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von Hotzenplotz
01.06.2015 09:28
Forum: Romanbewertungen
Thema: R020: Spuren im Schnee
Antworten: 4
Zugriffe: 2697

Re: R020: Spuren im Schnee

Im Wesentlichen gilt hier das für "Treibgut" genannte, weshalb ich einen Großteil meiner dortigen Kurzrezi kopiere.

Interessanter Erzählstil mit hoher aventurischer Stimmigkeit und schönen Charakteren geht zulasten der story.

Charaktere
Der Autor schafft es, innerhalb kurzer Zeit ein Gefühl des Lesers für die handelnden Personen zu vermitteln. Dabei bleibt es nicht bei Fantasy-Stereotypen, was sowohl die Protagonisten als auch die Antagonisten betrifft. Die Gedankengänge, Sprache und Verhalten der Personen wirkt sehr abgerundet und passt in die jeweiligen Regionen. Die Darstellung geht dabei oft stark ins Detail, spielt mit Erinnerungen, Meinungen und Weltbildern. Die Charaktere sind bisweilen skurril und witzig. Es findet teilweise eine Überzeichnung statt, die aber nie stört, sondern im Gegenteil bereichert.

Story
Wieder ist der Protagonist wie in Treibgut Scheijan, ein Mitglied der Bruderschaft des zweiten Fingers Tsas. Der meuchlerische Magier wird dieses Mal auf eine Reise geschickt, die seiner Profession entspricht: Ein hochrangigen mittelreichischen Militär soll von einer ausgewählten Gruppe Maraskaner getötet werden. Ein schwieriges Unterfangen, da der Gesuchte nicht auf Maraskan, sondern in Gareth weilt.
Das die Geschichte in Gareth spielt, macht auch ihren Reiz aus, sind doch alle Maraskaner mit der riesigen Stadt völlig überfordert, zumal das Attentat im Winter stattfinden soll - eine Jahreszeit, die den Maraskanern nicht unbedingt liegt.
Auch hier gilt: Die Story verblasst etwas vor den tollen Hauptdarstellern. Was mancher hier jedoch kritisiert hat, ist für mich ein Pluspunkt: Die Geschichte ändert sich nach etwa 2/3 des Buches star. Besonders das Ende hat mir wirklich sehr gut gefallen. Insgesamt finde ich den Roman spannender als "Treibgut".

Aventurische Stimmigkeit
Großes Kino. Nicht nur, weil Maraskan/Maraskaner in der Spielweltwahrnehmung bis zum Erscheinen von Borbarads Erben kaum statt fand (und auch später wohl etwas stiefmütterlich behandelt wurde). Tatsächlich zeichnet sich Karl-Heinz Witzko als derjenige aus, der das Gefühl für Maraskan vermutlich am stärksten beeinflusst hat (auch durch seine Abenteuer dort) - zumindest für mich.
Aber nur ein kleiner Teil des Buches findet tatsächlich auf der Insel statt, obwohl sie durch die Gedanken und Handlungen des Hauptcharakters stets im Bewusstsein bleibt.
Hier ist es Gareth, deren Darstellung Witzko gut gelingt. Natürlich kann man die gewaltige Stadt nicht in Gänze beschreiben, aber der Autor nutzt die für die Story wichtigen und passenden Aspekte: Die schiere Größe der Stadt mit all ihren vielfältigen Möglichkeiten und der Anonymität, die Armut in manchen Vierteln im Gegensatz zum Glanz der Residenz und Adelsgesellschaften und Gareth als Sinnbild für die Garethjas, die Mittelreicher.

Fazit
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Einen Punkt Abzug gibt es wieder für die teilweise etwas weit ausgeholten Charakterdarstellungen, die zulasten der Story gehen, wobei diese mir besser gefällt als im vorherigen Roman.

4 Punkte