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von ShahynRox
20.11.2020 22:04
Forum: Heldentaten & Kreatives
Thema: Welches 3d-Zeichenprogramm für Zeichentablet?
Antworten: 2
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Welches 3d-Zeichenprogramm für Zeichentablet?

Hallo Krak!

Nach deiner Schilderung möchtest du anscheinend das Modell letztlich wie in einer VR-Umgebung betrachten und evtl. betreten oder manipulieren können. Um dahin zu kommen, ist es zunächst erforderlich, das gewünschte Modell in einer 3D-Modeling oder 3D-Sculpting-Software zu erstellen.

3D-Modeling:

Beim klassischen 3D-Modeling konstruiert man aus Poylgonen oder über Splines und Punkte 3D-Modelle. Zum Einstieg in das 3D-Modelling bietet sich Sketchup an. Sehr intuitives handling und eine schier unerschöpfliche Palette an kostenlosen Modellen, die man über das "3DWarehouse" herunterladen und weiterverwenden kann.
Mit Sketchup kannst Du ziemlich flott Objekte auf den Bildschirm zaubern, die passabel aussieht. Die andere Sache ist das Texturieren. Da ist Sketchup eher mühsam und wenn es tatsächlich ans Eingemachte geht, also UV-Unwrapping & Co. merkt man schnell, dass Sketchup hierfür einfach nicht konzipiert ist. Sketchup war gedacht für Architekten, die schnell Entwürfe und 3D-Skizzen in ein attraktives Layout bringen wollen und bei denen Texturen (Beton, Verputz usw.) v.a. flächig aufgetragen wird.

Die beste, kostenlose Option, um wirklich ins 3D-Modelling (und Sculpting, s.u.) einzusteigen, bietet aktuell Blender. Allerdings ist das Interface für blutige Anfänger eine echte Herausforderung und es gehen sicher einige Stunden/Tage/Wochen an Tutorials und Versuchen drauf, bevor da irgendwas halbwegs Brauchbares auf dem Bildschirm erscheint. Aber: kostenlos, riesige Nutzergemeinde, zahlreiche Plugins und Erweiterungen und endloser Vorrat an Tutorials und Onlinehilfen.

Eine weitere kostenlose Option wäre DAZ 3D. Wird gerne von Character-Designern von Animes u.ä. genutzt und bietet ebenfalls einen eigenen Marktplatz, auf dem Modelle, Texturen usw. angeboten werden. Wie bei Blender muss man hier aber erstmal ne Menge Lernzeit investieren.

Professionelle Programme (Maya, 3DS Max, Cinema 4D, Modo, Lightwave u.a.) sind wegen der hohen Preise (mittlerweile meist Monats-/Jahresabos) wohl erstmal keine Alternative - ausser du bist Schüler oder Student und kannst entsprechende Sonderangebote nutzen.

3D-Sculpting:

3D-Charactere, -Gegenstände und -Landschaften wie man sie aus den Computerspielen kennt, werden v.a. mit ZBrush gescuplted (also eher "geformt" als konstruiert) und dann in einer der oben genannten 3D-Anwendungen weiter für die jeweilige Game-Engine aufbereitet. Beim Sculpten wird der Körper des 3D-Modells wie mit einem Spatel aus virtuellem Ton modelliert - aus Hunderttausenden oder Millionen Polygonen und Punkten. Hier bietet der Einsatz von Grafiktablets einen enormen Vorteil! Man kann unglaubliche Details herausarbeiten, die mit normalen 3D-Modeling-Tools nicht realisiert werden könnten.
Blender, Max, Cinema 4D und Modo bieten zwar ebenfalls integrierte Sculpting-Tools mit eingeschränktem Funktionsumfang an, das ultimative Sculpting-Programm ist aber definitiv ZBrush von Pixologic. Es gibt auch eine abgespreckte Version von ZBrush (ZBrushCore), die ebenfalls über ein Monatsabo (glaube aktuell um die 10 Euro) bezogen werden kann. Auch hier gilt: ZBrush ist extrem komplex und man sollte eigentlich schon 3D-Erfahrung mitbringen, um hier wirklich einsteigen zu können. Fast alle Spielfiguren für 3D-Drucker werden z.B. mit ZBrush gesculptet.

VR:

So wie ich dich verstehe, willst du das 3D-Modell interaktiv nutzen, also z.B. einen virtuellen Walkthrough durch das Modell vornehmen. Dafür sind die Modeling- und Sculpting-Tools per se nicht wirklich ausgelegt. Die oben genannten Programme bieten meist nur eingeschränkte Möglichkeiten, solche virtuellen Rundgänge in Echtzeit darzustellen. Klar, durch das rohe 3D-Modell kann man immer zoomen/"laufen", aber wirklich echt wirkt das Modell halt nur, wenn es fertig gerendert und die Texturen, Spiegelungen, Reflexionen und die Oberflächenstrukturen berechnet wurden. Solche echten VR-Darstellungen bieten nur wenige der genannten 3D-Tools out of the box an (zB 3DS MAX Interactive). Um so etwas umzusetzen, muss man auf eine der klassischen Game-Engines zurückgreifen (va Unreal Engine und Unity). Dort importiert man das fertige 3D-Modell, das man zB. in Blender, 3DS Max oder Cinema 4D erstellt hat und richtet dann die Beleuchtung und Texturen ein, definiert das Kollisionsverhalten und programmiert interaktive Elemente (Türen öffnen, Hebel umlegen, Farben/Objekte austauschen oder bewegen usw.).
Das ist eine ganz eigene Oberfläche mit eigener Programmierung (C++-basiert). Auch hier ist die Lernkurve eher langfristig angelegt.

Fazit:

Für Anfänger würde ich zum Erstellen der Modelle definitiv Sketchup und/oder Blender empfehlen. Die VR-Umgebung müsste dann mittels Unreal Engine oder Unity konstruiert werden. Allerdings ist der Frustlevel wirklich hoch, wenn man mal über ein einfaches "ich will ein paar Klötzchen auf den Bildschirm modellieren" hinaus will und nicht bereit ist, viel Zeit in Tutorials und Übungen zu investieren. Bis man auf einem Level ist, das an die Bilder heranreicht, die man aus Computerspielen oder den User-Galerien der jeweiligen Programme kennt, vergehen Jahre, zumal da in der Regel noch ganz viel Arbeit in der Postproduction (Photoshop, After Effects ua.) drin steckt und auch das Thema Texturierung (der Modelle) schon eine echte Herausforderung sein kann - das nackige Modell ohne Texturen wirkt ja sonst etwas technisch.

Viel Aufwand und ein grosses Thema, aber wenn du dich da einarbeiten willst, bietet es fantastische kreative Möglichkeiten! Ob der Einsatz im Rollenspiel wirklich lohnt, steht aber auf einem anderen Blatt. Ich nutze das z.B. nicht in meiner Runde. Dafür ist einfach die Vorbereitungszeit zu knapp.