Die Suche ergab 3 Treffer

von Herr der Welt
25.08.2019 12:02
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: Priester die nicht zaubern
Antworten: 35
Zugriffe: 3430

Priester die nicht zaubern

Vielleicht passt auch mein folgender Beitrag aus einem anderen Thread hier:
Herr der Welt hat geschrieben:
23.08.2019 19:22
Assaltaro hat geschrieben:
23.08.2019 19:18
Traurig ist es dann nur, wenn manche Sl's es nicht verstehen, wenn SC außerhalb einer festgelegten Liturgie beten.
Meine Ifirngeweihte war mal von sehr komischen Elfen an einen Baum gefesselt und die Elfen haben noch beratschlagt wie sie die Menschen nun töten sollten (ja die Elfen waren echt komisch)
Der SL fragte dann noch, was wir tun wollen. Meine Geweihte hat einfach gebetet, ne passende Liturgie hätts dafür nicht gegeben und mit dne Elfen reden ham se schon versucht. ...Völliges Unverständnis beim SL warum sie jetzt einfach nur betet.
Das ist wohl eine Frage der Auslegung der Spielwelt. Ich habe ein gewisses Verständnis für die SL, aber auch für dein Problem mit dieser Sichtweise.
DSA kennt ein ziemlich strikt durchgeregeltes Wundersystem, in dem der Priester, wenn er nicht die rechte Liturgie und genug Karma sie zu wirken hat (und noch dazu das Ritual durchführen kann) ziemlich alt aussieht. Große Wunder werden - nach meinem Verständnis (der jeweiligen Spielbeschreibungen) - als extrem seltene und weithin spürbare Eingriffe dargestellt. Dazwischen gibt es wenig. Streng genommen - nach Spielregeln - bringt beten in der geschilderten Situation tatsächlich nichts. Andererseits sollen die Regeln auch - und v.a. für Spieler, die primär darauf aus sind - Rollenspiel bzw. das Erzählen einer guten Geschichte unterstützen. Hier war DSA schon immer eine nur halb lebensfähige Chimäre, die alles zugleich sein wollte, aber nichts so richtig konnte.
Dass ein inniges Gebet (gerne auch durch eine passende Probe unterstützt) einen mehr oder minder bestimmten Effekt liefert oder irgendwie hilfreich ist, darauf kann man sich durchaus am Spieltisch einigen (ich für meinen Teil weiß genau, in welche Hände ich eine solche Verantwortung legen könnte und wer lieber harte Regeln braucht, an denen er sich ganz strikt orientieren kann).
Dass ernsthafte Frömmigkeit lebenserfüllend sein kann, das ist ein Gefühl, für das auch nicht jeder heutzutage bzw. in unserer Kultur Verständnis hat, geschweige denn, dass er oder sie es darzustellen vermag. Ich empfehle den Film "Novitiate" (2017), der sich genau diesem Problem widmet und es auch sehr gut darstellt (soweit ich mir zutraue, das nachvollziehen zu können). Für (den vlt. auch an method acting interessierten) Priester-Spieler kann das eine gute Inspiration sein.

Dazu passt auch die Frage um Priester, die nicht zaubern. Nach dem Motto: Mirakel-zauberst du noch oder wunderst du schon?
Kurz gesagt: Tatsächlich (zuverlässig) wirkende Mächte erfordern keinen Glauben an das Wirken. Vakanz und Variabilität sowie zeitlicher Verzug o.a. Unwägbarkeiten (oder die völlige Unsicherheit, eben echter Glauben) wirken dem entgegen. Denkbar wären auch Frömmigkeit, Entbehrung oder der direkte Dienst an der Gottheit als Ressource zum Wirken solcher Mächte (das gibt es bei DSA ja weitgehend umgekehrt gedacht: Ressourcenentzug, wenn man sich den genannten Werten verweigert bzw. aktiv dagegen wirkt).
von Herr der Welt
18.08.2019 15:52
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: Priester die nicht zaubern
Antworten: 35
Zugriffe: 3430

Priester die nicht zaubern

Der Große Eidsegen (unter dem auch der Traviabund firmiert) ist sogar um LkP+5 erschwert, was angesichts der Quasi-Mitbeter (die versammelte Gemeinschaft), des Ortes (Tempel der eigenen Gottheit) etc. (man fände sicher noch weitere Erleichterungen für dieses Standardzeremoniell) LkW+5 bedeuten dürfte, jedenfalls nicht leicht zu überwinden.
Der Nutzen am Spieltisch liegt auf der Hand: Der SC soll einen handfesten Effekt mit dem Eidsegen bewirken. Aber für die Erzählung der Spielwelt sind solche "Zaubermittel" (um bei der Terminologie des Threads zu bleiben) eher ungünstig. Man überlege sich nur, was von fähigen Geweihten gesprochene Heilige Lehnseide und dergleichen bedeuten können.
Die persönliche Herausforderung, der Versuchung zu widerstehen, ist klarer Weise größer ohne externe Unterstützung, wie auch immer man die sich konkret vorstellen kann, wenn ein Ehepartner etwa zum Ehebruch verführt wird: Die eigene Selbstbeherrschung, dem zu widerstehen, sollte um LkP+5 erleichtert sein bzw. (oder sogar: zusätzlich) muss eine solche Probe gelingen, um den Eid tatsächlich zu brechen. Darüber hinaus gilt man dann auch noch als Frevler (nicht bloß Eidbrecher). Die "zauberhaften" Effekte greifen hier schon stark regulierend.
von Herr der Welt
18.08.2019 08:48
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: Priester die nicht zaubern
Antworten: 35
Zugriffe: 3430

Priester die nicht zaubern

Faras Damion hat geschrieben:
05.08.2019 09:40
Ich habe ein Problem mit zaubernden Priestern in der Jetztzeit oder in SciFi-Settings. Ein katholischer Priester, der einen Feuerball auf Zombies wirft, fühlt sich einfach nicht richtig an. Keine Ahnung wieso... ^^'
Wahrscheinlich, weil es keinem gängigen (Erzähl-)Motiv entspricht. Wenn der Priester aber Wasser weihen kann, um damit Untote zu verletzen, Dämonen das Kruzifix entgegenhält, um sich erfolgreich gegen sie zu verteidigen, oder aus einer heiligen Schrift rezitiert, um Besessenheit aufzulösen, dann akzeptieren wir das eher, weil es (pop-)kulturell etabliert ist.

Dass eine wie auch immer gestaltete Priesterkaste ohne nachweisliche übernatürliche Fähigkeiten funktioniert, zeigt die irdische Geschichte. Priester existierten immer und überall - und stets neben "praktischen Fachkräften" (wenn man z.B. Magier in diese Gruppe ordnen will). Wichtig ist, dass ihnen Bedeutung zugesprochen wird - aus einem Mythos, den sie idealerweise selbst mittragen. Sie gestalten die Gesellschaft aus einer hohen Stellung heraus mit: theokratisch auch als weltliche Herrscher, immerhin nominell über weltlichen Herrschern, auf einer Ebene mit ihnen oder knapp darunter.
Aufgrund der Ähnlichkeit zu irdischen Verhältnissen ist es natürlich einfacherer, solche Priester in eine fiktive Welt plausibel zu integrieren.
Die Existenz von Dämonen o.a. magischen oder nicht-natürlichen (oder besser: nicht als natürlich angesehenen) Kreaturen ändert daran nicht unbedingt etwas. Selbst wenn Priester nicht einmal die weiter oben beschriebenen Tricks mit Weihwasser und co. einsetzen können. Zugegeben weisen die (pop-)kulturellen Referenzen für ein solches Setting keine besonders pro-religiöse Haltung auf. Und spielerisch könnte das für Priester-Spieler auch uninteressant sein. Aber vlt. empfiehlt sich in einem solchen Setting auch nicht das Spielen eines Priesters.

Vielleicht kann man festhalten: Wenn das (Low-Fantasy-)Setting Zauberei nicht oder nur in geringem Maße vorsieht, dann stört es nicht, wenn Priester keine besonderen Kräfte haben. Je mehr High-Fantasy-Elemente (in Form obwaltender "übersinnlicher" Kräfte) vorkommen, desto eher sollten auch Kleriker über besondere Kräfte verfügen, wenn sie spielerisch interessant sein sollen.