordnung aber nicht so richtig höflich ist, außer es handelt sich um eine alte oder gebrechliche Person. In diesem Fall versucht man, um der Geselligkeit beim Essen gerecht zu werden, Tisch und Decke zu kombinieren, in dem man bspw. den Kopf der Decke nah an den Tisch platziert. Da die Speisen auf eine große Fläche verteilt sind, werden mehrere Gerichte der gleichen Art auf der Decke verteilt. Gäste tun zusätzlich gut daran, sich beim Verteilen der Speisen an Andere am Tisch zu beteiligen, da der Gastgeber erst einmal dafür verantwortlich ist das Essen aus der Küche zur Decke zu bringen (was schnell erfolgen muss, denn Speisen lauwarm zu essen, ist Tulamidistani ein Graus). Das führt dazu, dass es recht schnell zu einem geselligen Treiben kommt und die Speisen hin und hergereicht werden.
Hat der Gastgeber die Speisen zum Essen hergeholt, achtet er darauf, dass alle seine Gäste ausreichend zu essen haben. Hat ein Gast sich bei der Essensverteilung beteiligt, geht diese Aufgabe auch auf ihn über (außer er serviert anderen Familien-mitgliedern aus seinem Haushalt, hier sollte man eher vorsichtig servieren). Der Gast hat nun die Aufgabe Bescheidenheit auszudrücken und möglichst wenig Speisen sich servieren zu lassen. Am besten lässt man sich zu diesem Zweck etwas mehr als die Hälfte (bis zwei Drittel) dessen servieren was man eigentlich essen möchte und fängt dann an mit dem Servierer zu „verhandeln“. Durch geschicktes Handeln kommt man dann ungefähr auf die Menge, die man eigentlich essen möchte. Es ist zulässig die Hand über seinen Teller zu halten oder das Servierinstrument (bspw. eine Kelle) festzuhalten und zu verhindern, dass weiter serviert wird, in diesem Fall ist es dann üblich diese Handlung mittels einer witzigen Aussage zu würzen. Der Gastgeber darf dann (wenn er möchte) diese Aussage gegenkommentieren, ist sein Witz gelungener, lässt man als Gast diese letzte Menge zu, nicht ohne den Gastgeber scherzhaft „zu verfluchen“. Ausländische Gäste begehen häufig den Fehler sich aus Gewohnheit die volle Menge servieren zu lassen und beginnen erst dann an zu protestieren, was im schlimmsten Fall zum Doppelten der gewünschten Portion führt. Essen stehen zu lassen gilt als nicht höflich, außer man entschuldigt sich vielmals beim Gastgeber und preist seine Kochkunst bzw. Gastfreundschaft. Im besten Fall sollte man sich in dieser Situation auf seine Herkunft beruhen und den Gastgeber darauf hinweisen, dass man nicht auf das Essen verzichtet weil man höflich sein möchte. Das wird dann mehr oder weniger kommentarlos akzeptiert. Bei schlechten Menschenkennern, kann dies aber auch dazu führen, dass die Person denkt, das Essen würde einem nicht schmecken, so dass man beginnt andere Speisen aufzutischen.
Es wird erwartet, dass hart Arbeitende und junge Menschen mehr Essen (was bedeutet, dass man ihnen mehr und hartnäckiger Essen „andrehen“ möchte). Menschen in besonderen Lebens-situationen (bspw. Schwangeren) werden spezielle Lebensmittel oder Gewürze gereicht, um sie für ihre jeweiligen Aufgaben zu stärken. Hier vermischt sich durch Erfahrung und Überlieferung erhaltenes, medizinisches Wissen mit sehr individuellen Traditionen. Jede Familie kennt da so ihre eigenen Hilfsmittelchen. Steht ein Essen zu lange rum, wird es noch einmal aufgewärmt und dann schnell an diejenigen verteilt, die nach Ansicht des Gastgebers zu wenig gegessen haben. Da kommt man als Gast schwer raus, darf es aber im Zweifel auch (teilweise) stehen lassen, der „Handel“ war ja ursprünglich ein anderer…
Man sollte aber unbedingt noch etwas Platz lassen, denn häufig werden als Nachspeise noch einmal Früchte und vor allem Tee serviert. In der Regel isst man die „verdauungsfördernde“ Honigmelone (ob dies wirklich so ist mag jeder selbst entscheiden). Tee wird immer durch etwas anderes gesüßt. Entweder ist das Zucker in kristalliner Form in der Größe eines kleinen Fingers (gerade wenn man krank ist) oder eine Süßspeise wie Baghlava oder eine Dattel. Zum Tee ist zu sagen, dass die Intensität der Farbe des Tees regional abhängig ist und einer der seltenen Streitpunkte unter den Tulamidistani ist, vergleichbar mit dem Bierstreit der Angbarer und Ferdoker. In Thalusa wird der (schwarze) Tee am dunkelsten getrunken, danach folgen der Balash, Mhanadistan und zuletzt Gorien, wo der Tee sehr hell ist (einzelne Städte können hier aber durchaus abweichen).
Der Übergang von der „Hauptspeise“ zum „Nachtisch“ erfolgt im Übrigen nicht fließend. Das Gedeck wird von den jungen Erwachsenen oder Jugendlichen beider Familien abgeräumt und gesäubert. Zuweilen beteiligen sich auch die Kinder daran. Ein Elternteil/Erwachsener der Gastgeber-familie ist zwingend hauptverantwortlich und übernimmt auch die meisten Aufgaben. In diesem geselligen Durcheinander wird das Geschirr durch die Vielzahl der helfenden Hände zügig gesäubert, so dass diese Aufgabe nicht ausschließlich von der gastgebenden Familie ausgeführt werden muss. Des Weiteren haben die Jugendlichen die Möglichkeit sich recht ungezwungen zu unterhalten und den neusten Klatsch auszutauschen. Die übrigen, meist älteren Personen wechseln in der Regel ihren Sitzplatz und werden von den jüngeren bedient. Der andere Elternteil ist dafür verantwortlich, dass es den Gästen an nichts fehlt, übernimmt alle Höflich-keiten vor Ort und stößt die Gesprächsthemen an oder beteiligt sich an diesen, um das Gespräch aufrecht zu erhalten. Häufig ist der eloquentere Teil der Familie hierfür verantwortlich. Zuweilen kann es aber auch sein Anliegen sein, sich bezüglich eines schwierigen Themas mit den Älteren etwas ungestörter zu beraten. In diesem Fall sitzt er oder sie dann mit den älteren Gästen zusammen.

Sitten & Bräuche des Essens
Es ist übrigens im strengsten Maße verboten die meisten Hauptspeisen insbesondere Reisspeisen und Suppen mit der Hand zu essen (Brot und Kräuter sind also bspw. erlaubt)! Wer dies macht, entlarvt sich als Mitglied der untersten Schichten oder gar als Barbar. Die Person hat dann zukünftig ungefähr das Ansehen eines Ferkinas (bzw. Orks in mittelreichischen Maßstäben). Nomaden oder Feldarbeiter nutzen dagegen selten mehr Besteck als einen Löffel. Stellt die Hauptbeilage Brot dar, wird eine kleinere Menge abgerissen, das eigentliche Essen mittels Besteck auf dem Brot platziert. Meistens legt man in diesem Fall nach Belieben Kräuter, Zwiebeln oder Joghurt dazu und wickelt das Ganze im Brot ein. Diese Portion bezeichnet man als Loghmeh und verzehrt sie tatsächlich mit der Hand.
Bei aller Höflichkeit beim Essen, gibt es eine Sache bei der der Tulamidistani dann doch nicht widerstehen kann. Dies ist das sogenannte Tah-Dieg. Dieser Begriff beschreibt recht unblumig, den Rand (Tah) des Topfes (Dieg) in dem der Reis zubereitet wird. Da die Hitze von außen den Topf erhitzt, wird der Reis an der Außenwand knusprig. Dies gilt im besonderen Maße für den Boden. Die tulamidischen Genussmenschen, haben aus der Not eine Tugend gemacht und legen manchmal den Boden deswegen mit sehr dünnem, angefeuchtetem Brot oder (häufiger) mit dünnen Kartoffelscheiben aus. Da der Außenrand oder zumindest der Boden mit Butter oder Öl bedeckt wird, geht dieser auch in den Tah Dieg über. Wenn der Reis aus dem Topf geholt wird, kann man ihn in dieser Kuchenform lassen oder den Tah Dieg vom Reis trennen und separat servieren. Nur beim Tah Dieg feilscht man dann tatsächlich untereinander, wer dieses denn essen darf, eine Diskussion die viel Witz und Charme enthalten muss, damit sie als gelungen gilt. Das Feilschen um das Tah Dieg ist jedoch nur unter Vertrauten zulässig. Hat man auswärtige Gäste, dann werden diese immer höher geschätzt und erhalten das Privileg sich als erstes am Tah Dieg bedienen zu dürfen.

Beilagen & Speisen
Die Hauptbeilagen stellen immer Reis und Brot dar. Bedeutende Ausnahme ist das sehr verbreitete Ash, ein Eintopf, der auch Nudeln enthält. Brot wird, wenn möglich immer frisch und sehr warm gegessen, was dazu führt, dass es in tulamidischen Städten viele kleine Bäckereien gibt und man häufig Menschen mit mehreren (dünnen) Broten (Nan) auf der Straße sieht. Die eigentlichen Gerichte, bzw. das was neben der Beilage gekocht wird, bezeichnet man als Khoresht. In Thalusa und vor allem in Maraskan ist das Verhältnis des Khoreshts zum Reis fast 1:1. Dies ist bei den restlichen Tulamidistani nicht der Fall. Diese sättigen sich eher durch den Reis und weniger durch das Khoresht. Dies gilt vorrangig tatsächlich für Reis, beim Brot kann das Mengenverhältnis je nach Gericht stark variieren.

Essen am Tag
Treffen sich Tulamidistani doch am Tag zum Essen (was eher an Feiertagen oder Wochenenden der Fall ist), ist es nicht unüblich im Freien zu essen (meistens wird dann gegrillt). Dies ist zum Teil ein Relikt ihrer nomadischen Kultur, teils jedoch dem avesgefälligen Bedürfnis der Tulamidistani nach Freiheit und Natur und auch zu einem Teil der aufgestauten Hitze in einfachen Behausungen geschuldet. Gerne wird ein Platz nahe eines Flusses oder Sees und im Schatten schöner Bäume hierfür aufgesucht, aber auch an so manchem Bergquell findet man zum Essen und Gespräch zusammen.

...

Besonderheiten im Kontext der Höflichkeit
Ältere und vor allem durchs Alter gebrechliche Personen werden mit Respekt behandelt, bei hohen sozialen Unter-schieden, darf diese Regel aber aufgeweicht werden
Des Weiteren ist es üblich auf ältere Personen zu hören (sofern es im Vernünftigen bleibt). Dies kann dann zu der etwas vertrackten Situation führen, dass eine ältere Person eine Höflichkeit erweist, die man aber eigentlich ablehnen müsste (bspw. Sitzplatz). In diesem Fall sollte man auf das Angebot zwar verzichten, aber dabei immer als Bittsteller auftreten und ab einem ge-wissen Zeitpunkt (2-3 Tāroffschleifen) dem Wunsch tatsächlich (beschämt) nachgeben.
Schwierig wird es, wenn der Gegenüber sein höheres Alter als Argument aufführt (was erst ab einem Altersunterschied von mindestens 5 Jahren überhaupt in Erwägung gezogen wird). Hier muss man schnell in die Verteidigungshaltung gehen, denn es könnte so ausgelegt werden, dass man die Erfahrung und Weisheit des Anderen nicht anerkennt. Zu diesen Zweck betont man, dass man genau diese schätzt und es einem widerstrebt hier anderer Meinung zu sein. Man muss dann Argumente aufführen, die noch über dem Respekt vor dem Alter stehen und einen zwingen genauso zu handeln (tradierte kulturelle Bräuche; „Das gebietet der Anstand“). Im besten Fall dreht man gar den Spieß um und behauptet, dass gerade um seinen Respekt gegenüber dem Älteren auszudrücken man genauso agieren muss und so die Unabwendbarkeit seiner Handlung auf Pflicht und Anstand stützt: Ihr raubt mir, dem Geringeren, so die Möglich-keit meinen Respekt und meine Achtung vor euch zu beweisen.
Es ist nicht zulässig einer (freundschaftlich) bekannten Person in unmittelbarer Nähe den Rücken zuzuwenden. Ist das nötig, dann entschuldigt man sich im Vorfeld oder fragt im besten Fall vorher nach, ob dies erlaubt ist. Begegnet man sich auf der Straße, dreht man solange der Person das Gesicht zu bis man wieder eine ausreichende Distanz eingenommen hat. Diese Geste ist den Regel der Geselligkeit geschuldet, denn einer Person den Rücken zuzudrehen heißt sie als potentiellen Gesprächspartner seiner selbst oder gar eines ganzen Personenkreises auszuschließen.
Möchte man etwas von einer anderen Person, fragt man nicht direkt danach, sondern zeigt sein Interesse in dem man bspw. auf den Gegenstand blickt oder den Bedarf nach „einer“ Leistung beschreibt. So kann der Gegenüber selber entscheiden ob er diesen Dienst für den anderen leisten möchte und gibt ihm dadurch Gelegenheit, das anbietende Tāroff zu praktizieren.
Körperliche Nähe ist bei Tulamidistani nicht ungewöhnlich auch wenn kein sexuelles Interesse besteht. Das geht weit über die höfliche Distanz eines Mittelreichers hinaus oder besser heran. Bei verheirateten Personen, sollte man sich dagegen in Zurückhaltung üben oder ein sehr gutes oder familiäres Verhältnis zum Ehepartner der Person aufweisen.

Begrüßung
Bei der Begrüßung gibt es zuweilen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Grundsätzlich „spiegeln“ Männer die Begrüßung, während Frauen die Begrüßung festlegen. Hinsichtlich der Reihenfolge wer die Begrüßung festlegt gilt: Frau vor Alter (vor Mann). Diese Regel gilt aber sehr selten unter jungen Erwachsenen und noch seltener unter Verwandten. Da sind mehrere Arten der Begrüßung und mindestens der Austausch von Wangenküssen der Regelfall.
Männer grüßen häufig, in dem sie ihre rechte Hand auf die Brust, über ihr Herz halten und sich leicht bis tief verbeugen (je nach Respekt für die andere Person). Man sollte sich allerdings nicht unnötigerweise zu tief verbeugen, sonst gilt man als Bückling. Diese Art der Begrüßung kann auch aus der Distanz wahrgenommen werden. Sie gilt als neutrale Form und ist immer richtig. Sie kann mit den anderen Begrüßungen in beliebiger Reihen-folge kombiniert oder gar wiederholt werden.
Grüßt eine Frau aus der Distanz senkt sie höchstens kurz den Blick oder nickt dem Gegenüber zu, ansonsten grüßt sie aufrecht. Auch diese Begrüßung kann, wie ihr „männliches“ Äquivalent, mit anderen Begrüßungen kombiniert werden
Bei Begrüßungen unter Freunden, Vertrauten und Verwandten oder einfach herzlicheren Begrüßungen werden im Regelfall Wangen-küsse ausgetauscht. Dies erfolgt auch geschlechtsübergreifend, wobei hier das anfangs Genannte gilt.
Die Frau reicht ihre Hand oder beugt sich vor, um zu signalisieren, dass sie diese Art der Begrüßung erlaubt. Gewährt sie keine intensiveren Begrüßungen, wird das nicht als unhöflich erachtet, doch stellt das, abseits älterer Damen, eher die Ausnahme dar.
Grüßen sich zwei unvertraute Frauen, legt die ältere Frau die Begrüßung fest
Wurde die Begrüßung festgelegt, wird sie vom Gegenüber erwidert. Es ist also nicht zulässig selber Wangenküsse zu geben, aber dann keine zu empfangen
Kinder stehen gänzlich außerhalb dieser Rituale. Im vertrauten Rahmen ist es üblich sie hochzuheben, sie zu umarmen und ihre Wangen, sowie ihre Stirn zu küssen. Kinder selbst haben die freie Auswahl wie sie grüßen und eine Verweigerung ihrer Begrüßung ist extrem ungewöhnlich, unabhängig vom Geschlecht

Weitere Höflichkeitsregeln
Sitzt man auf dem Boden ist es unhöflich (ungefragt) seine Beine auszustrecken (man nimmt somit anderen Personen evtl. die Möglichkeit sich in der Nähe hinzusetzen)
Man dankt vor dem Essen seinem Gastgeber für seine Mühen und entschuldigt sich, dass man ihm diese bereitet hat. Nach dem Essen lobt man noch einmal die Kochkunst des Gastgebers und betont wie satt man doch geworden ist
Wurde Fleisch gegrillt ist es üblich die erste Portion seinem Gast anzubieten und zwar unmittelbar nachdem man es vom Feuer geholt hat. Der Gast reißt je nach Schmerzem-pfinden ein Stück direkt vom Spieß (wenn es sich um Fleischstücke handelt sind diese mundgerecht zurechtgeschnitten) oder ver-wendet dafür Brot und verzehrt das Stück zeitnah. Danach wird vom Gast ein Urteil erwartet, dass in der Regel positiv ausfällt, außer das Fleisch ist nicht durch, dann darf dies höflich angemerkt werden
Beim Betreten eines Hauses zieht man die Schuhe immer aus, auch wenn der Gastgeber sagt, dass dies nicht nötig sei (Tāroff!), denn quasi alle tulamidischen Häuser sind mit Teppichen ausgelegt. Einzige Ausnahme sind überdachte Terrassen, da sollte man prüfen wo die Schuhe abgestellt wurden und zuweilen (wenn auch nicht immer) Empfangssäle in Palästen etc.
ChangelogShow
15.05.2019: Bräuche und kultische Handlungen
17.05.2019: Sprache ergänzt
27.05.2019: Gebäude - Disi Tsarah
03.06.2019: Neugliederung mittels Aufklappen, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen
17.06.2019: Riten und Götterwelt getrennt. Sport&Spiele ergänzt
18.06.2019: Sur-Khaneh ergänzt
10.03.2020: Hochzeit ergänzt
07.06.2020: Mystik ergänzt
07.07.2020: Umfangreiche Gesamtüberarbeitung (u.a. Pflanzen und Astronomie & Astrologie)
24.07.2020: Update Forenversion (Formatierung ausstehend)
Zuletzt geändert von Shirwan am 18.11.2020 23:07, insgesamt 18-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Baal Zephon » 14.05.2019 09:35

Vielen Dank für den Beitrag! Ich werde sehen ob ich davon einiges für meine Darstellung von Tulamiden verwenden kann, auf jeden Fall eine wundervolle Inspiration!
Ich finde auch die Göttersicht interessant, wenngleich ich die wohl nicht 100% übernehmen werde, aber vor allem die Stellung von Praios finde ich interessant. Auch die Idee von Maha Bor mit Chol’iadrim einen Diener des Namenlosen besiegt und sich zu willen gezwungen hat, finde ich sehr gut da sie für Götterfürchtige Tulamidische Dämonenbeschwörer einen wichtigen Präzendenzfall schafft dass es durchaus vertretbar ist die Diener des Bösen zu Unterwerfen und für seine (guten) zwecke einzusetzen.
Ein Herz für Dämonen!

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Ungelesener Beitrag von Horasischer Vagant » 14.05.2019 10:06

Auch von meiner Seite ein Danke für die Inspiration!
Für mich war vor allem die Essenskultur interessant!
Bei der Göttersicht bleibe ich bei der offiziellen Satzung!
Besuche mit Deinem Helden das Shaya´al´Laila in Zorgan (offenes RP)

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.05.2019 19:30

Hallo liebe Community,
ich freue mich sehr über die positive Resonanz eurerseits, vielen Dank dafür. Diese hat mich nun motiviert doch noch ein paar weitere Texte zu verfassen.
Als erstes "Addon" dachte ich mir etwas über die Bräuche zu schreiben. Viele dieser Bräuche finden in der Realität ihren Ursprung im Mittelalter oder sogar aus der Antike und sind damit recht schnell in die DSA Welt zu adaptieren. Die Texte habe ich oben im ersten Beitrag ergänzt.
Falls ich euch dann nicht auf die Nerven gehe, wollte ich noch was über die Sprache schreiben, wobei ich sagen muss, dass ich kein Freund des extensiven Gebrauchs von Fremdworten im Rollenspiel bin (die auch keiner versteht). Meine Lösung sieht da etwas anders aus...

@Baal Zephon und @Horasischer Vagant ,
ich freue mich dass es euch gefallen hat. Das mit den Göttern kann ich total nachvollziehen. Mein Ansatz war auch einfach darüber zu schreiben, ob und wie weit man sich dessen bedient ist natürlich jedem selbst überlassen.
Mich persönlich stört halt die fast feindliche Einstellung gegenüber Praios (die wie gesagt in der Realität genau gegenteilig war, siehe Mithras und Ahura Mazda), der Umgang mit Drachen und Drachenkinder (wie Kor) in einer tulamidischen Glaubenswelt und die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.

Viele Grüße
Shirwan

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hexe
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Ungelesener Beitrag von hexe » 15.05.2019 21:09

Shirwan hat geschrieben:
15.05.2019 19:30
die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.
Liegt wohl vor allem daran, dass die Hintergründe dazu vergriffen sind. Warum Feqz der Hauptgott ist wird geschichtlich sehr breit erklärt: kurz: nächtlicher Kampf gegen die Echsen. Die Sonne macht Echsen halt schneller. Auf der Erde musste niemand im persischen Raum eine hochmagiebegabte Echsenrasse vertreiben um Land zum Siedeln zu haben. Und 1000 Jahre später kamen die Eroberer aus dem Westen und brauchten diesen Sonnengott wieder mit. Natürlich verehrt man den nicht... Es lohnt auch ein Blick in die Dunkle Zeiten Box. Die Verehrung der Götter ist in Tulamidistan von Zorgan bis Selem eben sehr verschwinden, fast schon von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Und dann findet man in einer Stadt Borontempel der beiden Riten, die sich gemeinsam um die über 3000 Jahre Grabanlagen in den Felsen kümmern. Deine Götterwelt könnte in einem Dorf so sein, aber woanders definitiv nicht. Auch weil die Götter in weiten Teilen Tulamidistans sehr unterschiedlich verehrt werden. Daneben gibt es eben 'den Tulamiden' genauso wenig wie 'den Europäer'. Ein Sami und ein Grieche haben nicht so viel gemeinsam...

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Ungelesener Beitrag von Grakhvaloth » 15.05.2019 21:26

Wundervoller Beitrag! Dankeschön.

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Ungelesener Beitrag von Sarafin » 15.05.2019 21:31

Ich habe noch nicht alles gelesen, aber was ich gesehen habe gefällt mir super klasse! Dankeschön. :)
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 15.05.2019 23:40

Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)

Zurück zum Essen:
Darüber ist schon ziemlich viel publiziert worden, und da DSA langsam und unter Einwirkung vieler Autoren gewachsen ist, und die tulamidische Kultur Anleihen aus mehreren verschiedenen irdischen hat, ist es ziemlich vielfälig.

Entweder von Hadmar oder von Bernhard Hennen aus der Frühzeit von DSA kommt wahrscheinlich, dass Tulamiden, Novadis und Al'anfaner allesamt Hund essen. Vermutlich eine Anleihe aus der phönizisch-karthagischen Kultur. Und immer gut geeignet, um Mittelreicher, Thorwaler und deren Spieler zu schockieren. :ijw:

Ja, das was du beschreibst mit dem Essen am Boden im Schneidersitz, ungewohnt und unbequem für Mittelreicher, das eignet sich auch sehr schön für den kulturellen Kontrast. Wir haben dazu, glaube ich, auch zwei aventurische Zitate in LdES, wo der Mittelreicher sich ekelt, dass die Tulamiden mit den Fingern essen, und der Tulamide verächtlich meint, die Mittelreicher müssen eben mit Löffeln essen, weil sie sich nie die Finger waschen. Die Füße waschen sie sich ja auch nicht, sie ziehen ja nichtmal die Schuhe aus wenn sie ins Haus gehen. :) Zumindest für reichere Haushalte sind aber auch niedrige Tische mit Sitzkissen drumherum beschrieben; das Tischtuch auf dem Boden würde ich eher Novadis oder Bauern zuordnen.

Ein häufiges Missverständnis unter Spielern ist, zumindest die Novadis, oder alle Tulamiden, würden Alkohol ablehnen. Das ist nicht so. Kann man natürlich machen, dass der eigene Held überzeugter Antialkoholiker ist. Aber sowohl Novadis als auch zwölfgöttergläubige Tulamiden trinken Wein und Palmwein. Schnaps dagegen ist nicht üblich, obwohl es einen Raki-entsprechenden Anisschnaps gibt, und Bier auch eher nicht. Tee ist aber klar sehr beliebt, das Charaktergetränk der Gegend, und zudem ein wichtiger Exportartikel.
Abweichend von dem, was der Durchschnittsdeutsche sich unter orientalischem Essen vorstellen mag, gibt es auch kein Schweinefleisch-Verbot, sondern im Gegenteil gerne Selemferkel.

Was Reis angeht: Da schlägt wieder das Zusammengewurstel verschiedener Hintergründe zu. Reis wächst am unteren Mhanadi und in Thalusien. In Aranien und Mhanadistan ist es entweder kühler oder trockener, und dort haben sie hauptsächlich Weizen und essen mehr Brot als Grundnahrungsmittel. Safran muss früher mal sehr beliebt gewesen sein, ist aber seit Borbarad kaum mehr zu bekommen und furchtbar teuer (kommt aus dem Amazonengebiet bei Beilunk), und wird von findigen Fälschern durch Färberdistel ersetzt.

Sonstige kulinarische Kuriositäten:
Die Tomate stammt ursprünglich aus Thalusien und soll Silem-Horas' kostbarste Kriegsbeute gewesen sein. :) Würde heute wohl kein Pasta-begeisterter Horasier glauben.
Die aventurische Gewürznelke kommt aus der Gegend von Unau und aus Thalusien ("Shadifnägelchen") und wird demnach wohl ein Charaktergewürz der tulamidischen Küche sein.
Die Merach-Frucht, für die ich keine irdische Entsprechung kenne, ist irgendwie total lecker, aber giftig wenn zusammen mit Alkohol genossen.
Die Menchalblüte (dito) soll als Gewürz irgendwie umwerfend köstlich sein, und ihr Duft lockt Dschinne an.

Es stellt sich natürlich noch die Frage, ob die Familie mit Gästen gemeinsam isst, oder nur der Hausherr, während die Frau(en) von den Männern getrennt essen. Für Novadis ist das - glaube ich - als getrennt gesetzt; für Stadtstaatentulamiden schlage ich es jetzt nicht nach.

Was die Götterwelt angeht: Dazu hat Hexe ja schon das Wesentliche gesagt. Man muss auch da bedenken, dass DSA im Lauf der Zeit gewachsen ist. Als die Tulamiden eingeführt wurden, war zu Echsen, Bosparanern und Frühzeit noch wenig gesagt, und die Vorstellung, dass die Zwölfgötter vielleicht nicht immer so gesetzt und unumstößllich waren, war wohl noch nicht aufgekommen. Dass die einwandernden Bosparaner gar nicht alle Zwölfgötter kannten und zB Phex erst von den Tulamiden übernahmen, die umgekehrt Peraine oder Travia überhaupt nicht kannten, oder die inwzischen vergessenen Stadtgottheiten (wie bei den alten Sumerern), das ist alles im Lauf der Jahre und Editionen erst dazugekommen.
Ebenfalls zu bedenken: Hela-Horas hat einen blutigen und zutiefst rassistischen Vernichtungskrieg gegen die tulamidische Kultur geführt, allerdings ohne die - damals noch ganz neue - Zwölfgötterreligion durchzudrücken, weil sie sich selber als Göttin sah.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der Namenlose den frühen Tulamiden unbekannt war, bevor sie auf die Bosparaner trafen, oder dass er zumindest in ihrer Götterwelt keine nenneswerte Rolle spielte. Denn weder Novadis noch Ferkinas heute kennen ihn oder beachten ihn groß, und auch für die früh von den Urtulamiden abgespaltenen Trollzacker spielt er mW keine zentrale Rolle. Aber ich weiß nicht, ob in der Dunkle-Zeiten-Box dazu was gesagt ist.

Eine mythisch-religiöse Eigenheit, die ich gerne mag, ist übrigens noch die Legende von Zulhamid&Zulhamin als Stammeltern oder Tierkönigen der Menschen. Sollten die Menschen einen Tierkönig haben wie andere aventurische Tierarten auch, könnte der im Raschtulswall immer noch irgendwo rumlaufen. :)

Mahlzeit!
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Ungelesener Beitrag von Heldi » 16.05.2019 01:44

Herausragend! :6F:

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 17.05.2019 15:24

Hallo @Heldi auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Ich habe nun, wie schon angedroht, etwas über die Sprache geschrieben. Da liegt aber glaube ich noch was vor mir :lol: Ich hoffe es gefällt euch.
Der neue Text ist am Ende des ersten Beitrags.

@chizuranjida Wow, vielen Dank für die Zusammenstellung aus LdeS! Ich versuche bei Zeiten, dir mal darauf zu antworten. Allerdings vorab: Mein Ziel war es etwas mehr als nur das bisher Bekannte zur Kultur der Tulamiden beizusteuern und auch mal ein paar Sachen kritisch zu hinterfragen. Das war in Regionen wie dem Horasreich und Thorwal ja in der Vergangenheit auch möglich. LdeS und Raschtuls Atem sind, würde ich vermuten, ca. 15 Jahre alt und außerhalb von Aranien, ist nach meinem Empfinden nicht gerade viel dort passiert und auch kein neues Material geliefert worden...

Viele Grüße
Shirwan

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 22.05.2019 23:56

chizuranjida hat geschrieben:
15.05.2019 23:40
Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet). Neben Nohrus wird auch die Yaldanacht noch gefeiert, die meisten anderen "heidnischen" Feste (Mehrgan etc.) werden nur noch von sehr wenigen zelebriert. Das Nohrus Fest wird über mehrere Temperaturzonen, im Kaukasus, am Schwarzen Meer und vereinzelt überall im Nahen Osten gefeiert (hauptsächlich natürlich von iranischen Völkern). Deswegen kann ich den Bezug zur Schneeschmelze nicht nachvollziehen, zumal dies auch nicht der Grund des Festes ist. Die von mir oben genannten Traditionen beziehen sich auch auf Nohrus und die Yalda-Nacht. Mindestens die Traditionen der Yalda-Nacht sollten uns bekannt vorkommen Während es draußen dunkel und kalt ist, sitzt man mit seiner Familie im wärmenden Licht.
Ich habe die Yalda Nacht auf die namenlosen Tage gelegt, weil ich das vom mythologischen Kontext noch sehr passend finde (Finsternis wird durchs Licht besiegt). Eigentlich läge das Fest auf dem 1. Firun (Wiedergeburt der Sonne, scheint in Aventurien aber auch so zu heißen). Da Nohrus den Anfang des Jahres darstellt, wurde dies nun auch kurzerhand auf den 1.Praios verlegt (eigentlich wäre es Ende Phex). Ich betrachte das nicht als Fest das "primitive" Kulturen angehen, wenn dem so wäre, müssten wir wahrscheinlich die Hälfte unserer Feiertage (darunter Weihnachten und Ostern) streichen, da sie dort ebenso ihren Ursprung haben. Der 1. Praios (Sommersonnenwende) wird des Weiteren definitiv in Aventurien gefeiert.
Falls dich die iranische Mythologie/Religion interessiert (wobei ich mich nur bei Satinav, Praios, Kor und Marbo an dieser orientiert habe) gucke ich gerne mal, ob ich was im Internet für dich zusammen suchen kann.

Bezüglich des Essens: Vielen Dank nochmals für deine Mühen. Ich muss mir immer an den Kopf fassen, wenn Kurkuma mit Safran gleichgesetzt wird (Banausen!) und dass diese die Trockenheit liebende Krokuspflanze ausgerechnet bei den Amazonen wachsen soll und das nur weil der Name der Burg Kurkum so gut passt... Nun ja es ist und bleibt eine Fantasywelt. Insgeheim hoffe ich nun, dass findige tulamidische Händler es geschafft haben in den 10 Jahren der Besetzung Kurkums die Pflanze bei sich zu kultivieren, meinetwegen auch mit chimärologischen Experimenten, die dazu führen dass man diese Pflanze nur in 2 Wochen im Herbst ernten kann...wenn es da nicht regnet...Aber die bisherige offizielle Setzung ist tatsächlich so, dass diese Pflanze nur bei den Amazonen wächst, danke für den Hinweis (ich hatte es tatsächlich vergessen).
Das mit den dreckigen Füßen, sehe ich kritisch. Das mag bei einer nomadischen Lebensweise 100% der Realität entsprechen, aber bei sesshaften Tulamiden, ist es schwer den Dreck aus den Teppichen zu bekommen (und das mein ich Ernst :wink: )
Bzgl. des Namenlosen: Ich glaube die mhanadastanischen Tulamiden oder sagen wir mal die Nicht Novadi Tulamiden sollten nach meinem Verständnis schon den Namenlosen (als Bösen) kennen. Zumindest wurde er schon seit ich mich erinnern kann in den Publikationen immer Iblis* genannt, was mich zumindest vermuten lässt, dass das Prinzip bekannt ist. Im dunklen Zeiten Teil konnte ich nach einer schnellen Durchsicht auch nicht erkennen, dass das "Prinzip" des Namenlosen unbekannt wäre.
*Ich persönlich fand die Philosophie des Iblis im Islam immer schon interessant.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 27.05.2019 23:46

So, ich habe noch das Disi Tsarah aus meiner Kindheit ergänzt :D Ich glaube, das kann man als Meister gerade in den Großstädten gut verwenden.
Ich überlege noch das Haus der Stärke nach DSA zu übertragen, reizen würde ich es mich schon, ich glaube nur, dass es zu wenig Interessenten gibt :/

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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 23.06.2019 02:17

Vielen Dank für die detailierten Einblicke!!

Und für mich, der gerade erst seine Liebe zu den Tulamiden entdeckt hat, äußerst interessant und lehrreich. Gerne mehr davon!!
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 26.06.2019 22:44

@Thorgrimm_Faenwulfson Sehr gerne! Spielst du denn auch einen Tulamiden und wenn ja von wo?
Mir gehen aber langsam die Ideen aus, was man noch so brauchen könnte :lol: Gibt es Vorschläge? Bei der Sprache wollte ich noch was nachliefern, muss mir dafür aber mal Zeit nehmen...

Update:
Sur Khaneh (unter Gebäude)

Ich habe das in leicht abgewandelter Form, mal als Korgottesdienst verwendet (da kann man auch mal schön martialische Trommelklänge abspielen...). Unser Korgeweihter war nach dem zwanzigsten Blutritual echt genervt und fand das dann erfrischend neu. Da hat er sogar mal einen Sinn im Gottesdienst gesehen. Die Mils musste ich allerdings zu Zweihandhiebwaffen vergrößern :)

Tasmeh-Tasmeh (Sport & Spiele)
War ganz gut, um mal den Kontrast zwischen Stadt und Land zu zeigen und warum Tulamiden gute Ringer sind :).

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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 27.06.2019 22:42

@Shirwan Nachdem wir mit der Erstgruppe Staub und Sterne gespielt haben, war ich von Khunchom dermaßen begeistert, dass der Funke, den unser Meister versprüht hat, bei mir dir Flamme ausgelöst hat. Unsere Zweitgruppe hat nun einen Tulamiden aus Khunchom, weil ich da einfach schon mal einen Anhaltspunkt hatte. Dank deiner ausführlichen Beschreibungen sind nun noch etliche Punkte (wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen) dazugekommen sind und mein Tulamide nicht nur aus "Ja Sahib" besteht...
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 28.06.2019 10:55

Shirwan hat geschrieben:
13.05.2019 22:59
Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer.
Das ist eigentlich ein interessantes Thema, weil ich mich gerade bei den (neuzeitlichen) Tulamiden etwas schwer damit tue, sie genauer einzugrenzen und auf eine irdische vormoderne Kultur zu übertragen.

Bei den Rastullahgläubigen/Novadis ist es das noch ziemlich einfach - da kann man einfach sagen "orientier dich an mittelalterlichen Arabern", und dann hast sie schon getroffen - wobei die Religion eine große Rolle spielt. Bei Tulamiden ist das nicht mehr so einfach, wobei auch eine Rolle spielt, dass es abgesehen von Aranien (das sich aufgrund seiner Sozialstruktur dem Vergleich mit einem irdischen Gegenstück stärker entzieht als andere Kulturen) kein größeres tulamidisches Reich gibt und damit so etwas wie eine einigermaßen feste Ordnung, sondern eigentlich nur Stadtstaaten.

Irgendwie konnte ich sie außer "irgendwie orientalisch" kaum festnageln; aber letztlich habe mich für die Interpretation "Libanon/Phönizier" entschieden (dass dort die stärkste christliche, d.h. nicht-muslimische Präsenz war, hat auch dazu beigetragen). So wie die Güldenländer quasi Europäer (Deutsche/Franzosen/Italiener/Polen/Spanier/Engländer/Schotten/Iren etc.) sind, die halt nur auf dem Weg ins Mittelalter irgendwie ihre alte polytheistische Religion behalten haben; sind die Tulamiden Levantiner, auf die das gleiche zutrifft.
Shirwan hat geschrieben:
22.05.2019 23:56
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet).
Ich vermute mal, weil letzteres wohl die englische Transkription ist, was immer wieder Spielraum für Unklarheiten gibt.
Eine Bekannte afghanischer Herkunft hat sich beispielsweise mal darüber aufgeregt, dass in Deutschland nicht Qunduz, sondern Kundus geschrieben wird, wobei ihr in dem Moment wohl entgangen ist, dass ja auch Qunduz nur eine Enlehnung sein kann :ijw:
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 27.04.2020 00:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von hexe » 28.06.2019 11:08

Aranien hat auch wieder Einflüsse aus dem Indischen. Also zwischen Zorgan und Selem gibt es eine ganze Menge verschiedene Tulamiden, die man 'Orientalen' zwischen Südspanien, Nordafrika und Sri Lanka nennen könnte. 'Die Perser' würde ich eher in den Raum um den Mhanadi einordnen. Große uralte Städte, fruchtbares Land am Fluss und so weiter.
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 00:12

@Thorgrimm_Faenwulfson Sowas zu lesen freut mich sehr. Ich finde es auch schön, dass du dich gerne mit anderen Kulturen auseinandersetzt. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass manche Sachen obskur erscheinen müssen. In diesen Fällen aber neutral und offen darauf zuzugehen, finde ich eine sehr schöne Eigenschaft.

@DnD-Flüchtling ,
Ja ich finde das Thema auch sehr spannend! Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Bei einigen Kulturen wurde schon von der Redaktion vorgegeben, welchen irdischen Anleihen sie entsprungen sind. Bei manchen kann man es sich herleiten.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.

Bzgl. der tulamidischen Kulturen:
  • Aranien: Aranien ist recht eindeutig mit Indien gleichzusetzen, wurde auch im Rahmen von DSA5 so bestätigt. Genauer ist es das Indien unter der frühen Herrschaft der Mogule, deren Ursprung ja bei den Persern/Khorasani lag (das frühere Khorasan war wiederrum das Kerngebiet der Parther). Persisch war dort Hofsprache. Staatsverwaltung, Architektur, Militärwesen etc. waren lange Zeit persisch/khorasanisch geprägt. Weitere Parallelen sind bspw. der Pfauenthron (Takht-e Tavooz) oder die aus dem persischen stammenden Städtesuffixe (-abad, -khand) und auch Babur (persisch = Tiger), der allerdings in der realen Welt der erste Mogul war und viele weitere.
  • Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
  • Novadis: Das sehe ich so wie du.
  • Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
  • Mhanadastani: Ganz klar persisch (bzw. eher iranisch) orientiert. Hier kann man sich über viele verschiedene Epochen und Dynastien hinweg orientieren (Parther, Sassaniden, Abbasiden und Safawiden, allerdings ohne den Islam). Es gibt aber auch viele Elemente der Turkvölker (die auch bei den Abbasiden viel Einfluss hatten, vor allem später). Bitte beachte, dass selbst im heutigen Iran dutzende von Kulturen existent sind. Wenn du einen Gilani mit einem Khorasani vergleichst, wirst du dich im Iran sehr unbeliebt machen :lol:
  • Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
  • Thalusa: Leider keine Ahnung.
Ja, das mit Nouruz stimmt schon, das macht die an sich schon schwere Überführung in lateinische Buchstaben noch schwieriger. Haha, das mit dem Ghain was du meinst, ist aber auch echt doof, da gibt es wirklich nichts Vergleichbares im Deutschen. Ich bin da auch die abstrusesten Klänge gewohnt :lol: Aber selbst Araber und Perser sprechen das gefühlt unterschiedlich aus.

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 02:12

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Was letztlich auch eine Folge der Aufmerksamkeit ist, die der jeweiligen Gegend gewidmet wurde; bei sehr vielen Völkern kam es ja auch erst im Laufe der Zeit zu einer Identifikation: Wenn ich mir die Spielhilfe von 1985 mit rudimentärsten Informationen anschaue, dann waren Neu- und Altreicher generische Europäer - wobei Albernia allerdings schon sehr früh einen irischen Einschlag hatte, zumindest wenn man den irisch klingenden Namen des Fürstenhauses als Indikator heranzieht.
Die Bornländer hatten ein vages polnisches Element (die Adelsrepublik), die Thorwal-Piraten (nicht. Thorwaler!) waren schon ganz gut als Wikinger zu erkennen, die Khom-Nomaden (nicht: Novadis!) wurden als Wüstenbewohner beschrieben und bekamen den Rastullahglauben aufs Auge gedrückt, die Tulamiden gab es de facto noch gar nicht als eigenes Volk - die wurden kurzerhand mit Meridiana unter "Fasar, Rashdul und die südlichen Stadtstaaten" zusammengefasst und wie folgt beschrieben: "Die Bevölkerung Fasars und Rashduls (Anmerkung: die anderne Städte fallen alle unter den Tisch) stellt eine Mischung aus Wüstennomaden und Auswanderern aus dem Mittelreich bzw. den südlichen Stadtstaaten dar".

In der Anfangsphase gaben auch die Abenteuer auch kaum etwas her, wenn es um die kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gegenden geht - einzig bei Nedime (wo Ulrich Kiesow ziemlich offensichtlich so in Richtung Wilhelm Hauff/1001 Nacht gehen wollte) bist du das ganze Abenteuer über ziemlich eindeutig in einem orienatlischen Setting; aber bis zum nächsten Abenteuer in der Gegend (Wie Sand in Rastullahs Hand) durfte man bis 1989 warten ("Der Streuner soll sterben" war im Grunde genommen sehr generisch und hätte auch sonstwo in Aventurien stattfinden können). Faktisch gab es also bis zur Khom-Box bis auf zwei Abenteuer und ein paar Zeilen zum Novadi als Heldentyp (Tulamiden gab es wie gesagt damals noch nicht) kaum Material; ich vermute mal, dass man sich erst in den Nuller Jahren - also 20 Jahre nach dem Entstehen von DSA! - so richtig dran gemacht hatte, die Gegend zu beschreiben.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Also, die iranische (und indische) Antike würde ich am ehesten im Diamantenen Sultanat verorten. Wobei hier natürlich eingewendet werden muss, dass man da außer DDZ keine beschreibenden Quellen hat und deswegen die eigentlich Identifikation immer irgendwie nebulös bleiben muss.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.
Das mit dem Polytheismus als identifizierendes Element ist so eine Sache; schließlich gibt es in DSA eher selten eine Übereinstimmung zwischen kulturellem Vorbild und religiösem Vorbild. Die Novadis hätten es (kulturell Araber, religiös monotheistischer Islamverschnitt); die Thorwaler haben es (kulturell Dänen, religiös polytheistisch, nordische Einflüsse), die Zyklopäer haben es (kulturell griechische Klassik, religiös polytheistisch, Pantheon); aber so ziemlich alle anderen Güldenländer haben es nicht (kulturell mittelalterliche bis neuzeitliche Europäer, religiös aber trotzdem polytheistisch - römisch/griechische Einflüsse, aber auch Elemente, die an den mittelalterlichen Katholizismus in polytheistischem Kleid erinnern) und für die allermeisten Tulamiden (die man wohl mit allen möglichen Völkern des mittelalterlichen Nahen und Mittleren Ostens identifizieren kann) gälte es dann ebenfalls nicht.
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
Echt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ferkinas afghanische Stämme sein sollten.
Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
Bei Gorien und Hasrabal würde es mich fast wundern, wenn der was anderes sein soll als de böse magiebegabte Sultan/Großwesir aus 1001 Nacht, aber andererseits habe ich die DSA 4-Regionalspielhilfen zu der Region noch nie so richtig gelesen.
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
Fasar wurde in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 als bunte (und extrem chaotische) Metropole beschrieben, die eigentlich keine Zentralautorität hat und in der alle möglichen Völker nebeneinanderher leben. Fast so eine Mischung aus Al'Anfa und einem tulamidischen Stadtstaat. Wenn du das nicht zuordnen kannst, dürfte das wohl auch daran liegen, dass es (ursprünglich zumindest) auch nie so gedacht war.
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wenn ich eine Vermutung in den Raum werfen müsste: Samarkand. Aber, Hand aufs Herz - diese Vermutung hängt einzig daran, dass Fürst Ras Kasan und Prinzessin Shenny in "Der Streuner soll sterben" eindeutig ostasiatische Züge haben. Interessanterweise aber auch nur die, denn der thalusische Haushofmeister sieht - übrigens ebenso wie der Khunchomer Prinz - sehr europäisch aus.
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 29.06.2019 10:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 06:58

Morgen,

cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)

Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.

Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)

Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt. Was ich mit meinem Beitrag sagen wollte, ist schlussendlich also, dass es durchaus polytheistische Ansätze gibt (z.B. bei den Ägyptern, aber auch bei anderen orientalischen Völkern), die man als Vorlage nutzen könnte. Bei Feqz, Rondra und Radscha haben sie eine gewisse tulamidische Prägung versucht, aber so wirklich angenommen und differenziert ist diese nicht (zumindest mein Empfinden, bei Radscha noch am ehesten). Gut bei DSA kommt dazu, dass die Götter tatsächlich real sind und die wichtigsten in Alveran hausen. Aber das hat ja Brazorak, Ögnir (Loki) und Co ja auch nicht abgehalten ;)

Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.

Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat. Mittlerweile, gerade mit seiner eigenen Rechtsschule, seiner offenen Religionspolitik, seinen zahlreichen Söhnen in Herrschaftsämtern, der Heirat in den Altadel durch Eshila oder durch seine Umtriebe in Chalukistan bzw. allgemein im Konflikt mit Aranien, sehe, zumindest ich, das differenzierter. Kann mir das aber auch einbilden :lol: Freuen würde es mich. Gorien hat viel Potential, auch wenn die Aktion mit Anchopal schon ziemlich fies war :lol:

Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 11:59

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)
Danke, aber gerade DSA lädt dazu aber auch extrem ein, sich hier in Spekulationen zu ergehen :ijw:
Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.
Das ist aber auch ein Problem im System: Der Kontinent ist klein, und viele Kulturkreise sind extrem randständig gehalten (vor allem nichteuropäische - der tulamidische Raum versucht ja offensichtlich, sehr viele und teilweise auch sehr disparate Kulturen abzudecken, und ist dafür im Grunde einfach nicht weitläufig genug).
Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)
Das war wahrscheinlich auch deswegen der Fall, weil es da noch keinerlei genauere Beschreibungen gab, und sich hier Spezialisten nach Lust und Laune austoben konnten. Tulamiden/Novadis dagegen? Da musste 1990 nun mal eine Box raus, und man hatte für diese Aufgabe halt nur Hobbyautoren, die vom Nahen und Mittleren Osten noch weniger Ahnung hatten als vom europäischen Mittelalter (und das Internet gabs auch nicht...) - und darüber hinaus vermutlich nicht einmal eine konkrete Vorstellung, was der Landstrich darstellen sollte, siehe unten.
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das ist mit ziemlicher Sicherheit so.
Wobei ich allerdings unterstelle, dass das auch daran liegt, dass (a) der Zwölfgötterglaube damals quasi "default" war (von den Menschen bekamen in der Frühzeit nur die Mohas, die Novadis und die Nivesen eine eigene Religion verpasst; und die wurden ja auch mehr oder weniger eindeutig als "falsch" beschrieben) - und dass sie gerade mit den Tulamiden damals nicht wirklich etwas anfangen konnten: Die wurden ja erst in der Khom-Box überhaupt als spielbares Volk eingeführt; und als eigener separater Heldentyp nie (du konntest in DSA 2 und DSA 3 einen tulamidischen Händler, Krieger, Gaukler etc. spielen... aber keinen Tulamiden, wie du einen Novadi/Thorwaler/Moha/Nivesen/Norbarden spielen konntest).

Ich vermute, dass sie sich überhaupt erst so richtig Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Tulamiden ausgestalten sollten, als sie die Khombox rausbrachten. Wenn man sich zB die frühesten Beschreibungen der tulamidischen Stadtstaaten (Khunchom, Rashdul, Fasar, Thalusa) in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 durchliest, werden zwar die Novadis, aber nicht die Tulamiden als Volk erwähnt (wobei man die in den allgemeineren Regionalabschnitten findet), und die Tempel sind fast durchgehend Präsenzen der Zwölfgötter (gelegentlich auch Rastullah und sogar Rur & Gror) - was zwar zur früheren Identität der tulamidischen Stadtstaaten als multikulturelle Schmelztiegel passte, sich aber nicht dazu anbot, ihnen nachträglich eine eigene Identität auch in religiöser Hinsicht zu verpassen. Die ist dann eher im Laufe der Zeit gewachsen.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt.
Was ich persönlich auch als eine der gelungensten Entwicklungen des Thorwaler Raums empfinde (einen Loki-Phex hätte ich mir allerdings auch gewünscht statt einem neuen Gott; zumal der Phex der Historia Aventuria ja deutlich mehr lokihafte Züge hat - aber das dürfte wohl der ursprünglichen Beschreibung des Thorwaler Phexkultes als "Schelm der Götter und Gott der Schelme" geschuldet sein). Allerdings sehe ich ansonsten ehrlich gesagt aber keine großen personellen Überschneidungen zwischen dem nordischen Pantheon und dem der Thorwaler: Swafnir hat zwar die Rolle von Thor als Volksgott, aber ansonsten mit ihm von seinem Machtbereich her wenig gemeinsam. Die anderen Götter (Odin, Freyr, Baldr, Frigg, Hel etc.) haben zumeist entweder tatsächlich kein Gegenstück in der aventurischen Mythologie oder die Thorwaler achten sie nicht besonders (Efferd beispielsweise ähnelt Njörd, und Rondra hat die Attribute Thors, und Freyja ist wohl Rahja am ähnlichsten, aber keinen der drei verehren man im Norden) - es ist mehr das Flair des Thorwaler Pantheons, dass ihre Identität ausmacht.

Bei den Tulamiden stellt es sich - für mich zumindest - so dar, dass man es bei ihnen rückwirkend so festgelegt hat, dass sie eh nie wirklich Zwölfgöttergläubige im strengen Sinn waren, sondern halt diese und einen Haufen anderer Götter verehren; und viele (Phex, Rahja etc.) auch in durchaus kulturspezifischer Form: Insofern sehe ich die tulamidische Götterverehrung als der mittelländischen ähnlich fern wie die thorwalsche.
Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.
Ich muss zugeben, dass ich auf die Kurden nie gekommen bin (trotz Kara ben Yngerymms Reise durchs wilde Ferkinaland); aber die Tendenz der Ferkinas, noch möglichst altertümlich zu leben, erinnert mich tatsächlich in allererster Linie an die Afghanen.
Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat.
In 1001 Nacht hat der Zauberer glaube ich gar keinen Namen und ist auch nicht der Großwesir *gruebel* Damn you Disney!
Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?
Wie gesagt, meine Interpretation hängt ziemlich ausschließlich am Aussehen von Kasan und Shenny; und die islamische Welt des Mittelalters ging ja bis an die Grenze von China, auch wenn Thalusa abgesehen vom Reisbau ansonsten möglicherweise nicht groß mit ostasiatischen Elementen glänzt. Aber: Es ist halt auch blöd, wenn man eine ganze irdische Region in eine einzelne Stadt hineinquetscht.
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 27.04.2020 00:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 12:17

Du sprichst mir in vielen Dingen aus dem Herzen und rennst bei mir offene Türen ein :)
Ich muss dir aber eine längere Antwort schuldig bleiben. Die "harten" Verpflichtungen des Wochenendes rufen :lol:
Dir ein schönes Wochenende!

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 02.07.2019 14:06

Aventurische Fläche: Ja, da ist schon eine riesige Diskrepanz. Aber gab es ja schon ewig lange Diskussionen über die Größe und Bevölkerungszahl Aventuriens, das Fass mache ich hier nicht auf :D Aber ich sehe das genauso wie du! Auch was die Reduktion ganzer Länder auf eine Stadt betrifft.

Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!

Religionen: Da bin ich teilweise anderer Meinung als du. Bei den Thorwalern fand ich es gut, dass man da Nägel mit Köpfen gemacht hat. Es wurden neue Götter, götterähnliche Wesen etc. ergänzt/hervorgehoben (siehe Thorwalsches Pantheon im Wiki) und es gab auch tatsächlich eine öffentliche Proklamation (im aventurischen Boten meine ich). Da hat man unstimmige Elemente abgeschnitten (Echsengötter raus, Rondra als Swafnirs Mutter weg, den güldenländer Praios raus etc.). Man hat auch bestehende Elemente recycelt, so sie denn stimmig waren (Ifirn Stellung im thorwalschen Pantheon). Klar deckt sich das nicht mit der nordischen Mythologie, aber ich fand das Ausmaß ausreichend und die Diffusion dieses neuen thorwalschen Weltbilds sehr gelungen. Da gab es wie gesagt den aventurischen Boten, Online Ergänzungen, aber auch diverse Abenteuer, die sukzessive die Glaubensinhalte vertieft und somit ein stimmiges und höchst individuelles Pantheon geschaffen haben.

In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).

Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.

Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.

Wenn du das Gespräch fortführen willst, sollten wir es vielleicht verlagern. Bin mir nicht ganz sicher, ob es noch ganz den eigentlichen Inhalt des Threads trifft.

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 08.07.2019 21:45

Sorry, gar nicht registriert, dass es hier weitergegangen ist ;)
Shirwan hat geschrieben:
02.07.2019 14:06
Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!
Hatte ich vorher auch nicht, es ist mir nur verstärkt aufgefallen, als ich die alten Abenteuer durchgegangen bin und parallel dazu die entsprechenden Spielhilfen :ijw: Man muss aber auch berücksichtigen, dass so gut wie keine Beschreibung der ersten Jahre heute noch was taugt: Weder der hohe Norden noch das Orkland noch Meridiana etc. hatten in den Anfangsjahren das Look & Feel, das sie später bekommen hatten. Nedime ist da sogar noch ganz gut weggekommen...

Wobei ich nochmal über die Identität der Tulamiden nachgedacht habe: Tatsächlich machen Iraner, insbesondere Perser, hier wohl am meisten Sinn: Sie haben bezogen auf den Orient eine ähnlich dominierende Rolle gespielt wie die Römer im Hinblick auf den Okzident; und dürften dementsprechend auch ein gutes Vorbild für die gegenwärtigen Tulamiden abgeben.
Als Verhältnis zwischen Tulamiden und Novadis würde sich hier als Vorbild dann auch das zwischen Persern und Arabern im (Früh-)Mittelalter anbieten (nur ohne dass letztere die Vorherrschaft an sich gerissen haben): Auf der einen Seite eine alte Hochkultur, die sich den Wüstenbewohnern überlegen sieht; und umgekehrt eine stark religiöse Gesellschaft, die die anderen als Heiden und Ungläubige betrachtet.
Das ethnische Element des Konflikts fällt zwar raus, aber da verhält es sich bei den verschiedenen güldenländischen Völkern ja auch nicht anders.
In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).
Das ist natürlich korrekt, aber die Frage ist letztlich: Was tun? Die Tulamiden sind kulturell und vor allem politisch ja noch disparater als die Thorwaler, weswegen ein ähnlicher Kunstgriff hier auch eher unglücklich wäre. Aber bevor ich nicht nochmal einen Blick in die aktuelle Spielhilfe und die Handhabung der Religion im tulamidischen Raum gelesen habe, halte ich mich hier erstmal bedeckt ;)
Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.
Jup, ich erinnere mich daran, dass im Shahnameh Kabul häufiger erwähnt wurde als die Städte des heutigen Iran ;)
Hier setzt du allerdings Spezialistenwissen voraus, noch dazu aus der Perspektive Afghanistans selbst. Aus einer europäischen Perspektive sind die Afghanen vor allem als quasibarbarisches Bergvolk in Erscheinung getreten, das sich traditionell jeglichen Unterwerfungs- und Zivilisierungsversuchen hartnäckig verweigert hat. Aber: Die Afghanen als Vorbild war vor allem die Interpretation, die sich mir aufgedrängt hat, aufgrund einiger Elemente in der Präsentation der Ferkinas. Die Ferkinas selbst sind mit ihrem Blutkult und ihrer extremen Gewalttätigkeit und Grausamkeit schon extrem speziell und haben sich von eventuellen irdischen Vorbildern ziemlich weit entfernt.
Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.
Ich habe gerade nochmal die Knaur-Version rausgekramt; der Bösewicht wird hier als maurischer Zauberer beschrieben, der sich als Aladins Onkel ausgibt. Ein Name wird dort ebensowenig erwähnt wie die Region, in der die Geschichte spielt.

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 08.07.2019 22:32

@DnD-Flüchtling Kein Problem hatte vergessen dich zu "mention" oder zu zitieren.

Ich würde das Gespräch gerne fortführen, aber ich befürchte unsere Meinungen sind zu nah einander, als dass da wirklich was Neues dazu käme :lol: Bzw. ich kann deiner Argumentation folgen.

Vielleicht bzgl. Kabul: Ja, definitiv. Rostam wurde dort geboren! Und Zal Dastans Liebe zu Rudabeh ist einer der schönsten Liebesgeschichten des Shahnamehs (nach meinem Empfinden) und spielt auch dort. Da darf der Name gerne öfters fallen :)

Tulamidische Götter: Ja, das "was tun" habe ich mich auch schon gefragt :( Mehr Abenteuer die zumindest einige (Flächen-)Gebiete abdecken und sich mit dem Thema beschäftigen wären gar nicht so schlecht für den Anfang.

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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 12.07.2019 01:48

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
(Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
DDZ? Das kenne ich nicht, und gibt es leider nicht als Download. Die Box ist vergriffen und gebraucht sauteuer.
Hat da wirklich jemand Sumerer oder Babylonier oder sowas 1:1 sauber kopiert, ganz ohne Anpassung ans sonstige Aventurien und was schon über Urtulamiden publiziert war? Ich hoffe nicht.

Ich glaube nicht, dass es irgendeine aventurische Kultur oder Gegend gibt, die nur nach einem einzigen Vorbild aufgebaut ist, oder auch nur eine, die je diesen Anspruch hatte. Es geht ja auch gar nicht, denn Aventurien hat nunmal eine andere Gesamt-Geschichte, hat real existierende Götter und damit wahre, mögliche und falsche Religionen, Magie, große Drachen und sowas, Nichtmenschenvölker, etc pp
Ich fände es auch gar nicht sinnvoll, sowas zu versuchen.
Es geht doch um inspirierende Vorlagen für Fantasy-Rollenspiel-Abenteuer. Wenn's nebenbei inneraventurisch stimmig ist, umso besser. Da auch noch eine akkurate Kopie einer irdischen Kultur reinzuwursteln wird eher nicht klappen.

Es hat zB anscheinend mal jemand versucht, einzuführen, die Güldenländer hätten Pferde mitgebracht, und damit die damals pferdelosen Tulamiden überrollt wie die Conquistadores in Mexiko. Dem standen aber die Elfenpferde aus der Phileasson-Kampagne entgegen, und die Orkponys. Also ging das nicht. Sowas muss man immer beachten. (Kamele jetzt mal völlig außen vor.)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen.
Abgesehen von dem Buchtitel "Durchs wilde Mhanadistan" wüsste ich keinen Bezug zu Kurden. Das Reiterspiel Buskurdh beruht auf einem, das in Afghanistan, aber auch weiter in Zentralasien verbreitet ist. Die Namen sind teils aus den bereits vorher bekannten tulamidischen abgeleitet, teils afghanisch oder allgemein indo-iranisch.
Die Technik ist steinzeitlich, HerrIngerimmNochmal. Das als Bezug auf konservative Afghanen zu nehmen ist schon mittelschwer weit hergeholt. Die irdische Bronzezeit begann übrigens mW in einer Mine in Tadjikistan.
Die Magie ist schamanistisch, da mag man auch an zentralasiatische Traditionen (Mongolen, Turkvölker) denken, aber vor allem ist es halt der aventurische Schamanismus, so wie er regeltechnisch und vom magischen Hintergrund gesetzt wurde.
Einiges ist aus den Kulturen der Tulamiden und Novadis rückgeschlossen, die ja alle irgendwie von so einer Art Ferkinas abstammen. ZB haben die Ferkinas die gleichen Bestattungssitten wie die Novadis.
Beim gehämmerten Flussgold und der Teppichkunst mag man an Skythen denken.
Die wilden Horden von Rascha-Anbeterinnen sind griechischen Mänaden nachempfunden.
Die dunklen Filzzelte kommen von tibetischen Nomaden, genauso wie die Grunzochsen/Yaks. Und die Schädelhaufen mit den wehenden Kopftüchern der Erschlagenen auf Passhöhen dürfen auch gerne an diese Steinhaufen mit Gebetsfahnen erinnern, die sie in Tibet, Nepal und da so haben. :)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen.
Zu den Vorlagen zählt mW die Kurzgeschichtenserie Freistatt. Ansonsten natürlich alles, was sich aus Setzungen über Tulamiden allgemein und die aventurische Geschichte ergibt.
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wieder: Die allgemeine tulamidische Kultur ist immer als Grundstock zu beachten, und Anleihen woandersher sind immer nur möglich, wo sie der nicht widersprechen. Samarkand als Wüstenstadt an der Seidenstraße: definitiv nein, Thalusa ist ja eine Küstenstadt. Kleidung und Schiffbau haben möglicherweise einige leichte Anklänge an Bengalen und Indochina. Der permanente Zustand der Hungersnot bei den Tagelöhnern, während zugleich Großgrundbesitzer Reis-Überschüsse für gutes Geld exportieren, folgt mW historischen Vorlagen zB aus Bangladesh.

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu".
Die Thorwaler hatten schon in der DSA2 Spielhilfe Thorwal&Seefahrt einen vom mittelreichischen Zwölfgötterglauben stark abweichenden Glauben vor allem an Swafnir und Ifirn, während Rondra und Efferd nicht als Personen sondern Naturgewalten betrachtet wurden, und einige Götter eher unbekannt waren.

Bei den Tulamiden muss man berücksichtigen, dass Hela-Horas versucht hat, die Kultur auszulöschen, und die Priesterkaiser später haben nochmal ihr Bestes getan, vorherige religiöse Strömungen abzustellen.
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 10:51

zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... also dem Ort, wo im Hochmittelalter Perser, Araber, Türken/Osmanen, Mongolen, Armenier, oströmisches Reich und westeuropäische Kreuzfahrer (fast alle eher in Kleinstaaten organisiert) aufeinandertrafen, und davor die alten Siedlungen (Stadtstaaten) von Sumerern, Babyloniern, Hethitern, Phöniziern u.s.w. lagen.

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.


Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.


Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 15.07.2019 17:30

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...
Mittelalterliche Araber aus den kulturellen Zentren; die ursprünglichen Araber von der Arabischen Halbinsel sind ja bis ins 20. Jahrhundert hinein Beduinen geblieben; insofern passt es schon (es gibt zwar auch bei den Novadis kulturelle Zentren, aber Unau und Mherwed sind halt beim besten Willen kein Gegenstück zu den von den dir genannten Städten - nicht mal im aventurischen Maßstab).
Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.
Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht.
Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Ich bin ja immer noch für Ostasien.

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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 20:27

Ostasien (Phillipinen/Indonesien) hätte ich eher für Maraskan reserviert.

Auch auf der arabischen Halbinsel gab es kulturelle Zentren (Mekka/Medina, Aden, Taizz, Muscat, ...


@Shirwan: Die Licht-Dunkelheit-Geschichte aus dem Zoroastrismus könnte in den Lowanger Dualismus (vor allem in Nostria und im Svellt'schen beheimatet) eingeflossen sein.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.07.2019 21:39

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... .

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Die Fläche des heutigen Irans ist 5 mal so groß wie Deutschland. die des alten Persiens noch deutlich größer. Du hast viele verschiedene Vegetationszonen von fast tropischen Zonen, über Steppe, Gebirge, ausgedehnte Wälder und (Salz-)Wüste. Kulturell und selbst sprachlich liegen bspw. zwischen einem Gilani, Azari und einem Khorasani Welten. Prinzipiell könntest du die meisten Gebiete der Tulamiden im Iran einordnen (bei den Küstenregionen gäbe es tatsächlich nur die Bandari). Aber dennoch gebe ich dir recht, ich würde regional sowas um den fruchtbaren Halbmond herum sehen. Bitte bedenke, dass dort historisch gesehen lange Zeit die kulturellen Zentren der Perser lagen (Bagdad ist eine abbasidische Gründung und von der Etymologie her iranisch und vorher war auch Ktesiphon die Hauptstadt der Sassaniden dort).

Den Raschtulswall als Kaukasus zu sehen find ich charmant, sozusagen als Wiege der Menschheit, ich könnte mir sogar vorstellen, dass das so gedacht war. Dann würden die Ferkina-Kaukasen auch gut dorthin passen. Gefällt mir!
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.
Ja, konsequenterweise hast du recht! Ich wehre mich aber innerlich stark dagegen, weil das so konträr zur Realität ist. Praios kannst du fast 1:1 mit Mithras mit Abstrichen mit Ormazd gleichsetzen. Auch dieser Individualismusgedanke des Phex passt nicht so wirklich zur orientalischen Kultur. Nach meinem Empfinden hat familiärer Zusammenhalt und das Wohl der Gemeinschaft im Orient einen höheren Stellenwert (mit allen Vor- und Nachteilen). Man sieht sich mehr als Teil einer Gemeinschaft, fast wie bei den Norbarden (auch wenn dass dann wieder das Extrem darstellt). Viele kulturelle Traditionen (Nohrus, Sofrehe aghd etc.), Sprichwörter, Aberglauben, ja selbst die Verwendung von Metaphern und Worten an sich beruhen auf der starken Symbolik von Licht und Feuer. Man verbaut sich dadurch mehr als das man passendes gibt. Selbst im heutigen Iran, beginnt das Jahr mit dem heidnischen Nohrus, die Monatsnamen tragen die Namen der Erzheiligen der Parsen etc. Mein Versuch war es Praios zumindest auf einen annehmbaren, verehrbaren Stand zu heben. Klar entspricht das nicht einmal annähernd der offiziellen Satzung, aber für mir erleichtert das Anleihen aus der Realität nach DSA zu adaptieren und bereichert so mein Rollenspiel (und ich würde sagen auch das derjenigen die mit mir spielen). Phex als Hauptgottheit suggeriert bei mir andere, nach meinem Empfinden größtenteils falsche, Assoziationen.
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).
Es gibt mehrere "Schöpfungsgeschichten". Die der Avesta und die aus dem Shahnameh (sehr kurz) kenn ich jetzt recht gut. Da wird das Motiv des Gefallenen eigentlich gerne verwendet. Auch dass sich Aspekte höherer Wesenheiten in Kindern vereinigen ist jetzt nicht unüblich.
Ja, Efferd ist schwierig. DSA gibt Bal Mhanad vor (der ist ja auch bei mir als Sohn drin). Im alten Persien, war das Wasser mit Heilwirkung verbunden und wurde mit Frauen assoziert (Anahita ist die bekannteste Göttin in diesem Kontext). Deswegen habe ich aus Bal Mhanads Mutter Satuaria gemacht, die meines Erachtens gut dahin passt. Inneraventurisch hast du natürlich recht.
Ich wüsste gar nicht ob das Meer von den Persern verehrt wurde. Die Perser selbst waren ja auch nie große Seefahrer. Da aber bei DSA die Tulamiden eine lange Küste haben und trotz Bastrabuns angeblichen Verbot ja Seefahrt betreiben, braucht es wohl einen Meeresgott. Erzdämonen in der "heutigen" Zeit direkt zu verehren finde ich schwierig, wenn auch nicht unmöglich.
Zum Bösewicht hatte ich oben schon was geschrieben, das bleibt bei mir drin :). Der Namenlose und Pyrdacor sind bei mir übrigens schon stark zusammen gewachsen und als Vater und Sohn bereits drin (entspricht ja sogar ein wenig der inneraventurischen Realität). Drachen und Echsenhafte (siehe Zahak) wurden (wie vielerorts) tatsächlich in Persien mit dem Urbösen verbunden.

Wegen Prrsss (oder wie immer man das auch schreibt :lol:!) bin ich mir gar nicht sicher, ob die Urtulamiden das mit den Echsen verbinden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine die Prrsss Priester wurden von den anderen Echsen-Geweihten/Priestern schon vor dem intensiven "Kontakt" mit den Urtulamiden verdrängt.

Wegen Lowanger Dualismus: Das ist mir ehrlich gesagt zu weit weg.

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