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Moruu'daal: Ideen zur Ausgestaltung, Quelltexte, etc.

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Herr der Welt
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Moruu'daal: Ideen zur Ausgestaltung, Quelltexte, etc.

Beitrag von Herr der Welt » 29.12.2016 20:12

Im Splitter-Thread kam ich schon auf Moruu'daal zu sprechen. Hier sollen daher Ideen oder kreative Beiträge - von mir aus auch Regelergänzungen oder was auch immer jemandem einfallen mag - zu dieser Figur gesammelt werden, wobei das Ziel auch eine reine Sammlung sein kann. Es darf natürlich auch diskutiert werden.

Ich beginne mal mit einer kleinen Geschichte, die Einblick darüber gewährt, wie ich mir Moruu'daal vorstelle, nämlich als einen der letzten Bashuriden.


Die letzten Tage von Lamahria

Der hoch gewachsene Mann schritt durch die weiten Hallen, seine Hallen, deren zahlreiche Bögen und das schier ineinanderfließende Gestein maßgeblich für die Blüte der mahrischen Kultur ist. Zugegeben hatte er gefallen daran gefunden, in Zeiten, als er an solche Nebensächlichkeiten denken konnte… überhaupt richtig denken konnte. Ein blauer Schimmer drang – wie immer – durch das Fenster herein. Es ist das sich in den Lagunen spiegelnde Licht. Der Widerschein der Teiche, Seen und Flüsse, die das ganze Land durchziehen. Das taten sie schon seit Jahrhunderten, auch, als das Land noch höchst fruchtbar und von Grün überwuchert war. Diese Zeiten waren vorbei. Der erodierende Fels drohte die Erde und alle Pflanzen darauf ganz zu verschlingen. Sturmfluten und Hochwasser ersäuften die Wälder oder rissen sie mit sich in die versalzenden Gruben. Die gierigen Fluten verschluckten immer mehr dessen, was ein Zeitalter lang das Herz der Welt war, ein wahres Paradies. Die Priester selbst riefen das Unglück auf sich herab – auf sich und ihre törichten Diener. Die ärmlichen Kreaturen sollen die Auserwählten gewesen sein? Vernichtend schlugen sie, die Mahre, selbst die Krakonier Wahjads. Sie drängten sie in den Abgrund, wo sie neue Mächte kennenlernten. Nun schienen die Mahre die gleichen Mächte für sich entdeckt zu haben. Aber woher sollten sie all das wissen, die einfachen Sterblichen?
Für ihn selbst war Sterblichkeit nur ein interessantes philosophisches Konzept, dass es zu ergründen galt, um all seine Dienerkreaturen zu verstehen, sich nicht gänzlich von ihnen zu entfernen. Die Seinen hatten lange schon diese geringste aller Fesseln abgeschüttelt, von denen die Mächte, die die Toren als Götter verehrten, den Völkern der Welten allerhand aufbürdeten. Und so wie Sterblichkeit und Alter, der unaufhaltsame Verfall, die inneren Schranken darstellten, so bildete das unerbittliche Vergehen der Zeit die äußeren Schranken. Aber auch diese hatte er zu überwinden gelernt. So alt seine Art bereits war, das vermochten bisher nur die wenigste. Eigentlich war er einer der letzten unter jenen, die schon Völker, die bereits vom Antlitz Deres getilgt wurden, als „Die Alten“ bezeichnete – oder Wörter mit ähnlicher Bedeutung in den verschiedensten Sprachen. Für die furchtsamen Fischigen und Amphibien, die die Länder und Meere noch immer so zahlreich bevölkerten, war er der Zauberkönig, also mehr ein Titel, als überhaupt die Wahrnehmung eines Volkes. So weit war es schon gekommen. Aber für die Meereswesen waren auch die grünen Flammen Zeichen einer höheren Macht, die sie nie verstehen würden. Daher fürchteten sie sie wohl zurecht. Sein Blick reichte stets weiter, viel weiter. Seine Vorgänger, Söhne und Töchter vom Geist Baan’Bashurs, so wie er selbst, entzündeten sie: Die Flammen von Shaa’Naas’Bar, ein Wort, so alt wie die Welt und voller Macht in jeder einzelnen Silbe. Sie waren der Schlüssel, die Ketten der Zeit zu lösen, sie zu sprengen und sich von ihnen zu befreien… eine weitere Schikane der hohen Mächte, die die Gestaltung der Welt durch niemanden als durch sich selbst wünschten.
Nur er war noch übrig, die Zeit zu durchblicken, wenn er die Feuer beschaute. In ihnen ruhten Zukunft und Vergangenheit. Doch vermischten sie sich, dass ein gewöhnlicher Geist sie nicht zu trennen vermag, ja, so sehr brennen sich die Visionen in seinen Geist, dass er dazu nie mehr in der Lage sein wird, niemals mehr Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheiden kann und sich schier in der Zeit aufzulösen beginnt. Wie viele haben sich prüfen lassen durch den Ofen der Ees’Kah‘tes – wieder so ein Wort geschlagen aus machtvollen Ursilben; wenn man die rechte Sprache kennt… Und nur, wer diese Sprache und die Namen kennt, dem beugt sich der Irrsinn selbst, den die Glut ausstrahlt. Ihn konnte nichts derartiges täuschen. Er war bestimmt zu herrschen. Wie die anderen Träger des Dritten Auges zuvor, all jene, die die Mahre und somit auch die von ihnen unterworfenen und mit ihnen verbrüderten Völker als Zauberkönige und Hohepriester von Shaa’Naas’Bar verehrten. Eigentlich lebten sie nie lange genug, um mehr als einen zu erleben. Moruu’daal hatte lange geglaubt, dem Ruf zu folgen, den er inzwischen für ein Echo aus weiter Vergangenheit hielt.
Er durchschaute sie alle: Die Priester, die sich wie ihre Götter gegeneinander zu erheben begannen. Die Untiere, groß und schrecklich, dass sich die Meere selbst auftun und alles zerschmetternd zusammenfließen, wenn sie sie es wollen und sich nur regen. Immer mehr von ihnen erwachen, manche schon vor Urzeiten erschaffen, dienten sie in früheren Kriegen, als Erde und Himmel noch andere waren. Den Wandel der Dinge, den drohenden Fall von Gottheiten, die die Weltgewalten mit sich rissen und… das Meer der Finsternis, das das alte Wahjad wieder zu neuem, bösartigen Glanz führen könnte. Immer größere Umbrüche zeichneten sich ab. Immer dunkler wurde die Kraft der Karribis, die in die Welt drang, Mahlströmen gleich, die aus der schwärzesten Tiefe dringen. Töten sollte er alle ihre Priester, doch war das Gleichgewicht nun schon so fragil… Die Götter hatten ihre Abgesandten bestimmt, die Träger ihrer Macht. Erst sperrten sie die Sterblichen in ihre winzigen, begrenzten Hüllen, dann loctken sie sie mit ihren Kräften, auf dass sie sich erwählt wähnen… Und doch nur benutzt werden. Er könnte sie alle vernichten. Doch würde das geschasste Land endgültig dem Erdboden gleichgemacht – von einer Macht, die selbst der goldene Pyrdakor nicht überwinden konnte… oder wollte. Aber, wenn er ehrlich wenigstens zu sich selbst war, so wüsste er nicht, ob er das Herz des Sturms noch bändigen könnte. Denn auch sein Blick… die grünen Feuer zehren ihn immer mehr aus. Zu ungenau schienen die Zeiten zu sein. Es drohte ein Karmakorthäon, in dem sich die größten Mächte neu formierten und formten. Auch ihn, den größten der Zauberkönige Lamahrias, den Hüter des Sturms selbst, könnte es zu viel kosten, so weit zu sehen, die sich faltenden Ebenen zu überschauen, gar einzugreifen und über das Schicksal der höchsten Mächte zu bestimmen. Das hat noch niemand gewagt, es wäre wirklich ein Wagnis wert, wenn…
Eine Möglichkeit gab es. Beinahe zufällig – aber gewiss nicht zufällig, so gut kannte Moruu’daal das Werden und Vergehen der Dinge – erhaschte ein anderer Herr Lamahrias vor ihm einen Blick in eine ferne Zukunft… oder eine fernere Vergangenheit. Es gab oder wird geben ein Horn, gefertigt aus dem Urstoff der Sphären. Es war die Zeit der Schwarzen Mahre gewesen, aus der diese Vision stammte. Daal’gorul‘ban, der vormalige Zauberkönig, erkannte in der Macht, der sie folgten, eine Bedrohung für ihn und ganz Lamahria. Vor allem aber für die Herrschaft seines Volkes. Vielleicht war es sogar das gleiche, unbenennbare Wirken des Goldenen Gottes, das angeblich das Volk der Trolle fast gänzlich auslöschte. Selbst Moruu’daal kannte nur bewahrtes Wissen, das sich in Legenden wandelte, selbst was sein eigenes Volk betraf. Doch was über die Schwarzen Mahre berichtet wurde, ist alles eindeutig, frei von lästigen Widersprüchen, jedenfalls für seinen kundigen Verstand. Dennoch war das Bild mit ihnen oder dem Goldenen Gott selbst verbunden. Mag es IHM gelungen sein, die anderen Götter derart zu übertreffen? Denn irgendwann in Zukunft oder Vergangenheit – oder beidem? – unterwirft sich die höchste Macht der Meere: Karribis, die alle anderen überwinden kann oder sie sich Untertan macht. Wer oder was vermag sie zur Dienerin zu degradieren?
Moruu’daal war an seine Grenzen gestoßen. Sein Auge begann zu schmerzen und trüb wurde sein Blick, der die dünnen Schleier durchschaute, die die unzähligen Geheimnisse dieser Welt umwickelten. Als er zuletzt in die Feuer blickte, verlor er beinahe das Bewusstsein, konnte die Gedanken, die seinen Geist durchschossen nicht fassen. Einzig die drohende Ahnung, die anderen, die sich nur Seher nannten, ohne es wirklich zu sein, schon deutlich gewisser schien, war geblieben: Die Wende der Weltzeit läutete einen Untergang nie gekannten Ausmaßes ein. Er musste Genaueres wissen. Er brauchte nur mehr Leiber, die astralen Gefäße, die den Funken der Schöpfung bergen. Die Sterblichen opferten sie zu gerne ihren Göttern. Was anderes als ein Gott war er, der über die Seelen verfügen konnte, über einen anderen Urstoff der Schöpfung? Seine eigene hatte er längst befreit – und in eigene Gefäße gebannt, fern vom Zugriff jeder anderen Macht. Und sollte es eine versuchen, wüsste er es bereits. Denn auch die Götter Genannten können die Zeit nicht überwinden. Und auch Moruu’daal kannte seine Grenzen.
Wenige Tage waren vergangen, als die Nachricht Moruu’daal erreichte, um die er bereits wusste. Zu viele Botschaften erreichten ihn, sehr viel mehr, als seine maritimen Diener ihm je vermitteln könnten. Er konnte sie kaum recht ordnen, geschweige denn, seinen Feinden noch so zuvorzukommen, wie er es bisher immer tat. Sie zu zerschmettern, noch bevor sie ihren Verrat beschlossen haben. So wie seine Vorfahren die hohen Mächte selbst betrügen konnten, indem sie ihr all-durchblickendes Auge schufen, welches geringere Geister ironischerweise für ein Geschenk der Götter hielten. Moruu’daal wusste es besser, auch wenn er längst nicht mehr alles wusste, sondern viel zu wenig. Es war, als überschlug sich die Zeit, bündelte sich, um ihm kraftvoll entgegen zu wallen, ihn endlich überwinden zu können, nachdem er sie so lange geknechtet hatte. Ein Bild ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er wusste nicht zu sagen, wann er es sah – es hätte ebenso ein Traum im Schoße seiner Mutter sein können. Doch da war dieses Mädchen. Ein Kind bloß, das es wagte, ihm ungebeugt gegenüberzutreten, sich bis auf wenige Schritte zu nähern. Doch, so meinte er sich zu erinnern, die strafenden Worte, die gegen Unwürdige gerichtet zugleich ihr verdienter Fluch waren, blieben ihm auf der Zunge liegen, denn in ihrem Blick lag ein Trotz, vor dem er, Moruu’daal, zurückschrak. Vielleicht sah er sie auch in den Flammen – das, was sein wird. Lag sein Palast nicht in den Trümmern einer versunkenen Welt? Spiegelte sich nicht sein nach Jahrhunderten unter Wasser zu Korallen geronnenes Gesicht in der Sanduhr, die sie in der Linken hielt, bevor das Bild darin verschwamm, weil Blut darüber rann? Ihm war es so, als verfolgte ihn das Bild in seinen Träumen…
Die Priester der nehmenden Tiefe hatten obsiegt. Die Zeit des Gebenden war vorüber. Die Söhne Krakons haben sich einer anderen Macht hingegeben. Yonao hat seinem Bruder das Volk gestohlen. Doch hätte er das nicht von eigener Kraft bewirken können. Schon gar nicht, nachdem ihn der Abgrund formte, in den er irgendwann einmal gedrängt wurde. Nichts hätte ihn über Krakon obsiegen lassen können. Die Stöße durch Sphären und Gestirne bezeugten aber Größeres, Näheres, nicht so Fernes, das schon geschehen ist. Es sei denn, auch das waren Echowellen. Sollte es Karribis selbst sein? Die Erdbeben, die Lamahria seit Tagen verwüsteten und zerrütteten, die Seebeben, die die Landmassen auffraßen. Das alles waren nur geringe Eruptionen, Nachbeben jenseitiger Erschütterungen. Er sah Krakon und Yonao, wie dieser sich als jener ausgab. Und er vernichtete die Diener Krakons und Yonaos in ganz Lamahria. Wenn aber Karribis sich dahinter verbarg… Wenn sie selbst jenem Abgrund entstiegen ist und Yonao nur vorschob, um alle zu täuschen. Dann hätte Moruu’daal zu viel Kraft für nichts und wieder nichts verschwendet. Warum konnte er es nur nicht sehen? Wahjad erhebt sich – und die Mahre sind sich uneins. Das Lodern wurde stärker und zerrte an seinen Kräften. Wenn er es nicht besser wüsste, er würde sagen: sogar an seiner Seele. Keiner der Priester kann die Wasser so manipulieren und entfesseln wie Moruu’daal. Wenn irgendein Schatten über seiner aufgespaltenen Seele läge… Niemand hat darauf Zugriff. Wieso hat er dann in den Feuern sich selbst gesehen… verändert. Was band ihn an die Tiefe? Und wieso war das einzige, wovor er sich jemals gefürchtet hat, wofür er dieses Gefühl erst entdecken musste: Warum war es ein kleines Mädchen? Welche Macht trieb da ihr Spiel mit ihm. Ausgerechnet jetzt, wo er sich schwächer fühlte als je zuvor. Es stand in den Feuern, er musste es dort gesehen haben. Er trat der Macht selbst gegenüber, sie forderte ihn heraus, die Last all der... Ja… so fand sich alles zusammen… Karribis war der Schlüssel. Doch er würde nicht Wahjad oder den Priestern Lamahrias erlauben, ihm zuvorzukommen. Das hat noch keiner vermocht. Sollten die ihre Seelen wegwerfen in die endlosen Tiefen. Moruu’daal stand längst darüber. Er, der unsterblich war und die Zeit selbst beherrschen konnte, der sich Meer und Wind zu Untertan machte, wie es sonst nur Effir beliebt. Warum sollte er um seine Seele fürchten? Schon die Drachen kannten das Geheimnis, ihr Selbst zu bewahren, auf alle Zeit vor den gierenden Mächten zu sichern. Er hatte das perfektioniert. Natürlich, denn er sah, was gewesen ist. Und nun weiß er, was sein wird. Effir wird untergehen und nur noch der Schatten einer Macht sein. Karribis aber erhebt sich bereits. Und sie musste lange hungern, wenn sie tatsächlich so tief gefallen sein sollte. Sie wird sich verzehren nach seinem Leib wie nach nichts Anderem. Doch niemals soll sie ihn kosten dürfen. Wenn es dauern sollte, bis der letzte Stein seines Palastes abgetragen ist von Wassern, die vielfach die Meere schon durchflossen, dann forderte die Zeit den falschen heraus. Er sah es… sah es tatsächlich. So klar wie lange nicht mehr: Das Horn der Karribis zum Greifen nahe vor sich. Das war der Schritt, den er allen anderen voraus sein würde. Wie immer.

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