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Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

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Denderan Marajain
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Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 15.11.2016 10:53

Nachdem ich heute aus dem Urlaub ins Büro zurückgekehrt (privat war es in meinem Kreis ebenfalls bereits ein Thema) bin war dieses Thema in aller Munde und hat eine Debatte ausgelöst

(Fast) alle waren der Ansicht es werde immer schlimmer und früher war alles besser.

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage ist hier wirklich ein wenig Wahrheit versteckt?

Ich persönlich denke es wird heute mehr berichtet (Social Media) aber früher war es nicht unbedingt "anders" oder "besser"

wie seht ihr das?
Habt ihr vielleicht persönliche Erfahrungen gemacht?

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hexe
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von hexe » 15.11.2016 11:20

Früher wie 1933?

'Die Jugend wird immer schlimmer' ist eine Konstante, die sich durch die Menschheitsgeschichte zieht. Aber ja 1955 hat sie noch keiner Videos davon gemacht, wie man sich in den Trümmern der Großstädte geprügelt hat, nur weil es die Bande aus dem Nachbarviertel war und die der ganzen Welt gezeigt. Hätte man aber, wenn man gekonnt hätte.

Mein Vater war 40 Jahre lange Lehrer. Schlimmer, nein. Andere Möglichkeiten, ja.
"Zulhamid ist aber gerade auch wieder Zucker!" - Lanzelind

astfgl
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von astfgl » 15.11.2016 11:40

Es ist mittlerweile schlicht unmöglich geworden, solche Vorfälle effektiv zu vertuschen, wodurch die über Jahrtausende mitgeführte Dunkelziffer zu Tage tritt.
Meiner Meinung nach zeigt obiges Beispiel eher das Gegenteil der postulierten Verrohung, da sich das Umfeld aktiv damit auseinander setzt und dem Täter die Falschheit seines Tuns vorhält, statt alles unter den Teppich zu kehren, wie es vergangene Generationen in ähnlichen Fällen praktiziert haben.
Für den Willen, einen Denkzettel zu verpassen, ist es unerheblich, was und ob überhaupt etwas auf diesem Zettel steht.

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 15.11.2016 11:46

astfgl hat geschrieben:Es ist mittlerweile schlicht unmöglich geworden, solche Vorfälle effektiv zu vertuschen, wodurch die über Jahrtausende mitgeführte Dunkelziffer zu Tage tritt.
Meiner Meinung nach zeigt obiges Beispiel eher das Gegenteil der postulierten Verrohung, da sich das Umfeld aktiv damit auseinander setzt und dem Täter die Falschheit seines Tuns vorhält, statt alles unter den Teppich zu kehren, wie es vergangene Generationen in ähnlichen Fällen praktiziert haben.
Mit Verrohung, so wie ich es verstanden habe, ist die Jugend selbst gemeint.

Ich zitiere einen Kollegen von mir (60 Jahre)

"Früher haben wir uns zwar ebenfalls geschlagen aber solche Vorführungen und Genuss von Gewalt gab es nicht"

Ist natürlich stark subjektiv aber ich denke mir viele dürften das so sehen

Bei der Dunkelziffer bin ich klarerweise bei dir. Der vorliegende Fall zeigt ja auch eine Milieu bedingte Problematik auf

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 15.11.2016 12:01


Jadoran
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Jadoran » 15.11.2016 12:55

Aus meiner eigenen Schulzeit kann ich sagen: Unter den "normalen deutschen Kindern" wurde 1:1 gerauft und aufgehört, wenn man den anderen mit beiden Schultern am Boden hatte. Dann hatte der "verloren" und der Kampf war aus. Ich war mit 5 eingeschult und der Kleinste der Klasse. Dass "Große" (also zwei Klassen drüber) "Kleine" verprügelten kam nicht vor.
Es wurde viel gerauft, aber ich habe in meiner ganzen Grundschulzeit niemals von einem "deutschen" Mitschüler einen Schlag ins Gesicht oder einen Tritt zwischen die Beine bekommen. So was machte man nicht. Ich habe auch keinen einzigen Fall in Erinnerung, dass ein "deutscher" Junge ein Mädchen geschlagen hätte.

Im selben Gebäude gab es allerdings auch eine Hauptschule, und in der Grundschule war eine reine "Türkenklasse". Die waren gefürchtet wie die Hölle, weil die nichts dabei fanden, zu mehreren auf einen zu gehen oder einen vierzehnjährigen großen Bruder aufzufahren, der dann einen siebenjährigen krankenhausreif trat - auf die Gefahr hin, von der Schule zu fliegen. Die waren berüchtigt dafür, Messer zu haben. Das kam auch tatsächlich vor, und daher mied man sie. Sie pickten sich periodisch immer wieder Opfer heraus, was geahndet wurde.

Das sind nur meine persönlichen Erinnerungen, und wir hatten garantiert auch ein paar Ausländer in unserer Klasse - ich erinnere mich an dunkle Teints und "komische Namen", aber die gehörten dazu und hielten sich an dieselben Regeln. Daher habe ich oben die "" gesetzt.

Ausschlaggebend war in meinen Augen die damals noch mögliche Sanktionierung der Gewalttäter vor Ort - die Hofaufsicht hätte einem zehnjährigen, der einen Sechsjährigen die Nase blutig schlägt, eine hinter die Löffel gegeben und ihn zum Rektor geschleift. Wenn man die Art der Gewaltdarstellung in alten Filmen mit der heute üblichen vergleicht liegen da auch Welten dazwischen.

Von daher: Ja, es ist heute schlimmer als früher.

Derewanderer
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Derewanderer » 15.11.2016 14:12

Mir kommt es so vor.

Aber
Soziale Demütigung, Ausgrenzung und auch Gewalt finde ich heute abstoßend nachdem ich mich damit kritisch auseinandergesetzt habe.
Mit 16 waren das für mich aber noch valide Mittel um meine "Interressen" durchzusetzen.
Bin froh und dankbar das meine Schulzeit gewaltfrei von Statten ging und meine Eltern/Freunde da auf mich aufgepasst haben, aber hätte ich damals schon die technischem Möglichkeiten und den Grad der Anonymität von Heute gehabt, würde ich nicht auf meine früheres Ich wetten.

TaintedMirror
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von TaintedMirror » 15.11.2016 15:19

Als jemand, der viel Gewalt in meiner Schulzeit am eigenen Leib erlebt hat, würde ich nicht sagen, dass es heute schlimmer ist, allerdings habe ich weder über meine Generation, noch über die heutige einen Gesamtüberblick. Ich hatte schon erfahren müssen, wie es ist, wenn 8 Schüler, teilweise Größere einen zu Boden ziehen und auf einen eintreten. Mir wurden schon mehrfach Dinge mit Gewalt weggenommen, mir wurden Zigaretten auf der Haut ausgedrückt (von 14 Jährigen Mädchen, als ich 11 war). Einen Tritt in den Schritt musst ich auch schon überstehen (ein Freund von mir musste sogar deswegen mal operiert werden). Auch wurde ich in meiner Jugend bereits mit Waffen bedroht oder habe mal eine Bierflasche an den Kopf geworfen bekommen, anscheinend weil ich komische gegangen bin und hässlich aussah.
Klar geht das alles noch schlimmer. Folter musste ich nicht ertragen, meine persönlichen Infos wurden nicht im Netz verstreut und ich wurde auch nicht getötet oder verkrüppelt. Allerdings muss ich auch sagen, dass unsere Lehrer damals nicht wirklich gut darin waren, bestimmte Dinge zu verhindern. Oftmals hatte ich mich da an die Autoritäten gewandt, ohne dass ich wirklich Hilfe erwarten konnte. Sogenanntes "victimblaming" schien auch oft eine beliebte Strategie gewesen zu sein.

Zumindest in den USA scheint es jedoch so zu sein, dass laut Statistiken die Zahl der Straften bei den unter 14jährigen zurückgeht und zwar konstant.

Andererseits zeigt wohl auch Jarodans Anekdote etwas, was viele Lehrer ebenfalls berichten und zwar das Kinder mit Migrationshintergrund, insbesondere aus gewissen Kulturenkreisen, deutlich häufiger zu Gewalt und exzessiver Gewalt neigen, wodurch es zumindest zu erwarten ist, dass auch bei uns da einige Probleme an den Schulen weiter fokussieren.

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sagista
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von sagista » 16.11.2016 00:18

Die Erwachsenen beschweren sich seit jeher über die Jugend, das war schon im alten Babylon und bei den alten Griechen so. Die Jugend hat gewissermaßen das Recht, die Erwachsenen zu provozieren und herauszufordern.

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zumindest gefühlt immer schlimmer wird, insbesondere was Gewalttaten jeglicher Art unter den Jugendlichen selbst oder aber auch von Jugendlichen gegen Erwachsene angeht. Das liegt natürlich auch an der Medienberichterstattung, dass man dieses Gefühl bekommt. Gleichwohl würden die Straftaten allerdings auch nicht verschwinden, wenn nicht mehr darüber berichtet werden würde.

Meiner Meinung nach fehlt es jedoch der heutigen Jugend an Respektpersonen. Wir hatten früher großen Respekt vor z. B. Polizisten, der scheint heute zu fehlen. Auch muss man als Jugendlicher keine wirkliche Angst oder besser gesagt Respekt vor der Justiz haben, was ich für eine sehr bedenkliche Entwicklung halte. Aber da spielt vieles mit rein, angefangen bei der Erziehung. Allein schon wie sich das Verhältnis Schüler - Lehrer - Eltern gewandelt hat, begünstigt die Verrohung. Es werden keine Grenzen mehr aufgezeigt.

Was noch weiter erschwerend dazu kommt, ist die wirklich perverse Entwicklung, jeden Scheiß auch noch aufzunehmen und zu verbreiten. Heute reicht es ja nicht mehr, einen anderen zu demütigen, nein, jeder soll es dann auch noch sehen und so findet die Demütigung immer wieder statt. Und das hat es früher tatsächlich nicht gegeben, weil es technisch nicht möglich war.

Eulenspiegel
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Eulenspiegel » 16.11.2016 00:38

sagista hat geschrieben:Wir hatten früher großen Respekt vor z. B. Polizisten, der scheint heute zu fehlen.
Das sehe ich nicht so.

Früher hatten etwa 90% der Jugendlichen Respekt vor der Polizei und 10% hatten keinen Respekt vor der Polizei. Unser Umfeld gehörte zu den 90%. Deswegen haben wir auch nur die 90% wahrgenommen.

Heutzutage haben immernoch ca. 90% der Jugendlichen Respekt vor der Polizei und 10% haben keinen Respekt. Da wir keine Jugendlichen mehr sind, nehmen wir das ganze nur über die Zeitung wahr. Diese berichten jedoch nur über die 10% der Jugendlichen, die keinen Respekt vor der Polizei haben.

Die Jugendlichen haben sich nicht verändert. Was sich verändert hat ist unsere Wahrnehmung: Früher gehörten wir der Mehrheit der Jugendlichen an und haben daher diese wahrgenommen.

Heutzutage sind wir keine Jugendlichen mehr und nehmen Jugendliche nur noch über Zeitungen wahr. Die Zeitungen wiederum berichten nicht über die Mehrheit der Jugendlichen, sondern über die 10% der Jugendlichen, die negativ hervorstechen.

Sobald wir Familienväter/-mütter werden, nehmen wir die Jugendlichen wieder über unsere Kinder und den Freundeskreis der Kinder wahr. Da dieser Freundeskreis wahrscheinlich aus den 90% der Jugendlichen besteht, wird dies dann wieder dazu führen, dass wir feststellen, dass sich die Jugendlichen gar nicht verändert haben.

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 16.11.2016 06:37

@Eulenspiegel

Das halte ich allerdings für eine gewagte These
Die jugendlichen Problemfälle werden immer mehr
Die Presse hat geschrieben:Nur im Bundesland Wien wurde ein Anstieg von rund zwei Prozent verzeichnet. 6.244 Tatverdächtige zwischen 14 und 17 Jahren wurden in der Bundeshauptstadt registriert. 3.673 solcher Fälle gab es in Niederösterreich, was einen Rückgang von rund acht Prozent in dem Bundesland bedeutete. Die drittmeisten Verdächtigen wurden bei Straftaten in Oberösterreich ausgeforscht, die 3.562 dort angezeigten Jugendlichen waren allerdings um 16 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Den größten Rückgang gab es mit einem Minus von 26 Prozent in Vorarlberg, wo im Vorjahr 1.254 tatverdächtige Jugendliche in der Statistik aufschienen.

Fast 6.000 Strafunmündige

5.907 Tatverdächtige in Österreich waren im Vorjahr unter 14 Jahre alt und damit strafunmündig. Das bedeutete einen Rückgang um 17 Prozent im Jahresvergleich, aber immer noch rund 16 angezeigte Kinder pro Tag. 5.156 Verdächtige waren zwischen zehn und 13 Jahre alt, 751 - also zwei Tatverdächtige pro Tag - waren jünger als zehn Jahre.

Österreichweit wurden im Vorjahr insgesamt 123.057 Jugendliche mit Maßnahmen zur Kriminalprävention erreicht, teilte das Innenministerium in der Anfragebeantwortung mit. Heuer liege der Fokus auf der Aus- und Weiterbildung von Präventionsbeamten, um "auf neue Phänomene der Jugendkriminalität bestmöglich reagieren" zu können.
und das sind nur wirklich Strafrechtlichen Delikte. Die Anzahl von Jugendlichen/Kindern, welche "keinen Respekt" mehr haben ist weitaus höher

Zusätzlich wird auch vieles nicht mehr angezeigt da eh sinnlos -> der Rückgang ist in Wahrheit gar keiner eher das Gegenteil wenn man den Kriminologen glauben schenkt.
Zuletzt geändert von Denderan Marajain am 16.11.2016 07:12, insgesamt 1-mal geändert.

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sagista
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von sagista » 16.11.2016 06:51

@ Eulenspiegel:
Das würde ich jetzt garnicht ausschließen, was du schreibst, bzw. ich halte es sogar für relativ wahrscheinlich. Das Problem ist nur, dass mangelnder Respekt praktisch keine Konsequenzen hat. Gut, früher hieß es auch "Frechheit siegt", aber heute ist es wohl eher absoluter Egoismus. Allerdings ist es sehr schwierig, das wirklich fundiert einzuschätzen. Selbst der Punkt, dass vielleicht nicht die Quantität, wohl aber sehr die Qualität der Straftaten Jugendlicher deutlich schlimmer, sprich brutaler und verrohter geworden ist, ist ja nicht unumstritten. Andererseits, ist es wirklich wichtig zu wissen, ob es heute schlimmer oder nicht so schlimm wie früher ist? Wichtig ist doch eher, dass die Gewalt generell weniger wird oder zumindest in angemessener Weise sanktioniert wird.

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vanDyck
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von vanDyck » 16.11.2016 08:13

Ich komme aus einer Familie/Umfeld mit recht vielen Lehrern oder Erziehern. Daher bekomme ich da sehr viel an mich schockierenden Tatsachen mit und denke das es mit unseren Kindern/Jugendlichen massiv schlimmer wird. Ich sehe das Hauptproblem jedoch weniger bei den Jugendlichen direkt, sondern eher bei den Eltern die nicht mehr in der Lage oder Willens sind ihre Kinder auch nur minimal zu erziehen oder Grenzen aufzuzeigen. Hauptsache ist für viele das Kind möglichst lange in Schule/Kindergarten untergebracht zu haben um sich selber ja nicht kümmern zu müssen, und erwähnte Institutionen haben selbstverständlich gefälligst sich um die Erziehung zu kümmern. Das die das Aufgrund von zunehmender Mangelverwaltung nicht leisten können ist dann wieder etwas anderes.
Auch wären gewisse Dinge zu meinen "Jugendzeiten" undenkbar gewesen. Wenn mich die Polizei nach Hause geschleppt hätte wegen Diebstahl, Drogenkonsum, Schlägerei etc. wär das noch das kleinste Problem gewesen im gegensatz zum Donnerwetter meiner Eltern. Das bekommen heutzutage die das Kind heimbringenden Polizisten ab, ihr Junge hat ja nichts getan. Und wenn die Polizei dann mit Durchsuchungsbefehl kommt um nach Drogen des Jugendlichen zu suchen werden die von den Eltern versteckt.
Es mag natürlich sein das durch mein Umfeld meine Sichtweise natürlich beeinträchtigt ist und nicht alles was ich zu hören bekomme ist negativ und negative Sachen bleiben halt öfters haften.

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Reinecke
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Reinecke » 16.11.2016 12:40

Die Jugend verroht, verkommt und verlottert seit zig tausend Jahren. Was muss die in der frühen Jungsteinzeit anständig gewesen sein...

http://www.bildungswissenschaftler.de/5 ... beitswelt/

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AngeliAter
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 16.11.2016 14:16

Wir könnten es ja so machen wie der Film "Battle Royale" es vorschlägt. Natürlich brauchen wir uns dann nicht wundern, wenn wir dann in Rente sind und dann von unseren Kindern die Antwort dafür erhalten.
"Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden."
Christopher Hitchens

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Madalena
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Madalena » 16.11.2016 14:26

AngeliAter hat geschrieben:Wir könnten es ja so machen wie der Film "Battle Royale" es vorschlägt. Natürlich brauchen wir uns dann nicht wundern, wenn wir dann in Rente sind und dann von unseren Kindern die Antwort dafür erhalten.
Womit man die Rentensysteme auch gleich entlasten würde. Perfekt! 8-)

@topic: Ich finde es immer schwer, sowas anhand persönlicher Eindrücke und einzelner Fälle, die in den Medien hochkochen, zu bewerten. Repräsentativ ist das ja nicht.

Aber einmal angenommen, es wäre so: Was wären die Ursachen, was könnte die Lösung sein? Die Fragen finde ich viel wichtiger.

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Mustafa ben Ali
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Mustafa ben Ali » 16.11.2016 14:36

Gibt den Lehrkörper legale Disziplinarmaßnahmen an die Hand.
Ludo Liubice Der Lübecker Spieleverein. Es werden auch Rollenspiele gespielt.

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AngeliAter
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von AngeliAter » 16.11.2016 15:10

Ist vermutlich so wie mit Haustieren, wenn Bestrafungen kommen, müssen sie auch sofort nach der bösen Tat erfolgen und nicht erst tage-/monatelang später. Man muss die Bestrafung auch emotional in Verbindung mit der Tat bringen können.
Wenn ich erst nach Monaten für etwas bestraft werde, bringe ich das verständmässig mit der Tat zusammen aber gefühlsmässig? Das ist dann eine total ungerechte Sache.

Sprich, die Schule soll sofort und auch ruhig etwas härter reagieren dürfen. Ein "Oh, das muss ich aber deinen Eltern melden" führt ja mal so zu gar nichts, die sind ja gerade in der Phase der Auflehnung gegen die Eltern.
"Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden."
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von dschosch » 16.11.2016 18:32

Hab auch in meiner Jugend recht viel Gewalt durch andere Jugendliche mitbekommen und teilweise auch erlebt. Und das obwohl es kaum Menschen mit Migrationshintergrund hatte.
Ich denke der Grund für den Eindruck ist eher das manche Menschen die einfach glück hatten von ihrer Kindheit auf das Allgemeine schließen. Nur weil für einige Manche Dinge zu ihrer Jugendzeit undenkbar waren heist das nicht das sie nicht passiert sind.

Eulenspiegel
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Eulenspiegel » 16.11.2016 18:41

@ Denderan Marajain
Im Zeitungsartikel, den du zitiert hast, steht, dass die Gewalt von Jugendlich abgenommen hat. Einzige Ausnahme ist das Bundesland Wien. In allen anderen österreichischen Bundesländern ist sie weniger geworden.

@ vanDyck
Die Eltern von heute sind die Jugendlichen von früher.

Du sagst, dass die heutigen Eltern die Drogen ihrer Kinder vor der Polizei verstecken. Jetzt ist die Frage: Waren sie bereits als Jugendliche so? Oder waren die heutigen Eltern damals brave Jugendliche, die erst durch das Erwachsenwerden diese Eigenschaften erworben haben?

Ich vermute mal: Die Problem-Eltern, von denen du durch deine Bekannten regelmäßig hörst, waren in ihrer Jugend auch Problem-Jugendliche.

Und die vernünftigen Jugendlichen, die du von früher kanntest, sind auch heutzutage vernünftige Erwachsene. Bloß hörst du kaum noch etwas von ihnen.

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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Thargunitoth » 16.11.2016 20:02

Ich habe mal von einem Polizisten gehört, dass es heute viel schlimmer ist als früher. Aus seiner Jugend und der Erfahrung von älteren Kollegen war es so, dass sich Jugendliche schon immer gestritten haben, allerdings es dann vorbei war, wenn einer am Boden lag.

Inzwischen ist das für Jugendliche kein Grund mehr aufzuhören und es wird weiter auf den Unterlegenen eingeschlagen. Das macht es massiv schlimmer.
Bundeskanzler Kern hat geschrieben:"Eine derartige Verrohung der Gesellschaft dürfen wir nicht akzeptieren. Solche Bilder und Taten, egal von wem begangen, wollen und werden wir in Österreich nicht zulassen. Die Täter werden ihrer Strafe nicht entgehen", - derstandard.at/2000047515851/15-Jaehrige-in-Wien-geschlagen-Video-2-8-Millionen-mal
Da bin ich mal auf die Strafe neugierig. In Deutschland kann ein Volljähriger und eine Gruppe von Jugendlichen auch ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigen und die Jugendlichen bekommen nur Bewährung und der Volljährige 4 Jahre.

http://www.focus.de/panorama/welt/proze ... 61869.html
RIP: Katalonienthread :-(

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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Chephren » 16.11.2016 20:26

Ich sehe das etwas differenzierter, ja gerade was Sprache angeht, gab es einen Wandel, aber die Jugendlichen, die ich kenne (und als Lehrer sind das ein paar) sind zu großen Teilen wirklich in Ordnung. Ja es gibt welche, denen die Erziehung fehlt und bei denen man sich eher wundert wie gut sie sich noch verhalten bedenkt man deren soziales Umfeld.
Was finde ich eher sogar abgenommen hat sind wirkliche "Gewalttaten"... Unsere Großen beschweren sich darüber, dass die Kleinen im Bus weniger Respekt hätten, andererseits hätten wir uns als 10er oder so nie bieten lassen, dass ein 5er 3 Plätze besetzt... Und ja das wäre im Zweifel auch körperlich ausgetragen worden.
Heute wären dann
a) dessen Eltern
b) die Schule
c) das Busunternehmen
d) die Polizei damit beschäftigt

dass 2 10er ihm den Rucksack auf den Gang gestellt haben... Eine Nötigung, wenn nicht gar eine Erpressung...

Und nein ich werde nicht respektlos angegangen. Ja der Umgangston hat sich geändert, aber das hat er auch von den 60ern zu den 40ern...
Ich sehe das nicht ganz so dramatisch, wenngleich es natürlich stimmt, dass viele Eltern sich nur sehr am Rande für ihre Kinder interessieren...

Eulenspiegel
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Eulenspiegel » 16.11.2016 22:30

Thargunitoth hat geschrieben:Ich habe mal von einem Polizisten gehört, dass es heute viel schlimmer ist als früher. Aus seiner Jugend und der Erfahrung von älteren Kollegen war es so, dass sich Jugendliche schon immer gestritten haben, allerdings es dann vorbei war, wenn einer am Boden lag.
Die meisten Jugendlichen hören auch heutzutage auf, wenn einer am Boden liegt.

Ausnahmen gibt es natürlich immer. Aber diese Ausnahmen gab es auch früher schon.

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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Gubblinus » 17.11.2016 00:29

"Die Jugend verfällt immer mehr, das was schon zu meiner Jugend so"

Das Thema ist so alt wie die Menschheit ist, und ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen: Jede Generation sagt über die nachfolgende und über die vorherige ca. das gleiche. Wenn das wirklich stimmen würde, wären wir schon seit hunderten von Jahren nur noch Barbaren die sich gegenseitig die Schädel einschlagen.

Ich glaube es ändert sich vor allem eins, nämlich weniger die Welt um einen herum, aber man wird selbst älter. Wenn ich heute durch die gleiche Gegend geh wo ich in die Schule gegangen bin fühl ich mich wesentlich unwohler und bemerke wesentlich mehr Probleme in der Gesellschaft dies dort gibt, und an den Leuten die dort rumlaufen, aber wenn man sich vergegenwärtigt wie es eigentlich früher war: Mich hat das früher einfach viel weniger interessiert.
Ich war weniger politisch, weniger auf andere Menschen ausgerichtet, voll Risikobereit in allen Lebenslagen (so ist das halt als Pupertierender) mit einem vollkommen anderen Sicherheitsgefühl und -Bedürfnis.
Dieses "die ganze Welt wird immer schlimmer" hat einen Kern: Man wird selbst älter. Man darf nicht einfach annehmen dass alles gleich bleibt (bezogen auf einen selber, und die eigene Gefühlswelt, Wertewelt, und wie man Dinge rund um einen einordnet), weil das stimmt schlicht nicht. Die Risikobereitschaft nimmt drastisch ab, man verändert sich, denkt anders, meistens auch wesentlich politischer, man will die Welt herum mitgestalten und für die nächste Generation sicherstellen. Das sind Gedanken die zumindest ich mit 18 nie hatte, und damit geht einher dass man sich über solche Dinge auch keinerlei Sorgen macht, oder sie einem überhaupt auffallen. Und um diesen Kern herum gruppieren sich dann eben noch andere Faktoren, wie zum Beispiel die ständige Skandal-Berichterstattung (weil das das einzige ist was Quote bringt).
Und am Ende kommt eben das Gefühl dabei raus dass alles schlimmer ist, dabei ist die Welt großteils gleich geblieben, in vielen Bereichen wesentlich besser geworden. Nur man selbst hat sich verändert.

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 17.11.2016 07:20

@Eulenspiegel
@ Denderan Marajain
Im Zeitungsartikel, den du zitiert hast, steht, dass die Gewalt von Jugendlich abgenommen hat. Einzige Ausnahme ist das Bundesland Wien. In allen anderen österreichischen Bundesländern ist sie weniger geworden.
die gemeldete Gewalt ja aber viele melden es nicht mehr da sinnlos (2 Zeilen weiter habe ich das geschrieben) und wenn du mit Kriminologen und Sozialarbeitern sprichst bzw deren Ansichten liest ist da nix mit Abnahme

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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 17.11.2016 07:22

Thargunitoth hat geschrieben:Ich habe mal von einem Polizisten gehört, dass es heute viel schlimmer ist als früher. Aus seiner Jugend und der Erfahrung von älteren Kollegen war es so, dass sich Jugendliche schon immer gestritten haben, allerdings es dann vorbei war, wenn einer am Boden lag.

Inzwischen ist das für Jugendliche kein Grund mehr aufzuhören und es wird weiter auf den Unterlegenen eingeschlagen. Das macht es massiv schlimmer.
Bundeskanzler Kern hat geschrieben:"Eine derartige Verrohung der Gesellschaft dürfen wir nicht akzeptieren. Solche Bilder und Taten, egal von wem begangen, wollen und werden wir in Österreich nicht zulassen. Die Täter werden ihrer Strafe nicht entgehen", - derstandard.at/2000047515851/15-Jaehrige-in-Wien-geschlagen-Video-2-8-Millionen-mal
Da bin ich mal auf die Strafe neugierig. In Deutschland kann ein Volljähriger und eine Gruppe von Jugendlichen auch ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigen und die Jugendlichen bekommen nur Bewährung und der Volljährige 4 Jahre.

http://www.focus.de/panorama/welt/proze ... 61869.html

Finde ich immer witzig wenn Politiker auf den FPÖ Populismus Zug aufspringen und solche Meldungen schieben. Es gibt Gesetze und ein Gerichtsverfahren (wobei bei 16 jährigen so etwas normalerweise mit Diversion erledigt wird) und dann wird man sehen

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 17.11.2016 07:23

Eulenspiegel hat geschrieben:
Thargunitoth hat geschrieben:Ich habe mal von einem Polizisten gehört, dass es heute viel schlimmer ist als früher. Aus seiner Jugend und der Erfahrung von älteren Kollegen war es so, dass sich Jugendliche schon immer gestritten haben, allerdings es dann vorbei war, wenn einer am Boden lag.
Die meisten Jugendlichen hören auch heutzutage auf, wenn einer am Boden liegt.

Ausnahmen gibt es natürlich immer. Aber diese Ausnahmen gab es auch früher schon.
Quelle?

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Armleuchter die Assel
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Armleuchter die Assel » 17.11.2016 14:37

Es hat schon jemand erwähnt:
Die Personen (Senioren), die sich über die heutigen Kinder aufregen, sind diejenigen, die die heutigen Kinder bzw. Eltern erzogen haben.
Kritik üben: "erlaubt";
Verantwortung von sich weisen: "ist nicht".

GrisGris
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von GrisGris » 17.11.2016 15:33

Vorneweg: Es handelt sich um meine persönlichen Ansichten. Ich werde aber der Knappheit und Einfachheit zuliebe im nachfolgenden Text auf Konjunktive und Formulierungen wie "meiner Meinung nach" verzichten. Ich rufe auf sie sich dazu zu denken:

Ich weiß nicht wirklich, ob ich damit am Thema vorbeischramme, aber ich werde versuchen eine Verbindung herzustellen. Ich hatte eine einstündige Fahrt Zeit es mir durch den Kopf gehen zu lassen, und habe mir überlegt inwiefern die heutige Jugend sich von der mir damals eher zugänglichen unterscheidet. Ich eröffne mit einer Vorhersage und einer Analyse meines ehemaligen Lateinlehrers, den ich sehr bewundere. Er ist eine sprachlich, politisch, religiös und historisch außerordentlich geschulte Person mit mehreren akademischen Titeln und war zumindest während meiner Gymnasialzeit Laienvorstand der katholischen Kirche in Österreich. Seine Vorhersage, als das Internet gerade am Kommen war: "In eurer Zukunft wird es nicht mehr wichtig sein was ihr wisst, sondern zu wissen, wo ihr nachschaut." Diese Aussage hat sich bewahrheitet zum Schlechten, wie zum Guten. Damals gab es aber diese Monopolhomepages wie heutzutage noch nicht in derart präsenter Form. Ich denke dabei namentlich an YouTube, Facebook, Wikipedia und Google. Zum Guten hat sich diese Aussage insofern bewahrheitet, als dass ich jederzeit nachschauen kann wie ich meinen Abfluss repariere, indem ich es mir auf YouTube anschaue, oder aber eine zwiespältige Diskussion dank Wikipedia aufgelöst werden kann. Aber ich denke die schlechten Aspekte überwiegen. Wikipedia hat zu einer Inflation von faktischem und eher oberflächlichem Wissen geführt und zu der Illusion bei Jüngeren, dass ich eh nichts lernen brauche, weil jegliches Wissen jederzeit verfügbar in meiner Handfläche liegt. Das lässt Wissen nicht gleich wertlos, aber zumindest wesentlich weniger wertvoll erscheinen, wobei das vertiefende, vertiefend zusammenhängende oder innovative Denken oft ausgeblendet wird, wobei eben dies das Potential hätte jemanden die Möglichkeit zu geben sich von der Norm abzuheben. Insofern hat ein thematisches Buch noch lange nicht ausgedient, denn es bildet einen wesentlich stimmigeren Rahmen, als diese uferlose Mind-Map von Infos, die das Internet bietet. Wobei wir bei seiner Analyse angekommen sind: "Je weniger jemand von einem Thema begreift, umso überzeugter wird dieser jemand seine Meinung dazu vertreten." Das führt in der heutigen Gesellschaft tendenziell dazu, dass bisher anerkannte Bildung weniger bemerkenswert erscheint. Ähnliches hat der Taschenrechner im Gebiet der Mathematik geleistet. Diesbezüglich scheint ein Erstarken von Marktschreierqualitäten gegenüber tatsächlich sinnigen, differenzierten Beobachtungen nur folglich logisch. Das führt dann auch zu einer veränderten politischen und gesellschaftlichen Landschaft, in der wahrheitsgemäße Aussagen auf unfruchtbaren Boden fallen. Denn großteils darf man ja etablierten Meinungen über momentanes Zeitgeschehen und vielleicht auch historischen Ereignissen nicht blind vertrauen, weswegen fälschlicherweise zur Meinungsbildung statt den staubigen Fakten auf Wikipedia lieber dem Feedback auf Facebook Gehör geschenkt wird, auch weil diese Plattform eine Funktion der Wertfindung und Selbstinszenierung vermittelt, die das tatsächliche gesellschaftliche Umfeld nur mehr zum Teil erfüllt und bei dem echtes Wissen und Begreifen wegen vorhin genannten Gründen ja nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Der Durchschnittsuser im Internet wird garantiert häufiger durch Facebook und YouTube stöbern, als auf Wikipedia aktiv sein, wobei selbst Wikipedia häufig dabei versagt die Tiefe eines Themas gänzlich wiederzugeben und womöglich die Herangehensweise mit der überzeugten Wiedergabe der eigenen Meinung zusätzlich verstärkt, eben weil ein Thema näher betrachtet sehr selten eine einfache Lösung bietet. Aufgrund meines Fehlens tiefergehender Betrachtungen und meines Unwillens mehr als 20 Minuten für ein YouTube-Video oder zehn Minuten für das Lesen eines ganzen Artikels (von einem tatsächlichen Buch zum Thema ganz zu schweigen), steigt aber das Verlangen für Schlagwortantworten und -lösungen. Dazu kommt noch ein Thema, das Barack Obama in einem Interview genannt hat: wenn ein hoch dekorierter Uniprofessor oder ein schräger Typ in seinen Unterhosen im Keller seiner Mutter einen Beitrag verfasst, er ist optisch nicht unterscheidbar. Dem wäre meines Erachtens durch ein Sortieren der Beiträge in gewisse Felder entgegen zu wirken, die von Fachpersonal in bestimmten Gebieten nach Glaubwürdigkeit bewertet werden. Dieses müsste sich idealerweise global zusammensetzen und ausschließlich aus Leuten, denen ein Mindestmaß an Neutralität eingeräumt werden kann (bei Themen wie Religion und Politik beispielsweise). Das würde aber zumindest den Sumpf aus Wissenschaftsverweigerern, politischen Polemikern und vielen Verschwörungstheoretikern trocken legen. Dabei würden sich natürlich wieder neue Probleme auftun: Leute würden sich bemühen auf diese Fachmänner und -frauen Einfluss zu nehmen oder es bestünde auch die Möglichkeit durch direktes Eingreifen von Hackern die Bewertungen zu verzerren. Der Aufwand so etwas zu organisieren wäre zweifelsohne auch enorm. Aber ich schweife mehr und mehr ab...
Hinzu kommt noch, dass Facebook und YouTube dazu führen, dass durch automatische Vorschläge gewisser Inhalte kein Dialog, sondern ein Abschotten von Narrativen stattfindet.
Das macht sich dann in der Jugend durch ein immer mehr ansteigendes Selbstbewusstsein bemerkbar, weil man ja zum einen immer seinen Standpunkt validiert bekommt und man zudem, im selteneren Fall, durch Wikipedia alles durchaus weiß, aber in der Realität eben nur oberflächlich. Da wäre eine Auseinandersetzung mit der Metaebene von Narrativen und/oder mit Medienwissenschaften sehr förderlich, oder grundlegender ausgehend mit Sprachtheorien und -philosophien.
Wie auch immer habe ich das Gefühl, dass diese neuen Medien und deren Inhalte und wie sie präsentiert werden stark zu einer Grabenbildung und einem übersteigertem Selbstbewusstsein des Individuums bei sinkendem Selbstwert beiträgt und zu einer emotionalen Verrohung oder Taubheit.
Dies kann dann folglich, wenn ich die vermeintliche Gewissheit habe richtig zu liegen, dazu führen, dass ich eher und intensiver zu Untaten bereit bin.

Aber ja: unser Lateinlehrer hat uns einen Bericht aus dem alten Ägypten vorgelesen, nachdem die Jugend immer tugendloser wird. Es handelt sich also durchaus um kein komplett neues Phänomen.

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Denderan Marajain
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Re: Wird die Jugend immer verrohter? Wie seht ihr das?

Ungelesener Beitrag von Denderan Marajain » 17.11.2016 15:43

Aber ja: unser Lateinlehrer hat uns einen Bericht aus dem alten Ägypten vorgelesen, nachdem die Jugend immer tugendloser wird. Es handelt sich also durchaus um kein komplett neues Phänomen.
nur heutzutage sprechen wir von Gewalt. Vor 50 Jahren warst noch bei einigen ein Revoluzzer wenn du nicht Herr Vater gesagt hast....

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