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DSA4 [MI] Schleiertanz - wie macht man es weniger unsexy?

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Illumni
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[MI] Schleiertanz - wie macht man es weniger unsexy?

Ungelesener Beitrag von Illumni » 14.03.2018 19:01

Hallo Freunde, ich meistere für meine kleine Gruppe demnächst das Abenteuer Schleiertanz.

Ich habe mich entschieden es als Stand-Alone zu spielen. Ein bisschen Hintergrund: Meine Spieler sind allesamt Mitglieder einer magokratischen Quabalya, die in ihrer Jagd nach Wissen und Artefakten auf Donations Hinterlassenschaften stoßen und sich das Haus aus eigenem Antrieb unter den Nagel reißen. Den Subplot mit Sybia und dem Tempel habe ich gestrichen, zugunsten mehr Eigenmotivation der Gruppe. Die haben ehrliches Interesse an Donations Rätsel, weil sie nach dem untergegangenen Yerkesh fahnden. Überhaupt werde ich viel umschreiben und das ein oder andere Szenario streichen und durch Eigengebräue ersetzen (vor allem die Geister von Barbrück - bescheuertes Konzept)

Da der epische Hintergrund der Splitterkampagne für uns daher irrelevant ist, möchte ich mich vor allem auf die Aspekte der Oron und Belkelel-Thematik konzentrieren. Was da im Abenteuer an Material gegeben wird, finde ich enttäuschend. Zu einem Oron-Abenteuer gehören meiner Meinung nach die Themen Sexualität, Macht, und Moral vs Freiheit. In Schleiertanz gibt es da ein paar Traumszenen und Szenen, rein aus der Perspektive des männlichen Gaffers, man darf Drogen nehmen und ein oder zwei (oder zehn) Meisterpersonen wollen den Helden an die Wäsche. Im Pfauenpalast darf man einer Frau dabei zusehen, wie sie sich für die Menge auszieht, aber besser nicht, denn da kann man sich ja am besten wegschleichen - na toll. Auch der Tempel der Belkelel ist ein wenig, hm, unspektakulär. Na gut, dass ist auch schwerer Stoff. Aber ich finde das Abenteuer vernachlässigt die tatsächliche Verführung der Helden und ist im Großen und Ganzen frei von Sinnlichkeit.

Wie kann man das ändern? Ich überlege, anstelle der Geister von Babrück ein Szenario zu entwerfen, in dem sich das Artefakt in aranischen Kultistenkreisen befindet. Vielleicht Levthan? Eine interessante Grauzone zwischen Rahja und Belkelel, finde ich.

Was ist für euch die Essenz der Belkelel? Wie kann man sie für Helden interessant machen? [In meiner Gruppe gibt es keine Geweihten oder super zugeknöpfte Typen, fast alle sind Aranier]
Die BDSM-Optik der alten Spielhilfen fand ich nie so gelungen. Aber wenn es um böse weibliche Sexualität geht, ist die kastrierende Peitschenschwingerin halt schnell heraufbeschworen, denke ich. Habt ihr andere Ideen? Meine Spieler sind größtenteils männlich und eher gewohnt, die konsumierende Partei bei sexuellen Themen zu sein (ich Held, ich rette Frau-NPC ---> ich schlafe mit Frau-NPC). Könnte man diese Erwartungen im Matriarchat Aranien nicht nett auf den Kopf stellen?
Gibt es Meister, die in ihren Abenteuern öfter explizite Szenen einbinden, ohne dass sie zu Schenkelklopfern oder reiner Pornographie verkommen?
Wäre dankbar für eure Ideen und eure Gedanken zu Belkelel und der rollenspielerischen Umsetzung.

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Feuer!
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[MI] Schleiertanz - wie macht man es weniger unsexy?

Ungelesener Beitrag von Feuer! » 14.03.2018 20:04

Zuallererst einmal solltest du im Vorfeld genau mit deinen Spielern abklären, wie sehr ihr als Gruppe ins Detail gehen wollt und ob es Tabuthemen gibt, die gar nicht angespielt oder erwähnt werden sollten.

Ich kenne das AB übrigens nur aus Spielerperspektive, und es ist eine Weile her.
Die Idee, einen Levthanskult mit einzubauen, finde ich gar nicht schlecht. Gerade in Aranien könnte man auch gut einen Hexenzirkel (oder meinetwegen auch eine allein handelnde Hexe) einbauen, die sich ihre "Opfer" per Verführung und Manipulation gefügig macht und z. B. ihre Lebensenergie so auffüllt (z. B. mit dem Zauber Levthans Feuer), da Hexen in Aranien deutlich anerkannter und normaler sind als im Mittelreich.

Belkelel geht es vor allem um Macht, und um ihre eigene Befriedigung ohne Rücksicht auf die Partner. Wie das jeweils von den Anhängern ausgelebt wird, kann ganz unterschiedlich sein. Psychische Manipulation, Demütigungen, Gewalt ... (Und Belkelel muss nicht nur die böse weibliche Sexualität sein; soweit ich mich erinnere, ist Belkelel ein Zwitterwesen und hat mit Sicherheit auch genügend männliche Anhänger.)

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chizuranjida
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[MI] Schleiertanz - wie macht man es weniger unsexy?

Ungelesener Beitrag von chizuranjida » 15.03.2018 00:43

Levthan ist nicht zwingend besser. Bei dem geht's ja los mit dem Mythos, wie er Satuaria vergewaltigt hat, meine ich. Levthantempel sind aus gutem Grund in aller Regel geheim. Wenn man z.B. die Beschreibung vom Levthan-Tempel in Al'anfa liest: von rituellen Schändungen bis Dämonenbeschwörung, alles was selbst in Al'anfa weit jenseits des Mainstreams liegt. Wobei die rituelle Schändung von Sklaven in Al'anfa vermutlich sogar völlig legal ist, nur das mit den Dämonen vielleicht nicht so.

Der Übergang ist zumindest fließend. In Oron gab es ja auch diesen Ferkina-Männerbund, der Levthan oder Lev'tann oder sojemandem zu Ehren vergewaltigend durch die Gegend zog, und aus der Zeit der Magiermogule gibt es ein Zitat mit einer Göttin Baalat Khelevatan.

Ein Vorteil an Levthan ist natürlich, dass das nicht offensichtlich nach Dämon klingt. Zweitens, betont männlich, was für deine Runde vielleicht ansprechender ist: Lass die Sau raus, wie der Ferkina nach dem Frauenraub, wie der Söldner in der besiegten Stadt, wie der Bronnjar mit der Leibeigenen - es steht dir zu, und die haben noch dankbar zu sein.

Lorlilto
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Ungelesener Beitrag von Lorlilto » 15.03.2018 01:10

Ich sehe Belkelels Kernaspekt darin, dass sie (und ihre Anhänger) die Grenzen ignoriert, die im Rahja-Glauben gegeben sind.
- Während der Rausch bei Rahja eine Grenze gesetzt ist, bevor es zur Abhängigkeit kommt, wird bei Belkelel die Sucht in Kauf genommen.
- Während bei Rahja gemeinsamer Lustgewinn bzw. gegenseitiges Lustbereiten das Ziel ist, suchen Belkelel-Anhänger nur die eigene Lust, wenn nötig auf Kosten anderer.

Levthankulte dürften auch mMn einen geeigneten Einstieg in Richtung Belkelel darstellen, da in diesen Kulten viel mehr damit gespielt werden dürfte, möglichst weit an die Grenzen zu gehen. Da werden dann eben die Wunschpartner auch mal mit Rauschmitteln oder Magie dazu gebracht, auch zu wollen, und fragen sich später womöglich, warum sie das jetzt getan haben. Aber echte Gewalt (die also über SM in gegenseitigem Einverständnis hinausgeht) sollte dort mEn auch nicht auftauchen, jedenfalls nicht in Kulten, die von der Rahjakirche noch akzeptiert werden.

Und wenn SCs daran gefallen gefunden haben, könnten sie mit einem anderen "Levthan"kult in Kontakt kommen, der in Wirklichkeit der Belkelel verfallen ist. Und was dort alles passieren könnte, hat das irdische Vorbild zu Donation Alrik von Terilia in seinen 120 Tage von Sodom beschrieben (zu dem es auch eine aventurische Entsprechung gibt). Also alles, was den Phantasien sadistischer Personen entpringen kann, kann dort anzutreffen sein. Und auch bei den Beschreibungen der Belkelel-Dämonen im Tractatus Contra Daemones kann ich mich an mindestens eine Szene erinnern, die man als Inspiration für oronische "Veranstaltungen" verwenden kann.

Was die Beschreibung von expliziten Szenen angeht, tue ich mich in meiner Gruppe eher schwer, da ich das Gefühl habe (dass wir hauptsächlich online spielen trägt da vermutlich zu bei), dass meine Spieler sich damit nicht so recht wohl fühlen. Also Schenkelklopfer-Atmosphäre haben wir eigentlich nur, wenn allgemein über Sex Witze gemacht werden, aber nicht wenn es um sexuelle Szenen geht. Ein sehr intensives sexuelles Ereignis (in einem Rahja-Tempel) habe ich mal versucht, rein über die Gefühlsebene des SC als spirituelles Erlebnis zu beschreiben, ohne genauer darauf einzugehen, was im Detail zwischen den Teilnehmern passiert. Das schien mir besser funktioniert zu haben, da die Spielerin so mehr Freiraum für ihre eigenständige Vorstellung hatte.

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Ungelesener Beitrag von hexe » 15.03.2018 09:36

chizuranjida hat geschrieben:
15.03.2018 00:43
Levthantempel sind aus gutem Grund in aller Regel geheim
In Baburin steht ganz offiziell ein Levthan Schrein, der sicher auch Hexen bekannt ist. Männer suchen den Schrein auf, wenn ihre Manneskraft nachlässt oder bitten darum, dass sie erhalten bleibt. Frauen bitten um einen passenden Liebhaber für sich oder andere. Pärchen wünschen sich Kinder, verkörpert Levthan doch die männliche Zeugungskraft.

Jadoran
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Ungelesener Beitrag von Jadoran » 15.03.2018 10:44

Der Kern von BEL ist nicht-einvernehmliche, leidenschaftliche Machtausübung. Mit SM hat es eigentlich nichts zu tun, weil nur das Sadistische bleibt und von "safe, sane & consensueal" nicht die Rede sein kann. Sinnlichkeit ist die Domäne von Rahja, und bei dieser sind auch alanfanische Spiele anzusiedeln, solange alle Teilnehmer Lust empfinden und freiwillig dabei sind. Wenn nur Freiwilligkeit vorliegt - z.B. weil man bezahlt wird - dann verurteilt Rahja das zwar nicht, aber gefällig ist es ihr auch nicht.
Die Grauzone befindet sich da, wo Abhängigkeit und Hörigkeit ins Spiel kommen, Beteiligte sich etwas vormachen oder vorgemacht bekommen, unter Drogen gesetzt oder bezaubert werden. Die Aranaische Hexe, die den Levthansfeuer auf einen ihr gefälligen aber eigentlich nicht an ihr interessierten Mann wirkt etwa ist schon sehr dunkelgrau.
Wirkt sie statt dessen Satuarias Herrlichkeit, steigert sie stattdessen nur ihre eigene Atraktivität und es ist immer ncoh die freie Entscheidung des anderen, ob er sich verführen läßt.

Sexualität am Spieltisch füllt ganze Threadarchive... wahrgenommener Konsens ist: Das muss jede Gruppe am Tisch für sich selbst auskungeln.

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Rosencrantz
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Ungelesener Beitrag von Rosencrantz » 15.03.2018 21:51

Jadoran hat geschrieben:
15.03.2018 10:44
Sexualität am Spieltisch füllt ganze Threadarchive... wahrgenommener Konsens ist: Das muss jede Gruppe am Tisch für sich selbst auskungeln.
Das.

Ich habe das Abenteuer vor einigen Jahren geleitet und kann bestens nachvollziehen, was du meinst. Da es ja beim Rollenspiel um den gemeinschaftlichen Spielspaß geht, musst du mit den Spielern vorher abklären, wie weit du gehen kannst. Ich habe aber sowieso die Erfahrung gemacht, dass mittlerweile in quasi allen Mediem immer 'Sex sells' als oberste Maxime gehandelt wird und fast schon eine Abstumpfung sexueller Thematiken existiert.

Belkelel-Priester(innen) sind Meister der Verführung. Verführung kann man in diesem Kontext mal getrost wörtlich interpretieren. Das ausgewiesene Ziel von Belkelel ist es, zu pervertieren - Schönes in Unschönes umzuwandeln, Gesundes in Ungesundes umzuwandeln und durch die Erniedrigung dieser Prinzipien sich selbst zu erhöhen. Sie haben kein Gewissen: anything goes. Das ekelhafte, womit man bei der Darstellung von solchen Figuren häufig aneckt, ist eben der Bruch von Konventionen, das Eliminieren von Normalität und Ersetzen durch Abnormalität.

Helden sind in DSA quasi per Definition die handelnden Figuren. Auf Ohnmacht reagieren die meisten Spieler mit Trotz oder Missmut. Um einen Belkelel-Kult allerdings glaubhaft darzustellen, muss man Spieler an das Konzept der Handlungsunfähigkeit heranführen, und ihnen Situationen aufzeigen, in denen sie hilflos sind. Gegen die plündernde Meute Levthansjünger mit der Keule bestehen Helden in aller Regel mit Bravour und auch die verführende Peitschendomina ist nach einer Weile entlarvt und verliert ihren Schrecken. Wie also handhaben?

Wenn deine Spieler nicht gerade Freunde eines Super-He-Man-Spielstils sind, dann haben sie ihre Charaktere mit Schwächen ausgestattet. Das müssen nicht nur regeltechnische schlechte Eigenschaften sein, sondern Dinge, die 'nach klassischer Theorie' in ihrer Extremausprägung für ein Ungleichgewicht sorgen. Diese verlorengegangene Homöostase wiederherzustellen ist der Moment, in dem Belkelel falsche Versprechungen der Erlösung machen kann und die Helden 'vom richtigen Weg abkommen'.

Ich hatte in der Kampagne sehr rechtschaffene Charaktere, die sich prinzipiell nie etwas hätten zu Schulden kommen lassen. Der Borongeweihte hatte im Verlauf der bisherigen Kampagnen einige Verluste einstecken müssen, der Magier hatte eine weiße Weste und mangellose Reputation, auf die er sehr stolz war.
Mit Einverständnis der Spieler habe ich an diesen Charakterkonzepten gerüttelt; dem Boroni beschrieben, dass er sich gut hätte vorstellen können, in einer Konfrontation auch zu unterliegen (wenn es knapp war), dem Magier beschrieben, wie sehr er die anerkennenden Blicke seiner Ummenschen genießt und wie es wohl wäre, wenn diese eines Tages ihre Augen abwenden würden.
Ich habe die Charaktere sukzessive an Unsicherheiten herangeführt und ihnen beschrieben, wie viel Erleichterung sie durch die Fortschritte in der Kampagne empfinden. Ich habe die Vorteile ihrer Handelsweisen unterstrichen, die stetiger werdende Abhängigkeit von Routinen eingeführt. Ich habe ihnen sukzessive den unterstützenden Einfluss ihrer Wirkweisen zum Zwang gemacht; dem Magier beschrieben, er wäre sich nicht mehr sicher, ob er eine Zauberei aus pragmatischen Gründen oder Einheimsung von Schmeicheleien durchgeführt habe.

Zu einer 'Katharsis der Unsicherheit' ist es aber auch durch Anhäufung von Verführungspunkten nicht gekommen. Prinzipiell denke ich, dass irgendwann konkrete Weisungen kommen sollten, die aber nach aller Möglichkeit so vage und undurchschaubar wie möglich gestaltet werden sollten, um Charaktere wirklich zu 'verführen'.

Zumindest so kann man sicherstellen, dass Helden auch bei erfolgreichem Verlauf des Plots immer auch Niederlagen einstecken müssen, wenn sie sich selbst irgendwann nicht mehr gerecht werden und Dinge plötzlich aus reinem Selbstzweck oder aus Angst durchführen - verhalten also, das Belkelel gefällig gilt, weil es Moral kaschiert und irgendwann Situationen generiert, in denen wirklich alle Partizipanten im Netz des Zwangs tanzen, der Folterer wie der Gefolterte.

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