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von Anyamir
03.01.2017 22:33
Forum: Abenteuerbewertungen
Thema: A201 Steinerne Schwingen
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Re: A201 Steinerne Schwingen

Die Lektüre des Buchs lässt mich verzaubert zurück. Selten hat ein Abenteuer meine Vorstellungskraft dermaßen beflügelt (hihi) wie Steinerne Schwingen. Es gibt Dutzende Szenen, auf die ich mich als Meister freuen würde und die mir wohl auch als Spieler gefallen dürften. Das alles garniert mit liebens- und hassenswerten Charakteren, denen interessanterweise trotz ihrer erzaffinen Daseinsform mehr Leben innewohnt als vielen menschlichen NSC in anderen Abenteuern. Und mit vielen originellen Ideen, die jeder noch so kleinen Szene das gewisse Etwas verleihen. In einem großartigen Setting, das den Eichendorff in mir weckt (gotische Architektur, eine Welt hinter der Welt, hehre Ideale, eingeschmolzene Zeit, Sehnsucht nach einer unwirklichen Vergangenheit usw.).

Neben den inspirierten Inhalten ist es aber auch die klare Struktur des Abenteuers, die mich begeistert. Gerade wenn man Steinerne Schwingen mit älteren ABs vergleicht, fällt die viel größere Übersichtlichkeit auf: keine Textwüsten, für jeden Abschnitt eine klare Textfunktion, Ziele vor jedem Kapitel, alternative Handlungsverläufe, Handlungsflussdiagramm uvm.

Natürlich gibt's auch einiges zu meckern: Die angesprochenen innerweltlichen Logikbrüche müssen vom Meister irgendwie ausgebügelt werden. Dabei komme ich mit dem Statuenraub aus dem Tempel der Sonne noch eher zurecht (v.a. dann, wenn unter den Helden ein Phexgeweihter ist - da kann ich mir eine alveranische Einigung zwischen einem Praios- und einem Phex-Bewusstseinssplitter durchaus vorstellen). Schwieriger gestaltet sich für mich der Einbruch in die Katakomben des Hesindetempels, der doch wohl gegen derartige Angriffe Verteidigungsmaßnahmen haben dürfte. Hier würde ich Aarbilar einen Beschwörerzirkel zugestehen und außerdem vielleicht noch einen eingeschleusten Agenten, um mein Meistergewissen zu beruhigen (ähnliche Probleme gibt es auch an anderen Stellen, alles aber lösbar, wie ich finde).

Ob das Abenteuer wirklich so funktioniert wie vorgesehen, ist sicherlich unsicher. Denn es sind einige experimentelle Spielmechaniken eingebaut, die sich gut anhören, die aber bei der Umsetzung Schwierigkeiten bereiten könnten. All diese kleineren Schwächen hindern mich aber nicht daran, hier die Höchstnote zu vergeben, für ein mutiges und ungewöhnliches Abenteuer.