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von DnD-Flüchtling
15.07.2019 23:33
Forum: Heldentaten & Kreatives
Thema: Einen Tulamiden spielen
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Einen Tulamiden spielen

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 20:27
Ostasien (Phillipinen/Indonesien) hätte ich eher für Maraskan reserviert.
Maraskan gehört letztlich zu den Kulturen, die kaum ein greifbares Gegenstück haben. Sicher, die Bewohner entsprechen äußerlich den Ostasiaten, der Dschungel ist wie Vietnam und die Schwerter sind japanisch angehaucht, aber von der Kultur, der Namensgebung, der Philosophie etc. her kommen mir Maraskaner schon ziemlich unique vor.
Auch auf der arabischen Halbinsel gab es kulturelle Zentren (Mekka/Medina, Aden, Taizz, Muscat, ...
Das ändert trotzdem nichts daran, dass die Beduinen Wüstenbewohner waren :ijw: Und in DSA sieht es nun mal so aus, dass es zum einen kaum genügend Tulamiden (geschweige denn Novadis) gäbe, um auch nur das mittelalterliche Bagdad zu bevölkern; und es überhaupt im novadischen Raum kaum Städte gibt, die eine vergleichbare Hochkultur erfordern würde. Und ähnliches gilt auch für den Maghreb (also die Region, wo die Berber herkommen) ;)

Shirwan hat geschrieben:
15.07.2019 21:39
Klar entspricht das nicht einmal annähernd der offiziellen Satzung, aber für mir erleichtert das Anleihen aus der Realität nach DSA zu adaptieren und bereichert so mein Rollenspiel (und ich würde sagen auch das derjenigen die mit mir spielen). Phex als Hauptgottheit suggeriert bei mir andere, nach meinem Empfinden größtenteils falsche, Assoziationen.
Das wird bei DSA allerdings schwer, da sich nur wenige Götter von ihrem Charakter und ihren Portfolios her mit irdischen Vorbildern decken. Am einfachsten ist es noch beim griechischen Pantheon, aber schon beim nordischen Götterhimmel hat man sich vom irdischen kulturellen Vorbild sehr weit entfernt (das Thema hatten wir ja oben schon).

Dass sie bei den Tulamiden damals Praios als unbeliebten Gott aufs Auge gedrückt haben, war unter dem Gesichtspunkt zwar ein Fail, aber wenn du dessen Rolle umschreibst, dann kriegst du automatisch das Problem, dass der auch einen entsprechenden Kult hätte und dieser wiederum eine prominente Rolle spielen dürfte (wie bspw der Praios-Kult im NR oder der Boron-Kult in Al'Anfa), und dass dann wiederum in der Geschichte Ripple-Effekte aussenden würde.

Den Vergleich hatte ich ja weiter oben schon genannt: Swafnir hat mit Thor von seinen Attributen her wenig gemeinsam - spielt allerdings eine durchaus vergleichbare Rolle für die Gläubigen.
Ich persönlich würde dementsprechend da eher versuchen, Feqz als Entität von seinem Charakter und seiner kulturellen Rolle her an das Korsett der der Verehrungspraxis des irdischen Vorbildes anzupassen als ihn ganz auszutauschen. Das setzt natürlich voraus, dass man Phex vollkommen anders darstellt als es in Aventurien der (mittelreichische) Goldstandard ist.
Drachen und Echsenhafte (siehe Zahak) wurden (wie vielerorts) tatsächlich in Persien mit dem Urbösen verbunden.
Ist Zahak nicht auch eine Anspielung von Ferdowsi auf die Araber? ;)

Interessant ist in der Hinsicht übrigens auch, dass die Tulamiden traditionell Hesinde verehren.
von DnD-Flüchtling
15.07.2019 17:30
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Einen Tulamiden spielen

Denderajida_von_Tuzak hat geschrieben:
15.07.2019 10:51
zu irdischen Vorbildern:

ich würde die Novadis weniger mit den (mittelalterlichen) Arabern gleichsetzen, sondern eher mit Berbervölkern wie den Tuareg. Mittelalterliche Araber waren kulturell den Westeuropäern weit überlegen, siehe etwa Granada, Kairo, Bagdad, Sizilien,...
Mittelalterliche Araber aus den kulturellen Zentren; die ursprünglichen Araber von der Arabischen Halbinsel sind ja bis ins 20. Jahrhundert hinein Beduinen geblieben; insofern passt es schon (es gibt zwar auch bei den Novadis kulturelle Zentren, aber Unau und Mherwed sind halt beim besten Willen kein Gegenstück zu den von den dir genannten Städten - nicht mal im aventurischen Maßstab).
Ferkina sind außer an Afghanen vielleicht noch an diverse kaukasische Völker (wie Tschetschenen) angelehnt.
Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht.
Thalusa könnte vielleicht auch in Richtung Jemen/Oman oder sogar Somalia gehen.
Ich bin ja immer noch für Ostasien.
von DnD-Flüchtling
08.07.2019 21:45
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Einen Tulamiden spielen

Sorry, gar nicht registriert, dass es hier weitergegangen ist ;)
Shirwan hat geschrieben:
02.07.2019 14:06
Tulamiden im Laufe der Geschichte: Danke für die Info, hatte das so chronologisch gar nicht mehr so im Blick. Auf jeden Fall sehr interessant!
Hatte ich vorher auch nicht, es ist mir nur verstärkt aufgefallen, als ich die alten Abenteuer durchgegangen bin und parallel dazu die entsprechenden Spielhilfen :ijw: Man muss aber auch berücksichtigen, dass so gut wie keine Beschreibung der ersten Jahre heute noch was taugt: Weder der hohe Norden noch das Orkland noch Meridiana etc. hatten in den Anfangsjahren das Look & Feel, das sie später bekommen hatten. Nedime ist da sogar noch ganz gut weggekommen...

Wobei ich nochmal über die Identität der Tulamiden nachgedacht habe: Tatsächlich machen Iraner, insbesondere Perser, hier wohl am meisten Sinn: Sie haben bezogen auf den Orient eine ähnlich dominierende Rolle gespielt wie die Römer im Hinblick auf den Okzident; und dürften dementsprechend auch ein gutes Vorbild für die gegenwärtigen Tulamiden abgeben.
Als Verhältnis zwischen Tulamiden und Novadis würde sich hier als Vorbild dann auch das zwischen Persern und Arabern im (Früh-)Mittelalter anbieten (nur ohne dass letztere die Vorherrschaft an sich gerissen haben): Auf der einen Seite eine alte Hochkultur, die sich den Wüstenbewohnern überlegen sieht; und umgekehrt eine stark religiöse Gesellschaft, die die anderen als Heiden und Ungläubige betrachtet.
Das ethnische Element des Konflikts fällt zwar raus, aber da verhält es sich bei den verschiedenen güldenländischen Völkern ja auch nicht anders.
In der Theorie gibt es tatsächlich sowas in der tulamidischen Kultur auch ein wenig. Aber, dadurch, dass es nirgendwo so richtig thematisiert wurde, weder in Abenteuern noch irgendwie im Boten, ist das nie so richtig angekommen bzw. gab es keine richtige Diffusion dieses Wissens (so zumindest mein Kenntnisstand). Außerdem bleiben weiterhin einige innerlogische Probleme erhalten (Echsengötter, Stellung Rondras etc.).
Das ist natürlich korrekt, aber die Frage ist letztlich: Was tun? Die Tulamiden sind kulturell und vor allem politisch ja noch disparater als die Thorwaler, weswegen ein ähnlicher Kunstgriff hier auch eher unglücklich wäre. Aber bevor ich nicht nochmal einen Blick in die aktuelle Spielhilfe und die Handhabung der Religion im tulamidischen Raum gelesen habe, halte ich mich hier erstmal bedeckt ;)
Ferkinas: Mhm das Afghanen möglichst altertümlich leben, kann ich bei deren Geschichte eigentlich nicht sagen. Klar aktuell kann man diese Meinung vertreten, aber das baktrische, graecobaktrische Reich oder die Kuschana waren sehr fortschrittlich, modern, sehr wohlhabend und hoch zivilisiert. Zudem waren sie lange eine Satrapie des Perser- und Partherreiches, das würde (aus meiner Sicht) nicht wirklich auf die Ferkinas zutreffen.
Jup, ich erinnere mich daran, dass im Shahnameh Kabul häufiger erwähnt wurde als die Städte des heutigen Iran ;)
Hier setzt du allerdings Spezialistenwissen voraus, noch dazu aus der Perspektive Afghanistans selbst. Aus einer europäischen Perspektive sind die Afghanen vor allem als quasibarbarisches Bergvolk in Erscheinung getreten, das sich traditionell jeglichen Unterwerfungs- und Zivilisierungsversuchen hartnäckig verweigert hat. Aber: Die Afghanen als Vorbild war vor allem die Interpretation, die sich mir aufgedrängt hat, aufgrund einiger Elemente in der Präsentation der Ferkinas. Die Ferkinas selbst sind mit ihrem Blutkult und ihrer extremen Gewalttätigkeit und Grausamkeit schon extrem speziell und haben sich von eventuellen irdischen Vorbildern ziemlich weit entfernt.
Jafar: Ne ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ein (nord?)afrikanischer Onkel war oder so. Ich glaube der Wesir bei Prince of Persia 1 hieß aber auch Jafar oder so.
Ich habe gerade nochmal die Knaur-Version rausgekramt; der Bösewicht wird hier als maurischer Zauberer beschrieben, der sich als Aladins Onkel ausgibt. Ein Name wird dort ebensowenig erwähnt wie die Region, in der die Geschichte spielt.
von DnD-Flüchtling
29.06.2019 11:59
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Einen Tulamiden spielen

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 06:58
cool endlich jemand der ernsthaftes Interesse zeigt :)
Danke, aber gerade DSA lädt dazu aber auch extrem ein, sich hier in Spekulationen zu ergehen :ijw:
Thema Aufmerksamkeit: Ja, auch absolut richtig. Leider ist die "aktuelle" Regionalspielhilfe auch wieder 15 (?) Jahre alt und außer in Aranien und Gorien ist nicht all zu viel passiert (oder ist mir nicht bekannt). Neben der Aufmerksamkeit kommt bei den Tulamiden aber auch die Unkenntnis oder sagen wir Unvertrautheit dazu.
Das ist aber auch ein Problem im System: Der Kontinent ist klein, und viele Kulturkreise sind extrem randständig gehalten (vor allem nichteuropäische - der tulamidische Raum versucht ja offensichtlich, sehr viele und teilweise auch sehr disparate Kulturen abzudecken, und ist dafür im Grunde einfach nicht weitläufig genug).
Thema Antike: Die Geschichte des diamanenten Sultanats orientiert sich definitiv an der iranischen Antike. Wie gesagt, bei DDZ war ich überrascht wie tief sie in einigen Bereichen recherchiert hatten. Gerne sowas auch bei der nächsten Regionalspielhilfe :)
Das war wahrscheinlich auch deswegen der Fall, weil es da noch keinerlei genauere Beschreibungen gab, und sich hier Spezialisten nach Lust und Laune austoben konnten. Tulamiden/Novadis dagegen? Da musste 1990 nun mal eine Box raus, und man hatte für diese Aufgabe halt nur Hobbyautoren, die vom Nahen und Mittleren Osten noch weniger Ahnung hatten als vom europäischen Mittelalter (und das Internet gabs auch nicht...) - und darüber hinaus vermutlich nicht einmal eine konkrete Vorstellung, was der Landstrich darstellen sollte, siehe unten.
Thema Religionen: Also um ganz ehrlich zu sein. Für mich liest sich der tulamidische Glauben so: Mhm wir brauchen einen Glauben für die Tulamiden. Ach nehmen wir den Zwölfgötterglauben und stülpen den drüber. Ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber im Kern glaube ich ist dies auch so geschehen. Gerade bei den Echsengottheiten finde ich das sehr unpassend.
Das ist mit ziemlicher Sicherheit so.
Wobei ich allerdings unterstelle, dass das auch daran liegt, dass (a) der Zwölfgötterglaube damals quasi "default" war (von den Menschen bekamen in der Frühzeit nur die Mohas, die Novadis und die Nivesen eine eigene Religion verpasst; und die wurden ja auch mehr oder weniger eindeutig als "falsch" beschrieben) - und dass sie gerade mit den Tulamiden damals nicht wirklich etwas anfangen konnten: Die wurden ja erst in der Khom-Box überhaupt als spielbares Volk eingeführt; und als eigener separater Heldentyp nie (du konntest in DSA 2 und DSA 3 einen tulamidischen Händler, Krieger, Gaukler etc. spielen... aber keinen Tulamiden, wie du einen Novadi/Thorwaler/Moha/Nivesen/Norbarden spielen konntest).

Ich vermute, dass sie sich überhaupt erst so richtig Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Tulamiden ausgestalten sollten, als sie die Khombox rausbrachten. Wenn man sich zB die frühesten Beschreibungen der tulamidischen Stadtstaaten (Khunchom, Rashdul, Fasar, Thalusa) in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 durchliest, werden nirgendwo die Tulamiden als Volk erwähnt (sehr wohl aber Novadis, wenn es welche in der jeweiligen Stadt gibt), und die Tempel sind fast durchgehend Präsenzen der Zwölfgötter (gelegentlich auch Rastullah und sogar Rur & Gror) - was zwar zur früheren Identität der tulamidischen Stadtstaaten als multikulturelle Schmelztiegel passte, sich aber nicht dazu anbot, ihnen nachträglich eine eigene Identität auch in religiöser Hinsicht zu verpassen. Die ist dann eher im Laufe der Zeit gewachsen.
Das war ja auch anfangs bei den Thorwalern ähnlich. Das die ein eigenes Pantheon haben, ist ja auch eher "neu". Da gab es dann halt ein paar Leute (Autoren und Spieler) die da mehr Differenzierung rein bringen wollten. Selbst eine Loki-Adaption hat es ja mittlerweile dahin geschafft. Man hätte ja auch einfach Phex umbiegen können, hat man aber nicht. Ich würde mir sowas auch für die Tulamiden wünschen, bezweifle aber dass es da ausreichendes Interesse gibt.
Was ich persönlich auch als eine der gelungensten Entwicklungen des Thorwaler Raums empfinde (einen Loki-Phex hätte ich mir allerdings auch gewünscht statt einem neuen Gott; zumal der Phex der Historia Aventuria ja deutlich mehr lokihafte Züge hat - aber das dürfte wohl der ursprünglichen Beschreibung des Thorwaler Phexkultes als "Schelm der Götter und Gott der Schelme" geschuldet sein). Allerdings sehe ich ansonsten ehrlich gesagt aber keine großen personellen Überschneidungen zwischen dem nordischen Pantheon und dem der Thorwaler: Swafnir hat zwar die Rolle von Thor als Volksgott, aber ansonsten mit ihm von seinem Machtbereich her wenig gemeinsam. Die anderen Götter (Odin, Freyr, Baldr, Frigg, Hel etc.) haben zumeist entweder tatsächlich kein Gegenstück in der aventurischen Mythologie oder die Thorwaler achten sie nicht besonders (Efferd beispielsweise ähnelt Njörd, und Rondra hat die Attribute Thors, und Freyja ist wohl Rahja am ähnlichsten, aber keinen der drei verehren man im Norden) - es ist mehr das Flair des Thorwaler Pantheons, dass ihre Identität ausmacht.

Bei den Tulamiden stellt es sich - für mich zumindest - so dar, dass man es bei ihnen rückwirkend so festgelegt hat, dass sie eh nie wirklich Zwölfgöttergläubige im strengen Sinn waren, sondern halt diese und einen Haufen anderer Götter verehren; und viele (Phex, Rahja etc.) auch in durchaus kulturspezifischer Form: Insofern sehe ich die tulamidische Götterverehrung als der mittelländischen ähnlich fern wie die thorwalsche.
Thema Ferkinas: Von den Aspekten wären sie genauso nah dran wie die Kurden (Dari ist noch eine sehr urtümliche iranische Sprache und Bergvolk auch weitesgehend). Da käme sogar noch die Nähe zu Aranien / Indien dazu. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das (ich meine in LdeS) so aufgeführt wurde. Ich guck mal bei Zeiten wo ich das gelesen hatte. Ganz ausschließen will ich die Afghanen als Vorlage aber auch nicht.
Ich muss zugeben, dass ich auf die Kurden nie gekommen bin (trotz Kara ben Yngerymms Reise durchs wilde Ferkinaland); aber die Tendenz der Ferkinas, noch möglichst altertümlich zu leben, erinnert mich tatsächlich in allererster Linie an die Afghanen.
Gorien: Das hat sich nach meiner Meinung verändert. Bei den Ursprüngen bin ich bei dir. Da ist Hasrabal = Jafar oder was auch immer man sich da für Namen ausgedacht hat.
In 1001 Nacht hat der Zauberer glaube ich gar keinen Namen und ist auch nicht der Großwesir *gruebel* Damn you Disney!
Samarkand: Mhm da müsste ich mich selbst nochmal einlesen. Weiß nur das Timur da war, viel Porzellan von da kommt und die Soghd (Sogden im Deutschen?) glaube ich ihr Hauptgebiet dort hatten. Aber stimmt Ras Kasan würde geographisch da ungefähr hinpassen. Porzellan kam aber bei DSA aus Unau oder? Nicht aus Thalusa?
Wie gesagt, meine Interpretation hängt ziemlich ausschließlich am Aussehen von Kasan und Shenny; und die islamische Welt des Mittelalters ging ja bis an die Grenze von China, auch wenn Thalusa abgesehen vom Reisbau ansonsten möglicherweise nicht groß mit ostasiatischen Elementen glänzt. Aber: Es ist halt auch blöd, wenn man eine ganze irdische Region in eine einzelne Stadt hineinquetscht.
von DnD-Flüchtling
29.06.2019 02:12
Forum: Heldentaten & Kreatives
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Einen Tulamiden spielen

Shirwan hat geschrieben:
29.06.2019 00:12
Im Gegensatz zu den europäischen Kulturen, haben die meisten DSA Autoren, verständlicherweise, weniger Erfahrung mit orientalischen Kulturen bzw. nur sehr theoretische. Demzufolge gibt es eine deutlich größere Diskrepanz zwischen orientalischen irdischen Anleihen und europäischen. Dies merkt man den Beschreibungen schon an. (Mit Ausnahme der Urtulamiden, insbesondere dem Militär, da hat jemand sehr sauber recherchiert).
Was letztlich auch eine Folge der Aufmerksamkeit ist, die der jeweiligen Gegend gewidmet wurde; bei sehr vielen Völkern kam es ja auch erst im Laufe der Zeit zu einer Identifikation: Wenn ich mir die Spielhilfe von 1985 mit rudimentärsten Informationen anschaue, dann waren Neu- und Altreicher generische Europäer - wobei Albernia allerdings schon sehr früh einen irischen Einschlag hatte, zumindest wenn man den irisch klingenden Namen des Fürstenhauses als Indikator heranzieht.
Die Bornländer hatten ein vages polnisches Element (die Adelsrepublik), die Thorwal-Piraten (nicht. Thorwaler!) waren schon ganz gut als Wikinger zu erkennen, die Khom-Nomaden (nicht: Novadis!) wurden als Wüstenbewohner beschrieben und bekamen den Rastullahglauben aufs Auge gedrückt, die Tulamiden gab es de facto noch gar nicht als eigenes Volk - die wurden kurzerhand mit Meridiana unter "Fasar, Rashdul und die südlichen Stadtstaaten" zusammengefasst und wie folgt beschrieben: "Die Bevölkerung Fasars und Rashduls (Anmerkung: die anderne Städte fallen alle unter den Tisch) stellt eine Mischung aus Wüstennomaden und Auswanderern aus dem Mittelreich bzw. den südlichen Stadtstaaten dar".

In der Anfangsphase gaben auch die Abenteuer auch kaum etwas her, wenn es um die kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gegenden geht - einzig bei Nedime (wo Ulrich Kiesow ziemlich offensichtlich so in Richtung Wilhelm Hauff/1001 Nacht gehen wollte) bist du das ganze Abenteuer über ziemlich eindeutig in einem orienatlischen Setting; aber bis zum nächsten Abenteuer in der Gegend (Wie Sand in Rastullahs Hand) durfte man bis 1989 warten ("Der Streuner soll sterben" war im Grunde genommen sehr generisch und hätte auch sonstwo in Aventurien stattfinden können). Faktisch gab es also bis zur Khom-Box bis auf zwei Abenteuer und ein paar Zeilen zum Novadi als Heldentyp (Tulamiden gab es wie gesagt damals noch nicht) kaum Material; ich vermute mal, dass man sich erst in den Nuller Jahren - also 20 Jahre nach dem Entstehen von DSA! - so richtig dran gemacht hatte, die Gegend zu beschreiben.
Eine Vermischung der europäischen und orientalischen Kulturen gab es allerdings öfters in der Geschichte. Bei den Iranern war dies bspw. spätestens bei den Parthern der Fall. Während der Herrschaft der Seleukiden und der frühen Arsakiden gab es da einen sehr fruchtbaren kulturellen Austausch. Die Städtebildung (analog der griechischen Poleis) in Parthien beruht auch darauf und ist ja (wahrscheinlich unbewusst) auch auf die Tulamidenlande übertragen worden.
Also, die iranische (und indische) Antike würde ich am ehesten im Diamantenen Sultanat verorten. Wobei hier natürlich eingewendet werden muss, dass man da außer DDZ keine beschreibenden Quellen hat und deswegen die eigentlich Identifikation immer irgendwie nebulös bleiben muss.
Polytheistische Elemente gab es auch in der frühen persischen Geschichte (Mithras, Verethragna etc.). Diese gingen aber immer mehr im monotheistischen Zarathustrismus auf. Allerdings verehrten und verehren viele die Erzheiligen Amschaspand, die eigentlich Diener Ormazds (der Hauptgottheit) sind, fast schon wie eigenständige Gottheiten. Hierdurch kriegt der Glaube auch wieder polytheistische Züge.
Das mit dem Polytheismus als identifizierendes Element ist so eine Sache; schließlich gibt es in DSA eher selten eine Übereinstimmung zwischen kulturellem Vorbild und religiösem Vorbild. Die Novadis hätten es (kulturell Araber, religiös monotheistischer Islamverschnitt); die Thorwaler haben es (kulturell Dänen, religiös polytheistisch, nordische Einflüsse), die Zyklopäer haben es (kulturell griechische Klassik, religiös polytheistisch, Pantheon); aber so ziemlich alle anderen Güldenländer haben es nicht (kulturell mittelalterliche bis neuzeitliche Europäer, religiös aber trotzdem polytheistisch - römisch/griechische Einflüsse, aber auch Elemente, die an den mittelalterlichen Katholizismus in polytheistischem Kleid erinnern) und für die allermeisten Tulamiden (die man wohl mit allen möglichen Völkern des mittelalterlichen Nahen und Mittleren Ostens identifizieren kann) gälte es dann ebenfalls nicht.
Ferkinas: Sollen sich leider an den Kurden orientieren, es werden auch immer wieder Bezüge zu den Kurden aus Karl Mays Büchern gezogen. Ich persönlich bin zwar kein Kurde finde das aber sehr beleidigend, aber zumindest sprachlich sind sie da sehr nah am Original, was man unter anderem an der Namensgebung sieht. Auch das Siedlungsgebiet in den Bergen weist Parallelen auf.
Echt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ferkinas afghanische Stämme sein sollten.
Gorien: Bei Hasrabal sehe ich viele Ähnlichkeiten zu den Abbasiden. Hasrabals Religionspolitik gemahnt eher wiederrum an die früherer Perserkönige wie Kyros und Dareios. Ein paar Parallelen gibt es auch zu den Safawiden, gerade im Konflikt mit Aranien / Mogulindien, da passt allerdings die aggressive Religionspolitik der Safawiden nicht.
Bei Gorien und Hasrabal würde es mich fast wundern, wenn der was anderes sein soll als de böse magiebegabte Sultan/Großwesir aus 1001 Nacht, aber andererseits habe ich die DSA 4-Regionalspielhilfen zu der Region noch nie so richtig gelesen.
Fasar: Konnte ich bisher nicht zuordnen. Auf jeden Fall nicht persisch. Wahrscheinlich eine frühere Hochkultur. An der Stelle nur der Hinweis, dass Gladiatorenkämpfe von den Persern als tiefste Barbarei verurteilt wurden.
Fasar wurde in "Das Land des Schwarzen Auges" von 1989 als bunte (und extrem chaotische) Metropole beschrieben, die eigentlich keine Zentralautorität hat und in der alle möglichen Völker nebeneinanderher leben. Fast so eine Mischung aus Al'Anfa und einem tulamidischen Stadtstaat. Wenn du das nicht zuordnen kannst, dürfte das wohl auch daran liegen, dass es (ursprünglich zumindest) auch nie so gedacht war.
Thalusa: Leider keine Ahnung.
Wenn ich eine Vermutung in den Raum werfen müsste: Samarkand. Aber, Hand aufs Herz - diese Vermutung hängt einzig daran, dass Fürst Ras Kasan und Prinzessin Shenny in "Der Streuner soll sterben" eindeutig ostasiatische Züge haben. Interessanterweise aber auch nur die, denn der thalusische Haushofmeister sieht - übrigens ebenso wie der Khunchomer Prinz - sehr europäisch aus.
von DnD-Flüchtling
28.06.2019 10:55
Forum: Heldentaten & Kreatives
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Einen Tulamiden spielen

Shirwan hat geschrieben:
13.05.2019 22:59
Hallo zusammen,
als gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Rollenspielkollegen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja die Tulamiden sind jetzt nicht identisch mit einem Perser, antwortete ich dann immer.
Das ist eigentlich ein interessantes Thema, weil ich mich gerade bei den (neuzeitlichen) Tulamiden etwas schwer damit tue, sie genauer einzugrenzen und auf eine irdische vormoderne Kultur zu übertragen.

Bei den Rastullahgläubigen/Novadis ist es das noch ziemlich einfach - da kann man einfach sagen "orientier dich an mittelalterlichen Arabern", und dann hast sie schon getroffen - wobei die Religion eine große Rolle spielt. Bei Tulamiden ist das nicht mehr so einfach, wobei auch eine Rolle spielt, dass es abgesehen von Aranien (das sich aufgrund seiner Sozialstruktur dem Vergleich mit einem irdischen Gegenstück stärker entzieht als andere Kulturen) kein größeres tulamidisches Reich gibt und damit so etwas wie eine einigermaßen feste Ordnung, sondern eigentlich nur Stadtstaaten.

Irgendwie konnte ich sie außer "irgendwie orientalisch" kaum festnageln; aber letztlich habe mich für die Interpretation "Libanon/Phönizier" entschieden (dass dort die stärkste christliche, d.h. nicht-muslimische Präsenz war, hat auch dazu beigetragen). So wie die Güldenländer quasi Europäer (Deutsche/Franzosen/Italiener/Polen/Spanier/Engländer/Schotten/Iren etc.)
sind, die halt nur auf dem Weg ins Mittelalter irgendwie ihre alte polytheistische Religion behalten haben; sind die Tulamiden Levantiner, auf die das gleiche zutrifft.
Shirwan hat geschrieben:
22.05.2019 23:56
Ich würde es Nohrus schreiben, wenn ich möglichst nah am Original bleiben wöllte (Nouruz schreibt man es häufiger im Internet).
Ich vermute mal, weil letzteres wohl die englische Transkription ist, was immer wieder Spielraum für Unklarheiten gibt.
Eine Bekannte afghanischer Herkunft hat sich beispielsweise mal darüber aufgeregt, dass in Deutschland nicht Qunduz, sondern Kundus geschrieben wird, wobei ihr in dem Moment wohl entgangen ist, dass ja auch Qunduz nur eine Enlehnung sein kann :ijw: