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von Madalena
09.10.2019 12:02
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Thema: Gewaltdarstellung im Rollenspiel
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Rhonda Eilwind hat geschrieben:
09.10.2019 10:42
Worauf mein SC, getriggert durch meine Abneigung gegen eben jenes Gemüse, herausplatzte: "Igitt! Ich hasse Sellerie!!!"

Sellerie ist auch überbewertet... :wink:


Noch mal zur Frage der Detaildarstellung: Abgesehen davon dass Details natürlich immer heikel sind, weil sie zwar womöglich den gewünschten "angenehmen Grusel" evozieren, aber mehr Details die Gefahr erhöhen, jemanden zu triggern:

Ich glaube, dass mehr Details bei körperlichen und psychischen Schäden qualitativ anders zu betrachten sind. Bei körperlichen Schäden macht es für meine Vorstellungskraft schon einen Unterschied, ob ich es verbuche unter:
- in ein paar Wochen ist sie wieder auf den Beinen
- er erleidet leichte dauerhafte Schäden
- sie wird für ihr Leben lang fürchterlich entstellt sein
- er wird sein Leben lang massiv auf Unterstützung angewiesen sein (die er je nach Stand etc. leichter oder schwerer bekommt).

Die Details machen es für mich also greifbarer.

Bei psychischen Folgen sind die Details dessen was geschehen ist weniger erheblich, da sie relativ wenig Rückschluss zulassen, wie schlimm es für das Opfer ist.

Ob es bei einer Vergewaltigung heißt "an ihr wurden Sexpraktiken 2, 6 und 7 aus WdV vorgenommen", oder "ihm ist [black box] widerfahren" macht - jedenfalls für mich - keinen wirklichen Unterschied, weil ich mir in beiden Fällen gleich gut vorstellen kann, wie schlimm das für die Person auf psychischer Ebene ist.
von Madalena
08.10.2019 22:20
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Rhonda Eilwind hat geschrieben:
08.10.2019 22:08
Ein Filmheld oder auch eine Filmheldin kann praktisch alles überleben, wo andere Leute nur noch Hackfleisch wären, und rennt immer noch weiter und kämpft für das Gute. Massive physische Gewalt, psychischen Stress - und dann eine Vergewaltigung und - zack - monatelang Drama, Selbszweifel, komplette Zerstörung der Persönlichkeit, am besten bis hin zur Suizidalität.
(Bewusst übertrieben dargestellt).
Ein sehr interessanter Gedanke. So habe ich das nie betrachtet, aber klingt einleuchtend.
von Madalena
08.10.2019 17:51
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@Skyvaheri Als Hintergrundbeschreibung finde ich das völlig OK. Die Stadt wurde geplündert, Überlebende berichten von Vergewaltigungen. Oder die Jagd auf den*die BKL-Paktierer*in, wo man sich auch denken kann dass nicht immer alles besonders safe, sane, consensual war. Wo ich die (rein subjektive) Grenze ziehe ist das unmittelbare Erleben, oder das unmittelbare Danach.
von Madalena
08.10.2019 17:29
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Jadoran hat geschrieben:
08.10.2019 17:15
Die Tropes sind auch heute noch gängig: a) er soll doch froh sein und es geniessen, b) wer sich von einer Frau überwältigen läßt, ist doch selber schuld, das ist voll komisch und c) er hat ihn doch hochgekriegt, also wars keine Vergewaltigung.
Ja, das sind alles ganz reale üble Punkte - die es Männern mit Missbrauchs-/Vergewaltigungserfahrung um so schwerer machen, Hilfe oder Verständnis zu finden. Oder überhaupt darüber zu sprechen. Es wäre wirklich wichtig, solche Denkweisen zu überwinden.

@DnD-Flüchtling Ich glaube, zwischen einer Show-Szene und Tischrollenspiel gibt es noch einen deutlichen Unterschied in der Immersion. Du schreibst ja selbst, dass die Frauen genüsslich mitgespielt haben. Die waren innerlich nicht in der Szene drin, und hatten (völlig legitim, wie ich finde) ihren Spaß. Am Spieltisch habe ich aber kein Skript das ich befolge, sondern versetze mich in meinen SC und bin viel mehr in der Szene drin.
von Madalena
08.10.2019 17:10
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Ach ja, da fällt mir ein: Ich kenne auch Menschen mit realen Kriegserfahrungen. Der Unterschied ist womöglich, dass er darüber nicht (mit mir?) spricht. Da haben wir aber, als Rollenspiel im Raum stand, auch lieber nachgefragt. Und bei der Gelegenheit auch die äh bedingt kultursensible Darstellung der Novadis und Tulamiden angesprochen. Antwort war "I don't care", womit ich eh gerechnet hatte. Aber ich fand es schon wichtig nicht einfach davon auszugehen dass es passt.
von Madalena
08.10.2019 16:16
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Vielleicht auch eine gewisse Hilflosigkeit? Also, nehmen wir an wir kommen an den Schauplatz eines Verbrechens.
- War es Mord? Für das Opfer ist es eh zu spät, dem Täter hinterher.
- War es Raub? Dem Opfer ist vermutlich am besten geholfen, wenn man das geraubte Gut zurück bringt - dem Täter hinterher.
- Wurde das Opfer schwer verwundet? Balsam oder HKW.

Aber bei Vergewaltigung? Da würde ich vermutlich nur denken "Fuck..." Ich meine klar: Dafür Sorgen, dass die Person in Sicherheit ist, vielleicht eine Decke reichen. Aber viel kann man nicht machen. Und dann die Frage, ob die Person behandlungsbedürftige Verletzungen hat. Was sage ich? "Seid ihr in Ordnung?" Äääh... "Seid ihr verletzt?", " Hat er/sie euch was getan? ", " Benötigt ihr Hilfe?" Das sind alles Formulierungen, die einem im Hals stecken bleiben. Und die Person ungefragt inspizieren verbietet sich ebenso.

Keine Ahnung, das Szenario fühlt sich einfach richtig, richtig mies an. Levthans Feuer fände ich übrigens ebenfalls hässlich, aber abgemildert. Vielleicht, weil es wirklich schwerer vorzustellen ist.

Aber ich denke, es ist wirklich in erster Linie die Lebensnähe. Vor zehn Jahren hätte mich das nicht gejuckt. Aber heutzutage ist Vergewaltigung so ziemlich das heftigste, mit dem ich persönlich (zum Glück nicht am eigenen Leib) in Berührung gekommen bin. Ich kenne auch Menschen, die ausgeraubt wurden. Das war sicher auch heftig. Aber die haben das mit ein paar Jahren Abstand eher wie eine (krasse) Abenteuergeschichte erzählt. Das war nicht zum Lachen, aber sie hielten es offenbar für etwas, das es wert ist erzählt zu werden, an einem lustigen Abend. Und ohne dass danach die Stimmung im Arsch war. Die wirkten dadurch nicht traumatisiert. (Was natürlich nicht heißt, dass nicht Raub ebenfalls eine traumatische Erfahrung sein kann.)

Ich glaube, in mitteleuropäischen Verhältnissen ist sexualisierte Gewalt statistisch gesehen eines der wahrscheinlichsten Triggerthemen.
von Madalena
08.10.2019 11:59
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Geschlechtsaufteilung der DSA-Spieler hier im Forum

Naja, wenn man rollenspielt ist wohl ziemlich klar dass es zu Gewalt, Kampf, Mord kommen wird (zumindest bei DSA u.ä.). That's what you are buying into. Bei Vergewaltigung ist das weniger offensichtlich. Daher finde ich dass das ein Punkt ist, wo es wichtiger ist den zu thematisieren, bevor man ihn ungefragt auf den Tisch knallt. Hinzu kommt, was Fenia geschrieben hat.

Das heißt nicht, dass das ein generelles Tabu-Thema ist. Ich finde es völlig legitim, wenn andere Menschen im Rollenspiel solche Dinge anspielen. Ich würde aber nicht dabei sein wollen. Und es gibt auch andere Menschen, deren persönlicher Bezug zu dem Thema deutlich unmittelbarer ist, die ebenfalls nicht dabei sein wollen, die sich teilweise schwerer täten damit umzugehen wenn sie in so eine Situation geraten - und die sich auch schwer damit täten, den Punkt proaktiv anzusprechen.

Letztlich geht es doch darum eine Spielweise zu finden mit der sich alle wohl fühlen. Und dafür sollte man ein paar besonders kritische Punkte besser vorab klären.