Die Suche ergab 6460 Treffer

von Alecto
23.11.2017 17:55
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Talasha hat geschrieben:
22.11.2017 22:43
@Alecto
Was hat er/sie/es Angriffshubschrauber den gemacht?
Angefangen hat die Sache damit dass sie/er/es/Angriffshubschrauber bereits am ersten Tag mit 15 Minuten Verspätung zur Frühbesprechung eingetrudelt ist. Unpünktlichkeit etwas was von meinem Chef nicht wirklich goutiert wird, weswegen er sie mit den Worten „Ich erwarte von allen meinen Mitarbeitern dass sie pünktlich um 7:30 Uhr bei der Frühbesprechung sind. Dasselbe gilt auch für Studenten.“ zurechtgewiesen hat. Das sorgte bei der Studentin der Frau Student dem Studierenden der Studierenden dem Studentix dem Studenta dieser Person für einen gewaltigen emotionalen Ausbruch in dem sie/er/es/Angriffshubschrauber meinen Chef richtig patzig anging, wie dieser es wagen könne von anderen Leuten nur in der männlichen Form zu sprechen. Das Ganze gipfelte mit der Androhung einer Beschwerde bei der Gleichstellungsbeauftragten.
Heute hat sie/er/es/Angriffshubschrauber sich mit dem leitenden Arzt der plastischen Chirurgie angelegt. Der Vorwurf lautete, dass das Fach Sexismus fördere.
Aktuell wundert sie/er/es/Angriffshubschrauber sich, dass sämtliche Mitarbeiter der Abteilung ihr/ihm aus dem Weg gehen und niemand ihr/ihm/Angriffshubschrauber etwas erklären möchte.

@topic: Schwesterchen hat mir gerade noch einen gewaltigen Schreck eingejagt. Sie hat das Hintergrundbild am Desktop ausgetauscht durch ein Foto von sich selbst, auf dem sie ziemlich vorwurfsvoll kuckt.
Auf den heutigen Abend freue ich mich bereits. Das schöne nach Schweinebraten ist auch der Tag danach: Sandwiches mit kaltem Braten, Kresse und Meerettich. Außerdem steht heute Filme-Abend an: Gespielt wird „The Interview“
von Alecto
22.11.2017 18:04
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

@topic: Zurück vom Frühdienst. Heute haben wir neue Studenten für das Blockpraktikum Chirurgie bekommen. Eine (eine? eines?) hat auch sofort einen gebührenden Einstand gegeben. Was die/der/das/Angriffshubschrauber sich heute morgen in der Frühbesprechung geleistet hat hätte ich mich als Student im Leben niemals getraut, insbesondere dem Chef gegenüber. Es bereitet doch maximal Freude eine/ein/einen militante(n) SJW in Aktion zu erleben. Mit ihr/ihm/es/Angriffshubschrauber werden wir noch extrem viel Spaß haben. Zu meinem Glück ist sie/er/es/Angriffshubschrauber erst einmal nicht auf meiner Station gelandet. Die ganzen lieben Kollegen sind schon am kotzen....

Wir haben uns entschlossen den Wein zugunsten von etwas antialkoholischem (Malzbier) wegzulassen, aber ansonsten ist das Essen in einer halben Stunde fertig. Die Garzeit des Bratens befindet sich gerade auf der Zielgeraden.
von Alecto
21.11.2017 19:29
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

@topic: Zurück vom Frühdienst. Dieser war relativ anstrengend und hat aufgrund des Doktorandenseminars deutlich länger gedauert.
Im Flur bin ich heute von einer Nachbarin angesprochen worden, wer denn bei mir in der Wohnung tagsüber so viel Klavier spiele. Anscheinend versucht Schwesterchen gerade den dritten Satz der Mondscheinsonate von Beethoven zu meistern.

Wir haben besprochen morgen etwas aufwendiger zu kochen: Ich kümmere mich um eine französische Zwiebelsuppe mit Gruyere, einen mit Knoblauch gespickten Schwarzbier-Schweinebraten, Apfel-Blaukraut, Kartoffelknödel, Feldsalat mit Sonnenblumenkernen und Croutons mit Himbeer-Balsamico-Vinaigrette und einen schönen roten Medoc. Schwesterchen besorgt die Kinderschokolade-Weihnachtsmänner zum Nachtisch.
von Alecto
20.11.2017 17:48
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Salix Lowanger hat geschrieben:
19.11.2017 19:35
Sie hat ihren Humor zurück. Ich sehe keinen Grund, sich Sorgen zu machen! :wink:
Ich glaube das übelste hat sich hinter sich, aber wir sind noch nicht wirklich über den Berg. Es gibt immer wieder Situationen wo die Trauer unvermindert durchbricht, teilweise wenn man es am allerwenigsten erwartet. Ich weiß zum Beispiel, dass sie gerne (meiner Meinung nach auch ziemlich gut) Mahjong spielt. Da ich das auch sehr gerne mache und auch einen Satz Steine zu Hause habe, habe ich ihr vorgeschlagen zwei chinesische Kollegen zu einer Partie zu mir einzuladen. Das war etwas was sie nicht übers Herz gebracht hat. Ein fester Bestandteil in ihren Mahjong-Runden war nämlich immer meine Frau. Für sie hätte das zu viele schmerzliche Erinnerungen an die Oberfläche gespült.
Allgemein denke ich jedoch, dass wir beide auf einem guten Weg sind.

@topic: Aktuell habe ich Rufdienst. Ich bin mal gespannt was noch so aufschlägt. Schwesterchen hat aber schon angekündigt mich in diesem Fall in die Klinik begleiten zu wollen.
von Alecto
19.11.2017 14:52
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Talasha hat geschrieben:
18.11.2017 09:36
Alecto hat geschrieben:
18.11.2017 08:48
Schwesterchen möchte mir die Haare schneiden. Sollte ich mir Sorgen machen?
Kümmert sich Schwesterchen nicht sonst auch um die Familienhaare?
Eigentlich schon - Man macht sich eben nur ein wenig Sorgen wenn man direkt vor dem Haarschnitt gefragt wird, welche der 10 offiziell vom "Obersten Führer" genehmigten Herrenfrisuren es nun werden soll.
Im Nachhinein betrachtet hat sie aber eine sehr gute Arbeit abgeliefert - Man merkt, sie hat Übung in solchen Dingen.

@topic: Die Zeit bei meinen Eltern war eine schöne Sache für uns beide. Meine Eltern mögen Schwesterchen ohnehin sehr gerne und haben sie entsprechend verhätschelt, die ausgedehnten gemeinsamen Winterwanderungen, der Besuch einer weihnachtsmarktähnlichen Budenansammlung und sogar der Besuch des Herbstkonzertes der Stadtkapelle hatten eine äußerst positive Wirkung auf sie. Mittlerweile sieht man sie sogar spontan wieder lächeln.
Aktuell hält sie ein Nickerchen, nachdem ich sie mit einer größeren Menge Höllenfeuer-Gulaschsuppe gefüttert habe
von Alecto
18.11.2017 08:48
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Schwesterchen möchte mir die Haare schneiden. Sollte ich mir Sorgen machen?
von Alecto
16.11.2017 18:01
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

@topic: Schwesterchen hat mich gerade von der Uni abgeholt und ist dabei ausgerechnet meinem Chef in die Arme gelaufen. Sie hat sich mit ihrem Doktortitel vorgestellt, seitdem denkt er sie sei auch Medizinerin.
Ich schaue jetzt noch kurz zum Einkaufen - Schwesterchen sind aufwendig in der artgerechten Haltung. Morgen fahren wir nach dem Dienst gemeinsam zu meinen Eltern.
von Alecto
15.11.2017 18:54
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Jadoran hat geschrieben:
14.11.2017 20:16
Ist sie im Kleingruppen-Studentenunterricht nicht aufgefallen, weil...
Schwesterchen hat ja auch einen akademischen Hintergrund. Daher hat sie Übung darin sich in Studentengruppen zu integrieren. Sie hat eher das Problem zu jung auszusehen für eine Studentengruppe. Die meisten Leute halten sie für einen Teenager. Außerdem hat sie natürlich gelernt, wie so ziemlich jeder Student auch, wie man nach Möglichkeit nicht auffällt. Sie hat hin und wieder einen interessierte Zwischenfrage gestellt und konnte dabei sehr elegant darüber hinwegtäuschen dass sie fast kein Deutsch versteht. Zudem ist es zumindest meiner Erfahrung nach eher selten dass deutsche Studenten in irgendeiner Weise ihre Kommilitonen hinterfragen. Es hat auf jeden Fall gut geklappt und es hat Schwesterchen einen Heidenspaß gemacht.
Der Wanderer hat geschrieben:
14.11.2017 22:58
"Schwesterchen" scheint etwas speziell zu sein, aber irgendwas ist wohl komplett an mir vorbeigegangen.
Du hast nicht wirklich etwas verpaßt. Schwesterchen ist eine nur Person die in den Godzilla-Filmen für Godzilla Partei ergreift.
Talasha hat geschrieben:
15.11.2017 08:02
Sie macht gemeinsam mit dir Unfug und kocht wieder, klingt nicht übel.
Von einer Normalität sind wir leider noch etwas entfernt, aber aus dem tiefsten Loch habe ich sie hoffentlich herausholen können.

@topic: Zurück vom Frühdienst und vom Einkaufen. Der Tag fing an mit einer geplanten 45 Minuten OP aus der eine 3 Stunden OP wurde. Ich habe es geschafft Schwesterchen dazu zu überreden eine kleine Herbstwanderung zu machen wäre ich bei der Arbeit bin. Sie scheint das ganze sehr genossen zu haben und hat die Route die ich ihr vorgeschlagen habe sogar noch etwas ausgedehnt. Pünktlich zum Mittagessen haben wir uns in der Krankenhauskantine getroffen. Anschließend hat sie es sich mit einem Stapel Bücher in meinem Arztzimmer bequem gemacht.
Auch wenn ich momentan intensiv als Ersatz für den Plüschelch und DIE Katze herhalten muss genieße ich ihre Gesellschaft sehr. Bedenklich ist nur dass wir beide in unseren negativen Eigenschaften zu gut zusammenpassen. Dementsprechend gehen wir als bekennende Schokoholiker momentan täglich gemeinsam zum Kinderschokoladenikolauskaufen. Heute Abend gibt es auf Ihren Wunsch hin Leberkäsesemmel.
von Alecto
14.11.2017 18:22
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Salix Lowanger hat geschrieben:
14.11.2017 08:34
Ist es eigentlich nicht zynisch, wenn die Versicherung in der Warteschleife Uh, ah, olala, I've got what you need singt? :censored:
Wenn sie ehrlich wären, dann wäre es "There is nothing quite wonderful as money" von Monty Python.

@topic:Zurück vom Frühdienst. Ich bin ein wenig zum operieren gekommen. Nebenbei habe ich Schwesterchen in dem Kleingruppen-Studentenunterricht mit eingeschmuggelt. Interessanterweise ist sie dort überhaupt nicht aufgefallen. Nur der weiße Kittel den ich ihr geliehen habe war ein wenig zu groß.
Aktuell hat sie mich gerade aus der Küche geworfen. Sie möchte sich heute alleine ums Abendessen kümmern. Wenn ich richtig interpretiere, was sie vorher beim Einkaufen mitgenommen hat, dann gibt es heute Sukiyaki und zwar die höllisch scharfe Variante.
von Alecto
13.11.2017 21:21
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Ich möchte euch allen fürs Daumendrücken danken!

Ich muss gestehen das ich heute Nacht ganz gewaltig erschrocken bin, als sich plötzlich jemand an mich geklammert hat. Als jemand, der normalerweise alleine wohnt, bin ich das einfach nicht gewöhnt. Schwesterchen ist gewaltig anhänglich, so extrem habe ich das bei ihr bisher noch nie erlebt. Auch das Schweigen hat sie mittlerweile gebrochen. Selbiges nutze ich gerade intensiv für Gespräche mit ihr. Zudem versuche ich sie gerade möglichst wenig allein zu lassen. Nach der Arbeit bin ich mit ihr ausgiebig zum Einkaufen gegangen. Dadurch dass sie praktisch kein Gepäck dabei hatte mussten einige grundlegende Dinge her: Waschzeug, diverse Wäschestücke, ein Paae Schuhe, Schokolade und einige andere Dinge haben wir nun erstanden. Gerade bei den Kleidungsstücken war sie darüber wenig begeistert, dass wir ihre Größe nur in der Kinderabteilung auftreiben konnten. Trotzdem musste aber der Schlafanzug mit dem Eisbären drauf natürlich gekauft werden. Im Augenblick macht sie sich gerade bettfein. Derzeit besteht sie darauf mit mir im selben Bett zu schlafen. Ich bin kein Psychiater, aber ich habe momentan den Eindruck, dass sie von ganz gewaltigen Verlust- und Trennungsängsten geplagt wird.
Auch wenn es gerade sehr anstrengend ist, so freue ich mich sehr dass sie hier ist. Ich habe den Eindruck dass ihre Gesellschaft auch mir gut tut.
von Alecto
12.11.2017 22:02
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Aktuell bin ich gewaltig erleichtert. Schwesterchen liegt gerade in mehrere Decken eingepackt und mit mehreren Tassen Ovomaltine narkotisiert friedlich schlummernd in meinem Bett. Ich war zutiefst erleichtert als ich vom Frankfurter Flughafen ihren Anruf bekam, in dem sie mich fragte, wie sie am besten zu mir käme. Ich habe sie angewiesen sich im Terminal Eins in den Starbucks in der Nähe der Lufthansa-Schalter zu setzen, sich auf meine Kosten mit Kuchen und Kakao vollzustopfen und ihr mitgeteilt, dass ich sie schnellstmöglich einsammeln würde. 2 Minuten später saß ich im Auto.
Als ich sie am Flughafen getroffen habe war ich gleichzeitig überglücklich und sehr erschrocken. Abgesehen davon dass sie ohne Gepäck und mit vollkommen unpassender Kleidung für das hiesige Winterwetter unterwegs war sah man es ihr überdeutlich an, dass es ihr richtig miserabel ging. Das war ein richtiges Häufchen Elend. Sie stürmte auf mich zu und krallte sich einfach an mir fest. Ich weiß nicht ob es diese Klamottenläden an den Flughäfen extra zu diesem Zweck gibt, aber ich habe ihr dort erst einmal eine Winterjacke besorgt. Danach machten wir uns auf den Rückweg zu mir. Im Auto erzählte sie mir dann langsam und mit gedrückter Stimme auch ihre Geschichte. Sie habe es einfach nicht mehr zu Hause ausgehalten und wollte einfach nur weg. Ihr erster Weg führte sie einfach nur in ihr Atelier, wo sie noch eine fertiggestellte aber noch nicht ausgelieferte Puppe herumliegen hatte. Sie verfiel auf die Idee die Puppe selbst auszuliefern, räumte das Atelier auf, nahm meine Sachen und die Puppe mit, deckte DIE Katze zu Hause noch mit genügend Katzenfutter ein, nahm ansonsten nur aus irgendeiner Intuition heraus noch ihren Reisepass mit und fuhr nach Shinjuku. Von dort aus ging es weiter mit dem Tokaido-Shinkansen nach Nagoya, wo sie die Puppe auslieferte. Das sie immer noch das Gefühl hatte einfach nur weitmöglichst weg zu wollen irrte sie noch eine Weile in Nagoya herum. Ihren Angaben nach plagte sie sich tatsächlich mit Selbstmordgedanken herum, bis sie sich spontan entschloss hierher zu kommen. Sie ging dort ins nächste Reisebüro und buchte dort mit dem Bargeld, das sie für die Puppe bekommen hatte, einen Flug hierher. Der Weg führte sie weiter mit dem Shinkansen nach Osaka. Von dort aus ging der Flug vom Kansai International Airport nach Frankfurt.
Im Augenblick bin ich nur überglücklich dass sie wohlauf ist. Ich hatte nun die Möglichkeit schon einmal lange auf der Autofahrt mit ihr zu reden. Ich halte es schon einmal für einen gewaltigen Fortschritt dass sie überhaupt mit jemandem spricht. Die nächsten Tage werden sicher anstrengend, aber im Augenblick kann meine Erleichterung kaum in Worte fassen. Auch die Eltern und die Mädels habe ich bereits erreicht. Diese haben mir versprochen alle anderen Beteiligten zu verständigen.
von Alecto
12.11.2017 12:02
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Frater Tiberius hat geschrieben:
12.11.2017 10:54
Alecto hat geschrieben:
12.11.2017 10:39
@topic: Immer noch kein Lebenszeichen von Schwesterchen. Nicht nur bei mir liegen momentan die Nerven blank. Eltern, Kaori und Suzu setzen gerade Himmel und Hölle in Bewegung. Mittlerweile ist praktisch jeder abtelefoniert der Schwesterchen kennt. Das Handy ist immer noch ausgeschaltet. Auf Mails reagiert sie nicht.
Vielleicht macht ihr es damit nur schlimmer. Je mehr ihr Schwesterchen aus Dach steigt desto mehr blockt sie möglicherweise ab. Ich bin da ähnlich wenn ich allein sein will und mit die Sippe auf den Zeiger geht.
Das ihr Atelier aufgeräumt ist kann auch einfach bedeuten das sie sich, genau wie du, zwanghaft beschäftigt hat um einfach irgendwas anders zu machen als zu grübeln.
Das sie zu diesem Shinjuku-Bahnhof gegangen ist deutet darauf hin das sie ein Ziel hat. Man muss jedenfalls nicht zum Hauptbahnhof gehen um sich auf die Gleise zu werfen. Da ist im Gegenteil viel zu viel los.
Vielleicht ist sie einfach in einem Onsen untergetaucht (pun intended). Oder zu einem alten Freund / einer alten Freundin gefahren der/die nichts mit ihrer Schwester zu tun hat und sie daher auch nicht so stark an sie erinnert.
Ich hoffe inständig dass du mit deiner Einschätzung recht hast. Jedoch halte ich es nicht für übertrieben, dass wir uns in dieser Situation ganz gewaltige Sorgen machen. Schwesterchen war schon vor dem Tod meiner Frau ganz gewaltig labil und das scheint nun eine gewaltige Wendung zum schlechteren erfahren zu haben. Die Sorge aller ist groß. Wenn Sie sich die letzten Tage nicht eingeschlossen hat, dann sah sie anscheinend aus wie der Tod auf Raten und weigerte sich strikt mit irgendjemandem zu reden, hat kaum gegessen oder getrunken. Die Eltern und der Bezirkspolizist haben die gesamte Nachbarschaftshilfe mobilisiert. Sogar die liebe Verwandtschaft zieht momentan mit am Strang. Suzu und Kaori haben gestern sogar alle üblichen Kneipen abgeklappert und nach ihr gefragt. Ich selbst habe zwischenzeitlich alle Personen durchtelefoniert von denen ich weiß daß sie Schwesterchen kennen und ihr mehrere Mails geschrieben.
Aktuell gilt sie noch nicht als vermisste Person für die Polizei. Die Nachforschungen bleiben also vorerst auf die Anstrengungen des Bezirkspolizisten beschränkt. Und der hat seine Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft.

[EDIT] Mein Gepäck ist aufgetaucht. Mutter hat es gefunden als sie das Zimmer meiner Frau nach eventuellen Hinweisen durchsucht hat. Es stand schön säuberlich gepackt neben der halben Tonne Bücher und Filme die ich ihr während des letzten halben Jahres zugeschickt habe. Dafür scheinen ein paar andere Dinge aus diesem Zimmer zu fehlen.

[EDIT2] Rückmeldung von den CalTech-Menschen, die ich mit ins Boot geholt habe. Auch die haben ihre ganzen Japan-Kontakte befragt - Leider ohne Ergebnis.

[EDIT3]Ich hatte jetzt Kontakt mit Ehime, Abashiri, Hakodate, Beppu, Gora und Kagoshima. Keine Sichtung/kein Kontakt von Schwesterchen. Vielleicht sollte ich doch dem Rat von Opa S. aus Hakodate folgen: "Mail ihr einen Heiratsantrag. Wenn sie darauf nicht reagiert, dann kannst du anfangen Dir Sorgen zu machen."

[EDIT4]Mutter hat zwischenzeitlich Schwesterchens Kunden- und Zuliefererkartei in ihrem Atelier gefunden und hat zusammen mit Vater angefangen diese durchzutelefonieren. Kaori und Suzu schauen regelmäßig auf dem Yanaka-Friedhof vorbei.

[EDIT5]Man verzeihe mir meine Ausdrucksweise aber: Verdammte Sch**ße bin ich erleichtert! Jetzt schnell auf nach Frankfurt!
von Alecto
12.11.2017 10:39
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Mithrandir hat geschrieben:
11.11.2017 22:06
Danke, das du so eine potentiell dumme Frage beantwortet hast. Das sie die Verwandschaft besucht um dort Frust abzulassen ist unwahrscheinlich?
Die Schuld ist in diesem Fall bei mir zu suchen. Es gibt einige Städte, die sind mir mittlerweile derart vertraut, dass ich über die Örtlichkeiten schreibe, ohne groß darüber nachzudenken. Tokio gehört definitiv dazu. Der Bahnhof Shinjuku, an dem ich ein halbes Jahr lang täglich umsteigen musste ist damit auch für mich für einen zu einer derartigen Selbstverständlichkeit geworden, dass ich nicht mehr darüber nachgedacht habe. Ich verdränge wohl zu leicht, dass andere Leute zu Japan keine solche Beziehung haben wie ich.

@topic: Immer noch kein Lebenszeichen von Schwesterchen. Nicht nur bei mir liegen momentan die Nerven blank. Eltern, Kaori und Suzu setzen gerade Himmel und Hölle in Bewegung. Mittlerweile ist praktisch jeder abtelefoniert der Schwesterchen kennt. Das Handy ist immer noch ausgeschaltet. Auf Mails reagiert sie nicht.
von Alecto
11.11.2017 21:27
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Mithrandir hat geschrieben:
11.11.2017 21:17
Miserabel weil so nichtssagend oder...?
Shinjuku ist mit Abstand der größte Bahnhof des Landes. Je nach Statistik werden dort täglich zwischen 3 und 4 Millionen Passagiere abgefertigt. Es ist gleichzeitig einer der wichgtigsten Verkehrsknotenpunkte des Landes. Von dort aus kommt man in kürzester Zeit wirklich überall hin. Jede der Tokyoter Verkehrsgesellschaften ist dort vertreten. Bahntickets sind in der Regel nicht personalisiert. Gleichzeitig ist das auch DER Busbahnhof für Fernbusse schlechthin. Damit bricht die Spur dort ab.
Wie oben schon geschrieben ist aber eine Weiterfahrt von dort zum Flughafen wenig wahrscheinlich, da zu umständlich - Und Schwesterchen kennt sich im Tokyoter öffentlichen Nahverkehr bestens aus. Die kann sogar die Fahrtzeiten der wichtigsten Linien auswendig.
von Alecto
11.11.2017 21:02
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Zurück von einer weiteren OP aus der Klinik.
Kaori hat mich gerade auf den neuesten Stand gebracht: Offenbar hat sich der Bezirkspolizist (und gleichzeitig stellvertretende Vorsintzende der lokalen Nachbarschaftshilfe) sehr stark der Sache angenommen. Er war anscheinend auch der letzte der sie kurz gesehen hat wie sie mit Massen an Katzenfutter beladen auf dem Weg zurück nach Hause war. Er hat herausgefunden, daß sie weder in Narita noch in Haneda auf einer der Passagierlisten auftaucht. Ihre Kreditkarte hat sie nicht benutzt. Anhand ihrer personalisierten SUICA kann man nachvollziehen, daß sie in ihrem Atelier war und dann später weitergefahren ist nach Shinjuku. Danach folgten keine weiteren Fahrten mehr. Shinjuku ist aber natürlich ein gaaaaaaanz miserabler Anhaltspunkt. Auch wäre das nicht der Weg zum Flughafen: Bei Narita wäre der typische Umsteigebahnhof Funabashi, bei Haneda wäre das Hamamatsucho.
Frater Tiberius hat geschrieben:
11.11.2017 18:41
Alecto: lass das doch direkt mal abklären ob dein Gepäck noch in den Atelier ist.
Das Atelier war komplett aufgeräumt, was für sie ungewöhnlich genug ist. Meine Sachen hat sie entweder an eine nicht offensichtliche Stelle weggeräumt oder mitgenommen.
von Alecto
11.11.2017 17:55
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Skyvaheri hat geschrieben:
11.11.2017 07:51
Vielleicht ist sie ja auf dem Weg nach Deutschland...
Das wäre das was ich momentan am ehesten hoffe. Wir wissen mittlerweile dass sie weder mit den Eltern, noch mit der Verwandtschaft, noch mit irgendeiner ihrer Freundinnen gesprochen hat. Sie ist nicht in ihrem Atelier. Die Freunde der Familie aus der Nachbarschaftshilfe haben sie auch nicht gesehen. Ihr Handy ist ausgeschaltet. Das Atelier ist fein säuberlich aufgeräumt. Alle ihre persönlichen Gegenstände fehlen. Den Schrank mit dem Katzenfutter hat sie ganz gewaltig aufgestockt, mehrere Tüten Katzenleckerli besorgt und einen Zettel darauf mit geklebt der Aufschrift: „Bitte gut füttern und knuddeln!" Auch an den üblichen Orten, an denen sie sich sonst herumtreibt wurde sie nicht gesehen.
Mittlerweile die Polizei eingeschaltet. Selbes hat dazu geführt dass ich gerade im Dienst insgesamt dreimal im OP auf meinem Diensttelefon angerufen wurde. Einmal von ihrer Mutter, einmal von Kaori und einmal von der japanischen Polizei. Ich möchte nicht wissen was die OP Schwestern und die Anästhesisten mittlerweile von mir denken. Die Polizei hat offenbar auch schon an den Flughäfen Haneda und Narita nachgefragt. Dort taucht ihr Name aber anscheinend nicht auf.

Ich mache mir gerade gewaltige Sorgen.
von Alecto
11.11.2017 07:40
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Na tolle Wurst! Schwesterchen ist verschwunden.
von Alecto
10.11.2017 19:08
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Velym hat geschrieben:
10.11.2017 18:52
Während es in Deutschland noch etwas dauert, habe ich hier schon mal mit Sake mein letztes Jahr mit 2 vorne eingeläutet.
Dann schon einmal herzlichen Glückwunsch!
Lass Dir versichert sein, daß auch die 3 oder die 4 vorne nicht weh tut.

@topic: Zumindest ein Teilerfolg - Jetzt weiß ich wenigstens daß Schwesterchen ihre Mails ansieht. Zwar weigert sie sich nach wie vor mit irgendjemandem zu sprechen und schließt sich weiterhin in ihrem Zimmer ein, aber wenigstens kam auf meine letzte Mail eine Reaktion: Das Bild einer traurigen Katze.
von Alecto
10.11.2017 18:10
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Skyvaheri hat geschrieben:
09.11.2017 20:22
Bei dem Mangel an guten Fachärzten in DE ... musst Du Dir da wirklich um Deine Stelle Sorgen machen? - Insbesondere, wenn Du eigentlich ganz andere Sorgen hast?
JA, damit hätte ich mir noch ganz neue Sorgen neuer Qualität eingehandelt. Nachdem sich mein Chef für mich schon extrem weit aus dem Fenster gelehnt hat und durch einige offene Regelbrüche seinerseits es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass ich nach Japan reise, hätte dieser Vertrauensbruch mit sehr großer Sicherheit zur fristlosen Kündigung geführt (ich befinde mich derzeit noch in der Probezeit). Auch wäre ich mir extrem schäbig vorgekommen sein Vertrauen derart zu missbrauchen. Aufgegeben hätte ich damit eine Weiterbildungsstelle zum Handchirurgen die extrem schwer zu bekommen ist. Zudem hätte mich das ganze noch in gewaltige finanzielle Schwierigkeiten gebracht, da ich durch den letzten Umzug und insbesondere die jetzige abrupte Reise nach Japan meine finanziellen Rücklagen fast vollständig aufgebraucht habe. Ich stünde damit dann vor dem Problem, mir nahezu mittellos eine neue Arbeitsstelle und einen neuen Wohnort suchen zu müssen, um an einer Bestattung teilzunehmen, bei der ich zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal wusste wann sie überhaupt stattfindet.
Wie schon einmal geschrieben: Hätte ich meine Frau nicht noch einmal zu Lebzeiten angetroffen, das hätte ich mir nie verziehen. Ich bin sehr glücklich darüber dass ich sie in ihren letzten Stunden begleiten konnte. Und ich bin zutiefst dankbar dass ich mich adäquat von ihr verabschieden konnte. Zwar wäre ich sehr gerne zur Beisetzung gegangen, aber das wäre etwas gewesen, was ich in erster Linie für mich selbst getan hätte und nicht für sie. Auf Verdacht einfach in Japan zu bleiben und abzuwarten wann die Bestattung stattfindet, das hätte keinen Sinn gemacht. Dafür meine Existenzgrundlage und meinen derzeitigen Hauptkompensationsmechanismus für die Trauer über Bord zu werfen wäre meiner Meinung nach eine sehr schlechte Idee gewesen. Hinzu kommt: Ich bin genau wie sie Atheist. Ich glaube weder eine unsterbliche Seele, noch an ein Leben nach dem Tod, noch an eine Wiedergeburt. Rituale nahmen bei keinem von uns beiden einen wirklichen Stellenwert ein, wie man auch in unserer Heirat gesehen hat. Für sie im Leben da zu sein war mir extremst wichtig. Die Beisetzung wäre noch ein Abschluss für mich gewesen, ihr tue ich damit keinen Gefallen mehr.
Nimmerland hat geschrieben:
09.11.2017 22:15
hier ein bisschen potentielle Ablenkung die ich empfehlen kann:
Vielen Dank für die Anregungen. Ich versuche mich momentan hiermit abzulenken (Wobei der Spieler in dem Video nicht besonders geschickt agiert)

@topic: Wir haben einen neuen "Spezialpatienten": Wenn aus dem Zimmer aus einem Ghettoblaster in Maximallautstärke die Internationale über den Flur schallt, dann ist das schon etwas befremdlich. Auch wenn man mit ihm über garnichts reden kann, ohne daß er gleich "rot sieht" macht die Sache auch nicht einfacher. Bei einer OP-Aufklärung haben IMHO Kapitalismuskritik und Diskussionen über das Proletariat nicht unbedingt etwas verloren.
von Alecto
09.11.2017 19:10
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Skyvaheri hat geschrieben:
09.11.2017 11:03
@Alecto Bei allem gebotenen Respekt, versteh ich nicht, warum Du Dich hast in den Flieger setzen lassen, Alecto, statt Dich einfach krank zu melden, oder Urlaub einzureichen um bei der Beerdigung dabei zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Arbeitgeber dafür nicht Verständnis hat und oft gibt es beim Tod naher Angehörigen auch Sonderurlaub.
Da spielen leider viele verschiedene Faktoren mit:
- Zwar haben wir unserer Papiere eingereicht, aber unsere Heirat war bisher weder in Japan noch in Deutschland offiziell anerkannt (und höchstwahrscheinlich wird sie das mit ihrem Tod wohl auch nicht mehr). Auf einen Sterbefall in der Familie konnte ich mich damit nicht offiziell berufen.
- An meinem Abreisetag war noch überhapt nicht klar wann die Beisetzung stattfinden würde - Hätte sich meine Frau nicht schon zu Lebzeiten um alles gekümmert (schnelle Kremation, KEINE religiöse Zeremonie, Beisetzung nur im allerkleinsten Kreis gewünscht, Papierkram mit Friedhof/Bestattungsunternehmen/etc bereits erledigt), dann wäre das nie so schnell gegangen. Das hätte erst nächste, wahrscheinlich sogar erst übernächste Woche stattgefunden.
- In meiner neuen Stelle bin ich erst seit knapp zwei Monaten tätig. Offiziell habe ich noch Urlaubssperre und dürfte derzeit auch noch keine Überstunden abfeiern. Daß mich mein Chef für ein paar Tage ad hoc weggelassen hat war pure Kulanz seinerseits unter Bruch diverser Regeln. Das wollte ich nicht weiter strapazieren, wobei auch der folgende Punkt mitspielt:
- Krank "feiern" obwohl man nicht wirklich krank ist hat mir schon immer sehr widerstrebt. Allen dürfte klar sein daß ich nicht wirklich krank bin.
- Mir war weit wichtiger sie noch einmal lebend anzutreffen als bei ihrer Beerdigung dabeizusein
von Alecto
08.11.2017 19:06
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Talasha hat geschrieben:
07.11.2017 22:09
Was durftest du denn zusammenpuzzeln?
Diese Operation ist glücklicherweise an mir vorbeigegangen. Ein paar Kollegen aus einem kleineren Haus aus der Umgebung hatten beim Einbau einer Hüft-TEP ziemlich Mist gebaut. Jetzt stand die Pfanne zentral luxiert bei einer Acetabulumfraktur - Und das alles noch bei einer schwerst dementen Patientin, die ohnehin nur noch mit einer Knochenqualität von feuchtem Knäckebrot aufwarten konnte.

@topic: Heute war die Beisetzung. Meine Frau hat ihre letzte Ruhestätte unter einem namenlosen Stein auf dem Yanaka-Friedhof gefunden. Morbiderweise hatte sie das alles zu Lebzeiten noch selbst lückenlos organisiert und vollumfänglich im Voraus bezahlt. Eine religiöse Zeremonie jedweder Art fand deshalb auch nicht statt. Anwesend waren nur die Eltern, Schwesterchen und Kaori. Schwesterchen hat dazu ihr Zimmer kurz verlassen und sich gleich im Anschluß wieder eingeschlossen. Sie weigert sich immer noch mit irgendjemandem zu reden. Ich starte trotzdem später den nächsten Versuch sie zu erreichen. Langsam macht sie mir richtig Sorgen.
von Alecto
07.11.2017 21:40
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Herzlichen Dank für die Anteilnahme!
@Salix Lowanger & @Frater Tiberius :
Ich weiß daß diese Art des "Grübelns" schlecht bzw bisweilen sogar gefährlich für die Verarbeitung ist. Ich versuche das auch gerade nach Kräften zu vermeiden, auch wenn sich solche Gedanken sehr leicht und sehr schnell von selbst aufdrängen. Im Augenblick bin ich relativ froh daß mich die Arbeit gerade recht gut auslastet, das lenkt wenigstens ab. Da ich heute handchirurgischen Rufdienst habe bin ich gerade eben erst wieder zuhause angekommen. Der "Catch of the Day" war heute aber nicht hand- sondern unfallchirurgisch. Wenn der Chef schon die CT-Bilder mit "Ach Du Schei*e" kommentiert weiß man was die Stunde geschlagen hat.

Im Augenblick versuchen die Familie, die Mädels und ich uns gegenseitig etwas aufzubauen, was ich als durchaus effektiv empfinde. Die einzige die momentan noch jeden Kontakt zu anderen Menschen komplett vermeidet ist Schwesterchen. Seit meiner Abreise hat sie mit niemendem mehr gesprochen. Um sie mache ich mir gerade am meisten Sorgen, weswegen es mir ziemlich auf den Nägeln brennt sie ans Telefon zu bekommen. Mein gesamtes Gepäck steht auch noch bei ihr im Atelier - das habe ich tatsächlich im Rahmen der Ereignisse dort vergessen. Ich werde später nochmals versuchen sie zu kontaktieren, schon alleine weil morgen die Beisetzung stattfinden soll. Bei ihr habe ich derzeit ein ganz schlechtes Gefühl.
von Alecto
06.11.2017 18:17
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Ich möchte mich nochmals ganz herzlich für de hiesige Anteilnahme bedanken - Das bedeutet mir wirklich viel.
Auch wenn es mir nach einer schlafarmen Nacht recht schwerfiel, so war die Entscheidung heute morgen ganz regulär zur Arbeit zu gehen wahrscheinlich das beste was ich tun konnte. Streß, Chaos und Trubel haben recht effektiv verhindert daß meine Gedanken immer um das selbe kreisen und befreien vorübergehend von Grübeln, Selbstvorwürfen und Was-wäre-wenn-Gedankenspielen. Vielleicht ist die Bewältigungsstrategie, die auch meine Holde die letzten Monate erfolgreich eingesetzt hat, auch das richtige für mich: Der Versuch möglichst schnell wieder eine gewisse Normalität herzustellen und zu erhalten.
Ich freue mich sehr über die Unterstützung die ich in dieser schmerzhaften Situation erhalte von Verwandten, Freunden und auch hier aus dem Forum. Dafür nochmals meinen herzlichen Dank!
Auch heute morgen habe ich nochmals kurz Japan kontaktiert. Ihre Eltern wirken nach außen hin sehr gefaßt, aber ich kenne beide mittlerweile zu gut um zu wissen wie tief getroffen beide jenseits der Fassade sind. Schwesterchen hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und verweigert nach wie vor jegliche Kommunikation. Kaori und Suzu wirken beide sehr verstört, bemühen sich aber auch eine Fassade der Fassung aufrechtzuerhalten.
Im Augenblick versuche ich mich krampfhaft irgendwie zu beschäftigen.
Nochmals vielen Dank!
von Alecto
05.11.2017 18:17
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Vielen Dank für die Anteilnahme und den Zuspruch - sowohl jetzt als auch in den vergangenen Monaten! Ich möchte mich auch für die Hilfsangebote bedanken.
Zwischenzeitlich habe ich ein wenig schlafen können und hatte ein sehr langes Gespräch mit meinen Eltern, was mir sehr weitergeholfen hat. Auch hatte ich kurzen Kontakt mit Japan und habe kurz mit den Eltern und Kaori gesprochen. Schwesterchen hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und weigert sich momentan mit irgendjemandem zu sprechen.
Die Wunde ist frisch und schmerzt, aber sie kam nicht wirklich unerwartet. Die muß jetzt erst einmal heilen.
von Alecto
05.11.2017 13:00
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Zurück in Deutschland.

Nach dem Trubel und Chaos der letzten Tage bin ich nun zum ersten mal wieder richtig alleine - und damit zum ersten mal wieder alleine mit meinen Gefühlen, die nun in ungebremster Intensität auf mich einstürzen. Bisher habe ich mich gefühlt wie betäubt, aber die Betäubung hat nun offensichtlich komplett nachgelassen. Auch wenn ich mich nach langer Reise gerade todmüde und ausgelaugt fühle, so ist an Schlaf gerade leider nicht im geringsten zu denken. Später werde ich nochmals versuchen meine Eltern zu erreichen, aber bis dahin möchte ich gerne mir etwas "von der Seele" schreiben. Es hilft mir vielleicht meine wirbelnden Gedanken und Gefühle wenigstens ein bißchen zu ordnen. Auch wenn ich diesen Thread schon öfters zu diesem Zweck "mißbraucht" habe hoffe ich, daß das hier nicht unpassend ist. Sollte ich irgendjemandem damit auf die Zehen treten, so bitte ich ihn bzw sie diesen Post einfach zu ignorieren. Ich versuche damit mir gerade im Wesentlichen selbst zu helfen. Auch Leute, die sich nicht emotional belasten wollen, mögen diesen Post bitte überspringen, das Folgende ist alles andere als schön. Über aktuelle Schwächen in Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik und Wortwahl bitte ich hinwegzusehen.

Wer schon etwas länger hier im Thread unterwegs ist hat wahrscheinlich mitbekommen, daß bei mir und meiner besseren Hälfte die letzten Monate etwas ziemlich im Argen war. Die bisherige Geheimnistuerei bitte ich zu verzeihen, aber ich hatte den Eindruck, daß es ihr nicht recht sein würde wenn ich zu diesem Zeitpunkt öffentlich darüber kommuniziere. Auch ich selbst hatte in dieser Hinsicht Bedenken, was mir im Nachhinein fast etwas peinlich ist. Ich empfand das streckenweise als zu persönlich und wollte hier kein Katastrophentagebuch online stellen. Aber das ist nun Geschichte. Diese Geschichte um genau zu sein:

Rückblickend hat die Sache Ende April/Anfang Mai diesen Jahres angefangen. Meine Holde erzählte mir nachträglich, daß ein Knötchen am Hals tastbar gewesen sei, das aber nicht weh getan habe. Zum Arzt gehen wollte sie damit nicht, schließlich war sie komplett beschwerdefrei und Zeit dafür hatte sie ohnehin nicht. Außerdem schien sich die Sache von selbst zu bessern. Ende Mai war dann mal wieder der Gesundheitsvorsorge-Checkup der Uni fällig. Sie erwähnte dem untersuchenden Arzt gegenüber beiläufig das Knötchen am Hals, was dieser korrekt als vergrößerten Lymphknoten erkannte und daher darauf bestand Blut abzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich das erste Mal beiläufig davon. "Alles in Ordnung! Mach dir keine Sorgen!" waren ihre Worte. Ich maß dem ganzen zunächst auch keine wirkliche Bedeutung bei. Dementsprechend planten wir unseren baldigen gemeinsamen Urlaub im Baltikum und das Thema wurde vorerst nicht weiter erwähnt. Ungefähr eine Woche bevor es losging wurde ich von Schwesterchen angesprochen - Meine Holde habe am nächsten Tag einen kleinen operativen Eingriff, von dem sie gerade eben erst erfahren habe und ob sie mit mir darüber gesprochen habe. Als ich meine Holde darauf ansprach meinte sie "Es wird nur das Knötchen am Hals entfernt. Es ist alles in Ordnung! Mach dir keine Sorgen!" Als ich sie wenige Tage später im Urlaub traf war sie bester Dinge und versuchte Gespräche darüber möglichst zu vermeiden. Auch schien sie in keinster Weise irgendwelche Beschwerden zu haben. "Alles in Ordnung! Mach dir keine Sorgen!" An einem Abend sprach ich sie dann doch unter vier Augen nochmals darauf an und die bisher gehegte Fassade zerbrach sofort. Offensichtlich war ich der allererste dem sie sich anvertraute. Es bestand der Verdacht auf ein Lymphom. Die OP war eine Exzisionsbiopsie gewesen, kurz nach ihrer Rückkehr nach Japan habe sie einen Termin in der Hämatologie der Uniklinik zur Histologiebesprechung. Sie habe es bisher allen, inklusive Eltern und Schwesterchen verschwiegen. Sie wolle nicht, daß sich irgendjemand Sorgen macht. Sie nahm mir zudem das Versprechen ab vorerst mit niemandem darüber zu sprechen - Und ich kam ihrem Wunsch nach. "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!"

Wenige Tage nach der Rückkehr fand dann auch der Besuch in der Uniklik statt. Der ursprüngliche Verdacht hatte sich bestätigt: Es handelte sich um ein Non-Hodgkin-Lymphom. Gleich für den nächsten Tag wurde das Staging anberaumt. Meine Holde nahm die die Nachricht nach außen hin ziemlich stoisch auf, aber ich merkte ihr ihre große Angst deutlich an. "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!" Exakt zu diesem Zeitpunkt erfuhr auch der Rest der Familie von der Diagnose - Der engere Kreis versuchte sie nach Kräften zu unterstützen, der Rest sah seine Chance gekommen.... Das Staging ergab ein Stadium I nach Ann-Arbour, womit die Prognose eigentlich gut war. Parallel nutzte man die Chance für einen Port. Zuversichtlich startete sie Tage später in den ersten Zyklus der Chemotherapie unter stationären Bedingungen. Ich hatte ihr angeboten kurzfristig nach Japan zu kommen, aber sie lehnte ab. Ein Lymphom mit guter Prognose, sie selbst symptomlos und in bester Verfassung, in Behandlung an einer Universitätsklinik in der Fachabteilung mit einer der höchsten Expertisen in ganz Japan - Was soll schon groß schiefgehen? "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!". Die Chemo begann - tatsächlich nach dem aktuellsten Stand der Zeit und mit größter Sorgfalt und Akribie. Trotzdem ging es ihr innerhalb kürzester Zeit richtig, richtig, richtig dreckig: Kaum beherrschbare Übelkeit und Erbrechen, Inappetenz, Durchfälle und offene Stellen in Mund und Rachen machten ihr das Leben schwer. Sie stand alles tapfer und stoisch durch. Internet sei Dank konnte ich sie aus der Ferne so gut unterstützen wie es ging. Einen kurzfristigen Besuch meinerseits lehnte sie nach wie vor ab. Dummerweise hatte die liebe Verwandtschaft ihre Chance gewittert und wähnte sie aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung vermehrt verletzlich. Die typischerweise unagekündigten Besuche im Krankenhaus beschrieb sie als "gezielten Psychoterror". Sie wußte sich nicht weiter zu helfen und setzte über die Klinik (mit Ausnahme von Eltern und Schwesterchen) ein generelles Besuchsverbot durch.
Nach Abschluß der Behandlung schleppte sie sich direkt aus der Klinik trotz schlechter körperlicher Verfassung ohne Umweg nach Hause wieder zur Arbeit an die Uni. Die Terrorbesuche der lieben Verwandtschaft fanden nun zuhause statt, auch wenn der Rest der Familie sich Mühe gab diese zu unterbinden. Dennoch: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!"

Schon zur Entlassung aus der Klinik war sie relativ kurzatmig gewesen, dies verschlechterte sich im weiteren. Die Atemnot gipfelte eines morgens darin, daß Mutter und Schwesterchen meine Holde gegen ihren Willen nahezu mit Gewalt in die Klinik verfrachteten. Die Diagnostik ergab eine atypische Pneumonie, die sofort agressiv antibiotisch therapiert wurde. Ich bot ihr wieder an kurzfristig nach Japan zu kommen, aber: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!" Trotzdem war ihr wohl bewußt geworden wie knapp sie hier dem Tod von der Schippe gesprungen war. Wir hatten ja schon seit einiger Zeit unsere Heirat vorbereitet, nun beschlossen wir das ad hoc in die Tat umzusetzen. War es wirklich sicher daß wir dafür später noch viel Zeit haben würden? Kaori verschaffte uns über Beziehungen einen "kurzfristigen" Termin beim Gemeindeamt von Taito und ich buchte schon einmal einen Flug.
Für meine Holde begann die Vorbereitung für die nächste Chemo. Wegen der atypischen Pneumonie machte man nochmals eine Röntgenkontrolle des Thorax. Zwar waren die Infiltrate fast verschwunden, doch nun hatte man einen unverbauten Blick auf vergrößerte, parahiläre Lymphknotenpakete. Da man sich unsicher war ob diese Folge des Lymphoms oder der Pneumonie sind folgte ein ergänzendes CT. Das niederschmetternde Ergebnis: Lymphknotenpakete thorakal und abdominell. Wir hatten es somit mit einem Progress unter Chemotherapie zu tun - Von Stadium I nach III nach Ann-Arbour. Nach außen hin nahm es meine Holde weiterhin stoisch auf - innerlich brodelte es ganz offensichtlich. Sie gestand mir (damals unter dem Versprechen es niemandem, auch ihrer Familie nicht weiterzuerzählen), daß sie begonnen habe ihr Testament aufzusetzen und für den Fall der Fälle ihren Nachlaß zu regeln. Die Chemotherapie wurde angepaßt, der nächste Zyklus startete. Auch diesen vertrug sie ausnehmend schlecht - Die Probleme waren die gleichen wie beim ersten Mal: Übelkeit, Erbrechen,.... Somit war sie noch in stationärer Behandlung als ich im August in Japan aufschlug. Für den kurzen Ausflug vom Klinikum zum Gemeindeamt von Taito tauschte sie kurz ihren Katzen-Pyjama gegen ein schickes Kleid und einen Mundschutz. Wir reichten gemeinsam unsere Unterlagen ein, unterschrieben/"stempelten" den Ehevertrag und kehrten anschließend zur "Feier" im engsten Kreis in ihr Patientenzimmer zurück. Am Tag meiner Rückreise durfte sie das Krankenhaus verlassen - Und ging wieder einmal direkt zur Uni zum Arbeiten: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!"

Wie nicht anders anzunehmen war die Heirat der Stich ins Wespennest schlechthin - Die liebe Verwandtschaft drehte vollkommen hohl. Meine Holde reagierte darauf indem sie nicht nach Hause zurückging, sondern fortan wechselseitig bei Suzu und Kaori unterkam. Selbiges war auch dem Umstand geschuldet, daß sie sich aus medizinischen Gründen von DER Katze fernhalten mußte, was zuhause nicht gut funktionierte. Eltern und Schwesterchen machten sich aufgrund des verwandtschaftlichen Terrors auch erst einmal ziemlich rar. Die Verwandtschaft kochte offensichtlich und begann nun auch aktiv verbal auf mich direkt einzudreschen, was aber (nicht zuletzt wegen der 11000km Distanz) nicht wirklich überzeugend zu bewerkstelligen war. Meine Holde erholte sich etwas und ging weiter ihrer Arbeit nach. Ihr Testament hatte sie zwischenzeitlich abgeschlossen als Schwesterchen davon erfuhr. Selbige nahm die Sache sehr schlecht auf, mit Stimmungsschwankungen zwischen Depression und Agression.

An einem Freitagabend gesellten sich neue Probleme hinzu. Schmerzen waren bisher freundlicherweise bei meiner Holden kaum ein Problem gewesen, aber seit knapp einer Woche hatten sich zunehmende Rückenschmerzen entwickelt. Selbige erfuhren an diesem Freitagabend eine gewaltige Zunahme. Nachdem sie sich eine Nacht übelst gequält hatte schleppte Suzu meine Holde wieder in die Klinik, wo im Notdienst eine Einstellung mit Schmerzmitteln gelang und man sie ein paar Tage später wieder einbestellte um die Schmerzen genauer abzuklären. Die Bildgebung der Wirbelsäule zeigte hier extranodale Herde - Heißt im Klartext: Ein weiterer Progress unter Chemotherapie - Von Stadium III nach IV nach Ann-Arbour. Spätestens jetzt war klar, daß die Erkrankung nicht mehr zu "heilen" war - Wir hatten eine palliative Situation erreicht. Es ging nun nicht mehr ums Gesundwerden, sondern darum wieviel Zeit jetzt noch blieb. Das schnelle Fortschreiten der Erkrankung trotz Therapie stimmte nicht gerade zuversichtlich. Wir führten sehr lange Gespräche und ich bot ihr an kurzfristig nach Japan zu kommen, was sie erneut ablehnte. "Das mach'lieber später, noch bleibt mir etwas Zeit. Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!". Nach außen hin nahm sie die Sache weiterhin äußerst stoisch. Sprach ich sie alleine, was äußerst oft und lange vorkam, dann sah das anders aus: "Ich habe keine Angst vor dem Tod. Aber der Gedanke langsam und schmerzvoll dahinzusiechen erfüllt mich mit Panik." In diesem Zusammenhang kam sie auch ganz offen, wenn auch nur mir gegenüber auf das Thema Suizid zu sprechen. "Soll ich die Sache nicht selbst in die Hand nehmen so lange ich noch kann? Alles erscheint mir besser als langsam und unter Schmerzen am Krebs zu krepieren." Trotzdem: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!" Eine Person die das definitiv anders sah war Schwesterchen, welche die Nachricht über die palliative Situation ganz miserabel verkraftete.

Es folgte eine Krisensitzung mit allen beteiligten Fachdisziplinen. Meine Holde einigte sich mit Ihnen auf eine Intensivierung der Schmerztherapie und eine Bestrahlung der Herde in der Wirbelsäule, sowie eine supportive Therapie. Den Versuch einer palliativen Chemotherapie lehnte sie strikt ab. Hauptziel war nun noch möglichst viel Zeit zuhause (und auf ihren Wunsch: bei ihrer Arbeit) zu verbringen. Sie zog wieder zuhause ein und versuchte möglichst normal ihren Arbeitsalltag weiterzuführen. Nachdem Schwesterchen nahezu gewaltsam einige Überraschungsbesuche der lieben Verwandtschaft unterbunden hatte nahm meine Holde auch das in die Hand. Sie bot den meisten dieser Personen Einzelgespräche unter vier Augen unter Berücksichtigung der "besonderen Situation" und unter vorheriger Ankündigung an, was die Sache zwar nicht löste, aber deutlich entschärfte. Denjenigen, die sich darauf einließen, konnte sie tatsächlich erfolgreich vermitteln, daß der nun schon seit Jahren geführte Streit nun Inhalt und Bedeutung verloren hatte. Das waren erfreulicherweise nicht wenige. Der Rest? "Mit diesen Sausäcken möchte ich nichts mehr zu tun haben!" - Und Schwesterchen war mehr als gewillt diese Leute ihr aktiv vom Hals zu halten. Auch Kaori und Suzu kümmerten sich in dieser Zeit aufoperungsvoll um sie. Ich selbst tat aus der Ferne was mir möglich war - Dem Internet und DHL sei Dank. Zudem fühlte ich bei meinem Chef vor ob es trotz Urlaubssperre möglich wäre spontan für ein paar Tage nach Tokyo zu reisen. Selbiger zeigte sich zum Glück sehr verständnisvoll. Sie selbst kämpfte mittlerweile mit diversen Beschwerden, aber sie versuchte weiterhin einen normalen Alltag aufrechtzuerhalten. Sie blieb dabei: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!"

Sie hatte schon versucht mich vergangenen Dienstag abends zu erreichen, aber gegen Mitternacht bekam ich Nachricht von Kaori: Meiner Holden gehe es seit einigen Tagen deutlich schlechter, sie sei gerade eben aufgrund Atemnot und sehr starker Schmerzen stationär aufgenommen worden. Dieses mal hielt ich keine echte Rücksprache mehr mit ihr selbst. Ich informierte sie "Ich komme JETZT", wogegen sie zwar protestierte, was mir aber weitgehend egal war. "Es wird schon alles gut! Mach dir keine Sorgen!" waren ihre Worte, aber sie wirkte im Nachhinein betrachtet merkwürdig glücklich. Ich klärte alles auf die Schnelle mit Kollegen/Chef, was Dank des Feiertages nicht wirklich einfach war, buchte Hals über Kopf zu einem Halsabschneiderpreis den nächsten irgendwie verfügbaren, realistischen Flug nach Tokyo und saß mittags bereits mit Minimalgepäck im Flieger.
Schwesterchen sammelte mich am Morgen darauf in Haneda ein - Der Weg ging direkt vom Fluhafen ins Klinikum, wo sie im Gegensatz zu den Voraufenthalten in einem Einzelzimmer einquartiert war. Ich war überglücklich sie persönlich wiederzusehen. Als ich ins Zimmer kam ging es ihr ganz ordentlich. Zwar bekam sie etwas Sauerstoff via Nasensonde und ein Perfusor (vermutlich mit Opiaten) lief, war aber ansonsten guter Dinge und war gerade dabei Klausuren zu korrigieren. Sie war deutlich stärker abgemagert als die Internet-Bildübertragung es suggeriert hatte und kam nur unter sehr großer Mühe und mit Hilfe aus dem Bett - Aber sie strahlte mich an. Suzu und Kaori stießen später zu uns und wir hatten eine tolle Zeit gemeinsam bis uns die Nachtschicht der Pflege freundlich aber bestimmt hinauskomplementierte. Da Schwesterchens Atelier relativ nah zur Klinik liegt übernachtete ich mit ihr gemeinsam dort um am nächsten Tag möglichst früh wieder in der Klinik zu sein - Den einen vollen Tag vor meinem Rückflug wollte ich nutzen. Als ich morgens zusammen mit Schwesterchen bei ihr eintraf ging es ihr relativ mäßig. Mehr Atemnot und mehr Schmerzen machten ihr Probleme. Sie wirkte deutlich angestrengter als am Vortag. Mit Ausnahme ihres geliebten Tees war das Frühstück unberührt. Dennoch: "Es wird alles gut! Mach dir keine Sorgen!" Wir haben den Tag über vergleichweise wenig geredet, die meiste Zeit saß ich einfach Hand in Hand bei ihr am Bett. Auch Schwesterchen war fast ununterbrochen da. Am frühen Nachmittag stießen für ein paar Stunden auch noch ihre Eltern zu uns. Mit Ende der Besuchszeit mußten wir uns wieder auf den Weg machen. "Gute Nacht meine Liebe - Ich schaue morgen vor meinem Abflug nochmal bei Dir vorbei" Sie antwortete mit einem Lächeln: "Es wird alles gut. Mach dir keine Sorgen. Sayonara mein Geliebter." - Ich Riesen-Riesen-Riesen-Rindvieh habe mal wieder überhaupt rein garnicht kapiert, was sie mir da gerade gesagt hatte! Da lernt man jahrelang Japanisch, meint die Sprache zu verstehen und bekommt nicht einmal die allersimpelsten, allereinfachsten Dinge mit! Dafür könnte ich mich immer noch selbst in den Hintern treten! Selbst ein Schüler nach der allerersten Japanischlektion kapiert so etwas sofort. Ich bin einfach viel zu blöde!
Wie dem auch sei: Zusammen mit Schwesterchen machte ich mich auf den Weg in ihr Atelier zum Übernachten - Vor dem Rückflug wollte ich in der Früh nochmals in die Klinik.

Ungefähr um 4:00 Uhr morgens wurden wir durch das Klingeln von Schwesterchens Handy geweckt. Schwesterchen nahm ab, lauschte kurz dem Anrufer (ich meine die Stimme ihrer Mutter erkannt zu haben) und legte nach einem leisen "wakatta" ("Ich habe verstanden") auf. Sie war leichenblaß und sah mich stumpf an, dann begann sie sich umzuziehen. Ich hatte verstanden was los war und folgte ihr zur Klinik. Nach einem Fußmarsch, der eine gefühlte Ewigkeit dauerte betraten wir das Zimmer. Es war dunkel - still - vollkommen still. Es war vorbei. Alles war vorbei.

Die folgenden Ereignisse waren wie in Trance. Auch jetzt fühlen sie sich noch vollkommen unwirklich an. Ich kann nicht genau sagen wie lange wir schweigend im Zimmer standen. Irgendwann waren plötzlich auch ihre Eltern und Kaori da. Schwesterchen hing schluchzend an meinem Arm, ansonsten standen wir nur gemeinsam da und schwiegen. Alles war friedlich.
Irgendwann zupfte Kaori mich am Ärmel: "Es ist Zeit". Schwesterchen stürmte weinend aus dem Zimmer. Ich wollte mich noch von den Eltern verabschieden, aber Mutter unterbrach mich noch bevor ich ein Wort sagen konnte: "Du brauchst nichts sagen. Wir wissen es schon. Vielen Dank daß Du gekommen bist." Ich nahm in aller Stille einen letzten Abschied von meiner Frau, verbeugte mich tief vor den Eltern und verlies das Zimmer.

Kaori lieferte mich in Haneda ab und begleitete mich bis knapp vor die Security - Ich fühlte mich derart neben der Spur, wahrscheinlich hätte ich mich ohne sie auf dem Weg zum Flughafen trotz bestens bekannter Strecke komplett verfranst. Den ganzen Weg schwiegen wir, erst zum Schluß ergriff sie das das Wort: "Ihr ging es die letzten Tage schon sehr schlecht. Sie hat wie immer versucht das uns allen gegenüber herunterzuspielen. Ich hatte befürchtet, daß es bereits viel früher zu Ende geht. Sie hat nur noch auf dich gewartet, dann hat sie losgelassen." Sie umarmte mich kurz. "Du weißt doch: Mach dir keine Sorgen! Alles wird gut!". Sie schluchzte kurz, drehte sie sich um und hastete schnell davon.

Obwohl ich die gesamte Rückreise über wach war erinnere ich mich kaum an Details. Alles um mich herum wirkte wie ein böser Traum. Die Stewardessen schienen aber um mich besorgt zu sein, anscheinend machte ich nicht wirklich einen guten Eindruck. Die Rückfahrt nach Hause agierte ich wie ferngesteuert, alles schien automatisch abzulaufen. Nun bin ich wieder hier und habe den Eindruck zum ersten Mal in den letzten Tagen wieder klar zu sehen. Meine Gefühle setzen mir gerade sehr zu. Der Schmerz dringt nun ungefiltert zu mir durch. Ich weiß nicht was ich machen soll um die Schmerzen und die Leere in mir zu bekämpfen, wie ich diesen Verlust bewältigen soll. Was wird die Zukunft nun bringen? Ich kann es mir im Augenblick nicht vorstellen. Kann irgendetwas dieses Loch wieder füllen? Aber vielleicht sollte ich mir wirklich keine Sorgen machen. Wie sagte die Person, deren Meinung ich immer extrem hoch geachtet habe und die eigentlich immer recht behalten hat: "Mach dir keine Sorgen! Alles wird gut!"

Sayonara, meine Geliebte!
von Alecto
29.10.2017 18:55
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Test - Test -Eins - Zwei - ..... DIE KREATUR lebt! Mein neuer Rechner ist zusammengeschraubt und Windoof installiert! Bsiher hat alles bestens funktioniert. Ich hoffe mal daß das so bleibt wenn ich mich jetzt an den Feinschliff mache.
Velym hat geschrieben:
29.10.2017 16:51
Meine Güte, es erstaunt mich immer wieder, wie billig es doch ist, sich hier in Japan zu betrinken. Nach weniger als 400 Yen bin ich schon ziemlich betrunken...
Es ist eben immer die Frage: Mit was? Sich dort mit Wein einn Rausch anzutrinken kann sehr teuer werden.

@topic: Nach einem reichlich besch...eidenen 26h-Dienst (Dank Zeitumstellung) bin ich wieder halbwegs wach und orientiert. Neben der Computerbastelei bin ich jetzt auch auf dem neuesten Stand. Ich weiß immer noch nicht wie sie es geschafft hat, aber Suzu hat Schwesterchen davon überzeugt zumindest ein paar Stunden eines Tanzkurses mitzumachen. Letztere wehrt sich aber vehement dagegen daß Fotos von ihr dabei gemacht werden.
von Alecto
27.10.2017 19:25
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Das ist doch ohnehin nur alles gestellt: Die Erde ist flach! Jeder rund um den Erdball weiß das!
von Alecto
27.10.2017 16:59
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Olvir Albruch hat geschrieben:
26.10.2017 21:50
Wenn ich diese Woche noch einmal "Methadon" höre, drehe ich durch!
Ah, die Freuden des Umganges mit Substitutionspatienten.
Aus meiner (z.T. leidvollen) Erfahrung: Rücke kein Polamidon heraus ohne daß Dir diese Patienten das letzte Rezept vorlegen - Und dann nur genau in dieser Dosierung. Mache tägliche Urinskontrollen um einen Beikonsum auszuschließen (und stelle von vorneherein klar daß sie bei Beikonsum aus dem Substituionsprogramm fliegen). Arbeite bei Unruhe erst einmal mit Haldol. Wird dieses abgelehnt und eine Erhöhung der Polamidondosis verlangt, dann braucht man die Polamidondosis in aller Regel nicht erhöhen. Ordne für Polamidon eine überwachte Einnahme durch die Pflege an (Manche horten, manche meinen sich das Zeug spritzen zu müssen,....) um böse Überraschungen zu vermeiden. Und vergiß nie: Das Zeug ist auch ein potentes Schmerzmittel und wirkt auch so wenn es zur Substitutionstherapie eingesetzt wird.

@Feuer! Vielen Dank!

@@Gorbalad Vielen Dank und viel Spaß in der Eifel!

@topic: Ein reichlich bescheidener Tag. Die meiste Zeit bin ich durch die Gegend gehüpft um Lücken in der Patientenversorgung zu schließen - Dadurch sind mir ein paar Eingriffe durch die Lappen gegengen die ich zum einen für meine Weiterbildung gebraucht hätte und für die ich eigentlich fest verplant war. Morgen habe ich dann Wochenend-Hausdienst (Yay - 26h Remmidemmi!). Das wird ein Riesenspaß.
von Alecto
26.10.2017 19:18
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Den ersten Hausdienst in meiner neuen Stelle habe ich heute überstanden, wobei ich ziemlich Glück hatte. Ich fürchte das wird sich am Wochenende noch rächen.
Heute habe ich zudem die Bestätigung bekommen daß mein neues, dieses mal das richtige, Mainboard versandt wurde. Vielleicht komme ich am Wochenende trotz des Dienstes doch noch zm Computerbasteln.
Frater Tiberius hat geschrieben:
24.10.2017 20:51
Weil das der Tag sein wird an dem Schwesterchen in den Knast geht? (Halb Scherz, halb ernsthafte Sorge)
Daß Schwesterchen auf die Idee kommt Teilen der lieben Verwandtschaft die Fresse polieren zu müssen, darüber mache ich mir momentan weniger Sorgen - Auch weil meine Holde es geschafft hat mit einigen eine Art Waffenstillstand auszuhandeln. Schwesterchen ist schon jetzt im Bezug auf die bevorstehenden Ereignisse nicht gerade als emotional stabil zu betrachen. Und ich fürchte die Folgen, wenn nicht noch irgendwie ein Wunder geschieht. Das ist auch der Grund warum sie von mir gerade fast ebenso viel Aufmerksamkeit bekommt wie meine Holde.
Mithrandir hat geschrieben:
26.10.2017 19:09
So...grade ne Kündigung mit verkürzter Frist formuliert (ist abgesprochen), weil ich morgen den Arbeitsvertrag zum 01.11. beim neuen Arbeitgeber unterschreibe.
Herzlichen Glückwunsch! Was für einen Job hast Du an Land gezogen?
von Alecto
24.10.2017 20:42
Forum: Smalltalk
Thema: Wie geht's Euch grad 2?
Antworten: 77111
Zugriffe: 2494545

Wie geht's Euch grad 2?

Talasha hat geschrieben:
24.10.2017 20:01
Was möchte sie denn beweisen, bzw. erforschen?
Sie möchte das Ausmaß an Restinstabilitäten nach vorderer Kreuzbandersatzplastik quantifizieren. IMHO ist die Methodik aber noch deutlich verbesserungsfähig.
Talasha hat geschrieben:
24.10.2017 20:01
Reißt nicht ab? Ich hoffe die Unglückssträhne reißt bald ab.
Um ehrlich zu sein: Ich habe gewaltig Angst vor dem Moment in dem die Serie abreißt.