R001: Der Scharlatan

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Todeshörnchen
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von Todeshörnchen » 31.03.2018 13:49

Das hast du ziemlich passend auf den Punkt gebracht. Kiesow hat seiner Zeit die eher besseren Roman geschrieben.
"Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bielefeld!"

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Overator
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von Overator » 09.04.2018 16:16

Zunächst muss ich sagen, dass ich Kiesows Werke (bisher) nicht gelesen habe, allerdings wird sich das bald ändern.
Ich habe sie (Der Scharlatan, Das zerbrochene Rad, Die Gabe der Amazonen und Der Göttergleiche) jeweils als Hörbuch erlebt.
Insofern werde ich meine abschließende Stimme erst geben (und diesen Beitrag erweitern) wenn ich die Bücher auch gelesen habe.

Nun meine Einschätzung als Hörbuch:

Den Scharlatan habe ich - wenn ich mich recht entsinne - insgesamt drei mal gehört.
Beim ersten mal - Der Scharlatan war mein erster DSA-Roman (nicht nur als Hörbuch sondern insgesamt) - war der Eindruck: Ganz gut eigentlich.
Gut, die oft erwähnten Sex-Szenen fand ich persönlich nicht überragen aber auch nicht störend; schließlich stumpft man da ab, wenn man nur genug Hollywood-Streifen gesehen hat (da muss auch regelmäßig der Betten-Tango gezanzt werden :ijw: ).
Kiesows Beschreibungen haben mich deshalb weder geschreckt noch eingenommen, passen sie doch irgendwo in die teilweise etwas unbeholfene Art von DSA bzgl. dieses Themas.
Nachdem ich mit dem Scharlatan durch war, musste dann das zerbrochene Rad her und irgendwann wieder der Scharlatan.
Bei zweiten mal hat mir das Werk nicht mehr ganz so gut gefallen, das liegt aber mMn auch daran, dass Kiesow meiner Meinung nach im zerbrochenen Rad wirklich gezeigt hat, was er als Roman-Autor auf der Pfanne hat. Die Tatsache, dass die Gruppe aus dem Scharlatan hier ebenfalls vorkam hatte mir auch sehr gut gefallen.

Zum Inhalt, nun ich fand das Verhalten der Figuren nicht immer nachvollziehbar (hier setzt man ja meist mit der Denke an: "Was würde ich tun?"), allerdings auch nicht fernab der realität. Soll heißen, ich fand das Verhalten trotzdem stimmig und nicht weniger unverständlich als die Entscheidung meiner Mitmenschen dies oder jenes zu tun. Die detailierte Beschreibung ist mir nicht negativ aufgefallen, allerdings hörte ich diese ja auch, insofern stört eine gewisse Langatmigkeit dabei auch nicht bzw. kann von den Lesern gut gekittet werden.
Allgemein muss ich sagen, dass die Stimmen der Leser (Namen wollen mir gerade nicht einfallen) sehr viel zu meiner Begeisterung für die genannten Werke beigetragen haben.
Nun aber der entscheidende Punkt für mich, der Scharlatan hat mich - wenn auch recht spät - zu DSA gebracht. Dieses Werk mit seinen Schwächen hat in mir den Wunsch geweckt Aventurien zu erleben, auch wenn das im Südwesten schwerer zu bewerkstelligen war als gedacht^^.

Das alles bringt mich zu einer Hörbuchnote von 3,5 (also 4). Wie gesagt werde ich meine Note finalisieren, sobald ich dieses Werk auch gelesen habe.

Ergebnis: Ich huldige an 4 der 5 Tage des Namenlosen diesem Werk
"Ich glaub ich hau dir mal ein paar aufs Maul."
- Der Namenlose

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MeisterIsegrimm
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von MeisterIsegrimm » 05.08.2018 17:31

Ich fand den Roman wesentlich derber und vulgärer als wir unser Aventurien bespielen, allerdings ist es wohl die Vision Kiesows von Aventurien - angelehnt eher an das dreckige Mittelalter. Ich fand den Roman alles in allem unterhaltsam und kurzweilig, auch wenn Ich die Darstellung von Sexualität teilweise schwer zu schlucken fand, das geht mir dann schon zu sehr in Richtung GOR/Howard. Aber ein solider Start.
Aktuelle Abenteuer als Meister: Zyklopenfeuer & Die Einsiedlerin

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kilana
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von kilana » 18.09.2018 22:48

Die Charaktere sind in sich und im Verhältnis zu einander weitgehend stimmig und symphatisch.
Die Handlung in den Nachwehen der Answinkrise, bei der weder die Opfer Gerechtigkeit erfahren, noch die Intrige Erfolg hat, ist auch gemessen an heutigen Aventurien-Vorstellungen stimmig. Der Plot ist grundsätzlich nachvollziehbar, durchdacht und mir sind keine besonderen Logiklücken aufgefallen.

Gerade verglichen mit anderen Romanen (Ich hatte davor "Tuan der Wanderer") gelesen, gefällt mir "Der Scharlatan" recht gut.

Malko
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von Malko » 27.09.2018 13:22

Ich habe den Roman vor etwa drei Jahren gelesen und dass ich mich nicht mehr sehr stark an den Inhalt erinnere, ist wohl ziemlich sinnbildlich dafür, welchen Eindruck das Werk bei mir hinterlassen hat. Ich erinnere mich durchaus an eine sehr sympathische, weibliche Hauptfigur, erinnere mich aber auch, dass ich mich ziemlich für die Interaktionen zwischen ihr und dem namensgebenden männlichen Protagonisten geschämt habe.

Ich habe mich leider nie genug mit Kiesow als Person auseinander gesetzt, um mir ein Urteil darüber bilden zu können, in wie weit der Mann die Darstellung von Sexualität in seinen Werken als unterhaltsam erlebt hat, oder ob es ihm eine Art Bedürfnisbefriedigung war, so darüber zu schreiben. Die Darstellung von Sex fand ich weder übertrieben hart, noch berührte sie in irgendeiner Form meinen Fetischnerv (das ist die persönliche Fremdschamader in meiner Schläfe, die immer dann platzt, wenn Leute ganz, ganz hart ihren eigenen Fetisch bedienen). Ich erinnere mich aber daran, dass ich fand, dass man die Handlung wahrscheinlich mit 150 Seiten weniger hätte aufschreiben können, ohne dass dem Leser ernsthaft was verloren gegangen wäre, hätte man Kiesow vor dem Schreiben nur unter eine kalte Dusche gestellt. Das fand ich im ersten Roman, den ich von ihm gelesen habe ("Die Gabe der Amazonen"), auch. Nur dass mir die sexuelle Darstellung dort übergriffig vorkam. In "Die Gabe der Amazonen" wird dem Hauptcharakter schließlich von einer ziemlichen Brunhilde Tod-durch-Snu-Snu angetan und einer der "Helden" vergeht sich an einer geistig verwirrten Frau ohne Erinnerungen, die er mit Verweis auf "Streunergeheimnisse" anweist, nichts davon weiterzuerzählen ... yeah, allright, my man ...

Generell, was geht in DSA-Romanen mit Sex? Schlimmer als Kiesow selbst ist nur Barbara Büchner. Ich verweise nur auf den "lachenden Henker" ...

Alrik Normalpaktierer
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R001: Der Scharlatan

Ungelesener Beitrag von Alrik Normalpaktierer » 10.10.2018 20:34

Ich verstehe dein Erschrecken, aber ich denke, für die Erklärung muss man schon einmal eine historisierende Perspektive einziehen, also Kiesow als Kind seiner Zeit verstehen. Ohne biografische Details zu kennen: von den Lebensdaten ist er 68er, hat also als Heranwachsender eine Gesellschaft erlebt, in der jede Darstellung von Sexualität stark tabuisiert und reglementiert war sowie später (teilweise gezielt als Tabubruch aufgezogene) Alternativen. Kiesow hat möglicherweise allein in der Schilderung von Frauen, die ohne Scham nackt sind, schon ein fortschrittliches Frauenbild verwirklicht gesehen - ohne dass ihm aufgefallen wäre, dass kein großer gesellschaftlicher Fortschritt besteht, wenn der Wert dieser Frauen dennoch von ihrer Attraktivität für seine männlichen Figuren abhängt.

Die Popkultur war auch in den 80ern und 90ern größtenteils von einem "männlichen Blick" geprägt, so dass auch da, wo Frauen als Akteurinnen auftraten, patriarchale Interessen durchklangen. Deswegen war auch in der Popkultur der 80er und 90er sexuelle Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt gegen Frauen, viel verbreiteter und wurde auch stärker als normale Möglichkeit wahrgenommen, erzählerisch sexuelle Zuneigung zu beschreiben, als das heute der Fall ist. Deswegen sind die von dir beschriebenen Umstände damals vermutlich weniger ins Auge gestochen.

Bei deiner Beschreibung von "Die Gabe der Amazonen" muss ich an "Blade Runner" denken, der gerade fünf Jahre älter ist. In diesem Film verunsichert der männliche Protagonist (Deckard) eine weibliche Figur (Rachael) in ihrer Persönlichkeit zutiefst, indem er ihr offenbart, dass sie eine Replikantin ist. Dann überwältigt er sie körperlich, um sie zu einem Kuss zu zwingen. Obwohl diese Szene für das heutige Auge wirklich verstörend wirkt, ist sie nicht dazu gedacht, Deckards Schwächen als Person zu zeigen oder erzählerisch auszudrücken, dass er sie als Replikantin nicht als fühlendes Wesen achtet - im Gegenteil hat die kürzlich erschienene Fortsetzung unterstrichen, dass er Rachael liebt und das soll mit dieser Darstellung von sexueller Gewalt ausgedrückt werden.

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