R035: Der Schwertkönig

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Theaitetos
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Theaitetos » 22.08.2010 01:38

Nun, natürlich steht es jedem an Romane so zu bewerten wie er will, da kann ich niemandem reinreden. Ich persönlich möchte allerdings behaupten, dass irdisches Moralempfinden kein Kriterium sein sollte, wenn es um die Stimmigkeit der Protagonisten eines Romans geht. In vielen anderen Romanen wird Mord und Totschlag verharmlost und trivial dargestellt - etwas was für irdische Moralvorstellungen schrecklich ist, aber aventurisch eben nicht. Da der Roman keinen Anspruch erhebt etwas irdisches darstellen zu wollen, noch für Aventurier geschrieben ist, sondern ein Fantasy-Roman über eine phantastische Figur mit anderen Werten in einer anderen Welt und Kultur, sehe ich persönlich keinen Grund irdische Moralvorstellungen hier als Kriterium anzuwenden.

Raidri in Rahjas Rausch jagt der Diebin hinterher und nimmt sich dann im Gegenzug etwas für den Diebstahl und rationalisiert dass dann schnell; dass er darin kein Verbrechen sieht, sondern in seinem Selbstverständnis als Frauenheld denkt dass sie sich freut ist doch geradezu normal - was ist unpassend?

Am Ende war es nur eine maraskanische Diebin - und was sollte die auch für einen adligen Schwertkönig groß von Bedeutung sein? Also bedarf sie auch keiner größeren Überlegung oder Beachtung. Da wird nichts verharmlost, es ist für Raidri einfach wenig relevant und nächste Woche schon wieder vergessen.

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Nightcrawler
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Nightcrawler » 22.08.2010 12:07

in vielen anderen Romanen wird Mord und Totschlag verharmlost und trivial dargestellt
Was ich dann auch nicht gut finde, wenn irgendwelche Leute dahin gemetzelt werden, weil gerade jemand Lust drauf hat. Erst recht, wenn es die "strahlenden und erklärten Helden" sind, die diese Handlungen dzurch führen und dies vor allem auch noch als gut dargestellt wird (in dem sich z.B. hinterher heraus stellt, dass da Opfer ein ganz böser Mörder war, der so seine gerechte Strafe erfuhr - was für ein Glück für unseren Helden, da hat er dann ja sogar eine gute Tat getan, als er jemanden aus einer Laune heraus ermordete).
Auch aventurisch ist es moralisch und gesetzlich verwerflich, einfach jemanden aus einer Laune heraus zu erschlagen (zumindest in den zivilisierten Gebieten) oder zu vergewaltigen.

Aventurisch ist eine Vergewaltigung ein Rahjafrevel, auch Travia ist davon nicht angetan und ich bin mir sicher, dass auch Praios, Rondra und alle anderen Götter Vergewaltigungen nicht gut heißen. Jedenfalls widerspricht Vergewaltigung und Selbstjustiz der einen oder anderen Gottheit und ihren Aspekten direkt und die anderen Gottheiten decken Vergewaltigung nicht ab.
"Rahjas Rausch" ist nicht, jemanden zu "bestrafen", in dem man sie vergewaltigt, unabhängig davon, dass die Frau dann nach einiger Zeit den gleichen Spaß dran hat wie offensichtlich der Vergewaltiger. Denn ihr Einverständnis hatte er nun mal nicht und hätte es auch nicht bekommen.
dass er darin kein Verbrechen sieht, sondern in seinem Selbstverständnis als Frauenheld denkt dass sie sich freut ist doch geradezu normal - was ist unpassend?
Von einem angeblich Auserwählten der Göttin des ehrenhaften Zweikampfes, Aufrichtigkeit, Ehrenhhaftigkeit, Schutz Schwächerer, etc., der sich für sich Anspruch nimmt, auch die Gebote anderer Götter zu beachten (z.B. Travias, als er sich an Morena heranmachte) erwarte ich mehr Reflektion und Taten, als eine Strafe gegenüber einer Frau sie gegen ihren Willen (und sie wollte es zuerst definitiv nicht und das war eindeitig) zu nehmen und sich hinterher zu sagen: "Tja, ich bin halt so toll, jede will mich, das war doch klar, also ist alles gut, wir hatten schließlich beide unseren Spaß."

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Theaitetos
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Theaitetos » 23.08.2010 11:52

Tja, da herrscht nun einmal eine Diskrepanz zwischen dem "strahlenden Helden Raidri" und dem "echten Raidri" vor. Zum Selbstverständnis des adligen Schwertkönigs: Da gibt es eine schöne Szene in "Der Mann in der eisernen Maske", in der der König mit einer Mätresse nach dem sündhaften (da sie verheiratet ist) Akt kurz redet; die Mätresse meint "Es war schön, aber dafür kommen wir in die Hölle." worauf der König antwortet "Nein, du gehst in die Hölle. Ich bin der von Gott selbst auserwählte König." Eine maraskanische Gesetzesbrecherin steht nun einmal so weit, weit unter einem auserwählten, adligen Schwertkönig, dass es unpassend wäre würde Raidri sich wegen der Sache mit ihr groß Gedanken machen. Auch Ugo von Mühlingen hat nicht gefrevelt als er den Hungermarsch der Garether blutig niederschlagen ließ. Ein Aventurier würde eher denken "Die Diebin kann sich glücklich schätzen, dass sie statt einer für sie schmerzhaften eine derart angenehme Strafe erhalten hat".

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Nightcrawler
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Nightcrawler » 23.08.2010 12:11

Eine maraskanische Gesetzesbrecherin steht nun einmal so weit, weit unter einem auserwählten, adligen Schwertkönig, dass es unpassend wäre würde Raidri sich wegen der Sache mit ihr groß Gedanken machen.
Ein Auserwählter einer Göttin, ein Krieger (mit seinen Rechten und Pflichten als Krieger) und ein Zwölfgöttergläubiger Mensch sollte sich aber darum Gedanken machen, was wider die Götter, Moral und Gesetz seines Landes ist.
"Die Diebin kann sich glücklich schätzen, dass sie statt einer für sie schmerzhaften eine derart angenehme Strafe erhalten hat".
Dir ist klar, dass Du damit eine Vergewaltigung als "angenehme Strafe" darstellst? Denn anfänglich war es auch der Frau weder recht noch angenehm und es bleibt damit dabei, dass er gegen seine Pflichten als Krieger (und Auserwählter Rondras) verstieß, wenn er jemanden so unter sich zwingt und gegen Rahja, in dem er mit der Frau nicht in einem Akt gegenseitiger Leidenschaft schlief, sondern er sie gegen ihren Willen dazu gezwungen hat.
Wenn er sie gepackt und auf gesetzlichem Wege zur Rechenschaft gezogen hätte, kein Einwand, aber selber entscheiden, dass er sie bestraft und wie das geschieht, ist nun mal Selbstjustiz und Rahjafrevel.

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Theaitetos
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Theaitetos » 23.08.2010 12:29

Ja sicher sollte er das, aber er ist nunmal nicht der strahlende Saubermann, sondern ein (aventurischer) Mensch - und als solcher nicht perfekt.



Weiterhin, er ist Adliger und hat die Diebin gefasst, es steht ihm zu augenblicklich über sie zu richten. Und aus Raidris Sicht ist der Akt mit ihm sicher sehr, sehr viel angenehmer als gehängt zu werden (da über Maraskan Kriegsrecht herrschte und sie ihn bestohlen hat würde es kaum bei einer Hand bleiben). Daher das zitierende "Die Diebin kann sich glücklich schätzen, dass sie statt einer für sie schmerzhaften eine derart angenehme Strafe erhalten hat". Man vergleiche es nochmals mit dem Herrn Ugo dem Blutigen.

Und zuletzt warum sollte Raidri denn auch nur einen Moment daran denken, dass es ihr nicht gefallen würde, schließlich hat es ausnahmslos allen hunderten davor gefallen?

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Cattivo von Aravanadi
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Cattivo von Aravanadi » 23.08.2010 13:17

Theaitetos hat geschrieben:Und zuletzt warum sollte Raidri denn auch nur einen Moment daran denken, dass es ihr nicht gefallen würde, schließlich hat es ausnahmslos allen hunderten davor gefallen?
Zusammen mit der Tatsache, dass es ihr (zuletzt) scheinbar gefallen hat, war dies wohl die Geschichte, die der Autor erzählen wollte.

1. Raidri ist gütig.
2. Er straft ohne (nachhaltig) zu verletzten.
3. Und er ist für Frauen so unwiderstehlich, dass dies für sie nicht mal eine Strafe ist.

Diese Aussage bzw. die Geschichte muss einem nicht gefallen. Das ist bei Romanen hält immer mal wieder so. Inneraventurisch ist dies aber nicht zwingend unstimmig.

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Nightcrawler
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Nightcrawler » 23.08.2010 13:31

Weiterhin, er ist Adliger und hat die Diebin gefasst, es steht ihm zu augenblicklich über sie zu richten.
Nein, auch Adelige dürfen nicht überall beliebige Strafen verteilen, wie sie gerade Lust drauf haben.
Wenn jeder Adelige überall und jederzeit eigene Gerichtsbarkeit aus dem Ärmel nach Lust und Laune schüttelt, würde sehr schnell das Chaos herrschen.
Mittelreichische Gerichtsbarkeit deckt nicht ab, dass der jeder Adelige Urteile enfach so fällen kann, wann und wo es ihm beliebt und egal wie sie ausfallen.
Ja sicher sollte er das, aber er ist nunmal nicht der strahlende Saubermann, sondern ein (aventurischer) Mensch - und als solcher nicht perfekt.
Es gibt Menschen mit menschlichen Schwächen und wie ich schon weiter oben schrieb, finde ich es gut, wenn gerade die die großen Helden mit solchen ausgestattet sind. Aus Selbstjustiz jemanden als Strafe zu vergewaltigen und sich anschließend nichts dabei zu denken, in folgeden Jahren gar über sich selber zu sagen, man würde sich an die Gesetze der 12e halten, ist zumindest in meinen Augen keine menschliche Schwäche keine mehr, die sympathisch macht, abrundet oder gar auch nur irgendwie vertretbar ist.
Es gibt nicht perfekt sein, das ist gut,und es gibt den Umstand, ein reflektionsloser Vergewaltiger zu sein, der sich selber sagen kann (und ein Leser auch, wenner möchte), dass er ja nichts Schlimmes getan hat. Und ich finde das nun mal verwerflich und keineswegs in Ordnung, nachvollziehbar oder gar passend und stimmig oder gar zur Darstellung eines großen Helden und Frauenliebhabers passend (denn die fangen so mit Frauen erst gar nicht an).
Und zuletzt warum sollte Raidri denn auch nur einen Moment daran denken, dass es ihr nicht gefallen würde, schließlich hat es ausnahmslos allen hunderten davor gefallen?
Und das ist genau der Punkt, den ich hier schon kritisiert habe und den ich fast noch mehr verurteile als die Vergewaltigung selber: dieses schön reden, damit man sich sagen kann "Was soll's, alle hatten ihren Spaß und er ist so toll, sogar eine vergewaltigte Frau ist ganz hin und weg, wenn er erst mal dran ist. War also doch keine Vergewaltigung und damit ist alles gut - und zwar für beide Beteiligte im wahrsten Sinne des Wortes."

Von Mühlingen hat auch einen Spitznamen davon getragen, er wird gefürchtet und als Egoist beschrieben, das Massaker wird auch nicht schön geredet (sonst würde es nicht Massaker und Blutbad genannt werden) und hat auch unter Adeligen schärfste Kritik hervor gebracht, weil es eben nicht moralisch einwandfrei in aller Augen ist.
3. Und er ist für Frauen so unwiderstehlich, dass dies für sie nicht mal eine Strafe ist.
Finde ich persönlich absolut untragbar, dass er sich dessen schon vorher so sicher sein soll (warum wird das dann überhaupt als "Strafe" verkauft) und dass dem tatsächlich so ist.
De Rahjafrevel bleibt dabei für mich bestehen, da er das zumindest anfänglich auch so ist. Es war ja nicht so, dass die Frau das wollte, als er anfing.

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Theaitetos
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Theaitetos » 23.08.2010 14:11

Nightcrawler hat geschrieben:Wenn jeder Adelige überall und jederzeit eigene Gerichtsbarkeit aus dem Ärmel nach Lust und Laune schüttelt, würde sehr schnell das Chaos herrschen. Mittelreichische Gerichtsbarkeit deckt nicht ab, dass der jeder Adelige Urteile enfach so fällen kann, wann und wo es ihm beliebt und egal wie sie ausfallen.
In diesem Falle schon. Erstens gilt überall das Recht der leichten Hand. Zweitens galt in Maraskan Kriegsrecht, dass gibt ihm absolut dieses Recht.
...ist zumindest in meinen Augen keine menschliche Schwäche keine mehr, die sympathisch macht, abrundet oder gar auch nur irgendwie vertretbar ist.
Raidri sollte dir auch gar nicht sympathisch sein!!! Er ist ein überzeugter Adliger, der die ständische Feudalordnung als einzig richtige und gottgefällige sieht. In seinen Augen bist du nur eine Bürgerliche (höchstens), während er allein durch Geburt mehr Wert ist als du und deine ganze Familie zusammen. Diese Aspekte an ihm sollten deinen Sinn für Demokratie, Freiheit und Gleichheit sowieso anekeln. Aber für Aventurier, die diese Werte nicht haben, sollte er sympathisch sein - und das ist er.
Und zuletzt warum sollte Raidri denn auch nur einen Moment daran denken, dass es ihr nicht gefallen würde, schließlich hat es ausnahmslos allen hunderten davor gefallen?
Und das ist genau der Punkt, den ich hier schon kritisiert habe und den ich fast noch mehr verurteile als die Vergewaltigung selber: dieses schön reden, damit man sich sagen kann "Was soll's, alle hatten ihren Spaß und er ist so toll, sogar eine vergewaltigte Frau ist ganz hin und weg, wenn er erst mal dran ist. War also doch keine Vergewaltigung und damit ist alles gut - und zwar für beide Beteiligte im wahrsten Sinne des Wortes."
So ist es aber nun einmal. Schönreden ist etwas durch und durch menschliches. Ob das verwerflich ist? Zweifellos. Ob es unstimmig ist? Keineswegs.

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Robak
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Robak » 23.08.2010 14:20

Also eine Diebin die einen hohen Adeligen während des Kriegszustandes beklaut kann durchaus mit einer harten Strafe rechnen. Ich gehe durchaus davon aus, dass der Diebin entweder der Strang oder der Verlust einer Hand gedroht hätte. Entsprechend kann es durchaus sein, dass der Ablauf der Dinge für die Diebin weniger schrecklich war als es ein echter Prozess gewesen wäre.

Natürlich kann sich ein aventurischer Hochadeliger gegenüber den niedersten Schichten fast beliebig viel herausnehmen ohne dass der Hochadelige bestraft wird. Entsprechend ist das Verhalten des Schwertkönigs durchaus plausibel.

Ich finde nur es hat nichts in einem Roman zu suchen der eigentlich (dem irdischen Leser) eine Heldengeschichte erzählen will. Und ich finde es darf gerade in einem Heldenrollenspiel auch mal ein paar Helden ohne schwarzen Fleck auf der weißen Weste geben.

Gruß Robak

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R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Nightcrawler » 24.08.2010 11:19

Die Biografie nimmt für sich in Anspruch, das Leben des "erklärtermaßen größte[n] Krieger" zu beschreiben. Ich bin mir sicher, dass R.C. da Sympathien bekommen soll als wichtiger NSC, großer Held und schon als Hauptfigur eines Fantasyromanes.
Sollte jemand erfahren, dass er eine Frau vergewaltigt hat, wird er bestimmt nicht mehr pauschal für jeden Aventurier ein Held sein, und dieses Handeln würde nicht pauschal abgenickt werden, so wie von Mühlingens Blutbad auch nicht von jedem als dazugehörend und "richtig" aufgenommen wurde.

Eine Verhandlung (vor also Richter und Kläger, und nicht Richter, Kläger und Henker in Personalunion) mit einer dort gesetzten Strafe ist etwas anderes, als eben Richter, Henker und Vollstrecker zu sein, eine Strafe zu nehmen, die in keinem Gesetzesbuch vorgegeben ist und die ein Götterfrevel ist.

Auch in einem Land in dem Kriegsrecht herrscht, wird wohl nicht jeder der Soldaten unbegrenzte Befugnisse für sich in Anspruch nehmen können und dürfen.

Davon abgesehen sind wir nun endgültig an dem Punkt angekommen, an dem wir in die Wiederholungsschleife gehen.
Meine Meinung über diese Szene und wie sie dargestellt wird ist unverändert und damit hat es sich für mich so weit an dieser Stelle.
Zuletzt geändert von Nightcrawler am 17.05.2018 10:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Dr. Arca
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Dr. Arca » 24.08.2010 13:11

Theaitetos hat geschrieben: Raidri sollte dir auch gar nicht sympathisch sein!!! Er ist ein überzeugter Adliger, der die ständische Feudalordnung als einzig richtige und gottgefällige sieht. In seinen Augen bist du nur eine Bürgerliche (höchstens), während er allein durch Geburt mehr Wert ist als du und deine ganze Familie zusammen. Diese Aspekte an ihm sollten deinen Sinn für Demokratie, Freiheit und Gleichheit sowieso anekeln. Aber für Aventurier, die diese Werte nicht haben, sollte er sympathisch sein - und das ist er.
Der Aventurier liest diesen Roman nicht. Das tun wir, die irdischen Leser.
Und mir als Leser sind sogenannte "Helden", die Vergewaltigungen schönreden, nicht sympatisch. Sie sind mir auch nicht außerhalb von Romanen sympatisch, kurz gesagt gar nicht.

Ansonsten kann ich zu dem Roman nur sagen, daß die bloße Begründung von HvW, warum Raidri so am Rad dreht, nicht als Entschuldigung ausreicht. HvW hat sich selbst (wie es scheint) ausgelebt und einen Schwanzdenkenden Vollidioten erschaffen, der obendrein von den Göttern, den Frauen und allen anderen gemocht wird (ein typischer Mary Sue, eigentlich schon ein Über-Sue).

Der Roman ist nicht gut geschrieben -wenn ich Liebesabenteuer mit eingestreuter Geschichte will, lese ich Casanova- und das einzig positive über Raidri ist, daß er dank der Redax inzwischen endlich tot ist.

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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Cattivo von Aravanadi » 24.08.2010 13:33

Robak hat geschrieben:Und ich finde es darf gerade in einem Heldenrollenspiel auch mal ein paar Helden ohne schwarzen Fleck auf der weißen Weste geben.
Darauf trinken wir. ;-)

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Sumaro
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 24.08.2010 15:31

Gefallen oder nicht gefallen ist ja eine rein subjektive Bewertung. Die Ereignisse sind allerdings weder unstimmig noch inneraventurisch nicht erklärbar, wie das bei vielen anderen Romanen z.T. der Fall ist (man bedenke die Rhiana Reihe). Der Schwertkönig erzählt die Geschichte eines Helden. Und das er inneraventurisch ein Held gewesen ist kann ja niemand bestreiten. Und das mit hellen und dunklen Facetten und in einer Art, die man gut lesen kann. Daher habe ich am Roman selbst nichts auszusetzen. Das Hadmar von Wieser sich selbst "ausleben" wollte in diesem Roman ist zum einen eine haltlose Unterstellung zum anderen nicht einmal verwerflich, denn er schreibt den Roman und damit obliegt es auch ihm, was er schreibt und wie.

Zugleich ist es natürlich auch in gewisser Weise amüsant zu lesen dass sich hier über eine Vergewaltigung, die wohlgemerkt nur in einem Buch stattgefunden hat, dermaßen aufgeregt wird, während man an anderen Stellen Leute wie Galotta, die schreckliche Menschenfresser auf tausende von Menschen gehetzt haben als arme Opfer der Umstände versteht.

Man sollte sich eines vor Augen führen. Zum einen: Es ist ein Buch und die Hauptfigur in diesem Buch hat eine Frau vergewaltigt. Es ist also nichts wirklich schlimmes geschehen, objektiv betrachtet, abgesehen von einer literarischen Handlung die persönlich keinen Gefallen finden muss. Sie ist aber als solche weder unpassend im aventurischen Kontext noch unangebracht in dieser Situation, wie bereits zuvor dargelegt wurde.

Zu Robaks Statement kann ich eigentlich nur sagen, dass DSA weit mehr Potenzial hat als ein Heldenrollenspiel zu sein und dass gerade die menschlichen Schwächen der Helden (sowohl NSC wie SC) das Spiel bereichern, statt es zu schmälern.
Zuletzt geändert von Sumaro am 24.08.2010 20:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Theaitetos » 30.08.2010 14:58

Nightcrawler hat geschrieben:Meine Meinung über diese Szene und wie sie dargestellt wird ist unverändert und damit hat es sich für mich so weit an dieser Stelle.
Nun, mir ging es nie darum deine Meinung zu dieser Szene zu ändern. Dass Verbrechen welcher Art auch immer nichts schönes sind, ist jedem klar. Worauf ich hinweisen wollte war inwiefern diese Szene aber dem Buch als solchem abträglich ist? Answin von Rabenmund hat in seiner Romanreihe die Schwester der aranischen Fürstin als Geisel entführen lassen, was dem moralischen Empfinden sicher auch abträglich ist - aber schadet es dem Buch (welches wir hier ja bewerten sollen)? Auch wenn es Verbrechen sind, passen die Szenen zu den Akteuren und zur aventurischen Stimmigkeit, und dies sollten doch die Kriterien sein nach denen Bücher bewertet werden, und nicht ob die Protagonisten moralisch einwandfrei sind.

Daher: Ein Buch ist nicht schlechter, nur weil es auch die Schattenseiten eines der Protagonisten erzählt. Und das Buch sollte man anhand der Kriterien für DSA-Bücher bewerten. Zum Vergleich lese man einmal Druidenrache: wenig Verbrechen, aber ein unglaublich schlechtes Buch.

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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Robak » 30.08.2010 18:08

Die Answin-Biographie ist aber kein Heldenroman sondern die Biographie über eine fixtive (und umstrittene) Persönlichkeit während der Schwertkönig ein Heldenroman ist.
Bei einem Heldenroman hat der Held sich gefälligst heldenhaft zu verhalten! Die Szene zerstört aber den Held Schwertkönig indem sie ihn sich moralisch höchst widerwärtig verhalten lässt.

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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 30.08.2010 18:59

@ Robak

Stellt der Roman Schwertkönig den Anspruch ein Heldenroman zu sein? Oder handelt es sich nicht auch um eine Biographie wie bei Galotta und Co. nur in diesem Fall die Biographie eines Mannes der aventurisch ein Held genannt wurde?
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Whyme » 30.08.2010 22:43

Ich habe es schon in meiner Bewertung angedeutet:

Raidri war (im Gegensatz zu Answin) aventurisch ein Held. Jeder Roman, der kein Heldenroman ist, muss das Raidribild der Spieler zerstören. Die einzige Frage, die man sich dabei stellen muss, ist die, ob einem das gefällt oder nicht.

LG
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Sumaro » 30.08.2010 23:08

Mein Raidri-Bild von ihm als aventurischer Held hat es nicht zerstört. Aber für mich brauchen Helden auch kein Sauber-Image.
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Olvir Albruch » 23.10.2010 10:52

Da stimme ich Sumaro zu, zumal diese Szene für die Persönlichkeitsentwicklung Raidris enorm wichtig war, immerhin wird er in ein tiefes Loch gestoßen, bevor er seine wahre Bestimmung erfährt.

Von mir bekommt der Roman 5 Punkte. Zwar hat er auch seine Schwächen (bspw. seine ganze Jugend, die ich furchtbar langweilig fand), doch danach entpuppt sich dieser Roman als Altes Testament Aventuriens, in dem man die ganze neuere Geschichte nachlesen kann.

MfG,
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Korgash
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Korgash » 24.10.2010 10:04

immerhin wird er in ein tiefes Loch gestoßen, bevor er seine wahre Bestimmung erfährt.
Gibs zu das war Absicht, oder? :lol: :censored:

Von mir gibts einfach mal 4 Punkte. Nicht übel geschrieben, der Hauptcharakter ist doch ein bisschen zu eindimensional und dämlich, die Hintergründe wiederum umfassend :)

Edit: Nein, noch mal nüchtern betrachtet ist das Buch echt nicht mher als 3 Punkte wert.
Zuletzt geändert von Korgash am 28.10.2010 08:47, insgesamt 1-mal geändert.
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DrGonzo
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von DrGonzo » 22.12.2010 16:02

Hmmmmm...

Also der war echt nicht soooo prall...
Die Geschichtsdaten retten Ihn ein wenig.
Auch wenn ich ein wenig moralisches Grau mag aber der Roman hat irgendwie nix positives hinterlassen. Vielleicht hatte ich damals aber auch ein falsches Bild von Raidri. (mochte die Figur aber nie so recht)

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Harteschale
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Harteschale » 14.02.2011 18:09

Die Romane sind sehr flüssig geschrieben und mir persönlich hat der bewusst überzogene Schreibstil sehr gut gefallen. Ich kann jedoch nachvollziehen, dass das nicht bei Jedem so sein muss.
Die Stärken des Romans sind einerseits natürlich hervorgerufene nostalgische Erinnerungen, aber auch und vor allem für mich der konsequente Stil, mit dem Raidri beschrieben wird und die Ereignisse, die dazu führen, dass Meisterinformationen: Rondra ihn gegen Borbarad eiskalt krepieren lässt um sich einen Vorteil zu erkaufen.
Diese Pointe auf die oft kleinlichen, subjektiven, unverhältnismäßigen Moralvorstellungen von Lesern und Aventuriern auf der einen und den faktisch fast schon amoralischen Handlungsweisen der Götter auf der anderen Seite fand ich sehr ansprechend und treffend, selbst wenn der Autor das gar nicht beabsichtigt hat.

Die Nachteile des Romans wiegen für mich nicht so schwer, dass 4 Punkte gerechtfertig wären, von daher schwache 5 Punkte von mir.
DSA 4 war gestern: Hausregeln Deluxe

Ardor
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Ardor » 04.03.2012 09:39

Genau auf diesen Roman hatte ich damals gewartet und ich hatte ihn verschlungen. Und er hat genau das erfüllt, was ich mir erhofft hatte: einen Überblick über die jüngste aventurische Vergangenheit, die Zeit des "guten alten Kaiser Retos".

Insgesamt gut recherchiert und auch stimmungsvoll geschrieben.

Das Raidri DER Krieger ist und im Zweikampf nicht bezwungen wird war so gesetzt und ich habe es vor der Lektüre des Romans schon vorrausgesetzt. Das er auch ein großer Frauenheld ist und ohnehin jede Situation meistert hätte nicht sein müssen. Aber ich denke, hier hat sich Hadmar wohl wirklich an den durchschnittlichen DSA-1 und DSA-2 Spielerkrieger der 80iger und frühren 90iger orienteirt (aber vielleicht habt Ihr ja da andere Erfahrungen in Euren DSA-Runden gemacht ;-).

Auf der anderen Seite wird Raidri trotzt dieser schier übermenschlichen Eigenschaften nie wirklich glücklich und zieht geradezu rast- und ruhelos durch die Gegend.

Die Vergewaltigung war auf jeden Fall die widerlichste und unnötigste Szene die mich damals beim Lesen auch sehr gestört hat. Was Hadmar damit bezweckt hat, kann ich nur vermuten. Vielleicht wollte er damit darstellen, wie Raidri durch den Krieg verroht und unmenschlich wird.

Meisterinformationen: Vielleicht ist das aber auch der Sündenfall, der rechtfertigt, dass er am Ende als Finte geopert wird.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und bietet viel Hintergrund. Vier Sterne!

Saint Mike
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Saint Mike » 12.07.2013 14:30

Warum nur wusste ich, dass die maraskanische Strandszene die meistdiskutierte ist? ;)

Eins had HvW auf jeden Fall geschafft: Jeder kennt das Buch, jeder kennt Raidri und jeder hat eine Meinung zu Ihm. Auch in unserer Gruppe witzeln wir oft genug herum, wie viele Menschen wohl Nachfahren des "großen" Raidri sind? Halb Albernia ist mit dem Geschlecht der Conchobairs verwandt.

Das Buch las sich sehr flüßig. Weniger der fulminante Schreibstils des Autors ist dafür verantwortlich (den empfand ich sogar als ausgesprochen kantig) als vielmehr die Folgen von eklatanten Fehlentscheidungen der Hauptfigur, die das moralische Ruder immer wieder zwischen Held und Schurke herum gerissen hat. Ständig hat Raidri sich etwas aufgebaut und es dann mit dem Hintern (oder der anderen Seite) wieder eingerissen, ständig war er am Boden um dann wieder aufzustehen und jedesmal starben oder litten Menschen um Ihn herum während er scheinbar Göttinnengewollt seine Verletzungen hinter sich ließ um es im zweiten Anlauf zu fügen. Beginnend in jungen Jahren setzt sich das bis zu seinem Tod fort. DAS ist für mich der Hauptgrund, warum das Buch (neben einer guten Aufarbeitung der aventurischen Zeitgeschichte) wirklich "gut" ist.

Was bleibt am Ende? Die Götter haben einen Plan und Ihre Wege sind manchmal wirklich unergründlich. Das Buch hat mir viele Schmunzler beschert.
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Dr. Arca
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Dr. Arca » 16.09.2013 02:01

Von der besagten Szene mal abgesehen, fand ich den Roman grausig. Ich habe 3 Punkte vergeben, doch die beziehen sich auf den schönen Abriß der aventurischen Geschichte - der "Schwertkönig" selbst ist (obwohl er eh eine Parodie sein soll) leider ein mit der Hose denkender Taugenichts, der sich ständig in Selbstmitleid ergießt, aber eh niemals Verantwortung übernehmen will.

"Achtung, jetzt kommen auch Spoiler"
Die Schlacht von Jergan hätte man abkürzen können - wenn Harlijin angeboten hätte, daß im Gegenzug zu seiner Kapitulation nur seine Tochter Raidri heiraten soll, wäre der "Schwertkönig" bestimmt schreiend weggerannt und Reto hätte ohne den Donnersturm nur schwer siegen können.
Mal abgesehen davon, daß ich seit der Schlachtbeschreibung vom Donnersturm und der Gnadenlosigkeit der göttlichen Rösser (schwarz, Funkenschlagend, Feuerreifen, Schaum vor dem Maul, Pferde beißen Gliedmaßen ab usw.) nicht mehr den Unterschied zum Karmoth sehe. Wenn nicht ständig gesagt worden wäre, daß das RONDRAS Streitwagen ist, wäre die Beschreibung auch auf jeden (naja, fast jeden) Dämon der Niederhöllen zugetroffen. Das Göttliche habe ich bei dem Streitwagen vergeblich gesucht und nach DER Beschreibung ist es mir wirklich peinlich, zuzugeben, daß mein damaliger Held im AB den Donnersturm von ihm übergeben bekam.
Seine Siege auf den Turnieren schreibt er selbst seinen Fähigkeiten zu, aber auch seinem 'Familienschwert', ohne daß er nie gewonnen hätte. Leider klingt es so, als ob seine Gegner gut geraten gewesen wären, wenn sie 'sein' Schwert vorher mit einer Kopie vertauscht hätten.
Insgesamt muß ich sagen, daß der Roman über einen aventurischen Helden (so der Roman selbst) nicht gelungen ist; es wird zwar ei solider Abriß der aventurischen Geschichte geboten, aber Raidri ist nach der Beschreibung des Romans einiges, aber eben kein Held.

Hotzenplotz
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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Hotzenplotz » 11.05.2015 15:40

Habe den Roman gestern Abend beendet und den Folgeroman angefangen.

Meine Bewertung:
Raidris Autobiographie ist - ironisch aufgefasst - kurzweilig zu lesen. Ernst genommen würde es wohl in Richtung unfreiwillige Komik gehen. Eine Autobiographie muss nicht immer eine große Geschichte sein und das ist sie in diesem Fall auch nicht. Wenn man an aventurischer Historie, geschmückt mit einigen persönlichen Anekdoten, interessiert ist, kann man den Griff zu diesem Buch ruhigen Gewissens tun - man sollte dann nur nicht große Literatur und Spannung im eigentlichen Sinne erwarten.
Die amourösen Abenteuer des "Schwert"königs haben Groschenroman-Qualität und haben mich des öfteren zum Lachen gebracht. Ob das die Absicht des Autors war, kann ich natürlich nicht sagen, aber als ich diese Gewalt/Sex-Abwechslung las, hatte ich spontan die Idee, das Leben Raidris mit dem Rollenspiel "Barbaren" (selbstbezeichnung: ultimatives Macho-Rollenspiel) zu spielen, wo es Werte wie "Aggro" und "Geil" gibt.

Ich habe den Roman vor allem aus diesen Gründen gelesen:
- ich wollte wissen, wie sich Raidri selbst sieht (erfüllt)
- ich wollte etwas von der jüngeren aventurischen Geschichte aus persönlicher Sicht "erleben" (erfüllt)
- ich wollte einen spannenden Roman lesen (fail)

Ok, das letzte war ein Scherz. Natürlich wusste ich bereits, dass es kein guter Roman im eigentlichen Sinne ist.

Hört sich jetzt vielleicht härter an, als es ist. Ich gebe nämlich immerhin 3 Punkte. Eigentlich hat das Buch das gemacht, was ich wollte: für ein paar kurzweilige Abende sorgen und etwas über Aventurien und Raidri erfahren.

P.S.: Die Sex-Szene am Strand empfand ich nicht so schlimm wie andere hier. Klar, man fühlt sich in das letzte Jahrhundert der Pop- und Filmkultur versetzt, als die männlichen Helden noch zu scharen über naive, kreischende Dummchen herfielen und diese dann doch irgendwie Spaß hatten ("nun hab´ dich nicht so!"). Ich sehe es insofern eher als Sünde, sowas in einem relativ modernen Buch zu lesen. Naja, immerhin hat Raidri ein paar Seiten später seine Tat - äh - reflektiert (kriege den Wortlaut nicht ganz hin, aber ungefähr so: "Ach und die Sache mit Khorinja - war auch doof irgendwie!")

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Re: R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Thorgrimma » 12.05.2015 20:48

Ich habe den Schwertkönig und den Dämonenmeister letztes Jahr gelesen, als wir die Borbaradkampagne beendet hatten und ich nun also endlich auch den zweiten Band lesen durfte. Den Schwertkönig las ich nochmal, hatte ihn aber schon vor Jahren gelesen.

Vorweg: Natürlich sind DSA-Romane keine hohe Literatur, sondern etwas, das man eher liest, um ins DSA-Feeling zu kommen oder Hintergrundwissen zu bekommen (meine Meinung :)) Wenn man das als Maßstab anlegt, dann ist der Schwertkönig einer der besten Romane, den die Reihe zu bieten hat, denn beide Aspekte bedient von Wieser meisterhaft, ist doch die DSA-Welt und ihre Lebensweise prima eingefangen und zudem ist die Geschichte um Raidri recht spannend.

Ich erinnere mich daran, dass mir der Schwertkönig beim ersten Lesen nicht so gefiel. Raidri war mir als begabter Überheld unsympathisch und die Fehler, die er hat, bügelten das nicht aus, sondern machten es eher schlimmer. Ich hörte damals schon von einem Zitat von Wiesers, dass er den Schwertkönig geschrieben habe, damit die Spieler einen Helden vor Augen haben, wo sie selbst einmal mit ihren Helden hinkommen (oder so ähnlich). Damals habe ich das nicht so verstanden, meine Helden waren alle noch recht niedrigstufig und von Abenteuern wie sie Raidri erlebte, weit entfernt, von seinen Begabungen noch viel weiter.

Nach der Borbaradkampagne hingegen war der Roman für mich ein Augenöffner. Raidri muss nicht sympathisch oder fehlerlos sein, aber er hat einen wirklichen Charakter sowie eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen. Klar startet er etwas höher als andere Helden (Turniersiege, Donnersturm), aber er macht eine Entwicklung durch, wie wir sie mit unseren eigenen Helden in der Borbaradkampagne auch erlebt haben und wie sie wahrscheinlich viele epische Helden erleben werden. Er hat einerseits grandiose Siege und begeht tolle Taten, andererseits hadert er mit seinem Schicksal, erlebt echte Tiefpunkte, macht riesige Fehler, um dann wieder aus diesen zu lernen. Er merkt, dass Rondra ihn im Auge hat, aber eigentlich will er zunächst gar nicht der große Held sein und wehrt sich praktisch mit Händen und Füßen gegen sein Schicksal. Erst ganz am Schluss nimmt er seine Rolle an und findet einen Frieden und wird erst da zum großen Helden. Im Schwertkönig ist er das aber noch lange nicht.

Sowohl ich als Spieler als auch mein Held dachten immer, dass Raidri in allem so souverän sei, dass er vor nichts Angst habe. Mein Meister spielte Raidri auch immer ziemlich beeindruckend, mit tollen Ideen und einem großen Können - eben weil Raidri sich nach außen so darstellt und weil er auch so ist, wenn er älter ist. Der Roman hat mich eines besseren belehrt, dass es bei Raidri im Inneren nicht auch unbedingt so aussieht. Raidri hat in vielen Dingen Verlustängste, Komplexe wegen seiner Bildung, er fühlt sich eigentlich -wenn man genau liest und seine Großmäuligkeit nicht für bare Münze nimmt - selten genug oder würdig. Seine späteren Fähigkeiten, mit denen er junge Helden beeindrucken konnte, hat er sich (von der Kampfkunst mal abgesehen) hart erarbeiten müssen, und er hat seine Lehren meiner Meinung nach bitter bezahlt. Interessanterweise für mich, als mein Held selbst Gezeichneter wurde, und er Raidri schlussendlich in gewisser Weise auf Augenhöhe begegnete, kamen da auch im Spiel meines Meisters die Fehler Raidris heraus (beispielsweise seine mangelnde Bildung), weil Raidri auf Augenhöhe auch viel offener ist und weil man halt dann merken kann, wo er seine Schwächen hat. Durch das Buch wurde mir das aber erst so richtig bewusst.

Die Vergewaltigungsszene lese ich übrigens als eine, die illustrieren soll, wie stark dieser Krieg die ganzen mittelreichischen Soldaten verroht. Schade dass von Wieser dann unbedingt einbauen musste, dass Raidri die Maraskanerin auch noch zur Lust zwingt (als wäre das möglich...). Vielleicht wollte er damit diese Untat irgendwie erträglicher machen...? Ist ihm damit aber ganz und gar nicht gelungen. Gut fand ich allerdings, dass Raidri selbst den Krieg und die Vergewaltigung als unerträglich und grauenvoll empfindet und damit danach doch wieder moralisch durch seine Reue sich läutert.

Letztlich muss man sich immer bewusst machen, dass der Roman auch aus der Sicht Raidris beschrieben ist. Raidri ist ein Großmaul, er ist nicht der Hellste, er ist ein (wenn auch aventurischer) Macho und trotzdem hat er noch Selbstironie und ein Gewissen. Dass einiges überzeichnet ist, liegt also in seiner Eigensicht- und Erzählweise begründet. Albernier haben eben immer schon gerne einen draufgesetzt, selbst vor Mythrael :)

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Azazyel
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R035: Der Schwertkönig

Ungelesener Beitrag von Azazyel » 16.05.2018 17:14

Drei Punkte für den schwierigsten Roman, den ich bisher bewerte und einen der schwierigsten, die ich bisher gelesen habe.

Reden wir nicht um den heißen Brei herum, es dreht sich bei der Bewertung natürlich viel um die Strandszene. Meines Empfindens nach ist es hier extrem wichtig, als Leser und Rezensent für sich selbst Grenzen zu ziehen. Das haben einige meiner Vorredner schon gemacht, aber trotz des extrem guten Beitrags von Thorgrimma sehe ich meine Meinung und meine Grenzen hier noch nicht vollständig ausformuliert.

Zunächst einmal finde ich es gut, dass ich bei keiner Bewertung, die ich hier gelesen habe, etwas lesen musste, das man wirklich als grundsätzliche Rechtfertigung von Raidris Verhalten verstehen müsste. So erbärlich das nämlich wäre, so wenig würde es mich in anderen Teilen des Internets heutzutage noch überraschen. :angry:
Im Gegenteil hat zB Theaitetos eine sehr polarisierende Wertung vorgenommen, die ja bei manchen auf Kritik gestoßen ist, aber die Diskussion wurde trotzdem sehr sachlich, gut und nicht hochemotional-persönlich geführt. Das ist ein riesiger Pluspunkt für dieses Forum!

Ich selbst gehe in einigen Punkten mit Theaitetos mit, in dem Sinne, dass Raidri, wenn er hier nun umfangreich, aus eigener Sicht und sozusagen "echt" geschildert wird, kein strahlender Held zu sein braucht. Und auch die Weltsicht von Adligen mitsamt Scheuklappen, ihrer Arroganz und ihrem Hochmut mal drastischer zu zeigen, hat einiges für sich. In DSA hat das oft schon geklappt, war aber an anderer Stelle manchmal auch schwierig. Generell verfällt Fantasy schnell einem SEHR konservativ-reaktionären "Adlige sind so toll und so viel besser"-Bild. Es wurde aber auch schon oft besser gemacht.
Dass das Bild, das Aventurier von Raidri haben, das eines strahlenden Helden ist, heißt nicht, dass er selbst sich so fühlt oder wir als Leser/Spieler das so sehen müssen. Aus meiner Sicht braucht so ein Charakter keine reinweiße Weste. Er kann Kriegsverbrechen begehen. Und auch Selbstjustiz ist im P&P ein wichtiges Thema, ist es doch etwas, das Helden ständig machen (müssen/sollen/wollen), bis man als Spieler gar nicht mehr darüber nachdenkt. Ein Buch, das solche Themen aufwirft, macht schonmal viel richtig.

Aber die Darstellung der Vergewaltigung ist dann hier doch wieder furchtbar gelöst.

Themen wie Gewalt, Folter, Vergewaltigung etc. sind ein wichtiger Bestandteil des Fantasygenres geworden und gehören gerade im Dark Fantasy-Bereich zu den Grundlagen. Sie ermöglichen die Darstellung gebrochener Figuren, die unter dramatischen Schwächen und Problemen leiden. Szenen mit solchen Inhalten können einen immensen Tiefgang erzeugen, moralische Fragen aufwerfen, den Leser zum Nachdenken bringen oder gar zwingen. Aber dann MÜSSEN sie auf bedachte, wohlüberlegte Art und Weise dargestellt werden und zudem ist das Nachspiel extrem entscheidend für die ganze Bewertung der Szene. Das bedeutet wohlgemerkt nicht, dass die Gewalt (wie auch immer geartet) nicht drastisch sein darf. Es heißt auch nicht, dass der Täter immer einer Gerichtsbarkeit anheim fallen muss. Ein wichtiger Aspekt sind aber Konsequenzen im breitesten Sinne. Keine Tat bleibt ohne Folgen.
Großartige Beispiele für eine feinfühlige, sorgsam gesetzte und damit letztlich gelungene Darstellung sexueller Gewalt, die auch in der sie umgebenden story verankert ist und ihren Sinn hat, finde ich etwa bei Stephen Donaldson oder bei Diana Gabaldon. Ersterer schrieb die Chroniken von Thomas Covenant, die zu meinen Lieblingsbüchern gehören. Sie sind zwar schwere Kost und ich fand es extrem schwer, die Bücher in einem Rutsch durchzulesen, aber sie regen wie kaum ein anderes Buch zum Reflektieren und Nachdenken an. Ein ganz, ganz großer Wurf.

Darin
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ist der Protagonist Thomas Covenant in der echten Welt ein Leprakranker und wird dementsprechend als "Aussätziger" ausgegrenzt. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden und nahm die Kinder mit, jetzt lebt er allein und abgeschieden. Plötzlich wird er in eine Fantasywelt geworfen, in welcher er, durch die offenbar heilsam auf ihn wirkende Luft, schlagartig zu einem körperlich gesunden, virilen Kerl wird, dessen Lebensgeister sich nach langer Zeit wieder regen. Lena, eine Einwohnerin dieser Welt, die ihm freundlich begegnet, vergewaltigt er daraufhin.
Wäre die Szene damit vorbei, wäre es eine Katastrophe gewesen. Gut wäre dann nur, dass der Leser Covenant in einer extremen Situation erlebt, in der es mit viel Anstrengung noch möglich ist, nachzuvollziehen, WARUM dieser so handelt wie er es tut. Zumal der Protagonist die gesamte Fantasywelt für eine reine Einbildung hält! Aber es ist hier noch lange nicht vorbei:
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Der Leser bekommt geschildert, dass die junge Frau sich die Nacht über nicht traute, nackt oder mit ihrer völlig zerissenen Kleidung nach Hause zu ihren Eltern zu gehen. Letztendlich bekamen diese doch mit, was passiert war, und entwickelten veständlicherweise einen gewissen Hass auf den Täter. Doch die Umstände zwangen den Vater, für den nächsten Teil von Covenants Reise als Reiseführer zu fungieren. Der Vater musste also mit seinen schwierigen Gefühlen umgehen und findet zu einer erzwungenen, aber dennoch erstaunlichen Gefassheit.
Im zweiten Buch kommt Covenant wieder in diese Fantasywelt, in welcher nun viel mehr Zeit vergangen ist, als in seiner eigenen. Lena war nach der Vergewaltigung schwanger und Covenant hat nun das zweite Buch über Umgang mit seiner erwachsenen Tochter, was natürlich schwierig für ihn ist (es macht ihn aber auch nicht zu einem moralisch gefestigten Menschen). Noch viel später in der Geschichte stirbt eine gealterte Lena, die Covenant aus einer Stockholm-Syndrom-artigen Motivation immer geliebt hat, in seinen Armen.
DAS sind Konsequenzen! Der Protagonist erholt sich eigentlich sein Leben lang nie völlig von der Schwere seiner Schuld und seines Versagens.

Gabaldon unterdessen habe ich nicht gelesen, ich kenne nur die Verfilmung als Serie Outlander. SPOILER ZUR ERSTEN STAFFEL:
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Am Ende vergewaltigt der Antagonist Randall den gefangen gesetzten, ihm ausgelieferten Helden Jaimie, und das über Stunden. Das ganze geht auch in der Serie über eine längere Zeit und wird nicht mit einer kurz gehaltenen Kameraeinstellung abgehandelt. Es wird stattdessen so lange gezeigt, bis auch der letzte Zuschauer kotzen möchte. Und dann noch länger. Und noch länger.
Aber es kommt nicht aus dem Nichts: Der Antagonist scheint schon lange auf den Protagonisten zu stehen. Und er weiß, dass sie sich scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen, d.h., dass er sein Begehren offensichtlich nicht anders wird stillen können. Es gibt sogar die Parallele zum Schwertkönig, nämlich dass er von seinem Opfer noch die Hingabe fordert - und diese nach einer Weile des Drängens auch bekommt. Aber die Serie zeigt das auch konsequent als den Moment, in dem die Hauptfigur zerbricht. Nach der Rettung von außen bleibt er tagelang lethargisch und fordert seine Freunde sogar auf, ihn zu töten. Das Opfer der Tat bleibt also mitnichten blass oder unberührt, sondern wird im ganzen Ausmaß der Konsequenzen und der Beschädigung gezeigt. (Das hier ein Mann einen anderen Mann vergewaltigt und damit noch ein Tabu gebrochen wird, ist für unsere Betrachtung egal)
Der eigentlich realistische Part der Vergewaltigung im Schwertkönig, der die ganze Szene und letztlich das ganze Buch so brisant macht, ist eben der, dass Opfer einer Vergewaltigung tatsächlich manchmal im Nachhinein damit hadern, etwas empfunden zu haben. Damit sind wir am moralischen Tiefpunkt der Szene angekommen, aber wohl auch am wichtigsten: DAS EMPFINDEN VON LUST DURCH DAS OPFER WÄHREND EINER VERGEWALTIGUNG RECHTFERTIGT DIESE TAT NICHT, SONDERN VERSCHLIMMERT NOCH DAS SPÄTERE LEIDEN DER OPFER. Damit müssen manche Opfer lange hadern. Es erschwert den psychischen Heilungsprozess und ist einer der Punkte, dem man sich häufig erst in einer guten Therapie stellen kann. Wenn sei es überhaupt je schaffen.
Darzustellen, dass Raidris Opfer am Ende ja doch "Hingabe" hatte, macht die Tat also noch um einiges widerwärtiger, statt ihr nachträglich eine Rechtfertigung zu verleihen. Leider sind viele Gerichtsverhandlungen in der echten Welt davon geprägt, dass der Täter eben dies versucht, sich im Nachhinein zu rechtfertigen. Gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst. Das ist irgendwo sogar natürlich und bedeutet, dass auch Raidris Reaktion hier "echt" sein kann, wie ja auch von Theaitetos argumentiert.

Das kann aber keine Rechtfertigung für den Autor sein, diese Tat als reinen Rahjafrevel offenbar später (fast) nicht mehr aufzugreifen oder irgendwen reflektieren zu lassen. Anders als Thorgrimma finde ich, dass Raidri nicht wirklich Reue zeigt, zumindest nicht in diesem Buch (Wichtig: Ich habe das zweite Buch noch nicht gelesen!). Das macht ihn nicht unstimmig oder unrealistisch, demontiert ihn aber völlig als echten Helden. Der Autor hat hier bei seiner schwierigsten Szene versagt, weil er Raidri und den Leser nicht oder nicht ausreichend mit den Konsequenzen konfrontiert. Khorjina, die Figur der Diebin, ist einfach weg, taucht nicht mehr auf, zumindest soweit ich weiß (Korrigiert mich bitte, wenn das anders sein sollte!). Wir haben also keine Chance, einzuschätzen, wie sie im Nachhinein damit umgeht.
Was hätte der Autor besser machen können? Es hätte Szenen geben können, wo sich die beiden wieder begegnen. Wo die Tat bleischwer im Raum steht. Wo Khorjina sich für Anklage oder Vergebung entscheiden muss - und sich später vielleicht noch umentscheidet. Sie hätte auch in einer Gruppe von Mächtigen auftauchen können, deren Vertrauen sie gewonnen hat und wo Raidri sie nicht erwartet hätte. Auf einmal hätte sie dann Macht besessen über ihn - und eine Entscheidung treffen müssen. Es hätte so viel passieren können. Vielleicht kommt das ja alles noch im 2. Buch, ich sehe hier aber nichts davon berichtet?

Raidri kann immer noch ein Held sein, wenn man Helden nur als Leute sieht, die, egal wer sie sind und was sie getan haben, einmal im Leben eine tapfere und richtige Entscheidung treffen. Aber als moralische Vorbilder, die Helden in DSA eigentlich meist sein sollen, taugt er eigentlich nicht mehr.
Der Raidri, den dieses Buch uns zeigt, ist eigentlicht schon ein Antiheld und Maraskan eine Art Dark Fantasy-Setting, komplett mit Gewalt, Gemetzel und eben auch Vergewaltigung. Aber gerade auch in diesem Subgenre hätte man es so viel besser machen können, siehe oben das Beispiel Thomas Covenant.
Wie das noch ins eigene Aventurien passt, muss jeder für sich entscheiden.

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Dass ansonsten einmal ein so großer Abschnitt aventurischer Geschichte in Romanform vorliegt, und das in ordentlich lesbarem Stil, ist eine große Stärke. Dennoch irgendwo ein groteskes Buch. Für eingefleischte DSAler mag die Lektüre verpflichtend sein, anderen Fantasyfans würde ich davon abraten.

Insgesamt gebe ich 3 Punkte, weise aber auch darauf hin, dass diese Wertung hier letztlich völlig willkürlich ist. Je nachdem, wie man die oben genannten Punkte und Probleme gewichten will, kann man von 1 bis 5 alles geben, wie das ja auch von den usern getan wird.
Spielt: --
Meistert: Friedlos, Der Streuner soll sterben, Das Lied der Weide

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