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von Thallion
11.09.2017 08:34
Forum: Romanbewertungen
Thema: R003: Die Zeit der Gräber
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R003: Die Zeit der Gräber

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Das Fazit

Insgesamt ist die Lektüre der Zeit der Gräber sicherlich keine angenehme Erfahrung: Die Haupthandlung tröpfelt mit anstrengender Ereignislosigkeit vor sich hin, oft nur kurz von unmotivierten Action-Einlagen unterbrochen. Das Verhalten von Narena und Wulfen ist oft nicht nachvollziehbar, und sympathisch werden beide dem Leser bis zum Ende auch nicht. Manche Episoden, wie das fallengespickte unterirdische Gangsystem, hätten nach meinem Geschmack komplett gestrichen werden können, brachten sie die Handlung doch kaum weiter. Die Schilderung der namenlosen Tage ist hingegen rundum gelungen, selten ist es einem Autor gelungen, die Furcht und Hoffnungslosigkeit der Bevölkerung so lebendig werden zu lassen.

Ich muss gestehen, dass ich mich zeitweise ziemlich zwingen mussten, die Lektüre fortzusetzen. Das Einzige, was mich davon abgehalten hat, das Buch zwischendurch abzubrechen, war zum einen der unselige Drang, irgendwann in ferner Zukunft mal alle DSA-Romane gelesen zu haben, und zum anderen die Hoffnung auf eine halbwegs plausible Auflösung der mysteriösen Ereignisse um die geheimnisvolle Frau und das brutale Ritual, das an Mjeska vollzogen wird. Und die habe ich auch bekommen! Ohne die letzten 20 Seiten hätte ich das Buch in die Kategorie "nur schwer erträglich" abgetan, mit der Auflösung bin ich nun weitaus milder gestimmt. In Retrospektive ist die Handlung des Buches und die seltsamen Ereignisse sehr viel verständlicher und nachvollziehbarer, und man sieht ein, warum der Autor die Figuren so hat handeln lassen müssen. Jagnow spielt die Erwartungen des Lesers geschickt gegen ihn selbst aus, und schafft es so vermutlich, den Großteil der Leserschaft bis mindestens zum letzten Drittel des Buches über die wahre Verflechtung der beiden Handlungsstränge im Unklaren zu lassen.

Aber leider macht auch diese späte Erkenntnis das Buch für mich zu keinem überragenden Stück DSA-Literatur. Der zu Grunde liegende Aufhänger ist leider nicht gut genug, um dafür 247 mittelmäßig geschriebene und oft genug unspannende Seiten zu rechtfertigen. Es fehlt eine echte Charakterentwicklung Narenas und Wulfens, ihre Handlungen sind zu oft unmotiviert, die durchaus interessanten Szenen mit Mjeska und ihrem Folterer können den Spannungsbogen der Geschichte leider nicht allein tragen. Die Ortsbeschreibungen Jagnows sind oft nur bedingt verständlich, und insbesondere Aussehen und Topologie der finalen Ritualkammer wurden mir auch bei mehrfachem Lesen nicht deutlich. Sicherlich ist Jagnow kein schlechter Autor - aber schon aufgrund des Themas und der gesichtslosen Hauptcharaktere wollte bei sich mir keine rechte Freude beim Lesen einstellen.

Und so bin ich froh, die namenlosen Tage in der Stadt der Toten überstanden zu haben, bin dankbar, Zeuge eines durchaus interessanten literarischen Experimentes gewesen zu sein, und freue mich nun auf andere DSA-Romane mit einer hoffentlich insgesamt positiveren Grundhaltung.
von Thallion
16.03.2012 09:57
Forum: Romanbewertungen
Thema: R003: Die Zeit der Gräber
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R003: Die Zeit der Gräber

Dieser Thread dient zur Diskussion der Inhalte des in 1995 erschienenen Romans Die Zeit der Gräber von Björn Jagnow.

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Die Zeit der Gräber
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