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von Teerschwäntzer
02.01.2018 15:41
Forum: Romanbewertungen
Thema: R162: Rabenbund
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Zugriffe: 2341

R162: Rabenbund

Hallo oder auch gerne Huhu liebe Heike Wolf,

danke dass Du Dir die Zeit für weitere Erklärungen nimmst. In der Tat fühlt sich Dein Al ´Anfa anders an als meines. Nicht zuletzt deswegen kriegst du mich mit Deinen Erläuterungen auch nicht wirklich mitgerissen. Die angesprochenen Andeutungen habe ich übrigens alle mitbekommen, aber ziehe daraus andere Schlüsse. Das ist auch gar nicht schlimm. Daher bitte nicht immer "bedauern" und "leid tun". Dazu sind Deine bisherigen literarischen Leistungen unbestritten zu gut vgl mit anonymen Postern im Forum.
Im Ergebnis bleibt dann das Grandenspiel nach deiner Lesart für mich irgendwie schon nachvollziehbar, aber gelungene ´intrigante´ Wendungen gehen mir dann doch ab.

Das Gift hatte ich in der Tat als ´verzögert und dann rasch wirkend´ abgespeichert. Klarer Punkt für Saeid bzw. H.W.!
Eine Liebesgeschichte sehe ich hier als Nebenstrang, aber nicht als Hauptgeschichte.
Ganz ehrlich, für diese Einschätzung sind dir dann aber doch die entsprechenden Seiten zu leicht aus der Feder geflossen und prägen den Roman. Mache ich jetzt ganz objektiv daran fest, dass Sumaro trotz ähnlicher Kritikpunkte dank dieser Zweierbeziehung ein positives Fazit zieht und diese bei mir das Gegenteil bewirkt.

Versöhnlich winkend
von Teerschwäntzer
02.01.2018 11:19
Forum: Romanbewertungen
Thema: R162: Rabenbund
Antworten: 27
Zugriffe: 2341

Re: R162: Rabenbund

Liebe Heike Wolf, schön, dass Du Dich hier dem Forum stellst. Gerne antworte ich auf deine Frage die in meinen Augen eher mau geratenen Granden betreffend. Wenn ich Intrigant im Praktikum schreibe, dann ist das natürlich bewusst polemisch. Der Roman hat mir nicht gefallen und meine Erwartung an das Thema auch komplett verfehlt. Ich hoffe, mich insgesamt nicht im Ton vergriffen zu haben. Bin selber kein Literat und äußere meine Eindrücke einfach nur ehrlich.
Zu den Granden: es sollen ja neue Figuren für die aufziehenden Veränderungen in Stellung gebracht werden. Nun ist es aber so, dass ich bei Lektüre des Romans ich nicht ein einziges Mal gedacht habe, „was für eine Granate. Von dem/der will ich noch mehr lesen.“ Im Einzelnen mal, wie die Figuren bei mir angekommen sind:
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Amato – Verliebter Gockel, der gleich in mehreren seiner Kapitel Said hinterherschmachtet. Abgeschmackte Idee, mehrfach wiederholt, kein Gewinn. Er wird zum Gewinner der Geschichte. Hat er dies aber durch Einsatz seiner besonderen intellektuellen Fähigkeiten oder der Nähe zu Marbo erreicht? Nein, er stellt sich dem Widersacher mit der Waffe entgegen, scheitert damit kläglich und andere machen es dann für ihn. Kein Like dafür.

Said hat keinen Tiefgang durch die vielen Textzeilen seine Person betreffend bekommen. Ein praktisch Halbmaraskaner kann so viel verschrobener, tragischer und witziger sein. Welche Ziele hat sein Vater mit dieser Ausbildung gehabt? Seine naive Vorgehensweise haben ja andere auch schon angesprochen. Sein Ende mit Emilia betreffend, sehe ich auch nicht, inwiefern das für ihn selbst befriedigend sein soll. Seine Widersacherin kann eventuell noch über Jahre weitermachen. Wenn es sie dann trifft, geht es schnell und sie weiß nicht einmal, dass es seine Rache ist.

Emilia ist reichlich fies und sonst gar nichts. Boshaftigkeit ohne Intelligenz ist allerdings wenig interessant. Mit dieser Unzulänglichkeit bleibt sie im Praktikantenstatus.

Gilia soll ja eigentlich viel kompetenter sein. Nur warum hat sie dann nicht längst ihrer Tochter einen eigenen Protegé vor die Nase gesetzt? Und sei es nur als Ansporn.

Shantalla windet sich in der Tat elegant durch die Geschichte. Nur was hat sie überhaupt in eine Verschwörung einschließlich eines heiligen Eides getrieben? Um bei diesen Entwicklungen dabei zu sein, hätte doch ein Newcomer aus ihrem Hause gereicht. Ohne eigenes Risiko und die Fäden doch fest in der Hand. Stattdessen sollen die alten Machtverhältnisse wieder hergestellt werden. Shantalla hat aber jetzt schon Macht, wie die Posse mit den zurückgehaltenen Schiffen ja zeigt. Im letzten Moment dann setzt sie wiederum auf Verrat. Eigentlich musste man zu diesem Zeitpunkt mit einem Erfolg der Granden rechnen. Wüsste man um ihre Motivation, dann würden ihre Entscheidungen wohl auch Sinn ergeben. Sie wurde meines Wissens auch nie als Dummchen präsentiert. Den Fehler haben wohl nur Nareb und Goldo in der Vergangenheit gemacht. Hätte Shantalla durch ihre eigene Initiative das Haus Paligan deutlich zurechtgestutzt, dann könnte man echt sagen, Respekt.

Brotos ist wirklich komplett armselig. Sumaro hat ja auch schon geschrieben, dass Brotos das Handeln anderen überlässt, aber selbst aufsteigen will. Das ist nun wirklich kindisch. Er sichert sich auch null innerhalb seiner Verschwörung ab. Mit den Ressourcen des Tempels und seiner Kenntnisse als Priester könnte er doch viel mehr Kontrolle ausüben und Schrecken unter seinen Mitstreitern verbreiten.

Rezzan hat eine gewisse Coolness, hat hier aber keine Aktien drin.

Goldo ist natürlich eine einzige Enttäuschung. Die Ereignisse sind aus dem Ruder gelaufen und das ist für den Leser auch vollkommen klar. Er ist als Blender entmystifiziert, schade eigentlich.

Amir erhält gleich in mehreren Anläufen keine Weisung von oben. Soweit ok, aber das brauche ich doch nicht mehrfach zu lesen. Was dann die Weisung von Boron ist, erfährt man auch nicht. Dem Kriegszug dann doch seinen Segen zu geben ist am Ende nicht gerade ein Knaller. Hinzu kommt, dass die Vision erst erscheint nachdem Blut geopfert wird. Nicht unbedingt typisch für Boron, aber vielleicht wird ja der alanfaner Kult gerade auf Abwege geführt. Da liefert Deine Geschichte keine Ansätze zur Spekulation.

Esmeraldo gibt den Unsympathen, der sich selbst überschätzt und fertig. Das genügt als Schwungrad in einer interessanten Eingangssituation, macht aber für sich noch keine schöne Geschichte.

Keine der Figuren strebt ein interessantes Ziel an. „Mehr Macht“ ist fade und fühlt sich genauso an wie „weiter atmen können“.
Ich hatte gehofft, die große Soap wird hier ein Stück weitergeschrieben. Es passiert aber nüchtern betrachtet wenig bis gar nichts. Ich bin so ehrlich, zuzugeben, dass mir auch die eine oder andere Andeutung im Roman entgangen ist. Ändert aber nichts am Eindruck bei mir und die Lust bestimmte Kapitel noch einmal ganz genau zu lesen ist auch eher gering.
Nur der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass mir nicht die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe sauer aufstößt, sondern die Tatsache, dass es sich im Wesentlichen um eine Liebesgeschichte handelt. So etwas kaufe ich außerhalb von DSA nicht und will es auch nicht als Fantasyroman verpackt lesen.
von Teerschwäntzer
23.12.2017 09:24
Forum: Romanbewertungen
Thema: R162: Rabenbund
Antworten: 27
Zugriffe: 2341

R162: Rabenbund

Ich fand Al´Anfa schon immer faszinierend und empfinde die Situation zwischen faktischer Stärke der Stadt und seiner Garden, dem an Wahnsinn grenzenden Machtanspruch der Granden, sowie deren Coolness, gegenüber der Umsetzung im Setting immer als Zumutung. Was liegt nun näher als von einer kleinen Romanserie zu erwarten, dass nun endlich mal etwas Großes passiert. Zumal im Klappentext ja auch ausdrücklich der Schwarze General und sein Feldzug als erstes Element genannt werden. Vielleicht zeigt ein von Boron beseelter Patriarch ja mal mittels seines Generals allen Anrainern wo beim Raben der Hammer hängt. Vielleicht erfährt man auch was denn die Eroberung des nichtigen Kemireiches überhaupt brächte. Sitzen die auf älteren Geheimnissen? Vielleicht bringt so ein Al´Anfa Roman ja eine tolle Vorlage für ein durchdachtes Intrigenspiel. Eine Sache, die ich am Spieltisch immer kaum glaubwürdig darstellen kann.
Wer Ähnliches wie ich von dem Roman erwartet, sollte die Finger davon lassen!
Oderin wartet. Der Patriarch ist lange ratlos, am Ende will er wieder Machtmensch sein und schickt die Armee in See. Was hätte man schön den Leser ob einer kryptischen Vision Borons ins Grübeln bringen können, naja. Die Granden sind allesamt eher Intriganten im Praktikum. Bis auf die Emporkömmlinge –die auch genau so dargestellt werden- weiß da keiner zu gefallen. Die Rebellen sind halt irgendwie rebellisch, aber bleiben doch die ganze Zeit in Ihrem Unterschlupf außerhalb der Stadt. Es passiert also genau genommen gar nichts.
Was es allerdings reichlich gibt ist eine homophile Geschichte auf mittlerem Pilcherniveau. Die Liebe/Zerstreuung in diversen Spielarten ist ja eher ein spannender Aspekt von Al´Anfa. Aber ein Grande, der sich zu einer niedergestellten Person hingezogen fühlt und sich entscheidet zwischen seinen Pflichten und dem Ruf des Herzens? Das ist weder spannend noch in irgendeiner Form neu erfunden. Bin echt gespannt, ob so etwas mehrheitsfähig ist.
Sprachlich hat der Roman Licht und Schatten. Allerdings wird dem Leser die schiere Größe dieser Stadt beim Lesen gar nicht bewusst. Der Staatsstreich läuft dann auch eher wie die Übernahme einer Mittelstadt ab.
Meine Bewertung gebe ich irgendwann später ab, aber keiner sollte diese Bände lesen, weil er/sie Al´Anfa rocken sehen will. Wem seichte Unterhaltung vor dem Hintergrund Meridianas „ausreicht“ wird vermutlich glücklich werden.