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von Jadoran
03.12.2015 17:33
Forum: Abenteuer & Kampagnen
Thema: Die gehäutete Schlange
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Re: Die gehäutete Schlange

Erst einmal: Sehr schön, dass der Author sich meldet und mit diskutiert. :)

Zu den Unterweltschlägern: Das Abenteuer ist für erfahrene Helden gedacht, im "Regelfall" legen sie sich also mit mindestens einem als solchen erkennbaren Ritter/Adligen/SG, einem ebenfalls als solchen erkennbaren Gildenmagier und sonstigen Leuten an, die nicht gerade danach aussehen, als könnte man ihnen ungestraft mal die Knöchelpolka vorspielen. Vollkommen "unmagische" Heldengrupen sind mir noch nie begegnet...
Wenn man für etwas physikalische Konfliktbewältigung sorgen will, würde ich das z.B. so gestalten:
Die Schläger locken die Helden mit einem Trick in enge Gasse (Strassenjunge wirft einem gutgekleidten Helden einen Pferdeapfel ins Gesicht und flieht), dort geht es dann nach ein zwei Ecken auf einmal in den Hinterhalt und die Helden werden zunächst bedroht - wobei ihnen nicht ganz klar ist, ob von oben oder aus dem Dunkel noch was anderes als ein paar Fäuste warten. (Wobei ich dabei bleibe, dass eine komplette Heldengruppe einfach für normale "Enforcer" deutlich zu gefährlich ist, sowohl sozial wie kämpferisch. Als Meister würde ich mir einen einzelnen Helden rauspicken).

Bei den "Indizien reichen" kozediere ich, dass das zum Sturz von Arba beitragen kann, aber das wird die Spieler kaum mit Erfolgsgefühlen erfüllen - zumal es wahrscheiniich erst Tage/Wochen nach dem Vorfall greift.

Die Motivationskette halte ich weiterhin für zu schwach, und die Connetablia Criminalis am Hacken für zu "klischeehaft" und vor allem gefährlich. Es muss nur ein Held den bei Sielern so verbreiteten "Das lass ich mir nicht bieten!"-Reflex haben, und schon geht das ganze den Bach runter.
Ausserdem sollte das der Moment sein, wo die Auftraggeberin ihre Mordanklage erhebt.

Ein - notfalls rudimentärer - Grundriss/Ansicht vom Gasthaus und vom Tatort wäre in meinen Augen auch für ein Szenario das Minimum. Man kann sicher auf Ritterburgen und Spelunken verweisen, aber die Bilder dürften den Spielern mittlerweile mehr als nur bekannt sein. (Das ist übrigens ein Band, der eine komplette Ueberarbeitung und Neuaflage meiner Meinung nach durchaus verdient hätte. Solide gemachte Ressourcenbände werden von Meistern immer gerne verwendet)
von Jadoran
02.12.2015 15:40
Forum: Abenteuer & Kampagnen
Thema: Die gehäutete Schlange
Antworten: 12
Zugriffe: 2359

Die gehäutete Schlange

Heute habe ich (meinen letzten) AB bekommen und dabei auch das oben genannten Abenteuer aus der Feder von Michael Masberg. Eigentlich ist es mehr ein Szenario als einausgearbeitetes Abenteuer...
Da man kaum rezensieren kann, ohne über den Inhalt zu reden, markiere ich meine Punkte im Ausgangspost entsprechend.

Es sind einige handwerklich unerfreuliche Mängel darin.
Meisterinformationen: Gleich am Anfang: Eine brennende Scheune mit einzelnen Eimern Wasser löschen? Ernsthaft? Eine kurze 5-Minuten Recherche über mittelalterliche Brandbekämpfung hätte geholfen: Das Dach mir Feuerhaken runterreissen, Eimerkette organisieren, nasse Tücher gegen den Rauch, Scheuneninhalt bergen etc.
Der Mord an Melchior, das Ergbnis einer halbjährigen Infiltration, war offenbar das Werk eines Dilettanten, der sich dabei von mehreren Leuten beobachten liess.
Das Vorgehen von Unterweltschlägern ist als "Einstreuprügelei" gebracht und wirkt sehr unglaubwürdig. X+1 Räuber greifen mit Knüppeln und maximal Dolch X Helden an. Es würden wohl eher X Räuber warten, bis sie 1 oder maximal 2 Helden allein abpassen können... Von der Eskalation, wenn sie die Schläger abwehren, ganz zu schweigen.


Die Auftragsmotivation ist sehr schwach:
Meisterinformationen: Der Auftrag an die Helden - die sich noch kaum kennen und gerade einen Brand bekämpft haben - von einer allein reisenden Wildfremden ausgesprochen. Sie sollen einen flüchtigen Mörder ergreifen. Beweise? Ihr Wort. Belohnung: Nada. Ein klarer Fall von: "Offenbar ist das das Abenteuer, also tun wir es." Die Helden beginnen also als Vigilanten oder Kopfgeldjäger. Warum die Auftrageberin nicht mit weiteren Zeugen unterwegs ist, um in Vinsalt Klage zu erheben sei auch dahin gestellt. Die Helden haben - ganz klassisch - erst einmal keinerlei Legitimation für ihre Ermittlungen.
Ein sehr typischer Verlauf.
Meisterinformationen: Die Helden kommen selbst unter Verdacht (wobei der Grund dafür erfreulich solide und glaubwürdig ist). Das soll sie dazu bringen, den eigentlichen Mörder zu suchen. Das die Garde im Zweifelfalls die Helden einfach einsperren und getrennt verhören wird, bis sie von Schuld oder Unschuld überzeugt sind, ist offenbar nicht bedacht. Auch muss sich der Meister selbst ausdenken, wie die Helden die Garde wieder loswerden.
Den ganz oben kriegt ihr nicht:
Meisterinformationen: Die Auftraggeberin des Mordes bleibt für die Helden unerreichbar. Sie wird zwar zum Rücktritt gezwungen, aber das ist es auch schon.
Es gibt eigentlich keinen Beweis gegen sie. Selbst Sayodir ist - so wie das Abenteuer geschrieben ist - für seine Aufstachelung von Pienos Mörder nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Im Zweifelsfall hebt er die Hände und sagt: "Was wollt ihr? Ich habe Ludolf nur gesagt, was Pieno über seine Mutter rumposaunt hat. Seid wann ist das strafbar?" Somit endet hier eigentlich die Kette zu Arba. Diese hat es auch gar nicht nötig, den Helden Rede und Antwort zu stehen. In meinen Augen ist das die größte Schwäche, denn Sayodir ist nach aventurischem Recht kein Mörder und hat nicht wirklich was zu befürchten. Dementsprechend gibt es eigentlich auf keine Belastung von Arba mehr, weshalb diese auch eigentlich nicht zurücktreten müsste - der einzige, der sie belasten könnte (Pieno) ist tot.


Es sind wenige Illustrationen dabei, aber keinerlei Pläne, und die Illustrationen sind auch nicht gerade ideal, um sie Spielern für einen "NSC-Eindruck" zu zeigen.

Mein Fazit: Man kann damit arbeiten, und für viele Gruppen, die einfach brav den Hook wie ein gelbes Ausrufungszeichen über dem Questgeber schlucken und sich auf die Socken machen, ist es sicher ganz nett. Insofern für einen Con-1-shot ein taugliches Werk mit 08/15 Story, aber nichts, womit man eine mitdenkende Spielergruppe mehrere Abende fesseln kann. Für etwas, was Geld kostet (und das tun dies Abenteuer ja) stören die in meinen Augen extrem schwache Motivationskette und die handwerklichen Mängel zu stark. In Zeiten von Wiki sind viele Recherchen, für die man früher eine solide Bibliothek und Zeit zum schmökern brauchte, in 5 Minuten gemacht. Der Author ist ja auch ein alter Hase, der wissen müsste, was im Horasreich als Mord betrachtet wird und was nicht. Und Leute, die es nachweislich besser können, beurteilt man halt kritischer als erste Gehversuche von Anfängern.