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von Djembo
09.10.2019 22:45
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Gewaltdarstellung im Rollenspiel
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Gerade dem Mädel wurde die Szene schon grenzwertig, vermutlich auch wegen dem Geräusch. So ein Knarren, wenn man die Stimme an der untersten Lautstärkegrenze anpricht
von Djembo
09.10.2019 15:59
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Gewaltdarstellung im Rollenspiel
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

Herr der Welt hat geschrieben:
09.10.2019 15:00
Dein Beispiel mit Ju-on (hierzulande bekannter als: The Grudge) unterstreicht das sogar, denn der SL weckt mit dem Geräusch die durch den Film geprägte Vorstellungswelt der Spieler. Ohne dies wäre das Geräusch völlig verfehlt in seiner Wirkung.
Aber außer mir und dem SL kannte keiner den Film.
von Djembo
09.10.2019 13:23
Forum: Allgemeine Diskussion
Thema: Gewaltdarstellung im Rollenspiel
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Gewaltdarstellung im Rollenspiel

ich finde, es gibt da zwei Ebenen. Zum Einen: wie vorherrschend oder sichtbar ist die Gewalt in der Spielwelt? Und wie sehr wird es am Spieltisch dargestellt?

Zu Punkt 1:
Da kommt es stark drauf an, was man spielt.
Spielt man echte Helden (tm) in einer Heldenwelt, sei das jetzt Aventurien oder Mittelerde oder Golarion, dann treten meist die verschiedenen Gewaltformen weit weniger hervor. Klar, mein Pathfinder-Magier wäre, wenn man realistisch darstellt, ein furchtbarer, furchtbarer Kerl denn er lässt ganze Gruppen an Personen in Flammen aufgehen und während sie vor Schmerzen schreien und panisch versuchen, sich zu löschen, während ihre Haut Blasen wirft und ihre Haare stinkend zu Asche werden wirft er noch den nächsten Feuerball hinterher. Aber im Spiel ist er ein edler Held, ein Verteidiger des Guten und der Gerechtigkeit und die bösen Ork-Gegner, die kriegen halt 40 Schaden und greifen weiter an. Und nach der Schlacht ist das Lazarett nicht von wundbrandigen Krüppeln verstopft sondern die Priester heilen die Verwundeten und dann kommt die Siegesparade. Da liegt der Fokus auf spannenden Abenteuern, Heldentum, Glanz und Gloria, dreckige Gewaltdarstellung passt da nicht so wirklich rein. Ich mache das nicht am System fest, aber manche Hintergründe eignen sich dafür besser als andere.
Hingegen in der finsteren Zukunft des 41. Jahrtausends, in der sechsten Welt oder der Welt der Dunkelheit, da hat Gewalt einen anderen Stellenwert. Die Charaktere sind selten Helden sondern meistens eher... Charaktere, sie bewegen nicht die Geschicke ihrer Welt sondern sie versuchen irgendwie durchzukommen. Und dazu passend ist Gewalt meist deutlich expliziter weil sie Stilmittel ist und weil sie den Charakteren ihren Platz in der Welt verdeutlicht.
Der große Unterschied ist dabei oft auch nicht, wie deutlich der Schwerthieb des Kriegers beschrieben wird, sondern wie viel Fokus auf den Opfern von Gewalt liegt. Der golarische Goblin stirbt ganz einfach und wird vergessen und der arme Bauer, dem er gerade ein Bein abgenagt hat, kriegt ein Cure Moderate Wounds und steht dann wieder auf und ist gut drauf und dankbar. Aber um die Gewaltverbrechen in der Renraku-Firmenzentrale von Mannheim aufzudecken, müssen die Charaktere auch das Opfer eines Messerangriffs im Krankenhaus besuchen, das es nicht mehr erträgt wenn das Licht ausgeht weil dann die Alpträume und die Angst kommen und das jetzt sein Leben lang durch einen Schlauch atmen muss.

Zu Punkt 2:
Man muss nicht immer alles deutlich sagen. Man muss auch nicht alles anspielen. Oftmals ist es viel grausamer, Andeutungen für sich stehen zu lassen. Und wie viel tatsächlich angedeutet oder ausgesprochen wird, das ist etwas, das man in der Gruppe durchaus mal ansprechen sollte. Oder man kennt die Leute gut genug, um ein Gefühl dafür zu haben, wie weit man gehen kann. Niemals sollte man aber eine Gruppe, mit der man noch nie gespielt hat und die man nicht genug kennt, den harten Tobak um die Ohren hauen. Und beim harten Tobak geben sich Khorne, Nurgle und Slaanesh nix, je nach Detailtiefe sind alle drei abartig und haben zumindest ab einem gewissen Grad nichts in meiner Freizeitbeschäftigung zu suchen. Dass die Eroberung Greifenfurts durch die Orks alle Gräuel enthalten hat, mag so sein. Eine Beschreibung der Magdeburger Hochzeit nach dem Theatrum Europaeum muss ich da aber nicht bei haben. Aber das ist nur meine Meinung, wenn jemand anderes gerne die vollen Details möchte, dann findet sich auch für den bestimmt eine Gruppe.

Und dem Herrn der Welt muss ich ganz deutlich widersprechen:
P&P-Rollenspiel verfügt - im Gegensatz etwa zu Videospielen [...] nur eingeschränkt über bildliche Medialität [...], die Erzählwelt wird eher durch Sprache konstruiert. [...] Denkt man an drastische Filmdarstellungen [...], so sind derartige Vermittlungen von [...] Gewalt [...] schwerlich in ähnlicher Intensität in P&P übertragbar.
Schwerlich mag hier ein gutes Wort sein, denn es braucht schon einen guten Erzähler und gutes Publikum. Ein guter Erzähler kann meiner Erfahrung nach die Leute sehr viel stärker dazu bringen, sich angeekelt abzuwenden, als es ein Bild schafft. Dafür ist es nötig, dass die Rezipienten sich auf die Erzählung einlassen, sich mit ihren Charakteren identifizieren und mit ihnen fühlen während der Erzähler den Grat zwischen zu wenig aussprechen und zu viel aussprechen treffen muss, wenn das aber klappt, dann ist es der Stoff aus dem Alpträume geboren werden. Einen Gewaltexzess wie Land of the dead oder Gruseleffekte wie bei dem Originial von Jo On kann man sich oft viel schlimmer vorstellen als dass es visuell realisiert würde. Falls jemand das Geräusch aus Ju On kennt, ein Freund hat das mal in einem Abenteuer mit Geistern verwendet und nach dem Abend haben wir mal gründlich über Grenzen sprechen müssen. Aber er hat tatsächlich nie ausgesprochen "und dann reißt der Geist ihm den Kopf ab", sowas wurde immer nur recht dezent angedeutet und das hat sehr gut funktioniert.