Die Suche ergab 908 Treffer

von Jadoran
23.01.2020 12:57
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 29, Abends, Manana della Suerte (Capitan)
Man merkt dem Essen schon an, dass ursprünglich für deutlich weniger Leute geplant war. Vom Capitan kommt keine Kritik – schließlich war er es, der unangekündigt mit dem ganzen Dutzend aufgeschlagen ist, aber Shiri ist trotzdem verlegen und entschuldigt sich mehrmals.
Sie essen getrennt, zuerst wurde den Sklaven in den Baracken aufgetragen, danach sitzen sie zu fünft in der Küche am immer noch einzigen Tisch. Als Shiri sich erneut entschuldigt, diesmal, dass es heute keinen Nachschlag gibt, schreitet Vecna ein. „Lass gut sein Shiri – noch ein Wort, und er versohlt Dir tatsächlich den Hintern.“ Der Capitan grinst und nimmt die Anregung prompt auf und lacht. „Die Drohung steht!“ Shiri wird rot und nickt, unsicher zu Emilia und Inazuna blickend, die aber beide nur milde lächeln. Sie wechselt das Thema, da sie des Capitans Blicke unterhalb ihres Kinns spürt und sich nicht sicher ist, ob sie das bewusst provoziert hat, so wie Vecna, die die Schnürung ihrer Tunika unzweifelhaft gelockert hat, oder ob ihr der Capitan sowieso auf den Bug schauen würde. „Dürfen wir nachher beim Sparring zusehen, Donna Emilia?“ Die schaut zu Inazuna, die aber nur gleichmütig nickt.

Tag 18 - Erntedankfest, abends, Platz vor Gueans Weinstube, Santinera (Boronaya)
Palandrine umgeht die Problematik, nach einem freien Platz am Tisch zu fragen, erst einmal dadurch, dass sie Diederich auf die Tanzfläche entführt, aber als Prospero mit Maushaber zurückkommt, passt sie den Moment geschickt ab, ihn selbstbewusst zum Tanz zu bitten. Prospero geleitet Maushaber erst einmal zu ihrem Platz, verbeugt sich dann höflich und lacht schelmisch. „Ich fühle mich geschmeichelt, werte Collega, aber den nächsten Tanz habe ich bereits versprochen – Alpacina.“ Die steht schon, einen für Frauen klar erkennbaren 'Wage es nicht, mir in die Quere zu kommen, sonst kratze ich Dir Schlampe die Augen aus!'-Blick auf dem freundlichen Gesicht. Palandrine antwortet mit einem Knicks. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ Sie wendet sich an Ribaldo, der davon völlig überrumpelt wird. „Dann tanzt ihr mit mir, Ribaldo – oder wollt ihr mch wie bestellt und nicht abgeholt stehen lassen.“ „Ich, äh... also..ich... eigentlich.“ „Kommt!“ Sie fasst ihn am Handgelenk und zieht den Überraschten auf die Tanzfläche. Diederich findet das offenbar unheimlich amüsant, fordert aber seinerseits ein hübsches junges Mädchen am dicht besetzten Nebentisch auf, das ihm auch prompt keinen Korb gibt. Maushaber gießt Boronaya nach und schmunzelt. „Schüchtern ist sie offenbar nicht.“ Maushaber kommt Boronaya wie eine alte Frau vor, aber eigentlich ist sie maximal Anfang dreißig, nur eben... nun: unscheinbar.
von Jadoran
22.01.2020 09:09
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 29, nachmittags, Manana della Suerte (Capitan)
In der Halle, nunmehr allein mit Emilia stellt er schließlich Inazuna vor. „Mein Schutzengel auf dieser Reise in das große Schlangennest, das wir die Schwarze Perle zu nennen belieben. Inazuna hat mir zweimal das Leben gerettet und ein weiteres Mal dafür gesorgt, dass ein drittes Mal hoffentlich nicht so bald notwendig wird.“ Inazuna wird ein wenig rot bei diesem voller Überzeugung vorgebrachten Lob, und Emilia erwidert ihre Verneigung. Vecna hat ihr einiges über Inazuna erzählt, aber ihre Augen melden nur 'Kleines Mädchen'. Allerdings mit einem Nachtwind und einem Dolch. Und Wurfdornen. Das ist die Questadorin Santineras mit den meisten gewonnenen Duellen. „Meinen tiefempfundenen Dank, Signorita Inazuna.“ Der Capitan verschränkt gut gelaunt die Arme. „Und sie hat sich bereit erklärt, heute Abend ein Sparring mit Dir zu machen, nachdem ich mich beklagt habe, Du wärest viel zu schnell für mich.“ Inazuna wird richtig rot. „Ich habe es nicht versprochen, Capitan! Nur gesagt, dass ich darüber nachdenken werde. Mit dem Nachtwind gegen Rapier und Dolch...“ „Ist ein Drei-Sekunden-Kampf. So oder so. Das ist mir klar. Aber ich habe euch beide kämpfen sehen und traue mir nicht zu, vorherzusagen, wie es ausgeht.“ Emilia seufzt. „Du versuchst uns zu provozieren, Onkel.“ Der Capitan lacht aus voller Brust, dann legt er den Kopf schief und zwinkert. „Und? Gelingt es mir.“ Inazuna und Emilia messen sich höflich, aber doch abschätzend mit den Augen. Als Inazuna unmerklich nickt, lächelt Emilia. „Warten wir bis nach dem Abendessen.“ Man soll Jungs nicht immer gleich geben, was sie wollen.

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Don Orpheo begleitet ihn zum Tor. „Ihr habt mich ein wenig überrascht, muss ich gestehen. Die meisten unserer Kunden reden mit den Sklaven, aber das ist wohl die Prägung des Schweigsamen. Wisst ihr, wenn wir die Sklaven ins Haus bekommen, machen wir ihnen ein Versprechen: Ihr bekommt hier eine zweite Chance, ein neues Leben. Und dafür müsst ihr euer altes, dass mit eurer Niederlage im Kampf gegen eure Feinde endete, hinter euch lassen. Unser Drill ist hart, manchmal sogar grausam. Damit sie, die im Dschungel aufgewachsen sind, sich hier zurechtfinden und einfügen. Aber auch deswegen, damit sie sich freuen, wenn sie gekauft werden, ihr neues Leben beginnen. Wir nehmen unser Versprechen ernst. Ich kann Salicia nicht glauben lassen, sie könne sich ihren Herrn aussuchen. Nur deswegen bekommt sie das halbe Dutzend mit der Reitgerte. Aber ich verkaufe niemanden an einen Herrn, wo ich schon absehen kann, dass es nicht klappen wird, und dass sie ein Leben in Angst und Furcht führen muss. Dafür ist der Markt einfach zu gut, und wir nicht die Resterampe auf dem Sklavenmarkt in der Metropole. Anoihasippen sind untereinander sehr kommunikativ. Anoihas überhaupt die Schweigsamkeit beizubringen, die in unserer Gesellschaft von einem Untergebenen erwartet wird, ist nicht einfach, und Salicia ist sehr lebenslustig. Es würde nicht passen.“ Er verabschiedet in amTor. "Travia auch mit euch."

Tag 18 - Erntedankfest, abends, Platz vor Gueans Weinstube, Santinera (Boronaya)
Ribaldo holt sie pünktlich wie vereinbart ab, aber der Platz vor Gueans Weinstube ist schon gut gefüllt. Prospero hat den reservierten Tisch offenbar so frühzeitig belegt, dass die Sonderbehandlung für den Magier dem Publikum nicht aufgefallen ist, vor allem, weil er sein Versprechen wahr gemacht hat: Um die Bäume, die die östliche Brüstung des am Hang gelegenen Platzes säumen, tanzen mehrere Dutzend kleine Lichterfeen, golden leuchtend wie große Glühwürmchen, aber jede zieht auch einen kleinen Funkenschweif hinter sich her. Die Feen weichen zwar Fangversuchen aus, aber es ist – gerade wenn man den Vorabend in Saribalds Zaubergarten verbracht hat - zumindest einem Magier recht eindeutig, dass es sich um körperlose Illusionen handelt. Das Publikum erfreut es, aber es gewöhnt sich auch schnell daran, und läßt sich dadurch nicht vom Tanzen, essen und trinken abhalten, nur frisch Hinzukommende und ein paar Kinder bestaunen das Schauspiel länger mit offen stehendem Mund.
Am Tisch sitzt Siana, schon recht fidel, während Prospero gerade Maushaber zum Tanz aufgefordert hat und mit der ein wenig Verlegenen aber auch Strahlenden über den Platz wirbelt. Die Stimmung ist ausgelassen, und gleichzeitig mit ihnen tauchen auch Palandrine und Diederich auf, gekleidet in Seide und gerade die junge Magierin zieht neidische Blicke der Frauen und sehnsüchtige der Männer auf sich, was sie beides gut gelaunt spöttisch genießt. Palandrines Bluse und Rock sind nach der allerletzten Hauptstadtmode, nicht die allerfeinste Seide natürlich, aber mit Abstand das teuerste, was irgendeine Frau hier auf dem Platz am Leib hat. Ihr Haar glänzt seidig, ihre Augen funkeln, und wenn sie lacht, dann blitzen ihre weissen Zähne auf. Sie hat beste Laune, und als sie Boronaya erblickt grüßt sie sie beinahe theatralisch freundlich, zwinkert dem prompt verlegen werdenden Ribaldo suggestiv zu, mustert dann selbstbewusst das Jagdrevier. Hier ist sie in ihrem Element, das sieht man ganz deutlich. Diederich ist deutlich weniger provokant, er grüßt sie beide mit einem freundlichen Kopfnicken und einer angedeuteten Verbeugung, so als wären sie alte Freunde, überlässt die Schau aber seiner Begleitung. Die strebt, nachdem sie mit beinahe kindlich wirkender Freude die Lichterfeen bewundert hat, zu Sianas Tisch, den sie zu Recht als den von Prospero ansieht.
von Jadoran
20.01.2020 21:50
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 18 - Erntedankfest, nachmittags, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Gueans Weinstube ist einfach nicht die Preislage von Juchos Partida – überhaupt wird man da Questadoren wohl eher nicht finden. „Das Gildenhaus meiden wir heute mal besser da sitzen jetzt nur die ganzen Fußkranken und trinken solange, bis eine Prügelei ausbricht. Wir werden mal Sertudos Braut anschauen, ihre Eltern haben ihn und uns eingeladen. Das ist ein kleines Stück hoch, an einem kleinen Platz mit einem Brunnen in der Mitte. Wenn Dir bei den ganzen Gelehrten langweilig wird, kannst Du ja gerne mal vorbeischauen. Und vom konkreten Plan her... Tanzen.“ Tonarev und Maikta nicken sich zu. „Nochmal tanzen, Essen, trinken...“ Makita grinst. „Und wenn Jucho sich gut schlägt, vielleicht auch was anderes.“ Cusi hebt beide Daumen. „Klingt nach einem Plan. Ich werde mit Liffi ein wenig um die Häuser ziehen. Onid kümmert sich im Gildenhaus um Ersatz für Rodel und Sliff, da will ich lieber nicht bei sein. Aber wenn Prospero was zaubert, dann schauen wir auch mal bei Guean vorbei!“ Tonarev nickt. „Stimmt... hmm... denke, das machen wir dann auch, aber später.“

Tag 29, nachmittags, Manana della Suerte (Capitan)
Auch Emilia war nicht faul, und Vecna enttäuscht ihn ebenfalls nicht, wie er zufrieden feststellt. Auf der Plantage hat sich sichtbar was getan, wenn auch nur um das Haupthaus herum, aber dadurch ist der erste Eindruck auf seine neue Mannschaft, also die Sklaven, wie er sich still berichtigt, gar nicht so schlecht. Das Aufsehen ist jedoch groß, auch bei den Macalintosklaven auf dem Hof und bei Afzelia. Der Capitan grüßt sie durch Verbeugung und ziehen des Hutes, dann wendet er sich Emilia zu, die mit Vecna aus dem Hause kommt, eilig Kleider und Frisur ordnend, die wohl einer Blitzwäsche und Frisur unterzogen wurden. Er dreht den Kopf zu seinem Anhang. „Tarito, im Schatten in Zweierreihe antreten lassen, Du und Ako nach vorne!“ „Aye, Capitan, ich meine, Jawohl, Herr!“ Er wird etwas verlegen, aber dem Capitan reicht der Respekt. „Tut's beides.“ Nun wendet er sich Emilia zu und nimmt die sich Nähernde in die Arme, sie vom Boden hebend. Die wird ein wenig rot, aber sie hat sich an das südländische Temperament mittlerweile gewohnt. „Willkommen zurück, Onkel!“ Vecna freut sich sichtlich, hält sich aber zurück, bis er ihr die Hand reicht. Emilia mustert die Schar ein wenig unsicher. Da werden die Macalintos ein wenig zusammenrücken müssen. „Wen bringst Du mir da, Onkel?“ Der schnippt. „Tarito! Ako!“ Die beiden treten neben ihn. Er geht auf ein Knie herab und beugt das Haupt, Ako macht eine thalusische neunzig Grad Verbeugung. „Tarito, Donna Emila. Zu euren Diensten!“ „Ako, Donna Emilia. Zu euren Diensten!“ Das sind ganz eindeutig die vom Onkel Jorge ausgesuchten Vorarbeiter. Der Capitan deutet auf Vecna. „Vecna, unsere Konnetabel, ihr berichtet an sie. Verstanden?“ „Jawohl!“ Er nickt und wendet sich an den Rest. „Der Reihe nach vorstellen!“ Es läuft wie besprochen. Jeder und jede tritt nacheinander einen Schritt vor, nennt ihren Vornamen und verbeugt sich mit einer Ergebenheitsbezeugung. Als das erledigt ist, wendet sich Emilia nach kurzem Zögern, ermutigt durch ein Kopfnicken ihres Onkels an Vecna. „Zeig ihnen ihr Quartier, Vecna, dann sag Shiri Bescheid, dass wir ab jetzt ein Dutzend Mäuler mehr haben. Teil sie erst einmal ein, wie es Dir sinnvoll erscheint.“ Vecna nickt. „Jawohl, Donna Emilia.“ Sie deutet auf Tarito und Ako. „Tarita, Ako. Ihr beide folgt mir. Der Rest, erst mal setzen. Du, Kongou, wenn Du gähnst, ist Dir offenbar langweilig. Du gehst in die Küche und meldest Dich bei der Haushälterin, Shiri. In der Halle rechts. Verstanden?“ Kongou nickt möglichst dienstfertig. Eine neue Jefe muss sich Respekt verschaffen, das weiß jeder, und man möchte nicht ohne Not das Anschaungsobjekt dazu geben. „Jawohl, Jefe.“ Der Capitan grinst, und er würde Vecna am liebsten einen 'Gut-gemacht'-Klaps geben, aber er beherrscht sich so gerade eben noch.
von Jadoran
20.01.2020 11:28
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 18, morgens, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Ribaldo kommt pünktlich und im prozessionstauglichen Ausgehstaat. In Al'Anfa würde seine Gelehrtenrobe zwar etwas abgetragen und altmodisch wirken, hier in Santinera macht sie immer noch etwas her. Er freut sich ausnehmend, Boronaya wieder gesund zu sehen, und zusammen mit den anderen reihen sich zusammen bei der Prozession ein, die offenbar am Haus der Dottora am Schrein von St. Therbun beginnt, dann den Hang hoch führt, über die Brücke nach Magnolia zum Schrein von St. Parinor beim Apotheker, anschliessend die Hügel hinunter und durch das untere Magnolia hindurch zu einem Peraineschrein auf einem der kleinen Plätze, schliesslich aus der Stadt hinaus nach Westen, zu einem üppig geschmückten Peraineschrein, der schon beinahe ein Tempel ist, und hier findet auch ein Gottesdienst statt bei dem die aus der Stadt angereisten beiden Geweihten eine schöne Predigt halten, dabei zu Freude der Gläubigen andeuten, dass die Bitte um Entsendung einer Geweihten und der Errichtung eines Tempel wohlwollend aufgenommen wurde, in Betracht gezogen und in naher Zukunft in den Gremien besprochen werden wird. Es gibt ein paar Seitenhiebe auf den hier in der Gegend verbreiteten, äußerst betrüblichen Geisteraberglauben, aber so glatt und wohlwollend verpackt, dass sich niemand beleidigt fühlen muss, der bei den zahlreichen kleinen Geisterhäusern und winzigen Schreinen Opfergaben anbietet und betet.
Danach trennt sich die Prozession. Die schon ältere Geweihte führt mit einem Novizen und einem Akolythen den größten Teil der Prozession um die Stadt herum zurück, wo sie sich dann auf den Platz der Helden auflöst. Der jüngere Geweihte macht sich mit den anderen drei Novizinnen und den drei Akolythen sowie den ganz Hartgesottenen auf die Große Runde zu den nahen Plantagen, um die ersten Felder zu segnen – etwas, womit beide Geweihte und selbst die Novizen jetzt die nächsten Tage beschäftigt sein werden, legt doch jeder Plantagero äußersten Wert auf den Besuch der Geweihten der Gütigen.
In der Stadt erholt man sich erst einmal über die Mittagszeit. Praios hat mit Efferd zusammen für einen schönen, aber nicht glühend heißen Tag gesorgt, aber vor dem Abend, wo jetzt bereits auf allen Plätzen Tische und Stände aufgebaut werden, ist für die Frauen noch einmal ernsthaftes Aufbrezeln angesagt, und auf der Terasse der Herberge sitzen alle Frauen unter fünfzig zusammen und arbeiten an Frisur und Klamotten, wobei bereits ein wenig vorgeglüht wird. Die Männer – so sie nicht mit nützlichem wie dem Aufbauen von Ständen und Tanzböden beschäftigt sind, sitzen ihrerseits andernorts zusammen. Ribaldo hat Boronaya den Plan für den Abend erzählt: Prospero hat es durch das Angebot, den Platz vor seiner Weinstube mit tanzenden Lichterfeen zu verschönern, bei Guean geschafft, einen Tisch für sie zu reservieren – also Boronaya, Ribaldo, Alpacina Siana, Tsarabella Maushaber und ihn selbst. Julia Sinistrae hat angeblich Migräne und die Einladung abgelehnt. Czeysig gibt sich nicht mit dem gemeinen Pöbel ab, sondern hat vor, den Abend in sehr jugendlich männlicher Begleitung im Roten Lotus zu verbringen.

Tag 29, nachmittags, Manana della Suerte (Capitan)
Am Steg nimmt gerade ein Einochser drei Leichter voller Bananen in Schlepp, als die Conchita anlegt. Man muss es Don Macalinto wirklich lassen, seine Leute sind gut ausgebildet und geführt, das klappt wie am Schnürchen. Das Sagen hat eine dunkelhäutige Mittdreissigerin, mit einem ihr bis auf ein deutlich ausgeprägteres Kinn und kräftige Schneidezähne sehr ähnlicher junger Mann von vielleicht sechzehn Jahren, der als Schreiber fungiert. Sie stellt sich als Farina vor, und mit deutlich Stolz in der Stimme, ihren Sohn, Rondrian Macalinto, was diesem sichtbar peinlich ist. Der Capitan stellt sich vor, was höflich, aber nicht nötig ist, schließlich weiß sie, wer er ist. Dann bringt er gleich ein Anliegen vor. „Kann ich mir einen leeren Leichter ausleihen, um zum Haupthaus zu kommen?“ „Aber natürlich, Capitan.“ Er kann ihren Augen ablesen, dass sie von der Anzahl und Qualität seiner Neuerwerbungen beeindruckt ist. Er geht nicht drauf ein, es ist auch der falsche Ort und Zeitpunkt, um zu schwatzen. Nach Neuigkeiten auf der Plantage zu fragen könnte schnell als Tratschen hinter dem Rücken von Emilia missverstanden werden. So bedankt er sich und gibt dann Tarito ein Zeichen. Farina weist ihn ein. „Auf dem Kanal werden die Leichter mit Mulis getreidelt, aber bis zur ersten Schleuse müsst ihr Rudern.“ „Danke, Senora. Rudern können wir.“ Sie passen mühelos samt Gepäck auf einen Leichter, und mit acht Leuten an den Riemen geht es fix. Tarito rudert selbst mit und überlässt dem Capitan das Steuer, was diesem Spaß macht, auch wenn es nur ein Leichter ist.
Die Schleuse, die sie nach kaum zwanzig Minuten erreichen, ist bereits in Ordnung gebracht, zusätzlich ist ein improvisierter Anleger und ein Regendach sowie ein halboffener Stall für die Mulis errichtet worden. Drei Jungen und eine schon recht alte Sklavin, die sicher der siebzig näher ist als der sechzig, halten Schleusenwache und funktionieren offenbar als Wendestation für die Mulis. Wenn getreidelt wird, bedeutet das, dass der Kanalseitenweg auch bereits komplett freigeschlagen wurde. Nun, Don Macalinto kann Dutzende Arbeitskräfte einsetzen, und er hat Zug in der Kolonne.
Sie können nun die Ruder einziehen und Ako übernimmt das führen des ihnen ausgeliehenen Mulis. Rechts und links erstreckt sich bereits die Plantage, nunmehr mühelos erkennbar, und alle dreihundert Schritt ist ein kleiner Behelfsanleger errichtet, wohl um die Ernte zu verladen. Man arbeitet sich offenbar vom Kanal aus nach innen, und sie kommen an drei oder vier Trupps vorbei, jeweils ein halbes Dutzend Männer mit Haumessern, während Frauen und Kinder mit Körben die Ernte aufsammeln und auf Mulis laden, von denen bei jedem Trupp eines ist. Bei jedem Trupp ist auch ein Aufseher, bewaffnet mit Jagdspieß und Balestra, offenbar vornehmlich zum Schutz des Trupps als um zu verhindern, dass sich jemand verfieselt. Die zweite Schleuse ist unbesetzt, aber hier müssen sie kurz warten, um einem entgegen kommenden Leichter, hoch beladen mit Bananen auszuweichen. Er wird von einem bestenfalls zwölfjährigen, ernst schauenden Mädchen gesteuert, während ein ebenso alter Junger das treidelnde Muli am Zügel führt. Der Capitan ist kein erfahrener Plantagero, aber er vermutet, dass die Arbeit bereits zu über drei Vierteln erledigt ist.

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Salicia atmet bei Goldons Worten zwar leise, aber doch wahrnehmbar auf, und Don Orpheo schüttelt amüsiert, aber doch missbilligend den Kopf. Dann wendet er sich an Goldon. „So soll es sein, Senor Zaraguza. Ich halte euch das Angebot für Rubena, Tembo und Corada auf den Tag nach dem Erntedankfest offen. Ich fürchte, euch Salicia zu verkaufen, würde weder euch noch sie glücklich machen.“ Deren Erleichterung lässt sich jetzt trotz Bemühen um Selbstbeherrschung nicht verhehlen, und Don Orpheo seufzt. „Du musst an Dir arbeiten Salicia.“ Er nickt zur Sklavin mit der Reitgerte. „Ein halbes Dutzend.“ Dann wendet er sich an die Vier. „Danke schön. Ihr könnt euch anziehen.“ Er macht eine scheuchende Bewegung, und alle fünf lösen sich in Luft auf. Don Orpheo schenkt Goldon nach. „Ihr seid einfach zu einschüchternd, mein Freund. Sie hatte eine Mordsangst vor euch, aber wer kann es ihr verübeln? Sklavin hin oder her. Man umschleicht eine Frau nicht wie ein Raubtier. Aber das ist wahrscheinlich eure zweite Natur geworden als Gardist, es erfüllt sicher wunderbar seinen Zweck in der Abschreckung.“ Als Goldon sich dann verabschieden will, erhebt sich Don Orpheo. „Am besten, ihr lasst mir Nachricht zukommen, und dann, so euer Interesse sich in Kaufabsicht niederschlägt, treffen wir uns noch einmal zusammen mit seiner Gnaden.“
von Jadoran
19.01.2020 10:24
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 18, frühmorgens, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Wenn über hundert junge Mädchen und Frauen zur gleichen Zeit nach Blumen suchen, dann braucht man Geheimtipps. Es gibt natürlich auch eine 'Blumensprache', nach der man ablesen kann, ob eine junge Dame schon vergeben ist, noch sucht, oder gerade nicht will. Das Ganze bringt längst verschüttete Erinnerungen bei Boronaya an ihre Kindheit hoch, denn auch auf ihrer Plantage war das Erntedankfest das Fest im Jahr. Tonarev und Makita haben offenbar eine Vereinbarung mit Tora und Pikita getroffen, die als schon lange Jahre hier lebende Sklavenmädchen zwar gute Stellen stellen, in der sozialen Hackordnung aber ohne die Rückendeckung der Questadorinnen anderen, größeren den Vortritt lassen müssten. Auf dem Heimweg machen sie natürlich noch kurz einen Abstecher zum kleinen Schrein der heiligen Khabla, wo man dieser eine Blume spendet.
Zuhause ist der Tisch reichhaltig gedeckt , und alle Jungs, die an ihrem Leben hängen, loben eifrig die Schönheit der Damen, und selbst die Wirtin schaut über selbst nach AL'Anfaner Massstäben etwas offenherzigere Dekolletees hinweg, die zu anderen Tagen der Mutigen einen Blick eintrügen. Das Frühstück bietet heute alles was die Küche hergibt, selbst gebratene Rotgnizen, schmackhafte kleine Fische, die zu erlangen Senora Ponches wahrscheinlich einige Konkurrentinnen auf dem Markt mit der Schürze in die Flucht schlagen musste, denn das beliebte Festtagsfrühstück ist immer schnell vergriffen.

Tag 27, nachmittags auf dem Hanfla, nördlich Al'Anfa (Capitan)
Inazuna nimmt sich Zeit, aber den Capitan stört das nicht, er raucht geruhsam seine Pfeife. Es ist gar nicht so einfach. Dieser Dienst bringt sie nicht nur über die Regenzeit, er war zudem endlich auch einer, den sie als würdig empfunden hat. Im Sumpf neben Gelehrten zu stehen, die Sachen aus dem Dreck wühlen, das bringt sie nicht voran. Und mit einer Drei-Mann Partida... zuletzt hatte sie Sorgen, in einer Schenke arbeiten zu müssen, um über die Runden zu kommen, eine furchtbare Schande. „Wie lauten denn die Bedingungen eures Angebotes, Capitan?“ Der nimmt die Pfeife aus dem Mund. „Nun, drei Monde, eben die Regenzeit. Ich kann derzeit nicht viel bieten – die da haben mir ein gehöriges Loch in die Tasche gefressen.“ Er deutet mit dem Kopf zu den Sklaven hin und ertappt sich, wie sein Blick an Kongous Hinterteil hängen bleibt, als die sich gerade bückt. Er kneift die Augen zusammen und schaut dann auf den Fluss. „Kost, Logis, Waffentraining, eine eigene Kammer, drei Dublonen im Mond.“ Inazuna nickt stumm. Das ist nicht schlecht. Sie entscheidet sich. „Ich werde euch ohnehin bis zu eurem Anwesen begleiten, Capitan, wie mein Auftrag es vorsieht, und so nehme ich eure Gastfreundschaft für die Nacht gerne an. Ich würde mich freuen, eure Nichte kennen zu lernen. Um eine Entscheidung zu treffen, muss ich allerdings mit meiner Partida reden.“ „Selbstverständlich, Signorita.“ „Rechnet ihr mit Ärger?“ „Rechnen... eigentlich nicht, aber das Haupthaus ist gebaut wie eine kleine Festung. Das wird seinen Grund haben, auch wenn wir ihn noch nicht kennen.“
von Jadoran
18.01.2020 10:44
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, Abends → Tag 18, frühmorgens, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Makita lacht. „Klar doch. Jedenfalls, wenn's ansteht. Aber jetzt schlaf mal schön.“ Sie verabschieden sich, und Boronaya findet tatsächlich schnell Schlaf, und wacht am nächsten Morgen viel zur früh davon auf, dass Makita und Tonarev an ihre Tür pochen. „Aus den Federn – es sei denn, Du willst keine frischen Blumen fürs Haar sammeln!“ Man kann natürlich welche auf dem Markt kaufen, aber die meisten, so auch Tonarev und Makita, sind der festen Überzeugung, dass man sie im Morgengrauen selber und schweigend pflücken muss, damit sie einem Schönheit für das ganze Jahr geben.
So sind auch fast nur junge Mädchen und Frauen draußen unterwegs, während das Zubereiten des Frühstücks heute dem Mannsvolk und den Älteren obliegt.

Tag 27, nachmittags auf dem Hanfla, nördlich Al'Anfa (Capitan)
Die kleine Thalusierin überlegt das sorgsam, und der Capitan redet ihr nicht dazwischen. Schließlich schaut sie geradeaus, über das Wasser ins Leere. „Ich würde gerne in meiner Heimat eine Schwertschule aufmachen. Um zu zeigen, dass ich trotz meiner geringen Größe und meines Geschlechtes eine würdige Schülerin meines Meisters geworden bin.“ „Müsst ihr das irgendwem außer euch selbst beweisen?“ Natürlich ist es schöner, wenn die Anerkennung von der offenbar bislang kritischen Umgebung kommt, als wenn man nur in Selbsterkenntnis entscheidet, das man seine Ziele erreicht hat. „Ich bin jedenfalls froh, dass ich euch dabei hatte Signorina. Hättet ihr vielleicht Lust, über die Regenzeit bei uns auf Manana della Suerte als Mautaban und Fechtlehrerin für meine Nichte anzuheuern? Emi ist für mich viel zu schnell, der kann ich nichts beibringen.“ Das Angebot ist offenbar eine Überlegung wert. Inanzuna wendet sich ihm zu und verneigt sich. „Ich werde darüber nachdenken.“ Der Capitan nickt. Es ist tatsächlich alles wunderbar glatt gelaufen, zumindest im Ergebnis. Aber man weiß ja nie. Und Don Bonmarche hat das Haupthaus sicher nicht aus reinem Vergnügen wie eine Festung gebaut. Inazuna hat schon bewiesen, was für eine wunderbare Rückversicherung sie ist.
von Jadoran
17.01.2020 19:00
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
„In Grenzen. Sie können unter Aufsicht fehlerlos ein Gedeck für fünf Gänge decken und normale Gäste bedienen, Kupfer und Silber putzen, einfache Stopfarbeiten vornehmen. Die Mädchen können einfache Frisuren stecken und flechten. Tembo ist geschickt im Umgang mit Holz, er ist daher eigentlich für einen Tischler aus Santinera vorgemerkt. Kochen reicht nur für den einfachen Haushalt – einen richtigen Koch, mit dem ihr Würdenträger aus der Metropole zufriedenstellen oder gar beeindrucken könnt, kann ich nicht anbieten. Eine solche Ausbildung dauert mehrere Jahre und man fängt am besten im Kindesalter an. Auch echte Leibsklaven sind es natürlich nicht – aber da würden wir über achthundert oder mehr Dublonen reden, das dürftet ihr aber auch wissen. Keine war weniger als zwölf Monde in Ausbildung.“ Er schnippt mit den Fingern. „Ihr dürft euch ein wenig lockern.“ Die vier entspannen sich erleichtert, bevor sie wieder Haltung einnehmen. Don Orpheo wendet sich an Goldon. „Ich bin ein direkter Mensch, Zaraguza. Wenn ihr echte Argumente habt, höre ich sie gerne. Aber Feilschen um des Feilschens willen ödet mich an, dafür ist mir meine Zeit zu schade."
von Jadoran
17.01.2020 15:43
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
„Ein hoher Preis? Ihr beliebt zu scherzen, Zaraguza. Ihr könnt natürlich in Tetas Pequenas irgendwas für ein paar Goldstücke kaufen, das euch in der ersten Nacht die Kehle durchbeißt und abhaut. Oder auf der Resterampe in Al'Anfa jemanden, der euch unter den Händen wegstirbt, weil er an der Kerkersieche leidet. Ihr wolltet eine junge Haussklavin, keine alternden Feldarbeiter, das hat seinen Preis. Und von der Qualität überzeugen müsst ihr euch schon mit den Augen. Es dreht sich um Hausarbeit. Ich kann sie euch kaum ein paar Tage zum Probeputzen und -vögeln ausleihen, oder wie stellt ihr euch das vor?“ Don Orpheo schüttelt den Kopf und lacht regelrecht amüsiert.

Tag 17, Abends, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Makita seufzt. „Den Garten mit den Feen möchte auch mal sehen. Einmal die Woche kann er das Artefakt benutzen? Das wäre wirklich was.“ Tonarev nickt, dann, als Boronaya ihr moralisches Problem anspricht, macht sie 'Pffft!' und winkt ab. „Einen Heiratsantrag hat Dir keiner von beiden gemacht, also ist es ganz Deine Sache, wen Du ran lässt. Den Prospero würde ich mir warmhalten, solange es euch Spaß macht. Er ist großzügig, vögelt offenbar gut, und er unterstützt dich, ohne dich besitzen zu wollen. Fortschreitter... der ist ein anständiger Kerl und sicher in dich verliebt, aber was kann der Dir schon bieten? Der wird wahrscheinlich irgendwann angestellter Schriftgelehrter bei einem Granden, ... vielleicht bin ich da zu pragmatisch, aber ein Leben kann der Dir eher nicht bieten. Versprich einfach nichts, was Du nicht halten willst. Dass der Prospero sowohl die Siana wie auch dich beglückt, dürfte er sowieso wissen, wenn er nicht mit einem Brett vorm Kopf rumläuft. Redet einfach nicht drüber.“ Makita grinst und nickt. „Seid... wie nennt man das... diskret!“ Sie kichert und fasst Boronaya spielerisch an ihre Oberweite. „Wir sind alle nur einmal jung. Lass Dir nur nicht leichtfertig ein Kind in den Bauch reden.“
von Jadoran
17.01.2020 09:14
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, Spät Abends, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
„Dann machen wir das so!“ Prospero lacht und liefert sie vor der Herberge ab. Glücklicherweise ist hinten noch auf, und sie kann in ihre Kammer schlüpfen, bekommt aber Besuch von Tonarev und Makita, noch bevor sie sich fürs Bett fertig machen kann. „Das war aber ein langer Spaziergang. Erzählen!“

Tag 27, nachmittags auf dem Hanfla, nördlich Al'Anfa (Capitan)
Der Capitan hört sich die nach und nach herauskommende Geschichte an. Es passt. Sowas kommt durchaus vor. Von ihren Manieren her, und vor allem, weil sie nicht vorgeben, es würde irgendjemand Lösegeld für sie zahlen. „Cousinen also. Abenteuer. Nun, es muss jeder mit seinen Entscheidungen und deren Folgen leben.“ Und bei Rahja, was für Folgen. „Momentan ist auf der Plantage eher das Zupacken gefordert, selbst ich muss mit Hand anlegen. Aber wenn es gut läuft, kann meine Nichte jemanden, der lesen, schreiben und rechnen kann, durchaus gebrauchen. Ihr werdet genau so spuren müssen, wie alle anderen auch. Ist das klar?“ Er erntet Nicken. „Natürlich, Herr!“
Als sie sich wieder zu ihrer Gruppe verzogen haben, wird Inazuna neben ihm sichtbar, und er nickt ihr freundlich zu. Die sonst so Schweigsame ist offenbar in Redelaune. „Wenn ihr mir die Bemerkung erlaubt, Capitan: ich bin erstaunt, wie einfach es war.“ Morrigan lacht. „Einfach...“ Er fischt ein Fuchsamulett aus seinem Ausschnitt und küsst es, bevor er es wieder versenkt. „Signorita, die Hauptstadt ist ein derartig verkommenes Schlangennest, dass die Leute nur noch um die Ecke denken anstatt geradeaus.“ Inazuna schaut aufs vorbeiziehende Wasser. „Und wenn sie es nicht war?“ „Dann haben wir für jemand anderen die Drecksarbeit erledigt. Aber wie Drecksarbeit es so an sich hat: Sie muss gemacht werden, sonst bleibt der Dreck liegen.“ Der Capitan zieht seine Pfeife hervor. „Ihr erlaubt?“ Inazuna nickt, und er stopft sie gemächlich. „Eure Kunst ist bewundernswert, Signorina. Selbst in meinen besten Jahren hätte ich es niemals mit euch aufnehmen können.“ Inanzuna errötet. „Ihr schmeichelt mir. Ich habe noch viel zu lernen.“ „Im Gegenteil. Ihr seid zu bescheiden. Selbst wenn ihr noch viel zu lernen haben solltet, dann solltet ihr auch erkennen, welches Niveau ihr bereits erreicht habt. Ohne euch hätte ich jetzt ein paar hässliche Narben mehr, und die Anziehungskraft von Narben auf das schöne Geschlecht wird drastisch überschätzt, wie ich feststellen musste.“ Inazuna muss tatsächlich kichern, ein so seltener Ton, dass der Capitan zunächst glaubt, sie wären nicht allein. Sie schweigen sich ein wenig an, den Nachmittag genießend, dann fragt der Capitan. „Was wollt ihr mit eurem Leben eigentlich anstellen, wenn ihr erst einmal die Schwertkunst perfektioniert habt, Signorina?“
von Jadoran
16.01.2020 18:20
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, sehr spät abends, Platz der Helden, Sandalia, Santinera(Boronaya)
Prospero schmunzelt. „Dem Preis unserer vereinten Anstrengungen von gestern? Nun, weiter... sagen wir mal: Wir haben festgestellt, dass es mit einem einfachen Analys nicht getan ist. Ich mache euch einen Vorschlag, verehrte Collega. Wir tauschen uns übermorgen bei einem guten Wein über die Ergebnisse unserer jeweiligen Anstrengungen aus, wie wäre es?“ Er zwinkert.
von Jadoran
16.01.2020 16:01
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät abends, Saribalds Zaubergarten → Herberge Arangenbäume (Boronaya)
Prospero nickt und erhebt sich. „Erlaubt mir, euch nach Hause zu begleiten.“ Sie ziehen sich an, und machen sich auf den Heimweg. Erst, als sie schon beinahe den Platz der Helden erreicht haben, fällt Boronaya siedend heiss ein, dass sie Prospero eigentlich nach dem Artefakt aus dem Sumpf fragen wollte, über das Ribaldo ihr aufgrund seines Verschwiegenheitsversprechens keine näheren Auskünfte erteilen durfte.
von Jadoran
16.01.2020 10:08
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
"Ich denke, sie sehen das nicht als Konflikt, sondern denken, sie nehmen sich einfach, was ihnen zusteht, weil sie bisher fast immer damit durchgekommen sind. Ein schlechtes Gewissen habe ich bei beiden bisher nicht verspürt." Prospero lacht, aber Boronaya hat auch ein wenig das Gefühl, dass er sie natürlich am Ergebnis messen wird, ob und wie sie es schafft, mit Palandrine fertig zu werden. Aber er sagt nichts dergleichen, sondern genießt nur ihren Anblick. „Ihr ihre Grenzen aufzuzeigen ist eigentlich ein Gefallen für sie.“ Er schaut in den Himmel, wo in gut zehn Schritt Höhe immer noch die Feen Haschmich spielen. „Wollen wir uns noch etwas ausruhen, oder zieht ihr es vor, das Misstrauen eurer Hauswirtin nicht durch eine zu lange Abwesenheit zu befeuern?“ Er zwinkert ihr zu.
Hier in der Blumenwiese, die völlig frei von lästigen Krabbelviechern und Mücken ist, liegt es sich deutlich angenehmer als auf ihrem Strohsack in der stickigen kleinen Kammer, von der Luft gar nicht erst zu reden.

Tag 27, mittags im Flusshafen, Al'Anfa (Capitan)
Als das Schiff ablegt, taucht rechtzeitig auch Inazuna aus dem Schatten auf, und während auf den Gesichtern der meisten ein ungläubiges 'Die da soll die furchterregende Wache sein? Wohl ein Scherz, wie!' zu lesen ist, wissen Ako und Kongou, die selber aus Thalusien stammen, sichtlich ganz genau, wen bzw. was sie da vor sich haben. Umgekehrt ist sich der Capitan nun großteils sicher, wen er da eingekauft hat. Das sind alles einfache Matrosen. Keine Piraten. Aber so ist die Welt. Und Emilia wird wahrscheinlich besser mit ihnen zurecht kommen als mit echten Feldsklaven. Eine Unwägbarkeit bleibt, und er winkt Mariella heran, und als Myra sichtlich mitkommen will, sich aber nicht traut, duldet er es mit einem Kopfnicken. Er mustert die beiden und zwingt sich, die Augen von Myras durchaus sehenswerter und sich durch die etwas eng sitzende Tunika klar abzeichnende Oberweite zu lassen. So locker er das sonst nimmt, jetzt gerade empfindet er es als unangebracht. Er winkt Mariella näher heran. „Gib mir deine Hände. Mariella.“ Die gehorcht zögernd, schon ahnend, was kommt. Sein Verdacht erhärtet sich. „Also. Wenn Du eine einfache Matrosin wärst, dann hättest Du mehr, aber dafür gut verheilte Schwielen. Du wärst Mari und nicht Mariella. Und die Frisur, die Du dir gemacht hast. Hübsch, aber an Deck eines Schiffes eher unpraktisch... Also, wer bist Du?“ Mariella und Myra werden verlegen.
von Jadoran
15.01.2020 18:19
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Prospero lacht, „In der Tat.“ Er gießt allen Damen noch einmal nach, dann ist die Flasche allerdings auch schon leer. Die platinblonde Itazurana hat auch ihre zweite Schale auf Ex geleert, gähnt dann einmal mit vorgehaltener Hand und kippt anschließend einfach seufzend nach hinten. Gleich darauf beginnt sie zu schnarchen, zum Amüsement ihrer Kameradinnen. Diese sprechen dem Bosperanjier vorsichtiger zu, aber auch bei ihnen tut er seine Wirkung. Allerdings werden diese nun lustig anstatt müde. Sugizai bedankt sich höflich für die Einladung, woraufhin sich ihre drei noch wachen Kameradinnen anschließen, und dann fliegen sie in den Nachthimmel und umschwirren die Krone der Zypresse, augenscheinlich Fangen spielend. Prospero sieht ihnen kurz lächelnd hinterher, dann breitet er die eigentlich fürs Picknick als Unterlage genutzte Decke als Zudecke über die schnarchende Itazurana und streckt sich. „Nun...wie weit seid ihr mit unserer entzückenden kleinen Unruhestifterin, Palandrine? Sie schlägt doch ein wenig über die Stränge.“
von Jadoran
15.01.2020 12:18
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Don Orpheo nickt. „Aber natürlich. Tut euch keinen Zwang an. Salicia kostet 250 Dublonen, Rubena und Corada je 220, Tembo 200.“ Junge, weibliche Sklaven kosten immer mehr, da man mit ihnen mehr Sklaven produzieren kann. Die Preise sind angemessen, eigentlich sogar günstig. Für fertig ausgebildete Haussklaven, was er anscheinend vor sich hat, ruft man in Al'Anfa normalerweise Preise um 300 auf, und das sind dann meistens schon etwas ältere, jenseits der dreißig. Viel wird er hier nicht handeln können – zu dem Preis kaufen ihm Al'Anfaner Sklavenhändler die jungen Leute mit Kusshand ab, und das weiß er sicher auch. Ein Rabatt für die Ehre, der Boronkirche zu Diensten sein, ist da schon drin.
Wer wirklich die Hübscheste ist, lässt sich kaum sagen, wenn man den Brustumfang nicht als Kriterium nimmt. Und auch Salicia ist nach Alanfaner Maßstäben nicht wirklich üppig – reinrassige Mohas neigen nun einmal nicht zu schwerer Buglastigkeit. Sie sind aber alle rank, schlank und gut gebaut, haben dichtes, schönes Haar und dunkel- bis hellbraune Augen. Wenige Schwielen an den Händen, eher Kämpfer als Handwerkerhände, und ausgeprägte Hornhaut an den Füssen. Tembo und Corada haben jeweils eine gut verheilte Speerwunde an der Hüfte beziehungsweise dem Oberschenkel, aber sie scheint komplett verheilt zu sein und sie nicht zu beenträchtigen. Salicia atmet etwas flacher, als er hinter ihr steht, vermeidet aber eine anderweitige Reaktion, so dass er nicht sagen kann, warum. Sie hat sicher die stärkste Ausstrahlung, und ihr angenehmer Körpergeruch ist verlockend. Corada wirkt auf ihn wie die gefügigste. „Lächelt den Kunden einmal freundlich an, Mädchen.“ Don Orpheo schnippst mit den Fingern, und alle drei präsentieren perfekte, helle Zähne. Das Lächeln ist gut aufgesetzt, aber natürlich kommt es nicht von Herzen und wirkt etwas steif.
von Jadoran
15.01.2020 08:29
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Wie nicht anders zu erwarten, setzt es einen weiteren, etwas festeren Klaps, und ihr Körper entscheidet, dass das mit dem Essen und Trinken noch etwas warten kann. „Gibt etwas verlockenderes, als die Erziehung einer derart schönen jungen Collega zu verbessern?“ Prospero lacht, und kurz danach liegt sie tatsächlich über seinen Knien.“Erzeihungsanstrengungen soll man vor dem Essen erledigen, nicht wahr?“ Es bleibt natürlich nicht beim Disziplinarischen, wenn man das überhaupt so nennen will, und anschließend ist Boronaya auf eine so glückliche Art erschöpft, dass sie sich im Gras drapiert, sich bewundern und vor allem bedienen lässt. Er hat tatsächlich auch etwas zu beißen dabei. Den Bosperanier reicht er ihr in einer fein gedrechselten Holzschale, dazu gibt es aus einem Körbchen Nüsse und Zuckerwerk, das sie im Moment weniger reizt, aber dafür von den sich zwitschernd um sie sammelnden Feen geplündert wird, die ebenfalls mit Bosperanier bedient werden. Boronayas Gaumen lockt derweil eher etwas rezenteres, obwohl sie ein Abendessen bei Sneora Ponches hinter sich hat, und Prospero hat drei in Blätter gewickelte gefüllte Teigtaschen dabei, die innen immerhin noch ein wenig warm sind und jetzt wunderbar solide schmecken. Sie stoßen zusammen die Schalen an, zu siebt ein beinahe an Ballett anmutendes Unterfangen, und Prospero hebt dann sein Trinkgefäß. „Zum Wohle!“ Sie trinken, dann weist er in die Runde. „Und wenn ich jetzt vorstellen darf, auch wenn es vielleicht ein wenig verspätet kommt: die hellhaarige Kaidi, die sanfte Sakura, die zarte Kaba, die dunkle Sugizai und schließlich die flinke Itazurana.“ Er deutet nacheinander auf die das mit einer Geste bestätigenden Feen, wobei die letzte ihr Bosperanjerschale gerade in einem Zug geleert hat, einmal verlegen rülpst und sie nun fordernd mit beiden Händen zum nachfüllen hinhält. Prospero schüttelt lachend den Kopf. „Meine Liebe, wenn ihr euch nicht auf eure Manieren besinnt, werde ich euch ebenfalls übers Knie legen!“ Der Abschreckungseffekt ist erwartungsgemäß genau Null, waren sie doch gerade erst Zeuge solcher Anstrengungen. Der Sinn der fröhlich gezwitscherten Antwort lautet daher auch: „Versuchs doch!

Tag 27, spät morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Er führt den Trupp durch die Gassen, und vielleicht, weil er so ein begnadeter Redner ist, vielleicht, weil die Frauen allesamt auf ihn fliegen, aber vielleicht auch nur, weil sie ansonsten ihre gerade wieder getroffenen Kameraden im Stich lassen würden, jedenfalls folgen sie ihm. Nach hundert Schritt wendet der Capitan den Kopf. „Tarito ein Lied! Kennst Du, Zu Grünen Auen?“ „Jawohl Capitan!“ Singen hilft gegen das Denken und Grübeln. Es sind alles Seeleute, und daher bringen sie ganz gutes Volumen. Der Capitan wartet die erste Strophe ab, denn sucht er mit den Augen Ako. „Ako, zu mir nach vorne! Hopp!“ Sie fliegt. „Im Hafen gibt es Gelegenheit sich zu Waschen. Die Frauen zuerst. Es stehen da zwei Kisten mit neuen Klamotten. Du übernimmst die Verteilung. Ich will keinen Streit.Verstanden?“ „Verstanden Herr.“ Dank ihrer Herkunft schafft sie es, sich im Laufen zu verbeugen. „Gut. Weitermachen.“ Sie teleportiert zurück ins Glied und beginnt mit der Kommunikation.
Die Verladestation im Hafen könnte auch für Vieh genutzt werden, und sie wird es öfters auch. Für sein mageres Dutzend braucht er keinen der großen Pferche, aber der Kleine, den er gemietet hat, hat alles bereit gestellt, wie er es geordert hat. Zwei Wäschezuber mit dem, was hier in Al'Anfa als sauberes Wasser durchgeht. Ein halbes Dutzend Wurzelbürsten, zwei grobe Kämme. In den Kisten frische Tuniken und Hosen sowie einfache Sandalen. Wird nicht alles passen, aber ist besser als das, was sie anhaben. Ein paar einfache Halstücher und ebenso einfache Strohhüte, samt und sonders billige Manufakturware. Das alles ist hier deutlich billiger als in Santinera. Privatsphäre gibt es im Verladepferch nicht, im Gegenteil, aber das lässt sich improvisieren. „Tarito, Mauer bilden! Ihr seht die Mädels noch oft genug, Schirmt sie ab!“ Er nickt. „Jawohl, Capitan!“ Es ist nur eine Kleinigkeit, aber es gibt so kein Gedränge, die Männer tun 'was Nützliches' und die Frauen sind tatsächlich dankbar. Ako macht ihre Sache gut, wie er sieht, und als nach einer guten Stunde ihr Schiff anlegt, das sie bis Apestos Capestosos bringen wird, sieht die Truppe schon deutlich besser aus. Er belegt ein gutes Drittel des Zweiochsers und ist der einzige, der eine Schar Sklaven dabei hat. Ein paar Glücksritter, ansonsten eher wohlhabende Fanas, die ihre Verwandten auf Plantagen besuchen.
von Jadoran
14.01.2020 17:26
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Don Orpheo reagiert eher amüsiert als verschlossen auf das unverblümte Ausfragen. „Die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich, aber Glasperlen braucht man gar nicht erst anbieten. Die Basis für das Geschäft ist gegenseitiges Vertrauen. Bleichhäute haben es besonders schwer. “ Er zwinkert, dann wendet er den Kopf. „Kleine, sag Rondrigo Bescheid, er soll Rubena, Salicia, Tembo und Corada herschicken.“ Sie wiederholt die Namen, verneigt sich und verschwindet.
Don Orpheo wendet sich Goldons anderer Frage zu. „Ach, was man so hört. Wilde mit Blasrohren und Speeren, Schamanenflüche, Seeungeheuer, giftige Nebel, natürlich auch das Yak Hai“, er macht das Zeichen gehen den Bösen Einfluss und berührt ein Jaguaramulett aus schwarzer Jade, das um seinen Hals hängt, „und natürlich blutgierige, nackt kämpfende Eingeborenenamazonen – sowas darf nie fehlen. Aber ich schätze, die meisten sind ganz unspektakulär am Fieber und an Kamaluqs Rache gestorben.“
Nach wenigen Minuten kommt die Ausgeschickte wieder, jetzt mit einer Reitgerte bewaffnet, gefolgt von vier Sklaven, die allenfalls siebzehn oder achtzehn Sommer zählen mögen, drei Mädchen und ein Junge. Es sind allesamt Mohas, feingliedrig aber kräftig. Bekleidet sind sie nur mit einem Lendenschurz, den sie zudem beim Eintreten ohne weitere Aufforderung ablegen, bevor sie sich vor der Schiebetür zum Hof auf einer unsichtbaren Linie aufstellen, den Kopf leicht gesenkt, den Blick auf den Boden gerichtet, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Die Mädchen haben schnell gesteckte Frisuren mit je einer Blüte, die es leicht macht, sie ohne Rückgriff auf anatomische Eigenheiten zu unterschieden. Auf ein Nicken Don Orpheos hin deutet die Reitgerte auf die erste, ohne sie zu berühren. „Rubena. Sie kann Addieren und Subtrahieren. Salicia ist klug. Oder sagen wir: schlau. Aber sie macht keine Dummheiten.“ Und die mit den größten Möpsen ist sie auch. „Tembo ist geschickt mit den Händen und hat eine gute Zunge, er wäre ein guter Koch. Und schließlich Corada. Sie hat ein gutes Gedächtnis und ist schon von Natur aus fleißig.“ Alle vier reagieren nicht auf die Anpreisung. Das ist guter Schliff, die könnte er ohne Probleme auch in bessere Kreise der Hauptstadt verkaufen. „Alle vier können einen kleinen Haushalt führen und verstehen genug Brabaci, um Befehle zu verstehen oder auf dem Markt einfache Besorgungen zu erledigen. Sie sind fügsam und willig.“ Und gesund sehen sie auch aus.
von Jadoran
14.01.2020 09:01
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Prospero küsst sie auf den Mund, während seine Hände sich beschäftigen, dann hebt er sie mühelos hoch und Rahja schenkt ihnen Leidenschaft. Boronaya kann nur grob schätzen, wieviel Zeit vergeht, aber als sie schließlich träumerisch im Gras liegt, kommt sie sich wahrhaft beglückt vor, und es bedarf eines festen Klapses, um wieder ins Hier und jetzt zurück zu kehren. Es war einfach wunderbar. Prospero beugt sich über sie, und sie dreht sich um und lässt sich küssen und dann aufhelfen. Ihr Körper meldet zaghaft, dass ein paar weitere Klapse eigentlich ganz lustig wären, aber vor allem, dass er jetzt Hunger hat, und ihre Augen sich sicher sind, vor kurzem eine Flasche Bosperanjer gesehen zu haben.

Tag 27, spät morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Der Capitan mustert die Gruppe, von denen sich einige erst jetzt wiedersehen. Oder auch feststellen, das Gesichter fehlen, auf die man gehofft hat, als man die ersten bekannten erblickte. Dann klatscht er in die Hände. „Alle mal herhören. Mein Name ist Jorge Bartholomeus Morrigan, euer neuer Herr und Gebieter! Also genauer gesagt, meine Nichte Emilia. Ich weiß, das viel in euren Köpfen vorgeht. Kein Problem. Aber ihr werdet jetzt fünf Minuten lang die Klappe halten und mir zuhören! Verstanden?“ Er erntet ein allgemeines Jawohl. „Wir marschieren jetzt alle zum Flusshafen, dort geht es an Bord eines ochsengetriebenen Seelenverkäufers flussaufwärts. Zeit euch vernünftig zu waschen und miteinander zu schwatzen werdet ihr genug haben. Ihr werdet euch vielleicht, wie Freund Ciro oder die hübsche Kongou, fragen: Nur der? Ohne Wachen renne ich ihm einfach davon!“ Die beiden sehen tatsächlich ertappt drein, auch etwas verwundert, dass er bereits ihre Namen im Gedächtnis hat. „Hier in Al'Anfa wäre das eine schlechte Idee. Denn erstens habe ich eine Wache, und der wollt ihr nicht davon rennen. Zweitens würdet ihr mit eurem Ring um den Hals genau wieder hier landen, und noch dazu ein Brandzeichen bekommen. Muss nicht sein, wollt ihr nicht. Denkt nach, Jungs und Mädels! Aber natürlich könntet ihr später wegrennen. In den Dschungel. Dort frei wie ein Vogel leben. Weiß einer von euch, wie es Leuten ergeht, die auf einer einsamen Insel ausgesetzt werden? Tarito?“ Der große Kerl nickt langsam. „Verrecken. Geht ganz schnell.“ Er fügt ein. „Capitan“ hinzu. Morrigan nickt. „Genau so isses. Und nun, auch wenn das immer nur Menschenschinder sagen: Heute ist euer Glückstag! Arbeitet hart, dann lebt ihr gut. Das wars. In Zweierreihe angetreten und ohne Tritt Marsch!“ Objektiv gibt es keinen Grund, warum diese Rede einschlagen sollte, aber der Capitan spürt, er hat sie. Eine Mannschaft formen kann er, und was sind die Bewohner einer Plantage anderes als eine Mannschaft? „Jawohl, Capitan!“ Tarito sortiert die Bande, wie er sieht. Er hat seinen Vorarbeiter.
von Jadoran
13.01.2020 18:09
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, früh nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Don Orpheo zuckt mit den Schultern. „Das geht schon seit Jahrzehnten so. In Fachkreisen nennt man den Blauen Hanfla offenbar den Rio Morte. Wer oder was auch immer am Oberlauf das Sagen hat, es frisst offenbar gerne Sklavenjäger. Wer weiß, vielleicht ein großer Drache? Und von den Schatzjägern, die dem gefallenen Stern nach sind, sind ebenfalls nur etwa einer aus zehn zurückgekehrt, nach allem, was man hört. Was allerdings bei Schatzsuchern keine schlechte Quote ist.“ Da hat er allerdings recht. „Wir bekommen unsere Ware von den Eingeborenen, gleich welcher Rasse. Es ist eben Geduld und Vertrauen gefragt.“ Don Orpheo lächelt freundlich, aber nichtssagend. „Dementsprechend bieten wir vorwiegend Mohas an. Genauer gesagt: Anoihas. Nicht gerade exotisch, aber genau das, was die meisten haben wollen, und vor allem bieten wir nur angelernte Sklaven, die sofort für ihre Aufgaben erfüllen können. Was sucht Seine Gnaden denn? Mann oder Frau? Dreht es sich um Handreichungen oder soll sie selbstständig den Haushalt führen? Hat er besondere Vorlieben, die es zu berücksichtigen gilt? Und natürlich: Was wollt ihr anlegen?“
von Jadoran
13.01.2020 15:44
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, für nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Der junge Don lacht, prostet ihm zu und schüttelt dann den Kopf. „Geduld braucht es in jedem Geschäft. Aber Exoten sind etwas für den Silberberg, nicht für die Werkstätten und Felder Santineras. Was die Sklaven angeht: Sagen wir einfach, die Nachfrage übersteigt ein wenig das Angebot. Und ja, Sklavenjäger sind oft die Leute ohne Geduld. Auch hier sind schon einige den Blauen Hanfla hinauf gefahren.“ Er zuckt gleichmütig mit den Schultern. Zurück ist bekanntlich noch keiner kommen, egal wie gut bewaffnet. Sie verschwinden einfach. „Aber ihr wollt investieren? In Sklaven? Mit wessen Gold, wenn die Frage erlaubt ist? Ich dachte, ihre Gnaden Boroggio braucht ein Mädchen oder einen Jungen für den Haushalt?“
von Jadoran
13.01.2020 09:13
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 27, morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Auch hier stehen sie in drei Reihen, und der Capitan muss sich beherrschen. Weiblichen Gefangenen das Leben zur Hölle zu machen funktioniert ein wenig anders als bei den Männern, und auch, wenn das leider besonders 'gut funktioniert', erfüllt es ihn mit geradezu körperlicher Abscheu. Und natürlich sieht man es ihnen an.Und selbst, wenn er es nicht wüsste, wird es klar, als jede, vor die er tritt, sich mit gesenktem Kopf und ohne Aufforderung die Träger ihrer dreckigen und zerlumpten Tunika über die Schultern streift. Er hasst sich dafür, aber diese Gefügigkeit, auf die völlig falsche Art zustande gebracht, spricht ihn trotzdem an. Natürlich ist es sinnvoll, zu sehen, ob sie schon Brandzeichen oder Narben haben, er hat sich auch bei den Männern den blanken Oberkörper angeschaut. Aber das ist trotzdem was anderes.
Er hält sich auch hier an Cusaros Empfehlungen. „Name?“ „Myra, Herr.“ Es war kein Wasserfass, er riecht es. „Was war Deine Aufgabe an Bord?“ „Leichtmatrosin, Herr.“ Ihr Blick fleht so deutlich: 'Hol mich hier raus!' dass er einfach nicht anders kann. „Wenn Du Beete in Ordnung halten und in der Küche helfen kannst, dann kann ich dich brauchen.“ „Das kann ich, Herr!“
Ako ist eine ganz andere Persönlichkeit. Sie hat es wohl geschafft, einfach nicht aufzufallen und so das Gröbste zu vermeiden, aber auch sie will hier einfach nur raus. Der Capitan empfindet ihre Nase nicht gerade als platt, und ihre Oberweite ist, für thalusische Verhältnisse, ganz normal. Aber vor allem war sie an Bord Mädchen für alles, und der Capitan hat den Eindruck, dass sie nicht ungeschickt sein wird. Außerdem wirkt sie so auf ihn, als habe sie diese seltene Seelenstärke, diese Hölle einfach an sich abperlen zu lassen, zu ertragen ohne zu brechen. Er braucht noch vier weitere, aber er merkt, wie ihm sein Naturell in die Quere kommt, und er zu großen Brüsten und hübschen Gesichtern tendiert, anfängt, mit seinem kleinen Alrik zu denken. Also lässt er es drauf ankommen. Myra ist offenbar mutig, und Ako stark. Er winkt sie zu sich. „Ich brauche vier weitere. Ihr beiden sucht sie zusammen aus.“ Die beiden zögern, schauen zu den Wachen, die aber genau wie der Schreiber den Capitan machen lassen. Dann stecken sie die Köpfe zusammen und stellen einen Rapport her, und nach kurzem Geflüster, stets besorgt, durch Gebrüll oder einen groben Knuff unterbrochen zu werden, wendet sich Ako an ihn. „Herr, darf ich untertänigst fragen, welche Aufgaben ihr zuvörderst für uns habt?“ „Natürlich, Ako. Eine kleine Bananenplantage. Haupthaus muss in Ordnung gebracht werden, Gemüsebeete, Kanäle.“ Er ist versucht, hinzuzufügen, dass er nichts fürs Bett braucht, bremst sich aber. Das wäre nur eine wohlfeile Selbstbeweihräucherung. Das muss er beweisen, leben, nicht behaupten. Es ist deprimierend, wie allein die Anrede mit ihrem Namen anstatt 'Du da!' der jungen Frau Hoffnung verleiht.
Von den vieren, die sie auswählen, entscheidet bei dreien Ako, während Myra eine einbringt. Sie müssen entscheiden, wen sie in dieser Hölle zurück lassen, das ist alles andere als einfach. Der Capitan besieht sich die Auswahl. Ako übernimmt auf sein Nicken hin das Vorstellen. „Wir haben alle das Sumpffieber schon gehabt Herr. Wir werden hart arbeiten und immer gehorchen! Wir werden euch keinen Ärger machen, das verspreche ich!“ Sie verneigt sich nach thalusischer Art, und die fünf anderen folgen ihr. Mita, Lora, Mariella, und Kongou.

Tag 17, abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Prospero lacht. „Sie untersagt stets Alkohol und Sinnesfreuden bei der Genesung.“ Er wird etwas ernster, auch wenn seine um ihre Schulter gelegte Hand nun etwas tiefer spielt. „Allerdings gilt sie als ausgesprochen gute Dottora.“ Er steckt seine Nase kurz in ihr Haar, dann küsst er sie auf die Wange. „Aber das galt nur bis das Fieber besiegt ist, nicht wahr? Und Fieber habt ihr keines mehr. Es liegt also ganz bei euch.“ Seine Finger bewirken durch eine dezente Berührung einen akuten Erregungsschub.
von Jadoran
12.01.2020 12:04
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, abends, Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Prospero verbeugt sich auch vor ihr. „Mit dem größten Vergnügen.“ Und das hat er auch eindeutig, als er ihr zusieht, wie sie ihre Kleider ablegt und dann ins Bad steigt, und als er dasselbe tut, kann er nicht verhehlen, dass ihm außerordentlich gefällt, was er sieht.
Seine Tasche, sowie sein und auch ihre Kleider legt er ordentlich zusammen in Griffweite am Rand, vielleicht Schelmereien der betont unschuldig umher schwirrenden Feen befürchtend. Aber dann lässt er sich zufrieden in das gerade einmal gut knietiefe, angenehm heiße Wasser sinken, und auch, wenn Boronayas Körper bereits 'Ich will jetzt Massage!' schreit, genießt er wie sie erst einmal das Gefühl der Entspannung. Die Luft ist vom Duft des Baumes erfüllt, so als ob die ätherischen Öle der Zypresse ins Wasser gelangten, und rahjaische Erregung und das Abfallen, ja Verdampfen aller Anspannung ergeben zusammen eine fast träumerische Zufriedenheit. Nach einer kurzen Weile seufzt Prospero. „Wisst ihr, nachdem ich zum ersten Mal den Garten betreten hatte, hatte ich erwartet, dass der gute Saribald sich nicht von seinem Meisterwerk würde trennen können. Aber er war beinahe froh, es los zu sein und Mittel zu haben, ein noch prächtigeres, vollendeteres zu erschaffen. Bewundernswert und doch irgendwie traurig.“ Er legt den Arm um ihre Schultern und deutet mit der freien Hand nach oben, wo die Feen sich mittlerweile in der Baumspitze gesammelt haben und wohl die Aussicht in luftiger Höhe genießen. Allerdings scheinen zwei auch verdächtig unauffällig die nur gut Eichelgrossen Tannenzapfen einzusammeln.

Tag 27, morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Im engen Hof stehen in drei Reihen zu je acht die Gefangenen, Hände und Füße in Ketten, zerlumpt, und fast jeder ziemlich verprügelt. Frisch aus der Abrichtung eben, wo den Leuten gezeigt wird, was für eine Hölle das Leben sein kann, damit sie jeden Gedanken an Widerstand aufgeben, sich in ihr Schicksal fügen, und ihnen zudem das Leben bei der neuen Herrschaft, die meistens ihre Sklaven aus ganz naheliegenden Gründen recht vernünftig behandelt, wie ein Gottesgeschenk vorkommt. Abscheulich, aber höchst effektiv. Cusaros Schreiber ist ein dürres Männlein mit Fischaugen, und die Gefangenen könnten in seinen Augen wohl ebenso gut Schweine, Fässer oder Kisten sein. Der Capitan verlässt sich auf seine Menschenkenntnis und geht die Reihen einmal ab, bevor er sich entscheidet, und die Leute gezielt anspricht. Er beginnt mit Tarito, der tatsächlich einen halben Kopf größer ist als er und breite Schultern hat. „Name?“ „Tarito, Herr.“ Er hat einige Schrammen vorne, und eine hässliche, frischere hinten. „Warst einer der letzten, die an Bord aufgegeben haben, wie?“ Die trüben Augen des Mannes werden etwas heller. „Stand mit dem Rücken zum Mast, Herr. Hatte aber nur einen Belegnagel.“ Der Capitan will entgegnen, dass ein Belegnagel sehr praktisch sein kann, aber etwas, eine düstere Ahnung, hält ihn ab. Der letzte, der sich wehrt, bekommt oft eine besondere Aufmerksamkeit durch die Entermannschaft. „Kannst Du zupacken, Tarito?“ „Ja, Herr.“ „Ich brauche Dich und fünf Mann. Wenn Du Vorschläge hast, höre ich sie mir an.“ Tarito schaut ihm in die Augen, und dann nickt er. „Alrik, Ciro, Ragnar, Mero und Cato.“ Der Schreiber ist ein wenig verwirrt, so funktioniert das normalerweise nicht, aber einem Capitan de Navia redet man als einfacher Schreiber nicht dazwischen. Morrigan sieht sich die genannten fünf an, dann nickt er. „Gut.“ Einen Vorarbeiter hat er jetzt. Aber Vecna wird mit ihm fertig werden, da ist er sich sicher. Auch wenn er sie wahrscheinlich mit einer Hand hochheben kann. Nun zu den Frauen. Das wird schwieriger, er kennt sich.
von Jadoran
11.01.2020 09:36
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, abends, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera → Saribalds Zaubergarten (Boronaya)
Prospero lacht amüsiert. "Erlaubt mir einfach, euch zu verwöhnen. Falls ihr euch einen Klaps verdient haben solltet wie Signorita Makita, läßt sich das immer noch nachholen." Er führt sie über enge Gassen, und in der Dunkelheit kann sie sich schlecht orientieren. Aber als es nach einem kleinen Platz eine gewundene Treppe bergab geht, ist sie sich sicher – er führt sie zum Hinterhof, wo er Ribaldo den Zaubergarten überließ. Und so ist es auch. Die Tür allerdings sieht diesmal ganz anders aus: War sie beim letzten Mal einfach eine unscheinbare Hinterhoftür in einer Mauer, ist es jetzt eine runde, mit Wurzeln statt Eisen als Türbändern und einem Runden Holzring in der Mitte.
Und auch der Garten ist anders. Es ist schon irgendwie derselbe Garten – rechts ist der kleine Wasserfall, gerade stark genug, um darunter zu duschen - aber der ganze Garten wirkt länger und klimatisch etwas nördlicher, sie atmet eine angenehm frische, aber nicht kalte Bergluft. Vor allem aber befindet sich nun links, wo beim letzten Mal die Wiese war, auf einem kleinen Hügelchen, von großen, zum Sitzen einladenden Findlingen eingefasst, ein dampfendes Badebecken. Ein heißes Bad! Eine von einem bis zu ihr hin duftenden Blumenteppich bedeckte Lichtung gibt es trotzdem, sie erstreckt sich weiter nach Westen, und dort verliert sich der Blick in Nebelschwaden. In den Ästen einer gewaltigen Zypresse, die das heiße Bad überdacht, sitzen wieder die fünf Feen, diesmal jedoch deutlich größer als zuvor – sicher anderthalb Schritt - immer noch splitternackt, was jetzt doch mehr auffällt als beim letzten Mal, als sie nur gut eine Handspann groß waren. Als sie hereinkommen, fliegen die Feen beneidenswert mühelos auf und kommen glockenhell zwitschernd und mit sirrenden Libellenflügeln näher, von Prospero mit einer galanten Verbeugung begrüßt. „Guten Abend Signorinas. Wenn ich vorstellen darf: Die Gelehrte Dame Boronaya, eine geschätzte Collega und bewunderte Freundin.“ Die Feen grüßen sie im Schweben mit einem Theaterknicks, werfen Prospero neckisch ein paar Kusshände zu, umschwirren sie dann beide neugierig in gut zwei Schritt Abstand, bis Prospero eine Flasche Bosperanjer aus seiner Umhängetasche hervorzaubert. „Ich habe natürlich auch etwas mitgebracht. Vielleicht trinken wir nachher alle einen Schluck zusammen, Signorinas?“ Das trifft auf zwitschernde Zustimmung. Boronaya versteht sie, auch wenn sie die Worte nicht verstehen kann. Das scheint magische Verständigung wie mit Elementarwesen, Drachen oder Geistern zu sein. Prospero verneigt sich zu ihr. „Meine Liebe, das Bad ist angerichtet.“

Tag 27, morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Cusaro weist ihn auf Besonderheiten hin. „Telo, so ein kleiner Rotschopf, der war auf dem Aranier Zimmermann. Tut sehr gefügig, ist aber ein hinterhältiger kleiner Mistkerl. Ich bin selber einer, ich hab da ein Auge für. Die blonde Myra hat einem der Abrichter beinahe die Augen ausgekratzt. Hat Feuer, ist aber klug genug, zu parieren, war wohl mal Perlentaucherin.“ Wenn sie sich beim 'Abrichten' gegen einen Wärter gewehrt hat, dann hat sie sicher mit einem Fass Wasser 'Bekanntschaft' gemacht. Wasser, wenn sie Glück hatte. „Ako, so eine unscheinbare Thalusierin, ist Bauerntochter, wurde schon von ihren Eltern in die Sklaverei verkauft. Eigentlich perfektes Leibsklavinnenmaterial, aber zu hässlich. Platte Nase, keine Titten, da hab ich vorne mehr als die. Taritos Eltern waren Zimmerleute, er selber Bootsmann. Der ist gut mit den Händen und hat hier sofort kapiert, wie der Hase läuft. Bin aber sicher, er hat sich mein Gesicht gemerkt. Wenn er gut behandelt wird, spurt er sicher, taugt zum Vorarbeiter. Ich lass meinen Schreiber mitlaufen – wenn ihr mit mir zusammen geht, dann mögen sie euch auf Anhieb auch nicht. Er kann sich etwas daneben benehmen, und ihr ihn dann zurecht weisen, das kommt immer gut an.“ Der Capitan nickt, verzichtet aber. Es ist eine Masche, und sie funktioniert sehr oft. In der Hölle der Abrichtung sind Gefangene für jede Hilfe dankbar, aber der Trick ist reichlich durchsichtig, und wenn man etwas Zeit hat zum Nachdenken, durchschauen die meisten ihn. Eine Beziehung, und sei es nur Herr und Sklave, mit einer Lüge zu beginnen, ist ein denkbar schlechter Start. „Ich verlasse mich da auf meinen Charme. Fangen wir mit den Jungs an.“
Es sind tatsächlich die Vielversprechenderen. Was natürlich daran liegt, das alles, was nicht mindestens sechzig oder siebzig Dublonen bringen wird, gleich in die Minen oder Steinbrüche geschickt wird, weil es den Aufwand der Abrichtung und des Verkaufes nicht lohnt..
von Jadoran
10.01.2020 11:52
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, für nachmittags, Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Don Orpheo bedankt sich für das Mitbringsel, dann lehnt er sich ein wenig zurück und prostet Goldon zu. „Gut. Es sind gute Zeiten, in denen der Tüchtige seine Chance bekommt. Wir könnten sicher das Doppelte an Sklaven verkaufen, wenn wir sie bekommen könnten. Derzeit kaufen wir sogar auswärtig dazu. Die Stadt wächst, die Wirtschaft floriert. Und was die Regenzeit angeht, da haben nur die Questadoren weniger zu tun. Traditionell ist das hier die Zeit, wo gebaut wird. Was hält euch hier? Euer Einsatz im Flottenposten ist wohl nur vorübergehend, nehme ich an?
von Jadoran
10.01.2020 09:15
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, abends, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Prospero bietet ihr seinen Arm. „Dann will ich euch einmal entführen. Einen schönen Abend, die Herren, meine Verehrung, die Damen.“ Er neigt sein Haupt und sie verabschieden sich, wobei Boronaya noch von Makita ein „Sei schön unartig“ zugeraunt bekommt, was ihr prompt einen Klaps von Jucho einbringt.
Als sie über den Platz der Helden spazieren wendet sich Prospero an sie. „Ich habe eine kleine Überraschung für euch... ich habe zwar leider feststellen müssen, dass kein Badehaus mehr verfügbar war, aber da ich mir dachte, dass ihr für den morgigen Tag noch etwas Erfrischung bedürft, ist es mir gelungen, ein wenig zu improvisieren.“ Ein Bad? Natürlich hat sie sich gewaschen, aber richtig zu baden, dafür gab es seit ihrer Rückkehr aus dem Sumpf keine Gelegenheit, und die Waschküche von Senora Ponches ist zwar besser als gar nichts, aber wenn man Sefiras Palast gewohnt ist...

Tag 27, morgens im Kriegshafen, Al'Anfa (Capitan)
Manche Aufgaben machen anständigen Leuten einfach kein Vergnügen, locken aber Sadisten an, wie frischer Eselsmist Fliegen. Das Kommando über 'Die Mühle', und damit über frisch abzurichtende Gefangene, die für die Sklaverei vorgesehen sind, eine nicht unerhebliche Finanzierungsquelle für die Armada, hat hier im Hafen Capitan Felicio Cursaro, was sogar recht praktisch ist, da Cusaros Sohn Fähnrich unter ihm war, und offenbar bei seinem Vater das Loblied des Helden von Marricada gesungen hat. Und Cursaro macht seine Arbeit zwar nichts aus, aber er ist tatsächlich kein Sadist, er teilt sich sein Mitleid einfach für Freunde und Familie ein. Er empfängt ihn seinem Büro mit einer Flasche Rum, vorschriftsmäßig und sauber gekleidet. „Capitan Morrigan, welche Freude!“ Er kommt um den Tisch herum, grüßt vorschriftsmäßig, und als Morrigan das erwidert und die Hand ausstreckt, schüttelt er diese. „Schlimme Sache mit der Colonella. Mitten im Arsenal. Weiß man schon was?“ Der Capitan zuckt mit den Schultern. „Bin ja aus der Gerüchteküche ziemlich raus. Aber der Admiral meinte, sie hätte unsere Freunde vom Shinkanydad mit dem gleichen Proviant bedient, den sie auch uns immer gerne zugeteilt hat.“ „Freunde. Pah. Verrückt, allesamt. Sehen einfach nicht ein, wenn sie verloren haben. Wir sollten uns mit den Komturschen endlich einigen anstatt unsere Ressourcen an diese Verlierer zu verschwenden.“ Der Capitan kommentiert das nicht, auch wenn seine Meinung ähnlich ist. Cursaro nimmt seinen Hut vom Haken. „Ich hab die Bande antreten lassen, Kerle im vorderen, die Weiber im hinteren Hof. Gutes Material.“ Der Capitan nickt und folgt ihm. „Wie geht es Lyssa und Deinem Jungen? Ist er schon Oberleutnant?“ „Lyssa geht’s prima, ist guter Hoffnung, wird ein Mädchen, sagt sie. Und Pedro wär eigentlich dran gewesen, aber ist dann doch nur Erster geworden. Aber die Paligan, die ihm den Posten weggenommen hat, scheint ihn süß zu finden. Er kommt schon klar, denke ich. Bisschen Gegenwind muss man als Seemann aushalten.“ Der Capitan gratuliert und lässt sich dann die Liste geben. Zur Auswahl sehen jeweils gut zwei Dutzend, keiner älter als Dreißig.
von Jadoran
09.01.2020 10:31
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, abends, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
„Dann hole ich dich morgen nach dem Frühstück ab!“ Er wird ob des Gegrinses am Tisch etwas rot, stiehlt allerdings trotzdem einen zweiten Kuss, bevor er sich verabschiedet.
Prospero kommt, wie angekündigt, erst nach dem Abendessen, allerdings exakt wie abgepasst, als sie gerade aufsteht. „Guten Abend, verehrte Collega, Senores und Senoras.“ Er mustert sie mit ausgesprochenem Wohlwollen. „Ich sehe, ihr habt das Fieber bezwungen – darf ich euch vielleicht auf einen kleinen Verdauungsspaziergang entführen? Ein wenig frische Luft und etwas Abwechslung werden euch gut tun.“ Er zwinkert ihr zu, als ob er eine kleine Schelmerei vorhabe.

Tag 26, spät vormittags, Admiralität, Al Anfa (Capitan)
Vizeadmiral dreht sein Glas in den Händen und ringt sich dann doch zu der Frage durch. „Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber ich frage dich trotzdem: Hast Du da Deine Finger drin, Jorge?“ Capitan Morrigan legt den Kopf schief. „Wo drin? Ich hab seit Tagen keinen mehr weg gesteckt.“ Parridan verdreht die Augen. „Sag bloß, Du hast es nicht gehört? Irgendjemand hat Cousine Maratera das Haupt vor die Füße gelegt, und ihrem Leibwächter gleich mit. Mitten im Kriegshafen.“ „Cousine Maratera? Ihr meint doch nicht etwa Colonella Wacker-Zornbrecht? Ihr beliebt zu scherzen!“ Parridan mustert ihn nachdenklich, aber Morrigan hebt die Hände. „Im Ernst? Nun, ich werde keine Krokodilstränen weinen um die alte Kinderschänderin. Gibt wohl kaum jemand, der mehr Meutereien wegen verschimmeltem Zwieback und mit Wasser gestreckten Rumfässern auf dem Gewissen hat, als sie, Boron sei ihr gnädig.“ Er sieht den Vizeadmiral gerade an, und der winkt ab, schenkt ihm und sich dann nach. „Um sie weinen? Wer redet denn davon? Aber sie tritt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ab, und der Posten fällt turnusmäßig an die Paligan. Und die Art sorgt für Unruhe.“ „Du meinst, es ist gegen die Regeln?“ Parridan schnaubt. „Üblicherweise lässt man sowas wie einen Unfall aussehen. Zumindest ab Colonello. Nun, es wird wohl kaum ein beleidigter Matrose gewesen sein, wer legt sich schon mit einer Zornbrecht an? Die Paligan wohl kaum, das läge zu nahe, wäre zu direkt. Ich hab übrigens den Rücktritt von Tourano-Zornbrecht auf dem Tisch. Dein Werk?“ Der Capitan hat sich an den Spekulationen nicht beteiligt. Das ist die Hohe Politik, und wenn man da mitspielen will, sollte man sich über den Einsatz im Klaren sein. „In der Tat. Ich hab ihr ein wenig ins Gewissen geredet.“ Parridan keckert. „Ach, Cousinchen Angelina hat eines?“ Er schüttelt den Kopf. „Nun, ich werde ihn ablehnen, selbstverständlich. Wenn der Beritt an die Paligan fällt, brauchen wir wenigstens einen Brückenkopf.“ Morrigan nimmt wieder einmal zur Kenntnis, was in Al'Anfa wirklich wichtig ist. Er prostet Parridan zu. „Kopf ab klingt nach Maraskanern.“ Parridan erwägt das. „Nun... wenn die gute Maratea unsere geschätzten weißmaraskanischen Verbündeten bei der Proviantversorgung ebenso beschissen hat wie unsere eigenen Truppen, dann wäre das verständlich. Können wir aber trotzdem nicht hinnehmen. Wir werden den Kerl schon finden.“ „Viel Glück. Also dem Kerl. Ich kann diese vertrockneten Kinderschänder nicht ausstehen.“ „Ich auch nicht, Jorge, aber darum geht’s nun mal nicht. Sie gehörte zur Familie und war eine Zornbrecht. Hab mal ihre Schwester gevögelt auf einem Empfang, als wir beide noch jung und schön waren, hehe.“ „Lange her, mein Freund.“ „Kannst Du laut sagen. Hat 'nen Cousin dritten Grades von mir geheiratet, Juan oder Jonan oder sowas. Gehorcht ihr aufs Wort, der arme Kerl.“ Er trinkt auf. „Aber ein Gutes hat es ja trotzdem. Deine kleine Leutnant kriegt ihr Patrouillenboot wieder und der alte Mescinto seinen Gefallen. Wie läuft's eigentlich mit Deiner kleinen Nichte, der Horasierin? Hast Du sie schon...?“ Er macht eine eindeutige Geste. Morrigan schüttelt den Kopf. „Es ist meine Nichte, ich bin doch kein Silberberger. Muss sich erst einleben, aber ich denke, es gefällt ihr.“ Parridan nimmt den Seitenhieb als Kompliment. Silberberger leben einfach in einer anderen Welt. „Das kleine Biest hat uns eine Karavelle gekostet.“ „Das Mädel kann sich eben wehren. Liegt in der Familie.“ Morrigan lacht herzhaft. Der Capitan nutzt die Öffnung. "Aber wo wir gerade über meine Nichte reden. Ihr könntet mir tatsächlich einen kleinen Gefallen tun.“ Parridan legt den Kopf ein wenig schief. „Ein neues Kommando? Das ist derzeit etwas schw...“ „Nicht doch. Ich kenne die Lage. Ich brauche auf die Schnelle ein paar vernünftige Sklaven. Der Markt in Santinera ist leergefegt, und was hier auf der Rampe steht, sind doch hauptsächlich die Problemfälle oder Massenware, die im Kolonnensystem verblödet ist.“ „Dem Kolonnensystem gehört die Zukunft, mein Freund. Der Ertrag ist im Schnitt dreißig Prozent höher.“ „Im Dschungel kann ich Leute, denen man das Denken aus dem Hirn geprügelt hat, und die nur drei Handgriffe beherrschen, nicht gebrauchen.“ „Also frische Kriegsgefangene.“ „Sag mir nicht, dass ihr keine habt, ich weiß es besser.“ Parridan lacht und schenkt nach. Die Flasche ist leer, und er läutet. Eine hübsche Adjutantin, diese ein Fähnrich, wird sichtbar und bringt Nachschub, und auf ein Winken hin gießt sie ein, erträgt dabei mit einem bewundernswertem Statuengesicht, dass ihr Parridan beim Vorbeugen ungeniert an den Hintern, ja zwischen die Beine fasst. Der Colonell bedankt sich mit einem Tätscheln und sie wird wieder unsichtbar, die Tür ohne ein Geräusch schließend. „Gut abgerichtet, nicht wahr?“ Parridan prostet dem Capitan zu, der, obwohl wissend, dass er selber nicht mit Steinen werfen sollte, sich zu einem anerkennenden Nicken zwingen muss.
Parridan stellt sein Glas ab. „Wie viele?“ „Sechs Frauen, Sechs Männer. Ihr habt die Mannschaft einer Syllanischen Thalukke und einer aranischen Zedrakke im Loch.“ „Was Du alles wieder weißt.“ „Ist nun echt nicht schwer, alter Freund. Die Schiffe liegen im Hafen.“ „Sind aber Piraten.“ Wenn es Piraten waren, warum hat man dann die Kaptänin des Araniers mitsamt ihrer Tochter gegen Lösegeld laufen lassen und die rothaarige syllanische Kapitänin zu Dir aufs Anwesen gebracht? So dumme Fragen stellt der Capitan natürlich nicht. Parridan zuckt mit den Schultern. „Na, von mir aus. Schließlich schulde ich Dir was, und durch die Begrüßung sind sie durch. Geh morgen zu Vetter Cusaro, er wird Bescheid wissen. Die Männer fünfzig, die Frauen sechzig. Sonst ist es ein großer Gefallen.“ Der Capitan feilscht nicht. Den Großen Gefallen braucht er vielleicht noch mal.
von Jadoran
08.01.2020 10:56
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät nachmittags, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Fortschreitter wird rot. „Keine Sorge, ich habe nicht vergessen, dass sie mich als 'diesen Verlierer da' bezeichnet hat.“ Er stiehlt ihr einen Kuss von der Wange. „Ich wollte nur nicht unhöflich sein, weil sie jetzt auch höflich war. Glücklicherweise scheinen sie nicht an das andere, vom Schlangenwurzelbaum überwucherte Relief herangegangen zu sein.“ Das ist das deutlich ungewöhnlichere, aber die massiven Baumwurzeln verdecken es natürlich nicht nur, sie schützen es auch, gewissermaßen. „Bei der Prozession... ich weiß nicht.“ Er schaut hilfesuchend zu den anderen am Tisch. Jucho, der nach sorgfältigem Reinigen gerade seine Balestrina wieder zusammensetzt, zuckt mit den Schultern. „Wir gehen zumindest durch die Stadt mit. Wenn das Wetter mitspielt vielleicht auch die erste Runde. Aber nicht raus auf die Plantagen.“ Tonarev nickt. Ribaldo schaut zu Boronaya. „Darf ich dich dann nach dem Frühstück abholen?“

Tag 24, Spät Abends, in der Herberge, Al'Anfa. (Capitan)
Sie verabschieden sich auf der Stiege – der Capitan hat ein Zimmer im ersten Stock, Aurianna nur eine Kammer unterm Dach.
In seinem eigenen Zimmer erwartet ihn Inazuna, und der Capitan ist von dem vollständigen Kotau beeindruckt. „Nun einmal langsam, Signorita. Dafür besteht kein Grund.“ Inazuna ist anderer Meinung. „Ich habe meine Pflichten verletzt und Schande auf mich geladen!“ „Immer langsam! Ihr seid nicht meine Vorkosterin, ausserdem hatte ich euch auf Reconaissance geschickt. Und nun steht auf, ich kriege ja Nackenschmerzen!“ Inazuna erhebt sich zögernd. „War es jene Verachtenswerte?“ Der Capitan schüttelt den Kopf. „Nein, sehr wahrscheinlich nicht. Diesmal war es eine professionelle Meuchlerin. Die agieren nicht binnen eines Tages. Und die sind teurer. Das war ein Abschiedsgruß von Colonella Wacker-Zornbrecht. Die ist wohl beleidigt.“ „Wacker Zornbrecht?“ „Nebenlinie, aber immerhin Colonella. Der können wir nicht einfach aufs Haus rücken. Und sie hat einen Leibwächter. Den sie allerdings vögelt, wenn die Gerüchte stimmen.“ Inazuna deutet seinen Blick richtig. Sie machte ein fragende Geste, und er nickt.
von Jadoran
07.01.2020 18:14
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 16, mittags, im Haus der Witwe Miranda → Anwesen der Gonralas, Sandalia, Santinera (Goldon)
Die Witwe versichert Goldon, er sehe beinahe wie ein Offizier aus, was natürlich geschmeichelt ist, da ist Goldon Realist. Aber er ist gewiss präsentabel.
Die beiden Wachen am Tor erwarten ihn offenbar. Ein etwas älterer Söldner fragt ihn nach seinem Namen, und als es der erwartete ist, klopft er mit der Faust gegen das Tor, in dem eine Tür geöffnet wird. Drinnen empfängt ihn ein ordentlich gekleideter Haussklave und begleitet ihn über den mosaikgepflasterten schönen und vor allem angenehm schattigen Hof durch das Hauptportal in die Villa und bittet ihn dort kurz zu warten. Er verabschiedet sich, wohl um Don Orfeo Bescheid zu sagen, dafür bietet ihm ein mohisches Sklavenmädchen mit gesenktem Blick gewässerten, kühlen Wein und ein kleines Handtuch miteiner Waschschüssel, um sich eventuellen Straßenstaub abzuwaschen.
Die Pracht um ihn herum ist schon beeindruckend. Nicht, weil es in irgendeiner Form mit dem Silberberg mithalten könnte – für wohlhabende Fanas hingegen ist es nicht schlecht – vor allem aber, weil er weiß, dass Don Emilio Gonralas als Wilder mit einem Lendenschurz angefangen hat. Das ist Al'Anfa, da kann jeder etwas aus sich machen! Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, wie der Wohlstand der Familie und damit die Pracht des Anwesens immer größer wurden. Die Empfangshalle ist neueren Datums, verziert durch aufwendige Schnitzereien und Wandmalereien auf dem Putz, der sich zur linken anschließende Gang ist hingegen deutlich einfacher, die hölzernen Säulen einfach nur glatt poliert anstatt mit Reliefschnitzereien geschmückt.
Er muss nicht lange warten, Don Orpheo hat es offenbar nicht nötig, seinen Status zu betonen, indem er seine Gäste in der Halle stehen lässt. Er kommt diesmal ohne seinen Haumichtot, nickt der Sklavin freundlich zu, die sich daraufhin verneigend in Luft auflöst und schüttelt Goldon die Hand. „Willkommen in unserem Haus Senor Zaraguza!“ Er führt ihn in einen kleinen, hellen Besprechungsraum mit mehreren Türen und offenen Schiebetüren, die auf einen kleinen, begrünten Garten hinausführen, bietet ihm Platz an, woraufhin eine weitere Sklavin erscheint und sich hinter Don Orfeo stellt. Eine junge, hübsche Frau, aber wohl eher eine Botin als eine Schreiberin.Sie trägt nur ein Brusttuch und ein Belhanker Röcklein und wird beinahe in dem Augenblick unsichtbar, als sie sich hinstellt. Gut abgerichtet. Vielleicht ein wenig sehnig und kräftig für eine Haussklavin, aber richtig hübsch. Kein Wunder, dass Don Orpheo gestern Baca galant die kalte Schulter gezeigt hat.
von Jadoran
07.01.2020 12:19
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, spät nachmittags, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Ribaldo schaut etwas verlegen. „Sie war eigentlich ganz freundlich. Ich hatte das Gefühl, dass sie es urkomisch fand, dass Du Diederich in eine Statue verwandelt hast.“ Er blickt kurz zur Seite. „Sie hat sogar mit mir geflirtet, aber ich bin mir sicher, sie wollte mich nur etwas aufziehen, glaube ich.“ Er wechselt das Thema gerne. „Es gab wohl ein Problem mit dem zuletzt gefundenen Artefakt. Ich war bei der magischen Analyse natürlich nicht dabei - davon verstehe ich ja leider nichts – aber erst motzte... wurde im Nebenzimmer der Czeysig laut, auf Rssah, irgendwas von wegen 'Gehorche gefälligst!' Dann ging die Tormenta den Czeysig auf Bosperano an und nannte ihn einen arroganten Dummbeutel, der gab zurück und nannte sie eine fette Kuh, dann hat sie wohl eine Teetasse nach ihm geschmissen. Das Klirren konnte man durch die Tür hören, und dann hat hat der Prospero sie langsam beide wieder runtergeholt. Beim Abendessen waren sie wieder scheissfr... sehr höflich zueinander, so als ob nichts gewesen wäre. Wie der die beiden unter einen Hut kriegt – ich bewundere das.“ Das kommt sehr ehrlich. Gut mit Leuten können ist eine noch höhere Kunst als Magie. Er legt den Arm um sie. „Möchtest Du morgen bei der Prozesion mitlaufen oder lieber zuschauen? Ich meine, wir sind ja keine Plantageros.“

Tag 24, Spät Abends, in der Herberge, Al'Anfa. (Capitan)

Der Grund, warum Aurianna überhaupt in der Herberge war, wird offenbar, als der Capitan ihr anbietet, sie nach Hause zu begleiten. Sie wohnt auch da, und sie verabreden sich zum Frühstück. In der Herberge erwartet sie der Wirt und noch einmal die lendenlahme Tia, die sich für seine Milde bedanken. Bei Tias tiefer Verbeugung wandert der Blick des Capitans fast automatisch in den sehenswerten Ausschnitt ihrer lockeren Tunika, und er ärgert sich über sich selbst dafür. Denn natürlich bemerkt Tia das, und es bleibt ihr in der Situation auch nichts anderes übrig als ihn zu fragen, ob sie sich irgendwie erkenntlich zeigen kann. Der Capitan ist für die Anwesenheit von Aurianna dankbar, widersteht der Versuchung und gibt sich sittenfest. „Lasst es gut sein Mädchen. Bedenkt nur – sie hätte euch anschließend umgebracht, um ihre Spuren zu verwischen. Wenn euch so etwas erneut passiert, tut so, als ob ihr gehorcht, aber wendet euch an euren Vater oder verschüttet 'aus Versehen' den Becher.“ Tia beteuert, den Rat anzunehmen und erneuert ihre Entschuldigung. Auch der Wirt bedankt sich erneut, versichert, das so etwas nicht noch einmal vorkommen werde, Tia fortan deutlich strenger erzogen werde, und teilt dazu mit, dass der Capitan natürlich fortan sein Gast sei. Das wiederum nimmt der Capitan gerne an, erwähnt dabei aber noch einmal die Hilfe von Aurianna, woraufhin der Wirt den Wink versteht, und auch Aurianna versichert, dass sie keine Rechnung bekommen wird, was dieser sehr entgegen kommt. Es gibt kaum einen Leutnant, dem das Geld locker sitzt.
von Jadoran
06.01.2020 15:56
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 17, nachmittags, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Boronaya schläft tatsächlich noch einmal bis zum Abend durch, aber das ist wohl nicht nur das Fieber, sie hat in den letzten beiden Wochen deutlich mehr körperlich gearbeitet als gewohnt, und so nutzt ihr Körper die Gelegenheit, um ein paar ausstehende Schecks einzulösen. Aber eine gute Stunde vor dem Abendessen rafft sie sich doch auf, um endlich ihre Ausrüstung und Kleidung vom Vortag richtig zu säubern, muss aber feststellen, dass ihre Partida ihr das abgenommen hat. Fortschreitter taucht gerade auf, als sie sich dann am Nähen beteiligen will, und ist sehr erfreut, sie auf den Beinen zu sehen. Trotzdem erkundigt er sich natürlich wie es ihr geht, und kündigt an, dass Prospero erst nach dem Abendessen kommen wird, weil der noch bei Siana war, und es wohl heute im Weißen Ara ein wenig angespannte Atmosphäre gab, so dass er dort wohl ausgleichend zwischen Julia Tormenta und Jaspo Czeysig wirken musste. Es war offensichtlich ein anstrengender Tag für alle. „Ach ja, und ich bin dieser Palandrine begegnet, auf der Grossen Gasse. Sie ist mit dem Abendschiff zurück gekehrt. Sie hat sich nach Dir erkundigt und sich beklagt, der Sumpf wäre wirklich unerträglich. Sie hat erzählt, sie hätten weitere drei Platten vom Relief mitgebracht – eine vierte ist ihnen wohl beim Lösen zersprungen.“ Er schüttelt den Kopf. „Unvollständig, aus dem lokalen Kontext gerissen – so sind die Schriftplatten beinahe wertlos. Das muss Diederich doch wissen – wieso macht er so einen Blödsinn?“ Die Kontextabhängigkeit altechsischer Chuchas Glyphen ist allerdings etwas, was man verstehen muss, lernt man doch zunächst einmal, jeder Glyphe eine grundlegende Bedeutung zuzuordnen. 'Der König erbittet die Gnade der Götter' kann mit denselben Glyphen ausgedrückt werden wie 'Der Anführer befahl, sich vor dem überlegenen Feind zu verstecken.'

Tag 24, Abends, in einer Weinstube nahe am Kriegshafen, Al'Anfa. (Capitan)
Der Capitan würde am liebsten trocken lachen. Probleme? Das Problem besteht darin, dass eine korrupte Offizierin das Schiff unter der Hand verkauft hat, und es nichts weiter als eine Karteileiche ist. Aber hoffentlich ändert sich das recht bald. Stattdessen ist er positiv. „Ein Patrouillenboot weitab vom Schuss ist das ideale Kommando für einen Seefähnrich. Unbhängigkeit, eine überschabare Truppe, was will man mehr? Er ist dann Leutnant Perra unterstellt?“ Aurianna nickt unsicher. „Kennt ihr sie?“ „Sie hat unter mir ihren Leutnant gemacht. Unter uns, eine ganz hervorragende Navigatorin, aber das habt ihr nicht von mir.“ Die Frage steht ihr ins Gesicht geschrieben, und die Aufregung, der Wein und seine offene Art lassen sie sie prompt stellen. „Was macht sie dann in...“ „In Santinera? Nun, zum einen: Sie heißt nicht Zornbrecht, Bonareth oder Paligan, nichts für ungut. Und, ganz offen, manchmal muss sich ein junger Offizier entscheiden, ob er ein Hindernis stehend oder liegend überwinden will. Leutnant Perra hat sich für's Stehen entschieden.“ Aurianna wird knallrot. Es ist nicht nur Verlegenheit, sondern auch Scham, und der Capitan kann es sich denken. Typen wie Konteradmiral Parridan, Vizeadmiral Mescito oder Colonella Maradea gibt es auch in der Armada im Dutzend, und den meisten ist es recht egal, wie gut ihre niederen Chargen aussehen. Sie ins Bett zu kriegen ist eher eine Frage der Macht und eitlen Selbstvergewisserung, nicht des Begehrens. Davor schützt auch eine Paligan-Nase nicht. Aber wer im Umfeld des Silberbergs aufgewachsen ist, der kennt die Regeln zumeist wenigstens schon von Kindesbeinen an und fügt sich, wenn es soweit ist, anstatt anzuecken. Ob die Welt so sein sollte, kann man diskutieren, aber dass sie so ist, steht außer Zweifel.
von Jadoran
05.01.2020 11:30
Forum: Abenteuer & Reisen
Thema: Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera
Antworten: 1956
Zugriffe: 67526

Die Gilde der Crocodileros und Questadoren in Santinera

Tag 24, Abends, in einer Weinstube nahe am Kriegshafen, Al'Anfa. (Capitan)
Der Capitan mustert seinen Gast. Leutnant, mit den Abzeichen eines Geschützoffiziers. Dann allenfalls auf einer Schivonella oder, noch wahrscheinlicher, auf einem Flussrotzenboot. In dem Alter gar nicht schlecht, auch wenn die Paligan-Nase da sicher hilft. Aber Geschützoffizier werden eher die Fleißigen, Stillen. Die Ehrgeizigen zielen auf den ersten Offizier, immer ganz nah am Capitan, und dann möglichst gleich ein eigenes Kommando. „Darf ich nach euer Stationierung fragen?“ Aurianna wird rot, und scheint sich ihrer Schüchternheit zu schämen. „Ich komme auf die Vendetta. In wenigen Tagen.“ Der Capitan lacht. „Die hat mich nach Al'Anfa gebracht. Gratuliere! Ihr habt ein gutes Schiff erwischt. Neueste Bauart, und der Capitan ist ein guter Mann. Elender Menschenschinder natürlich, genau wie ich, aber ihr werdet gut mit ihm hinkommen.“ Aurianna wird noch röter. „Ihr kennt Capitan Zornbrecht?“ „Was man so kennen nennt, Leutnant. Hat nie unter mir gedient, aber man spürt, wes Geistes Kind ein Capitan ist, wenn man sein Schiff betritt. Das ist wie...“ Sie versteht ihn. „Und ihr, Capitan, wenn die Frage erlaubt ist?“ „Bis zum nächsten Krieg sitze ich erst einmal auf dem Trockenen und vertreibe mir die Zeit darin, meiner Nichte auf ihrer Plantage auf die Nerven zu gehen. Sie hat eine hübsche kleine Plantage nahe Santinera.“ Aurianna schaut erstaunt. „In Santinera? Ist das nicht...“ „Ein furchtbares Nest ganz am Ende des Imperiums?“ Der Capitan lacht und ergötzt sich an ihrer Verlegenheit. „Das wollte ich nicht andeuten, ich...“ „Ich muss euch enttäuschen, das ist es nicht. Natürlich, Oper, Theater oder Arena werdet ihr da nicht finden, und zu Orgien wird man dort auch nicht eingeladen – jedenfalls habe ich noch keine Einladung erhalten – aber es ist eine richtige Stadt. Jedoch soweit ich weiß, wendet die Vendetta dort meist nur?“ Aurianna wird noch röter. „Ich, um.. also ein Offizierskamerad bekommt dort sein erstes Kommando... nur ein Patrouillenboot, und... um“ Schön zu erfahren, dass Parridan Wort gehalten hat. Sollte Aurianna etwa das 'Paligan-Mädchen' sein, um das es ging? Wohl kaum. Konteradmiral Mescinto Fürchtboron Zornbrecht und die unsichere, schüchterne Aurianna? Im Leben nicht. Das Essen wird gebracht, und das rettet den Leutnant erst einmal vor dem Verlegenheitstod. „Er wartet noch auf sein Schiff, da scheint es irgendwelche Probleme zu geben.“

Tag 17, nachmittags, Herberge Arangenbäume in Sandalia, Santinera (Boronaya)
Senroa Marisa nimmt selbst auch Maß, steckt die notwendigen Änderungen ab und verspricht beim Abschied, dass der Rock morgen früh fertig vorbei gebracht werden wird Das reicht völlig, denn auf die Prozession zieht man das Tanzkleid natürlich noch nicht an, geht es doch über staubige Wege. Als sie weg ist, lacht Tonna. „Also soviel nachgegeben hat sie bei mir noch nie. Magier halt!“ Sie grinst. „Du hast doch nicht etwas verbotene Magie angewendet?“ Die Gruppe lacht, dann streckt Makita sich und schüttelt ihre vom Nähen angestrengten Finger aus „Morgen müssen wir aber früh raus – frische Blüten und Blumen fürs Haar pflücken.“ Das ist natürlich ganz wichtig.
Nun tauchen auch die in Verbannung geschickten Männer wieder auf und Jucho berichtet. „In Magnolia und auf der großen Gasse hängen sie schon die Girlanden auf. Und ab heute Abend bis morgen um Mitternacht gilt verschärftes Friedensgebot, also weder Rüstung noch griffbereite Waffen jenseits von Portas. Habt ihr was schönes gekauft?“ „Wirst Du schon sehen.“ Jucho gibt sich etwas gekränkt. „Wieso mussten wir eigentlich weg? Wir waren doch zusammen im Badehaus...“ „Da waren wir aber alle zusammen nackt. Nur Naya ohne Rock, während Du sie angaffst, das geht gar nicht.“ „Auch wahr.“ Jucho grinst. „Dann will ich mich auch mal an meine Ausrüstung machen.“
Die Zeit verfliegt, und Boronaya merkt, wie sie doch wieder müde wird. Sie ist zwar übers gröbste weg, aber es wäre schon noch besser, wenn sie sich hinlegt. Dann ist sie heute Abend auch frischer, wenn Ribaldo oder Prospero vorbeischauen sollten.