"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

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BlupBurp
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von BlupBurp » 03.06.2018 16:00

Liebe Forengemeinschaft,

Vor allem Aventurien, mit seinen unzähligen Völkern und Kulturen, läd uns Spielleiter ja quasi dazu ein epische Reisen zu planen und vor den staunenden Augen der Spielerschaft von fremden Bräuchen und ganz einzigartigen Schlägen von Menschen zu erzählen.
Leider muss ich, als relativ unerfahrener Spielleiter, immer wieder feststellen, dass ich dazu tendiere alle NSCs (oder zumindest alle Statisten) über einen Kamm zu scheren. Alle meine Ambosszwerge sind trinkfest, rau und sturr wie der Fels, alle meine Andergaster Hinterwälder mit harter Schale aber weichem Kern usw.
Dadurch entsteht aber ein sehr eindimensionales und einfach falsches Bild einer sehr komplexen Gemeinschaft von Menschen(oder Zwergen oder oder), doch wie vermittle ich meinen Spielern in nur wenigen Sätzen den Unterschied zwischen einem „waschechten“ und einem leicht liberaleren Novadi?

Aus dieser Problematik folgt für mich noch eine weitere, schwerere: Wie stelle ich meinen Spielern auf der Durchreise den Unterschied zwischen einem weidener und einem almadischen Dorf dar? :grübeln:

Oder Kurzgefasst: Wie präsentiere ich meinen Spielern eine Kultur ohne die Eigenheiten dieser Kultur zu übertreiben und alle NPCs dieser Kultur über einen Kamm zu scheren?

Ich würde mich über Tipps und Herangehensweisen jeder Art freuen :)

Gruß Blup

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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Curthan Mercatio » 03.06.2018 17:03

Übertreiben ist im ersten Moment ja okay. Zuerst sollen die Spieler erfahren, wie ein typischer Ambosszwerg so ist, gerade wenn sie Neulinge sind und es noch nicht wissen. Denn erst wenn sie einen typischen Ambosszwerg kennen, werden sie einen untypischen erkennen. Am Anfang kommt also das Klischee, dann brichst du es.
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BlupBurp
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Ungelesener Beitrag von BlupBurp » 03.06.2018 18:56

Erstmal Danke für den Ratschlag, Curthan :) Natürlich muss man ein bisschen hin und her spielen (nicht jeder erste Kontakt ist mit jemanden, der auf ein Stereotyp passen kann oder soll), aber als Daumenregel finde ich "Erst etablieren, dann brechen" schon ziemlich gut!

Ich fange gerade wieder an meiner alten G7 Runde neues Leben einzuhauchen, dadurch sind mir einige Charaktere vorgegeben und meine Runde kommt an die verschidensten Orte Aventuriens, deswegen ist für mich vor allem auch die glaubhafte Darstellung der ganzen vielen Statisten und ihrer individuellen und lokalen Unterschiede wichtig.

Blup

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Skyvaheri
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Skyvaheri » 03.06.2018 19:09

So individuell unterschiedlich die Menschen in jeder Region Aventuriens (theoretisch) sind, so hilfreich beim Rollenspielen ist das Arbeiten mit Klischees und Stereotypen - um den Rassen- (Zwerge/Elfen/Orks...) oder regionalen Wiedererkennungseffekt zu fabrizieren.

Wenn man in jeder Stadt jeden NSC als Individuum mit eigenen "Ticks" und "Schrulligkeiten" darstellt, ebenso jede Schänke individuell beschreibt, dann ist "ganz Aventurien" eben gleich (unterschiedlich).

Daher halte ich es für durchaus legitim sich für jede Region / Rasse "wiederkehrende" Verhaltensmuster/Beschreibungen etc. auszudenken und diese auch absichtlich in der jeweiligen Region oder für den "typischen" Ambosszwerg zu stressen. Hilfreich für die Grundstimmung ist auch die Verwendung "regionaltypischer" Musik. Das macht mMn für die Stimmung sehr viel aus.

"Besondere" NSCs dürfen dann gerne wieder individuell sein... aber Standard-NSCs halt weniger...

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Nimmerland
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Nimmerland » 03.06.2018 19:18

Mit dem Spielleiten ist es ein bisschen wie mit dem Reisen der Leute selbst.
Wenn du ein thorwalsches Dorf in drei Sätzen beschreiben musst, während deine nicht-thorwalschen Helden hindurchreisen, beschreibst du Klischees (Ihr seht Langhäuser, ein Drachenboot wird gebaut, ein praiotischer Wanderprediger wird von einer hühnenhaften Kriegerin in rot-weiß gestreifter Hose verhöhnt, etc.)
Bleiben die Leute länger (und beschreibst du entsprechend ausführlicher), freunden sie sich eventuell mit der jungen schwarzhaarigen Halbhorasierin im Wirtshaus an, die unter Meeresangst leidet und der alte Wirt mit der rot-weiß gestreiften Hose erweist sich als mittelländischer Schollenflüchtling ("...aber verratet's den Leuten nicht!").

Erst mal klingt das recht selbstverständlich. Du kannst natürlich auch sofort mit Klischees brechen aber bei der ersten Beschreibung von Land und Leuten wird auch die Stimmung vermittelt, die vorherrscht und da sind ein paar Klischees sehr wichtig.
"Burn the land and boil the sea - you can't take the sky from me."

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Madalena
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Madalena » 03.06.2018 19:49

Ich würde auch empfehlen, gerade für den Anfang erstmal ruhig das Klischeepferd zu reiten.

Sobald du das Gefühl hast, ein Stereotyp wirkt abgenutzt, oder du es gerade brauchen kannst, kommt meist von ganz allein der Wunsch abzuweichen. Und wichtige Meisterpersonen arbeitet man ja meist ohnehin ausführlicher aus, so dass die persönliche Note rein kommt.

Schön finde ich auch immer Charaktere, die zwar in X und Y total stereotyp sind, aber in Z ganz anders. Z.B. der stolze, heißblütige Novadi, der Ungläubigen mit sehr viel Distanz begegnet - aber dann auf den zweiten Blick viel weniger patriarchalisch auftritt als erwartet (sei es auf Grund persönlicher Erfahrung, oder weil sein Stamm Frauen einen höheren Status einräumt).

Davon abgesehen können sich ja auch verschiedene Stereotypen überlagern (Kultur, Beruf, Stand, ...), so dass sich eh ein differenzierteres Bild ergibt.

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BlupBurp
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Ungelesener Beitrag von BlupBurp » 03.06.2018 20:34

Skyvaheri hat geschrieben:
03.06.2018 19:09

Hilfreich für die Grundstimmung ist auch die Verwendung "regionaltypischer" Musik. Das macht mMn für die Stimmung sehr viel aus.

Sky
Ich bin wie gesagt noch etwas unerfahren (vor allem im Gebrauch von allem anderen außer den Büchern an sich), kannst du mir eine gute Übersicht für regionale Musik bzw. kulturelle Entsprechungen in der realen Welt empfehlen? :)

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BlupBurp
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von BlupBurp » 03.06.2018 20:52

Vielen Dank schon mal für alle eure Tipps :) Ich denke die Sache mit den Stereotypen ist jetzt für mich schon gut erklärt :wink:
Mich würde jetzt noch der zweite Teil interessieren: Wie stelle ich am besten die regionalen Unterschiede dar? Natürlich ist es einfach Städte wie Gareth hervorzuheben (vor allem mit der Gareth Box), aber ein Dorf in Tobrien schaut bei mir meist noch sehr ähnlich zu einem in Weiden aus und wie ich zB. eine aranische Siedlung von einer mhanadischen abheben kann ist mir auch noch ein Schleier.
Ich denke da kann man viel mit Landschaftskunde, Geschichte der Lande und Architektur machen...aber in einer so großen Runde wie den G7 und den teilweise doch schnellen Reisen durch viele verschiedene Gegenden kommt mir das wie ein unglaublicher Arbeitsaufwand vor. Wie geht ihr da vor? Wo schaut ihr nach, wenn ihr euch über eine Region informiert und welche Informationen helfen eurer Erfahrung nach am besten bei der Darstellung am Spieltisch? :grübeln:

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Madalena
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Madalena » 03.06.2018 21:27

Mhanadistan und Aranien unterscheiden sich ja schon allein durch die Geschlechterrollen deutlich.

Ansonsten geben die Bücher ja eine Menge her, um etwas Flair einzubauen: Volkssagen, Namen, Sitten und Gebräuche, regionale Küche, Heilige und besonders verehrte Gottheiten (vielleicht sogar kleine "heidnische" Einlagen) etc.

Wobei ich ehrlich gesagt für mich in der Darstellung meist keinen riesigen Unterschied zwischen etwa Tobrien und Weiden mache. Speziell Tobrien ist ja auch leider weniger gut beschrieben wenn ich mich nicht irre.

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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Curthan Mercatio » 03.06.2018 21:31

Das mit regionalem Flair ist so eine Sache. Gerade wenn man die G7 spielt, wird es die Helden kaum interessieren, wie das Wirtshaus in der fünfzehnten mhanadischen Ortschaft so aussieht - vor allem wenn sie nur auf der Durchreise sind. Zuerst würde ich mich in jedem Fall auf das Abenteuer konzentrieren, denn deine Aufgabe als SL ist vor allem, mit den Spielern gemeinsam ein spannendes Abenteuer zu erleben, nicht ihr Reiseführer zu sein. Was ich damit sagen will: Regionaler Flair sollte kein Selbstzweck sein. Als Spielleiter kommt man zu leicht in die Versuchung, den Spielern Aventurien zeigen zu wollen und sie dabei eher zu langweilen.

Ich würde regionalen Flair eher betonen, wenn die Helden länger in einem Gebiet unterwegs sind, und da auch eher so nebenher. Zum Beispiel könnten sie beim Gespräch mit einer wichtigen Person gegrillte Datteln und stark gewürzten und gesüßten Rotwein gereicht bekommen (Tulamidenlande), oder sie werden per Sklavensänfte abgeholt (Al'Anfa). Das Ganze kann in ein paar nebenbei angebrachten Halbsätzen regionalen Flair vermitteln und ist allenfalls besser, als die Spieler mit dem Aufbau eines aranischen Sippendorfs zu langweilen.

Was du nebenbei gut anbringen kannst:
- Was gibt es zu essen und zu trinken? (Wildschweinbraten / Fisch in Orangensauce / Erdäpfeleintopf / höllisch scharfe Grillspieße)
- Welche Waren preisen die Händler auf der Straße an? (frisches Gemüse / Premer Feuer / Sklaven)
- Wie kleiden sich die Gesprächspartner? (Kaftan / Pelzmantel / Leinenstoff / Seidenkleid)
- Worauf sitzen die Helden? (auf einem Teppich / einem Sessel / einer Liege)
- Wie spricht das Gegenüber? (wahrscheinlich verwendet es typische Wörter)

edit: Rechtschreibung
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von Skyvaheri » 03.06.2018 22:01

@BlupBurp In den grünen Bänden (Regionalspielhilfen) sind eigentlich auch immer Musik-Empfehlungen bzw. teilweise sogar Hinweise auf irdische Entsprechungen. So schwierig ist das meist auch nicht. Zur musikalischen Untermalung eignen sich in der Regel Filmmusiken oder Soundtracks von Computerspielen. Gut ist es, wenn die Stücke nicht so bekannt sind. Beim Imperial March denkt eben jeder an Darth Vader und nicht an Borbarad.

Mögliche Assoziationen:
Thorwaler -> Wikingerfilme
Mittelreich -> klassische Mittelalterfilme
Weiden -> Ritterfilme
Almada -> Spanisches
Horasreich -> Italien/Frankreich/Renaissance/Mantel & Degen-Filme
Al-Anfa -> Altes Rom
Zyklopeninseln -> Griechenland
Tulamidenlande -> Filme aus 1001 Nacht/Arabische Filme
Maraskan -> Japanisches bspw. Last Samurai
Meer/Südsee -> Piratenfilme
Dschungel/Waldmenschen -> Indianerfilme oder Afrikanische Filme
Gjalskarländer -> Schotten
Albernien -> ev. Irland
Bornland -> Russland
Elfen -> alles was irgendwie mystisch ist / Fantasyfilme
Zwerge -> geeignete Tracks aus PC Spielen (wie bspw. Drakensang)
Aranien -> Indien

so... mehr fällt mir beim schnellen Brainstorming nicht ein. Tobrien fehlt, ja... aber da will mir auch gerade nichts einfallen... vielleicht am ehesten Irland wegen der Schafe... :devil:

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BlupBurp
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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von BlupBurp » 04.06.2018 11:40

@Curthan Mercatio Danke für die Fragen, hab ich mir gleich herauskopiert :wink:
@Skyvaheri Die Liste hilft mir schonmal. Dass die regionalen Spielhilfen da Vorschläge haben wusste ich noch gar nicht :)

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"Rassismus" und die Darstellung von regionalen Unterschieden

Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 04.06.2018 23:29

Skyvaheri hat geschrieben:
03.06.2018 22:01
Maraskan -> Japanisches bspw. Last Samurai
Karl-Heinz Witzko würde sich im Grabe umdrehen, wenn er tot wäre. :wink:
Aranien -> Indien
Eher Persien? Allerdings mit völlig anderer Rolle der Frauen.

Armes Al'anfa, Rom & Byzanz - dabei haben sie doch Karneval wie in Rio, und den leckeren karthagischen Hundebraten. :ijw:

Weiden/Tobrien:
Wenn am Straßenrand Rinder stehen, ist es Weiden, bei Schafen Tobrien? :)

Wenn man eine längere Episode in einer Gegend hat, und hat Zeit, das vorzubereiten, vielleicht mal in Geographia oder RSH nachlesen und kurz überlegen: Was würde einem Fremden direkt auffallen? Ist da irgendein starker Kontrast zu der Gegend, wo die Helden gerade her kommen? Oder irgendwas, was sie noch nie gesehen haben?

Angenommen zB man kommt aus Aranien nach Mhanadistan. Der Baustil wird ähnlich sein; die Landschaft ändert sich nur etwas und allmählich (trockener).
Aber was direkt ins Auge fallen wird: In Aranien laufen Männer und Frauen gleichermaßen auf dem Markt / der Dorfstraße rum. Viele Frauen tragen eng anliegende Westen. Manche sind bewaffnet. Frauen arbeiten als Krämerinnen, Stadtwachen, Handwerkerinnen, so wie mittel- oder nordaventurische Helden es gewohnt sind.
In Mhanadistan ist der Krämer ein Mann, der Hufschmied ein Mann, der Wirt ein Mann ... Von den Frauen, die man sieht, sind einige verschleiert, und die meisten gehen lieber schnell ins Haus, statt mit Fremden zu reden. Dieser Unterschied fällt auf.

In diese Kategorie fällt eben auch sowas wie "Euch kommt ein Elchreiter entgegen" (Bornland), "... eine Kamelkarawane", "... eine von Sklaven getragene Sänfte".

Wenn der Krämer keine Dukaten annimmt, sondern Dublonen, Batzen oder Marawedi verlangt (oder in Selemer Kupferschillingen rausgibt), das fällt auf. (Falls man damit spielen mag.)

Wenn in Festum ein Trupp Goblins auf der Straße die Pferdeäpfel aufkehrt, in Selem ein Achaz eine Imbissbude mit gegrillten Froschschenkeln betreibt, in Thorwal-Stadt unter den Hafenarbeitern, die das Schiff entladen, drei Orks sind - das fällt auf.

Sprachen: Wenn die Helden bei Ambosszwergen zu Gast sind, die untereinander Rogolan sprechen - spricht das ein Held? Sonst: Man versteht halt nix. Genauso für garethisprachige Helden, wenn sie in Thorwal oder Thalusa vom Schiff gehen, oder in Mherwed ein Kamel kaufen wollen.

Wenn man nach Genuss eines kleinen Imbisses aus einer örtlichen Pastetenbäckerei brüllend durch den Ort läuft und nach Löschwasser schreit, ist man auf Maraskan. Besonders, wenn lauter Leute auf den Balkonen umstehender Häuser das Ereignis lautstark kommentieren und dabei auf die Freunde von Verwandten verweisen, die ähnlich reagiert haben, und ob irgendwer wisse, wo die jetzt wohnen.

Viel Erfolg!
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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Skyvaheri
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Ungelesener Beitrag von Skyvaheri » 05.06.2018 07:25

chizuranjida hat geschrieben:
04.06.2018 23:29
Skyvaheri hat geschrieben:
03.06.2018 22:01
Maraskan -> Japanisches bspw. Last Samurai
Karl-Heinz Witzko würde sich im Grabe umdrehen, wenn er tot wäre. :wink:
Oh, das war mir durchaus bewusst, dass [mantra]Maraskan ist nicht Japan![/mantra] von Karli so definiert wurde. ;-)

ABER da er ja nicht mitbekommt, was in meiner (oder jemandes anderen) Runde geschieht, braucht er sich auch nicht umdrehen... ;-)

Trotzdem fand ich speziell die Filmmusik von Last Samurai recht passend als Sound-Untermalung für Maraskan... aber das kann ja auch jeder so halten wie er mag.

Meine Liste oben erhebt ja keinen Anspruch auf "objektive Richtigkeit", sondern war nur eine Auflistung meiner Gedanken, mit welcher Art von irdischem Flair man "recht einfch" aventurische Regionen unterschiedlich machen kann, ohne dass man sich selbst alles neu ausdenken muss.

Deine Vorschläge an Vignetten finde ich übrigens klasse. Wenn man diese und ähnliche mit "regionstypischer" Musik "in den Nebensätzen" in seine Beschreibungen der Umgebung einfließen lässt, dann entsteht mMn sehr einfach ein entsprechendes Bild im Kopf der Spieler. :)

Sky
Zuletzt geändert von Skyvaheri am 05.06.2018 07:40, insgesamt 1-mal geändert.
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chizuranjida
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Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 05.06.2018 13:28

Danke, Skyvaheri! Dann erlaube ich mir noch ein paar Stimmungseinlagen-Vorschläge für die Nebensätze, weil mir gerade auffällt, dass ich wieder viel zu sehr darauf abgestellt habe, was man sieht. Aber man soll ja auch was hören, riechen, fühlen.

Kalter Nebel kriecht über die Heide. Die Kleider werden klamm, die Schuhe feucht. In der Ferne ruft klagend ein Brachvogel.
(Überzeugte Albernier hören dazu "Young Ned of the Hill" by The Pogues: "Have you ever walked the lonsome hills and heard the curlew cry?") :)

Wenn die Bettpfosten in Wasserbecken stehen und überm Bett ein Moskitonetz hängt, ist man im tiefen Süden. Wach halten kann einen das Moskito-Summen aber trotzdem. Zumal falls Schreie von Papageien und Affen hinzukommen.
Maraskan müsste auch surrende Viecher haben, und unglaublich laute Zikaden.

Am Misthaufen vorbei mit seiner Dunstglocke und dem Fliegenschwarm betretet ihr das Bauernhaus. Der Kettenhund bellt. Drin ist es dunkel und verraucht, und riecht nach kalter Kohlsuppe.

Wenn im Schankraum der Karawanserei mehrere Leute an Wasserpfeifen nuckeln, und der Rauch duftet ungewöhnlich süß-würzig, und der Wirt bietet den Helden an, ob sie auch etwas Rauschkraut möchten - das wäre für mittel- und nordaventurische Helden exotisch.
Genauso, wenn sofort ein Sklavenjunge angelaufen kommt, um ihnen die Schuhe auszuziehen und die Füße zu waschen, bevor sie auf einen Teppich latschen.

Für das regionale Flair der alamadanischen Herberge könnte dagegen ein nächtlicher Lautenspieler die Helden wach halten, der seiner Angebeteten im Haus gegenüber ein Ständchen bringt.

Jetzt nur mal so als Beispiele.
"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Al'Anfa wieder eins drauf kriegen wird."
- Alrik der Ältere

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