[MI] Thorwaler Spielberichte - "Skaldensänge"


Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 14.09.2014 15:49 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Skaldensänge

Im folgenden Spielbericht sind Meisterinformationen zu dem Abenteuerband "Skaldensänge" enthalten. Diese Abenteuer werden von einer reinen Thorwaler-Themen-Gruppe bestritten, die sich Ende Heimamond zum ersten Mal in Südthorwal in dem kleinen Küstendorf Lervik, nördlich von Kendrar, treffen. Zu der Heldengruppe gehören Walkir Raskirson, ein Rekker der Ugdalfskronir in Thorwal, sein Bruder Askir Raskirson, ein Swafnirs-Diar aus Thorwal, Thure Tryggvarson, Galdmader der Halle des Windes zu Olport, der Jäger Orm Ormsson, die Kundschafterin Korja Frenjadottir und die Sviksaekona Branja Ragnarsdottir.
Thorwalsche Begriffe und Eigennamen siehe Regionalband "Unter dem Westwind" und Wiki Aventurica.

Das Sturmkind

Skaldensang

Lervik, Ende Heimamond, 2662 nach Jurgas Landung (Ende Efferd 1035 BF)

In der einzigen Schänke des kleinen Küstendorfes Lervik, in der Region Thorwal, kehrten an diesem Abend die Brüder Askir und Walkir Raskirson ein. Die Beiden kamen gerade aus Kendrar und hatten beschlossen ihre Zeit in Südthorwal mit einem ordentlichen Thin Premer Feuer zu begießen. Der Plättling war gut besucht, und die Tische der nostrianisch eingerichteten Schänke waren mit den hochgeschossenen, stämmig gebauten Bauern der Gegend besetzt. Vandred Randresson, der Veitingamader, der die Ähnlichkeit der Beiden sofort erkannt hatte, begrüßte den fremden Swafnirs-Diar, ein nur eins-achtzig Schritt großer Thorwaler mit einem mit drei Kinnzöpfen gezierten weißblonden Bart und einer Narbe, die das milchig-weiße, blinde rechte Auge betonte, während das andere Blaue mit stechendem Blick die Räumlichkeit betrachtete. Seine langen weißblonden Haare, aus denen zwei Zöpfe auf seiner Brust lagen, umrahmten das schmale Gesicht des Mannes. Gewandet war der Geweihte in lederne Beinkleider, hohe Stiefel und eine blau-weiße Leinentunika. Darüber trug Askir ein langes Kettenhemd, lederne Armschienen und einen blau-schwarzen Umhang aus Seetigerfell. An seinem Gürtel hingen ein Dolch und ein Skraja, sowie der lederne Walhelm, der ihn ebenfalls als Diar auswies. In den behandschuhten Händen trug er einen einfachen thorwalschen Rundschild, mit kunstvoller blau-weißer Bemalung und einen auffallend qualitativ hochwertigen, vermutlich persönlichen Jagdspieß. Und auch sein großen Bruder wurde ebenso freundlich empfangen und der Veitingamader verwies die beiden auf den einzigen freien Tisch, an dem bereits ein leichtfüßig wirkender Thorwaler saß, der nicht in das restliche Gästebild passte, da er definitiv nicht einer der einheimischen Bauern war.
Der relativ kleine Thorwaler war sehr praktisch gekleidet. Neben leichten Stiefeln, einer Lederhose und einer Leinentunika trug er sonst nur leichtes, weiches Leder, das ihn nicht behinderte. An seinem Gürtel befand sich ein Jagdmesser und ein einfaches Beil, sein Kurzbogen stand entspannt neben ihm an die Wand gelehnt. Ein Stirnband hielt seine dunkelblonden welligen Haare aus seinem schmalen Gesicht, das auch durch seinen Vollbart nicht breiter wirkte. Der agile Mann stellte sich den Brüdern als Orm Ormsson vor. Er war Jäger und hatte die letzten Wochen in der hügeligen Heide des Hinterlands bei Skardan nach fetten Karnickeln, Hermelinen und Gelbfüchsen gejagt und seine Beute zu Geld gemacht. Er musterte die beiden Neuankömmlinge und erkannte Askir als Swafnirs-Diar.
Der Größere der Brüder, Walkir, ein weit über zwei Schritt großer Bär von einem Mann, dessen rotblondes Haar in langen, holzperlenbestückten Zotteln hing und dessen langer Bart sein wildes Gesicht mit den aufmerksamen blauen Augen umfasste, war durch sein Amulett als Krieger der Ugdalfskronir in Thorwal zu erkennen. Der in Stahl und Leder gepackte Muskelberg war mit Schneidzähnen, und gleich zwei Orknasen bewaffnet und auf dem linkem Oberarm prangte eine Tätowierung.
Gerade, als Vandred den Gästen ein Thin dunkles Bier und Premer Feuer brachte öffnete sich die Tür des Plättlings erneut. Herein trat ein fast zwei Schritt großer Thorwaler mit dunkelbraunem, gepflegtem, schulterlangem Haar und gestutztem Vollbart. Er trug eine Lederhose mit hohen Stiefeln und eine einfache Leinentunika mit Zierborte, die mit einem breiten Ledergürtel umgürtet war. Unter einem guten, knielangen Ledermantel mit bronzenen Zierschnallen konnte man ein Skraja erkennen und unzählige kleine Gürteltaschen. Ein runenbeschnitzter einssechzig Schritt langer Stab und ein unvollendetes Gandmerki wies ihn als Magier aus. Auch der Galdmader wurde vom Veitingamader zu dem Tisch mit den Helden verwiesen, wo er sich als Thure Tryggvarson vorstellte und bald darauf bekamen sie einen saftigen Hirschbraten serviert.
Gerade, als sich die Fremden gesättigt zurücklehnten und der Abend gemütlich zu werden versprach, schwang die Tür wieder auf und ein kühler Luftzug fegte durch den Raum. Der Neuankömmling war ein Hüne mit eisgrauen Augen. Seine langen weißblonden Haare fielen offen über seine Schultern und Oberarme, die von meisterhaften Tätowierungen verziert waren, während das Gesicht von einem gepflegten, vollen Bart umrahmt wurde. Er trug typische thorwalsche Kleidung und die runenbeschnitze Handharfe an seiner Seite offenbarte ihn als Skalden. Nachdem er an mehreren Nachbartischen abgewiesen wurde trat der Skalde an die Helden heran und sprach mit wohlklingender Stimme: „Mein Name ist Thure Garaldsson, ich bin Skalde und dies ist Godsögnsvanir – 'Legendensänger'.“ womit er seine Harfe meinte. „Sagt, darf ich Euch die Saga von Jandra Sturmkind vortragen?“. Sofort stimmten Askir und Walkir zu, eine gute Saga war jetzt genau das richtige für diesen Abend. Kurz schien der Skalde erstaunt, doch dann zog er einen Hocker heran, stützte die Handharfe auf seinen Schenkel und begann mit angenehm tragender Stimme und im ganzen Raum gut vernehmlich mit den Worten:
„Jandra Havallasdottir war ihr Name. Jandra das Sturmkind ward sie genannt.
Lauschet nun ihrer Geschichte: Havalla Torbensdottir, die Ungestüme, war ihre Mutter. Ihr Vater war Tjaron der Kleine. Und gesegnet von Travia war ihr Bund.“

Gebannt lauschten die Abenteurer dem Skalden und vergaßen über die Saga hinweg sogar ihre Getränke, so einnehmend war dessen Stimme. Plötzlich packten starke Hände den Skalden und zerrten ihn von ihrem Tisch fort. Klingend fiel die hölzerne Handharfe auf den Dielenboden und die Fremden wurden mit unfreundlichen Blicken bedacht, während der Skalde bereits unsanft zur Tür und vor dieselbe befördert wurde. Empört sprang Thure auf und sah sich sogleich zwei Bauern gegenüber, einer sogar mit einem Stuhlbein bewaffnet: „Freunde von DEM werden hier nicht bewirtet!“. Der streitsüchtige Walkir zögerte nicht lange und schon brach eine prächtige Schlägerei im Plättling los. Fäuste und Krüge flogen und Walkir nahm es mit zwei grobschlächtigen Thorwalern gleichzeitig auf! Orm verdrückte sich unter den Tisch, angelte nach der Harfe und schlich sich durch den Tumult nach draußen, um nach dem Skalden zu sehen. Als der Rekker zwei der Bauern schon zu Boden geschickt hatte, stand Askir auf, keiner der Anwesenden würde es wagen einen Swafnirs-Diar anzugreifen und tatsächlich legte sich die Auseinandersetzung. Sichtlich betrübt und verschämt bat Vandred die Abenteurer den Plättling zu verlassen, erstens weil er nicht noch mehr Unruhe möchte und zweitens weil er auch keine Schlafplätze hatte.
Draußen vor der Schänke hatte Orm dem Skalden, der gleichmütig den Banausen im Plättling jedweden Kunstverstand aberkannte, wieder auf die Beine geholfen. Aber auch er konnte ihnen nicht erklären was gerade geschehen war. Da es schon spät war und die Gruppe ein Lager für die Nacht brauchte bot der Skalde ihnen an, ihn zur nahen Ottashjolm der Sturmvogel-Ottajasko zu begleiten: „So sollt ihr Jandra eben persönlich kennen lernen, das wohl!“ und führte sie durch die Dunkelheit etwas außerhalb der Ortschaft zum Strand, wo ein Lagerfeuer die Nacht erhellte. Im Schein der Flammen saß lachend eine große Gruppe Menschen beisammen. Über dem Feuer hing ein saftiger Braten und zwischen den fast vierzig Männern und Frauen gingen immer wieder mehrere Thin herum. Unweit davon lag ein großes Langschiff. Die Drakka, namens Seetiger, mit dem mächtigen hölzernen Drachenkopf am Bug war halb auf den Strand gezogen und wurde vom Feuerschein beleuchtet. Während der Skalde berichtete wie er die Männer kennen gelernt hatte und Gelächter und Spott erntete, wurden sie freundlich begrüßt und mit einen Thin Schnaps ans Feuer gebeten.

Die Ottashjolm

Dann trat lächelnd eine hochgewachsene Frau mit langen rotblonden Haaren auf die Neuankömmlinge zu und ergriff das Wort: "Swafnir zum Gruße. Ich bin Jandra Havallasdottir und darf mich rühmen, Hetfrau dieses betrunkenen Haufens zu sein.“. Jandra begrüßte jeden mit einem festen Händedruck und setzte sich ans Feuer. Der Abend verlief feucht-fröhlich und nicht nur die Abenteurer hatten zu tief in so manches Thin geguckt. Sie erfuhren, dass sich die Sturmvogel-Ottajasko auf dem Weg zu ihrer heimatlichen Ottaskin nahe Auriler befand, um dort den kommenden Winter zu verbringen. Der betrunkene Walkir fand schnell Gefallen an Baerwalla, einer eindrucksvollen Frau, die ihm an Körpergröße und Muskelkraft in nichts nachstand. Die großbusige, nahezu vollständig tätowierte Seefahrerin forderte den aufdringlichen Verehrer sogleich zum Wettsaufen auf, welches Walkir 'Milchbart' haushoch verlor. In seiner Ehre gekränkt kam es zu einem erneuten handfesten Streit, bei dem er zunächst gegen den Mann, der Baerwalla zu Hilfe kam, die Oberhand behielt. Schließlich trat Jandra dazwischen und beendete den Faustkampf. Arne Raskarsson, der Steuermann der Seetiger klopfte dem Rekker auf die Schulter und erklärte ihm, dass er sich gerade an eine verheiratete Frau rangeschmissen habe, was Walkirs Interesse an Baerwalla schlagartig im Keim erstickte.
Schnell war die schlechte Laune wieder vergessen und bald fanden alle, dank des Alkohols Schlaf.

Unterwegs mit Jandra

nahe Lervik, 23. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (23. Efferd 1035 BF)

Am nächsten Morgen erwachten die Neulinge zwischen den schnarchenden Thorwalern und dem niedergebrannten Feuer. Nur einige wenige waren schon dabei das Langschiff zu beladen. Thure hatte sich aufgerappelt und ein Stück von der Ottajasko entfernt. Kurz befeuchtete er seine Hände mit seinem Wasserschlauch und strich über Gesicht und Körper. Niemand bekam mit wie die Luft um Thure flirrte und er sich schüttelte, so dass Staub und Schmutz wie auf magische Art und Weise aufflog. Ungewöhnlich sauber und sichtlich zufrieden kehrte der Magier zu den Anderen zurück, die gerade ihre Sachen packten. Jandra hatte ihnen eine kostenlose Überfahrt angeboten, gegen ein wenig Hilfe an Bord. Natürlich nahmen die Helden von der Abenteuerlust gepackt, das Angebot dankbar an.
Jedem der fähig war, wurde ein Ruderplatz samt Seekiste, für die Habseligkeiten zugewiesen und ein einfacher Rundschild, der außen am Schiff vertäut wurde. Bald darauf schoben kräftige Seeleute die Otta vom Strand herunter und die Hetfrau lies die Seetiger aufs Meer hinaus rudern. Mit steten Ruderschlägen kam die Otta ein gutes Stück von der Küste weg und dann wurden die Riemen eingeholt und das große rot-weiße Segel wurde gesetzt, sodass der kräftige Morgenwind es aufblähte. Stolz richtete der majestätische Drachenkopf der Drakka seinen Blick auf den Horizont und das Langschiff glitt über die Wellen dahin.
Die Seetiger machte gute Fahrt und folgte dem Küstenverlauf nach Norden. Am nächsten Tag sollte der Golf von Prem umsegelt und ein Teil der Premer Halbinsel umrundet werden, so erzählte Arne den interessierten Abenteurern. Gegen Abend lies Jandra die Küste anlaufen und eine Ottashjolm errichten. Hjaldar Waeransson, der Koch verköstigte die Ottajasko mit einem Eintopf aus Gemüse und Fisch, dazu Knackbrot und Birnenmus, während der Skalde weitere Strophen vortrug:

„Fest ist ihr Blick, ihr Ruder sicher.
Ihre Worte sind klar und genau.
Nie gingen wir fehl, wenn das Sturmkind uns führte.“


Später erzählte Arne den Neulingen von Jandra, die schon als junges Mädchen der Ottajasko Glück brachte und die als Hetfrau nie eine falsche Entscheidung getroffen hatte. Das Sturmkind war vom Schicksal zu Großem ausersehen und hatte immer den richtigen Kurs gefunden. Arne war sicherlich der geduldigste unter den Sturmvögeln und teilte gerne am Lagerfeuer sein Wissen mit Thure, Orm, Askir und Walkir. Von dem alten Seebären konnten sie noch einiges lernen.

Im Sturm

Golf von Prem, 24. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (24. Efferd 1035 BF)

Am Morgen hingen dicke graue Wolken am Himmel, doch ein frischer Wind lies die Drakka wieder Fahrt aufnehmen. Jandra stand am Bug der Seetiger und studierte Wolken und Wellen. Gegen Mittag schwand das Tageslicht und das Heulen des Windes nahm zu und der Seegang wurde rauer. Die dunklen Wolkenbänke am Horizont wurden immer wieder von Blitzen erleuchtet. Hastig wurde die Ladung überprüft und Seile festgezurrt und die Ottajasko versuchte sich gegen den Sturm zu wappnen.
Auf der aufgepeitschten See kam die Seetiger den Helden plötzlich klein und zerbrechlich vor. Und während der heftige Wind am Segel zerrte, schlugen die ersten kalten Regentropfen auf das Deck, einige Wellen schwappten über die niedrige Bordwand und grollend rauschte die Gewitterfront heran. Die Besatzung der Seetiger hielt und band sich fest und auch die Abenteurer versuchten an nassem Holz und Seilen Halt zu finden. Der Sturm drohte Schwache und Unachtsame von Bord zu reißen. Nur der Galdmader Thure, der unbewegt auf Deck stand und dem Sturm trotzte, sah, dass auch Jandra Sturmkind stand hielt, das Heckruder fest in der Hand und dem Sturm herausfordernd entgegen brüllend. Als sich der Drachenkopf jäh in ein tiefes Wellental senkte, um ebenso abrupt wieder aufzusteigen, konnte Orm, der als Jäger so gut wie nie auf See war, sein Frühstück nicht mehr bei sich behalten. Hastig drehte er sich zur Bordwand und übergab den halbverdauten Dinkelbrei der aufgewühlte See. Kurz darauf riss eine gewaltige Welle den Swafnirs-Diar von den Füßen und nur durch das Geschick seines Bruders Walkir, wurde er nicht in die dunkelgrauen Fluten gespült. Fast den ganzen Tag war die Seetiger ein Spielball der Gewalten und die Helden mussten sich mehr als einmal davor retten einfach über Bord zu gehen.
Als der Sturm endlich nachließ, wurde sogleich die Küste angelaufen um die Drakka auf Schäden zu überprüfen und wieder seetüchtig zu machen. Während dem wetterfesten Thure manch einer anerkennend auf die Schulter klopfte, wurde der blasse Orm mit dem Spitzname “der Brecher“ bedacht. Da sich schon der Abend neigte wurde erneut ein Nachtlager errichtet und nachdem sich sein Magen beruhigt hatte erklärte sich Orm bereit zusammen mit Garda “Wölfchen“ Norgansdottir die Nachtwache zu übernehmen. Tatsächlich sollte diese Nacht ganz und gar nicht ruhig verlaufen. Kurz nach Mitternacht vernahm der Jäger ein langgezogenes Heulen. Von Neugier und Jagdfieber gepackt schlichen er und Garda über die Dünen weiter in die dahinter liegenden lichten Nadelwälder. Zum Glück hatten sich die Wolken verzogen und der Mond schien hell genug, sodass Orm halbwegs erkennen konnte wo er sich bewegte. In ungefähr zweihundert Schritt Entfernung konnte er die Silhouette eines relativ großen Grauwolfes erspähen, der gerade seinen Kopf hob und ein klares Heulen vernehmen ließ, in das weitere Wölfe einstimmten. Kurz entschlossen und voller Übermut schlich Orm näher an das Tier heran. In einer Entfernung von nur noch vierzig Schritt legte er einen Pfeil auf die Sehne seines Kurzbogens, zielte und schoss. Der Pfeil schlug treffsicher in den Hinterlauf des Wolfes ein, doch Orm zog damit die Aufmerksamkeit eines sieben Tiere starken Wolfsrudels auf sich. Der Jäger zögerte kurz, doch als sich das Rudel wie auf ein Kommando hin auf ihn zu bewegte, wurde er sich der Gefahr bewusst und rannte los. Garda, die das Schauspiel aus einiger Entfernung beobachtet hatte nahm die Beine in die Hand und stürmte Richtung Strand.
Askir, Walkir und Thure, sowie der Rest der Ottajasko wurden von Gardas Alarmrufen geweckt. Schnell waren Walkir und Askir kampfbereit und liefen landeinwärts zu den Dünen. Thure rappelte sich auf, nahm seinen runenbeschnitzten Stab und sprach die Worte: „Flim Flam Funkel, Licht ins Dunkel.“ und schnippte mit den Fingern. Sofort entstand eine strahlende blau-weiße Lichtkugel, die den Kampfplatz ausreichend hell erleuchtete. Kurz darauf stolperte Orm völlig außer Atem aus der Dunkelheit in den Lichtkreis, gefolgt von zwei knurrenden Grauwölfen. Der Rest des hungrigen Rudels brach über die Flanken aus der Nacht und griff Askir, Walkir und Thure an. Der Swafnirs-Diar blockte gekonnt die Angriffe des Wolfes mit seinem Rundschild ab und hielt ihn mit seinem Jagdspieß auf Abstand. Walkir warf sich gleich zwei Wölfen entgegen und teilte wuchtige Hiebe mit seinen Orknasen aus. Thure versuchte seinen Angreifer mit dem Stab auf Abstand zu halten, doch nach mehreren Versuchen durchbrach der Wolf seine Abwehr brachte den Mann zu Fall und verbiss sich schmerzhaft im linken Arm des Galdmaders, der kurz aufschrie. Verzweifelt versuchte Orm den zwei Grauwölfen, die ihm umkreisten zu entkommen, doch immer wieder sah sich der Fernkämpfer schnappenden Reißzähnen gegenüber. Er bemerkte schnell, dass dieses Rudel außergewöhnlich aggressiv war. Als die beiden Brüder ihre Wölfe niedergestreckt hatten, teilten sie sich auf und kamen dem Jäger zu Hilfe. Immer tiefer bohrten sich die Reißzähne in Thures Arm und zerrissen Sehnen und Muskeln, während sich sein Blut mit dem Speichel des Grauwolfes mischte, der ihn mit bösen gelben Augen anfunkelte und seine Beute nicht loslassen würde ehe sie tot war. Just in diesem Moment stürmte Baerwalla rettend mit erhobener Waffe heran und zerschlug den Schädel dieses Wolfes. Erstaunt und erleichtert zugleich lies sich Thure von der gewaltigen Frau aufhelfen. Zum Glück war er konzentriert genug gewesen , sodass der Lichtzauber nicht erlosch und den anderen weiter den Kampfplatz erhellte. Mittlerweile hatten Askir und Walkir die letzten Wölfe getötet und auch der hinkende Leitwolf, in dessen Flanke immer noch Orms Pfeil steckte war gefallen.
Die Wolfstöter wurden bejubelt, doch unter die positiven Stimmen mischten sich auch Kritiken, dass Wolfsrudel erst zum Lager gelockt zu haben. Leichte Verletzungen wurden versorgt, doch an die fürchterlichen tiefen Bisswunden an Thures Arm traute sich keiner der Heilkundigen. Der Galdmader ließ sich am Lagerfeuer nieder, sammelte sich und legte die rechte Hand auf seinen zerfetzten linken Unterarm und sprach den Zauber: „Balsam Salabunde, heile Wunde.“. Langsam begannen sich Muskelgewebe und Sehnen zusammen zufügen, doch die Bisswunde verheilte nicht gänzlich. Erschöpft sank Thure zusammen und schlief ein. Die geflüsterten Stimmen über Alfenkinder und die Strophen des Skalden hörte er schon nicht mehr:

„Das Ruder hielt sie und lachte der See entgegen.
Sturm und Wogen, Wind und Gischt.
Nur Spott hatte sie übrig für jene vier Gesellen.“


Swafnirs Herde

Meer der Sieben Winde, nahe der Premer Halbinsel, 25. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (25. Efferd 1035 BF)

Dichter Nebel lag auf der morgendlichen Ottashjolm als die Thorwaler schweigend das Lager abbrachen und die Seetiger bereit zum Auslaufen machten. Besorgt schaute Arne auf das Meer, schüttelte den Kopf und verschwand an Bord der Drakka. Als die Wolfstöter ihre Sachen packen und Walkir freudig Orm, bezüglich des gestrigen Kampfes verspottete, trat der Skalde zu ihnen und meinte zwinkernd: „Sprecht leiser. Ihr seid von Toten umgeben.“. Auch Askir stimmte dem zu, immerhin weiß jedes thorwalsche Kind, dass der Nebel die auf See Verstorbenen mit sich bringt und wer im Nebel redet macht die Toten auf sich aufmerksam. Jandra entschied sich dessen ungeachtet aufzubrechen.
Dicht und feucht lag der Nebel über dem Meer, das sich grau und dunkel rings um die Seetiger erstreckte. Jandra ließ die Ruderer aufgrund der schlechten Sicht nur langsam fahren. Schwer lastete eine unangenehme Stille auf der Ottajasko, als plötzlich ein sanftes, langgezogenes Heulen durch den Nebel drang. Dann vernahmen sie ein leises Rauschen. Sichtlich beunruhigt blickten die Skipmader in den dichten Nebel, als vor der Otta ein massiger dunkler Leib aus der See auftauchte und eine Fontäne in die Luft blies. Eine große graue Schwanzflosse folgte und peitschte beim Untertauchen das Meer auf. Eine Schule von einem Dutzend Pottwalen tauchte um die Seetiger auf und ehrfurchtsvoll, ließen die aufgeschreckten Thorwaler ihre Waffen sinken. Jandra gab den Befehl den Swafnirs-Brüdern zu folgen. Immer wieder schoben die fast zwanzig Schritt großen Wesen direkt neben der Drakka ihre massigen Körper aus dem Wasser um gewaltige Fontänen in die Luft zu blasen und kurz darauf wieder in den dunklen Tiefen zu verschwinden. Bald lichtete sich der Nebel und die Wale tauchten ab und verschwanden in den blauen Wassern des Meeres der Sieben Winde. Der Skalde ließ es sich nicht nehmen dieses Erlebnis zu huldigen:

„Die grauen Sendboten des Meeres
führten uns sicher aus dem Nebel.
Swafnirs Brüder erboten ihren Gruß.“


Walfänger

Die Seetiger machte gute Fahrt, als Orm bemerkte, dass die Otta sich auf eine dunkle Fläche am Horizont zubewegte. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass die See eine blutrote Färbung angenommen hatte. Sofort wurde die Ottajasko still und viele Thorwaler kramten nervös ihre Talismane hervor. Auch die Abenteurer waren sichtlich beunruhigt und Askir wich geradezu panisch zurück. Was gab es schlimmeres als eine blutende See? Fest davon überzeugt, dass jeder der diese Wasser durchquerte zum Tode verurteilt sei, machte der Swafnirs-Diar sogar Anstalten von Bord zu springen, sollte die Drakka in das blutende Meer gelenkt werden. Viele der Thorwaler waren durch das Verhalten des Diar verunsichert, doch Jandra bestand auf den Kurs und die Sturmvögel folgten ihrer Hetfrau, auch wenn es sie durch ein Meer von Blut führen sollten. Walkir schaffte es nur durch reine Körperkraft seinen Bruder an Deck zu halten, während sich dieser panisch strampelnd in seinen Armen wand.
Lautlos glitt die Seetiger durch ein Meer aus Blut. Blut schwappte an der Bordwand entlang und soweit das Auge sah, schwamm Blut auf der See um sie herum. Schmatzend glitt etwas an der Bordwand entlang und vereinzelt erkannte man schmierige Fleischbrocken, die im Blut trieben. Auf einmal lehnte sich Canka, ein bronzefarbener, kleiner Mann aus dem Süden, aus dem Schiff und fischte etwas aus dem Wasser. Die anfängliche Angst der Mannschaft, vor etwas Unheiligem schlug durch diese Entdeckung in furchtbare Wut um: das abgebrochene Ende einer Harpune, in deren Öse noch ein Stück gerissene Leine hing. Auch Askir fiel schlagartig der Schleier von den Augen. Er und Jandra pressten gleichzeitig nur ein einzelnes Wort hervor: „Walfänger!“

Krampfhaft umklammerte Jandra den Schaft ihres Skrajas “Drachenbiss“, als Zorn in ihren Augen funkelte und sich ihre Handknöchel weiß färbten. Ihr Blick sagte alles. Sofort machte sich die Ottajasko kampfbereit und nahm die Verfolgung des Walfängers auf. Doch anstatt den sichtbaren Blutspuren zu folgen deutet die Hetfrau nach Westen, hinaus auf das offene Meer. Als es dämmerte winkte Jandra die Helden zu sich ans Heck, übergab Arne das Ruder und nahm sie beiseite: „Dieser Walfänger wird morgen früh brennend in der Tiefe versinken – und wir haben keinen Platz für Gefangene.“.
Niemand an Bord der Seetiger dachte in dieser Nacht an Schlaf.

Meer der Sieben Winde, 26. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (26. Efferd 1035BF)

Als der Morgen graute konnten sie in der Entfernung eine stabile, seefeste dreißig Schritt lange Kogge ausmachen. Diese wurde von zwei schmalen Jollen begleitet und lag manövrierunfähig im Wasser. Um die Kogge herum hatte sich ein blutiger Kreis gebildet, dessen Ursprung der seitlich vertäute Kadaver eines zwölf Schritt langen Pottwals war. An der Bordwand prangte in Kusliker Zeichen der Name “Walgalle“. Als die herannahende Seetiger entdeckt wurde, versuchte die Besatzung hastig davon zu kommen. Kaum war die Seetiger heran, flogen die Enterhaken und bis an die Zähne bewaffnete Thorwaler erklommen die Bordwand der Kogge. Während Askir und Walkir der Hetfrau auf die geenterte Walgalle folgten und ohne zu zögern mit der gleichen Brutalität und Grausamkeit unter den Walfängern wüteten, blieben Orm und Thure zurück. Beide versuchten die Ottajasko aus der Ferne zu unterstützen und so fiel der ein oder andere Walfänger überrascht durch einen Pfeil Orms oder wurde von einem unnatürlich starken Windstoß von Thure über das Deck gewirbelt. Da das blutige Gemetzel an Bord der Kogge die ganze Aufmerksamkeit der Neulinge einnahm, bekam niemand mit, wie eine der Jollen an die Seetiger heranfuhr und Walfänger ihrerseits die Otta enterten!
Sichtlich überrascht sahen sich Orm und Thure einem Walfänger mit Entermesser gegenüber, der kurz überlegte wen der beiden er attackieren sollte. Thure nutzte die Gelegenheit und strich sich hastig über die Brust, während er die Worte: Armatrutz, Schild und Schutz.“ murmelte, doch irgendwie entfaltete sich nicht die gewünschte Wirkung. Gerade als Orm dem Walfänger mit einen gut gezielten Pfeil ein Ohr abtrennte, entzündete sich am Mast der Seetiger ein gespenstisches Licht. Blau-grüne Flammen tanzten über die Rahe, wechselten von lila zu grün-blau und tasteten sich die Takelage entlang nach unten und sprangen auf die Walgalle über.
Nun war das Chaos perfekt. Während zwischen den einen weiter verbissen gekämpft wurde, brach bei anderen Panik aus. Einige der Ottajasko sprangen zurück auf die Seetiger und versuchten verzweifelt das vermeintliche Feuer zu löschen. Thure wurde mit dem Entermesser hart am Kopf erwischt und stürzte kampfunfähig aufs Deck, bevor Orm den Walfänger endlich tötete und Askir kletterte, „Das Schiff brennt!“ rufend, in nackter Panik in eine der Jollen und ruderte davon. Walkir ganz und gar vom Kampffieber gepackt bekam Nichts von alledem mit. Einer nach dem Anderen fiel unter den Schlägen seiner Orknasen, bis keiner der Walfänger mehr am Leben war. Jandra blickte auf das Elmsfeuer, das fast die ganze Seetiger umtanzte, dann rief sie die Ottajasko zur Ordnung.
Walkir plünderte ein paar Entermesser und Dukaten und merkte erst jetzt, dass sein Bruder weg war. Er sah sich um und entdeckte den Swafnirs-Diar unverständlicher Weise in einiger Entfernung in einer Jolle.
Die blutüberströmte Kogge wurde angezündet und als die rot-gelben Flammen an Segel und Planken leckten, merkten auch die letzten, dass das Elmsfeuer auf der Seetiger keine Gefahr darstellte. Während die Walgalle langsam in den blauen Tiefen versank, nahm die Drakka Fahrt auf, um den verlorenen Askir aufzulesen, der offenbar entrückt vor irgendetwas floh. Dann ließ Jandra Kurs auf die Küste nehmen, nur wenige haben den erbarmungslosen Kampf unverletzt überstanden und die gesamte Ottajasko hatte sich ein paar Tage Ruhe redlich verdient.

„Kälte und Eisen, Wut und Zorn.
Blut vergolten durch Blut
An diesem Tag auf See.“


Ottajara

Meer der Sieben Winde, 28. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (28. Efferd 1035BF)

Am Mittag des 28. Heimamondes machte sich die Sturmvogel-Ottajasko wieder auf den Weg. Während Thure sich in den letzten Tagen von Delman “Haizahn“ mehr über die Kunst des Hautbild-Stechens erzählen lassen hatte, nutze Askir seine Zeit mit Arne, dem Steuermann um sich in der Seefahrt und der Sternenkunde weiter zu bilden. Walkir hatte sich um seine beidem Orknasen gekümmert und den Rest der Mannschaft zu Übungskämpfen aufgefordert. Nur Orm hatte sich zurückgezogen, der Jäger fühlte sich auf See und unter so vielen Leuten auf einem engen Schiff einfach nicht wohl.
Immer wieder wurde vorgeschlagen, die Wolfstöter in die Gemeinschaft aufzunehmen und als Thure, Walkir und auch Askir diese Ehre annehmen wollen, wartet die Mannschaft auf Jandras Entscheidung. Prüfend blick die Hetfrau die Neulinge an und schließlich nickt sie: „Schickt sie zum Wellenlauf, das wohl!“ Jubelnd wurden die Segel gesetzt und Askir angewiesen sich zu entkleiden. Der Swafnirs-Diar stand am Heck der Seetiger, ein kalter Wind wehte über seinen nackten Körper und nachdem Arne ihm ein Seil um den Bauch gelegt hatte und Jandra ihm lächelnd ein randvolles Thin in die Hand gedrückt hatte, war es soweit. Askir kletterte auf die Reling und blickte auf die langen Riemen, die knapp über den Wellen in der Luft gehalten wurden. Ihm wurde etwas mulmig, denn normaler Weise wird eine Ottajara in einem geschützten Fjord oder Hafen durchgeführt, und nicht unter vollen Segeln auf hoher See. Dann holte der Diar einmal tief Luft und lief los.
Nach der halben Strecke aber, verlor Askir den Halt und glitt zwischen den Rudern in das eiskalte Meerwasser. Johlend und unter Gelächter wurde er wieder in die Drakka gezogen und kurz darauf in Felle gehüllt. Der große Walkir stand seinem kleinen Bruder in Nichts nach. Mutig und splitternackt machte auch er sich an den Wellenlauf, mit einem ebenso vollen Thin über die ausgelegten Riemen zu balancieren, doch auch er ging im Meer der Sieben Winde baden und wurde zitternd aus dem Wasser gezogen. Und auch Thure folgte nach einem missglückten Balanceakt seinen beiden Gefährten in die blauen Fluten und auch er wurde lachend an Bord geholt und durfte sich in Fellen und Wolldecken aufwärmen.
Nachdem sie nun nacheinander den Trygvar-Eider geschworen hatten und damit sowohl Jandra als Hetfrau, als auch jedem einzelnen Mitglied der Ottajasko ihre Treue bekundeten, wurden Walkir, Askir und Thure unter Jubel und Glückwünschen in die Gemeinschaft der Sturmvögel aufgenommen. Nur Orm wollte kein Teil dieser Gemeinschaft sein...
Am Abend wurde in der Ottashjolm gefeiert und Delman ’Haizahn’, stach den Dreien das Hautbild der Sturmvögel, die Runen für Sturm in Blau und für Vogel in Rot.

„Die langen Riemen schweben über den Wellen,
gewandt von Blatt zu Blatt. Ihm war Swafnir gewogen.
Ein neues Sturmkind, begossen mit Feuer.“


Die Befreiung der Windbrecher-Ottaskin

Meer der Sieben Winde, 29. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (29. Efferd 1035BF)

Am nächsten Morgen lag die Küste Nordthorwals in dicken, grauen Schwaden, als sich neben der Seetiger nach und nach die hohen Uferstreifen des Fjords aus dem Nebel schälten. Jandra wollte die befreundete Windbrecher-Ottaskin anlaufen um Handel zu treiben- plötzlich drang ein schriller Ton an die Ohren der Sturmvögel und verstummte jäh wieder. Einen Moment lang schien es so als hätte man sich das Geräusch nur eingebildet, doch dann scholl erneut der Schrei zu ihnen herüber. Im selben Moment tauchte zwischen den Nebelfetzen eine dunkle Gestalt auf die sich rasch auf die Seetiger zu bewegte.
Die Thorwaler griffen bereits nach ihren Waffen, als sich die Gestalt als kleines Mädchen von gerade mal sieben Jahren entpuppte. Das in schmutzige Bauernkleidung gewandete Kind schrie immer wieder auf und rannte stolpernd mit vor Panik weit aufgerissenem Mund weiter. Einer der Sturmvögel meinte schließlich: „Das ist Turda Tjalfsdottir, die Eltern der Kleine gehören zur Windbrecher-Ottaskin!“ und sprang an Land um das weinende, verstörte Mädchen an Bord zu holen. Thure und Askir nahmen sich der verstörten Turda an und nach einiger Zeit beruhigt sich die Kleine und bringt unter Schluchzen hervor: „Sie komme. Sie kommen aus dem Nebel…die schwarzen Wesen aus dem Nebel.“ Irritiert sahen sich der Galdmader und der Swafnirs-Diar an um nach zu harken, was denn nun genau geschehen war. „Ich war mit Vater im Wald…Vater hat gesagt, ich soll laufen, als sie kamen.“, fuhr Turda fort, „Ich bin gerannt, aber ich hab den Weg nicht gefunden.“, der letzte Satz ging in Tränen unter.
„Macht Euch bereit, Sturmvögel! Wer auch immer die Windbrecher-Ottaskin angreift, wird es bereuen!“, befahl Jandra. Sofort wurden Vorbereitungen getroffen, der Mast der Seetiger wurde umgelegt, die Rekker legten ihre Rüstungen an und machten sich kampfbereit. Im Schutz des Nebels ruderten die Sturmvögel flussaufwärts bis Kampfeslärm zu hören war. Schon drängten sich die Thorwaler dicht am Bug der Drakka, Schilde und Waffen bereit, während Jandra Sturmkind erhöht neben dem Drachenkopf stand. Dann begannen die Sturmvögel und Askir mit ihren Waffen auf ihre Rundschilde einzuschlagen, immer schneller, immer lauter. Dumpf dröhnte der Klang in den Ohren und ihre Herzen nahmen den Rhythmus auf. Schließlich flackerte Feuer im Nebel auf und die Umrisse von Gebäuden wurden sichtbar. Davor wimmelten schwarze Gestalten, bewaffnet und gerüstet: Orks! Die Schwarzpelze blickten sich verwirrt nach der Ursache für das dumpfe Trommeln um und schon glitt die Otta knirschend auf das flache, steinige Ufer. Jandra sprang über die Bordwand, gefolgt von ihren brüllenden Rekkern und den Wolfstötern!
Vor den heranstürmenden Sturmvögeln lag die Ottaskin der Windbrecher. Fast einhundert Orks griffen von zwei Seiten die vier Jolskrimi an, die von einer Palisade auf einem runden Erdwall geschützt waren. Scheinbar waren die Schwarzpelze aus den dunkeln Tannenwäldern gekommen, die sich hinter den kargen Feldern der Ottaskin erstreckten. Tapfer bekämpften die Männer und Frauen auf den Palisaden die Orks mit langen Speeren, als auf einmal Brandpfeile aus dem Nebel schossen und auf die Reisig-Dächer der Jolskrimi herab regneten. Etwa die Hälfte der Angreifer ließ von der Ottaskin ab, als sie sich einem neuen Gegner gegenüber sahen, der sie nun in die Zange nahm.
Voller Kampfeslust stürzten sich die Sturmvögel in diese Schlacht, während ein Teil der Ottajasko in einer Skjaldborg vorrückte, sprangen immer wieder mutig einige Rekker aus den Reihen hervor um tollkühn ihre Gegner zu reizen, oder zu verspotten. Immer wieder drang zwischen Schmerzens- und Todesschreien auch Gelächter und Jubel hervor und mitten im dicksten Getümmel stand Jandra und fällte mit wuchtigen Hieben einen Schwarzpelz nach dem anderen. Während Orm vom Deck der Seetiger immer wieder Pfeile in die Reihen der Orks sandte, waren Askir, Walkir und Thure in den vordersten Reihen. Natürlich hielt sich der Galdmader hinter seinen beiden kampfstarken Gefährten um sie mit Zaubern zu unterstützen. Askir und Thure, geschützt hinter Askirs Rundschild und Speer, daneben Walkir, der mit seinem beiden Orknasen unter den Orks wütete. Geschickt agierten der Schildkämpfer und Thure miteinander und hatten schnell den ersten Gegner niedergestreckt. Und Walkir nahm es sogleich wieder mit zwei Schwarzpelzen auf! Gerade als der Swafnirs-Diar einem kampfunfähigen Gegner den Todesstoß gab, wollte ihm ein gerissener Ork mit hoch erhobenem Byakka und gefletschten Zähnen in den Rücken fallen. Doch bevor er den tödlichen Hieb in Askirs ungeschützten Rücken treiben konnte sprang eine Gestalt dazwischen und fing den Schlag des Orks ab. Als Askir keuchend herumwirbelte stand Arne vor ihm. Der Steuermann wandte sich zu dem Diar um und Askir sah ihm in die braunen Augen, die auf einmal erstarrten. Langsam sank Arne auf die Knie. Aus einer klaffenden Wunde in seiner Seite strömte unaufhörlich warmes, rotes Blut.

Just in diesem Moment wagten die Verteidiger der Windbrecher-Ottaskin einen Ausfall und konnten, nach einem harten Kampf gemeinsam den Widerstand der Schwarzpelze brechen und die letzten Orks zurück in die Wälder treiben. Auch wenn mehr Schwarzpelze getötet wurden, so waren auch einige Thorwaler gefallen - darunter auch Arne. Selbst Thures Magie und Askirs Gebete an Swafnir konnten den Steuermann nicht retten.

Gedenket der Toten

Während Jandra zum Aufbruch drängte und noch einige Waren gegen Lebensmittel tauschte, wurden für Arne und die anderen Gefallenen jeweils ein Totenfloß gezimmert. Sorgsam wurde der Leichnam in die besten Gewänder gekleidet, sein Bart geflochten und seine Waffe sowie sein wichtigstes Hab und Gut mit ihm zusammen auf dem Floß hergerichtet. Dann zog die Seetiger das Totenfloß auf die offene See, wo Askir ein Totengebet sprach indem er Swafnir bat den tapferen Steuermann und die Rekker in seiner Halla aufzunehmen. ALs die gesamte Mannschaft schweigend am Deck der Drakka stand, bereit das Totenfloß des Steuermanns abzustoßen, ergriff Jandra mit fester Stimme das Wort: „Arne stand mir immer treu zur Seite. Er trug mich auf seinen Schultern, als ich noch ein Mädchen war“, ein Lächeln umspielte ihre Lippen, „und er zeigte mir, wie ich den Flug der Vögel und die Bewegung der Wellen zu deuten hatte.“ Dann wurde das Totenfloß mit Arnes Leichnam losgeschickt und die Hetfrau warf in einem hohen Bogen eine Fackel auf das Floß. Während die Flammen immer höher züngelten, sprach Jandra weiter: „Ich erinnere mich an Arne Raskarsson, wie er immer zu viel trank und am Morgen nicht mehr wusste, an welchem Ende der Drakka er sein Ruder zu suchen hatte.“ „Das wohl!“, bestätigten die Umstehenden grinsend. Baerwalla fuhr nun fort: „Ich erinnere mich an Arne, wie er mich nie beim Armdrücken besiegen konnte und doch nicht aufgeben wollte.“. Auch Thure und Askir erzählten von ihren Erinnerungen an den Steuermann, wie er mit ihnen sein Wissen über Schifffahrt, die Orientierung an den Sternen und viele Sagen und Legenden geteilt hatte und immer einen gut gemeinten Rat auf den Lippen hatte. Und während das Floß davon trieb, erzählte jeder aus der Mannschaft eine kurze Begebenheit, die ihn besonders mit Arne verbindet, meist waren es lustige Anekdoten.

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 20.11.2014 19:50, insgesamt 2-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 16.09.2014 03:56 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.01.2008 01:02
Wohnort: Dunkle Zeiten / Wildermark
Ich (Dark-Chummer) bin außnahmsweise in dieser Runde mal selbst Spieler und verkörpere den Rekker Walkir Raskirson :devil:

_________________
"Er ist voller Blut, warum ist er immer voller Blut?"


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 17.09.2014 23:57 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Der Ifirnshai

Meer der Sieben Winde, 30. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (30. Efferd 1035 BF)

Die Seetiger war etwa noch eine Tagesreise von der heimatlichen Ottaskin der Sturmvögel entfernt und mit jeder Meile stieg die Vorfreude der Thorwaler auf ihre Familien und ihre Liebsten - sie würden rechtzeitig zum “Tag der Heimkehr“ ankommen.

Gegen Mittag erspähte einer der Skipmader nahe der Drakka eine große Finne, die das blau-graue Wasser durchschnitt. Ein geschulter Blick lies Jandra erkennen, das es sich um einen Ifirnshai handeln musste. Ein Kampf gegen diesen zwölf Schritt großen Hai wäre sehr gefährlich, aber das Ungetüm würde einen Menge Fleisch und Tran für den kommenden Winter liefern. Kurz beratschlagte die Schiffsgemeinschaft und entschied sich schließlich für eine Jagd. Kaum war die Bestie heran, flogen die ersten Harpunen und bohrten sich in den dunklen Rücken. Das Wasser färbte sich rot, als mehrere Thorwaler nun versuchten den zappelnden, gewaltigen Hai an die Drakka heran zu ziehen. In seiner Raserei und mit einer enormen Kraft gelang es dem Ifirnshai sich noch einmal loszureißen nur um kurz darauf die doppelt so große Seetiger zu rammen. Ein gewaltiger Schlag ging durch die Planken des Langschiffes und lies es erzittern. Nun war Eile geboten, damit das Vieh nicht die Drakka versenkte!

Sofort stürmte die Ottajasko an die Reling um den Hai wieder zu erwischen. Während Delman 'Haizahn' mit einigen anderen Sturmvögeln erneut mit Harpunen das Ungetüm angriff und mit gemeinsamen Kräften heranzog hielten sich Canka, Askir, Garda und Walkir bereit zu zustoßen. Immer wieder stachen Speere, Harpunen und andere Waffen in den Leib des riesigen Hais, der sich wand und mit kräftigen Hieben seiner Schwanzflosse die Drakka im schäumenden roten Meer zum Erzittern brachte. Es war für Jäger und Beute ein Kampf um Leben und Tod, der sich über mehrere Minuten hinzog, bis es Askir endlich gelang seinen Jagdspieß durch den Schädel des Ifirnshais zu treiben und ihn zu töten. Zuckend starb die Bestie und wurde an der Seetiger vertäut. Dann lies Jandra Kurs aufnehmen um mit der beschädigten Drakka und dem toten Hai im Schlepptau, in Küstennähe nach Hause zu segeln.


Endlich daheim

Meer der Sieben Winde, 1. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (1. Travia 1035 BF)

Endlich! Nachdem die Seetiger eine weitere Nacht an der rauen Nordwestküste Thorwals entlang gesegelt war, tat sich nun der Thurgnarsfjord im dunklen Gestein der Klippen auf. In einer flachen Bucht landete die Drakka schließlich an. Etwas entfernt, umgeben von wenigen kargen Feldern standen die Langhäuser der Ottajasko. Als die ersten Skipmader von Bord gingen, kamen ihnen schon Frauen, Männer und Kinder entgegen und winkten den so lange Fortgebliebenen fröhlich zu. Ein aufgeregt bellender, schwarzer Olporter lief vorneweg.

Lachend fiel Canka seiner Frau in die Arme, einer rotblonden Thorwalerin, die gut einen Kopf größer war als er selbst. Baerwalla wurde von einem halben Dutzend kräftiger Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters umringt. Andere fielen sich in die Arme und mach einer konnte sich der Tränen nicht erwehren. Nur die Wolfstöter fühlten sich ein wenig fehl am Platze, als Jandra ihnen aufmunternd auf die Schulter klopfte: „Na los. Heute wird gefeiert.“. Gemeinsam mit Jandra betraten Askir, Walkir, Thure und Orm die Ottaskin der Sturmvögel. Eine wehrhafte Palisade umgab die vier Jolskrimi und die Nebengebäude. Jandra erzählte, dass die mit Drachenfiguren und Gänsesymbolen verzierten Langhäuser im Winter rund zweihundert Menschen beherbergen würden. Während die Familien die Handelsgüter und Habseligkeiten in die Häuser schafften, machten sich andere daran den Ifirnshai an den Strand zu ziehen und zu zerlegen.

Die Heimgekommenen und die neuen Mitglieder der Ottajasko wurden unweit der Ottaskin zu den heißen Quellen geführt, wo traditionsgemäß die rituellen Waschungen stattfanden. Nach Stunden im heißen Wasser, dass Thure ganz besonders genoss, fielen die Mühsal und die Strapazen der langen Reise ab und als es bereits dämmerte kehrten die Sturmvögel lachend und scherzend zur Ottaskin zurück. Alle versammelten sich in der großen Halla von Jandras Langhaus. Mit Schnitzereien verzierte Säulen trugen das hohe, schiffsähnliche Dach, das aus dicken Holzbohlen bestand. Die Zwischenräume der Holzschindeln waren mit Gras ausgestopft und an den Wänden, die zum Teil aus großen Bruchsteinen und zum Teil aus schweren Holzbalken waren, hingen Waffen und Schilde, die im Feuerschein glänzten und Mitbringsel von zahlreichen Reisen. In der Mitte brannte schon seit dem Morgen ein großes, prasselndes Feuer, das auch die folgende Nacht weiter brennen würde. Um das wärmende Herdfeuer waren mit Fellen bedeckte Bänke aufgestellt und reich gedeckte Tafeln mit heißen und kalten Mahlzeiten waren in der Halla verteilt. Auf der dem Eingang gegenüber liegenden Seite des Jolskrim war ein niedriges Podest, das über und über mit Tierfellen belegt war und darauf stand der mit Schnitzereien verzierte Stuhl der Hetfrau. Doch Jandra saß während des Essens und auch die meiste Zeit des Abends auf den Bänken zwischen ihren Rekkern und den Wolfstötern. Es wurde getrunken und gelacht, es wurden Lieder vorgetragen und reichlich geschmaust. Fisch, Hai, Olporter Honigschinken, der auf mysteriöse Weise bei oder besser in Thure verschwand, Kohl, Sauermilch und Rüben, soviel allerlei süße Köstlichkeiten, wie Zuckerrübensirup und Bunte Honigküchlein, deren Reste in mehr als einem Bart hängen blieben. Bier und Premer Feuer liefen in Strömen und jeder Sturmvogel wollte zumindest einmal mit den Wolfstötern anstoßen!

„Der Rauch der Feuer, er grüßt uns von weitem.
Frau und Mann, Kind und Tier eilen uns entgegen.
Ein Seufzer nur: Daheim!“


Plötzlich betraten mitten in den Feierlichkeiten fünf gerüstete und bewaffnete Rekker die Halla. Jandra stand sofort auf und ging den Kriegern der Jarlskari entgegen. Leise wechselte sie mit der Anführerin der Rekker aus Auriler einige wenige Worte, dann winkte sie den Skalden zu sich, raunte ihm ein paar Sätze zu und verließ mit den Kriegern die Ottaskin. Gerade wollten Walkir, Thure und Askir hinterher stürmen, als der Skalde sie abfing: „Feiert heute, geredet wird morgen.“. Verwundert setzten sich die drei wieder zu den Sturmvögeln und nicht lange darauf waren die düsteren Gedanken wieder der Sorglosigkeit gewichen.


Das Hjalding

Auriler, 2. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (2. Travia 1035 BF)

Am nächsten morgen erwachten die Wolfstöter in der großen Halla auf. Überall schliefen auf Fellen Sturmvögel, während auf den Tischen die Reste des großen Festmahls lagen. Das Feuer brannte noch immer, als das Tor aufschwang und grelles Sonnenlicht die soeben Erwachten blendete und der Luftzug die Flammen noch einmal auflodern lies. Der Skalde blickte ernst in die blinzelnden Gesichter: „Steckt mal eure Köpfe in kaltes Wasser und kommt erstmal zu euch. Es ist schlimmer als gedacht.“. Dann erzählte er, dass in der Nacht in Auriler entschieden wurde, dass Jandra heute morgen vor dem Hjalding angeklagt werden sollte. Man warf ihr vor, einen Hetmann heimtückisch vergiftet zu haben.

Jandra Sturmkind war vor der Fahrt der Sturmvögel mit dem Hetmann Airik Sirbasson aus Auriler in Streit geraten und tötete diesen in einem Zweikampf. Da der Zweikampf ehrenhaft ausgefochten wurde, hatte Jandra – obwohl es keine Zeugen für den Streit und den Kampf gab – die Tat angezeigt. Damit galt sie nach thorwalschem Recht als frei, bis man sich auf dem nächsten Hjalding mit dem Fall beschäftigen konnte. Jandra rechnete schlimmstenfalls damit ein Thurgold zur Wiedergutmachung an Airiks Familie zahlen zu müssen, doch nun hatte Airiks Sohn Runolf die Hetfrau eines schwer wiegenden Verbrechens , nämlich des Giftmordes beschuldigt. Eine Tat, die mit Enteignung oder sogar Verbannung bestraft werden konnte.

Während der Skalde erzählte begaben sich die meisten Angehörigen der Sturmvogel-Ottajasko nach Auriler, die einen überzeugt davon, alles würde sich zum Guten wende, andere waren eher niedergeschlagen.
Auriler war eine Ansammlung von vier Dutzend Gebäuden in einer hohen Palisade. Lehmige Straßen führten durch die größere Ortschaft, bestehend aus Langhäusern, aber auch aus einfachen Holzhütten. Die Bewohner gingen einfachen Arbeiten nach, hier und da rannten spielende Kinder durch die Straßen. Der Skalde führte die Sturmvögel zu einem besonders prachtvollen Jolskrim im Ortskern, den Amtssitz der Jarlin von Auriler Swafgera Herlindsdottir. Zwei Jarlskari bewachten den Eingang, ließen die Sturmvögel aber passieren. In der Halla waren um die fünf Dutzend Menschen versammelt, während an der Stirnseite vier hölzerne Sessel standen, auf denen bereits die Richter saßen – Swafgera, zwei beisitzende Lögmenn und eine Skaldin namens Ifirnja Freihand, sowie die Hetleute Starkan Tarsskason und Thorfin Olavsson.

Kurz darauf eröffnete die Jarlin das Herbsthjalding und begrüßte die Anwesenden Hetleute. Mit ernster Miene verkündete sie die schwere Anklage von Hetmann gegen Hetfrau und rief Runolf Airiksson er solle vortreten und seine Beweise vorbringen: „Es ist allgemein bekannt, dass sich die Ottajaskos meines Vaters und Jandras spinnefeind sind, seitdem Streit um die Aufteilung der Beute der letzten gemeinsamen Raubfahrt! Jandra Havallasdottir hat ihre Tat doch nur angezeigt, um die Schuld von sich zu weisen und damit das Hjalding keine Zeit darauf verwendet, die wahren Hintergründe zu erforschen!“. Darauf erwiderte Jandra: „Ich gebe zu Airik getötet zu haben, allerdings geschah dies in einem ehrenhaften Zweikampf! Da es keine Zeugen gab, hätte ich leicht alles verschweigen können, doch dies tat ich nicht!“. „Und wie erklärst du dir die eindeutigen Spuren von Gift, die an der Leiche meines Vaters gefunden wurden, Jandra?“, fragte Runolf. Just in diesem Moment mischten sich Thure und Askir ein, wurden aber sogleich wieder von Runolf unterbrochen: „Warst du dabei, als Airik starb? Wie könnt ihr aufrechten Hauptes behaupten, Jandra habe diese schändliche Verbrechen nie begangen?“. Immer mehr Anwesende nahmen sich ihr Recht sich zu Wort zu melden und sowohl Jandra, als auch Runolf fanden Unterstützung. Dann rief Runolf einen Zeugen auf und ein hochgewachsener dunkelhaariger Mann mit sorgsam gestutztem Bart stellte sich neben ihn. Jandra blicke überrascht auf den Mann und ihre Selbstsicherheit schwand merklich, doch während sie ihn starr ansah, wandte dieser den Blick vom Sturmkind ab. Dann sprach er: „Ich bin Hader Walkirsson. Ihr Alle kennt mich als Heilari in Auriler und der Umgebung. Jandra hatte bei mir ein Waffengift erstanden... Ich hätte wohl wissen müssen, dass sie nichts Gutes im Sinn hatte und dass ein Mensch zu Schaden kommen würde. Doch ich habe mir eingeredet, dass Jandra eine rechtschaffene Frau sei und sicher nichts Böses im Schilde führen würde.“, er senkte den Blick, „Ich habe große Schuld auf mich geladen, doch weit größer ist die Schuld dieser Frau, die ihr für achtbar und heldenhaft gehalten habt.“. Schweigen lastete auf den Anwesenden, ob dieser vernichtenden Aussage. Jandras Gesicht war wie erstarrt, jeder Stolz war aus ihrem Blick gewichen. Niemand zog in Erwägung, dass der Heilari Lügen könnte, da er mit der Aussage auch seinen eigenen Ruf aufs Spiel setzte. Als Swafgera der Hetfrau der Sturmvögel bedeutete ihre Entgegnungen zu diesem Vorwurf vorzubringen, winkte Jandra nach kurzer Zeit ab.

„Recht sollte gesprochen werden.
Doch Lüge ergriff das Wort.
Und heldenhaft stellte sich Jandra.“



Das Urteil

Die Mienen der Umstehenden ließen keinen Zweifel daran, dass es für Jandra nicht gut stand. Als sich die Jarlin erhob, wurde es still in der großen Halla. „Jandra Sturmkind, dieses Hjalding hat sein Urteil gefällt“, begann Swafgera mit fester Stimme. „Für deine Richter steht fest, dass du des feigen Giftmords an Airik Sirbasson schuldig bist. Du bist zur Friedlosigkeit auf zehn Jahre verurteilt, deine Ottaskin und Otta werden Runolf Airiksson als Entschädigung übergeben.“. Triumphierend grinste Runolf Jandra an, die keine Regung zeigte. „Ich erkenne diese Urteil nicht an!“, erwiderte die Hetfrau mit klarer Stimme. „Dieses schmierige Wiesel wird niemals auch nur eine Hand an die Seetiger oder auf ein Stück aus meinem Hause legen! Niemals werde ich dulden, meine Heimat und meine Ehre durch das Wort eines elende Verräters zu verlieren.“ Runolf schnappte entgeistert nach Luft: „Aber … das kannst du nicht tun!“.

„Jandra!“, donnerte die Jarlin dazwischen. „Du wirst das Urteil anerkennen!“. Die Hetfrau sah Swafgera ungerührt an, noch immer hatte sie Runolf keines Blickes gewürdigt. Swafgera nickte nur, dann ergriff sie wieder das Wort: „So sei es. Wenn du nicht binnen einer Frist von drei Tagen die Entschädigung zahlst, sei der Skoggang über dich verhängt. Nie wieder wird dein Name in Thorwal genannt werden, nie wieder sollst du deinen Fuß auf dieses Land setzen, Jandra Sturmkind! Bedenke was du tust! Dies ist die Entscheidung des Hjaldings, bei Swafnir!“. Damit wurde das Hjalding unterbrochen und immer mehr Stimme fielen in die aufkommenden Diskussionen ein. Vergebens versuchte Runolf die Jarlin davon zu überzeugen, dass das Urteil sofort vollstreckt werden müsse, da er befürchtete, Jandra wolle ihr Hab und Gut beiseite schaffen. Als Swafgera nicht darauf einging, verließ Runolf in Kreise seiner Ottajasko wütend das Hjalding. Im Rausgehen schnappte Thure allerdings folgende Bemerkung auf: „Und ich dachte noch, es wäre ein Glücksfall, als dieser verfluchte Heilari auf mich zukam und mir anbot für mich zu sprechen.“. Sofort suchte der Galdmader die Halle nach dem Heilari ab, und erspähte ihn in einer Menschentraube, die gerade die Halla verließ. Hader eilte hastig davon, dicht gefolgt von Walkir, der sich bereits an dessen Fersen geheftet hatte. Unterdessen hatte Askir mit Jandra gesprochen. Während der Skalde seinem Unmut Luft machte: „Wenn dieser Heilari mal nicht bestochen war ... Mann sollte ihn sich zur Brust nehmen.“, wollte die aufgewühlte und zornige Hetfrau der Sturmvögel schnellstens zur Ottaskin zurück um ihren Aufbruch vorzubereiten.

„Jandra, Sturmkind und Hetfrau,
Gefährtin, Steuerfrau und Skoggangskona.
Viele Namen, keiner wog so schwer wie dieser: Freundin.“



Der Heilari

Just in diesem Moment kam Askir zu Thure und pochte darauf den verdächtigen Heilari, der sich soeben aus der Halla geschlichen hatte, zu verfolgen. Als sie die Halla verließen war keine Spur mehr von ihm oder Walkir zu finden. Askir fragte die umstehenden Thorwaler, wo der Heilari sein Haus habe und bekam eine genaue Wegbeschreibung zu einem Holzhaus unweit der Palisade, am Rande der Ortschaft. Schnellen Schrittes waren die Wolfstöter an dem beschriebenen Haus, dessen unverschlossene Tür Walkir ungestüm einfach aufriss und mit seinem Bruder und Thure eintrat. Drinnen erwartete sie Hader Walkirsson bereits und als sie ihn mit ihren Vorwürfen konfrontierten, machte dieser keinen Hehl daraus, dass er Jandra vor dem Hjalding fälschlich belastet hatte: "Ja, ich habe vor dem Hjalding gelogen.“. Verdutzt sahen die drei den Heilari an – mit dieser Ehrlichkeit hatten sie niemals gerechnet.

Ungerührt blickte Hader die Wolfstöter an und ließ seinen Umhang von den Schultern gleiten. „Euer Sturmkind wird uns nun nie wieder gefährlich werden.“. Seine bloßen Arme waren mit Hautbildern übersät, die allesamt grässliche Bestien zeigen: Seeschlangen, Oktopoden, gewaltige Haie und zahnbewehrte, tentakelstarrende Ungeheuer, die sie nie zuvor gesehen hatten.
Zum Entsetzen der Dreien schienen sich die Monster zu bewegen, glitten wimmelnd über die bloße, bleiche Haut des Heilari. Langsam lösten sich zwei Seeschlangen, zusätzlichen Armen gleich, von seinem Körper und reckten sich unruhig zischelnd auf. Urplötzlich hatte der Mann einen rostigen Dreizack, auf dem eingetrocknetes Blut zu sehen war, in den Händen und richtete bedrohlich dessen Spitzen auf die Brüder und den Galdmader: „Ihr könnt ebenso gut wieder gehen,“ , erklärte der Heilari mit tonloser Stimme. „Was auch immer ihr jetzt unternehmt, es ändert absolut gar nichts.“

Dann brach der Kampf los! Bevor auch nur einer der drei Wolfstöter reagieren konnte, deutete Hader mit Zeige- und Mittelfinger seiner linken Hand auf sie und sprach die Zauberformel: „Blitz dich find, werde blind!“. Sofort spürten Askir, Walkir und Thure einen grellen Lichtblitz in ihrem Geist und waren kurz irritiert. Natürlich nutze Hader die Gelegenheit und griff an! Während der rostige Dreizack Richtung Walkir stach, Bissen je eine Seeschlange nach dem Swafnirs-Diar und Thure. Trotz der Blindheit schaffte es Askir seinen Rundschild hoch zu reißen und die giftigen Zähne der Seeschlange abzuwehren. Thure jedoch wurde getroffen und spürte, wie sich die spitzen Zähne in seinem Arm versenkten. Walkir schaffte es gerade noch mit einer seiner Orknasen den Heilari zu parieren und holten nun zum Gegenschlag aus. Wuchtige Hiebe regneten auf Hader herab, der es aber schaffte zumindest einen davon zu ab zu wehren. Askir musste seine ganze Aufmerksamkeit auf die züngelnde Schlage vor seinem Schild richten und bekam nicht mit, wie die andere Seeschlange dem Galdmader durch dessen Parade in den spärlich geschützten Bauch biss. Kreidebleich taumelte Thure zurück und sank zu Boden. Schon richtete sich der Kopf der Seeschlange auf Walkir und zischelte mit gespaltener Zunge. Nun wieder einmal zwei Gegner vor Augen stachelte den Rekker nur noch mehr an. Wütend hieb er wieder und wieder auf den Heilari und die Hranngar-Brut ein, ebenso wie sein fluchender Bruder. Bald gelang es den Brüdern gemeinsam den Heilari niederzustrecken. Blut spuckend ging Hader zu Boden und grinste die Sturmvögel an: „Dies ändert gar nichts. Es steht alles schon fest. Es ist ...“. Ein Röcheln dran aus der Kehle des Hranngar-Anbeters und er bäumte sich krampfhaft und mit zuckenden Seeschlange auf und sank dann tot zurück. Als sich Thure kurz darauf hustend aufrappelte, verblassten gerade die grässlichen Hautbilder Haders und nur abstrakte harmlose thorwalsche Muster blieben zurück. Walkir hatte im Haus des Heilari nichts gefunden, was seine Schuld bewies und Askir drängte darauf, dass Haus so schnell wie möglich zu verlassen, weil man sie, sollte man sie bei der Leiche erwischen, einen Mord aus Rache an dem Zeugen unterstellen würde.

Auf dem Rückweg der Sturmvogel-Ottajasko zu ihrer Ottaskin, berichteten die Wolfstöter von ihrer Vermutung, dem Geständnis Haders, dem Kampf und dem Tod des Heilari doch leider konnten sie keine stichfesten Beweise finden. Jandra dankte ihnen aufrichtig für ihre Bemühungen.

"Mit Flüchen und gespalt'ner Zunge spricht
die dämonische Schlange, des Wales Widersacher.
Doch in Swafnirs Namen, Helden sollen sie sein.“



Der letzte Vers der Saga

Ottaskin der Sturmvögel, Abend des 2. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (Abend des 2. Travia 1035 BF)

Die Ottajasko hatte sich wieder in der großen Halla von Jandras Jolskrim eingefunden und lauschte schweigend und mit betrübten Mienen den Erklärungen ihre Hetfrau, was sich während des Hjaldings ereignet hatte. Sie bekräftigte noch einmal ihren Entschluss sich dem Urteil nicht zu beugen und befreite die Sturmvögel von ihrem Eid, der diese an Jandra band.

Einen Moment lang war die Menge ungewohnt ruhig. Dann trat Gerda vor und blickte Jandra hoch erhobenen Hauptes entgegen: „Du magst mich von dem Trygdar-Eider entbunden haben, doch ich will ihn hiermit aufs Neue schwören: Ich werde nicht von deiner Seite weichen, Jandra Sturmkind! Bei Swafnir!“. Jandras Gesicht zeigte keine Regung, während sich Baerwalla nach vorne drängelte: „Da will ich nicht zurückbleiben, wenn die Kleine sich dir anschließt, das wohl! Bei meinem Leben, ich bleibe ein Sturmvogel, Jandra! Bei Swafnir!“. Delman und Canka traten ohne zu zögern vor und bekräftigten ebenfalls erneut den Schwur. Während immer mehr Sturmvögel vortraten, stahl sich ein Lächeln auf Jandras sonst so ernstes Gesicht. Dann meldete sich der Skalde zu Wort und schwor, dass er fortan die Erinnerung an Jandra und ihre Taten bewahren und niemals ruhen würde, bis die Ungerechtigkeit an Jandra gerächt wäre. Als nun auch Askir, Walkir und Thure ihren Schwur erneuern wollten, war Jandra gerührt. Schweren Herzens verweigerte sie ihnen den Eid und bat sie stattdessen die Erinnerung an die Sturmvögel zu bewahren: „Nehmt Rache, an den Dienern der Hranngar! Schafft diese Ungerechtigkeit die mir widerfahren ist aus der Welt!“. „Bei Swafnir! Wir werden den Namen der Sturmvögel weiterführen und niemals vergessen!“, schworen der Rekker, der Diar und der Galdmader.

Nun wurde in aller Eile wurde die Seetiger beladen. Neben Vorräten, Klamotten und anderen Habseligkeiten wurden auch einige schwere eisenbeschlagene Kiste an Bord der Drakka geschafft. Ein bitterer Moment war gekommen, selbst die tapferste Rekker schämten sich nicht ihrer Tränen, als sie von den Alten und Jüngsten, die nicht mit aufs Schiff kommen können Abschied nahmen. Während die einen ein ungewisses Leben im Exil vor sich hatten, mussten die Anderen sich eine neue Heimat suchen oder bei Verwandten unterkommen. Schließlich wurden die Jolskrimi der Ottaskin in Brand gesetzt – nichts soll Runolf in die Hände fallen und die Seetiger legte ab. Langsam wurde die Drakka auf das Meer gerudert, dann wurden das Segel gesetzt. Nachdenklich blickten die Wolfstöter der Drakka und Jandra hinterher, die langsam im Licht der untergehenden Sonne verschwand.

Dann erregte ein entferntes Lachen ihre Aufmerksamkeit. Der Geruch von Kaminfeuer und Gebratenem lag in der Luft und eine wohlige Wärme umfing sie. Grelles Licht ließ sie die Augen zusammen kneifen, wieder dieses Lachen, Scharren von Stiefeln, Prasseln von Feuer.

Verblüfft sahen sich die vier Thorwaler um: ein großes Kaminfeuer, eine rustikal eingerichtete Schankstube, lärmende Gäste am Nebentisch und sie selbst saßen an einem der schweren Tische – die war eindeutig der Plättling in Lervik. Hier war der Skalde an sie heran getreten. Dann fiel ihnen der alte Thorwaler mit schon lange ergrautem Haar und zerfurchtem Gesicht an ihrem Tisch auf. Mit halbblinden Augen und einem leichten Lächeln auf den Lippen sah er sie an. Dann erst erkannten sie den Skalden wieder! Die Kleidung, die Gesichtszüge und in zitternden Händen hielt er Godsögnsvanir, die runenverzierte Handharfe. Langsam strich er über die Saiten der Harfe: „Ich habe keine Ruhe gefunden seit diesem Tag, als Jandra Sturmkind in die Verbannung zog. Ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, jemanden zu finden, der bereit ist zuzuhören. Gedenket eures Versprechens, meine Freunde, und vergesst dies nicht: Der letzte Vers der Saga ist noch nicht gesungen.“ Missmutig blickte der Skalde auf die Krüge, dann legte er seine Harfe auf den Tisch und stand – für sein hohes Alter – erstaunlich rasch auf: „Ich hole mir auch einen. Ein gutes Feuer ist jetzt richtig, das wohl.“. Mit diesen Worten ging der Skalde zur Theke. Erst Minuten später wunderten sich Thure und Askir wo der alte Mann blieb, doch dieser war nirgends zu finden und auch die anderen Gäste hatten niemanden gesehen. Schließlich rief Walkir den Veitingamader an den Tisch und fragten diesen nach dem alten Mann. Vandred blickte in die Runde und als sein Blick an dem zusammengekauerten Orm in der hinteren Ecke hängen blieb beugte er sich zu ihnen und meinte im Flüsterton: „Was guckt ihr denn so komisch? Ihr seht ja aus, als hättet ihr einen Geist gesehen. Aber ich kann euch beruhigen, Geister gibt’s in dieser Gegend nicht. Und in meiner Schänke schon gar nicht. Obwohl … man erzählt sich hier ja mitunter schon die Geschichte von einem Skalden ...Nacht für Nacht zieht er von Siedlung zu Siedlung, auf der Suche nach jemandem, der bereit ist seiner Saga zu lauschen – der Saga von einer verfluchten Hetfrau.“.
Dann fiel es Thure wie Schuppen von den Augen, lachend blickte er zu den beiden Brüdern die ihn entgeistert ansahen. Der Galdmader nahm die Handharfe, die immer noch auf dem Tisch lag und betrachtete das kunstvolle Instrument. Godsögnsvanir war aus dunklem Eschenholz gefertigt, in das verschlungene, geradezu verwirrende Ornamente und Runen eingeschnitzt waren, einige davon konnte Thure als hjaldingische Runenzeichen identifizieren. Als der Galdmader vorsichtig über die Saiten strich hörten Askir, Walkir und Thure folgenden Vers:

„Rot die Sonne, schwarz das Meer.
Die Gemeinschaft zog fort, wohin Jandra sie führt.
Und nie mehr sollten wir sie wiedersehen.“

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 20.11.2014 20:01, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 22.10.2014 12:00 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Askir, Thure und Walkir waren sich einig, noch heute nach Olport aufzubrechen um in der Runajasko zu Olport etwas über eine verfluchte Hetfrau oder über den Schatz von Blotgrim in Erfahrung zu bringen. Thure verwies darauf, dass man auf dem Weg nach Olport auch gleich in dem Dorf Auriler vorbei sehen könnte. Die drei Thorwaler deckten sich mit etwas Proviant ein und machten sich über die Küstenstraße entlang des Meeres der Sieben Winde auf den Weg von Lervik nach Norden Richtung Thorwal.
Die Reise nahm gute fünf Tage Fußmarsch in Anspruch, doch auf der gut ausgebauten Straße, die die Städte Thorwal, Kendra und Salza mit dem Königreich Nostria verband, kamen die Wolfstöter gut voran.

Thorwal, 28. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung (28.Efferd 1035 BF)

Endlich hatten sie die Hjaldingstadt Thorwal erreicht. Die Hauptstadt der Region war vor etwa 1.900 Jahren von Hetmann Bjarne Windzwinger an der Mündung des Bodir gegründet worden und war schnell ein wichtiger Handelsplatz geworden und auch bis heute geblieben. Der Fluss trennte die größte Stadt des Landes in Ost- und Weststadt, wo sich mit Schnitzereien und Ornamenten reich verzierte Häuser an ungepflasterten Straßen säumten, auf denen neben großen, blonden Thorwalern auch Mittelreicher, Norbaden, Bornländer und sogar einige Orks und Goblins ihren Geschäften nachgingen.
Walkir und Askir waren hier geboren und aufgewachsen, während der ältere der beiden Brüder in der Kriegerschule Ugdalfskronir zum Krieger ausgebildet worden war, hatte der jüngere Askir den Ruf der Runjas zu Swafnir vernommen und war diesem gefolgt. Zielstrebig begab sich der Diar durch die Straßen und über den Kapitän-Kerlock-Kanal zur Halla des Swafnir. Der Tempel des thorwalschen Hauptgottes war das größte und imposanteste Gebäude der ganzen Stadt. Gewaltige, schritt-dicke Steineichenstämme und ebenso große Felsblöcke stützten die Halla, die an Ornamentik nur so strotzte. Im Inneren des kolossalen Baus erstreckte sich ein großer Raum, in dessen Mitte das Altarpodest stand. Über diesem Podest hing die lebensgroße Nachbildung eines weißen Pottwals, den kunstfertige Holzschnitzer gefertigt hatten. Askir erzählte, das die Holzfigur ein hohler Klangkörper war, der zum einen zur Gewichtsverringerung aber auch zur Akustik der Halla beitrug. Kurz darauf wurde Askir zum Tempelvorsteher gerufen und Thure und Walkir sprachen ein kurzes Gebet zu Ehren Swafnirs. Dann verließen der Galdmader und der Rekker die Halla um nach einer Unterkunft für die heutige Nacht zu suchen.
Schließlich wählten sie eine Herberge nahe des nördlichen Stadttores und Thure versuchte noch einmal die Harfe Godsögnsvanir zu spielen. Während des Abendessens fiel Walkir eine schlanke Thorwalerin am Nebentisch auf. Die blonde junge Frau war in festes Leder geschnürt, über ihre Schultern hing ein Fellumhang mit Kapuze. Unter einem Streifenschurz bedeckte ein einfacher Wollrock ihre Beine und an ihrer Hüfte hing ein Breitschwert. Kurzerhand stand Walkir auf und sprach die junge Frau mit den Zöpfen an, diese stellte sich den beiden als Korja Frenjadottir vor. Schnell kamen die Drei ins Gespräch und kurze Zeit später stieß Askir wieder zu seinen Gefährten. Korja erklärte sich gegen eine Bezahlung in Silber bereit die Männer über den Hjaldor-Pass zu bringen. Allerdings würden sie sich beeilen müssen, da dieser bald nicht mehr passierbar wäre, schließlich war es schon Ende Heimamond und im Gebirge würde es bereits schneien. Man einigte sich darauf am nächsten Morgen Proviant und Ausrüstung zu kaufen und sich dann auf den Weg nach Norden zu machen...

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 20.11.2014 20:03, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 25.10.2014 00:10 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.01.2008 01:02
Wohnort: Dunkle Zeiten / Wildermark
Bei Swafnir! Wann geht's weiter?

_________________
"Er ist voller Blut, warum ist er immer voller Blut?"


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 25.10.2014 12:54 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Thorwal, 29. Heimamond 2662 nach Jurgas Landung ( 29. Efferd 1035 BF)

Am nächsten Morgen suchten Thure, Walkir und Askir einen der Märkte in der Hjaldingstadt auf und kauften dicke Fellumhänge, Proviant und ein zehn Schritt langes Kletterseil. Dann verließen sie die Stadt durch das Bodirtor, trafen sich mit Korja, auf deren Schulter sich eine Nebelkrähe aufplusterte und neugierig die drei Männer aus kohlschwarzen, pupillenlosen Augen betrachtete, und ließen sich von einem der Flößer stromaufwärts nach Vilnvad bringen.

Vilnvad, 1. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 1. Travia 1035 BF)

Vor Generationen war das kleine Dorf Vilnvad von der Blutkämpfer-Ottajasko am Ufer des Bodir gegründet worden und war nun das Zentrum der wohlhabenden Bodirflößer. Freundlich wurden die Wolfstöter am Tag der Heimkehr empfangen und nach den rituellen Waschungen entsprechend verköstigt und beherbergt. Korja jedoch wollte schnellstmöglich weiter nach Felsteyn, da sie um die Gefahren der verschneiten Hjaldorberge wusste. So machte sich die Gruppe noch am selben Tag auf den Weg weiter nach Norden.

Felsteyn, 2. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 2. Travia 1035 BF)

Neben wenigen menschlichen Sippen, die vom Holz der nördlichen Ausläufer des Steineichenwaldes lebten, hatte sich in Felsteyn auch eine zwergische Sippe niedergelassen. Die kleinen, stämmigen Angroschim, so hieß es, gruben in den nahen Hjaldorbergen nach Erz und Zwergensilber und waren nur schlecht auf Durchreisende zu sprechen.
Dann wies Korja, deren Krähe über der Gruppe ihre Kreise zog, nach Norden. Vor den Wolfstötern erstreckte sich eine Ebene aus Silbergras, Ginster und Blutdorn und nur vereinzelt unterbrachen Wäldchen die weite Steppe. In der Ferne sahen sie die hohen Gebirgszüge der Hjaldorberge. Korja trieb zur Eile an und erzählte, dass einige der Gipfel mehr als viertausend Schritt hoch seien und ganzjährig mit Schnee bedeckt. Besorgt ließ sie ihren Blick Richtung Himmel schweifen und betrachtete die Wolken – der Wind roch nach Schnee.
Plötzlich blieb der Galdmader wie angewurzelt stehen. Ängstlich hielt er seinen runenverzierten Magierstab an sich gepresst und deutete mit zitternder Hand auf eine fast zwei Schritt lange, ungewöhnlich dicke giftgrüne Schlange, die sich in einiger Entfernung durch das Silbergras schlängelte. Dann drehte der Wind und die Thorwaler wurden von einem üblen Gestank überrascht der eindeutig von dem Reptil ausging. Noch bevor Korja vor dem Scheinbasilisk warnen konnte, stapfte Walkir mit erhobener Orknase auf die Schlange zu. Überrascht wandte das Reptil seinen Kopf zu dem Rekker und starrte ihn über den gelben Hornfortsatz an und spuckte über mehrere Schritt weit Walkir an. Der Krieger wurde von dem Sekret getroffen und musste einen Brechreiz unterdrücken, da er nun selbst so abartig stank, wie der Scheinbasilisk. Wütend schlug der rot-blonde Hüne auf das Reptil ein und tötete es mit einem einzigen Hieb seiner Axt.
Angeekelt wichen seine Gefährten dem stinkenden Kadaver und Walkir aus und hielten auf dem weiteren Weg gehörigen Abstand. Immer wieder musste sich Thure kratzen, irgendetwas kitzelte ihn im Stiefel oder am Hals und versuchte mit der Gruppe Schritt zu halten. Auch Askir ging möglichst weit entfernt von seinem Bruder, der immer wieder beteuerte er würde gar nicht so schlimm riechen, was natürlich jeder thorwalschen Nase spottete.
Je näher die Vier den Bergen kamen, umso seltener wurden die Bäume. Vereinzelt flatterten verschreckte Rebhühner auf und nur noch Krüppelkiefern und Heidekraut trotzten hier dem scharfen, kalten Wind, der das graue Urgestein mit den rötlichen Adern aus Eisenerzrost umtoste und der selbst die kleinste Lücke in der Gewandung der Wolfstöter fand. Als die Abenddämmerung einsetzte, steuerte Korja zielgenau einen kleinen Verschlag an, der für die Nacht Schutz vor dem beißenden Wind bot. Im Inneren des Verschlages, in den Walkir nur gebückt passte, hatten Wanderer trockenes Feuerholz gelagert. Während Korja noch einmal raus ging um neues Holz zu suchen und es ebenso zu trocknen und zurück zulassen, hielt Thure Walkir vor dem Verschlag auf. Bevor sein stinkender Gefährte es im Inneren unerträglich machen würde, wollte der Galdmader mit einem kurzen Zauber den armen Rekker von dem Sekret befreien, das sich durch Wasser nicht abwaschen ließ. Thure konzentrierte sich und strich über das Gesicht und den Körper Walkirs, woraufhin die Luft um den großen Krieger flirrte und Staub, Sekret und anderer Dreck förmlich von ihm und seiner Kleidung abfielen. Zufrieden klopfte Thure Walkir auf die Schulter und ließ ihn den Verschlag, in dem es sich Askir bereits bequem gemacht hatte, betreten.

Hjaldorberge, 3. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (3. Travia 1035BF)

Der nächste Morgen war klar aber kalt, als die vier Thorwaler den Hjaldorpass betraten. Der Pass war eine wichtige Verbindung zwischen dem Bodirtal und dem Waskirer Hochland und somit zwischen Süd- und Nordthorwal. Ein schmaler, steiniger Pfad, der nur zu Fuß oder mit geführten Lasttieren begehbar war. Immer wieder kamen Stellen, an denen der Pfad so schmal wurde, dass sie hintereinander gehen mussten und mehr als einmal gerieten die Steine unter ihren Füßen ins Rutschen und nur ein beherzter Griff eines Gefährten verhinderte einen Sturz. Links und Rechts erhob sich der schroffe Fels der Gebirgskette und mit jedem Höhenmeter wurde der Wind kälter und die Luft dünner. Der Aufstieg war kräftezehrend und die Kundschafterin ließ die Wolfstöter mittags nur kurz rasten.
Dank Korjas strenger Beharrlichkeit erreichte die Gruppe bereits am späten Nachmittag den höchsten Punkt des Hjaldorpasses trotz. Hier war der Pfad für ein kurzes Stück angenehm breit und für einen Moment war die Anstrengung des Tages vergessen.
Plötzlich stieg krächzend und flatternd Korjas Nebelkrähe auf und umkreiste kreischend die Gruppe. Gewarnt zog die Kundschafterin ihr Breitschwert und machte sich kampfbereit. Auch Walkir zog seine neiden Äxte und beobachtete die zerklüftete Umgebung, während Askir den Rundschild von seinem Rücken gleiten ließ und versuchte den Galdmader in die Mitte der Gruppe zu nehmen.
Dann trat geschmeidigen Schrittes ein Säbelzahntiger zwischen den spitzen Felsen hervor und begann abschätzend vor den Wolfstötern auf und ab zu laufen. Urplötzlich sprang die muskulöse, mehr als drei Schritt lange und über einen Schritt große Katze Thure an! Korja konnte sich dem Eindruck nicht erwehren, das dieser Angriff gezielt war. Schnell entbrannte ein Kampf der mit Klinge, Krallen und Zähnen ausgetragen wurde, während der Galdmader versuchte zurück zu weichen. Askir gelang es immer wieder die Prankenhiebe mit seinem Rundschild abzuwehren, während Walkir gekonnt mit seinen Orknasen auf den Säbelzahntiger einschlug. Dann wandte sich die blutende Katze der Kundschafterin zu und schlug ihre dolchlangen, spitzen Fangzähne in Korjas Bein. Unter Schmerzen schrie die junge Frau auf, stürzte zu Boden und mit einem Satz war der Säbelzahntiger hinter den grauen Felsspitzen verschwunden. Wütend schrie Walkir dem Tier hinterher, doch eine Verfolgung war hier unmöglich.
Sofort trat Askir an Korja heran und untersuchte die schlimme Bisswunde, die durch Haut und Muskel bis zum Knochen gedrungen war. Ausgerechnet hier, wo zwei gesunde Beine quasi lebensnotwendig waren und vor allem die der Kundschafterin. Der Diar zückte sein Premer Feuer und wusch die Wunde aus und versorgte sie gut. Nun brauchten sie nur noch Ruhe um sich von Bissen und Kratzern zu erholen und neue Kraft zu tanken. Korja lies sich von Walkir und Thure stützen und führte die Wolfstöter in der Dämmerung zu einer Schlucht, über die sich eine Hängebrücke spannte. Auf der anderen Seite war zwischen den Felsen eine kleine Hütte zu erkennen – ihr heutiges Nachtlager.
Mit dem Kletterseil gesichert und mit wackeligen Beinen überquerten die vier Thorwaler die Holzbretter der schwankenden Brücke. Der Galdmader zwang sich nicht nach unten zu sehen und sich stattdessen auf die Hütte zu konzentrieren, als er auf einem rutschigen Brett ausglitt! Zum Glück war er an einem Hünen, und zwei weiteren großen Thorwalern festgebunden und fand nach kurzem Schwindel sein Gleichgewicht wieder.
Erschöpft und durch gefroren erreichten sie die Hütte, schürten das Feuer, verschlossen die Tür und sanken bis auf Thure, der immer wieder von Stöckchen gepiekt wurde, in einen tiefen, erholsamen Schlaf, während draußen weiße Flocken um den rauchenden Schornstein tanzten.

Hjaldorberge, 4. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 4.Travia 1035BF)

Vorsichtig versuchte Korja ihr Bein zu belasten und humpelte zur Tür um diese zu öffnen. Die Wolfstöter hatten ihre Sachen zusammen gepackt und waren bereit zum Aufbruch. Heute würden sie den Abstieg hinter sich bringen und damit den Hjaldorpass hinter sich lassen. Die Kundschafterin übernahm wieder die Führung und trat hinaus in die kalte Luft. Hier und da war etwas vom Schnee liegen geblieben, doch noch war es tagsüber nicht kalt genug. Nach leichteren Kletterpartien und stundenlangem Fußmarsch erreichten sie am Nachmittag das Waskirer Hochland. Von nun an folgten sie dem Waskirer Pfad, einem Karrenweg, der die Dörfer Skovbjerg und Tyldon mit der Stadt Waskir verband.
Am frühen Abend kam das Dorf Orkgard in Sicht. Ursprünglich eine Ork-Siedlung, waren vor vielen Jahrhunderten Orks und Thorwaler in Streit geraten, worauf hin das gesamte Dorf blutig abgeschlachtet worden war. Die gefallenen Orks waren in großen Gruben verscharrt worden und noch heute gab es Gerüchte über Geistererscheinungen und verfluchte Massengräber. Askir merkte wie Nervosität in ihm aufkam. Er wollte keine Nacht in diesem Ort verbringen, an dem Geister umher gingen – schon gar nicht Ork-Geister! Nach Worten ringend versuchte er seine Gefährten zu überzeugen doch schnellen Schrittes bis nach Skovbjerg zu reisen und erst dort zu rasten. Walkir durchschaute seinen Bruder, pflichtete ihm aber bei und so lege die Gruppe einen Gewaltmarsch ein um spät in der Nacht das kleine Dorf zu erreichen.

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 20.11.2014 20:06, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 25.10.2014 17:51 
Offline

Registriert: 22.02.2013 11:52
Von euch kann man aber wirklich alles sehr gut lesen. :) Tolle Gruppe müsst ihr sein!

Danke für die Spielberichte.

Grüße,
Philip


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 13.11.2014 19:17 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Vielen Dank Amra1983, ich freue mich über das positive Feetback.


Die Versunkenen

Ein Sturm zieht auf

Waskirer Hochland, 6. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (6. Travia 1035 BF)

Die nächsten Tage folgten die Wolfstöter dem Waskirer Pfad durch die karge Heidelandschaft des Hochlandes. Auf den hügeligen, nebelverhangenen Wiesen weideten langhaarige Thorwaler Bergbraune, während der kalten Beleman unaufhörlich durch das Heidekraut blies und dunkle Wolken über den bleigrauen Himmel trieb. Wieder waren alle froh zuvor warme Fellumhänge und Winterkleidung gekauft zu haben, doch dann setzte leichter Nieselregen ein und mit jeder Stunde auf dem Karrenpfad wurde die Kleidung klamm. Korja ermunterte die Männer, dass es bis Waskir nicht mehr weit sei und zog ihren Umhang enger. Kurz darauf erspähte Askir, auf einem nahe gelegenen Hügel, ein grob zusammen gezimmertes Holzgestell, das erstaunliche zehn Schritt in die Höhe ragte. Ein Mann in einem schneeweißen Gewand stand ganz oben auf der Plattform, die weder überdacht, noch durch ein Geländer gesichert war. Angestrengt blickte der Mann nach Westen, während der Wind an seinem Gewand riss und der Hochstand bereits gefährlich knarrte. Askir erkannte in dem Mann einen Ifirns-Diar, der just in diesem Moment von einer heftigen Böe erfasst wurde, die den Geweihten von dem Hochstand riss! Schreiend stürzte der Diar in die Tiefe.
Sofort liefen Askir und Thure los um den Sturz des Ifirn-Geweihten abzufangen, der trotz der starken Arme der beiden schwer auf dem schlammigen Boden aufschlug worauf sich das schneeweiße Gewand des Diar rot und braun färbte. Askir stürzte hinzu und untersuchte den Geweihten, der ohnmächtig am Boden lag. Er stellte mehrere Knochenbrüche und Prellungen fest, sowie eine Platzwunde am Hinterkopf. Der Swafnirs-Diar versorgte die Wunden, so gut es ging, damit man den Mann wenigstens nach Waskir bringen konnte.
Langsam erwachte der Geweihte aus seiner Ohnmacht. In seinem Gesicht sah man, wie der Schmerz durch seinen Körper raste und mit schwerer Stimme presste er hervor: „Wartet! Ihr müsst da hinauf! Ihr müsst mir berichten, was ihr im Westen seht. Sagt mir was ihr im Westen seht…“. Stöhnend atmete er aus: „Ich muss wissen wie das Wetter wird. Ihr müsst hoch und die Zeichen beobachten.“
Thure lies seinen Blick über die Wolfstöter schweifen und rieb sich die Hände. Geschickt kletterte der Galdmader auf den Hochstand und trotzte dem kalten Wind - er fühlte sich ganz in seinem Element. Schon so oft hatte er in Olport auf den windumtosten Klippen gestanden und mit dem Sturm gerungen und diesem sogar seinem Willen unterworfen. Thure sah in der Ferne die Umrisse Waskirs. Nördlich der Stadt lag eine düstere Landschaft, die fast vollständig von Nebel- und Wolkendunst verborgen war. Dies musste das geheimnisvolle Seufzermoos sein. Der Himmel selbst zeigte nur dunkle Wolken. Der Galdmader versuchte die Fragen des Ifirns-Diar nach Wolken, Vögeln und Windstärke genauestens zu beantworten.
Thure beschrieb, wie ein tief fliegender Schwarm Vögel nach Osten zog und sich kleine, dunkle Wirbel in den Wolken bildeten und ebenso schnell wieder verschwanden. In der Ferne zogen sich dunkelgraue Schleier bis auf den Boden, ein Zeichen für starken Regen und die Wolken selbst schienen bis zum Erdboden zu reichen. „Ich habe es geahnt.“, stöhnte der Geweihte, „Ich habe es befürchtet. Ein schwerer Sturm kommt. Uns werden kaum zwei Tage bleiben, uns zu wappnen. Rasch, ich muss sofort nach Waskir, um die Hetfrau zu warnen.“In der Zwischenzeit hatten Korja und Walkir eine provisorische Trage gebaut. Vorsichtig legten sie den Ifirns-Diar, der sich als Isgrein Tjorvesson vorstellte, auf die Trage und brachten ihn nach Waskir.

Waskir

Trutzig erhob sich hinter einem dichten Hagen ein vier Schritt hoher Erdwall aus dem kalt-feuchten Bodennebel. Das dichte Gestrüpp und die jungen Bäume waren nach außen gebogen worden, sodass ein Durchkommen fast unmöglich war und der Erdwall war mit knietiefen Gruben und Pflöcken gespickt um anstürmende Feinde zu verderben. Das Gelände zwischen Wall und Stadtmauer war in einem Umkreis von dreihundert Schritt sorgsam gerodet. Waskir war etwa 150 v.BF gegründet worden, nachdem frühere Siedlungen immer wieder von Schwarzpelzen vereitelt worden waren. Korja erzählte, dass die Waskirer einmal im Jahr den so genannten Tidseldag begingen und das gesamte Areal von wildem Bewuchs befreiten. Die Wolfstöter folgten dem Waskirer Pfad zu dem schmalen Stadttor und wurden Dank Askir und dem verletzten Isgrein nur kurz aufgehalten.
Sie betraten ein Gewirr aus matschigen, schmalen, kleinen Gassen, an denen sich elende Lehmhütten reihten, die Behausungen der Ärmsten und der Sippenlosen. Das Herz der Stadt bildeten zwei mit Wällen umfriedete Ottaskins, in denen rechteckig die Jolskrimi angeordnet waren: die der Farseeson-Ottajasko und die der Nunnur-Sippe. Beide Sippen hatten Waskir gegründet und buhlten seitdem um die Hetwürde. Diese Feindseligkeit spaltete die ganze Stadt, berichtete Korja und führte die Wolfstöter in die Mitte Waskirs, wo sich das älteste Gebäude der Stadt erhob. Die wehrhafte große Halla hielt jedem Orkangriff stand und war über und über mit Tierornamenten bedeckt. Sie diente heutzutage nur noch als Fremdenunterkunft und nicht mehr als Hetsitz. Isgrein wollte schnellstmöglich zu Anhild Iransdottir gebracht werden, das momentane Stadtoberhaupt gehörte zur Farseeson-Ottajasko und Gerüchten zufolge hatten sich in den letzten Monden wieder verstärkt Schwarzpelze über die Große Olochtai im Osten gewagt. Anhild gedachte nicht dies zu dulden und plante bereits eine besonders gefährliche Ork-Rotte ausmerzen.
Trotz Isgreins Beharrlichkeit wurden die Wolfstöter an den fettleibigen Hetmann Ansgar Iranson verwiesen, da seine Schwester momentan in der Rondra-Burg weilte und sich dort mit den Rekkern der Waskirer Hjolmskari zu beraten. Isgrein berichtete Ansgar von seinen Beobachtungen, doch dieser blickte nur verwundert in den Himmel: „Also nach einem schrecklichen Sturm sieht mir das nicht aus. Hast du wieder zu tief in den Krug geschaut, Isgrein?“. Schallend lachte der fettleibige Hetmann und die Umstehenden Farseesons fielen mit ein. Just in diesem Moment kamen Männer der Nunnur-Sippe hinzu und baten die Wolfstöter ihnen zu ihrem Hersir Dhaenkir Walkisson zu folgen. Das Oberhaupt der Nunnur-Sippe hatte von der Aufregung um die Fremden Kenntnis bekommen und zeigte sich zunächst ungehalten, da seine Männer die Wolfstöter bei den verhassten Farseesons angetroffen hatten. Doch als ihm Isgrein und Thure von dem drohenden Sturm berichteten, runzelte Dhaenkir die Stirn: „Ihr bringt interessante Kunde. Gerade erst vor einem halben Mond gab es seltsame Zeichen, als wir den ’Söhnen des Sturms’ unsere Opfer darbrachten. Sie wirkten sehr zornig.“. Sichtlich beunruhigt bot er den Fremden an, ihnen zu helfen, zu Anhild Iransdottir vorzudringen: „Hetmann Iranson ist ein fetter Tölpel. Er sollte lieber den Söhnen des Sturms opfern, wenn er etwas über das Wetter lernen will. Folgt mir, ich bringe Euch zum ’Propheten des Razorag’, vielleicht weiß er etwas von seinem Gott.“.
Askir traute seinen Ohren nicht! Hatte der Hersir tatsächlich von einem Propheten eines Orkgötzen gesprochen: „Hast du gerade ’Prophet des Brazorag’ gesagt?!?“. Dhaenkir verneinte dies und führte die Wolfstöter zu einer Hütte am Stadtrand. Ein uralter Mann in wilden Fellen und mit einer urtümlichen Hornkappe öffnete die Tür, begleitet von einem Schwall süßlicher und scharfer Düfte die aus dem Innern der dunklen Hütte stammten. Abschätzend blickte er die Fremden an und warnte sie davor sich mit dem Gnadenlosen Gott messen zu wollen oder gar seine Pläne zu durchkreuzen, bis Dhaenkir das Wort ergriff und ihn unterbrach. Korja fragte den Alten nach einem kommenden Sturm und die schwarzen Augen des zahnlosen Greises leuchteten auf: „Ja, ja, Razorags tobendes Schneegewitter kommt früh dieses Jahr. Wütend ist er, denn die Schwarzpelze haben dieses Jahr viel Stierblut geopfert. Razorags Zorn wird groß sein!“. Er kicherte vor sich hin und war nicht erpicht darauf die Waskirer vor dem Sturm zu warnen. Doch als Askir, Thure und Dhaenkir gemeinsam auf ihn einredeten, ließ er sich dazu bewegen sie zur Hetfrau zu begleiten.
In Begleitung des Hersirs, des leidlich erholten Ifirns-Diar und des Propheten gingen die Wolfstöter zur Rondra-Burg. Anhild Iransdottir war gerade dabei um die dreißig Rekker auf die morgige Orkhatz einzustimmen. Neben ihr stand bereits ihr Bruder Ansgar, der sie wohl bereits vorgewarnt hatte. Als er Dhaenkir erblickte, verzog er höhnisch das Gesicht: „Hätte ich mir denken können, dass du dahinter steckst, Dhaenkir Sturmtäubchen. Versprichst dir wohl was davon, wenn wir die Leute in alle Richtungen aussenden müssen, statt sie Orks jagen zu lassen. Machst immer noch gemeinsame Sache mit den Schwarzpelzen.“ Dhaenkir ignorierte die Beleidigungen und Anhild gebot ihrem Bruder zu schweigen: „Sagt was ihr zu sagen habt.“ Isgrein berichtet unter Schmerzen, was er mit Hilfe der Wolfstöter gesehen hat und auch der Prophet wiederholte seine Warnung. Nach einem Augenblick sorgenvollen Nachdenkens nickt sie zustimmend: „Ich glaube euch und ich glaube Isgrein und selbst dir, Dhaenkir. Wir müssen die Leute warnen, dass ein schwerer Sturm in das Land kommen wird.“ Ansgar konnte sich gerade noch seine Empörung verkneifen und blickte grimmig die Fremden an.
In kurzer Zeit wurden die Waskirer zusammen gerufen und Hetfrau Anhild Iransdottir führte an: „Ein schwerer Sturm wird in das Land kommen. Macht euch und eure Häuser bereit. Wir müssen auch die umliegenden Sippen und Höfe warnen, um Mensch und Vieh rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.“ Da sie keinen ihrer Rekker entbehren konnte, suchte sie nun tapfere Waskirer Bürger um die Warnungen zu überbringen. In alle Richtungen wurden Leute ausgesandt. Nur als es hieß, ins Seufzermoos zu ziehen, machten sich Unmut und Verzagen breit. Niemand war bereit ins Moor zu gehen. Verärgerung und Unsicherheit spiegelten sich in Anhilds Gesichtszügen, doch gab sie niemandem einen ausdrücklichen Befehl. Askir blickte kurz zu seinen Gefährten und nach zustimmendem Nicken trat der Swafnirs-Diar vor und erklärte sich und die Wolfstöter bereit diese Aufgabe zu übernehmen. Auch Korja meldete sich, auch wenn ihr Dienst für die Männer mit ihrer Ankunft in Waskir geendet hatte. Zur Überraschung der Vier meldete sich noch eine weitere Thorwalerin, die augenscheinlich nicht aus Waskir stammte. Eine hochgewachsene und doch zierliche, blonde junge Frau in Lederzeug, Streifenschurz und hohe Stiefel gewandet, trat vor und stellte sich als Branja Ragnarsdottir vor. Unter ihrem langen Kapuzenumhang erkannte Walkir einen Säbel, sowie ein Skraja. Besondere Aufmerksamkeit zog eine Linkhand auf sich, die Branja, nachdem sie Walkirs Blick erhascht hatte, unter ihrem Umhang verdeckte.
Die Hetfrau war sichtlich erfreut über die Tapferkeit der Fremden und gab ihnen Proviant und wichtige Informationen mit auf den Weg. Es gab drei bedeutende Höfe in dieser Gegend, den Laskorhof, den Thorstörhof und den Olmsjumhof, auf die sich den Wolfstöter beschränken sollten. Der Ort Siljen lag in nordöstlicher Richtung und war nur über einen alten Bohlenpfad zu erreichen, dem sie folgen sollten. Korja kannte einige düstere Geschichten über das Moor, die man sich in und um Waskir erzählte. So berichtete man sich, das Seufzermoos würde seit einigen Wintern wachsen und der Stadt immer näher kommen. Auch von unheimlichen Lichtern im Nebel und schaurigem Geheul in der Nacht wurde erzählt und immer wieder hörte sie den Satz: „Das Moor frisst.“ wenn es um verschwundene Torfstecher ging. Hetfrau Anhild tat das Gerede ab: Das Böse im Seufzermoos ist besänftigt. Aber die einfachen Leute hier haben eben immer noch Angst.“ Mit dem Versprechen die Wolfstöter nach ihrer Rückkehr mit guten Waffen gegen Orks und anderes Unbill auszustatten, machten sich die Fünf am Nachmittag in nordöstlicher Richtung auf den Weg ins Seufzermoos.

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 20.11.2014 20:51, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 20.11.2014 20:50 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Entlang des Seufzermooses

Korja übernahm wieder die Führung der Gruppe, als sie in der näheren Umgebung Waskirs ein paar wenige Gehöfte passierten. Die Torfstecher und Bauern empfingen die Fremden zunächst misstrauisch, waren dann aber dankbar, als sie von dem kommenden Sturm erfuhren. Die meisten sandten sofort Leute aus, um andere Bewohner der Gegend zu warnen und den störrischeren unter ihnen, sprach Askir eindringlich zu, bis auch diese einwilligten. Je tiefer sie ins Seufzermoos vordrangen, desto morastiger wurde der Boden, bis der Pfad schließlich in einen von Moos überwachsenen Bohlenweg überging. In den schwarzen Schlick und den schwammigen Torf klammerten sich Boronsweiden und Schwarzerlen, mal vereinzelt, mal in Gruppen oder Wäldchen, die im Nebel unheimlich auf die Wolfstöter zu starren schienen. Abseits des Bohlenpfades täuschte Wollgras festen Boden an und Schilf drängte sich zusammen mit Röhricht an dunkle Sumpflöcher, aus denen immer wieder schmatzend Sumpfgas aufstieg. Einen grausigen Anblick bot eine verlassene Kate, die halb im sumpfigen Boden versunken war. Während alle weiter dem Pfad folgen wollten, wurde der Swafnirs-Diar von seiner Neugier übermannt. Vielleicht befand sich noch etwas brauchbares oder gar wertvolles in der verrottetem Kate. Askir schlang sich das Seil um die Hüfte und wies seinen Bruder an das Ende gut festzuhalten. Dann verließ er die Bohlen und trat in das tückische Moor. Just in diesem Moment ging ein Zittern durch den schwammigen, weichen Boden und Askir blieb wie erstarrt stehen. Auch die anderen hielten förmlich die Luft an, doch als sich nach wenigen Augenblicken nichts rührte, ging Askir weiter auf die Kate zu. Schwärzliches Wasser umschloss seine hohen Stiefel und saugte gierig daran. Vorsichtig näherte er sich der Hütte, deren morsches Holz von Flechten, Pilzen und Moosen überwachsen war und spähte durch eine Öffnung, die wohl einmal ein Fenster gewesen war. Im Innern, oder besser was davon übrig war, herrschte Dunkelheit und feuchtmodriger Geruch. Gerade als sich Askir tollkühn vor lehnte um weiter in das Fenster zu sehen, erzitterte das Seufzermoos erneut. Mit einem ächzenden Knarren begann die Kate im Moor zu versinken und ließ der Swafnirs-Diar erschrocken einen Satz nach hinten machen und zurück zu seinen Gefährten eilen. Die Wolfstöter folgten weiter dem Bohlenpfad, vorbei an Faulbäumen und anderem toten Gesträuch bis endlich, als es bereits dämmerte, in der Ferne die Lichter eines größeren Hofes auftauchten – der Laskorhof.

Der Hof bestand nur aus wenigen Gebäuden. Die große Halla, an die sich nur ein Stallgebäude, sowie eine Schreinerwerkstatt und ein Lagerhaus anfügten, diente den rund vierzig Bewohnern als Wohnstatt und war Sitz der alten Hersirin Trondja Laskorsdottir. Als Askir an die Tür klopfte wurde den Wolfstötern Einlass gewährt und sie berichteten der Hersirin von dem drohenden Sturm und den Worten Isgreins. Trondja bot den Fremden an, über Nacht zu bleiben und mit ihnen zu speisen, während ein Mann namens Hujo zu den benachbarten Katen ausgesandt wurde. Später lies sich die einäugige Schreinerin Hella Trullasdottir von Walkir dazu überreden, den Wolfstötern vom Seufzermoos und den anderen Höfen zu erzählen. So berichtete sie, dass der Thorstörhof etwa fünf Wegstunden entfernt und ihr letztes Ziel, der Olmsjumhof sechs Meilen südlich der Stadt Siljen, abseits jeglicher Wege läge. Eindringlich wies sie darauf hin, das Seufzermoos nur am Tage zu bereisen, da in der Nacht tödlicher Nebel aufziehen und das Moor zum Leben erwachen würde!
Man erinnerte sich an die Worte des Skalden, der ihnen berichtet hatte, dass mit dem Nebel die Geister der Verstorbenen kommen. Und auch Hella warnte sie davor im Nebel zu sprechen. Als Hujo wieder zurückgekehrt war, setzte er sich zu den Fremden und lauschte den Worten der Einäugigen. Als sie nun von unheimlichen Kreaturen erzählte und monströsen Bestien, die auf der Jagd nach Menschenfleisch seien, fiel ihr der grimmige Torfstecher ins Wort: „Hella hat Recht. Erst gestern Abend sah ich den Schatten einer fürchterlichen Kreatur! Sie lauerte hinter Gestrüpp und knabberte an den Knochen der Toten. Schmatzend zog sie mit ihren Reißzähnen verrottete Fleischfetzen von dem fahlen Gebein. Ich habe die Beine in die Hand genommen und bin zurück zum Hof gelaufen!“
Die Schreinerin nickte: „Selbst Bäume und Gesträuch wandern nachts umher, genau wie die unheimlichen Lichter, die das Moor durchstreifen.“ Unbehaglich gingen die Wolfstöter zu Bett , nur Walkir lag wach und dachte an die Klauenhände der Kreaturen, die Hella so ausführlich beschrieben hatte. Dann begann es zu regnen und während die Tropfen prasselnd auf das Dach des Jolskrim fielen, glaubte der Rekker schauriges Geheul und ein seltsames Flüstern zu vernehmen. Unruhig stampfte Walkir die restliche Nacht in der Halla umher, wodurch die anderen kaum Ruhe fanden.

Seufzermoos, 7. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 7. Travia 1035 BF )

Am nächsten Morgen hielten Regen und Sturm immer noch an und schienen sogar zugenommen zu haben. Tiefdunkle Wolken verfinsterten den Himmel und schluckten das Licht des Praiosmal und der Wind kroch in jede Ritze. Nach kurzer Verabschiedung und neuerlichen Warnungen, machten sich die Wolfstöter auf dem Bohlenpfad in nördlicher Richtung auf, um zum Thorstörhof zu gelangen. Nach einigen Stunden beschwerlichen Marsches, gabelte sich der Pfad – niemand hatte diese Abzweigung erwähnt! Doch Korja war sich sicher, welcher der Wege zumindest in die richtige Richtung lief, und so verließen sich die Männer und Branja wieder einmal auf die Kundschafterin. Der Pfad den sie gewählt hatte war tatsächlich der richtige gewesen. In der Ferne schälten sich zwei Langhäuser aus dem Nebel - der Thorstörhof. Dieser war bei weitem der größte Hof der Gegend, unterschied sich aber nicht weiter von dem der Laskor-Sippe. Neben den Jolskrimi gab es einen Stall, eine Schmiede und ein paar kleine Verschläge. Auf dem Hof herrschte helle Aufregung, die gesamte Thorstör-Sippe schien auf den Beinen zu sein und niemand bemerkte die Ankunft der Wolfstöter.
Plötzlich stand ein kleiner Junge mit Sommersprossen und meerblauen Augen vor dem großen Walkir und seinen Gefährten. Furchtlos blicke der Junge die fünf Fremden an: „Was wollt ihr denn hier? Habt ihr euch verlaufen?“ Askir trat lächelnd vor und bat darum mit dem Hersir zu sprechen. Sofort griff der Kleine, der sich als Hjore Eiriksson vorstellte den Diar am Ärmel und zog ihn hinter sich her, zu einem großen Mann. Der dunkelblonde Hüne hatte ein vertrauenerweckendes Gesicht, das sich allerdings sehr grimmig und ablehnend zeigte, als er vom Anliegen der fremden Thorwaler erfuhr. Hardred Thorstörsson ließ sich allerdings erst nach eindringlichen Hinweisen auf das drohende Unheil und der Hilfe des Swafnirs-Diar davon überzeugen, das seine Sippe in Gefahr sei. „Ausgerechnet jetzt...seit gestern Nacht ist die kleine Raska spurlos verschwunden. Wir haben gerade einen Suchtrupp zusammengestellt, aber angesichts des nahenden Sturmes, habe ich wohl keine andere Wahl, als die Suche abzubrechen.“, meinte Hardred und forderte mit deutlichem Unbehagen die Bewohner, fast allesamt Torfstecher, auf den Hof sturmfest zu machen, anstatt nach dem verschwundenen Mädchen zu suchen.
Kurz darauf traten zwei Thorwaler an die Wolfstöter heran. Der Schmied Eirik Thorkarsson, ein stattlicher Mann mit rotbraunem Haar und prächtigen Muskeln, die mit den Runen für Feuer und Kraft tätowiert waren und eine Frau mit langen blonden Zöpfen, Wulflind. Die Beiden schienen sichtlich verzweifelt und Wulflind ergriff das Wort: „Ich habe ein Bitte an euch: Findet meine Tochter. Ich möchte meine Raska wieder in die Arme schließen. Sie kann doch nicht alleine da draußen bleiben. Schon gar nicht wenn ein so schlimmer Sturm droht. Ich bitte euch inständig.“, dabei sah sie hilfesuchend vom Rekker zum Swafnirs-Diar und dem Galdmader und dann zu den beiden Frauen: „Bitte. Meine Tochter ist erst elf Winter alt.“ „Meine Frau und ich können den Hof nicht ohne Hardreds Zustimmung verlassen. Ihr seid doch tapfere Männer und Frauen, schließlich hat euch Anhild persönlich geschickt. Bitte findet unsere Tochter, es ist zum Wohle des ganzen Hofes.“, sagte Eirik und nahm Wulflind in den Arm, über deren Gesicht ein Schatten huschte. Als Hardred zustimmte, einen Jäger der Sippe zum Olmsjumhof zu schicken, erklärten sich die Wolfstöter bereit, der Bitte Wulflinds und Eiriks nachzukommen und Raska zu suchen. Der Hersir schlug den Fremden vor, den weisen Godi Eldgrimm Thornbold aufzusuchen, der in einer Hütte im Moor lebt. Er könne aus den Runen die Zukunft lesen und vielleicht konnte er den Wolfstötern den Aufenthaltsort des Mädchens nennen. Der Weg wäre zwar mühsam und schwierig, aber innerhalb eines halben Tages zu schaffen. Dann konnte sich Hjore nicht mehr zurück halten und bestand darauf seine Schwester selbst wiederzufinden oder zumindest bei der Suche zu helfen, schließlich kannte er den Weg zum Godi und nannte den Wolfstötern einige auffällige Wegmarken. Eirik und Wulflind gaben den Fremden eine genaue Beschreibung ihrer Tochter. Raska hatte lange blonde Locken und eisblaue Augen. Während Eirik den ungehaltenen Hjore mit strengen Worten zurück ins Haus schickte, kam Wulflind noch einmal auf die Gruppe zu und berichtete, dass ihre Tochter ein glückbringendes Amulett trägt, dass sie ihr zum Schutz geschenkt hatte. Mit diesen Informationen machten sie sich auf den Weg zur Hütte des geheimnisvollen Godi...

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 25.11.2014 23:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Ins Herz des Seufzermooses

Der Weg führte die Wolfstöter abseits des Bohlenweges mitten hinein in das endlose Hochmoor, wo nichts als knorrige Bäume, graue Weiden und dornige Büsche zu finden waren. Um nicht in verborgene Schlammlöcher zu stolpern, banden sich die Fünf mit dem Seil aneinander und stampften der Kundschafterin folgend durch die einsame Wildnis. Begleitet wurden sie nur vom Ächzen und Knarren der Bäume im Wind und den fauligen Gerüchen, fast schien es Thure, als würde das Seufzermoos atmen. Die leichten Beben erinnerten ihn an eine alte Saga, die davon erzählte, dass "eine uralte, böse Kreatur tief unter dem Sumpf hause". Es lief dem Galdmader kalt den Rücken runter und er war nicht der Einzige, der sich nervös umsah. Der heraufziehende Sturm trieb düstere, bleigraue Wolken heran und mit jedem Schritt schien der Himmel dunkler zu werden. Immer wieder blieb Korja stehen um ein Licht in der Ferne zu beobachten und die vom heulenden Wind bewegten, kahlen Äste schienen nach den Thorwalern zu greifen. Plötzlich erschallte ein irrsinniges Gelächter hinter ihnen und war gleich darauf wieder verstummt. Alle packten ihre Waffen fester und sie beschleunigten ihren Schritt.
Bald darauf blieb Korja wie angewurzelt stehen. Der Pfad verlor sich in einem Gebiet aus Wollgras und dunklem, feuchten Grund. Die Kundschafterin schaffte es nicht den Pfad auszumachen, doch in einiger Entfernung schien sich der Weg fortzusetzen. Entschlossen bat sie Askir um seinen Jagdspieß und um mehr Seil. Dann trat sie vorsichtig in das Hochmoor und testete vor jedem Schritt den sie tat den Untergrund. Während ihre Gefährten sich jeden ihrer Schritte einprägten, arbeitete sich Korja bis zu der Stelle, an der sie den Pfad vermutet hatte. Ihre Instinkte hatten sie nicht getäuscht. Sie winkte Walkir zu und einer nach dem anderen folgten ihr durch den Sumpf.
Nach ein paar weitern Stunden Marsch forderte Branja die Gruppe auf anzuhalten. Etwas abseits der Weges lag ein länglicher, schleimiger Körper, der einen fürchterlichen Gestank verbreitete. Die Sviksaekona, die sich erst in Waskir den Wolfstötern angeschlossen hatte, äußerte die Vermutung, das es sich bei dem verfaultem Etwas um ein zweibeiniges Wesen gehandelt haben musste - ein grausiger Gedanke beschlich die Thorwaler.
Schnell machten sie sich wieder auf den Weg, denn der Regen nahm immer mehr zu. Plötzlich machte Korja vor ihnen Bewegungen im Unterholz aus. Das aufgeregte Knurren und Kreischen konnte nur eins Bedeuten: Sumpfranzen. Just in diesem Moment brachen die wilden Tiere aus den Büschen hervor, geradewegs auf die Gruppe zu! Während sich die Kundschafterin intuitiv zu Boden warf, stellte sich Askir mit erhobenem Schild vor den Galdmader und der Rekker schaffte es sogar eine der Sumpfranzen mit seiner Orknase zu verletzen. Doch anstatt, dass sich die überlegene Rotte auf die Thorwaler stürzte, preschte sie einfach an ihnen vorbei und verschwand im Hochmoor hinter ihnen. Irritiert sahen Walkir und seine Gefährten der Rotte hinterher und versuchten zu verstehen, was hier gerade geschehen war. Was war in diese Biester gefahren? Irgendwie hatten die Sumpfranzen eher verängstigt als angriffslustig gewirkt und einige der Tiere waren bereits verletzt gewesen. Sie beschlossen die Spuren zurückzuverfolgen, da die Sumpfranzen aus nördlicher Richtung gekommen waren, in welcher auch die Hütte des mysteriösen Godi liegen sollte. Nach etwa einer Viertelstunde fanden die Wolfstöter zwei tote Sumpfranzen im Morast, die offenbar von einer wilden Bestie angefallen worden waren. Die Fänge des unbekannten Angreifers hatten ganze Fleischbrocken aus dem Leib herausgerissen und das graugrünen Fell war über und über mit Schlamm und Blut besudelt, während die roten Augen fast schon angstgeweitet ins Nichts starrten. Während Korja die Körper untersuchte, sahen sich die Anderen in der näheren Umgebung um und tatsächlich fanden sie im dunklen Schlamm ungewöhnlich große, entfernt menschenähnliche Fußabdrück jedoch mit großen Klauen, die weiter nach Norden führten!
Die Kundschafterin fand an einer der Sumpfranzenleichen ein hölzernes Amulett, das an den Überresten einer vermoderten Lederschnur hing. Sofort rief sie ihre Gefährten zu sich und zeigte ihnen ihren Fund, der genau Wulflinds Beschreibung, des Amuletts ihrer Tochter entsprach: ein halbrundes Holzstück aus verwachsenem Wurzelgeflecht an einer Schnur. Der Galdmader nahm das Amulett an sich, aber als sie keine Spur von Raska finden konnten, machte sich die Gruppe eilig auf den Weg.
Kurze Zeit später beschlich Thure wieder das ungute Gefühl, dass sie beobachtet wurden und diesmal teilten auch die Anderen diese Ansicht. Auf unheimlicher Art schien sich das Moor gegen sie stellen zu wollen. Immer wieder fielen ihnen einzelne Vögel auf, die sie von einem morschen Ast herab eindringlich ansahen, bevor sie krächzend wegflogen. Und dann schien ihnen ein windgepeitschtes Gebüsch den Weg versperren zu wollen.
Auf einmal nahm Walkir in seinem Augenwinkel eine huschende Bewegung wahr und bemerkte, dass hinter einem Baumstumpf der Zipfel eine dunklen Kapuze heraus lugte. Ohne zu zögern ging der Rekker mit gezogenen Orknasen auf den Baumstumpf zu und packte beherzt zu. Überrascht zog der Hüne den zappelnden Hjore hervor! Der Junge bestand darauf seine Schwester zu suchen, koste es was es wolle: "Ich muss meine Schwester finden! Nehmt mich mit, ich versprechen auch keinen Ärger zu machen.", stolz richtete er sich auf. "Außerdem hab ich keine Angst vor Wölfen oder Sumpfranzen!" und hob trotzig mit beiden Händen und sichtlicher Mühe ein Skraja hoch, das er von seinem Vater hat mitgehen lassen. Die Thorwaler waren sich nach kurzer Diskussion einig, dass sie Hjore weder allein noch mit Begleitung zurück schicken konnten und so nahmen sie den dickköpfigen kleinen Jungen mit. Thure nutzte die Gelegenheit und zeigte Hjore das Amulett, das Korja gefunden hatte. Erstaunt meinte er, dass dieses Amulett seiner Mutter gehört. Sie hatte es in einem Kästchen versteckt, aber er vermochte nicht zu sagen, wie es hierher gelangt war.

Der alte Godi

Gegen Mittag erreichten die Wolfstöter eine kleine Grasebene, auf der eine alte, aber solide Kate stand, die der Beschreibung der Thorstörhofer entsprach - die Wohnstatt des Godi. Vorsichtig näherten sie sich der Hütte, die über und über mit Moosflechten und Pflanzenranken bewachsen war. Die Tür war nur angelehnt und aus dem Inneren kamen ihnen strenge und würzige Gerüche entgegen. Als die Gruppe nach kurzem Anklopfen keine Antwort erhielt, trat Walkir entschlossen ein und sah einen alten Mann mit schlohweißem, zerzausten Haar und Bart, der sich in diesem Moment hastig zu dem Rekker umdrehte und erschrocken einen Krug fallen ließ: "Aaaah! Macht euch doch bemerkbar, bevor ihr einen alten Mann so erschreckt.", dann trat er näher heran und betrachtete die Fremden "Wer seid ihr denn? Ich kenne euch nicht." Das von Falten zerfurchte Gesicht Eldgrimms zeigte eine gewisse Nervosität, dass sich zu Unruhe wandelte, als die Wolfstöter dem Godi berichteten, dass sie vom Thorstörhof kamen um die kleine Raska zu suchen: "Uns wurde gesagt du kannst die Runen nach Raskas Schicksal befragen." Lächelnd willigte der Seher ein.
"Die Runen wollt ihr befragen? Seid ihr denn sicher, dass ihr mutig genug seid, das zu ertragen, was sie euch weissagen?", bedeutungsschwer blickte Eldgrimm die Gruppe an, dann spuckte er sich in die rechte Hand und griff zu einem Lederbeutel an seinem Gürtel. Er leerte den Inhalt in seine Handfläche: eine Hand voll beinerner Plättchen, in die Runen geritzt waren. Dann warf er die Runensteine in die Mitte der Wolfstöter und beugte sich ächzend hinunter, während Hjore neugierig hinter Walkir hervor spähte. Eine ganze Weile blickte er murmelnd auf die Runen und strich sich dabei nachdenklich über den krausen Bart, als plötzlich jede Farbe aus seinem Gesicht wich. Hektisch blickte er von einem Fremden zum Anderen und deutete stammelnd auf die Runen: "Die kleine Raska, weit...weit fort von hier ist sie. Die Kleine ist...fortgelaufen, um...ja, um dem Sumpf den Rücken zu kehren! Sie irrt durch den kommenden Sturm! Ich sehe sie in großer Gefahr - doch auch ihre Retter mit Schwert und Magie! Verlasst... verlasst das Moor Richtung Osten, und ihr werdet sie finden.". Der Godi war totenbleich und Schweiß rann ihm von der Stirn herab als er zitternd von den Runen zurück trat. In Walkir stieg langsam Wut auf, an den Stiefeln des Sehers hatte er frischen Morast entdeckt und auch der feuchte Mantel des alten Mannes lag achtlos abgeworfen am Boden, anstatt vor der Feuerstelle zu hängen. Branja war auch der frische, blutige Kratzer an der Wange Eldgrimms nicht entgangen und die junge Frau spannte ihren drahtigen Körper an. Korja wunderte sich nur warum der Godi die Tür bei diesem Wetter nur angelehnt hatte und schüttelte den Kopf, wie vergesslich manch einer im Alter wurde. Dem Swafnirs-Diar fiel auf, dass Eldgrimm immer wieder verstohlen zu der fellbehangenen Tür an der Rückseite des Raumes blickte, während der Galdmader sich zunehmend über die Nervosität des Godi wunderte. Ein Blick zu seinen Gefährten reichte, und Askir wusste, das sie seine Gedanken teilten. Von einer düsteren Vorahnung getrieben, schob er die Felle beiseite und stieß die Tür dahinter auf. In dem dunklen Verschlag dahinter lag auf einer Strohmatte das gesuchte Mädchen. Raska blickte verstört und ängstlich auf und zog die Wolldecke über ein dünnes, halb zerschlissenes Leinenhemdchen, das sie trug. "Ich...ich wollte ihr gerade trockenen Sachen bringen, als ihr kamt!", rechtfertigte sich der Godi stammelnd. Askir beugte sich zu dem Mädchen und wollte ihr aufhelfen, als ihm die Striemen an Handgelenken und Knöcheln auffielen - Raska war gefesselt worden! In diesem Moment drängelte sich Hjore zwischen Walkirs Beinen durch und stürzte auf seine Schwester zu: "Raska! Raska! Wir sind hier um dich zu retten!"
Während Askir und Branja versuchten sich um Raska zu kümmern, stellten Walkir, Thure und Korja den Godi zur Rede und quetschten ihn förmlich aus. Immer wieder beteuerte Eldgrimm er habe Raska gerettet und das ganze sei ein Missverständnis. Als der Swafnirs-Diar mit Hilfe von Hjore versuchte, das Mädchen aus den feuchten Sachen zu bekommen entdeckt er mit Schrecken Blutspuren auf dem Leinen. Vorsichtig zog Askir das Hemdchen nach oben und machte einen grausigen Fund: Auf dem Rücken war ein Zeichen in die blasse Haut geritzt und noch immer floss warmes, rotes Blut aus den Wunden, die eine stilisierte geflügelte Schlange zeigten. Im ersten Moment schrak der Diar zurück, denn das Symbol stand für Gefahr und Schutz vor Unheil! Dann riss sich Askir zusammen und versuchte die Wunden auszuwaschen und bestmöglich zu versorgen. Als er das mit Premer Feuer getränkte Tuch behutsam über die blutige aufgerissene Haut tupfte, geschah nichts. Weder färbte sich das Tuch rot, noch lies sich das Blut abwischen. Ungläubig strich der Diar mit der bloßen Hand über Raskas Rücken, doch das Mädchen war nicht zusammen gezuckt, sie schien keinerlei Schmerz zu spüren. Gerade als der von Branja herbei gerufene Galdmader in das Hinterzimmer eintrat, bemerkte Askir die leicht zugespitzten Ohren, die unter Raskas blonden Locken zum Vorschein kamen. Hjore hielt seine Schwester immer noch fest im Arm, während sich Thure neben die beiden kniete und intensiv die kleine Raska betrachtete: "Odem Arcanum Senserei - weht da ein Hauch von Zauberei?" Sogleich begann sich das Sichtfeld des Galdmaders zu verändern, alle Farbe wich aus dem Gesehenen und nahm verschiedenste Grautöne an, außer Raska! Die Kleine strahlt ein leichtes rotes Schimmern aus. Der rote Schein ging nicht, wie vermutet von dem Zeichen auf ihrem Rücken aus, sondern sie selbst war die Quelle! Thure war sich sicher, dass Raska über astrale Fähigkeiten verfügte und konnte seine Überraschung kaum verbergen. Das Zeichen der geflügelten Schlange stellte sich als Illusion heraus. Da bemerkte der Galdmader das Amulett, das sie um den Hals trug - es entsprach genau dem gefundenen Schmuckstück, das er an sich genommen hatte. Unter den aufmerksamen Blicken Raskas und Hjores, hielt Thure die beiden Amulett-Hälften nebeneinander und ein sanftes goldenes Glühen umfing die beiden Stücke, doch die Bruchkannten ließen sich nicht zusammenfügen.

Eldgrimm Thornbold versuchte sich immer noch vor Walkir zu erklären, der bedrohlich über ihm aufragte. Anders als Raska zeigte sich der Godi sehr gesprächig, und als Hjore darum bat, mit seiner Schwester allein sein zu dürfen, bat Eldgrimm die Wolfstöter in die Wohnstube um ihnen alles der Reihe nach zu erzählen: "Wisst ihr, das Seufzermoos bringt seit Menschengedenken Tod und Schrecken. Schon immer hat es Opfer gefordert, freiwillige, wie unfreiwillige...aber seit einem Dutzend Jahren ist das Moor so blutgierig wie schon lange nicht mehr. Natürlich haben die Leute versucht das Moor durch mehr und größere Opfer zu besänftigen, sie schreckten auch nicht vor Menschenopfern zurück, doch vergebens. Die Thorstörhofer opferten sogar einen Alfen, den sie aufgegriffen hatten. Seit ihrer Geburt fürchten die Thorstörhofer Raska. Sie glauben ein Alfenfluch läge auf der Kleinen, doch ich habe die Runen befragt. Sie zeigten mir, dass Raska magische Fähigkeiten hat und ich habe mir vorgenommen ihr zu helfen, ihre Kräfte zu verstehen und sie vielleicht sogar in die Runenkunde einweihen. Doch dann fiel im Spätsommer das Los auf Raska und die Thorstör-Sippe brachte das hilflose Kind ins Seufzermoos. Ich konnte nicht glauben was da geschah, die Runen konnten sich nicht geirrt haben! Doch dann erfuhr ich, dass Raska aus dem Sumpf zurückkehrt war, lebend! Und bevor die Sippe sie noch einmal opfern konnte, habe ich sie mitgenommen! Ich habe sie von den Fesseln befreit, die ihr die eigene Familie angelegt hatte!
Mir ist einmal der Geist eines Opfers begegnet...er war voller Rachsucht, über das war ihm wiederfahren war. Eigentlich hätte das nicht sein dürfen, das Kind hatte seiner Sippe doch gut gedient und sein Schicksal erfüllt. Doch das Böse im Moor liegt tief in seinem Inneren. Die Kreaturen, solche , die sich vom Blut der Lebende nähren und nur in Vollmondnächten wandeln gibt es hier, doch sie sind nur Abbilder des eigentlichen Schreckens."
. Immer wieder harkten die Wolfstöter nach und stellten ihre Fragen, bis sie schließlich dazu gelangten, dass sie Raska nicht einfach zurück zum Hof bringen konnten. Vor allem Askir und Thure, waren aufgrund der Menschenopfer aufgebracht, während Walkir durch den Satz des Godi verunsichert wurde: "War es richtig, dem Sumpf das Menschenopfer vorzuenthalten?" Der Rekker war hin- und hergerissen. Doch die seine Gefährten waren fest entschlossen das Unheil an der Wurzel zu packen und die Thorstörhofer von den Menschenopfern abzubringen. Immerhin musste man nicht nur an Raskas Schicksal denken, sondern auch an das Schicksal anderer, und das drohende Unheil, das durch neue Opfer entstehen könnte. Die Wolfstöter beschlossen mit Eldgrimm und Raska zum Thorstörhof zurück zu kehren, doch erst wenn der Sturm vorüber war. Während die Kate bereits unter gewaltigen Sturmböen ächzte und knarrte, wurden Fenster und Türen verrammelt, der Rauchabzug der Feuerstelle wurde mit Brettern abgedeckt und die beiden Ziegen und die Hühner wurden in den Wohnraum geholt. Hjore und Raska waren bereits eingeschlafen, als sich die Männer und Frauen im Wohnraum versammelten und dem Sturm lauschten, der mehr und mehr zu nahm.

Die dunkelste Nacht

Mit jeder Stunde die verging, tobte der Sturm heftiger. Er rüttelte an Fensterläden und schlug Geäst gegen die Wände der Kate, die bedrohlich ächzte und stöhnte. In dieser Nacht fand niemand Schlaf, selbst die Tiere waren verdächtig unruhig. Da sie eh keine Ruhe fanden, entschied sich Eldgrimm den Wolfstötern die wirkliche Vision des Runenorakels zu erzählen: "Ich sah ein grauenhaftes, graues Ungeheuer. Groß wie ein Bär erhob sich sein Schatten über dem Moor, mit einem Maul so groß wie zwei Hände. Seine langen Klauen gierten nach frischem Fleisch, nach dem Körper des jungen Mädchens. Ich sah Raska, wie sie im Auge des Sturms stand: Ihr Augen leuchteten bedrohlich, als wäre sie nicht von dieser Welt. Wieder sah ich den Schatten. Und ich sah mich, wie mich die scharfen Klauen aufspießten, meinen blutigen Leibschüttelten und schließlich zerrissen.", eindringlich sah er die anderen an. "Ich habe furchtbare Angst vor der Wahrheit dieser Visionen, und ich hoffte, es waren nur Trugbilder. Doch spüre ich auch, dass ich gegen einen Gegner fallen werde, dessen Heimat dieser Sumpf ist...und zwar bald." Während alle gebannt dem Godi lauschten, drangen auf einmal unheimliche Laute von außen herein. Durch das morsche Holz der Kate ging ein bedrohliches Knarren, das nicht vom Wind stammen konnte. Waren das Kratzgeräusche an der Tür? Und was war dieses seltsame Gurgeln und dann diese Stampf- und Schlurflaute? Plötzlich kam Hjore in die Stube gestürzt: "Raska! Es ist etwas mit Raska!". Sofort eilten Thure und Askir in den Nebenraum, wo Raska mit weit aufgerissenen Augen auf die gegenüberliegende Wand starrte. Ihre Hand umklammerte fest ihr Amulett und ihre Lippen formten lautlose Worte. Hjore rüttelte und zerrte an seiner Schwester, rief immer wieder ihren Namen, doch nichts konnte das Mädchen aus ihrem apathischen Zustand reißen. Es dauerte eine ganze Weile, bis Raska aus ihrem Wach-Alptraum zurück kehrte, ängstlich drückte sich das Mädchen an ihren Bruder. Dann fiel ihr Blick auf den alten Godi und plötzlich erschien das Symbol der geflügelten Schlange, als blutige Rune auf Eldgrimms Stirn und verschwand noch wenigen Augenblicken wieder.

In diesem Moment schlug ein langer Arm mit krallenbewehrter Klaue durch die Bretter des Verschlags! Mit brachialer Gewalt versuchte etwas nach Innen zu gelangen und auch im Wohnraum barst Holz unter kraftvollen Schlägen und warzenübersäte, schlammige, verdreckte Ghularme gierten nach drinnen. Die Thorwaler zogen sich in die Mitte der Kate zurück um nicht von den langen Klauen gepackt oder gar nach draußen gezerrt zu werden. Mit einer eisigen Sturmböe blies der Wind Regen durch die entstandenen Breschen und Kerzen und Öllampen erloschen. Für einen Moment hörte man nur das Splittern von Holz und grausiges Gurgeln, als Thure kurz mit den Fingern schnippte: "Flim Flam Funkel - Licht ins Dunkel" und es taghell wurde. Geistesgegenwärtig hatten sie die Kinder in die Mitte genommen als sich einige Dielen absenkten und aufbrachen, nur um ein tückisches Moorloch zu offenbaren. Überall trat schwarzer Schlamm zwischen den Bodenbrettern hervor und mit einem lauten Knarren legte sich die gesamte Kate in eine bedrohliche Schieflage - als würde das Seufzermoos versuchen die Hütte mit allem was in ihr ist zu verschlingen! "Raus hier!", brüllte Walkir über den Sturm und führte die Gruppe hinaus in den peitschenden, eiskalten Regen. Innerhalb der letzten Stunden hatte sich das Seufzermoos in ein Wirrwarr aus Bächen und Tümpeln im schlammigen Grund verwandelt. Dann brach aus den Überresten der versinkenden Hütte eine bucklige, gekrümmte Kreatur mit unnatürlich langen Armen, die in langfingrigen Klauen endeten. Unter der grüngrauen Haut, die mit Warzen und Fisteln übersät war zeichnete sich der Brustkorb des Wesens ab, das mit schwarzen Schlamm und glitschigen, vermoderten Schlingpflanzen bedeckt war. Die Kreatur riss ihr riesiges reißzahnbewehrtes Maul und tat einen schauerlichen Schrei um kurz darauf geradewegs auf den Godi und die Kinder loszugehen. Der Ghul maß über zwei Schritt und die spitz zulaufenden, elfenartigen Ohren gaben ihm ein dämonenhaftes Antlitz, das durch magisches Knistern und einen leicht bläulichen Schimmer der das Wesen umspielte, verstärkt wurde. Hjore stellte sich tapfer mit dem Skraja seines Vaters vor seine Schwester, als Eldgrimm ihn hinter sich schob und sich so zwischen die Kinder und das Monstrum stellte. Zur gleichen Zeit hatten sich Branja und Korja zusammen einem Ghul angenommen, der den beiden kampferfahrenen Frauen nur wenig entgegensetzen konnte und Walkir beschäftigte gleich zwei weitere Ghule und hieb erbarmungslos mit seinen Orknasen zu. Askir hielt sich mit seinem Rundschild einen weitern Leichenfresser vom Leib als der Godi entschied, dem Sumpf das versprochene Menschenopfer nicht länger zu verwehren.
"Bleibt zurück!", brüllte Eldgrimm den Wolfstötern zu, ohne seinen Blick von dem riesigen Ungeheuer zu wenden. "Es war falsch, dem Seufzermoos das Opfer vorzuenthalten!". Unbewaffnet und mit geöffneten Armen trat er auf den Ghul zu. "Nimm mich, und verschone die Kinder!", rief der Godi in den Sturm. Eine kräftige Klauenhand packte den Seher und riss ihn in die Luft. Dann schnappte das gewaltige Maul nach dem Kopf des zappelnden alten Mannes und mit einem unangenehmen Knirschen und Knacken von Knochen, biss der Ghul dem Godi den Kopf ab. Eldgrimms erschlaffter Torso fiel leblos zu Boden...

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 20.12.2014 23:01 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Tapfer stand Hjore, das Skraja ängstlich umklammernd, zwischen dem Ghul und Raska, als eine Klauenhand den Jungen einfach beiseite wischte. Der Ghul beugte sich geifernd zu dem Mädchen hinab, das sich vor Angst gelämt nicht rühren konnte. Verzweifelt beobachtete Thure das Geschehen und bemerkte als Einziger, dass der riesige Leichenfresser an Raska schnüffelte, bevor er nach dem Hals des jungen Mädchens greifen wollte! Just im diesem Moment hatte Askir seinen Gegner niedergestreckt und auch der zweite Ghul fiel unter Walkirs schweren Hieben. Sofort stürzte der Swafnirs-Diar zu den Kindern und stieß mit seinem Rundschild den großen Ghul zurück. Walkir hieb seine Orknasen in den schleimigen Leib der Kreatur, die nun auch noch von Korja und Branja umstellt wurde. Mit einem Brüllen schloss der Ghul seine Klauenhände zu einer Kugel und es wurde plötzlich stockdunkel. Mit Schrecken stellten die Wolfstöter fest, das der Ghul offenbar des Zauberns mächtig war!
Von einer plötzliche Furcht übermannt, packte Walkir die beiden Kinder und rannte los, vorbei an dem Lichtzauber, den Thure gewirkt hatte, der aber nichts mehr erhellte, raus aus der Kugel schwärzester Finsternis und hinein in den Sturm und das Moor. Immer wieder wurden Korja, Branja und Askir von Klauenhieben getroffen, die sie nicht kommen sahen, während ihr Gegner für sie unangreifbar war. "Flieht, ihr Narren!", rief Thure, der die Übermacht des magiebegabten Ghuls erkannte und so flohen die fünf Thorwaler in den anhaltenden Sturm. Während Korja versuchte zumindest die Richtung aus der sie gekommen waren beizubehalten, trug der Sturm einen markerschütternden Schrei an sie heran: "Wuuuuuulfliiiiiiiind!“. Nach mehreren bangen Minuten fanden die Wolfstöter wieder zueinander und auch die beiden Kinder waren wohlauf. Gemeinsam irrten sie nun durch das Seufzermoos und immer wieder trieb ihnen der Sturm Äste und Blätter ins Gesicht, Büsche schienen nach ihren Füßen zu greifen und nur allzu oft trat einer der Thorwaler in ein Sumpfloch. Die Stunden vergingen und müde, entkräftet und durchnässt war Swafnir ihnen hold - die Ruine eines verfallenen Gebäudes konnte ihnen zumindest ein wenig Schutz vor Sturm und Regen bieten. Hjore wollte nur noch nach Hause und jammerte unerlässlich, während Raska sich heftig gegen eine Rückkehr auf den Thorstörhof stäubte. Während Hjore schnell vom Schlaf übermannt wurde, lauschte Raska dem Gespräch der Wolfstöter. Sollten sie das Mädchen einfach zurück zum Hof bringen wollen, so würde Raska noch in der Nacht fliehen, das schwor sie sich. Thure, war fest davon überzeugt, dass der gefundene, alte Teil des Amulettes dem Alfenghul gehört haben musste und nur Raskas Mutter Wulflind ihnen all ihre Fragen beantworten konnte. Der ungestüme Walkir hingegen wollte nur zurück zum Hof um dessen Bewohner, notfalls mit Gewalt, von den Menschenopfern abzubringen und dem Bösen im Seufzermoos Einhalt zu gebieten. Sein jüngerer Bruder Askir, wollte Klarheit und er wollte vornehmlich das Leben der kleinen Raska schützen. Nach einigen Stunden, waren sie sich darüber einig, dass sie zurück zum Thorstörhof mussten und dass sie um jeden Preis Raska beschützen würden.

Eine aufgebrachte Meute

Seufzermoos, 8. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 8. Travia 1035 BF

Als eine fahle Helligkeit durch die Wolkentürme drang und den Morgen ankündigte, machten sich die Thorwaler auf den Weg zum Thorstörhof. Korja gelang es im Dämmerlicht den Weg wieder zu finden und führte die Gruppe durch den kalten Herbststurm. Erschöpft und durchnässt erreichten sie am frühen Abend den Hof, dessen Lichter sie schon in der Ferne gesehen hatten. Viele der Hofbewohner standen mit Laternen im Freien und hielten Ausschau. Der Sturm hatte erbarmungslos auf dem Hof gewütet. Das Dach eines der Langhäuser war schwer beschädigt und kahl ragten geborstene Dachsparren in den grauen Herbsthimmel. Mehrere Verschläge waren einfach eingestürzt und fortgerissen worden und das Vieh irrte umher. Aus der beschädigten Schmiede blies der Sturm Funken aus der Esse, die sich wirbelnd im Regen verloren. Walkir fühlte sich in seiner Annahme bestätigt: „Seht ihr! Swafnir duldet keine Menschenopfer! Jetzt zahlt ihr den Preis für euer Tun.“ In diesem Moment trat Hardred, der Hersir aus der grimmigen Meute heraus und stemmte sich gegen den Wind. In einer Hand eine Fackel und in der anderen ein Schwert haltend rief er die Wolfstöter an: „Gute Freunde, ihr habt sie zurück gebracht. Kommt, gebt sie mir.“ Schützend stellten sich Askir und Walkir vor das Mädchen und auch Branja und Korja traten vor Raska, die sich zitternd an Thure hielt. Dann trat Eirik vor und Zorn mischte sich in seine Stimme: „Gebt mir meine Tochter zurück!“ Kurz darauf standen sich zwischen den Überresten des Thorstörhofes zwei Reihen bewaffneter Thorwaler im Herbststurm gegenüber. „Das Moor fordert sein Opfer! Also gebt mir Raska! Dann können wir das hier beenden ohne den Boden mit Blut zu tränken.“, rief Hardred, der fest davon überzeugt war, dass der Sturm die Folge des missglückten Opfers war. Kurz bevor die Situation vollends außer Kontrolle geriet, trat Wulflind vor und stellte sich auf die Seite der Wolfstöter. Die Frau wollte nur noch ihre Tochter wieder in die Arme schließen und sprach sich ebenfalls gegen die Menschenopfer aus. Ihrem Vorbild folgten einige weitere Hofbewohner. Dann trat Askir vor: „Versteht ihr denn nicht? Das Unheil habt ihr selbst herauf beschworen, als ihr vor zwölf Wintern diesen Alfen dem Moor geopfert habt! Ihr hab das Seufzermoos gegen euch aufgebracht indem ihr Unschuldige getötet habt! Erst einen Alfen und jetzt ein kleines Kind!“ Und auch Walkir erhob erneut die Stimme: „Je mehr ihr opfert umso gieriger wird das Moor! Ihr habt die Kreaturen selbst gesehen, wie sie an den Gebeinen der Toten nagen!“
Während sich die Diskussion zwischen Thorstörhofern und Wolfstötern zuspitzte, trat Wulflind an die Retter ihrer Tochter heran: „Ich danke euch, dass ihr meine Tochter gefunden habt. Ehrlich gesagt war ich erleichtert, dass Raska fortgelaufen war…ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich das Opfer einfach so akzeptiert hatte. Mir war klar, wie falsch es ist, Menschen dem Seufzermoos zu übergeben, aber was hätte ich denn tun sollen? Mich gegen meine Sippe stellen?“. „Erzähl mir, was es mit dem Amulett auf sich hat.“, sagte Thure und legte Wulflind die Hand auf die Schulter: „Der Alf war Raskas Vater, nicht wahr?“. Erstaunt sah Wulflind den Galdmader an: „Woher…Ich begegnete dem Alfen auf einem meiner Streifzüge durch das Moor. Sinjaron steckte in einem tückischen Sumpfloch fest und kam nicht mehr heraus. Er flehte mich an ihm zu helfen und erst wollte ich davon laufen, doch dann fasste ich mir ein Herz und rettete ihn, bevor er im schwarzen Wasser versank. Sinjaron dankte mir und wir verbrachten die folgenden Tage und Nächte miteinander… doch wenige Tage darauf erreichte die Nachricht den Hof, dass ein kinderraubender Alf in der Nähe sei. Er sagte zu mir, dass er fliehen und sich verstecken müsse und wir uns vielleicht eine lange Zeit nicht sehen würden. Ich wusste, dass das nach seinen Maßstäben lange Jahre sein konnten. Ich befürchtete er würde mich vergessen. Da zeigte er mir ein wunderschön geschnitztes Amulett aus Holz und er sagte, er habe ein Lied in seinem Herzen, das unsere Erinnerung an diese Zeit bewahren sollte. Den Zauber dieses Liedes habe er in diesem Amulett gebannt. Dann hieb er das Amulett mit seinem Schwert in zwei Teile und gab mir die eine Hälfte und barg die andere an seiner Brust. Er sagte wir würden uns wiedersehen und dann würden wir die beiden Hälften vereinen und uns gemeinsam auf diese schöne Zeit zurück besinnen. Das Lied würde erklingen und wir würden unsere Liebe wieder finden, als ob nicht ein Tag vergangen wäre… Natürlich hatte ich niemandem von meiner Begegnung erzählt und so konnte ich nicht verhindern, dass ein wütender Mob das verfluchte Spitzohr aufgriff um ihn dem unersättlichen Seufzermoos zu opfern. Ich konnte nichts tun und so lies ich das Blutopfer geschehen…Als ich jedoch merkte, dass ich sein Kind unter meinem Herzen trug, musste ich Eirik Thorkassons Werben nachgeben und nahm ihn zum Mann. Als Raska mit leicht angespitzten Ohren zur Welt kam, sprachen alle von einem Alfenfluch. All die Jahre hatte ich das Amulett versteckt und als das Los auf Raska fiel, gab ich es ihr. Wenn unser gemeinsames Kind wie der Vater im Moor sterben sollte, dann sollte auch meine letzte Erinnerung an Sinjaron im Seufzermoos verschwinden.“ In der Abenddämmerung gellte plötzlich ein markerschütternder Schrei über das Moor – der Ghul war zurück!

Hardred konnte nicht anderes und traf die Entscheidung, dass sich die Thorstörhofer sich dem Schrecken des Seufzermooses entgegenstellen mussten. Die Sippe muss zusammen stehen und überleben. Alle, die nicht kampffähig waren, wurden in die große Halla gebracht, darunter die Alten, einige der Frauen und die Kinder. Auf einmal lief Blut von Branjas Stirn, auf der die blutige Rune der geflügelten Schlange prangte! Erschocken blickten sich die Wolfstöter an und Raska sah mit Tränen zu der jungen Frau auf, deren Tod sie gesehen hatte.
Dann brachen die Ghule aus dem moosbehangenen Gestrüpp und den dunklen Morast hervor, ein Dutzend an der Zahl und die gewaltige, abscheuliche Gestalt, die einst zum Schönen Volk gehört haben musste. Während sich die Thorstörhofer jeweils zu Dritt einem Ghul stellen, sahen sich die Wolfstöter oft zwei Kreaturen gegenüber. Lachend hackte Walkir auf die beiden Ghule ein, die versuchten den großen Rekker mit Klauen und Zähnen zu verletzen. Thure zog sich mit Wulflind aus den vorderen Reihen zurück, der Galdmader hatte kaum noch Astrale Macht und hoffte seine Gefährten würden auch ohne seine Unterstützung zu Recht kommen. In Sturm und dämmerigen Zwielicht war die triefende Abscheulichkeit der Leichenfresser so gegenwärtig, dass vielen der Thorstörhofer das Herz verzagte, als sie sahen, wie viele ihre Freunde und Verwandten unter den grässlichen grauen Klauen den Tod fanden. Kreischend und gurgelnd stürzten sich zwei Ghule auf den Swafnirs-Diar, der sie sich mit Rundschild und Jagdspieß versuchte vom Leib zu halten, während er hilflos mit ansehen musste, wie sich zwei weitere Leichenfresser auf die junge Branja stürzten, die sich mit Säbel und Linkhand zur Wehr setzte. Die Kundschafterin schwang ihr Breitschwert und hieb immer wieder auf den pockigen, erstaunlich robusten Leib eines Ghuls ein und wurde immer wieder von den Klauen getroffen, die ihr Kleidung und Haut zerfetzten. Der verfluchte Alfenghul stürzte sich in dem ganzen Tumult auf Hardred, da er den Hersir wohl wieder erkannte. Wütend hieben fingerlange Klauen auf den Thorwaler ein, der sich trotz seiner angstgeweiteten Augen heftig zur Wehr setzte. Dann verschwand die Szenerie in einer Sphäre unnatürlicher Dunkelheit.
Geistesgegenwärtig packte Thure die vor Schreck erstarrte Wulflind und sprach energisch auf sie ein: „Wulflind! Zeig ihm das Amulett, wenn seine Worte wahr waren, dann bist du die einzige, die ihn besänftigen kann…“. Walkir schickte gerade seinen ersten Ghul mit einer schweren Beinwunde zu Boden nur um zu sehen wie sein Bruder gerade von einem der beiden Ghule gebissen wurde und er mit jedem Atemzug schien sein jüngerer Bruder langsamer und schwächer zu werden. Ein Klauenhieb erinnerte den Rekker an seinen anderen Gegner und in kalter Wut tötete er auch diesen und rannte zu Askir. Als Korja nun gebissen wurde und das Ghulengift durch ihr Adern schoss und sie merkte, wie langsam ihre Kraft schwand, bis sie kaum mehr das Breitschwert halten konnte. Branja wurde durch mehrere Ghule von hinten gepackt. Schreiend wand sich die junge Thorwalerin im Griff dieser Bestien und versuchte sich zu befreien. Walkir wütete dem Herbststurm gleich unter den Leichenfressern und brachte einen nach dem anderen zu Fall. Eirik, der Schmied, hatte sich sein Skraja von Hjore zurückgeholt und eilte nun der bereits ohnmächtigen Branja zu Hilfe. Da löste sich Wulflind von Thure und trat dem Monstrum mit bangem Blick entgegen. In ihrer Hand hielt sie das Amulett und schritt in die dunkle Sphäre, die wenige Augenblicke später in sich zusammen fiel. Wulflind stand direkt vor dem Alfenghul, der sie mit einem gurgelnden Laut ansah und mit einer garstigen Klauenhand nach ihr griff. Wulflind wich keinen Millimeter zurück, als die Klauen blutige Striemen auf ihrer Hand hinterließen. In diesem Moment leuchteten die verschlungenen braunen und dunkelgrünen Holzranken des handtellergroßen Amulettes warm und golden auf und eine liebliche Melodie drang durch das Tosen des Sturms und den Kampfeslärm. Wie gebannt starrte der Alfenghul mit seinen gelbroten Augen auf das Amulett, als Wulflind ihre Augen schloss und ein leichtes Lächeln ihre Lippe umspielte, Gedanken an eine kurze glücklichere Zeit. Thure, der dicht hinter Wulflind stand traute seinen Augen kaum. Für einen kurzen Augenblick vernahm er die Melodie in seinem Geist und sah eine junge lebensfrohe Wulflind und einen Alfen mit warmen klaren Augen, dessen Gestalt sich aber bald darauf wieder zu der des verfluchten Ghuls wandelte. Walkir und Eirik hatten Branja aus den Fängen der Ghule gerettet und hatten nun auch die letzten Kreaturen unter Schwert- und Axthieben gefällt. Verzweifelt winkte Thure den Rekker und den Schmied zu sich, da er es nicht schaffte den gebannten Leichenfresser mit seinem Zauberstab zu erschlagen. Wütend hieben sie nun zu dritt auf Sinjaron ein, während Tränen über Wulflinds Wangen liefen. Als der Alfenghul, von Walkir niedergestreckt schließlich tot zu Boden fiel, sank Wulflind ohnmächtig zu Boden und die Melodie erstarb. Eilig wurden die Überlebenden in die große Halla gebracht, denn noch immer tobte der Sturm. Nachdem die ersten Wunden versorgt waren, schliefen Hjore und Raska in Sicherheit unter Walkirs wachem Auge ein und auch seine Gefährten konnten sich der Wache des tapferen Rekkers sicher sein. Wulflind und Eirik hatten sich zurückgezogen, es gab viel über das die beiden reden mussten.

Raskas Zukunft

Seufzermoos, 9. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (9. Travia 1035BF )

Am nächsten Morgen war der Sturm überstanden und feine Nebelschwaden hatten sich über die Schrecken der Nacht gelegt. Nachdem sich die Wolfstöter zumindest ein wenig von ihren Wunden erholt hatten und Askir und Korja ihre Lähmung überwunden hatten, machte sich der kränkelnde Swafnirs-Diar daran, die Gefallenen zu bestatten. Die Leichnahme wurden mit ihren Habseligkeiten in Leinentücher gewickelt und dem Moor übergeben. Askir schritt um die Stelle herum und rief Swafnir an und segnete das Seufzermoos an jener Stelle. Kurz blieb er stehen, als er gewahr wurde, dass ihm der Segen nicht gelungen war, doch er schwieg darüber und behielt es für sich. Thure bot Eirik und Wulflind an, die kleine Raska mit nach Olport zur Runajasko zu nehmen und beide waren damit einverstanden. Nur Hjore weinte bitterlich, da er seine geliebte Schwerster gehen lassen musste. Die nun mehr Ghulschlächter genannten Helden waren froh über diese Entwicklung und am nächsten Tag machten sich die fünf Thorwaler zusammen mit dem Mädchen auf den Weg nach Waskir, das sie binnen eines Tages erreichten. Hetfrau Anhild belohnte die Fünf wie versprochen und Thure gelang es mit ihrer Hilfe zudem ein Heilmittel für den an Wundfieber erkrankten Askir aufzutreiben. Sobald der Diar genesen war, machten sie sich wieder auf die Spuren von Jandra Sturmkind…

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 04.02.2015 11:39 
Offline

Registriert: 22.02.2013 11:52
Hallo Maha,

geht es hier noch weiter, oder fehlt dir die Zeit, die Berichte zu schreiben? :)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 05.02.2015 21:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Hey Amra! Natürlich geht es hier noch weiter. Hatte leider nur wenig Zeit, die letzten Monate - sorry dafür. :oops:
Aber jetzt geht es weiter mit:

Der Fluch des Blutes

Spurensuche in Auriler

Auriler, 16. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (16. Travia 1035 BF)

Die Ghulschlächter waren sich darüber einig, dass sie wohl nur in Auriler Informationen über den Verbleib Jandras und ihrer Ottajasko finden würden. Da es zu dieser Jahreszeit unmöglich war, die Grauen Berge zu überqueren und die Pässe mittlerweile verschneit waren, mussten sie den Seeweg nehmen. In Muryt, einer großen Handels- und Hafenstadt westlich von Waskir, fanden sie ein Langschiff, das die Gruppe und das Mädchen erst nach Auriler und dann weiter nach Olport brachte. Starke Männer und Frauen waren jedem Kapitän ein willkommener Begleitschutz. Innerhalb eines Tages erreichten sie problemlos den in Thurgnarsfjord gelegenen Jarlssitz Auriler.
Die Siedlung hatte sich kaum verändert, hinter einer hohen Palisade, sammelten sich etwa vier Dutzend Gebäuden. Die Ghulschlächter folgten den lehmigen Straßen, die sie an Langhäusern und einfachen Holzhütten entlangführten und im Ortskern stand immer noch ein besonders prachtvoller Jolskrim, nun mehr der Sitz von Jarlin Firnlind Saehntilsdottir. Thure und Askir fragten sich bei den Bewohnern durch, aber die alte Jarlin Swafgera Herlindsdottir war schon lange tot und kaum jemand konnte sich an die Sturmvogel-Ottajasko erinnern. Nur wenige hatten den Namen gehört und verwiesen die Ghulschlächter an die ältesten Einwohner Aurilers. Doch auch diejenigen, die so viele Winter alt waren, dass sie Jandra noch persönlich gekannt hatten, zeigten sich eher verschlossen - man sprach nicht über zum Skoggang verurteilte. Doch die Runjas meinten es gut mit den Neuankömmlingen. Eine mehr als sechzig Winter zählende Frau war die einzige, die damals ins Dorf zurückgekehrt war - Bridgera Vinleifsdottir. Da die Augen und Beine der vom Alter gezeichneten Frau nicht mehr so Recht wollten, war sie in einem Altenteil untergebracht worden.
Als die Thorwaler Bridgera gegenübertraten, erkannte Thure die Frau wieder. Er erinnerte sich, dass die damals junge Frau ihren heimkehrenden Bruder Sjoren begrüßt hatte, als sie mit Jandra die Sturmvogel-Ottaskin erreicht hatten. Der alten Bridgera stiegen Tränen in die bleichen Augen, als sie den Name ihres Bruders hörte. Mit zittriger Stimme, erzählte sie den Ghulschlächtern, dass sie von Sjoren das letzte Mal vor vierzig Wintern etwas gehört hatte. Einige Monate, nachdem ihr Bruder mit den Sturmvögeln in die Verbannung gegangen war, erzählte ihr ein norbadischer Händler, dass Sjoren und alle anderen wohlauf waren und sie sich daran gemacht hatten Jandras Ehre wieder herzustellen. Das war in Virport gewesen, wo sich die Ottajasko ausgerüstet hatten um weiter in den Norden zu reisen. "Aber irgendetwas muss Sjoren zugestoßen sein, sonst hätte er sich gewiss noch einmal bei mir gemeldet.", flüsterte Bridgera unter Tränen. Askir versicherte der Greisin, dass sie herausfinden würden was aus der Sturmvogel-Ottajasko und ihrem Bruder geworden war.

Nun wollte Walkir wissen, was aus dem zwielichtigen Hetmann Runolf Airiksson geworden war. Sie fanden heraus, dass Runolf verstorben war und nun dessen Sohn Laskar Runolfsson das Oberhaupt der Drachenreiter-Ottaskin war. Dieser hatte seinem Vater einen Runenstein errichten lassen, nachdem dieser vor Jahren von einer Ausfahrt nicht mehr zurückgekehrt war. Die Drachenreiter genossen weiterhin hohes Ansehen in Auriler und so wollten sich die Ghulschlächter den Runenstein genauer ansehen. Nahe der Ortschaft stand auf einem Hügel ein fast zwei Schritt großer, kunstvoll verzierter Runenstein, auf dem die Taten Runolf Airiksson gepriesen wurden. Unter den größten Heldentaten, war der Sieg über die Sturmhexe die er zu Fall gebracht hatte und eine Seeschlange die Runolf bezwungen haben soll.
Sie konnten auch in Erfahrung bringen, was aus dem Heilari Harder Walkirsson geworden war. Ihnen wurde erzählt, dass dieser am nächsten Tag ebenfalls vor dem Hjalding angeklagt worden war. Harder wurde der Mittäterschaft am feigen Giftmord an Airik bezichtigt. Swafgera und ihre Lögmenn hatten den Heilari für drei Jahre verbannt, der daraufhin Auriler mit unbekanntem Ziel verlassen hatte.

„Weit über die Wellen führte ihr Weg,
zu neuen Ufern und neuen Erfahrungen.
Munter blähte der Wind das Segel.“



Runajasko und Knüppeldämme

Olport, 18. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (18. Travia 1035 BF)

Zwei Tage später schälten ich am Morgen aus dem Küstennebel die drei Kreidefelsen Olports, die Vestanvindbodi, auf der die Runajasko thronte, der fast siebzig Schritt hohe Swafnirsturm mit der trutzigen Zwingburg und in der Mitte der Hafeneinfahrt der fünfundzwanzig Schritt hohe Efferdpfeiler. Mit einem Hornstoß, wurde das Langschiff vom Lotsenturm, der einen stilisierten, ehrfurchtgebietenden Drachen darstellte und mit einem magischen Leuchtfeuer die Boote und einlaufenden Schiffe warnte, angekündigt. Der Hafen der altehrwürdigen und traditionsreichsten Stadt Thorwals war ein flacher Strand an dem bereits mehrere Langschiffe und Drakkas lagen, nur am östlichen Ufer befand sich ein einzelner Landekai. Der Strand am westlichen Ufer ging in den berühmten Jurgaplatz über, der je nach Wetterverhältnissen als Marktplatz diente. In Hafennähe waren die Gassen mit Knüppeldämmen befestigt, während sich in der Stadt weitläufige und enggeschlungenen Gassen um die schweren, wuchtigen Dächer der Langhäuser, die sich bis fast auf den Erdboden zogen, wanden. Altersdunkle Balken waren zu feuerspeienden Drachen, zahnbewehrten Schlangen oder Walflossen geschnitzt. Die Ottaskins der Ottajaskos, deren Jolskrimi von mannshohen Erdwällen umgeben wurden, um die sich wiederum die anderen Gebäude thorwalschen und norbadischen Stils gruppierten, bildeten das Zentrum Olports. So finden sich zwischen den Langhäusern auch kleine Holzhütten mit spitz zulaufenden Dächern, entlang der Nader, die im Winter häufig zu fror.
Erste Anlaufstelle für Walkir, Askir, Thure, Branja, Korja und der kleinen Raska, war der Swafnirtempel am Jurgaplatz. Das imposante, aus Kreidefelsen erbaute Gebäude erinnerte an einen mächtigen grauweißen Wal, durch dessen Maul man in das Innere des Tempels trat. Die große Halla bot Platz für hunderte Besucher und die Wände waren mit der Geschichte der Kinder Hjaldingards bemalt. So auch der Gottwal und die Landung Jurgas an diesem Ort, vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden.
Viele der Bewohner, die zwischen den Häusern und auf den Knüppeldämmen herumliefen und ihrer Arbeit nachgingen, hatten rotes oder dunkles Haar und dunkle Augen, einige davon mit auffälliger Schrägstellung. Dies lag am nivesichen Erbe der norbadischen und nivesischen Siedler, die hier sesshaft geworden waren. Mit großen, staunenden Augen betrachtete Raska die Bewohner und die große Stadt, während Thure sie und seine Gefährten den schmalen Stieg auf den Vestanvindbodi führte. Dort thronte die Runajasko mit ihren Hallas. Man munkelte von machtvollen Windgeistern und grimmigen Sturmriesen die dort oben leben sollten. An besonders stürmischen Tagen peitschte der Wind die Gischt bis hoch auf die Klippen und tauchte die Hallas der Runajasko in einen feinen eisigen Nebel, in dem sich das Licht zu einem Regenbogen brach. Im Spätherbst und Winter würde diese Gischt gefrieren und die Eiskristalle würden die Luft mit einem Glitzern erfüllen. Stolz schlich sich in Thures Gesichtszüge, als sie vor die wuchtige Umfriedung der Runajasko traten. Diese war aus den Stämmen weißer Firunsföhren gebaut und wurde nach Außen und Innen von geschnitzten Elementargeistern und den Häuptern mythischer Wesen geziert, in der Stadt wurde von Holz-gewordenen Geistern erzählt. Askir konnte das Gefühl nicht loswerden, beobachtet zu werden. Und bei näheren und längeren Hinsehen, schien es ihm, als ob sich die sagenhaften Gestalten bewegen würden und die Gruppe von mehr als nur einem Augenpaar inspiziert wurde. Ein mächtiges zweiflügeliges Tor, welches mit Ornamenten geschmückt war und ein Abbild des ewigen Kampfes Swafnirs gegen das allverschlingende Böse zeigte, bot den Ghulschlächtern Einlass.

Thure wurde herzlich, ja fast schon brüderlich willkommen gehießen, und auch seine Gefährten wurden von der Gemeinschaft der Runajasko begrüßt. Hier, hinter den Palisaden lebten und arbeiteten Magier, Handwerker und Künstler. Gewaltige Langhäuser aus altersdunklem Gebälk und mit Dächern die sich fast bis auf den Boden zogen, waren prachtvoll mit Ornamentschnitzereien geschmückt und furchteinflößende Drachenköpfe und grausige Seeschlangenhäupter zierten die mächtigen Firstbalken. Einfache Kieswege führten zu den einzelnen Gebäuden der Runajasko. Etliche Runensteine waren über das gesamte Gelände verteilt und kündeten von heldenhaften Taten und herausragenden Ereignissen. So schmiegten sich Grassodenhäuser für Bedienstete, Lagerhäuser und Wirtschafts- und Gästehäuser an die weißen Stämme der Palisade, während im Zentrum, um einen der zahlreichen Runensteine, die Große Halla, die Halla der Galdmader und die Wohnhallas standen. Etwas abseits in einem Wäldchen innerhalb der Palisade stand die Fejhalla, die Wohnstatt der hier lehrenden Alfen. Direkt neben der Großen Halla befand sich der Skaldenkreis, ein flacher Findling um den kreisförmig Stufen angelegt waren. Hier trugen die Skalden, für die Zuhörern auf den Stufen gut hörbar, ihre Sagas vor. Die Skaldenhalla befand sich in direkter Nähe und übertraf jedes andere Gebäude an Schnitzereien und Malereien. Das nördlichste Gebäude war die Drakkenhalla, die Halle der Schiffsbaumeister, die sich bestens auf den tradierten Schiffsbau verstanden. Das typische ‘auf Kiel legen‘ von der kleinen Skúta bis zum Kriegsdrachen wurde den Schülern allerdings an einem Schiffsbauplatz am Skavanger vermittelt. In der Runajasko selbst wurden theoretisches Wissen weitergegeben und die Fertigung der Ehrfurcht gebietenden Drachenköpfe gelehrt.

Thure bat darum, bei dem Skolaforradandi Haldrunir Windweiser vorzusprechen, um die Aufnahme von Raska Wulflindsdottir, wie er es versprochen hatte, in die Wege zu leiten. Der über achtzig Winter zählende und fast zwei Schritt große Magier hatte einen kahlen Schädel, der über und über mit Runen tätowiert war. Der charakterstarke Mann hieß die Ghulschlächter willkommen und hörte sich deren Anliegen, geduldig an, während er über seinen langen weißen Bart strich. Als Thure die Harfe Godsögnsvanir hervor holte, weiteten sich Haldrunirs eisblaue Augen. Er ließ einen Bediensteten eine gute Freundin und den Leiter der Skaldenhalla informieren und ging mit seinen Gästen in die Skaldenhalla.
Die Wände dieser Halla waren mit filigranen, durchbrochenen Holzornamenten geziert, die ein Meister vor vielen Jahren mit bunten Figuren und mythischen Gestalten ausgemalt hatte. In der Mitte der Halla brannte ein Feuer, dessen Licht sich warm im Goldbelag der Schnitzereien an Balken und Säulen spiegelte. Entlang der Wände zogen sich hochlehnige Bänke, während sich um die Feuerstelle ein mehrstufiges hölzernes Podest für die Skalden befand. An der Stirnseite der Halla lagen und hingen zahlreiche Instrumente und Trinkhörner und wie immer stand auch heute ein Fass dunkles schweres Bier bereit. Die Ghulschlächter wurden in einen durch Holzornamente und Felle abgetrennten Bereich der Halla geführt, wo Haldrunir mit ihnen wartete. Kurz darauf betraten Askir Vandradsson und eine ältere Frau von stattlicher Körpergröße den Raum. Lange graue Haare, umrahmten in dicken Zöpfen das faltige Gesicht und Walkirs kleiner Bruder erstarrte für eine Sekunde in tiefstem Respekt. Bei der Frau handelte es sich um niemand geringeren als Bridgera Karvsolmfara, die Hochgeweihte des Swafnir! Mit einem gestrengen Blick musterte sie die Gruppe und stellte sich an Haldrunirs Seite, der fasziniert die Harfe in seinen Händen hielt. Als der Skalde das außergewöhnliche Instrument erblickte, war er begeistert. Solch eine kunstvolle und alte Harfe hatte eine Geschichte zu erzählen, ebenso wie ihr Träger. Bridgera und Haldrunir waren sich einig, dass sie die Runen, welche das dunkle Eschenholz Godsögnsvanirs zierten, nicht deuten konnten. Einige waren gewiss hjaldingisch, doch es würde Monate in Anspruch nehmen sie richtig zu deuten. Nachdem Askir, Thure und Walkir nun auch der Hochgeweihten und dem Skalden ihre Geschichte erzählt hatten, nahm der Skalde das Instrument in seine Hände. Noch bevor der Leiter der Skaldenhalla die Saiten anschlagen konnte, erbebten die goldenen Saiten leicht und gaben einen dissonanten Ton von sich. Stirnrunzelnd strich der Skalde über die Saiten und es erklang die Melodie von Jandras Saga, klar und schön…bis sich ein schriller aber düsterer Ton in den Klang mischte und der Skalde mit greller Stimme sang:

„Gewappnet einen Skadimader zu stellen
traf der Blick des Seidmader sie ahnungslos.
Dunkles Wesen erhob sich aus dem Nichts.

Ein mächtiges Maul, alles Land zu verschlingen;
Keine Wehr dem zu begegnen.
Wehe dir, Jandra, du sollst scheitern!

Keine Rettung, keine Rettung,
wenn der bleiche Tod dein Antlitz küsst.
Wehe uns, wir sind verloren.“


Erschrocken ließ der Skalde die Harfe fallen und sah die Ghulschlächter mit schreckgeweiteten Augen an. Schweißperlen standen auf seiner Stirn und seine Finger zitterten merklich. „Düstere Klänge, düstere Worte“, sagte er schließlich, „keine gute Nachricht, die die Harfe bringt…Aber“, er sah sie trotzig an, „es ist eine Saga, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das muss nicht die letzte Strophe in Jandra Sturmkinds Sang sein, bei Swafnir! Das ist sie nur, wenn man es dabei belässt. Es ist offenbar an euch, die Fäden des Schicksals in die Hand zu nehmen. Geht, sorgt dafür, dass das Lied eine neue Strophe bekommt.“. Nach diesem Ereignis kamen auch andere Skalden der Runajasko hinzu um sich die Geschichte der außergewöhnlichen Harfe erzählen zu lassen. So erfuhren die Gefährten, dass der Skalde Thure Garaldsson, der Askir, Walkir und den Galdmader in die Saga Jandra Sturmkinds begleitet hatte, kein Skalde der Olporter Schule gewesen war und dieser somit sein Handwerk von einem der vielen wandernden Skalden erlernt haben musste. Natürlich hatte Garaldsson gegen das Gesetz der Skalden verstoßen, als er den Sang einer Verbannten verbreitet hatte. Jedoch, so der Leiter der Skaldenhalla, war es ein Zeichen der Runjas, dass er dies bis über seinen Tod hinaus getan hatte und dass es ihm jetzt endlich gelungen war willige Zuhörer zu finden. Askir Vandradsson versprach alle Skalden, die sich innerhalb einer Tagesreise befanden, nach Olport rufen zu lassen. Währenddessen wollte Haldrunir die Magier der Runajasko die Harfe genauer untersuchen lassen.

Nach ein paar Tagen hatte sich rund ein Dutzend Skalden in der Runajasko eingefunden, denen Thure, auf der Harfe Godsögnsvanir, Jandras Saga vortragen sollte. Vielen der Versammelten hegten Zweifel, da man den Sang einer zum Skoggang Verurteilten nicht vortrug, doch nur drei von ihnen verließen empört die Skaldenhalla. Keiner der Übrigen hatte jemals den Sang von Jandra Sturmkind gehört, doch Einer, dessen Meisterin vor Jahren den Norden durchwandert hatte, kannte ein Lied von einer heldenhaften Ottaskin ohne Namen. Er sang vom tapferen Kampf gegen einen Westwinddrachen und der Anführerin, die auf der Jagd nach einem finsteren Zauberer war. Thure, Askir und Walkir waren sich sicher das einige der Strophen die Mitglieder der Sturmvogel-Ottajasko beschrieben. Bald darauf waren sich auch die Magier sicher: Godsögnsvanir barg keinerlei arkane Kraft in sich, doch sprachen die Runjas durch die Saiten der Harfe und ihr Lied war das Lied großer Helden. Daraufhin begegnete die gesamte Runajasko den Ghulschlächtern mit hoher Achtung. Immerhin waren diese mit einem Schicksalsband mit Jandra verbunden und es lag an ihnen dem Sturmkind bei ihrer Schicksalsaufgabe zu helfen – dies war eine große Ehre.
Die Runajaski sprachen ihren Gästen immer wieder zu und unterstützten deren Vorhaben, Jandras Spur nach Norden zu folgen. Bald darauf fand sich ein kleiner einmastiger Handselgler namens Brennawyn, der vor den Winterstürmen Gjalskermund erreichen wollte.

„Dem Klang der Harfe folgend, reisten wir
und fanden Freud und Leid.
Sang der Runjas, wird er nimmer enden?“

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Zuletzt geändert von Maha Vairocana am 18.02.2015 13:46, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 06.02.2015 19:06 
Offline

Registriert: 22.02.2013 11:52
Maha Vairocana hat geschrieben:
Hey Amra! Natürlich geht es hier noch weiter. Hatte leider nur wenig Zeit, die letzten Monate - sorry dafür. :oops:
Aber jetzt geht es weiter mit:



Nichts zu entschuldigen. Ich hatte nur... Angst, es gehe nicht mehr weiter :)

Dann werd ich mal weiterlesen *freu*


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 17.02.2015 14:07 
Offline

Registriert: 02.01.2011 00:23
Ich bin auch begeisterter Leser von dem Topic hier.
Ich bereite gerade unter anderem die Jandra-Saga vor, und somit ist es einerseits schön zu lesen, wie das Abenteuer in einer anderen Gruppe abgelaufen ist, und zum anderen ist dein Erzählstil sehr inspirierend und hilfreich für die stimmungsvolle Ausgestaltung des Abenteuers.
Also bitte in den nächsten Wochen/Monaten auf jeden Fall weitermachen! :-)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 18.02.2015 13:44 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
@ Gumbald: Herzlichen Dank für das positive Feedback :) natürlich werde ich hier weiter meine Spielberichte posten.


Virport

Virport, 22. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (22. Travia 1035 BF)

Am Nachmittag hatte die Brennawyn, auf Wunsch der Passagiere, den Hafen Virports angelaufen. Der kleine Handelsort duckte sich in einen Fjord, in den für Nordthorwal bekannten steilen Kreidefelsen. Schiffe aus Olport und Gjalskermund trafen hier auf norbadische und nivesische Händler. Wie zuvor in Auriler fragten die Gefährten nach den Dorfältesten und versuchten auch von den anwesenden Händlern mehr zu erfahren. Und tatsächlich, ein ehemaliger Krämer, schon über siebzig Winter alt, erinnerte sich an Jandra. Wulfhard Wulfhardisson hatte der stolzen Frau und ihren drei Begleitern damals Ausrüstung für eine Reise in Eis und Schnee verkauft. Sie hatte das Dreifache des üblichen Preises bezahlt! Auf genaueres Nachfragen hin erzählte der alte Mann, das Jandra nach einem Heilari gefragt hatte. Ein Mann, auf den ihre Beschreibung passte, hatte wenige Tage vor ihr in Virport Halt gemacht und nach einer Passage nach Gjalskermund gesucht. "Sie schien darüber sehr aufgebracht und drängte zum Aufbruch.", erzählte Wulfhard den fünf Fremden. Mit diesen Informationen suchten die Ghulschlächter einen der nivesischen Händler auf und erwarben von diesem Winterkleidung, um am nächsten Morgen mit der Brennawyn nach Gjalskermund zu segeln.

"Blaue See, kalt wie Eis.
Schneidend wie Stahl der kalte Wind.
Unsere Herzen folgen frohen Mutes dem Ruf."


Wetterleuchten

Swafnirsrast, 26. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung ( 26. Travia 1035 BF

Nach vier Tagen auf See zogen düstere Wolken am Horizont auf. In kürzester Zeit hatte sich der Himmel verdunkelt und jäh durchzogen Blitze die Finsternis. Hektisch hatten die Besatzung der Brennawyn und die Passagiere begonnen die Ladung und das Gepäck zu vertäuen, als sintflutartig eisiger Regen einsetzte. Das kleine Schiff wurde in der aufgewühlten, grauen See zu einem Spielball der Elemente und unheilvoll dröhnte der Donner über die mittlerweile schritthohen Wellen. Immer wieder spülten Wassermassen über das Deck des Handseglers und drohten sowohl Ladung als auch Menschen ins Meer zu reißen! Plötzlich zerriss eine schwere Böe das Segel und einer der Matrosen wurde von einem umherfliegenden Tampen von den Beinen gefegt und von Bord geschleudert. Immer wieder mussten sich die Ghulschlächter gegenseitig helfen um nicht von Bord gespült zu werden. Fluchend brüllte der Kapitän seine Männer und Frauen an, als ihm bewusst wurde, dass sie alle in diesem tückischen Herbststurm nun mehr ums nackte Überleben kämpften.

Stunde um Stunde hatte der Sturm getobt und die Brennawyn wurde in den Wellentälern auf und ab geworfen, als der Mast mit einem lauten Knall barst und über die Rehling stürzte. Dies brachte den Handsegler in eine bedrohliche Seitenlage und fieberhaft schlugen Äxte und Orknasen auf das Tauwerk ein, damit das kleine Schiff beim nächsten Brecher nicht kenterte. Doch der Mast hatte nicht nur das Schiff beschädigt, Askir hatte einen Schlag mit einem Tampen einstecken müssen, während Branja über ein gebrochenes Bein klagte! Den Galdmader hatten einige der Holzsplitter des geborstenen Mastes erwischt und Blut tränkte seine Tunika im Brustbereich. Doch bald darauf rissen die Wolken auf und der Sturm schien sich zu beruhigen. Erleichterung machte sich unter der verbliebenen Besatzung breit, als ein schwerer Ruck durch den Rumpf ging. Die Brennawyn war von einer Strömung erfasst worden. Verzweifelt versuchte der Kapitän das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, jedoch ohne Erfolg.
Plötzlich bäumten sich mit einem grässlichen Knirschen und Krachen die hölzernen Planken auf und brachen unter dem erneuten Druck. Messerscharfe Felsen ragten wenige Handbreit unter der Wasseroberfläche auf und hatten den Rumpf der Brennawyn an mehreren Stellen aufgerissen. Bei der Kollision hatten wieder einige Besatzungsmitglieder den Tod gefunden und mit jedem Brecher wurde das aufgelaufene Schiff langsam in Stücke geschlagen. Obwohl das schlimmste Toben des Sturmes vorbei war, peinigte noch immer der heftige Regen und eisiger Wind die Schiffbrüchigen. Langsam wich das Unwetter einem dichten, trüben Nebel, der sich schwer über die graue See legte. Stunden hatten die fünf Gefährten entkräftet und verwundet, halb im eisigen Wasser liegend, halb an die Wracktrümmer geklammert ausgeharrt, als Walkir im dichten Nebel einen großen, dunklen Schatten erkennen konnte. Ein gleichmäßiges Platschen und Knarren erweckte die Aufmerksamkeit der Thorwaler - ein Ruderschiff glitt in nicht allzu großer Entfernung durch den Nebel. Entschlossen rief Thure um Hilfe und seine Gefährten stimmten ein. Eine undeutliche Antwort kam aus dem Nebel und kurz darauf tauchte eine Snekkar aus den grauen Vorhang auf.

"Wetterleuchten kündet von Efferds kaltem Zorn.
Nichts und niemand, der seinen Groll besänftigen könnte.
Werden wir zum Spielball seiner Launen?"


Auch die kleine Snekkar hatte den Herbststurm nicht ganz unbeschadet überstanden, war aber manövrierfähig. Die insgesamt vierzehn Mann Besatzung der Trygdar zogen die Verletzten und Ausrüstung aus dem Wasser und nahmen sie an Bord. Als sich die Ghulschlächter bedankten, merkten sie, dass sie ihre Retter kaum verstanden. Der Dialekt war zwar thorwalsch, aber viele Wörter waren ihnen gänzlich unbekannt. Nach einigen Mühen war klar, dass diese Handelsfahrer ihren Kurs nicht ändern würden, sondern ihr eigentliches Ziel anlaufen werden - einen Ort namens Gulbladdirstadir.

Neuhjaldingard

Gulbladdirstadir, 26. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (26. Travia 1035)

Am späten Nachmittag erreichte die Trygdar den kleinen Ort. Gulbladdirstadir bestand nur aus einem Langhaus, das in einen grasbewachsenen Hügel gebaut war, sodass nur der vordere Giebel mit zwei prächtig geschnitzten Walköpfen herausragte, drei Grassodenhäusern, die als Wirtschaftsgebäude dienten und einem Bootsschuppen. Während die unterkühlten und verletzten Thorwaler in einem der Wirtschaftsgebäude untergebracht wurden, machte sich die Mannschaft der Trygdar daran, das Schiff abzutakeln und für den Winter in den Bootschuppen zu bringen. Erschöpft sanken Walkir und die Anderen auf die ihnen zugewiesenen kargen, aber willkommenen Strohlager nieder. Kurz darauf kam ein alter Mann zu den Neuankömmlingen, der sich als Olgi Orgensson vorstellte. Mit geschultem Blick untersuchte der Godi der Sippe die Verletzungen von Askir, Branja und Thure und versorgte diese fachgerecht. In der Zwischenzeit hatte ein junges Mädchen das Torffeuer geschürt und eine heiße Brühe herbei geschafft. Kurz darauf waren die Thorwaler eingeschlafen, doch anders als seine Gefährten schlief Walkir mit einem offenen Auge, während draußen dichter Schneefall einsetzte...

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 14.03.2015 00:04 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Gulbladdirstadir, 27. Schlachtmond 2662 nach Jurgas Landung (27. Travia 1035)

Am nächsten Morgen wurden die fünf Fremden zur Hersirin der Gulbladdir-Sippe gebracht. Katla Sigridsdottir hieß ihre Gäste willkommen. Zur Sippe gehörten rund vierzig Leute, von denen jeder eine bestimmte Aufgabe erfüllte, vom Schmied über den Jäger bis hin zu Weberinnen und Kriegerinnen. Unter die Anwesenden mischten sich aber auch exotische Gesichter. Ein Mann, der offenbar horasischer Abstammung war und ein junger Gjalskerländer.
Katla sprach den Thorwalern Gastfreundschaft zu, bis ihre Verletzungen genesen waren, dann müssten sie sich, sollten sie bleiben wollen, für die Gemeinschaft nützlich machen. Keiner hatte dem etwas entgegen zu setzen und so zogen sich die Verletzten zurück. Die Gefährten fühlten sich allgemein unwohl, die Stunden im eisigen Wasser hatten selbst vom starken Rekker ihren Tribut gefordert. Es dauerte keine zwei Tage, bis der Dumpfschädel nur Askir verschonte und die übrigen Thorwaler an ihr Strohlager fesselte. Die nächste schneereiche Woche verbrachte Walkir in Wachträumen, während er und seine Gefährten, unter den besorgten und wachsamen Augen des Swafnirs-Diar, mit der Krankheit und den Wunden kämpften. Am meisten sorgte sich Askir um seinen großen Bruder und um die gut aussehende Branja, die sich der Gruppe in Waskir angeschlossen hatte. Immer wieder tupfte der Diar die schweißnasse Stirn der jungen, blonden Frau mit einem feuchten Tuch ab und er betete zu Swafnir, dass seine Gefährten bald wieder genesen würden, während draußen der eisige Wind die Schneeflocken um die Grassodenhäuser blies.

Alle paar Tage kam Olgi vorbei und sah nach den Wunden der Gäste und beantwortete geduldig Askirs Fragen. So fand der Swafnirs-Diar heraus, dass es sich bei den Bewohnern des Hofes um sogenannte Neuhjaldinger handelte. Was Askir besonders bitter aufstieß war die Tatsache, dass diese Sippe Treller hatte. Geiseln, die für ein Jahr und einen Tag den Bewohnern des Hofes dienen mussten, doch Walkir sah in diesen nur Sklaven und auch die Beteuerung Olgis, dass es sich keinesfalls um Sklaven handelte, konnte den Rekker nicht überzeugen. Der gesunde Diar wurde jeden Abend eingeladen mit den Mitgliedern der Gulbladdir-Sippe zu speisen und den Geschichten zu lauschen oder gar selbst welche zu erzählen. Die Gulbladdirer sprachen von unheimlichen Orten und Wäldern und solchen mit besonderer Kraft, wie heiße Quellen, trügerische Grasebenen unter denen Sumpflöcher lauerten und gar einem Fels in dem ein Elementar hausen sollte. Der Godi berichtete von einem verfluchten Quell, aus dem blutrotes Wasser sprudelte und Mensch und Tier mieden dieses Gebiet, in dem auch keine einzige Pflanze wuchs. Und ein Anderer erzählte von den Langaholts, einer Hügelkette im Landesinneren, wo das Blodsdal liegt, ein Ort an dem eine große Schlacht stattgefunden haben soll. Obwohl die Rekker das schreckliche Ungeheuer besiegt hatten, sei dieses Tal nun verflucht, da der Ort zu viel Blut getrunken hat. Man solle vor allem bei Nacht und Nebel nicht dorthin gehen, da die Seelen der gefallenen Krieger dort umgehen und einfach keine Ruhe finden.
Eines Abends, hatte Askir Jandra Sturmkind erwähnt und es stellte sich heraus, dass eine Frau namens Jandra vor vielen Jahren mit ihrer Ottajasko hier Rast gemacht hatte, bevor sie weiter in den Norden gezogen war. Die Dorfältesten berichteten, dass die Frau und ihre grimmigen Gefährten auf der Jagd nach einem Seidmader waren, der das Herz der Hetfrau geraubt haben sollte. Jandra wirkte auf die Sippe sehr schweigsam, aber auch furchteinflößend. Lugrid, eine fast fünfzig Winter zählende Frau erinnerte sich sogar daran, dass diese Thorwaler auf der Suche nach einer Kreatur Hranngars gewesen waren, doch keiner der tapferen Männer und Frauen war je zurückgekehrt. Von neuem Mut gepackt berichtete Askir noch am selben Abend seinen Gefährten von den neuen Hinweisen – sie waren auf dem richtigen Weg.

Ein paar Tage später, als Askir nach dem Essen mit der Sippe am Feuer saß und, in der Hoffnung weitere Hinweise über das Sturmkind zu erfahren, den Geschichten der Neuhjaldinger lauschte, zerriss ein Schrei die gemütliche Winternacht!
Die junge Swanhild starrte entsetzt auf ihren Bauch. Unter den verkrampften Fingern ihrer Hand sickerte Blut und färbte das helle Leinen ihres Gewandes scharlachrot. Im gleichen Augenblick war Madhru, der junge Gjalskerländer zu Boden gestürzt und wand sich mit zuckenden Gliedern und schmerzgekrümmt auf dem festgestampften Erdreich. Erschrocken war Askir aufgesprungen und sah mit entsetzten Augen, wie Schaum aus dem Mund des jungen Mannes trat und dessen Augen mit riesigen Pupillen starr ins Leere blickten. Gerade als der Diar einen Schritt auf Madhru zuging, schrie Swanhild erneut auf. Ein blutiger Schmiss zog sich jäh über ihre Stirn bis auf die Wange und aus dem Nichts tauchte ein tiefer Schnitt den rechten Arm des Mädchens in ein Bad aus Blut!
Als Swafger seiner Schwester zu Hilfe eilte, ging er stöhnend zu Boden. In dem Moment, in dem er sie berührt hatte, durchzuckte ein schwerer Schlag den Burschen und tiefrotes Blut durchnässte die Tunika am Rücken, von der rechten Schulter hinab bis zur Hüfte. Es herrschte heller Aufruhr, in dem einige der Krieger bewaffnet nach draußen stürmten, sich andere verängstigt von den Verzauberten zurückwichen und Schutzzeichen gegen das Böse zeichneten. Lingard, die Mutter der beiden Verwundeten, nahm ihrer Tochter und trug sie zu einer der Bänke, die als Nachtlager dienten. Dort entkleidete sie das Mädchen und erschrak vor den grässlichen Wunden, die sie sah. Fingertiefe Kratzer, wie von Krallen gerissen, hatten klaffende, stark blutende Wunden hinterlassen, die einer sofortigen Behandlung bedurften. Olgi und Askir machten sich sofort an die Versorgung der verwundeten Kinder.

Geraume Zeit später hatte sich Swanhild soweit beruhigt, dass sie erzählen konnte, was passiert war. Das Mädchen konnte jedoch nur berichten, dass sie einen plötzlichen, scharfen Schmerz verspürt hatte, so als dränge eine Klinge oder Klaue in ihren Leib. Während Swanhild erzählte sah sich Askir die Kleidung der beiden genauer an, doch außer den Blutflecken konnte er nichts entdecken, weder Risse noch Schnitte.
Kurz darauf nahm der Godi einige Kräuter und ging hinaus in die Nacht, um das Langhaus und den Hügel zu umschreiten und dabei die Ahnen anzuflehen und Swafnir und Ifirn um Beistand gegen die Trollskraper zu bitten. Währenddessen hatte Askir nach dem Gjalskerländer gesehen und ihn zu seinen Gefährten in das Grassodenhaus gebracht.
Madhru hatte sich von seinem Anfall erholt und saß am Torffeuer. Trotz Dumpfschädel rafften sich auch Thure und Walkir auf und folgten neugierig und skeptisch der Unterhaltung des Diar mit dem Jungen. Nachdem Askir die Thorwaler über die unheimlichen Ereignisse informiert hatte, lies es sich Thure nicht nehmen, einen genaueren Blick auf ihren Besucher zu werfen: „Odem Arkanum Senserei - weht da ein Hauch von Zauberei?“. Der Zauber gelang dem Galdmader und nur für sein Auge sichtbar legte sich ein roter Schimmer über den Körper des jungen Gjalskerländers. Zufrieden lächelte Thure: „Sag, mein Junge. Kann es sein, dass du für diese Wunden verantwortlich bist? Vielleicht hast du gar nicht gemerkt, was du getan hast…“. Erschrocken sah Madhru den ungewöhnlich gepflegten Mann mit dem kurzen braunen Haar und dem gestutzten Bart an. Dann lies er den Kopf sinken und begann zu erzählen. Der junge Gjalskerländer war gerade mal fünfzehn Winter alt und war kurz vor seiner Mannbarkeitsprüfung, als er vor einigen Tagen von den Neuhjaldingern gefangen genommen worden war. Dann hob er stolz sein Kinn und bekannte sich dazu ein Durro-Dûn, ein Tierkrieger zu sein. Thures Neugier war geweckt und der Galdmader hakte nach. So erzählte Madhru wie er sich als Kind schon zur Schneeeule hingezogen gefühlt hatte, der Odûn ihn erwählte und sich Lhargûn, der Schamane seines Haerad, seiner annahm. Über mehrere Jahre lernte der Tierkrieger mehr über die Wesenszüge seines Seelentieres und verstand die Gaben und die tierische Natur, die der Geist ihm verleiht, zu kontrollieren und schließlich, in seinem Fall, zu einem Durro-Craenagh-Dûn, einem Tierkrieger der Schneeeule zu werden. Dann sah Madhru zu Askir: „Die Frau, von der du erzählt hast, diese Jandra... Lhargûn hatte sie einmal erwähnt, er schien sie zu kennen. Vielleicht kann mein Mentor euch mehr über sie berichten.“.
“Worauf warten wir dann noch? Los, gehen wir zu diesem Schamanen! Er weiß wo wir Jandra finden.“, platzte es aus Walkir heraus und der große Thorwaler machte Anstalten aufzustehen. Geduldig drückte Askir seinen Bruder zurück auf sein Lager: „Wir müssen warten bis ihr alle gesund seid. Wenn wir jetzt aufbrechen, könnten die Gulbladdirer denken, wir wären für diese merkwürdigen Angriffe verantwortlich.“.

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 25.05.2015 20:44 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Es tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt geht es endlich weiter.



„Schwer wurde uns unsere Suche durch böse Zauber.
Die tapfere Harda zogen sie ins Verderben.
Fluch denen, die so ehrlos handeln!“


Nach einer guten Stunde waren die Krieger zurückgekehrt und hatten einige Dinge unweit des Hofes gefunden, darunter ein rostiges Fischermesser und ein kleines Büschel aus Haaren, Federn und Knochen – das Gewölle einer Eule. Olgi hatte es vorsichtshalber verbrannt.
In den folgenden Nächten hatten die Gulbladdirer Wachen aufgestellt und täglich wurden vom Godi die Schutzzeichen erneuert, als es in einer Vollmondnacht zu einem schrecklichen Zwischenfall kam. Ein gurgelnder, erstickter Schrei drang durch die Halla: eine Fontäne scharlachfarbenen Blutes schoss aus einer klaffenden Halswunde und binnen Lidschlägen, war das Leben aus dem Körper des neunjährigen Mädchens gewichen. Ein Krallenhieb hatte der kleinen Netla die Kehle zerrissen und mit einem kummervollen Schrei warf sich die Mutter über den toten Leib ihrer Tochter.
Gerade als Askir, Thure, Walkir und die beiden Frauen mit gezückten Waffen in die große Halla stürmten, erhob Olgi die Stimme gegen den jungen Gjalskerländer Madhru. Alles sprach gegen den jungen Burschen, der immer in eine merkwürdige Trance zu fallen schien und kurz darauf etwas gestalt- und körperloses die Gulbladdirer angriff. Die Neuhjaldinger waren sich einig: Madhru musste gehen!
Askir und Walkir wechselten einen kurzen Blick und der Swafnirs-Diar trat vor: „Wir gehen mit dem Gjalskerländer!“. Misstrauisch wurden die fünf Fremden beäugt bis Katla das Wort ergriff: „Wenn das euer Wunsch ist, dann geht und zwar gleich. Packt eure Sachen und verlasst den Hof! Ich kann meine Familie nicht länger der Gefahr, die dieser gjalskerländer Barbar auf den Hof gebracht hat, aussetzen!“

Eilig suchten die Ghulschlächter ihr Hab und Gut zusammen, packten sich in ihre dicke, warme Woll- und Fellausrüstung und brachen noch vor dem Morgengrauen mit Madhru auf, in die eisigen, weißen Weiten des wilden gjalskerländer Hochlands. Dieser führte die Gruppe nach Süd-Osten, ins Landesinnere. Bis zu den Langaholts lagen viele Meilen unwegsames, hügeliges Gelände vor ihnen.

In Firuns eisigem Griff

Der Schnee hatte das karge Land mit seinen Krüppelkiefern und dem rauen Heidekraut unter einen dicken weißen Dicke verborgen und schneidend fegte der Wind über die großen, freien Flächen und grub sich durch die Felle und die Wollkleidung. Unbeeindruckt von der Kälte übernahm Madhru die Führung und so begann ein kräftezehrender Marsch.
Korja ging direkt hinter dem angehenden Tierkrieger. Immer wieder ließ sich die thorwalsche Kundschafterin von dem jungen Gjalskerländer erzählen voran er sich orientierte und fragte ihn über das Land und die Tiere aus, die in dieser Einöde überlebten. Madhru zeigte ihr Landmarken, wie eine Felsnadel aus grauem Urgestein, das von einem bestimmten Muster aus rotem Eisenrost durchzogen war. Er erzählte ihr auch von den weiten Ebenen mit Silbergras und dem lila blühenden Heidekraut, das im Frühjahr das Hochland überzog. Währenddessen kämpften sie sich durch kniehohen Schnee, in den sie immer wieder einbrachen. Walkir und Askir fielen in ihren schweren Rüstungen manchmal zurück und trotz dicker Handschuhe und warmer Stiefel wurden Füße und Hände langsam taub. Thure hatte seinen Wollschal über das Gesicht gezogen um dem scheidenden Wind zu entkommen und Eiskristalle bildeten sich in den Bärten der Männer und den Haaren der Frauen. Bald frischte der Wind auf und am Horizont türmte sich eine grauweiße Wand auf – ein herauf ziehender Schneesturm!

Eilig stürmte Madhru auf eine große Schneewehe zu, wies die anderen an es ihm gleich zu tun und begann mit bloßen Händen zu graben. Als sie bereits von den ersten Schneeflocken umwirbelt wurden, krochen sie je zu zweit in eines der drei gegrabenen Schneelöcher. Askir teilte sich mit Branja einen Unterschlupf und verschloss den Eingang mit seinem Rundschild. Mit seinem Jagdspieß hatte er ein Luftloch gebohrt, das er immer wieder von Schnee befreien musste, doch schnell ließ die gut aussehende Branja den Diar an ganz andere Dinge denken… Nicht weit von ihm entfernt lag sein Bruder Walkir mit der Kundschafterin unter den Schneemassen in einem hoffentlich ebenso sicheren Schneeloch. Thure hatte sich mit Madhru zurückgezogen und war fasziniert von der zweckmäßigen Notunterkunft. Doch weit mehr war er an dem Durro-Dûn und dessen Mentor interessiert, einem richtigem Schamanen. Bisher hatte er über diese nur in Büchern gelesen und in den Geschichten der Skalden gehört – seine Neugier war geweckt!

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 27.05.2015 16:31 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Nach mehreren Stunden des Ausharrens, hatte sich das gedämpfte Heulen des Schneesturms gelegt. Thure hatte sich in der Zwischenzeit etwas ausgeruht. Gerade als er sich Finger und Zehen warm gerieben hatte, hielt er plötzlich inne. Der Galdmader lauschte angestrengt und glaubte Schritte auf dem Schnee zu vernehmen – unweit des Schneelochs stapfte mit schweren Füßen, etwas oder jemand durch die gefrorene Landschaft!

Vorsichtig hatten er und Madhru den Eingang ihres Unterschlupfes geöffnet und befreiten diesen möglichst lautlos vom Neuschnee. Das Licht des Praiosmals hatte die Ebene in ein grell gleißendes, mit Diamanten betreutes Ifirnsgewand verwandelt. Geblendet musste Thure die Augen zusammen kneifen, dann spähte er aufmerksam aus der Schneewehe über die Landschaft. In einiger Entfernung erblickte er eine Gestalt, die sich Schritt für Schritt erschöpft durch den Tiefschnee kämpfte. Die Frau war fast zwei Schritt groß und ihre feuerroten Haare hatte sie zu einem Kamm aufgestellt. Sie trug eine schwere Brigantine mit runenverzierten Schulterplatten und stählerne Arm- und Beinschienen, die im Sonnenlicht glänzten. Unter dem Streifenschurz steckte eine Lederhose in ihren dicken Fellstiefeln und ein breiter Schwertgürtel hielt ein Langschwert und eine Gürteltasche. Auf ihrem Rücken hing ein schartiger Thorwaler Rundschild, von dem bereits die Farbe abblätterte. Thure zögerte kurz. Eine kampferfahrene Frau, allein hier im Gjalskerland und vollkommen erschöpft stellte sicherlich keine Gefahr da. Er richtete sich auf und rief ihr zu: „Swafnir zum Gruße!“. Erschrocken fuhr die Fremde herum, zog noch in der Bewegung ihr Langschwert und ließ den Schild von der Schulter gleiten.

Thures Ruf hatte seine Gefährten aufgeschreckt, eilig gruben sich Walkir, Korja, Branja und Askir, wie Schneelaurer aus ihren Löchern. Sichtlich irritiert beobachtete die fremde Kämpferin, wie aus der Schneewehe neben dem Galdmader und dem halbnackten Junge nun noch ein muskelbepackter Krieger mit gezogenen Waffen und eine etwas kleinere Frau auftauchten und wenige Schritt weiter eine hübsche, junge blonde Frau und ein Mann mit weißblondem zerzausten Haar erschienen. Dann erkannte sie den schwarz-blauen Seetigerfellmantel und den blauen Rundschild mit dem Zeichen des weißen Pottwals im Wellenkranz. Sichtlich beruhigt aber immer noch verwundert näherte sich die Frau der Gruppe: „Swafnir zum Gruße. Ich habe nicht damit gerechnet hier auf Landsleute zu treffen.“. Die Ghulschlächter sammelten sich um die fremde Thorwalerin und Branja reichte ihren Wasserschlauch mit Premer Feuer rum: „Hier, zum Aufwärmen.“. Dankbar nahm die rothaarige Frau den Schlauch an und nahm einen großen Schluck: „Hmmm…das erinnert mich an zuhause. Ich bin Hjalka Garaldsdottir, von der freien Kämpferschule der Trutzburg zu Prem. Hab mich wohl in dem vermaledeiten Schneesturm verlaufen.“.

„Walkir Raskirson, Krieger der Ugdalfskronir in Thorwal. Wir sind auf dem Weg einen Schwur zu erfüllen. Und wir könnten einen starken Schwertarm gebrauchen um geschehenes Unrecht zu sühnen.“, sprach Walkir und blickte der Kriegerin in die Augen. „Bei Swafnir! Mein Schwert ist bereit den Willen des Gottwals zu erfüllen!“, rief Hjalka. „Das wohl!“, stimmten die Ghulschlächter zu.

„Gefangen in einem Kerker aus Eis und Zorn,
Ruhelos, freudlos, allein und verlassen.

Alle Hoffnung geschwunden, alle Glut erstickt.
Auf Messers Schneide der Lauf des Schicksals.
Swafnirs Ruf ertönt, folgt ihm zu den Waffen.

Fünf werden kommen, sechs werden gehen:
Freunde, Gefährten, über den Tod hinaus,
Sie folgen dem Lied der Runjas

Schmal ist der Weg, den sie gehen müssen,
Schwer fällt es, die Prüfung zu erkennen.
Bestehen wird nur, wer tapfer und listig und treu ist.“


Unerbittlich wirbelte der eisige Wind den Schnee auf, die Kristalle peitschten den Thorwalern ins Gesicht. Immer wieder sanken sie in tiefe Schneeverwehungen ein, während sie ihre mühevolle Wanderung durch die endlos weiße Landschaft fortsetzten.
Bald sahen sie in der Ferne eine seltsame Formation. Als sie sich näherten, offenbarte sich ein seltenes Bild: ein Wasserfall der zu Eis erstarrt war. Während Thure darüber philosophierte, das es auf natürlichem Wege unmöglich sei, dass ein solch großer Wasserfall erstarre und gewiss nur elementare Gewalten hierzu im Stande seien, war sich Hjalka sicher, Bewegung im Eis zu erkennen, ganz so als lebe etwas in den erstarrten Fluten. Unbeeindruckt rammte die Kriegerin ihr Langschwert in die Eiswand und zog es wieder heraus. Was sie beim Weggehen nicht bemerkt hatte war das grimmige Gesicht, das sich in den Eisschichten abgezeichnet hatte…

Nach einem weiteren Tagesmarsch erreichten sie, nahe eines aufragenden Felshanges, ein verschneites Wäldchen aus knorrigen Fjellkiefern mit verengten Ästchen und kleinen, windgepeitschten Weiden. Erschöpft und halb erfroren suchte die Gruppe Schutz zwischen den Bäumchen, als sie auf einen Höhleneingang stießen. Aufgeregt zeterte Korjas Nebelkrähe und Madhru rümpfte die Nase: „Riecht nach Bär.“, sagte er in gebrochenem Thorwalsch und sah die Fremden an. Schnell waren sie sich einig gewesen, dass sie die Nacht nicht unter freiem Himmel verbringen wollten.

Vorsichtig betraten die Thorwaler die Bärenhöhle und Thure schnippte kurz mit den Fingern und sprach: „Flim Flam Funkel - Licht ins Dunkel.“. Eine bläulich-weiß strahlende Lichtkugel erschien über der Handfläche des Galdmaders und erhellte das Innere des Felsganges. Nach wenigen Schritt konnten sie vernehmen, wie sich etwas Großes, Massiges bewegte und Witterung aufnahm. Kampfbereit hatten Walkir und Hjalka ihre Position eingenommen und standen als Vorderste in dem schmalen Gang. Hinter ihnen standen Askir und Branja, dahinter Thure mit seinem Lichtzauber und Korja hatte den Höhlenausgang im Blick. Dann schob sich der dunkle, gewaltige Körper eines Höhlenbären in Hjalkas und Walkirs Sichtfeld. Mit einem bedrohlichen Grollen stapfte der Bär auf die Gruppe zu und richtete sich zu beachtlichen drei Schritt Größe auf. Hjalka schlug als Erste mit ihrem Langschwert zu und schnitt in das dicke graue Fell der Bestie. Zwei wuchtige Pranken fuhren auf die Kriegerin nieder und rissen diese schwer zu Boden. Rasch zogen Askir und Branja ihre stöhnende neue Gefährtin aus der Gefahrenzone, während Walkir die Aufmerksamkeit des Bären nun auf sich zog und mit seinen beiden Äxten nach ihm schlug. Branja trat an Hjalkas Stelle und griff mit ihrem Säbel das verletzte Tier an. Askir stach aus der zweiten Reihe mit seinem persönlichen Jagdspieß zu und Thure deutete mit Zeige- und Mittelfinger seiner linken Hand auf den tobenden Höhlenbär: „Blitz dich find - werde blind!“. Sichtlich beeinträchtigt durch den Blitzzauber schlug und biss der Bär nun nach seinen Angreifern, unterlag jedoch nach kurzer Zeit den Stichen und Hieben der Thorwaler.
Die Gruppe kam mit ein paar Kratzern und Bisswunden davon, aber diese Verletzungen hatten sich gelohnt, da sie nun die Nacht im Trockenen und Warmen verbringen und Korja schaffte es sogar etwas Fleisch aus dem Körper des Bären zu gewinnen und bereitete es auf einem kargen Feuerchen zu, dessen Wärme schon allzu bald erlosch…

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 26.08.2015 19:08 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.02.2012 02:15
Jandras Grab

Gjalsker Hochland, 9. Sturmmond 2662 nach Jurgas Landung (9. Boron 1035 BF)

Dichter Nebel hatte das Hochland bedeckt und alles in tristes Grau gehüllt. Bäume, Sträucher und Hügel waren kaum mehr als dunkle Silhouetten. Stumm wies Madhru auf die Hügel, die vor ihnen lagen. Dahinter soll sich das Blodsdal verbergen!

Kurz zögerte der junge Gjalskerländer, folgte aber dann doch den sechs Thorwalern auf die Hügel zu. Als sie die Senke erreichten, bot sich ihnen ein Ehrfurcht gebietender Anblick: Vor ihnen erhob sich ein Hügelgrab aus titanenhaften Felsen, gewaltig, dunkel und bedrohlich. Die mächtigen Megalithen, die sich zu einer fast zwölf Schritt hohen Kuppel türmten, waren in nackte, rote Erde eingebettet. Gut möglich, dass das Hügelgrab einst gänzlich von Erde bedeckt war, doch hatten Wind und Wetter die schützende Hülle, die von keinen Graswurzeln gehalten wurde, an vielen Stellen davongetragen.
Selbst der Schnee schien der düsteren Walstatt zu fliehen: Obwohl ringsum alles von dichtem Schnee bedeckt war, war die Senke frei davon. Nur dürres Gras mühte sich an wenigen Stellen auf dem Boden zu wachsen, auf dem sich hier und da rötliche große Flecken fanden, die an Blutlachen erinnerten.
Schweigend standen die Sturmvögel und ihre neuen Gefährten für einen Moment da, dann brach Thure die Stille: „Seht euch das nur an. Diese mächtigen Dolmen, es wirkt wie das Grab eines Riesen!“ und schritt unbeirrt auf das Hügelgrab zu. Walkir, Askir und die drei Frauen folgten dem Galdmader, während Madhru tunlichst darauf achtete nicht in einen der rötlichen Flecken zu treten. Ganz in seinem Element, begann Thure die fast sechs Schritt großen Steine zu untersuchen und fand eindeutige Zeichen von Bearbeitung. Die Meißelspuren waren groß und auch die groben Runen, die er entzückt betrachtete, waren eindeutig nicht thorwalschen Ursprungs! In der Zwischenzeit hatten die anderen in der Umgebung erkundet. Walkir war um das Hügelgrab geschritten und festgestellt, dass das Grab mehr als gewaltig war und sich überall auf den Megalithen Werkzeugspuren und Runen fanden – zu groß um von Menschenhand geschaffen zu sein.

Dann hatte Korja zwischen zwei Megalithen einen schmalen Spalt entdeckt, der groß genug war, um sich hindurch zu zwängen. Von Neugier getrieben, quetschten sich Thure, Korja, Walkir, Hjalka und Branja, mit etwas Mühe, durch den Spalt ins finstere Innere des Grabes. Askir war draußen geblieben um Wache zu halten. Der Olporter hatte einmal mit den Fingern geschnippt und sprach: „Flim Flam Funkel –Licht ins Dunkel.“, woraufhin die unangenehm feuchte und gleichzeitig drückend warme Grabkammer hell erleuchtet wurde.
Die Megalithen formten eine Kuppel von etwa fünfzehn Schritt Höhe, unter deren Mitte sich, der Wärme zum Trotz, eine Eisfläche von circa drei Schritt Durchmesser befand. Um die sechseckige Eisfläche gruppierten sich sechsunddreißig kleine Grabhügel, deren Steine, genau wie die Felsen, von einem glitschigen Überzug aus Moos und Schimmel bedeckt waren. Vorsichtig traten die Ghulschlächter an die Gräber heran und entdeckten thorwalsche Runen auf den Steinen. Sie lasen Namen wie Tora Torbrandsdottir, Laske Eldarsson, Harda Alfrijasdottir, Canka, Sjoren Vinleifsson, Baerwalla Smidasdottir und noch die weiterer von Jandras Gefährten. Doch ein Name war Thure und Walkir unbekannt: Fennlorien Gandsmidir.

Als sich Thure neugierig der mysteriösen Eisfläche näherte, erklang leise die Harfe in seiner Tasche. Verwundert nahm er das Instrument heraus, während sich seine Gefährten alarmiert umsahen. Von einem Gedanken gepackt ging der Galdmader auf das von Schlieren durchzogene Eis zu und sah, dass in dessen Oberfläche feine Runen geritzt waren. Er erkannte Schutz- und Bannzeichen, sowie Runen des Fesselns und der Warnung. In der Mitte der Fläche war eine mächtige Swafnir-Rune eingeritzt. Doch eins hatten all diese Runen gemeinsam, sie waren ungelenk und zittrig, ganz so als waren sie in großer hast oder von ungeübter Hand gezogen worden. Plötzlich vernahm Korja eine huschende Bewegung unter dem Eis, doch sie konnte nicht erkennen um was es sich handelte. Ein dumpfer Knall ließ die Eisfläche erbeben und an einer klaren Stelle tauchte eine Fratze auf, die nur entfernt an ein menschliches Gesicht erinnerte. Das Eis verzerrte seltsam die bleichen, aufgedunsenen Augen, die schreckensstarr nach oben blickten und den zu einem stummen Schrei geöffnete Mund, der mit mehreren Reihen nadelspitzer Zähne übersäht war.
Doch das Bild verschwand ebenso schnell, wie es aufgetaucht war und mit gezogenen Waffen wichen die Thorwaler von der Eisfläche zurück. Walkir und Thure blicken sich kurz an und wussten Bescheid: diese Kreatur Hranngars war Hader Walkirsson!

In diesem Moment, erklang die Harfe erneut. Jandras Lied ertönten, doch mischten sich erste Misstöne in die wohlbekannte Melodie. Schrill klang nun die Harfe in den Ohren der Thorwaler, als ein Knirschen und Knacken zu hören war. Im Eis fanden sich kleine Risse, die allmählich begannen sich aus zu breiten. Erschrocken traten die Ghulschlächter weiter zurück, als Askir, der sich immer noch mit Madhru außerhalb des Hügelgrabes befand, nach seinen Gefährten rief. Ohne zu zögern zwängte sich Walkir nach draußen zu seinem Bruder und kurz darauf erschienen auch die drei Frauen und der Galdmader vor dem Grab. Augenblicklich verstummte der schrille Klang von Godsögnsvanir und nun vernahmen auch die Anderen das dumpfe Donnern, sich nähernder, schwerer Schritte. Die Thorwaler machten sich kampfbereit, nur Swafnir allein wusste welchen Gegnern sie sich stellen mussten.

Auf der Hügelkette, welche das Blodsdal umschloss, ragte eine gewaltige Gestalt auf. Das über vier Schritt große Wesen, war über und über mit eisgrauem, zotteligen Pelz bedeckt und weiße Wölkchen stiegen aus seinem Atem empor, als der Schneetroll mit seiner Baumstamm-Keule auf die Thorwaler zu stapfte. „Kann das möglich sein?“, murmelte Thure in seinen wohl gestutzten Bart, während Walkir Befehle brüllte und seine Gefährten in eine bessere Kampfposition zu bringen. Dann erfüllte eine tiefe, dunkle Stimme, die klang als würden Felsen aufeinander schaben, die Ebene: „Gruß, kleine Thorwaler. Ich bin Gullimbar von der Sippe der Gurumpars. Sagt, was führt euch an Stätte, so fern von Heimat?“ Sie trauten ihren Ohren nicht. Der Troll sprach zu ihnen in einem altertümlichen Thorwalsch. Erstaunt ließ Askir seinen Jagdspieß sinken und auch die Anderen, die abgesehen von Thure nur Bruchstücke der Begrüßung verstanden hatten, senkten ihre Waffen und taten es dem Diar gleich.

Askir trat vor und stellte sich und seine Gefährten in der vom Schneetroll gewählten Sprache vor: „Ich bin Askir Raskirson, ein Diar Swafnirs. Dies ist mein Bruder Walkir Raskirson, er Rekker aus Thorwal und Hjalka, eine Kriegerin aus Prem. Hier sind Korja Frenjasdottir, eine fähige Kundschafterin aus den Hjaldorbergen und Thure Tryggvarsson, ein Galdmader der Halle des Windes zu Olport. Und nicht zuletzt die schöne Branja Ragnarsdottir und der junge Madhru, ein Gjalskerländer der hier aus der Gegend stammt. Einige von uns legten einen Schwur ab, das Unrecht welches Jandra Sturmkind wiederfahren ist zu tilgen. Die Anderen haben sich dieser ehrenvollen Sache angeschlossen. Deshalb sind wir hier.“
„Jandra Havallasdottir, genannt Sturmkind. Ich erinnere mich gut an sie und ihre Leute. Sie kamen in das Land aus Eis und Schnee um einen Anbeter der Seeschlange, der Verzehrerin der Welt zu jagen. Dem Frevler haftete das Verderben an den Fersen.“, Gullimbar machte eine kurze Pause. „Das ist fünfunddreißig Winter her.“

_________________
"So warf ich deinen Kadaver von den blutgetränkten Klippen hinab in die schäumenden nachtblauen Wogen..."


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 04.03.2016 22:22 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 19.04.2012 08:03
Hallo Maha Vairocana!

Ein Hoch auf diesen Spielbericht! Ganz großes Kino, wie ihr hier eure Erlebnisse beschreibt. Hilft gerade sehr dabei für meine Gruppe die Jandra-Saga vorzubereiten.
Nur wenn man auf das Datum schaut, dann ist ja seid fast sechs Monaten kein Post mehr gekommen. Habt Ihr es noch nicht wieder geschafft zu spielen? Wäre daran interessiert, wie es weitergegangen ist.


Viele Grüße

Jaakon


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 04.03.2016 23:03 
Offline

Registriert: 02.01.2011 00:23
Ich habe dieses Topic auch abonniert und warte auf Updates! :-)
Meine Jandra-Kampagne startet ebenfalls in wenigen Spielsitzungen, daher würde ich mich über weitere Spielberichte sehr freuen!


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 09.11.2016 08:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.01.2008 01:02
Wohnort: Dunkle Zeiten / Wildermark
Ich antworte mal für die Meisterin bei der ich mitspiele:

Die Gruppe ist noch aktiv und spielt auch regelmäßig. Nur leider sind wir mit Skaldensänge schon lange durch und befinden und schon in der Friedlos-Kampagne. Die Meisterin konnte die Spielberichte nicht so schnell verfassen wie wir voran kamen, so dass die Kluft immer größer wurde. Ich habe dafür Verständnis, weil ich weiß wie viele Stunden ein einzelner Bericht dauert. Es wird also leider nichts mehr kommen. Aber bei Swafnir, wir waren siegreich und haben sogar eine alte, neue Otta gegründet - die Sturmvögel!

_________________
"Er ist voller Blut, warum ist er immer voller Blut?"


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ] 




Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
dsaforum.de hosted by hartware.net
DAS SCHWARZE AUGE, AVENTURIEN, DERE, MYRANOR, THARUN, UTHURIA und RIESLAND sind eingetragene Marken der Significant Fantasy Medienrechte GbR.
Ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Ulisses Medien und Spiel Distribution GmbH ist eine Verwendung der genannten Markenzeichen nicht gestattet.

[ Impressum ]

Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de