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von Tjorse
17.11.2017 14:13
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: DSA ein System voller Rivalität und Neid? Oder voll Kooperation und Freundschaft?
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DSA ein System voller Rivalität und Neid? Oder voll Kooperation und Freundschaft?

Also ich hatte in meinen gut 30 Jahren Rollenspielerfahrung (als Spieler und SL) bisher erst an einem einzigen Spieltag das Gefühl, das ich genausogut ein Buch hätte lesen können oder einen Film schauen können. Das war allerdings bei AD&D und nicht bei DSA.

In dem Fall spielte ich eine Druidin, die naturgemäß eine starke Heilerin ist. Da sie ausserdem zwangsweise die Gesinnung "total neutral" hat, also weder Rechtschaffen noch Chaotisch, weder Gut noch Böse, sind ihr Streitigkeiten zwischen Fürstentümern erstmal ziemlich egal. In dem Abenteuer hat der SL eine Burgbelagerung aufgefahren, mit einigen Dutzend Kämpfern auf beiden Seiten, der Gruppe als Unterstützung bei den Belagerten. Da ich meine Rolle nicht im Kampf gesehen habe, habe ich von Vornherein gesagt, ich kümmere mich um die Verwundeten, die bei solchen Schlachten ja zwangsweise anfallen.
Leider kam es aber nicht dazu. Alle befreundeten NSC waren entweder gesund oder sofort tot. Die SCs hatten meine Hilfe nicht nötig, bzw. waren anderweitig noch beschäftigt (mitten im Gemetzel heilt es sich schlecht).
Endergebnis: Ich habe ziemlich genau acht Stunden lang nichts mit meinem Char gemacht, ausser darauf zu warten, das die Schlacht endlich vorbei ist.

Daran ist aber weder das Spielsystem, noch die Gruppenkonstellation schuld, sondern mMn einzig und allein der SL, der in dieser Situation jeglichen Versuch, sich sinnvoll einzubringen, abgewürgt hat ("braucht jemand Hilfe?" - "nein, die sind alle tot oder kämpfen noch") und damit einen Char zur Nutzlosigkeit verkommen ließ. Auch die Schlacht an sich war völlig überzogen in die Länge gezogen und hat auch den aktiven Kämpfern nicht wirklich Freude bereitet, obwohl sie durchgehend beschäftigt waren.

Ein Beispiel, wie die Gruppe selbst unnötig Konkurrenz schaffen kann, stammt wiederum aus AD&D und ist mir ebenfalls passiert. In dem Fall hatte ich einen Elfen, Klassenkombination aus Magier und Dieb. Damit ist die "Diebeskomponente" üblicherweise ausreichend abgedeckt. Ein nachträglich hinzukommender Spieler wollte nun unbedingt einen Dieb spielen, was bei AD&D ziemlich gradlinig dazu führt, das die Diebesanteile der Klassenkombination unmittelbar zu einem Klotz am Bein der anderen Klasse werden, ohne das ihre Fähigkeiten nochmal gebraucht werden. Nach Fallen sucht immer der "Primärdieb", usw... Bei DSA kann man in der gleichen Situation die Charaktere problemlos in unterschiedliche Richtungen entwickeln und selbst mit zwei Streunern in der Gruppe zwei unterschiedliche ausgebildete Chars erhalten.

Daher mein persönliches Fazit: Je offener ein System ist (DSA, Midgard), desto wahrscheinlich hat jeder Spieler auch wirklich was zu tun, ohne das er sich "redundant" fühlt.

Das eigentliche Rollenspiel hingegen hat mit dem Regelsystem doch gar nichts zu tun, denn es wird nicht auf irgendwelche Fähigkeiten gewürfelt, sondern ausgespielt. (Ich hab' jedenfalls bei keinem System bisher ein Meta-Talent "Rollenspiel" gefunden, auf das ich würfeln kann, ob mir der Abend Spaß macht oder nicht ;))