Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

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nestarioio
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von nestarioio » 06.10.2018 14:44

Vorsicht Potentielle Spoiler zum 4ten Orkensturm

Hallo Zusammen,

Ich habe ein paar Probleme mit dem finanziellen Hintergrund von Städten. Bevor ich meine Fragen stelle erst einmal zum Hintergrund:

Ich orientiere mich am offiziellen Aventurien mit ein paar Modifikationen:

Der 4te Orkensturm ist ein wenig "ausgeartet" Die Orks haben die größten Teile Albernias besetzt und die Bevölkerung als Sklaven genommen. Havena ist eingekesselt und die letzte Bastion der Menschen des Fürstentums. Das Kaiserreich ist mit den Orks im Norden, den Reiterhorden im Süden und den Schwarzmagiern im Osten beschäftigt. Die Lösung des Problems: Eine Bande glorreicher Helden die mit Hilfe einiger Söldnerarmeen einen Wiederstand gegen die orkischen Besatzer begründet.

Zu den Orks: Ihr Ziel in Albernia sind uralte Ork Artefakte in ganz Albernia. Um diese zu bergen wurden die Menschen des Landes die nicht in den Schlachten um die Städte gefallen sind versklavt und müssen nach den Geheimnissen der Vergangenheit der Orks graben. Gold und Schätze interessieren die Orks nicht, solange sie nicht für den Aikar und seine Ziele interessant sind.

Meine Fragen:

1. Meine Helden haben Winhall zurückerobert und halten das Umland zwischen Gemhar im Westen, dem Tommel in Norden und Osten bis Aran. Wieviel Geld können meine Helden an Unterstützungsleistung durch die Bevölkerung Winhalls erwarten? Ich gehe davon aus das die Helden theoretischen Zugriff auf den Gesamten Steuer- und Zollerlös der Stadt haben.

2. Der Wiederstand steht vor der Eroberung Honingens und die Söldner wollen bezahlt werden. Wieviel Geld erwartet die Helden in Honingen? Ich kann leider nicht einschätzen wie prall der Säckel einer Mittelländischen Stadt durchschnittlich gefüllt ist.

Mein Ansatz:

Code: Alles auswählen

Steuereinnahmen pro Kopf * EinwohnerHoningen / Umrechnungssatz * 3 = Kassenbestand
 
Der "relativ" Landwirtschaftlich geprägte Landkreis Dachau in Oberbayern dient als Vorlage:
 
1.100€ Gemeindesteuereinnahmen pro Einwohner
 
Ich gehe von dem veralteten Umrechnugnssatz von 250 DM = 1 Dukate aus
 
1.100€*2700/125*3=70.000 Dukaten 

Allerdings erscheinen mir 70.000 Dukaten etwas Hoch für Honingen?

Wie sieht eure Meinung dazu aus?

Schon einmal vielen Dank für eure Beiträge :)

Gruß,

nestario(io)

Jadoran
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Jadoran » 06.10.2018 15:16

Söldner eignen sich eigentlich nicht für einen Befreiungs- und Überlebenskampf. Die Befreiten Städte können nicht in der Lage sein, Söldner zu finanzieren, das ist einfach unmöglich. Die Orks werden schon so ziemich alles Gold eingesackt haben, dessen sie habhaft werden konnten.
Selbst wenn die Bewohner einer Stadt sich in 12h-Schichten den Hintern abarbeiten, entstehen dadurch vielleicht wieder Häuser, Brote und Klamotten, aber kein Gold. Wo soll das herkommen? Das kann man sich nur von den Orks zurückholen. Von Orks ausgeblutete Städte können beim besten Willen keine florierende Exportwirtschaft aufbauen. (Es sei denn, durch Handwedelei der Luxusklasse)

Aber Leute kämpfen nicht nur für Geld - das wird in unserer durchmonetarisierten Gesellschaft immer wieder gerne vergessen.

Wenn viele Leute gestorben sind, würde ich die Söldner mit Landversprechungen motivieren. Es müssten nämlich verdammt viele gute bis annehmbare Hofstellen und Dörfer "frei" geworden sein, Söldner ist ein Beruf, denn die wenigsten freiwillig bis Ü35 ausüben, danach wollen sie eigentlich lieber eine Hofstelle haben, ein paar Kinder machen/bekommen und ein Leben möglichst in frieden leben.
Sodann würde ich die Armee durch die vielen taussend Minenarbeiter aufstocken. Die Können mit Hieb- und Stanegnwerkzeugen recht gut umgehen, lassens sich also sehr leicht auf Hieb- und Stangenwaffen umschulen und sind hervorragend motiviert. Irdisch ging es oft sehr schnell, neue Heere aufzustellen, sofern ein paar ordentliche Ausbilder da waren und die Leute Bock drauf haben. Und den dürften sie in Deinem Szenario haben - es ist ja ein "Wir oder Die".
Zuletzt geändert von Jadoran am 06.10.2018 16:55, insgesamt 1-mal geändert.

Jeordam
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Ungelesener Beitrag von Jeordam » 06.10.2018 15:45

Quasi nichts. Modern haben wir 70-80% Steuerbelastung, in Aventurien 10-20%. Obendrein hat Dachau ungefähr dieselbe Bevölkerung wie das ganze Mittelreich westlich des Koschs zusammen. Und Wiederaufbau kostet bares Geld.

Was verfügbar ist, sind Frondienste, Land und Leben. Söldner kann man auch mit Kost und Logis vorläufig durchfüttern, wenn am Ende echte Adelstitel, Freisassenstellen und ähnliche Löhne/Renten warten.
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Andwari
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Andwari » 11.10.2018 11:53

Hallo,
der Bargeldumlauf in Aventurien dürfte vergleichsweise gering sein - sonst müsste jede Bauernfamilie ja im Schnitt hunderte Taler unter der Herdstelle verbuddeln - einfach weil die eine Kuh die das Stückchen Acker pflügt vorhersehbar alle 10 Jahre ausgetauscht werden muss, weil sie verbraucht ist und das Nachfolgemodell richtig was kostet. Städte sind allerdings Zonen, in denen nicht alles per Tauschhandel und bargeldlosem "Ansparen" beim Grundherrn per Naturallieferung geht = Handwerker und sonstige Bürger haben Bargeld.

Allerdings machen die kaum etwas weniger gern, als es einer Zentralverwaltung abzugeben - d.h. die Stadtherren werden selten auf phexlästerlich vollen Truhen hocken, sondern von Anlass zu Anlass eine vom Rat beschlossene Umlage beschließen = wenn die Stadtmauer total bröckelt, wird halt Geld eingesammelt und die repariert - und dann zwanzig Jahre nicht mehr. Zünftige Handwerksbetriebe haben Kapital, sind kreditwürdig und kennen das Geldgeschäft = wenn der Stadtrat entsprechende Wechsel ausstellt, sind die wie Bargeld.

Bei den Orkenzügen ist bemerkenswert, dass die Orks trotz völligem Unverständnis für menschliche Lebensweise eben nicht die Wirtschaft total ruinieren, alles niederbrennen und so plündern, dass keine Grundlage mehr bleibt - für einen schnellen Raubzug wie den "Vierten Orkensturm", der gerade mal ein Jahr dauert und nie auf dauerhafte Besatzung angelegt ist, ist das noch unsinniger als beim Dritten Orkensturm, wo Greifenfurt wenigstens als orkische Nachschubbasis nachvollziehbar vorerst intakt bleiben soll - jeder Kupferkessel und leinener Unterrock, den die Orks in Winhall nicht sofort plündern und abtransportieren, ist hinterher einer weniger in orkischem Besitz = dumm.

Was die Helden an Unterstützung aus der Bevölkerung Winhalls (und des Umlandes!) erwarten können, hängt maßgeblich davon ab, wie die Orks bisher wahrgenommen wurden, was an Grausamkeiten von ihnen zu erwarten ist und wie die Perspektive aussieht - irgendwelche Söldner laufen da im bevölkerungsarmen Randgebiet vmtl. sowieso kaum rum, wenn dann beim siegesgewissen Ensatzheer - aber es gibt hier noch eine Menge Bürger, Gesellen, Ritter und Barone im Umland. Wenn man von denen einiges an Unterstützung eingesammelt hat, kann man vllt. noch ein paar Profis zusätzlich von außerhalb anwerben wollen. Das ist ein richtig riskantes Unternehmen - wenn die Orks tatsächlich ohne ein albernisches Entsatzheer auf den Fersen zurückkommen, werden sie vmtl. die Stadt nochmals erobern und dann abfackeln (oder sich selbst darin verschanzen?) Gut, wer da ein paar irre Thorwaler o.ä. kennt.


Zum Bargeld:
Wenn der überlebende Teil des Stadtrats/Stadtherren-Verwaltung (Winhall) sich entsprechend einsetzt, wäre in meinem Aventurien von den ca. 1200 (erwachsenen) Einwohnern der Stadt kurzfristig ein Bargeldbetrag von 2000 Dukaten sprichwörtlich "auszugraben", alles darüber hinaus führt zunehmend zu Unmut, Widerstand und schädigt mittel- bis langfristig die Stadt. In der Stadtkasse wird nur ein Bruchteil davon vorhanden gewesen sein, d.h. die Orks haben auch nur einen Bruchteil davon eingesackt, wenn sie nicht jeden Handwerksmeister taxiert und ausgenommen haben.
Eine vorher nicht allzu wohlhabende Stadt mit 40 Talern Durchschnitts-Monatseinkommen, also Bruttosozialprodukt von knapp 60000 Dukaten jährlich wäre das ein Drittel eines "Zehnts" - natürlich rechnen die Städter anders, aber die Größenordnung sollte hinkommen .
Honingen ist mehr als doppelt so groß, noch nicht geplündert und wenn die Helden als offizielle "Retter" auftreten können, sollte die Stadt entsprechend viel leisten können - natürlich unter Wehklagen, aber viel besser als erobert werden.

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AngeliAter
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 11.10.2018 14:48

Wenn aber die Orks von großflächigen Plünderungen abgesehen haben, dürfte es auch schwer sein einen Freiheitskampf zu organisieren.. besonders wenn man weiß, das der Adlige als erstes das Volk auspressen wird um die Orks noch mal angreifen zu können.
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Andwari
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Andwari » 11.10.2018 16:40

@AngeliAter
Die Diktion vom braven Ork, der die Leute viel weniger belastet als die bisherige Herrschaft ... klingt ja z.T. bei den Svellttalbesatzern und auch im 3ten Orkensturm in Greifenfurt an. Dabei sollte man aber nicht übersehen, dass auch die Orkanführer Krieg führen, genauso essen und ihre Truppen versorgen müssen - und leider weder Transportmittel noch Nahrungsmittel, Lagerhäuser, Werkstätten noch sonstwas mitgebracht haben = die werden im eroberten Hinterland plündern oder wenigstens massive Kontributionen eintreiben. Von den einfach mal weggeführten Arbeitssklaven, den Blutopfern für ihren Gott und Bedarf an "halborkerzeugenden Tieren" für die Krieger ganz zu schweigen. Ein orkischer Kriegszug wird nicht von allzu vielen orkischen Bauern, Handwerkern, Beerensammlern usw. begleitet - dann wäre das nämlich eine Völkerwanderung und kein in einem Jahr abgehandelter Feldzug wie beschrieben.

Ein menschlicher Kriegsherr mit Unterstützung der regionalen Verwaltung hat einen massiven Vorteil: Er weiß, dass Sägewerksbesitzer Reto reich ist und kann entsprechend gezielt dem mehr Unterstützung abnötigen als der Holzfällerin Selinde.

Die örtlichen menschlichen Adeligen sind für ihre Untergebenen vor allem eins: einschätzbar. Das unterscheidet positiv vom Ork. Orkische Raub- und Kriegszüge gehen erfahrungsgemäß vorüber, die adelige Herrschaft bleibt bzw. kehrt zurück - und dass das diesmal mehr als ein paar hundert Orks sind und ob tatsächlich die Chance einer dauerhaften orkischen Besatzung besteht, kann Alrik Winhaller ja gar nicht einschätzen.

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AngeliAter
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 11.10.2018 18:49

@Andwari
Komisch, all die Punkte welche du anführst treffen auch ein Land im Kriegszustand zu, Plünderungen, Vergewaltigungen, Mord aus Spaß/Frustablassen, Arbeitssklaven.. ja, sowas gab es in der menschlichen Geschichte zu jedem Jahrhundert. Das einzigste was fehlt sind die halborkischen Bastarde aber menschliche Bastarde hat man auch geschafft.
Aber eines stimmt, Orkische Kriegszüge gehen vorüber, der Adel mit seiner Ausbeutung, Vergewaltigung und Co, der bleibt.
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Na'rat
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Na'rat » 11.10.2018 19:23

AngeliAter hat geschrieben:
11.10.2018 18:49
Aber eines stimmt, Orkische Kriegszüge gehen vorüber, der Adel mit seiner Ausbeutung, Vergewaltigung und Co, der bleibt.
Doch sehr, sehr, sehr modern gedacht und voller Klischees. Nebenbei bemerkt, 50% des Adels besteht aus Frauen. Da wird es mit der Vergewaltigung irgendwie ein wenig schwieriger, auch wenn es immer noch möglich ist.

@Thema:

Solche Überlegungen sollte man schnell sein lassen, führen bei DSA nur zu massiven Kopfschmerzen. Zumal man in der Gegend eher seinen eigenen Heerbann aufstellt, statt Söldner (wo auch immer die so schnell und in ausreichenden Mengen herkommen sollen) anstellt. Was für den Spielleiter den zusätzlichen Reiß hat, diverse lokale Streitigkeiten mit den den Mix zu werfen.
Adliger A will nicht neben Adligen B kämpfen, beide hassen sie Adligen C usw.

Bei den ganzen Steuerrechnungen ist auch nicht zu vergessen, dass ein Großteil davon in Naturalien vorliegt und seine Söldner mit 100 Fässern Bier zu bezahlen eine richtig blöde Idee ist - von der schwierigen Logistik mal ganz abgesehen. Beim Orkeneinfall dürfte dann auch alles mitgenommen oder abgefackelt worden sein was auch nur entfernt von Wert war. Der ganze Apparat der Steuereintreibung dürfte auch gehörig gelitten haben.
Witzigerweise sind die mit der Steuereintreibung dann wieder der Adel.

Für die Söldner ist es einfach, werden die nicht bezahlt, gegen einen Feind der keine Aufgabe akzeptiert, sie hauen ab oder verschanzen sich in der stärksten Befestigung die sie finden können.

Andwari
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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Andwari » 12.10.2018 09:30

Kommt halt massiv darauf an, was man spielen will. Kabinettkriege oder 30-jähriger Krieg, heldenhafte Abwehr vom Orkeinfall oder schmutzigen Rassen- und Klassenkampf?

1. Jede Ansammlung von "Militär" ist schon in Friedenszeiten eine wirtschaftliche Belastung, weil Leute zusätzlich ernährt werden müssen, diese eine Waffe in der Hand halten und vmtl. nicht gerne "karg" dahinvegetieren - oder es fehlen wegen Kriegsaufgebot Hände um daheim zu helfen.
2. Ein kurzer Krieg belastet weniger als ein sich lange dahinschleppender Krieg.
3. Das eigentliche Militär sind ein sehr geringer Anteil der regionalen Bevölkerung - die können nicht nebenher noch selbst flächendeckend jeden Heuschober in hundert kleinen Ansiedlungen durchsuchen. Je eiliger ein Heer unterwegs ist, um so unvollständiger wird es sich am Land bereichern können. Man kann natürlich Gebäude und Felder niederbrennen - aber satt wird der marodierend Söldner/Ork davon nicht, wenn die Dörfler schon überwiegend geflohen sind.
4. Söldner können auch in Naturalien "bezahlt" werden - denn die brauchen täglich Dünnbier, Grütze, warme Decken, Schuhe usw. - es ist eigentlich nur eine Frage, wie das organisiert wird. Je mehr nachvollziehbare Methode und natürlich auch Logistik dahinter steckt, um so eher kann man lokale Überforderunen vermeiden. Das ist immer ein Thema, sobald man mehr will als 6 Wochen im Jahr (zwischen Aussaat des Sommergetreides und Ernte des Wintergetreides) mit dem regional zusammengezogenen Heerbann seinen kleinen Krieg zu veranstalten.

Wer nicht schon eine überwältigend große militärische Macht hinter sich versammelt hat, wird in dem Szenario sehr oft auf Überzeugen und auf den Effekt öffentlicher Auftritte/Reden würfeln müssen. Das Versprechen, dass man hier das Schlimmste abwehren wird, der Gegner besiegt wird und dann wieder alles wird wie vorher (Prinzip Hoffnung) hilft jeweils dem, der gerade redet - dass das auch der Orkhäuptling sein kann, der den Leuten erklärt, dass sie es gar nicht so schlecht haben, wenn sie ein paar Sklaven und Blutopfer stellen und ansonsten ihren quasi-Zehnt abliefern = unbestritten. Allerdings ist die orkische Lebensweise nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für gutes Verwaltungshandeln und von einfachen Leuten als erträglich empfundenes Beherrscht-werden. Genau das haben die DSA-Autoren öfter sehr rosaplüsch gemalt.

@Stadtkasseninhalt
Generell sehe ich beim Inhalt der Stadtkasse eher dahin ein Problem, dass Spieler in DSA oft darauf getrimmt sind, den Taler für ein großes Stück Reichtum zu sehen. Ein paar Gegenbeispiele:

- ein zünftiger Handwerksmeister mit einem Altgesellen, vier Gesellen, fünf Helfern und einem Lehrling hat in seinem Betrieb monatliche Lohnkosten (incl. seinem eigenen Unternehmerlohn) von ca. 600-900 Talern. Maurer, Zimmerleute usw. können nicht allein arbeiten - das wären hier 2 Gruppen, natürlich gibt es auch kleinere Betriebe. Einen ordentlichen Teil davon muss er tatsächlich auszahlen - oder noch seinen eigenen Brotzeittisch, Waschservice usw. betreiben, der auch was kostet, nur nicht bargeld. Die "Rücklagen" eines solchen Betriebs zum Abfangen von jahreszeitlichen Schwankungen, Zahlungsmoral der Kunden, Reparatur des Werkstattdachs alle X Jahre usw. müssten durchaus bedeutend sein. Wenn eine Werkstatt nur 1000 Dukaten gekostet hat und nach 40 Jahren komplett neu zu errichten wäre, sind schon das jährlich 25 Dukaten - die werden z.T. in kürzeren Intervallen in Renvoierungen gesteckt, aber halt nicht jährlich sondern in 5-10-Jahres-Rythmus. Solches Vermögen liegt vmtl. überwiegend in harter Münze oder Wechseln rum und eben nicht als "ich kriege vom Bäcker noch Brot im Wert von ..." - wir sind ja in einer Stadt und nicht beim autark lebenden bornländischen Grundherrn auf seinem Gut.
- eine Stadt besteht u.a. aus einigen Dutzend solcher Handwerksbetriebe und ist selbst noch ein Großbetrieb - zwei Dutzend Angestellte als Steuereintreiber, Tor- und Brückenwachen, Ausrufer, Marktaufsicht, Kanalarbeiter, Zeughauswärter, Hafenmeister, Ratsschreiber, Rattenfänger, Lageristen, Bauhofarbeiter usw. kommen schnell zusammen - wenn einiges davon von örtlichen Betrieben erledigt wird, wollen die auch aus Steuermitteln bezahlt werden. In der Stadtkasse liegt bei aller Absicht, das zu minimieren also nicht nur Geld für größere städtische Aufgaben, sondern auch fürs Tagesgeschäft. Einige Steuerzahler werden ihre Abgaben nicht monatlich oder gar wöchentlich leisten (wie die Ausgaben anfallen), sondern saisonal - kaum eine Stadt wird unter 500 Bauern haben, die halt im Herbst zahlen = Naturalien liefern. Einen Teil der Naturalsteuern (z.B. 50 Fass Apfelschnaps) wird die Stadt intern und extern verkaufen - und für die externen zahlt der Großhändler, Wirt o.ä. mit Geld.

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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 12.10.2018 14:40

Wird schon seine Gründe gehabt haben wieso Söldner gerne eine Stadt geplündert haben um ihren Sold einzutreiben. Ja, das gesamte Vermögen einer Stadt ist schon enorm wenn man keine Rücksicht darauf nehmen muss wen das eigentlich überhaupt gehört (hat).
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Ungelesener Beitrag von erik » 12.10.2018 17:26

Bei uns in der Wildermark-Kampagne wirft eine Stadt von ca. 1000 Einwohnern in etwa 750 Dukaten monatlich ab. Davon etwa 65% wären in Naturalien, Dienstleistungen, o.ä. einzutreiben (und die meisten Naturalien natürlich halbjährlich, aber wir rechnen jetzt gerade einmal auf den Monat herunter). Sagen wir also es bleiben etwa 260 Dukaten monatlich in barer Münze. Natürlich müssen davon Menschen bezahlt werden, sei es der Haushofmeister (20D), die Garde (30 Mann à 3,5D), eine Köchin (4D) und eine Magd (4D). Legen wir bei den Gehältern etwa 50% Naturalien zu Grunde, kommen wir auf (20+30*3,5+4+4) * 50% = 133 * 0,5 = 66,5D. Bleiben also ca. 193,5 Dukaten monatlich an barer Münze übrig. Und das ist eine Stadt in der Wildermark, in der es nicht ganz so rosig wie im restlichen Mittelreich aussieht, in der das Handwerk unter der Bevölkerungsflucht, den unsicheren Handelswegen, usw. leidet, vom Handel selbst ganz zu schweigen...
Ich finde aber die knapp 200 Dukaten schon ganz stattlich für eine 1000 Einwohner Stadt. Ne Söldnereinheit bekommt man damit jetzt so schnell nicht finanziert, aber es ist ja auch nur eine einzelne Stadt in der Wildermark ;)

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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Jadoran » 12.10.2018 19:10

@Andwari: Die Hinweise zum Geldfluss (oder bwl-mässig: Cash-Flow) einer Stadt und der Handwerksbetriebe sindwirklich hilfreich. Aber um in einer Aventurischen Stadt - und sei es ein Winzding wie Zweimühlen - eine buchhalterisch vernünftige Geldflussrechnung und GuV aufzustellen, gibt DSA einfach nicht die Basis her. (Erst recht nicht, wenn man H&K verwendet) Da fehlt es einfach an der Qualität der Daten, und nach vielen Stunden Arbeit hat man kein qualitativ besseres Ergebnis als es mit etwas Zufallsfaktor und Augenmass zu handwedeln.
Ich würde mir die groben Gedanken machen, die Du schon aufgezählt hast, um das Augenmaß zu behalten.

Und wenn die Orks auch nur zehn Prozent der arbeits/waffenfähigen Bevölkerung getötet oder verschleppt haben...
Wenn die Ernte 20% schlechter oder besser als im Vorjahr ausfällt...

Es gibt so viele Variablen, das das ganze oft mulitiplikativ verknüpft beeinflussen. Für das Rollenspiel am Tisch ist es besser, einfach zu sagen: Es sind X+Y*W20 Dukaten.

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Steuereinnahmen und Stadtkassen im Mittelreich

Ungelesener Beitrag von Eldoryen Gammensliff » 14.10.2018 23:12

Ich habe mich immer grob an die eine Angabe aus DSA 4 Zeiten gehalten: Ein einfacher Handwerker erwirtschaftet im Mond einen Überschuss von ca. 5 Dukaten. Die habe ich dann als "Durchschnitt" genommen. Davon kann der Lehnsherr/Stadt ca. 10% "Abgaben" (Stadtsteuer, Zehnt) erwarten - also im Götterlauf ca. 6 Dukaten (5x12x0,1=6).

Eine Stadt mit ca. 1.000 Einwohnern dürfte also ca. 6.000 Dukaten zur verfügung haben. Davon nicht alles in Münzen aber doch einen Großteil. (Ein adliger Grundherr müsste weniger Münzen dafür mehr Naturalien haben). Letztlich wird dann die jeweilige Situation entscheiden was davon übrig bleibt. Aber 1.000 - 2.000 Dukaten im Götterlauf kann man sicherlich annehmen.

Gruß.

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