ilaris Ilaris - Fragen & Antworten

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Zornbold
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Ilaris - Fragen & Antworten

Ungelesener Beitrag von Zornbold » 20.07.2018 13:09

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Alrik der Schmied
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Ilaris - Fragen & Antworten

Ungelesener Beitrag von Alrik der Schmied » 10.08.2018 22:53

Hallo ihr fleißigen Bienchen,

meine Gruppe hat nun einen Ilaris-Testballon gestartet und wir sind gleich über ein paar Dinge gestolpert.


Ich fange mal mit den Eigenheiten an. Wir haben bisher noch nicht mit einem Element wie diesem gespielt und sind dementsprechend unerfahren.

Die Situation war folgende:
Ein SC (Feuerelementaristin) hat die Eigenheit "Ein Feuer brennt in mir." was sich auch in leidenschaftlichen Zornesausbrüchen ausdrücken soll.

Ich habe die Eigenheit als SL angespielt:
Ein SC (Elf) hat was dummes gesagt, die SC (Elem.) hat sich beleidigt gefühlt, also habe ich einen Schip für einen Wutausbruch in der Taverne vergeben.
Sie hat ein paar Krüge zerdeppert und dadurch mit dem Wirt einen Streit angefangen.
Weil sie ihren Wutausbruch aber aufgrund der gefühlten Beleidigung durch den Elf bekommen hatte, hat sie versucht, den Wirt davon zu überzeugen, dass jener SC an dem Schlamassel schuld sei und für den Schaden aufkommen soll.
Eine erschwerte Probe war erfolgreich, der Wirt würde sich am nächsten Morgen den anderen SC vorknöpfen.
An dieser Stelle haben wir das Spiel beendet, um zu diskutieren. Sollte ja nur ein paar Mechanismen testen.

Jetzt zum Problem:
In diesem Fall hat die Feuerelementaristin den Schip bekommen, der Elf den dazugehörigen Ärger. Kann ja eigentlich nicht im Sinne des Erfinders sein.
Im ersten Moment war unser Gedanke, dass der Ärger auf den jeweiligen SC begrenzt sein sollte.

Aber:
Im Regelwerk sind auf Seite 11 im Kasten ein paar Beispiele zum Ausnutzen der Eigenheiten genannt.
Die Thorwalerin benimmt sich auf der
Feier im Jagdschloss eines Barons daneben. Dieser
ist verärgert und dem Bittgesuch der Gruppe wenig
aufgeschlossen (Proben -4).
Hier wird der Ärger auf die gesamte Gruppe ausgeweitet, bleibt also auch nicht bei dem einen Thorwaler SC alleine.

Gibt es hier von eurer (oder von anderer berufener) Seite Tipps im Umgang?

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Aeolitus
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Ilaris - Fragen & Antworten

Ungelesener Beitrag von Aeolitus » 10.08.2018 23:32

Es freut mich, dass ihr euch entschlossen habt, Ilaris auszuprobieren!

Meine Gedanken zu dem Thema:
Zum einen: Einen Schicksalspunkt würde ich eher nicht vergeben, wenn der dadurch entstehende Nachteil durch eine simple Probe wieder loszuwerden ist. Es soll daraus schon ein kleiner, spürbarer Nachteil entstehen - so wie aus dem Einsetzen eines Schicksalspunktes hoffentlich ein spürbarer Vorteil wird. Vielleicht bekommt sie beim nächsten Mal einfach die ungemütlichste, lauteste Kammer als Zimmer und tut kaum ein Auge zu? Das kann schon ganz schön Kopfschmerzen machen - und liegt einzig und allein daran, dass der Wirt sauer auf sie ist.

Zum anderen: Die Feuerelementaristin hat ja durchaus weiterhin Ärger - mit dem Elfen statt dem Wirt. Auf Dauer würde ich da ziemlichen Krach in der Gruppe vermuten, wenn die Magierin dem Elf ständig ihren Ärger aufbrummt. So, wie auch die Thorwalerin vermutlich Ärger mit ihrer Gruppe bekommen wird, wenn bei jeder Verhandlung der Gegenüber immer verärgert ist.

Es ist absolut so, das viele Eigenheiten nur sehr schwierig anspielbar sind, ohne gleich auf die ganze Gruppe zurückzufallen - wenn der kleptomanische Fassadenkletterer im Schlafzimmer des Barons erwischt wird, fliegt nun mal die ganze Gruppe aus seinem besten Gästezimmer und nicht nur der, ders Verbockt hat. Wenn der Praiot beschließt, sich am Stadttor von Khezzara zu erkennen zu geben anstatt sich reinzuschleichen, haben alle ein Problem. Für den Meister kann sowas total angenehm sein, weil es ja die ganze Gruppe in eine gewünschte Szene bringen kann - aber manchen Spielern gefällt es nicht besonders, wenn ihr Charakter einfach so in Probleme gebracht wird.

Generell würde ich dir als Meister dann empfehlen, die Eigenheiten eher öfter mal so anzuspielen, dass sie nur den einzelnen Helden betreffen. Abgesehen davon würde ich zumindest darauf achten, den Spielern ins Gedächtnis zu rufen, warum sie Ärger haben - zum Beispiel könnte der Baron am Ende der Verhandlungen den Charakter mit dem höchsten SO beiseitenehmen, um ihm zu sagen, dass er ja eigentlich ein ganz netter Kerl sein. Wenn er sich nur in etwas besserer Gesellschaft bewegen würde, hätte man einen viel besseren Preis machen können...
Am Ende willst du erreichen, dass sich die Spieler nicht von dir unfair behandelt fühlen, sondern das ganze als Konsequenz eines ausgespielten Nachteiles des Charakters sehen. Denn das ist es schließlich auch - egal ob durch die Eigenheit in Ilaris oder durch den Nachteil "Jähzornig 6" in DSA 4.1.

Caya von Bachinger
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Ungelesener Beitrag von Caya von Bachinger » 11.08.2018 09:58

Auch bei uns trifft eine negative Eigenheit hauptsächlich den betreffenden Charakter/Spieler. Allerdings wird normalerweise natürlich die restliche Gruppe auch davon beeinflusst, wenn ein Charakter sich "daneben" benimmt, genauso wie ein positiver Aspekt von Eigenheiten natürlich auch für die gesamte Gruppe vorteilhaft sein können.

Für das Ausgestalten der Eigenheiten und auch deren Einsatz kann ich dir sonst das Fate Core Regelwerk empfehlen (kostenlos legal downloadbar, leider auf Englisch). Die dort angesprochenen Aspekte + Fate Points sind eine Inspirationsquelle für die Schicksalspunkte gewesen.

Alrik Normalpaktierer
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Ungelesener Beitrag von Alrik Normalpaktierer » 11.08.2018 11:22

Ich versuche es auch mal - sorry, wenn ich dafür bisschen aushole und ins Abstrakte gehe:

Was ist Rollenspielen? Gemeinsames Geschichten-Erzählen.
Was macht eine "gute" Geschichte aus? Nach weit verbreiteter Überzeugung eine Geschichte, in der die Figuren (und ihre "innere Entwicklung") genauso wichtig wie der Plot ("äußere Geschichte") und eng mit dieser verknüpft ist.

An diesem Punkt hat das typische DSA-Kaufabenteuer Schwächen. Es geht davon aus, dass beim Spiel in jeder Gruppe mehr oder weniger derselbe Plot abläuft. Es werden gelegentlich Vorschläge für unterschiedliche Problemlösungsmöglichkeiten gegeben, die den Plot jeweils voranbringen, aber wenig Hinweise darauf, welche Bedeutung das Geschehen für unterschiedliche Charaktere haben könnte. (Ein Grund, warum die 7G-Kampagne so beliebt ist: durch die Zeichen wird der Plot unmittelbar mit den Charakteren verknüpft und das äußere Geschehen mit ihrer Entwicklung eng verbunden.)

Aspekte/Eigenheiten dienen dazu, diese Schwäche aufzufangen. Sie setzen regeltechnische Anreize, im Spiel (der Geschichte) die Figuren gegenüber dem Plot aufzuwerten.

Wer gute Beispiele sucht, wie eine Geschichte mit intensivem Eigenheiten-Spiel in der Praxis aussehen kann, findet sie im Fernsehen: vergleicht mal ein paar Folgen Xena oder Hercules mit The Librarians oder Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. Obwohl letztere auch Abenteuer-Serien sind, in denen Probleme bewältigt, Gefahren abgewendet und Bösewichter bekämpft werden, sind die Schwächen, Beziehungen und Sorgen der Figuren (also typische Aspekte oder Eigenheiten) in der jeweiligen Folge genauso wichtig wie das Monster of the Week (und tragen auch oft zum Plot bei). Bei den älteren Beispielen kamen zwar gelegentlich "alte Bekannte" vor, aber im wesentlichen kamen die Helden in irgendein Setting mit einem Problem, haben das gelöst und sind dann - selbst weitgehend unverändert - weiter gezogen.

Die Frage ist natürlich, ob man so spielen will. Dafür muss man natürlich bereit sein, Schwächen seines Charakters oder Konflikte innerhalb der Gruppe auch intensiv zu bespielen (was auch Zeit in Anspruch nimmt, so dass der Fortschritt im Abenteuer vielleicht geringer ausfällt). Ich finde es großartig und würde auf jeden Fall dazu raten, aber es ist Geschmackssache.

Auf die konkrete Situation angewendet finde ich Aeolitus' Vorschlag sehr praxisnah. Soll der Elf den Ärger mit dem Wirt haben, aber sich der/die Spieler/in des Elfen dann auch ernsthaft die Frage vorlegen: Was für einen Einfluss hat das auf seine Beziehung zur Elementaristin? Oder - um die Gruppe mit einzubeziehen - ist der Elf vielleicht zu weltfremd, um zu verstehen, was passiert, aber andere Gruppenmitglieder machen der Elementaristin zum Vorwurf, seine Weltfremdheit auszunutzen? Reibung zwischen den Charakteren kann sehr gut für die Geschichte sein, wenn die Spielgruppe zwischen Streit im und außerhalb des Spiels gut trennen kann :-)

Alrik der Schmied
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Ungelesener Beitrag von Alrik der Schmied » 11.08.2018 17:44

Es freut mich, dass ihr euch entschlossen habt, Ilaris auszuprobieren!
Freut mich auch! :ijw:
Ich habe mich zuerst nicht so wirklich für Ilaris interessiert, da ich Kleinteiligkeit bei Regelwerken anziehend finde (dachte ich). Ilaris schien mir recht grob.
Als ich dann immer mal wieder im Forum mitgelesen habe, wurde ich neugierig.
Man kann sagen: ich habe es nur deswegen probiert, weil ihr alle, die ihr bei Ilaris mehr oder minder involviert seid, schnell und kompetent antwortet.
Die Gedanken, die z.B. Curthan ausbreitet, haben mich mehrmals zum nachdenken gebracht und ich habe festgestellt: vieles was ich vorher rundheraus abgelehnt habe, ergibt bei näherer Betrachtung Sinn, und vieles was ich bisher toll fand, bremst auch unser bisheriges Spiel.

Also:
Es freut mich, das ihr euch entschlossen habt, Ilaris zu entwickeln! Danke dafür.
Gehört aber eigentlich unter Kritik & KOMPLIMENTE.

Ich glaube, ein paar mehr Beispiele und erklärende Worte zu den Eigenheiten würden mir den Zugang deutlich erleichtern, sowohl was das entwickeln, als auch, was das anspielen betrifft. Muss ja nicht zwingend ins Kernregelwerk, aber so als Ergänzung (von Fans für Fans) vielleicht für viele ganz nett.
Für das Ausgestalten der Eigenheiten und auch deren Einsatz kann ich dir sonst das Fate Core Regelwerk empfehlen (kostenlos legal downloadbar, leider auf Englisch).
Wie ist es denn mit dieser Seite?
http://faterpg.de/fate-core-downloads/#Regelwerke
Die behaupten auch, es sei kostenlos und sogar auf deutsch... was mir als eingefleischten Englisch-Verweigerer sehr entgegen käme.


Ich danke euch auf jeden Fall vielmals für eure Antworten und verbleibe in untertänigster Verehrung eurer Geistesschärfe,

Alrik der Schmied

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Ungelesener Beitrag von Alrik Normalpaktierer » 13.08.2018 21:42

Ja, das stimmt, FATE gibt es komplett kostenlos und optimiert für die Darstellung auf mobilen Endgeräten...

Von Alrik zu Alrik: ich kann dich gut verstehen. Der Reiz an Ilaris ist, dass sehr klare Überlegungen zu spaßförderndem Spiel angestellt und konsequent als Designprinzip verwendet wurden. Auf diese Überlegungen kommt man nicht zwangsläufig von selbst, auch nicht bei langjährigem Rollenspielen.

Mein Tipp für den Einstieg mit Aspekten ist: Betrachtet Aspekte zuförderst als einen Wunschzettel der Spielrunde an die Spielleitung (bzw. aneinander): Worum soll es in der Geschichte gehen, die ihr erzählen wollt?
Das Spiel mit Schicksalspunkten und Aspekten/Eigenheiten wird von Ilaris nicht besonders stark gefördert. Sie sind relativ wenig mit dem übrigen Regelwerk verzahnt und man könnte Ilaris spielen und dennoch darauf verzichten.
Es ist also vielleicht nicht der optimale Weg, um in dieses Konzept hinein zu finden. Eine Alternative wäre vielleicht, ein paar Proberunden mit einem FATE-Derivat zu bespielen. Das klappt prinzipiell auch in Aventurien - eine (pulpige) Themenrunde in TurboFATE aufgesetzt und los gehts. Mit dieser Übung hat man dann die besten Chancen herauszufinden, ob das Spiel mit Aspekten dem eigenen Geschmack entspricht und hat dann ein gutes Gefühl dafür, wie sie sich in Ilaris einsetzen lassen.

Als Rückmeldung zum Regelwerk stimme ich dir zu: eine Fußnote mit einem Link zu einem der vielen Artikel über das Spiel mit Aspekten (auch wenn mir gerade nur solche auf Englisch einfallen, *husthust*) würde gar nicht schaden.

Alrik der Schmied
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Ungelesener Beitrag von Alrik der Schmied » 15.08.2018 11:16

Verstehe ich Dich richtig?
Für das (bessere) Spiel mit Aspekten / Eigenheiten sollte man zum Ursprung der Eigenheiten gehen und FATE direkt spielen?
Ich hatte jetzt eigentlich nicht vor, mich (und Gruppe!) zusätzlich noch in ein weiteres Spiel einzufuchsen.

Ich hatte sogar gehofft, dass es mit Ilaris leichter geht, da das ganze ja eine abgespeckte Variante eingebaut hat.

Der Tipp mit dem Wunschzettel an die anderen klingt sehr gut. Probiere ich mal. Danke Dir.

Das Spiel mit Schicksalspunkten und Aspekten/Eigenheiten wird von Ilaris nicht besonders stark gefördert. Sie sind relativ wenig mit dem übrigen Regelwerk verzahnt und man könnte Ilaris spielen und dennoch darauf verzichten.
Hervorhebung durch mich.

Ich habe nicht den Eindruck, dass man darauf verzichten könnte. Ist ja schließlich die einzige Möglichkeit, Vor- und Nachteile (Eigenheiten halt; klasse Benennung übrigens) im DSA-Sinne einzubringen. Es sei denn, man hausregelt jede Menge und baut wieder Nachteile ein, die bei der Generierung Punkte bringen.
Ich fand die Designer Note, dass man die Vorteile und Nachteile nicht bei der Generierung gegeneinander aufrechnen sollte, sondern beim Ausspielen "verrechnet", einleuchtend.

Naja, ich befasse mich mal weiter mit dem Thema :)

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Curthan Mercatio
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Ilaris - Fragen & Antworten

Ungelesener Beitrag von Curthan Mercatio » 15.08.2018 20:57

Ich denke, im Fate-Regelwerk ist sehr gut beschrieben, wie Eigenheiten wirken sollten und was sie können sollen. Dem wird dort wesentlich mehr Platz eingeräumt als in Ilaris, weil es dort das zentrale Element ist. In Fate sind Aspekte allgegenwärtig, im Vergleich dazu sind sie in Ilaris eher situativ und kommen immer wieder vor - aber eben nicht ständig. Das war denke ich mit dem "relativ wenig verknüpft" gemeint.

Falls man sich also unsicher ist und mehr Erklärungen benötigt, kann man dort sicher auch nachschlagen. Spielen muss man es deswegen natürlich nicht, denn insgesamt ist Fate schon ein Rollenspiel mit deutlich anderen Prämissen, auch was Aspekte betrifft.
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