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von Tjorse
14.11.2017 10:51
Forum: Generierung & Charakterentwicklung
Thema: Schelmischer Einbrecher?
Antworten: 38
Zugriffe: 2225
Geschlecht:

Schelmischer Einbrecher?

Madamal hat geschrieben:
26.10.2017 13:21
Das heißt dann aber, daß Schelme als Spielerhelden nicht mehr zu gebrauchen sind, oder?
Nach allem was ich bisher über Schelme gelesen habe, ist genau das meine Meinung, und zwar unabhängig davon, ob der Schelm auch noch Einbrecher ist oder nicht.
Aus meiner Sicht ist der Schelm ein "one night stand" unter den Charakteren, den man mal spielen kann, wenn der eigentliche Char was längeres lernt oder für X Tage ausser Gefecht ist. Ein Schelm ist niemals ein Charakter, der in einer "normalen" Gruppe jahrelang gespielt werden kann, und zwar weil immer eins von zwei Dingen passiert: 1. der Schelm hört auf "lustige" Dinge zu tun oder 2. die gesammte Restgruppe ist abgenervt von dem Schelm.

Eine ähnliche Situation kenne ich von AD&D Kendern (Kurzbeschreibung: Eine abart der Halblinge, die sich dadurch auszeichnet, das sie keinerlei Empfinden für Mein und Dein haben und so geübt im Taschendiebstahl sind, das sie dem Hohepriester während der Messe das heilige Symbol aus der Hand klauen. Glücklicherweise können Kender nicht auch noch zaubern. Sie haben als Markenzeichen einen Umhang mit ~100 Taschen, in denen sie ständig wechselnd irgendwelchen Krimskrams mit wichtigen Sachen mischen, vergessen dabei aber ständig, was wo ist, so das in wichtigen Situationen ausgewürfelt wird, wie lange es dauert, bis der gesuchte Gegenstand gefunden wird). Ich habe (leider) reichlich Erfahrung mit Kendern gemacht und (leider) wurden sie mit einer Art Schutzengel vom SL am Leben erhalten, denn normalerweise ist ein Kender aufgrund von Neugier 42+ und eingeschränkten Kampffähigkeiten schnell mal tot. Es war eine zeitlang witzig und es ist (schon sehr viel länger) einfach nur noch nervig. Wenn dann noch der Spieler maulig wird, weil keiner mehr auf die "tollen Späße" reagiert, dann ist das einfach eine Sollbruchstelle.

Insofern sehe ich einen Schelm als genauso unglückliche Charakterwahl in einer normalen Abenteuergruppe wie ein Dämonenbeschwörer, Paktierer oder einen Blinden. Jeder davon braucht "Pflege" und Gruppen-Konsens, sonst fragt man sich nach kurzer Zeit unwillkürlich "Wieso ziehe ich eigentlich mit diesem Vollhorst durch die Gegend?" - Und wenn die Antwort auf die Frage dann nur "weils halt ein Spielercharakter ist" ist, dann stimmt in der Gruppe was nicht.

Für den rumtauschenden Schelmen-Einbrecher viel mir auch gleich noch ein, das zumindest in meiner Welt auch der Begünstigte eines solchen Schelmengeschenks erstmal Probleme kriegen würde, wenn es sich nicht um profanes Geld handelt. Wenn der Schelm das Silbergeschirr aus einer Adeligenwohnung klaut und dem armen Kürschner schenkt, der ja nur abgewetztes Holzgeschirr hat, dann hat der Kürschner viel schneller ein Problem als der Schelm (wenn er nicht erwischt wurde), denn wenn jemand das Zeug beim Kürschner sieht, wird der natürlich sofort selbst als der Dieb verdächtigt. Der Schelm schadet also nicht nur den eigentlichen Opfern, sondern auch den vermeintlich Begünstigten.
Und die restliche Gruppe, die ständig die Begleitung des Schelmen darstellt, ist natürlich ebenfalls sofort zum Kreise der Verdächtigen zu zählen, wenn der Schelm erwischt wird. Auch etwas, was dem Rest der Gruppe kaum gefallen dürfte (wenn es nicht auch schon Zwielichtige Gesellen sind, die sind das ja gewohnt... allerdings wollen die auch nicht erwischt werden, schon gar nicht für etwas, woran sie wirklich mal unschuldig sind).

Ein Schelm ist immer eine Art "Zwangsbespassung" auch für die anderen Charaktere, die vielleicht gar keinen Spaß haben wollen (also IC, OC natürlich schon). Ein Char, der in Borons Pfaden wandelt (ohne geweiht zu sein), dürfte üblicherweise ein ernsthafter und ruhiger Charakter sein, der nur die Stimme erhebt, wenn es wirklich nötig ist. Wenn dann in genau diesem Moment der Schelm die Stimme des Chars verzaubert und wie unter Helium wirken lässt, ist das bestimmt ein Mordsspaß für den Schelm... aber eben nur für den Schelm und nicht für den ernsthaften Char.

Und als Spielleiter würde ich niemals einen Charakter zulassen, bei dem schon von vornherein absehbar ist, das er seinen Spielspaß daraus zieht, den Spielspaß der anderen zu ruinieren oder zumindest negativ zu beeinflussen. Oder der Schelmen-Spieler kriegt halt gesagt: "Okay, du kannst das schon so machen, aber dann musst du damit rechnen, das du bei der ersten Gelegenheit zum Teufel gejagt wirst." (ich nenne sowas einen "Krawallcharakter" und Schelme scheinen aus meiner Sicht allesamt Krawallcharaktere zu sein)