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von Finarfin
19.08.2011 11:42
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Thema: Bimmel bimmel Kirchenglocke
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Re: Bimmel bimmel Kirchenglocke

Nur steht unsere Kultur nicht auf dem Fundament der antiken, heidnischen Religionen. Der Einfluss der gräkoromanischen Religion war auch im römischen Reich regional sehr begrenzt, Die Leute in Gallia Narbonensis glaubten im Grunde was völlig anderes als in Macedonia, nur ein paar Namen waren gleich. Das kulturell Gemeinsame der Antike bestand eben nicht im Glauben, weswegen auch unsere Kultur, die fraglos antike Wurzeln hat, völlig losgelöst ist von heidnisch-antiken Glaubensvorstellungen. Aber Christentum und Judentum haben Europa flächendeckend massiv beeinflusst, die Auseinandersetzung mit dem Islam von der Schlacht von Tours und Poitiers über Kreuzzüge und den Türken vor Wien bis hin zu heutigen Migrationsphänomenen hat Europa deutlich geprägt. Insofern ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den abrahamitischen Religionen deutlich sinnvoller als die mit Glaubensvorstellungen, die ihre Verhaftung in Europa allgemein und Deutschland speziell vor über Tausend Jahren verloren haben.
von Finarfin
18.08.2011 22:04
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Thema: Bimmel bimmel Kirchenglocke
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Re: Bimmel bimmel Kirchenglocke

marit hat geschrieben:
Varana hat geschrieben: Nur ganz kurz: Christen, die mit Evolution nicht zurechtkommen, sind in Deutschland deutlich in der Minderheit. ;)
Ich hatte diese Minderheit leider mal als Konrektor und regelmässig im Unterricht
Wobei die Schüler dann bei dem Thema von "extrem gut informierter und lernbereiter Schüler" auf "ich bin nur körperlich Anwesend" umschalten
*schauder*
Das dürfte aber ein extremer Ausnahmefall sein. Zumal die Evolutionstheorie in Geschichte eigentlich nicht thematisiert wird, allenfalls im Anfangsunterricht bei Zeitfeld "Steinzeit" gestreift.
von Finarfin
18.08.2011 19:02
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Thema: Bimmel bimmel Kirchenglocke
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Re: Bimmel bimmel Kirchenglocke

Gut, gerade in Köln ist es schwierig, zumal dort keine Bürgerinitiative zur Eindämmung von Glockengeläut Chancen hätte, dazu ist der Dom als Kulturgut mit allem drum und dran zu sehr im Bewusstsein verankert. Ich kenne mehrere gebürtige Kölner, egal, woran sie glauben: "Mer lasse dr Dom in Kölle ..."
von Finarfin
18.08.2011 11:52
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Thema: Bimmel bimmel Kirchenglocke
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Re: Bimmel bimmel Kirchenglocke

Könnte man alles, die Frage ist, wie auch bei Kirchenglocken, was gesellschaftlich gewollt ist. Um die Frage zu klären, um die Zustände zu ändern, muss man sich politisch engagieren. Bürgerinitiative, Leute zusammentrommeln, organisieren, und dann sieht man, wessen Privatinteresse mit dem gesellschaftlichen Gesamtinteresse bzw. dem lokalen Interesse weitgehend deckungsgleich ist in der betreffenden Frage.

Zugegeben, wer Kirchengeläute und Religionsunterricht abschaffen will, ist organisatorisch einfach im Rückstand, da der jeweilige Interessensgegner seit Jahrhunderten organisatorisch ziemlich gut aufgestellt ist. Also muss man sich ins Zeug legen. Bei Glockengeläute wäre es besser, das lokal anzugehen, da man als Bürgerinitiative schneller in der organisatorischen Aufstellung mit einer einzelnen Gemeinde gleichziehen kann als mit einer Landeskirche, die eine oder mehrere Millionen Mitglieder hat.
von Finarfin
17.08.2011 22:25
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Thema: Bimmel bimmel Kirchenglocke
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Re: Bimmel bimmel Kirchenglocke

Was "die Kirche" (Welche eigentlich? Römisch-Katholische Kirche? Westfälische Landeskirche? evangelische Kirche im Rheinland?) gemacht hat als Institution ist für die Frage irrelevant: Das Gebäude in seiner Funktion steht dort, wer nachträglich hinzuzieht, stößt einfach auf älteres Recht.
Ist Verwandten von mir passiert: sie erben ein Grundstück und müssen es hinnehmen, dass der Nachbar über bestimmte Teile drüberlaufen darf, altes Wegerecht, das an seinem Grundstück hängt, auch wenn mittlerweile auf der anderen Seite seines Grundstückes eine Straße gebaut wurde.
Etwas anderes ist es, wenn in einem Wohngebiet eine Kirche errichtet wird (ja, kommt vor, v.a. bei Freikirchen, wir boomen seit etlichen Jahren, mein Verband hat einen Zuwachs von über 30% in den vergangenen 10 jahren, wir gründen Gemeinden, was das Zeug hält): Anwohner, die vor der Kirche dort gewohnt haben, können dafür sorgen, dass da gar nichts läutet, v.a. kein Stundenläuten.
Wer später kommt, muss hinnehmen, was vor ihm dort war.

Gerade das Stundenläuten ist übrigens keine religiöse Angelegenheit und hat gar nichts mit der Kirche als Institution zu tun. Es ist ein kultureller Brauch, für den die Kirche als Gebäude lediglich der Ort ist, an dem er statt findet.
In einer meiner früheren Heimatstädte gab es ein Stundenläuten in einer alten Apotheke: dort war die Uhr, dort wurde stündlich ein Glockenspiel geläutet, der Abstand zu Wohnungen war noch geringer als bei einer Kirche, die zumindest durch den Kirchplatz etc. ein paar Meter mehr Abstand hat. Da wohnen Leute Wand an Wand mit dem Glockenspiel (o.k., effektiv standen diese beiden Wohnungen leer bzw. wurden irgendwann als Lagerräume genutzt (wieder, immerhin waren das mal alte Lagerräume der Apotheke)). Dagegen konnte auch keiner was machen.

Ansonsten: Bürgerinitiative! Wenn sich genügend Leute finden, die es stört, ist da mehr zu machen als mit singulären Interessen. Macht doch in eurem Viertel die Initiative "Sonntags Ausschlafen!", sammelt Unterschriften in Hörweite der Glocke.
Wenn sich genügend Leute finden, wird sich schon was ändern. Fiden sich nicht genügend Leute, ist wohl doch genügend Leuten das Glockenläuten wichtig.

Inhalt ergänzt am 17.08.2011 22:32
Swit hat geschrieben: Auch den Religionsuntericht an Schulen halte ich für nicht richtig im Sinne der "Religionsfreiheit". Wenn es eine Religionsfreiheit wäre müsste an den Schulen quasi Religion im übergeordneten Sinne unterrichtet werden. Also verschiedene Lehren. Hier könnte man sich der Komplexität halber auf die 5 Weltreligionen einigen. Und vielleicht nebenbei noch ein paar Geschichtlich relevante Religionen durchnehmen. So dass sich die Schüler im Nachhinein selb st entscheiden können welcher Religion sie angehören möchten. Wenn sie einer angehören möchten.
Die Religionsfreiheit würde so nicht gewahrt, da kein Lehrer gleichwertig über Weltbilderinformieren kann, die in Konkurrenz zu seinem eigenen stehen (Atheismus als ein Weltbild neben Islam, Christentum etc. eingeschlossen).
Die Freiheit kann nur durch eine Wahlfreiheit gewahrt bleiben. Jede Religionsgemeinschaft soll sich so organisieren, dass der Staat einen Ansprechpartner findet zur gemeinsamen Abstimmung der Lehrpläne. Katholike, Protestanten, Aleviten und Sunniten haben das bisher hinbekommen.