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von Alrik Normalpaktierer
05.07.2018 21:34
Forum: Romanbewertungen
Thema: X11: Drei Nächte in Fasar
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X11: Drei Nächte in Fasar

Ich lese seit einigen Monaten DSA-Romane, die mich vage interessieren, darunter auch viele ältere. Nach zwanzig Jahren DSA, mit anderen literatischen Maßstäben und mehr Lebenserfahrung, macht es Spaß, mir anzusehen "wie ist das gemacht?", "wieso hat das uns damals begeistert?" und manchmal auch "warum wurde das veröffentlicht?". Literarische Höhenflüge erwarte ich nicht, aber bis jetzt habe ich alles zu Ende gelesen (und hier rezensiert).

Daher überrascht es mich, zu berichten, dass ich "Der Tanz der Rose" nach nicht einmal 100 Seiten weggelegt habe. Noch überraschender für mich ist, dass ich nicht auf Anhieb sagen kann, wieso ich mich damit so gequält habe. Denn eigentlich sieht das Buch auf den ersten Blick sehr gut aus: die Schilderungen und die Sprache sind handwerklich zweifellos besser als die vieler anderer DSA-Romane, es gibt ein sichtliches Bemühen darum, den Hintergrund aktiv einzubinden, es werden unterschiedliche Perspektiven eingenommen (was ich mag) und darunter sind auch zwei Frauen (Frauen, die aktiv Handlung gestalten und deren Perspektive ernst genommen wird, vermisse ich in vielen anderen DSA-Romanen).

Ich habe bisher drei Aspekte entdeckt, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob die eine hinreichende Erklärung darstellen:
  • Ziemlich viel Text besteht aus der Schilderung von Innenleben und diese Schilderungen sind oft redundant und unnötig langwierig. Sicher ein Grund, warum sich die wenigen Seiten so zäh angefühlt haben.
  • Die Figuren sind zwar divers, aber ziemlich langweilig. Der generische männliche Held ohne echte Eigenschaften, die verwöhnte und wunderschöne Tänzerin, der abergläubische Thorwaler-Kämpfer - die einzige Figur, die nicht unmittelbar als Abziehbild erscheint, ist die Zofe. Vielleicht ist kein Zufall, dass es genau nach ihrer absurd begründeten Entscheidung war, einen ihrer Gefährten zu verführen, dass ich die Lust verloren habe.
  • Mir ist auch aufgefallen, dass mich heute die Novadi-Kultur viel weniger reizt als andere (immer verglichen mit der DSA3-Zeit). Auch da habe ich eine Theorie, woran es liegen könnte: Fast alle andere Kulturen haben neben offensichtlichen irdischen (Klischee-)Vorbildern auch Aspekte, die diesen Vorbildern nicht entsprechen, sie auf interessante Art durchbrechen oder erweitern. (Al'Anfa ist altes Rom, aber mit Conquistadoren / Mittelreich ist Mittelalter, aber mit Polytheismus und gleichberechtigten Frauen / Thorwaler sind Wikinger, aber mit Monolatrie und lustiger Küche / usw.) Die Novadis sind irgendwie Karl May und Lawrence von Arabien - das war es auch schon, und beide Einflüsse laden jetzt nicht gerade zu Variantenreichtum ein (zumal mich natürlich die Reproduktion rassistischer Vorstellungen heute auch mehr nervt, als sie es zum Erscheinungsdatum getan hätte).