Einen Tulamiden spielen

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Shirwan
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Glanzlicht Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Shirwan » 13.05.2019 22:59

Hallo ihr Lieben,
als Kind gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Mitspieler*innen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja Tulamiden und Perser sind nicht identisch, antwortete ich dann immer. Irgendwann jedoch gab ich nach und führte einen Tulamiden und einen Perser zusammen. Meine Ideen stellte ich in einer frühen Form zur Verfügung und konnte sie auf Basis vieler Rückmeldungen weiterentwickeln. Mittlerweile ist das Ergebnis im Scriptorium downloadbar. Leider bestehen noch einige Lücken und ein Lektorat hat meine Spielhilfe auch noch nicht genossen. Dennoch hoffe ich, dass sie euch gefällt und von euch sinnvoll verwendet werden kann. Über Rückmeldungen, Kritiken, Kommentare oder Ideen eurerseits würde ich mich sehr freuen.

Downloadlink
Das Erbe des Diamantenen

Was sind die groben Inhalte?
In der Spielhilfe werden die Besonderheiten der tulamidischen Kultur vorgestellt, wie das Tāroff, der ritualisierte höfliche Umgang mit- und untereinander. Daneben widmet sie sich den Besonderheiten der tulamidischen Glaubensvorstellung und berichtet auch von der altehrwürdigen Kunst der Astronomie & Astrologie.

Weiterhin sind enthalten:
  • Bildreiche Metaphern & regionale Redewendungen
  • Eine tulamidische Hochzeit
  • Ein Einblick in die Fauna Tulamidistans
  • Religiöse Bräuche & Feste
  • Essenskultur
  • Und vieles Weiteres
Viele Grüße
Shirwan

Im Rahmen des Community Days wurde auch ein Video diesbezüglich erstellt, dass die Entstehungsgeschichte und die groben Inhalt erläutert:



Die reine Textversion findet ihr nachfolgend (Formatierung steht noch aus)
Kultur & WissenschaftShow

Liebste Muhme, mit einigen kostbaren Geschenken, habe ich mir die Gunst eines der hiesigen „Edelmänner“ erkauft, ihn auf Schritt und Tritt begleitet und tagein, tagaus die Sitten dieses seltsamen Volkes studiert. Wie du schon ahntest, scheint es einen festgeschrieben Ablauf zu geben, von dem ich dir nun gerne anhand eines Beispiels berichten werde. Der Anfang ist abhängig davon, wer wen zuerst anspricht. Ist dies der Käufer so grüßt er mit „Ich hoffe ihr seid nicht allzu erschöpft, ob all der Mühen des Tages“ Der Verkäufer fährt dann fort: „Mein Leben als Opfer eurer Tugend.“ (Ja, so reden die hier!) „Mögen die Götter dies verhindern, Gebieter des Anstands. Was darf ich euch für dieses kostbare Kleinod geben?“ „Das ist eurer nicht wert. Bitte nehmt dies als mein bescheidenes Geschenk an euch“ „Habt Dank, möge Feqz eure Großzügigkeit neunfach im Guten vergelten.“ Ich war hier schon drauf und dran, nach dem Gegenstand zu greifen, als es erst so richtig anfing: „Es ist nichts, wenn es euch beliebt, dann zahlt das nächste Mal.“ „Eure Freundlichkeit lässt mich in Scham zurück, doch der Gläubige ehrt seinen Gott nicht durch ein zu geringes Opfer.“ „Euer Besuch erhellt meinen bescheidenen Laden, dies soll mir Lohn genug sein.“ Während ich schon die Augen verdrehte, wurden die beiden erst richtig warm „Habt ein Einsehen und lasst mich nicht mit der Scham der Schuld diesen Hort des Anstands verlassen.“ „Nun, wie könnte ich, euer ergebenster Diener, einen Wunsch ausschlagen. So erbitte ich 6 Dinar, wenn ihr darauf besteht.“ Als nun mein Begleiter zwei Dinare auf den Tisch legte und mit „Möge mein Blick, über euren Gang wachen“, sich verabschiedete, da begann erst das eigentliche Feilschen. Ich dachte nun geht es los, jetzt wenn es ums Geld geht, da werden endlich mal direkte, aber ehrliche Worte gewechselt. Doch nein, auch hier spannen sie ihr Netz freundlicher Lügen und höflicher Vertuschung weiter, auch wenn die eine oder andere Spitzfindigkeit ausgetauscht wurde. Beim Herren Praios, wahrlich diesen Tulamiden fällt es im Guten wie im Schlechten schwer ein wahres Wort über die Lippen zu kriegen. Nachdem man ausführlich „nicht gefeilscht“ und sich auf drei Dukaten geeinigt hatte, da war ich noch verwunderter, als man in schallendes Gelächter ausbrach und der Händler uns in sein Haus einlud. Nun ich will mich nicht beschweren, das Essen das uns serviert wurde, war eins der besten das ich je genießen durfte und mehr wert als der Händler durch den Verkauf des Schmuckstücks verdient hatte. So richtig schlau werde ich wohl nie aus diesen Leuten werden. Dein dir ergebener Neffe Ulfried.
-Ulfried Hullheimer, garethischer Händlersohn

Geselligkeit
Der Tulamide ist von Natur aus gesellig. So gesellig, dass es schon fast wieder stört. Zog ich mich zurück, um ein Buch zu lesen, so wurde ich am Abend gefragt, ob ich mich nicht wohlfühlen würde oder man mich schlecht behandelt hätte. Hat man etwas vergessen und muss noch schnell einkaufen, so steht immer sofort jemand auf und bietet an die Person zu begleiten, denn etwas alleine zu machen scheint ihnen ungewöhnlich. Herr Boron etwas Ruhe vor all dieser Geselligkeit wäre mir ein wahrer Segen. Doch muss ich auch zugeben nirgendwo auf meinen Reisen wurde ich herzlicher empfangen, gab man mir mehr das Gefühl dazuzugehören. Sie brauchen unheimlich lange um, was zu besprechen, da keiner übergangen werden soll und sie sehen es als Tugend an sich die Zeit für den anderen zu nehmen. All dies stärkt das Vertrauen in den anderen und hast du einmal ihren Respekt und ihr Vertrauen auf diese Weise erlangt, dann geht nach der gemeinsame Besprechung alles viel flüssiger und schneller vonstatten.
-Ulfried Hullheimer, garethischer Händlersohn

Nach dem die Tulamidistani in einem Jahrhunderte währenden Kampf, ihren Erzfeinden, den Echsen ihre fruchtbaren Gebiete abgerungen hatten, da besiedelten sie diese, nutzten die Technologien der eroberten Völker und ihrer eigenen Verbündeten, reicherten sie mit ihrem eigenen Wissen und dem das die Götter ihnen gewährten an. Städte wurden gegründet und wuchsen, viele Menschen, die früher noch ein nomadisches Leben führten lebten nun auf engem Raum zusammen. Und so war es notwendig dass sich Verhaltensmuster und Gebräuche etablierten, die das friedliche Miteinander sicher-stellten und bewahrten. Aber auch die Geselligkeit, die anfänglich als Notwendigkeit erachtet wurde, wurde immer mehr Bestandteil, ja tiefes Bedürfnis der Tulamidistani. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg, entwickelten sich diese Gebräuche weiter, weiteten sich aus, vergingen wieder oder wurden an die neu eroberten Gebiete angepasst und fremde Gebräuche zu den eigenen gemacht. Immer feinere Nuancen zeichneten ein buntes und facettenreiches Bild der Kultur der Tulamidistani, die zu bewahren und fortzuent-wickeln vielen eine Tugend ist.
Viele tulamidische Sitten sind deswegen darauf ausgelegt, den Umgang vieler Menschen unter-einander zu erleichtern oder gar im besten Fall zu fördern, seine Mitmenschen zu respektieren und in Frieden und Harmonie mit ihnen zu leben.

Essen & Trinken
Gemeinsames Essen - Ablauf

Speisen werden, wenn möglich, gemeinsam in großer Runde zu sich genommen. Meistens isst man abends groß (und warm), denn das Mittagessen am meist heißem Tag wird eher als Notwendigkeit, denn als Genuss betrachtet. Es ist bei den nachtverehrenden Tulamidistani gar nicht so selten, sich, gerade im Sommer, auch zur sehr späten Stunde zum Essen zu treffen. Das Abendessen besteht in der Regel aus 2-3 „Gängen“ (Tulamidistani würden diese aber niemals als solche bezeichnen). Im selteneren Fall beginnt man mit einer Art Vorspeise. Diese besteht aus Kräutern, roh genießbarem Gemüse der Region (bspw. Zwiebeln und Minze), Schafskäse, Joghurt und Brot. Je nach Region kommen auch einige warme, vegetarische Speisen hinzu (wie Miseh Ghazemi und Nargezi). Dann folgen die Hauptspeise und danach eine Nachspeise. Es ist jedoch üblicher, dass Vor- und Hauptspeise zusammenfallen, so dass man während des Hauptmahls mehr variieren kann.
Da spontan große Personengruppen beim Essen zusammen kommen, geht man in diesem Fall dazu über eine Decke auf den Boden auszubreiten und auf dem Boden zu essen (die seltensten Tulamidistani haben Tische mit über 12 Plätzen). Menschen die das nicht gewohnt sind, haben durchaus Problem im Schneidersitz zu Essen. Tulamidistani bieten aber in diesem Fall einem Gast an, separat am Tisch zu Essen, was in Ordnung aber nicht so richtig höflich ist, außer es handelt sich um eine alte oder gebrechliche Person. In diesem Fall versucht man, um der Geselligkeit beim Essen gerecht zu werden, Tisch und Decke zu kombinieren, in dem man bspw. den Kopf der Decke nah an den Tisch platziert. Da die Speisen auf eine große Fläche verteilt sind, werden mehrere Gerichte der gleichen Art auf der Decke verteilt. Gäste tun zusätzlich gut daran, sich beim Verteilen der Speisen an Andere am Tisch zu beteiligen, da der Gastgeber erst einmal dafür verantwortlich ist das Essen aus der Küche zur Decke zu bringen (was schnell erfolgen muss, denn Speisen lauwarm zu essen, ist Tulamidistani ein Graus). Das führt dazu, dass es recht schnell zu einem geselligen Treiben kommt und die Speisen hin und hergereicht werden.
Hat der Gastgeber die Speisen zum Essen hergeholt, achtet er darauf, dass alle seine Gäste ausreichend zu essen haben. Hat ein Gast sich bei der Essensverteilung beteiligt, geht diese Aufgabe auch auf ihn über (außer er serviert anderen Familien-mitgliedern aus seinem Haushalt, hier sollte man eher vorsichtig servieren). Der Gast hat nun die Aufgabe Bescheidenheit auszudrücken und möglichst wenig Speisen sich servieren zu lassen. Am besten lässt man sich zu diesem Zweck etwas mehr als die Hälfte (bis zwei Drittel) dessen servieren was man eigentlich essen möchte und fängt dann an mit dem Servierer zu „verhandeln“. Durch geschicktes Handeln kommt man dann ungefähr auf die Menge, die man eigentlich essen möchte. Es ist zulässig die Hand über seinen Teller zu halten oder das Servierinstrument (bspw. eine Kelle) festzuhalten und zu verhindern, dass weiter serviert wird, in diesem Fall ist es dann üblich diese Handlung mittels einer witzigen Aussage zu würzen. Der Gastgeber darf dann (wenn er möchte) diese Aussage gegenkommentieren, ist sein Witz gelungener, lässt man als Gast diese letzte Menge zu, nicht ohne den Gastgeber scherzhaft „zu verfluchen“. Ausländische Gäste begehen häufig den Fehler sich aus Gewohnheit die volle Menge servieren zu lassen und beginnen erst dann an zu protestieren, was im schlimmsten Fall zum Doppelten der gewünschten Portion führt. Essen stehen zu lassen gilt als nicht höflich, außer man entschuldigt sich vielmals beim Gastgeber und preist seine Kochkunst bzw. Gastfreundschaft. Im besten Fall sollte man sich in dieser Situation auf seine Herkunft beruhen und den Gastgeber darauf hinweisen, dass man nicht auf das Essen verzichtet weil man höflich sein möchte. Das wird dann mehr oder weniger kommentarlos akzeptiert. Bei schlechten Menschenkennern, kann dies aber auch dazu führen, dass die Person denkt, das Essen würde einem nicht schmecken, so dass man beginnt andere Speisen aufzutischen.
Es wird erwartet, dass hart Arbeitende und junge Menschen mehr Essen (was bedeutet, dass man ihnen mehr und hartnäckiger Essen „andrehen“ möchte). Menschen in besonderen Lebens-situationen (bspw. Schwangeren) werden spezielle Lebensmittel oder Gewürze gereicht, um sie für ihre jeweiligen Aufgaben zu stärken. Hier vermischt sich durch Erfahrung und Überlieferung erhaltenes, medizinisches Wissen mit sehr individuellen Traditionen. Jede Familie kennt da so ihre eigenen Hilfsmittelchen. Steht ein Essen zu lange rum, wird es noch einmal aufgewärmt und dann schnell an diejenigen verteilt, die nach Ansicht des Gastgebers zu wenig gegessen haben. Da kommt man als Gast schwer raus, darf es aber im Zweifel auch (teilweise) stehen lassen, der „Handel“ war ja ursprünglich ein anderer…
Man sollte aber unbedingt noch etwas Platz lassen, denn häufig werden als Nachspeise noch einmal Früchte und vor allem Tee serviert. In der Regel isst man die „verdauungsfördernde“ Honigmelone (ob dies wirklich so ist mag jeder selbst entscheiden). Tee wird immer durch etwas anderes gesüßt. Entweder ist das Zucker in kristalliner Form in der Größe eines kleinen Fingers (gerade wenn man krank ist) oder eine Süßspeise wie Baghlava oder eine Dattel. Zum Tee ist zu sagen, dass die Intensität der Farbe des Tees regional abhängig ist und einer der seltenen Streitpunkte unter den Tulamidistani ist, vergleichbar mit dem Bierstreit der Angbarer und Ferdoker. In Thalusa wird der (schwarze) Tee am dunkelsten getrunken, danach folgen der Balash, Mhanadistan und zuletzt Gorien, wo der Tee sehr hell ist (einzelne Städte können hier aber durchaus abweichen).
Der Übergang von der „Hauptspeise“ zum „Nachtisch“ erfolgt im Übrigen nicht fließend. Das Gedeck wird von den jungen Erwachsenen oder Jugendlichen beider Familien abgeräumt und gesäubert. Zuweilen beteiligen sich auch die Kinder daran. Ein Elternteil/Erwachsener der Gastgeber-familie ist zwingend hauptverantwortlich und übernimmt auch die meisten Aufgaben. In diesem geselligen Durcheinander wird das Geschirr durch die Vielzahl der helfenden Hände zügig gesäubert, so dass diese Aufgabe nicht ausschließlich von der gastgebenden Familie ausgeführt werden muss. Des Weiteren haben die Jugendlichen die Möglichkeit sich recht ungezwungen zu unterhalten und den neusten Klatsch auszutauschen. Die übrigen, meist älteren Personen wechseln in der Regel ihren Sitzplatz und werden von den jüngeren bedient. Der andere Elternteil ist dafür verantwortlich, dass es den Gästen an nichts fehlt, übernimmt alle Höflich-keiten vor Ort und stößt die Gesprächsthemen an oder beteiligt sich an diesen, um das Gespräch aufrecht zu erhalten. Häufig ist der eloquentere Teil der Familie hierfür verantwortlich. Zuweilen kann es aber auch sein Anliegen sein, sich bezüglich eines schwierigen Themas mit den Älteren etwas ungestörter zu beraten. In diesem Fall sitzt er oder sie dann mit den älteren Gästen zusammen.

Sitten & Bräuche des Essens
Es ist übrigens im strengsten Maße verboten die meisten Hauptspeisen insbesondere Reisspeisen und Suppen mit der Hand zu essen (Brot und Kräuter sind also bspw. erlaubt)! Wer dies macht, entlarvt sich als Mitglied der untersten Schichten oder gar als Barbar. Die Person hat dann zukünftig ungefähr das Ansehen eines Ferkinas (bzw. Orks in mittelreichischen Maßstäben). Nomaden oder Feldarbeiter nutzen dagegen selten mehr Besteck als einen Löffel. Stellt die Hauptbeilage Brot dar, wird eine kleinere Menge abgerissen, das eigentliche Essen mittels Besteck auf dem Brot platziert. Meistens legt man in diesem Fall nach Belieben Kräuter, Zwiebeln oder Joghurt dazu und wickelt das Ganze im Brot ein. Diese Portion bezeichnet man als Loghmeh und verzehrt sie tatsächlich mit der Hand.
Bei aller Höflichkeit beim Essen, gibt es eine Sache bei der der Tulamidistani dann doch nicht widerstehen kann. Dies ist das sogenannte Tah-Dieg. Dieser Begriff beschreibt recht unblumig, den Rand (Tah) des Topfes (Dieg) in dem der Reis zubereitet wird. Da die Hitze von außen den Topf erhitzt, wird der Reis an der Außenwand knusprig. Dies gilt im besonderen Maße für den Boden. Die tulamidischen Genussmenschen, haben aus der Not eine Tugend gemacht und legen manchmal den Boden deswegen mit sehr dünnem, angefeuchtetem Brot oder (häufiger) mit dünnen Kartoffelscheiben aus. Da der Außenrand oder zumindest der Boden mit Butter oder Öl bedeckt wird, geht dieser auch in den Tah Dieg über. Wenn der Reis aus dem Topf geholt wird, kann man ihn in dieser Kuchenform lassen oder den Tah Dieg vom Reis trennen und separat servieren. Nur beim Tah Dieg feilscht man dann tatsächlich untereinander, wer dieses denn essen darf, eine Diskussion die viel Witz und Charme enthalten muss, damit sie als gelungen gilt. Das Feilschen um das Tah Dieg ist jedoch nur unter Vertrauten zulässig. Hat man auswärtige Gäste, dann werden diese immer höher geschätzt und erhalten das Privileg sich als erstes am Tah Dieg bedienen zu dürfen.

Beilagen & Speisen
Die Hauptbeilagen stellen immer Reis und Brot dar. Bedeutende Ausnahme ist das sehr verbreitete Ash, ein Eintopf, der auch Nudeln enthält. Brot wird, wenn möglich immer frisch und sehr warm gegessen, was dazu führt, dass es in tulamidischen Städten viele kleine Bäckereien gibt und man häufig Menschen mit mehreren (dünnen) Broten (Nan) auf der Straße sieht. Die eigentlichen Gerichte, bzw. das was neben der Beilage gekocht wird, bezeichnet man als Khoresht. In Thalusa und vor allem in Maraskan ist das Verhältnis des Khoreshts zum Reis fast 1:1. Dies ist bei den restlichen Tulamidistani nicht der Fall. Diese sättigen sich eher durch den Reis und weniger durch das Khoresht. Dies gilt vorrangig tatsächlich für Reis, beim Brot kann das Mengenverhältnis je nach Gericht stark variieren.

Essen am Tag
Treffen sich Tulamidistani doch am Tag zum Essen (was eher an Feiertagen oder Wochenenden der Fall ist), ist es nicht unüblich im Freien zu essen (meistens wird dann gegrillt). Dies ist zum Teil ein Relikt ihrer nomadischen Kultur, teils jedoch dem avesgefälligen Bedürfnis der Tulamidistani nach Freiheit und Natur und auch zu einem Teil der aufgestauten Hitze in einfachen Behausungen geschuldet. Gerne wird ein Platz nahe eines Flusses oder Sees und im Schatten schöner Bäume hierfür aufgesucht, aber auch an so manchem Bergquell findet man zum Essen und Gespräch zusammen.

Disi Tsarah
In der Stadt leben viele hart arbeitende Menschen. Gerade mittags ist man meistens fern des Heims und will eine kräftigende Nahrung einnehmen. In den Städten kommen hierdurch innerhalb kurzer Zeit große hungrige Menschenmassen im sogenannten Disi Tsarah zusammen. Hier wird ein Eintopf serviert, der sich je nach Region unterscheidet, aber fast immer „Ab-Gusht“ (Wasserfleisch) oder Disi genannt wird. Die häufigsten Zutaten dieses Eintopfs sind Kichererbsen, Tomaten, Zwiebel, Knoblauch und natürlich Wasser und Fleisch, wobei gerade letzteres nur einen Bruchteil des Eintopfs darstellt, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Dazu gesellen sich in aller Regeln Kartoffeln und weitere regionale, sättigende Zutaten. Häufig kommen auch diverse Kräuter dazu (meistens gemäß jahrhundertealter Familien-rezepte). Diese Zutaten werden über Stunden hinweg in einem gewaltigen Bottich gekocht.
Das Disi Tsarah (mit Ausnahme der Küche) ist in den allermeisten Fällen halb untererdig gebaut (min. 1 Schritt tief). Sinn und Zweck dahinter ist, dass diese Räume dadurch ungemein kühler sind, was bei der Mittagshitze und dem kräftigen Essen ein Segen ist. Es hat allerdings den gewaltigen Nachteil, dass hierdurch auch wenig Platz zur Verfügung steht. Da es nur ein Gericht gibt, sind einige Disi Tsarahs deswegen dazu übergegangen direkt beim Eingang Eintritt zu verlangen, um nicht während des laufenden Betriebs umständlich Geld einsammeln zu müssen.
Kommen nun die Heerscharen der einfachen Leute, wird der Eintopf in irdene (meist türkise) Krüge umgefüllt. Diese haben einen Durchmesser von ca. 5 bis 8 Fingern (der Krug verjüngt sich von oben nach unten) und eine Höhe von ca. 10 bis 13 Fingern. Je nachdem wie groß die Stadt oder der Andrang des Disi Tsarahs ist, haben sich verschiedene Serviertechniken etabliert. Häufig werden gleich mehrere Portionen mitgenommen, was aufgrund des Gewichts der Krüge leichter gesagt als getan ist. Am häufigsten hat der Servierer eine Holztafel die an seinem Rücken mit Hilfe von Lederbändern befestigt ist. Sein Bauch wird von einer Lederschürze oder sogar einem Fell bedeckt. Die Holztafel hat Einsparungen, so dass die entsprechend geformten Krüge in diese eingelassen werden und zu ca. zwei Drittel nach unten rausragen. Sie sind ungemein heiß (deswegen die Schürze). Um sie rauszuholen, werden in der Regel Handschuhe verwendet. Dem Gast wird ein dünnes Fladenbrot gegeben (Zangak oder Lavash), dass er selber mehrlagig falten und dann verwenden kann, um den Krug zu halten. Außerdem erhält er einen hölzernen Stößel mit dem er den Eintopf zu einem Brei stampft und dann mittels eines langstieligen Löffels verzehrt.
Eine andere Serviertechnik ist die, dass mehrere kleinere Fellbeutel am Gürtel herum befestigt werden und in diese der Eintopf reingesteckt wird.
Auf dem Land wird der Eintopf, gerade von Tagelöhnern, eher abends gegessen, nachdem man das Feuer mittags entfacht hat. In Regionen in denen es weichen Vulkanstein gibt, wird dieser ausgehöhlt und als Kessel für diesen Eintopf verwendet, da er die Hitze fast einen halben Tag speichern kann und den Eintopf mit nahezu konstanter Temperatur erhitzt.

Sitten & Gebräuche
Höflichkeit

Tulamidische Höflichkeit zu beschreiben gestaltet sich recht schwierig. Es ist zwar möglich sehr konkrete Anweisungen für bestimmte Situationen zu vermitteln, aber diese können natürlich nicht jede Lebenssituation abdecken. Menschen die sich an diesen starren Verhaltensregeln orientieren und diese auswendig lernen, fallen irgendwann auf, dennoch rechnet man ihnen ihre Bemühungen in diesem Fall hoch an, zeigen sie doch die Bereitschaft sich mit der tulamidischen Kultur auseinanderzusetzen.
Höflichkeit geht Hand in Hand einher mit dem Elternhaus, zumindest in der öffentlichen Wahr-nehmung der Tulamidistani. Ein unhöfliches Verhalten fällt somit häufig auf die Eltern, wenn nicht sogar auf die gesamte Sippe/Region/Kultur zurück. Das liegt daran, dass man davon ausgeht, dass Höflichkeit schwer erlernbar ist und zur Verinnerlichung vom eigenen Elternhaus oder der Familie vorgelebt werden muss.
Grundsätzlich unterscheidet der Tulamidistani bei der Höflichkeit zwischen Adab und Tāroff.
Adab entspricht weitgehend dem mittelreichischen Verständnis von Höflichkeit.

Tāroff
Das Prinzip des Tāroffs ist schwer zu vermitteln. Am ehesten könnte man es als proaktives, bestimmendes Anbieten auf der einen und bescheidenen Verzicht auf der anderen Seite bezeichnen. Auch eine Interpretation als „Anti-Feilschen“ ist möglich. Das Tāroff hat einen zeremoniellen, prozessartigen Charakter, der einen Grundschatz üblicher Floskeln und Antworten zur Verfügung stellt, deren Einsatz und Abfolge jedoch variieren kann. Die wahrhafte Meisterin des Tāroffs jedoch unterscheidet sich von den Anderen dadurch, dass sie ihren Formulierungen stets eine persönliche, individuelle Note gibt und mit ihrem bildreichen, gebildeten und umfangreichen Wortschatz eine Argumentation aufbaut, die schwer zu widerlegen ist.

Das anbietende Tāroff
Beim Anbieten geht es darum, den Anderen es an nichts mangeln zu lassen und seine selbst unausgesprochenen Wünsche zu erfüllen. Wichtig ist dabei, dass die Initiative von einem selbst ausgeht, was wiederrum eine gewisse Menschen-kenntnis und Empathie bedingt, um die selbst unausgesprochenen Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen. Das Wohl und die Person des Tāroffempfängers wird hierbei über einen selbst gestellt, was der geschickte Tulamidistani mit Worten und Gesten untermalt. Ein einfaches Beispiel wäre beim Anstoßen mit der oberen Hälfte seines Bechers an die untere Hälfte seines Gegenübers anzustoßen.
Wenn eine ältere oder gebrechliche Person augenscheinlich nach einer Sitzmöglichkeit sucht, dann steht man aktiv auf, bietet der Person an sie bis zum Sitzplatz zu begleiten und fragt höflich nach, ob man ihr einen Teil der Last abnehmen kann. Idealerweise wird der Platz sogar nicht angeboten, denn es ist selbstverständlich, dass er der älteren Person zusteht (dennoch bedankt sich diese natürlich), sondern man bittet darum, dass die Person doch mit dem eigenen Platz vorliebnimmt. Man betont nach der Danksagung, dass der Anstand dieses Verhalten gebietet („Es ist mir süße Pflicht“, „Ich bin euer ergebener Diener“) und dass man bedauert keinen besseren Platz anbieten zu können. Das anbietende Tāroff vollführen zu dürfen wird dabei als Privileg erachtet, so dass man dieses auch gegenüber anderen verteidigen muss und in die vertrackte Situation gelangt, die Bescheidenheit des eigenen Dienstes zu betonen, aber gleichzeitig die Angebote der anderen abzuwehren.
Am häufigsten erfährt man Tāroff beim Einkaufen. Da ist das Interesse der anderen Person ersichtlich, denn sie möchte besagten Gegenstand erwerben. Man bietet in diesem Fall als Verkäufer an, den Gegenstand dem Käufer zu schenken und drückt damit aus, dass die Gunst des Käufers einem mehr wert ist als der zu veräußernde Gegenstand.
Auch beim Essen wird sehr häufig Tāroff betrieben (siehe auch Essenskultur). Kennt man die Person, dann werden schon im Vorfeld die Lebensmittel zubereitet und angeboten, die dieser Person schmecken, wobei natürlich das nur gilt, wenn die Person nicht häufiger da ist. Monotonie beim Essen gilt nämlich als Makel der Kochkunst. So ist es in diesem Fall üblich zwar die gleichen Lebensmittel zu verwenden, hinsichtlich des Gerichts mit diesen aber zu variieren. Wenn man die Person nicht kennt, versucht man Vergleiche zu ziehen. So kann es also vorkommen, dass wenn einem mittelreichischen Gast mal ein Essen geschmeckt hat, man vermutet, dass es allen Mittelreichern schmeckt. Ansonsten nimmt man einfach das Beste was zur Verfügung steht. Da man dem Gast seine eigene Kultur auch nicht vorenthalten möchte und man grundsätzlich bei Gästen mehr zubereitet als man zu essen erwartet (hungernde Gäste sind für den Tulamidistani eine so große Schande, dass er lieber die doppelte Menge zubereitet, als sich diese Blöße zu geben) ist es üblich immer zusätzlich eine lokale Spezialität zuzubereiten.
Erkennt man während des Essens, dass die Person in bestimmte Lebensmittel sich regelrecht verliebt hat, dann ist es guter Brauch / Tāroff der Person einen Vorrat an diesen Lebensmitteln (für die weitere Reise) mitzugeben.
Natürlich ist nicht jeder Tulamidistani der absolute Menschenkenner oder aufmerksam genug oder die andere Partei ist zu verschlossen oder auch einfach wunschlos glücklich. Als höflicher Tulamidistani ist es des Weiteren üblich das verzichtende Tāroff zu vollführen, was natürlich dem anbietenden Tāroff entgegensteht. In all diesen Fällen wird eine freundliche Ablehnung die Antwort auf das anbietende Tāroff sein. Aber damit ist dem anbietenden Tāroff noch nicht Genüge getan. Es ist wichtig noch mindestens einmal (besser zwei Mal) das Angebot zu wiederholen, wenn auch dies abgelehnt wird und es sich nicht augenscheinlich, um verzichtendes Tāroff handelt, dann verzichtet man auf weitere Anfragen zu dieser Sache. Ein viertes Mal anzubieten ist schon grenzwertig und sollte höchstens bei einem verzichtenden Tāroff angewandt werden. Ein fünftes Mal oder noch häufiger nachzufragen gilt häufig als lästig, nervig und zeigt eigentlich, dass der Anbietende nicht mit den Bräuchen vertraut ist, im schlimmsten Fall also wiederrum unhöflich ist. Zur Beruhigung: Ausländische Gäste genießen beim Tāroff einen gewissen „Welpenschutz“.
Weitere Anwendungen/Erläuterungen des anbietenden Tāroffs:
Man lässt anderen immer erst den Vortritt (siehe aber unten), bspw. beim Durchschreiten einer zu engen Tür
Wenn es darum geht jemanden zu privilegieren gilt: Kind vor Alter vor Frau vor Mann. Dies gilt aber nur, wenn man zwischen diesen Optionen wählen muss. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Greis einer jungen Frau seinen Platz anbietet. Diese darf (und sollte) aber auf diese Gunst natürlich verzichten. Die Vorrangkette wird aber durch eine hohe soziale Stellung (alias Reichtum) teilweise aufgeweicht
Ist etwas übertragbar was der anderen Person nützen könnte (außer Geld) wird es immer anderen angeboten
Wenn man zu Gast bei jemand anderem ist, steht in der Regel immer eine riesige Schüssel mit Obst vor den Gästen. Der Gastgeber oder (wenn er bspw. mit Kochen beschäftigt ist), dessen Kinder, tragen dafür Sorge, dass die Gäste sich am Obst bedienen. Wenn sie komplett darauf verzichten, dann wird ihnen ein kleiner Teller mit einer Auswahl an Früchten vom Gastgeber zusammengestellt. Das soll dem Gast die Scheu und Argumente für das verzichtende Tāroff nehmen, denn das Obst ist ja in diesem Fall schon fertig serviert.

Das verzichtende Tāroff
Das verzichtende Tāroff ist in anderen Ländern so ungewohnt, dass es häufig zu ganz anderen Interpretationen führt: Der Tulamidistani wird teilweise als unsicher oder nicht entschlussfreudig angesehen, möchte in Wirklichkeit aber nur das verzichtendes Tāroff praktizieren.
Das verzichtende Tāroff äußert sich durch Bescheidenheit, Zurückhaltung, Mäßigung bis hin zum vollständigen Verzicht (auch wenn das die Ausnahme darstellt). Es geht darum seinem Gönner nicht allzu viel Mühen zu bereiten, seine Freigiebigkeit oder Höflichkeit nicht auszunutzen und dessen Wertschätzung durch das Praktizieren des Tāroffs zu erwidern. Wichtig ist dabei, dass man möglichst dem Gegenüber dabei nicht vor den Kopf stößt und neben dem Verzicht immer die Wertschätzung des anderen in den Fokus stellt.
Zum einen geschieht dass in dem man die positiven Eigenschaften des Gegenübers kunstvoll und im besten Fall situationsbezogen lobt und zum anderen, in dem man versucht ein direktes Nein zu vermeiden (es ist dennoch erlaubt nein zu sagen, nur sollte dies nicht das einzige sein was man sagt). Wird jemandem was angeboten, meistens als Folge des anbietenden Tāroffs ist es also üblich, immer das erste Mal dies abzulehnen. Dabei gibt es zwei Fälle zu unterscheiden.
Der häufigere Fall ist der, dass man eigentlich zusagen möchte. Hier kann man schon vor dem Angebot des Anbieters, den Gegenstand oder die Handlung loben (das Essen duftet ja herrlich, sieht hervorragend aus / zu seinem Tischnachbarn (etwas lauter): Die Fähigkeiten der Meisterin sind in allen Herren Ländern bekannt etc.). Dadurch signalisiert man Interesse. Wenn man dann das erste Mal gefragt wird, antwortet man mit einem offenen Lob, statt mit einer Bejahung: Habt vielen Dank für eure Höflichkeit / eure Manieren ehren euch / ich hoffe ihr seid nicht erschöpft, ob all der Mühen, die wir euch bereitet haben. Dann gebietet es das anbietende Tāroff sich zuerst zu bedanken und dann noch einmal nachzufragen. Nach dieser zweiten Anfrage lässt man seinen Widerstand langsam fallen und dann, beim dritten Mal sagt man zu, meistens durch eine bejahende Mimik und Gestik und mindestens ergänzt durch ein „vielen Dank“, häufig aber auch mit einem „möge eure Hand nicht verderben“ oder „mein Leben als Opfer eures Dienstes“. Wenn es sich um etwas Besonderes handelt oder es einem besonders zusagt bzw. schmeckt, sollte man dies mit einem ausführenden Lob unterstreichen. Der Empfänger eines solchen Lobes sollte dieses dann runterspielen in dem er die eigenen Leistungen bzw. Güter als gewöhnlich und nicht besonders darstellt: Das strengt mich nicht an / Das ist eurer nicht wert / Das ist doch nichts Besonderes. Das kann auch etwas vorwurfsvoll klingen, um die Argumentation des Anderen zu schwächen: Oh, was redet ihr da? Selbstverständlichkeiten zu loben ziemt sich nicht. Alternativ kann er selbst die Manieren des Gastes loben (häufig: Mein Leben als Opfer eurer Tugend). Der Annehmende sollte dann in diesem Fall entweder noch eine Schippe drauf legen oder betonen, dass Bescheidenheit hier nicht angebracht bzw. nötig ist. Solch ein Lob sollte im Übrigen einen ehrlichen Kern enthalten. Den Geschmack des Essens zu loben, bevor man es bspw. gegessen hat wird nicht als höflich empfunden (außer man ist schon vertraut mit der Kochkunst des Anderen: „es ist sicher vollkommen, so wie immer.“). Besonders geschickt lobt man im Übrigen, wenn man die Eltern (oder die Sippe) des Lobempfängers ins Lob miteinbezieht: An die Mutter gerichtet: „Wahrlich Teuerste, welch Blumenstrauß der Kunstfertigkeit eurer Hand entwachsen ist, doch mag mich das nicht wundern durfte sie die größte Lehrmeisterin dieser Kunst doch ihre Mutter nennen“.
Wenn man sich vertrauter ist oder sich im eigenen Haushalt ohne Gäste befindet, ist es üblich die erste Ablehnung zu überspringen oder direkt mit der Zusage zusammen zu fassen.
Möchte man sich mit einer Gegenleistung bedanken (Einladung zum Gegenbesuch, wertvolle Gegenstände etc.) ist auch das Teil des Tāroffs wird aber unter Gegenleistung näher erläutert.
Der zweite Fall des verzichtenden Tāroffs ist, dass man das Gut oder die Leistung gar nicht erlangen möchte. Dies ist in der Tat schwieriger, denn häufig fehlt ein höflicher Grund. Hier sollte man Vorsicht walten lassen. Auf die erste Anfrage antwortet man wieder mit einem höflichen Lob (s.o.) fügt aber einen Grund für die Ablehnung hinzu. Ist dieser Grund nach tulamidischen Maßstäben nicht höflich (bspw. „sowas schmeckt mir nicht“, „wir haben vorher gegessen“ (ein Unding wenn man zum Essen eingeladen wurde)), muss er umformuliert werden: Mir ist nicht ganz wohl, doch es war mir hohes Anliegen euch meine Aufwartung zu machen, verzeiht wenn ich euch dadurch mehr Mühen bereite. Alternativ versucht man die Anfrage mittels zeitlicher Verschiebung (später oder langsam, langsam, eins nach dem anderen…) totzu-schweigen. Die letzte Methode ist, dass man explizit betont, dass man kein Tāroff praktiziert. Auf die zweite anbietende Anfrage wird dann üblicherweise folgendermaßen geantwortet: Habt vielen Dank, dass was ich von euch schon empfangen habe ist mir Genuss genug. Evtl. wird hier noch eine Tāroff Schleife gedreht, in diesem Fall sollte man noch einmal betonen, dass man weiß, dass das Gut oder die Leistung des Anderen von besonderer Güte ist und seinen Verzicht bekräftigen in dem man den Grund wiederholt oder einen informellen Schwur leistet. Bei einer Ablehnung ist aber immer Vorsicht geboten. Beim Essen mag dies noch in Ordnung sein, aber in manchen Fällen, z.B. bei persönlichen Geschenken, ist eine solche Ablehnung eher beleidigend. Falls man unsicher ist, wie ernst es dem Gegenüber ist, kann man selbst noch 1-2 weitere Tāroff-Runden drehen, um absolut sicher zu gehen, bzw. die Ernsthaftigkeit des Angebots zu ergründen (ich bin dessen nicht wert / ihr würdet mich mit diesem Geschenk beschämen / ihr lasst mich in Scham zurück). Wenn der Gegenüber hierbei aber eindringlich bleibt und einem daraus kein Nachteil entsteht, dann sollte man das Angebot annehmen und im weiteren Verlauf des Tages die Großzügigkeit des Spenders oder die Güte des Geschenks immer wieder erwähnen (beachte in diesem Kontext auch die Ausführungen unter Gegenleistung).
Bietet eine anzubietende Handlung mehrere Optionen an, ist es üblich die für den Anbietenden am wenigsten aufwändige zu wählen. Wenn man also bspw. zu einem Ort hingebracht werden soll und der Ochsenkarren schon fertig gespannt ist oder man die edlen noch nicht gesattelten Pferde wählen könnte, dann sollte man den Ochsenkarren wählen. Falls der Ochsenkarren aber nicht standesgemäß ist, wird es knifflig. Hierbei gebietet das Tāroff, dass man es so darstellt, dass der Anbietende die Idee hatte. Falls man direkt gefragt wird, ohne dass der Anbieter nicht auf das Standesgemäße eingeht, bleibt man beim Tāroff, stellt aber den Sinn in Frage, in dem man dem Gegenüber die Problematik in Form einer Gegenfrage darstellt: Wir können gerne den Wagen nehmen, aber meint ihr, dass wäre (eurer Erhabenheit) angemessen? Wenn er dann die Pferde anbietet (Meint ihr wie sollen die Pferde nehmen?), ist es wichtig diese Entscheidung (als Annehmender) nicht als seine eigene darzustellen und wieder offen zu antworten, vorzugsweise in dem man die Vorteile dieser Entscheidung noch einmal zusammenfasst. Falsch wäre also: Ja ich denke, das ist besser so. Sondern eher eine Formulierung: Eure Pferde sind wirklich prächtig, das macht direkt einen anderen Eindruck.
Wenn die Optionen nicht bekannt sind oder der Tulamidistani mit den Gütern oder den Sitten des Gegenübers nicht vertraut ist, dann überlässt er dem Anbieter die Wahl, in dem er genau diesen Sachverhalt betont und darum bittet dass der Anbieter die Option wählt, die für diesen am wenigsten Aufwand bedeutet. Mittelländer interpretieren dies teilweise als Unsicherheit, Unentschlossenheit oder besondere Autoritäts-gläubigkeit, für den Tulamidistani ist das dagegen eine sehr große Höflichkeit. Ist ein Tulamidistani der Anbieter erläutert er in diesem Fall die verschiedenen Optionen. Er muss dabei seinerseits nicht zwangsläufig die aufwendigere Option anbieten, sondern sollte im Gespräch die Vorlieben des Anderen eruieren und dann ihn zur ihm wohlgefälligeren Option „überreden“. Das kann einige Tāroff-Schleifen dauern, wenn es sich dabei (was häufig der Fall ist), um die aufwändigere Option handelt (anbietendes Tāroff).

Sozialer Stand und Höflichkeit
Und vor uns fing wieder der Austausch der üblichen Floskeln an und im Anschluss wurde der Gast vor uns von einer Bediensteten an einen freien Platz geführt. Mein Begleiter übernahm für uns beide das Reden und begrüßte den Gastwirt, nach den Sitten Tulamidistans. Doch er beließ es nicht dabei, immer wieder bemühte er einen neuen Vergleich, ein noch ausgefalleneres Bild und die Augen der anderen Gäste weiteten sich und anerkennend nickte man ihm zu. Es schien gar, als hätten Gastwirt und Gast die Rollen getauscht und mein Begleiter umschmeichelte die Tugenden und die Lokation des Gastwirts in einem solchen Ausmaß, als wären wir im Kaiserpalast des Horas und der Wirt der Kaiser selbst. So allerlei Seltsames habe ich hier schon erlebt, doch einen Gastwirt, dem vor Verlegenheit die Worte fehlten, gehörte nicht dazu. Mehr gebückt als gehend führte der Gastwirt selbst uns zu dem für uns vorhergesehenen Platz. Wir gingen an dem Mann, der vor uns in der Schlange gestanden hatte vorbei. Er hatte sich nun an einen eher mäßigeren Platz hingesetzt. Als wir dann vor unserem Platz standen, nun was soll ich sagen, wahrlich das war eine der prächtigsten dieser tulamidischen „Sitz-tafeln“ die ich je gesehen hatte. Mit kostbarer Seide und Edelmetallen durchwirkte Teppiche dienten zur Auspolsterung der Sitzfläche […] und waren eigentlich nur einem Fürsten angemessen. Nun der Preis war auch fürstlich, aber an dem Abend konnten wir mit den erhabensten Familien Rashduls in Kontakt treten und so manch lukratives Geschäft abschließen. So im Nachgang betrachtet, erscheint mir dies alles recht seltsam, behauptete mein Begleiter doch, noch nie in dieser Gaststätte gewesen zu sein. Doch wie konnte er uns dann solch einen Platz ergattern und warum wurde er dann wie der beste Kunde des Gasthaueses behandelt?
-Ulfried Hullheimer, garethischer Händlersohn

Fehlende Manieren stehen bei den Tulamidistani für Unkultiviertheit und Armut. Beherrscht ein Tulamidistani dagegen die gesellschaftlichen Bräuche in seiner Perfektion wird er unabhängig von seiner tatsächlichen Herkunft im höchsten Maße geschätzt und geachtet und ihm zumindest Gehör geschenkt.
Allgemein wird die Unterschicht als weniger bis gar nicht höflich empfunden, was im Umkehrschluss wiederrum erklärt, warum eben die Unhöflichkeit mit Armut assoziiert wird. Für die Oberschicht gelten untereinander teilweise noch strengere Vorschriften. Hier zählen Eloquenz sowie eine gute Allgemeinbildung zur Höflichkeit hinzu, um Gespräche, Bitten, Komplimente und Höflichkeiten angemessen austauschen und die perfekten Formulierungen für jede Situation wählen zu können. Auf der anderen Seite bedingt die hohe Verantwortung der Oberschicht, an der einen oder anderen Stelle ein in der Wahrnehmung der Mittelschicht „unhöfliches“ Verhalten. Des Weiteren agiert ein Mitglied einer höheren Schicht mit einem Mitglied der niedrigeren Schicht zumeist direkter, fordernder, aber immer noch höflich. Andersrum, also von einer niederen zu einer höheren Schicht, weicht die auf Nächstenliebe beruhende Höflichkeit einem eher formellen, auf Respekt beruhenden Verhalten. Beide Effekte verstärken sich, wenn tatsächlich ein „vertragliches“ Verhältnis zwischen beiden besteht. Höflichkeit wird übrigens auch auf dem Land praktiziert, ist dort aber weniger „verschnörkelt“, sondern wird zumeist einfacher gelebt, was Mittelreicher teilweise als herzlicher empfinden. Das äußert sich bspw. darin, dass wenn man mehrere Tāroffschleifen vollführt, bei allen Schleifen die gleichen Formulierung wiederverwendet.

Tulamidische Höflichkeit und Nicht-Tulamidistani
Das ist eurer nicht Wert, nimmt dies als mein bescheidenes Geschenk an euch an. – Das ist sehr nett, danke und auf Wiedersehen.
-Harun ibn Salaman und Hagen Helmbrecht, Shirdar, 1019 BF

Gerade mit der tulamidischen Kultur Unvertraute werden unter Umständen mit dem Tāroff nicht umgehen können (auch wenn es erstaunlich ist, wie häufig die Menschen intuitiv doch angemessen handeln). Wie geht man damit um, wenn etwas mittels Tāroff angeboten wurde, der Gegenüber aber kein verzichtendes Tāroff praktiziert hat? Anbei drei Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Handelt es sich um eine Kleinigkeit (und sind "Fremde" in der Ortschaft eher selten) wird man diese der fremden Person schenken (und vielleicht bei Fremden zukünftig etwas vorsichtiger sein). Ein wenig ist das auch Eigenwerbung, da die anderen Händler oder Einheimischen sehen, welche Großzügigkeit der eine Händler aufweist, um die Sitten zu ehren. In dem Fall ist es auch gar nicht unüblich den oder die Fremden einzuladen und sich kulturell auszutauschen (die Sitten sind ja verschieden, das hat man eindringlich bewiesen). Evtl. wird man dann subtil, ohne das es wie ein Vorwurf klingt, über diese Sitte aufgeklärt.
Möglichkeit 2: Kommen häufig "Fremde" in die Stadt, bspw. in Khunchom, wird man vor dem Angebot vielleicht einige Sicherheitsfloskeln abfragen, bevor dieses Angebot unterbreitet wird, damit man weiß, dass der Gegenüber mit diesem Brauch vertraut ist. Es gibt einige Floskeln, auf die gibt es eine festgeschriebene fast schon zeremonielle Antwort. Kennt der Gegenüber, diese Floskel nicht, dann weiß man, dass der Gegenüber nicht mit den hiesigen Sitten vertraut ist und unterbreitet diese Angebot dann ggf. erst gar nicht oder variiert es so, dass der Gegenüber es versteht („am liebsten würde ich es euch schenken, denn es ist eurer nicht wert Sahib, aber…)
Möglichkeit 3: Handelt es sich um ein wertvolles Gut und möchte man es nicht verschenken und ist das Kind in den Brunnen gefallen, wird es schwierig. Üblicherweise hält man die Hand vor und versucht den "Patzer" des Gegenübers durch einige "noch deutlichere" Andeutungen (für tulamidische Verhältnisse) auszugleichen: „Dieses Werkstück ist eine Zierde thalusischer Handwerks-kunst, es nicht mit lauteren Silber im Wert auszugleichen, käme einer Beleidigung jedes ehrlichen Handwerkers gleich“. Reagiert der Gegenüber dann immer noch nicht oder pocht gar auf "sein Recht", es kostenlos zu erwerben, dann wird man ihn wohl aufklären müssen und dies mit einer Entschuldigung und / oder Entschädigung kombinieren: „Euer Schuldner, Herr. Verzeiht, dass ich euch mit unseren Sitten verunsicherte und gestattet mir als Zeichen der Versöhnung euch einen Shai zuzubereiten und mit süßem Gebäck die bittere Galle eures Unmuts zu verscheuchen“.

Tulamidistani im Ausland
Vielleicht haben Sie einen Eindruck gewonnen, wie wichtig ein höfliches Verhalten für einen Tulamidistani ist. Verlässt der Tulamidistani jedoch dieses Umfeld, so wird er das was er für selbstverständlich erachtet hat, nicht mehr vorfinden. Das Prinzip des Tāroffs funktioniert immer nur, wenn beide Parteien es vollführen, ansonsten schadet man sich damit nur selbst. Der Tulamidistani wird einige Zeit brauchen bis er dies versteht und sein Verhalten anpassen kann. Durch die Prinzipien der Höflichkeit ist es dem Tulamidistani des Weiteren leichter möglich sein Gesicht zu bewahren, umso betroffener wird er dafür sein, wenn das was als Beleidigung in seiner Heimat angesehen wird, die übliche Art der Kommunikation ist.

Höflichkeit im Dienste Feqzens
Gegenleistung

Bei den Tulamidistani dehnt sich der Begriff von Leistung und Gegenleistung in beide Richtungen aus. Das bedeutet, erhalte ich eine Leistung ist es üblich mich durch eine Gegenleistung zu revanchieren. Eine Gegenleistung muss aber nicht immer materiell sein. Ein schön formuliertes Kompliment, eine Aufmerksamkeit, eine schöne gemeinsame Zeit oder auch neues Wissen mag durchaus als Gegenleistung genügen. Denn der durchschnittliche Tulamidistani ist gesellig und neugierig, er möchte über die fernen Länder der Welt erfahren und vergleicht neues Wissen und Sitten mit seinem eigenen, wägt ab, ob sie nutznießend oder in seiner Kultur praktizierbar sind.
Wurde man eingeladen ist es üblich sich durch eine Gegeneinladung zu revanchieren. Ist dies abwegig (weil man bspw. auf der Durchreise ist), hinterlässt man einen materiellen Gegenstand, nicht unbedingt Geld, viel eher eine Süßigkeit oder Gegenstand aus der eigenen Heimat, einen nett formulierten Brief oder stattdessen auch eine schön dargebrachte Geschichte oder exotisches Wissen. Wenn man etwas zur Einladung mitbringen möchte, sind das in aller Regel süßes Gebäck oder Blumen. Das hat vor allem einen symbolischen Charakter (das Treffen wird wortwörtlich „versüßt“ oder die Schönheit des Ortes angemessen unterstrichen). Der Gastgeber vergleicht als Dank die Schönheit der Blumen oder die Süße des Gebäcks mit der Schönheit oder Anwesenheit seiner Gäste.
Eine Gegeneinladung abzulehnen gilt bei den geselligen Tulamidistani häufig als unhöflich (außer es gibt zwingende Gründe) und sollte wenn möglich vermieden werden
Wird eine Gegenleistung erbracht und vom Gegenüber gewürdigt, verlangt das Tāroff vom Erbringer der Gegenleistung eine Art „Anti-Feilschen“. Sprich hier wird die eigene Gegenleistung bzw. das eigene Gut runtergespielt und als unbedeutend zum erlangten Gut oder der erlangten Dienstleistung dargestellt. Das erlangte Gut wird dagegen so gepriesen und dargestellt, als wolle man es dem anderen fast schon verkaufen wollen, obwohl man es ja selbst erlangt hat.

Tāroff & die Tugenden Feqzens
Das Tāroff bietet die Möglichkeit die Tugenden Feqzens zu leben und zu erproben ohne sich der Gefahr der Gier und Habsucht, den Aspekten seines Widersachers, auszusetzen und gleichzeitig die Geselligkeit untereinander zu fördern.
Die Lügen, das Verschweigen, der Einsatz einer individuellen Wortwahl und Wortwitzes, eine stichhaltige Argumentation, all dies erfolgt nicht aus der Gier, sondern aus dem genauen Gegenteil heraus. Dem Anderen soll eine Freude bereitet, er nicht verletzt und sein Respekt vor ihm ausgedrückt werden. Durch die Bescheidenheit und das Angebot des Verzichts erlaubt man seinen Gegenüber, auch ein nein. In dem er den Tāroffprozess nicht fortführt, zieht er sich zurück und bewahrt gleichzeitig sein Gesicht. Der respektvolle Umgang schafft Vertrauen untereinander und ist damit und schlussendlich wieder dem Zusammenleben, dem Geschäft und dem Handel sehr zuträglich.
Gerade beim anbietenden Tāroff bedarf es der Menschenkenntnis und Empathie, dieses Gespinst höflicher und bescheidener Täuschungen, zu durchblicken und mit einem scharfen Verstand zu entwirren, zu verstehen wann sein Gegenüber höflich ist und wann er tatsächlich etwas nicht möchte. Zuweilen, wenn die Situation zu vertrackt ist, erlaubt man sich ein bewusstes „Überspitzen“ der Höflichkeiten und versucht so mit einer vielleicht gar lustigen Formulierung die Situation durch Humor wieder zu entspannen.

Besonderheiten im Kontext der Höflichkeit
Ältere und vor allem durchs Alter gebrechliche Personen werden mit Respekt behandelt, bei hohen sozialen Unter-schieden, darf diese Regel aber aufgeweicht werden
Des Weiteren ist es üblich auf ältere Personen zu hören (sofern es im Vernünftigen bleibt). Dies kann dann zu der etwas vertrackten Situation führen, dass eine ältere Person eine Höflichkeit erweist, die man aber eigentlich ablehnen müsste (bspw. Sitzplatz). In diesem Fall sollte man auf das Angebot zwar verzichten, aber dabei immer als Bittsteller auftreten und ab einem ge-wissen Zeitpunkt (2-3 Tāroffschleifen) dem Wunsch tatsächlich (beschämt) nachgeben.
Schwierig wird es, wenn der Gegenüber sein höheres Alter als Argument aufführt (was erst ab einem Altersunterschied von mindestens 5 Jahren überhaupt in Erwägung gezogen wird). Hier muss man schnell in die Verteidigungshaltung gehen, denn es könnte so ausgelegt werden, dass man die Erfahrung und Weisheit des Anderen nicht anerkennt. Zu diesen Zweck betont man, dass man genau diese schätzt und es einem widerstrebt hier anderer Meinung zu sein. Man muss dann Argumente aufführen, die noch über dem Respekt vor dem Alter stehen und einen zwingen genauso zu handeln (tradierte kulturelle Bräuche; „Das gebietet der Anstand“). Im besten Fall dreht man gar den Spieß um und behauptet, dass gerade um seinen Respekt gegenüber dem Älteren auszudrücken man genauso agieren muss und so die Unabwendbarkeit seiner Handlung auf Pflicht und Anstand stützt: Ihr raubt mir, dem Geringeren, so die Möglich-keit meinen Respekt und meine Achtung vor euch zu beweisen.
Es ist nicht zulässig einer (freundschaftlich) bekannten Person in unmittelbarer Nähe den Rücken zuzuwenden. Ist das nötig, dann entschuldigt man sich im Vorfeld oder fragt im besten Fall vorher nach, ob dies erlaubt ist. Begegnet man sich auf der Straße, dreht man solange der Person das Gesicht zu bis man wieder eine ausreichende Distanz eingenommen hat. Diese Geste ist den Regel der Geselligkeit geschuldet, denn einer Person den Rücken zuzudrehen heißt sie als potentiellen Gesprächspartner seiner selbst oder gar eines ganzen Personenkreises auszuschließen.
Möchte man etwas von einer anderen Person, fragt man nicht direkt danach, sondern zeigt sein Interesse in dem man bspw. auf den Gegenstand blickt oder den Bedarf nach „einer“ Leistung beschreibt. So kann der Gegenüber selber entscheiden ob er diesen Dienst für den anderen leisten möchte und gibt ihm dadurch Gelegenheit, das anbietende Tāroff zu praktizieren.
Körperliche Nähe ist bei Tulamidistani nicht ungewöhnlich auch wenn kein sexuelles Interesse besteht. Das geht weit über die höfliche Distanz eines Mittelreichers hinaus oder besser heran. Bei verheirateten Personen, sollte man sich dagegen in Zurückhaltung üben oder ein sehr gutes oder familiäres Verhältnis zum Ehepartner der Person aufweisen.

Begrüßung
Bei der Begrüßung gibt es zuweilen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Grundsätzlich „spiegeln“ Männer die Begrüßung, während Frauen die Begrüßung festlegen. Hinsichtlich der Reihenfolge wer die Begrüßung festlegt gilt: Frau vor Alter (vor Mann). Diese Regel gilt aber sehr selten unter jungen Erwachsenen und noch seltener unter Verwandten. Da sind mehrere Arten der Begrüßung und mindestens der Austausch von Wangenküssen der Regelfall.
Männer grüßen häufig, in dem sie ihre rechte Hand auf die Brust, über ihr Herz halten und sich leicht bis tief verbeugen (je nach Respekt für die andere Person). Man sollte sich allerdings nicht unnötigerweise zu tief verbeugen, sonst gilt man als Bückling. Diese Art der Begrüßung kann auch aus der Distanz wahrgenommen werden. Sie gilt als neutrale Form und ist immer richtig. Sie kann mit den anderen Begrüßungen in beliebiger Reihen-folge kombiniert oder gar wiederholt werden.
Grüßt eine Frau aus der Distanz senkt sie höchstens kurz den Blick oder nickt dem Gegenüber zu, ansonsten grüßt sie aufrecht. Auch diese Begrüßung kann, wie ihr „männliches“ Äquivalent, mit anderen Begrüßungen kombiniert werden
Bei Begrüßungen unter Freunden, Vertrauten und Verwandten oder einfach herzlicheren Begrüßungen werden im Regelfall Wangen-küsse ausgetauscht. Dies erfolgt auch geschlechtsübergreifend, wobei hier das anfangs Genannte gilt.
Die Frau reicht ihre Hand oder beugt sich vor, um zu signalisieren, dass sie diese Art der Begrüßung erlaubt. Gewährt sie keine intensiveren Begrüßungen, wird das nicht als unhöflich erachtet, doch stellt das, abseits älterer Damen, eher die Ausnahme dar.
Grüßen sich zwei unvertraute Frauen, legt die ältere Frau die Begrüßung fest
Wurde die Begrüßung festgelegt, wird sie vom Gegenüber erwidert. Es ist also nicht zulässig selber Wangenküsse zu geben, aber dann keine zu empfangen
Kinder stehen gänzlich außerhalb dieser Rituale. Im vertrauten Rahmen ist es üblich sie hochzuheben, sie zu umarmen und ihre Wangen, sowie ihre Stirn zu küssen. Kinder selbst haben die freie Auswahl wie sie grüßen und eine Verweigerung ihrer Begrüßung ist extrem ungewöhnlich, unabhängig vom Geschlecht

Weitere Höflichkeitsregeln
Sitzt man auf dem Boden ist es unhöflich (ungefragt) seine Beine auszustrecken (man nimmt somit anderen Personen evtl. die Möglichkeit sich in der Nähe hinzusetzen)
Man dankt vor dem Essen seinem Gastgeber für seine Mühen und entschuldigt sich, dass man ihm diese bereitet hat. Nach dem Essen lobt man noch einmal die Kochkunst des Gastgebers und betont wie satt man doch geworden ist
Wurde Fleisch gegrillt ist es üblich die erste Portion seinem Gast anzubieten und zwar unmittelbar nachdem man es vom Feuer geholt hat. Der Gast reißt je nach Schmerzem-pfinden ein Stück direkt vom Spieß (wenn es sich um Fleischstücke handelt sind diese mundgerecht zurechtgeschnitten) oder ver-wendet dafür Brot und verzehrt das Stück zeitnah. Danach wird vom Gast ein Urteil erwartet, dass in der Regel positiv ausfällt, außer das Fleisch ist nicht durch, dann darf dies höflich angemerkt werden
Beim Betreten eines Hauses zieht man die Schuhe immer aus, auch wenn der Gastgeber sagt, dass dies nicht nötig sei (Tāroff!), denn quasi alle tulamidischen Häuser sind mit Teppichen ausgelegt. Einzige Ausnahme sind überdachte Terrassen, da sollte man prüfen wo die Schuhe abgestellt wurden und zuweilen (wenn auch nicht immer) Empfangssäle in Palästen etc.

Sprache & Schrift
Metaphern & Assoziationen

In der tulamidischen Literatur sind Metaphern von essentieller Bedeutung, häufig kombiniert mit Wissenschaften wie der Astronomie oder Geschichte. Dies darf und soll auch ungewöhnlich sein: Ein Elefantenleibiger (Piltan) ist kein dicker Mensch, sondern ein Hüne mit der Kraft eines Elefanten (allerdings kommt es hier auch auf den Kontext an). Die fleckige Haut (Sommersprossen) einer Rothaarigen könnte von 1000 Küssen einer Pari (Fee/Blütenjungfer) bedeckt worden sein. Eine Mondschöne zu sein, bedeutet, dass man eine (edle) Blässe aufweist und eine vollkommene, unerreichte Schönheit repräsentiert, nicht etwa dass man ein Mondgesicht hätte.

Vergleiche und Steigerungen
Tulamidische Adjektive fangen schon im Elativ (sehr schön) an. Wirklich Steigerungen im höflichen Sinne erreicht man also nur im Superlativ (schönste). Noch besser ist ein sogenannter relativer Superlativ, sprich man ist aus einer Bezugsmenge der Beste oder Stärkste, Schönste etc. Dadurch entstehen dann Formulierungen wie Schönste der Schönen, Weisester der Weisen etc. Dieses Mittel wird gerne auch im anderen Kontexten verwendet: König der Könige: Der Herrscher über schon machtvolle Herrscher. Blitz der Blitze: Das ist „der“ imposanteste Blitz den die Person je gesehen hatte. Allgemein wird gerne der Genitiv verwendet (Licht der Rechtsgläubigen, Schwert der Schutzbefohlen-en, Wahnsinniger der Liebenden). Umgekehrt verwendet man die Grundform, also schön, stark, gut etc., um den Durchschnitt oder kleinere „Mängel“ zu umschreiben. Das führt natürlich dazu, dass so manch direkter oder nüchterner „Nordländer“ von den Tulamidistani als unhöflich wahrgenommen wird.
Steigerungen werden übrigens von den Tulamidistani gerne auch mit Zahlen vollführt (meistens durch Potenzierung). So opferte der Held 10 Elefanten, 100 Pferde und 1000 Lämmer, bevor er zu seiner gefährlichen Reise aufbrach. Gerne werden diese Zahlen auch durch Multiplikation „guter“ Zahlen gesteigert (3x3, 9x9 etc.)

Farben
Wenn man etwas literarischer von Farben spricht, dann verwendet man auch hier gerne Vergleiche. Anbei ein paar Beispiele:

Ocker: Honig, insbesondere für Augen. Allgemein wird Süße mit Wärme und Feuer assoziiert.
Gelb: Safran, häufig im Kontext der Kleidung. Nur kostspieligste Kleidung wird mit Safran (gelb) gefärbt, so dass man damit einen meist hohen Stand ausdrückt
Rot: Granatapfel, Granatapfelblüte, Rubin, Safran (der Stengel ist ungemahlen rot), Blut, Koralle (auch für Rosa). Die Verwendung ist meist kontextabhängig und soll ein stimmiges Gesamtbild geben. Wurde die Metapher von Perlen für Zähne verwendet, nutzt man die Koralle zur Beschreibung der Lippen
Violett: Safran (Blüte, aber inoffiziell). In diesem Fall wird die Blüte betont. Kann als Metapher für äußere Schönheit und einem „kostbaren Kern“ dienen (im Gegensatz zur Perle und der Muschel ist das Kostbare aber direkt erkennbar und nicht versteckt).
Weiß / hell: Schnee, Silber, Mond (hier auch rein), Perlen (für Zähne), Kafur (Kampfer): Aufgrund seiner heilsamen Wirkung wird es häufig als Gegengewicht zur übelgesinnten Finsternis verwendet. Es gilt aber auch als Libido dämpfend und Sinnbild des Todes, da Tote mit Kampfer und Rosenwasser gereinigt werden. Zucker und Salz: Diese werden häufig auch gern zusammen verwendet, um auszudrücken, dass nicht alles was ähnlich aussieht, ähnlich ist. Nicht selten kann der Geliebte durch seine „süße“ Art gar Salz in Zucker wandeln.
Schwarz: Rabe, Ambra (da weißes Ambra unbekannt ist), Moschus (auch für dunkel-braun). All dies wird in der Regel für Haare, Wimpern, und Augenbrauen verwendet. Shabagh (Gagat), der „schwarze Bernstein“ steht für Dunkelheit häufig als Gegen-gewicht zum Bernstein und der Sonne, sowie der Helligkeit, (glühende) Kohlen stehen für dunkle Augen

Radscha zu Ehren - Worte das Schöne zu beschreiben
Nacht um Nacht wandelte mein Geist alleine, stets auf der Suche nach dir, formten seine Lippen sanft und kaum vernehmbar. Und nun, wo du in meinen Armen liegst, könnt glücklicher ich nicht sein. Wie Uthar gleich, wache ich über deinen Schlaf, fällen meine Pfeile die Überbringer finsterer Gedanken und böser Träume. Mit Bishdariel tausche ich süße Worte, um seiner schönsten Güter Gabe dir zu schenken. Doch selbst im Genuss bereitest du mir Schmerzen. Auf eine üble Art hast du mir den Atem gebunden, denn mir schmerzt mein Herz bei jedem Atemzug, mit der ich nicht deiner Worte Licht erfahre. Denn wenn auch ich ruhe, so bist nur im Traum du mir nah. Und wie kann mein Traum deiner gerecht werden. Deine göttergeschmiedete Hülle aus Sonnengold und Ambra mag mein Geist noch formen können, doch deine Worte zwischen den Zeilen, der Aufschlag deiner Augen, deiner Kohlen brennendes Herz, sind meiner Vorstellungs-kraft zu viel. Wie gerne würde ich noch einmal deine vom Feuer gezeichneten Lippen schmecken, wie gerne den süßen Schmerz erfahren, wenn sie sich wieder von Meinen trennen.
Aus Khusrau & Shila, neuzeitlich

Viele Tulamidistani haben Freude daran durch die Kunst der Sprache die Schönheit der von ihnen Verehrten zu beschreiben. Ich selbst bin leider kein Poet, kann hier also nur die Worte und Formulierungen der großen Meister übersetzen oder auf bestehende Übersetzungen dieser Künstler zugreifen. Anbei einige Beispiele:
Heiligtum der Schönheit: Ist ein Mensch zu schön, dann glaubt man, dass Wesen außerhalb der Menschenwelt daran Einfluss nahmen
Ihr Leib ist schön wie eine reine Seele, so als nähme sie keinen Anteil am Derischen (Irdischen)
Feen / Pari: Es sollen einst Meteoriten/Sterne vom Himmel gefallen sein und die Form schöner Menschen annehmen können. In der frühen Glaubenswelt waren diese Pari Dämonen, die den Charakter der Menschen verdarben und von fast göttlicher Schönheit waren. Wenn man den Namen der Götter aussprach, da verloren sie ihr Aussehen und man erblickte ihre wahre Gestalt. Zwischen-zeitlich setzte man sie mit Hexen gleich. Mittler-weile haben sie einen eher positiven Charakter, ähnlich einer Fee. Einige Forscher*innen vermuten es handelte sich bei den Erzählungen um Laraane.
Weitere:
Haare werden mit einnehmenden Fangseilen verglichen
Wimpern sollen Pfeilen gleich das Herz des anderen durchbohren
Kronen aus Ambra und Moschus als Umschreibung für Haare
Kettengeflechte stehen für gelocktes Haar, meistens wenn eine Mensch das Interesse einer kriegerischen Person geweckt hat oder selbst kriegerisch anmutet
Nie berührte ihn/sie der Sonne Antlitz: Um-schreibung für edle, unberührte Menschen
Schlank und vom hohen Wuchs einer Zypresse: Die Form der Zypresse gilt als Symbol für einen schönen Leib
jemandes Namen aus dem Herzen stehlen: Die Erinnerung an eine (einst geliebte) Person auslöschen
Rabenflug: Umschreibung für Wimpern
Tafelberge der Gor: Umschreibung für die gewaltige, flache Brust eines Mannes
Lippen sind häufig von Feuer gezeichnet oder in Honig getränkt, gelegentlich perlt auch Zucker von ihnen ab

Übertreibungen
Bei den obigen Ausführungen waren ja schon einige Übertreibungen dabei, allerdings kann man da auch noch weiter bis hin ins Legendenhafte gehen:
Tulamidistani bemühen gerne irreale Vergleiche. So müssen (starke) Helden nach Ansicht der Tulamidistani auch immer groß gewachsen sein. „So stark und groß gewachsen war er, dass sein Haupt über den Wolken ragte / … seine Stirn den Mond berührte.“. „So imposant war seine Erscheinung, dass es einem Elefanten/Drachen das Herz zerfetzte“ (=der Drache bekam Angst). So weinte die Luft unter den mächtigen Angriffen seines Khunchomers und die Wolken regnen Rondras blutige Tränen, wenn ein großer Held verstirbt. Große Held*innen haben auch großen Appetit und so wird dann berichtet, wie sie sich Zebras braten und verspeisen.

Er ist ein Meister seines Fachs und das ist nicht einfach daher gesagt. Seine Augen wachen über euch, wie der schützende Schatten Feqzens. Er ist kein Mann großer Worte, doch wenn seine Klingen sprechen, herrscht allerorten ehrfürchtiges Schweigen, ob all seiner Fertigkeit. Die Symphonie seiner beiden Silberdorne ist das Klagelied jener Unseligen, die sich seine Feinde nennen. Ich kenne keinen zuverlässigeren Mann in solchen Dingen, als ihn und glaubt mir, er ist jeden Dinar wert.
Madan al‘Khorasan über seinen Gefährten Nareb, genannt „Khomud“

Assoziation zu Tieren
Bezüge zu Schlangen, Hunden, Wölfen und Bären sind im Tulamidischen ungewöhnlich. Ein zäher Hund würde im Tulamidischen eher als Beleidigung wahrgenommen werden, da Hunde als dreckige, fast schon mindere Tiere gelten. Ein Be-zug zu einem Bären wird eher als Metapher für Fett-leibigkeit verstanden und nicht als Kraftmetapher.
Helden und Feinde werden in Epen dennoch gerne mit Tieren verglichen:
Stärke und Mut: Löwe (Schir), Panther (Bang), Tiger (Babr bzw. Babur)
Gier (nach Blut) /Entfesselte Kraft: Krokodil (Temzah), Drache
Kraft: Elefant (Fiel, Piel), Drache, Löwe
Ungezügeltheit, Wildheit, Unüberlegtheit: meistens durch Attribute wie „brünstig“ (har), ein brünstiger Elefant ist das beliebteste Beispiel. Dies muss nicht immer vollständig negativ gemeint sein. Der brünstige Esel dagegen betont die Dummheit der unüberlegten Handlung
Schnelligkeit: Pferde (Asp), Vögel, Gepard (Palang)
Schönheit: Pfau (Tavuhs) (Pfaue gelten hier eher nicht als eitel)
Ungeschick: Kamel (Tschotohr)
Dummheit: Esel (Khar), Kuh (Gaw)
Trennung von Körper & Geist / Spiritualität: Vögel (Parandeh)

Unmut, Beleidigungen & Kraftausdrücke
Nur Feinde oder (in seltenen Fällen) Personen in Abwesenheit werden beleidigt. Möchte man seinen Unmut über eine Person ausdrücken negiert man positive Aussagen (nicht gut, nicht besonders aufregend, nicht gerade schnell) oder wählt möglichst ungeschmückte, direkte Aussagen. Auch bewusstes und deutlich „wahrnehmbares“ Schweigen kann Kritik ausdrücken. Jemanden direkt ins Gesicht zu beleidigen gilt in den meisten Fällen als stumpf, barbarisch und geistlos.
Anbei einige Beispiele:
Das ist in Ordnung / Das ist nicht schlecht (als Antwort auf eine direkte Anfrage /Meinung): Das ist schlecht / furchtbar.
Das ist Quatsch: Ganz schlimme Beleidigung! Bedeutet so viel wie du bist ein dummer Idiot und hast hier nichts zu sagen
(Ironie): Tulamidistani verwenden Ironie in der Regel als Beleidigung, weswegen sie diese auch als solche wahrnehmen und eine Zeit lang benötigen, bis sie sich an diese außerhalb Tulamidistans gewöhnen
Das ist nicht schlecht (bezogen auf Leistung eines Dritten): Es ist so lala
Das ist sicher Brauch in eurer Kultur: Je nach Kontext: Ihr benehmt euch wie ein Schwein Oder: Mir ist das etwas suspekt.
Die positive Darstellung wäre: Das ist ja interessant, ist das Teil eurer Kultur?
Wenn die Antwort aber dann tatsächlich „ja“ lautet, wird das wiederrum akzeptiert. Bräuche und Sitten zu ehren gilt bei den Tulamidistani einfach als Tugend. Allerdings wird der Sinn des Brauchs dann (vor allem aus Interesse) auch hinterfragt werden…
Bei uns macht man das anders: Dein Verhalten ist nicht in Ordnung. Die positive Formulierung würde auch mit einem „interessant“ etc. beginnen.
Ihr erscheint müde (wenn das abwegig ist): Ihr geizt ganz schön an Höflichkeiten.
Ihr scheint in Gedanken: Rede doch was mehr, komm was aus dir raus du Langweiler! Hier spielt die Musik
Wie eine Rübe (im Feld) stehen: Wird verwendet, wenn jemand hätte agieren, nicht teilnahmslos hätte zusehen sollen oder eingreifen sollen und es jeweils nicht gemacht hat
Sei nicht erschöpft: Üblicherweise eigentlich eine Höflichkeitsformel, wird bei der richtigen Betonung und Mimik daraus eine Kritik. Man drückt dadurch aus, dass eine Leistung zu gering oder so schlecht ausgeführt wurde, dass man es sich hätte direkt sparen könnte. Als Grund unterstellt man Faulheit oder Unfähigkeit.
Möge dein Herz verwelken: Wird meistens mit der Anrufung höherer Mächte oder einem innigen Wunsch verknüpft, also bspw. "mögen die Götter (Radscha) es fügen, dass dein Herz verwelkt", "ich hege den Wunsch, dass einst dein Herz verwelkt" Der Grund für die Verwünschung ist meist, dass der Gegenüber etwas Schönes, Besonderes, Wertvolles verschmäht. Nicht selten ist das der Fluchende selbst. Das bedeutet so viel wie, da du die Schönheit schmähst, die das Herz nährt, so soll dein Herz verwelken/eingehen, denn du bist zu blind diese Nahrung zu erkennen. Oder in Kombination mit einer Drohung: Da du mich jetzt verschmähst werde ich mich dir in der Zukunft vorenthalten bis dein Herz vergeht
Tulamidistani sind allerdings auch Meister der Mimik und Gestik und nutzen sehr häufig diese subtilere Art der Kommunikation um ihren Missmut auszudrücken.
Auch bei Beleidigungen und Kraftausdrücken ist man eher kreativ. So heißt etwa Halt‘s Maul, Sareh Mar ("Möge das Gift der Schlange dich treffen", wörtlich Gift der Schlange). Möglich sind auch Beleidigungen wie Bihamokas (Einsamer, Verlorener, wörtlich "ohne alle und jeden"), sprich jemand der nicht in der Geborgenheit einer Familie aufgewachsen ist und somit keine Erziehung genossen hat. Beliebt ist auch bifarhang (kulturslos, Barbar, wörtlich: ohne Herkunft, Wurzel, Kultur) oder biadab (unhöflich, wörtlich ohne Höflichkeit). "Härtere" Kraftausdrücke entsprechen weitgehend ihren mittelreichischen Äquivalenten. Ist ein Familienbezug vorhanden bspw. ...-sohn, dann wird der Bezug im tulamidischen in der Regel über die Eltern gezogen, also bspw. Pedarzag (dein Vater ist ein Hund, wörtlich Hundevater) (die Übersetzung wäre wohl dennoch …sohn, da im Garethi bei Hundevater sonst ein falscher Kontext entsteht). Wie gesagt gelten Beleidigungen als Zeichen schlechter Erziehung und werden eher von den unteren Gesellschaftsschichten oder für wahre Feinde verwendet.

Gesten & symbolische Handlungen
Tulamidistani wählen gerne starke, symbolische Gesten. Problematisch wird es, wenn diese Gesten im mittelreichischen Kulturkreis ein gänzlich andere Bedeutung haben (und natürlich umgekehrt). Wenn bspw. eine aranische Frau ihrer zukünftigen Schwiegertochter Obst schält und auf ihrem Teller serviert, dann will sie nicht ausdrücken, dass sie ihre Schwiegertochter als Kind oder gar unfähig ansieht, sondern als Teil ihrer Familie, wenn man so möchte als ihr eigenes Kind. Wenn man als Höhergestellter nach einem Streit extra aufsteht und der Gegenpartei, Wein in einen Kelch schüttet und serviert, also den Schankdienst erweist, dann gilt dies als Geste der Versöhnung. Man hat, obwohl man höher steht einen einfachen Dienst für den Niederen erfüllt und ihn somit wertgeschätzt.

Redewendungen
Die Katze beruft ihren Schwanz als Zeugen: Redewendung, wenn man jemandem Befangenheit vorwirft oder jemandem vorwirft, dass er sich auf eine ihm wohlwollende und damit nicht objektive Meinung beruft
As Mahi ta mada: Vom Fisch bis zum Mond, bedeutet allumfassend, über die ganze Welt. Könnte auch vom Niedersten bis zum Höchsten bedeuten (im Persischen entstand das Leben im Wasser). Wird wegen der sprachlichen Nähe von mahi und mada gerne in der Literatur verwendet.
Du hast einen vollendeten Stein geschliffen / dein Werk erstrahl wie ein Brillant: Die hohe Kunst Edelsteine richtig zu formen, die man von den Brillantzwergen erlernt hat, ist mit einer der angesehensten Handwerke. Sie bedingt ein großes handwerkliches Geschick, permanente Aufmerk-samkeit, Geduld und toleriert keine Fehler. Folglich dient diese Kunst als Metapher, dass etwas fehlerfrei, vollkommen ausgeführt wurde, dass das Resultat der Mühen (was auch durchaus ein Essen sein kann) sehr gelungen ist und geschätzt wird.
Es sei das Opfer deiner edlen Gedanken / Auch: Deine traurigen Gedanken, sind des Opfer schon zu viel: Eine Aussage die ein Geschädigter tätigt, wenn jemand unbeabsichtigt einem Schaden zugefügt hat. Vergleichbar mit: Das ist nicht schlimm, mach dir keine Gedanken.
Feuerspringer (Atischpareh): Dieser Begriff ent-stand zu Zeiten Hela Horas und der Priesterkaiser. Schon bei kleinsten Vergehen oder wenn die Verehrung Feqzens vor der Praios erfolgte, wurde der „Übeltäter“ den „reinigenden Flammen“ übergeben. Der Legende nach, konnte man aber durch einen wagemutigen Sprung über die Flammen seinen Häschern entkommen. Heute dient diese Bezeichnung für diejenigen Menschen, die etwas angestellt haben, was aber eigentlich nicht so schlimm ist. Daneben ist eine Verwendung für Lebemänner oder freche Scherzbolde, die anderen Streiche spielen, üblich.
Meine Mutter/Vater kam raus / jemandes Mutter/ Vater herauslocken: Dies bedeutet, dass man jemanden an die Grenze seiner (meist körperlichen) Fähigkeiten gebracht hat oder so sehr bedrängt hat, dass das die Älteren aktiv werden musste. Auf sich selbst bezogen: Ich bin fertig oder alle bzw. ich wurde fertig gemacht.
Ein Schwert wird aus Stahl geformt (Wörtlich: Nur aus Stahl kann man ein Schwert schmieden): Der ist aus dem falschen Holz geschnitzt, der taugt nichts.
Er hat die Meisterschelle noch nicht erfahren: Er ist noch grün hinter den Ohren, er kennt die Mühen des Lebens nicht
Die Küken zählt man erst am Ende des Herbsts: Je nach Kontext: Wer zuletzt lacht, lacht am besten, den Tag nicht vor dem Abend loben.
Ich bin der Staub unter deinen Füßen: Wird nur bei Menschen verwendet, denen man sehr vertraut oder verbunden ist (bspw. Familienmitgliedern) und da auch extrem selten, da es nur angemessen gegenüber jenen ist, denen man nach tulamidischem Verständnis starken Respekt schuldet oder innige Zuneigung empfindet. Ein Beispiel ist ein Enkel und seine Großmutter (in beide Richtungen). Eine übermäßige, unangebrachte Verwendung in diesem Sinne wird deswegen als inhaltslos angesehen und schmälert die Bedeutung des Satzes, wie auch der aussprechenden Person. Häufig dient diese Redewendung dagegen als Einleitung einer Kritik, im Sinne dessen, dass man alles für die andere Person gemacht hat (oder bereit wäre zu machen) und diese es einem schlecht dankt.
Von "Dattel" sagen wird der Mund dir nicht süß: träum nicht mach auch was dafür/ das sind leere Versprechungen, denen keine Tat folgt / übertragen: ohne Arbeit kein Vergnügen. Beliebte Formulierung der "klassischen" Literatur.
Mögest du deines Grabs verlustig werden / dein Grab entschwinde: Sehr, sehr vulgär, bedeutet so viel wie: Fahr zur Hölle. Verschwinde, keiner soll je mehr deiner gedenken. Es gibt auch das ähnliche: In welchem Grab steckst du? - Wo zur Hölle steckst du? (genauso vulgär)
Nicht mal der Hund erkennt seinen Sahib (Herrchen) wieder - Hier herrscht schieres Chaos (im Sinne von Gedrängel, viele Menschen die durcheinander sprechen etc.)
Melliador öffnete sich bei seiner Geburt - Was für ein arroganter Fatzke / der hält sich selbst für den Größten. Diese Formulierung ist übrigens immer ironisch und wird nie ernst gemeint
Der mindere Kiesel der aufs Gold einschlägt, mehrt durch diese Tat weder seinen Wert noch mindert er den des Goldes. – Bedeutet, dass ein edler / ehrenhafter Mensch nicht durch einen einfachen oder ehrlosen Menschen diffamiert werden kann und dieser nicht edler oder ehrenhafter wird, wenn er einen ehrenhaften Menschen diffamiert oder diskreditiert.
Mein Leben als euer Opfer – Ich schätze dich so sehr, ich bin bereit mein Leben zu geben, damit dir nichts wiederfährt. Wird verwendet, um eine andere Person für ihr Verhalten, ihre Manieren oder moralische Überzeugungen zu ehren. Mittlerweile aber eine übliche Phrase und Antwort auf eine höfliche Formulierung, im Sinne von vielen Dank.
Euer Schuldner: Wird stellvertretend für es tut mir leid oder es widerstrebt mir euch zu widersprechen, aber... verwendet.

Anreden
Neben Effendi und dem unterwürfigeren Sahib sind mögliche Anreden:
Agha, weiblich Aghi: Eigentlich ein Offiziersrang wird er auch gerne für Aristokraten verwendet, insbesondere dann, wenn diese eine gewisse Wehrhaftigkeit aufweisen. Wird auch verwendet, wenn die Person höflich oder wohlerzogen ist, vergleichbar mit der mittelländischen Kavalier*in
Ostad: Anrede für einen Lehr- oder Handwerksmeister, kann man aus Freund-lichkeit, aber auch gegenüber einfachen Handwerkern oder älteren Personen verwenden, um auszudrücken, dass man ihre Kunst und ihr Wissen schätzt und achtet
Khajeh / Chajeh: Herr*in. Wird für Würden-träger wie Wesire und auch gerne für sehr bedeutende Gelehrte verwendet. Da Eunuche teilweise sehr hohe Positionen einnehmen, wird dieser Begriff auch für eben jene verwendet. Trotz dieser über-greifenden Verwendung ist die Anrede für Nicht-Eunuchen nicht abwertend
Ghorban: Opferdarbringer*in. Anrede für Geistliche.
Khan (weiblich Khanum): Herr/Herrin. Wird dem Vornamen nachgestellt. Beispiel: Faisal Khan
-djun, oder (etwas formeller) -djan: Mein Lebensgeist/Leben/Liebe. Das was das Leben erst lebenswert macht. Verwendung gegenüber nahestehenden Personen (Geliebten, Verwandten, guten Freunden). Wird ebenfalls dem Namen (allerdings direkt) angehangen und drückt tiefe Zuneigung für diese Person aus. Beispiel Faisaldjun. Kann aber auch für sich alleine stehen, bedeutet dann so viel, wie, du hast meine Aufmerksamkeit, du bist mir das Wichtigste und ich höre dir aufmerksam zu. Gelegentlich wird es wenn es einzeln steht auch als Ausdruck der Freude oder des Genusses verwendet, im Sinne dessen, dass es das Innerste erquickte, das es den Inhalt des Lebens darstellt. Durch den inflationären Gebrauch in der nahen Vergangenheit nimmt die eigentliche Bedeutung zunehmend ab.
Hamzar: Wird genutzt, um den/die Partner*in zu benennen. Hamzar bedeutet „Gleicher Kopf“ (im Sinne von Augenhöhe) und soll betonen, dass man den/die Partner*in als ebenbürtig betrachtet. Wird von zunehmend mehr Erwachsenen verwendet und ist geschlechtsneutral. 

Zeitrechnung & Jahresverlauf
Die Namenlosen Tage

Die namenlosen Tage werden bei den Tulamidistani auch als die verlorenen Tage bezeichnet. Feqz der Herr der Sterne schützt die Menschen fast das ganze Jahr mit der Bastion seiner Sterne gegen die Übergriffe des Goldenen und der Dämonen. Mada, seine liebliche Tochter tanzt Nacht um Nacht am Sternenhimmel, um die Dämonen abzulenken. Doch während dieser fünf verlorenen Tage, dann wenn die Sonne in der Sternenleere steht und die Macht der kürzesten Nächte am schwächsten ist, gelingt es den Dämonen mit der Unterstützung des Goldenen einen Einfluss auszuüben, den Feqz ansonsten unterbindet.
Während der Namenlosen Tage ist es Brauch, nach Möglichkeit das Haus des ältesten bekannten Verwandten aufzusuchen (immerhin hat dieser am häufigsten der Macht des Goldenen widerstanden) und die Tage gemeinsam zu verbringen. Mittels vieler Kerzen, die den schützenden Sternenwall darstellen sollen, versucht man die Macht des Namenlosen und der Dämonen zu schwächen. Nach den Namenlosen Tagen ist es Brauch, dass man sich innerhalb von 12 Tagen gegenseitig besucht. Jeder Besuch muss von der anderen Partei erwidert werden und man dankt und lobpreist dem widererstarkenden Feqz, dass er erneut die Macht des Goldenen gebrochen hat.
Erster Praios
In einigen Dörfern ist es Brauch am ersten Praios sein Gesicht möglichst bunt einzufärben, laut singend und musizierend durch das Dorf zu ziehen und als Zeichen des Trotzes und Widererstarken Feqzens dabei Fröhlichkeit und Heiterkeit zu verbreiten.
Am sehr späten Abend werden mehrere Lagerfeuer entfacht. Gerade von den jungen (sündigen) Menschen wird erwartet, dass diese über das Feuer springen. Einige Tulamidistani behaupten dieser Brauch stamme aus den Zeiten Hela Horas und der Priesterkaiser, die in ihrem Hass jene Tulamidistani am 1. Praios verbrannte, die den alten Göttern anhingen oder Feqz vor Praios verehrten. Doch einigen Wagemutigen gelang es der Legende nach mit einem waghalsigen Sprung über den Scheiterhaufen, der Verbrennung zu entkommen.
Der Aberglaube der „reinigenden Flammen“ und der durch einen Sprung seinen übelgesinnten, Häschern, die sich an einen geheftet haben, zu entkommen, vermengte sich im Lauf der Zeit. Heute, so sagt man, vergehen die bösen Divs und Shaitans (mindere und gehörnte Dämonen), die sich an einen geheftet haben, in den reinigenden Flammen des Feuers und jene Menschen, die einem Übles wollen, werden durch Mut und Entschlossen-heit hinter sich gelassen. Umso größer das Feuer, umso größer vermutet man ist der Effekt, was bei übermütigen Jugendlichen schon das ein oder andere Mal zu leichten Verbrennungen geführt hat.
Der Brauch Praios nach den „verlorenen Tagen“ zu ehren, stößt bei uns Tulamidistani auf Unver-ständnis. Denn diese liegen mitten während der Hochphase des Sommers, da wo Praios Macht mit am größten sein sollte. Warum kann er ihr Eintreffen dann im Zenit seiner Macht nicht unterbinden? Nein, wir Tulamidistani denken dagegen, dass während der Zeit der kürzesten Nächte, die Macht Feqzens erschüttert ist. Die Dämonen versuchen in dieser Zeit, dann wenn die Wacht Radschas endet und die Macht der Nacht erschüttert ist, diese Schwäche auszunutzen und durch die Bresche des Sternenwalls, den Feqz zum Schutze der Menschen einst formte, in unsere Welt zu gelangen.
Feqzgeweihter Fasars

Zisdah be dar (zum Dreizehnten aus der Tür)
Am dreizehnten des neuen Jahres wird das Haus verlassen und der Tag draußen verbracht. An diesem Tag befinden sich die letzten bösen Geister im Haus und man will nicht als Ziel dieser Geister fungieren. Man trifft sich häufig mit Freunden in Parks und im Freien oder an der Küste. Einige gehen sogar im Sinne des Aves soweit, dass sie kurz verreisen.

Basiliskentag
An diesem Tag (18. Phex) kleiden sich junge Krieger (meistens Männer) in schwarze Gewänder und schwärzen auch ihre Gesichter und Waffen, um Jagd auf alles Echsische zu machen. Es gibt strenge Vorschriften wie mit den Leichen der erlegten Echsen umzugehen ist, denn sie gelten als unrein und sollen, wenn man die strengen Zeremonien nicht einhält, die Elemente über Monate hinweg verunreinigen. Nahe am Raschtulswall gibt es sogar noch Bräuche, dass nur Geweihte (vorzugsweise des Feqz) eins der Tiere (bspw. eine Schlange) symbolisch verspeisen und so mit ihrem eigenen Körper läutern. Aber auch Dienern des „echsenhassenden“ Aveshan, wie Falken, oder den Geiern Maha Bors, werden die Kadaver aus gleichen Gründen überantwortet.

Erster Peraine – Nohrus, der neue Tag
Mit dem Beginn des Frühlings, ist es Brauch den Fruchtbarkeitsgöttern zu opfern. Dies waren lange Zeit die Flüsse und auch heute hat sich diese Tradition erhalten. Am ersten Tag des Frühlings, den man als Nohrus, den neuen Tag bezeichnet, reist man zum Fluss und opfert ihm kurz vorher gezogene Pflanzen (häufig Getreide). In die gezogenen Pflanzen wird ein Knoten gemacht, anschließend wünscht man sich was und übergibt die Pflanzen dann dem Fluss. Löst sich der Knoten, so sagt man ginge der Wunsch in Erfüllung.

Moharam – Die Bannung
Auch als Tag von Aschura oder Tag des Amaryds bekannt
Dieser Tag wird zu Ehren des heiligen Amaryd (I.) zelebriert. Das tulamidische Wort für „Zehnter“ lautet Aschura, so dass man diesen Tag (10. Boron) als eben jenen bezeichnet. An diesem Tag gedenkt man dem Opfer Amaryds und seiner Krieger im Kampf gegen Shaz-Man-Yat.
Traditionell formt jede Großsippe hierfür eine eigene Prozession, welche im besonderen Kern aus 12 Personen besteht. Diese stellen Amaryd und 11 Krieger dar (10 Ritter und seinen Knappen).
Vor der eigentlichen Prozession wird der Abschied Amaryds von seiner Frau und seinem Sohn nachgespielt. Gemäß der Überlieferung verbat Amaryd kurz vor seinem Aufbruch seiner Familie, um ihn zu weinen, denn als Shah sah er sein Handeln als die ihm von den Göttern zugedachte Aufgabe und als hingebungsvolle Pflicht für sein geliebtes Land an. Gesegnet mit der Herrschaft über sein stolzes Volk und um ihr Glück zu bewahren, war er gerne bereit sein eigenes Leben dafür zu geben. Eine Opfer zudem auch seine Krieger bereit waren.
Der Darsteller Amaryds, in allen Fällen immer ein Mann, trägt neben einer Nachbildung Zhimitarras, der Amethystlöwin, ein sogenanntes Alam (Banner). Dieses bis zu 5 Schritt lange Gebilde wird mit insgesamt 12 stählernen, stilisierten Pfauen-federn, die auf einer langen Stange aufgereiht werden, verziert. In einigen Fällen wird die Feder des Königs größer dargestellt und die seines Knappen vor oder hinter dieser großen aufgeführt, so dass zu beiden Seiten je 5 Federn der Ritter stehen. Der Pfau symbolisiert in Aranien neben der Schönheit auch den Kampf gegen Schlangen und den damit assoziierten dämonischen Kräften, in dem speziellen Fall stehen die Schlange jedoch für den Unterleib der Shaz-Man-Yat. Das Alam ist so schwer, dass es eines sehr kräftigen Mannes bedarf, um diesen zu tragen. Üblicherweise helfen die 11 Krieger dem Darsteller Aramyds, in dem sie den Alam anheben und auf seine Schultern setzen. Zur Erleichterung besitzt der Träger eine Konstruktion aus Holz und Leder, die das Gewicht besser auf dem Körper verteilt. Das Tragen des Alams stellt eine sehr hohe Ehre dar und symbolisiert die Last der Herrschaft, aber auch die Schönheit Araniens, weswegen der Alam zusätzlich mit echten Federn und kunstvoll bedruckten Stoffen verziert wird. Einer Sage nach wurde von den 12 tatsächlich ein geweihtes Banner (einige sprechen gar von einem Schleier Radschas) geführt, dass seit dem Ableben Amaryds jedoch verschollen ist und dem eine Schutzwirkung gegen den Einfluss der Shaz-Man-Yat nachgesagt wird.
Sobald die eigentliche Prozession beginnt, trägt einer der Krieger im Gesang die Sage des Kampfes gegen Shaz –Man-Yat vor. Innerhalb des Rhythmus vollführen die übrigen Krieger, die vor dem Träger schreiten, einen rituellen und dennoch kämpferischen Tanz, der den Kampf gegen die Dämonin und die dabei erlittenen Qualen darstellen soll. Aufgrund des Einflusses der Peraine- und Radschakirche sind Geißelungen bei denen Blut fließt während dieses Prozesses allerdings strengstens untersagt! Um die Leiden der Krieger dennoch darzustellen, werden deswegen geißelähnliche Konstrukte aus leichtem Stoff geschwungen, deren Enden wie Schlangenköpfe geformt sind. Diese werden gemäß einer festen Abfolge über die Schultern gepeitscht, meist begleitet mit kunstvollen, tänzerischen Drehungen. Der restliche Teil der Prozession schwingt im Rhythmus des Gesangs seine flache Hand oder gar beide Hände weit aus und schlägt sie sich (kreuzförmig) auf die Brust. Das imposante Beben, das dabei durch die Luft geht, ist allerorten zu hören und symbolisiert den gemeinsamen Zusammenhalt und die Treue zum Königshaus und lässt damit keine Zweifel an der Entschlossenheit der Aranier zu. Einige tulamidische Philosophen behaupten jedoch, dass dieses auf die Brust schlagen, ein Symbol der Erschütterung des Innersten also der Seele selbst darstellt und dass das Leid so durch das Volk geteilt wird. Die Prozession verläuft durch die gesamte Ortschaft. Vor heiligen Stätten wie Tempeln oder Schreinen verbeugt sich der Träger des Alams in einem schier unglaublichen Kraftakt mitsamt des Alams und zeigt damit Demut vor den Göttern. In manchen Fällen kniet einer der Krieger vor der Stätte und verbleibt bis zum Ende der Prozession dort, was seinen Tod und seine Einkehr in das Paradies darstellen soll. Der Zug endet vor einem Amarydschrein. Ist ein solcher in der Ortschaft nicht vorhanden, wird dieser vor dem Radschatempel oder dem sonst bedeutendsten Tempel anlässlich des Trauertages errichtet. Dort findet der finale Kampf gegen die Shaz-Man-Yat statt. Diese wird immer zwingend von einer Frau dargestellt. Sie darzustellen stellt keine Schande dar und häufig erlangt die Darstellerin das Recht im darauffolgenden Jahr die Frau Amaryds, Ithome, darzustellen. Der Kampf verlangt vom Träger noch einmal alles ab, denn nun muss er auch das gewaltige Alam in einer drehenden Bewegung in den Kampf führen. Nur kurz unmittelbar vor der Bannung, also wenn die Shaz-Man-Yat symbolisch mit Zhimitarra an den Fels geheftet wird, wird ihm das Alam abgenommen.
Als Folge des Wunsches und Abschieds Amaryds wird das Aschura nur am Morgen bis zum Beginn der Prozession (ungefähr zur Mittagszeit) in stiller Andacht begangen, Feste sind bis zum Ende der Prozession untersagt. Nach der Prozession dagegen ist es üblich ausgelassen zu feiern und zu zeigen, dass kein Schrecken die Lebenslust und das von den Göttern gegebene Glück der Aranier mindern kann. Gleichzeitig wird so der Wunsch und das Opfer Amaryds für eben jenes Glück geehrt. Zusätzlich wird an die Prozessionsteilnehmer eine Speise verteilt, die viele Zutaten enthält, die für die Gaben der Götter stehen, deren Schutz die Aranier im Besonderen genießen. Diese sind: Rosenwasser und Zucker für Radscha, Kurkuma oder Sa‘feran für Rondra, Reis für Peraine, Wasser für Efferd und zur Dekoration Blauhimmelsstern (Feqz), dazu auch Mandeln und Pistazien. Die Speise wird traditionell in einem türkisenen Gefäß serviert (ebenfalls Feqz).
Nach dem Fall Orons wird das Ereignis wieder häufiger praktiziert. Das Alam wird neuerdings mit kalligraphisch dargestellten Namen von Familien-mitgliedern verziert, die im Kampf gegen Oron gefallen sind und die den Gedanken der Krieger und deren Opferbereitschaft somit fortgeführt haben.

Spiel & Sport
Sur-Khaneh- Haus der Kraft

Das Sur-Khaneh (Haus der Kraft) ist eine uralte tulamidische Tradition. Es bezeichnet einen Ort, an dem Übungen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung ausgeführt werden. Da an diesen Orten die Geschichten, die Sprache und der Glaube an die alten Götter bewahrt wurden, empfanden dies die bosperanischen Eroberer unter der Herrschaft Hela Horas als Ketzerei und Widerstand gegen die göttliche Ordnung, sowie als Keimzelle militärischen Widerstands. Als Folge dessen wurden diese Orte zerstört und die Mitglieder dieser Institutionen (unter denen sich auch Geweihte der Rondra, Ras’Raghs, Kors und Feqzens befanden), systematisch verfolgt. Zwar gelang es gerade Anhängern des Feqz diese Tradition im Untergrund fortzuführen, doch führten diese Verfolgungen dazu, dass diese Tradition weitgehend vergessen wurde. Erst in jüngster Zeit, durch die Rückbesinnung auf die tulamidische Geschichte, lebt diese Tradition wieder auf. Je nach Glaubensrichtung stehen unterschiedliche Inhalte zur Verfügung, doch haben alle Varianten dieser Tradition gemein, dass die körperliche und geistige Ertüchtigung im Vordergrund steht.

Varianten je nach Glaubensrichtung
Das Sur-Khaneh war schon immer stark mit dem Glauben an eine Gottheit und "dessen" Pantheon verknüpft. Historische Quellen erwähnen, dass die ersten Gottheiten die diese Tradition aufführten die urtulamidischen Gottheiten Feqz, Randara und Khor waren. Dazu kamen, gerade im thalusischen Raum, aber auch Institutionen die Ras'Ragh verehrten. Dass auch Rashtul zu diesen "Gottheiten" gehörte, kann nicht schriftlich nachgewiesen werden, doch sollen einige Hadjinim die sich auf Rashtul berufen, eine ähnliche Tradition aufweisen. Heutzutage wird diese Tradition hauptsächlich von der Rondra und Korkirche, sowie neuerdings von den Novadis wieder aufgegriffen. Es gibt angeblich noch weiterhin einige im Schatten agierende feqzgefällige Sur-Khanehs, angeblich soll Marwan Sahib einem dieser Häuser vorstehen, doch könnte es sich hierbei auch nur um Gerüchte die von der Feqzkirche gefördert werden, handeln.
Natürlich unterscheiden sich die Inhalte der körperlichen und geistigen Ertüchtigung je nach Gottheit enorm, doch existieren aufgrund des gemeinsamen Ursprungs auch Gemeinsamkeiten (siehe weiter unten).
In ländlichen Räumen ohne militärischen Schutz und in früheren Zeiten nahmen die Mitglieder eines Sur Khanehs häufig die Aufgabe einer Miliz ein, die die Gemeinschaft vor feindlichen Angriffen schützte. Auf der anderen Seite wurden so auch schon früh moralisch gefestigte Krieger und Söldner für die Heere geschult.

Körperliche & geistige Ertüchtigung
Körperliche Ertüchtigung: Rondra und Korkirche, mit einigen Abstrichen auch die Novadis legen neben einem soliden Training der Beweglichkeit, ihren Fokus auf körperliche Stärke. Bei der Feqzkirche bemüht man sich um Vielseitigkeit, damit die individuellen Stärken des Mitglieds geschult werden können.
Geistige Ertüchtigung: Alle Traditionen haben gemein, dass die regionale Geschichte, Sagen und Glaubensgrundsätze allen Teilnehmern vorgetragen und von diesen verinnerlicht wird. Dies stellt einen wichtigen Teil der Übungen dar, denn mit den kämpferischen Fähigkeiten die vermittelt werden, soll auch das Bewusstsein für den moralisch korrekten Einsatz dieser verinnerlicht und so auch die Seele der Teilnehmer gestärkt werden. Dies gilt für alle Traditionen und Glaubensgrundsätze, auch wenn man dies als Mittelreicher vielleicht bei Khor und Feqz nicht erwarten würde. Gemäß der tulamidischen Tradition wird Geschichte nicht als nüchterne Aufzählung von Fakten angesehen, sondern muss entsprechend ausgeschmückt werden. Hierbei werden natürlich bewusst Geschichten ausgewählt, die den Idealen der Gottheit genehm sind und Eigenschaften und Entscheidungen der Protagonisten immer in diesen Kontext gebracht. Auch wenn die Fähigkeiten der Protagonisten immer sehr übertrieben dargestellt werden, ist es üblich, dass Helden Fehler aufweisen und Fehlentscheidungen treffen. Denn die absolute Vollkommenheit eines göttlichen Ideals ist nur den Göttern und ihren Kindern vorbehalten, der Mensch muss zwar nach diesen Idealen streben aber schlussendlich daran scheitern. Dieses Scheitern wird aber auch kritisch hinterfragt und ausführlich diskutiert.

Aufbau eines Sur-Khanehs
Der Aufbau eines Sur-Khanehs ist bewusst recht einfach gehalten. Der Eintritt des Gebäudes ist sehr niedrig gehalten (unter 1,5 Schritt) und gegenüber vom Eingang ist zumeist ein Bild oder Zeichen der Gottheit (bei den Novadis eher die Ausnahme) aufgestellt. Der (fremde) Eintretende ist durch den niedrigen Eingang gezwungen, gebückt den Raum zu betreten und somit den Traditionen des Hauses und der Gottheit den nötigen Respekt zu zollen. In unmittelbarer Nähe der Götterstatue befindet sich ein Podest (Sardam) mit einer Trommel. Auf diesem Podest steht oder sitzt der Morsched, der die restlichen 8 Teilnehmer durch die Übung begleitet. Der Morsched ist entweder ein Geweihter (bei den Novadis handelt es sich hierbei manchmal um einen Derwisch) oder um den ältesten Teilnehmer (bei Orten bei denen kein "geeigneter" Geweihter vorsteht).
Den meisten Raum nimmt eine ca. 1 Schritt tiefe Grube ein. Erstaunlicherweise ist diese bei allen Traditionen achteckig. Jede der Seiten wird von einem Teilnehmer eingenommen. So kommt man auf insgesamt 9 Personen (8 Teilnehmer + 1 Morsched). Dass dies gemäß zwölfgöttlicher Tradition genau die heiligen Zahlen von Feqz und Kor sind und selbst Novadis die 9 als Zahl ihres Gottes betrachten, kann Zufall sein oder an der langen Tradition der Zahlenmystik liegen. Im Sinne der Zahlenmystik wird folgende eher unübliche Interpretation vorgenommen: Einheit und Macht (1) ordnet die Schönheit und schöpferische Vielfalt der Welt (8). Dies führt zur Vollkommenheit (9).

Üblicher Ablauf
Üblicherweise sind die Teilnehmer größtenteils unbekleidet und tragen nur Hosen und bei den Frauen leichte Oberbekleidung. Dies soll die grundsätzliche Gleichheit vor den Göttern und Bescheidenheit ausdrücken. Bevor sie den Raum betreten ist es üblich sich im Vorfeld ausgiebig zu reinigen und häufig auch Finger- und Zehennägel zu schneiden. Zweiteres ist gerade für die Ringübungen relevant. Das unerfahrenste Mitglied stellt sich gegenüber des Morscheds (Anführer) auf und kann so von diesem am besten unterwiesen werden. Je erfahrener er wird, desto näher rückt er an ihn ran. Üblicherweise muss man einen Monat warten und bei den Übungen zuschauen, bevor man Mitglied werden darf. Insgesamt dürfen Zuschauer den Übungen folgen, gelegentlich wird dann von den Teilnehmern erwartet, dass sie sich mehr bedecken. Einzelne Übungen können von Teilnehmern vorgeführt oder Fragen während der Unterweisung gestellt werden. Jedes Mal, wenn ein Teilnehmer das Wort ergreifen oder etwas selbstständig ausführen will, muss er dafür die Erlaubnis vom Morsched einholen. Hierfür erhebt er den Arm und ruft „Rokhsat“ (Erlaubnis!). Wenn der Morsched dies erlaubt, dann antwortet er mit „Rokhsat bar [Name des Gottes]“ (Erlaubnis im Namen des Gottes erteilt). Falls er die Erlaubnis verweigert antwortet er mit „Forsat“ (Ver-weigerung). Dies wird kommentarlos akzeptiert und gilt nicht als Beleidigung oder ehrenrührig. Während einer philosophischen Erörterung ist dieses Verhalten nicht notwendig, außer die Diskussion sollte allzu hitzig werden, in diesem Fall verlangt der Morsched das Erheben der Hand und definiert durch sein Nicken die Reihenfolge. Manche Sur-Khaneh die Rohal hoch verehren, erlauben nur bilateral geführte Gespräche, wie in den berühmten rohalschen Gesprächen.
Die Übungen beginnen häufig mit der geistigen Ertüchtigung (siehe oben). Diese Ertüchtigungen werden während der Übungen fortgesetzt und können auch zwischen den einzelnen Übungen ausführlicher ausfallen. Während der Übungen werden die geistigen Unterweisungen auch teilweise in Versform oder sogar im Sprachgesang dargebracht. Nach der Begrüßung beginnt man mit Aufwärmübungen, um die Muskeln zu lockern und den Körper für die eigentlichen Übungen aufzuwärmen, meistens begleitet von leichten Trommelschlägen und mit Drehungen, um den eigenen Körper (Tscharkh Sadan). Das Tscharkh Sadan (drehen) soll die Beweglichkeit und Ausweichübungen trainieren.
Die eigentlichen Übungen variieren je nach Gottheit und regional üblichen Waffen. Anbei die üblichsten Übungen:
Mil: Dies sind (üblicherweise zwei) bis zu 40 Stein schwere Holzkegel (es gibt aber auch deutlich leichtere Varianten). Die vorrangig geschwungen und jongliert werden. Sie sollen den (beidhändigen) Kampf mit Nahkampfwaffen fördern, insbesondere mit kraftbasierten Hiebwaffen, wie Streitkolben oder Äxten. Üblicherweise geht dafür einer der Teilnehmer in die Mitte und setzt den Takt der Trommel in Übungen um, während der Morsched weiter die geistige Festigung vornimmt. Der Mann in der Mitte wird als Myander (Beherrscher der Mitte) bezeichnet.
Kabadeh: Das Kabadeh ist ein zwischen 12 bis 60 Stein schwerer Stahlbogen. Statt der Sehne ist eine enganliegende Kette an dieser befestigt, die zusätzlich mittels metallischer Scheiben an den Kettengliedern beschwert wird. Die Anzahl der Kettenglieder und Scheiben ist abhängig von der Kultur und dem Glauben des Sur-Khanehs. Der Bogen wird mit zwei Händen gegriffen, beim ersten Hochheben geküsst (meistens ist in der Mitte ein Zeichen der Gottheit eingraviert) und dann erst einmal über dem Kopf gekreist. Hierbei muss man den Bogen ausreichend hochhalten, damit die Scheiben nicht ins Gesicht schlagen. Danach werden die beim Bogenschießen üblichen Bewegungen mit dem Bogen ausgeführt, wozu auch das Pfeilziehen simuliert wird (allerdings mit dem 60 Stein schweren Bogen!). Auch hier ist auf die Scheiben zu achten. Um auch die Beinarbeit und Koordination zu schulen, wird sich hierbei zwischendurch häufig um die eigene Achse gedreht.
Zang: Das Zang (Stein, Fels) soll den Kampf mit dem Schild trainieren. In früheren Zeiten wurde dies mittels Felsen simuliert, mittlerweile gibt es hierfür spezielle, schwere Holzschilde (eigentlich Zepar. Sie werden dennoch häufig weiterhin als Zang bezeichnet) mit denen die Übung ausgeführt wird. Diese Übung wird häufig mit dem Rücken auf dem Boden und mit zwei Schilden ausgeführt. Durch das anschließende Heben der Schilde sollte bspw. das Pressen im Nahkampf simuliert werden. Es gibt aber auch deutlich agilere Übungseinheiten, die dennoch fast immer auf dem Boden ausgeführt werden.
Schwertübungen: Es gibt einige Schwertübungen. Dabei geht man vor allem auf Schnelligkeit, sowie den kreativen Einsatz des Schwertes/Säbels ein. Häufig wird auch der stumpfe Rücken des Säbels mit in die Übung bezogen, den man dann mit der zweiten Hand stabilisiert und zur besseren Kraftübertragung nutzt (um bspw. den Gegner zurückzustoßen oder starke Angriffe abzuwehren). Unter anderem werden dann mit säbelähnlichen Stützen auch Liegestütze gemacht.
Koshti (Ringen): Die Übungen enden immer mit Ringübungen (Freistilringen). Der Mosched legt die Kampfpaarungen fest. Üblicherweise kämpfen immer nur zwei Teilnehmer gegeneinander gleichzeitig.

Sport - Allgemein
Entgegen des Klischees legen die meisten Tulamidistani mehr Wert auf Kraft und Konstitution, statt auf die Beweglichkeit. Des Weiteren steht häufig weniger der Spaß beim Sport im Fokus, als die körperliche Ertüchtigung. Der beliebteste (körperliche) Sport ist und bleibt deswegen das Ringen (das bspw. im Sur Khaneh, praktiziert wird). Es mag für einen Mittelreicher verwunderlich sein, dass viele tulamidische Parks des Weiteren einen Ringplatz beinhalten, der regelmäßig genutzt wird.

Handwerk & Technik
Mathematik

Die Mathematik ist bei den Tulamidistani extrem weit fortgeschritten, insbesondere die Geometrie, wie auch die Al‘Gebra und die Zahlenmystik. Sie wird bevorzugt im Rahmen der Architektur, der Wirtschaft, in der Landvermessung, dem Erbrecht und natürlich der Astronomie verwendet. Mathematische Werke werden fast immer in Prosa verfasst, auch die Formeln, da eine einheitliche Beschreibung mathematischer Formeln sich nie durchsetzen konnte. Viele dieser Werke werden durch Zeichnungen ergänzt und häufig werden auch mathematische Zusammenhänge aus der Geometrie hergeleitet, wie bspw. die Lösung kubischer Formeln.
Neben der Berechnung des Verlaufs der Gestirne, insbesondere der Wandelsterne, werden diese Stellungen separat im Rahmen der Astrologie interpretiert.

Architektur
Die tulamidische Architektur unterliegt ver-schiedenen Problemstellungen und Bedürfnissen. Neben den ästhetischen Bedürfnissen existieren auch viele zweckdienliche Anforderungen. Eine der zentralsten Herausforderungen stellen die verschiedenen klimatischen Bedingungen der größtenteils ariden Siedlungsräume der Tulamidistani dar. Damit einhergehend haben sich die Tulamidistani frühzeitig mit der Versorgung und Nutzung von Wasser beschäftigt. Zu Beginn der tulamidischen Siedlung stellte das Gebirge bzw. das durch den Steigungsregen zur Verfügung stehende Wasser, mit die erste Bezugsquelle dar.

Kariz / Qanat
Um das Wasser aus dem Gebirge in die Lande des heutigen Tulamidistans (abseits der Flüsse) zu leiten wurden zahlreiche Karize, Kanäle die unter der Erde verlaufen (um die Verdunstung des Wassers zu minimieren), angelegt. Dabei existierten zahlreiche Herausforderungen. Das Wasser musste unter der Erde geführt werden, aber nicht zu tief, damit es nicht versickert. Sie mussten so angelegt werden, dass der Verlauf möglichst gerade ist, damit durch die ständige Belastung auf die Seitenwände, diese nicht weggespült werden oder gar einstürzen. Sie mussten ein geringes Gefälle aufweisen, damit das Wasser vom Gebirge in die tiefergelegten Ebenen geführt werden konnte, aber das Gefälle durfte nur extrem klein sein, da ansonsten die Geschwindigkeit des Wasserflusses zu stark wurde und den Boden unterspülte. Bei kurzen Karizen beträgt das Gefälle ca. 1 Schritt auf eine Rechtsmeile. Bei langen Karizen kamen deutlich geringere Gefälle zustande. Einige Karizerbauer, die die Flussgeschwindigkeit nicht durch das Gefälle bändigen konnten, gingen dazu über, stabile, steinerne Zwischenstationen zu bauen und die Kraft des Wassers und Gefälles an diesen zu „brechen“.
Zum eigentlichen Errichten (und der Wartung) des unterirdischen Karizes ist es notwendig alle paar Schritt einen vertikalen Schacht zu treiben und die Arbeiten an der Stelle fortzuführen.
Die längsten Karize erreichen eine Länge von 80 Meilen und benötigen Jahrzehnte bis Jahrhunderte für den Bau.
In der jüngsten Vergangenheit erprobt man bei der Wartung und dem Neubau von Karizen den Einsatz von Arkanglyphen. Dabei wird bspw. das Wasser gekühlt und die Fließgeschwindigkeit des Wassers mittels Glyphen der elementaren Attraktion Erz (hier der Aspekt der Trägheit) gemindert, auch der Einsatz von Glyphen zu Stabilisierung der Außenwände wird immer üblicher.
Das Errichten und die Wartung der Karize (und unten genannter Ab-Anbars) ist hoch komplex und bedarf der Kenntnis mehrerer Wissenschaften und/oder eines großen handwerklichen Geschicks, das über Generationen hinweg vermittelt, erhalten oder gar weiterentwickelt wird. In vielen dieser Familien befinden sich auch Zauberkundige, denen man eine elementare Affinität nachsagt und von den behauptet wird, sie würden sich mit den Geistern und Gesandten der Flüsse austauschen können. Einige dieser Personen treten gar ihrerseits als Gesandte oder Priester der Flüsse auf und pflegen ihre kultische Verehrung. Allgemein spielen die Flüsse natürlich eine wesentliche Rolle im Leben vieler Menschen. Der größte Heilige Gadangas ist Jikhbar al’Alam, der bekannteste und angesehenste Wasserbaumeister. Die Wasserbaumeister werden nach einem komplizierten Verfahren von den Nutznießern des Wassers bezahlt. Alle tulamidischen Potentaten achten penibel genau und in Zusammenarbeit mit anderen Potentaten sogar grenzübergreifend, dass die Wasserbaumeister angemessen entlohnt werden.
Die Rondra-, Kor- und Feqzkirche, sowie die Vertreter der Flussgottheiten oder Efferdgeweihte, achten zusätzlich darauf, dass im Falle eines bewaffneten Konflikts oder eines Machtwechsels die Familien der Wasserbaumeister und Meerabs (s.u.) von feindlichen Handlungen ausgeschlossen sind und ihrerseits sich nicht an kämpferischen Handlungen beteiligen dürfen. Zu groß ist die Gefahr, dass mit ihrem Tod das Wissen über die uralten Anlagen verloren geht und zum Untergang der gesamten Region führt.

Ab-Anbar - Wasserspeicher
Es handelt sich hierbei um Wasserspeicher, die in trockenen Regionen, dass meist über Karize beigeführte, Wasser sammeln. Die Außenwände müssen dabei einem extremen Druck standhalten können, deswegen und um zusätzlich das Wasser ausreichend kühl zu halten, werden sie in der Regel unterirdisch gegraben und der Wassertank mit wasserundurchlässigen Materialien verstärkt. Der Wasserspeicher wird mittels eines stufenförmigen Kuppelbaus abgedeckt, um das Wasser vor Sonneneinstrahlung, Verdunstung und Kon-tamination zu schützen. Viele Wasserspeicher sind auch mit (mehreren) Windfängern versehen, um die Kühlung des Wassers zu gewährleisten. Als weitere Schutzmaßnahme wird häufig eine freistehende Außenmauer, die sogenannte Ajor Ab Anbari, errichtet, die die Mittagshitze durch Schatten-bildung abhalten soll und mit feqzgefälligen Symbolen verziert ist. Jeder Wasserspeicher wird von einem Verwalter betreut, den man Meerab nennt. Der wichtigste Meerab verteilt vom Zentralspeicher das Wasser mittels eines unterirdischen Wasserversorgungssystems auch an private oder öffentliche Wasserstellen (die ihrerseits auch Ab-Anbars sein können) und ist auch für die Wartung des Speichers, sowie die Qualität des Wassers verantwortlich. In der Regel ist er die einzige Person die Zugang zum Innenraum hat, um Säuberungen und Wartungen vorzunehmen, was meist jährlich erfolgt.

Badgir- Windfänger
Badgir sind hohe Türme die zur natürlichen Kühlung von Innenräumen genutzt werden. Die Spitze dieses Turms ist offen, so dass durch diese Luft ein- und ausdringen kann, was gerade bei dicht besiedelten Städten die einzige Möglichkeit der Frischluftzufuhr darstellt. Jede Seite kann mittels beweglicher Platten geschlossen werden, um den größtmöglichen Effekt abhängig von der Windrichtung zu erreichen. Badgire dienen zur natürlichen Lüftung und Kühlung von Räumen. Kombiniert man sie mit den genannten Wasserbauwerken oder einem Yachshal, können sie Wärmeübertragungs-, Verdunstungseffekte und Druckausgleich nutzen und damit Temperaturen nahe des Gefrierpunktes erreichen. Durch das Zusammenspiel verschiedenster Elemente wie Feuer (Hitze), Eis (Kühle) Luft und Erz bilden sich in ihrer Nähe häufig Mindergeister, die von Spezialisten in regelmäßigen Abständen vertrieben werden.

Yachtshal – Kühlschrank
Der Yachtschal verwendet alle bekannten obigen Erkenntnisse und vollendet sie in diesem architektonischen Meisterwerk. Häufig werden die Winterzeiten und feqzens segenreiche Nächte genutzt, um Eis zu bilden. Die gängigste Methode ist es hierfür Wasser über einen Kariz/Qanat in den Yachtschal einzuführen und dieses über Nacht gefrieren zu lassen. Die Menge die eingefroren werden kann (bzw. wie schnell die Eisbildung erfolgt) ist abhängig von der tatsächlichen Kälte und dem Aufbau des Beckens und variiert dadurch von Ort zu Ort. Es ist also explizit nicht möglich unbegrenzt viel Wasser in einem kurzen Zeitraum einzuführen und zu hoffen, dass dieses in kürzester Zeit einfriert (außer natürlich mit magischen Mitteln). Steht nicht ausreichend Wasser zum Einfrieren zur Verfügung oder ist die Eisbildungs-rate nicht schnell genug, kann man bei passenden Gegebenheiten Schnee aus den Bergen hinzu-führen. Hat sich das Eis gebildet und steigen die Außentemperaturen wieder an, gilt es die Kälte innerhalb des Yachtschals zu „speichern“. Dies erfolgt durch den Aufbau (Unterkellerung, dicke Wände etc.) und das verwendete Material des Überbaus des Yachtschals, das wärmeisolierend ist. Steigen die Temperaturen trotz der Isolation im Innenraum ein, wird die Wärme durch Badgire abgeführt.
Das Eis wird zu verschiedenen Zwecken genutzt. Häufig zur Kühlung verderblicher Waren im Sommer, aber auch zum Verzehr als Speiseeis. Am häufigsten ist dies in Form von Paludeh oder Faludeh. Hierbei wird aus Getreide oder Reis, Stärke gewonnen und zu sehr dünnen Glasnudeln
Flora TulamidistansShow
Flora Tulamidistans

Melonen
Die Honigmelone (Kharboseh) ist aufgrund ihres hohen Wassergehalts eine sehr beliebte „Frucht“, obwohl manche Hesindegeweihte sie zum Gemüse zählen. Sie hat einen festen Platz auf jedem Früchteteller und wird gerne als Nachtisch verwendet, da sie die Verdauung fördern soll.
Ähnlich verhält es sich mit der Wassermelone (Henduneh). Sie wird sehr gerne im Freien verzehrt und an Flüssen findet man häufiger Melonenver-käufer die diese im Wasser kühl halten und an Familien verkaufen. Kinder bauen aus den Schalen-resten der verzehrten Melone gerne Schiffchen und lassen diese auf dem Fluss dann schwimmen.

Granatapfel - Anar
Der Granatapfel (Anar) ist aufgrund seiner schönen Farbe und seines Geschmacks sehr beliebt. Viele Hakims (Ärzte) wissen um die heilsame Wirkung des Granatapfels, der das Herz stärkt und gegen Durchfall und Geschwüre hilft. Wurzel, Rinde und die gekochte Schale sind ein probates Mittel gegen Bandwürmer.
Der Granatapfel wird zum Verzehr auf der äußeren Schicht aufgeschnitten und mit einer leichten Drehbewegung aufgebrochen. Die Fruchtkerne werden mit den Fingern rausgelöst. Auch ein geschicktes Drüberstreifen kann die Kerne lösen. Der Einsatz eines Löffels zum Lösen ist auch möglich, führt aber dazu, dass ein Teil des Fruchtsafts rausspritzt. Granatäpfel können separat gegessen werden, werden aber auch gerne mit anderen Lebensmittel kombiniert. Granatapfelsaft wird, wenn auch selten in einigen Gerichten, wie beispielsweise einer Walnusssauce, die mit Huhn oder Ente verzehrt wird, verwendet.
Die Schale wird als Färbemittel für Teppiche benutzt. In der Symbolik steht der Granatapfel zuweilen für die weibliche Brust und ist im tulamidischen Raum unter anderem aufgrund seiner Süße und seines prächtigen Rottons, Radscha zugeordnet.

Pistazien - Pesteh
Pistazien (Pesteh) werden nach der Ernte gewaschen und in der Sonne getrocknet, wobei sich dann recht einfach ihre äußere Hülle abstreifen lässt und häufig auch die Schale der Pistazie aufplatzt (Pistazien, deren Schale nicht aufgebrochen ist, sind dennoch verzehrbar). Unbehandelt werden die Pistazien zu Reisgerichten oder als Dekoration und Beigabe von Süßspeisen verwendet. Viel häufiger werden sie aber in einer drehbaren Tonne unter Hitze und unter Beigabe von Salzlauge geröstet und gesalzen. Sie sind dann einzeln verzehrbar. Aufgrund ihres Nährstoffgehalts und ihrer langen Haltbarkeit werden sie häufig als Proviant für längere Strecken genutzt, was selbst die Bosparaner schätzten und weswegen frühere Legionäre ihren Proviantbeutel mit Pistazien ergänzten.
Die Brustwarze wird im tulamidischen als Nokeh Pestan, als Pistazienspitze bezeichnet und wird im eher einfachen, also nicht im literarischen, Gebrauch hiermit auch umschrieben

Mandeln - Badum
Mandeln kommen vorrangig in Flussnähe vor, da sie viel Wasser benötigen, um Früchte zu tragen. Die Mandel selbst wird vor allem einzeln gegessen, daneben findet sie Verwendung bei der Herstellung von Süßspeisen und Marzipan, von denen die Tulamidistani behaupten sie hätten es als ersters erfunden. Die Mandelblüte gehört ebenfalls zu den zahlreichen schönen Blütenformen Tulamidistans.

Schmalblättrige Ölweide - Zenjed
Die getrocknete, nussartig schmeckende Frucht der Ölweide wird von den Tulamidistani als Nahrungs-mittel genutzt. Ihre Blüten sind sehr wohlriechend und werden deswegen zur Herstellung von Parfümen verwendet. Das gemahlene Pulver der Frucht der Ölweide wird in Milch aufgelöst oder in Joghurt untergerührt und dient dann als Arznei gegen Knochenbeschwerden.
Zendjed symbolisiert die Saat des Lebens und wird deswegen mit der Geburt in Verbindung gebracht und Tsa zugeordnet.

Gerber Sumach – Somach
Die getrocknete Steinfrucht wird zu einem Pulver gerieben und dient dann als Gewürz auf Fleischgerichten (hauptsächlich Kebab-Fleisch-spießen). Es schmeckt leicht säuerlich. Haupt-sächlich die Rinde, aber auch Blätter und Früchte werden als Färbemittel genutzt. Die Blätter finden des Weiteren auch beim Gerben Verwendung.

Tamariske - Gas
Tamarisken sind weitauslaufende, formschöne und extrem widerstandsfähige Bäume, die gerne in Gärten zur Zier verwendet werden. Sie kommen mit salzhaltigen Böden zurecht und werden vor allem in Gorien auch als Wind- und Sandschutz gepflanzt. Ihre Verbreitung, ihre grazil, schöne Blüte und ihr gespendeter Schutz vor Sonne und Wind sind Gegenstand vieler Erzählungen. Früher wurden aus den verzweigten Ästen des Baums mehrspitzige Pfeile gefertigt, der Grund und die Technik zur Fertigung sind jedoch im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.

Zypresse - Zarv
Die tulamidische Zypresse ist säulenförmig, hoch und schlank, weswegen der Wuchs der Zypresse immer mit dem eines schönen menschlichen Körpers verglichen wird. Eine gekrümmte Zypresse dient wiederrum als Metapher für stolze Menschen, die Zuneigung für etwas oder jemand Besonderem empfinden und deswegen ihren Stolz überwinden.
Die Zypresse wird als Zierbusch oder Zierbaum gerne in Gärten, Parks und Tempelanlagen genutzt. Das Holz der Zypresse gilt als sehr wertvoll, da es seine natürliche Härte über Jahre hinweg beibehält und aufgrund seines Wuchses aus dem Stamm lange Balken geformt werden können. Zypressenöl wird einmassiert und soll gegen Gliederschmerzen hilfreich sein. Zahlreiche Medikamente werden aus den Extrakten der Rinde, der Zapfen und des Holzes zubereitet.

Datteln - Khorma
Datteln (Khorma) werden aufgrund ihrer Süße genutzt. Häufig isst man sie in Kombination mit einer Tasse Tee. Die Dattelpalme benötigt sehr viel Sonne und im Praios auch viel Wasser, was immer wieder zu Streitigkeiten bei der Bewässerung führt, wenn mehrere Plantagenbesitzer gleichzeitig eine hohe Menge an Wasser benötigen.
Die Dattelpalme wird hauptsächlich zum Verzehr der Datteln selbst angebaut, man kann aber aus ihr auch Öl und Schnaps gewinnen. Die flächigen Palmblätter werden häufig präpariert, geflochten und entsprechend zur Textilherstellung genutzt. Das Innere der Kerne hat nach einer Politur eine schöne Farbe und wird zur Herstellung von „Gebetsperlen“ in Form von kleinen Quadern, auf denen heilige Zeichen oder Ziffern eingraviert werden, verwendet.
Da die Dattel Stacheln und gleichzeitig auch süße Früchte trägt, wird sie wie die Rose als Metapher für jene süßen oder schönen Personen und Sachen genutzt, deren Gunst und Genuss, Mühe oder gar Leid bedingt, oder zwei Seiten einer Medaille beinhaltet. Nicht ungewöhnlich ist auch eine Verwendung als Metapher süßer Lippen.

Rosen - Ros
Die Rose wurde als erstes von den Tulamidistani kultiviert und in ihren Gärten, als schönste aller Blumen gezüchtet, weswegen der Begriff und die zugehörige Farbe (Rosa) von den Bosparanern direkt übernommen wurden. Ihre Schönheit ist so legendär, dass sie die aller anderen Blumen überragt und deswegen nicht Tsa sondern Radscha zugeordnet wird. Neben der Zier ist sie eine häufige Metapher der Poesie, in der sie die Schönheit der Schöpfung repräsentiert. Durch Destillation können aus den Rosen sowohl Rosenwasser (Golab) als auch das extrem teure Rosenöl hergestellt werden. Ersteres wird seinerseits zur Herstellung von Marzipan aber auch vieler anderer Süßspeisen verwendet. In der Literatur und Philosophie dient Rosenwasser als Partner oder als Gegenpol des Weins. Gesüßtes Rosenwasser (Liebe, Genuss, Süße, Schönheit) und bitteren Wein (Bitter, aber auch Rausch und unglücklich verliebt) zu servieren ist eine beliebte Metapher und Mahnung doch nicht mit den eigenen Gefühlen zu spielen.

Reis - Berenj
Der sehr langkörnige Reis wird vor allem im Balash und Thalusien angebaut, da er viel Wasser benötigt und wird von dort in alle Regionen Tulamidistans verkauft. Im Alltag stellt es eine der häufigsten Grundnahrungsmittel der Tulamidistani dar und ist fester Bestandteil von Festspeisen. Es gibt zahlreiche Arten der Zubereitung und abhängig davon unterschiedliche Bezeichnungen für den Reis, was bei einigen Mittelländern zur Ver-wunderung führt, wenn mehrere unterschiedliche Begriffe immer wieder mit „Reis“ übersetzt werden. Ungekochter oder nicht gedämpfter Reis wird jedoch als Berenj bezeichnet.

Safran – Sa‘feran
Einst war das seltene Kurkum(a) in den Tulamidistani-landen sehr beliebt. Doch der Handel, des durch die Monopolisierung der Stoerrebrandts extrem teuren und seltenen Gewürzes, kam durch die heptarchische Besetzung des Vidromtals fast vollständig zum Erliegen. Es kamen immer mehr Ersatzprodukte auf, zuletzt der „falsche Safran“, der angeblich alchimistisch hergestellt wurde, aber bei weitem nicht den Bedarf Tulamidistans abdecken konnte.
Tulamidische Händler und Potentaten beauftragten die weisesten Gelehrten mit der Erforschung eines eigenen, regional nutzbaren Ersatzprodukts, dass Kurkuma in Aroma, Duft und Farbe in nichts nachstehen sollte. Die Entdeckung eines Substituts erfolgte an ungewöhnlicher Stelle. Einem Historiker gelang es eine, ebenfalls der Rondra wohlgefällige, Schwertlilienart wieder zu entdecken. Diese wurde noch vor den Zeiten des Diamantenen Sultanats als Gewürz verwendet und als Sa’feran (urtulamidisch für „das Gelbe“) bezeichnet, da es Speisen goldgelb färben konnte. Der Begriff wurde fast 1500 Jahre später von den Amazonen aufgrund der gelben Blüte des Kurkumas in der verballhornten Version des Safrans für die Kurkumapflanze verwendet.
Dieses „neue“ knollenbildende Gewächs mit violetten Blüten hatte in der jüngeren Vergangen-heit wenig Beachtung erfahren, da das Wissen um seine Nutzung und der Großteil der Knollen nach den Skorpionkriegen verloren gegangen war, bzw. vernichtet wurde. Da sie nur zwei Wochen im Travia blüht und sich nur durch Knollenbildung ausbreitet, war sie des Weiteren für die Blumenzucht unattraktiv. Erschwerend kam noch dazu, dass im Gegensatz zum Kurkuma, dessen Wurzel getrocknet und dann in speziellen Kurkumamühlen gemahlen wird, sich bei dieser Pflanze nur die drei Fäden des Blütenstempels als Gewürz eignen, was die Produktion um ein Vielfaches aufwendiger als die des (dafür selteneren) Kurkumas macht.
Die Knolle ist recht widerstandsfähig, benötigt aber eine trockene Umgebung, so dass die Pflanze nur in einigen Ebenen im mhanadistanischen Hochland und in den fruchtbaren Gebieten Goriens vorkommt und dort mittlerweile gezielt kultiviert wird. Die produzierte Menge ist allerdings immer noch sehr gering, da die Bildung weiterer Knollen beschränkt ist, steigt aber jedes Jahr, bei gezielter Nutzung und Pflege, im besten Fall auf das sechsfache an. Zur Veranschaulichung: Für einen Stein dieses Gewürzes werden ca. 180.000 Blumen benötigt. Auch, wenn die Knolle widerstandsfähig ist, ist die Blüte anfällig für übermäßigen Regen, was gerade im Herbst, also zur kurzen Erntezeit der Blüte, eine ständige Gefahr darstellt und dazu führt, dass in Aranien oder dem Balash die Pflanze noch nicht in größerer Anzahl kultiviert werden konnte.
Dennoch lohnt sich der Anbau ungemein und viele Mhanadistani und Gorier schätzen das Aroma, den Duft und die Farbe des neuen Gewürzes mittlerweile mehr, als den des Kurkumas.
Mit zunehmender Verbreitung wurde es notwendig, im Tulamidya eine „eigene“ Bezeichnung für die Pflanze zu wählen. Aus Traditionsgründen wird das im tulamidischen als Kurkum(a) bezeichnete Ge-würz der Amazonen weiterhin als Kurkum(a) bezeichnet. Das wiederentdeckte Gewürz wird nun als (mhanadistanisches, gorisches oder ursprüng-liches) Sa‘feran bezeichnet.
Sa‘feran wird aktuell hauptsächlich bei der Zubereitung von Speisen insbesondere Reis verwendet, den es besonders schön goldgelb färbt und ein besonderes Aroma und Geschmack verleiht. Als Färbemittel wird er nur für die Gewänder der höchsten tulamidischen Potentaten genutzt, extrem selten ist dagegen die Teppichfaserfärbung mit dem Wirkstoff des Stempels.
Tulamidische Ärzte und Alchemisten haben sich nach der Wiederentdeckung unverzüglich an die Erforschung dieses Gewürzes gemacht und Erstaunliches entdeckt. Aufgrund seiner Herkunft von den Schwertlilien eignet es sich in der Alchemie als ideale, wenn auch weiterhin sehr teure Zutat, für Muttränke. Es stimmt allgemein die Stimmung auf und kann deswegen zur Behandlung von Depressionen in der Medizin genutzt werden. Langanhaltender Konsum soll die Konstitution und Kraft stärken. Eine Verwendung als Zutat für Konstitutions- und Krafttränke wird deswegen derzeit in Khunchom erforscht.

Weizen
Neben ja eigentlich sogar vor Reis, ist Weizen das wichtigste Grundnahrungsmittel. Es wird häufig zum Backen von Brot (allgemein Nan) genutzt, dass in Geschmack und Zubereitung je nach Region variiert. Sehr beliebt ist das sogenannte Lavash oder Nan-e Lavash, ein sehr dünnes fladenartiges Brot, das schnell zubereitet ist. Solange es frisch ist, ist es leicht formbar und wird dann beispielwiese als Ummantelung für frisch gegrillte Kebab-Fleischspieße genutzt, deren Saft und Fett es aufnimmt und deren Wärme es im Gegenzug kurzzeitig erhält. In diesem Fall wird das Brot dann unmittelbar im Nachgang oder sogar zusammen mit dem Fleisch verspeist.
Auch sehr beliebt ist das etwas dickere und noch großflächigere Zangak (ur-tulamidisch für „Stein-chen“). Kleine Steine, meist Flusskiesel, werden in einem Steinofen oder in der mobilen Variante in einem offenen Feuer erhitzt, speichern die Hitze des Feuers und geben sie dann verteilt ans Brot weiter. Das Brot bildet dann charakteristische Blasen.
Die mobile Variante wurde von ur-tulamidischen Soldaten genutzt, da sie recht einfach transportier-bar war. Jeder Soldat führte einigen Kiesel mit sich und legte sie zum Abend hin zusammen, um einen solchen Ofen zu formen und frisches Brot zubereiten zu können.

Kürbiskerne
Überaus beliebt sind geröstete und gesalzene Kürbiskerne, wobei auch Kerne anderer Pflanzen Verwendung finden. Der Tulamidistani empfindet, das Knacken der Kerne, die eine gewisse Kontrolle der Lippen, Zunge und Zähne erfordert als überaus entspannend. Wenn die Kerne nicht im Freien verzehrt werden, ist es mittlerweile üblich die Schalen geknackter Kerne in zylinderförmigen Gefäßen zu entsorgen.
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Götter & Mystik

Da saßen sie im Schneidersitz im Kreis und einer von ihnen, ich glaube es war ein Geweihter, sang in vielen langgezogenen Silben in einer mir unbekannten Sprache. In regelmäßigen Abständen sangen die anderen mit ihm und jedes Mal wenn dies geschah, war als wäre ihre Anzahl dutzendfach. Dabei wogen sie ihre Körper wellenförmig im Gleichtakt zum Sprechgesang und es schien als würde diese Welle durch die Leiber der Betenden gehen. Es dauerte nicht lange und einige Mitbetende begannen selbst Verse zu flüstern, so als wären sie in Trance. Und auch wenn sie etwas völlig anderes von sich gaben, so war es, als würden der Gesang des Geweihten, die Stimmen der anderen als Stufen nutzen, um ein unbekanntes, hochliegendes Ziel auf einer Pyramide zu erreichen. Immer wenn der Name Rondras fiel, zumindest hörte sich der Name ähnlich an, da senkten sie ihr Haupt zur Mitte hin und auf ihrem Rücken war ein Muster eingezeichnet, das sich erst durch die Anwesenheit aller Betenden vervollständigte. Wenn dies geschah und sie sich wieder erhoben, da schlugen sie mit der flachen Hand auf ihre Brust und ein Donner ging durch den Raum, der Göttin zum Gefallen. Zugleich fing ein neuer Zyklus an, der immer höher zu gingen schien. Mir war ganz ungewöhnlich zu Mute, so als wäre eine fremde Präsenz im Raum und ich nicht mehr der Herr über mich selbst. Und dennoch, so fremd sich diese Präsenz auch anfühlte, genauso „richtig“ und stark fühlte sie sich an. Als ich am nächsten Tag zusammen mit den Betenden gegen die Räuber die das Dorf heimsuchten vorging, da war mein Herz ohne Furcht und der Sieg uns gewiss.
-Wulfban, aranischer Söldner nach einem Auftrag für ein mhanadistanisches Dorf, 1030 BF


Die Götter

Feqz
So verschieden die tulamidischen, regionalen Ausprägungen des Glaubens sind, in einer Sache sind sich fast alle Ausprägungen einig. In der Vormachtstellung Feqzens. Feqz gilt als Anführer, doch niemals als Fürst der Götter und viele der Götter stammen häufig von ihm und Radscha ab. Feqz vereinigt eine gewaltige Anzahl an Aspekten, die je nach Region aber unterschiedlich stark gewichtet und begründet werden. Feqzens Einfluss auf den Glauben der Menschen ist so enorm, dass selbst andere Kulte hierdurch beeinflusst werden. Die wichtigsten Aspekte sind:
Menschenfreund: Immer wieder trat Feqz als Freund der Menschen auf und schützte sie im Ernstfall sogar vorm Zorn anderer Götter. Er und seine Kinder gaben den Menschen wertvolle Gaben, deren Einsatz die Menschen jedoch selbstständig erlernen müssen.
Individualität & Tüchtigkeit: Jeder Mensch wurde mit unterschiedlichen Gaben gesegnet und soll diese zur vollen Blüte entwickeln.
Herausforderung & Streben nach dem Ideal: Der Mensch soll den geschickten Einsatz seiner Fähigkeiten vor Feqz beweisen. Der Mensch strebt nach Herausforderungen, um sein volles Potential zu entfachen und scheitert lieber an zu großen Herausforderungen, als dass er sich nicht an ihnen versucht und sich somit mit seiner bestehenden Position zufrieden gibt. Eine Herausforderung sollte sich aber allen voran aus der Schwere der Herausforderung selbst ergeben. Sich selber eine Aufgabe zu erschweren in dem man auf einen Teil seiner Fähigkeiten verzichtet, bedeutet die Gaben Feqzens zu verweigern. Dennoch unterliegt auch ein Diener des Feqz Restriktionen, vor allem immer dann, wenn seine Gier Überhand zu nehmen scheint.
Ausgleichende Gerechtigkeit: Feqz schafft Gerechtigkeit durch Ausgleich und so sollen es auch die Menschen halten. So half er den ersten Menschen, die der finsteren Magie der Echsen unterlegen waren, indem er ihnen die Nacht und seine reine Magie zukommen ließ. Wichtig ist, dass Feqz immer die Möglichkeiten und Mittel gibt, deren eigenverantwortliche Nutzung aber den Menschen selbst überlässt.
Individuelle Vertragsgestaltung: Der Feqz-gläubige schätzt es, wenn er seine und die Individualität des Gegenübers in eine Vereinbarung einbringen kann. Auf der anderen Seite tut er sich schwer, wenn bestimmte Vertragsklauseln schon gesetzlich vorgegeben sind und versucht diese zu umgehen, wenn sie der individuellen Vereinbarung mit dem Gegenüber widersprechen.
Handel: Jeder Mensch ist mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet worden. Handel hilft den Menschen mit diesen Fähigkeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Hierdurch ist es ihnen möglich ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen nachzugehen und dennoch mit anderen Gütern, anderer Menschen versorgt zu werden. Ein Handelsgegenstand ist aber selten ausschließlich das reine Produkt oder die reine Dienstleistung, sondern umfasst auch andere Fähigkeiten wie Handelsgeschick, Höflichkeit, List und Intelligenz, die ebenfalls zu entgelten sind. Bei einem Betrug ist abzuwägen, ob sich dieser auch langfristig lohnt. Für die meisten handelsorientierten Tulamidistani stellt Vertrauen einen großen Wert dar, der Geschäfte beschleunigt und langfristig den Gewinn erhöht. Betrüge würden dieses Vertrauen mindern und wären folglich geschäftsschädigend.
Sprachgewandtheit: Feqzgläubige sind dazu ange-halten ein hohes Ausmaß an Sprachgewandtheit zu erreichen. Durch ihre Sitten und Gebräuche, üben sie sich ab der frühesten Kindheit in derlei Dingen.
Gegenleistung: Ein Diener des Feqz bringt keine Leistung ohne Gegenleistung, aber er ist im Gegenzug auch dazu angehalten Leistungen anderer mit seiner eigenen Leistung zu entgelten. Die Interpretation der erbrachten Gegenleistung kann allerdings von Mensch zu Mensch höchst eigenwillig ausfallen. So mag auf der einen Seite eine höfliche Bemerkung ausreichend sein, aber auch die Erkenntnis sich gegen Diebstähle besser zu schützen und nicht unbekümmert zu sein, stellt für einige Diebe eine zulässige Gegenleistung dar.
Kampf gegen Echsen: Echsen sind die erklärten Feinde der Menschen und haben diese Jahrhunderte unterdrückt, gejagt und versklavt. Dennoch zeigte Bastrabun ihn Rashdul Gnade im Sieg und sah von einer vollständigen Vernichtung der Echsen ab und verbannte sie stattdessen. Diese Vereinbarung wird von allen Tulamidistani geachtet und bedeutet, dass Echsen und Echsendiener, die sich außerhalb Bastrabuns Bann befinden, in der Regel nicht behelligt werden.
Magie: Magie war einst die Waffe der Echsen. Nur in dem Feqz seine Tochter Mada freigab, schenkte er den Menschen die Magie, um ebenfalls diese mächtige Waffe einzusetzen und das schwere Los der Menschen zu mindern. Tulamidistani unterscheiden die Magie in die „gute“ Sternenkraft und die „verderbliche“ Echsenmagie, auch wenn sie mittlerweile einen Großteil dieser adaptiert haben.
Kampf & Kriegshandwerk: In den Tulamidistani-landen ist Krieg ein Geschäft. Tulamidistani achten darauf, dass vorrangig nur für den Kampf Geschulte ihre Dienstleistung anbieten. Wie bei jedem Geschäft, achtet der Feqzgläubige, dass Irrationalität nicht das Geschäft zerstört. Sinnloser Mord, Vergewaltigungen oder sinnloses Opfern eigener Einheiten sind geschäftsschädigend und müssen unterbunden werden. Tendenziell achten Feqzgläubige darauf, dass Kämpfe nach Möglichkeit unblutig verlaufen und setzen stattdessen Verstand und List als geeignete Mittel ein. Hierdurch werden dauerhafte Geschäfte erst ermöglicht, weswegen Feqzgeweihte bei tulamidischen Söldnern recht beliebt sind.
Was den Kampf selbst betrifft, reduzieren sich die Fähigkeiten nicht nur auf reine Kraft und Geschick. Auch List und Verstand sind Waffen, die eingesetzt werden können. So werden Gegner gerne provoziert, um sie zu unbedachtem Handeln zu bewegen oder andere Gaben des Feqz wie Dunkelheit und Tarnung eingesetzt.
Rechnen, Sternenkunde & andere Wissen-schaften: Feqz hat den Menschen Hilfestellungen und Werkzeuge gegeben, um ihr Los zu erleichtern. Die Menschen müssen aber selber lernen davon Gebrauch zu machen und ihre Fähigkeiten vollenden. Wissenschaft, der Wissenschaft wegen ist dem Feqzgläubigen zuwider. Für ihn stellen Wissenschaften allen voran die Mathematik, die Astronomie und Astrologie Werkzeuge dar, um ein anderes Ziel, namentlich das Wohl der Menschen (allen voran sein eigenes) zu fördern.
Nacht, Schatten & Nebel: Die Nacht ist für die meisten Menschen (allen voran den Tulamidistani) mittlerweile eine Zeit des Genusses, wo er sich von den Mühen des Tags erholen und Zeit mit seinen Liebsten und der Familie verbringen kann. Ohne die Nacht würden die Felder von der unerbittlichen Hitze der Sonne verdorren und auch in der Mittagssonne suchen sie ein schattiges Plätzchen zur Entspannung und einem schönen Spiel auf.
Der Listige kann aber Nacht, Nebel und Schatten als Tarnmantel für seine eigenen Fähigkeiten nutzen, die vielleicht am Tage nicht zur Geltung kommen. Außerdem schwächt die Nacht die uralten Feinde der Tulamidistani, namentlich die Echsen. Zuletzt sei noch gesagt, dass Feqz nicht der Herr der Finsternis ist, denn er gab den Menschen das Licht seiner liebreizenden Tochter Mada und das der Sterne, so dass sie den Wagemutigen durch die Nacht begleiten und ihn von den Auswirkungen der Finsternis schützen können.
Jagd: Der Jagdaspekt Feqzens umfasst zum einen die Bekämpfung von Bestien und Tieren, die sich als gefährlich für die Menschen herausgestellt haben. Auch hier geht es vorrangig darum, alle seine Fähigkeiten (wie die List) und nicht nur die reine Kraft einzusetzen, da man da häufig den Gegnern körperlich unterlegen ist. Des Weiteren ist zu beachten, dass Aves, Feqzens Sohn grundsätzlich der Patron aller Vögel ist, also auch der der Falken. Demzufolge erfreut sich die Falknerei auch einiger Beliebtheit, da man hier Seite an Seite mit den Dienern des Sohns auf die Jagd geht. Als Jagdziel sind in diesem Kontext auch gerne Schlangen beliebt.
In der frühen Geschichte der Tulamidistani, als sie sich vor den Echsen verstecken mussten und nur sehr eingeschränkt Ackerbau und Viehzucht betreiben konnten, war die Jagd (insbesondere nachts) auch überlebensnotwendig.
Sternenwall: Feqz schützt die Menschen vor dem unkontrollierten Eintritt der Dämonen in die Menschenwelt. Neben seiner Tochter, die mit ihrem Tanz die Dämonen in ihren Bann schlägt, stärkte Feqz die äußerste Mauer der Schöpfung mit dem Licht des Sternenwalls. Jene, die Feqzens Pfad beschritten und erfolgreich gemeistert haben, stärken den Wall durch das reine Licht ihrer Seele und ihrer Fähigkeiten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Schöpfung immer dann gefährdet ist, wenn die Bresche im Sternenwall den Nachthimmel dominiert.
Brett- und Kartenspiele: Durch Spiele hat man die Möglichkeit alle Gaben des Feqz, wie Taktik, List und Verstand in einem mehr oder weniger ungefährlichen Kontext zu schulen. So wie der Krieger regelmäßig sein Schwert schärft, so schärft der Feqzgläubige seinen Verstand und erprobt seine Gunst durch Spiele.

Radscha
Radscha ist nach Feqz, die bedeutendste Gottheit der Tulamidistani. Und beide werden gerne als Liebespaar sowie Aves und Mada als ihre Kinder dargestellt.
Die Geberin: Radscha, die Schwester des Feqz, ist in allen Interpretationen immer eine, wenn nicht gar die gebende Gottheit schlechthin. Und so ist es üblich, dass all ihre Gaben mit anderen geteilt werden.
Emotionalität: Grundsätzlich ist Emotions-losigkeit bei den Tulamidistani verpönt, wird dies doch mit dem ewigen Feind, den Echsen verbunden. Emotionalität darf aber auch nicht im Gegenzug mit Irrationalität gleichgesetzt werden. Wenn Feqz nun als Symbolbild für den planenden und rational agierenden Menschen steht, so ist Radscha das Sinnbild der leidenschaftlich Engagierten, die auf ihr Gefühl vertraut und durch diese Stärke und Motivation erlangt.
Sinnessteigerungen, Rausch & Ekstase: Radschagläubige versuchen durch langsame Annäherung immer mehr Sinneseindrücke immer stärker wahrzunehmen (auch hier teilweise in beide Richtungen). Das kann auf verschiedenen Wegen erfolgen (und sei es das im Alltag Speisen stärker gewürzt werden). Ziel ist es die irdischen Wahrnehmungsmöglichkeiten zu überschreiten und eine göttinnengefällige, überirdische Ekstase zu erreichen. Wahre Radschagläubige sehen diese Annäherung zu ihrer Göttin in jedem Sinneseindruck (oder besser dem Auslebens eben jenes), so dass das Empfinden und Auskosten dieser Eindrücke sie automatisch auch näher zum rauschhaften Zustand der Nähe zu ihrer Göttin führt.
Liebe, Leidenschaft & Schmerz:

Es ist Schmerz, der den Menschen bei jeder Unternehmung leitet.
Solange kein Schmerz für irgendetwas in ihm ist und keine Leidenschaft
und kein Sehnen nach der Sache in ihm aufkommt,
wird er niemals streben, diese Sache zu erreichen.
Ohne Schmerz bleibt diese Angelegenheit für ihn unerreichbar,
sei es Erfolg in dieser Welt oder Rettung in der nächsten.

Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī, persischer Sufi-Mystiker

Gemäß den Lehren der Radscha, schlägt das Pendel von Schmerz, Kummer und Liebe in beide Richtungen gleich stark aus. Wenn man ein hohes Maß an Liebe verinnerlichen und ausleben kann, wird im Falle des Verlusts auch der Schmerz, der Kummer umso größer sein. Umso größer die Liebe für eine Person, Sache oder einen Gedanken ist, desto größer ist die Angst es zu verlieren.
Feste & Tanz: Auch wenn viele Feste an Feiertagen anderer Götter gefeiert werden, gilt Radscha dennoch als Patronin aller (fröhlichen) Feste. In ausgelassener Umgebung wird Wein getrunken, musiziert, gelacht und getanzt.
Hochzeit: Die Ehe und auch die damit einhergehenden Feierlichkeiten werden bei den Tulamidistani, außerhalb des Balashs, Radscha zugeschrieben. Die Radschakirche erlaubt auch sogenannte Liebeshochzeiten, die für einen bestimmten Zeitraum geschlossen werden und in denen das gemeinsame Zusammenleben auch erprobt werden kann. Hier werden je nach finanzieller Situation Jahresabstände gewählt die in der tulamidischen Zahlenmystik einen passenden, symbolträchtigen Charakter aufweisen oder es werden entsprechende Astrologen für einen geeigneten Termin konsultiert. Das bei einem so wichtigen Ereignis Feqz natürlich seine Finger im Spiel hat, mag nicht verwundern und so gibt es allerlei Regeln und Verträge im Rahmen der Ehe. Der Radschabund stellt die Liebe des Paars in den Vordergrund.
Kampf: Auch der Kampf wird von Radschagläubigen als Pfad und Gebet an Radscha genutzt. Die radschagefällige Kriegerin zieht ihre Stärke aus ihrer Leidenschaft, ihren Gefühlen. Sie kann ihre Gefühle (wie bspw. Liebe, Hass, Leidenschaft) beliebig hervorrufen und kann dann diese Kraft nutzen, um sie gegen ihre Feinde einzusetzen. Auf der anderen Seiten versucht die Kämpferin auch, durch das Gefühl, des Rauschs seines eigenen Lebens verlustig zu werden, einen ekstatischen Zustand zu erreichen und sich in diesem Gefühl zu verlieren.
Fruchtbarkeit: Dieser Aspekt wird nur noch sehr selten mit Radscha assoziiert und eher Flussgottheiten, Tsa, in Aranien auch Peraine zugeordnet.

Aveshan, der Sohn
Reise: Anhänger des Avesha oder Aveschans lieben die Welt, die sie umgibt. Sie wollen sie in alle ihren Facetten erforschen und reisen gerne und viel umher, insbesondere in ihrer Jugend, so wie man es von einem jungen Erwachsenen erwarten würde. Durch das Erschließen neuer Horizonte und Entdeckungen wird natürlich auch der Handel gefördert.
Geselligkeit: Wie seine Eltern liebt auch Avesha die Menschen. Ihre Facetten, ihre Ideen und Besonderheiten. Anhänger des Aves sehen das ähnlich und suchen bewusst die Nähe anderer Menschen auf, gesellen sich zu ihnen und sind Teil ihrer Gemeinschaft, um ihre vollumfänglich Anwesenheit genießen zu können. Um aber Teil ihrer Gemeinschaft werden zu können, müssen sie ihre Bräuche verstehen können und sich dementsprechend benehmen, wenn es nicht gerade ihren anderen Prinzipien widerspricht (siehe daher den nachfolgenden Hinweis).
Gastfreundschaft: Ist man selbst nicht auf Reise muss dies nicht heißen, dass man seiner Gesellig-keit nicht nachgehen kann. Viel eher kann man Weitgereiste oder auch einfach andere Menschen in sein Heim einladen um mit ihnen Zeit zu verbringen. Damit die Gäste aber auch wieder-kommen, wird vom Gastgeber ein gastfreundliches Verhalten erwartet. Der Gastgeber muss beim Eingehen der kulturellen Besonderheiten seines Gastes, das rechte Maß finden. Sein Verhalten vollständig an das des Gastes anzupassen, würde bedeuten ihm seine eigene Kultur (die des Gastgebers) vorzuenthalten. Das Geselligkeit und Gastfreundschaft eine gute Basis für zukünftige Geschäfte ergeben, bindet den Handelsaspekt Aveshas gut ein und steht nicht im Widerspruch zu diesen. Da man selbst auch auf der Reise von der Gastfreundschaft anderer angewiesen ist, so erhofft man sich durch sein eigenes Vorbild andere zu einem ähnlichen Verhalten zu animieren.
Wanderschaft: Wie Aveshan die Schönheit der Welt genießen kann, so erfreuen sich auch Tulamidistani an der Schönheit der Landschaft, insbesondere im Zeitraum zwischen Feqz und Efferd. Da, sie aber auch gesellig sind, verabredet man sich (vor allem an Feiertagen) gerne zum gemeinsamen Wandern, teilweise auch in die Berge, die den jungen Völkern der Tulamidistani schon seit jeher Schutz schenkten. Beliebte Strecken solcher Wanderwege werden von entsprechenden Herbergen gepflastert, wo man in geselliger Runde eine Rast einlegen und auch eine Nacht verbringen kann. Häufig sucht man für diesen Zwecke einen Ort nahe eines Flusses oder Baches auf, denn die blühende Natur und insbesondere Blumen erfreuen das Herz vieler Tulamidistani. Allgemein gilt der Aberglaube, dass wenn man zu lange an einem Ort verweilt, böse Geister, die durch Neid und Zorn herbeigerufen wurden, einen auffinden können (insbesondere nach den Namenlosen Tagen). Wenn man auf Wanderschaft geht, dann soll dies die Geister verwirren und somit aus dem Haus vertreiben. Während man erklärter Maßen auf „Wanderschaft“ ist und sei es nur für einen Tag ist es Brauch sich nicht allzu streng an die üblichen Sitten zu halten und sich auf Neues einzulassen.
Echsenbekämpfung: Da die Echsen seit jeher die Feinde der Menschen waren, kämpft Avesha mit seinen Dienern (den Vögeln) gegen die Echsen an. In ihm verbinden und ringen die Aspekte seiner Eltern miteinander. Sein Hass auf Echsen ist geradezu leidenschaftlich, während er versucht mit seinem Geist diese Leidenschaft in die richtige Bahnen zu lenken. Viele der angeblichen Drachentöter sollen von ihm abstammen. Allgemein glaubt man bei besonderen Menschen, dass diese vom leidenschaftlichen Wanderer abstammen.
Abenteuer: Avesha, der immer gerne als "der Sohn" angesehen wird, nimmt den Aspekt der Herausforderung seines Vaters auf und verbindet sie mit seiner eigenen Sicht. Immer wieder zieht er auf riskante Abenteuer aus, stellt sich so der Herausforderung und erntet im Erfolgsfall Ruhm, Reichtum und Ansehen.
Vögel: Avesha schuf die Vögel, denn sie konnten schnell an entlegene Orte reisen und die Welt in all ihrer Pracht erblicken. Er lehrte die Menschen mit ihnen umzugehen und so entstand unter anderem die Falknerei, die die Jagd (den Aspekt seines Vaters) gut ergänzt.
Freiheit: So wie der junge Geist nicht eingekerkert ist in alten Ideen und Verpflichtungen die ihn an einen Ort binden, so liebt auch Avesha die Freiheit
Glück: So wie sein Vater schenkt auch Avesha den Wagemutigen Glück.
Kind: So wie Avesha Feqz entsprungen ist, ohne Feqz zu sein, so beten junge Erwachsen gerne zu Avesha, auf dass der von ihnen eingeschlagene Weg, der Richtige sein mag. Insgeheim erhoffen sie sich so, sich vor ihren Eltern behaupten zu können und als eigenständiger Erwachsener anerkannt zu werden.


Mada, die Tochter
Mada erbte von ihrem Vater, die Macht über die Magie und von ihrer Mutter die Schönheit, Liebe und Ästhetik.
Magie: Wie alle Kinder des Feqz liebt sie die Menschen und bedauerte ihr Schicksal. Mada hatte jedoch, wie ihr Vater die Macht über die Magie und so willigte sie ein als Feqz sie Adawadt zur Frau gab. Gemeinsam schufen sie Ar’Rashtul al Sheikh der als erster Sterblicher über die Magie gebot und die erste Generation der Zauberkundigen schuf und unterrichtete.
Tanzende Wächterin: Die Dämonen versuchen Tag um Tag und Nacht um Nacht in unserer Welt einzudringen, doch die hingebungsvolle Mada tanzt unaufhörlich und die Anmut ihres Tanzes scheint selbst Dämonen zu besänftigen. Ihr Tanz ist für alle Menschen im eigenwilligen Mondverlauf ersichtlich und ist für die Astronomen weiterhin extrem schwer zu berechnen.
Licht in der Dunkelheit: Auch wenn ihr Vater den Menschen die Nacht schenkte, um gegen ihre Feinde zu bestehen, so ist diese durch den Menschen nicht nutzbar, wenn er blind durch die Finsternis schreitet. Und so ist das größte und hellste Juwel des Nachthimmels, Feqzens liebste Tochter, die den Menschen das Licht in der Finsternis ist und jeden anderen Schatz Feqzens überstrahlt.
Romantische Liebe: Die Liebe Adawadts, der auf den Leib seines Vaters zog, um Mada nahe zu sein und dass Mada immer wieder auszieht, um die Dämonen abzuwehren ist ein beliebtes Thema der tulamidischer Lyrik. Mada gilt als die reinste und Ideal junger Frauen, nicht umsonst gilt das ihr zugeschriebene Metall, Silber, als lautern. Einige Tulamidistani behaupten, dass sie in Neumondnächten ihren Gatten aufsucht und mit ihm die Nacht verbringt.

Andere Götter
Ar’Rashtul & Adawadt: Ar’Rashtul (der Ältere), der Bruder Feqzens stritt sich einst mit Rondra und wurde von ihr im Kampf besiegt. Seitdem erholt er sich vom Kampf und sein Leib diente den Menschen als Schutz vor den Echsen, bevor sie bereit waren es selbst mit ihnen aufzunehmen. Sein Sohn ist Adawadt. Dieser formte die ersten Menschen Zulhamin und Zulhamid, die jedoch ohne magisches Erbe waren, denn dieses war nur Feqz und seiner Tochter Mada gegeben. Adawadt verliebte sich in Mada und zog auf den Leib seines Vaters, um ihr möglichst nahe zu sein. Als Feqz sah, dass die Echsen mit ihrer verdorbenen Magie die Menschen bezwangen, da verlangte er, dass Adawadt Menschen erschaffe, die die Sternenkraft nutzen könnten. Adawadt ergriff die Gelegenheit und verlangte Mada als seine Frau, denn nur so sei es ihm möglich Feqzens Wunsch nachzugehen. Feqz gab auf Madas Bitten nach und Adawadt und Mada schufen einen Sohn, den Adawadt zum Gedenken an seinen Vater, Rashtul nannte. Ar’Rashtul al‘Sheik war seinerseits die Gabe seines Vaters, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß, gegeben und er erschuf aufgrund einer Vision Feqzens, die ersten magischen Menschen und lehrte sie viele Dinge.
Ar’Rashtuls Leib, insbesondere Djer Tulam, wird als besonders heiliger und spiritueller Ort angesehen, an dem man den Göttern möglichst nahe sein kann. Auf der anderen Seite sieht man den Abstand von Raschtuls Leib auch als Emanzipation und damit einhergehende Eigenverantwortung an, die in mühevollen Anstrengungen erreicht wurde.
Flussgottheiten: Die meisten Flussgottheiten werden als Kinder Ar’Rashtuls (des Älteren) und Rondras angesehen. Diese sind: Bal Mhanad (Sohn), Gadanga (Tochter) und Beli Shubucha (Tochter). Einzig Baal Chaluqs Elternschaft ist unbekannt.
Sogenannte Wasserbaumeister, unter denen sich häufig auch Zauberer befinden, stellen häufig Diener eben jener Flussgottheiten dar. Der berühmteste von ihnen ist Jikhbar al’Alam, der als der größte Baumeister des Gadangs galt, und vielen als Vorbild und Inspiration dient.
Rondra/ Ra'andra: Rondra steht für die weibliche Kriegerin und als Mutter Kors, den sie mit einem Drachen zeugte. Rashtul war darüber so erbost, dass es zu einem Kampf kam. Rondra siegte und verwundete Rashtul so stark, dass er sich seitdem im Schlaf erholen muss. Rondra gilt als Regenbringerin und zählt in einer Region, die auf die Verfügbarkeit von Wasser angewiesen ist, somit gelegentlich auch als Fruchtbarkeitsgöttin. Den Regen, den sie über den Leib ihres Geliebten verschüttet, soll ihre gemeinsamen Söhne und Töchter (die Flussgottheiten) beständig nähren.
Kor: Der Sohn Ra’andras und Famerlors steht für Kampf, Krieg, Selbstaufgabe und körperliche, wie seelische Stärke. Der Dienst und das Opfer für eine höhere Sache ist fester Bestandteil des Korglaubens, weswegen man ihm seine Vaterschaft in der Regel verzeiht (und sein Vater ja letztendlich zum Untergang des Goldenen Drachens führte). Einigen Gerüchten zufolge unterwies Feqz, der Schattenkrieger, Kor, woraus die Aspekte und der Weg des Guten Goldes entstanden sein soll.
Mahabor und Umm’Ghulshach: Die Mutter der Geier (Umm’Ghulshach) oder Mahabor ist die ursprüngliche Totengöttin der Tulamidistani. Ihre Diener bringen die Seelen der Sterblichen, wenn sie sich denn als würdig erwiesen haben, zu den Göttern. Damit sich die Seele vom Körper lösen und in höhere Sphären aufsteigen kann, werden die toten Leiber von ihren Dienern, den Geiern, verzehrt oder dem Feuer übergeben und steigen dann mit dem Rauch in den Himmel auf. Für viele Mystiker geht der Einzug zu den Göttern im besten Fall in der Vereinigung mit eben jenem Gott einher so dass das Jenseitsbild eines Paradieses ihnen zuweilen befremdlich ist, oder nach ihrer Ansicht nur ein vereinfachtes Konzept der Vereinigung darstellt.
Neben den gewöhnlichen Geiern, reitet Umm Ghul‘shach auf dem Geier Gol’ghar, mit dem sie öfter in den Kampf gegen Dämonen zieht, die versuchen verirrten Seelen habhaft zu werden. Sie ist besonders Al’Mahmoud verbunden, weswegen ihr Symbol auch das Stundenglas ist. Sie gilt in ihren meisten Aspekten als nehmende Gottheit. Nur die Gabe der Prophetie die sie zum Teil in Träumen, dem kleinen Tod, durch ihren Diener Bish’adar übermitteln lässt, wird als gebender Aspekt verstanden. Ganz im Sinne des Feqz gilt sie als gerechte Richterin, die die Seele auf einer Waage abwägt.
Auch wenn Maha Bor hilft den Schmerz über den Verlust zu überwinden, so gewährt sie als Umm Ghul’shach auch die Erinnerung an die schönen Momente der Verblichenen. Um diese Erinnerung zu stärken ist es Brauch über viele Generationen hinweg, kleine Statuen oder Büsten seiner Vorfahren anfertigen zu lassen und zu bewahren.
Ras Ar’Ragh: Von den Ur-Tulamidistani lange Zeit verehrt, wurde sein Kult von „Beli-Horas“ (Hela Horas) vernichtet und damit sehr lange in den Untergrund gedrängt. Lediglich in Thalusa konnte der Glaube an ihn bewahrt werden. Ras Ar’Ragh steht für Vieh-, im speziellen für Rinderzucht, Stärke im Kampf, Fruchtbarkeit und den Kampf, bzw. Widerstand gegen die Launen der Natur. In jüngster Zeit steigt seine Verehrung zunehmend und ist sogar in Teilen Araniens mittlerweile präsent.
Weitere Götter
Angrosh/Ingerimm: Weltenbauer, Herr des Feuers, Schmiede und Handwerk. Schöpfer der Angroschim und Bruder Rashtuls. Durch die Brillantzwerge nimmt seine Verehrung kontinuierlich zu
Paranja (eher neu): Verehrung vor allem in Aranien
Tsa: Fruchtbarkeitsgöttin, Verehrung vor allem im Balash, dort auch für die Hochzeit verantwortlich
Al’Mahmoud: Herr der Zeit
Hesinde: Wandlung und (schadhafte) Alchemie
Atvarya (Satuaria). Fruchtbarkeit, Wildnis
Mha’Qasha: Fruchtbarkeit, Gemeinschaft
Zulhamin & Zulhamid: Elternschaft (Vater & Mutter), aber auch Mittler zu den Göttern
Bastrabun ibn Rashdul: Staatskunst, Herrschaft & Sieg, Weisheit im Sieg, Echsenbezwinger
Assaf & Calman: Freundschaft, Offenheit gegenüber dem Fremden, aber auch Diebstahl (insbesondere für eine „gerechte“ Sache).
Alef Aytan (Levthan): Fruchtbarkeit, Sexualität
Anandusha (Nandus): Bildung, Wissen, Geheimnisse
Chalhiban (Chalwen): Prophetie
Khabla, Meriban: Schönheit, Mittler zu den Göttern
Viele weitere

Wechselspiel von Kultur & Religion
Die Religion und die Kultur der Tulamidistani sind eng miteinander verbunden. So beeinflussen auf der einen Seite die Religionen die Sitten, Gebräuche und Sprache der Menschen, auf der anderen Seite existieren bestimmte Aspekte, die den Tulamidistani so wichtig sind, dass sie in den meisten tulamidischen Kulten, unabhängig von der verehrten Gottheit, auftreten. Zum Dritten üben manche Gottheiten einen so starken Einfluss aus, dass ihre Aspekte sich auch auf andere Götter übertragen. Diese Aspekte sind im Wesentlichen:
Geben & Nehmen
Echsen
Starker Symbolismus*
Tradition
Familie
*: Hiermit ist die Tendenz gemeint, Glaubens-aspekte durch (plastische) Symbole zu „visualisieren“. Beispiel aus einem anderen Kontext: Um einen Besuch zu versüßen, nimmt man Süßgebäck mit.

Geben & Nehmen
Ein Aspekt ist Feqz so wichtig, dass er auch auf alle anderen Kulte ausstrahlt, das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, von Geben und Nehmen, der des Ausgleichs. Dieser Ausgleich muss sich auch in der Schöpfung und den Göttern wiederfinden und so werden alle Götter in gebende und nehmende Götter unterteilt. Doch welcher Gott ein gebender und welcher ein nehmender Gott ist, dass kann sich schon innerhalb einer Sippe unterscheiden. Einige Götter vereinigen gar beides in sich. Unter den Tulamidistani gibt es des Weiteren die Auffassung, dass man, gerade durch ein selbstloses Opfer, die nehmenden Götter besänftigen und das Unheil anderer abwenden kann. Die Geschichte und Literatur halten diese selbstlosen Opfer in allen Ehren und auch in der alltäglichen Sprache und dem Taroff haben entsprechende Formulierungen Einzug gehalten. Es ist deswegen nicht unüblich im Sprachgebrauch das Unheil einer anderen Person von einem Gott zu „erbitten“ (Möge all dein Unheil mir widerfahren) und es somit von dieser Person abzuwenden.
Das Opfer zum Besänftigen eines Gottes ist insbesondere im Kontext Kors bekannt, auch wenn hier neben der Selbstlosigkeit auch das Opfer von Schwerverbrechern üblich ist. Auch die Feqzkirche kennt das Opfer an Arme und Bedürftige, um eben jene nicht zum Diebstahl zu verleiten, weswegen auch Bettler den Schutz Feqzens genießen.

Echsen
Sei es der Kampf gegen alles Echsenhafte, den viele tulamidische Götter propagieren, aber auch Gefühlslosigkeit die dem Radschagläubigen zuwider ist, Echsen spielen eine zentrale Rolle im Glauben der Tulamidistani. Viele von ihnen sind der Ansicht, dass aber auch feindliche gesinnte Gottheiten zum Guten geführt werden können, so wie man auch einen Dämon nützlich einsetzen kann. Insbesondere diejenigen Gottheiten, denen sich die Al’Veranim selbst angenommen haben, scheinen weitgehend geläutert. Dies sind insbesondere Hesinde (durch Feqz), Tsa (durch Angrosh) und Famerlor (durch Rondra). Diese Läuterung geht gar soweit, dass die Al’Veranim mit ihnen Kinder zeugten und diese ebenfalls im Sinne und zum Wohl der Tulamidistani erzogen. Diese sind dann bspw. Nandus, Simia und Kor. Dennoch gibt es weiterhin Vorbehalte und negative Assoziationen bei einigen dieser „neuen“ Götter.

Symbolismus
Tulamidistani lieben starke Symbole. Sie schätzen es sehr, wenn sich der Aspekt einer Gottheit festhalten lässt und damit Glauben und Gott näher an den Menschen rückt und damit erlebbarer gestaltet. Sie schätzen es sehr, dass selbst bei alltäglichen Dingen, sich die Macht eines Gottes in einem Gegenstand oder Lebewesen manifestiert und Nutzen stiftet. Sie ergründen und entdecken immer neue Symbole oder versuchen die Aspekte eines Gottes in Stein, Wort oder Malerei festzuhalten, wodurch sich der starke Einfluss des Radschaglaubens manifestiert. Allgemein ist es gar so, dass Religiosität fast immer mit Schönheit einhergeht. Selbst theologische Abhandlungen von Geweihten anderer Götter, werden häufig im Versmaß und literarisch aufbereitet verfasst, denn man ist sich sicher, dass die Schönheit der Schöpfung sich im menschlichen Geist widerspiegelt und jeder Gott auf seine Weise die Schönheit mehrt.
Ein häufig geeignetes Mittel Symbole bei Zeremonien oder Feiertagen im Alltag einzusetzen, sind die sogenannten Sofreh, was so viel wie Tisch oder Gedeck bedeutet. Hier werden auf einem Tisch, einer Decke oder einem Teppich Gegenstände platziert, die die Macht des jeweiligen Gottes stärken und zum Gedenken an eben jene Gottheiten animieren soll.
Tradition & Familie
Tulamidistani lieben ihre Kultur und Geschichte und das Bewahren von Traditionen ist ein Zeichen dieser Liebe und gleichzeitig auch das Erbe, der Funken seines Elternhauses, den man mit sich trägt. Doch auch hier gemahnt Feqz zur Einsicht und gegen die Irrationalität. So wie Aveshan und Mada viele Aspekte ihrer Eltern teilen, so sind sie dennoch einzigartig und bereichern die Welt durch ihre höchst eigene Art und Gaben. Sich nutznießenden Neuerungen zu verschließen gilt als götterungefällig, dennoch werden die meisten Tulamidistani Neuerungen dennoch hinterfragen und niemals leichtfertig mit ihren Traditionen brechen. Innerhalb der tulamidischen Gesellschaft sind einige Gegebenheiten und Pflichten innerhalb der Familie deutlich geregelt und viele dieser Aspekte (aber explizit nicht alle!) finden sich auch in der Erziehung und im Umgang der Götter und ihrer Kinder untereinander wieder.


Mystik
Wo die Liebe ist, gibt es kein Ich. Für die Geliebte ist alles nur das Du.
Der Weg zur Göttin ist der Verlust des Selbst.
Erfreue dich, meine Göttin, an deinen Liebenden!
Geheiligt sei ihr Tod! Ein Festschmaus sei deine Schönheit für sie!
In deiner Glut mögen wie Weihrauch ihre Seelen brennen.

-In Anlehnung an Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī, persischer Sufi-Mystiker

Viele tulamidische Geweihte sind Anhänger des Mystizismus, und auch wenn es viele verschiedene Glaubensrichtungen und Götter gibt, so gibt es dennoch auch Gemeinsamkeiten die bei den meisten Kulten auftreten.
Ziel eines Mystikers ist es zu Lebzeiten mit seiner Seele eins mit seinem Gott zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen ist es notwendig sein inneres Selbst überhaupt zu erkennen, es von den „irdischen Fesseln“ zu lösen und mit seiner Seele den Weg zum Göttlichen zu beschreiten. Der Mystiker denkt nicht, dass er gerade einen Aspekt seines Gottes wahrnimmt, sondern dass Gott und Aspekt eins und gleich sind, dass sein Gott da ist, wo sein Wirken ist. Und so wie sein Gott überall ist, so will auch er mit seiner Seele mit ihm verschmelzen und Bestandteil des Kosmos sein.

Es ist schwer sich vorzustellen, eins mit Feqz zu sein, lehrt er uns doch stets unseren eigenen Pfad zu beschreiten, dass zu nutzen, welches das Licht des Juwels unserer Seele erst ausmacht. Doch wenn du verstanden hast, dass der Nachthimmel sich von der Finsternis erst durch das Licht der Gestirne unterscheidet und dass das reine Licht des Nachthimmels aus der Summe aller Gestirne besteht, dann wirst du verstehen, dass Stern und Nachthimmel gleich sind und dennoch nicht dasselbe und dass das eine ohne den anderen nicht sein kann ohne den Wert beider zu mindern.
- Ein verhüllter Nachtschatten zu seinem Schüler, Rashdul, 999 BF

Von den Zuständen der Seele
Alle Mystiker sind sich einig, dass die Verschmelzung mit seiner Gottheit ein langwieriger Prozess ist, in dem die Seele verschiedene Stadien durchläuft. Wie viele und welche Stadien dies sind, darüber ist man sich dagegen weniger einig. Es gibt jedoch einige Zustände, die auch hier in fast allen Religionen vorkommen und damit das Grundgerüst bilden und durch kircheneigene Zustände dann ergänzt werden. Die kirchenunabhängigen Zustände der Seele sind:
Nafs al’Ammara: Die Seele die zum Übel anstiftet. In diesem Zustand ist das Lebewesen völlig seinen Gelüsten und seiner Gier verfallen und wird durch diese kontrolliert. Viele Kirchen weigern sich hier überhaupt noch von einer Seele zu sprechen oder vergleichen diese Seelen gar mit Dämonen. Allgemein geht man davon aus, dass Paktierer, die ihren Willen verloren haben diesen Seelenzustand erreicht haben. Einige Kirchen behaupten jedoch, dass wenn man die Gier dieser Seele nutzt und für gute Zwecke einsetzt, die Seele wieder reinge-waschen und zu einer Nafs al’Lawwama aufsteigen kann. Eine gerade bei Dämonenbeschwörern sehr beliebte und verbreitete Lehre.
Nafs al’Lawwama: Die tadelnde Seele. In diesem Zustand ist man immer noch Opfer seiner Gier und Gelüste, ist sich aber seines Fehlverhaltens bewusst und ist zu Zeiten bemüht, diese zu bekämpfen. Der Kampf gegen dieses innere Selbst, ist ein zentraler Bestandteil des mystisch orientieren Glaubens. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die einfache Bevölkerung diesen Seelenzustand innehat.
Nafs al’Mulhima: Die inspirierte Seele. Diese Seele hat mindestens einmal eine intensive Berührung mit der Göttlichkeit erfahren. Durch Übung ist es ihr möglich diesen Zustand erneut zu erreichen, aber es bleibt nur bei einer Berührung und keiner Vereinigung. Allgemein geht man davon aus, dass alle Geweihte mindestens diesen Seelenzustand erreicht haben.
Nafs al’Mutma’Inna: Die zufriedene, die befriedete Seele. Wer diesen Zustand erreicht ist im Wesentlichen vor seinen Gelüsten und seiner Gier gefeit oder kann sie bewusst kontrollieren. Durch intensive Einblicke in die Göttlichkeit ist die Seele von der Göttlichkeit, die überall wirksam ist, überzeugt und sein Gottvertrauen nimmt ihr die Angst. Wer diesen Zustand erreicht, so sagt man, steigt nach seinem Ableben in das Paradies seines Gottes auf.
Nafs as’Safya: Das reine ich. Dieser Seelenzustand ist eher Gegenstand von Legenden und wird nur sehr wenigen lebenden Menschen nachgesagt. In diesem Zustand ist die Seele völlig eins mit ihrem Gott, immer und zu jeder Zeit. Allgemein wird dieser Seelenzustand Auserwählten, Alveraniaren oder wahrhaft Heiligen nachgesagt.

Von den Pfaden der Spiritualität
Von allen Menschen dieser Welt gelang es nur einem Feqz näher zu sein, als Mharbal al’Tosra, die neunfach gepriesene Stimme des Mondes. Al’Tosra war einst selbst ein Erhabener Fasars, doch auf seinem Pfad zu Feqz ließ er alle materiellen Güter und auch seine Macht über die altehrwürdige Stadt hinter sich. Wer der eine ist, der Feqz noch näher ist? Nun er ist denn letzten Schritt gegangen, den Al’Tosra noch nicht gegangen ist und ist nun verborgen wie der Neumond, Fremder…
-Gehört auf dem Basar in Al‘Suq (Fasar) 1026 BF

Ist man sich schon bei den verschiedenen Stadien uneinig, werden über die Pfade, wie man diese Zustände erreicht, wahrhaft hitzige Diskussionen geführt. Der häufigste Pfad besagt, dass man weltlichem Besitz entsagen muss, um die diesseitigen Fesseln zu lösen. Viele ziehen sich deswegen aus größeren Gemeinschaften zurück und gruppieren sich mit Gleichgesinnten in entlegenen Bergklöstern um Spiritualität zu erlangen. Gerader der Raschtulswall gilt als Ort mit einer starken Spiritualität. Es gib aber auch hier Gegenstimmen, die das genaue Gegenteil fordern, die postulieren, dass Glaube erst durch praktisches Handeln gelebt werden kann:

Im Namen des Feqz, der reinen Seele und des Verstands. Als die Welt noch jung und die Götter uns nah waren, da schenkten sie einem jungen Paar zwei Söhne, die an Anmut, Kraft und Verstand ihresgleichen suchten. Und sie wuchsen heran und die Kraft ihres Armes wurd nur von der Weisheit ihres Herzens, der weit war wie der Nachthimmel, überflügelt. Doch der älter Bruder wollte die irdische Welt hinter sich lassen und stieg herauf zum heiligen Berg Djer Tulams, um den Götter so nah zu sein, wie die ersten Menschen es waren. Und sein Geist weitete sich und er gebat über die Stürme und Felsen. Sein Geist war von solcher Heiligkeit erfüllt, dass allein sein Wort einen Ifriit bezwang und dieser ihm fortan als Reittier diente. Von allen Lastern dieser Welt befreit, wollte er seinem geliebten Bruder das gleiche widerfahren lassen und stieg hinab, wo sein Bruder mittlerweile ein angesehener Schmuckverkäufer geworden war. Und die Menschen verbeugten sich vor ihm, der so augenscheinlich von der Macht der Götter erfüllt war und dem sich selbst die Ifritiim unterwarfen. Als sein Bruder ihn erblickte, da füllten heiße Tränen ihm sein Gesicht und er küsste ihm die raue Hand und Wangen und bat ihn Gast zu sein in seinem Haus. Er bat ihn nur kurz acht zu geben, die Kostbarkeiten seines Geschäfts zu hüten, dass seine Frau dem Bruder ein Mahl bereite dass ihm würdig sei und war schnellen Schrittes entwunden. Der große Bruder erblickte all die Schätze, die das Dunkle des Raums in buntes Licht hüllten und ihm war als entschwanden ihm die Sinne. Kaum hatte er sich an diesen Anblick gewöhnt, da trat eine Frau ein vom Wuchs einer Zypresse, deren Lippen vom Feuer des Granats gezeichnet waren und sie bat Anteil zu haben an der Schönheit des Geschmeides. Und als er, der auf Steinen genächtigt hatte, ihre Haut weich wie das Blatt einer Rose berührte, da flog der Vogel seines Verstands in den weiten Himmel hinfort und er beschenkte sie reichlich mit feurigen Juwelen, um das Licht ihrer Erscheinung zu mehren. Doch als sie fort war, da bemerkte er, welch treuloser Bruder er doch war, der seine Gelüste mit dem Wohlstand seiner Familie bezahlt hatte und Scham ergriff ihn. Seine Heiligkeit war entschwunden und auf der Straße vernahm man Gebrüll und Angstgeschrei, denn der Ifriit war nun keiner Heiligkeit Unterworfener mehr und fiel über die Bevölkerung her. Es war das Wirken des jüngeren Bruders dass keiner zu Schaden kam und der Ifriit wieder in die Finsternis entschwand aus der er gekrochen war. Als er seinen beschämten Bruder antraf, da nahm er ihn in den Arm und sprach: Schau in Zukunft nicht auf deinen Bruder herab, der sich ein jeden Tag den Versuchungen dieser Welt stellt. Es fällt leichter den Versuchungen zu entsagen, wenn man ihnen nicht täglich ausgesetzt ist, doch nun lass uns speisen, denn der Mensch findet Erfüllung im Beisein der Götter doch einen vollen Magen im Kreise seiner Liebsten.
-Alte Erzählung tulamidischer Feqzanhänger

Allgemein wird viel darüber philosophiert, ob es zweckdienlich ist, wenn man nur für sich Spiritualität erlangt oder auch andere daran teilhaben lassen soll (von Letzterem sind die meisten Radschagläubigen überzeugt) und ob es gar lohnenswert ist, die höchsten Stufen der Seele im diesseitigen Leben zu erlangen (was viele Pragmatiker bezweifeln). Einig ist man sich darüber, dass man die höheren Stufen der Seele nur dann erreicht, wenn man weder aus Angst vor der Verdammnis noch aus der Erwartungshaltung ins Paradies zu gelangen, handelt. Denn die Motivation sollte immer aus der Liebe zu seinem Gott und seinen Prinzipien entwachsen. Viele Mystiker sind realistisch genug und sich auch bewusst, dass sie die höchste Stufe nie im diesseitigen Leben erreichen werden, was sie aber nicht als Makel empfinden. Ganz im Gegenteil gehen sie offen damit um und es gibt ihnen die nötige Demut vor der göttlichen Schöpfung und vielen ist gar das Beschreiten des Pfads wichtiger als das Erreichen des Ziels.

Von den Praktiken der Mystiker
Eine größere Einigkeit herrscht wieder bei den Praktiken, die man auf dem Weg beschreitet, auch wenn natürlich konkrete Inhalte je nach Glauben variieren. Diese Praktiken oder meditativen Übungen bezeichnet man als Fekr oder Dikr (Gedenken) und unterteilt sie in drei Kategorien:
Fekr des Verstands oder Fekr des Herzens: Hier erfolgt das Gedenken in einem inneren Zwiegespräch und leiser oder gänzlich stillen Meditation.
Fekr der Zunge: Hier löst der Betende seine Fesseln durch lautes Ausrufen oder gar har-monischen Gesang. Durch gezielte Atemtechniken und lautes Ausrufen versetzt der Betende sich in einen meditativen Zustand. Während das Fekr des Verstands in der Regel alleine begangen wird (auch wenn das nicht verpflichtend ist), wird das Fekr der Zunge (sowie das Fekr der Harmonisierung) öfter auch in einer Gruppe ausgeführt. Manche sprechen dann allerdings von einem separaten Fekr, dem sogenannten Fekr der Gemeinschaft. Beim Fekr der Zunge ist es nicht unüblich Namen, Titel oder Umschreibungen des Gottes auszurufen, da die Heiligkeit des Namens die Seele reinwaschen und der Gottheit näher bringen soll.
Fekr der Harmonisierung: Bei dieser Technik versucht der Betende Geist und Körper zu harmonisieren, um sich dann in einem zweiten Schritt von seinen irdisch körperlichen und irdisch geistigen Fesseln gemeinsam zu lösen. Die Rituale des Fekr der Harmonisierung entstanden erst nachträglich aus den beiden anderen Fekrs und so finden sich viele Bestandteile auch in diesem Fekr wieder (bspw. eine meditative musikalische Untermalung bei Gruppenübungen). Das Fekr der Harmonisierung ist bei den kämpferisch orientierten Betenden fester Bestandteil des Glaubens und hat deswegen verschiedene Ausprägungen erfahren, die alle auf diese gemeinsame Wurzel zurückzuführen sind. Gerade aus dem tulamidischen Feqzglauben heraus entstand so der Schattenkampf, wie er auch im Sur-Khaneh (entstanden aus dem Fekr der Zunge) oder alleine (Fekr des Verstands) praktiziert wird. Aber auch der Tanz der Mada, der nicht umsonst Ähnlichkeiten zum Schattenkampf aufweist, beruht auf diesem Fekr.

Das Fekr in den verschiedenen Kulten
Fekr-e Feqz

Der Pfad zu Feqz mein Schüler ist jedes Mal ein anderer und nur du kannst deinen Weg zu ihm finden. Öffne deinen Geist erfahre das göttliche Wirken unseres Herrn. Mein Weg führt hierfür über die Mittel die Feqz mir gegeben. Wie könnte ich den Weg des Sternenlenkers denn besser ergründen, als durch jene Wegweiser, die die Finsternis aus der Welt vertreiben. Und ich beginne zu erkennen, dass die Zahl der Wandelsterne ist 3x3. Und ich beginne die Wandelsterne in Beziehungen zueinander zu setzen, welche sind 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Beziehung. Und ich erkenne dass der Herr es gefügt, dass es sind 36 Beziehungen, was in der Quersumme ist 9 und dass die 36 ist 4 x 9. Und ich beginne mich zu fragen, warum die Beziehungen dieser Welt die harmonische 9 sind, nach der 4 verlangen und alle Bestandteile, sei es die 4, die 9 oder die 36, im Quadrat stehen. Und ich frage mich, welchen Einfluss die Kinder des Feqz, welche sind 3, am Nachthimmel auf das Gefüge dieser Welt haben.

Wenn du dem Pfad der silbernen Sichel folgst und im Licht der lauteren Tochter unserem Herr nahe sein willst, da reinige erst deinen Körper, ehe dein Geist ihm folgen kann. Salbe ihn im Extrakt des Blauhimmelssterns oder Sternanis, die deinen Körper stärken und Gebrechen abwenden werden. Kleide dich dann weiß und verdecke jenes Weiß mit einem schwarzen Mantel, so wie die Nacht es mit dem Tag zu tun pflegt. Lege einen kreisförmigen Teppich auf den Boden und stelle dich auf ihn. Dieser Teppich soll die Welt darstellen auf der du geboren und die zu durchschreiten dir die Götter gewährt haben. Streue dann den Mondsilberstaub, über jenen Mantel und hebe deine Klinge, die stets so wie die schmale Sichel der lieblichen Tochter, gekrümmt zu sein hat. Führe die Spitze zur Lichtspenderin, auf dass ihre Macht deine Klinge und damit dich durchdringe. Deine andere Hand spreize über den Teppich und erstaune wie deiner Hand und des Lichts Werk, die Finsternis in lauteres Licht und Schatten wandeln. Dies mag dein Handeln auf der Welt bewirken, wenn die Macht des Herren Körper und Herz durchdringt. Öffne nun deinen Geist und richte ihn auf der Schönheit lieblich Tochter. Wie dein Geist von göttlicher Macht durchdrungen werden kann, fragst du dich sicher, Dieb der Antworten. Lausche der Wahrheit meines Meisters, die zu übertreffen mir süßes Ziel sein soll: Nur wenn das Wasser ist wie ein Spiegel, kann es den Mond anschauenRumi. Sind nun Geist und Leib und Herz von der Macht des Vaters und der Tochter durchdrungen […] Lasse stets Sorgfalt bei all deinen Vorbereitungen walten, denn für versäumte Taten gibt es weder im Tod noch im Leben Wiederkehr […] Entfessle neun Mal den Sturm der Elstern, die deine Gaben gen Himmel entsenden sollen. Ein jedes Mal nenne einen seiner geheiligten Namen und bemühe dich stets nicht allzu viel des Mondstaubs auf einmal dem Herren zu opfern […] Öffne die müden Silberaugen der Nacht und folge dem Tanz der Sternenjungfern, wie sie der Himmelsprinzessin huldigen ohne ihr gleich zu sein und wenn sie versunken sind Feqzens Glanz auf der Welt mehren sollen […] Übe dich in dieser Technik so oft wie möglich. Und du wirst bemerken, dass ein jedes Mal, wenn du im Kampf einer der Bewegungen, die ich dir genannt, ausführst, du dich daran erinnerst als Feqz deinen Leib, Geist und Herz durchdrungen hat und Sicherheit und Zuversicht wird dich begleiten und dir treue Gefährten im Kampf sein.

Fekr-e Radscha
Wenn meine Laute euch silbern klingt
Mein Geist dem Rausch entgegenspringt
Dann bedenkt des Verses Quell
Der Wein sich zur Liebe gesell‘
Die Göttlichkeit der Liebe zu begreifen.
Du kannst die ganze Welt umstreifen
Kein bessres Maß du finden wirst,
Als der Liebsten Lieb dir das Herz zerbirst

-Rahjafez Shemseddin, Radschamystiker und Dichter, übersetzt aus dem Ur-Tulamidya. In Anlehnung an Hafez

Radscha ist für die Tulamidistani die Herrin des Rauschs und so kann eine Annäherung zu ihr, der Weg zur göttlichen Ekstase nur durch den Rausch führen. Nicht wenige Radschagläubige sind gar der Ansicht, dass dies den einzigen Weg zu einem Gott darstellt und zwar unabhängig von der Gottheit selbst. Deswegen versuchen sie auch anderen Geweihten zu helfen, den Weg durch den Rausch zu beschreiten und sie bspw. vor den negativen Auswirkungen bewusstseinserweiternder Substan-zen zu schützen. Da Rascha als die gebende Gottheit schlechthin unter den Tulamidistani zählt, ist es üblich, andere Menschen an diesem Rausch teilhaben zu lassen und so werden häufig Fekrs der Gemeinschaft ausgeführt. Vielen Geweihten fällt es, wie im obigen Gedicht angedeutet, leichter den Weg zur göttlichen Liebe zu erfahren und weiterzugeben, in dem sie diese mit einem natürlichen Menschen erfahren und sich der Göttlichkeit ihrer Zuneigung und Liebe durch eigene Betroffenheit bewusst werden. Im Übrigen muss erwähnt werden, dass das Gefühl des im Vordergrund steht und die körperliche Erfahrung sekundär betrachtet wird. Alles Materielle an sich wäre fad, würde nicht die Macht der Göttin wirken.

Ohne die Liebe ist jedes Opfer Last, jede Musik
nur Geräusch, und jeder Tanz macht Mühe.

Rumi

Auch unterscheidet der Mystiker zwischen Lust, Zwang und Gier auf der einen Seite, die dazu führen das die Seele sich nicht weiterentwickelt und Freiheit, Sehnsucht und Liebe auf der anderen Seite. Eine Handlung aus (Be-)Gier(-de), eine körperliche Vereinigung ohne geistige Liebe gilt den meisten Mystikern als „falscher“, wenn auch zugleich verführerischer Weg, da vieles gleich erscheint, doch unterschiedlich ist. Einige Mystiker behaupten, dass das Prinzip des Taroffs genau aus diesem Gedanken heraus entstanden ist, da es hierdurch möglich ist Feqz möglichst nahe zu sein ohne sich der Gefahr der Gier und Habsucht auszusetzen.

Was denkst Du, wer ich bin?
Ein Trinker?
Ein Sklave meiner Sinne?
Ein liebeskranker Irrer?

Wisse: Ich bin der König der Liebe!
Meine Seele ist von Lust befreit.
Meine Sehnsucht gereinigt von Begierde.
Mein Verstand ist frei von Scham.

Ich verließ den Bazar der Sinne.
Liebe ist mein Wesen.
Die Liebe ist Feuer – ich bin das Holz


-Ilyas ibu Yusuf Nizami

So sollen wahre Meisterinnen des Rausches tatsächlich allein mit ihren Worten, übermittelten Gedanken oder vollendeter Musik, andere in göttliche Ekstase versetzen können. Aus diesem Grund sind die Literatur, aber auch die Musik hoch geschätzte Künste mit denen sich fast jede Radschageweihte vortrefflich auskennt und die häufig Einzug in die Fekrs finden und deren Bedeutung auch von den anderen Kulten übernommen wurde. Vielen nicht geweihten Mitgliedern fällt der rein geistige Zugang zu Radscha dagegen schwer. Um diese Menschen aber nicht auszuschließen, unterstützen Geweihte solche Gläubigen indem sie ihnen als Mentor den Einstieg auch über den körperlichen Zugang, wie bspw. durch berauschende und elegante Tänze, erleichtern.
Abschließend sei noch einmal erwähnt, dass Feqz und Radscha zwei unterschiedliche Aspekte hervorheben, die sich dennoch nicht ausschließen. Während Feqz für den Verstand, das rationale Handeln und auch die Tüchtigkeit steht, so steht Radscha für das Gefühl, das emotionale Handeln, innere Motivation und Leidenschaft bei der Sache. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass man bei Feqz üblicherweise vom Fekr des Verstandes spricht und über diesen Pfad Zugang zur Göttlichkeit Feqzens erlangen möchte, während man bei Radscha beim ähnlich strukturierten Fekr vom Fekr des Herzen spricht.

Glaube & Bräuche im Alltag
Die Initiation

Die Initiation ist für viele Menschen das erste bewusste Mal, wo sie selbst Ziel göttlichen Wirkens sind. Sie ist nicht nur ein formaler Akt der Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen, nein sie geht einher mit dem ersten intensiven Kontakt der Gläubigen mit ihrer Religion. Häufig geht neben der religiösen Aufnahme, die nächste oder gar erste Stufe der beruflichen Ausbildung und die die nächste Stufe der Trennung vom Elternhaus einher. Das Kind wird damit nicht nur Teil der religiösen Gemeinschaft, sondern der öffentlichen Gemeinschaft als solches. Deswegen ist es vielen Geweihten neben der religiösen und moralischen Unterweisung wichtig der jungen Initiandin den Einstieg als vollwertiges Mitglied in die Gemeinschaft zu erleichtern und sie diesbezüglich zu beraten. Im Vorfeld des eigentlichen Rituals werden hierfür intensive Gespräche geführt und in einem gesonderten Unterricht die Inhalte des eigenen Glaubens und grob der der anderen Kulte vermittelt.

Der Tisch des Schicksals – Zofrehe Zarneweshtie
Durch die überragende Bedeutung des Feqzglaubens, aber auch durch seinen lustigen und geselligen Charakter hat sich das Ritual der Initiation des Feqzglaubens auch bei den anderen Kulten durchgesetzt. So ist es heute nicht verwunderlich, dass die meisten Kulte die Grundstruktur des Rituals übernommen haben, aber durch individuelle Elemente an die eigene Gottheit anpassen. So ist es bei der Radschakirche Brauch, dass die Geweihte den (eingepackt, verhüllten) Gegenstand (den die Geweihte selbst nicht wiedererkennt) dem Initianden schenkt und dieser sich diesen nicht selber vom Tisch nimmt, um symbolisch auszudrücken, dass Radscha die größte „gebende“ Göttin ist.
Zentrales Element ist, wie so häufig im tulamidischen Glauben ein Tisch, der sogenannte Zofrehe Zarneweshtie, der Tisch oder das Gedeck des Schicksals. Auf diesem werden verschiedene Gegenstände platziert, die der Initiandin nicht bekannt sind und sie erlangt auf die eine oder andere Weise einen dieser Gegenstände. Üblicherweise werden die Gaben vom gesamten Dorf oder einer edlen Spenderin gestellt. Die Zeremonie findet im Tempel oder auf dem Dorfplatz statt und es ist üblich mehrere Initianden am dritten, neunten oder dem Gott gefälligen Tag des Monats zu initiieren. Am eigentlichen Tag kommen nahe Familienangehörige dazu, meistens wird abends gemeinsam gefeiert oder gespeist, auch Geschenke für die Initiandin sind weit verbreitet. Es ist nicht unüblich, dass Schüler*innen noch einmal ihr Verhältnis zu ihrer Lehrmeisterin an diesem Tag besiegeln (oder gar einen gänzlich neuen Weg einschlagen). Wenn die Initiandin den Gegenstand erlangt, dann muss sie argumentieren, was dieser Gegenstand mit ihrer Zukunft gemein hat. Häufig wird hierbei der gewünschte Beruf vorgestellt. Im Sinne des Feqzglaubens, darf die Initiandin aber ihr Schicksal nicht einfach so hinnehmen, sondern muss das Beste aus ihm machen. Erlangt sie einen Stein, so kann sie eine einfache Steinschlepperin, Bergarbeiterin, Steinmetzin, oder aber auch eine Bauherrin werden. Es kann aber auch sein, dass sie eines Tages von einem Stein erschlagen wird. Wichtig ist, dass obwohl man Neigungen und Talente besitzt, man am Ende immer selbst verantwortlich für sein Handeln und seinen Erfolg ist. Dies muss die Initiandin der Gemeinschaft unter Beweis stellen, in dem sie möglichst kunstvoll oder mit viel Wortwitz eine möglichst glorreiche Zukunft, basierend auf dem erlangten Gegenstand, argumentiert. Ahnt die initiierende Geweihte eine besondere Eignung im Dienst ihrer eigenen oder einer befreundeten Gottheit stellt sie einen passenden Gegenstand zur Verfügung und vertraut auf den Willen der Gottheit, dass diese die Initiandin zum Gegenstand führt. Feqzgeweihte erlauben sich meistens einen Spaß mit dem angehenden Füchsling und führen ihn zu einem möglichst unansehnlichen Gegenstand. Genauso kann es aber sein, dass sie erst nach der geschickten Argumentation der Gesegneten erst auf sie aufmerksam werden.

Ich sah hinauf zur Kuppel. Durch geschickte Platzierung von Spiegeln erhellte das Licht Madas der Lieblichen die mit Mondsilber, Rubinen und Silber verzierte gebauchte Innenkuppel des Tempels. Unsere Familien waren gekommen und acht in grau gehüllte Mäntel, mit gesenkten Köpfen standen nun im Kreis um den Erwählten des Nachtherren. In der grauen Nacht sind alle Mäntel gleich, hatte uns der dem Höchsten Dienende, gelehrt, ich musste bitter lächeln. Neben mir stand Adil, der Sohn des brutalen Emirs, der unsere Stadt in seinem eisernen Griff hielt, doch stets die Traditionen achtete. Nichts hatte ich, mit einem Vater der dem seinen in hoher Schuld stand, mit ihm gemein. Nachdem der vom Mond und den Sternen Erleuchtete sein Gebet beendet hatte, reichte er Faisal, die graue Binde, zumindest meinte ich Faisals Geruch von Lauch, was er über alles liebte, zu riechen. Wir vier Jungen und vier Mädchen würden nun abwechselnd vom Tisch des Schicksals unser Los erfahren. Faisal wurde mehrfach gedreht, während der Sternenleser geräuschlos zum Tisch ging und den Schleier lüftete. Faisal lief an ihm vorbei, zu einem der Mädchen. Ich wusste wer sie war: Zanya, die schönste Blüte im Garten unseres Dorfes, würde selbst mein von der Sonne und Feuer geblendetes Auge erkennen. Er kam ihr unsittlich nahe und ein lauter Knall wandelte seine Wange in Kebab. Ich schüttelte amüsiert den Kopf, bei Feqz, Faisal war wirklich ein Trottel. Mit neuem Schwung und unter lautem Gelächter gelang er zum Tisch und ergriff ein Seil. Er stotterte sich was zusammen, vom gewundenen Lauf des Schicksals und das Feqz für ihn ein abenteuerliches Leben vorgesehen hätte. Oder du landest am Strick, verlachte Adil ihn und seine Speichellecker taten es ihm gleich. Einer der einfachen Geweihten ließ Faisal niederknien, der zum ersten Mal im Leben den nötigen Ernst zeigte und der Geweihte zeichnete ihn mit der sichelförmigen Mada und nahm ihn so in die Gemeinschaft der Gläubigen auf. Die Geweihten hielten den Schleier hoch und der Wesir der Schatten tauschte die Gegenstände oder platzierte sie neu, bevor er sie wieder verhüllte ohne dass wir einen Blick drauf werfen konnten. Es ging hin und her. Als Adil dran war, fiel selbst dem Laien auf, wie viele Gegenstände aus Edelmetallen den Tisch zierten. Mein Blick in die Familien traf die Augen des Emirs, der zufrieden grinste. Adil lief direkt auf den Tisch zu. Du kannst das Schicksal nicht betrügen, du kannst dich ihm nur entgegenstellen, ging es mir durch den Kopf. Adil ergriff einen goldenen Spiegel. Triumphierend verkündete er von seiner glorreichen Zukunft in Reichtum und Wohlstand und dass er eine Frau die seine Schönheit spiegeln würde einst zur Braut nehmen würde. Dabei wanderte sein Blick zu Zanya, denn es war ein offenes Geheimnis, dass der Emir entsprechende Vorkehrungen getroffen hatte. Ich schüttete innerlich den Kopf, das war nicht gerecht. Welch Verkennung unserer Traditionen. Wollte man den Überlieferungen Glauben schenken, so war es einst, so dass unsere Vorfahren im Schutz der Nacht in die Täler schlichen und das ergriffen, was ihnen der Herr des Schicksals in die Hände gab. Ein jeder sollte mit dem was er bekam das Beste anstellen, es für sich und die seinen zum Vorteil nutzen. Es handelte sich immer um eine Aufgabe, einen Hinweis, eine Warnung oder einen Fingerzeig, doch niemals um ein unverdientes Geschenk. So mochte es sein, dass der eine ein Schwert ergriff, der Andere einen Stein, doch ein jeder sollte bemüht sein, das Beste daraus zu machen. Doch Adil verlachte die Sitten und erkannte ihren Zweck nicht in dem er die Aufgabe dahinter nicht erkannte, nicht mal sich bemühte sie überhaupt zu erkennen. Ich war dran, ich schloss die Augen, während ich mir den grauen Seidenschleier umwickelte. Wie so vieles in unserer Kultur war der Schleier ein Symbol, eine Metapher. Es hieß, dem gerechten Herrn zu vertrauen, sich in seine Hände und die der dunklen Nacht zu geben und sich von ihm prüfen zu lassen. Sein Licht würde mir den Blick erhellen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war und ich mich als würdig erwiesen hätte. Ich nahm die Binde ab und hielt einen einfachen Stein in der Hand. Was sollte das bedeuten, war mir das Schicksal eines Steinmetzes, eines Bauherren gar vorhergesehen. Stolz hielt ich den Stein hoch, einige amüsierte Blicke trafen mich. Ein Stein mag einfach nur ein Stein sein, doch in die richtige Form gebracht, formt er die schönsten Paläste und sein Fehlen kann eben jene einstürzen lassen. Er ist beständig und hart und ausdauernd und unnachgiebig und so möchte auch ich sein. Als ich den Stein senkte und von Adil verspottet wurde, glänzte der Stein an einer Stelle metallisch stumpf.
Und so machte ich mich auf, verließ meinen elterlichen Hof und wurde Söldner. Und mein Leben machte mich beständig und hart und ausdauernd und unnachgiebig, doch stets achtete und ehrte ich Feqz, den obersten aller Götter.
Und hier saß ich nun nach all der Zeit. Ich rieb eine Pfeilspitze, keine gewöhnliche. Das stumpfe Schimmern meines Steins erwies sich als Eisen und so ließ ich diesen zum Stahl des Kriegshandwerks formen, für einen einzigen Schuss des Schicksals. Nachdenklich strich ich über die Kante. Wo der Emir brutal war, da war sein Sohn einfach nur gierig und hatte im Schatten der Macht seines Vaters gelebt. Es war ein Leichtes gewesen den Palast seiner Herrschaft einstürzen zu lassen und an seiner statt eine neue Welt zu formen, man musste nur wissen welchen Stein man entfernen musste... Sanya setze die Krone des Emirats auf meinen Kopf. Ich lächelte sie an, doch meine Gedanken waren woanders. Es war diese Pfeilspitze gewesen, die sein Herz durchbohrt hatte, nachdem sie durch seine Prunkrüstung gestoßen war. Einem goldenen Spiegelpanzer. Allmächtiger Feqz, Herr der ausgleichenden Gerechtigkeit habe Mitleid mit Adils Seele, denn er verkannte deine Warnung und zahlte mit seinem Leben für seine Torheit.

-Abbasnameh: Das Leben des Abbas al’Khors, letzte Fassung. Eine Woche bevor Faisal, genannt „der Lauch“, Sanya mit einem Seil knebelte und entführte

Hochzeit
Schon immer gehörte mein Herz ihr, doch als ich noch jung und sorglos war, da gierte das Feuer in mir, ihrer andächtig zu werden. Bei einem selbstzugewiesenen Botengang zu ihrem Sippenhof stand ich vor der traditionellen Tür mit den zwei Türklopfern. Einer war zierlich, der andere schwer und klobig. Der Anstand gebot es den schweren zu nutzen, damit ein jeder sich dem Blick entziehen konnten, dessen ungebundene Schönheit nicht für den Blick des Fremden bestimmt war, der den Sippenhof betrat. Feqz verzeih mir den simplen Trick, doch ganz plötzlich vergaß ich die Bewandtnis der Türklopfer und nutzte den Grazilen, dessen silberheller Klang, einen unerwarteten Besucher ankündigte. Stürmisch betrat ich den Sippenhof und auch wenn ich Fluch und Schande auf meinem Haupte ertrug, so war mir vergönnt, ihr Antlitz in all ihrer Schönheit zu erblicken und auch sie bedachte die Sittsamkeit mit der Schnelligkeit Rashtuls, als sie nur langsamen Schrittes den Sippenhof verließ, während ihre von Feuer gezeichneten Lippen mir ihr Lächeln schenkten.
Bald darauf, galt mein Blick erneut ihren Schritten und während sie durch die Straßen spazieren ging, vergingen Stunden bis ihr Mund mir ihre perlenweißen Schätze im Lächeln zeigte. Doch ihre Gunst galt mir immer öfter und dem Wind trugen wir in leisem Flüstern unsere Worte und Gedanken auf, denn unsere Väter waren sich in der Vergangenheit nur im Streite einig. Wirklich nahe kamen wir uns auf dem Basar, bei den Tuchhändlern, die ihre teuren Stoffe im gelb aus dem Herzen des Safrans und dem rot seiner Blüte gefärbt hatten. Die Schleier, waren uns Radschas und Feqzens Geschenk gleichermaßen und ermöglichten mir das Feqzensstück, ihrer sanften Berührung Begünstigter zu sein. Lange wäre dies so weitergegangen, hätte mein Onkel der Falken-äugige uns nicht erspäht und mich ermahnt, der Tugend unserer Familien zu gedenken. Noch einmal traf ich sie, außerhalb der Sitten, um unser Werk vor Feqz zu besprechen um darauffolgend Rat mit unseren Eltern zu halten.
Meinen Glaubensbruder, der wie ich unter dem besonderen Schutz des Nachtherren stand, berief ich als meinen treuen Verbündeten ein und auch meine Liebste tränkte mit Honig ihre Lippen, als sie die Brautschau ankündigte und mir die Erlaubnis zuteilwurde um ihre Hand anzuhalten. Wir suchten das Haus ihrer Familie auf, reich beladen mit süßem Gebäck, seltensten Blumen und feinstem Geschmeide. Mein treuer Freund lobte meine Tugenden in solchem Maße und Geschick, dass selbst ihr Vater andächtig nicken musste. Doch auch ihre Tugenden standen den meinen in nichts nach, war sie nicht nur von Radscha, sondern auch von Feqz und Hesinde in gleichem Ausmaß gesegnet. Meinem Vater den ich unter Tsas Segen um Mäßigung gebeten hatte, setzte seine Vaterpflicht vor seinen Stolz und erwies mir ebenfalls teuren Dienst. Als ihre Familie beim Gegenbesuch unser Haus aufsuchte, da geizte er nicht an Höflichkeit und vollzog selbst den Schankdienst vor ihrer Familie. Den kostbarsten Raschtulswaller Fasars, eine Komposition aus Göttergaben und Magie opferten wir der Nacht im Zeichen der Versöhnung.
Das nächste Mal, als wir sie besuchten, um das Ja einzuholen (Baleh Boran), war an einem sonnigen Tag und nach der Zusage legten wir Zeugnis vor unserer Gemeinschaft ab, als wir gemeinsam durch die Straßen spazierten, während uns unsere Verwandten im gebührlichem Abstand folgten. Bei den Tuchhändlern hielten wir inne und im rot und gelb der Schleier bedachte ich ihre Hand mit einem sanften Kuss.
Eine treue Dienerin des Herren des Nachthimmels begleitete uns zur Verlobung. Gemäß den Bräuchen legten wir vor Feqz die gegenseitigen Verpflicht-ungen und auch die Höhe der Morgen- und Abendgabe fest. Als meine Liebste die Summen abgleichen wollte, da schalte sie ihr Vater, der diese neumodischen Sitten für unangemessen hielt. Doch ich bat ihn sie gewähren zu lassen, denn ihr Nachfragen zeigte nur ihre Weisheit und ich hatte kein Dummchen zu meiner zukünftigen Partnerin erwählt. Was für Partner sollten wir denn sein, wenn wir das Schicksal des Anderen im Falle unseres Ablebens in Ungewissheit zurückließen. Und so waren unsere gegenseitigen Gaben von Feqz gesegnet, beachteten die Macht der 9 und auch die befreundeten Zahlen 220 und 284 hielten Einzug in die Gaben, so dass sie ohne Fehl waren. Doch in einem Punkt waren die Traditionen unserer Sippen so verschieden, dass es schien als würde Kor selbst Radschens mühseliges Werk zunichtemachen wollen. Denn in meiner Sippe war es üblich, dass die Familie des Mannes die Feier, sowie auch die Aussteuer zahlte und genau andersrum verhielt es sich in der Sippe meiner Zukünftigen. Doch auch hier erwies sich mein Glaubensbruder, der mich ebenfalls begleitet hatte, als wertvoller Berater. Denn durch geschicktes Fragen erkannte er den Quell des Unmuts. Es war nämlich Mode in der Familie meiner Braut geworden ausländische Künstler einzuladen, während es meine Familie kränkte, wenn man ihr die Kosten für eben jene nicht zutraute. Und so legte die Familie meiner Frau die Künstler fest, die aus Rashdul und Khunchom einberufen wurden und dem Stolz meiner Familie wurde auch Genüge getan, als sie die Kosten für diese übernehmen sollten. Die Aussteuer sollten beide Sippen im Rahmen des Eintritts (Pahtakhti) beisteuern.
Um die Tradition des Feilschens vor Feqz zu ehren, verlangten wir gegenseitig noch ein Schmuckstück für den jeweils anderen. Da sie nicht von Adel war, untersagte ihre Tradition, dass ich ihr ein Schmuckstück aus Gold schenkte, doch wie konnte ich die Königin meines Herzens mit weniger, als den edelsten Metallen bedenken. Doch meine schlaue Geliebte wusste einen Ausweg und verlangte ein Geschenk einer Fürstin der Füchse würdig. Und so schmückte ich ihre Finger mit dem lauteren Silber des Mondes, das ein jedem gestattet war, der den stolzen Preis zu zahlen bereit war und sie vergalt es mir gleichermaßen im Guten, so dass unsere Finger fortan unsere Ehe vor dem Mond bezeugen sollten.
Meine Großmutter, begleitet von einigen Abenteurern, war aus Gorestan selbst aufge-brochen, um den Hochzeitsspiegel und kostbarsten Schatz unserer Familie zu unserer Hochzeit zu bringen. Gepriesen sei sie und möge Mahabor ihr die Sicht auf uns gewähren und an unserem Glück teilhaben lassen, jetzt da sie nun von uns geschieden ist. Der Hochzeitstisch war reich geschmückt und gedachte auch unserer beider Ahnen durch prächtige Abbildungen.
Meine Liebe selbst, die ich erst im Spiegel erblickte, war gekleidet in einem reinen, lauteren silberweiß, während die Brautjungfern die den Radschen-schleier über uns hielten in radschagefälligen rot und rosatönen gekleidet waren. Die Fingerkuppen der Brautjungfern waren rot vom Henna, mit der sie die Nacht zuvor meine Liebste im Zeichen Radschas gezeichnet hatten. Die glücklich verheirateten Frauen, allen voran unsere Mütter, rieben unentwegt die Zuckerstangen über uns auf, dass die Süße ihrer Ehe auf uns herabfahre. Dennoch gab es einen kleinen Eklat als ihre Tante diesen Dienst verweigerte, da sie nicht glücklich in ihrer eigenen Ehe zu sein schien und uns so nicht mit Zucker segnen konnte.
Mir wurden drei Fragen gestellt, wirst du sie auf Händen tragen auch wenn sie selbst palmyranische Schönheiten vor Neid erblassen lässt und Ruhe bewahren, wenn eure 2x9 Kinder in Ungeduld ihre Stimme erheben. Lachend und dennoch entschieden bejahte ich. Umso ernster als mir die Frage gestellt wurde, ob ich sie heiraten wolle. Meine Braut dagegen, antwortete nicht, sie ist Blumen pflücken, sie ist geflohen als sie ihn bei Tag sah, antwortete unsere Gäste stattdessen. Aber auch sie beantwortete die letzte Frage, ob sie mich heiraten wollte mit einem sicheren Ja, während sie meine Hand hielt und in meine Augen blickte. Die Augen meines Vaters dagegen, füllten sich, während er die Fragen meiner Braut stellte, mit heißen Tränen und Kor der Grimmige verzeih, auch ich, der ich nur beim Tod meines Großvaters meinen Vater mit Tränen sah, konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Besiegelt wurde die Ehe als wir den jeweils anderen vom Honig kosten ließen und den Eid vor den Göttern bekräftigten. Fortan sollten unsere gemeinsamen Tage voll von Süße und Lebensfreude erfüllt sein.
Als die Geschenke ausgerufen wurden, empfingen wir diese als Paar und verteilten Süßigkeiten als erste gemeinsame Handlung an unsere Gäste. Währenddessen ermahnte mein Vater, doch die beste Freundin meiner Geliebten das Kissen härter zu besticken, was von unseren Müttern in gemeinsamer Übereinkunft mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert wurde. Dann begaben wir uns zum Essen und allerlei Kostbarkeiten wurden serviert. Unserer Eltern und wir ehrten die Bräuche der Gastfreundschaft und gingen durch die Reihen, so dass uns selbst nur wenig gemeinsame Zeit vergönnt war. Erst als die Süßigkeiten serviert wurden, trafen wir uns wieder und betrachteten den Tanz des Messers mit dem das Baghlava angeschnitten werden sollte, gemeinsam. Sibya sal Yessaria, der Stern Khunchoms selbst vollzog das Radschenwerk. Ihr Tanz schlug uns so sehr in Bann, dass wir nicht anders konnten als sie mit Ahn'Alanzina selbst zu vergleichen. Gesegnet soll diese Meisterin des Tanzes sein, denn ihr Schauspiel war so schön, dass es schien als wäre es nicht für uns Menschen gemacht. Ihr in Kunstfertigkeit nicht nachstehend war Caya, die Weberin der Illusionen, die trotz ihrer Jugend die Räumlichkeiten mit den Sagen- und Helden-gestalten der Vergangenheit dermaßen gekonnt füllte, dass uns schien als hätte sie Al'Mahmoud selbst überlistet. Und so war das Fest erfüllt vom Zauber und prächtigen Farben und allerorten erschallte das Lachen und die Freude der Tanzenden, Radscha zum Gefallen. Dastan Keyvani, aus dem berühmten Shayan al’Golestan Rashduls, der von Alef Aytan Berührte, wandelte mit seiner mächtigen Trommel durch die Reihen der rauschhaft Tanzenden und erhitzte die Nacht mit seinen feurigen Klängen bis in die späten Stunden.
Unsere Väter waren freigiebig wie der Mhanadi und ließen die extra in Aranien bedruckten Geldscheine unter die Tanzenden regnen, wie der Kirschbaum seine Blüten im Zeichen Peraines. Unter den Tanzenden war auch die beste Freundin meiner Mutter, die viel eher ihre Tochter im Gewand meiner Braut gesehen hätte und mit einem minderen Geschenk beim Ausruf sich selbst beschämt hatte. Doch nun zeigte sie Großmut und legte das feurig, rubine Herz der Erde, gefesselt in wolkenhellem Silber um den nicht minder silberneren Hals meiner Liebsten und versöhnte sich im Tanze mit ihr.
Doch wisse al'Mahmoud neidet uns Sterblichen die schöne Zeit und so vergingen die drei Tage wie im Flug. Doch seine liebliche Tochter bewahrte unsere Freude in ihren Seiten beschrieben mit dem Glück unserer Erinnerungen.
Ich verbrachte die letzte Nacht bei meinen Eltern, wie es die Tradition gebot und lauschte den Erzählungen meines Vaters, von seinem Vater und den Vätern vor ihnen. Traurig nahmen er und meine Mutter mich das letzte Mal in den Arm in ihrem Haus, den fürderhin oblag es mir selbst über meine eigene Familie zu wachen. Am nächsten Tag suchte ich meine geschätzte Schwiegermutter auf und beschenkte sie mit Blumen und Gebäck, hatte sie doch die schönste Rose ihres Gartens nun vertrauensvoll in meine Hände gelegt. Erneut pries ich ihre Erziehung, die meine Frau mit einem Blumenstrauß an Tugenden bedacht hatte und deren Schönheit einem selbst die Götter neideten, als ich dann schließlich mich in mein eigenes Haus begab, in dem ich meine Liebste antraf. Es dauerte nicht lange, und sie schenkte mir das größte aller Geschenke, meinen ersten Spross, einen Sohn, schön und schlau, aveshangleich, der nun meinen alten Worten lauschen mag und dessen Glück meins umso reicher erscheinen lässt...

- Madan al'Khorasan Gorestani zu seinem jungen Sohn, Gorestan, neuzeitlich

Die tulamidische Hochzeit umfasst nicht nur den reinen Akt der Vermählung, sondern ist ein über die Jahrtausende gewachsener Prozess, der sich im Detail von Region, ja sogar von Sippe zu Sippe unterscheidet und dennoch einige Gemeinsamkeiten aufweist. Die tulamidische Hochzeit umfasst folgende Aspekte:

Khaztegari - Die Brautschau
Das Khaztegari ist immer der erste formale Schritt, um eine Vermählung einzuleiten. Je nach Region und sozialem Stand des Brautpaars, kennt sich dieses bereits vor dem Khaztegari oder lernt sich erst während diesem kennen.
Immer sucht beim ersten Mal die Familie des Mannes die der Braut auf, was nicht bedeutet, dass die Familie der Frau . Beide Parteien versuchen ein wortgewandtes Familienmitglied oder einen ebensolchen Freund zur Brautschau einzuladen, damit eben jener die Tugenden des Kindes in allem Maße lobt. Die Familie des Mannes bringt immer symbolisch Gebäck (Süße) und Blumen (Jugend und Schönheit), selten auch Schmuck (Reichtum und damit einhergehend Feqzens Gunst) mit.
Kannte sich das Brautpaar bereits im Vorfeld, dient der Termin vorrangig dazu, dass sich die beiden Familien des Brautpaars näher kennen lernen. Daneben werden die Ausbildung, Tugenden und der Charakter der beiden erörtert, insbesondere steht in diesem ersten Termin allerdings der Mann im Fokus und muss sich dem Urteil der Eltern der Frau und ihrer selbst stellen (umso mehr, wenn er dieser im Vorfeld nicht vertraut war). Die Stufe des Khaztegari ist meist nicht bindend, es wird in der tulamidischen Gesellschaft eher wie ein förmlicher Besuch gewertet, auch wenn dieser natürlich schon ein gewisses Ziel verfolgt. Unabhängig davon, ob das Khaztegari der Frau oder ihrer Familie zugesagt hat, wird ein Gegenbesuch der Familie erwartet. Das Ausbleiben eines solchen Gegenbesuchs, gilt als extrem unhöflich, wenn nicht sogar beleidigend.
Die Anzahl der Khaztegaribesuchen ist nicht limitiert, gerade wenn sich das Brautpaar nicht kannte und auch wenn bspw. bei politischen Hochzeiten weitere Ziele verfolgt werden, sind mehrere Khaztegaribesuche die Regel und nicht die Ausnahme.
Je nach Region sind zusätzliche Besuche sogar zwingend vorgesehen und haben recht blumige Sonderbezeichnungen.

Baleh Boran- Das Ja einholen
Wenn es zum „Ja-Einholen“ kommt, wird es dagegen langsam Ernst. Denn eine Zusage an diesem Tag wird als Interesse der Frau zur Hochzeit verstanden (der Mann zeigte sein Interesse bereits beim Khaztegari und indem er das Baleh-Boran anfragt). Es ist üblich, dass das Paar im Haus der Frau etwas Zeit zu zweit in einem eigenen Zimmer verbringt. In strengen Regionen wie Thalusien erblickt so der Mann die Frau zum ersten Mal unverschleiert. Ist man sich an der Stelle noch einig, geht man meistens gemeinsam durch die Ortschaft spazieren. Auch hier geht das Paar voran, gefolgt von den Eltern oder einigen „Anstandsdamen“ (die allerdings auch männlich sein können). Was in Khunchom wahrscheinlich nicht einmal mehr auffällt, stellt auf dem Land schon quasi eine Art Verlobung dar. Denn die Gemeinschaft erfährt nun, dass das Paar den Bund eingehen möchte. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Rückzug für beide Partner zwar möglich, verursacht aber allerlei Gerede und man sollte tunlichst vermeiden mehr als einmal von einem eingeholten Ja abzuweichen (dies gilt sowohl für den Mann als auch die Frau).

Namsadi - Die Verlobung
Zu diesem Anlass wird sehr häufig ein Geweihter eingeholt. Am beliebtesten sind aufgrund ihrer Bildung und Erfahrung in derlei Angelegenheiten Feqzgeweihte, aber auch andere Geweihte sind möglich, wenn sonst keine vorhanden sind (vor allem auf dem Land) oder man einem bestimmten Kult sehr verbunden ist (vor allem in der Stadt). Hier werden der Rahmen der eigentlichen Hochzeit und insbesondere die Höhe der Morgen- und Nachtgabe, wie auch die Aussteuer und eine etwaige, häufig von den Eltern gestellte, neue Bleibe für das Paar abgesprochen. Bedauerlicher-weise hat jede Sippe ihre eigenen Bräuche, auch wer die Kosten für die Feier zu tragen hat, so dass es schon häufig eines ausgezeichneten Diplomaten bedarf, um die Ehe nicht an derlei Dingen scheitern zu lassen. Die Nachtgabe jedoch wird immer von einem (bzw. von beiden, wenn zwei Männer heiraten) Mann gestellt. Meistens wächst sie im Laufe der Jahre, oder wenn dem Paar Kinder geboren werden. Die Nachtgabe wird zum Teil direkt während der Hochzeit in Form von Schmuck an die Partner*in entrichtet oder in seltenen Fällen der Feqzkirche zur Verwahrung überlassen. Im Falle des Ablebens des Mannes bezieht die Partner*in immer zuerst die Nachtgabe aus dem Vermögen des verstorbenen Mannes. Erst dann wird sein Erbe ausgeschüttet. In Thalusien haben die meist keinem Gewerbe nachgehenden Ehe-frauen ein Anrecht auf die Nachtgabe im Falle der Scheidung, was auch peinlichst genau eingehalten wird. Eine neuere Sitte ist die der Morgengabe. Die Morgenröte stellt in der tulamidischen Glaubens-welt Radschas Kind dar und so bezeichnet die Morgengabe oben genanntes Vermögen, wenn es von einer Frau gestellt wird. Die Morgengabe wird von einigen älteren Tulamidistani noch sehr kritisch beäugt ist aber gerade bei jungen Menschen beliebt, zumal die finanzielle Versorgung der Familie immer häufiger auch den Frauen obliegt.
Wurde eine Einigung erzielt wird diese vom Geweihten festgehalten und mittels eines Schwurs von beiden Parteien bekräftigt. Feqzgeweihte berechnen auf Basis der Horoskope des Paares mehrere segenreiche Termine, von denen häufig das Paar dann eins auswählt. Gemäß einer alten Tradition ist es üblich, dass das Brautpaar im Anschluss um seinen Ring feilscht, den es vom Partner erhält. Bei einigen Sippen ist es üblich die Verlobung in Form eines Fest zu zelebrieren.

Hana Bandan - Die Henna Nacht
In der Henna Nacht, die meist einen Tag vor der der eigentlichen Hochzeit stattfindet, treffen sich die Freundinnen der Braut, manchmal auch eine Radscha- oder Tsageweihte im Haus der Braut. Je nach Region wird hier das Henna auf unterschiedliche Weise vorbereitet, damit es eine kräftige meist rötliche Farbe beibehält. Danach wird das Henna zuerst auf der Haut aufgetragen. Hier immer auf den Händen, gelegentlich auch auf den Unterarmen und Füßen, sehr selten auf anderen Körperstellen. Die rote Farbe auf der Haut steht eigentlich für Radscha, weswegen, neben rein kunstfertigen Applikationen, vor allem mit Radscha verbundene Symbole aufgetragen werden. Beliebt sind hierbei auch stilisierte Blumen (da diese auch für Tsa stehen). Manchmal werden auch tsagefällige Motive die für Fruchtbarkeit stehen gezeichnet. Einige Frauen lassen sich Strähnen oder alle Haare mittels Henna rot färben. Rot gefärbte Haare sollen an das Fell eines Fuchses gemahnen und Glück bringen. Mittlerweile werden fürs Auftragen Instrumente (wie bspw. sehr feine Pinsel) benutzt, aber in der Vergangenheit kam man (gerade um die Haare ordentlich zu färben) nicht umhin auch seine Finger zu nutzen, weswegen die Freundinnen am Hochzeitstag rot gefärbte Fingerkuppen hatten und man hierdurch die Freundinnen der Braut gut erkennen konnte. In Anlehnung dessen, werden heute die Fingerkuppen der Freundinnen manchmal auch mit kleinen Verzierungen bedeckt. Dabei sitzt man den Tag und manchmal die Nacht zusammen, unterhält sich, lacht und feiert im kleinen ungezwungenen Kreis.

Zofrehe Aghd – Der Hochzeitstisch
Zentrales Element während der eigentlichen Hochzeit ist der Sofrehe Aghd (Hochzeitstisch, Hochzeitsgedeck), der über die gesamte Hochzeitsfeier aufgestellt bleibt und an dem die eigentliche Trauung ausgeführt wird.
Der Sofrehe Aghd umfasst mehrere symbolische Gegenstände, die die Aspekte verschiedener Gottheiten wiederspiegeln, deren Gunst man für das Brautpaar erlangen möchte. Häufig sind auch viele symbolische Speisen auf dem Sofreh, die das Brautpaar nach der Zeremonie an ihre Gäste verteilt.
Welche Gegenstände dies sind, und welcher Gottheit sie zugeordnet sind, variiert natürlich regional. Spiegel, Schleier und Buch sind aber immer fester Bestandteil des Zofrehs. Nachfolgend werden einige Beispiele aufgeführt
Der Mondsilberspiegel, auch Spiegel des Glaubens (Mada, Feqz): Der Mond stellt das Zeichen Feqzens und Madas gleichermaßen dar. Er symbolisiert die Reinheit Madas und das Licht, dass sie den Menschen in der Nacht spendet und gleichzeitig, dass der Herr der Nacht über die Menschen wacht. Die wenigsten heutigen Spiegel sind tatsächlich aus Mondsilber, das speziell und aufwendig präpariert werden muss, um eine solch spiegelnde Oberfläche zu erhalten. Ist dies doch der Fall handelt es sich in diesen Fällen, um uralte über Generationen vererbte Kostbarkeiten, denen sogar eine gewisse Magie nachgesagt wird. Viele nehmen mittlerweile stattdessen einfachere Spiegel. Das Brautpaar setzt sich auf zwei für sie bereit gestellten meistens nicht allzu hohen Sitzmöglichkeiten (bspw. Kissen) und blickt gemeinsam in den Spiegel. Dabei betritt in einigen sehr traditionellen Gebieten die Frau mit einem Schleier den Raum und lüftet diesen erst vor dem Spiegel. Der Spiegel ist so aufgestellt, dass die Braut ausschließlich ihren Bräutigam sieht und der Bräutigam ausschließlich seine Braut. Dies soll ausdrücken, dass beide ihre ergänzende Hälfte, das Spiegelbild ihrer Seele gefunden haben. Bis heute halten sich allerdings auch die Gerüchte, dass diese Tradition darauf fußt, dass unheilige Kreaturen kein Spiegelbild haben oder der Spiegel das wahre Antlitz des Partners offenbart…
Die Kerzen (Angrosch): In der Regel werden von einem handwerklich begabten Familienmitglied zwei Kerzenständer eigens für die Hochzeit hergestellt. Auch wenn Mann und Frau in der tulamidischen Gesellschaft unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, so ist man sich doch einig, dass das Licht ihrer Seelen gleich hell leuchtet. Symbolisiert wird diese Gleichwertigkeit dadurch, dass beide Kerzen, je eine auf jeder Seite des Paars, genau gleich hoch sind. Die Kerzen werden kurz vor der eigentlichen Zeremonie vom Geweihten mittels eines Feuersegens entzündet.
Brot (Peraine, Tsa oder andere Fruchtbarkeitsgottheit): Es handelt sich um einfaches Brot, wie bspw. Lavash, auf dem mittels Erhitzung kalligraphisch meistens ein Göttername eingebrannt wird. Es soll vor Hunger und Armut schützen.
Geldmünzen (Feqz): Die meist in einem Kelch aufbewahrten Münzen (selten Edelsteinen, dann aber Türkise) symbolisieren Reichtum und Wohlstand, den man sich fürs Brautpaar wünscht.
Buch (Hesinde, Nandus nach Inhalt des Buches auch andere): Relativ zentral ist ein Buch aufgestellt. Häufig handelt es sich um ein religiöses Buch, aber auch romantische Texte berühmter Künstler oder uralte historische Texte, die von der Vergangenheit der Sippe kündigen, sind häufig zu sehen. Meistens ist das Buch aufgeschlagen und die aufgeschlagene Seite hat etwas mit dem Brautpaar zu tun oder soll einen weisen Ratschlag vermitteln. Das Buch steht natürlich für Weisheit und Bildung, aber auch Bewahrung alter Weisheiten und Künste.
Das Nähkissen (Travia): Eine eher jüngere Tradition, ist die des Nähkissens. Nichts fürchtet die junge verheiratete Braut mehr, als eine geifernde Schwiegermutter, die sich in alle Angelegenheiten der neuen Familie einmischt und das junge Eheglück verderben möchte. Aus diesem Grund wird von der besten Freundin der Braut oder einer geschickten Näherin provisorisch und recht martialisch der Mund der Schwiegermutter zugenäht. Naja, symbolisch, natürlich wird das, erstaunlicherweise immer orangegefärbte, Kissen stellvertretend ordentlich bestickt.
Bilder & Figuren (Maha Bor, Zulhamid & Zulhamin): Um auch die Toten zur ehren von denen man abstammt, werden Figürchen oder, wenn vorhanden, kleinere Portraits der Verstorbenen aufgestellt. Auch Figuren Zulhamids & Zulhamins sind nicht unüblich. Damit bittet man seine Vorfahren über das Brautpaar zu wachen und als Mittler zu den Göttern Fürbitte für sie zu leisten.
Speisen (verschiedene Götter, vor allem Fruchtbarkeitsgöttinnen): Es werden allerlei Speisen, insbesondere regionale Früchte (Äpfel, Granatäpfel, Arangen..) und Süßigkeiten (Baghlava, Noghl, Gebäck..) aufgetischt, auch wenn der Tisch nicht überladen wird. Sie stehen für Fruchtbarkeit, aber auch Süße und sollen den Segen der Götter herbeirufen, da man dies Speisen immer mit seinen Gästen teilt. Sie werden vom trauenden Geweihten mit einem Speisesegen belegt. Falls Getränke vorhanden sind (vor allem in Küstenregionen und an den großen Flüssen), werden auch diese mittels Tranksegen gesegnet.
Radschas Zelt der Leidenschaft (Radscha): Über dem vor dem Sofreje Aghd sitzenden Brautpaar wird ein seidener Schleier gehalten, der Radschas Zelt symbolisiert. Häufig ist dieser mit silbernen Verzierungen geschmückt, die den schützenden Sternenhimmel darstellen sollen. Gelegentlich ist auch das Sternbild der Stute oder der Echse darauf appliziert.

Die eigentliche Trauung
Der Schleier wird von den mindestens vier unverheirateten Freund*innen oder Geschwistern des Brautpaars, aus deren Mitte nun das Brautpaar entlassen wird, gespannt und gehalten. Während der jeweils nun drei nachfolgenden Fragen, reiben glücklich verheiratete Menschen zwei, je fingerbreite, Zuckerstangen gegeneinander, so das feiner Zucker auf den Schleier rieselt. Hierdurch soll die Süße ihres Eheglücks auch auf das künftige Paar übergehen.
Braut und Bräutigam werden währenddessen je drei Fragen gestellt. In einigen Regionen ist es üblich, dass ein männlicher Geweihter einer männlichen Gottheit dem Mann die Fragen stellt und eine weibliche Geweihte einer weiblichen Gottheit der Frau. Falls gerade kein Geweihter zur Verfügung steht, übernehmen die Sippenältesten oder die eigenen Eltern diese Funktion und die sakrale Trauung wird nachträglich vollzogen
Der zu trauende Geistliche stellt zuerst dem Mann 3 Fragen. Die Fragen variieren je nach Gottheit, bei allen Gottheiten ist aber mindestens die letzte Frage, die ob der Mann die Frau ehelichen möchte. Der Mann muss hierbei Entschlossenheit ausdrücken und alle Fragen mit einem entschlossenen Ja beantworten. Feqzgeweihte, erlauben sich hierbei gerne auch einen Scherz im Namen ihres schelmischen Gottes und „nutzen die Situation aus“ in dem sie auch eine lustige Frage stellen, die der Mann auch entschlossen mit einem Ja beantworten muss. Da dies allgemein ein freudiges Ereignis ist, haben auch Geweihte anderer Götter diese Sitte aufgegriffen.
Nachdem dem Mann die Fragen gestellt wurden, ist die Frau dran. Die Braut muss sich ihrer eigenen Bedeutung bewusst sein und ihre Entscheidung wohl überlegen. Dies drückt sie aus, in dem sie auf die ersten zwei Fragen nicht antwortet. Parallel kommt dann wieder das feqzgefällige ins Spiel und die Gäste versuchen die Braut mit lustigen Antworten zu „decken“. Am beliebtesten ist die Ausrede, dass die Braut nicht da ist, weil sie gerade Blumen pflückt. Das Blumenpflücken drückt die jugendliche Unschuld der Braut aus und knüpft den Bezug zu Tsa. Auch bei der Braut ist die letzte Frage, ob sie ihren Bräutigam ehelichen möchte, was sie nun auch mit einem entschiedenen und wohlüberlegten Ja beantworten muss. Ist auch dies der Fall, sprechen der oder die Geweihten den Segen über die beiden. Nochmals final besiegelt wird dies durch eine erneute symbolische Handlung. Dem Brautpaar wird ein Gefäß mit Honig überreicht. Beide tunken ihren Zeigefinger nacheinander in das Gefäß und lassen den Partner kosten. Dies symbolisiert dass sich die beiden zukünftig mit (süßer) Liebe nähren werden. Dass diese Geste auf Bräuche des Mokoscha Glaubens fußt ist mittlerweile nicht mehr bekannt und wird eher Radscha zugeschrieben.
Dass Brautpaar, dass nun von der allumfassenden Liebe zueinander erfüllt ist, gibt dieses Gefühl nun symbolisch auch wieder an die geliebten Gäste weiter. Hierbei verteilen Braut und Bräutigam gemeinsam, sozusagen als erste gemeinsame Handlung wieder Süßigkeiten. Häufig handelt es sich um in Blumen- oder Herzform gepressten Zucker. Eher seltener ist süßes Gebäck wie (honiggetränktes) Baghlava, denn das wird noch am Abend an die Gäste verteilt.

Der Ausruf
Dann haben die Gäste die Gelegenheit dem Brautpaar ihre Geschenke zu überreichen. Hierfür gibt es eine Art „Schatzmeisterin“, häufig ein oder mehrere Geschwisterteile des Brautpaares, bevorzugt von jeder Seite jeweils ein Geschwisterteil. Die Geschenke werden erst einmal von der Schatzmeisterin gesammelt. Gäste, die in ihren eigenen Augen ein zu geringes Geschenk übergeben haben, übergeben dieses erst nach dem „Ausruf“. Der Ausruf ist für die meisten Mittelreicher bis heute suspekt geblieben, ist aber eine feste Tradition der feqzgläubigen Tulamidistani. Es werden nämlich nacheinander von beiden Seiten die Geschenke ausgerufen und den anderen präsentiert. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Auktion, nur dass hier nichts verkauft wird. Tulamidistani sehen das nämlich als wertschätzend (in beide Richtungen) an und sind stolz, wenn ihre Großzügigkeit so auch anderen kundgetan wird. Es ist üblich, dass die Geschenke der Eltern des Brautpaars als erstes vorgestellt werden, in fast alle Fällen sind dies auch die prächtigsten und wertvollsten Geschenke. Üblich ist, dass die Eltern bei diesem Ereignis die Lebensgrundlage der beiden finanzieren. Sei es ein Haus, eine Herde oder ein beträchtliches Vermögen (dies wird natürlich der Schatzmeisterin dann gesagt oder auf einem Zettel oder Urkunde aufgeschrieben, symbolisch wird dann als „kleine“ Ergänzung ein kostbares Schmuckstück repräsentativ hinzugelegt). Dann kommen nacheinander die anderen dran, meistens in Reihenfolge des Verwandtschaftsgrades. Den Abschluss stellen die Geschenke der beiden Schatzmeisterinnen dar, die dann von der jeweils anderen vorgestellt werden (manchmal steuern auch hier die Eltern was bei, wenn die Geschwisterchen allzu jung sind und keine kostbaren Geschenke stellen konnten). Tulamidistani schöpfen bei den Geschenken in der Regel aus dem Vollen.
Der ganze Ausruf hat einen reicht pragmatischen Hintergrund. Dem jungen Paar soll hierdurch ein eigener Hausstand ermöglicht werden. Dieser große Bedarf und die damit einhergehenden Aufwände, werden durch den Ausruf und das Pahtakhti in viele kleine Geschenke aufgegliedert und verteilt, die von der breiten Basis der Familienmitgliedern und Freunde dann bequem gestemmt werden können. Ist das Paar verheiratet und nimmt es zukünftig an der Hochzeit seine Freunde teil, kann es seine „Schuld“ in ähnlich kleinen Raten zurückzahlen.

Tanzen
Tanzen ist elementarer Bestandteil einer Hochzeitsfeier! Dabei muss jeder möglichst viel und oft tanzen. Um die Gäste zusätzlich dazu zu animieren fordern nahe Verwandte des Brautpaars quasi jeden, teils mittels lockender oder verführerischer Praktiken, auf zu tanzen und führen diese dann bestenfalls in Gruppen zusammen. Besonders schöne und/oder leidenschaftliche, aufheizende Tänze werden mit einem Tanzgeld vergolten, das man Shabash nennt. Man ist sich hinsichtlich der Übersetzung uneinig. Manche denken es stamme von „shad bash“, sei fröhlich, ab andere behaupten dagegen es käme von „shab hast“, dies ist einer der besonderen Nächte. Das Geld wird dem Tänzer entweder zugesteckt oder über den Kopf gestreut. Da sich der Buchdruck zunehmend verbreitet, werden mittlerweile, gerade bei der zweiten Methode aber auch Geldscheine bedruckt, deren Geldwert häufig im Feqztempel hinterlegt ist. Das Werfen dieser Geldscheine wird mittlerweile als Blütenregen bezeichnet und soll dem Tänzer Reichtum und Glück bescheren, in anderen Regionen, wird das Geld aber fallen gelassen, von Kindern aufgesammelt und steht nur dem Brautpaar zu, sofern es nicht wirklich dem Tänzer direkt übergeben wurde. Auch das Brautpaar selbst, was quasi ständig tanzen muss wird mit solchen Geschenken direkt bedacht. Wenn man beim Ausruf evtl. nach eigener Ansicht zu wenig gegeben hat, kann man das so nachbessern. Wenn man das Brautpaar mit Geschenken bedenkt ist es üblich dieses zumindest anzutanzen und mit tänzerischen Bewegungen das Geschenk zu überreichen. Prinzipiell gilt umso mehr man tanzt, umso eher freut man sich für die beiden. Im Gegensatz dazu kann man seinen Unmut über die Hochzeit, durch wenig bis gar keinen Tanz ausdrücken. Davon ausgenommen sind ältere Personen. Grundsätzlich erwartet man von Jüngeren natürlich ein größeres "Durchhaltever-mögen". Wenn man nicht besonders gut tanzen kann ist es im Übrigen völlig in Ordnung mittels klatschen und lauten Rufen, die anderen auf der Tanzfläche anzuheizen ohne selbst zu tanzen. Dann hat man quasi auch "seine Pflicht erfüllt", wichtig ist einfach die Präsenz auf der Tanzfläche.

Rakhse Tschaghu - Der Tanz des Messers
Der Rakhse Tschaghu (Tanz des Messers) wird von einer ausgewählten Tänzerin oder einem ausgewählten Tänzer ausgeführt, der Rest des Saals ist meistens während dieser Zeit ruhig. Wer diese Person ist, ist sehr unterschiedlich. In den allermeisten Fällen ist es die beste Tänzerin der Sippe, manchmal auch eine Radschageweihte oder ein sonstiger professioneller Tänzer. Das speziell, vor allem mit seltenen Blumen verzierte Messer wird tänzerisch von einer Ecke zum Brautpaar geführt und dabei im Tanz eingebunden. Üblich sind tippelnde Schritte und dezente, aber geschickte Hüft-bewegungen, die zu den leicht anliegenden Armen am besten passen. Das Messer wird meistens mit beiden Händen, je eine Hand auf einer Seite, gehalten und ausreichend den Gästen präsentiert. Die Tänzerin lässt sich dabei ausreichend Zeit, tippelt auch manchmal zurück oder zieht Kreise. Dann wird noch einmal neckisch das Messer ein, zwei Mal dem Brautpaar vorenthalten, in dem das Messer im letzten Augenblick zurückgezogen wird. Im Anschluss nimmt das Brautpaar das Messer entgegen und bedeckt die Tänzerin mit Wangenküssen und Umarmungen. Auch hier wird ein "Tanzgeld" (mitunter das höchste) überreicht. Häufig eine kostbare alte Münze. Angeblich werden diese Münzen gesammelt und bilden einen Münzschmuck erfolgreicher Tänzerinnen, die über Generationen weitervererbt werden und um die Hüfte getragen werden.
Das Messer wird dann verwendet um, als Brautpaar gemeinsam, das Gebäck (teilweise vom Sofrehe Aghd) anzuschneiden und den Gästen zu servieren.

Pahtakhti – der Eintritt/Einzug ins Haus - Ein Tag im Zeichen Radschas und Feqzens
An diesem Tag steht das (in der Regel neu bezogene Haus) des Paars ausschließlich der Braut zur Verfügung. Einige Freunde oder Verwandte der Familie bringen während des Tages Mobiliar als Geschenk für das Brautpaar. Alle Freundinnen der Braut (ausschließlich Frauen) suchen nachts das Haus auf und bringen, zusätzlich selbst erstellte, kleine Geschenke. Danach wird den restlichen Tag gefeiert, sich unterhalten und getanzt. Häufig wird auch dem Wein im Zeichen Radschas gehuldigt.
Der Mann dagegen verbringt den Tag draußen und sucht abends, wenn es dunkel ist, im Schutze des Feqz sein eigenes Elternhaus auf. Er verbringt den Abend mit seiner Familie, die schützend über ihn wachte. Häufig gibt ihm der Vater noch Ratschläge für sein zukünftiges Leben und betet zusammen mit seinem Sohn zu Feqz, dass er auch fürderhin seine schützende Hand über seinen Sohn hält und sein Glück anhalten mag. Spät in der Nacht schläft der Sohn im Schlafzimmer seiner Eltern. Dies soll ausdrücken, dass er ein letztes Mal das „Kind“ seiner Eltern ist. Wenn er am nächsten Tag dann das Haus seiner Eltern verlässt, meist begleitet von einem tränenreichen Abschied, gilt er als erwachsener Mann, der nun die Verantwortung für seine eigene Familie trägt.

Madersan Durud / Madersan Salam – Der Schwiegermuttergruß
Nach dem der Mann das Haus seiner eigenen Eltern verlassen hat. Sucht er die Mutter seiner Frau auf. Er lobpreist die Weisheit und Schönheit seiner Frau und dankt der Schwiegermutter dafür, dass sie eine so wunderbare Tochter erzogen hat. Um seinen Dank zu untermalen, ist es auch hier üblich der Schwiegermutter etwas symbolisch Schönes sowie Blumen zu schenken.
Variationen & Gleichgeschlechtliche Hochzeiten
Eine gleichgeschlechtliche Hochzeit orientiert sich am oben genannten Ablauf ist aber hinsichtlich einiger Schritte offener. Insbesondere in der Frage welches Geschlecht welchen Schritt der Hochzeit wahrnimmt. Ist man sich in sehr seltenen Fällen uneinig oder möchte diese Entscheidung nicht selber fällen, entscheidet Feqz in Form eines Münzwurfs. An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass viele Tulamidistani mit den Schritten, die ihrem Geschlecht zugewiesen sind, nicht zufrieden sind und deswegen wechseln oder Schritte sowohl in ihrer „weiblichen“ wie auch in ihrer „männlichen“ Form wahrnehmen. Dem werden keine Steine in den Weg gelegt, denn die hier beschriebene Form ist lediglich die aktuell am häufigsten Auftretende und nicht die Einzige.

Weitere Rituale im Alltag

Weihrauch / Böser Blick: Dem Glauben der Tulamidistani nach sollte man nicht zu sehr das Glück, die Gaben oder den Wohlstand einer anderen Person preisen. Das zieht nämlich den Blick böser Geister an. Hat man dies zu häufig getan, oder vermeint man den Neid und den bösen Blick anderer zu verspüren, so muss man das Ziel dieses Neides mit Weihrauch einsegnen. Zu diesem Zweck verbrennt man getrocknete Steppenrauten (Espand). Der spezielle Weihrauch enthält einige Samen, die mit etwas Phantasie an (geschlitzte, sprich „echsische“) Augen erinnern. Dieser Weihrauch wird entzündet und über dem Kopf des Ziels geschwungen. Währenddessen werden Bannflüche gegen den bösen Blick ausgesprochen und Feqzens Segen der Verschleierung erbeten. Dabei bildet der Weihrauch natürlich Rauchschwaden, die mindestens das Gesicht des Ziels verhüllen. Außerdem verbrennen die „Augen“ (sprich Körner) explosionsartig was von einem knackenden Geräusch begleitet wird. Dies wird, recht martial-isch, als Platzen der Augen der Feinde interpretiert. Tulamidische Forscher*innen vermuten, dass dieser Rauch ähnlich wie bei anderen Dämonen und Daimoniden, tatsächlich von diesen als unangenehm empfunden wird.
Abschied: Begibt sich ein Familienmitglied auf eine längere Reise ist es üblich unter das Wagenrad, den Huf des Pferdes oder im Zweifelsfall dem Stiefel des Reisenden ein Echsenei zu zerquetschen und somit ein (ungeborenes) Echsenleben zu opfern. Dieser Brauch stammte wohl noch aus den frühen Anfängen der tulamidischen Geschichte und sollte so die Macht der Echsen schwächen. Je nach Macht oder ausstehender Gefahr für den Reisenden
Astronomie & Astrologie und ZaubereiShow
Astronomie & Astrologie

Wir hatten gesagt, dass die Bewegung der Gestirne in den veralteten Modellen kreisförmig und anscheinend konstant ist. Als unsere Ahnen begannen die Bewegungen der Gestirne über eine gewisse Zeit zu erfassen, fiel ihnen einige ungewöhnliche Gestirne auf, die sie Ziareh, nannten. Aus dem Aureliani entstammt das heute garethische Wort Planet, was so viel wie Wanderer, Umherschweifer bedeutet. Denn genau dies taten diese Gestirne. Statt sich an die kreisförmige Bahn zu halten liefen sie teilweise zurück, drehten Schlaufen und vollzogen allerlei seltsames Gehabe. Auch schienen sie mal größer, mal kleiner, mal heller, mal dunkler. Ich zeige euch den Verlauf des Planeten Avesha über den Jahresverlauf auf. Nun widersprach das aber scheinbar den Lehren Rohals, der postulierte, dass nur eine kreisförmige Bewegung eine vollkommene Bewegung ist. Niobara jedoch konnte dieses Problem auflösen, in dem sie auf den bestehenden Kreisen, bzw. den vermuteten kreisförmigen Bewegungen den Mittelpunkt eines weiteren Kreises legte. Diesen nennt man Falake Tadwir, was so viel wie aufliegender Kreisel, Karussell bedeutet. Im garethischen benutzt man mittlerweile den Begriff Epizykel oder Aufkreis. Letzterer Begriff hat den Mangel, dass die kreisförmige Bewegung zu kurz kommt. […] Diesen rückwärtigen Bewegungen der Planeten kommt in der Astrologie eine besondere Bedeutung zu. Häufig interpretiert man dies als Umkehr des Prinzips. Für ein genaues Horoskop ist es deswegen unabdingbar, diese etwaige Umkehr zu beachten, ansonsten unterliegt man fundamentalen Deutungsfehlern. Wir bezeichnen diese rückwärtige Drehung als Dora-neh Aghab. Einige unserer bosparanischen Kollegen verwenden hierfür den Begriff rückläufig oder irritierenderweise ebenfalls den Begriff Epizykel, weswegen es bei euch liegt in diesem Fall zu differenzieren.. Bis übernächste Woche werdet ihr bitte die ersten Doranehje Aghhab aus den Sternenbüchern, die ich in der Bibliothek für euch rausgesucht habe analysieren und die entsprechenden Winkelgeschwindigkeiten […] Ihr werdet die Bewegungen graphisch festhalten. Bildet, wenn möglich Dreiergruppen dafür.
Nasir al’Dschinn, Gastdozent der Panjashtra in einer Vorlesung, Rashdul 1034 BF

Die nachfolgenden Begrifflichkeiten verwenden recht viele irdische Begriffe und stellen nur eine schnelle Übersicht zur oberflächlichen Verwend-ung im Rollenspiel dar. Alle astrologischen Ausführungen wurden natürlich aventurisiert und entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Innerhalb von Aventurien sieht dies natürlich anders aus. Hier ist die Astrologie eine eigene Wissenschaft und wird, meistens, seriös betrieben. Für Aventurien ist es des Weiteren eigentlich allerlei, ob es tatsächlich ein geo- oder heliozentrisches Weltbild gibt (vielleicht stellt auch die erste Sphäre den Weltmittelpunkt dar und liegt außerhalb der dritten Sphäre. Wichtig ist die Stellung und Bewegung der (Wandel-)Sterne in Bezug auf Dere und die Richtigkeit dieser Inter-pretation in Aventurien konnte von Astronomen wie Niobara auch nachgewiesen werden.
Das Auftreten von etwas ähnlichem wie Oppositionsschleifen wurde in der Geographica aufgeführt, weswegen die astronomischen Ausführungen (sprich speziell die Planetenbewegungen) sich hier an der Realität orientieren (bzw. dem wie es interpretiert wurde). Die Interpretation und Darstellung der Trigone, Quadrate und Sextile weicht bewusst sowohl von der Darstellung in der Geographica als auch von der „irdischen Deutung“ ab.


Astronomische Begriffe
Opposition/Padiztan: Zwei Himmelskörper haben von der Erde aus gesehen einen Winkelabstand von 180 Grad.
Planetenschleife / Harkate basgoshti (manchmal auch Oppositionsschleife): Beschreibt die von der Erde aus gesehen scheinbare, schlaufenförmige Bewegung eines Planeten am Sternenhimmel. Bei den äußeren Planeten ist dies ca. um die Opposition zur Sonne der Fall, da die Erde, die Planeten zu diesem Zeitpunkt überholt, wodurch der Eindruck entsteht, der Planet würde verlangsamen, dann stehen bleiben, kurz zurücklaufen, um dann wieder seine gewohnte Umlaufbahn einzunehmen. Bei den inneren Planeten ist dies im Falle der unteren Konjunktion der Fall, da hier die Planeten die Erde überholen. Die Planetenschleife dauert umso länger je weiter der Planet von der Sonne entfernt ist (vgl. Rückläufigkeit).
Konjunktion/Mogharaneh: Zwei Himmelskörper haben von der Erde aus gesehen einen Winkelabstand von 0 Grad.
Untere (Dakheli) & obere (kharedji) Konjunktion (Mogharaneh): Da die sonnennahen Planeten von der Sonne aus gesehen in der Realität niemals hinter der Erde stehen können, gibt es aus Sicht der Erde bei diesen Planeten zwei Konjunktionen und niemals eine Opposition. Steht der Planet zwischen der Erde und der Sonne spricht man von einer inneren, ansonsten von einer äußeren Konjunktion.

Erläuterung: Von blau aus gesehen stehen rot und gelb oben in einer inneren Konjunktion
Große (bosorg) Konjunktion: Bei den äußeren Planeten ist die Umlaufzeit sehr langsam. Wenn es bei solchen dann zu einer Konjunktion kommt, stehen diese dann mehrere Wochen am Nachthimmel nebeneinander
Größte (bosorgtarin) Konjunktion: Wenn die äußeren Planeten zueinander in einer Konjunktion stehen und gleichzeitig mit der Sonne in Opposition, dann durchlaufen sie zeitgleich ihre Oppositionsschleife und treffen sich innerhalb einiger Monate mehrmals untereinander in einer Konjunktion.
Ekliptik (Dairehe Albrugh) : Die Ebene in der die Erde um die Sonne dreht. Im geozentrischen Weltbild dreht sich die Sonne um die Erde (aber auf der gleichen Ebene)
(Bahn-)Knotenpunkt (Geredjeh Madari) & Knotenlinie (Khate beine Geredjehaje Madari): Alle Himmelskörper mit Umlaufbahnen um die Sonne (oder bei Monden um ihre Planeten) sind in der Nord-Süd Achse leicht zueinander versetzt. Deswegen schneiden sich die Ebenen in zwei Punkten, den sogenannten Knotenpunkten. Wenn der Himmelskörper die Ekliptikebene von Süden nach Norden durchstößt nennt man dies absteigender Knoten, andersrum als aufsteigender Knoten. Die Linie zwischen diesen Knoten bezeichnet man als Knotenlinie.
Bahnneigung/Inklination (Anharafeh Madari): Winkel der Bahnebene zur Referenzebene (meistens Ekliptik)
Transit (Durchgang) (Gasar): Bei einer Konjunktion, die mit einem Knotenpunkt zusammenfällt, steht der von der Erde als kleiner wahrgenommene Himmelskörper von der Erde aus gesehen vor dem größeren Himmelskörper
Okkultation (Bedeckung) (Ekhtefah): Bei einer Konjunktion, die mit einem Knotenpunkt zusammenfällt, steht der von der Erde als größer wahrgenommene Himmelskörper von der Erde aus gesehen vor dem kleineren Himmelskörper, so dass dieser nicht sichtbar ist
Drakonitische Periode (Dorehjeh Ejdehah): Dies bezeichnet die Zeitspanne in der ein Himmels-körper wiederholt den gleichen Knotenpunkt durchschreitet.
Drachenpunkt/Mondknoten (Geredjeh Ejdetehahi / mah): Bezeichnung des Knotenpunkts beim Mond. Der aufsteigende Drachenpunkt wird auch als Drachenkopf (bosp. Caput Draconis), der absteigende als Drachenschwanz (bosp. Cauda Draconis) bezeichnet.
Vollmond (Badr oder Madaje pohr): Der Vollmond ist aus geozentrischer Sicht eine Sonne-Mond Opposition.
Neumond (mada noh): Der Neumond ist aus geozentrischer Sicht eine Sonne-Mond Konjunktion.
Mondfinsternis (mada gerefte-gih): Trifft ein Vollmond (Sonne-Mond Opposition) mit einem Drachenpunkt zusammen, kommt es zu einer Mondfinsternis. Aus Sicht der Sonne handelt es sich um eine Erde-Mond Konjunktion, in der besonderen Konstellation der Okkultation (des Mondes durch die Erde). Der Mond steht also in dem Fall im (Kern-)Schatten der Erde. Mythologisch frisst oder raubt der Drache den Mond. Es gibt noch Unterscheidungen zwischen Kern- und Halb-schatten, sowie dann noch die weitere Unterteilung in partielle und totale Finsternisse. Da das Licht der Sonne durch die Erdatmosphäre gebrochen wird, gelangt bei einer Kernschattenfinsternis dennoch der Rotanteil des Lichts auf den Mond und färbt diesen blut- bzw. kupferrot, wodurch der von den Orks beliebte Blutmond entstehen kann.
Sonnenfinsternis, Eklipse (Überlagerung, Verdeck-ung, Auslöschung) (Khorschid Gereftegih): Trifft ein Neumond (Sonne-Mond Konjunktion) mit einem Drachenpunkt zusammen, kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Der von der Erde aus gesehen scheinbar große Monde okkultiert die Sonne, wodurch der Großteil ihres Lichts nicht mehr sichtbar ist. Trotz der Nähe des Mondes ist die tatsächliche Größe der Sonne sehr groß, so dass der vom Kernschatten des Mondes bedeckte Bereich (verhältnismäßig) sehr klein ist. Auch hier kann zwischen "totalen" und partiellen Finsternissen unterschieden werden.
Deferent / Trägerkreis (Falake Hamel): Kreis, der sich um den Mittelpunkt dreht (meistens ist dies die Erde, außer man nutzt die bei den Tulamidistani unbeliebte Exzentertheorie). Der Mittelpunkt des ersten Epizykels befindet sich auf dem Trägerkreis.
Epizykel/Aufkreis (Falake Tadwir): Kreis dessen Mittelpunkt sich auf dem Trägerkreis befindet. Der Planet dreht sich dann auf dem Epizykel. Bei komplizierteren Modellen liegt noch der Mittelpunkt eines weiteren Epizykels auf dem vorangehenden Epizykel (beliebig erweiterbar). Epizykel wurden verwendet, um die Planenten-schleifen berechnen und mittels Kreisen abbilden zu können. Wird in der Geographica als Synonym für den Begriff Rückläufigkeit verwendet.
Exzenter (Merun Markasi): Theoretischer Mittel-punkt des Deferenten, der sich vom Mittelpunkt Erde unterschied. Wurde verwendet, um die Umlaufbahnen besser abbilden zu können. Die Tulamidistani haben eine Theorie entwickelt, um die Exzentertheorie durch weitere Epizykel zu ersetzen.
Äquant (Mahdal Mazir): Auch wenn die Umläufe der Bahnen ab-gebildet werden konnten, so stimmten die Umlaufzeiten durch diese Bahnen nicht mit der Realität überein. Man ergänzte einen weiteren Punkt und einen Kreis. Bei gleicher konstanter Winkelgeschwin-digkeit und der Projektion des Kreises auf den Trägerkreis konnte eine bessere Darstellung der Zeiten erreicht werden. Auch hier forscht man an einer Substitution durch weitere Epizykel.
Geozentrisches Weltbild (Nasarihe Saminmarkasi): In diesem ist die Erde der Mittelpunkt der Welt und alle Himmelskörper drehen sich um die Erde. Entspricht nicht der irdischen Realität (und wahrscheinlich auch nicht der derischen).
Heliozentrisches Weltbild (Nasarihe Khorschid-markasi): In diesem ist die Sonne der Mittelpunkt der Welt und alle Planeten, inklusive der Erde drehen sich um diese. Monde drehen sich auch in diesem Bild um ihre Planeten.
Apoapsis (Ugh): Größte Entfernung eines Himmelskörpers zu einem Zentralkörper.
Apogäum (Ugh Samini): Größte Entfernung eines Himmelskörpers zum Zentralkörper Erde
Periapsis (Hasis): Kleinste Entfernung eines Himmelskörpers zu einem Zentralkörper.
Perigäum (Hasis Samini): Kleinste Entfernung eines Himmelskörpers zum Zentralkörper Erde
Apsiden (Ugh wa Hasis): Zusammenfassung von Apoapsis und Periapsis
Apsidenlinie (Khate Ugh wa Hasis): Verbindungs-gerade zwischen Apoapsis und Periapsis
Synodische Periode: Zeitspanne zwischen zwei Zeitpunkten aufeinanderfolgender gleicher Stellungen eines Himmelskörpers bezüglich Erde und Sonne (bspw. Opposition eines Planeten zur Sonne)
Siderisches Jahr (Dorehjeh Tscharkhesh): Zeitspanne die ein Himmelskörper in Bezug auf den Fixsternhintergrund benötigt um einmal den Götterkreis vollständig zu durchlaufen.

Astrologische Begriffe
Lauf: Aussage, ob sich der Wandelstern Direkt-, rückläufig bewegt oder sich im „Stillstand“ befindet.
Rückläufigkeit: Der Planet befindet sich innerhalb der Planetenschleife und bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung seiner üblichen Bahn. Astrologisch wird das als Umkehr der Prinzipien des Planeten verstanden (vergleichbar mit einer Inrah Karte auf dem Kopf). Die Rückläufigkeit kann aus als ein „Rückzug“ oder Abnehmen der Prinzipien interpretiert werden. Auch das Prinzip nach innen, in sich hinein auszuüben, ist möglich. Die Umkehr der Prinzipien muss nicht zwingend negativ sein. Je weiter der Planet von der Sonne entfernt ist, desto länger ist die Dauer seiner Rückläufigkeit.
Stillstand: Der Planet befindet sich innerhalb der Planetenschleife und scheint sich scheinbar auf seiner Bahn nicht mehr zu bewegen. Die Prinzipien des Planeten werden hierbei üblicherweise als überherrschend stark interpretiert. Während einer Oppositionsschleife befindet sich der Planet zwei Mal im Stillstand. Zuerst vom Übergang der Direktläufigkeit in die Rückläufigkeit und dann noch einmal, vom Übergang der Rückläufigkeit in die Direktläufigkeit.
Direktläufigkeit: Die Direktläufigkeit wird als Bezeichnung für die übliche Bewegungsrichtung des Planeten verwendet. Der genaue Übergang von Stillstand in Richtung Direktläufigkeit kann als (erneuter) Aufbruch der Prinzipien interpretiert werden. Wurde die Rückläufigkeit negativ interpretiert, wird oft geraten abzuwarten bis der Planet den zweiten Stillstand passiert hat.
Radix: Die Himmelskörper werden anhand ihrer Position auf der Ekliptik auf einem Kreis dargestellt. Der Kreis wird von den 12 Sternbildern und der namenlosen Leere umrandet (Letztere wird auf den Bildern hier nicht angezeigt). Die Inklination und die Abstände der Planeten zu Dere werden in der Regel nicht betrachtet, so dass es scheint als hätten alle Himmelskörper den gleichen Abstand zum Mittelpunkt alias Dere.
Astrologische Deutungen
Aspekt: Aspekte stellen besondere Winkel-beziehungen (auf Basis der Ekliptik) zwischen zwei Himmelskörpern dar. Jeder Aspekt hat eine eigene Bedeutung.
Orbis: Da in der Realität selten exakte Übereinstimmungen erfolgen, sind innerhalb eines bestimmten Rahmens Abweichungen zulässig, in denen der Aspekt immer noch gilt. Häufig ist diese zulässige Abweichung auch noch vom Aspekt bzw. dessen Stärke abhängig. Starke Aspekte wie Konjunktion und Oppositionen dürfen eine größere Abweichung haben, schwache wie Sextile eher kleinere. Mit zunehmender Größe der Abweichung wird der Aspekt allerdings schwächer. Der Orbis, der meistens in Grad angegeben wird, darf vom Winkelabstand abgezogen oder hinzuaddiert werden. Bei einem Orbis von 5 Grad liegt eine Opposition also bspw. bei 175 bis 185 Grad Winkelabstand vor.
Verbrannt (Zukht): Wenn die Sonne in Konjunktion mit einem Planeten steht, verbrennt sie seine Bedeutung, was bedeutet, dass alle Verbindungen mit anderen Himmelskörpern nichtig sind. Diese Interpretation ist eher selten, zumal sie quasi nicht direkt beobachtet werden kann, wird aber gerne von konservativen Tulamidistani verwendet. Allerdings wir Planeten, die eine gewisse Wehrhaftigkeit aufweisen Kor (und bei den Tulamidistani auch Avesha) nachgesagt, dass sie sich gegen diesen Einfluss der Sonne wehren können.
Verloren (Gom / Gomschodeh): Wenn ein Planet sich in der Sternenleere befindet, ist seine Macht stark geschwächt. Sämtliche Beziehungen mit diesem Planeten sind dann ebenfalls nichtig.
Elementarharmonisierung: Bei der astrologischen Interpretation werden häufig die elementaren Beziehungen der Himmelskörper zu Rate gezogen. Hierbei gilt das übliche elementare Hexagramm. Eine Ausnahme bilden Himmelskörper die das Element Magie bzw. Kraft innehaben (Mada und Simia). Diese gelten immer als neutral. Innerhalb der Alchemie und Elementarbeschwörung werden den Himmelskörpern teilweise abweichende Elemente zugeordnet. Bei einer Rückläufigkeit ist die Elementarbestimmung schwierig, meistens wird in dem Fall das Gegenelement des Wandelsterns angenommen. Die Elementarharmonisierung wird (mit Ausnahme der Alchemie und Elementarbe-schwörungen) immer erst nach der Interpretation der Aspekte zu Rate gezogen. Häufig dient sie bei nicht eindeutigen Aspekten wie einer Konjunktion zur genaueren Analyse. Bzgl. der Elementarhar-monisierung unterscheidet man in:
Harmonische Elementarbeziehung: Dies ist der Fall, wenn die zwei betrachteten Himmelskörper das gleiche Element aufweisen. Ein Beispiel für eine fast immer positiv wahrgenommene Beziehung ist die von Phex (Luft) und eines direktläufigen Aves (Luft). Eine solche Beziehung führt zu einem harmonischeren Ergebnis.
Neutrale Elementarbeziehung: Dieser Fall tritt auf, wenn es sich nicht um die gleichen Elemente, aber auch nicht um Gegenelemente handelt. Ein Beispiel wäre Phex (Luft) und eine direktläufige Marbo (Eis). Selten wird hierbei noch zwischen benachbarten und nicht benachbarten Elementen unterschieden.
Gespannte Elementarbeziehung: In diesem Fall vertreten die betrachteten Himmelskörper Gegenelemente. Ein Beispiel hierfür wäre eine direktläufige Marbo (Eis) und Tsa (Humus). Eine solche Beziehung wird als (zusätzlich) gespannt empfunden.
Konjunktion: Winkel 0: Einheit. Starker Aspekt. Die Planeten oder ihre Prinzi-pien bündeln ihre Kräfte. Dies muss nicht immer positiv sein. Bspw. ist eine Levthan (Selbstüberschätz-ung), Xeledon (Vergeblichkeit) Konjunktion durchaus negativ interpretierbar. Bei einer Kon-junktion muss zusätzlich die Läufigkeit der Wandelsterne beachtet werden (was häufig nicht erfolgt und damit zu falschen Interpretationen führt). Da Konjunktionen als starke Aspekte angesehen werden, ist eine weitergehende Analyse einer Konjunktion sinnvoll. Hierfür zieht man dann noch folgende Punkte zu Rate:
Elementarharmonisierung: Diese wird bei Konjunktionen häufiger eingesetzt (vgl. oben). Eine positive Feuer-Feuer Konjunktion wie bspw. Kor (Kampf) – Ucuri (Sieg) wird als nutzstiftender Sieg interpretiert. In dem Fall empfiehlt man der Person sich auf einen Konflikt einzulassen und seine Interessen vehement zu vertreten.
Bedeckung: Bedeckungen deuten darauf hin, dass ein Prinzip zu klein erscheint (Transit) oder vom anderen unterdrückt wird (Okkultation). Sonnenfinsternisse bedürfen meistens einer sehr genauen Interpretation und gelten als extrem starke Konjunktionen. Bedeckungen finden wie gesagt nicht bei jeder Konjunktion statt, deswegen ist ihre Bedeutung allerdings umso größer.
Hausbetrachtungen: Wenn ein Himmelskörper mit einem Sternbild eines Gottes in Konjunktion steht, dann sagt man der Himmelkörper stünde in dessen Haus. Je nach Art des Horoskops ergeben sich hieraus unterschiedliche Deutungen, die hinsichtlich ihres Eintretens protokolliert werden. Ein besonderes Maß der Aufmerksamkeit erhalten diejenigen Hausbetrachtungen, bei denen ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen dem Himmelskörper und dem Sternbild besteht (bspw. Aves im Sternbild des Fuchses). Allerdings sind diese Betrachtungen mit ein paar wenigen Ausnahmen eher unzuverlässig. Die höchste Zuverlässigkeit weisen Aves und Nandus bei ihren Eltern auf.
Opposition: Winkel 180: Spannung. Starker Aspekt. Die Kräfte der Planeten wirken gegeneinander. Dies wird in den allermeisten Fällen eher negativ interpretiert. Elementare Betracht-ungen können diesen Aspekt etwas abschwächen oder sogar noch verstärken.
Quadrat: Winkel 90: Spannung. Starker Aspekt. Auch hier besteht eine Spannung zwischen den Himmelskörpern, aus der jedoch im Gegensatz zur Opposition auch Positives erreicht werden kann. Allerdings muss sich die Person diesem Konflikt stellen. Da es sich hier-bei, um eine Empfehlung und Warnung gleicher-maßen handelt, wirkt die Elementarbetrachtung an dieser Stelle leicht anders. Sie gibt in diesem Fall eine Auskunft, über die Stärke bzw. Heftigkeit des Konflikts, die durchlaufen werden muss. Manche Astrologen behaupten, dass je heftiger der durchlaufene Konflikt ist, desto größer wäre das Erreichte. Weitergehende Betrachtungen des Quadrats beachten die sogenannte innere Spannung. Hierfür wird dann noch das Sternbild mit zur Rate gezogen, dass sich zwischen, den beiden Himmelskörpern befindet, so dass es den Gegenpol zu Dere darstellt und ein scheinbares Quadrat bildet. Die Aspekte des Sternbilds stellen dann eine Unterstützung zur Lösung der Spannung dar.
Trigon: Winkel: 120: Harmonie. Starker Aspekt. Das Trigon stellt immer einen positiven Aspekt dar. Die Himmelskörper arbeiten immer zum Positiven zusammen, stärker noch als wenn sie einzeln agieren würden und selbst wenn sie gegensätzlich sind. Weitergehende Analysen beziehen einen dritten Punkt mit ein und zwar denjenigen der mittig zwischen dem äußeren Winkel liegt. Damit haben die drei Bezugspunkte immer je ca. 120 Grad Abstand zueinander und Dere befindet sich im Mittelpunkt eines gleichwinkligen Dreiecks. Eigentlich ist das aufgrund der unterschiedlichen Distanzen zu Dere eigentlich nicht gegeben, aber auf einem Radix wird dies so dargestellt. Grundsätzlich kann man neben 2 Planeten immer das Sternbild eines Gotts als dritten Punkt wählen. Dient ein Sternbild eines Gotts als drittes Element erfolgt die Harmonisierung der beiden anderen Prinzipien durch dessen Prinzipien. Ist der dritte Bezugskörper ein Planet müssen die Stärken der Planeten abgewägt werden (diese ergeben sich aus den Wochentagen, Monatsfünftel etc.). Kann auch hier keine Einigkeit erzielt werden, wird die Läufigkeit betrachtet. Ein stillstehender Planet nimmt auf jeden Fall die Rolle der Kopfkomponente, sprich des harmonisieren-den Aspekts ein. Ist eins der Himmelsobjekte der Mond oder Simia, bietet es sich auch an diesen als Kopfkomponente zu nutzen, da der Mond und Simia die Magie, das edelste der Elemente, vertreten. Bei der Interpretation wird im Falle des Vorhandenseins eines Planeten als dritte Komponente dieser immer vor dem Sternzeichen eines Gottes präferiert. Solche „absoluten“ Trigone sind aber sehr selten.
Auch wenn Trigone positiv sind, kann sich dies im Laufe der Zeit wandeln. Trigone veranlassen manche dazu, sich auf dieser Stärke auszuruhen und sich nicht weiter zu entwickeln, da die Motivation zu einer Änderung fehlt. Dadurch, dass Trigone immer harmonisch sind, findet keine Elementarbetrachtung statt.

Sextil: Winkel: 60: Harmonie. Schwacher Aspekt. Sextile sind ähnlich, wie Trigone, auch sie stellen einen positiven, wenn auch Nebeneffekt dar. Sie haben aber auch Ähnlichkeiten zu einem Quadrat. Die Aspekte der Himmelskörper können miteinander zusammen arbeiten und sich ergänzen, müssen es aber nicht. Es bedarf der aktiven Handlung. Das an sich schon schwache Sextil wird in der Regel nicht noch elementar detailliert. Falls doch, wirken die Elemente hier stärkend (Gleichheit) bzw. noch weiter schwächend (Gegenelemente) ein. Sextile werden eher dann zu Rate gezogen, wenn der Astrologe aus den stärkeren Aspekten keine Schlüsse ziehen könnte, (fast) keine anderen Aspekte vorhanden sind oder eine weitere Detaillierung notwendig ist.

Horoskop (Raîtsche)
Es gibt sehr unterschiedliche Arten Horoskope zu erstellen, je nachdem zu welchem Zweck sie verwendet werden sollen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Mundanastrologie die sich auf politische Ereignisse, die Natur oder ähnlich nicht auf einzelne oder wenige Individuen einschränkbare Sachverhalte bezieht. Die andere Kategorie, die Individualastrologie, bezieht sich mindestens auf eine einzelne oder sehr wenige, klar abgrenzbare Personen. Sie ist bei den auf Indi-vidualität ausgelegten, feqzgläubigen Tulamidistani deutlich beliebter, wobei die Mundanastrologie auch für die überlebensnotwendige Berechnung der genauen Saattermine oder zur Berechnung der nächsten Überschwemmung verwendet werden.
Geburtshoroskop
Das wichtigste Horoskop wird natürlich der Individualastrologie zugeordnet. Schon weniger betuchte Tulamidistani leisten sich ein Geburtshoroskop für ihr Neugeborenes. Dieses wird in der Regel von einem Feqzgeweihten im Rahmen des Geburtssegens erstellt. Die Stellung der Planeten wird auf einem Radix festgehalten und bei entsprechender Bezahlung interpretiert. Das Geburtshoroskop allein gibt nur wenig Auskunft über detaillierte Ereignisse, außer sie sind wirklich einschneidend, sondern eher über die Schwächen, Stärken und den Charakter der Person. Gelegentlich erfolgt eine Interpretation der verschiedenen Lebensabschnitte (Kindheit, Jugend, Erwachsenen-alter, Greisenalter/Tod) anhand einer Unterteilung des Radix in vier Abschnitte, entsprechend der Jahreszeiten, beginnend mit dem 1.Peraine.
Komposit
Das Komposit ermöglicht es wie auch die Synastrie einzelne Horoskope miteinander zu verbinden. Es wird besonders gerne aus dynastischen Überlegungen heraus verwendet und soll die „Frucht“, das Produkt der Vereinigung zweier Horoskope berechnen. Zu diesem Zweck werden die betrachteten Himmelskörper aus beiden Horoskopen ermittelt und für jeden Himmelskörper eine neue Position errechnet. Diese neue Position errechnet sich aus dem arithmetischen Mittel der Positionen dieses Himmelkörpers aus den beiden ursprünglichen Horoskopen (es wird immer die kürzere Entfernung verwendet). Stand Kor im ersten Horoskop Anfang Praios, und im zweiten Horoskop Anfang Efferd, steht Kor im Komposit Anfang Rondra. Wurden alle Positionen ermittelt, werden sie wieder wie gewöhnlich interpretiert. Himmelskörper die Fruchtbarkeit oder eine Interpretation als Familienmitglied (bspw. Aves als Sohn) ermöglichen, finden bei etwaigen Dynastie-überlegungen jedoch ein besonderes Augenmerk. Bei zwei Menschen wird für gewöhnlich das Geburtshoroskop beider Personen als Ausgangs-basis verwendet. Das Einbeziehen weiterer Horoskope ist möglich, wird, aber nur angewendet, wenn man den Aufwand einer Synastrie meiden möchte, die hierfür deutlich geeigneter ist.
Synastrie
Die Synastrie ähnelt dem Komposit und ermöglicht ebenfalls Horoskope miteinander in Beziehung zu setzen. Das Vorgehen ist jedoch ein anderes. Hier werden beide (oder mehrere) Horoskope allesamt auf dem Radix eingezeichnet, so dass bestimmte Himmelskörper (fast ausschließlich Wandelsterne) mehrfach auf dem Radix auftreten. Die gleichen Himmelskörper (also Kor aus Horoskop 1 mit Kor aus Horoskop 2) werden dann auf Aspekte hin (bspw. könnten sie in einer Konjunktion stehen) untersucht. Synastrien betonen die Beziehung zwischen den Horoskopen und werden bspw. gerne von Liebespaaren beauftragt, um die Sterne zu befragen, ob man charakterlich zueinander passt. An der Stelle muss erwähnt werden, dass Paare die ein ähnliches Alter aufweisen gerade bei den langsameren Planeten viele Konjunktionen aufweisen (wobei man hier auch den Orbis möglichst klein hält). Die Synastrie ist deutlich komplexer hinsichtlich ihrer Interpretation, da die Anzahl der betrachteten Elemente größer ist. Sie ist allerdings gerade bei der Vereinigung von mehr als zwei Horoskopen sinnvoller, vor allem wenn es darum geht die Beziehung zwischen den einzelnen Horoskopen zu betrachten.
Mundanhoroskop
Das Mundanhoroskop verwendet grundsätzlich die vorher genannten Methoden, jedoch werden die einzelnen Elemente innerhalb der Horoskope unterschiedlich gedeutet. Bei Herrschern wird das Geburtshoroskop mit dem Zeitpunkt der Krönung in Bezug gesetzt (hier werden vor allem Horas und Ucuri untersucht), häufig werden auch das kriegerische Geschick (Kor), die Weisheit (Nandus) und der Umgang mit den Staatsfinanzen (Aves) des Herrschers näher beleuchtet. Bei Ereignissen, wie einer Schlacht, wird das Horoskop für den Ort und die Zeit erstellt und Gefahren und Möglichkeiten ermittelt oder in Beziehung mit dem Heerführer gesetzt (ähnlich wie bei einer Synastrie).
Planeten in der tulamidischen Kultur
Da häufig bestimmte Eigenschaften und Prinzipien mit den Planeten verbunden waren, die sich auch bei bestimmten Gottheiten wiederfanden, wurden die Planeten nach eben jenen Wesenheiten benannt. In den Anfängen der tulamidischen Sternenbe-trachtungen wurden hierfür die sumerischen Bezeichnungen wiederverwendet. Recht früh wurden diese aber durch tulamidische Gottheiten bzw. deren Bezeichnungen ersetzt. Die meisten dieser Bezeichnungen haben sich bis heute erhalten: Konkret sind dies Aves, Kor, Levthan, Nandus und Marbo. Die anderen vier Xeledon, Horas, Ucuri und Simia unterlagen in der tulamidischen Geschichte häufiger einem Deutungswandel und einer Umbenennung. So wurde und wird Ucuri durch Rashtul und Horas durch seinen Sohn Bastrabun ersetzt. Simia hat sich in neuerer Zeit durch den Einfluss der Zwerge mittlerweile auch bei den Tulamidistani durchgesetzt, doch in der Vergangenheit wurde er häufig auch durch einen der Flussgottheiten ersetzt. Xeledon als Wandelstern (nicht als Alveraniar) war den Sumerern schon bekannt oder wurde zumindest vermutet. Heutzutage sieht man die Planeten Marbo und Xeledon bei den Tulamidistani als zwei Aspekte der gleichen Gottheit an. So interpretierten sie Marbo als Maha Bor und Xeledon als Umm Ghulshach. Die UrTulamidistani setzten Xeledon mit Bylmazar gleich, während er in Elem als Sz'yss'ssar angesehen wurde.


Astronomie & Beschwörung
Elementare Zuordnung der Wandelsterne und Sternbilder

Bitte der Spielhilfe entnehmen

Viele der Himmelskörper werden bei Beschwörungen, insbesondere der Herbeirufung von Elementaren, anders interpretiert, so dass das dem Himmelskörper zugewiesene Element von der astrologischen Deutung abweichen kann. Die astrologische Deutung der Elementzuordnung ist identisch mit der im Inrah. Die Unterscheidung resultiert aus dem starken Harmonisierungsprinzip der Elemente auf der einen und jahrhundertelanger Beobachtung und Auswertung auf der anderen Seite. Bei den Elementarbeschwörungen ist der Harmonisierungsaspekt besonders hervorstechend, weswegen jedem Element, zwei Sternbilder zugeordnet sind.
Da es keine 12 Planeten gibt, diese aber mit den größten Einfluss am Sternenhimmel ausüben untersuchte und erkannte man bei diesen einen anderen Zusammenhang. Eine eindeutige Zuordnung gelang den UrTulamidistani schon früh bei den Planeten Belcar (Simia), Bel-Shuga (Kor), Balathandis (Nandus), Xetobal (Aves), Undhabal (Marbo) und Baalian (Levthan). Paramanthus von Havena fasste diese Erkenntnis zum ersten Mal schriftlich zusammen und nutzte sie gleichzeitig für die Alchemie. Lange Zeit später und durch die Wiederentdeckung Baal-Urgols (Xeledon) konnte für das elementare Gleichgewicht auch für die verbliebenen drei Wandelsterne ermittelt werden, in dem jedem der Drei, Sympathien zu zwei Elemente nachgewiesen werden konnten.

Modifikationen von Elementaren
Bestimmte Planeten unterstützen bestimmte Modifikationen, die an Elementaren vorgenommen werden sollen. In diesem Fall stärkt der Einfluss des Planeten, die Verankerung und Potenzierung eines Aspekts in einem Elementar. Aus einer ähnlichen Überlegung heraus werden periodische Ereignisse, die genau diesen gewünschten Aspekt potenzieren als Basis zur Entwicklung wahrer Namen von Elementaren verwendet. In diesem Fall repräsentiert ein Planet das Element des Elementars und der zweite Planet den gewünschten Aspekt. Soll es sich dabei, um den gleichen Planeten handeln muss dieser eine deutlichere Präsenz am Nachthimmel aufweisen.
Offensive Verbesserung: Kor, Ucuri
Defensive Verbesserung: Horas, Simia
Schnelligkeitsverbesserung: Aves
Magische Verbesserung: Mada, Nandus
Resistenzverbesserung: Marbo. Levthan
Geistige Verbesserung: Nandus
Körperliche Verbesserung: Levthan, Kor

Aspekte bei der Elementarbeschwörung
Trigon
Ein Trigon ist fast unerlässlich möchte man die (sekundären) Eigenschaften eines gegensätzlichen Elements mit dem Primärelement des Elementarwesens vereinigen. Ein Beispiel wäre ein auf den Transport oder gar Flug ausgerichteter Erzelementar (Avesha – Alef’Aytan Trigon).
Konjunktion
Konjunktion sind vorteilhaft, wenn die Elemente zwar nicht gegensätzlich, aber nicht der Natur des Primärelements des Elementars entsprechen. Ein Beispiel wären aggressive Erzelementare (Kor – Alef‘Aytan Konjunktion).
Quadrat
Quadrate stellen einen Ersatz für Trigone dar, wenn es darum geht überhaupt Gegensätze vereinen zu wollen. Elementare die unter dieser Konstellation beschworen werden sind schwerer zu kontrollieren aber leichter (oder überhaupt erst) zu beschwören als ohne diese Konstellation.
Opposition
Oppositionen stellen fast immer eine, für die Be-schwörung von Elementaren negative Konstellation dar.

Merkmale & Elemente
Im Sinne der ganzheitlichen Elementarbetrachtung haben die Zauberer verschiedener Traditionen den Zusammenhang zwischen verschiedenen Merkmalen der Magie auf der einen und den Elementen auf der anderen untersucht. Der aktuellste Stand der Forschung sieht folgende Zusammenhänge:
Antimagie & Erz
Einfluss & Feuer: Feuer neigt dazu seine eigenen Willen anderen aufzuzwingen, aber auch von seinen Gefühlen verzehrt zu werden. Dementsprechend ist die Beeinflussung der Gefühle und Gedanken anderer seit jeder eine Domäne des Feuers.
Elementar: Jedes Element ist sich natürlich selbst zuzuordnen.
Heilung & Humus: Das Bewahren und Stärken des Lebens geht Hand in Hand mit den Prinzipien des Humus.
Hellsicht & Eis: Ein analytisches Vorgehen und das Erkennen feinster Strukturen bedarf eines rationalen Geistes. Eigenschaften, die dem Eis zugewiesen werden.
Illusion & Luft
Objekt &Erz
Telekinese & Luft: Bewegung ist fester Bestandteil der Luft
Verwandlung &Wasser
Temporal & Eis: Einige behaupten Zeit wäre ein eigenes Element und Al’Mahmoud ihr Wächter. In neuster Zeit traten gar Gerüchte eines Dschinns der Zeit auf. Ohne Beweise jedoch ist man nicht bereit diese Gerüchte ernst zu nehmen und ordnet weiterhin die Temporalmagie, dem Eis zu
Diese Erkenntnisse werden vorrangig für die Artefaktherstellung und bei größeren Ritualen verwendet.
ArchivShow

Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer. Versöhnlicherweise versuchte ich dann aber irgendwann doch einen Tulamiden mit einem Perser zu vermischen, naja und das Nachfolgende kam raus. Es ist jetzt keine wirklich Spielhilfe, aber soll zumindest ein besseres Gefühl vermitteln.
Vielleicht hilft es euch ja weiter, wenn ja, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung freuen.
Viel Spaß damit und Gruß Shirwan

Essenskultur

Speisen werden, wenn möglich, in großer Runde zu sich genommen. Meistens isst man abends groß (und warm). Am Tag ist es meistens zu warm zum Essen. Das Abendessen besteht in der Regel aus 3 „Gängen“ (Tulamiden würden diese aber niemals als solche bezeichnen). In der Regel beginnt man mit einer Art Vorspeise. Diese besteht aus Kräutern, roh genießbarem Gemüse der Region (bspw. Zwiebeln und Minze), Schafskäse, Joghurt und Brot. Je nach Region kommen auch einige warme, vegetarische Speisen hinzu (siehe Miseh Ghazemi und Nargezi). Dann kommt die Hauptspeise und danach eine Nachspeise (siehe jeweils unten)

Da spontan große Personengruppen beim Essen zusammen kommen, geht man in diesem Fall dazu über eine Decke auf den Boden auszubreiten und auf dem Boden zu essen (die seltensten Tulamiden haben Tische mit über 12 Plätzen). Menschen die das nicht gewohnt sind, haben durchaus Problem im Schneidersitz zu Essen, Tulamiden bieten aber in diesem Fall einem Gast an, separat am Tisch zu Essen (was in Ordnung aber nicht so richtig höflich ist). Da die Speisen dann häufig auf der Decke verteilt sind, werden mehrere Gerichte der gleichen Art auf der Decke verteilt. Gäste tun zusätzlich gut daran, sich beim Verteilen der Speisen am Tisch zu beteiligen, da der Gastgeber erst einmal dafür verantwortlich ist das Essen aus der Küche zur Decke zu bringen (was schnell erfolgen muss, denn Speisen lauwarm zu essen, ist Tulamiden ein Graus). Das führt dazu, dass es recht schnell zu einem geselligen Treiben kommt und die Speisen hin und hergereicht werden.
Hat der Gastgeber die Speisen zum Essen hergeholt, achtet er darauf, dass alle seine Gäste ausreichend zu essen haben. Hat ein Gast sich bei der Essensverteilung beteiligt, geht diese Aufgabe auch auf ihn über (außer er serviert anderen Familienmitgliedern aus seinem Haushalt, hier sollte man eher vorsichtig servieren). Der Gast hat nun die Aufgabe Bescheidenheit auszudrücken und möglichst wenig Speisen sich servieren zu lassen. Am besten lässt man sich zu diesem Zweck etwas mehr als die Hälfte (bis zwei Drittel) dessen servieren was man eigentlich essen möchte und fängt dann an mit dem Servierer zu „verhandeln“. Durch geschicktes Handeln kommt man dann ungefähr auf die Menge die man eigentlich essen möchte. Es ist zulässig die Hand über seinen Teller zu halten oder das Servierinstrument (bspw. eine Kelle) festzuhalten und zu verhindern, dass weiter serviert wird, in diesem Fall ist es dann üblich diese Handlung mittels einer witzigen Aussage zu würzen. Der Gastgeber darf dann (wenn er möchte) diese Aussage gegenkommentieren, ist sein Witz gelungener, lässt man als Gast diese letzte Menge zu, nicht ohne den Gastgeber scherzhaft „zu verfluchen“. Ausländische Gäste begehen häufig den Fehler sich aus Gewohnheit die volle Menge servieren zu lassen und beginnen erst dann an zu protestieren, was im schlimmsten Fall zum Doppelten der gewünschten Portion führt. Essen stehen zu lassen gilt als nicht höflich, außer man entschuldigt sich vielmals beim Gastgeber und preist seine Kochkunst bzw. Gastfreundschaft. Im besten Fall sollte man sich in dieser Situation auf seine Herkunft beruhen und den Gastgeber darauf hinweisen, dass man nicht auf das Essen verzichtet weil man höflich sein möchte. Das wird dann mehr oder weniger kommentarlos akzeptiert. Es ist üblich, dass hart Arbeitende und junge Menschen mehr Essen. Menschen in besonderen Lebenssituationen (bspw. Schwangeren) werden spezielle Lebensmittel oder Gewürze gereicht, um sie für ihre jeweiligen Aufgaben zu stärken. Hier vermischt sich profundes medizinisches Wissen mit Aberglaube und sehr individuellen Traditionen. Jede Familie kennt da so ihre eigenen Hilfsmittelchen. Steht ein Essen zu lange rum, wird es noch einmal aufgewärmt und dann schnell an diejenigen verteilt, die nach Ansicht des Gastgebers zu wenig gegessen haben. Da kommt man als Gast nicht raus, darf es aber im Zweifel auch (teilweise) stehen lassen, der „Handel“ war ja ursprünglich ein anderer…
Man sollte aber unbedingt noch etwas Platz lassen, denn häufig werden als Nachspeise noch einmal Früchte und vor allem Tee serviert. In der Regel isst man die „verdauungsfördernde“ Honigmelone (ob dies wirklich so ist mag jeder selbst entscheiden). Tee wird immer durch etwas anderes gesüßt. Entweder ist das Zucker in kristalliner Form in der Größe eines kleinen Fingers (gerade wenn man krank ist) oder eine Süßspeise wie Baghlava oder eine Dattel.
Es ist übrigens im strengsten Maße verboten Hauptspeisen mit der Hand zu essen (Brot und Kräuter sind also bspw. erlaubt)! Wer dies macht, entlarvt sich als Mitglied der untersten Schichten oder gar als Barbar. Die Person hat dann zukünftig ungefähr das Ansehen eines Ferkinas (bzw. Orks in mittelreichischen Maßstäben). Im privaten, sprich ohne Gäste, ist das in Ordnung, aber selbst da versucht man das eher zu vermeiden.

Lebensmittel
Lebensmittel werden fast ausschließlich aus der eigenen Region bezogen. Hier gilt aber, dass bestimmte Regionen deutlich bekannter sind für bestimmte Produkte als andere Regionen (bspw. aranische Arangen). Bei Lebensmitteln sind allerdings besonders die Frische und ein intensiver Geschmack wichtig, was auch für die Zubereitung der Speisen gilt (siehe auch Essenskultur). Honig- und Wassermelonen sind durchweg beliebt, da sie frisch und saftig auch den Durst stillen können. Außerdem können sie auch zwischendurch erworben werden (sie werden in Flüssen gekühlt). Honigmelonen sollen zudem die Verdauung fördern und sind deswegen als Nachspeise/Nachtisch beliebt. Weitere omnipräsente Lebensmittel sind Fleisch, Reis, Schwarzer Tee und Milchprodukte jeglicher Art. Alle anderen Arten Tee außer Schwarzer Tee werden schlichtweg nicht als Tee betrachtet. Einem Tulamiden Früchtetee anzubieten, sollte bei diesem auf schieres Unverständnis treffen. Milchprodukte sind ebenfalls sehr beliebt auch als Getränke (Dugh (salziges Joghurtgetränk) ist ein ähnliches Getränk wie Ayran, wird allerdings mit Kräutern durchmischt). Tulamiden essen gerne Fleisch, wenn sie es sich leisten können, ansonsten stellt das Grundnahrungsmittel Reis dar. Zuweilen wird als Fleischersatz Butter oder Schmalz dem Reis beigefügt, manche Tulamiden essen aber auch Butter zusätzlich zum Fleisch, weil es ihnen schmeckt. Ansonsten fügen reichere Menschen ihrem Reis Safran hinzu, wodurch dieser eine Goldgelbe Farbe erhält. Reis wird in Töpfen zubereitet (vorher ist Reis mehrere Stunden separat in Wasser einzulegen) und deswegen in Kuchenform serviert. Pappiger Reis (wie in der realen Welt beim Chinesen), ist den Tulamiden ein Graus und wird als Makel der Kochkunst betrachtet. Safran gilt im Übrigen als Allheilsmittel und (natürlicher) Geschmacksverstärker.

Höflichkeit, der feine Unterschied

Tulamiden leben seit Jahrtausenden in großen Städten und sind es gewohnt häufig miteinander zu agieren. Während am Anfang grundlegende Handlungsanweisungen entwickelt wurden, die das notdürftigste (Über-)Leben sicherstellten, weiteten sich diese Verhaltensregeln immer weiter aus und nehmen nun eine wichtige Stellung innerhalb der tulamidischen Gesellschaft ein. Fehlende Manieren stehen bei den Tulamiden für Unkultiviertheit und Armut. Beherrscht ein Tulamide dagegen die gesellschaftlichen Bräuche in seiner Perfektion wird er unabhängig von seiner tatsächlichen Herkunft im höchsten Maße geschätzt und geachtet und ihm zumindest Gehör geschenkt. Tulamidische Höflichkeit wird von Mittelreichern teilweise als verlogen oder mit völligem Unverständnis wahrgenommen. Die direkte Art des Mittelreichers dagegen ist für einen Tulamiden ein Zeichen, dass Konflikte bei den Mittelreichern schnell in (barbarischer) Gewalt enden.
Tulamidische Höflichkeit zu beschreiben gestaltet sich recht schwierig. Es ist zwar möglich sehr konkrete Anweisungen für bestimmte Situationen zu vermitteln, aber diese können natürlich nicht jede Lebenssituation abdecken. Menschen die sich an diesen starren Verhaltensregeln orientieren und diese auswendig lernen, fallen irgendwann auf, dennoch rechnet man ihnen ihre Bemühungen in diesem Fall hoch an, zeigen sie doch die Bereitschaft sich mit der tulamidischen Kultur auseinanderzusetzen.
Wenn man es kurz fassen möchte, will man seinen Gegenüber respektvoll und zuvorkommend behandeln, damit er das Gleiche tut und so das zivilisierte Volk an sich liebe- würde- und respektvoll miteinander umgeht, statt das Zusammenleben durch Gewalt und Aggressivität bestimmen zu lassen.
Höflichkeit geht Hand in Hand einher mit dem Elternhaus, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung! Ein unhöfliches Verhalten fällt somit häufig auf die Eltern, wenn nicht sogar auf die gesamte Region/Kultur zurück. Das liegt daran, dass man davon ausgeht, dass man Höflichkeit nur schwer erlernen kann, sondern von seinem eigenen Elternhaus / Familie vorgelebt bekommt und auch nur so verinnerlichen kann (auch wenn man natürlich einen Teil später noch lernen kann).

Grundsätzlich ist bei der Höflichkeit zwischen Adab und Tāroff zu unterscheiden.
Adab entspricht weitgehend dem mittelreichischen Verständnis von Höflichkeit.

Tāroff

Das Prinzip des Tāroffs ist schwer zu vermitteln. Am ehesten könnte man es als proaktives, bestimmendes Anbieten und bescheidenen Verzicht bezeichnen.

Das anbietende Tāroff
Beim Anbieten geht es darum, den Anderen es an nichts mangeln zu lassen und seine selbst unausgesprochenen Wünsche zu erfüllen. Wichtig ist dabei, dass die Initiative von einem selbst ausgeht, was wiederrum eine gewisse Menschenkenntnis / Empathie bedingt, um die unausgesprochenen Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen. Das geht sogar bis zu einem (extremen) Ausmaß, dass man den Anderen höher als sich selbst stellt.
Ein Gastwirt wird also bspw. genau beobachten, wo sein Lieblingsgast sitzt und wann er für gewöhnlich kommt um ihm genau diesen Platz rechtzeitig frei zu halten. Wenn eine ältere oder gebrechliche Person augenscheinlich nach einer Sitzmöglichkeit sucht, dann steht man aktiv auf, bietet der Person an sie bis zum Sitzplatz zu begleiten und fragt höflich nach, ob man ihr einen Teil der Last abnehmen kann. Idealerweise wird der Platz sogar nicht angeboten, denn es ist selbstverständlich, dass er der älteren Person zusteht (dennoch bedankt sich diese natürlich), sondern man bittet darum, dass die Person doch mit dem eigenen Platz vorliebnimmt und betont nach der Danksagung, dass der Anstand dieses Verhalten gebietet („Es ist mir süße Pflicht“). Das kann sogar soweit gehen, dass mehrere Personen aufstehen und diese dann darum abstruserweise streiten, wer denn stehen darf!
Viele werden sich wahrscheinlich fragen, worin liegt der Unterschied zwischen:
Ich biete einen Platz an und ich bitte darum mit meinem Platz vorlieb zu nehmen.
Im ersten Fall ist es das Ziel das Leid des Anderen zu mindern.
Im zweiten Fall geht es zusätzlich darum derjenige sein zu dürfen, der der Person seinen Respekt zeigen darf und gleichzeitig bedauernsvoll nur diesen einen Platz anbieten zu können. Der Person diesen Dienst erweisen zu können wird hierbei quasi als Geschenk oder besonderes Privileg angesehen. Der Lohn ist zum ersten die Freude einem anderen Menschen geholfen zu haben. Vielleicht ist man in der Zukunft selbst einmal Ziel einer solchen Höflichkeit. Zum Zweiten mehrt man hierdurch sein eigenes Ansehen und beweist die Güte seiner Erziehung und Manieren.

Sehr häufig wird beim Essen Tāroff betrieben (siehe auch Essenskultur). Kennt man die Person, dann werden schon im Vorfeld die Lebensmittel zubereitet und angeboten, die dieser Person schmecken, wobei natürlich das nur gilt, wenn die Person nicht täglich da ist. Monotonie beim Essen gilt nämlich als Makel der Kochkunst. Wenn man die Person nicht kennt, versucht man Vergleiche zu ziehen. So kann es also vorkommen, dass wenn einem Mittelreicher Gast mal ein Essen geschmeckt hat, man vermutet, dass es allen Mittelreichern schmeckt. Ansonsten nimmt man einfach das Beste was zur Verfügung steht. Erkennt man während des Essens, dass die Person in bestimmte Lebensmittel sich regelrecht verliebt hat, dann ist es guter Brauch / Tāroff der Person einen Vorrat an diesen Lebensmitteln (für die weitere Reise) mitzugeben.

Natürlich ist nicht jeder Tulamide der absolute Menschenkenner oder aufmerksam genug oder die andere Partei ist zu verschlossen oder auch einfach wunschlos glücklich. Als höflicher Tulamide ist es des Weiteren üblich das verzichtende Tāroff zu vollführen, was natürlich dem anbietenden Tāroff entgegensteht. In all diesen Fällen wird eine freundliche Ablehnung die Antwort auf das anbietende Tāroff sein. Aber damit ist dem anbietenden Tāroff noch nicht Genüge getan. Es ist wichtig noch min. einmal nachzufragen, wenn auch dies abgelehnt wird und es sich nicht augenscheinlich, um verzichtendes Tāroff handelt, dann verzichtet man auf weitere Anfragen zu dieser Sache. Ein drittes Mal nachzufragen ist schon grenzwertig und sollte nur bei einem verzichtenden Tāroff angewandt werden. Ein viertes Mal oder noch häufiger nachzufragen gilt (mit einigen aufgeführten Ausnahmen) als lästig, nervig und zeigt eigentlich, dass der Anbietende nicht mit den Bräuchen vertraut ist, im schlimmsten Fall also wiederrum unhöflich ist. Zur Beruhigung: Ausländische Gäste genießen beim Tāroff einen gewissen „Welpenschutz“.

Weitere Anwendungen/Erläuterungen des anbietenden Tāroffs:
Man lässt anderen immer erst den Vortritt (siehe aber unten)
Wenn es darum geht jemanden zu privilegieren gilt: Kind vor Alter vor Frau. Dies gilt aber nur, wenn man zwischen diesen Optionen wählen muss. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Greis einer jungen Frau seinen Platz anbietet. Diese darf (und sollte) aber auf diese Gunst natürlich verzichten. Die Vorrangkette wird aber teilweise durch eine hohe soziale Stellung (alias Reichtum) teilweise aufgeweicht
Ist etwas übertragbar was der anderen Person nützen könnte (außer Wertgegenstände und Geld) wird es immer anderen angeboten
Zeige keinen Geiz, aber protze auch nicht
Man muss dem anderen regelrecht sein eigenes Glück aufdrängen
Wenn man zu Gast bei jemand anderem ist, steht in der Regel immer eine riesige Schüssel mit Obst vor den Gästen. Der Gastgeber oder (wenn er bspw. mit Kochen beschäftigt ist), dessen Kinder, tragen dafür Sorge, dass die Gäste sich am Obst bedienen. Wenn sie komplett darauf verzichten, dann wird ihnen ein kleiner Teller mit einer Auswahl an Früchten vom Gastgeber zusammengestellt. Das soll dem Gast die Scheu (das verzichtende Tāroff) nehmen, denn das Obst ist ja in diesem Fall schon fertig serviert.

Das verzichtende Tāroff
Das verzichtende Tāroff ist in anderen Ländern so ungewohnt, dass es häufig zu ganz anderen Interpretationen führt: Der Tulamide wird teilweise als unsicher oder nicht entschlussfreudig angesehen, möchte in Wirklichkeit aber nur das verzichtendes Tāroff praktizieren. Wenn man es mit etwas Bekanntem vergleichen will: Am ehesten kennt man es noch aus seiner Kindheit, als es den Eltern peinlich war, dass wenn man zu Gast war, wie einen Scheunendrescher alles Mögliche in sich reingestopft hat. Meistens wurde dies dann von den Eltern mit einem ironischen: Unser Kind kriegt nichts zu Hause, kommentiert.

Das verzichtende Tāroff äußert sich durch Bescheidenheit, Zurückhaltung, Mäßigung bis hin zum Verzicht (was aber eher die Ausnahme darstellt). Es geht darum seinem Gönner nicht allzu viel Mühen zu bereiten und seine Freigiebigkeit oder Höflichkeit nichts auszunutzen. Wichtig ist dabei, dass man möglichst dem Gegenüber dabei nicht vor den Kopf stößt.

Zum einen geschieht dass in dem man die positiven Eigenschaften des Gegenübers lobt und wertschätzt und zum anderen, in dem man versucht ein direktes Nein zu vermeiden (es ist dennoch erlaubt nein zu sagen, nur sollte dies nicht das einzige sein was man sagt). Wird jemandem was angeboten, meistens als Folge des anbietenden Tāroffs ist es also üblich, immer das erste Mal dies abzulehnen. Dabei gibt es zwei Fälle zu unterscheiden.

Der häufigere Fall ist der, dass man eigentlich zusagen möchte. Hier kann man schon vor dem Angebot des Anbieters, den Gegenstand oder die Handlung loben (das Essen duftet ja herrlich, sieht hervorragend aus / zu seinem Tischnachbarn (etwas lauter): Die Fähigkeiten der Meisterin sind in allen Herren Ländern bekannt etc.). Dadurch signalisiert man Interesse. Wenn man dann das erste Mal gefragt wird, antwortet man mit einem offenen Lob: Habt vielen Dank für eure Höflichkeit / eure Manieren ehren euch / ich hoffe ihr seid nicht erschöpft, ob all der Mühen, die wir euch bereitet haben. Dann gebietet es das anbietende Tāroff sich zuerst zu bedanken und dann noch einmal nachzufragen. Nach dieser zweiten Anfrage sagt man dann zu, meistens durch eine bejahende Mimik und Gestik und min. ergänzt durch ein „vielen Dank“. Wenn es sich um etwas Besonderes handelt oder es einem besonders zusagt bzw. schmeckt, sollte man dies mit einem ausführenden Lob unterstreichen. Der Empfänger eines solchen Lobes sollte dieses dann runterspielen in dem er die eigenen Leistungen bzw. Güter als gewöhnlich und nicht besonders darstellt: Das strengt mich nicht an / Das ist eurer nicht wert / Das ist doch nichts Besonderes. Der Annehmende sollte dann in diesem Fall entweder noch eine Schippe drauf legen oder betonen, dass Bescheidenheit hier nicht angebracht bzw. nötig ist. Solch ein Lob sollte im Übrigen einen ehrlichen Kern enthalten. Den Geschmack des Essens zu loben, bevor man es bspw. gegessen hat wird nicht als höflich empfunden.
Wenn man sich vertrauter ist oder sich im eigenen Haushalt ohne Gäste befindet, ist es üblich die erste Ablehnung zu überspringen oder direkt mit der Zusage zusammen zu fassen.
Möchte man sich mit einer Gegenleistung bedanken (Einladung zum Gegenbesuch, wertvolle Gegenstände etc.) ist auch das Teil des Tāroffs wird aber unter Gegenleistung näher erläutert.

Der zweite Fall ist, dass man das Gut oder die Leistung gar nicht erlangen möchte. Dies ist in der Tat schwieriger, denn häufig fehlt ein höflicher Grund. Hier sollte man Vorsicht walten lassen. Auf die erste Anfrage antwortet man wieder mit einem höflichen Lob (s.o.) fügt aber einen Grund für die Ablehnung hinzu. Ist dieser Grund nach tulamidischen Maßstäben nicht höflich (bspw. „sowas schmeckt mir nicht“, „wir haben vorher gegessen“ (ein Unding wenn man zum Essen eingeladen wurde)), muss er umformuliert werden: ich bin mit solch Essen in unserer Kultur/Gegend nicht vertraut / mein Appetit hält sich heute in Grenzen. Alternativ betont man, dass man dem anderen keine Mühen bereiten will, oder versucht die Anfrage mittels zeitlicher Verschiebung (später oder langsam, langsam, eins nach dem anderen…) totzuschweigen. Auf die zweite Anfrage wird dann üblicherweise folgendermaßen geantwortet: Habt vielen Dank, dass was ich von euch schon empfangen habe ist mir Genuss genug. Evtl. wird hier noch eine Tāroff Schleife gedreht, in diesem Fall sollte man noch einmal betonen, dass man weiß, dass das Gut oder die Leistung des Anderen von besonderer Güte ist und seinen Verzicht bekräftigen in dem man den Grund wiederholt.
Mit dieser Form der Ablehnung sollte man aber immer vorsichtig umgehen. Beim Essen mag dies noch in Ordnung sein, aber in manchen Fällen, z.B. bei persönlichen Geschenken, ist eine solche Ablehnung eher beleidigend. Falls man unsicher ist, wie ernst es dem Gegenüber ist, kann man selbst noch 1-2 weitere Tāroff-Runden drehen, um absolut sicher zu gehen, bzw. die Ernsthaftigkeit des Angebots zu ergründen (ich bin dessen nicht wert / ihr würdet mich mit diesem Geschenk beschämen). Wenn der Gegenüber hierbei aber eindringlich bleibt und einem daraus kein Nachteil entsteht, dann sollte man das annehmen und im weiteren Verlauf des Tages die Großzügigkeit oder die Güte des Geschenks immer wieder erwähnen (beachte in diesem Kontext aber die Ausführungen unter Gegenleistung).

Bietet eine anzubietende Handlung mehrere Optionen an, ist es üblich die für den Anbietenden am wenigsten aufwändige zu wählen. Wenn man also bspw. zu einem Ort hingebracht werden soll und der Ochsenkarren schon fertig gespannt ist oder man die edlen noch nicht gesattelten Pferde wählen könnte, dann sollte man den Ochsenkarren wählen. Falls der Ochsenkarren aber nicht standesgemäß ist, wird es knifflig. Hierbei gebietet das Tāroff, dass man es so darstellt, dass der Anbietende die Weisheit besaß, dass dies der angemessenere Weg war. Falls man direkt gefragt wird, ohne dass der Anbieter nicht auf das Standesgemäße eingeht, bleibt man beim Tāroff, stellt aber den Sinn in Frage, in dem man dem Gegenüber die Problematik in Form einer Gegenfrage darstellt: Wir können gerne den Wagen nehmen, aber meint ihr, dass wäre (eurer Erhabenheit) angemessen? Wenn er dann die Pferde anbietet (Meint ihr wie sollen die Pferde nehmen?), ist es wichtig diese Entscheidung (als Annehmender) nicht als seine eigene darzustellen. Falsch wäre also: Ja ich denke, das ist besser so. Sondern eher eine Formulierung: Eure Pferde sind wirklich prächtig, das macht direkt einen anderen Eindruck.
Wenn die Optionen nicht bekannt sind oder der Tulamide mit den Gütern oder den Sitten des Gegenübers nicht vertraut ist, dann überlässt er dem Anbieter die Wahl, in dem er genau diesen Sachverhalt betont und darum bittet dass der Anbieter die Option wählt, die für diesen am wenigsten Aufwand bedeutet. Mittelländer interpretieren dies teilweise als Unsicherheit, Unentschlossenheit oder besondere Autoritätsgläubigkeit, für den Tulamiden ist das dagegen eine sehr große Höflichkeit. Er erläutert in diesem Fall als Anbieter die verschiedenen Optionen. Er muss dabei seinerseits nicht zwangsläufig die aufwendigere Option anbieten, sondern sollte im Gespräch die Vorlieben des Anderen eruieren und dann ihn zur ihm wohlgefälligeren Option „überreden“. Das kann einige Tāroff-Schleifen dauern, wenn es sich dabei (was häufig der Fall ist), um die aufwändigere Option handelt (anbietendes Tāroff).


Sozialer Stand und Höflichkeit

Die hier beschriebenen Regeln der Höflichkeit gelten in der Regel vor allem für den Mittelstand, der ungefähr dem Mittelstand aus DSA5 entspricht. Allgemein wird die Unterschicht als weniger bis gar nicht höflich empfunden, was im Umkehrschluss wiederrum erklärt, warum Unhöflichkeit mit Armut assoziiert wird. Für die Oberschicht gelten untereinander teilweise noch strengere Vorschriften. Hier zählen Eloquenz sowie eine gute Allgemeinbildung zur Höflichkeit hinzu, um Gespräche, Bitten, Komplimente und Höflichkeiten angemessen austauschen und die perfekten Formulierungen für jede Situation wählen zu können. Auf der anderen Seite bedingt die hohe Verantwortung der Oberschicht, an der einen oder anderen Stelle ein in der Wahrnehmung der Mittelschicht „unhöfliches“ Verhalten. Des Weiteren agiert ein Mitglied einer höheren Schicht mit einem Mitglied der niedrigeren Schicht zumeist direkter, fordernder, aber immer noch höflich. Andersrum, also von einer niederen zu einer höheren Schicht, weicht die auf Nächstenliebe beruhende Höflichkeit einem eher formellen, auf Respekt beruhenden Verhalten. Beide Effekte verstärken sich, wenn tatsächlich ein „vertragliches“ Verhältnis zwischen beiden besteht. Höflichkeit wird übrigens auch auf dem Land praktiziert, ist dort aber weniger „verschnörkelt“, sondern wird zumeist einfacher gelebt, was Mittelreicher teilweise als herzlicher empfinden.


Gegenleistung
WdG S.113 hat geschrieben: Gegenleistung: Erbringe niemals eine Leistung, ohne dafür eine ebenbürtige zu erhalten.
So lautet die Definition des Moralkodexes des Phexgläubigen.
Bei den Tulamiden dehnt sich der Begriff der Gegenleistung aber in beide Richtungen aus. Das bedeutet, erhalte ich eine Leistung ist es üblich mich durch eine Gegenleistung zu revanchieren. Eine Gegenleistung muss aber nicht immer materiell sein. Ein schöne formuliertes Kompliment, eine Aufmerksamkeit, eine schöne gemeinsame Zeit oder auch neues Wissen mag durchaus als Gegenleistung genügen.
Wurde man eingeladen ist es üblich sich durch eine Gegeneinladung zu revanchieren. Ist dies abwegig (weil man bspw. auf der Durchreise ist), hinterlässt man einen materiellen Gegenstand, nicht unbedingt Geld, viel eher eine Süßigkeit oder Gegenstand aus der eigenen Heimat oder auch einfach einen nett formulierten Brief. Wenn man etwas zur Einladung mitbringen möchte ist das in aller Regel süßes Gebäck. Das hat vor allem einen symbolischen Charakter (das Treffen wird wortwörtlich „versüßt“).
Wird einen Gegenleistung erbracht, verlangt das Tāroff vom Erbringer der Gegenleistung eine Art „Anti-Feilschen“. Sprich hier wird die eigene Gegenleistung bzw. das eigene Gut runtergespielt und als unbedeutend zum erlangten Gut/Dienstleistung dargestellt. Das erlangte Gut wird dagegen so gepriesen und dargestellt, als wolle man es dem anderen fast schon verkaufen wollen, obwohl man es ja selbst erlangt.
Mit dem Anbieten der Gegenleistung tauscht man des Weiteren plötzlich die Rollen und muss als Anbieter vom anbietenden Tāroff zum verzichtenden Tāroff (bezogen auf die Gegenleistung) wechseln. Ob man versuchen sollte die Gegenleistung abzulehnen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Tendenziell sollte man sich bemühen umso eher die Gegenleistung nicht zu erlangen, umso kostbarer sie im Vergleich zur erbrachten Leistung ist. Dennoch gibt es hier diverse Ausnahmen. Eine Gegeneinladung bspw. abzulehnen gilt bei den geselligen Tulamiden häufig als schlimme Beleidigung (außer es gibt zwingende Gründe)


Sonstiges

Weiterhin sind folgende Punkte zu beachten:
  • Tulamidische Adjektive fangen schon im Komparativ an. Wirklich Steigerungen im höflichen Sinne erreicht man also nur im Elativ oder Superlativ
  • Ältere und vor allem durchs Alter gebrechliche Personen werden mit Respekt behandelt, bei hohen sozialen Unterschieden, darf diese Regel aber aufgeweicht werden
  • Spezialthema Alter: Ältere Menschen (ab einem gewissen Altersunterschied) werden wie gesagt bevorzugt behandelt. Des Weiteren ist es üblich auf ältere Personen zu hören (sofern es im Vernünftigen bleibt). Dies kann dann zu der etwas vertrackten Situation führen, dass eine ältere Person eine Höflichkeit erweist, die man aber eigentlich ablehnen müsste (bspw. Sitzplatz). In diesem Fall sollte man auf das Angebot zwar verzichten, aber dabei immer als Bittsteller auftreten und ab einem gewissen Zeitpunkt (2-3. Tāroffschleife) dem Wunsch tatsächlich (beschämt) nachgeben.
  • Es gilt stets die Mühen und Fähigkeiten des anderen wertzuschätzen
  • Es ist nicht zulässig einer (freundschaftlich) bekannten Person in unmittelbarer Nähe den Rücken zuzuwenden. Ist das nötig, dann entschuldigt man sich im Vorfeld oder fragt im besten Fall vorher nach, ob dies erlaubt ist. Begegnet man sich auf der Straße, dreht man solange der Person das Gesicht zu bis man wieder eine ausreichende Distanz eingenommen hat
  • Möchte man etwas von einer anderen Person, fragt man nicht direkt danach, sondern bittet im ausreichenden Maße darum und bietet dem anderen an, im Bedarfsfall darauf selbst zu verzichten. Grundsätzlich wird aber diesbezüglich Zurückhaltung erwartet
  • Ist man in der Gruppe unterwegs, versucht man immer Konsens bei einer Entscheidung zu erreichen. Dies bedeutet, aber nicht, dass man die Gruppe nicht zu einer Entscheidung hinbewegen kann
  • Körperliche Nähe ist bei Tulamiden nicht ungewöhnlich, gerade bei Personen gleichen Geschlechts. Das geht weit über die höfliche Distanz eines Mittelreichers hinaus (bzw. heran ) Bei verheirateten Personen unterschiedlichen Geschlechts, sollte man sich dagegen in Zurückhaltung üben oder ein sehr gutes Verhältnis zum Ehepartner der Person aufweisen
Weitere konkrete Handlungsanweisungen
  • Männer grüßen häufig, in dem sie ihre rechte Hand auf die Brust, über ihr Herz halten und sich leicht bis tief verbeugen (je nach Respekt für die andere Person). Man sollte sich allerdings nicht unnötigerweise zu tief verbeugen, sonst gilt man als Bückling. Frauen senken höchstens ihren Blick, ansonsten dürfen sie aufrecht grüßen. Bei intensiveren Begrüßungen werden Wangenküsse gegeben (auch geschlechtsübergreifend)
  • Die übliche Verabschiedung ist in der Realität Khoda hafez (Du seist in Gottes Gedanken / Möge Gotte über dich wachen. Wortwörtlich: Gott erinnere sich an dich). Das soll den Schutz höherer Mächte herbeibeschwören, da man ja nicht selbst über die Person wachen kann. Wenn man dies nach DSA adaptieren möchte, muss man Khoda durch den Gottesnamen ersetzen. Also bspw. Rondra Hafez!
  • Manchmal wird bei der Verabschiedung noch ein beh omide didar (Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen, wortwörtlich: In Hoffnung des Wiedersehens)
  • Bei einer Verabschiedung steht man immer auf und begleitet als Gastgeber den Gast bis zum Hauseingang (eigentlich selbstverständlich, aber…)
  • Sitzt man auf dem Boden ist es unhöflich (ungefragt) seine Beine auszustrecken (man nimmt somit anderen Personen evtl. die Möglichkeit sich in der Nähe hinzusetzen)
  • Man dankt vor dem Essen seinem Gastgeber für seine Mühen und entschuldigt sich, dass man ihm diese bereitet hat. Nach dem Essen lobt man noch einmal die Kochkunst des Gastgebers
  • Beim Betreten eines Hauses zieht man die Schuhe immer aus, auch wenn der Gastgeber sagt, dass dies nicht nötig ist (Tāroff)! Einzige Ausnahme sind überdachte Terrassen, da sollte man prüfen wo die Schuhe abgestellt wurden und natürlich Empfangssäle in Palästen etc.

Gesten & symbolische Handlungen

Tulamiden wählen gerne starke, symbolische Gesten. Problematisch wird es, wenn diese Gesten im mittelreichischen Kulturkreis ein gänzlich andere Bedeutung haben (und natürlich umgekehrt). Wenn bspw. eine aranische Frau ihrer zukünftigen Schwiegertochter oben erwähntes Obst schält und auf ihrem Teller serviert, dann will sie nicht ausdrücken, dass sie ihre Schwiegertochter als Kind oder gar unfähig ansieht, sondern als Teil ihrer Familie, wenn man so möchte als ihr eigenes Kind. Wenn man als Höhergestellter nach einem Streit extra aufsteht und der Gegenpartei, Wein in einen Kelch schüttet und serviert, also den Schankdienst erweist, dann gilt dies als Geste der Versöhnung. Man hat, obwohl man höher steht einen einfachen Dienst für den Niederen erfüllt und ihn somit wertgeschätzt. Die Hand auf die Schulter zu legen, gilt nicht als Geste, um jemand zu beruhigen (dafür wählt man Arm oder Bauch), sondern signalisiert, dass man der Person vertraut, im Konfliktfall ihr zugehörig ist, sie unter dem eigenen Schutz steht oder, dass man den Konflikt an seiner statt weiter vollführen möchte (hierbei stellt man sich allerdings im Anschluss dann häufig vor die Person).


Beispiele

Tāroffbeispiele
Beispiele & Erläuterungen folgen noch

Typische Einleitung einer Kaufszene
Jeder der Texte in eine andere Sprache übersetzt, weiß dass viel vom Charme der Sprache verloren geht. Falls das Nachfolgende vielleicht etwas zu trocken herüber kommt, dann mag dies (auch) der Übersetzung geschuldet sein.

Käufer: Friede mit euch, ehrenwerter Herr! Ich hoffe ihr seid nicht erschöpft von den Mühen des Tages.
Verkäufer: Habt vielen Dankt für eure Sorge.
Käufer: Sagt edler Herr, wie viele Silbertaler sind euch genehm um diesen Pokal von euch zu erwerben?
Verkäufer: Dieser Pokal ist eurer nicht wert. Bitte nehmt ihn als mein bescheidenes Geschenk an euch.
Käufer: Eure Manieren ehren euch.
Verkäufer: Nein, wirklich dieser Pokal sei der eure.
Käufer: Habt Dank für eure Großzügigkeit und Freundlichkeit. Verzeiht mir bitte, aber ihr würdet mir eine Freude machen, wenn ich diesen Pokal von euch erwerben dürfte.
Ab hier beginnt dann das Feilschen.


Abschließende Worte

Die hier dargestellten Verhaltensregeln und Szenarien stellen natürlich nur einen Ausschnitt der Realität dar und dienen lediglich der Veranschaulichung und als Richtungsweiser. Sie sind und können nicht alle Situationen abdecken. Wichtig ist auch, dass Sprache nur einen Bruchteil der Kommunikation darstellt und Mimik, sowie Gestik ebenfalls wesentlicher Bestandteil der Kommunikation sind.



Götterglaube (inoffizielle Version)
In der mittlerweile 15 Jahren alten Spielhilfe im Land der ersten Sonne, wird berichtet, dass die meisten Tulamiden in der Regel nur eine Teilmenge der Zwölfe anbeten, häufig ergänzt durch lokale oder historisch verehrte Gottheiten. In der gleichen Spielhilfe werden auch einige Beispiel genannt (gerade Thalusien), ich würde diese gerne um die urtulamidischen Götter aus den neueren Publikationen ergänzen.
Des Weiteren fand ich es ziemlich seltsam, dass bei den Tulamiden der Sonnengott, der die Quelle ihres Reichtums darstellt als Gott der Dürre angesehen und fast schon verachtet wird, da in der Realität das genau Gegenteil der Fall war (Sonne und Licht wurden hoch verehrt).
Auch das Bild Rondras, Kors und den (anderen) "Echsengottheiten" fand ich zum Rest der Beschreibungen unpassend. Ich habe mir deswegen eine eigene Göttergeschichte und Abwandlungen des Pantheons ausgedacht. Vielleicht mag auch das helfen:

Götterwelt
Allgemeine Lehre

Zurvan al’Mahmoud und Zumu al‘terech schufen gemeinsam die Welt und die ersten Götter. Ihnen wurden zuerst zwei Zwillinge geboren, die das Feuer des Vaters in sich trugen und dann noch viele weitere Götter. Die Zwillinge, Ormazd und Feqz, ehrten das Werk ihrer Eltern und bewahrten und vervollständigten dieses. So geschah es, dass Zurvan bestimmte, dass die beiden gleichermaßen über die Welt herrschen sollten, jeder für jeweils die Hälfte des Tages. Als Zeichen ihrer Macht wachten ihre Augen über die Welt: Sonne und Mond! Doch der jüngste Bruder, später Ahriman genannt, neidete den anderen ihre Macht und ihre Stellung. So groß war seine Wut, dass er seine eigene Mutter tödlich verletzte und dadurch die Welt zerstören wollte. Wenn er nicht herrschen sollte, dann sollte keiner herrschen. Zurvan jedoch verband seine Kraft mit der Zumus und erlitt gleichermaßen die Wunde, dadurch war es ihm zwar nicht mehr möglich in die Welt einzugreifen, doch konnte er so Zumus endgültigen Tod verhindern. Die beiden Zwillinge waren wütend auf ihren Bruder und rüsteten sich und die von ihnen geschaffenen Völker, die Menschen und Zwerge, zum Krieg, doch Ahriman verhöhnte sie. Er erschuf seinerseits Völker, die durch die Macht des Feuers und der Wärme nur stärker wurden, die Echsen und Drachen. Wann immer sich die Götter näherten, da wuchs die Macht der Völker Ahrimans und führte zum Hundertfachen der Menschen und Zwerge! Doch Phex hatte einen Plan, er gab seine gesamte Macht über das Feuer seinem Bruder Angrosh, der das Feuer unter der Erde verbarg. Und so geschah es, dass das Licht des Mondes stark abnahm und keine Hitze mehr in dieser war! Gleichzeitig verlangte er die Dienste des mächtigsten Kriegers: Khor. Khor der strahlende Sohn Ormazds, erfüllt vom Feuer des Vaters wurde von Phex mit der Farbe der Nacht getarnt und ward dunkel wie diese. Und so sind die Farben Khors, rot wie sein tief in ihm brennendes Blut und schwarz wie die Nacht. Doch Phex ging noch weiter, er zeugte ein liebreizendes Mädchen mit einer Sterblichen, benannte sie nach seinem eigenen Auge und gab ihr einen Teil seiner Macht über die Magie: Mahda! Mahda und Khor zeugten wiederrum einen sterblichen Menschen, einen Krieger, der die Kraft seines Vaters und die Magie seiner Mutter besaß und bestimmten ihn zum Anführer aller Menschen: Rashdul. Gemeinsam zerschmetterten sie die Dienerschaft des Dritten Bruders und beraubten ihn seiner Macht. Ormazd und Feqz und alle anderen Götter urteilten hart über ihren verräterischen Bruder und ketteten ihn mit von Angrosh geschmiedeten Fesseln an die klaffende Wunde, die er selbst seinen eigenen Eltern zugefügt hatte und durch die nun Chaos und Dämonen in die Welt gelangten. Ormazd brennender Zorn verbrannte das zerschlagene Reich der Echsen und führte dazu, dass heute nur noch die Wüste Khom da steht, wo sich einst das blühende Land der Echsen befand.

Götter
Zurvan (Los, Kha, teilweise Satinav): Vater der Götter, der seinen beiden Söhnen Ormazd und Feqz die Herrschaft über die Welt verlieh. Gebietet über die Zeit, über die Ormazd (am Tag) und Feqz (in der Nacht) wachen. Kann aufgrund seiner Verwundung nicht mehr aktiv in die Welt eingreifen. Er schenkte seine brennenden Augen (Sonne und Mond) seinen zwei Söhnen und gilt seitdem als blind.
Zumu (Sumu): Göttin auf deren Leib die Menschen (Zwerge etc.) wandeln. Erschafferin allen Lebens. Mutter aller Götter. Kann aufgrund ihrer Verwundung nicht mehr aktiv in die Welt eingreifen.
Feqz (Phex): Herr der Nacht. Der angesehenste Gott. Kampf gegen Echsen, listiger Schattenkämpfer, List, Eigenverantwortung, Freiheit, Humor. Die Lüge ist, entgegen des Klischees, ein Werk Ahrimans und nicht Feqzens. Es ist jedoch erlaubt listig die Wahrheit so zu formulieren, dass der Hörer, das so versteht wie man selbst es möchte. Sein erloschenes Auge ist der Mond.
Ormazd (Praios): Neben Feqz, Herr der Welt. Herrschaft, Ordnung, Eide und Verträge, Wahrheit, Weisheit, Feuer, Licht und Reinheit, Herrscher über den Tag. Sein Auge ist die Sonne. Seine Strafe die Dürre. Viele Tulamiden setzen Ormazd nicht mit Praios gleich, da ihnen Praios zu „mittelländisch“ ist.
Ahriman (Der Namenlose): Der verräterische Bruder, der gegen seine großen Brüder rebellierte, seine Eltern tödlich verwundete und Chaos und Verderben in die Welt brachte. Sein einst göttliches Antlitz, verwandelte sich auf Grund seiner Taten in die Fratze eines drachischen Scheusals und seine Haut in Schuppen. Allein die goldene Farbe ist ihm von seiner einstigen Pracht geblieben. Pyrdacor soll sein erstgeborener Sohn gewesen sein. Er wurde von den Göttern besiegt, an die Wunde seiner Eltern gekettet, die er selbst geschlagen hatte und seiner Macht und seines Namens beraubt. Ahriman bedeutet einfach das (unendlich) Böse und soll der der Ursprung des Wortes Ahrdeha (Drache) sein.
Radscha (Rahja): Lust, Hingabe, Liebe, Fruchtbarkeit, Rausch, Künste, selten auch ästhetischer Kampf und Säbeltänze. Wird vor allem von jungen Frauen, von Säbeltänzern, aber auch von Romantikern (beiden Geschlechts) verehrt. Mutter vieler Gotteskinder und Halbgötter.
Rondra: Ehrenhafter Zweikampf, Duell, Jagd (Kräftemessen), Regenbringerin, Herrin des Sturms und der Winde. Göttin der Amazonen und Kriegerinnen (Betonung auf –innen). Der Aspekt des Regens macht Rondra in einem Land, das vom Wasser abhängig ist, zu einer bedeutenden Gottheit.
Angrosh (Ingerimm): Erschaffer der Zwerge und Riesen. Gebietet über den Felsen und das Handwerk. Da er und seine Völker die Zwerge und Riesen im Kampf gegen die Diener Ahrimans geholfen haben und um die Echsen nicht mit seinem Feuer zu stärken (s.o.), gab ihm Feqz seine Macht übers Feuer.
Efferd: Gott der Meere und des Wassers. In der Regel wird eher sein Sohn mit Atvarya, der mächtige Meister des Flusses Bal Mhanad verehrt.

Götterkinder & Halbgötter
Khor (Kor): Sohn von Ormazd und Rondra. Loyalität, Kameradschaft, Vertragstreue, Disziplin, Schlachtenordnung, gnadenloser Kampf gegen das Chaos und das Böse. Fährt der Sage nach in tapfere Männer ein und zeugt mit deren Frauen kräftige Krieger, die man dann Khorasani (Sonnenaufgang) nennt. Wird als schwarzer Panther verehrt. Benannt nach dem Auge Ormazds (Khor = Sonne).
Mahda: Tochter des Phex mit einer Sterblichen. Bringerin der Magie, die über den Nachthimmel tanzt. Ihre Schleier die niederfallen, sollen im Norden den Menschen von der Macht ihres Vaters künden (Polarlichter), dies wurde aber bisher nur in den seltensten Fällen überprüft… Benannt nach dem Auge ihres Vaters (Mah = Mond, da(d) = Gabe, Geschenk). Einige Poeten behaupten Khor und Mahda würden sich innig lieben und Radscha hätte von Feqz und Ormazd einen Teil des Tages von ihnen erbeten. Ihre Kinder wurden nach dieser Zeit benannt in denen sie zusammen sein dürfen: Pegah (Morgenröte) und Shabdiz (Abenddämmerung). Beide dienen als (geflügelte) Stute und Hengst Radscha.
Mahar Bor auch Aharmorda (Marbo): Tochter Feqzens und Atvaryas. So wie ihre Mutter das Leben ist, so gebietet sie über den Tod ohne den kein Leben sein kann. Erscheint entweder als junges Mädchen, als erwachsene Frau in den besten Jahren oder als Greisin mit einem Stundenglas. Einige behaupten sie hätte den Drachen und Diener Ahrimans Chol’iadrim (Golgari), dessen Sohn wiederrum Kurungur sein soll, niedergerungen und benutze ihn nun als Reittier. Namensherkunft: ahar oder a = Anti, Gegenteil und Mord(an) = Sterben. Nicht zu verwechseln mit Namordad = Untod
Alef Aytan (Levthan): Sohn Radschas mit einem Sterblichen. Männlichkeit, Potenz, fleischliche Lust, manchmal auch Hirtentum. Einige behaupten er hätte sich an seiner (Halb-)Schwester Atvarya vergangen und wurde deswegen von Ormazd bestraft.
Atvarya (Satuaria): Tochter Ormazds und Radschas, Fruchtbarkeit, Leben, Heilung, Saat, Familie. Zusammen mit dem Licht ihres Vaters lässt sie Felder gedeihen. Gerade bei den einfachen Bauern eine der bedeutendsten Gottheiten.
Aveschan (Aves): Reise, Handel, Abenteuer, Gastfreundschaft (auf die auch der Reisende angewiesen ist), Vater vieler tulamidischer Abenteurer, etwas lüstern, Feqzens und Rahjas Sohn

Restlichen Zwölfgötter
Im Allgemeinen erkennt man die restlichen Zwölfgötter als Götter an auch wenn man im Falle von Tsa und Hesinde sich nicht sicher ist, ob es sich auch um gute Götter oder Diener Ahrimans handelt. Unten aufgeführte Götter genießen allerdings nur in Ausnahmefällen Verehrung. Ihre Aspekte werden von anderen Göttern (jeweils aufgeführt) abgedeckt:
  • Travia: Atvarya (Mutter, Familie) und Aveschan (Gastfreundschaft), sehr selten Radscha (frisch verheiratete Frauen oder Liebende die um die Gunst ihres Ehepartners/-partnerin fürchten), Treue und Höflichkeit (Ormazd)
  • Boron: Mahar Bor. Die Aspekte Rethons nehmen Ormazd und Feqz wahr
  • Hesinde: Ormazd und Feqz (Weisheit), bei der Magie Feqz/Mahda, die Kunst wird von Radscha und im Falle handwerklicher Kunst auch von Angrosh beansprucht
  • Firun: Rondra, sehr selten Feqz (wenn die Beute eine Echse oder ein Drachen ist)
  • Tsa: Atvarya, selten Mahar Bor (Unsterblichkeit)
  • Peraine: Atvarya, Fruchtbarkeit auch Radscha und Alef‘Aytan
Ideen für Bräuche, kultische Handlungen und Aberglauben

Die Namenlosen Tage: Während der Namenlosen Tage ist es Brauch, nach Möglichkeit das Haus des ältesten bekannten Verwandten aufzusuchen (immerhin hat dieser am häufigsten der Macht Ahrimans widerstanden) und die Tage gemeinsam zu verbringen. Mittels Licht versucht man die Macht Ahrimans zu schwächen und so ist es Brauch in dieser Zeit alle Räume auszuleuchten. Nach den Namenlosen Tagen ist es Brauch, dass man sich innerhalb von 12 Tagen gegenseitig besucht. Jeder Besuch muss von der anderen Partei erwidert werden und man dankt und lobpreist Ormazd, dass er erneut die Macht seines verräterischen Bruders zerschlagen hat.

Erster Praios: In einigen Dörfern ist es Brauch am ersten Praios leuchtend rote Gewänder zu tragen, laut singend und musizierend durch das Dorf zu ziehen und dabei Fröhlichkeit und Heiterkeit zu verbreiten. In anderen Dörfern findet dagegen zur Mittagszeit in der gleichen Tracht ein Schwerttanz statt. In beiden Fällen bezeichnet man die Rotgewandteten als Hadji Piruz, was so viel wie der „ehrenwerte Meister des Sieges“ bedeutet.
Am späten Abend werden mehrere Lagerfeuer entfacht. Gerade von den jungen (sündigen) Menschen wird erwartet, dass diese über das Feuer springen und die bösen Divs und Shaitans (mindere und gehörnte Dämonen), die sich an sie geheftet haben, in der reinigenden Flamme und Hitze des Feuers zu Grunde gehen. Umso größer das Feuer, umso größer vermutet man ist seine Macht, was bei übermütigen Jugendlichen schon das ein oder andere Mal zu leichten Verbrennungen geführt hat.

Zisdah be dar (zum Dreizehnten aus der Tür): Am dreizehnten Praios (Ormazd) wird das Haus verlassen und der Tag draußen verbracht. An diesem Tag befinden sich die letzten bösen Geister im Haus und man will nicht als Ziel dieser Geister fungieren. Es ist Brauch an diesem Tag den Bal Mhanad oder zumindest einen Fluß aufzusuchen und ihm einige Pflanzen zu opfern, in dem man diese in ihn wirft.

Abschied: Begibt sich ein Familienmitglied auf eine längere Reise ist es üblich unter das Wagenrad, den Huf des Pferdes oder im Zweifelsfall dem Stiefel des Reisenden ein Echsenei zu zerquetschen und somit ein (ungeborenes) Echsenleben zu opfern. Dieser Brauch stammte wohl noch aus den frühen Anfängen der tulamidischen Geschichte und sollte so die Macht der Echsen schwächen. An dem Gerücht, dass von einem Sultan der sich auf Reisen begab, erwartet wurde ein Drachenei zu opfern, darf jedoch getrost gezweifelt werden.

Rückkehr: Kommt ein Reisender nach einer langen Reise zurück nach Hause wird ein Tier geopfert/geschlachtet und mit seinem Blut Schutzzeichen vor der Haustür (auf dem Boden) gezeichnet. Dieser Brauch ist in der Rondra- und Korkirche in abgewandelter Form immer noch bekannt. In einigen vor allem städtisch geprägten Gegenden wird dieser Brauch als primitiv angesehen und nicht mehr praktiziert. Die Opferung hat aber auch recht pragmatische Gründe: Das frische Fleisch kann von dem (evtl. von der Reise geschwächten) Heimkehrer direkt genossen werden. Außerdem stehen Leder oder Fell für neue Kleidung zur Verfügung (die alte Kleidung oder auch Schuhe mögen durch die Reise verschlissen sein)

Basiliskentag (18.Phex): An diesem Tag kleiden sich junge Krieger (meistens Männer) in schwarze Gewänder und schwärzen auch ihre Gesichter und Waffen, um Jagd auf alles Echsische zu machen. Streng tulamidische Khorgläubige ziehen über roten Gewändern Schwarze an und folgen diesem Beispiel.

Weihrauch / Böser Blick: Dem Glauben der Tulamiden nach sollte man nicht zu sehr das Glück, die Gaben oder den Wohlstand einer anderen Person preisen. Das zieht nämlich den Blick böser Geister an. Hat man dies zu häufig getan, oder vermeint man den Neid und den bösen Blick anderer zu verspüren, so muss man das Ziel dieses Neides mit Weihrauch einsegnen. Der spezielle Weihrauch enthält einiger Körner, die mit etwas Phantasie an (geschlitzte, sprich „echsische“) Augen erinnern. Dieser Weihrauch wird entzündet und über dem Kopf des Ziels geschwungen. Währenddessen werden Bannflüche gegen den bösen Blick ausgesprochen und Feqzens Segen (der Verschleierung) erbeten. Dabei bildet der Weihrauch natürlich Rauchschwaden, die min. das Gesicht des Ziels verhüllen. Außerdem verbrennen die „Augen“ (sprich Körner) explosionsartig was von einem knackenden Geräusch begleitet wird. Dies wird, recht martialisch, als Platzen der Augen der Feinde interpretiert.

Hochzeit

Die tulamidische Hochzeit umfasst nicht nur den reinen Akt der Vermählung, sondern ist ein über die Jahrtausende gewachsener Prozess, der sich im Detail von Region, ja sogar von Sippe zu Sippe unterscheidet und dennoch einige Gemeinsamkeiten aufweist. Die tulamidische Hochzeit umfasst folgende Aspekte:

Khaztegari - Die Brautschau
Je nach Region kennt sich das Brautpaar schon vorher und leitet und plant gemeinsam die Brautschau oder die Eltern wählen den oder die Partnerin für ihr Kind im Rahmen der Brautschau aus. Immer sucht beim ersten Mal die Familie des Mannes die der Braut auf. Beide Parteien versuchen ein wortgewandtes Familienmitglied oder einen ebensolchen Freund zur Brautschau einzuladen, damit eben jener die Tugenden des Kindes in allem Maße lobt. Die Familie des Mannes bringt immer symbolisch Gebäck (Süße) und Blumen (Jugend und Schönheit), selten auch Schmuck (Reichtum des Mannes) mit. Das Treffen dient dazu, dass die Familien, nicht zwingend das zukünftige Brautpaar, sich kennen lernen. Daneben werden die Ausbildung, Tugenden und der Charakter der beiden erörtert, insbesondere steht in diesem ersten Termin allerdings der Mann um Fokus und muss sich dem Urteil der Eltern der Frau und ihrer selbst stellen. Die Stufe des Khaztegari ist meist nicht bindend, es wird in der tulamidischen Gesellschaft eher wie ein förmlicher Besuch gewertet. Unabhängig davon, ob das Khaztegari der Frau oder ihrer Familie zugesagt hat, wird ein Gegenbesuch der Familie erwartet. Das Ausbleiben eines solchen Gegenbesuchs, stellt einen Gesichtsverlust der Familie des Mannes dar, sollte dies herauskommen und ist meistens Grund einer generationenübergreifenden Familienfehde. Die Anzahl von Khaztegaribesuchen ist nicht limitiert, doch deutet eine höhere Anzahl meist Unsicherheit oder, dass nachfolgende Schritte vorgegriffen werden, da sie sich als problematisch darstellen. Je nach Region sind weitere Khaztegaribesuche auf der anderen Seite üblich und haben recht blumige Sonderbezeichnungen.

Baleh Boran- Das Ja einholen
Wenn es zum „Ja-Einholen“ kommt, wird es langsam Ernst. Denn eine Zusage an diesem Tag wird als Interesse der Frau zur Hochzeit verstanden (der Mann zeigte sein Interesse bereits beim Khaztegari). Es ist üblich, dass das Paar im Haus der Frau etwas Zeit zu zweit in einem eigenen Zimmer bekommt. In strengen Regionen wie Thalusien erblickt so der Mann die Frau zum ersten Mal unverschleiert. Ist man sich an der Stelle noch einig, geht man meistens gemeinsam durch die Ortschaft spazieren. Auch hier geht das Paar voran gefolgt von den Eltern oder einigen Anstandsdamen. Was in Khunchom wahrscheinlich nicht einmal auffällt, stellt auf dem Land schon fast eine Art Verlobung dar. Denn die Gemeinschaft erfährt nun, dass das Paar den Bund eingehen möchte. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Rückzug für beide Partner zwar möglich, verursacht aber allerlei Gerede und man sollte tunlichst vermeiden mehr als einmal von einem eingeholten Ja abzuweichen (dies gilt sowohl für den Mann als auch die Frau).

Namsadi - Die Verlobung

Zu diesem Anlass wird sehr häufig ein Geweihter eingeholt. Am beliebtesten sind aufgrund ihrer Bildung und Erfahrung in derlei Angelegenheiten Feqzgeweihte, aber auch andere Geweihte sind möglich, wenn sonst keine vorhanden sind (vor allem auf dem Land) oder man einem bestimmten Kult sehr verbunden ist (vor allem in der Stadt). Hier wird der Rahmen der eigentlichen Hochzeit und insbesondere die Höhe der Morgengabe, wie auch die Aussteuer und eine etwaige, häufig von den Eltern gestellte, neue Bleibe für das Haus abgesprochen. Bedauerlicherweise hat jede Sippe ihre eigenen Bräuche, auch wer die Kosten für die Feier zu tragen hat, so dass schon eines fast göttlichen diplomatischen Bedarf, um die Ehe nicht an derlei Dingen scheitern zu lassen. Die Morgengabe jedoch wird immer vom Mann gestellt. Meistens wächst sie im Laufe der Jahre, oder wenn dem Paar Kinder geboren werden. Die Morgengabe wird zum Teil direkt während der Hochzeit in Form von Schmuck an die Frau entrichtet oder in seltenen Fällen der Feqzkirche zur Verwahrung überlassen. Im Falle des Ablebens des Mannes bezieht die Frau immer zuerst die Morgengabe aus dem Vermögen des verstorbenen Mannes. Erst dann wird sein Erbe ausgeschüttet. In Thalusien hat die meist keinem Gewerbe nachgehende Ehefrau ein Anrecht auf die Morgengabe im Falle der Scheidung, was auch peinlichst genau eingehalten wird. Wurde eine Einigung erzielt wird diese vom Geweihten festgehalten und mittels eines Schwurs von beiden Parteien bekräftigt. Feqzgeweihte berechnen auf Basis der Horoskope des Paares mehrere segenreiche Termine, von denen häufig das Paar dann eins auswählt. Gemäß einer alten Tradition ist es üblich, dass das Brautpaar im Anschluss um seinen Ring feilscht. Bei einigen Sippen ist es üblich dann noch eine größere Verlobungsfeier zu feiern.

Hana Bandan - Die Henna Nacht
In der Henna Nacht, die meist einen Tag vor der der eigentlichen Hochzeit stattfindet, treffen sich die Freundinnen der Braut, manchmal auch eine Radscha- oder Tsageweihte im Haus der Braut. Je nach Region wird hier das Henna auf unterschiedliche Weise vorbereitet, damit es eine kräftige meist rötliche Farbe beibehält. Danach wird das Henna zuerst auf der Haut aufgetragen. Hier immer auf den Händen, gelegentlich auch auf den Unterarmen und Füßen, sehr selten auf anderen Körperstellen. Die rote Farbe auf der Haut steht eigentlich für Radscha, weswegen, neben rein kunstfertigen Applikationen, vor allem mit Radscha verbundene Symbole aufgetragen werden. Beliebt sind hierbei auch stilisierte Blumen (da diese auch für Tsa stehen). Manchmal werden auch tsagefällige Motive die für Fruchtbarkeit stehen gezeichnet. Einige Frauen lassen sich auch einige Strähnen oder alle Haare mittels Henna rot färben. Rot gefärbte Haare sollen an das Fell eines Fuchses gemahnen und Glück bringen. Mittlerweile werden fürs Auftragen Instrumente (wie bspw, sehr feine Pinsel) benutzt, aber in der Vergangenheit kam man (gerade um die Haare ordentlich zu färben) nicht umhin auch seine Finger zu nutzen, weswegen die Freundinnen am Hochzeitstag rot gefärbte Fingerkuppen hatten und man hierdurch die Freundinnen der Braut gut erkennen konnte. In Anlehnung dessen, werden heute die Fingerkuppen der Freundinnen manchmal auch mit kleinen Verzierungen bedeckt. Dabei sitzt man den Tag und manchmal die Nacht zusammen, unterhält sich, lacht und feiert im kleinen Kreis.

Das Hochzeitsfest
Ort der Veranstaltung


Zofrehe Aghd – Der Hochzeitstisch
Der Sofrehe Aghd (Hochzeitstisch) umfasst mehrere symbolische Gegenstände, die die Aspekte verschiedener Gottheiten wiederspiegeln, deren Gunst man für das Brautpaar erlangen möchte. Häufig sind auch viele symbolische Speisen auf dem Sofreh, die das Brautpaar nach der Zeremonie an ihre Gäste verteilt.
  • Der Mondsilberspiegel, auch Spiegel des Glaubens (Mada, Feqz): Der Mond stellt das Zeichen Feqzens und Madas gleichermaßen dar. Er symbolisiert die Reinheit Madas und das Licht, dass sie den Menschen in der Nacht spendet und gleichzeitig, dass der Herr der Nacht über die Menschen wacht. Die wenigsten heutigen Spiegel sind tatsächlich aus Mondsilber, das speziell und aufwendig präpariert werden muss, um eine solch spiegelnde Oberfläche zu erhalten. Ist dies doch der Fall handelt es sich in diesen Fällen, um uralte über Generationen vererbte Kostbarkeiten, denen sogar eine gewisse Magie nachgesagt wird. Viele nehmen mittlerweile stattdessen einfachere Spiegel. Das Brautpaar setzt sich auf zwei für sie bereit gestellten meistens nicht allzu hohen Sitzmöglichkeiten (bspw. Kissen) und blickt gemeinsam in den Spiegel. Dabei betritt in einigen sehr traditionellen Gebieten die Frau mit einem Schleier den Raum und lüftet diesen erst vor dem Spiegel. Der Spiegel ist so aufgestellt, dass das die Braut ausschließlich ihrem Bräutigam sieht und der Bräutigam ausschließlich seine Braut. Bis heute halten sich die Gerüchte, dass diese Tradition darauf fußt, dass unheilige Kreaturen kein Spiegelbild haben oder der Spiegel das wahre Antlitz des Partners offenbart…
  • Die Kerzen (Angrosch): In der Regel werden von einem handwerklich begabten Familienmitglied zwei Kerzenständer eigens für die Hochzeit hergestellt. Auch wenn Mann und Frau in der tulamidischen Gesellschaft unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, so ist man sich doch einig, dass das Licht ihrer Seelen gleich hell leuchtet. Symbolisiert wird diese Gleichwertigkeit dadurch, dass beide Kerzen, je eine auf jeder Seite des Paars, genau gleich hoch sind. Die Kerzen werden kurz vor der eigentlichen Zeremonie vom Geweihten mittels eines Feuersegens entzündet.
  • Brot (Peraine oder Tsa): Es handelt sich um einfaches Brot, wie bspw. Lavash, auf dem mittels Erhitzung kalligraphisch meistens ein Göttername aufgeführt wird. Es soll vor Hunger und Armut schützen.
  • Geldmünzen (Feqz): Die meist in einem Kelch aufbewahrten Münzen (selten Edelsteinen, dann aber Türkise) symbolisieren Reichtum und Wohlstand, den man sich fürs Brautpaar wünscht.
  • Buch (Hesinde): Relativ zentral ist ein Buch aufgestellt. Häufig handelt es sich um ein religiöses Buch, aber auch romantische Texte berühmter Künstler oder uralte historische Texte, die von der Vergangenheit der Sippe kündigen, sind häufig zu sehen. Meistens ist das Buch aufgeschlagen und die aufgeschlagene Seite hat etwas mit dem Brautpaar zu tun oder soll einen weisen Ratschlag vermitteln. Das Buch steht natürlich für Weisheit und Bildung, aber auch Bewahrung alter Weisheiten und Künste.
  • Das Nähkissen (Travia): Eine eher jüngere Tradition, ist die des Nähkissens. Nichts fürchtet die junge verheiratete Braut mehr, als eine geifernde Schwiegermutter, die sich in alle Angelegenheiten der neuen Familie einmischt und einem jede Freude rauben möchte. Aus diesem Grund wird von der besten Freundin der Braut oder einer geschickten Näherin provisorisch und recht martialisch der Mund der Schwiegermutter zugenäht. Naja, symbolisch, natürlich wird das, erstaunlicherweise immer orangegefärbte, Kissen stellvertretend ordentlich bestickt.
  • Bilder & Figuren (Maha Bor, Zulhamid & Zulhamin): Um auch die Toten zur ehren von denen man abstammt, werden Figürchen oder, wenn vorhanden, kleinere Portraits der Verstorbenen aufgestellt. Auch Figuren Zulhamids & Zulhamins sind nicht unüblich. Damit bittet man seine Vorfahren über das Brautpaar zu wachen, auf dass sie die Linie der Familie fortsetzen. Üblicherweise werden die Ahnen der Sippe aufgestellt, denen das Paar zugehörig ist, was fast immer die Sippe des Mannes ist.
  • Speisen (verschiedene Götter, vor allem Fruchtbarkeitsgöttinnen): Es werden allerlei Speisen, insbesondere regionale Früchte (Äpfel, Granatäpfel, Arangen..) und Süßigkeiten (Baghlava, Noghl, Gebäck..) aufgetischt, auch wenn der Tisch nicht überladen wird. Sie stehen für Fruchtbarkeit, aber auch Süße und sollen den Segen der Götter herbeirufen, da man dies Speisen immer mit seinen Gästen teilt. Sie werden vom trauenden Geweihten mit einem Speisesegen belegt. Falls Getränke vorhanden sind (vor allem in Küstenregionen und an den großen Flüssen), werden auch diese mittels Tranksegen gesegnet.
  • Radschas Zelt der Leidenschaft (Radscha): Über dem vor dem Sofreje Aghd sitzenden Brautpaar wird ein seidener Schleier gehalten, der Radschas Zelt symbolisiert. Häufig ist dieser mit silbernen Verzierungen geschmückt, die den schützenden Sternenhimmel darstellen sollen. Gelegentlich ist auch das Sternbild der Stute oder der Echse darauf appliziert.
Die eigentliche Trauung
Der Schleier wird von den mindestens vier unverheirateten Freundinnen oder Schwestern (den Brautjungfern) des Brautpaars, aus deren Mitte nun das Brautpaar entlassen wird, gespannt und gehalten. Während der jeweils nun drei nachfolgenden Fragen, reiben glücklich verheiratete Frauen zwei, je fingerbreite, Zuckerstangen gegeneinander, so das feiner Zucker auf den Schleier rieselt. Hierdurch soll die Süße ihres Eheglücks auch auf das künftige Paar übergehen.
Braut und Bräutigam werden währenddessen je drei Fragen gestellt. In einigen Regionen ist es üblich, dass ein männlicher Geweihter einer männlichen Gottheit dem Mann die Fragen stellt und eine weibliche Geweihte einer weiblichen Gottheit der Frau. Falls gerade kein Geweihter zur Verfügung steht, übernehmen die Sippenältesten oder die eigenen Eltern diese Funktion und die sakrale Trauung wird nachträglich vollzogen
Der zu trauende Geistliche stellt zuerst dem Mann 3 Fragen. Die Fragen variieren je nach Gottheit, bei allen Gottheiten ist aber mindestens die letzte Frage, die ob der Mann die Frau ehelichen möchte. Der Mann muss hierbei Entschlossenheit ausdrücken und alle Fragen mit einem entschlossenen Ja beantworten. Feqzgeweihte, erlauben sich hierbei gerne auch einen Scherz im Namen ihres schelmischen Gottes und „nutzen die Situation aus“ in dem sie auch eine lustige Frage stellen, die der Mann auch entschlossen mit einem Ja beantworten muss. Da dies allgemein ein freudiges Ereignis ist, haben auch Geweihte anderer Götter diese Sitte aufgegriffen.
Nachdem dem Mann die Fragen gestellt wurden, ist die Frau dran. Die Braut muss sich ihrer eigenen Bedeutung bewusst sein und ihre Entscheidung wohl überlegen. Dies drückt sie aus, in dem sie auf die ersten zwei Fragen nicht antwortet. Parallel kommt dann wieder das feqzgefällige ins Spiel und die Gäste versuchen die Braut mit lustigen Antworten zu „decken“. Am beliebtesten ist die Ausrede, dass die Braut nicht da ist, weil sie gerade Blumen pflückt. Das Blumenpflücken drückt die jugendliche Unschuld der Braut aus und knüpft den Bezug zu Tsa. Auch bei der Braut ist die letzte Frage, ob sie ihren Bräutigam ehelichen möchte, was sie nun auch mit einem entschiedenen und wohlüberlegten Ja beantworten muss. Ist auch dies der Fall sprechen der oder die Geweihten den Segen über die beiden. Nochmals final besiegelt wird dies durch eine erneute symbolische Handlung. Dem Brautpaar wird ein Gefäß mit Honig überreicht. Beide tunken ihren Zeigefinger nacheinander in das Gefäß und lassen den Partner kosten. Dies symbolisiert dass sich die beiden zukünftig mit (süßer) Liebe nähren werden. Dass diese Geste auf Bräuche des Mokoscha Glaubens fußt ist mittlerweile nicht mehr bekannt und wird eher Radscha zugeschrieben.
Dass Brautpaar, dass nun von der allumfassenden Liebe zueinander erfüllt ist, gibt dieses Gefühl nun symbolisch auch wieder an die geliebten Gäste weiter. Hierbei verteilen Braut und Bräutigam gemeinsam, sozusagen als erste gemeinsame Handlung wieder Süßigkeiten. Häufig handelt es sich um in Blumen- oder Herzform gepressten Zucker. Eher seltener ist süßes Gebäck wie (honiggetränktes) Baghlava, denn das wird noch am Abend an die Gäste verteilt.

Der Ausruf
Dann haben die Gäste die Gelegenheit dem Brautpaar ihre Geschenke zu überreichen. Hierfür gibt es eine Art „Schatzmeisterin“, häufig ein oder mehrere Geschwisterteile des Brautpaares, bevorzugt von jeder Seite jeweils ein Geschwisterteil. Die Geschenke werden erst einmal von der Schatzmeisterin gesammelt. Gäste, die in ihren eigenen Augen ein zu geringes Geschenk übergeben haben, übergeben dieses erst nach dem „Ausruf“. Der Ausruf ist für die meisten Mittelreicher bis heute suspekt geblieben, ist aber eine feste Tradition der feqzgläubigen Tulamiden. Es werden nämlich nacheinander von beiden Seiten die Geschenke ausgerufen und den anderen präsentiert. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Auktion, nur dass hier nichts verkauft wird. Tulamiden sehen das nämlich als wertschätzend (in beide Richtungen) an und sind stolz, wenn ihre Großzügigkeit so auch anderen kundgetan wird. Es ist üblich, dass die Geschenke der Eltern des Brautpaars als erstes vorgestellt werden, in fast alle Fällen sind dies auch die prächtigsten und wertvollsten Geschenke. Üblich ist, dass die Eltern bei diesem Ereignis die Lebensgrundlage der beiden finanzieren. Sei es ein Haus, eine Herde oder ein beträchtliches Vermögen (dies wird natürlich der Schatzmeisterin dann gesagt oder auf einem Zettel oder Urkunde aufgeschrieben, symbolisch wird dann als „kleine“ Ergänzung ein kostbares Schmuckstück repräsentativ hinzugelegt). Dann kommen nacheinander die anderen dran, meistens in Reihenfolge des Verwandtschaftsgrades. Den Abschluss stellen die Geschenke der beiden Schatzmeisterinnen dar, die dann von der jeweils anderen vorgestellt werden (manchmal steuern auch hier die Eltern was bei, wenn die Geschwisterchen allzu jung sind und keine kostbaren Geschenke stellen konnten). Tulamiden schöpfen bei den Geschenken in der Regel aus dem Vollen. Dies hat einen recht praktischen Nutzen, da die anfänglich hohen Ausgaben des Brautpaars von der Gemeinschaft bereitgestellt werden. Das Brautpaar revanchiert sich dann, wenn es seine eigenen Geschenke bei der Hochzeit der anderen oder deren Kinder zurückzahlt.

Tanzen
Tanzen ist elementarer Bestandteil einer Hochzeitsfeier! Dabei muss jeder möglichst viel und oft tanzen. Um die Gäste zusätzlich dazu zu animieren haben sich zwei Vorgehensweisen etabliert. Nahe weibliche Verwandte fordern quasi jeden, teils mittels verführerischer Praktiken, auf zu tanzen und führen diese dann bestenfalls in Gruppen zusammen. Männliche Mitglieder, insbesondere die Väter des Brautpaars dagegen "belohnen" die Tanzwilligkeit mittels Geld. Einige haben dafür dutzende von Münzen an Bänder gebunden und hängen diese den Tänzern beim "vorbeitanzen" den Tänzern an. Da sich der Buchdruck zunehmend verbreitet, werden aber auch Geldscheine bedruckt und stattdessen verteilt, deren Geldwert häufig im Feqztempel hinterlegt isst. Auch das Brautpaar, was quasi ständig tanzen muss wird mit solchen Geschenken bedacht. Wenn man beim Ausruf evtl. nach eigener Ansicht zu wenig gegeben hat, kann man das so nachholen. Wenn man das Brautpaar mit Geschenken bedenkt ist es üblich dieses zumindest anzutanzen und mit tänzerischen Bewegungen das Geschenk zu überschreiten. Prinzipiell gilt umso mehr man tanzt, umso eher freut man sich für die beiden. Im Gegensatz dazu kann man seinen Unmut über die Hochzeit, durch wenig bis gar keinen Tanz ausdrücken. Davon ausgenommen sind ältere Personen. Grundsätzlich erwartet man von Jüngeren natürlich ein größeres "Durchhaltevermögen". Wenn man nicht besonders gut tanzen kann ist es im Übrigen völlig in Ordnung mittels klatschen und lauten Rufen, die anderen auf der Tanzfläche anzuheizen ohne selbst zu tanzen. Dann hat man quasi auch "seine Pflicht erfüllt".

Rakhse Tschaghu - Der Tanz des Messers
Der Rakhse Tschaghu (Tanz des Messers) wird von einer ausgewählten Tänzerin oder einem ausgewählten Tänzer ausgeführt, der Rest des Saals ist meistens während dieser Zeit ruhig. Wer diese Person ist, ist sehr unterschiedlich. In den allermeisten Fällen ist es die beste Tänzerin der Sippe, manchmal auch eine Radschageweihte oder ein sonstiger professioneller Tänzer. Das speziell, vor allem mit seltenen Blumen verzierte Messer wird tänzerisch von einer Ecke zum Brautpaar geführt und dabei im Tanz eingebunden. Üblich sind tippelnde Schritte und dezente, aber geschickte Hüftbewegungen, die zu den leicht anliegenden Armen am besten passen. Das Messer wird meistens mit beiden Händen, je eine Hand auf einer Seite, gehalten und ausreichend präsentiert. Die Tänzerin lässt sich dabei ausreichend Zeit, tippelt auch manchmal zurück oder zieht Kreise. Dann wird noch einmal neckisch das Messer ein, zwei Mal dem Brautpaar vorenthalten, in dem das Messer im letzten Augenblick zurückgezogen wird. Danach nimmt das Brautpaar das Messer entgegen und bedeckt die Tänzerin mit Wangenküssen und Umarmungen. Auch hier wird ein "Tanzgeld" (mitunter das höchste) überreicht. Häufig eine kostbare alte Münze. Angeblich werden diese Münzen gesammelt und bilden einen Münzschmuck erfolgreicher Tänzerinnen, die über Generationen weitervererbt werden und um die Hüfte getragen werden.
Das Messer wird dann verwendet um, als Brautpaar gemeinsam, das Gebäck (teilweise vom Sofrehe Aghd) anzuschneiden und den Gästen zu servieren.

Speisen zur Hochzeit

Armenspeisung

Pahtakhti – der Eintritt/Einzug ins Haus - Ein Tag im Zeichen Radschas und Feqzens
An diesem Tag steht das (in der Regel neu bezogene Haus) des Paars ausschließlich der Braut zur Verfügung. Alle Freundinnen der Braut (ausschließlich Frauen) suchen nun das Haus auf und bringen, häufig selbst erstellte, kleine Geschenke. Danach wird den restlichen Tag gefeiert, sich unterhalten und getanzt. Häufig wird auch dem Wein im Zeichen Radschas gehuldigt.
Der Mann dagegen sucht abends, wenn es dunkel ist, im Schutze des Feqz sein eigenes Elternhaus auf. Er verbringt den Abend mit seiner Familie, die schützend über ihn wachte. Häufig gibt ihm der Vater noch Ratschläge für sein zukünftiges Leben und betet zusammen mit seinem Sohn zu Feqz, dass er auch fürderhin seine schützende Hand über seinen Sohn hält und sein Glück anhalten mag. Spät in der Nacht schläft der Sohn im Schlafzimmer seiner Eltern. Dies soll ausdrücken, dass er ein letztes Mal das „Kind“ seiner Eltern ist. Wenn er am nächsten Tag dann das Haus seiner Eltern verlässt, meist begleitet von einem tränenreichen Abschied, gilt er als erwachsener Mann, der nun die Verantwortung für seine eigene Familie trägt.

Madersan Durud / Madersan Salam – Der Schwiegermuttergruß

Nach dem der Mann das Haus seiner eigenen Eltern verlasen hat. Sucht er die Mutter seiner Frau auf. Er lobpreist die Weisheit und Schönheit seiner Frau und dankt der Schwiegermutter dafür, dass sie eine so wunderbare Tochter erzogen hat. Um seinen Dank zu untermalen, ist es auch hier üblich der Schwiegermutter etwas symbolisch Schönes und Blumen zu schenken.

Beispiel aus der Forenaktion
Schon immer gehörte mein Herz ihr, doch als ich noch jung und sorglos war, da gierte das Feuer in mir, ihrer andächtig zu werden. Bei einem selbstzugewiesenen Botengang zu ihrem Sippenhof stand ich vor der traditionellen Tür mit den zwei Türklopfern. Einer war zierlich, der andere schwer und klobig. Der Anstand gebot den Männern den schweren zu nutzen, damit die Frauen sich dem Blick entziehen konnten, wenn ein fremder Mann ihren Sippenhof betrat. Feqz verzeih mir den simplen Trick, doch ganz plötzlich vergaß ich die Bewandtnis der Türklopfer und nutzte den Grazilen, dessen heller Klang, einen unerwarteten Besucher ankündigte. Stürmisch betrat ich den Sippenhof und auch wenn ich Fluch und Schande auf meinem Haupte ertrug, so war mir vergönnt, ihr Antlitz in all ihrer Schönheit zu erblicken und auch sie bedachte die Sittsamkeit mit der Schnelligkeit Rashtuls, als sie nur langsamen Schrittes den Sippenhof verließ, während ihre von Feuer gezeichneten Lippen mir ihr Lächeln schenkten.
Bald darauf, galt mein Blick erneut ihren Schritten und während sie durch die Straßen spazieren ging, vergingen Stunden bis ihr Mund mir ihre perlenweißen Schätze im Lächeln zeigte. Doch ihre Gunst galt mir immer öfter und dem Wind trugen wir in leisem Flüstern unsere Worte und Gedanken auf, denn unsere Väter waren sich in der Vergangenheit nur im Streite einig. Wirklich nahe kamen wir uns auf dem Basar, bei den Tuchhändlern, die ihre teuren Stoffe im gelb aus dem Herzen des Safrans und dem rot seiner Blüte gefärbt hatten. Die Schleier, waren uns Radschas und Feqzens Geschenk gleichermaßen und ermöglichten mir das Feqzensstück, ihrer sanften Berührung Begünstigter zu sein. Lange wäre dies so weitergegangen, hätte mein Onkel der Falkenäugige uns nicht erspäht und mich ermahnt, der Tugend meiner Liebsten zu gedenken. Noch einmal traf ich sie, außerhalb der Sitten, um unser Werk vor Feqz zu besprechen um darauffolgend Rat mit unseren Eltern zu halten.
Meinen Glaubensbruder, der wie ich unter dem besonderen Schutz des Nachtherren stand, berief ich als meinen treuen Verbündeten ein und auch meine Liebste tränkte mit Honig ihre Lippen, als sie die Brautschau ankündigte und mir die Erlaubnis zuteilwurde um ihre Hand anzuhalten. Wir suchten das Haus ihrer Familie auf, reich beladen mit süßem Gebäck, seltensten Blumen und feinstem Geschmeide. Mein treuer Freund lobte meine Tugenden in solchem Maße und Geschick, dass selbst ihr Vater andächtig nicken musste. Doch auch ihre Tugenden standen den meinen in nichts nach, war sie nicht nur von Radscha, sondern auch von Feqz und Hesinde in gleichem Ausmaß gesegnet. Meinem Vater den ich unter Tsas Segen um Mäßigung gebeten hatte, setzte seine Vaterpflicht vor seinen Stolz und erwies mir ebenfalls teuren Dienst. Als ihre Familie beim Gegenbesuch unser Haus aufsuchte, da geizte er nicht an Höflichkeit und vollzog selbst den Schankdienst vor ihrer Familie. Den kostbarsten Wein Eslams von Al'Madas, eine Komposition aus Göttergaben und Magie opferten wir der Nacht im Zeichen der Versöhnung.
Das nächste Mal, als wir sie besuchten, um das Ja einzuholen (Baleh Boran), war an einem sonnigen Tag und nach der Zusage legten wir Zeugnis vor unserer Gemeinschaft ab, als wir gemeinsam durch die Straßen spazierten, während uns unserer Verwandten im gebührlichen Abstand folgten. Bei den Tuchhändlern hielten wir inne und im rot und gelb der Schleier bedachte ich ihre Hand mit einem sanften Kuss.
Ein treuer Diener des Herren des Nachthimmels begleitete uns zur Verlobung. Gemäß den Bräuchen legten wir vor Feqz die gegenseitigen Verpflicht-ungen und auch die Höhe der Morgengabe fest. Als meine Liebste nachfragte, so schalte sie ihr Vater, doch ich bat ihn sie gewähren zu lassen, denn ihr Nachfragen zeigte nur ihre Weisheit und ich hatte kein Dummchen zu meiner zukünftigen Partnerin erwählt. Was für ein Mann und Vater sollte ich denn sein, wenn ich nicht im Falle meines Ablebens meine Familie gesichert wüsste. Und so war meine Morgengabe von Feqz gesegnet, beachte die Macht der 9 und auch die befreundeten Zahlen 220 und 284 hielten Einzug in die Gabe, so dass sie ohne Fehl war. Doch in einem Punkt waren die Traditionen unserer Sippen so verschieden, dass es schien als würde Kor selbst Radschens mühseliges Werk zunichtemachen wollen. Denn in meiner Sippe war es üblich, dass die Familie des Mannes die Feier, sowie auch die Aussteuer zahlte und genau andersrum verhielt es sich in der Sippe meiner Zukünftigen. Doch auch hier erwies sich mein Glaubensbruder, der mich begleitet hatte, als wertvoller Berater. Es war nämlich Mode in der Familie meiner Braut geworden ausländische Künstler einzuladen, während es meine Familie kränkte, wenn man ihr die Kosten nicht zutraute. Und so legte die Familie meiner Frau die Künstler fest, die aus Zorgan und Khunchom einberufen wurden und dem Stolz meiner Familie wurde auch Genüge getan, als sie die Kosten für diese übernehmen sollten. Die Aussteuer sollten beide Sippen im Rahmen des Eintritts (Pahtakhti) beisteuern.
Um die Tradition des Feilschens vor Feqz zu ehren, verlangten wir gegenseitig noch ein Schmuckstück für den jeweils anderen. Da sie nicht von Adel war, untersagte ihre Tradition, dass ich ihr ein Schmuckstück aus Gold schenkte, doch wie konnte ich die Königin meines Herzens mit weniger, als den edelsten Metallen bedenken. Doch meine schlaue Geliebte wusste einen Ausweg und verlangte ein Geschenk einer Fürstin der Füchse würdig. Und so schmückte ich ihre Finger mit dem lauteren Silber des Mondes, das ein jedem gestattet war, der den stolzen Preis zu zahlen bereit war und sie vergalt es mir gleichermaßen im Guten, so dass unsere Finger fortan unsere Ehe vor dem Mond bezeugen sollten.
Meine Großmutter, begleitet von einigen Abenteurern, war aus Gorestan selbst aufge-brochen, um den Hochzeitsspiegel und kostbarsten Schatz unserer Familie zu unserer Hochzeit zu bringen. Gepriesen sei sie und möge Marbo ihr die Sicht auf uns gewähren und an unserem Glück teilhaben lassen, jetzt da sie nun von uns geschieden ist. Der Hochzeitstisch war reich geschmückt und auch wenn die Braut sich der Sippe des Mannes anschließt, so ehrten wir ihre Ahnen, in dem wir auch ihre Ahnenstatuen aufstellten.
Meine Liebe selbst, die ich erst im Spiegel erblickte, war gekleidet in einem reinen, lauteren silberweiß, während die Brautjungfern die den Radschen-schleier über uns hielten in radschagefälligen rot und rosatönen gekleidet waren. Die Fingerkuppen der Brautjungfern waren rot vom Henna, da sie die Nacht davor meine Liebste im Zeichen Radschas gezeichnet hatten. Die glücklich verheirateten Frauen, allen voran unsere Mütter, rieben unentwegt die Zuckerstangen über uns auf, dass die Süße ihrer Ehe auf uns herabfahre. Dennoch gab es einen kleinen Eklat als ihre Tante diesen Dienst verweigerte, da sie nicht glücklich in ihrer eigenen Ehe zu sein schien und uns so nicht mit Zucker segnen konnte.
Mir wurden drei Fragen gestellt, wirst du sie auf Händen tragen auch wenn sie selbst palmyranische Schönheiten vor Neid erblassen lässt und Ruhe bewahren, wenn eure 2x9 Kinder in Ungeduld ihre Stimme erheben. Lachend und dennoch entschieden bejahte ich. Umso ernster als mir die Frage gestellt wurde, ob ich sie heiraten wolle. Meine Braut dagegen, antwortete nicht, sie ist Blumen pflücken, sie ist geflohen als sie ihn bei Tag sah, antwortete unsere Gäste stattdessen. Aber auch sie beantwortete die letzte Frage, ob sie mich heiraten wollte mit einem sicheren Ja, während sie meine Hand hielt und in meine Augen blickte. Die Augen meines Vaters dagegen, füllten sich, während er die Fragen meiner Braut stellte, mit heißen Tränen und Kor der Grimmige verzeih, auch ich, der ich nur beim Tod meines Großvaters meinen Vater mit Tränen sah, konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Besiegelt wurde die Ehe als wir den jeweils anderen vom Honig kosten ließen und den Eid vor den Göttern bekräftigten. Fortan sollten unsere gemeinsamen Tage voll von Süße und Lebensfreude erfüllt sein.
Als die Geschenke ausgerufen wurden, empfingen wir diese als Paar und verteilten Süßigkeiten als erste gemeinsame Handlung an unsere Gäste. Währenddessen ermahnte mein Vater, doch die beste Freundin meiner Geliebten das Kissen härter zu besticken, was von unseren Müttern in gemeinsamer Übereinkunft mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert wurde. Dann begaben wir uns zum Essen und allerlei Kostbarkeiten wurden serviert. Unserer Eltern und wir ehrten die Bräuche der Gastfreundschaft und gingen durch die Reihen, so dass uns selbst nur wenig gemeinsame Zeit vergönnt war. Erst als die Süßigkeiten serviert wurden, trafen wir uns wieder und betrachteten den Tanz des Messers mit dem das Baghlava angeschnitten werden sollte, gemeinsam. Shanya sal Yeshanna, der Stern Khunchoms selbst vollzog das Radschenwerk. Ihr Tanz schlug uns so sehr in Bann, dass wir nicht anders konnten als sie mit Ahn'Alanzina selbst zu vergleichen. Gesegnet soll diese Meisterin des Tanzes sein, denn ihr Schauspiel war so schön, dass es schien als wäre es nicht für uns Menschen gemacht. Ihr in Kunstfertigkeit nicht nachstehend war Azina, die trotz ihrer Jugend die Räumlichkeiten mit den Sagen- und Heldengestalten der Vergangenheit dermaßen gekonnt füllte, dass uns schien als hätte sie Al'Mahmoud selbst überlistet. Und so war das Fest erfüllt vom Zauber und prächtigen Farben und allerorten erhallte das Lachen und die Freude der Tanzenden, Radscha zum Gefallen. Mehdi Keyvani, aus dem berühmten Shaya al'Laila Zorgans, der von Alef Aytan Berührte, wandelte mit seiner mächtigen Trommel durch die Reihen der rauschhaft Tanzenden und erhitzte die Nacht mit seinen feurigen Klängen bis in die späten Stunden.
Unsere Väter waren freigiebig wie der Mhanadi und ließen die extra in Aranien bedruckten Geldscheine unter die Tanzenden regnen, wie der Kirschbaum seine Blüten im Zeichen Peraines. Unter den Tanzenden war auch die beste Freundin meiner Mutter, die viel eher ihre Tochter im Gewand meiner Braut gesehen hätte und mit einem minderen Geschenk beim Ausruf sich selbst beschämt hatte. Doch nun zeigte sie Großmut und legte das feurig, rubinere Herz der Erde, gefesselt in lauterem Silber um den nicht minder silberneren Hals meiner Liebsten und versöhnte sich im Tanze mit ihr.
Doch wisse al'Mahmoud neidet uns Sterblichen die schöne Zeit und so vergingen die drei Tage wie im Flug. Doch seine liebliche Tochter bewahrte unsere Freude in ihren Seiten beschrieben mit dem Glück unserer Erinnerungen.
Ich verbrachte die letzte Nacht bei meinen Eltern, wie es die Tradition gebot und lauschte den Erzählungen meines Vaters, von seinem Vater und den Vätern vor ihnen. Traurig nahmen er und meine Mutter mich das letzte Mal in den Arm in ihrem Haus, den fürderhin oblag es mir selbst über meine eigene Familie zu wachen. Am nächsten Tag suchte ich meine geschätzte Schwiegermutter auf und beschenkte sie mit Blumen und Gebäck, hatte sie doch die schönste Blume ihres Gartens nun vertrauensvoll in meine Hände gelegt. Erneut pries ich ihre Erziehung, die meine Frau mit einem Blumenstrauß an Tugenden bedacht hatte und deren Schönheit einem selbst die Götter neideten, als ich dann schließlich mich in mein eigenes Haus begab, in dem ich meine Liebste antraf. Es dauerte nicht lange, und sie schenkte mir das größte aller Geschenke, meinen ersten Spross, einen Sohn, schön und schlau, avesgleich, der nun meinen alten Worten lauschen mag und dessen Glück meins umso reicher erscheinen lässt...

- Madan al'Khorasan Gorestani zu seinem jungen Sohn, Mhanadistan, neuzeitlich

Sprache

Grundsätzlich bin ich kein Freund davon Fremdworte (wie Zul, Alef etc.) am Rollenspieltisch zu benutzen, da in den meisten Fällen, dies eh keiner versteht. Wenn ich das selbst mache, dann sehr gezielt und dann nach Möglichkeit immer wieder die gleichen Begrifflichkeiten. Alternativ liefere ich die Übersetzung etwas leiser direkt oder im unmittelbaren Anschluss mit. Hiervon gibt es einige Ausnahmen. Einige Begriffe, gerade aus dem Arabischen und Türkischen, sind so verbreitet, dass man sie mittlerweile auch in Deutschland und speziell in DSA kennt (Sahib, Effendi, Salam etc.). Diese kann man bei Bedarf einsetzen.

Aussprache & Akzent
Wer das mag, kann auch versuchen mit Akzent zu sprechen, meines Erachtens führt das aber eher dazu, dass es lächerlich klingt und nicht exotisch (vielleicht mag aber gerade das ja auch ein Ziel sein). Auf Wunsch kann ich da ein paar Beispiele nennen. Wenn man jemanden spielt, der die Sprache noch nicht lange spricht, würde ich eher damit arbeiten, dass er bspw. Sprichwörter 1:1 ins Deutsche (Garethi) übersetzt oder mit der Syntax oder Grammatik Probleme hat.

Ein Wort vorab: Ich ging immer davon aus, das Tulamidiya ein Gemisch aus Arabisch, Türkisch, Persisch und natürlich vielen Eigenentwicklungen ist. Tatsächlich konnte ich bisher höchstens eine Handvoll persischer Begriffe im Tulamidya erkennen. Im Ur-Tulamidya sieht es dagegen deutlich besser aus. Wenn ich hier also Übersetzungen mitgebe, dann können sie der "offiziellen" Tulamidya Übersetzung widersprechen.

Metaphern & Assoziationen
Ich würde statt der Verwendung von Fremdworten und Akzenten empfehlen, eingedeutschte Begrifflichkeiten, exotische Vokabeln, orientalische Formulierungen und Metaphern zu verwenden. Auch hier muss man natürlich aufpassen, dass es nicht allzu lächerlich klingt (wie einige der nachfolgenden Beispiele). In der tulamidischen Literatur sind Metaphern von essentieller Bedeutung, häufig kombiniert mit "Wissenschaften" wie der Astronomie oder Geschichte. Dies darf und soll auch ungewöhnlich sein: Ein Elefantenleibiger ist kein dicker Mensch, sondern ein Hüne mit der Kraft eines Elefanten (allerdings kommt es hier auch auf den Kontext an). Die fleckige Haut (Sommersprossen) einer Rothaarigen könnte von 1000 Küssen einer Pari (Fee/Blütenjungfer) bedeckt worden sein*. Ein Gesicht wie der Mond zu haben, bedeutet, dass dieses eine (edle) Bläße aufweist und eine vollkommene, unerreichte Schönheit repräsentiert, nicht etwa dass man ein Mondgesicht hätte. Insgesamt versucht man, gerade wenn man von Schönheit spricht, immer neue Metaphern zu verwenden (siehe unten).

Vergleiche und Steigerungen
Ein häufig schon bekanntes Mittel in der tulamidischen Sprache sind Vergleiche und Steigerungen.
Im Tulamidischen reicht es häufig nicht aus nur die stärkste oder schönste zu sein, man muss auch gleichzeitig besser als die anderen sein. Das klingt natürlich erst mal unlogisch (ist es auch), aber es reicht einem meistens nicht nur der Einäugige unter den Blinden zu sein, sondern man soll unter ernstzunehmenden Konkurrenten, die schon die Besten darstellen, herausragen. Dadurch entstehen dann Formulierungen wie Schönste der Schönen, Weisester der Weisen etc. Dieses Mittel wird gerne auch im anderen Kontexten verwendet: König der Könige: Der Herrscher über schon machtvolle Herrscher. Blitz der Blitze: Das ist „der“ imposanteste Blitz den die Person je gesehen hatte. Allgemein wird gerne der Genitiv verwendet (Licht der Rechtsgläubigen, Schwert der Schutzbefohlenen, Wahnsinniger der Liebenden)

Steigerungen werden von den Tulamiden gerne auch mit Zahlen vollführt (meistens durch Potenzierung). So opferte der Held 10 Elefanten, 100 Pferde und 1000 Lämmer, bevor er zu seiner gefährlichen Reise aufbrach. In Kombination mit der tulamidischen Zahlenmystik können da glaube ich schöne Formulierungen entstehen.

Farben
Wenn man etwas literarischer von Farben spricht, dann verwendet man auch hier gerne Vergleiche. Anbei ein paar Beispiele und deren Verwendung in Klammern:
  • Ocker: Honig (für Augen)
  • Gelb: Safran (als Färbemittel für edle Kleidung)
  • Rot: Granatapfel, Granatapfelblüte, Rubin, Safran (ungemahlen rot), Blut, Koralle (auch für Rosa) (für Lippen und Wangen)
  • Weiß / hell: Schnee, Silber, Mond (für Haut)), Perlen (für Zähne)
  • Schwarz: Rabe, Ambra (da weißes Ambra unbekannt ist), Moschus (auch für dunkelbraun) (für Haare, Augenbrauen, Wimpern)
Radscha zu Ehren - Worte das Schöne zu beschreiben
Viele Tulamiden haben Freude daran durch die Kunst der Sprache die Schönheit der von ihnen Verehrten zu beschreiben. Ich selbst bin leider kein Poet, kann hier also nur die Worte und Formulierungen der großen Meister übersetzen oder auf bestehende Übersetzungen dieser Künstler zugreifen. Anbei einige Beispiele:

Heiligtum der Schönheit: Ist ein Mensch zu schön, dann glaubt man, dass Wesen außerhalb der Menschenwelt daran Einfluss nahmen
Ihr Leib ist schön wie eine reine Seele, so als nähme sie keinen Anteil am Derischen (Irdischen)

Feen / Pari: Es sollen einst Meteoriten/Sterne vom Himmel gefallen sein und die Form schöner Frauen annehmen können. In der frühen Glaubenswelt waren diese Pari Dämonen, die den Charakter der Menschen verdarben und von fast göttlicher Schönheit waren. Wenn man den Namen der Götter aussprach, da verloren sie ihr Aussehen und man erblickte ihre wahre Gestalt. Zwischenzeitlich setzte man sie mit Hexen gleich. Mittlerweile haben sie einen eher positiven Charakter, ähnlich einer Fee.
  • Sündigen in dem man mit rauher Hand die Feenhafte (Parihafte) berührt
  • Du Pari (Fee) meiner Sehnsüchte belächle nicht meines Herzens bittere Tränen
Weitere:
  • Ihre Haare griffen Fangseilen gleich nach dem Herzen des Helden
  • Ihre Haare, ein Diadem aus Moschus und Ambra, legten sich sanft über ihre silbernglänzenden Kuppeln (gemeint ist hier ihr Gesäß)
  • Ihr lockiges Haar, lag Ring, auf Ring, einem Kettengeflecht gleich auf ihren Granatäpfeln
  • Nie berührte sie der Sonne Antlitz: Umschreibung für edle, unberührte Frauen
  • Schlank und vom hohen Wuchs einer Zypresse: Die Form der Zypresse gilt als Symbol für einen schönen Leib
  • Ein Mann mit einer Taille wie eine Zypresse und der Brust eines Löwen
  • jemandes Namen aus dem Herzen stehlen: Die Erinnerung an eine (einst geliebte) Person auslöschen
  • Deine Augen süß und von der Farbe des Honigs folgen nun eines anderen Mannes Schritt
Gesamtbeispiel
Noch nie berührte sie der Sonne erhabenes Antlitz. Von hohem Wuchs ist sie, zart und zierlich wie eine Zypresse. Über dieser Zypresse lächelt das Licht der Sonne ihrer kirchblütigen Wangen. Ihrer feiner Linien Rabenflug, ziert ihre Augen, die schwarzen Narzissen gleichen. Ihr Mund, sinnlich wie ein Gebet in der Farbe roter Korallen, ist klein, wie ein Herz das sich voller Sehnsucht zusammenzieht. Gekrönt wird sie von einem Diadem aus Moschus und Ambra, das wie Fangseile der Sonne Glanz raubt. Die Flut ihrer Locken legt sich über ihre Granatäpfel und silberglänzenden Kuppeln, nur getrennt von safranfarbener Seide. Ihr Leib ist schön wie eine reine Seele, so als nähme sie keinen Anteil am Derischen und so mag auch nur ein Gemahl aus dem fünften Himmel ihrer würdig sein.

Übertreibungen
Bei den obigen Ausführungen waren ja schon einige Übertreibungen dabei, allerdings kann man da auch noch weiter bis hin ins Legendenhafte gehen:
Tulamiden bemühen gerne irreale Vergleiche. So müssen (starke) Helden nach Ansicht der Tulamiden auch immer groß gewachsen sein. „So stark und groß gewachsen war er, dass sein Haupt über den Wolken ragte / … seine Stirn den Mond berührte.“. „So imposant war seine Erscheinung, dass es einem Elefanten/Drachen das Herz zerfetzte“ (=der Drache bekam Angst). So weinte die Luft unter den mächtigen Angriffen seines Khunchomers und die Wolken regnen Rondras blutige Tränen, wenn ein großer Held verstirbt. Große Männer haben auch großen Appetit und so wird dann berichtet, wie sie sich Zebras braten und verspeisen.

Assoziation zu Tieren
Bezüge zu Schlangen, Hunden, Wölfen und Bären sind im Tulamidischen ungewöhnlich. Ein zäher Hund würde im Tulamidischen eher als Beleidigung wahrgenommen werden, da Hunde als dreckige, fast schon mindere Tiere gelten. Ein Bezug zu einem Bären wird eher als Metapher für Fettleibigkeit verstanden und nicht als Kraftmetapher.
Helden und Heldinnen werden in Epen gerne mit Tieren verglichen:
  • Stärke und Mut: Löwe (Schir), Panther (Bang), Tiger (Babr bzw. Babur)
  • Gier (nach Blut), Entfesselte Kraft: Krokodil (Temzah), Drache
  • Kraft: Elefanten (Fiel) und Drachen
  • Ungezügeltheit, Wildheit, Unüberlegtheit: meistens durch Attribute wie „brünstig“ (har), ein brünstiger Elefant ist das beliebteste Beispiel. Dies muss nicht immer vollständig negativ gemeint sein. Der brünstige Esel dagegen betont die Dummheit der unüberlegte Handlung
  • Schnelligkeit: Pferde (Asp), Vögel
  • Schönheit: Pfau (Tavuhs) (Pfaue gelten hier eher nicht als eitel)
  • Ungeschick: Kamel (Tschotohr)
Redewendungen
  • Die Katze beruft ihren Schwanz als Zeugen: Redewendung, wenn man jemandem Befangenheit vorwirft oder jemandem vorwirft, dass er sich auf eine ihm wohlwollende und damit nicht objektive Meinung beruft
  • As Mahi ta mah(da): Vom Fisch bis zum Mond, bedeutet allumfassend, über die ganze Welt. Könnte bei DSA auch vom Niedersten bis zum Höchsten bedeuten. Wird wegen der sprachlichen Nähe von mahi und mah(da) gerne in der Literatur verwendet.
  • Du hast einen vollendeten Stein geschliffen: Du hast alles perfekt ausgeführt. Du hast eine Meisterleistung erbracht.
Weitere Formulierungen
  • Feuerspringer (atischpareh): Metapher für eine freche, leicht sündige Person, allerdings eher freundlich wie "Lebemann/-frau" gemeint. Durch den Sprung über/durch das reinigende Feuer, kann man seine Sünden verbrennen, was wahrscheinlich den Ursprung des Begriffs darstellt
  • Mein Vater kam raus / jemandes Vater herauslocken: Dies bedeutet, dass man jemanden an die Grenze seiner (meist körperlichen) Fähigkeiten gebracht hat
  • Jemand wie einem Schaf den Kopf abschneiden (sehr veraltete Ausdrucksweise): Jemand Wehrlosen oder Unbedachten ermorden
  • Der Bezug zu Planeten und Sternen ist in DSA schwierig, da die Planeten im eigenen Pantheon verankert sind und über das "Verhalten" der Sterne und deren Namen in DSA wenig bekannt ist (zumindest mir). Vielleicht weiß da jemand mehr und kann was beisteuern. Ein Beispiel wäre z.B. ein Name für das Auge der Stute als Methaper für Radschas Gunst/Blick
  • Vergleich zu Helden der Vergangenheit sind auch zulässig und häufig. Bspw.: Weise wie Rohal und kühn wie Dschadir
Unmut, Beleidigungen & Kraftausdrücke

Nur Feinde oder (in seltenen Fällen) Personen in Abwesenheit werden beleidigt. Möchte man seinen Unmut über eine Person ausdrücken negiert man positive Aussagen (nicht gut, nicht besonders aufregend, nicht gerade schnell) oder wählt möglichst ungeschmückte, direkte Aussagen. Auch bewusstes und deutlich „wahrnehmbares“ Schweigen kann Kritik ausdrücken. Jemanden direkt ins Gesicht zu beleidigen gilt in den meisten Fällen demnach als stumpf, barbarisch und geistlos.

Anbei einige Beispiele seinen Unmut auszudrücken:
  • Das ist in Ordnung/ Das ist nicht schlecht (als Antwort auf eine direkte Anfrage/Meinung): Das ist schlecht / furchtbar.
  • Das ist Quatsch: Ganz schlimme Beleidigung!!! Bedeutet so viel wie du bist ein dummer Idiot und hast hier nichts zu sagen
    (Ironie): Tulamiden verstehen quasi keine Ironie, sondern nehmen diese sehr Ernst, auch wenn sie wissen, dass es eigentlich scherzhaft gemeint ist. Tulamiden selbst nutzen Ironie daher eher zum Beleidigen.
  • Das ist nicht schlecht (bezogen auf Leistung eines Dritten): Es ist so lala
  • Das ist sicher Brauch in eurer Kultur: Je nach Kontext: Ihr benehmt euch wie ein Schwein Oder: Mir ist das etwas suspekt.
    Die positive Darstellung wäre: Das ist ja interessant, ist das Teil eurer Kultur?
    -->Wenn die Antwort aber dann tatsächlich „ja“ lautet, wird das wiederrum akzeptiert. Bräuche und Sitten zu ehren gilt bei den Tulamiden einfach als Tugend. Allerding wird der Sinn des Brauchs dann (vor allem aus Interesse) auch hinterfragt werden…
  • Bei uns macht man das anders: Dein Verhalten ist nicht in Ordnung. Die positive Formulierung würde auch mit einem „interessant“ etc. beginnen.
  • Ihr erscheint müde (wenn das abwegig ist): Ihr geizt ganz schön an Höflichkeiten.
  • Ihr scheint in Gedanken: Rede doch was mehr, komm was aus dir raus du Langweiler! Hier spielt die Musik.
Tulamiden sind allerdings auch Meister der Mimik und Gestik und nutzen sehr häufig diese subtilere Art der Kommunikation um ihren Missmut auszudrücken.

Auch bei Beleidigungen und Kraftausdrücken ist man eher kreativ. So heißt etwa Halt‘s Maul, Sareh Mahr ("Möge das Gift der Schlange dich treffen", wörtlich Gift der Schlange). Möglich sind auch Beleidigungen wie Bihamokas (Einsamer, Verlorener, wörtlich "ohne alle und jeden"), sprich jemand der nicht in der Geborgenheit einer Familie aufgewachsen ist und somit keine Erziehung genossen hat. Beliebt ist auch bifarhang (kulturslos, Barbar, wörtlich: ohne Herkunft, Wurzel, Kultur) oder biadab (unhöflich, wörtlich ohne Höflichkeit). "Härtere" Kraftausdrücke entsprechen weitesgehend ihren mittelreichischen Äquivalenten. Ist ein Familienbezug vorhanden bspw. ...-sohn, dann wird der Bezug im persischen in der Regel über die Eltern gezogen, also bspw. Pedarzag (Hundevater) (das ist übrigens eher im Persischen so, im Arabischen ist es meines Wissens wie im Deutschen). Wie gesagt gelten Beleidigungen als Zeichen schlechter Erziehung und werden eher von den unteren Gesellschaftsschichten oder für wahre Feinde verwendet.

Gebäude

Einige Worte vorab:
  • Das kh wird kehlig wie das ch in Dach ausgesprochen.
  • Die Sur-Khaneh ist auch in der realen Welt existent und wurde hier lediglich angepasst

Sur-Khaneh- Haus der Kraft

Das Sur-Khaneh (Haus der Kraft) ist eine uralte tulamidische Tradition. Es bezeichnet einen Ort, an dem Übungen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung ausgeführt werden. Da an diesen Orten die Geschichten, die Sprache und der Glaube an die alten Götter bewahrt wurden, empfanden dies die bosperanischen Eroberer unter der Herrschaft Hela Horas als Ketzerei und Widerstand gegen die göttliche Ordnung, sowie als Keimzelle militärischen Widerstands. Als Folge dessen wurden diese Orte zerstört und die Mitglieder dieser Institutionen (unter denen sich auch Geweihte der Rondra, Kors und Phexens befanden), systematisch verfolgt. Zwar gelang es gerade Anhängern des Phex diese Tradition im Untergrund fortzuführen, doch führten diese Verfolgungen dazu, dass diese Tradition weitgehend vergessen wurde. Erst in jüngster Zeit, durch die Rückbesinnung auf die tulamidische Geschichte, lebt diese Tradition wieder auf. Je nach Glaubensrichtung stehen unterschiedliche Inhalte zur Verfügung, doch haben alle Varianten dieser Tradition gemein, dass die geistige und körperliche Ertüchtigung im Vordergrund steht.

Varianten je nach Glaubensrichtung
Das Sur-Khaneh war schon immer stark mit dem Glauben an eine Gottheit und "dessen" Pantheon verknüpft. Historische Quellen erwähnen, dass die ersten Gottheiten die diese Tradition aufführten die urtulamidischen Gottheiten Feqz, Randara und Khor waren. Angeblich gab es gerade im thalusischen Raum aber auch Institutionen die Ras'Ragh verehrten. Das auch Rashtul zu diesen "Gottheiten" gehörte, kann nicht schriftlich nachgewiesen werden, doch sollen einige Hadjinim die sich auf Rashdul berufen, eine ähnliche Tradition aufweisen. Heutzutage wird diese Tradition hauptsächlich von der Rondra und Korkirche, sowie neuerdings von den Novadis wieder aufgegriffen. Es gibt angeblich noch weiterhin einige im Schatten agierende feqzgefällige Sur-Khanehs, angeblich soll Marwan Sahib einem dieser Häuser vorstehen, doch könnte es sich hierbei auch nur um Gerüchte die von der Feqzkirche gefördert werden, handeln.
Natürlich unterscheiden sich die Inhalte der körperlichen und geistigen Ertüchtigung je nach Gottheit enorm, doch existieren aufgrund des gemeinsamen Ursprungs auch Gemeinsamkeiten (siehe weiter unten).
In ländlichen Räumen ohne militärischen Schutz und in früheren Zeiten nahmen die Mitglieder eines Sur Khanehs häufig die Aufgabe einer Miliz ein, die die Gemeinschaft vor feindlichen Angriffen schützte. Auf der anderen Seite wurden so auch schon früh moralisch gefestigte Krieger und Söldner für die Heere geschult.

Körperliche & geistige Ertüchtigung
Körperliche Ertüchtigung: Rondra und Korkirche, mit einigen Abstrichen auch die Novadis legen neben einem soliden Training der Beweglichkeit, ihren Fokus auf körperliche Stärke. Bei der Feqzkirche ist dies genau andersherum.
Geistige Ertüchtigung: Alle Traditionen haben gemein, dass die regionale Geschichte, Sagen und Glaubensgrundsätze allen Teilnehmern vorgetragen und von diesen verinnerlicht wird. Dies stellt einen wichtigen Teil der Übungen dar, denn mit den kämpferischen Fähigkeiten die vermittelt werden, soll auch das Bewusstsein für den moralisch korrekten Einsatz dieser verinnerlicht und so auch die Seele der Teilnehmer gestärkt werden. Dies gilt für alle Traditionen und Glaubensgrundsätze, auch wenn man dies als Mittelreicher vielleicht bei Khor und Feqz nicht erwarten würde. Gemäß der tulamidischen Tradition wird Geschichte nicht als nüchterne Aufzählung von Fakten angesehen, sondern muss entsprechend ausgeschmückt werden. Hierbei werden natürlich bewusst Geschichten ausgewählt, die den Idealen der Gottheit genehm sind und Eigenschaften und Entscheidungen der Protagonisten immer in diesen Kontext gebracht. Auch wenn die Fähigkeiten der Protagonisten immer sehr übertrieben dargestellt werden, ist es üblich, dass Helden Fehler aufweisen und Fehlentscheidungen treffen. Denn die absolute Vollkommenheit eines göttlichen Ideals ist nur den Göttern und ihren Kindern vorbehalten, der Mensch muss zwar nach diesen Idealen streben aber schlussendlich daran scheitern. Dieses Scheitern wird aber auch kritisch hinterfragt und ausführlich diskutiert.

Aufbau eines Sur-Khanehs
Der Aufbau eines Sur-Khanehs ist bewusst recht einfach gehalten. Der Eintritt des Gebäudes ist sehr niedrig gehalten (unter 1,5 Schritt) und gegenüber vom Eingang ist zumeist ein Bild oder Zeichen der Gottheit (bei den Novadis eher die Ausnahme) aufgestellt. Der (fremde) Eintretende ist durch den niedrigen Eingang gezwungen, gebückt den Raum zu betreten und somit den Traditionen des Hauses und der Gottheit den nötigen Respekt zu zollen. In unmittelbarer Nähe der Götterstatue befindet sich ein Podest (Sardam) mit einer Trommel (bei Feqz wird auf die Trommel verzichtet). Auf diesem Podest steht oder sitzt der Morsched, der die restlichen 8 Teilnehmer durch die Übung begleitet. Der Morsched ist entweder ein Geweihter (bei den Novadis handelt es sich hierbei manchmal um einen Derwisch) oder um den ältesten Teilnehmer (bei Orten bei denen kein "geeigneter" Geweihter vorsteht).
Den meisten Raum nimmt eine ca. 1 Schritt tiefe Grube ein. Erstaunlicherweise ist diese bei allen Traditionen achteckig. Jede der Seiten wird von einem Teilnehmer eingenommen. So kommt man auf insgesamt 9 Personen (8 Teilnehmer + 1 Morsched). Dass dies gemäß zwölfgöttlicher Tradition genau die heiligen Zahlen von Phex und Khor sind und selbst die Novadis 9 als Glückszahl betrachten, kann Zufall sein oder an der langen Tradition der Zahlenmystik liegen. Im Sinne der Zahlenmystik wird folgende eher unübliche Interpretation vorgenommen: Einheit und Macht (1) ordnet die Schönheit und schöpferische Vielfalt der Welt (8) (1+8=9).

Üblicher Ablauf
Üblicherweise sind die Teilnehmer größtenteils unbekleidet und tragen nur einfache Hosen. Dies soll die grundsätzliche Gleichheit vor den Göttern und Bescheidenheit ausdrücken. Bevor sie den Raum betreten ist es üblich sich im Vorfeld ausgiebig zu reinigen und häufig auch Finger- und Zehennägel zu schneiden. Zweiteres ist gerade für die Ringübungen relevant. Das unerfahrenste Mitglied stellt sich gegenüber des Morscheds (Anführer) auf und kann so von diesem am besten unterwiesen werden. Je erfahrener er wird, desto näher rückt er an ihn ran. Üblicherweise muss man einen Monat warten und bei den Übungen zuschauen, bevor man Mitglied werden darf. Insgesamt dürfen Zuschauer den Übungen folgen. In sehr konservativen Regionen und bei den Novadis wird Frauen der Zugang jedoch verwehrt oder die Männer müssen sich vollständig bekleiden. Einzelne Übungen können von Teilnehmern vorgeführt oder Fragen während der Unterweisung gestellt werden. Jedes Mal, wenn ein Teilnehmer das Wort ergreifen oder etwas selbstständig ausführen will, muss er dafür die Erlaubnis vom Morsched einholen. Hierfür erhebt er den Arm und ruft „Rokhsat“ (Erlaubnis!). Wenn der Morsched dies erlaubt, dann antwortet er mit „Rokhsat bar [Name des Gottes]“ (Erlaubnis im Namen des Gottes erteilt). Falls er die Erlaubnis verweigert antwortet er mit „Forsat“ (Verweigerung). Dies wird kommentarlos akzeptiert und gilt nicht als Beleidigung oder ehrenrührig. Während einer philosophischen Erörterung ist dieses Verhalten nicht notwendig, außer die Diskussion sollte allzu hitzig werden, in diesem Fall verlangt der Morsched das Erheben der Hand und definiert durch sein Nicken die Reihenfolge. Manche Sur-Khaneh die Rohal hoch verehren, erlauben nur bilateral geführte Gespräche, wie in den Gesprächen mit Rohal, zwischen Teilnehmern und dem Morsched, wobei natürlich jeder Teilnehmer den Morsched fragen darf.
Die Übungen beginnen häufig mit der geistigen Ertüchtigung (siehe oben). Diese Ertüchtigungen werden während der Übungen fortgesetzt und können auch zwischen den einzelnen Übungen ausführlicher ausfallen. Während der Übungen werden die geistigen Unterweisungen auch teilweise in Versform oder sogar im Sprachgesang dargebracht. Nach der Begrüßung beginnt man mit Aufwärmübungen, um die Muskeln zu lockern und den Körper für die eigentlichen Übungen aufzuwärmen, meistens begleitet von leichten Trommelschlägen und mit Drehungen, um den eigenen Körper (Tscharkh Sadan). Das Tscharkh Sadan (drehen) soll die Beweglichkeit und Ausweichübungen trainieren.
Die eigentlichen Übungen variieren je nach Gottheit und regional üblichen Waffen. Anbei die üblichsten Übungen:

Mil: Dies sind (üblicherweise zwei) bis zu 40 Stein schwere Holzkegel (es gibt aber auch deutlich leichtere Varianten). Die geschwungen und jongliert werden. Sie sollen den (beidhändigen) Kampf mit Nahkampfwaffen fördern, insbesondere mit kraftbasierten Hiebwaffen, wie Streitkolben oder Äxten. Üblicherweise geht dafür einer der Teilnehmer in die Mitte und setzt den Takt der Trommel in Übungen um, während der Morsched weiter die geistige Festigung vornimmt. Der Mann in der Mitte wird als Myander (Beherrscher der Mitte) bezeichnet.
Kabadeh: Das Kabadeh ist ein zwischen 12 bis 60 Stein schwerer Stahlbogen. Statt der Sehne ist eine enganliegende Kette an dieser befestigt, die zusätzlich mittels metallischer Scheiben an den Kettengliedern beschwert wird. Die Anzahl der Kettenglieder und Scheiben ist abhängig von der Kultur und dem Glauben des Sur-Khanehs. Der Bogen wird mit zwei Händen gegriffen, beim ersten Hochheben geküsst (meistens ist in der Mitte ein Zeichen der Gottheit eingraviert) und dann erst einmal über dem Kopf gekreist. Hierbei muss man den Bogen ausreichend hochhalten, damit die Scheiben nicht ins Gesicht schlagen. Danach werden die beim Bogenschießen üblichen Bewegungen mit dem Bogen ausgeführt, wozu auch das Pfeil ziehen simuliert wird (allerdings mit dem 60 Stein schweren Bogen!). Auch hier ist auf die Scheiben zu achten. Um auch die Beinarbeit und Koordination zu schulen, wird sich hierbei häufig um die eigene Achse gedreht.
Sang: Das Sang (Stein, Fels) soll den Kampf mit dem Schild trainieren. In früheren Zeiten wurde dies mittels Felsen simuliert, mittlerweile gibt es hierfür spezielle, schwere Holzschilde (eigentlich Zepar. Sie werden dennoch häufig weiterhin als Sang bezeichnet) mit denen die Übung ausgeführt wird. Diese Übung wird häufig mit dem Rücken auf dem Boden und mit zwei Schilden ausgeführt. Durch das anschließende Heben der Schilde sollte bspw. das Drücken im Nahkampf simuliert werden. Es gibt aber auch deutlich agilere Übungseinheiten, die dennoch fast immer auf dem Boden ausgeführt werden.
Schwertübungen: Es gibt einige Schwertübungen, die manchmal auch ausgeführt werden. Dabei geht man vor allem auf Schnelligkeit, sowie den kreativen Einsatz des Schwertes/Säbels ein. Häufig wird auch der stumpfe Rücken des Säbels mit in die Übung bezogen, den man dann mit der zweiten Hand stabilisiert und zur besseren Kraftübertragung nutzt (um bspw. den Gegner zurückzustoßen oder starke Angriffe abzuwehren). Unter anderem werden dann mit säbelähnlichen Stützen auch Liegestütze gemacht.
Koshti (Ringen): Die Übungen enden immer mit Ringübungen (Freistilringen). Der Mosched legt die Kampfpaarungen fest. Üblicherweise kämpfen immer nur zwei Teilnehmer gegeneinander gleichzeitig.


Disi Tsarah - دیزی سرا
In der Stadt leben viele hart arbeitende Menschen. Gerade mittags ist man meistens fern des Heims und will eine kräftigende Nahrung einnehmen. In den Städten kommen hierdurch innerhalb kurzer Zeit große hungrige Menschenmassen im sogenannten Disi Tsarah zusammen. Hier wird ein Eintopf serviert, der sich je nach Region unterscheidet, aber fast immer „Ab-Gusht“ (Wasserfleisch) oder Disi genannt wird. Die häufigsten Zutaten dieses Eintopfs sind Kichererbsen, Tomaten, Zwiebel, Knoblauch und natürlich Wasser und Fleisch, wobei gerade letzteres nur einen Bruchteil des Eintopfs darstellt, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Dazu gesellen sich in aller Regeln Kartoffeln und weitere regionale, sättigende Zutaten. Häufig kommen auch diverse Kräuter dazu (meistens gemäß jahrhundertealter Familienrezepte). Diese Zutaten werden über Stunden hinweg in einem gewaltigen Bottich gekocht.
Das Disi Tsarah (mit Ausnahme der Küche) ist in den allermeisten Fällen halb untererdig gebaut (min. 1 Schritt tief) und ähnelt, wenn noch tiefer gebaut irdischen Römerkellern. Sinn und Zweck dahinter ist, dass diese Räume dadurch ungemein kühler sind, was bei der Mittagshitze und dem kräftigen Essen ein Segen ist. Es hat allerdings den gewaltigen Nachteil, dass hierdurch auch wenig Platz zur Verfügung steht. In Deutschland wurden einige historische Keller zu Restaurants oder Brauhäusern umfunktioniert, diese kann man (wenn voll belegt) mit der Enge eines Disi Tsarah vergleichen. Da es nur ein Gericht gibt, sind einige Disi Disi Tsarahs dazu übergegangen direkt beim Eingang Eintritt zu verlangen, um nicht während des laufenden Betriebs umständlich Geld einzusammeln.
Kommen nun die Heerscharen der einfachen Leute, wird der Eintopf in irdene (meist blaue) Krüge umgefüllt. Diese haben einen Durchmesser von ca. 5 bis 8 Fingern (der Krug verjüngt sich von oben nach unten) und eine Höhe von ca. 10 bis 13 Fingern. Je nachdem wie groß die Stadt oder der Andrang des Disi Tsarahs ist, haben sich verschiedene Serviertechniken etabliert. Häufig werden gleich mehrere Portionen mitgenommen, was aufgrund des Gewichts der Krüge leichter gesagt als getan ist. Am häufigsten hat der Servierer eine Holztafel die an seinem Rücken mit Hilfe von Lederbändern befestigt ist. Sein Bauch wird von einer Lederschürze oder sogar einem Fell bedeckt. Die Holztafel hat Einsparungen, so dass die entsprechend geformten Krüge in diese eingelassen werden und zu ca. zwei Drittel nach unten rausragen. Sie sind ungemein heiß (deswegen die Schürze). Um sie rauszuholen, werden in der Regel Handschuhe verwendet. Dem Gast wird ein dünnes Fladenbrot gegeben (Zangak), dass er selber mehrlagig falten und dann verwenden kann, um den Krug zu halten. Außerdem erhält er einen hölzernen Stößel mit dem er den Eintopf zu einem Brei stampft und dann mittels eines langstieligen Löffels verzehrt.

Weiteres zum Disi Tsarah und Ab-Gusht
Eine andere Serviertechnik ist die, dass Fellbeutel am Gürtel herum befestigt werden und in diese der Eintopf reingesteckt wird.
Auf dem Land wird der Eintopf, gerade von Tagelöhnern, eher abends gegessen, nachdem man das Feuer mittags entfacht hat. In Regionen in denen es weichen Stein (ich weiß leider nicht um welches Gestein es sich handelt) gibt, wird dieser ausgehöhlt und als Kessel für diesen Eintopf verwendet, da er die Hitze fast einen halben Tag speichern kann und den Eintopf nahezu mit nur einer konstanten Temperatur erhitzt.

Sport & Spiele

Sport - Allgemein
Entgegen des Klischees legen die meisten Tulamiden mehr Wert auf Kraft und Konstitution, statt auf die Beweglichkeit. Des Weiteren steht häufig weniger der Spaß beim Sport im Fokus, als die körperliche Ertüchtigung. Der beliebteste (körperliche) Sport ist und bleibt deswegen das Ringen (das bspw. im Sur Khaneh, siehe Gebäude, praktiziert wird). Es mag für einen Mittelreicher verwunderlich sein, dass viele tulamidische Parks des Weiteren einen Ringplatz beinhalten, der regelmäßig genutzt wird.

Tasmeh-Tasmeh
Tasmeh Tasmeh ist ein sehr altes "Spiel" aus den frühen Zeiten der Tulamiden, in denen der Kampf gegen die Echsen und andere Mächte noch an der Tagesordnung war. Es ist recht brutal und wurde deswegen im Lauf der Zeit immer "weicher" gestaltet. In kämpferischen oder traditionellen Regionen ist das Spiel jedoch noch weit verbreitet.
Tasmeh-Tasmeh soll das gemeinsame Vorgehen als Gruppe, aber auch körperliches Geschick, Kraft, List, Geduld sowie Schmerzresistenz trainieren. In der Regel spielen mindestens 3 Verteidiger gegen 3 Angreifer. Es können aber auch mehr Spieler daran teilnehmen. Sind es weniger, wird einer der Gürtel häufig entfernt.
Spielaufbau & Regeln: Es wird ein ca. im Durchmesser 3m großer Kreis gezeichnet (je nach Gruppengröße modifiziert). Auf zwei gegenüberliegenden Seiten wird ein "Tazmeh" ausgelegt. Tazmeh heißt übersetzt Gürtel. Häufig handelt es sich heutzutage wirklich um einen solchen. Früher wurde auch verdrillte Echsenhaut dafür genutzt. Zur Not verwendet man biegsame, aber stabile Zweige/Ruten. Die Verteidiger gehen in den Kreis, die Angreifer dürfen weitgehend nur außerhalb des Kreises agieren.
Ziel des Spiels ist es alle Gegner in den Kreis (Verteidiger) oder aus dem Kreis (Angreifer) zu zerren. Hierfür muss man seinen Gegner heranlocken und mit Kraft und Geschick, meistens unter Einsatz von Ringtechniken in oder aus den Kreis ziehen. Sind beide Beine außerhalb bzw. innerhalb des Kreises wurde diese Person „besiegt“. Je nach Variante ist sie nun Mitglied der anderen Partei oder komplett aus dem Spiel raus (häufig eher Zweiteres, da man ungern den Verräter spielt). Es ist zulässig, wenn auch halsbrecherisch, als Angreifer über den Kreis zu springen. Das kostet die Verteidiger schon einiges an Aufmerksamkeit, kann aber auch zu schweren Verletzungen führen, wenn die Person nicht sauber landet. Wenn nur noch ein Verteidiger im Spiel ist, kann es sein, dass man sich von der Seite (oder bei kleineren Kreisen von hinten) anschleicht, sich flach auf den Boden legt und dann das Tazmeh hinter den Füßen des Verteidigers wegzieht. Solange die Füße außerhalb des Kreises sind, ist auch das zulässig. Manche Verteidiger tun aber bewusst unaufmerksam um solch ein Handeln zu animieren, denn es ist ein leichtes einen solchen Angreifer zu besiegen. Es dürfen beliebig viele Personen an einem zerren, auch Menschenketten oder Mehrfachpaarungen kommen gelegentlich vor.
Die Tazmeh stellen Köder, Werkzeug und Bonus gleichermaßen dar. Die Verteidiger dürfen die Gürtel nicht berühren, weder mit Hand, Fuß noch sonst einem Körperteil. Wurden sie verrückt und nicht erobert, dann darf man sie manchmal wieder auf die Ausgangsposition bringen (Gruppenentscheid der vorher festgelegt wird). Die Angreifer dürfen versuchen die Tazmeh zu erobern, sprich aus dem Kreis zu ziehen und aufzunehmen. Ist ihnen das gelungen dürfen sie diese nach Belieben einsetzen (in manchen Regionen ist der Einsatz jedoch nur gegen die Beine beschränkt). Häufig, um die Verteidiger auszupeitschen oder, damit sie diesen Peitschenhieben entgehen, die Verteidiger an den Rand des Kreises zu drängen. Die Verteidiger dürfen das Tazmeh auch zurückerobern, bspw. in dem sie den Angreifer mit samt Tazmeh in den Kreis ziehen, oder das Tazmeh seiner Hand entreißen. Wurde das Tazmeh vom Angreifer erobert, dann darf man im Übrigen auch als Verteidiger das Tazmeh berühren. Aufopferungsvolle Verteidiger lassen bewusst ihren Arm oder ihr Bein so treffen, dass sich das Tazmeh um diese Gliedmaße windet, um dann mit einem kräftigen Ruck das Tazmeh zurückzuerobern. Wurde es zurückerobert wird es wieder auf seine Ausgangsposition gestellt und darf dann wieder nicht vom Verteidiger benutzt werden. Sich auspeitschen zu lassen, um nicht zurückzuweichen, gilt im Übrigen als Zeichen von Dummheit, fehlender Kraft und Geschick und nicht etwa als Zeichen von Mut oder Beständigkeit. Wurde man aber getroffen, erträgt man den Schmerz grimmig und kommentarlos, während der Angreifer das genaue Gegenteil tut, ausgiebig kommentiert und den Gegner verspottet um diesen zu provozieren und zu unbedachtem Handeln zu bewegen.
Die Verteidiger lassen häufig die Tazmeh anfangs nur schwach verteidigt, um übermütige Angreifer näher an den Kreis zu locken. Jeder versucht seinen Beitrag zu leisten, jüngere Kinder sind häufig unauffälliger und genießen einen gewissen Welpenschutz. Ältere koordinieren oder nutzen ihre Kraft. Nach einem Durchlauf als Verteidiger wechselt man häufig und die Verteidiger werden zu Angreifern und umgekehrt. Ausgeschiedene werden häufig zu Richtern. Da die Lüge als Makel gilt, ist man hier eher objektiv. Junge Mitspieler werden immer etwas privilegiert, da der Schutz von Jüngeren als Tugend zählt.
Weitere Regeln: Ist das Tazmeh ein Gürtel, darf nie mit der harten Schnalle geschlagen werden, diese muss in oder vor der Hand gehalten werden. Beim Ringen und Greifen, darf nicht gerauft werden. Boxhiebe, hohe Tritte, Ellbogeneinsatz etc. sind also explizit verboten. Einzige seltene Ausnahme ist bei der Verteidigung des Tazmehs. Da darf getreten werden, um eine Eroberung des Tazmehs zu verhindern. In den meisten Regionen ist aber auch das nicht zulässig. Zu kleine Kinder dürfen nicht gepeitscht werden, wobei das zu jung je nach Region unterschiedlich, meistens aber großzügig, interpretiert wird. Peitschenhiebe ins Gesicht sind immer verboten. Es ist unzulässig mit dem Tazmeh jemanden zu würgen, ihn mittels einer Schlinge zu fesseln ist jedoch erlaubt, wenn auch schwierig.

Garadan
Leider kenne ich die DSA-Schach Regel und Figuren nicht, aber im Irdischen gibt es auch einige Unterschiede bzgl. der Figuren, vielleicht mögen diese euch als Inspiration dienen.
Garadan wird schon recht früh mit den Kindern geübt, teilweise ab 5 Jahren, häufig in etwas vereinfachter Form.
Die Irdischen Figuren werden im Persischen (und damit ursächlich wahrscheinlich im Indischen) folgendermaßen bezeichnet bzw. dargestellt
Bauer = Soldat (Zarbas, extrem selten Piadeh = Fußgänger), Läufer = Elefant (Fil), Springer = Pferd (Asp), Turm = Streitwagen (Roch, daher auch Rochade), Dame = Wesir (Wasir), König = Shah (Shah)
Kriegsführung (in Bearbeitung)
Mobilität
Massiver Einsatz von Kavallerie
Leichte Kavallerie: Hauptsächlich Bogenschützen.
Schlacht bei Carrhae
Schwere Kavallerie: Zawar Sereh Push / Kataphrakt. Gepanzert: früher Schuppenpanzer, später Spiegelpanzer (4 Spiegel Panzer) massive Eisenplatten um den Körper
Felsrelief Taq-e-Bostan
Elefanten: 20 Jahre Ausbildung. Wird im Notfall getötet in dem mittels einer Keule ein Dorn hinters Ohr in den Schädel getrieben wird

Formationen sprengen
Elefanten
Schwere Kavallerie

Einsatz von Feuer:
Gut gegen Tiere
Brennender Streitwagen
Brennende Kamele: Fettreserven im Höcker
Schlacht von Karnal - Einsatz gegen Elefanten
ChangelogShow
15.05.2019: Bräuche und kultische Handlungen
17.05.2019: Sprache ergänzt
27.05.2019: Gebäude - Disi Tsarah
03.06.2019: Neugliederung mittels Aufklappen, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen
17.06.2019: Riten und Götterwelt getrennt. Sport&Spiele ergänzt
18.06.2019: Sur-Khaneh ergänzt
10.03.2020: Hochzeit ergänzt
07.06.2020: Mystik ergänzt
07.07.2020: Umfangreiche Gesamtüberarbeitung (u.a. Pflanzen und Astronomie & Astrologie)
24.07.2020: Update Forenversion (Formatierung ausstehend)
Zuletzt geändert von Shirwan am 24.07.2020 14:20, insgesamt 17-mal geändert.
Einen Tulamiden spielen - Eine Spielhilfe zum Spiel in Tulamidistan mit persischen Bezügen

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Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Baal Zephon » 14.05.2019 09:35

Vielen Dank für den Beitrag! Ich werde sehen ob ich davon einiges für meine Darstellung von Tulamiden verwenden kann, auf jeden Fall eine wundervolle Inspiration!
Ich finde auch die Göttersicht interessant, wenngleich ich die wohl nicht 100% übernehmen werde, aber vor allem die Stellung von Praios finde ich interessant. Auch die Idee von Maha Bor mit Chol’iadrim einen Diener des Namenlosen besiegt und sich zu willen gezwungen hat, finde ich sehr gut da sie für Götterfürchtige Tulamidische Dämonenbeschwörer einen wichtigen Präzendenzfall schafft dass es durchaus vertretbar ist die Diener des Bösen zu Unterwerfen und für seine (guten) zwecke einzusetzen.
Ein Herz für Dämonen!

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Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Horasischer Vagant » 14.05.2019 10:06

Auch von meiner Seite ein Danke für die Inspiration!
Für mich war vor allem die Essenskultur interessant!
Bei der Göttersicht bleibe ich bei der offiziellen Satzung!
Besuche mit Deinem Helden das Shaya´al´Laila in Zorgan (offenes RP)

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.05.2019 19:30

Hallo liebe Community,
ich freue mich sehr über die positive Resonanz eurerseits, vielen Dank dafür. Diese hat mich nun motiviert doch noch ein paar weitere Texte zu verfassen.
Als erstes "Addon" dachte ich mir etwas über die Bräuche zu schreiben. Viele dieser Bräuche finden in der Realität ihren Ursprung im Mittelalter oder sogar aus der Antike und sind damit recht schnell in die DSA Welt zu adaptieren. Die Texte habe ich oben im ersten Beitrag ergänzt.
Falls ich euch dann nicht auf die Nerven gehe, wollte ich noch was über die Sprache schreiben, wobei ich sagen muss, dass ich kein Freund des extensiven Gebrauchs von Fremdworten im Rollenspiel bin (die auch keiner versteht). Meine Lösung sieht da etwas anders aus...

@Baal Zephon und @Horasischer Vagant ,
ich freue mich dass es euch gefallen hat. Das mit den Göttern kann ich total nachvollziehen. Mein Ansatz war auch einfach darüber zu schreiben, ob und wie weit man sich dessen bedient ist natürlich jedem selbst überlassen.
Mich persönlich stört halt die fast feindliche Einstellung gegenüber Praios (die wie gesagt in der Realität genau gegenteilig war, siehe Mithras und Ahura Mazda), der Umgang mit Drachen und Drachenkinder (wie Kor) in einer tulamidischen Glaubenswelt und die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.

Viele Grüße
Shirwan
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Ungelesener Beitrag von hexe » 15.05.2019 21:09

Shirwan hat geschrieben:
15.05.2019 19:30
die fehlende Information, wie mit den Aspekten von Göttern umgegangen wird, die keine Verehrung genießen und teilweise nicht einmal bekannt sind.
Liegt wohl vor allem daran, dass die Hintergründe dazu vergriffen sind. Warum Feqz der Hauptgott ist wird geschichtlich sehr breit erklärt: kurz: nächtlicher Kampf gegen die Echsen. Die Sonne macht Echsen halt schneller. Auf der Erde musste niemand im persischen Raum eine hochmagiebegabte Echsenrasse vertreiben um Land zum Siedeln zu haben. Und 1000 Jahre später kamen die Eroberer aus dem Westen und brauchten diesen Sonnengott wieder mit. Natürlich verehrt man den nicht... Es lohnt auch ein Blick in die Dunkle Zeiten Box. Die Verehrung der Götter ist in Tulamidistan von Zorgan bis Selem eben sehr verschwinden, fast schon von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Und dann findet man in einer Stadt Borontempel der beiden Riten, die sich gemeinsam um die über 3000 Jahre Grabanlagen in den Felsen kümmern. Deine Götterwelt könnte in einem Dorf so sein, aber woanders definitiv nicht. Auch weil die Götter in weiten Teilen Tulamidistans sehr unterschiedlich verehrt werden. Daneben gibt es eben 'den Tulamiden' genauso wenig wie 'den Europäer'. Ein Sami und ein Grieche haben nicht so viel gemeinsam...

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Ungelesener Beitrag von Grakhvaloth » 15.05.2019 21:26

Wundervoller Beitrag! Dankeschön.

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Ungelesener Beitrag von Sarafin » 15.05.2019 21:31

Ich habe noch nicht alles gelesen, aber was ich gesehen habe gefällt mir super klasse! Dankeschön. :)
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 15.05.2019 23:40

Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)

Zurück zum Essen:
Darüber ist schon ziemlich viel publiziert worden, und da DSA langsam und unter Einwirkung vieler Autoren gewachsen ist, und die tulamidische Kultur Anleihen aus mehreren verschiedenen irdischen hat, ist es ziemlich vielfälig.

Entweder von Hadmar oder von Bernhard Hennen aus der Frühzeit von DSA kommt wahrscheinlich, dass Tulamiden, Novadis und Al'anfaner allesamt Hund essen. Vermutlich eine Anleihe aus der phönizisch-karthagischen Kultur. Und immer gut geeignet, um Mittelreicher, Thorwaler und deren Spieler zu schockieren. :ijw:

Ja, das was du beschreibst mit dem Essen am Boden im Schneidersitz, ungewohnt und unbequem für Mittelreicher, das eignet sich auch sehr schön für den kulturellen Kontrast. Wir haben dazu, glaube ich, auch zwei aventurische Zitate in LdES, wo der Mittelreicher sich ekelt, dass die Tulamiden mit den Fingern essen, und der Tulamide verächtlich meint, die Mittelreicher müssen eben mit Löffeln essen, weil sie sich nie die Finger waschen. Die Füße waschen sie sich ja auch nicht, sie ziehen ja nichtmal die Schuhe aus wenn sie ins Haus gehen. :) Zumindest für reichere Haushalte sind aber auch niedrige Tische mit Sitzkissen drumherum beschrieben; das Tischtuch auf dem Boden würde ich eher Novadis oder Bauern zuordnen.

Ein häufiges Missverständnis unter Spielern ist, zumindest die Novadis, oder alle Tulamiden, würden Alkohol ablehnen. Das ist nicht so. Kann man natürlich machen, dass der eigene Held überzeugter Antialkoholiker ist. Aber sowohl Novadis als auch zwölfgöttergläubige Tulamiden trinken Wein und Palmwein. Schnaps dagegen ist nicht üblich, obwohl es einen Raki-entsprechenden Anisschnaps gibt, und Bier auch eher nicht. Tee ist aber klar sehr beliebt, das Charaktergetränk der Gegend, und zudem ein wichtiger Exportartikel.
Abweichend von dem, was der Durchschnittsdeutsche sich unter orientalischem Essen vorstellen mag, gibt es auch kein Schweinefleisch-Verbot, sondern im Gegenteil gerne Selemferkel.

Was Reis angeht: Da schlägt wieder das Zusammengewurstel verschiedener Hintergründe zu. Reis wächst am unteren Mhanadi und in Thalusien. In Aranien und Mhanadistan ist es entweder kühler oder trockener, und dort haben sie hauptsächlich Weizen und essen mehr Brot als Grundnahrungsmittel. Safran muss früher mal sehr beliebt gewesen sein, ist aber seit Borbarad kaum mehr zu bekommen und furchtbar teuer (kommt aus dem Amazonengebiet bei Beilunk), und wird von findigen Fälschern durch Färberdistel ersetzt.

Sonstige kulinarische Kuriositäten:
Die Tomate stammt ursprünglich aus Thalusien und soll Silem-Horas' kostbarste Kriegsbeute gewesen sein. :) Würde heute wohl kein Pasta-begeisterter Horasier glauben.
Die aventurische Gewürznelke kommt aus der Gegend von Unau und aus Thalusien ("Shadifnägelchen") und wird demnach wohl ein Charaktergewürz der tulamidischen Küche sein.
Die Merach-Frucht, für die ich keine irdische Entsprechung kenne, ist irgendwie total lecker, aber giftig wenn zusammen mit Alkohol genossen.
Die Menchalblüte (dito) soll als Gewürz irgendwie umwerfend köstlich sein, und ihr Duft lockt Dschinne an.

Es stellt sich natürlich noch die Frage, ob die Familie mit Gästen gemeinsam isst, oder nur der Hausherr, während die Frau(en) von den Männern getrennt essen. Für Novadis ist das - glaube ich - als getrennt gesetzt; für Stadtstaatentulamiden schlage ich es jetzt nicht nach.

Was die Götterwelt angeht: Dazu hat Hexe ja schon das Wesentliche gesagt. Man muss auch da bedenken, dass DSA im Lauf der Zeit gewachsen ist. Als die Tulamiden eingeführt wurden, war zu Echsen, Bosparanern und Frühzeit noch wenig gesagt, und die Vorstellung, dass die Zwölfgötter vielleicht nicht immer so gesetzt und unumstößllich waren, war wohl noch nicht aufgekommen. Dass die einwandernden Bosparaner gar nicht alle Zwölfgötter kannten und zB Phex erst von den Tulamiden übernahmen, die umgekehrt Peraine oder Travia überhaupt nicht kannten, oder die inwzischen vergessenen Stadtgottheiten (wie bei den alten Sumerern), das ist alles im Lauf der Jahre und Editionen erst dazugekommen.
Ebenfalls zu bedenken: Hela-Horas hat einen blutigen und zutiefst rassistischen Vernichtungskrieg gegen die tulamidische Kultur geführt, allerdings ohne die - damals noch ganz neue - Zwölfgötterreligion durchzudrücken, weil sie sich selber als Göttin sah.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der Namenlose den frühen Tulamiden unbekannt war, bevor sie auf die Bosparaner trafen, oder dass er zumindest in ihrer Götterwelt keine nenneswerte Rolle spielte. Denn weder Novadis noch Ferkinas heute kennen ihn oder beachten ihn groß, und auch für die früh von den Urtulamiden abgespaltenen Trollzacker spielt er mW keine zentrale Rolle. Aber ich weiß nicht, ob in der Dunkle-Zeiten-Box dazu was gesagt ist.

Eine mythisch-religiöse Eigenheit, die ich gerne mag, ist übrigens noch die Legende von Zulhamid&Zulhamin als Stammeltern oder Tierkönigen der Menschen. Sollten die Menschen einen Tierkönig haben wie andere aventurische Tierarten auch, könnte der im Raschtulswall immer noch irgendwo rumlaufen. :)

Mahlzeit!
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Ungelesener Beitrag von Heldi » 16.05.2019 01:44

Herausragend! :6F:

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 17.05.2019 15:24

Hallo @Heldi auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Ich habe nun, wie schon angedroht, etwas über die Sprache geschrieben. Da liegt aber glaube ich noch was vor mir :lol: Ich hoffe es gefällt euch.
Der neue Text ist am Ende des ersten Beitrags.

@chizuranjida Wow, vielen Dank für die Zusammenstellung aus LdeS! Ich versuche bei Zeiten, dir mal darauf zu antworten. Allerdings vorab: Mein Ziel war es etwas mehr als nur das bisher Bekannte zur Kultur der Tulamiden beizusteuern und auch mal ein paar Sachen kritisch zu hinterfragen. Das war in Regionen wie dem Horasreich und Thorwal ja in der Vergangenheit auch möglich. LdeS und Raschtuls Atem sind, würde ich vermuten, ca. 15 Jahre alt und außerhalb von Aranien, ist nach meinem Empfinden nicht gerade viel dort passiert und auch kein neues Material geliefert worden...

Viele Grüße
Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 22.05.2019 23:56

chizuranjida hat geschrieben:
15.05.2019 23:40
Interessant. Mich als überzeugten Hobbit spricht natürlich vor allem das Essen an. Bei den Anleihen an persische Mythologie komme ich nicht über Ahriman&Ormuzd hinaus. Auch über persische Feste weiß ich zu wenig, abgesehen von Noruz/Newroz oder wie auch immer man das schreibt. (Aber sowas in der Art haben am ehesten die Ferkinas, weil bei denen Frühling und Schneeschmelze wichtig sind. Das Tulamidenland hat ja einen ganz anderen Jahrenzeitenrhythmus als der Iran.)
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet). Neben Nohrus wird auch die Yaldanacht noch gefeiert, die meisten anderen "heidnischen" Feste (Mehrgan etc.) werden nur noch von sehr wenigen zelebriert. Das Nohrus Fest wird über mehrere Temperaturzonen, im Kaukasus, am Schwarzen Meer und vereinzelt überall im Nahen Osten gefeiert (hauptsächlich natürlich von iranischen Völkern). Deswegen kann ich den Bezug zur Schneeschmelze nicht nachvollziehen, zumal dies auch nicht der Grund des Festes ist. Die von mir oben genannten Traditionen beziehen sich auch auf Nohrus und die Yalda-Nacht. Mindestens die Traditionen der Yalda-Nacht sollten uns bekannt vorkommen Während es draußen dunkel und kalt ist, sitzt man mit seiner Familie im wärmenden Licht.
Ich habe die Yalda Nacht auf die namenlosen Tage gelegt, weil ich das vom mythologischen Kontext noch sehr passend finde (Finsternis wird durchs Licht besiegt). Eigentlich läge das Fest auf dem 1. Firun (Wiedergeburt der Sonne, scheint in Aventurien aber auch so zu heißen). Da Nohrus den Anfang des Jahres darstellt, wurde dies nun auch kurzerhand auf den 1.Praios verlegt (eigentlich wäre es Ende Phex). Ich betrachte das nicht als Fest das "primitive" Kulturen angehen, wenn dem so wäre, müssten wir wahrscheinlich die Hälfte unserer Feiertage (darunter Weihnachten und Ostern) streichen, da sie dort ebenso ihren Ursprung haben. Der 1. Praios (Sommersonnenwende) wird des Weiteren definitiv in Aventurien gefeiert.
Falls dich die iranische Mythologie/Religion interessiert (wobei ich mich nur bei Satinav, Praios, Kor und Marbo an dieser orientiert habe) gucke ich gerne mal, ob ich was im Internet für dich zusammen suchen kann.

Bezüglich des Essens: Vielen Dank nochmals für deine Mühen. Ich muss mir immer an den Kopf fassen, wenn Kurkuma mit Safran gleichgesetzt wird (Banausen!) und dass diese die Trockenheit liebende Krokuspflanze ausgerechnet bei den Amazonen wachsen soll und das nur weil der Name der Burg Kurkum so gut passt... Nun ja es ist und bleibt eine Fantasywelt. Insgeheim hoffe ich nun, dass findige tulamidische Händler es geschafft haben in den 10 Jahren der Besetzung Kurkums die Pflanze bei sich zu kultivieren, meinetwegen auch mit chimärologischen Experimenten, die dazu führen dass man diese Pflanze nur in 2 Wochen im Herbst ernten kann...wenn es da nicht regnet...Aber die bisherige offizielle Setzung ist tatsächlich so, dass diese Pflanze nur bei den Amazonen wächst, danke für den Hinweis (ich hatte es tatsächlich vergessen).
Das mit den dreckigen Füßen, sehe ich kritisch. Das mag bei einer nomadischen Lebensweise 100% der Realität entsprechen, aber bei sesshaften Tulamiden, ist es schwer den Dreck aus den Teppichen zu bekommen (und das mein ich Ernst :wink: )
Bzgl. des Namenlosen: Ich glaube die mhanadastanischen Tulamiden oder sagen wir mal die Nicht Novadi Tulamiden sollten nach meinem Verständnis schon den Namenlosen (als Bösen) kennen. Zumindest wurde er schon seit ich mich erinnern kann in den Publikationen immer Iblis* genannt, was mich zumindest vermuten lässt, dass das Prinzip bekannt ist. Im dunklen Zeiten Teil konnte ich nach einer schnellen Durchsicht auch nicht erkennen, dass das "Prinzip" des Namenlosen unbekannt wäre.
*Ich persönlich fand die Philosophie des Iblis im Islam immer schon interessant.
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 27.05.2019 23:46

So, ich habe noch das Disi Tsarah aus meiner Kindheit ergänzt :D Ich glaube, das kann man als Meister gerade in den Großstädten gut verwenden.
Ich überlege noch das Haus der Stärke nach DSA zu übertragen, reizen würde ich es mich schon, ich glaube nur, dass es zu wenig Interessenten gibt :/
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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 23.06.2019 02:17

Vielen Dank für die detailierten Einblicke!!

Und für mich, der gerade erst seine Liebe zu den Tulamiden entdeckt hat, äußerst interessant und lehrreich. Gerne mehr davon!!
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 26.06.2019 22:44

@Thorgrimm_Faenwulfson Sehr gerne! Spielst du denn auch einen Tulamiden und wenn ja von wo?
Mir gehen aber langsam die Ideen aus, was man noch so brauchen könnte :lol: Gibt es Vorschläge? Bei der Sprache wollte ich noch was nachliefern, muss mir dafür aber mal Zeit nehmen...

Update:
Sur Khaneh (unter Gebäude)

Ich habe das in leicht abgewandelter Form, mal als Korgottesdienst verwendet (da kann man auch mal schön martialische Trommelklänge abspielen...). Unser Korgeweihter war nach dem zwanzigsten Blutritual echt genervt und fand das dann erfrischend neu. Da hat er sogar mal einen Sinn im Gottesdienst gesehen. Die Mils musste ich allerdings zu Zweihandhiebwaffen vergrößern :)

Tasmeh-Tasmeh (Sport & Spiele)
War ganz gut, um mal den Kontrast zwischen Stadt und Land zu zeigen und warum Tulamiden gute Ringer sind :).
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Ungelesener Beitrag von Thorgrimm_Faenwulfson » 27.06.2019 22:42

@Shirwan Nachdem wir mit der Erstgruppe Staub und Sterne gespielt haben, war ich von Khunchom dermaßen begeistert, dass der Funke, den unser Meister versprüht hat, bei mir dir Flamme ausgelöst hat. Unsere Zweitgruppe hat nun einen Tulamiden aus Khunchom, weil ich da einfach schon mal einen Anhaltspunkt hatte. Dank deiner ausführlichen Beschreibungen sind nun noch etliche Punkte (wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen) dazugekommen sind und mein Tulamide nicht nur aus "Ja Sahib" besteht...
Das wohl, bei Swafnir!

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 28.06.2019 10:55

Shirwan hat geschrieben:
13.05.2019 22:59
Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer.
Das ist eigentlich ein interessantes Thema, weil ich mich gerade bei den (neuzeitlichen) Tulamiden etwas schwer damit tue, sie genauer einzugrenzen und auf eine irdische vormoderne Kultur zu übertragen.

Bei den Rastullahgläubigen/Novadis ist es das noch ziemlich einfach - da kann man einfach sagen "orientier dich an mittelalterlichen Arabern", und dann hast sie schon getroffen - wobei die Religion eine große Rolle spielt. Bei Tulamiden ist das nicht mehr so einfach, wobei auch eine Rolle spielt, dass es abgesehen von Aranien (das sich aufgrund seiner Sozialstruktur dem Vergleich mit einem irdischen Gegenstück stärker entzieht als andere Kulturen) kein größeres tulamidisches Reich gibt und damit so etwas wie eine einigermaßen feste Ordnung, sondern eigentlich nur Stadtstaaten.

Irgendwie konnte ich sie außer "irgendwie orientalisch" kaum festnageln; aber letztlich habe mich für die Interpretation "Libanon/Phönizier" entschieden (dass dort die stärkste christliche, d.h. nicht-muslimische Präsenz war, hat auch dazu beigetragen). So wie die Güldenländer quasi Europäer (Deutsche/Franzosen/Italiener/Polen/Spanier/Engländer/Schotten/Iren etc.) sind, die halt nur auf dem Weg ins Mittelalter irgendwie ihre alte polytheistische Religion behalten haben; sind die Tulamiden Levantiner, auf die das gleiche zutrifft.
Shirwan hat geschrieben:
22.05.2019 23:56
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet).
Ich vermute mal, weil letzteres wohl die englische Transkription ist, was immer wieder Spielraum für Unklarheiten gibt.
Eine Bekannte afghanischer Herkunft hat sich beispielsweise mal darüber aufgeregt, dass in Deutschland nicht Qunduz, sondern Kundus geschrieben wird, wobei ihr in dem Moment wohl entgangen ist, dass ja auch Qunduz nur eine Enlehnung sein kann :ijw:
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 27.04.2020 00:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von hexe » 28.06.2019 11:08

Aranien hat auch wieder Einflüsse aus dem Indischen. Also zwischen Zorgan und Selem gibt es eine ganze Menge verschiedene Tulamiden, die man 'Orientalen' zwischen Südspanien, Nordafrika und Sri Lanka nennen könnte. 'Die Perser' würde ich eher in den Raum um den Mhanadi einordnen. Große uralte Städte, fruchtbares Land am Fluss und so weiter.
"Zulhamid ist aber gerade auch wieder Zucker!" - Lanzelind

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 00:12

@Thorgrimm_Faenwulfson Sowas zu lesen freut mich sehr. Ich finde es auch schön, dass du dich gerne mit anderen Kulturen auseinandersetzt. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass manche Sachen obskur erscheinen müssen. In diesen Fällen aber neutral und offen darauf zuzugehen, finde ich eine sehr schöne Eigenschaft.

@DnD-Flüchtling ,
Ja ich finde das Thema auch sehr spannend! Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Bei einigen Kulturen wurde schon von der Redaktion vorgegeben, welchen irdischen Anleihen sie entsprungen sind. Bei manchen kann man es sich herleiten.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.

Bzgl. der tulamidischen Kulturen:
  • Aranien: Aranien ist recht eindeutig mit Indien gleichzusetzen, wurde auch im Rahmen von DSA5 so bestätigt. Genauer ist es das Indien unter der frühen Herrschaft der Mogule, deren Ursprung ja bei den Persern/Khorasani lag (das frühere Khorasan war wiederrum das Kerngebiet der Parther). Persisch war dort Hofsprache. Staatsverwaltung, Architektur, Militärwesen etc. waren lange Zeit persisch/khorasanisch geprägt. Weitere Parallelen sind bspw. der Pfauenthron (Takht-e Tavooz) oder die aus dem persischen stammenden Städtesuffixe (-abad, -khand) und auch Babur (persisch = Tiger), der allerdings in der realen Welt der erste Mogul war und viele weitere.
  • Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
  • Novadis: Das sehe ich so wie du.
  • Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
  • Mhanadastani: Ganz klar persisch (bzw. eher iranisch) orientiert. Hier kann man sich über viele verschiedene Epochen und Dynastien hinweg orientieren (Parther, Sassaniden, Abbasiden und Safawiden, allerdings ohne den Islam). Es gibt aber auch viele Elemente der Turkvölker (die auch bei den Abbasiden viel Einfluss hatten, vor allem später). Bitte beachte, dass selbst im heutigen Iran dutzende von Kulturen existent sind. Wenn du einen Gilani mit einem Khorasani vergleichst, wirst du dich im Iran sehr unbeliebt machen :lol:
  • Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
  • Thalusa: Leider keine Ahnung.
Ja, das mit Nouruz stimmt schon, das macht die an sich schon schwere Überführung in lateinische Buchstaben noch schwieriger. Haha, das mit dem Ghain was du meinst, ist aber auch echt doof, da gibt es wirklich nichts Vergleichbares im Deutschen. Ich bin da auch die abstrusesten Klänge gewohnt :lol: Aber selbst Araber und Perser sprechen das gefühlt unterschiedlich aus.
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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 02:12

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Was letztlich auch eine Folge der Aufmerksamkeit ist, die der jeweiligen Gegend gewidmet wurde; bei sehr vielen Völkern kam es ja auch erst im Laufe der Zeit zu einer Identifikation: Wenn ich mir die Spielhilfe von 1985 mit rudimentärsten Informationen anschaue, dann waren Neu- und Altreicher generische Europäer - wobei Albernia allerdings schon sehr früh einen irischen Einschlag hatte, zumindest wenn man den irisch klingenden Namen des Fürstenhauses als Indikator heranzieht.
Die Bornländer hatten ein vages polnisches Element (die Adelsrepublik), die Thorwal-Piraten (nicht. Thorwaler!) waren schon ganz gut als Wikinger zu erkennen, die Khom-Nomaden (nicht: Novadis!) wurden als Wüstenbewohner beschrieben und bekamen den Rastullahglauben aufs Auge gedrückt, die Tulamiden gab es de facto noch gar nicht als eigenes Volk - die wurden kurzerhand mit Meridiana unter "Fasar, Rashdul und die südlichen Stadtstaaten" zusammengefasst und wie folgt beschrieben: "Die Bevölkerung Fasars und Rashduls (Anmerkung: die anderne Städte fallen alle unter den Tisch) stellt eine Mischung aus Wüstennomaden und Auswanderern aus dem Mittelreich bzw. den südlichen Stadtstaaten dar".

In der Anfangsphase gaben auch die Abenteuer auch kaum etwas her, wenn es um die kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gegenden geht - einzig bei Nedime (wo Ulrich Kiesow ziemlich offensichtlich so in Richtung Wilhelm Hauff/1001 Nacht gehen wollte) bist du das ganze Abenteuer über ziemlich eindeutig in einem orienatlischen Setting; aber bis zum nächsten Abenteuer in der Gegend (Wie Sand in Rastullahs Hand) durfte man bis 1989 warten ("Der Streuner soll sterben" war im Grunde genommen sehr generisch und hätte auch sonstwo in Aventurien stattfinden können). Faktisch gab es also bis zur Khom-Box bis auf zwei Abenteuer und ein paar Zeilen zum Novadi als Heldentyp (Tulamiden gab es wie gesagt damals noch nicht) kaum Material; ich vermute mal, dass man sich erst in den Nuller Jahren - also 20 Jahre nach dem Entstehen von DSA! - so richtig dran gemacht hatte, die Gegend zu beschreiben.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Also, die iranische (und indische) Antike würde ich am ehesten im Diamantenen Sultanat verorten. Wobei hier natürlich eingewendet werden muss, dass man da außer DDZ keine beschreibenden Quellen hat und deswegen die eigentlich Identifikation immer irgendwie nebulös bleiben muss.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.
Das mit dem Polytheismus als identifizierendes Element ist so eine Sache; schließlich gibt es in DSA eher selten eine Übereinstimmung zwischen kulturellem Vorbild und religiösem Vorbild. Die Novadis hätten es (kulturell Araber, religiös monotheistischer Islamverschnitt); die Thorwaler haben es (kulturell Dänen, religiös polytheistisch, nordische Einflüsse), die Zyklopäer haben es (kulturell griechische Klassik, religiös polytheistisch, Pantheon); aber so ziemlich alle anderen Güldenländer haben es nicht (kulturell mittelalterliche bis neuzeitliche Europäer, religiös aber trotzdem polytheistisch - römisch/griechische Einflüsse, aber auch Elemente, die an den mittelalterlichen Katholizismus in polytheistischem Kleid erinnern) und für die allermeisten Tulamiden (die man wohl mit allen möglichen Völkern des mittelalterlichen Nahen und Mittleren Ostens identifizieren kann) gälte es dann ebenfalls nicht.
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
Echt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ferkinas afghanische Stämme sein sollten.
Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
Bei Gorien und Hasrabal würde es mich fast wundern, wenn der was anderes sein soll als de böse magiebegabte Sultan/Großwesir aus 1001 Nacht, aber andererseits habe ich die DSA 4-Regionalspielhilfen zu der Region noch nie so richtig gelesen.
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
Fasar wurde in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 als bunte (und extrem chaotische) Metropole beschrieben, die eigentlich keine Zentralautorität hat und in der alle möglichen Völker nebeneinanderher leben. Fast so eine Mischung aus Al'Anfa und einem tulamidischen Stadtstaat. Wenn du das nicht zuordnen kannst, dürfte das wohl auch daran liegen, dass es (ursprünglich zumindest) auch nie so gedacht war.
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wenn ich eine Vermutung in den Raum werfen müsste: Samarkand. Aber, Hand aufs Herz - diese Vermutung hängt einzig daran, dass Fürst Ras Kasan und Prinzessin Shenny in "Der Streuner soll sterben" eindeutig ostasiatische Züge haben. Interessanterweise aber auch nur die, denn der thalusische Haushofmeister sieht - übrigens ebenso wie der Khunchomer Prinz - sehr europäisch aus.
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 06:58

Morgen,

cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)

Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.

Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)

Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt. Was ich mit meinem Beitrag sagen wollte, ist schlussendlich also, dass es durchaus polytheistische Ansätze gibt (z.B. bei den Ägyptern, aber auch bei anderen orientalischen Völkern), die man als Vorlage nutzen könnte. Bei Feqz, Rondra und Radscha haben sie eine gewisse tulamidische Prägung versucht, aber so wirklich angenommen und differenziert ist diese nicht (zumindest mein Empfinden, bei Radscha noch am ehesten). Gut bei DSA kommt dazu, dass die Götter tatsächlich real sind und die wichtigsten in Alveran hausen. Aber das hat ja Brazorak, Ögnir (Loki) und Co ja auch nicht abgehalten ;)

Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.

Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat. Mittlerweile, gerade mit seiner eigenen Rechtsschule, seiner offenen Religionspolitik, seinen zahlreichen Söhnen in Herrschaftsämtern, der Heirat in den Altadel durch Eshila oder durch seine Umtriebe in Chalukistan bzw. allgemein im Konflikt mit Aranien, sehe, zumindest ich, das differenzierter. Kann mir das aber auch einbilden :lol: Freuen würde es mich. Gorien hat viel Potential, auch wenn die Aktion mit Anchopal schon ziemlich fies war :lol:

Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?
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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 29.06.2019 11:59

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)
Danke, aber gerade DSA lädt dazu aber auch extrem ein, sich hier in Spekulationen zu ergehen :ijw:
Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.
Das ist aber auch ein Problem im System: Der Kontinent ist klein, und viele Kulturkreise sind extrem randständig gehalten (vor allem nichteuropäische - der tulamidische Raum versucht ja offensichtlich, sehr viele und teilweise auch sehr disparate Kulturen abzudecken, und ist dafür im Grunde einfach nicht weitläufig genug).
Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)
Das war wahrscheinlich auch deswegen der Fall, weil es da noch keinerlei genauere Beschreibungen gab, und sich hier Spezialisten nach Lust und Laune austoben konnten. Tulamiden/Novadis dagegen? Da musste 1990 nun mal eine Box raus, und man hatte für diese Aufgabe halt nur Hobbyautoren, die vom Nahen und Mittleren Osten noch weniger Ahnung hatten als vom europäischen Mittelalter (und das Internet gabs auch nicht...) - und darüber hinaus vermutlich nicht einmal eine konkrete Vorstellung, was der Landstrich darstellen sollte, siehe unten.
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das ist mit ziemlicher Sicherheit so.
Wobei ich allerdings unterstelle, dass das auch daran liegt, dass (a) der Zwölfgötterglaube damals quasi "default" war (von den Menschen bekamen in der Frühzeit nur die Mohas, die Novadis und die Nivesen eine eigene Religion verpasst; und die wurden ja auch mehr oder weniger eindeutig als "falsch" beschrieben) - und dass sie gerade mit den Tulamiden damals nicht wirklich etwas anfangen konnten: Die wurden ja erst in der Khom-Box überhaupt als spielbares Volk eingeführt; und als eigener separater Heldentyp nie (du konntest in DSA 2 und DSA 3 einen tulamidischen Händler, Krieger, Gaukler etc. spielen... aber keinen Tulamiden, wie du einen Novadi/Thorwaler/Moha/Nivesen/Norbarden spielen konntest).

Ich vermute, dass sie sich überhaupt erst so richtig Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Tulamiden ausgestalten sollten, als sie die Khombox rausbrachten. Wenn man sich zB die frühesten Beschreibungen der tulamidischen Stadtstaaten (Khunchom, Rashdul, Fasar, Thalusa) in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 durchliest, werden zwar die Novadis, aber nicht die Tulamiden als Volk erwähnt (wobei man die in den allgemeineren Regionalabschnitten findet), und die Tempel sind fast durchgehend Präsenzen der Zwölfgötter (gelegentlich auch Rastullah und sogar Rur & Gror) - was zwar zur früheren Identität der tulamidischen Stadtstaaten als multikulturelle Schmelztiegel passte, sich aber nicht dazu anbot, ihnen nachträglich eine eigene Identität auch in religiöser Hinsicht zu verpassen. Die ist dann eher im Laufe der Zeit gewachsen.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt.
Was ich persönlich auch als eine der gelungensten Entwicklungen des Thorwaler Raums empfinde (einen Loki-Phex hätte ich mir allerdings auch gewünscht statt einem neuen Gott; zumal der Phex der Historia Aventuria ja deutlich mehr lokihafte Züge hat - aber das dürfte wohl der ursprünglichen Beschreibung des Thorwaler Phexkultes als "Schelm der Götter und Gott der Schelme" geschuldet sein). Allerdings sehe ich ansonsten ehrlich gesagt aber keine großen personellen Überschneidungen zwischen dem nordischen Pantheon und dem der Thorwaler: Swafnir hat zwar die Rolle von Thor als Volksgott, aber ansonsten mit ihm von seinem Machtbereich her wenig gemeinsam. Die anderen Götter (Odin, Freyr, Baldr, Frigg, Hel etc.) haben zumeist entweder tatsächlich kein Gegenstück in der aventurischen Mythologie oder die Thorwaler achten sie nicht besonders (Efferd beispielsweise ähnelt Njörd, und Rondra hat die Attribute Thors, und Freyja ist wohl Rahja am ähnlichsten, aber keinen der drei verehren man im Norden) - es ist mehr das Flair des Thorwaler Pantheons, dass ihre Identität ausmacht.

Bei den Tulamiden stellt es sich - für mich zumindest - so dar, dass man es bei ihnen rückwirkend so festgelegt hat, dass sie eh nie wirklich Zwölfgöttergläubige im strengen Sinn waren, sondern halt diese und einen Haufen anderer Götter verehren; und viele (Phex, Rahja etc.) auch in durchaus kulturspezifischer Form: Insofern sehe ich die tulamidische Götterverehrung als der mittelländischen ähnlich fern wie die thorwalsche.
Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.
Ich muss zugeben, dass ich auf die Kurden nie gekommen bin (trotz Kara ben Yngerymms Reise durchs wilde Ferkinaland); aber die Tendenz der Ferkinas, noch möglichst altertümlich zu leben, erinnert mich tatsächlich in allererster Linie an die Afghanen.
Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat.
In 1001 Nacht hat der Zauberer glaube ich gar keinen Namen und ist auch nicht der Großwesir *gruebel* Damn you Disney!
Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?
Wie gesagt, meine Interpretation hängt ziemlich ausschließlich am Aussehen von Kasan und Shenny; und die islamische Welt des Mittelalters ging ja bis an die Grenze von China, auch wenn Thalusa abgesehen vom Reisbau ansonsten möglicherweise nicht groß mit ostasiatischen Elementen glänzt. Aber: Es ist halt auch blöd, wenn man eine ganze irdische Region in eine einzelne Stadt hineinquetscht.
Zuletzt geändert von DnD-Flüchtling am 27.04.2020 00:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 29.06.2019 12:17

Du sprichst mir in vielen Dingen aus dem Herzen und rennst bei mir offene Türen ein :)
Ich muss dir aber eine längere Antwort schuldig bleiben. Die "harten" Verpflichtungen des Wochenendes rufen :lol:
Dir ein schönes Wochenende!
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 02.07.2019 14:06

Aventurische Fläche: Ja, da ist schon eine riesige Diskrepanz. Aber gab es ja schon ewig lange Diskussionen über die Größe und Bevölkerungszahl Aventuriens, das Fass mache ich hier nicht auf :D Aber ich sehe das genauso wie du! Auch was die Reduktion ganzer Länder auf eine Stadt betrifft.

Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!

Religionen: Da bin ich teilweise anderer Meinung als du. Bei den Thorwalern fand ich es gut, dass man da Nägel mit Köpfen gemacht hat. Es wurden neue Götter, götterähnliche Wesen etc. ergänzt/hervorgehoben (siehe Thorwalsches Pantheon im Wiki) und es gab auch tatsächlich eine öffentliche Proklamation (im aventurischen Boten meine ich). Da hat man unstimmige Elemente abgeschnitten (Echsengötter raus, Rondra als Swafnirs Mutter weg, den güldenländer Praios raus etc.). Man hat auch bestehende Elemente recycelt, so sie denn stimmig waren (Ifirn Stellung im thorwalschen Pantheon). Klar deckt sich das nicht mit der nordischen Mythologie, aber ich fand das Ausmaß ausreichend und die Diffusion dieses neuen thorwalschen Weltbilds sehr gelungen. Da gab es wie gesagt den aventurischen Boten, Online Ergänzungen, aber auch diverse Abenteuer, die sukzessive die Glaubensinhalte vertieft und somit ein stimmiges und höchst individuelles Pantheon geschaffen haben.

In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).

Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.

Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.

Wenn du das Gespräch fortführen willst, sollten wir es vielleicht verlagern. Bin mir nicht ganz sicher, ob es noch ganz den eigentlichen Inhalt des Threads trifft.
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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 08.07.2019 21:45

Sorry, gar nicht registriert, dass es hier weitergegangen ist ;)
Shirwan hat geschrieben:
02.07.2019 14:06
Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!
Hatte ich vorher auch nicht, es ist mir nur verstärkt aufgefallen, als ich die alten Abenteuer durchgegangen bin und parallel dazu die entsprechenden Spielhilfen :ijw: Man muss aber auch berücksichtigen, dass so gut wie keine Beschreibung der ersten Jahre heute noch was taugt: Weder der hohe Norden noch das Orkland noch Meridiana etc. hatten in den Anfangsjahren das Look & Feel, das sie später bekommen hatten. Nedime ist da sogar noch ganz gut weggekommen...

Wobei ich nochmal über die Identität der Tulamiden nachgedacht habe: Tatsächlich machen Iraner, insbesondere Perser, hier wohl am meisten Sinn: Sie haben bezogen auf den Orient eine ähnlich dominierende Rolle gespielt wie die Römer im Hinblick auf den Okzident; und dürften dementsprechend auch ein gutes Vorbild für die gegenwärtigen Tulamiden abgeben.
Als Verhältnis zwischen Tulamiden und Novadis würde sich hier als Vorbild dann auch das zwischen Persern und Arabern im (Früh-)Mittelalter anbieten (nur ohne dass letztere die Vorherrschaft an sich gerissen haben): Auf der einen Seite eine alte Hochkultur, die sich den Wüstenbewohnern überlegen sieht; und umgekehrt eine stark religiöse Gesellschaft, die die anderen als Heiden und Ungläubige betrachtet.
Das ethnische Element des Konflikts fällt zwar raus, aber da verhält es sich bei den verschiedenen güldenländischen Völkern ja auch nicht anders.
In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).
Das ist natürlich korrekt, aber die Frage ist letztlich: Was tun? Die Tulamiden sind kulturell und vor allem politisch ja noch disparater als die Thorwaler, weswegen ein ähnlicher Kunstgriff hier auch eher unglücklich wäre. Aber bevor ich nicht nochmal einen Blick in die aktuelle Spielhilfe und die Handhabung der Religion im tulamidischen Raum gelesen habe, halte ich mich hier erstmal bedeckt ;)
Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.
Jup, ich erinnere mich daran, dass im Shahnameh Kabul häufiger erwähnt wurde als die Städte des heutigen Iran ;)
Hier setzt du allerdings Spezialistenwissen voraus, noch dazu aus der Perspektive Afghanistans selbst. Aus einer europäischen Perspektive sind die Afghanen vor allem als quasibarbarisches Bergvolk in Erscheinung getreten, das sich traditionell jeglichen Unterwerfungs- und Zivilisierungsversuchen hartnäckig verweigert hat. Aber: Die Afghanen als Vorbild war vor allem die Interpretation, die sich mir aufgedrängt hat, aufgrund einiger Elemente in der Präsentation der Ferkinas. Die Ferkinas selbst sind mit ihrem Blutkult und ihrer extremen Gewalttätigkeit und Grausamkeit schon extrem speziell und haben sich von eventuellen irdischen Vorbildern ziemlich weit entfernt.
Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.
Ich habe gerade nochmal die Knaur-Version rausgekramt; der Bösewicht wird hier als maurischer Zauberer beschrieben, der sich als Aladins Onkel ausgibt. Ein Name wird dort ebensowenig erwähnt wie die Region, in der die Geschichte spielt.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 08.07.2019 22:32

@DnD-Flüchtling Kein Problem hatte vergessen dich zu "mention" oder zu zitieren.

Ich würde das Gespräch gerne fortführen, aber ich befürchte unsere Meinungen sind zu nah einander, als dass da wirklich was Neues dazu käme :lol: Bzw. ich kann deiner Argumentation folgen.

Vielleicht bzgl. Kabul: Ja, definitiv. Rostam wurde dort geboren! Und Zal Dastans Liebe zu Rudabeh ist einer der schönsten Liebesgeschichten des Shahnamehs (nach meinem Empfinden) und spielt auch dort. Da darf der Name gerne öfters fallen :)

Tulamidische Götter: Ja, das "was tun" habe ich mich auch schon gefragt :( Mehr Abenteuer die zumindest einige (Flächen-)Gebiete abdecken und sich mit dem Thema beschäftigen wären gar nicht so schlecht für den Anfang.
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 12.07.2019 01:48

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
(Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
DDZ? Das kenne ich nicht, und gibt es leider nicht als Download. Die Box ist vergriffen und gebraucht sauteuer.
Hat da wirklich jemand Sumerer oder Babylonier oder sowas 1:1 sauber kopiert, ganz ohne Anpassung ans sonstige Aventurien und was schon über Urtulamiden publiziert war? Ich hoffe nicht.

Ich glaube nicht, dass es irgendeine aventurische Kultur oder Gegend gibt, die nur nach einem einzigen Vorbild aufgebaut ist, oder auch nur eine, die je diesen Anspruch hatte. Es geht ja auch gar nicht, denn Aventurien hat nunmal eine andere Gesamt-Geschichte, hat real existierende Götter und damit wahre, mögliche und falsche Religionen, Magie, große Drachen und sowas, Nichtmenschenvölker, etc pp
Ich fände es auch gar nicht sinnvoll, sowas zu versuchen.
Es geht doch um inspirierende Vorlagen für Fantasy-Rollenspiel-Abenteuer. Wenn's nebenbei inneraventurisch stimmig ist, umso besser. Da auch noch eine akkurate Kopie einer irdischen Kultur reinzuwursteln wird eher nicht klappen.

Es hat zB anscheinend mal jemand versucht, einzuführen, die Güldenländer hätten Pferde mitgebracht, und damit die damals pferdelosen Tulamiden überrollt wie die Conquistadores in Mexiko. Dem standen aber die Elfenpferde aus der Phileasson-Kampagne entgegen, und die Orkponys. Also ging das nicht. Sowas muss man immer beachten. (Kamele jetzt mal völlig außen vor.)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen.
Abgesehen von dem Buchtitel "Durchs wilde Mhanadistan" wüsste ich keinen Bezug zu Kurden. Das Reiterspiel Buskurdh beruht auf einem, das in Afghanistan, aber auch weiter in Zentralasien verbreitet ist. Die Namen sind teils aus den bereits vorher bekannten tulamidischen abgeleitet, teils afghanisch oder allgemein indo-iranisch.
Die Technik ist steinzeitlich, HerrIngerimmNochmal. Das als Bezug auf konservative Afghanen zu nehmen ist schon mittelschwer weit hergeholt. Die irdische Bronzezeit begann übrigens mW in einer Mine in Tadjikistan.
Die Magie ist schamanistisch, da mag man auch an zentralasiatische Traditionen (Mongolen, Turkvölker) denken, aber vor allem ist es halt der aventurische Schamanismus, so wie er regeltechnisch und vom magischen Hintergrund gesetzt wurde.
Einiges ist aus den Kulturen der Tulamiden und Novadis rückgeschlossen, die ja alle irgendwie von so einer Art Ferkinas abstammen. ZB haben die Ferkinas die gleichen Bestattungssitten wie die Novadis.
Beim gehämmerten Flussgold und der Teppichkunst mag man an Skythen denken.
Die wilden Horden von Rascha-Anbeterinnen sind griechischen Mänaden nachempfunden.
Die dunklen Filzzelte kommen von tibetischen Nomaden, genauso wie die Grunzochsen/Yaks. Und die Schädelhaufen mit den wehenden Kopftüchern der Erschlagenen auf Passhöhen dürfen auch gerne an diese Steinhaufen mit Gebetsfahnen erinnern, die sie in Tibet, Nepal und da so haben. :)
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen.
Zu den Vorlagen zählt mW die Kurzgeschichtenserie Freistatt. Ansonsten natürlich alles, was sich aus Setzungen über Tulamiden allgemein und die aventurische Geschichte ergibt.
Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wieder: Die allgemeine tulamidische Kultur ist immer als Grundstock zu beachten, und Anleihen woandersher sind immer nur möglich, wo sie der nicht widersprechen. Samarkand als Wüstenstadt an der Seidenstraße: definitiv nein, Thalusa ist ja eine Küstenstadt. Kleidung und Schiffbau haben möglicherweise einige leichte Anklänge an Bengalen und Indochina. Der permanente Zustand der Hungersnot bei den Tagelöhnern, während zugleich Großgrundbesitzer Reis-Überschüsse für gutes Geld exportieren, folgt mW historischen Vorlagen zB aus Bangladesh.

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu".
Die Thorwaler hatten schon in der DSA2 Spielhilfe Thorwal&Seefahrt einen vom mittelreichischen Zwölfgötterglauben stark abweichenden Glauben vor allem an Swafnir und Ifirn, während Rondra und Efferd nicht als Personen sondern Naturgewalten betrachtet wurden, und einige Götter eher unbekannt waren.

Bei den Tulamiden muss man berücksichtigen, dass Hela-Horas versucht hat, die Kultur auszulöschen, und die Priesterkaiser später haben nochmal ihr Bestes getan, vorherige religiöse Strömungen abzustellen.
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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 10:51

zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... also dem Ort, wo im Hochmittelalter Perser, Araber, Türken/Osmanen, Mongolen, Armenier, oströmisches Reich und westeuropäische Kreuzfahrer (fast alle eher in Kleinstaaten organisiert) aufeinandertrafen, und davor die alten Siedlungen (Stadtstaaten) von Sumerern, Babyloniern, Hethitern, Phöniziern u.s.w. lagen.

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.


Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.


Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).

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Ungelesener Beitrag von DnD-Flüchtling » 15.07.2019 17:30

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...
Mittelalterliche Araber aus den kulturellen Zentren; die ursprünglichen Araber von der Arabischen Halbinsel sind ja bis ins 20. Jahrhundert hinein Beduinen geblieben; insofern passt es schon (es gibt zwar auch bei den Novadis kulturelle Zentren, aber Unau und Mherwed sind halt beim besten Willen kein Gegenstück zu den von den dir genannten Städten - nicht mal im aventurischen Maßstab).
Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.
Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht.
Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Ich bin ja immer noch für Ostasien.

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Denderajida_von_Tuzak
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Ungelesener Beitrag von Denderajida_von_Tuzak » 15.07.2019 20:27

Ostasien (Phillipinen/Indonesien) hätte ich eher für Maraskan reserviert.

Auch auf der arabischen Halbinsel gab es kulturelle Zentren (Mekka/Medina, Aden, Taizz, Muscat, ...


@Shirwan: Die Licht-Dunkelheit-Geschichte aus dem Zoroastrismus könnte in den Lowanger Dualismus (vor allem in Nostria und im Svellt'schen beheimatet) eingeflossen sein.

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 15.07.2019 21:39

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51

Mhandadistan entspricht mMn am ehesten einem Hybrid aus Mesopotamien und Levante (etwa der goldene Halbmond mit Damaskus, Beirut, Tripolis, Homs, Aleppo, Diyarbakir, Mossul/Ninive, Kirkuk, Bagdad,...), nicht dem persischen Hochland... .

Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.

Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Die Fläche des heutigen Irans ist 5 mal so groß wie Deutschland. die des alten Persiens noch deutlich größer. Du hast viele verschiedene Vegetationszonen von fast tropischen Zonen, über Steppe, Gebirge, ausgedehnte Wälder und (Salz-)Wüste. Kulturell und selbst sprachlich liegen bspw. zwischen einem Gilani, Azari und einem Khorasani Welten. Prinzipiell könntest du die meisten Gebiete der Tulamiden im Iran einordnen (bei den Küstenregionen gäbe es tatsächlich nur die Bandari). Aber dennoch gebe ich dir recht, ich würde regional sowas um den fruchtbaren Halbmond herum sehen. Bitte bedenke, dass dort historisch gesehen lange Zeit die kulturellen Zentren der Perser lagen (Bagdad ist eine abbasidische Gründung und von der Etymologie her iranisch und vorher war auch Ktesiphon die Hauptstadt der Sassaniden dort).

Den Raschtulswall als Kaukasus zu sehen find ich charmant, sozusagen als Wiege der Menschheit, ich könnte mir sogar vorstellen, dass das so gedacht war. Dann würden die Ferkina-Kaukasen auch gut dorthin passen. Gefällt mir!
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Die Sommersonnwende (statt der Tag-und-Nacht-gleiche) als großen Feiertag ähnlich Nouruz/Newroz zu verwenden finde ich super. Würde aber nicht den Sieg über die Finsternis feiern, sondern in guter tulamidischer Tradition den bevorstehenden Sieg der Finsternis (Zeit der Menschen) über die brennende Sonne (Zeit der Echsen und des Echsengottes Pprss) - schließlich wird ab dann die Sonne schwächer.
Ja, konsequenterweise hast du recht! Ich wehre mich aber innerlich stark dagegen, weil das so konträr zur Realität ist. Praios kannst du fast 1:1 mit Mithras mit Abstrichen mit Ormazd gleichsetzen. Auch dieser Individualismusgedanke des Phex passt nicht so wirklich zur orientalischen Kultur. Nach meinem Empfinden hat familiärer Zusammenhalt und das Wohl der Gemeinschaft im Orient einen höheren Stellenwert (mit allen Vor- und Nachteilen). Man sieht sich mehr als Teil einer Gemeinschaft, fast wie bei den Norbarden (auch wenn dass dann wieder das Extrem darstellt). Viele kulturelle Traditionen (Nohrus, Sofrehe aghd etc.), Sprichwörter, Aberglauben, ja selbst die Verwendung von Metaphern und Worten an sich beruhen auf der starken Symbolik von Licht und Feuer. Man verbaut sich dadurch mehr als das man passendes gibt. Selbst im heutigen Iran, beginnt das Jahr mit dem heidnischen Nohrus, die Monatsnamen tragen die Namen der Erzheiligen der Parsen etc. Mein Versuch war es Praios zumindest auf einen annehmbaren, verehrbaren Stand zu heben. Klar entspricht das nicht einmal annähernd der offiziellen Satzung, aber für mir erleichtert das Anleihen aus der Realität nach DSA zu adaptieren und bereichert so mein Rollenspiel (und ich würde sagen auch das derjenigen die mit mir spielen). Phex als Hauptgottheit suggeriert bei mir andere, nach meinem Empfinden größtenteils falsche, Assoziationen.
Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
Deine Schöpfungsgeschichte finde ich sehr güldenländisch angehaucht. Efferd würde ich nicht verehren lassen (bzw. nur als güldenländischen Gott) - die Tulamiden verehren eigentlich Flussgötter wie Gadang und Mhanadi, und das Meer selbst ist ihnen als "den Echsen gehörig" verboten (als Meeresgottheit würde ich da eher Charyptoroth ansehen...). Eine "Namenlosen"-Gestalt würde ich ins tulamidische Pantheon auch nicht einführen, bzw. wenn dann als ein Konglomerat der "Güldenen" (Pyrdacor, Namenloser, Hela).
Es gibt mehrere "Schöpfungsgeschichten". Die der Avesta und die aus dem Shahnameh (sehr kurz) kenn ich jetzt recht gut. Da wird das Motiv des Gefallenen eigentlich gerne verwendet. Auch dass sich Aspekte höherer Wesenheiten in Kindern vereinigen ist jetzt nicht unüblich.
Ja, Efferd ist schwierig. DSA gibt Bal Mhanad vor (der ist ja auch bei mir als Sohn drin). Im alten Persien, war das Wasser mit Heilwirkung verbunden und wurde mit Frauen assoziert (Anahita ist die bekannteste Göttin in diesem Kontext). Deswegen habe ich aus Bal Mhanads Mutter Satuaria gemacht, die meines Erachtens gut dahin passt. Inneraventurisch hast du natürlich recht.
Ich wüsste gar nicht ob das Meer von den Persern verehrt wurde. Die Perser selbst waren ja auch nie große Seefahrer. Da aber bei DSA die Tulamiden eine lange Küste haben und trotz Bastrabuns angeblichen Verbot ja Seefahrt betreiben, braucht es wohl einen Meeresgott. Erzdämonen in der "heutigen" Zeit direkt zu verehren finde ich schwierig, wenn auch nicht unmöglich.
Zum Bösewicht hatte ich oben schon was geschrieben, das bleibt bei mir drin :). Der Namenlose und Pyrdacor sind bei mir übrigens schon stark zusammen gewachsen und als Vater und Sohn bereits drin (entspricht ja sogar ein wenig der inneraventurischen Realität). Drachen und Echsenhafte (siehe Zahak) wurden (wie vielerorts) tatsächlich in Persien mit dem Urbösen verbunden.

Wegen Prrsss (oder wie immer man das auch schreibt :lol:!) bin ich mir gar nicht sicher, ob die Urtulamiden das mit den Echsen verbinden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine die Prrsss Priester wurden von den anderen Echsen-Geweihten/Priestern schon vor dem intensiven "Kontakt" mit den Urtulamiden verdrängt.

Wegen Lowanger Dualismus: Das ist mir ehrlich gesagt zu weit weg.
Einen Tulamiden spielen - Eine Spielhilfe zum Spiel in Tulamidistan mit persischen Bezügen

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