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von Andwari
19.01.2018 16:57
Forum: Hintergründe, Kontinente und Globulen
Thema: Magomechanik: Künstdünger
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Magomechanik: Künstdünger

Bezüglich Bevölkerungsdichte:
Aventurien ist zersiedelt, d.h. zwischen zwei Dörfern ist immer irgendwo ein Stück Wildnis und riesige Wildnisgebiete sucht man vergebens - die Briefspieler haben nicht mal eine deutlich höhere Bevölkerungsdichte entlang Besiedlungsachsen hinbekommen, weil halt jeder Baron wenigstens ein paar Leute haben wollte und keine deutlich größeren Baronien erzeugt wurden. Zwischen Trallop und Neetha ein ziemlich einheitlicher Brei.

Wenn man jetzt mehr Lebensmittel produziert, sollte Binnenkolonialisation möglich sein - über Jahrzehnte und Jahrhunderte, weil wir einfach extrem weit von irdischen Verhältnissen entfernt sind. Alternativen wären, 90% des Landes für generell unfruchtbar zu erklären oder Ähnliches, das eine Vergleichbarkeit mit irdischen Entwicklungen wieder torpediert.

Man sieht das doch schon im Kleinen - ein wenig mit den Parametern einer Baronie-Simulation herumgespielt, 3000 statt 2000 Einwohner, ein paar Spezialisten und eine Erntedankfeier ... und plötzlich scheißt der Laden Dukaten. Das liegt einfach daran, dass man viel stärker auf Helden-Fähigkeiten abzielen will als auf die Bodenqualität, die zu einem Faktor unter vielen wird.

Wenn ich Dünger kaufen will, braucht das Zeug einen Preis - und wenn ich einen Sack Dünger auf meinen Acker werfe, muss der Mehrertrag auch kurzfristig was bringen - denn sonst bestellt der Gutsverwalter als einzig innovativer Typ mit Kleingeld für Experimente den gar nicht erst. So lange dann aber ein Sack Getreide (nach HuK) nur ca. 8 Silbertaler (Mittelwert Gerste, geht viel niedriger) bringen soll, sprechen wir für einen Alchemisten, der den Ertrag von 8 auf 10 Sack Getreide hebt, halt nur von einem Taschengeld.
Dass die Kleinbauernfamilie mit bewirtschafteten 6 Hektar (Acker) in Dreifelderwirtschaft (2/3) nur einen Brutto-Jahresertrag von 256 Talern erwirtschaftet (also 21 Taler für alle pro Monat, wovon noch der Adelige und die Kirchen ihren Anteil runterbeißen müssen) liefert wenig Spielraum für unsere Wirtschaftssimulation.
Der Sack Kunstdünger je Hektar liefert hier gerade mal 16 Silbertaler Mehrwert.
von Andwari
19.01.2018 13:18
Forum: Hintergründe, Kontinente und Globulen
Thema: Magomechanik: Künstdünger
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Magomechanik: Künstdünger

Ich bin da auch eher bei Lokwai: Aventurien braucht kein Ammoniumnitrat, sondern
1. eine Qualitätsverbesserung von "Humus" in elementartheoretischer Sicht, die natürlich anderswo durch eine Erhöhung der anderen Elemente oder Verringerung von Humus ausgeglichen werden muss um global zu funktionieren.
2. eine alternative Herangehensweise wäre, mittels Peraine-Liturgien da eine Nayrakis-gelenkte Formung des Sikaryan unseres Ackers vorzunehmen, diese ist definitionsgemäß schöpfungsdienlich.
3. Noch völlig unbeachtet ist in dieser Diskussion eine schlichte profane Verbesserung der Situation mit bekannten Methoden - Flurreform, moderne 3-Felder-Wirtschaft mit ordentlichem Pflügen (Pferd?) für die Bauern, ein geplanter auf maximalen Gesamtertrag zielender Bearbeitungsplan (kein Frondienst an der Burgscheune während das Feld Aufmerksamkeit braucht), Saatgutbörse, obrigkeitliche Begrenzung von Lebensmittelspekulation, eine verlustminimierende Lagerhaltung auch unter Berücksichtigung von Randbedingungen wie der marodierenden Räuberbande = Travia, Peraine und Rondra helfen da beim Denken.

Bei der Umsetzung aller drei Punkte scheitert DSA an sich selbst: Sowohl die magische (1.) als auch klerikale (2.) Menge an verfügbarer Energie (AsP und KaP) ist hoch und wird offensichtlich unzureichend genutzt. So lange noch irgendein Geweihter oder Magier was anderes tut als mirakeln/zaubern und regenerieren ist da noch Luft. Selbst wenn man denen jede Menge Freizeit und Ineffizienz zugesteht (volkswirtschaftlich: warum?) - Aventurien müsste viel phantastischer sein als es ist, weil man an jeder Ecke mehr machen kann. Hier und bei (3.) kommt erschwerend hinzu, dass Aventurien eben von A bis Z nicht als Wirtschaftssimulation funktioniert. Die bräuchte man aber irgendwo um den Aufwand für "Kunstdünger" ins Verhältnis zum Mehr-Ertrag zu setzen.

Zum Vergleich: Die Weizenerträge je Hektar haben sich (v.a. wg. Kunstdüngereinsatz) in Deutschland von 1850-1900 etwa verdoppelt von 10 auf 20 dt (= Doppelzentner, Dezitonne, 100 kg) je ha. Die nächste Verdopplung war ca. 1965 erreicht (Maschinen), bis etwa 2000 wurde nochmal verdoppelt (Strukturwandel, Hochtechologie). Darin enthalten ist eine sprunghafte Verringerung des Kunstdüngereinsatzes von ca. 400 (1970-1990) auf 200 kg (1990-heute) je Hektar.
Die deutsche Landwirtschaft produziert damit je Hektar mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt, der auch stetig gestiegen ist und der Düngerverbrauch ist im weltweiten Vergleich immer noch hoch. Der antik wirkende Kleinbauer der seine Yams-Wurzeln hackt ist allerdings weltweit mengenmäßig viel weniger bedeutend als im 20ten Jhdt, in Entwicklungs- und Schwellenländern wird z.T. rigoroser "umstrukturiert" als jemals in Deutschland der Fall und die machen z.T. dieselben Fehler wie die Industrieländer in den hundert Jahren vorher.
Wenn wir weiter zurückgehen, hat sich der Hektarertrag auch vorher vergrößert von frühen mittelalterlichen 4 dt/ha über spätmittelalterliche 10 dt/ha incl. deutlicher Einbußen durch Klimaänderung (kleine Eiszeit) hin zu neuzeitlichen bis 20 dt/ha - letzteres in besseren Lagen als die o.g. deutschen Durchschnittswerte, z.B. Südengland. Die Werte um 1850 sind im längeren Vergleich besonders niedrig, d.h. auch 1500-1850 wurden Verbesserungen erreicht, aber halt z.T. durch andere Effekte überkompensiert, z.B. Landflucht, Kriege, Übernutzung. Der letztgenannte Effekt (sinkende Erträge in einem beobachtbaren Zeitraum) war der Anstoß dafür, sich wissenschaftlich mit Düngung zu befassen.


Die reale Welt ist also auch ineffizient - aber da unterstellen wir auch, dass der moderne deutsche Landwirt einen deutlich höheren Lebensstil hat als sein chinesischer Konkurrent (auf gleicher Fläche) und beide nicht mit dem kongolesischen Kleinbauern tauschen wollen. Die Hungeraufstände des garethischen Leibeigenen in der Goldenen Au sind dann halt sonderbar, wenn die tobrischen Kleinbauern und sogar die thorwalschen Dinkelbauern irgendwie existieren können. Der Markt für Lebensmittel soll dann wieder aventurisch global sein, oder wie erklärt man sonst aranische Getreidefrachter auf dem Weg nach Al'Anfa?
von Andwari
19.01.2018 11:30
Forum: Hintergründe, Kontinente und Globulen
Thema: Magomechanik: Künstdünger
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Magomechanik: Künstdünger

Würde das funktionieren?

Bei "Kunstdünger" (Stickstoffdünger aus Haber-Bosch-Ammoniaksynthese) sprechen wir von einer technologischen Errungenschaft, die erst im 20ten Jhdt. mit extremem Aufwand technisch beherrschbar wurde - und als ein Militär-Nebenprodukt gelten kann. Ohne die gut bezahlten Anforderungen der Militärs hätte schon zuvor wohl niemand Chilesalpeter um die Welt geschippert. Wer irdisch Kunstdünger will, kommt um Schießbaumwolle, Nobels Dynamit und Krupps Kanonen nicht drumherum. Allerdings ist auch die wissenschaftliche Erkenntnis (Liebig) was man wie viel wo hin kippen muss, nicht trivial, auch wenn das heute Schulkinder nachvollziehen können.

Der Unterschied zwischen "nachvollziehen" und "erfinden" ist das, worüber wir hier eigentlich sprechen. Der heutige Ingenieur könnte in einem Mittelaltersetting wohl einigen Fortschritt in die Mühlen einbauen - wenn man ihm Mittel gibt und sonstige Rahmenbedingungen. Aber er kann das nur, weil er Wissen und Modelle hat, die man aus den damaligen Zuständen kaum ableiten kann - all das Zeug aus Experimentalphysik, Chemie, manchmal auch Mathematik und immer noch angewandte Technik dazu.

Wenn ich entscheidende Technologie-Voraussetzungen durch Dschinnenwünsche ersetze und modernes Wissen anwende, kann ich einen beliebig großen Effekt erzeugen - lieber Dschinn, mach doch bitte mal den 10000-Liter-Tank voll mit rauchend konzentrierter Schwefelsäure in p.A. Qualität (aventurisch sogar bekannt, Vitriolöl) = eine Vielzahl von Maßnahmen ist jetzt einfach und mit nicht allzu krassen weiteren Annahmen machbar, u.a. eben die Salpetersäure fürs Sprenggedöns oder den Dünger.

=> Aber das ist einfach ein massiver Stilbruch. Und dabei flächendeckender maßvoller Düngereinsatz etwas, das wir nicht mal heute weltweit hinbekommen - bei Größenordnungen von 10 hoch 11 kg Mineraldüngereinsatz jährlich, also richtig viel. In Europa ab den 1990ern massiv zurückgegangen, weil man Überdüngung als Problem erkannt und bessere Methoden entwickelt hat. Dünger ist ein Thema, bei dem man den aventurischen Herrscher wohl weniger schnell begeistern kann als wenn man z.B. Maschinengewehre oder Dampfmaschinen anbietet.