Die Suche ergab 8 Treffer

von Berto
18.10.2019 21:11
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Verbote sind ein verlockender, aber nicht besonders nachhaltiger Weg, menschliches Verhalten zu steuern. Ich glaube, wir können es alle nicht mehr hören, aber dadurch verliert die Feststellung ja nicht ihre Richtigkeit: das Problem anzusprechen und so zu beheben, dürfte auch in diesem Fall zielführender sein.
von Berto
14.10.2019 10:07
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Ich hatte nie eine echte Faszination für DSA - das war halt einfach das Rollenspiel, das mein bester Freund am besten kannte und meine ersten Schritte im Rollenspiel waren auch noch lange bevor ich mich politisiert habe. Mein Herz hängt am Cyberpunk und OSR-Dungeoncrawlern. :lol:
Aber rückblickend empfinde ich die im Hintergrund verankerte, vollkommene Gleichberechtigung auch als großen Pluspunkt. Mir scheint da DSA auch trotz seiner sonstigen Hotzenplotzigkeit relativ lang allein auf weiter Flur gestanden zu haben. Mittlerweile weicht das - glücklicherweise - auf. (D&D 5 hat bspw extra einen Absatz auch zu queeren Charakteren und dass man sich als Spieler*in nicht in die Vorstellung des eigenen Charakters reinreden lassen soll.)

Aber je mehr das aufweicht, desto öfter werde ich natürlich mit meinen Rollenvorstellungen konfrontiert. Was ganz krude ist - einerseits begreife ich mich als progressiv bis linksradikal, habe auch viel mit queeren Menschen zu tun, setze mich im Studium mit Diversität, gesellschaftlichen Strukturen und oberflächlich mit Psychologie auseinander, habe in Form meiner Mutter ein "untypisches" Rollenbild vor Augen. Aber im Rollenspiel dreht sich die Uhr dann geflissentlich ins Jahr 1950 zurück und mache ich mir Rollenvorstellungen eigentlich nur bewusst, wenn es darum geht, die Vorstellungen meiner Spieler für meine Zwecke auszunutzen. :rolleyes:
Die Welt vorwiegend männlich zu denken scheint dann eben doch tiefer drin zu stecken. Das wundert mich gar nicht mal so, aber mein Anspruch an mich selbst ist dann eben doch ein anderer. :oops:

Ich finde die Idee mit dem Auswürfeln deshalb ziemlich gut und werde das in Zukunft einfach mal umsetzen. Ich finde nämlich, dass Rollenspiel hervorragend geeignet ist, um über die eigene Sozialisation zu reflektieren und sich ggf an Gegenentwürfen auszuprobieren. Einen geschützteren Übungsplatz wird man glaube ich nicht finden.
von Berto
14.10.2019 09:04
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Nun aber genug mit dem Derailing. Der Thread ist meiner Meinung nach zu interessant, um ihn mit einer Debatte über Genderforschung und deren Daseinsberechtigung zu kapern. :cookie:

Anlässlich des Threads habe ich den letzten Tagen das Thema Cross-Gender und seine Rolle in meinen Gruppen mal reflektiert und mir ist aufgefallen, dass das bei uns ein doch eher akademisches Thema ist. Bis auf wenige Ausnahmen spielte und spielt eigentlich jede*r Charaktere, die ihrem oder seinem Geschlecht entsprechen. Verbote und die hier angesprochenen Immersionsprobleme gab es - außer in der ganz frühen Anfangszeit, wo weibliche SC oder NSC, die von männlichen Spielern bzw Spielleitern geführt wurden, mal mit "er" angesprochen wurden oder auch Sätze wie "Oh stimmt, das ist ja 'ne Frau, 'tschuldigung!" fielen - gab es diesbezüglich allerdings nie. Insofern werde ich meinen Spielern wohl mal auf den Zahn fühlen, warum sie eigentlich keine Frauen spielen. :lol:

Als Spielleiter neige ich auch dazu, erstmal alle NSC, die ich auftreten lasse, männlich zu denken. Es sei denn, sie entsprechen stereotypen Rollenbildern - die Schankmaid ist also "natürlich" eine Frau, der Wirt "natürlich" ein Mann. Ein Missstand, der mir erst durch den Thread wirklich bewusst geworden ist und den ich zu ändern gedenke. An starken Frauenbildern in meinem direkten Umfeld hat es mir eigentlich nie gemangelt, aber offenbar scheint meine Sozialisation aus Schule, Subkultur und Medien da schwerer zu wiegen.
von Berto
14.10.2019 08:19
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Ich erkenne kein argumentum ad hominem, magst du mich bitte aufklären?

Edit: Ja, nun, der Passus mit dem "scheinbar nur oberflächlich" lässt sich wohl so auslegen. Ich möchte dagegen einwenden, dass Menschen, die sich mit Genderforschung auseinander setzen, schonmal keine "Gendergläubigen" sind und die Position, die Jasper ihnen in seinem Post unterstellt, gar nicht vertreten. Inwiefern ein Verweis darauf, dass ich grob unsachliche Beiträge nicht wünschenswert finde, ad hominem und dem Diskussionsklima abträglich ist, sei einmal dahin gestellt. Das verwendete "scheinbar" sollte im übrigen Hinweis genug sein, dass ich Raum für eine Fehlinterpretation meinerseits einräume und Jasper vll doch sehr informiert über das Thema ist. Ein echtes ad hominem sieht anders aus.

Edit2: Da wurde ich von Madalena geninjat. :lol:
von Berto
14.10.2019 05:59
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Jasper Stoßenheimer hat geschrieben:
13.10.2019 07:56
Wenn man den Gendergläubigen glauben will, ist es eh egal, weil Geschlecht nur eine bösartige Erfindung von Patriachen ist und jeder sowieso alles sein kann.
(Achtung! das war zynisch!)
Und eine Stammtischparole, die hier nichts zu suchen hat. In Zukunft wäre ich zumindest auch dankbar, wenn du dich weniger herablassend über Dinge, mit denen du dich scheinbar nur oberflächlich beschäftigt hast, äußern könntest.
Jasper Stoßenheimer hat geschrieben:
13.10.2019 11:01
Äh doch, genau so. Ich als Mann kann die Gedankengänge von Frauen bis heute zum Teil nicht nachvollziehen, umgekehrt genauso und wenn ich meinem Vater glauben darf ist das auch ziemlich sinnlos zu versuchen.
Wir sind halt unterschiedlich.
Edit: Ja, sie sind unterschiedlich sozialisiert, aber grundsätzlich funktionieren Mann und Frau gleich. Mir drängt sich die Frage auf: Wieso unterhältst du dich nicht einfach mit Frauen über ihre Gedankengänge? Das erscheint mir fruchtbarer, als deinen Vater zu Rate zu ziehen.
von Berto
12.10.2019 10:41
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Tjorse hat geschrieben:
12.10.2019 01:58
Es ist schon irgendwie witzig. Einerseits wird als Argument gegen Crossgender angeführt, das die Kerle ja nur Stereotypen von wunderschönen bezaubernden Verführerinnen spielen wollen, andererseits wird mit genau diesen Stereotypen als anscheinend "typische weibliche Rolle" argumentiert. Wenn das mal nicht ein Eigentor ist. Das klingt für mich irgendwie so, als wenn jeder weibliche Charakter diesem Stereotyp der armen schwachen Schönheit entsprechen müsse. Das ist an sich schon ein krasser Trugschluss.
"Das Sein bestimmt das Bewusstsein."

Es mag ein Trugschluss sein, entspricht vermutlich aber ziemlich genau der Sozialisation vieler Rollenspieler*innen. Und wenn Rollenspiel eines ist, dann der Offenbarungseid über die eigene Sozialisation. Denn Aventurien kann auf dem Papier noch so gleichberechtigt sein, solange Menschen aus einer patriarchalen Gesellschaft dieses Spiel spielen, werden alle Kulturen Aventuriens patriarchale Züge haben.

Edit: Wir alle tragen Stereotype, Vorurteile und Rollenbilder mit uns herum. Das ist per se nicht verwerflich, weil es ressourcensparend ermöglicht, dass wir uns die Welt um uns herum erschließen. Allerdings wird es spätestens dann zu einem Problem, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind und dieses verzerrte Bild als Wahrheit betrachten. Da kommt dann bei heraus, wie dass bspw alle Frauen in Wahrheit schwache Prinzessinnen sind, die eigentlich nur darauf warten, von einem starken Mann gerettet zu werden. Oder umgekehrt, dass alle Männer harte Hunde sind, die niemals weinen und abseits negativer Emotionen über keine elaborierte Gefühlswelt verfügen.

Natürlich tragen wir diese Stereotype, Vorurteile und Rollenbilder auch ins Rollenspiel. Wenn ich mir die Posts hier so anschaue, insbesondere derjenigen, die Cross-Gender ablehnen, dann scheint es mir in diesem Thread auch nur vordergründig um Cross-Gender zu gehen, sondern eher um die Probleme, die auftreten, wenn andere Spieler ihre Stereotype etc ins Spiel übertragen und wir diese nicht teilen.
von Berto
11.10.2019 19:18
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Da wiegt die Störung des Plausibilitätsempfinden, die durch eine Welt ohne Frauen* hervorgerufen wird, schwerer, ja? Das kann ich nachvollziehen.

Klischees schneiden dieses Thema hier natürlich auch. Ich halte sie für ein unverzichtbares Instrument der Spielleitung, wie es überhaupt eine gute Idee ist, sich mit den Stereotypen und Vorurteilen der eigenen Spieler*innen vertraut zu machen und diese bewusst einzusetzen. Aber natürlich trägt ein Klischee nicht besonders weit und nutzt sich schon nach wenigen Szenen ab. Für die Einführung eines NSC reicht es, soll dieser ein dauerhafter Begleiter oder wiederkehrender Bekannter der SC werden, muss das Klischee Stück für Stück aufgebrochen werden.
Für SC gilt im Prinzip das Gleiche. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit stereotypen SC, aber ohne Brüche nutzt sich das sehr schnell ab.
von Berto
11.10.2019 18:40
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Cross-gender im Rollenspiel
Antworten: 210
Zugriffe: 8713

Cross-gender im Rollenspiel

Wie handhaben denn diejenigen von euch, die Cross-Gender am Spieltisch nicht erlauben, die Darstellung von Frauen* durch die Spielleitung? Unabhängig von der jeweiligen Stichhaltigkeit der vorgebrachten Argumente contra Cross-Gender, lassen sich diese doch auch auf die Spielleitung beziehen. Demgemäß dürfte diese also auch keine Frauen* darstellen. Wenn doch, dann würde mich weiterführend interessieren, warum abhängig von der jeweiligen Rolle der Spielenden auch unterschiedliche Regeln gelten. Also weshalb es bspw beim fetten, haarigen Kerl, der Galadriel oder die vollvercyberte, ehemalige Bunraku darstellt einmal als immersionsstörend wahrgenommen wird (nämlich wenn er Spieler ist) und einmal nicht (nämlich wenn er Spielleiter ist)?